SiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Montag, den 25. September Nummer 7< Her ijj Wu ■ lüiitt r Üijö »m Jahrgang l93y iotil fötal [W Eln heiterer Roman von Kurt Heynkcke Copyright by Deutsche VerlagS-Anstalt Stuttgart l*1' r I# tionl’ Hf Nil Ni atl i-ij Herz, wo liegst du im Quartier? 9. Fortsetzung. Jetzt bewegte den Hauptmann der Wunsch, das gange Haus kennen- zulernen. Er ging die Stiegen hinaus, Mademoiselle folgte ihm wie sein Schatten. Am besten gefiel Baernburg das Schlafzimmer des Maire. Es war >m Stil des ersten Kaiserreiches eingerichtet und Herrn Labatut offenbar »ererbt. Die Fenster sahen in den Garten, in ein Gewirr von Baum und Strauch, hinter dem schnurgerade mit glänzenden Muscheln eingefaßte Beete leuchteten. Astern und Georginen blitzten farbentoll. Es war rin schöner und ein friedsamer Blick, der die Seel« beruhigte, falls non solcher Ruhe bedurfte. Em freundlicher Raum und ein behagliches Quartier. Aber hier auf der Gartenseite lauerte die Idylle. Hier kehrte der Hauptmann der feindlichen Welt sozusagen den Rücken, ein Ortskommandant muh aber Tag und Nacht die Stadt vor Augen haben, und so uchte er nach einem Zimmel, dessen Fenster auf den Platz schauten, tatt auf Astern und Georginen. Ann Moreland hörte, daß Baernburg an ihrer Tür stand und die Mnke vergeblich niederzog. Da war ihr Herz voll Aergernis. Der Maire hatte ihr geraten, sich einzuschließen. Aber wenn jetzt ^i« Wände drückten und wenn ihr die Luft zum Atmen wie weggestohlen »erkam, war es ihre eigene Schuld. Ihr Stolz empörte sich gegen ihr eigenes Verhalten, und in keinem Augenblick ihrer seltsamen Reise war der Wunsch stärker, das Fortgehen in erzwingen, als jetzt. . Aber ach, eine verschlossene Tür ist ein schlechter Anwalt für eine zlllhende Bitte. Baernburg löste die Hand von der Klinke: „Wohnt hi«r die Dame?" Di« Wirtschafterin hatte wieder ein schlechtes Gehör. Baernburg wiederholte seine Frage nicht und ging stumm di« Treppe linab. Ann Moreland hörte es und war nicht glücklich. Der Quartiermacher Feldwebel Putlitz meldete unterdes dem Haupt- nann, daß nun alle Quartiere bereit stünden, in einigen Häusern sei 'acht geöffnet worden, aber man werde schon hineinkommen. „Und wo bleib« ich?" fragte Baernburg. Putlitz erschrak: „Aber Herr Hauptmann! Ich dachte, Herr Haupt- ■ •tonn wollten in der Mairie wohnen?" I ~ • ''«kam nun die Waage, deren Schalen Ja und Nein hießen, einen I 6 das Ja sank tief, und damit war die Frage zugunsten des Blickes ! id«rs der Krieg hatten manche bittere Cr= 11 brung gehäuft, und da zeigte es sich, daß die Verletzung übertriebenen [ ’Wtrauens gerade bei solchen einst vertrauensseligen Naturen eine j Stenge heraufbefchwörl, die leicht die Grenzen der Voreiligkeit uno ^Gerechtigkeit berührt , .Was ist schon eine verschlossen« Tür! Aenzstliche Weiber schließen Ich ein. L Aber gleichwohl saß der Gedanke an die Tur wie ein Widerhaken J feinem Gedächtnis und riß von Zeit zu Zeit. ,, < L Herrn Labatut hatte der Gang durch die Straßen wohlgetan das I "trauen der Bürger war Balsam für sein mitgenomenes Gemüt, |em ötijl.-,: n, ili | ill «s I iinrifi 11 fifn'l r jilt i eich11 piff« । I u ii i i M, m M i mft1 MihiÜ i BtoW: t M' nt k i| in ki । anbeu' I um#1 I in H i n »:■ £ I ii*r | Ml®3 I non >|| || II Amt war wie durch höheres Eingreifen bestätigt. Die Würde hing noch wie ein unsichtbarer Mantel um ihn, als er erhobenen Hauptes seinen Amtsraum betrat. „Ist die Dame, die sich einschließt, eine Verwandte von Ihnen?" fragt« Baernburg sogleich. Aus Nebelfernen fiel Labatut in die nüchterne Wirklichkeit zurück. „Eine junge Engländerin", erwiderte er. Dann erklärte er, wie Ann Moreland noch Merevill« gekommen war. Baernburg spürte, daß das Herz des Maire den kühlen Bericht wärmte. „Ich möchte die englische Lady einmal kennenlernen, Herr Maire", sagte Baernburg. Da erschrak Herr Labatut, denn er glaubte, den Ton des Mißtrauen» in der Stimme des Hauptmanns zu hören. Theophil Poiporence ergötzte sich am Kleiderschrank des Herrn Beauoisage. Welch reiche Garderobe, obwohl der Rentner di« besten Kleider mitgenommen hatte! Die Hosen, Jacken nnd Röcke zogen zwar Theophil an, aber er konnte sie nicht anziehen! Was nützte ihm die äußere Garderobe des Hausherrn? Nichts. Und darum neigte er sich zum unteren Teil des Schrankes, der von zwei Schubladen gebildet wurde. In fester Schichtung, sorgsam mit Bändern gebündelt, lagen Hemden und Unterzeug darin, so angriffsluftijf sauber, als spotteten sie über Theophils graues, schmutziges, verschwitztes Hemd. Theophil dacht« über seine Wäsche so schlecht, daß er sie mit einem der weißen Rentnerhemden und einer rosablütenfarbenen Unterhose vertauschte. Der Tausch belastete sein Gewissen nicht, denn es war eine Ehre für das Hemd, von einem wenn auch vereinsamten Krieger getragen zu werden, eine Ehre auch für Herrn Beauoisage. Theophil wusch sich mit der Seife des Rentners, rasierte sich mit dem Messer des Hausherrn, er zog mit Hilfe der Pomade des Herrn Beauoisage einen Scheitel schnurgerade wie eine