SiehenerZaliiilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Zchrgang 1939 Montag, den 23. Januar Nummer 7 Ser kerMacher von Sankt Stephan An heiterer Liebesroman von Alfons v. Lzibulka right bu 3- < ans letzte geht, den König zum Zweikampf herausfordern auf ßifiülen, Pulver und Blei!" ' So täpfer wie ihre Kaiserin waren die Wiener nicht. Schon am lösten Morgen fieberte die Stadt vor Erregung. Ueberall auf den röi-jen, in den Gassen und Straßen, unter den Haustüren und vor den Säten standen Gruppen von Menschen beisammen, flüsterten und uso eiten mit ernsten Gesichtern, wiegten bedeutsam die Köpfe und siebten die dümmsten Gerüchte, iieberängstliche luden in den Häfen chrn Kisten und Hausrat auf Kutschen und Leiterwagen. Die Fuhrleute ylterten goldene Tage. !3on alledem wußte Matthias Wimmer nichts, als er aus seinem w trat um sich rasieren zu lassen, ehe er seine Singerbuben in der Mükantorei zu plagen begann. Die Menschengruppen fielen ihm wohl inj Aber er kümmerte sich nicht darum. Neugierig war er nicht. War l'bei wieder einmal ein Unglück geschehen, vielleicht ein Verbrechen. 'Ein Melodie pfeifend, die ihm beim Frühstück eingefallen war, strebte r einem Barbierladen in einem Seitengäßchen der Wollzeile zu. Der l&rjang, der in der warmen Jahreszeit die Türe ersetzte, war zurück- B lagen, aber der Laden war leer. Weder der Haarkräusler, noch ein 1 ÄLlfe oder ein Kunde waren zu sehen. Nur ein kohlschwarzer Kater aj auf einem der beiden Barbierstühle, machte einen Buckel und präsen- ittie mit dem Schwanz. Wenn der Meister Zanelli feierte, mußte es iramftens einen Kindsmord gegeben haben. Matthias Wimmer trat löet er in die Gasse hinaus. Wo steckte der Zanelli bloß? Da sah er ihn iwf schon zwei Häuser weit in einer Gruppe von Menschen vor dem liBiti ölbe des Lederhändlers stehen. Den Kamm im gelocktem Haar, i e’c e er erregt auf die ihn Umstehenden ein. Zur Bekräftigung seiner reckte er immer wieder seins Haarschere gegen den Himmel wie ilitten weisenden Degen. Meister Zanelli war ein waschechter Wiener. !®e- die Wiege seines Großvaters hatte noch in Neapel gestanden. ! Ben ihm hatte er noch einen Schuh welschen Temperaments im Blute. Nr Regenschori rief ihn an. Mit sichtlichem Mißvergnügen löste |G der Haarkräusler aus der Gruppe, nicht ohne noch einmal beschwö- i eit seine Schere zu heben. Als er den Regenschori erkannte, tänzelte 11 ilfertig näher. Matthias Wimmer war ein guter Kunde. Aus an- ! jfbtrener Bosheit pflegte ihm feine Ehehälfte das Rasierwasfer eiskalt iWeii die Waschschüssel zu stellen. Meister Zanelli praktizierte einen it ifuf}, hob den Vorhang und ließ den Regenschori ein. Dann ent- i Arne er mit einem raschen Griff ins Genick das fauchende Katzenvieh. l: mer nahm Platz, bettete den kurzen Nacken behaglich in das ! Viper des Stuhls. hanelli begann den Seifenschaum zu schlagen. Er schnaufte vor । Rngung und Neugier: „Darf ich fragen, was die Meinung des Herrn !