Hreltag, den 2b April Nummer 5( Zhrgang (959 iwiirzi" fiinbi'* Zeme"! iiblieilM1 allen Ctt*' nen, * benm«1' minifetJ fe.Wl ieionbfl.l n die Sä n, Edeldi^ erborget: mgebm« Sibttw, nicht teif. 1 $reii. men 2?* inb boinW’S 4en5« n'ui E in den w »irenontE indbesh mizigtW« ummimii fapitafifi t unge rt und ft : zum Cf !imzw und d in die $ «eien wirft ick bieten loj nnenntmi .Sortjch° Jeg, bet* und auf r auch j» < ichen 3M hl etiw.t en tatiiifc jonbent f im Snit itajtn.'-1 e eine W - dunb «■' 3 iaben’J ch »Mlj K; äu»ti'nL tlal. il^ «iäni*1, ■ uii* ■ T<,» en )uy .,d-L ’/gjr® I ^^^ee| be"^ »"k »•> mich,, em di, h nwoiaij chter 'eiet «j, ■^en M um wären, dann mausre er sich, dann ginge die ganze schülbrige Häut ab, und dann hab er «ine Haut wie ein Baby. Und er täte das alles aus Eitelkeit, denn ein glatter eleganter Teint sei doch eigentlich das Beste, was man haben könne. Und dabei sah er mich so an, daß ich nicht gleich eine Antwort finden konnte. Ach, ihr Männer! Aber das ist doch wahr, ich hatte von Anfang an ein rechtes Attachement für ihn und nahm nicht Anstoß an feiner Redeweise, die sich mitunter in langen Ausführungen, aber doch viel, viel lieber noch in einem beständigen Hin und Her erging. Einer seiner Lieblingssätze war: ,Ach kann es nicht leiden, wenn ein einziges Gericht eine Stunde lang auf dem Tische steht; nur nicht immer dasselbe, mir ist es angenehmer, wenn die Gänge rasch wechseln.' Und so sprang er immer vom Hundertsten ins Tausendste." „Nun, da müßt ihr euch freilich gefunden haben", lachte Botho. „Haben wir auch. Und wir wollen uns Briefe schreiben, ganz in dem Stil, wie wir miteinander gesprochen; das haben wir beim Abschied gleich ausgemacht. Unsre Herren, auch deine Freunde, sind immer so gründlich. Und du bist der gründlichste, was mich mitunter recht bedrückt und ungeduldig macht. Und du mußt mir versprechen, und so zu sein wie Mr. Armstrong, und ein bißchen mehr einfach und harmlos plaudern zu wollen und ein bißchen rascher und nicht immer dasselbe Thema." Botho versprach Besserung, und als Käthe, die die Superlative liebte, nach Vorführung eines phänomenal reichen Amerikaners, eines absolut kakerlakigen Schweden mit Kaninchenaugen, und einer faszinierend schönen Spanierin — mit einem Nachmittagsausfluge nach Limburg, Oranienstein und Nassau geschlossen und ihrem Gatten abwechselnd die Krypt, die Kadettenanstalt und die Wasserheilanstalt beschrieben halte, zeigte sie plötzlich auf die Schloßkuppel nach Charlottenburg und sagte: „Weiht du, Botho, da müssen wir heute noch hin, oder nach Westend, oder nach Halensee. Die Berliner Luft ist doch etwas stickig und hat nichts von dem Atem Gottes, der draußen weht und den die Dichter mit Recht so preisen. Und wenn man aus der Natur kommt, so wie ich, so hat man das, was ich die Reinheit und Unschuld nennen möchte, wieder liebgewonnen. Ach, Botho, welcher Schatz ist doch ein unschuldiges Herz. Ich habe mir fest oorgenommen, mir ein reines Herz zu bewahren. Und du muht mir darin helfen. Ja, das muht du, versprich es mir. Nein, nicht so; du muht mir dreimal einen Kuß auf die Stirn geben, bräutlich, ich will keine Zärtlichkeit, ich will einen Weihekuh ... Und wenn wir uns mit einem Lunch begnügen, natürlich ein warmes Gericht, so können wir um drei draußen sein." Und wirklich, sie fuhren hinaus, und wiewohl die Charlottenburger Luft noch mehr hinter dem „Atem Gottes" zurückblieb als die Berliner, so war Käthe doch fest entschlossen, im Schloßpark zu bleiben und Halensee fallen zu lassen. Westend sei so langweilig und Halensee sei noch wieder eine halbe Reise, fast wie nach Schlangenbad, im Schloßpark aber könne man das Mausoleum sehen, wo die blaue Beleuchtung einen immer so sonderbar berühre, ja, sie möchte sagen, wie wenn einem ein Stück Himmel in die Seele falle. Das stimme dann andächtig und zu frommer Betrachtung. Und wenn auch das Mausoleum nicht wäre, so wäre doch die Karpfenbrücke da, mit der Klingel dran, und wenn dann ein großer Mooskarpfen käme, so wär es ihr immer, als käm ein Krokodil. Und vielleicht wär auch eine Frau mit Kringeln und Oblaten da, von der man etwas kaufen, und dadurch im kleinen ein gutes Werk tun könne, sie sage mit Absicht ein „gutes Werk", und vermeide das Wort christlich, denn Frau Salinger habe auch immer gegeben. Und alles verlief programmäßig, und als die Karpfen gefüttert waren, gingen beide weiter in den Park hinein, bis sie dicht an das Belvedere tarnen mit [einen Rokokofiguren und feinen historischen Er- • innerungen. Von diesen Erinnerungen wußte Käthe nichts, und Botho nahm deshalb Veranlassung, ihr von den Geistern abgeschiedener Kaiser und Kurfürsten zu erzählen, die der General von Bischofswerder an eben dieser Stelle habe erscheinen lassen, um den König Friedrich Wilhelm II. aus seinen lethargischen Zuständen oder, was dasselbe gewesen, aus den Händen seiner Geliebten zu befreien und ihn auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. „Und hat es geholfen?" fragte Käthe. „Nein." „Schade. Dergleichen berührt mich immer tief schmerzlich. Und wenn ich mir dann denke, daß der unglückliche Fürst (denn unglücklich muß er gewesen fein) der Schwiegervater der Königin Luise war, so blutet mir das Herz. W i e muß sie gelitten haben! Ich kann mir immer in unserem Preußen solche Dinge gar nicht recht denken. Und Bischofswerder, sagtest du, hieß der General, der die Geister erscheinen ließ?" „3a. Bei Hofe hieß er der Laubfrosch." „Weil er das Wetter machte?" ötmngen Wirrungen Roman öon Theoöor