Pappelallee. Plötzlich lief Bratengeruch über die Treppen des Hauses und kitzelte Theophils Nase. Poiporence schlenderte in die Küche, um sich Germaine zu zeigen und die Ursache des Dustes zu erforschen. Germaine lieble es nicht, daß jemand ihr Reich betrat. In der Küche war sie einsiedlerisch. Sie stieß ihn: „Sitz nicht hier herum!" Poiporence überhörte ihre schlechte Laune. Er blieb sitzen, reckte den Hals zum Herd und sog den Bratengeruch ein: „(Bans, schätze ichl" „Sie ist für dich gestorben", erwiderte Germain« und drehte den Vogel in der Pfanne auf die andere Seite. Poiporence nahm Germaine um die Hüsten und quietschte: „Das ist ein Leben! Ein Sebert ist das!" Sie dreht« den Kopf nach ihm und rieb ihn an seiner Schuller wie eine Katze, die auf Zärtlichkeiten aus ist. Plötzlich horchte sie auf. Es wurde heftig an die Haustür geklopft. Sie erschrak: „Wer kann das fein?" „Mach doch nicht auf", meinte Poiporence. „Ich sehe nach", beschloß Germaine, zog die Holzschuhe aus und eilt« bloßfllßig zu einem Fenster des ersten Stocks. Poiporence folgte ihr. Sie schauten vorsichtig hinaus. Dann zogen fie die Köpfe zurück. „Die Deutschen!" sagte Poiporence. Aber sogleich begann Theophil zu überlegen: „Da muß ich weg!" Auf die Sttah« konnte er nicht, über den Hof in die Nachbarhäuser ebensowenig, denn dort war natürlich auch Einquartierung. „Du mußt shechereinlassen und mich verbergen", sagte Theophil. (Btrmaine sah finster drein: „3th lasse sie nicht tn> tiausi" Die Kriselte haßte die Männer da unten, denn die klopfenden Fäusl« zerschlugen ihr Idyll, zertrümmerten ihr heimliches Glück, das mit Theophil in das Haus gezogen war. ,^ln den Keller will ich nicht, das ist zu muffig. Wie wäre es mit dem Boden?" Er drängte. . „Kontm", sagte sie. Sie hob einen Schlüssel vom Bund, dann stieg sie die Treppe hinauf. Eine niedrige Tür führte zu einem Verschlag, der von dem übrigen Bodenraum abgetrennt war. Von den Dachsparren hingen Zöpfe weißen Knoblauchs zwischen heftigen Speckseiten und dicken Würsten. Herr Beauoisage war ein vorsorglicher Hausvater. Theophil sah und roch also ein Paradies, er lag unter dem Dach und nahe dem Himmel, aber der Griff nach der Wurst war von zwiespältigen Empfindungen begleitet und kein reines Vergnügen: jeder Genuß bedarf der Ruhe, um voll ausgekostet zu werden. Erst das reine Gewissen ist die letzte Legitimation des Vergnügens. Germaine drückte Theophil den Schlüssel zum Verschlag in die Hand: „Komm, schließ dich ein!" Mittlerweile erschütterte das Klopfen, so schien es, sogar den baden und das Dach. Mit einem verzweifelten Blick aus Theophil trollte sich Germaine die Treppe hinab. . Poiporcnce schrie ihr nach: „Bring mir die Gans! Dann fielen ihm ein Strohsack, ein paar alte Gardinen und eine Decke in die Augen. Er zerrte die Sachen in feinen Verschlag und legte sich auf den Strohfack, nachdem er sich aus Lumpen und Gardinen ein Kopfkissen bereitet hatte. Er war aus alles gefaßt. Es ist nicht wahr, daß wohlbelhlbie Menschen immer phlegmatische Naturen sind. Germaine glich in dem Augenblick, als sie die Tür öffnete, einer fauchenden Tigerin. Es erhöhte ihre Wut, daß keiner der Soldaten ihren Zorn wahrzunehmen schien. Die Infanteristen sahen sich ruhig und gelassen um. „Ja, Leute", sagte Unterosfizier Weidlich, „hier ist für uns alle Platz, das sehe ich!" „ Der Füsilier Winter wedelte mit beiden Händen, als zöge er einen Geruch zu seiner Nase. „Herr Unterosfizier, ich rieche etwas!" Und alle rochen dasselbe und gingen dem Schwaden, der durch das Haus kroch, entgegen. So gelangten sie in die Küche. Man kann darüber streiten, ob eine gebratene Gans schön ist, für die Krieger war sie in diesem Augenblick der schönste Vogel der Welt. Welch ein Willkomm! Ein Gruß, den Glück und Zufall mit der Bratpfanne sandten. , „Wir bezahlen die Gans natürlich, be—zah—len!" sagte Weidlich, so gut es ihm gelang, in der Landessprache. Winter sammelte behend die Münzen und legte sie "der erstarrenden Germaine in die Hand. Ihr Schweigen wurde als Einverständnis genommen. Aber die Magd begriff das Ganze erst, als sich die Soldaten um den rohhölzernen Küchentisch setzten und Füsilier Kutschbach, Gastwirt seines Zeichens, kunstvoll die Gans zerlegte. Ja, die Gans, die sie dem Geliebten zugedacht hatte, wurde vor ihren Äugen vernichtet! Was sollte das Geld in ihrer Hand, Geld konnte Theophil nicht essen! Sie vergaß, daß der Brave in seiner Dachkammer das Haupt aus Speckseiten legen konnte und daß er kaum Hungers sterben würde. Winter hatte einen knusperigen Schenkel ergriffen und entblößte ihn mit kräftigen Zähnen bis auf die Knochen. Unteroffizier Weidlich nagte an der Gänsebrust, das Fett perlte in seinen Bart. Germaine hörte, wie die Haut der Gans zwischen den Zähnen Kutschbachs knatternd brach. Kurz: es war eine Orgie zwischen der toten Gans und den Männern, ein Fest des Gaumens und des Magens. Germains Gesicht blühte wie eine Rose. Es war aber die Wut, die ihre vollen Wangen rötete. Das Gewitter des Zorns durchschossen die Blitze der Erkenntnis, daß