gesetzt, Dragoner, Jäger, Hnsaren, Kürassiere und wildblickende, kampf- hungrige Spahis. Eine Breite von 500 bis 600 Metern, das ist die ganze Angriffsfront eines jeden der kriegsmäßig aufgefüllten Regimenter. Spielraum oder tote Punkte zwischen den einzelnen Schützenwellen gibt es nicht. Nirgendwo eine Lücke, in die sich ein deutscher Stoßtrupp mit seinem Maschinengewehr schieben könnte. Kein Trichter, kein Sappenkopf, kein Unterstand bleibt undurchsucht, unberücksichtigt. Die Armee Rivelle leistet gründliche Arbeit. Und von hinten naht Duchesne mit seinen Verfolgungstruppen. Sie marschieren planmäßig und rasch, die Truppen Duchesnes, und gelangen sehr schnell nach vorne in den Bereich der Front, dorthin, wo nun längst französische Etappe sein soll. Aber nein, hier toben ja immer noch die Maschinengewehre, hier krachen die Handgranaten, hier spritzen die Gewehrgranaten, hier singt der Tod sein schauerlich Lied. Hier ist's furchtbar. Meldungen schwirren nach hinten. Die vordersten Batterien der Verfolgungsarmee Duchesne sind in die zweite und dritte Angriffswelle geraten. Was nun? Es muß auf der Stelle getreten werden. Man müßte sogar, um diese Zusammenballung von Truppenmassen zu verhindern, wieder kehrtmachen, die Batterien und Regimenter zurücknehmen in den Schutz von Wäldern und Dörfern. Man muß auf jeden Fall die bereits vorreitende Kavallerie aufhalten. Halt, um alles in der Welt haltet ein, ihr Verderbengeweihten dort auf stolzen Rossen! Reitet nicht weiter. Da vorne steht der Tod---! Aber noch haben die Kolonialtcuppen ihr ganzes Können nicht gezeigt. Nach dem Gefechtsplan soll das II. Kolonial-Korps die Straße zwischen Craonne und Vauclaire auf etwa fünf Kilometer Frontbreite durchstoße», um den geraden Weg auf Laon frei zu machen. In der Mitte dieser Angriffs- sront liegt die Hurtebise-Ferme. Um den Besitz des Damenweges auf dieser Höhe, mit der Hurtebise-Ferme als erstem Ziel, geht der Riesenkampf. Zur „Stunde H" sind die Schwarzen des grimmen Mangin aus ihren Gräben geklettert, um schnell hinüberzueilen, um Besitz von den völlig zertrümmerten und erschütterten Stellungen der Deutschen zu ergreifen, von jenen erbärmlichen Löchern, in denen nicht ein Mensch, nicht eine Ratte mehr leben konnte, so urweltlich war das Trommelfeuer. Es ist eisigkalt an diesem Morgen, doppelt kalt für die Senegalneger. Ihre Hände sind klamm und können die Gewehre kaum noch halten. Aber zwischen den gefletschten Zähnen tragen die Schwarzen das breite, blanke, scharfgeschliffene Faschinenmesser. So rennen sie gegen die deutschen Stellungen an der Hurtebise-Ferme, drängen durch wie ein Prellblock, kommen bis 400 Meter tief in das deutsche Grabensystem und dann---dann krachen deutsche Maschinengewehre, Gewehte und Handgranaten. Aus jedem Trichter, aus jeder Lücke, hinter jedem Baumstumpf hervor blitzt und kracht es in den vorrückenden schwarzen Menschenhaufen. Sperrfeuerraketen zischen hoch. Die Spitzgeschosse surren, peitschen und wühlen sich in die blauschwarze Angriffsmasse. Zuerst fallen die Offiziere. Die führerlosen Kompanien der Senegalneger schieben sich im Laufschritt nach rechts auf Craonne zu. Dort soll die deutsche Front durchbrochen sein. Irgendwer hat es ihnen zugerufen, irgendeine Schlachtfeldparole, aufgekommen im Augenblick der Verzweiflung. Die von unseren Schüssen gepeitschten und gehetzten Farbigen suchen einen Ausweg. Nur weg, nur raus aus dieser Hölle! Nur nicht mehr dieses Johlen, Zischen und Pfeifen und Knattern der deutschen Geschosse, nicht mehr das satanische Krachen der deutschen Handgranaten! Aber siehe, vor Craonne rennen die vorrückenden Schivarzen gegen eine neue, wenn auch dünne feldgraue Menschenmauer. Und auch hier belfern die Maschinengewehre. Auch hier krachen die Handgranaten. Wieder schnell zurück zur Hurtebise-Ferme! Der deutsche Widerstand hat sich inzwischen dort noch verstärkt. Die Feldgrauen entladen ihre ganze Wut nun auf die anrückenden Soldaten des grimmen Mangin, jagen sie vor den Stellungen entlang hinüber nach Vauclaire. Aber auch dort ist kein Durchgang. Auch dort ist nur Tod und Verderben. Mehr als eine Stunde lang laufen ganze Regimenter irrsinnig im deutschen Feuer hin und her, wie Tiere, die man in einen Talkessel gehetzt und nun zusammenpeitscht, zusammenschießt. Und da bricht die nervenzerreißende Panik aus. Mit ihrem unverfälschten Urinstinkt haben die halbwilden Soldaten endlich die einzige noch freie Lücke in dieseni Kessel von Tod und Verderben xrspäht. Und diese Lücke liegt im Rücken, liegt dort, wo man herkam, Ivo man um 6 Uhr in der Frühe siegesbewußt aufbrach, geführt von weißen Offizieren, die einen Angriff gegen die verhaßten Deutschen als harmlosen Spaziergang bezeichnet hatten. „Zurück in die Stellung, zurück!" schreit einer der Schwarzen. „Zurück in die Stellung, zurück!" antworten hundert, grölen tausend. Zwischen Craonne und Vauclaire und in den hartumstrittenen Gräben der Hurtebise-Ferme, wo ohne Unterbrechung die Handgranaten krachen, hebt eine wilde Uucht an. sieheiierZamilienWtter Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Jahrgang 1(959 Montag, den 24. Juli Nummer 56 Eine Armee meutert SGHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Ein Bericht üon p. 6. Ettighoffec Copyright b y Bertelsmann Gütersloh 11. Fortsetzung. Ja, was hat bas zu bedeuten, warum sind sie nicht vormarschiert? Warum? Weil die vordersten Wellen auch nicht planmäßig vorwärts- kamen. Die vorderste Linie, die erste Angriffsmauer, kämpft uoch immer drüben im Bereich der deutschen Schützenschleier, dort, wo vor zehn Tagen noch ein tiefer