Fontane (Schluß.) Fünfundzwanzig st el Kapitel. Es war ein herrlicher Morgen, der Himmel halb bewölkt, und in hit leisen Westwinde, der ging, saß das junge Paar aus dem Balkon uO sah, wahrend Minette den Kaffeetisch abräumte, nach dem Zoologien und seinen Elefantenhäusern hinüber, deren bunte Kuppeln im torgenbämmer lagen. „Ich weiß eigentlich noch nichts", sagte Botho, „du bist ja gleich ein- zxchlafen, und der Schlaf ist mir heilig. Aber nun will ich auch alles »pien. Erzähle." „Ja, erzählen; was soll ich erzählen? Ich habe dir ja so viele Briefe lud)rieben, und Anna Grävenitz und Frau Salinger mußt du ja so gut tunen wie ich oder eigentlich noch besser, denn ich habe mitunter mehr schrieben, als ich wußte." „Wohl. Aber ebenso oft hieß es, .davon mündlich'. Und dieser Mo- ts nt ist nun da, sonst denk ich, du willst mir etwas verschweigen, i n deinen Ausflügen weiß ich eigentlich gar nichts, und du warft dich in Wiesbaden. Es heißt zwar, daß es in Wiesbaden nur Obersten uO alte Generale gäbe, aber es sind doch auch Engländer da. Und bei Tgländem fällt mir wieder dein Schotte ein, von dem du mir erzählen SiehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger raiöteft. Wie hieß er doch?" „Armstrong; Mr. Armstrong. Ja, das war ein entzückender Mann, Hb ich begriff seine Frau nicht, eine Alvensleben, wie ich dir, glaub M schon sagte, die beständig in Verlegenheit kam, wenn er sprach. lli> er war doch ein vollkommener Gentleman, der sehr auf sich hielt, mit) dann noch, wenn er sich gehen ließ und eine gewisse Nonchalance )qte. Gentleman bewähren sich in solchen Momenten immer am besten. i"inst du nicht auch? Er trug einen blauen Schlips und einen gelben -immeranzug und sah aus, als ob er darin eingenäht wäre, weshalb 11 na Grävenitz immer sagte: Da kommt das Pennal. Und immer ging n mit einem großen ausgespannten Sonnenschirm, was er sich in Indien »gewähnt hatte. Denn er war Offizier in einem schottischen Regiment, k* lange in Madras oder Bombay gestanden, oder vielleicht war es ach Delhi. Das ist aber am Ende gleich. Was der alles erlebt hatte! .« Mne Konversation war reizend, wenn man auch mitunter nicht wußte, f,en, Mr ei* man's nehmen sollte." ■--O »Also zudringlich? Insolent?" t ,Jch bitte dich, Botho, wie du nur sprichst. Ein Mann wie der; " Malier comme il faut. Nun, ich will dir ein Beispiel von seiner wt zu sprechen geben. Uns gegenüber saß die alte Generalin von ® beU, und Anna Grävenitz fragte sie (ich glaube, es war gerade der »chrestag von.Königgrätz), ob es wahr fei, daß dreiunddreißig Wedells » Siebenjährigen Kriege gefallen fein? was die alte Generalin bejahte, - 'i.Zusetzend, es wären eigentlich noch einige mehr gewesen. Alle, die Machst saßen, waren über die große Zahl erstaunt, nur Mr. Arm- nnng nicht, und als ich ihn wegen seiner Gleichgültigkeit scherzhaft ft Rede stellte, sagt er, daß er sich über so kleine Zahlen nicht auf- ie«en könne. .Kleine Zahlen', unterbrach ich ihn, aber er setzte lachend, um mich zu widerlegen, hinzu: von den Armstrongs seien ein- kndertdreiunddreißig in den verschiedenen Kriegsfehden seines Clans ’Metommen. Und als die alte Generalin dies anfangs nicht glauben »•Ute, schließlich aber (als Mr. A. dabei beharrte) neugierig frug: ob 2 n alle hundertdreiunddreißig auch wirklich .gefallen feien'? sagte er: “• in, meine Gnädigste, nicht gerade gefallen, die meisten sind wegen » rdediebstahl von den Engländern, unseren damaligen Feinden, ge- ;e kt worden.' Und als sich alles über dies unstandesgemähe, ja, man wohl sagen, etwas genierliche Gehenktwerden entsetzte, schwor er, 131 täten unrecht, Anstoß daran zu nehmen, die Zeiten und Anschau- «»en änderten sich, und was seine doch zunächst beteiligte Familie be- W«, so sähe dieselbe mit Stolz auf diese Heldenvorfahren zuruck. Die httische Kriegsführung habe dreihundert Jahre lang aus Viehraub und ! rdediebstahl bestanden, ländlich sittlich, und er könne nicht finden, 1(1 Ein großer Unterschied sei zwischen Länderraub und Diehraub. ».Verkappter Welfe", sagte Botho. „Aber es hat manches für sich. . i,iZ'®ero*6- Und ich stand immer auf seiner Seite, wenn er sich m wjen Sätzen erging. Ach, er war zum Totlachen. Er sagte, man jllfe nichts feierlich nehmen, es verlohne sich nicht, und nur das WMein sei eine ernste Beschäftigung. Er angle mitunter vierzehn ’|pe lang im Loch Neß oder im Loch Lochy, denke dir, solche komische i^men gibt es in Schottland, und schliefe dann im Boot und mit ; । 'C,nenaufgang stünd er wieder da, und wenn dann die vierzehn Tage „Nein, weil er einen grünen Rock trug. „Ach, das ist zu komisch ... Der Laubfrosch. , S e ch s u nbzw a n zi g st e s Kapitel. Bei Sonnenuntergang waren beide wieder daheim, und Käthe, naey- bem sie Hut und Mantel an Minette gegeben und den lee beordert hatte, folgt« Botho in sein Zimmer, weil es sie nach dem Bewutztfem und der Genugtuung verlangte, den ersten Tag nach der Reife ganz und gar an seiner Seite zugebracht zu haben. e,.,. Botho war es zufrieden, und weil sie fröstelte, schob er chr ein Kissen unter die Füße, während er sie zugleich mit einem Blard zudeckte Bald danach aber wurde er abgerufen, um Dienstliches, das der Erledigung bedurfte, rasch abzumachen. __ „ , „ Minuten vergingen, und da Kissen und Plaid mcht recht helfen und die gewünschte Wärme nicht -geben wollten, so zog Käthe die Klingel und sagte dem eintretenden Diener, daß er ein paar Stucke Holz bringen ^Zucheich"erhob°sie sich, um den Kaminschirm heiseite zu fchieben und sah, als dies