ü:a Nschor! ist?" „Was für eine Meinung?" knurrte Wimmer. Klatsch liebte er nicht. ,.8; wer umbracht worden. oder hat's bräunt?" Der Barbier ließ erstaunt den Pinsel sinkens „Ja, weiß denn der Jijttt Regenschori noch nicht...?" „Redens halt schon! Was is denn los?" Meister Zanelli bepinselte aufgeregt Wimmers Blasengelgesicht: „Herr Regenschori wissen also nicht, daß die Preußen .. " Wimmer war Pessimist aus Lebenskunst. Es gab dann um so angenehmere Ueberraschungen. Er fragte: „Haben wir eine aufs Dach kriegt?" „Das nicht. Wenigstens noch nicht, Herr Wimmer. Wenn manche Leute es auch schon behaupten. Aber ich habe ihnen eben bewiesen, daß der Herr Feldmarschall Daun sich nicht so leicht schlagen läßt." Er setzte das Rasiermesser an und begann zu schaben. „So rasch nicht. Aber selbst, wenn es dazu kommen sollte, sind wir auch noch da." Er beschrieb mit dem Messer einen temperamentvollen Bogen, als wollte er einem unsichtbaren Feind die Gurgel durchschneiden. „Wenn wir Männer sind, hab ich gesagt ..." „Jetzt redens einmal vernünftig, Zanelli. Was is denn g'fchehn?" Der Barbier klemmte Wimmers Kopfnase zwischen Daumen und Zeigefinger und rasierte die Oberlippe: „Olmütz ist belagert!" „Wer hat Euch denn den Bären auf’bunben?" „Ein Kurier ist gekommen. In der ganzen Stadt erzählt man sich's doch schon." „Deswegen braucht's noch lange nicht wahr zu fein." Zanelli war gekränkt: „Aber, Herr Regenschori, der Herr Hofsekretär Sampl, der vor einer Stunde bei mir war, hat es doch selbst gehört, wie der Kurier gestern während des Karussells in der Hofreitschule der Kaiserin gemeldet hat, daß Olmütz belagert ist ... Der Leutnant Rabenau vom Regiment de Signe is g’roefen ... Blessiert ist ec auch ..." Wimmer wandte so plötzlich den Kopf, daß Zanelli gerade noch einen Schnitt ins Ohr vermied. So, also der Rabenau war wieder hier! Nur ein Glück, daß die ßifl vor einer Woche, Ende April, ins Piestingtal gefahren war! Sonst hätte das Theater am Ende von neuem begonnen Aber feine Meinung wollte er dem Rabenau jetzt sagen. Hoffentlich war er sozusagen vernehmungsfähig, trotz seiner Wunde. Wimmer fragte: „Blessiert ist der Seufnant. Was fehlt ihm denn?" Zanelli näherte sich mit Barbierbecken und Schwamm: „Soviel ich weiß, ist es nur ein Streifschuß. In acht Tagen wird er wieder gesund fein ... Daß Olmütz belagert ist, ist jedenfalls schlimmer ..." Dec Regenschori hörte nicht mehr auf das Geschwätz. Er starrte- schweigend zur Decke hinauf und überlegte, was er dem Rabenau alles sagen wollte. Der konnte sich freuen! Aber Zanelli deutete das Schweigen des Regenschori anders. Ec glaubte, er habe Angst wegen Olmütz. Er wollte ihm beweisen, daß dazu kein Grund sei. Er ließ die Brennschere, mit der er eben Wimmers rötlichen Haarkranz zu Socken formen wollte, durch die Suft wirbeln und sagte: „Aber das Schlimmste ist die Belagerung von Olmütz auch noch nicht. Denn wenn wir nämlich Männer sind ..." Was dann geschehen sollte, wenn sie Männer waren, konnte er leider auch diesmal nicht näher ausführen. Der Regenschori sprang auf, nickte einen kurzen Gruß und rannte aus dem Baben wie ein gereizter Stier. Anständigen Bürgermädeln den Kopf zu verdrehen und bann mit einer andern echappieren! lieber diese andere hatte er ja inzwischen auch noch allerlei gehört. Der würde jetzt was erleben, der Rabenau! Erst hatte der kleine Regenschori geradenwegs vom Barbierladen zum Seutnant von Rabenau gehen wollen. Aber dann fand er es geratener, die Sache noch einmal zu überschlafen. In der ersten Wut soll man nicht handeln. Und wenn Matthias Wimmer in Zorn geriet, gab es aus. Mit dem lieberlegen hätte es noch Zeit gehabt. Als er nämlich am nächsten Vormittage im Stadthaus der Rabenau, in der Himmelpfort- gaffe, die Glocke zog und den Diener fragte, ob er dem Herrn Leutnant eine Visite machen dürfe, bekam er zur Antwort, daß der Herr Baron leider Wundfieber habe. Es fei nicht schlimm, aber vor