Nummer H7 ßreitag, -en 25. )uni Jahrgang 1959 Sta« । äH^i na J «in fc «i »t $u ü. W, &1 bit fc' Wi ins 8i i benjjt SietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger « M 5 Md»! imde hm ne in h ni< ins acht! fc 3ns jfe nb M) >en rot drei [to Jffl W le* drei fc Flieh« guten Ii otoloiw > umptlii: Hafen te mto rtj nm« rot WM« die M iiften, „$ >nd übet* >steW« er Ä: n W ter?' >m eslr mfch««' « Ml«* Steg »• 1 ihm * ijrücft»r mit -* ,n>ortr«i', ei*'S Kick' rittittfl 1 .f wie KS Ä O ktz e« * T* IM I '1?d Kl Kl^ 1 VL Line Armee meutert SGHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Lin Vericht von P.L.Ettighoffee L » p t> r i g h t b y Bertelsmann Gütersloh 2. Fortsetzung. Ist diese Operation möglich, werden Die fragen, meine Herren! Auf liefe Frage hat Ihnen die französische Verdun-Armee bereits am 24. Ok- ober und am 15. Dezember eine positive Antwort gegeben. Ich erkläre ihnen hiermit, wir werden die deutsche Front durchbrechen, wann wir »ollen, unter der Bedingung, daß wir nicht gerade den stärksten Punkt ingreisen und unfern Zugriff so brutal gestalten, daß er in 24, spätestens n 48 Stunden zum Sieg, das heißt zur Feldschlacht und zur anschließen- len Verfolgung führen muß. 3d) fasse zusammen: Ein heftiger Angriff auf breiter Front wird auf i'anzosischer und britischer Seite begonnen mit dem einen Ziel, den darchbruch zu erzwingen. Es ist nicht nötig, daß an allen Stellen des Angriffs die feindliche Front durchbrochen wird. Nein, es genügt durch- >us, wenn die deutschen Linien in einem natürlich ziemlich breiten Ab- ihmtt ausgerollt und vernichtet werden. Währenddessen haben die andern Frontabschnitte den Gegner durch ständige unermüdliche Kampftätigkeit ]u fesseln. Hinter der Einbruchsstelle wird die Kavallerie in großen Massen lereit stehen. Ihre Stunde schlägt, wenn unsere Jnfanteriesturmtruppen lie deutsche Schwerartillerie erreicht und unschädlich gemacht haben. Dann werden sich unsere Kavalleriemassen in Bewegung setzen und das seind- !che Hinterland überschwemmen, Dörfer, Bahnlinien und Straßen sichern nb dem fliehenden Feind auf den Hacken bleiben. Nach dieser letzten >hase des Kampfes wird das Gelände frei fein für jegliche Entfaltungs- nöglichkeit. Wir können uns Belgien zuwenden und Brüssel befreien, ßir können aber auch unsere Kavalleriemassen auf dem linken Maasufer ntlangreiten lassen bis zur holländischen Grenze, um einen Sperrgürtel ii legen und so die ganze deutsche Armee westlich davon einem neuen »edan entgegenzuzwingen. Für die französische und die britische Armee »ird dann eine herrliche Siegesernte beginnen. Die späteren Einzelheiten «geben sich zwangsläufig im Rahmen des Geschehens. Um eine solche Schlacht zu führen, müssen wir sie mit dem uner)chut- - brlichen Glauben an den Erfolg beginnen, mit dem festen Willen, bis um Ende zu gehen ohne Rückblick. Ich, als Oberbefehlshaber, bin ent- | Ichlossen, alle Kräfte Frankreichs für diese Schlachten zu mobilisieren, |l md ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß Sie, Marschall !iaig, den gleichen Vorsatz bei Ihrer Regierung durchdrücken werden. Unablsiingig von unserem gemeinsamen Streben und unserer gemein- limen großen Schlacht in Frankreich muß auf allen Nebenknegsschau- ' Sätzen der Kampf mit gleicher rücksichtsloser Heftigkeit entbrennen. Sie | l agen nnch nach dem Zeitpunkt des Losschlagens, meine Herren. Setbst- ! verständlich haben die Alliierten das größte Interesse, sobald «ne nur möglich loszuschlagen. Es ist ferner von größtem Interesse, diese Schlacht mit dem vollen Einsatz aller Mittel zu beginnen, aber auch in einem tugenbtid, da wir noch die volle Ueberlegenheit dem Femd gegenüber tiesitzen. Warten wir noch bis zum 1. Mai, dann wird der Femd erneut Une Kräfte gesammelt haben. Er wird seine Rekruten ausgebildet m die iüaagschale werfen können, und wer weiß, ob dann nicht diese Waagschale i ich zu seinen Gunsten neigt. Ich möchte sogar behaupten, es durfte dann > [ein. Deutschland strengt sich augenblicklich fürchterlich an. Seme Kriegs- mdustrie leistet Gewaltiges, und was wird dann fein, wenn die jegt an ®r Ostfront festgehaltenen Streitkräfte frei werden! Für die nächsten Wochen aber sind diese Streitkräfte noch dort gefesselt. Deshalb liegt s in Merem Vorteil, die Offensive baldigst zu beginnen. Ich behaupte, daß I ;ee,s allein die richtige Auffassung vom Kriege ist, jetzt nach zweieinhalb I ' ähren Kampf. Eine andere Auffassung, wie Kampf um kleinere, Front- ff *-**c oder geringere Ziele, ist unmöglich, denn solche Geringfügigkeiten i ^ben den Ausgang des Krieges nicht beeinflussen können. Nur groß- ■ Mgiger, rascher Angriff verringert beträchtlich unsere Verluste und unser I ., .. ■ . Wenn ich Ihnen, meine Herren, diesen Plan vorschlage, dannweiß ich, I die französische Armee den Löwenanteil an Opfern auf sich nehmen I- ®lrb, obwohl Frankreich das geringste Risiko bei einem zogernden tlb- marten tragen würde. Wahrscheinlich würde der Feind nach der Nieder- ! von Rumänien und Rußland seinen Hauptstoß irgendwo iM L ,".!nen, oder in Italien, oder oben an der Küste «egen die britische oder ™ Armee führen. Nach der blutigen Abfuhr bei Verdun ist es I t^M°sstn, daß die Deutschen in absehbarer Zeit wieder die franzo i- I '2en Hauptkräfte angreifen werden. Aus gwralischen Gründen kann die Deutsche Oberste Heeresleitung solches ihren Soldaten oder dem deutschen