geschehen war, das Häuflein Asche, das noch auf der Eisen- • P1° 3m gelben Moment trat Botho wieder ein und erschrak bei dem Anblick, der sich ihm bot. Aber er beruhigte sich sogleich wieder, als Käthe mit dem Zeigefinger aus die Asche wies und in >hrem scherz- hasteten Tone sagte: „Was bedeutet das, Botho? Sieh, da hab ich dich wieder mal ertappt. Nun bekenne. Liebesbriefe? Ja oder nein?" „Du wirft doch - glauben, was du willst." „Ja ober nein?" „Gut denn; ja." , , ,. ,D as war recht. Nun kann ich mich beruhigen. Liebesbriefe, zu komisch Aber wir wollen sie doch lieber zweimal verbrennen; erst zu Asche und dann zu Rauch. Vielleicht glückt es." Und sie legte die Holzstücke, die der Diener mittlerweile gebracht hatte, geschickt zusammen und versuchte sie mu ein paar Zündhölzchen anzuzünden. Und es gelang auch. Im Nu brannte das Feuer hell auf, und während sie den Fauteuil an die Flamme schob und die Füße bequem und, um sie zu wärmen, bis an die Eisenstäbe vorstreckte, sagte sie: Und nun will ich dir auch die Geschichte von der Russin auserzählen, die natürlich gar keine Russin war. Aber eine sehr kluge Person. Sie hatte Mandelaugen, alle diese Personen haben Marchelaugen, und gab vor daß sie zur Kur in Schlangenbad sei. Nun, das kennt man. Einen Arzt hatte sie nicht, wenigstens keinen ordentlichen, aber jeden Tag war sie drüben in Frankfurt oder in Wiesbaden ober auch in Darmstadt und immer in Begleitung. Und einige sagen sogar, es sei nicht mal derselbe gewesen. Und nun hättest du sehen sollen, welche Toilette und welche Sussifance! Kaum, daß sie grüßte, wenn sie mit ihrer Ehrendame zur Sabie d'hote kam. Denn eine Ehrendame hatte sie, das ist immer das erste bei solchen Damen. Und wir nannten sie die .Pompadour', ich meine die Russin, und sie wuht es auch, daß wir sie so nannten. Und die alte Generalin Wedell, die ganz auf unsrer Seite stand und sich über die zweifelhafte Person ärgerte (denn eine Person war es, darüber war kein Zweifel), die alte Wedell, sag ich, sagte ganz laut über den Tisch hin: ,3a, meine Damen, die Mode wechselt in allem, auch in den Taschen und Täschchen, und sogar in den Beuteln und Beutelchen. Als ich noch jung war, gab es noch Pompadours, aber heute gibt es keine Pompadours mehr. Nicht wahr? Es gibt keine Pompadours mehr?' Und dabei lachten wir und sahen alle die Pompadour an. Aber die schreckliche Person gewann trotzdem einen Sieg über uns und sagte mit. lauter und scharfer Stimme, denn die alte Wedell hörte schlecht: ,3a, Frau Generalin, es ist so, wie Sie sagen. Nur sonderbar, als die Pompadours ab- gelöst wurden, kamen die Reticules an die Reihe, die man dann später die Ridicules nannte. Und iolche Ridicules gibt es noch?' Und dabei sah sie die gute, alte Wedell an, die, weil sie nicht antworten konnte, vom Tische aufstand und den Saal verlieh. Und nun frag ich dich, was fagft du dazu? Was sagst du zu solcher 3mperttnenz? ... Aber Bocho, du sprichst ja nicht, du hörst ja gar nicht ..." „Doch, doch, Käthe ..." Drei Wochen später war eine Trauung in der Jakobikirche, deren kreuzgangartiger Vorhof auch heute von einer dichten und neugierigen Menschenmenge, meist Arbeiterfrauen, einige mit ihren Kindern auf dem Arm besetzt war. Aber auch Schul- und Straßenjugend hatte sich einge- funben. Allerlei Kutschen fuhren vor, und gleich aus einer der ersten stieg ein Paar, bas, so lang es im Gesichtskreise ber Anwesenden verblieb, mit Lachen und Getufchel begleitet würbe. ,F) i e Taille", sagte eine ber zunächststehenden Frauen. „Taille?" „Na denn Hüfte." „Schon mehr Walfischrippe." . „D a s stimmt." Unb kein Zweifel, daß sich dies Gespräch noch fortgesetzt hätte, wenn nicht eben in diesem Augenblicke die Brautkutsche vorgefahren wäre. Der vom Bock herabfpringende Diener eilte, den Kuifchenschlag zu öffnen, aber der Bräutigam selbst, ein hagerer Herr mit hohem Hut und spitzen Vatermördern, war ihm bereits zuvorgekommen und reichte seiner Braut die Hand, einem sehr hübschen Mädchen, das übrigens, wie gewöhnlich bei Bräuten, weniger - um seines hübschen Aussehens, als um seines weißen Atlaskleides willen bewundert wurde. Dann fliegen beide die mit einem etwas abgetretenen Teppich belegte, nur wenig Stufen zählende Steintreppe hinauf, um zunächst in den Kreuzgang und gleich danach in bas Kirchenportal einzutreten. Aller Blicke folgten ihnen. „Un kein Kranz nid)?" sagte dieselbe Frau, vor deren kritischem Auge kurz vorher die Taille der Frau Dörr so schlecht bestanden hatte. „Kranz? .. Kranz? ... Wissen Sie denn nicht? ... Haben Sie denn nichts munkeln hören?" _ „Ach fo. Freilich hab ich. Aber, liebe Kornatzki, wenn es nach s Munkeln ginge, gäbe cs gar keine Kränze, mehr un Schmidt in ber Friedrichstraße könnte man gleich zumachen." „Ja, ja", lachte jetzt die Kornatzki, „bas könnte er. Un am Ende für o neu Alten! Fuffzig jute hat er doch woll auf n Puckel un sah eigentlich aus, als ob er seine silberne gleich mitfeiern rvollte. „Woll. So sah er aus. Un haben Sie denn feine Vatermörder ge- ehn? So was lebt nid)." . » ,, „ „Damtt kann er sie gleich bob machen, wenn s wieder munkelt. „3a, das kann er." ... . / . ro. , Unb fo ging es noch eine Weile weiter, wahrend aus ber Kirche chon bas Präludium ber Orgel hörbar wurde. Den anderen Morgen faßen Rienäcker unb Käthe beim Frühstück, diesmal in Bothos Arbeitszimmer, dessen beide Fenster, um Lust und Licht einzulafsen, weit offen ftauben. Rings um den Hof her mftenbe Schwalben flogen zwitschernd vorüber, unb Botho, ber ihnen all- morgendlich