ihr Idyll dahin war. Sicher würden die Deutschen Theophil finden. Und dann? Weiter konnte sie nicht denken, die Galle stach ins Blut. Ihr war, als müßte sie an ihrer Wut ersticken. Aber dann löste sich ihre Zunge, ihr Atem wurde frei, ihre Wortslut überschwemmte wie ein Wolkenbruch die erstaunten Soldaten. Keiner verstand die Griselle. „Unser Appetit bereitet ihr vielleicht Schmerz", bemerkte Weidlich und suchte genießerisch nach einem letzten Stück des knusverigen Vogels. „Dabei sieht sie nicht aus, als ob sie Hunger litte", ergänzte Kutfchbach mit einem sanften Blick aus die prallen Linien der Magd. Plötzlich fuhr Germaine aus die Gans los, riß sie vom Tisch, raste wie eine Befenhexe hinaus in den Hof und lieh das schäbige Gerippe des einst geschwätzigen Vogels in einer Abfalltonne verschwinden. Es waren kärgliche Reste, und sie entzog eigentlich den Soldaten nur den letzten Bissen. Dieser Wurf in die Mülltonne war eine trächtige Gebärde des Zornes. Aber sie verletzte die Männer. Nicht, daß ihnen einige Bissen vom Munde weggenommen wurden, empörte sie, sondern daß eine Gottesgabe in den Dreck geworfen wurde. Die Soldaten schalten aus wahrhaftem Zorn, aber die Griselle zeterte und kreischte böse Antwort. Es war ein Glück, daß die Parteien einander nicht verstanden. Die Griselle, sonst so pfiffig, verlor jedweden Sinn für die kühle Wirklichkeit. Die symbolische Geste kehrte wieder in merkwürdiger Steigerung. Germaine ergriff die Tornister, die einstweilen im Flur gereiht waren, und wars sie auf die Straße. Aber nicht genug: weit riß sie das Tor aus und schrillte: „Hinaus, Ihr! Hinaus!" Bisher war der Streit von halbem Gelächter erschüttert gewesen, die Soldatew nahmen die scheltende Wirtschafterin als einen Spaß. Aber jetzt lachten die Soldaten nicht mehr. Sogleich flogen die Tornister ins Haus zurück. Und dann fühlte sich die Griselle plötzlich gepackt und hochgehoben. Sie schwebte. Sie schrie auf und bewegte die Arme wie Mühlenflügel. Aber ihr Widerstand war wie ein SGlag in die Luft. Vier Mann trugen Germaine Griselle durch die Straßen von Mere- ville. Dann fühlte die Magd, daß man sie auf eine Bank setzte. Sie sah sich um. Sie befand sich im Flur der Mairie. Unteroffizier Weidlich machte Meldung. Aber der Hauptmann hieß ihn warten Denn in diesem Augenblick verhörte Hauptmann Baern- burg Ann Moreland. „Sie brauchen sich nicht einzuschließen, Miß Moreland", eröffnet Baernburg die Unterhaltung. „Ich kleidete mich an, Herr Hauptmann", bemerkt Ann zurückhaltend. Es ist nicht die Wahrheit, aber sie möchte sich entschuldigen. Baernburg lacht: „Als ich Sie vom Platz aus am Fenster sah, hatten Sie dasselbe Kleid an wie jetzt." Aber dann bricht das Lachen jäh ab, der Hauptmann bietet Miß Moreland einen Stuhl an: „Nehmen Sie Platz, ich bitte jedenfalls um die Ehre, Sie kennenlernen zu dürfen." Es ist keine Wärme in den Augen des Offiziers, aber auch keine Feindschaft. Irgendwie sind seine Worte kleine Pfeile, die verfchofsen werden. di< ffl & Witin land reifen." Sie stockt. Billett nach Calais! Ich war dabei!" Es ist eine schüchterne Bemerk« Ue Hob (, Hut in * :>1} Ih» finr Allein? i liebt spätei k lat AH r 1914 stecken! _ v , Baernburg befiehlt der Ordonnanz, das Gepäck der Dame in Amtsstube zu bringen. Der Maire sucht Anns Blick. „Keine Angst!: sagen seine Augen. .kz & „Ja, und ..." „Wenn ich mit ihm in England eingetroffen wäre, hätte ich heiraten müssen", fährt sie fort. Dem Hauptmann geht, wie man sagt, ein Licht auf. ,Mh, Sie ihm ausgeriffen?" „Ja", nickt sie befreit. „Eine richtige Liebesgeschichte?" „Von ihm, nicht von mir aus!" erklärt Ann. Baernburgs Gedanken gehen zwischen Zweifel.und lachender teilnahme hin und her. Er will gern die Harmlosigkeit des Falles sehen, aber die Erfahrung wiegt den Kopf und mahnt zur Vorsicht. „9a ..." sagt der Hauptmann gedehnt. ob Sie durchkamen?" Ann verliert alle Farbe aus dem Gesicht. Jetzt hat sie Angst. wehrt sich aber: „Stehe ich unter einem Verdacht, Herr Hauptmann „Sie müssen doch zugeben, daß die Unschuld, die Sie und der Ttai" beteuern, nicht in vollem Glanze strahlt. Hier ist ein Brief in ,3« Tafche", sagt Baernburg, „gerichtet an den Weinhändler Fournier i” Calais!" .j* ©ie hat aus einmal das Gefühl, daß dieser Bries ihr Schicksal w>n? Cs ist der Bries, den ihr die Unbekannte vor Abfahrt des Zuges t" Paris gegeben hat. , , „Der Brief ist eine Gefälligkeit. Ich sollte ihn für eine Unbetanrn mit nach Calais nehmen." _j,. „Ich bin Zeuge", wirst ßabatut ungefragt ein, „ich habe gesehen, wider Brief gebracht wurde." „Sie kennen den Empfänger?" Ann verneint. „Den Absender?" „Ich habe die Frau früher nie gesehen!" (Fortsetzung folgt.) Dn-n fpflrl: zwischen ihr «n8 dem JJaUptmänn Tiegen Abgründe: Mißtrauen, Vorsicht, Verdacht. Die Reise ist jetzt kein Spiel mehr aus Trotz und Eigensinn. Ann ist auf einmal eingeworfen in das große Geschehen, ein Korn in der Müble, die Räder drehen sich, die Mahlsteine donnern. Der Schreiber Adamaux treibt die Feder eilig über das Papier, seine Sinne find verschlossen, er