Volk nicht mehr zumuten. Frankreich ist trotzdem entschlossen, die Hauptwucht des Kampfes zu tragen, weil es notwendig ist, endlich zu einer Klärung zu kommen und die deutschen Streitkräfte durch eine großartige Offensive zu zerschlagen. Frankreich ist entschlossen, die geplante Offensive unter allen Umständen durchzuführen bis zum großen Endsieg." Die versammelten Generäle spenden uneingeschränkten Beifall. Der Weg zur großen Nivelleschen Offensive ist frei. Es gibt kein Zurück mehr, Die Würfel rollen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Am zweiten Tag: „Einmarsch in Laon". Der große Chef, „General Durchbruch", wie man Nivelle im Kreise der höheren Offiziere jetzt schon scherzhaft nennt, hat gesprochen. Und nun, zwei Tage später, spricht auch sein ihm treu ergebener Helfer und Kampfgenosse vom Trichterfeld um Verdun, General Mangin, genannt „der Grimme". Von Mangin weiß man, daß er, der erfahrene Troupier, der wetterharte ehemalige Kolonialsoldat, für sich und seine Soldaten keine Weichheit kennt. Er verlangt von sich und von ihnen das Höchste an Einsatz und Pflichterfüllung, aber er ist auch ein Vorgesetzter, der eifersüchtig über das leibliche und seelische Wohlergehen seiner Kolonialsoldaten wacht. Er weih, daß er dem Soldaten, der da stürmen und unerbittlich angreifen soll, etwas bieten muß, ein Ziel, eine Fahne! Bei Verdun war dieses Ziel der Douaumont. Hier ist's die Stadt Laon. Seit Monaten und Jahren sehen die französischen Artillerie-Beobachter aus einigen geschützten und besonders vorgeschobenen Stellen der Front am Damenweg die hochaufragenden Zwillingstllrme der alten ehrwürdigen Kathedrale von Laon. Wie eine Fata Morgana, wie eine ferne Lockung, wie eine Verhöhnung fast und ein Zeichen französischer Ohnmacht steht unerreichbar die Kathedrale von Laon auf dem steilen Hügel. Manchmal, so will es scheinen, winkt die Kathedrale, und ihr Türme sind wie erhobene Schwurfinger, die gen Himmel klagen, weil die Retter immer noch nicht nahten. General Mangin hat die Stadt und Festung Laon zum ersten Ziel des großen Angriffs in der kommenden Schlacht erkoren. Zwei Tage, nachdem Nivelle gesprochen hat, spricht General Mangin und gibt folgenden Befehl an seine VI. Armee aus: „Der Oberbesehlshaber hat die Absicht, die deutsck)en Linien zwischen Hurtebise und dem Aisne-Oise-Kanal zu durchbrechen. Dieser Durchbruch bedingt die Wegnahme aller feindlichen Verteidigungsanlagen in einem Sprung. Dieser Anlauf hat durchzugehen bis zur feindlichen Artillerie. Am selben Tag haben die Angrifsstruppen die Höhenrücken zu erreichen, welche die Ebene von Laon im Süden überragen. Die ausgehende Sonne des folgenden Tages wird den Durchbruch unserer Kavallerie in die Ebene von Laon beleuchten, sowie die Besetzung der Linie Laon—Lanis- court-^Anizy—le Chateau. In einem einzigen Satz, geschützt durch ein Sperrfeuer, das 70 ober 80 Meter vor ihr wie eine eherne Wand niedergeht, hat die Infanterie mit einer Marschgeschwindigkeit von 100 Meter in drei Minuten vorzurücken. Die Nordabhänge des Damenweges sind genau drei Kilometer nördlich der Ausgangsstellung, so daß diese Linie innerhalb 90 Minuten erreicht sein maß. Hierbei hat die verrückende Infanterie ihr befonberes Augenmerk auf die Reinigung aller natürlichen Höhlen zu richten." Eine kühne Sprache, die hier geführt wird. Bei diesem Ton muß sich der Glaube an einen sicheren, unbedingten und raschen Sieg verbreiten. Dies alles ist psychologisch sehr wichtig. Ein gesunder Optimismus wächst. Die Befehle von Nivelle und besonders die Ergänzungen von Mangin werden zuerst in eingeweihten Kreisen besprochen. Man berauscht sich an ihnen. Man freut sich am langgestreckten und deutlichen Ziel. Das hier ist wenigstens noch ein Plan, das ist die Vorbereitung zu einer gewaltigen Tat, die ewig in Frankreichs Geschichte glänzen wird. Vielleicht ist die Freude zu groß, und diese große Freude bewirkt, daß man alles mit einer unglaublichen Verantwortungslosigkeit im Kreise der Kameraden bespricht. Weder Nivelle noch Mangin haben ihre Befehle mit dem Zeichen „Geheim" versehen. Deshalb fühlt sich niemand zum strengen Stillschweigen verpflichtet. Alle diese Generäle und Offiziere vom Stabe, die berufsmäßig eingeweiht sind, sprechen zwar unter sich von diesen Dingen, aber es gelangt hier und da etwas in die breite Masse. Die Befehle werden ja von Schreibkräften vervielfältigt, wandern durch verschiedene Meldestationen. Und niemals als Geheimbefehl. So kommt es denn, daß bald mehr Menschen von diesen Dingen erfahren, als es für den Plan eigentlich gut ist. Bereits Ende Januar spricht man in den Pariser Salons ganz offen von der bevorstehenden gewaltigen Endschlacht des Krieges. . . . In diesen Tagen sitzen zwei Generalstabsoffiztere im Case de la Paix zu Paris. Ein Zivilist rückt zu ihnen und fragt jovial: „Na, wann geht die Sache eigentlich los, da oben an der Aisne-Front? Ist's bald soweit? St l t k die ihr unterstellten Formationen. Sie verbietet jegliche Angriffe, auch solche zur Verbesserung der eigenen Stellung. Sie ordnet an, daß alles der Verteidigung zu dienen hat. Die Reserven müssen geschont werden. Bis zum 1. Februar sollen in den eigenen Stellungen alle notwendigen Abwehrmahnahmen, Verstärkungen der Beobachtungsstände, Einbau von schweren Maschinengewehren, Ergänzung des Drahthindernisses und so weiter durchgesührt werden. Die