einige Krumen hinzustreuen pflegte griff eben wieder zu gleichem Zweck nach dem Fruhstückskorb, als ihm bas ausgelaffene Lachen feiner feit fünf Minuten schon in ihre ßieblingsjeitung vertieften jungen grau Veranlassung gab, den Korb wieder hinzustellen. „Nun, Küche, was ist? Du scheinst ja was ganz besonders Nette, Sefj>ab ich audT, • Cs ist doch zu komisch, was es für Namen gibt! Unb immer gerade bei Heirats- unb Verlobungsanzeigen. Höre doch nur." "Ich 3hre gheute vollzogene eheliche Verbindung zeigen ergebenft an: Gideon Franke, Fabrikmeister, Magdalene Franke, ge b. Nirn p si ch .., Nimpt ch. Kannst du dir was Komischeres denken? Unb bann Gideon! Botho nahm das Blatt, aber freilich nur, weil er seine Verlegenheik dahinter verbergen wollte. Dann gab er es ihr zurück und sagte mit soviel Leichtigkeit im Ton, als er aufbringen konnte: „Was hast du nur gegen Gideon, Käthe? Gideon ist besser als Bocho." Schmetterling. Von Herlnann Hesse. Flügelt ein kleiner blauer Faller vorn Wind geweht, Ein perlmutterner Schauer, Glitzert, flimmert, vergeht. So mit Augenblicksblinken, So im Voruberwehn Sah ich bas Glück mir winken, Glitzern, flimmern, vergehn. Auf der Walze. Aus den Aufzeichnungen eines wandernden SaltkrgefeUen. Von Hermann Hesse. I. --Wie ich also denn auf Freiburg kam, verzehrte ich benfelbem "chinken in ber Herberge unb erfuhr fogleich, in welche Art Gesellschaft oder Schnapphähne ich gefallen war. Nämlich nächsten Tag war m meinem Berliner nicht Schinken, noch Käse, noch Geld mehr drinne« zu finden, ich aber trug einen f trupp en Kopf umher und sehnte mH nach meiner Heimat wie ein wachsweicher Rekrut. Unb bevor ich noch in Basel war, war ich arm wie ein nackter Sperling, denn ich hat» weber Berliner noch Ql ebbe* mehr, weil nämlich beibe mir im Elsässischen gestohlen worden. Weil ich freilich meines Vaters guten Rat vergessen hatte unb nicht in ber Herberge abgestiegen war, sondern m einer wilden Penne. Unb so kam ich auf Basel, konnte dennoch bafettln nicht bleiben, wegen Grenzpolizei, unb wanderte leer wie ein Schlauch nach Neuchatel. Es fehlle auch wenig, so hätte mich ber Hunger erwürgt, unb ich stahl ein Brot und brei Eier, nahe bei Biel in eine« Mühle an ber Straße, wo bann bald ein welsches Wirtshaus kommt Alle Leute parlierten Französisch, unb ich war stolz genug, daß ich vorher ein wenig vom heiligen Schor sch in Dur lach gelernt hatte. Dennoch aber verstand mich niemand und ich merkte, daß hier noch Nichs das rechte Welschland war; denn alles, was sie redeten, kam mir gauZ kurios und unvernünftig vor. Damals erlitt ich. denn Elend genug um wäre schier lieber gestorben. Nur in der Stabt Neuchatel regulierte tnarj mich aufs beste, sogar Wein dazu, unb wies mir den Weg. Dararn muhte ich bei einem Bauern Weinbergpfähle spitzen und Holz tragen bis er mir ein wenig Geld geben wollte, und tarn in den großen WaB 3ura, zwischen Murten unb Bern, wo sie wenig Deutsch vermochten un® die Zehrung war sparsam, wächst auch kein Wein mehr bort. Man trtn J dort auch niemalen Wein, Bier oder Most, sondern lediglich Branntwein unb einen grünen scharfen Schnaps, ber ist so stark, man oen rnischt ihn mit kaltem Wasser unb heißt es Absinth. Die Religion n«® unterschiedlich, jedoch mehr katholisch, aber wenig gute Pfarrhäuser. ♦ In Bern redeten sie Deutsch, aber eine unausgebildete Sorte, unß die Stadt ist zum Teil ganz alt unb schief gebaut, ähnlich wie nw* Städte im Bayerischen hat. Doch erging es mir überaus wohl, ich trän nämlich zwei Landsleute an. Johann Miegel zahlte mir die Kost um Dachgeld und brachte mich in seine Werkstatt. Der Meister war laut um mächtig, wollte mich aber doch behalten und wies mir Arbeit. SogW® fing ein schönes Wohlleben an, und ich hatte immer Geld unb braucht- nie teins. In unserer Penne nämlich war keine Seele, welche Mun» harmonika unb Ziehharfe spielen und schön fingen konnte, ich kann - aber alles sehr gut und wurde bald bei allen Gesellen berühmt. Braucht niemals eine Zeche zu zahlen, unb wenn ich sollte Geschichten erzähl^ besann ich mich lang und wartete zu, bis sie mich stark drängten * Felleisen unb Handwerksbuch. ' Eicke M lnorteistl d-r M II. iste, zeigen die grimmigen 33er(e Logan aüs dem Jahre 1654t wiedee, von lusjelofa g vertich feilen. l Luft ui «r nislch U)iwn «i Hüllt, ich lag' im See und du auch!" ,eit war mir sonderbar ums Herz. Wenn ich jeden ’n. >m 51* tarnen D höre M ich kni*- 1SeftO log *' * W • H*! n)»r , nn Ick k ten S«* * ende!« nn°chA ein * . HE Siel in«; nng/L eA iÄ gevenjl it imptjch... m Gideei' verkgech timmt von der gestohlenen Wurst. Gina eine lange Zeit, da kamen wir nach Lugano, wo wiederum ein »oßes, blaues Gewässer war, viel Echisflein und Hotels, ein Wec^er ßrt. für arme Kunden. Und daselbst bekam ich Streit mit meinen Karne- rüden, oder einer davon hatte mir sieben Franken geleimt unb lchrre. „Du bleibst bei mir, bis ich mein Geld wieder hab. Ich wollte in dm elenden Lande nicht weiter machen, sondern in Gottes Namen urn- k'hren, da mußte ich ihm meine guten Stiefel geben und die kaputten iilber anziehen, und mein Sackmesser aus Bern mußte ich ihm auch hergeben, weil er zu zweit war. Auf den Vorstufen des Weimarer Idealismus. I M L Wein einschenkten. Als ich viel getrunken hatte, sagte Ich zu allen W ei(ftÜ Indien sie seien Nachteulen und ich hätte meine Gesch.chten alle selber 'anaedacht und keine einzige wahrhaste darunter. Da bekam ich mehr 'Leiche als mir lieb war. Das nächste Mal fängt einer wieder an: I ftas, eine Geschichte!" Ich aber stumm wie ein Aas, bis sie alle ntelt." 