Graben das Gelände durchzog. Heute aber befindet sich dort nur ein totes, leeres Trichtergebiet. Ja, warum und weshalb und durch wen? Was ist geschehen? Was geschieht noch weiter, von Minute zu Minute. Quälend rasch rinnt die Zeit, und die kostbaren Viertelstunden des Vormarsches verfliegen ungenutzt. Was wird sein? — Was---?! Um 6 Uhr 30 bekommt General Nivelle die ersten Meldungen aus der vordersten Linie. „Die Poilus sind überall in die deutschen Stellungen gedrungen. Erbitterte Nahkümpfe zwischen den beiden Infanterien sind int Gange", lauten diese erfreulichen Nachrichten. Gut, alles planmäßig, alles so, wie es sein muß. „Geueral Durchbruch" ist zufrieden. Die französischen Regimenter werden mit dieser deutschen Kampflinie, mit diesen zahlreichen Sappenköpfen, Verbindungsstücken und Naturhöhlen schon fertig worden. Ein Katz- und Mausspiel, weiter nichts. Den greifbaren Erfolg, etwas, das in die Tiefe geht, wird man erst um 7 Uhr feststellen können. Und bis dahin ist ja auch Duchesne mit seiner Kavallerie unterwegs. Um 7 Uhr 15, spätestens um 7 Uhr 30, so schätzt Nivelle, werden die fünf Kavallerie-Divisionen antraben nud spätestens um 8 Uhr den Damenweg überritten haben. Und dann — — — „General Duchesne soll sofort das Ueberreiten des Damenweges melden. General Duchesne soll rücksichtslos angreifen, so wie es allgemein im strategischen Befehl und besonders für die Berfolgnngsarmee vorgesehen ist." Nivelle spricht's und wendet sich wieder seinen Karten zu. Noch stehen die Hauptmeldungen aus, noch weiß er nicht, was die Armee Mangin vollbracht und welch blutige Arbeit die Schwarzen inzwischen wohl geleistet haben. Ja, was mag sich da vorne abspielen, da auf den Höhen der nebelfernen Front, deren Brodeln und Toben nur schwach durch einen dichter werdenden Schneefall und eilten weißen- Flockentanz bis ins ferne Hauptquartier des Oberbefehlshabers bringen? Kein Zweifel, Mangin Packt in diesem Augenblick hart zu. Er hat sich Laon in den sturen Schädel gesetzt, dieser hartnäckige Lothringer, wie er sich int Herbst 1916 auf den Douanmont verschwor. Er hat den Perg damals geholt; er wird diesmal auch Laon pflücken. Ja, das wird er, bet grimme Mangin. Unb was geschieht um biese Stunbe an ber nebelfernen Front? Was geschieht wirklich, nüchtern, blutig unb ohne Beschönigung? Um 6 Uhr hat sich bie Mauer in Bewegung gesetzt, dicht hinter der Feuerwalze. Um 6 Uhr 15 sind die deutschen Schützenschleier erreicht, überrumpelt unb mebergetrampelt. Um 6 Uhr 30 ist auf ber ganzen breiten Front ein erbitterter Nahkampf entbrannt in ber beutschett Hauptlinie. Und eine Viertelstunbe später, um 6 Uhr 45, schieben sich unaufhaltsam die französischen Reserven in breiten Wellen nach vorne. Vergebens! Um 7 Uhr ist bie Schlacht verloren---! Jawohl, bie Schlacht ist um 7 Uhr verloren! Herr General Nivelle, Herr „General Durchbruch", Ihre Schlacht tst verloren! Hören Sie — — verloren! Es hat keinen Zweck mehr, zu hoffen. Hier an biefer Mauer von Willen unb Disziplin, an bet feldgrauen Front zerschellt jede Tapferkeit. Und jeder weitere Angriffsversuch ist zwecklos! Inzwischen aber reiten die Kavallerie-Divisionen des Generals Duchesne in bie planmäßige Verfolgungsschlacht. Zwanzigtausend Menschen und Pferde bilden eine erste und gewaltige Welle. Dragoner, Kürassiere, Husaren sind's und auch Spahis mit wildslatternden Burnussen. Dahinter die Regt- menter der berittenen Jäger, deren Handpfetde Maschinengewehre unb leid)te Minenwerfet am Sattel mit sich schleppen. Und dazwischen die leichten Tanks, dann die schweren Tanks, deren Schuppenrädet fast kmettef den aufgeweichten Boden nmwühleit. Die Verfolgungsatmee marschiert, so wie General Nivelle es will. Duchesne wird sofort das Ueberreiten des Damenweges melden. Eine Kleinigkeit, dieser Ritt gegen den Feind, weil man mit der vorgeschriebenen Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Geschwindigkeit Vorgehen wird. Zwanzig- tausend Reiter ber vorbersten Verfolgungswelle haben sich in Bewegung Das II. Kolonial-Korps des grimmen Mangin, die Hoffnung des „Generals Durchbruch", die Schwarzen, die an der Spitze der fiegreichen fran- zöfifchen Armee noch am Abend dieses 16. April, spätestens aber am andern Morgen in Laon sein sollten, dieses vielbewunderte Kolonial-Korps, das an seinen Fahnen die höchsten Auszeichnungen der französischen Republik trägt, flüchtet hoffnungslos unter den Schlägen der deutschen Infanterie. Und diese deutsche Infanterie ist nur noch vertreten durch wenige im Feuer geschwächte Bataillone, durch wenige Mannschaften, in deren Herzen aber das Pslichtbewußtsein lebt und der eiserne Wille, keinen Feind in die Hauptverteidigungslinie zu lassen und den deutschen Rhein bereits hier, an der französischen Aisne, zu verteidigen. Ueber Vauclair hinweg flüchten die Schwarzen regellos ins Hinterland, steigen die Höhen hinab auf die Bahnlinie zu, laufen und schreien und geraten in die just vorrückende Kavallerie des Generals Duchesne. Schreiend und alles mit sich reißend stürmen die entsetzten Schwarzen, aschfahl im Gesicht, auf bereitstehende Lazarettzüge, werfen Personal, Sanitäter, Schwestern und Aerzte auf den Bahnsteig und schicken sich an, auf eigene Faust ms Hinterland zu fahren. Rur weg, nur schnell weg aus dem furchtbaren Gelände, nur fort aus dieser entsetzlichen Gegend, in der es nur Schrecken und Tod gibt. Und jene, die keinen Platz mehr in den Eisenbahnwagen finden können, verstecken sich irgendwo in Güterschuppen, machen sich über die Proviantämter her oder verschaffen sich mit Waffengewalt Eintritt in Privathäuser. Offiziere, die