Kälte wird von Tag zu Tag unerträglicher. Es ist ein Winter, wie man ihn eit Menschengedenken in Deutschland und in ganz Westeuropa nicht gekannt hat. SDletertief dringt der Frost in die Erde Frankreichs. Jede Schanzarbeit erlahmt. Die unterernährten deutschen Soldaten können die ihnen auferlegte Arbeitslast nicht mehr bewältigen. In den ersten Februartagen setzt plötzlich, aber für kurze Zeit nur, ein unvorhergesehenes Tauwetter ein. In den Stellungen beiderseits der Ancre steigt das Wasser bis zur Brusthöhe. Grabenwände stürzen ein. Unterstände ersaufen. Die Truppe liegt eng zusammengepfercht in wenigen noch gangbaren Grabenstücken. Eine Verteidigung des ganzen Stellungssystems ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. . In der Gegend von Armentieres liegt die VI. Armee m Stellung. Auch dort sind die Gräben infolge des Tauwetters und der raschen Schnee- schmelze innerhalb von 48 Stunden völlig unbrauchbar geworden. Im eisigen Schmelzwasser harren die deutschen Posten aus bis zum Ende ihrer Kraft Dann werden auch hier rückwärttge Notstellungen bezogen. Bei all diesem Elend, bei all diesem Kampf gegen die Elemente behält der Feldgraue seine gesunde Laune. Die Truppe der VI. Armee bezeichnet sich selbst im grimmigen Scherz als „Wasserkorps". Sehr schlecht ergeht es auch den Deutschen am Vimy-Rucken. Auch dort erstickt alles im Schlamm und Wasser. Und bald setzt wiederum ein klirrender Frost ein und läßt die herabgerutschten Schlammassen erstarren. Sie können nicht weggeräumt werden. Ein unhaltbarer Zustand! Dann schon lieber Kamps gegen Menschen, als dieses ohnmächtige Anstemmen gegen die unerbittliche Kälte. Gegen Menschen kann man sich wehren; die Natur aber bleibt unbedingt und immer siegreich. Nein, es ist keine günstige Lage, in der sich die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern befindet. Im zweiten tzebruardrittel hat die Truppsehr stark unter vermehrten feindlichen Feuerüberfällen zu leiden. Fast: jede Nacht stoßen die Gegner an irgendeiner Stelle des 270 Kilometerlangen Frontabschnittes mit mehr oder weniger starken Streifen vor, um die deutschen Linien abzutasten. Bei Le-Transloy gelang es den Engländern bereits am 27. Januar, in 600 Meter Breite unsere vorderstem Linien zu besetzen. Wir hatten damals, da zu sehr mit dem Ausbau, rückwärtiger Verteidigungsanlagen beschäftigt, keine Gelegenheit, bie Scharte sofort wieder auszuwetzen. Nun, im Februar, steigert sich die feindliche Artillerietat,gkeit ganz; unerträglich. Ihr Feuer gilt in der Hauptsache den deutschen Batterie-- stellungen und Anmarschwegen. Das helle, frostklare Winterwetter begünstigt die Mitwirkung von Fliegern. Zwischen Serre und Ancre greifen: die Engländer verbissen an. Sie werden am 12. und 13. Februar mitt schweren Verlusten zurückgeschlagen. Einige Tage später, am 16. gebruar„ setzt der Gegner seine Angriffsziele bei Miraumont und bei Sailly-Sailliseu fort, gleichfalls ohne Erfolg. , Kein Zweifel, die Gegner beabsichtigen einen Großangriff aus Die deutsche Front. Das planmäßige Abtasten unserer Linien, das Einschießem vieler Batterien, das langsame Anpeilen und Zudecken unserer eigenem Geschützstellungen, dies alles zeigt der Heeresgruppe Kronprinz Ruprechl von Bayern, daß auf ihrem Abschnitt der Schwerpunkt kommender blutigen Ereignisse zu erwarten ist. Aber wann, wie und wo? Während noch die Deutschen bei Sailly-Saillisel und Miraumont ihre durch heftiges Feuer und die Angriffe vom 16. Februar in Unordnung geratene Verteidigungsstellung wieder ordnen und neu ausbauen, bekomm» die Heeresgruppe Kenntnis von einer wichtigen Nachricht. Der Fang auf Höhe 185. Die deutsche Truppe nimmt die starke und ständig wachsende Töstgkeiti der Gegner nicht unbeachtet hin. An vielen Stellen der langen Fron» brechen immer wieder Patrouillen vor, bringen in die feindlichen Grabein und machen Gefangene. Das zur Untätigkeit verdammte deutsche Fronthee» macht seinem Tatendrang durch Teilunternehmen Luft. Der Feldgroua fühlt sich beengt zwischen bald gefrorenen, bald verschlammten Grabenwänden. Es treibt ihn hinaus, es muß etwas geschehen. Streng genommen gehört die Champagne-Front nicht mehr zum schnitt, der vom Nivellefchen Angriffsplan bedroht ist. Aber auch dort sino die Franzosen rege tätig. Sie schanzen, sie minieren, sie schleppen Materien und Munitton herbei, besonders in der Gegend von Ripont, 9C”?U.” gesagt auf „Höhe 185", einem hervorragend strategischen Punkt. In Die,« öden „Lause-Champagne" scheint's nicht mehr recht geheuer zu sein Don hegt der Franzose bestimmte Absichten. Aber welche? Nun, das wird wo gleich sehen. „ Beim Morgengrauen des 15. Februar 1917 schmettert deutsches -oe" nichtungsfeuer aus „Höhe 185", und ehe sich die Grabenbesatzung vo Schrecken und von der Ueberraschung erholen kann, bricht die feldgrau« Infanterie schneidig vor. Sie kommt rasch vorwärts im steinhart gefrorene Niemandsland. Alle wasiergefüllten Trichter sind mit dicker Eiskruste überzogen. Es ist zuerst ein fast müheloses Anstürmen gegen die franzosyaM Stellungen. Die Granaten aber, die bald rechts und links, vor unb pnw und zwischen den Deutschen niedergehen, haben fürchterliche Wirkun» Der glasharte Boden verdoppelt und verdreifacht die Sprengwirkung o Geschosse. Dennoch, die deutschen Staßttuppen kommen rasch voran, unbeirrt bahnen sie sich ihren Weg durch die Zusammenballungen vo