1115^ zuhören wollten, sei es wahr oder nicht. Und sie glaubten mi alles, namentlich wenn ich von Totschlägen und Hochzeiten erzählte, ber kiiit, « kam mir alles zu gut, was ich beim Oheim gelesen hatte, auch fielen m immer neue Geschichten ein, jeden Tag, wenn nur einer danach srige, aber alle verlogen. Auch mußte ich immerzu singen und ausspielen. In denselben Zeu mm »»» '/v.; lua die großen Berge und das viele Wasser sah, verlor ich ganz die Aigen in die Feme und mir y"'c_ nnA ffl" m,t p nrf ordnung und Zügellosigkeit. Und doch hat derselbe Pufendorf neben Thomasius und dem alle überragenden Leioniz die neuen zu- kunstmächtigen Bauten des Rechts, der Philosophie, des vernünftigen ' Daseins errichtet! Wie arm war Deutschland und wie gebeugt von seinen unbarmherzigen Schicksalen: trotzdem führt« auch feine Baukunst zu dein prunkvollen Barock! Niemals waren seine Kirchen und Schlösser reicher, großartiger, weiter und heiterer! Im 17 Jahrhundert kämpfte Deutschland mit wachsendem Haß bis zur Erschöpfung um feine Religion. Wie konnte unter solchen Widerwärtigkeiten eine große und gefaßte Dichtung sich, bilden? Es stand ja nicht einmal eine Sprache dafür zur Verfügung. So sehr war di« Sprache Luthers durch den langen Krieg verwildert. Wohlmeinend« sahen keinen anderen Ausweg, als von den Franzosen die rechte Lebensart und von den Römern die richtige Ausdrucksweise zu erlernen. Welche Wirkung dieser Erziehun^vorgang auslöste, zeigen die grimmigen Berta des schlesischen Dichters Friedrich v ,/Diener tragen insgemein ihrer Herren Liverei. Soll's denn |ein, daß Frankreich Herr, Deutschland aber Diener sei? Freies Deutschland, schäm' dich doch dieser schnöden Samplerei!" Hier kündet sich schon die Gegenwirkung an: Sehnsucht, tiefe Selbst- besinuung, unermüdliches Arbeiten, stärkste Verinnerlichung! Zwei Ströme deutschen Geistesleben bilden sich, die scheinbar neben einander hergehen und deshalb allzu oft eine gesonderte Betrachtung finden. Tatsächlich aber haben sie ihre gemeinsame Wurzeln in Luthers Reformation. Sie ringen sich im 17. Jahrhundert in der Gestatt des Pietismus und der Aufklärung nur zur Cigengeltung durch. Es darf nicht übersehen werden, daß die 1694 gegründete Universität Halle sowohl den frommen August Hermann Franck« wie den Aufklärer Thomasius zu ihren geisttge» Vätern rechnet. Allerdings haben sich beide nur in schweren Kämpfen durchgesetzt, in Kämpfen gegen Unsicherheit, Künstelei, Schulmeistertum, Verwilderung, Servilität und Streberei. Dabei steht in Anknüvsung an die vorhergehende Zeit das religiöse Moment zunächst im Vordergrund. Bald jedoch gesellt sich dazu das nationale. Beide vereint ergeben dann den Unterbau des Weimarer Idealismus. Bemerkenswert ist hierbei, daß zwei deutsche Grenzlande, das Elsaß und Schlesien, eine führende Rolle spielen. Dem deutschen Kerngediet blieb es vorbehalten, die Mängel der deutschen Sprache nach Möglichkeit zu beheben. Hierbei haben sich die sogenannten „S p r ach g e s« l l« chatten" bleibende Verdienste um die Reinigung der deutschen Sprache von fremden Beimischungen, um sprachliche Selbstbesinnung und um die wissenschaftliche wie geschichtliche Erforschung erworben. Ihr Wirken führt« allerdings auch dazu, daß die Volkstümlichkeit der Sprache Luthers etwas verblaßte. Dem Zuge der politischen Entwicklung zum Absolutismus hin solgend, ging das Trachten dahin, sich im Glanz« der Majestät zu sonnen. Die Kunst wurde aristokratisch, akademisch, höfisch. Unter italienisch-spanischem Einfluß huldigte man einer wyustch. manierierten Literatur, unter englischem einer tragisch naturalistischen Strömung. Es war ja die Zeit derGegensätze: eine u-'dd,eselbeDichtung übrte oft hin und her zwischen Uebersrnnlichkeit und Ueberstosflichkeit. In dem einen steckte soviel „Schwulst" wie in dem andern. Dennoch lag irTgorm und Stoff eine starke Anregung der Phantasie. Die Dichter lernten jetzt selbst suchen und finden. Sie wurden unabhängig von der Ucberlieferung. Ihre Geschmacklosigkeit entsprang °"s der Jagd nach dem Originellen, und diese war der erste Schritt zur edlen Freiheit, wie sie von dem Idealismus erstrebt wird. Die Phantasie mußte in dem weiten Gebiete des Unwahrscheinlichen schmelzen, um überhaupt wieder fruchtbar zu werden. Sie mußte die stärksten Mittel rücksichtslos anwenden, um für die feineren ihre Kraft »u I-Hulen. Das war es: in äftbetildi unreifen Zeiten machen die Schriftsteller möglichst viel "arm, um ihre ßefcr zu betäuben, während sie in reifen, klassischen Alten - > n« feierliche Stille und Klarheit um uns ausgießen, in der wir die kleinst« Somit9 ist^r^Weg' von den Vorstufen zum Endgültigen nach der gedanklichen Seite aufzezeigt. Hinsichtlich der stosslichen schien zunächst für Roman, Drama und Gedicht die große Welt zu eng. Die Dichter verrauschten daher in alle Welten und Zeiten. Bis das vaterländische Element in bie deutsche Literatur eindrang, um sie nicht wieder zu verlassen Schon Hutten hatte mit einer Gestaltung des Arminius» stoffes ein Vorbild gegeben. Im 17. Jahrhundert strömte bas ganze germanische Altertum in breiter Front em. Nur Zwei Vertreter dies« nationalen Dichtungen können hier genannt werden. Bon ihnen geht aber nachweislich eine starke Wirkung aus, die sich noch bis zu Klop- «lick und dem Weimarer Kreis hin bemerkbar macht Am umfassendsten behandelt die altdeutschen Stosse schon 1640 der Elsässer Moscherosch in dem Roman „Gesichte Philanders von Sitte» watt" Er