drei Tagen werde er kaum das Bett verlassen, habe der Doktor Dari ©mieten gesagt. Nach drei Tagen kam der Regenschori wieder. Rabenau war auf, aber er fühlte sich noch ein wenig matt und zerschlagen. Einen anderen Besucher hätte er wohl nicht empfangen. Als ihm der Diener aber den Regenschori von Sankt Stephan meldete, fiel ihm ein, daß dieser ja an jenem Nußdorfer Sonntag im Februar im Schlitten der Demoiselle gewesen war. Vielleicht konnte er von ihm etwas über die schöne Elisabeth Brand erfahren, die er so wenig aus seinem Herzen zu verbannen vermochte, wie sie ihn aus ihrem. Wovon er freilich nichts ahnte. Er hatte sich ohnehin gleich am ersten Tag seines Wiener Aufenthalts nach ihr erkundigen wollen. Vergessen konnte er sie noch immer nicht, trotz des Raudenberger Abenteuers. Aber bann war dieses dumme Wundfieber gekommen. Der Regenschori kam ihm gerade recht. Zorngeladen stieg Matthias Wimmer hinter dem Bedienten die Treppe hinauf. Dieser Herr von Rabenau würde sich wundern! Mit (Cfunöen Hand auf einen linaus und wartet«. hat den Dreispitz an die Satteltasche gehängt, schmerzt. Er achtet es nicht. Der leise Wind, de ihm nach. So reitet er schon seit dem Morgen. Mittag ist längst vorüber. Da Wien bis an die Hohe Wand war es weit. Der Tag ist heiß. Der Osfizii hat den Dreispitz an die Satteltasche gehängt. Der Arm in der Bint , .... i, der vom Schneeberg niebei wert, tut ihm wohl. So ritt er Meile um Meile. Nur aus halbem Wez hat er eine Stunde gerastet, sein Pferd gefüttert, etwas gegessen und ei Förmlichkeiten wollte er sich nicht lange aushalten. 2lber dann öffnete ^r D'-ner ein« Tür, und der Regenschori sah den Leutnant ein wenig blatz und mit dem Arm in der Schlinge in einem Lehnstuhl am Fen-st siken Ein Barbar war Wimmer auch wieder nicht. Er verbeugte sich gemessen, trat einige Schritte vor, verneigte sich noch einmal und fragte häflidi n qu* ein wenig kühl, wie der Herr Baron fich befinde, ob die Schmerzen arg feien und di« Wunde zur Zufriedenheit heile. Rabenau lachte: ,Flicht der Rede wert. In zwei oder drei Tagen gehe ich wieder ins Feld ... Aber womit kann ich dem Herrn Regens- chori dienen?" Er glaubte, daß Wimmer gekommen fei um für seine Singerbuben zu iammeln. Er wies mit der ge'"n^n Aanh auf emen Stuhl neben sich/Dann sah er zum Fenster hi Matthias Wimmer fetzte sich und kreuzte die kleinen, kurzflngrigen chände über der elfenbeinernen Kugel feines Rohrftocks. Er strich sich nervös über feine Glatze. Die höfliche Einleitung hatte ihn ganz aus dem Konzept gebracht. Aber sagen mußte er doch etwas. Gr fragte noch ein wenig unsicher: „Der Herr Baron kennt doch die Demoiselle Brand? Rabenau wandte den Kops. Was wollte der? Er sagte: „Kennen? Wie man’s nimmt. Persönlich hatte ich noch nicht das Vergnügen... „Aber der Herr Baron hat der Demoiselle doch Fensterpromenaden Glas Wein getrunken. Der Geruch von Rinde und frischgeschnittenem Holz weht über in Straße. Eine Sägemühle klappert und kreischt. Bretterstöße liegen Ufer. Häuser tauchen aus dem Blütenmeer. Ein Kirchturm ragt übi Dächer. Der Reiter pariert, fragt einen Buben, der zwischen TrollbluM und aufgeregt schnatternden Gänsen fitzt, wo das Doktorhaus sei. D Bub springt auf, deutet die Straße zurück, die der Offizier gekommen il und zeigt auf ein hellgrünes, ganz in Blüten begrabenes Haus, das rf feite des Dorfes auf halbem Wiefenhang steht. Aber der Doktor sei gerat mit seinem Wagen weggefahren. Der