gehört der Arbeit. ßabatut aber, der Liebende, sorgt sich um Ann. Die Liebe macht ihn empfindsam, er spürt Baernburgs Vorbehalte. Der Verstand lacht darüber, aber das Herz sorgt sich dennoch. (Ach wenn es nicht liebte, sorgte es sich nicht.) „Wie kamen Sie nach Mereville?" fragt Baernburg. Sie sei auf dem Wege nach Calais gewesen. Dem Herrn Hauptmann sei sicher nicht entgangen, daß man die Strecke zerstört habe. „ „Das waren nicht wir, sondern Ihre Freunde, die Franzosen , mein! der Hauptmann trocken. , „ , ,, . ... . , Er sagt das „Ihre Freunde, die Franzosen so absonderlich, daß Ann aufbegehrt und betont: „Ich bin eine neutrale Ausländerin!" „Gewiß, Miß Moreland. Ich sehe darin auch die Derpflichiung, Ihnen behilflich zu sein", erwidert Baernburg höflich. Ann blickt überrascht auf. „Geben Sie uns Ihren Paß, wir machen eine Eintragung, die Ihnen ein bestimmtes Reiseziel verbürgt!" t -Da ist sie, die gefürchtete Frage. Er streckt den Arm aus, um den Paß entgegenzunehmen. „Ich habe keinen Paß bet mir!" erwiderte Ann. „Verzeihen Sie! Natürlich! Oben in Ihrem Gepäck! „Nein", will sie sagen, aber das kleine Wort bleibt ihr in der Kehl« “ liier '»ta ßabatuts. ,.... । „Ich habe Sie nicht gefragt, Herr Maire", sagt Baernburg freunW *. Der Maire reckt sich: „Aber die Unschuld braucht einen Anwalt, Herr Hauptmann!" . *t, Oh Baernburg wird störrisch, ßabatut hat Ann einen Bärendienst 8«' |u leistet. * „Unschuld! Lächerliche Pathetik!" wettert der Hauptmann. „Ich ha«' noch niemanden angeklagt. Aber man gestatte mir, Mißtrauen M haben! Kaum Gepäck, keinen Paß, und man reist noch dazu allein! Ur» die Dame kehrt nicht zurück nach Paris, sondern anstatt das AufmarM gebiet zu meiden, sucht sie es auf? Das Verhalten verwirrt nw Mutzten Sie zu uns fliehen — vor Ihrem Liebesfüchtigen? Wanm nicht nach Südfrankreich? Es war doch gewitz schon in Paris unsicher ! *iiri 'los, . |uyi Wl j^uuf/uiiuiui yvvupu. , w ’ifhfi Ich weiß: die Dame kam ganz plötzlich in den Zug und lüfte ei» »ta Anns Gepäck wird gebracht. „Bitte, öffnen Sie!" sagt Baernburg. „Es gehört alles mir", starrt sie. Ann weiß, irgendwo lauert des Unheil wie ein böses Tier, das zum Sprunge ansetzt. Baernburg sagt entschuldigend, aber seine Stimme liegt aus Eis: „Miß Moreland, wir führen Krieg. Wir sind im Feindesland und dürfen U „ niemandem trauen, keinem Stein und keiner toten Katze!" L q«, ßabatut reißt sich von feinem Platz hoch. Er fühlt den Ernst der V $ Worte mehr als die Engländerin. Ann öffnet die Tasche. 1.,- „Das ist Ihr ganzes Gepäck?" staunt der Hauptmann , Er sieht über die zarten Kleidungsstücke, die sich ohne Gewicht u, in der Tasche bauschen, hinweg. Als die Ordonnanz grinst, pfeift er sie an. Zu Ann sagt er: „Warum . haben Sie Paris mit so geringem Gepäck verlassen? Warum Hals ubn $ . Kops ohne Paß, ohne Papiere?" » IL.' „Mein Jugendfreund, Gilbert Jllingtvn, wollte mit mir nach Griff Aus „Lützows wilder Iagd^. Von Theodor Körner. Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein? Hör's näher und näher brausen. Es zieht sich herunter in düsteren Rechn, Und gellende Körner schallen darein Und erfüllen die Seele mit Grausen. Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd. Wo die Reben dort glühen, dort braust der Rhein, Der Wütrich geborgen sich meinte; Da naht es schnell mit Gewitterschein Und wirft fich mit rüstigen Armen darein Und springt ans Ufer der Feinde. Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd. Was braust dort im Tale die laute Schlacht, Was schlagen die Schwerter zusammen? Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht, Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht Und lodert in blutigen Flammen. Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd. Die wilde Jagd, und die deutsche Jagd Auf Henkersblut und Tyrannen! Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt; Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt, Wenn roir’s auch nur sterbend gewannen! Und von Enkeln zu Enkeln sei's gesagt: Das war Lützows wilde verwegene Jagd. „Blitz." Von Alexander Keller. Wir standen auf der Terrasse der Lunders-Farm und sahen zu, wie ige Leute junge Pferde zuritten. Ein knochiger Gaul fiel mir aus. Als der Reiter in den Sattel schwang, stand er ganz still. Eine Minute ter warf er sich mit allen Vieren in die Höhe, kam mit den Vorder- nen auf den Boden und feuerte aus. Gleich darauf kollerte der Reiter den Sand und Lunders lachte. . . Der kleine Heydebrandt, der neben uns stand, meinte verdrießlich, ■ dem Gaul würde niemals ein anständiges Reittier werden — aber rders schüttelte den Kopf. Sie urteilen voreilig, Heydebrandt", sagte er tadelnd. „Daß sich dieses heitsliebende Tier gegen den Reiter wehrt, ist ganz natürlich. Kem ir liebt es, unterjocht zu werden." Später, als wir beisammen sahen und auf die fernen Riesenberge len, kam Lunders nochmals auf den störrischen Gaul zu sprechen. „Ich hatte auch einmal ein solches Tier", sagte er nachdenklich. „Das r 1914." Er wandte sich an den anwesenden Doktor Saas. „Sie enn= m sich doch, Doktor, an