führt in der Form einer Satire Sittewalt dem Anovist, Arnim Wittekind und anderen germanischen Helden vor, die >hm in scharfen Strafreben Verwischung und Verweichlichung vorwersen Wirü hier von dem Bürgerlichen noch eine gewisse volkstümliche Redeweife nomnhrt in ist aani Vertreter seiner Zeit und seines Standes der Schl« «Ä'tal LaspervonLoh enst ein (1635 bis 1683), den man auch bas Haupt der zweiten Schlesischen Dichterschule nennt mie Romane haben ihm weit über sein nur kurzes Leden hinaus großen Ruhm gebracht Besonders aber sein erst 1689 nach seinem Tode ve^ össentlichter Arminiusroman, dessen Titel gleich fein Wesen deutlich kennzeichnet. Er lautet: „Großmütiger Feldherr Arminius ober Hermann als ein tapferer Beschirmer der deutschen Freiheit nebst seiner durch- (nurhtialten Thusnelda in einer sinnreichen Staats-, Liebes- und Helden- Keickiicbte dem Vaterland zu Liede, dem deutschen Adel aber zu Ehren mrd^ähnliche? Nachfolge in zwei Teilen vorgestellt und nut tauberen RUttnHÄte - neben der Liebesgeschichte - nicht nur eine all- nemeine Geschichte unseres Volkes in seinem Roman geben, sondern auch den Nachweis führen, daß alles Große in der Welt von Deutschen aus- wf Ä rfxit. L -x't * schien, daß überall nod, ein gut Stück Seit "für" mich "übrig sei. Ich hörte sagen, ein deutscher Satüergesell » M« ul «ubet in jedem Land oder Weltteil leichtlich sein Brot, und beschloß, host du u mir Unb mehr den Berliner zu packen. Mu der Agathe gab es eine m&e Not, und wir weinten alle zwei beide wie die kleinen Kinderlein. Aich mußte ich ihr fast alles Geld geben. Da hörte ich, daß in Mailand tlil Arbeit sei und zwei Bekannte von mir wollten hinmachen. Davon leinte einer mir sieben Franken und auch der Meister gab mir em bares Lschenk, zwar war es wenig. Wir fuhren über den langen See bis an kin Ende, wo immer mehr Berge nach Art von allmächtigen Mauern tonen, daß mir Angst wurde. Wenigstens hatten wir gutes Wetter. Und -lwohl ich des Tags acht Stunden vermag, waren dl« Sttaßlein in dm Gebirge elend hart und fielen mir so sauer, daß ich lebe Nacht wie Hie Leiche dalag. Das erbarmte die andern, und wir fuhren manchmal ein gutes Stück mit Fuhrleuten für wenig Geld. Da habe ich viel Ge- Een erzählt, denn ich wußte gut, daß die Fuhrleute auf ihrer langen Fahrt eine gute Gesellschaft fo gut brauchen können als Vier und t. Sie schenkten mir außer dem Mitfahren ost «men halben Schop- " "Uni ober eine von ihren Zigarren, die innen Stroh haben und un- r-nschlich lange Stengel sind, davon mir zweimal bitter übel wurde, tif eine solche Art zwangen wir den St. Gotthardt, und bald daraus fhg ein Welschen an, daß mir Hören und Sehen vergehen wollte. Sonst euren zwar die Leute geizig, aber vergnügt und gut; nur durften wir nichts von ihnen haben wollen. Da gab es manche Not, und unser Reingelb ging nah beieinander. Auch fiel mir nun st^'llch ein, wa ter der gelb« Friedel seinerzeit gesagt hatte, nämlich.daß dies es 3talen für uns Kunden das allerschlechteste Land auf der Welt sei. Wie sollte Ins werden? Denn wir waren noch immer in der Schwerz, und das Lend mit den Jtalienerleuten fing schon an. Wenn nicht die Poststellen mit den vielen Reisenden gewesen wären, hätte uns bald der leidige (junger geplagt. Lieber Gott, da stahl ich denn einmal drunten im Wein- Itnb eine lange Italienerwurst, die hart und salzig sind, und man kann fn ein Jahr lang haben. Fängt einer von den Kameraden zu räsonieren am, sagte, er fresse nichts Gestohlenes, und ich möge an meiner langen Surft ersticken, wenn ich sie nicht wieder zurückbringe. Das ging aber acht, und fo versöhnten wir uns wieder miteinander; er fraß aber nchts davon. Und mich wollte nachher der Durst schier umbringen; denn ins Zeug war heillos gesalzen, daß ich immer wieder aus dem großen tilten Bache trinken mußte, und ein furchtbares Bauchgrimmen bekam. 8s tarn von dem kalten Wasser her, aber der andere sagte immer, das Von Dr. Hermann Dreyhaus. Wenn Schiller am Ende des 18.Jahrhunderts Ei dem l7. be. fcuptete, daß während dieser Zeit in dem ,,sturzbedrohten deutschen lause ein sterbendes Geschlecht wohnte", so hätte er feine faeü ft lir seine Ansicht finden können als den Astronomen Ke p l e , , it dem Vorwort zu dem Werke „Harmonie der Welt das » Iförieb: „Hier werfe ich die Würfel und schreibe ein Buch, zu lesen der Nitwett oder der Nachwelt, gleichviel; es wirb seines Lesers Jahrtausende Wen, wenn Gott selbst sechs Jahrtausende lang den «marm bat, De Hn Werk beschaute." Er hatte jene Wettwmte des putschen Geistes ge vonnen, die sein Jahrhundert zu einer Vorstufe der Geistigkeit machte, ita nachher als Weimarer Idealismus die weite Welt erob s Eine Weltweite allerdings, die aus Gegensätzen geboren war. W e ieinlid; und niederdrückend war im 17. Jahrhundert ö ™ r-euischlandl Allbekannt ist das scharse Urteil des poften ^-cht^ehrers Pufendorf über die Mitgestalt des Reiches und di- herrschende Un __So war ich die längste Zelt in Luzern gewesen. Das Frauen- immer hieß namens Agathe, aber man rief sie bloß immer Ageli, aber U konnte ja doch nicht heiraten und geriet in eine Traurigkeit. Da ich Mts mehr gut machen konnte, mochte ich sie gar nimmer tahen und flichtete vor ihr. Sie stand aber jeden Abend nahe bei der Werkstatt, In» einmal ging ich mit ihr spazieren und wir standen beide unter e|em schrägen Nußbaum an dem Waldstätter See. Hinter dem mach- fc-n Wasser stieg der große Rigi-Berg heraus und alles war herrlich «I sehen, mancher zahlt gern Geld dafür, auch Boot« im