Reiter fragt weiter, ob er auch di Fräulein aus Wien kenne. Der Bub nickt erfreut. Das Fräulein aus W« habe er gern. Sooft er eine Botschaft bringe, bekomme er einen Lebkuch« einen Kupferkreuzer ober sonst etwas Schönes. Der Offizier lacht: „Dar spring hinaus und sag dem Fräulein, daß unten an der Brücke ein Reid auf sie warte, mit einer wichtigen Nachricht!" Der Bub läuft die Straße zurück. Kleine Wolken stauben von sein» nackten Sohlen. Vor der Sägemühle springt er über einen kleinen Grab» trottet einen Wiesenpsad hinaus, der sich durch die Obstgärten schlängelt Der Offizier reitet ihm langsam nach. Bis zu einem Steg, der vor di Mühle über den Fluß hinüber ins Jungholz führt, fitzt ab und wartet Als der Bub durch den Obstgarten angetrabt kommt, sitzt Elifabii Brand auf einer Bank vor dem Haus. Sonnenlichter spielen über i* Haar. Sie flicht einen Kranz. Auf ihrem Schoße sitzt ein kleines Mädch» zu ihren Füßen spielt ein zweites im Sande. Die Doktorsleute sind n« jung. Der Bub richtet feinen Auftrag aus. Elisabeth sieht ihn verwund» an/ Ein Reiter mit einer Nachricht? Wer kann das sein? Ist dah«>> etwas geschehen? Ist der Baier krank geworden? Und warum wartet d< Reiter auf der Straße und kommt nicht heraus? Melleicht muß er weid' (Fortsetzung folgt.) Wimmer knurrte: „Freilich. Den ganzen Tag ... Er brach plötzlich ab, denn er sah Rabenaus Augen. Er hatte das Gesuhl, eben.die motzt, Dummheit seines Lebens begangen zu haben. Jetzt fing bu> ®e e jung und mutig und heißblütig, sie hatten ein Gewehr bei sich und flederten vor Jagdeiser und Begeisterung über das bevorstehende Abenteuer. Sie waren hinausgefahren, um eine Robbe zu schießen, aber ein Eisbär ist eine weit stolzer« Beute — ihr Ehrgeiz war geweckt, sie lachten sich erregt und erwartungsfroh an, ihr Atem dampfte und ihr« hellen Nordlandaugen 'prühten in eisblauem Feuer. Die Nase hoch in den Wind erhoben, blickte ihnen der Bär von der großen schwimmenden ©djotte gespannt und argwöhnisch entgegen. Die Witterung, die ihm der Wind zuttng, war fremd und im höchsten Grade abstoßend — sie war Drohung und Warnung zugleich. Aber er war ausgehungert und wollte die Deute nicht so ohne weiteres im Stich lassen. Noch war der Trieb nach Nahrung und Sättigung stärker als der Instinkt, der ihm zur Flucht riet. Noch zögerte er. Aber das Boot kam näher, mit schäumendem Bug und prallen Segeln stampfte es durch die Wellen heran ... Unschlüssig begann der Bär auf den breiten Polstern seiner Sohlen hin und her zu treten. Dann nahm er die Robbe behutsam zwischen die Fänge, starrte noch einmal sichernd zurück und setzte sich schließlich langsam und widerwillig in Bewegung. In plumpem Patz trottete er quer Über di« Scholle in Richtung zur Küste davon. Sein zottiger Rucken schaukelten schwerfällig auf und nieder, seine langen, eisenharten Krallen- nägel klapperten auf dem Eis rhythmisch wie Kastagnetten. Am Rande des Eisfeldes blieb er abwartend stehen — wieder äugte er zurück, und diesmal flackerte unverkennbar Angst in feinem Blick. Aber das Boot kam näher und näher, immer warnender, eindringlicher und bedrohlicher wurde die Witterung, di« von ihm ausging ... Nun ließ der Bär di« Beute fallen und glitt mit fast lautlosem und geschmeidigen Satz ins Wasser. Er schwamm eilig und angestrengt, als wüßte er jetzt, daß es um fein Leben ging. Seine breiten Pranken arbeiteten rasch wie Maschinenkolben, er schnaufte hörbar und zog eine