sich dieser schwarzen Menschenwelle als Damm entgegenwerfen wollen, werden überrannt, beiseitegeschoben, niedergeschlagen. Jede Disziplin ist gewichen. Vergebens reiten einige Schwadronen der Verfolgungskavallerie über das Gelände, sperren ab. Auch sie können die Schwarzen nicht mehr zur Vernunft bringen. Man muß die Senegalneger laufen lassen. Sie müssen sich ausrasen, ihre eigene Panik tottreten. Man wird ihnen Essen und Trinken verweigern, vorerst. Man wird sie laufen lassen. Besser so! In einem oder in zwei Tagen werden sie von selbst zur Vernunft kommen und wieder das demütige, kindlich ergebene Kanonenfutter sein. Man läßt sie flüchten. Man schaut ihnen kopfschüttelnd nach. Ha, die gefürchteten Sturmregimenter, jene, vor denen die Deutschen angeblich beim bloßen Anblick schon entsetzt weichen, haben nun selbst die Flucht ergriffen. Das Blatt hat sich gewendet, Herr General Nivelle, das Blatt hat sich gewendet.--- Vor wenigen Stunden noch das hohe Siegesbewußtsein und der unerschütterliche Glaube an die Verfolgungsschlacht und jetzt der Zusammenbruch, die Panik und ein furchtbares Ende. Herr General Nivelle, Ihre Taktik war gut und klug, und Ihre Munition hatte furchtbare Wirkungen. Eine ganze französische Provinz ist vernichtet und umgepflügt ünd dem Erdboden gleichgemacht. Kein Stein steht mehr auf dem andern. Mit dieser Taktik, mit diesem Munitionsaufwand, hätten Sie jede Armee, jeden Feind in regellose Flucht geschlagen. Die deutsche Armee aber haben Sie nicht geschlagen, Herr „General Durchbruch", die deutsche Armee ist durch Waffengewalt nie zu schlagen! Erst in Fismes, gut 15 Kilometer Luftlinie von der Hurtebise-Ferme entfernt, erholen sich die Schwarzen von ihrer Panik, sammeln sich, hören endlich auf mit dem furchtbaren Geschrei, bekommen wieder ihre normale Farbe im Gesicht, wagen wieder um sich zu blicken, werden wieder gehorsam und gefügig. Aber nach vorne wird man sie in absehbarer Zeit nicht mehr schicken dürfen. Keinem Offizier wird es gelingen, diese verängstigten Menschen in nächster Zeit gegen das Peitschen der deutschen Gewehre und Maschinengewehre zu führen. Diesem Menschenhaufen fehlt eins — der Glaube an eine gute und große Sache, jener Glaube, der den letzten Feldgrauen drüben im schlammigen Trichterfeld bewußt oder unbewußt beseelt. Von rund zehntausend Senegalnegern, angesetzt zum Angriff aus die Hurtebise-Ferme und aus deren nähere Umgebung, sind 6.300 im deutschen Artilleriefeuer und in der zielsicheren Abwehr unserer Feldgrauen liegen« geblieben. Die anderen sind regellos geflohen. In den Abschnitten rechts und links der Hurtebise-Ferme sind die Verlustziffern nicht geringer. Jeder rechtdenkende Franzose, der diese Schwarzen, diese halbwilden Menschen in französischer Uniform, nach rückwärts hasten sieht, auf regelloser Flucht vor den Dämonen des Krieges, empfindet die Schmach dieses unwürdigen Schauspiels. Jawohl, eine Schmach, daß eine Truppe so die Nerven verliert und ihre Stellungen fluchtartig räumt. Aber auch eine Schmach, daß ein großes Land mit kultivierten, weißen Menschen seine Befreiung und seinen Schutz vertrauensvoll in die schwarzen Hände dieser Afrikaner legt. Nein, dies muß jedem anständigen Franzosen unhaltbar erscheinen, unglaublich, furchtbar und niederschmetternd. In einer späteren Kammerinterpellation wird behauptet, General Mangin habe vor dem Angriff seinen Schwarzen erklärt, die deutschen Geschosse und Bajonette seien machtlos gegen die Körper der Senegalneger. Wahr oder nurgüt erfunden, das ist einerlei. Tatsache bleibt die Schande der Verwendung schwarzer Soldaten aus dem westlichen Kriegsschauplatz. Die Meldungen vom allgemeinen großen Mißerfolg gelangen schon ab 7 Uhr zum Hauptquartier des Generals Nivelle. Jedes Schrillen des Fernsprechers bringt neue, furchtbare Enttäuschungen. Nur am Fort Conde gelingt es der Armee Mangin, festen Fuß auf den Höhen des Darnen- weges zu fassen. Die Deutschen räumen die gesprengte Feste, die an sich keinerlei strategischen Wert mehr hat. Um 10 Uhr soll bereits die Aillette auf der ganzen Breite überschritten sein. Aber die Aillette liegt um 10 Uhr noch weit, liegt jenseits der deutschen Artilleriestellungen, liegt noch kilometerweit hinter dem Gürtel der Nivelle- schen Feuerwalze. Die Taktik des Angriffs, die einzelnen Stunden des Vorrückens und die sorgsam festgesetzten Grenzen der jeweils erreichten Zone sind sinnlos und überflüssig geworden. Und dann, um 11 Uhr, kämpft immer noch die französische Angrifss- armee in der deutschen Hauptverteidigungslinie, kämpft mit leichtem Maschinengewehr, mit Bajonett und Handgranaten einen verbissenen Kleinkrieg um einige Meter verschlammter Gräben, sie, die jetzt diese Hohe des Damenweges längst hinter sich haben müßte, um da unten, in der Ebene, auf Laon zu marschieren. Das Verfolgungskorps Duchesne wird endgültig zurückbeordert. Artillerie- und Kavallerie-Regimenter traben rasch ins Hinterland. Nicht einmal der Versuch eines Durchbruchs, geschweige denn der Durchbruch selbst ward ihnen vergönnt. Auf der ganzen Angriffsfront stehen die Franzosen höchstens, allerhöchstens 500 Meter tief im deutsche» Verteidigungssystem. Und so wird es bleiben trotz aller Angriffe der Armee Mangin, trotz aller Schläge, die auf den Brimont geführt werden. Aber halt, noch eins steht aus. Noch eine Möglichkeit ist ungenutzt. Noch warten, gefüllt mit Brennstoff, geladen mit Waffen und Munition, die Panzerwagen. Schickt die Tanks ins Gefecht! Um 13 Uhr gibt General Mazel, dem die Tanks unterstehen, den Befehl zum Angriff gegen Juvineourt. Die Tanks sind ultima ratio, sind