Wasser und «che Kähne, ble dreißig Schuh lang und wohl mehr. Dennoch war es in. traurig, denn di« Ageli meinte schier ohne Unterlaß und sagte: „3d) geführt worden sei, ober er wollte, rote es der spätere Herausgeber ausdrückt, „versuchen, ob man nicht unter dem Zucker solcher Liebesbeschreibungen auch eine Würze nützlicher Künste und ernsthafter Staatsfachen, besonders auch der Gewöhn- und Beschaffenheit Deutschlands mit einmifchen und also die zärtlichen Gemüter hierdurch gleichsam spielend und unvermerkt ober sonder Zwang auf den Weg der Tugend leiten und hingegen ihnen einen Ekel vor andern unnützen Büchern erwecken könnte." Der Dichter hat ein vielseitiges Wissen in dem schwer übersehbaren Werk (2868 doppelspaltige Quartseiten!) niedergelegt. Bemerkenswert bleibt die nachdrückliche Mahnung an das deutsche Volk, sich der Ueberwäliigung vom Rhein her zu widersetzen. Diese Mahnung bedeutet kein Schlagwort der Zeit. Lohensteins Beruf als Syndikus der Stadt Breslau ließ ihn die Gefahren der Rheinpolitik Ludwigs XIV. in ihrem ganzen Umfange erkennen. Doch ist fein Ruf mit dem gleichen geringen Widerhall verklungen wie der des Philosophen Leibniz anläßlich des Raubes von Straßburg. Aber die darin bekundete Gesinnung wirkte fortzeugend, um über die Befreiungskriege hinweg die nationale und völkische Einigung der Deutschen herbetzuführen. Deshalb darf man wohl bei deren Erfüllung gelegentlich ihrer Vorstufen gedenken, zumal wenn sie gerade ein Biertel- jahrh ändert zurückliegen. , Oie Mär vom Schimmel ohne Kopf. t Erzählung von Wolfgang Goetz. Diese Geschichte ist buchstäblich wahr, so lügenhaft sie zu erzählen, vnd wenn auch ihre Achs« geradezu eine grobe Unwahrheit ist. Richt als oft wir uns zu jenen Rationalisten rechnen wollten, da die behaupten, Schimmel ohne Köpfe gäbe es nicht, haha! Blödsinn, so was zu glauben! — Ach, meine Herren, der große Helmholtz hat einmal mit der ganzen Wucht seiner Autorität erklärt: „Der Mensch wird nie fliegen können, das würde ja dem Gesetz der Schwerkraft Hohn sprechen." Seitdem sind mir olle apodiktischen Urteile etwas bedenklich. Ich selbst habe noch nie einen Schimmel ohne Kopf gesehen, doch gibt es viele Flecke in deutschen Landen, wo sich ein solches Gespenst gezeigt hat, wie einwandfreie und redliche Zeugen versichern. Was dieses Unwesen eigentlich bedeutet, wüßten wir nicht zu sagen. Ist es vielleicht das dem Wotan heilige Rotz, dem die christlichen Priester den Kopf abschlugen und das sich nun auf solche Weise rächt? Ach, Fallada, daß du hangest. Nun aber, das ist im Augenblick nebensächlich, denn wir wollen ja eine wahre Geschichte erzählen und nicht Mythendeutung treiben. Es lebt da also in der Nähe von Berlin ein wackerer Handwerker, man darf sagen, ein Künstler in fernem Fach. Wo viel Licht, da viel Schatten. Besagter Mann hat sogar zwei Schatten. Er ist unsagbar furchtsam und huldigt dem Trünke. Welche dieser beiden Untugenden die Ursache und welche die Wirkung ist, wüßten wir nicht zu entscheiden. Vielleicht wuchsen beide aus dem gleichen Stengel: aber auch das geht uns hier nichts an, weil wir ja eine wahre Geschichte erzählen wollen. lieber die Angst ist die Gattin unseres Freundes nicht sehr unglücklich, ja, hin und wieder ist sie recht zufrieden. Hingegen ist sie eine ausgesprochene Feindin des Alkohols, nicht an sich, aber des Alkohols, den ihr Ehewirt zu sich nimmt. Denn sobald er seine zehn Mollen hinter der Binde hat, ist er gar gewaltig, erlöst er die Welt, hält sich für den größten aller Menschen untz schwatzt einen erklecklichen Blödsinn zusammen. Diese unerträgliche Haltung geht auch den Dorfbewohnern heftig auf die nicht eben allzu zarten Nerven. Auch haben sie ihn alle gern, wenn bloß der verfluchte Suff nicht wäre. Erst haben sie ganz fröhlich mit ihm getrunken, denn nach der fünften Molle gibt es meist Stubenlagen: er kann sich das leisten, denn er ist, wie gesagt, ein tüchtiger Kerl sonst und verdient hübsche Talerchen. Aber für Welterlöser haben die Dörfler nicht viel übrig und wenn einer zwei Stunden lang seinen Mitbürgern erzählt, was für ein fabelhafter Bursche er sei, so wird das auf die Dauer langweilig, zumal ja männiglich weiß, daß er in der Tat viel kann. Also beschlossen sie, sich die Stubenlagen nicht mehr gefallen zu lassen. Wenn der Wackere nach einer solchen brüllte, erklärten sie mit düsteren Mienen, daß sie keinen Durst mehr hätten. So was nimmt man ja übet. Die Methode schlug fehl. Denn wenn er sonst befriedigt über seine Großherzigkeit gegen elf den Dorfkrug verließ, so brütete er jetzt bis Mitternacht und paßte auf, daß kein anderer sich noch was bestellte und trank brummig die elfte Moll«, weil er sich grämte über die Mißachtung feiner wohltätigen Seele. Eines Abends war er über Land, und man beriet in feiner Abwesenheit, wie dem liebel abzuhelfen fei. Keiner wußte Rat. Da war der Lehrer hereingekommen, hatte gefragt, was los fei, man hatte ihn belehrt, und der Lehrer hatte gegrinst. Das würde er schon machen, aber sie müßten alle mitspielen und nicht feixen. Was er denn anzustellen gedenke, fragten sie den Lehrer. Aber der sagt«, das wäre nicht gut, wenn er fein Geheimnis verriete, sonst ginge die Sache womöglich schief. Also nicht feixen und mitfpielen. Nun muß man wissen, daß der Lehrer die lebendige Chronik des Dörfleins ist, daß er jeden Flurnamen kennt und deutet, die Märchen und Sagen sammelt, und daß er demnach als der beste Gewährsmann anzusprechen ist. Sie sollten ihn also verstohlen benachrichtigen, wenn