den guten .Blitz'?" „Ich erinnere mich", entgegnete der Doktor. „Ich marschierte damals ii einer Kompanie Schwarzer nach Tanga und Sie hielten die Kolonne ne halbe Stunde auf..." , „Richtig." Der alte Lunders lachte. „Ich hatte den Gaul eine Woche eher gekauft und wollte ihn zureiten — aber er war em Satan. Em ’ibammter Satan... Wäre der Krieg nicht gekommen, hatte ich ihn chrfcheinlich weggegeben — so aber lieh ich ihn auf meiner fjarm unb '-goß ihn... Ich hatte damals anderes zu denken. Er hob fein Glas *■ in der untergehenden Sonne schimmerte der Wein blutrot. „Wir Deren eine kleine Armee und marschierten schnell und der gute alte fetoro schonte uns nicht. Recht hatte er. Er war em verdammt feiner ierl, der „Große, weihe Mann". Und dann wollte er m den Kongo hm- Ü)ir, aber da rissen die Nachrichten plötzlich ab. Und eines Tages ließ «ich der „Große weiße Mann" rufen. Er saß am Straßenrand und hielt iregsrat. „Lunders" sagte er, als ich mich bei ihm meldete, ,,tdj mu& »üsen, was da oben beim Kilimandscharo vorgeht. Die Engländer haben >°b Indien und ganz Afrika gegen uns aufgeboten und -W. müssen hältst) adjtgeben... Reiten Sie mal hinauf und sehen^Sie sich die . fhtnbers lachte. „Das war so die Art vom alten Lettow, So nahm •i) mir vier Mann und die besten Pferde, tue mir bekommen konnten und litt los. Aber der Weg war weit. Zu weit, und als nur endlich zu Den kigländern kamen, lahmten unsere Pferde. Eine Weile überlegte ch, »ib zu tun wäre — dann fiel mir ein, daß ich ja auf meiner alten km noch einige Pferde haben mußte und . «"dte zehn Schwarze lirauf. Tags darauf tarnen sie zurück und brachten richtig vier frisch Me - unter diesen auch meinen lieben .Blitz- „Den Sie natürlich Plart zurücksandten", sagte Heydebrandt, aber Lunders schüttelte den xipf. s „Es war Krieg, Heydebrandt", sagte er, „und "n Mann un feb..." Ich behielt den .Blitz' und ritt ihn selbst, ^nn emen andere »liter hätte er ja nicht geduldet und er ging ganz gut. Manchmal bekam lr Io seine Anfälle, aber ich beachtete es weiter nicht... .. . » . Dann sahen wir alles, was wir sehen foUten unb ritten 3 • "tobe und abgehetzt, denn das ,Land war von , Engländer f • > »men so müde, daß wir uns kaum in den Satteln halten tonnt . .oan schliefen wir einmal zu lange. Als mir aufwachten s $ Scherung. Ganz links von uns ging eine Reiterbrigade vor -. - ch y Regiment Afrikaner und vor uns standen gegen v 3 9 , ftn)ie »«ter und berieten gerade, ob sie uns abschießen, abfangen pnid)ten sollten. „Kinder", sagte ich zu meinen Leuten, „das Ist eine böse Sage und Ich fürchte, wir haben ausgespielt. Da ist aber noch der .Große weihe Mannt und da ist die kleine und siegreiche Armee, die auf unsere Nachrichten wartet..." Ich sah mir die Pferde meiner Leute an. Sie konnten kaum mehr stehen. Mit diesen Pferden war nichts mehr zu machen. Ein einziges Tier war noch frisch — der .Blitz'. So berieten wir eine Weile und endlich entschlossen wir uns, zu handeln. Ich sollte versuchen, durchzubrechen... Gelang es mir, sollten die andern die weihe Fahne hissen — denn es hatte keinen Zweck, gegen eine Armee zu kämpfen. Gelang es mir nicht, sollte es der nächste versuchen ... Ich sah dann ab und zog die Gurten fester — dann nahm ich den Kopf des Blitz an meine Brust und begann .mit dem Tier zu reden. „Blitz", sagte ich leise, „wir haben uns vertragen und wieder nicht vertragen, aber jetzt ist keine Zeit, alte Sachen aufzuwärmen ... Da drüben stehen die Engländer und da stehen wir und ich mutz durch ... .Blitz' —> ich muß ..." Dann saß ich auf, winkte den Kameraden noch einmal zu und — ritt an. Es gab nur einen Weg — und auf dem Weg standen die vierzig englischen Reiter. Der gute „Blitz" ging im Trab an — gleicht daraus fiel er in Galopp und dann nahm er die Trense zwischen die Zähne und begann zu rennen... Zwei Minuten später war ich an den Engländern. Sie wollte die Pistole ziehen, aber sie hatten keine Zeit. Den ersten englischen Gaul nahm „Blitz" an und rannte ihn um ... den zweiten' stieß er so unsanft beiseite, daß der Reiter in den Sand kollerte und dann war ich mitten unter den Reitern. Und „Blitz" biß und schlug um sich wie ein Verrückter... Wie er durchbrach — weiß ich nicht. Aber er brach durch. Zum Schluß stellte sich noch ein baumlanger Engländer in unseren Weg und „Blitz" nahm ihn an ... er biß ihn in den Schenkel, daß der andere aufheulte und dann — lag die Ebene vor mir. Und „Blitz" rannte ... Er rannte wie eine Gazelle... Und in dem Augenblick wußte ich, daß ich das Pferd hatte ... den besten Kameraden, den man sich in einer solchen Lage wünschen konnte. Denn sehen Sie, die Engländer waren nicht müßig. Sie schwärmten aus — und jagten mich, aber den „Blitz" konnten sie nicht einholen... Zwei Stunden raste er in atemraubendem Tempo dahin — dann war der Engländer verschwunden und ich versuchte, den Gaul in eine vernünftige Gangart zu bringen — aber er schüttelte ärgerlich den Kopf. Und als ich energisch werden wollte, faßte er die Trense und riß mir die Zügel fast aus der Hand... . Damals