letzte Hoffnung, letztes Wort des Oberbefehlshabers. Die Tanks fallen losfahren! Laßt endlich die Panzerwagen angreifen! Es wird sich hier nicht mehr um ein Vorrücken von Kampfgeschwadern handeln zur Unterstützung irgendwelcher Infanterie-Bataillone, sondern um einen wirklichen, geschlossenen, heftigen Panzerangriff. Es muß so sein, denn Frankreichs Ehre steht auf dem Spiel. Und General Mazel will etwas erreichen, irgend etwas, nachdem die Schwarzen des grimmen Mangin so schmachvoll versagten. Genug der Niederlagen für Frankreick), im Laufe dieses Vormittags, des 16. April 1917! Eine Schmach, daß die deutschen Flieger allein den Luftraum beherrschen, daß weit und breit kein französisches Geschwader zu sehen'ist. Ja, wissen Sie denn nicht, General Mazel, daß die 400 Maschinen noch nicht eingetroffen sind, daß sie noch in Le Bourget in den Hallen stehen, weil kein deutlicher Befehl herausgegeben wurde, vielleicht auch, weil General Nivelle diese 400 Hornissen des Luftkampfes erst viel später am Rhein oder gar Über deutschem Gebiet zu einem entscheidenden großen Paradekampf einsetzen will? Gut, wenn die Flieger fehlen, wenn die Schwarzen versagen, wenn alles versagt und die Infanterie trotz größten Opfermutes nicht fähig war, die Deutschen zu überrennen, dann müssen die Tanks durchbrechen. Die Tanks sollen fahren! Kommandant der Tankgeschwader ist ein junger Pionieroberst. Ohne Rücksicht und ohne Selbstbetrug hat er nüchtern und sachlich festgestellt, daß er hier auf dem Trichtergelände der vorhergegangenen vieltägigen Materialfchlacht seine Panzerwagen nicht operieren lassen kann. Sie werden in schlammigen Trichtern steckenbleiben, sie werden nicht hergeben können, was man von ihnen verlangt. Gerade das zum Angriff befohlene Gelände bei Juvincourt ist grauenvoll durchwühlt, dabei lehmig und grundlos. Der Oberst ruft General Mazel an, erklärt ihm die Lage und verheimlicht ihm keineswegs seine Befürchtungen, fügt jedoch hinzu: „Wenn es aber trotzdem befohlen bleibt, werden wir selbstverständlich fahren." Ein Führer ist von der Unmöglichkeit eines angesetzten Unternehmens überzeugt, aber trotzdem gehorcht er dem gegebenen Befehl, der ihm sinnlos erscheint. Denn General Mazel beschwört ihn: „Mein lieber Oberst, möglich oder unmöglich, das ist einerlei. Frankreich hat heute schon so viel eingebüßt. Wir müssen etwas retten, verstehen Sie, etwas, und wenn's nur die Ehre ist. Mit großen Versprechungen haben wir dem Volk die Kosten für diese Offensive auferlegt, haben demVaterland gegenüber die Pflicht aus uns genommen, etwas zu erreichen, irgend etwas, einen greifbaren Erfolg. Sie verstehen mich ja. Fahren Sie, mein lieber Oberst, fahren Sie---!" Und der junge Oberst fährt. Hundertzweiunddreißig Sturmwagen rollen gegen Juvincourt. Im vordersten Tank sitzt, als Führer des Geschwaders, der junge Oberst. Er weiß, daß er in den Tod fährt. Alles ist verloren, alles bricht zusammen, gewaltige Hoffnungen werden begraben im Bellen der deutschen Maschinengewehre. Frankreichs Elitetruppe stirbt vor den Mündungen der feldgrauen Musketiere. Die Lieblingssoldaten des grimmen Mangin flüchten regellos gegen Fismes, säen Panik und Verderben im weiten Hinterland. Hier aber haben sich einige Tapfere besonnen und ziehen ohne Hoffnung und todesmutig in die Schlacht. Die Panzerwagen rollen, aber keine Jnfanterieabteilung folgt ihnen. Die Infanterie kann nicht mehr folgen, so erschöpft ist sie. Vergebens schmettern die Clairons und hetzen zum Sturm hinter den ratternden Tanks her, jum letzten Sturm gegen die deutschen Linien. Nein, nein! — die Sturm- mfanterie ist am Ende ihrer Kraft. Zuviel, zu furchtbar die Anstrengungen des Tages, zu groß die Enttäuschungen. Jetzt müßte man planmäßig schon weit drunten in der Ebene sein, durch die befreiten Dörfer marschieren, begrüßt und umjubelt von der Zivilbevölkerung, vor sich, am nördlichen und nordöstlichen Horizont die flüchtenden deutschen Divisionen. Und nun liegt man immer noch oben im Trichterfeld, nur wenige hundert Meter von der Ausgangsstellung entfernt, und kann nicht vorrücken. Und keine Macht der Wett wird jetzt einen dieser Poilus noch einmal zum großen Sturmlaus bringen können. Nein, für heute ist's vorbei. Das Heer ist müde. Die hundertzweiunddreißig Tanks aber rollen. Und dann sind sie drüben in der deutschen Linie. Und nun beginnt der Kampf um diese 132 Stahlkolosse. Als erster fährt der Kampfwagen mit dem Geschwaderführer in die deutsche Front, stößt wuchtig ein, wird sofort vom Maschinengewehrfeuer gepackt. Die Spitzgeschosse hämmern ihren Trommelwirbel aus seine Stahiflanken. Und rauchend erlischt die Farbe des Tarnanstrichs auf den stählernen Flächen, so heiß werden die Panzerplatten unter dem Hämmern der Einschläge. Dann sind die deutschen Tankabwehrbatterien da, einfache Feldgeschütze, die todesmutig vorpreschen, abprotzen und in direktem Schuß auf die Panzerwagen halten. Es geht alles unheimlich schnell. Geballte Ladungen krachen, Panzerwagen legen sich todwund aus die Seite. Einige brennen lichterloh. Nicht ganz fünfzehn Minuten dauert das Rasseln der Sturmwagen. (Fortsetzung solgt.) Drohung. Von CarlSpitteler. Wenn du dich noch einmal unterstehst Und mir im Kops herumgehst, Hol ich gleich nebenbei Die Stadtpolizei. Die hängt dir jedensalls Einen Schandbrief um den Hals, Damit es jeder liest, Was für ein Spitzbub du bist. Wenn du mir das noch einmal machst Und mich im Traum anlachst, Guckt aus der Münstertür Der Kapuziner herfür. Der malefizi dich mit seinem Latein Von Schwarzkunst so rein, Daß von dir Hexenweib Bloß das Apfelhäuschen