Stacheldraht und zerschossenen spanischen Reitern. Jetzt beginnen die tt zösischen Maschinengewehre ihr Feuer. Aus allen Scharten. ^nter Brustwehr hervor tackt das Kleingewehrfeuer. Der Tanz der Sperrten granoten nimmt jetzt mit jeder Sekunde an Heftigkeit zu. (Fortsetzung folgt.) ■ Die Offiziere staunen und möchten den Sprecher warnen, denn was der hier vorbringt, ist kein Thema für ein öffentliches Kaffeehaus mit internationalem Publikum. Sie blicken ihn scharf an, sie antworten nicht und tun verwundert. Er aber: „Meine Herren, das pfeifen doch die Spatzen von den Dächern, die Schwarzen des Generals Mangin werden bald zu einer ganz großen Sache angesetzt. Mangin will doch in Laon seine Osterferien verleben, wenn nicht gar schon irgendwo am Rhein. Die Offiziere sind empört. Einer geht hinaus, ruft die Kriminalpolizei. Ein Kommissar erscheint und bittet den neugierigen und geschwätzigen Zivilisten ganz unauffällig ins Nebenzimmer. Die beiden Generalstabs- Off?,!ffiei(cn9Sie sich bitte aus", sagt der Kommissar. „Wie kommen Sie zu diesen unvorsichtigen Aeuherungen?" fragt einer der Stabsoffiziere. Der Zivilist weift sich aus. Er ist ein braver unbescholtener Bürger, völlig unverdächtig in jeder Beziehung, Ritter der Ehrenlegion. Was er gesagt hat, das ist doch allgemein bekannt. Kann man ihm daraus einen Strick drehen? Er kann aus dem Stegreif sofort zehn, zwanzig, hundert Menschen nennen, die vielleicht noch mehr wissen als er. Und zu den Generalstabsoffizieren gewandt: „Aber meine Herren! Sind Sie allein [o fremb in Paris, daß Sie nicht wißen, was hier geredet wird? Sicher, in den Zeitungen steht das ja nicht, aber jeder Fronturlauber erzählt doch ganz offen hinter seinem Weinschoppen, daß es zwischen Reims und Soissons demnächst losgeht, und daß Nivelle und Mangin den strategischen Versuch von Verdun wiederholen werden." Die beiden Offiziere sehen sich an. Das ist ja eine bodenlose Unvorsichtigkeit, das ist, gelinde gesagt, eine Schweinerei. Was wird der französische Nachrichtendienst dazu sagen? Die Deutschen haben allen Grund, sich ins Fäustchen zu lachen, denn noch nie wurde eine Offensive so früh und so offen und so lächerlich freimütig wochenlang, ja monatelang vor ihrem Beginn durch Dummheit oder Klugtuerei verraten. Jawohl, weiter nichts als Großtuerei. Aber wenn die beiden Generäle, Nivelle und Mangin, in der Klarlegung ihrer Pläne so großzügig sind und keineswegs an Geheimhaltung denken, wie sollen dann die Untergebenen den Ernst des Ganzen zu beurteilen wissen? Kann man in diesem Falle von einem Regimentsschreiber verlangen, daß er seiner Frau oder feiner Liebsten daheim auf Urlaub ober feinen Freunben am Stammtisch bieje tolle und interessante Nachricht vorenthält? „Meine Herren! Ich verstehe schon", sagt ber Zivilist unb broht scherzhaft mit bem Finger. „Diese Nachricht von ber bevorstehenben großen Offensive zwischen Reims unb Soissons ist weiter nichts als ein großer Bluff. Wißen Sie, meine Herren, ich war ja auch Solbat, heute bin ich zu alt, um nochmals an bie Front gehen zu können, aber ich weiß, baß man Nachrichten von biefer Tragweite nicht preisgibt. Wenn man aber eine solche Nachricht unters Volk bringt, wenn ganz Paris bavon weiß unb bie ganze Provinz sich schon jetzt barauf vorbereitet, Siegeskränze zu roinben, bann nenne- ich bas Ganze eine gerabezu geniale Irreführung. Di« Deutschen sollen natürlich erfahren, bah Nivelle unb Mangin an ben unb ben Punkten angreifen werben. Sie werben bort aufpaßen wie bie Schießhunde, die verdammten Boches, und siehe, — währenddessen wirb Nivelle an ganz anberer Stelle feine Poilus zum Sturm antreten laßen — haha —, bas ist eine Kriegslist fonbergleichen! Jetzt verstehe ich Ihre Aufregung, meine Herren ----" Der Zivilist wirb energisch verwarnt. Die Generalstabsoffiziere packen ihn bei seiner Staatsbürgerehre unb seiner Vaterlanbsliebe unb legen ihm bringend nahe, kein Wort mehr über diese Dinge verlauten zu laßen und jedem Schwätzer, wer er auch sei, energisch über den Mund zu fahren. Dann fahren sie sofort nach Beauvais, wo Nivelle sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, 40 Kilometer nordwestlich von Chantilly. Sie laßen sich beim Generalstabschef melden und erzählen ihm ihre Beobachtungen in Paris, verheimlichen keineswegs, daß jedes Kind eigentlich schon den Nivelleschen Operationsplan in seinen großen Zügen kennt. Diese Beschwerde der beiden Offiziere hat sofortigen Erfolg. Nivelle erläßt einen neuen Befehl, der jede außerdienstliche Erörterung über feine Anordnung und feine Taktik strengstens verbietet. Nicht genug! Die Vervielfältigung feiner Instruktionen vom 14. Januar wird unterbunden, die vorhandenen Exemplare aus dem Dienstverkehr gezogen. Nur die aller- notwendigsten Blätter bleiben bei der Truppe, dürfen aber unter keinen Umständen mit in die vorderste Linie genommen werden. Wissen die Deutschen schon von diesem Angriff? Ist irgendeine Nachricht über das feste Gefüge ber waffenstarrenden Linien durchgedrungen? Die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern rüstet die Verteidigung! Während General Nivelle die Einzelheiten feines großen Angriffs- planes der gewaltigen Schlußschlacht dieses Weltkrieges ausarbeitet, richten sich die Deutschen zur Verteidigung ein. Der wahrscheinlichen Angrisss- front gegenüber, das heißt zwischen dem Wytschaete-Bogen und Reims, liegt aus