ärgerte ich mich darüber — aber später sah ich ein, daß er recht hatte. Er roch die Engländer, die ich nicht sehen konnte und wollte ihnen entgehen. Lachen Sie nicht, Heydebrandt — er wußte, um was es ging — er wußte, was mir drohte und er wollte mich retten. Und Stunde um Stunde rannte er in irrsinnigem Tempo weiter. Ich konnte mich kaum noch im Sattel halten — aber „Blitz" schien keine Müdigkeit zu spüren. Wie lange das so weiter ging; weiß ich nicht. Plötzlich rief mich jemand an und ich sah einen Mann in unserer Uniform ... es war Abend und etliche Wachfeuer brannten und „Blitz" rannte geradewegs auf eines der Feuer zu... Und dann stand er still. -Todmüde glitt ich aus dem Sattel und wollte feinen Kopf nehmen und streicheln, da kracht der Gaul nieder. Gerade zu meinen Füßen... Aufgeregt schrie ich nach Wasser und Kognak — nach einem Doktor .. aber es war alles vergebens. Noch einmal hob der brave „Blitz" den Kopf und sah mich an — dann durchlief ein Zucken seinen Körper und er fiel zurück. Lunders stand auf und trat an den Rand der Terrasse. „Das ist die Geschichte des störrischen Pferdes .Blitz'", sagte er und ein eigenartiger Unterton schwang in seiner Stimme. „Des Pferdes, das feine Schuldigkeit getan im Augenblick, in dem es galt alles herzugeben." Die Nacht war hereingebrochen. Lunders hatte laut gesprochen und feine Worte hallten durch die Nacht. Von drüben kam leises Wiehern der Pferde — sie waren unruhig geworden. Vielleicht hatten sie verstanden, was Lunders über das treueste Pferd Afrikas erzählt hatte Mariechen. Eine Geschichte aus dem Weltkrieg. Bon Erich Körding. Durch verschlammte Gräben, unter deren Holzraster das trübe Lehm- maffer steht, ist die Ablösung nach vorn gestolpert, durch graue Dunkelheit, die feucht und kühl über der schwarzen, müden Erde liegt. Nur die vorn ruhelos emporsteigenden Leuchtkugeln werfen ihren krankhaft blaffen Lichtschein über das zerklüftete, verwüstete Gelände, durch das die Gräben ihre Schlangenlinien ziehen. UeberaU glitzert Wasser, glänzt und schimmert es feucht. . So nun ist man vorn. Flüsternd verteilt der Zugführer die einzelnen Gruppen auf die niedrigen Unterstände. Unterdrücktes Husten und Sprechen erklingt, Metall klirrt, Füße scharren und schlürfen. Hin und wieder erglimmt schwochrötlicher Lichtschein, wenn die kleinen Türen zu den Unterständen geöffnet werden, oder jemand tief in eine Ecke geduckt, fich Pfeife oder Zigarette anzündet. Die Gruppe Sonntorf begibt sich in den ihr schon bekannten und sozusagen zustehenden Unterstand Nummer 7, gleich neben dem großen Betonbunker C, der wuchtig und vertrauenerweckend daliegt. Noch während der Uebernohme des Unterstandes und feines Inventars, drängt sich ein Mann nach vorn, unterdrückt fragenb: „Js Mariechen noch da? Js fe jefund, nifcht postiert?" Es ist Bußmann, der Berliner, von dem sie sagen, er hatte eine Schnauze wie ein Schellfisch, und ein Herz wie ein Backfisch. Beides ist wohl ein wenig übertrieben, stimmt aber doch ziemlich. Mensch, Bußmann, können Sie damit nicht noch einen Augenblick warten?" verweist ihn der Gruppenführer, Unteroffizier Sonntorf, seine Voreiligkeit. Ein« gedämpfte Stimme aus dem Unterstand aber gibt schon die Antwort: il) bllll |d)üHeln. Wiib '|li[lolen- Marie- V' e i o n t tu o r 111 di Di (\i w r»,, n g ni urf uiid ti0ring Pri> h11ch, U n I v e r [ 11 ö t»b r u rf e r e I, N. Lang«, ti)iebe» Imitie rolv rönnen ,e nod) reparieren Wir jlnö |rab babel, bet Wen V* djlenen.“ Sonntor( bürft sich über die breiten Rücken brr beiden um» lebt nun Mariechen. Winter hält sie ,e|i. Um bno Schnwnsiinnnneldi«^ bitten sie ihr einen kleinen Verband nenmdjt. Nun wirb da» linke ftintcc bein grub mit \mei nutilgen Hölzchen geschient. Sonntorf iiichelt, al» 1,1 bebt, wie die beiden sich bemühen, mit Ihren groben, barten Hinget!» diese Beinarbeit zu leisten tiber eo gebt So - nun sind sie ferliil 'Miuieiben sisit hostig ntmenb und scheinbar etwa» i»»i schüchtert aus k,( Kiste. Hann nimmt 'Buhmann sie und setzt sie behutsam In ihre rteir« Wonbbhnung. „So, Mariechen", flüftert er zärtlich, „so, nu wirb all"' mieber int, wat? Del Bern machst mirber an und ber oteert. na ntirb bod> oodj ohne |ebn. Schias man scheen. MarleiM-n " tll« am nächsten Margen der Zugführer sich mich Mariechen erki»- Ngt kann Putzmann ihm jtrableich melben: „Mariechen leftern noch »'" ’ les rohen War elnjeklemnit linke« Veen sebtochen halber Schwan! nl"" quet|d)t. Vlbei bet Veen ist richtig selchient. und ohne Sdiii'ani |ebjJ noch. Se bat oorditi sdmn mieber Mitch letrunfen und Surfer |e|rel|en! ..So-, loch, ber Meutnant. „im. bann Mini Ich ja beruhigt sein. melW’i t>ie mir ab unb zu, wie e» ber kleinen Harne gebt!* — Vlber 'Buhmann schüttelt den Kops. „Ree, da io wat loo mit Mine Wen, bei |ittjl Irfl Se mär sonst schon langst (etommen!" Vorsichtig langt er mit einer »and suchend hinter die Planke, ruft dann wieder MW unb besorgt „Mariechen, nu komm bad) — Mariechen, wat mit dir?" Vebul|mn streichelt Putzmann mH seinem dicken Zeigefinger da« amte 'Jlerrffen. „Ra, Mariechen, haste dich erschrocken, weil hie Assen ivleber mit Ihren Minen schiessen? »ass man, kennst den Dreck so schon." em unterhält sich Putzmann mit der Belbmuii» MnriiMen. Diese kleine nelbimiii« gebärt schon längere Zeit zum setzen Iiwentor do» Unler- (iaiibe« *.