bleibt. Wenn du mir nur noch einmal kommst Und nicht gleich zu mir kommst, Hetz ich mein Hündlein nach dir. Das beißt dich zu mir. Dann sperr ich dich, Gott sei Dank, In einen gläsernen Schrank. Ein Schlüssel hängt daran, Daß ich auch hinein kann. hnenbrief der deutschen Rosen. Von Annie FrancS-Harrar. liieviel Rosenarten es in der Welt gibt? Ich glaube, man weiß es ß Oder wenn man einmal eine Zahl feftgestellt hat, dann stimmt Ition im nächsten Jahre nicht mehr. Denn von einer Blütezeit zur ihm züchtet man wieder neue Spielarten, oft prachtvoll oder zart- hilil) oder auch nur merkwürdig und seltsam, so wie „grüne" oder Lfetorjc" Rosen, die vor mehr als siebzig Jahreir einmal der Rosem pltber größter Stolz waren. lenn kaum eine Pflanze kommt der Veränderungslust des Menschen pllig entgegen, wie gerade die Rose. Warum? Nun, natürlich haben Pflanzen ganz ebenso ihre Eigenart, ihren Charakter, ihre angebo- •«' Eigenschaften, kurz, ihre Rasse. Und da die Rosen, gemessen am k der Gewächse aus unserer Erde überhaupt, sehr jung und noch •$r als der Mensch gewissermaßen, so könnte man denken, sie hätten noch ihre ganze Lebenskraft und frische Anpassungsfähigkeit vor iDenn was tun schon ein paar tausend Jahre — und viel länger hiert man Rosen nirgends auf der Welt — am Leben einer ütnart! kiß Rosen aber gar so besonders veränderlich sind, hat allerdings snoch eine andere Ursache. Si« besitzen aus ihren ursprünglichen •raten ein sehr verschiedenartiges Erbgut. Denn die Rose wurzelt stim Süden oder Norden, im Osten oder Westen. Sondern in allen •i Himmelsrichtungen. Sie hat mehr wirkliche, echte und bodenständige Men, als der Mensch Finger an seiner Hand. Und von jeder bringt he völlig ausgebildete Vollendung einer ganz feftgelegten Sonderart ff Denn überall ist sie das Produkt einer grundverschiedenen anderen ® lt. Und das bedeutet bei den Blumen ganz ebenso wie bei Tieren 'Menschen-eine Fülle von Gestaltungen. «M zwei Kontinente haben die Rose nicht gekannt, ehe der Mensch rt über die ganze Erde zerstreut hat. Australien und Afrika. Heute *= freilich längst nicht mehr so. Süden und Norden des schwarzen besitzen in ihren herrlich gepflegten Gärten so viele Rosen, als 5 sich nur irgend wünschen kann. Und was den fünften Kontinent M, so schlingt sich auch um seinen bewohnten Rand von West nach ' vielleicht mit Ausnahme des hochtropischen Nordens, eine Girlande ■Menlauben, Rosenbeeten, Rosengehängen, und Rosen und Euka- *• haben dort eine geographisch und botanisch durchaus unvorher- Wie Freundschaft geschlossen. «W Europa, Asien, Amerika — das sind Rosenländer tm vollsten •nfces Wortes. Die uralte Kultur des Ostens hat sich wie es scheint, D jsehr früh nicht nur mit Gartenkunst überhaupt, sondern auch be- P6® viel mit Rosenzucht abgegeben. Und während unsere deutschen jrlr nur ein paar armselige Blättchen und noch armseligere Bluten F°t>ringen, gibt cs sogar eine echte Indische Rose", die freilich Haupt- Ws dem südlichen China entstammt. Ueberhaupt der Ferne Osten. l”Ien ist in ihm daheim: die „immergrüne Rose , die aller- Wlbis Sudeurvpa reicht, kletternd und weiß ist. Genau dasselbe kann E.’°n der „M oschus - oder Bisamrose" sagen, ein halb- Wp, hängendes Rankgewirr, aus dem zarter Moschusduft aufsteigt. 'ft da die „Vielblumige Rose". Die rankt nicht, wird aber E(us Meter hoch. In ihrer Heimat China oder Japan tragt sie klem- II3; Dolden, üppig aufstrebend, weiß oder rot, fast oder ganz geruch- lt^r höchstens mit leisem Zimtdurft. Aus ihr allein hat man Dutzende lEpPtelarten gezogen, die z. T. mit zu unseren schönsten Kletterrosen gL/p-, ost puntHert ober gestreift sind und ganz besonders gern m l|! hinuberspielen. Eine chinesische „Deckblatt-Rose ist wieder 6und immergrün und besitzt einen solchen Reichtum an «taub- Wtitz . man in einer einzigen Blüte an vierhundert gezahlt hat. Ein Bi '-sonders reizendes Ding ist die „Kleinblättrige Rose aus dem mittleren China. Stachellose Stengel, gefüllte zartrosenrote Blumen, aber alles zierlich, filigran, und doch Stammutter aller möglichen Gartenformen. Eine wunderschöne „Kaiserin des Nordens" hat als Stammutter die „Runzelige Ros e", prachtvollster dunkler Karmin, dicht gefüllt. Die herrlichen großen Büsche, die man als Garten- und vor allem als Parkschönheiten aus ihr gezogen hat, besitzen noch nebenbei die empfehlenswerte Eigenschaft, daß sie reichlich fruchten und daß ihre Hagebutten eingekocht viel besser und schmackhafter sind, als die der wilden Rosen. Sie, die in ihrer Urform vom nördlichen China über Japan bis nach Kamtschatka reichen, sind fast alle wetterhart und wenig empfindlich. Daß Sibirien eine besondere Rosenheimat ist, würde man auch nicht ohne weiteres vermuten. In dieser, wie man glaubt, grauenvollen Schnee- wüste ist nicht nur die gelbe, seltene und kostbare „Persische Rose" zuhause, sondern'auch die braunblättrige, weißgoldenblühende „Biber-- n e 11 r o f e", und man weiß nicht einmal, ob die sehr edle und hundertfältig weiterveredelte „Chinesische Ros e" nicht auch zum mindesten aus den Grenzen zwischen Tatarei und Sibirien stammt. Man glaubt, ich sei am Ende. Oh nein, da gibt es erst noch die einheimischen europäischen Rosen. Eine davon kennt jedermann: die „H u n d s r o s e", von der es bei uns in allen Wäldern mehrere weihe und rosa Abarten gibt. Aber schon die großen, rosa Blüten der „A p feirose" sind in die Gärten eingewandert, denn sie erfreuen uns den ganzen Winter über mit siegellackfarbenen, glänzenden Früchten. In unsere künstlichen Hecken ist die „Weinrpse" eingezogen und die „Alpine Rose" stieg mit hellroten großen