deutscher Seite die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern. Ihr Hauptquartier befindet sich in Cambrai, etwa im Mittelpunkt der gewaltigen Front und ziemlich dicht hinter der Kampflinie. Die ganze Ausdehnung dieses Frontabschnittes beträgt mehr als 270 Kilometer. Die schweren Kämpfe an der Somme hatten die Front etwas in ihrer Mitte eingebuchtet und der deutschen Verteidigung harte Verluste zugefügt. Nun ruht der 270 Kilometer lange Gürtel aus Feuer, Rauch und Explosionen, bas heißt, was man so hier ruhen nennen kann. Die große Schlacht mit unübersehbarem Munitionsverbrauch ist vorbei, aber es gilt, sich jetzt auf neu« Angriffe gefaßt zu machen. Mit dem ersten Wiebererscheinen bes Frühlings, mit dem Längerwerben ber Tage, mit bem Verschwinden ber Nebel unb ber sibirischen Kälte dieses ungewöhnlich barten Winters werden bie Feinde angreifen. So rechnet man beim Stab ber Heeresgruppe. Am 15. Januar 1917, einen Tag, nachdem General Nivelle feinen ttnungsfrvhen, ja begeisterten Armeebefehl herausgegeben hat, erläßt Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern eine Denkschrift an igteii W en irer wirt- uch die Mehr- Oas deutsche Danzig. Von Ernst o. Niebelschütz. Die Weihe der Nacht. Von Friedrich Hebbel. Nächtliche Stillei Heilige Fülle, Wie von göttlichem Segen schwer, Säuselt aus ewiger Ferne daher. Was da lebte, Was aus engem Kreise Aus ins Weite strebte, Sanft und leise Sank es in sich selbst zurück Und quillt auf in unbewußtem Glück. Und von allen Sternen nieder Strömt ein wunderbarer Segen, Daß die müden Kräste wieder Sich in neuer Frische regen. Und aus seinen Finsternissen Tritt der Herr so weit er kann, Und die Fäden, die zerrissen, Knüpft er alle wieder an. ung. & i Echi» kndeifyt n. Seit der gt t sich sch Auch ta in Hin« irren.« )ann stz nen D die Jta KrmM )ie Iniff iben. 5® MM 'n wr,» den ütf porhitfn m feto mijeit, kl lffe, gge ®enbi|ti IDQy Qj, 5 Unijl Einfch^ rer iz W" der .um»111' 11110*'! >n, btlo* ■ «ter, eil ‘»fteHrif; ontrei^ in töt» en etfit. '**. ns Nr ufen. Di i ©ralw »«& X- Ä be< ngen © ] Den®*/ Lin Glück, daß der eilfertige Zerstörungsübermut des vorigen Jahrhunderts der dem Götzen Verkehr so viel Unwiederbringliches geopfert hat wenigstens diesen acht Mottlau-Toren scheu ausgewichen ist! Anders als' Hohes Tor und Stockturm am westlichen Ende der Langgasse, die nach der Beseitigung der Wälle sinnberaubte Schaustücke sind, stehen sie unter sich im Zusammenhang, sind also für das Auge noch wirkliche Sperren und welchen Wert sie für das Stadtbild haben, wird leder ermeßen' können, der einmal die Gaffen, deren Abschluß sie bilden, von der Marienkirche zur Mottlau hinabgeschritten ist. Nirgends kann man das Danziger Haus, seine Eigenart und vor allem seine Voraussetzungen besser studieren als vom Marrenturm aus. Die schmalen und tiefen Grundstücke bedingten seine einseitige Hohen- entwickluna und damit die Engbrüstigkeit der Fronten, die oft nicht für mehr als nur drei Fensterächsen Raum lieh. Die Regel ist das Giebelhaus Wendung der Traufenseite nach der Straße kommt kaum vor. Das hüpfende Auf und Ab der langgestreckten Satteldächer und der Ein? senkunaen zwischen ihnen ist, mindestens für die Rechtstadt, noch heute z charakteristisch für diese aus das dichtgereihte Giebelhaus emgeschworene Seestadt die bei dem ununterbrochenen Zuzug immer neuer Kolonisten aus dem übrigen Deutschland den Wohnraum mit der Elle bemessen, das heißt in di« Höhe bauen muhte. Einen gewissen Ersatz für das fehlend« Gartenland boten die „Bei» schIäa e", in den Straßenraum vorgerückte Steinterrassen, die den Bewohnern den Aufenthalt im Freien ermöglichten wie den Kleinbürgern der Vorstädte die balkonartigen Lauben der „Kanzelhauser . Grohtew- teils um des leidigen Verkehrs willen und ost ganz unnötigerweise beseitigt haben sich die Beischläge leider nur noch in einigen verträumten Gassm in stattlicher Folge erhalten, auch sie eme zener Erkennungsmarken, die dem Danziger Straßenbilde das Gepräge geben. Im übrigen gilt für die Bürgerhäuser das schon von den Kirchen Gesagte: ihre eigentümliche Schönheit ist das In-Reih-und-Glied-stchen, f0 wenig es an einzelnen Prachtstücken fehlt. Der Hauptreiz, den ein Gang durch die Straßen gewährt, ist eben doch die Bereitwilligkeit eines jeden, auch des reicher mit Schmuck bedachten Hauses, sich Widerspruchs- los einer g>egel>ene>n Ordnung einzufügen. Seine bestimmte Physiognomie haben Danzi-g erst RenaiUance und Barock gegeben, wenn auch der Grundriß der Stadt und der meisten Bauten mittelalterlich ist. Bon den Pfarrkirchen abgesehen, di« in der Spätgotik als der Deutsche Ritterorden über Danzig gebot, ent» Mn den sind^hat die Stadt ihr sestliches Kleid m der Zeit ihrer wirtschaft Uchen Blüte, im 16. und 17. Jahrhundert angelegt. Auch die Mehr- rabl der öffentlichen Bauten wie Rathaus, Artushof und di« ost sehr aufwändigen Tore find damals erneuert uudimZeitgeschmackver- ändert worden, wobei weniger die übrigen Ostseestadte, auch Lübeck nicht sondern di« Niederland« di« Zierformen hergelrehen haben Handelsbeziehungen also wiesen den Weg nach Ueberse«. Wenn von polnischer Seit« heut« aus durchsichtigen Gründen auf dm angeblich polnischen Charakter der Stadt hingewiefen wird, so ist das eine durch nichts zu beweisende Behauptung, der man hastens zu- oute recknen könnte daß die Architektur vieler heute polnischer