unser Held mal wieder in Fahrt sei, bann würde er die Sache schon schmeißen, sagte der Lehrer. Das versprachen di« Bauern, und so geschah es denn auch am nächsten Tage. Der Lehrer kam, als unser Freund noch nicht bei seinen Wefterlösungs- foeen angelangt war — der Stellmacher hatte ihn 'geholt laut Versprechen —, und sagte „Guten Abend!" „Guten Abend", sagten die andern. Der Lehrer war ein seltener Gast im Dorfkrug, und so entstand denn itin Schweigen. Auch unser Held schwieg; er war erst bei der dritten Molle, und da hatte er noch Respekt vor einem andern, und nun gar vor dem Herrn Lehrer. Die andern aber wußten: jetzt tommt’s. „Tja", sagte der Lehrer. „Hm, hm , bestätigte der Chor der Dörfler. Wieder Stille. „Letzte Nacht", sagte der Lehrer und fuhr sich mit der rechten Hand über die Stirne, „letzte Nacht ist er wieder gesehen worden." „So?" sagte der Schmied. „Wer denn?" fragte der Zimmermann. „Der Schimmel ohne Kopf", erwiderte der Lehrer. „Hm", fugten die Dörfler und nickten mit dem Kopfe. „Wo denn?" fragte der Zimmermann. „Na, wie immer, an der Brücke über den Schäfergraben, beim Kuschel- dusch." Pause. Es feixte keiner. „Ja. sagte der Schmied mit gefurchter Stirn, „vor zwei, drei Wochen hab' ich ihn auch geseh'n." Hier ist nun einzufügen, daß jeder Schauspieler vor Neid erbleichen muß, wenn so ein Dorfschmied Theater macht. „So, so", sagte der Bäcker und räusperte sich. Nun blickten alle versonnen vor sich hin, und jede Bühne müßte auf solche Statisten stolz sein. Indessen hatte sich unser Held gefaßt und fragte: „Was?" Der Lehrer verbarg sein leichtes Gähnen. „Na, ja", sagte er bann, „der Schimmel ohne Kopf." „Beim Kuschelbusch am Steg über den Schäfergraben?" „Wo denn sonst?" sagte der Schmied ungeduldig und steckte sein« Zigarre an. „Haha", machte unser Freund, es klang aber sehr verzweifelt und sein Antlitz war fahl. „Uebrigens", sagte der Bäcker, „wißt ihr schon, daß Lademanns'Her- mine den Jüngsten von Mochow heiratet?" „Ahoi" sagte der Chor. „Beim Kuschelbusch am Steg über den Schäfergraben?" fragte nochmals unser Meister, den die Verbindung der Familien Mochow und Lademann offenbar wenig anging. „Herrgott nochmal I" sagte der Bäcker, „du kommst doch jede Nacht da vorüber. Ist er dir denn nie begegnet?" „Nein", röchelte der Belehrte und sah nach der Uhr. „Das war ja eigentlich klar, daß Lademanns Hermine den jüngsten Mochow nimmt. Sind ja Nachbarskinder." „Ich weiß nicht", sagte der Welterlöser, „mir ist heute gar nicht gut, ich glaube, ich muß gehen. Wann zeigt sich denn der Schimmel? Ich meine, es ist ja alles Unsinn. Wann soll er sich denn zeigen, der komische Schimmel?" „Zwischen elf und eins", sagte der Lehrer sehr rasch. „Na, dann werde ich ihn ja heute nicht sehen. Mir ist wirklich nicht gut", sagte der Welterlöser und versuchte sich ganz umsonst an einem Gelächter. „Das ist aber schade, daß Sie schon gehen wollen", meinte der Lehrer. „3a, das ist schade, aber, wirklich, mir ist nicht gut." Hiermit ging er. Die Uhr vom uralten Kirchturm — Fontane schätzt ibn auf 1250 — schlug just die zehnte Stunde. Alles verharrte in eisigem Schweigen, bis keine Möglichkeit mehr war, daß der Heimkehrer einen Schuß im Dorfkrug hätte hören können. Dann aber freilich war das Gelächter und Getobe dem Gekrach einer Kartaum nicht unähnlich. „Guten Abend", sagt« der Lehrer und empfahl sich vergnügt. Er hätte ein volles Recht gehabt, vergnügt zu sein, der Herr Lehrer. Und man war auch ein paar Tage vergnügt. Denn das Objekt dieser Gemeinschaftserziehung erschien wirklich eine Woche lang nicht im Dorf- trug. „Das hat geholfen! Das hat er fein gemacht, unser Herr Lehrer, sagten die Leut. Und die Gattin des Furchtsamen erklärte beim Bäcker, ihr Mann sei ganz verändert und sie könne sich das gar nicht vorstellen, wie und woher. Ja, aber Welterlösungsideen und Alkohol müssen eine außerordentliche Anziehungskraft besitzen. Denn nach dieser Woche der Einkehr war er wieder da, der Gute. Und nun bleibt er bis zwei Uhr sitzen, damit er dem Schimmel ohne Kopf beim Kuschelbusch am Steg über den Schäfergraben nur ja nicht begegnet. Man soll doch nicht lügen, selbst in bester Absicht nicht. Solches beweist diese schöne und vollkommen wahrhafte Geschichte. Oder sollte jemand anderer Meinung sein? Mir tut ja lediglich der Schimmel ohne Kopf leib. Er kann gar nichts dafür. Denn er ist überhaupt nicht am Kuschelbusch am Steg über den Schäfergraben zu sehen, obschon ich selbigen zwischen elf und zwei hin und wieder überschritt. Ader das mag Zufall fein, daß ich ihm nicht begegnete, dem Schimmel ohne Kopf, dem guten, indes die Kufchelbufch- roipfel ihr Nachtlied säuseln. Das sind sehr nachdenkliche Dinge. Sieh da, mein Welterlöser kommt. Ich erhebe mich schleunigst. Es ist erst sechs Uhr. Es ist demnach gar keine Aussicht, dem Schimmel ohne Kopf zu begegnen. Außerdem — es mögen so viele Schimmel ohne Köpf« in deutschen Landen herumlaufen — an unserem Schäfergraben wurde er bestimmt nicht gesichtet. Leider. Das macht die Lüge. Sonst käme es mir wohl entgegengestrebt, das Untier. Ich möchte ihn doch so gerne sehen, den Schimmel ohne Kopf oder die weiße Frau, selbst den Fall eines Unglücks gesetzt. Ich möchte. Aber die Geister und Gespenster lassen sich nicht rufen. Sie sind nach ihrem eigenen Gefallen da und weg. Schade! Verflucht, aber wir lügen ja alle. Oder nicht? Schimmel mit und ohne Kopf. Es ist bettüblich. Deranttvortlich: Dr. Han» Thyrtot. - Druck und Derlag: Brühlsche Aniversttätsdruckerei «.Lange, Gießen.