Sternen von den Voralpen herunter. Wer zählt die vielen Nachkommen der „Gallischen Rose", zu denen sogar die Zentifolie gehört, die Hundertblättrige, und die wunderbar duftenden Rosen von Schiras, von denen das meiste Rosenöl und Rosenwasser und der unvergleichlich schmeckende türkische Zucker stammen. Und was soll man von der „Rotblättrigen Rose" sagen, deren leuchtend .gefärbtes Laub den Blüten den Rang ftreitig macht! Sie hat die echten" kaukasischen „B 1 u t r o f e n" als nächste Verwandte, leider auch die orientalische „Gelbe Ros e", die — man verzeihe mir! — wirklich und wahrhaftig nach Wanzen stinkt, als Nachbarn — nämlich in Südeuropa und im Kaukasus. Mit ihr zugleich gibt es dort noch eine „W eiße Rose" und die bei uns sehr beliebte „Schwefel- ober SchmaIzros e". Die amerikanischen Rosen sind alle rot. Die „k a r o 1 i n i s che" und die „virginische" und vor allem die „P ra i r i c r o f e", von der sämtliche Crimson Rambler und Genossen abftammen. Aber obgleich sie mit so üppigen Gehängen blühen, als wollten sie in jedem Sommer ihr ganzes Blumenleben verschwenden, mangelt es ihnen doch fast allen an Duft! Sie find eine Freude fürs Auge, aber nicht für die Nase. Ein bißchen sehen die.zartfarbigeren, die man besonders aus der „lichten Rose" erzogen hat, einem reizenden geschminkten, aber puppenhaft leeren Mädchengeficht ähnlich. Man meint nun, Deutschland sei in diesem verschwenderischen Rosenreigen zu kurz gekommen. Aber wir brauchen uns nicht zu beklagen. Denn die Rose unserer Heimat ist die „M a i r o f e". Sie wächst oder wuchs auf trockenen Hügeln, sie war es, die man schon früh in Zwingeroder Burggärtlein hereinholte. Alle Minnesänger haben ihren würzhast feinen Duft und. die liebliche Schönheit ihrer leuchtend rosa bis purpurfarbenen Blüten gekannt. Sie ist nicht nur unsere eigentliche Frühlings- rose, denn sie beginnt wirklich im Mai zu blühen, sondern sie ist auch eine der allerschönsten Pflanzen, die tatsächlich und seit Urtagen in die deutsche Landschaft gehören. Und was kann man Besseres und Lieberes von einer Blume sagen, als daß sie eine Blume der Heimat istl Oie geschmuggelte Leberraschung. Von Anton Geldner. Um acht Uhr früh kam ich mit dem Nachtschnellzug aus Kopenhagen in Frederikshaven an der Nordspitze Jütlands an. Von hier aus wollte ich mit dem Schiff über das Skagerrak nach dem norwegischen Sör- land. Ick) war die gange Nacht hindurch gefahren; darum war ich, als ich auf das Schiff kam, unausgeschlafen, nervös und hatte Sehnsucht nach starkem heißem Kaffee. Mit mir kamen nur wenig Passagiere an Bord. Denn diese Strecke war nicht sehr wichtig und hatte keinen starken Personenverkehr. Gleich nachdem der dänische Zollbeamte das Schiff verlassen hatte und das Fallreep eingezogen war, ging ich in den Speiseraum, um zu ftühstücken. Da sah nur ein gutangezogenes Fräulein fröstelnd an einem Tisch und wartete offenbar sehnsüchtig auf den Steward und den Kaffee. Das Mädchen war jung und schön; es hatte unwahrscheinlich Helles blondes Haar und strahlend blaue Augen. Es lächelte, als ich grüßte. Und schon spürte ich bei diesem Lächeln die Morgenkühle und meine Müdigkeit weniger stark. Auch der ungeduldige Wunsch, den ganzen Tag in der Kajüte zu verschlafen, war sofort auf rätselhafte Art schwächer. Als der Steward endlich kam, erwies es sich, daß er kein Wort Deutsch konnte — und da ich weder dänisch noch norwegisch sprach, gab es sofort Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung eines guten Frühstücks. Aber da half ungeniert und mit lebhafter Bereitwilligkeit das Fräulein aus. Es zeigte sich, daß diese junge Dame zwar keine Deutsche war, aber doch ziemlich gut Deutsch sprechen konnte, denn, wie sie erzählte, war sie gerade einige Monate in Deutschland gewesen. Jetzt fahre sie zurück in die Heimat, sagte sie. Sie sei eine Norwegerin. Seltsam, wie schnell mich die Müdigkeit verlieh, als ich diese helle und heitere Norwegerin gegenüber hatte. Sie hatte ein lustiges, unbeschwertes Lachen und wußte in putzigem Deutsch freundliche Sachen zu erzählen. Natürlich nahmen wir das Frühstück zusammen ein. Und auch später blieben wir plaudernd sitzen. Die aufgeschlossene Fröhlichkeit meiner Reisegenossin machte auch mich lustig und ließ mich amüsante Reiseerlebnisse erzählen, die als Resonanz dankbares Lachen fanden. Schließlich wurde ich so aufgeräumt und übermütig, daß ich mir vom Steward Aauavit bringen ließ und großtuerisch etliche Gläser trank. Das . Aem eifbe greifen. Aber ich wandte mich schnell ab und öffnete das Etui. Un) sagte. Ich aber starrte in das hörte ich, wie sie entrüstet „Pfui! yui ic itij, ivit? |iv t iui ujivi ui l i'uyic. vuj uv tri |iuiiit ui uu» /.inilU'l Im ihm war ein Photoapparat. Sonst nichts. Beschämt gab ich App« juj und Etui Fräulein Larsen zurück und stammelte Hilflos Entschck jjc )toet A d In Siel Im Hotel nahm ich mißmutig und unzufrieden mein Abendessen t * und bestellte Whisky. Ich mußte irgendwie meine Unruhe roegbrin# gV,11 Öffiör Rrtff tritt* nirlii ntof mav WtHrtrnArfil t<4t UaHu tt-tt/4t flfr-'i bedenkenlos bereit. begeistert und Aber es half mir nicht viel. Kurz vor Mitternacht, ich hatte mich gt: entschlossen, auf mein Zimmer zu gehen, kam ein neuer Gast. Es » uit jyunv unv juyiv, vs yui, uu,) iu; iiuuj uuj jci, ti im* he., , h sprechen. : J et Gut, also er solle sprechen. Was es denn sei, meinte ich unruhig »V" Erst müsse mehr Whisky ran, erst müsse angestoßen werden, t)i n) io firh nffoc; niof hoffor (rtripn llnh. mifnprmimt nnÄ (mit hpft pHt t _ y bau habe. Und als sie nach Deutschland fuhr, sagte sie: „Wenn du mir