Stadt« stlbst ausgesprochen deutsch ist. Di« jahrhundertelange Personalunion mit Polen hat an dem rein deutschen Gesicht Danzigs auch nicht e t nen onn verändert Kulturell« Zusammenhänge zwischen Danzig und dem Äen PolenMm nachweisen zu wollen, hat sich, so ost es versucht wurde ff5 als vergeblich herausgestellt; sie bestehen nur zu dem, was in Polen nichtpolnischen Ursprungs ist. giebeln gekrönt, steigen di« glatten, durch riesige Fenster geöffneten Mauern am End« schmaler Gaffen senkrecht empor, als wollten sie ihr« Undurchdringlichkeit geflissentlich zur Schau stellen. Dabei sind diese Kirchen mit dem Straßennetz aufs engste verflochten, vor allem die dicht umbaute Marienkirche, deren Zusahrtsstrahen großenteils so angeordnet sind, daß die Schiffe wie Verlängerungen der Gassen wirken. So muh es sein, wo es noch eine Rangordnung der Werte gibt; das Höhe zieht das Niedere an sich heran, ohne daß damit die innere und äußere Distanz zu wirken aufhörte. Es ist das schwer ablernbare Geheimnis jeder alten Stadtbaukunst, diese Ordnungsbeziehungen zwischen dem Kirchengebäude und dem profanen Leben, das es umspült, Kto ar und fühlbar zu machen, nicht aber, wie es beispielsweise in Köln ch di« unselige Freilegung des Domes geschehen ist, den übergeorü- neten Bau mit einer Isolierschicht zu umgeben und ihn so vom Alltag abzusondern. Die Plattform des Pfarrturms gewährt eine weite Rundsicht über Stadt und Land. Wer diesen Blick, der das Pommerellische Hügelland un& das fruchtbare Weichseldelta bis hin zur silbern schwimmernden See umfaßt, verfäumt, kennt Danzig nur halb. Wie aus einem topographischen Plan eingezeichnet, hat man die Stadt zu seinen Füßen. Oder viel- mehr: die einzelnen Stabte, die den Gesarntbegriss „Danzig bilden: rings um die gewaltige Jiegelrnasse der Kirche — sie soll 15 000 Sitz- plätze haben! — die ziemlich regelmäßig gebaute Rechtstadt, dicht anschließend die Neustadt, dann, weiter nach Norden zu, die von der Radaune durchschnitten« Altstadt,, die im späten Mittelalter einen eigenen Verwaltungsbezirk mit eigenem Rathaus bildete. Gegen Süden die Vorstadt mit der Petri- und Trinitatiskirche, jenseits der Mottlau die Insel mit den langgestreckten, für Danzig so charakteristischen Speichern, noch weiter gegen vstey di« Niederstadt, deren Hauptstraßen die Fortsetzung der Langgasse der Rechtstadt ist und am Langgartener Tor ins Freie tritt. In der stürzenden liefe unter uns eilen die kleinen Gassen, die zu durchwandern immer neues Vergnügen bereitet, in strengem Parallelismus zur Mottlau hin, wo jede einzelne — eine Besonderheit Danzigs — mittels eines Tores das Ufer erreicht, keine so originell wie die Breitgasse, an deren Ende das mit Recht berühmte Krantor. eines der Wahrzeichen der alten Handelsstadt, !iSj \ tBie jede alte deutsche Stadt, die im Zuge der neuzeitlichen Entwickln über ihren natürlichen, durch den Verlauf ihres ehemaligen Mauer- kuges bezeichneten Kern hinausgewachsen ist und damit ihr« sied- brsfläche ms Uferlose vergrößert hat, erschließt uns auch Danzig feine E Schönheit nur mit Hilfe einer Befuchsordnung die das Neue und H liche übersieht, um uns das Alte und Wesentliche unverfälscht sehen z lassen. Der erste Eindruck vom Bahnhof aus ist enttäuschend, I« n ar chmetternd. Man sollte sich nach der Ankunft in em g« chlossenes 8u(3 werfen und, ohne Umschau zu halten, aus den Bischossberg im litten der Stadt fahren lassen, wo man einen ersten Generaluberblick Minnen kann. Sind auch die Wälle und Mauern, die einst dem Stabt» bi - den Rahmen gaben, längst gefallen so hat man hier doch noch Inner die beglückende Vorstellung einer baulichen Ganzheit in welcher Ü b d-Teile, al- solche durch die ragenden Pfarrkirchen deutlich erkennbar, icre gjtiji ititiir ordnenden Hand gehorchen. ebruor 4 Alsdann bewerkstellige man seinen „Einzug" so, daß man die Stadl 6.8*1 buch das Langgasser Tor betritt. Man ist dann schon miltm in der llyM Hü ten Siedlung deutscher Kolonisten, die bis in das 13. Jahrhundert Nückgeht, und rann sich nun get rost' der Führung der Straßen über- Mm, die ein Sich-Derlaufen unmöglich macht. Die Hauptverkehrsader kt alten Danzig, die Langgaffe, nimmt uns auf; am Rathaus, das mit .m Riesenturm als wohlberechneter Eckpfeiler wirkt, erweitert ste f ch p Langemarkt, an dessen Ostende das Grüne Tor den Blick auf die >p-icherinsel öffnet und den Weg über die Mottlau in die J i leist. Allein so weit läßt man sich nicht verlocken, ahnt man doch, daß ii gewaltige Turmklotz der Marienkirche, der wenige ^iUe Zeitlich fc? großartigen „Via triumphalis" feine warmrote Backsteinmasse i'ürreckt" die beste Orientierungsmöglichkeit bietet. Wir fühlen, hier higt das Herz dieser Stadt. Als die Pfarrkirche der Rechtstadt, dieser Keimzelle des aus ftins nichiedeuen Bezirken langsam, aber ganz organisch ru^mmengewach- 7 n und schließlich von einem zusammenhängenden 8/stu"S-r'ng ach rommenen Siedlungsgebiet ist St. M a r i e n die ehrwurd ge spM" tilir Danziger Kirchen, das Haupt einer Familie, deren Glieder wohl .igtoi# I kfümmte unterscheidungsmerkmale aufweistn, ihre Abstamm g Wp. wenig verleugnen können, daß, wenn man sich einmal iw> 3ug« ö ■ V iastau eingeprägt hat, man auch die Kinder und Kindesk nder als ilüt von ihrem Blut erkennt. Hier offenbart sich NUN gleich em« SIfensart Danzigs, die diese auf dem Wege der Ko^iMon en ftandene hi-stadt von den