>li / Sie wird oon bei jeweiligen Belegtzchast Immer brav unb orbnung»gemiih übernommen oerpstegt unb gewartet, unb dann der lolgenben ’lhlolung ioletk'1 übergeben Die hier llegeiiben 11 uppenteile buhen beu Giabenabjchnitt bereit» seit vielen Momiten besetzt liegen vmn I<>11 Immer mieber In den gleichen Unterstanden Daher kannte dl« slleuiidsch ist zu Marl<«hen lobbe Bonnen uniiebmen. 'hie »lebe zwischen Blarlechen und Putzmann allerdings ist ein Au» mibmefall über den sogar die ältesten Leute die f" lenb er noch siebt unb sich mit Mariechen unterhält, peitscht ein 's schuss betäub end durch beu engen Raum Wie ein Schotten Ist cheu hinter dem Holz verschwunden „Alle» In Ordnung mit Mariechen — sie wird Immer dicker!" Putzmann seuszl erleldjterl aus. „Na, beim I» jut, ick bad' Immer Angst, Ihr kann doch mal wat passieren. Inzwischen ist hie HrbernaHme ersosgt, die Wadjen sind ab geteilt, hie Leute betreten den kleinen, matt erleuchteten llnleijlunb unb legen Ihre iSad)on ab; sie richten std), wie man da» so nennt, l)äu»lkh ein. „Putziminn!" Der ülruppenlübrer ru|t e» ungeduldig. „Zum Donner» melier, bellen 01« hier erst mal mil unb flimmern Sie sich nachher um Mariechen! Die kann and) nach etwa» warten!" „Jawoll!" rii,l Putzmann, brummt jedoch vorwurfsvoll hinterher! „Wal hetzt denn, kann märten, Son kl eene» Ieschäjis. widerwillig foinml ei ‘Halb ist die nölige Arbeit getan und jeder kann sich nun die Zeit vertreiben, wie er will üiiilge kriechen gleich hinein In die Rajen, andere wieder lesen irgendeinen sdnnöfer, oder sitzen unb rauchen, packen und ordnen. Putzmann legt etwa» Lotz aus den winzigen Ra- iwneiwsen »Du ne Mau»!" o» ist der Neue, Beckmann, eben erst au« irgendeinem lllefrutenbepol ungetonimeii. „Beinah Ijäli' ich sie gehabt!" Wie bei Plitz iährl Busjinaiin hemm, springt ans den Nus er zu und re Itzt Ibn mm bei rohverschiilten Wand zurück Dort ist eine Dehnung lin Lolzwerk, ein kleine» Zach, i»le ein offene» Vüiinbsd)i änkihen. »Du blöder Ansänger heil I» doch Mariechen! Mach se blotz nid) hange, Männeken, |on t I" Drohend blitzt er den Ne km len an, der |ld) er|launl unb beleidigt zmilckziehi Putzmann aber siebt nun an der viereckigen, dunklen Wiuibössnung und ru|i mit leiser Stimme: Mm leihen Mai lechen! — Ramm man her Wollt bei dir mal tun? Na, komm Ick bin et ja ber Putzmann! Nu, slahsid da bl,le |a.w Seine grub« Stimme Ist ganz zart geworden und lackend, fast wie die eine. Mutier, ble mit ihrem Rind spricht „Na, kieene» Mariechen, wie seht» beim? Immer gesund unb munter? Alle» wieder |ut überstanden? Hierwat Scheene» hm, bet schmeckt?" »•o steht bei g rotze breit,dniltrlge Putzmann dort unb ,pricht mH bei kleinen iVelbniuu» ’Dlmledien Putzinunn, ber Mann mil her grotzen e-chnauze, ber lebe Patrouille mllmadwii mutz, der Immer habet ist, wenn irgendeine mulmige txidje unternommen wird, Der gute Rmnerab unb jähzornige Nausbold bei Mann, bei iwrn Im (Waben grotzarttg III, Im IHubequarller aber eine Dummheit und) ber anderen ausheckt oln lie|äl)i'lld)er Rämpser, der beu Belud sucht unb ,ludet — und ber nun nut leiler zärilldzer Stimme sich mit Mariechen unterhält, her Belb- tmuie. dir nur Ihm in ber kleinen, dunklen Dr,|iumg jitzt, sich hin unb wli-bei ro|d) hu» spitze e.chuüuzchen putzt, mit lebhasten, glänzenden Achataugen bin- unb heräugt, unb std) nicht im geringsten vor dem mächtigen Schnmizhurt 'Hutzmunn zu filrdjen scheint Dumps Hingt non branslen eine Detonation Herein, ein leise» Zit- lern durchtäust ble Hoizwänbe de« Unter,iniibe», Sund rieselt durch ^-pulten unb Nttzen. Gleich bnraiks folgt ein zweiter, schwerer Oinschlog Da» Licht In ber Lumpe stuckert, Mn riechen hat sieh erichrncken ziisanimeugeduckt, ble kleinen runden Ohren liegen stoch aus bem seidig glänzenden, grauen Bell. 'Betrübt ausseuszend wartet er. „Da stimmt wat nid), ble hat nut abjekriegti" Or legt da» Ohr an ble Hoizwand, lauscht, rutscht lang,« weiter, angestrengt horchend Plätzlld; stutzt er. „Hier — ick hör sei" ür tippt sacht mit einem Binger an do» Holz. „Mariechen, wo bl[W 'Jlllt ungehaltenem Atem lauscht er. „Jo, ick hör se piepen, hier hlinin I» sei" rult er mit empörter Stimme. „Do i» wat passiert, se kann nlJ) weiter!" Nun kommen auch andere, lauschen, rufen. Hub müssen dann it ,tätigen, dutz Putzmann redjt haben dürfte. Hier, hinter den PlaM irgendwo sitzt Mariechen, piept leise, sein und kläglich, kann offenbar meber vor- noch rückwärts. Wa» tun? Helsen mutz man Ihr bod), ®er weih, wo» ihr sehlt. Aber wae kann man jetzt tun? Putzmann will Die Halzwanb hier sofort, unter Anwendung äußerster Vorsicht, ausbrerlM Während sie nod) hin unb her überlegen, wirb ble Dir geöffnet: „Aili Ttamu rauetreten zum Schanzen! Nebenan, bei Bunker C! NachM kommen ble Pioniere zur Adiöjung!" 