imi^ fleißig liebe Briefe schreibst, bringe ich dir einen schönen Apparat « , .5" Ganz bestimmt tue ich das. Du kannst dich darauf verlassen." Und ai( schrieb ihr beinahe jeden Tag einen Brief. Natürlich nicht nur tt»j J dem Apparat. Aber ich dachte oft daran. Als sie jetzt wieder zurückl'mr^ M>i« ßeiiK Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brüh Ische Aniversitätsdruckerei R. Lange, Gießen. vor. Sie der von wieder reichlich nervös und zerfahren. Also, was denn nun eigentlich sei. Nehmen Sie dem Beamten ihn sich nicht Ihnen. Bitte, idm! te e »Teil iWnei M a ?;Wn «bitten und durch die Zollkontrolle zu und in meinen Koffer tun wollte. ein Hotel sei, fragte ich, nur um etwas zu sagen. Ich solle mittomn» sagte der Zollbeamte freundlich, gleich bei den ersten Häusern des 6täi chens fei das Hotel. Beide gingen mit mir und verabschiedeten sich « Hotel mit freundlichem Gruß. ließe sich alles viel besser sagen. Und aufgeräumt und laut bestell!. Whisky. Und wir stießen an — er lachend und ich ungeduldig und M Sie lächelte bittend und ich war den Apparat an mich zu nehmen schmuggeln. Als ich dann den Apparat nahm mit d fwn | * Wllt! hätte ich besser nicht tun sollen. Denn plötzlich spürte ich meine Müdigkeit wieder und spürte noch erschreckter die peinlichen Dorzeichen, die eine herankommende Seekrankheit ahnen lassen. Und da merkte auch das blonde Fräulein (sie sei der Einfachheit halber Fräulein Larsen genannt), daß ich schweigsamer und unsicherer wurde. Ich müsse sofort in die Kajüte, müsse einige Stunden schlafen, sagte sie ehrlich besorgt. Und dann sei Stielliegen auch das beste Mittel gegen die Seekrankheit. Diese Fürsorge rührte mich und machte es mir nicht ganz leicht, zu gehen Aber schließlich sah ich selbst ein, daß es besser sei, einige Stunden zu schlafen. Als dann Fräulein Larsen mir noch versprach, mich am Nachmittag zum Kaffee wecken zu lassen und dazu lächelnd meinte, es blieben ja bis zum Abend dann noch viele Stunden zur Unterhaltung, ließ ich mich bewegen, zu gehen und verabschiedete mich schweren Herzens und dankbar. Kaum lag ich auf dem Diwan in der Kaiute, als ich auch schon ein- schlief. Und ich schlief fest und tief, bis mich der Steward am Nachmittag weckte. Der Gedanke, daß Fräulein Larsen zum Kaffee auf mich wartete brachte mich ziemlich schnell auf die Beine und in den Spetse- saal. Dort lachte mir ihr helles Gesicht schon strahlend entgegen. Es war ganz so, als seien wir schon längst bekannt und vertraut. Sie goß mir behutsam Kaffee ein, schob mir Kuchen zu, plapperte lustig drauf los, fragte und erzählte drollig von Dingen, die sie bei ihrem Besuch in Deutschland komisch und neu gefunden hatte. Ich war begeistert und verliebt und merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Das Schiff schlingerte und stampfte: draußen hatte sich em starker Wind auf getan und weihe, wütende Gischt klatschte gegen die Bullaugen. Das Mädchen und ich waren allein im Speiseraum. Der Steward, der zuweilen taumelnd kam und ging, berichtete uns, daß alle Passagiere in ihren Kajüten seien. Die meisten seien seekrank. Und da^wurde mir plötzlich verwundert bewußt, daß ich so gar nichts von Seekrankheit spürte. Dabei pflegten mich sonst gewöhnlich schon Wellen auf der Leinwand im Kino seekrank zu machen. Und dankbar schrieb ich mein Gesundbleiben dem guten Einfluß des hellen lachenden Mädchens zu. Ich fühlte mich so zufrieden, daß ich den Hafen, zu dem uns das Schiff bringen sollte, und damit den Abschied ganz vergaß. Es wurde Abend und dunkel, und die Schären, die der norwegischen Küste vorgelagert sind, ließen unser Schiff bereits durch. Das Meer war hier ruhiger. Im Speisesaal tauchten auch nun andere Passagiere auf. Sie schleppten ihre Koffer heran und hatten leidende Gesichter. Bald würde das Schiff im Hafen sein. Da wurde Fräulein Larsen merkwürdig nachdenklich und still. „Sie können mir einen großen Gefallen tun. Wollen Sie?" sagte der nette Zollbeamte. Er kam lachend an meinen Tisch, gab mir > traut die Hand und sagte, es sei gut, daß ich noch auf fei, er iW mich sprechen. iigtem Bwnete Dann ging sie rasch und entschlossen davon. Und ich blieb zurück tu PT fühlte erbittert verstärkte Unruhe. Es wurde mir immer klarer, uj III meine Situation verteufelt heikel war. । e 11 Hol' der Kuckuck die ganze gefährliche Rücksichtnahme, dachte 4 |B schließlich grimmig. Ich will jetzt klar wissen, was in dem Etui mitty ilr 1 drin ist. Und entschlossen nahm ich den Koffer auf und wollte ihn öf«l Aber gerade da kam der Steward und bat mich zur Zollkontrolle. 1 Das Schiff hatte angelegt. Ein Zollbeamter war an Bord getan« Er saß jung und gut gelaunt im Speiseraum hinter einem Tisch wi kontrollierte, als ich hineinkam, gerade den Koffer von Fräulein Lorsch Er tat das gründlich und fast schien es mir, als lasse seine gute Lm nach und als zeige er sich enttäuscht, weil er nichts fand. Sie stand iita__ legen lächelnd dabei, dann nahm sie heiter den Paß, den er ihr packte ihren Koffer zusammen und ging. Als ich dann an den Tisch tzMM hatte ich Herzklopfen. Ich sah mich bereits als Schmuggler nerbrfW*_2_—- Der Beamte blickte enttäuscht und erbittert, wie mir schien, hinter (ein Larsen her und sagte leise etwas vor sich hin. Ich verstand es M weil es norwegisch war. Aber ich hatte den Eindruck, als sei es grituM gesagt. Als er sich mir dann zuwandte, lächelte er mich wohlwollend m stempelte den Paß und fragte in gutem Deutsch: „Haben Sie zollpflichtige Sachen?" „Nein. Nichts." Ich würgte es mühselig heraus. „Danke!" sagte er freundlich und hatte schon einen anderen Piz I der Hand. Mein