deutschen Binnenstadten so merklich unterscheidet. Ms ! ifxlen jener Formenmannigfaltigkeit, die uns etwa in Ro h. g iiikelsbühl fo freundlich umfängt. Ammer spürt man in Danzig das Walten einer gemeinsamen Or^ ung, di« es nickt v/' daß sich das Einzelne allzu eigenwMig vom «hpus entfernt Sd’ - am meisten verwendet« Baumaterial, der d.ckstein auch w. . miT oft in Verbindung mit Hausteinglied«- h gen vorkömmt, war e.ner individualisierenden Bau weise u 'll usg s bis gilt für Danüa noch mehr als für andere Ziegelstadte der y| I W e und zeugt von dem Gemeinsinn der 'M Rat vereimgten Ween. Patriziergeschlechter. Es ist gar nicht so leicht, die 5"$elfLmmen3 ®Is ^'chen, von denen die meisten noch aus gotischer Zeit st - I styltektoNische Persönlichkeiten zu bestimmen Ihre Sippenahiilulste t , K »ill größer als es die Abweichungen von ihr sind. Fast d ch Li I'S Hallenkirchen mit gleichhohen Schiffen auf Bundpfeilern I k ' Udo, di« in ihrem ganzen Habitus dem Vorbild der 'M 15. öagr ''adert zur Halle umgebauten Marienkirche folgen. I i Nirgends im Küstengebiet zeigt sich der SBad'fteinbau, «ni 0 . f iC” Zierliche und Liebenswürdige nicht fremd lfst von o j schroffen Seit« wi« in Danzig. Nicht selten suhl man sich verjuchü j *'n Kirchenburgen zu sprechen, so machtvoll und fast u 8 g Nf'iegentlich, wie etwa bei St. Trinitatis M der Vorstadt, von Sch 4 n liiit W biup [ta U rat« ph p*r ■-itn| t Wi UM Oer siegel. Von Josef Weinheber. Warum sind nicht die Tore offen bei Tag und Nacht? Wer hat mit Schloß und Schlüssel dich Büttel hergebracht? Auf daß wir ruhig schliefen, wir, stets von Furcht verzehrt, bewachst du uns und Unsres und neben uns das Schwert. Ist nicht, wer Böses fürchtet, schon selber bös genug? Wir fliehn vor unsresgleichen, seit Kain Abel schlug. Freiwillig schließt sich jeder in sein Gefängnis ein. Darfst du, Gerät der Härte, uns denn so vieles sein? An Zaun und Küch und Keller, an Dose, Tisch und Spind ein Mal, bezeugend, daß wir zusamt unsicher sind. Du Zeichen unsrer Schwäche, bei Gott, du wärest nicht, sähn wir an Gauch und Bettler das eigne Angesicht. Wie magst du dich bewähren, da du uns so bewehrst? Wenn wir doch besser liebten: D u fielest uns zuerst. Noch hilfst du unfern Aengsten. Hilf manchmal auch dem Glück! Geh, Mädchen, schieb den Riege — der Traute kommt — zurück! Das stach ihm denn auch gleich in die Augen, zumal da es aus eirt® |i Dorfe war, wo sie keine altmodischen Gesichter mehr hatten. Mein Fr«! pirschte sich an das Mädchen heran, tanzte tüchtig mit ihm, drückte iiW | fröftig die Hand, drückte es auch ein bißchen mehr und kriegte es rittii) I auf seine Seite. Junge, sagte jemand, der die Leineleute kannte, da W man feste, da kriegste aber ordentlich was ins Haus. Hatte Wilhelm nun noch nötig, mit Rochlißen ins Obergericht zu geh««'» Der Weizen wurde reif, die Bohnen wurden geftukt, und da hat Wf Wilhelm eine Frau gekriegt, wie er sie wahrhaftig nirgendwo» i ß der Welt hatte besser finden können. Akkurat und fleißig war sie wie eml im Dorfe, und wenn sie molk, gaben die Kühe nochmal soviel, und brauayl Ctec tagen sozusagen alle Nester voll, und die Schweine gediehen, ö«!l es ctn Staat war. Geld hatte sie ja übrigens auch einen gehörigen mitgeknegt, denn da unter an der Leine haben sie Geld wie anberiwl Steine. So kamen sie voran, konnten sich immer mehr Land kaufen und (onn itil bauen und bessern, bis sie so weit waren, wie ich nun sah. Mein Freund machte eine Pause, führte sich einen tüchtigen Happ-'z Mettwurst zu Gemüt, sah etwas nachdenklich vor sich hin und tat, »itl wische er etwas weg. Es war, als wäre sie, seine emsige, prächtige Frau mit dem braumi Haar, ihm vom Herrgott nur gerade dazu bestimmt gewesen, den Hof rilll 'hm so weit zu bringen, daß er mit in allererster Reihe des Dorfes ftar»l denn als sie soweit waren, da legte sie sich hin und starb und ließ iü«| allem. Und doch nicht allein, denn seine Tochter, die nun an ihrer SHtl regiert, ist ganz von ihrer Art, und da sie auch einen ganz „fermoflt-«' 1 Mann bekommen hat, fehlt eigentlich nichts zum irdischen Gluck. BlÄt wie gesagt, daß Wilhelm, der doch noch ein Mann von Saft und Kn-st ist, nun keine Frau mehr hat ... Er machte wieder eine Pause, schalt, daß ich die Butter so dünn auf11 stnch, nötigte nach unserer heimatlichen Art, tüchtig zuzulangen, lachö« und knarrte in seinem Krafttone: „Nun weißte doch Junge, wie 9üjll es war, daß Rochlißen mein Kittel nicht gepaßt hat. Wenn ich's so H denke, Junge, möchte ich beinahe annehmen, ein Schneider im Hin««> hatte ihn gemacht, meinen Kittel mit den zu kurzen Aermeln. ®#| y u 111 y i Dann ging Wilhelm mit dröhnendem Schritt hinaus und kam tn.il einer dicken Mettwurst wieder herein, hielt sie mir hin und s°M „Heinrich, Minsche, das hat mich aber riesig gefreut, daß du mich oirl mal besucht hast, und wenn bu’s nicht Übelnehmen willst, so will ich d« diese kleine Wurst zum Geschenk machen. Denn in der großen Stw Berlin ... no, man weiß ja wohl ..." Natürlich habe ich dem wackeren, alte Schulkameraden die MU' wurst — ein wahres Prachtstück ihrer Art — nicht übelgenommen. Die Rochlitzsche 'ließ aber nicht locker, sondern schilderte ihm die bt» treffenden Verhältnisse so eindringlich, daß er schließlich doch Lust bf'am, die Reisestiefel anzuziehen und sich das Mädchen aus der Nähe airi sehen. Der Rochlttzschen ihr Mann, so wurde vereinbart, solle