1'11,111101111 schimpft wie ein Nohrtz>atz. „Iemeinheit! Del fehl tat »ich! Del arme Mariechen sitzen lassen! Wer weitz, mal ihr passiert 1», «! mach bet nldj mH!" Uber da Hilst alle» nicht». Befehl ist Befehl. Alle müssen hinan» mil schanzen Helsen Wüst genug sieht'» ja au». Weitz der leufel, ma» W< sich brühen gebucht hoben, beu Bunker C so zu überfüllen. Der tul allerdings gehalten; nur ber Graden unb die Wehren sind zlemlll befdiäblgl. uo», ran «in die Arbeit, ble Pioniere werben halb foinnien Aber Putzmann» Herz blutet. Or sieht und überlegt unb tritt tu .in Plötzlich an ben die Aussicht filbrenben Zugstil» er heran. Hastig stüfioil er Ihm irgendetwas zu Der ticutnmit |ebod) schüttelt erst kurz ahlebun» beu Raps Dann überlegt er, zaudert, nickt schlietzlich Mit einer freuH straninien Rehrmenbung baut Putzmann ab. „Winter, hallo, komm kE, mit, NMi leihen amubiibneln!" ,,'BeihompHe Rnasierei!' schimpft» 'Buhmann ärgerlich „Wieher Natten? „Natuilich. wo» beim sonst? kommt e» böse hinten au» ber achten Koje lüleiit) tun aus knallt e» Wiebe I aus „Ihr verdummten Weiter!" Allmähuch wiib» bann still in dem Unterstand Draußen stehen ble 'posten an den Löchern oder . .harten starren in die Dunkelheit bm- etn unb «Metzen hin und wieder Ihre sahten Leuchtkugeln über da» Zwisdrenland Nuhig i|l e», selten peitscht ein Gewehrsihntz durch bae *d)ti>clnciL ühi iiHihci x)hui)tmlnb ftirrt hu uinvorrvntn ah( bei IpnniHbcii 'Kellei uui bfii Ühd(»eit Piötzllü) subit Butzmnnn huch. Wo» war da»? Aiuh dte und«-een Hub erwacht, bl» aus Winter, bei Hamburger, ber weilertzhuarcht, ber bekonntiiiii huid> ni.ht» zu wecken ist. Da nüeber ein krachender Owschlag, nicht allzuweit entfernt Minen! Nun wieder, und wieder Der Hehle lluteiitillid bebt und knistert Aber die Leute legen sich murrend mieber bin Du» kennen sie |u schon, Wird wohl beim Nachbarn seil, lullen die jtzh Minen an die Rap je weisen Raum jedoch haben |kt) alle wli-bei mH bren Wolldecken jogeheckt, al» e» ganz In ber Niche mit onmpsem e .hlng niedersällt um glei«h daraus donnernd azieeinanbei in tfeilteii. Dei IlnteilMnb wackelt wie ein Schiss in ber Branduna Alle springen aus. " Nf«d)melnereU" schimpft Winter der sich al» letzter au» einem Berg non Decken deiouswüblt und si.t> die verjchlusenen Augen reibt „Rönnen hie einen denn nicht mol schlafen lassen zum leufell" Nun Ichlägt e» nebeiran wiedei kroihend ein. Man hört da» beu- leuN- wimmernde surren von Sprengstücken und I nimmer» d.i» Sonntor, mutz doch lachen, ul» ble beiden sich bei Ihm ahmet dal „Via, beim mol lo», bosjeutüch findet ihr |k- ge|unb unb inunierl" dl |d>ültelt den Stopf, ul» die beiden eilig weggehen. Der Zugführer feurii Mariechen naiürllch auch schon Aber bod) na, so bringend i|i e» । 1 la nicht Do« kleine Manischen — er loihelt Al» und) fast einer S »1’• ble Leute megtreten können, da die Planiere gekommen sind, |lnW llnierosslzler eonnlorf Im linier,taub 'Buhmann unb Winter eifrig ö*1 ble Riste gebückt, die «ii» Tisch bient. Die flackernde Laterne fleht wt ibiwn. „Ao, wa» ist denn lo» mit Mariechen?" Wie zur Antwort kihini ein seine», hohe» Piepen aus, irgendwo von der Riste, uns ber Pranken Putzmann» und Winter» hantieren. „Del arme Ding — je M iv.it oblefriegt, nickt Putzmann bekümmert." Der halbe Schwanz i» M iihjeklemmt unb bet linke Hinterheen jebrochen War verschüttet. Aber । dumpf-schwere Nieder fallen emporgefchleuderten Sanbeo. In kurzen M ständen folgen nodi mehrere wudjilge Sprengungen. „Beillucht — da» gilt Bunker C, hier neben un»l” knurrt linier.I ofpaler Sonninrf bissig vor sich hin. „Da können wir auch wa» .g. kriegen." Er überlegt kurz. „Ville» serttgmachen und abwarten!" „Del arme Mariechen!" Butzmann steht au ber kleinen, bunlltj Deffnimg In ber Wand unb schüttelt betrübt beu Kops. Er hat 6orm um Mariechen. Dotz ihm selbst etwa» zustotzen könnte, auf den Q)ebauten kommt er »ar nicht. „Wat ,e nu woll für Angst hat, bet kieene Du.«» Plätzlld) heult e» dl«ht neben dem kleinen Unterstand auf. Ville hiinii.lj burdjelmuiber. 'Berflenb fährt ein Hassender Nitz durch die Hlnterwiini, Vlber der Uulerflanb hält, steht. E» stinkt nach Pulveraualm unb flljii» Go»ma»ken rau»! Dann stehen alle unb warten. Wa» wird umr kommen? üln Poltiresser? Der Beseht, ben Unterstand zu räumen? Hiwi Aitr altgemeinen Heberinsthung kommt gar nld)t». Rein MinenelnsdjiM fein Ausbrüllen gar nicht» Schweigen. Erst unheimlich lastend bin« allmählich beruhigend Die Leuie nehmen ble Masken ab, ble Lust i|l rein. Man legt ble Sachen wieder ab, schlmpst au, die Idioten bnil.en, parft sich wieder In seine Ra je Morgen mutz ber Unterstand überholt mil an »gebessert werben. Jetzt erst mal sch lasen I Alle liegen wieder. 'Jl.in, Pusjinann ntzht. Der steht dort an ber WaiiböHnung, rost und lockt leist-Id „Mariechen Marieihenl" Er äugt mit schräg gehaltenen, Kops hinter ble Planke, wartet. „Wo ,leckste dann?" „Na, Butzmann — nun packen Sie sich lieber erstmal hin!" Ulst llnteiosslzier Soimtorf. „Nach Wariedjen können Sie morgen ii.xh suchen!