Gepäck interessierte ihn überhaupt nicht. Ich nahm Koffer und stolperte verwirrt aus dem Raum und über das 5aUret| Draußen am Kai wartete schon Fräulein Larsen auf mich. Sie w ganz aufgeregt. ,^>at der Beamte den Apparat gesehen?" fragte sie rasch und m „Nein, besser ist, der Beamte sieht den Apparat überhaupt nicht", erwiderte Fräulein Larsen. Dann deckte sie Wäsche und Bücher darüber und klappte den Koffer energisch zu. ■ „Versprechen Sie mir noch eins", bat sie dann, „wenn der Beamte den Apparat findet und irgend etwas fragen sollte, sagen Sie ihm unter keinen Umständen, daß er mir gehört. Er muß ihn unverzollt durchlassen. Ich weih das ganz genau. Und er darf nicht merken, daß wir uns überhaupt kennen." x Ich versprach es erstaunt. Aber ich verstand das alles nicht. Alles erschien mir plötzlich geheimnisvoll und rätselhaft. Fräulein Larsen lächelte aufgeregt. Aber dies Lächeln verscheuchte nicht die ungestümen Fragen, die mich bedrängten. Warum so viel Getue um einen Apparat, den wahrscheinlich jeder Reisende einführen'darf, wenn er zum Gepäck gehört? Warum mußte ich versprechen, unter allen Umständen die Bekanntschaft mit Fräulein Larsen zu verleugnen? Und dann kam mir der Gedanke, daß ich den Apparat selbst ja gar nicht gesehen hatte, sondern nur das Lederetui, Wenn nun in dem Etui überhaupt kein Apparat war? Mir wurde unangenehm schwül. Und langsam machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, daß in dem Etui kein Photoapparat war, daß etwas anderes darin versteckt sei, etwas Gefährliches, das ich, der dumme Verliebte, über die Grenze schmuggeln sollte. Um meine Gedanken nicht zu verraten, lächelte ich tapfer und plauderte drauf los. Aber beständig zerquäkte ich dabei mein Gehirn mit all den Fragen, die wissen wollten, was wohl in dem Etui sein möge. Die Lichter des Hafens kamen näher und die Schiffsglocke läutete. Gleich würde das schiff anlegen. Ich stand neben Fräulein Larsen an der Reeling und spürte eine unerträgliche Nervosität. Auch sie zeigte sich jetzt offensichtlich unruhig. Angestrengt spähte sie zur Landungsbrücke, auf der einige Menschen warteten. Als die Marinen aufhörten zu arbeiten, wandte sie sich hastig zu mir und sagte: „Also bis später.^Ich gehe vor Ihnen durch den Zoll. Draußen am Kai warte ich auf Sie." geschah bas, was mich zuerst etwas stutzig machte. Ohne sich im mindesten zu genieren, griff Fräulein Larsen in den Koffer, schob eifrig Wäsche und Bücher an die Seite und legte ganz unten den Apparat hin. „Es-ist doch nicht notwendig, daß man ihn so versteckt", sagte ich verwirrt. „Der Beamte kann den Apparat doch ruhig sehen." konnte ich ihr auf dem Schiff doch nicht um den Hals fallen. Ich 1 ja in Dienst. Aber ich durchsuchte ihren Koffer. Das durste ich. Unb war so neugierig auf den Apparat. Ich suchte und suchte. Ader einem Photoapparat keine Spur. Dabei hatte ich doch jeden Tag ei' Brief geschrieben, müssen Sie bedenken! Dann kam ich zu Ingrid»' Hause. Und als wir uns geküßt hatten, sagte Ingrid „Hokuspokus" ' hielt mir einen Photoapparat hin. So als ob sie ihn aus der ® JJjl.1 geholt hätte. War das eine Ueberrafchung! Ich war ganz blöd >. Freude. — Hier — nehmen Sie noch einen schlau die Frauen sind. Persteckt den Apparat in einen fremden Kosst» Aber dann habe sie ihm von meinem Verdacht erzählt und J* meiner Unruhe. Und das täte ihr furchtbar leid. Und ihm auch. 1 und die Sache müsse doch bei einigen Gläsern guten alten Whb g < zu regeln fein, nicht wahr? I /p Er sagte das alles lachend und etwas verlegen. Aber als mit J : ; ![i ganze Komik der Geschichte aufgegangen war, platzte auch aus mir * i Je Lachen. Und nun lachten wir beide um die Wette. „ , «P Und noch viele Whiskys wurden auf den Apparat, auf ein blaf* .(*• schlaues Mädchen und auf unsere neue Freundschaft getrunken. ? Tja, die Sache sei die, daß feine Braut ihn geschickt habe. Aig des Irrtums mit dem Apparat. Fräulein Larsen sei nämlich seine müsse ich wissen. „Und schlau ist sie, nicht zu glauben, wie schlau ftej j . Sehen Sie, sie wußte, daß ich mir immer einen Photoapparat gewiiif y1 geregt. ■ l Ht mefj „Nein!" sagte ich, „aber ich glaube, mit dem Apparat stimmt ete nicht. Was ist wirklich in dem Etui?" Fräulein Larsen war ehrlich perplex. Ihr Lachen war gründlich m inttooi Ich sah in ein fassungslos erstauntes Gesicht. Aber ich kümmerte nti nicht darum. Mich hatte die ganze Aufregung wütend und unduiÄ gemacht. Nervös holte ich das Etui aus dem Koffer. Als ich es in 6 Hand hielt, machte Fräulein Larfen eine Bewegung, als wolle sie da sie plötzlich entschlossen. Ich beteuerte eifrig, daß ich natürlich gern wollte. „Also gut Hören Sie zu! Ich habe da einen Photoapparat in Deutschland gekauft. Sicher muß ich den verzollen. Und Sie sind doch Journalist. Journalisten haben doch meist einen Photoapparat bei sich. Wenn Sie also meinen Apparat durch die Zollkontrolle nehmen würden, käme das dem Beamten gar nicht verdächtig darum bitte meinen Apparat in Ihren Koffer. Wenn lagen, er gehöre zu Ihrer Berufsausrüstung, sieht einmal an. Und Zoll verlangt er ganz gewiß nicht würden Sie das für mich tun?" cy war ganz mou 1,1 Whisky. Unerhört, r ■ 1 Rete gungen: . „Seien Sir mir bitte nicht böse — meine Nervosität — ich daqt ' es wäre ..." stotterte ich verwirrt. Sie sah mich fassungslos an te sagte nichts. Und während wir ratlos schwiegen, hörten wir Stimm 1 näher kommen. Fräulein Larsen sagte erschreckt und hastig „Gute Nrhi! und ging eilig davon. T ■ Während ich meinen Kofser ausnahm und schloß, tarnen die Stimm ,, näher. Es waren der. junge Zollbeamte und ein anderer Mann. Wo hd