mit ihm xch, und den Freiwerber spielen. Gut denn. Wilhelm ließ seinen Gehstock lackieren und richtete sich |i »>n, daß sie am nächstfolgenden Sonntag losgehen konnten. Rochlitz kch sich zu diesem Zwecke einen neuen Kittel bestellt, denn er war nicht gut im Zeuge: als aber der Sonntag kam, war der Kittel natürlich nicht fertig. Was nun? Allein wollte Wilhelm noch nicht gehen, und in feuern schlechten Kittel wollte Rochlitz nicht mit, was ja auch nicht recht gilt Wozu denn Rochlitz auch bereit war. Ja, wie sich die Schicksalsfäden manchmal so fügen! Als Rochlitz m Kittel anzog, paßte er ihm nicht, denn die Aermel waren viel zu fad und da wollte er nun doch nicht mit. No, sagte Wilhelm, denn eben itira denn hat es wohl nicht sein sollen, und steckte seinen lackierten Geh»k wieder in die Ecke. Wenn Rochlitzen der Kittel gepaßt hätte... Eine Geschichte von Heinrich Sohnrey. Heinrich S o h n r e y, der am 19. Juni 80 Jahre alt wurde, hat als Dichter, volkskundlicher Forscher und Sozialpolitiker vorbildliche Arbeit geleistet. Als Probe aus seinem Schaffen als Heimatdichter bringen wir mit Erlaubnis der Deutschen Landbuchhandlung eine heitere Geschichte aus seinem Buch „Das lachende Dorf". Im zweiten Revolutionssommer war ich wieder einmal in meinem fudhannoveranischen Heimatdorfe zu Gaste und gelangte auf der Reihe Frühstücks- und Besperbesuche auch zu meinem Schulkameraden „aßartjmefters Wilhelm", dessen Hof am äußersten Ende des Dorfes liegt. „Wachmefter" wird er genannt, weil fein Vater in der hannoveranischen Armee Wachtmeister war und fein standesamtlicher Name auch zu häufig im Orte vorkommt. Als Wilhelm nach dem Tode seines Vaters den Ackerhof übernahm, gehörten nur ungefähr 40 Morgen dazu, wie auch Scheune und Stallung damals noch klein und unansehnlich waren. Jetzt zählte sein Ackerbesitz nicht weniger als 120 Morgen, und der Hof nahm sich als einer der ftatt” haften im Dorfe aus. Mit berechtigtem Stolze und mannhaftem Selbstgefühl führte Wilhelm mich durch Haus und Hof und über feine nahe am Hofe liegende, von Planken umhegte Viehweide, auf der Kühe und Pferde gingen, blank und rund. Hühner, Enten und Gänse in großer Zahl beoulfcrten den Hos, und wenn die Aufkäufer aus Münden oder Göttingen oder Gott weiß woher sonst kamen, konnte immer reichlich geliefert und eingenommen werden. Alle Schweinekoben waren voll besetzt man merkte nichts von der Not der Zeit. Der Wohlstand des Hauses kam mir so recht zum Bewußtsein, als wir an dem krachend vollen Vespertische saßen. Nichts fehlte da aus der „guten alten Zeit mit ihren Mettwürsten, Schinkenftücken und Eiern, der Gold- butter und dem eingemachten Käse. Eins aber fehlte, was sonst nie fehlen Durfte: der Buddel mit dem gebrannten Wasser, wie es die Gutsbrennerei meines Heimatdorfes ehemals so reichlich erzeugte. Ja, der „Jühnsche Sluk" fehlte; dafür aber konnte ich Milch mit dickem Flott trinken, soviel ich mochte. Bewunderungsooll fragte ich den alten Kameraden, wie es denn daß er in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines bis- ?.?*l9en Lebens den Hof hatte so gewaltig vergrößem und ausbauen tonnen, ohne habet tn schwere Schulden zu geraten? 9r,blitzte es in seinen klugen, von rötlichen Aederchen durchzogenen Augen auf, ein verschmitztes Lächeln huschte über fein kräftiges, rot« Hi Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei N. Lange, Gießen.' Rh Eh hi, hu. 11 ts fr ,Mio «15 braunes Gesicht, und er sagte In seinem kraftvoll knarrenden Tone; „$e Rochlitzen mein Kittel gepaßt hätte, würde ich mit meinem Hofe nicht so weit gekommen fein." (Natürlich sprach er das alles und n noch folgt in unserem derben, unbehauenen Platt.) Er klopfte nj auf die Schulter und sagte mit einem knarrenden Lachen: „Junge, schreibst doch so allerhand drollige Dorfgeschichten, da kannste auch niei Geschichte mal aufschreiben: beim ich glaube, so eine haste doch noch „ geschrieben." Und Wachmesters Wilhelm erzählte: Als er ben Hof übernahm, ja er noch keine Frau. Riekes-Betens Rosine, bie er eigentlich haben u» war ihm burch bie Latten gegangen, unb so mußte er sich wohl ober ii anberroeitig umsöhen. Da sagte denn nun bie alte Rochlitzen, bie inim bei ihnen wusch: Sie wüßte ihm eine, bie auch Gelb hätte. Im Obergeich wäre bas, ba hinter Münben. Das Dorf nannte sie ihm natürlich «u* — aber ben Namen wollen wir man lieber verschweigen, bamit bie gut« W Leute nicht am Enbe noch ganz fünsch werben. Wachmesters Wilhelm ch nämlich zu ber Rochlitzschen: Da hätter er kein rechtes Vertrauen zu, rot) in ber Gegenb bie Leute noch „altmodische Gesichter" hätten. An hübschen Mädchen mangelte es übrigens deshalb noch lange miifi denn wie zum Mai die Blumen, so kommen zur Kirmes die jumyr Mädchen von nah und fern, und fo war denn da auch eines aus M Leinetale gekommen, das zur Verwandtschaft von Klosterilfens gcfjorti. Gin ganz „fermostes" Mädchen, versicherte Wilhelm, mit braunen 2lu;n unb braunem Haar, ein richtiges „schwarzbraunes" Mäbchen, wie mir»,' als wir noch jünger waren, in den unvergeßlichen alten Spinnlickm befangen. j; 4 ei »iilsl Jj its Wi h t>i auf Mi Ai| ’Mtti * Unb es hat richtig nicht fein sollen, benn als Rochlitzen fein fctti enblich fertig war, hätte man ja nun immer noch reifen tonnen; aibii L1|Ut da kam schon bie Kirmes bazwischen. Die mußte nun eben ohne Iw fui Mäbchen aus bem Obergericht gefeiert werden.