lange, silberperlende Furche durch das Wasser, die schnurgerade auf di« Klippen zulicf. Denn hinter der Klippenreihe war er vor den Verfolgern in Sicherheit. Doch so rasch er auch fchwamm — das unter dem machtvollen Druck des Nordosts segelnde Boot war schneller! Schon hatte es die treibende Scholle umrundet, stetig holte es auf — der Abstand wurde von Sekunde zu Sekunde kleiner, näher und näher kam das Boot, es schien unaufhaltsam wie ein Verhängnis, vor dem es kein Entrinnen gibt ... Dann kam der Augenblick, da einer der Männer die Büchs« über den Bordrand schob und anlegte und hastig zielte und schoß. Es war ein guter und gnädiger Schuß — die großkalibrige Bleikugel traf den Eisbären zwischen die Schulterblätter, sie durchschlug die Herzspitze und ließ seine Lichter fast augenblicklich jenen seltsam leeren und glasigen Ausdruck annehmen, der das unmittelbare Erlöschen des Lebens kennzeichnet. Seine Pranken erstarrten mitten in der Bewegung, er sackte plötzlich ab, eine Welle spülte strudelnd über ihn hinweg. Wie ein riesiges weißes Fellbündel trieb er mit hängenden Gliedern in der dunklen 5lut. Doch nun war das Boot längsseits und dreht« mit wild flatternden Segeln bei. Zwei aufgeregte junge Männer, die Per und Niels hießen und mit Nachnamen beide Hänfen, stürzten polternd von Luv nach Lee und beugten sich über den Bordrand, sie schrien kopflos nach Tauwerk und Bootshaken und diesem und jenem und strahlten von Freude und Stolz ... Da plötzlich geschah etwas Atemraubendes. Wie in leidenschaftlichem Protest gegen das grausame und unerbittliche Schicksal bäumte sich der mächtige Tierkörper jählings auf — triefent) schnellten zwei riesige weiße Pranken aus dem grünglasigen Wasser schlugen mit ziellos fahriger Bewegung durch die Luft und schmetterten zurücksinkend auf die Bordkante nieder. Krampfhaft klammerten sich die singerlangen schwarzen Krallensicheln am splitternden Holz des Bootrandes fest, sie zuckten im Todeskampf, und an ihnen hing ein Gewicht von vollen acht Zentnern ... Ein Ruck ging durch das Boot, schwankend schlug es um. Und einen Augenblick später war alles zu Ende. Ein weißblonder Haarschopf tauchte sekundenlang aus den Wellen — «ine Hand reckte sich wild zum Licht und krümmte wie flehend di« Finger und sank dann erstarrend wieder zurück in di« dunkle, eisige Tief« ... Langsam drehte das Boot den schwarzgeteerten Kiel nach oben. Luftblasen stiegen auf, es gurgelte hohl ... Und schon jagte windgepeitscht und mit rastloser, unermüdlicher Eile, als gelte es nun möglichst rasch jede Spur des Geschehenen auszutilgen, Woge nach Wog« heran, schäumte über bas Boot hinweg, und drückte es immer tiefer und tiefer, bis es nur noch ein Schatten war, der winzig und verloren auf der ungeheuren, weißgeäderten Weite des Meeres dahintrieb — ein kaum erkennbarer dunkler Schatten nur, sonst nichts ... Eintönig rauschend sang die Brandung ihr uraltes Lied, von Nordosten her blies kalt und ungestüm der Wind, und um die Felsnase des Kaps flatterten lange weiße Schneefahnen. Cs begann zu dunkeln. Eine große Raubmöwe flog vorüber, kreiste einige Augenblicke aufmerksam spähend über dem Meer und ließ sich dann enttäuscht vom Winde küstenwärts tragen. Pfeilschnell schoß sie durch die fahlgraue Dammerug davon, und ihr einsamer Schrei klang wie ein grelles, triumphierendes Lachen. Verantwortlich: Dr. Hans Thyrlot. - Druck und Verlag: Brühlsche UniversitStSdruckerei R. Lange, Gießen.