SietzenerZamuienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Nummer (5 Montag, den 20. Zebruar chrgang 1959 Jer kerzelmacher von Dankt Itepyan erilt |l9. tt- Na« it Sim (Bruni t M oche h 5 rourt erb« gemefr ii finit ire 6tb hacke j vielleit io!tifdji' [qt i* ler rulf ifuie# An heiterer Liebesroman von Alfons o. LKuIka Äopyrlghl by I. G. Äotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart (Schluß.) Qn tiff 'runjs Armee! Sie wirft einen Blick auf die Audienzliste und schellt. „Die beiden Brand." Kaunitz tritt wieder an das offene Fenster zurück. Mund und Herz saßen der List auf dem rechten Fleck. Der Mund vor allem, weiß Gott! Aber diesmal schlug ihr das Herz doch bis zum Halse. Heut war es noch anders als damals mit dem „Modeaff". Was würde die Kaiserin sagen, wenn sie alles erfuhr? Und so, wie sie es sich gedacht, daß sie den Leutnant gleich mitbringen könnt, war es auch nicht geworden. Sie wußte nicht einmal, ob der Rabenau wirklich schon frei war. Noch am Morgen hatte ihr die Bielgratterin die Hölle heiß gemacht und liebevoll gesagt: „Hast was ang'stellt, Lisl? Dann hast du nix zu lachen. Da kann's schon sein, daß d' am Abend schon mit geschorene Haar im Spinnhaus sitzt." Daran mußte die Lisl denken, als sie sich jetzt mit dem Vater vor der Kaiserin neigte. Auch der Brief unter dem silbernen Lebzeltenherzen machte ihr wieder Sorge. Da fing es auch schon an. Selbst der schönste Hofknicks schien nicht zu helfen. Die Kaiserin kam mit . raschen Schritten auf sie zu, fragte böse: „So! Ist Sie also wieder da?" Eine zornige Falte stand auf ihrer Stirne. „Schau Sie mich an! Hab ich Ihr nicht schon einmal gesagt, Sie soll Ihrem Vater keine Sorgen machen?" Sie wandte sich an Brand: „Wann ist Er mit ihr zurückgekommen?" „Vor drei Tagen, Majestät." Maria Theresia war enttäuscht. Sie hatte gehofft, von Brand vielleicht etwas von dieser Bataille in Mähren zu erfahren. Aber wenn er schon seit drei Tagen in Wien war, wußte er wohl auch nichts. Sie sagte scharf: „Ich hab Ihm doch befohlen, daß Er gleich kommen soll!" „Halten zu Gnaden, die Audienzen waren schon besetzt —“ „Unsinnll" Sie sah wieder böse auf die Lisl: „Was ist Ihr denn eigentlich eingefallen, Ihrem Vater durchzugehen? Was hat Sie denn überhaupt vom Herzog von Braunschweig wollen?" Elisabeth Brand wurde feuerrot und schwieg. Die Kaiserin fuhr sie an: „Hat Sie das Reden verlernt? — Aber Sie braucht mir erst gar nichts zu sagen. Ich weiß es auch so. Aber das schlag Sie sich nur aus dem Kopf. Daraus kann nichts werden — Hat Sie ihn übrigens gesehen, den Leutnant von Rabenau?" „Nein, Majestät", antwortet die Lisl leise. Ein ferner Hörnerklang läßt die Kaiserin aufhorchen. Sie blickt sich nach dem Fenster um, an dem jetzt wieder der Kanzler steht. Dieses Gerücht von einer Schlacht zwischen Olmütz und Schlesien macht sie noch närrisch. Sie wendet sich wieder an die Brand: „Hat Ihr also der Herzog nicht erlaubt, zum Rabenau zu fahren? Denn darum hat Sie ihn doch wohl gebeten — Das Kopfschütteln nützt Ihr gar nichts. Die Wahrheit will ich wissen!" „Ich habe den Herrn Herzog gar nicht bitten können —" „Wen denn?" Elisabeth Brand senkt den Blick: „Den König." Aber die Kaiserin hört es nicht mehr. Sie horcht, geht an das Fenster, fragt hastig: „Waren das nicht Posthörner, Kaunitz?" „Es wird der Badener Eilwagen gewesen sein. Der kommt um diese Zeit." „Nein, Kaunitz, die Posten blasen anders." Die Stimme der Kaiserin klingt erregt. Das Hörnergeschmetter ist jetzt deutlich zu hören, kommt näher. Die Kaiserin greift nach dem Arme des Kanzlers: „Sieht Er denn nicht?" Reiter jagen durch die Hietzinger Straße, biegen in die Auffahrtsallee. Bis über die Wipfel der Bäume fliegt der Staub. Der Kanzler lächelt. Ein Kurier, vierundzwanzig blasende Postillone hinter sich, wie es der Brauch ist bei guter Nachricht von der Armee, reitet im Galopp in den Schlohhof ein. Die Hörner jubeln. Die Postillone schwenken auf. Ein Wink des Kuriers. Der Reitertrupp steht. Den Dreispitz in der ausgestreckten Rechten grüßt der Offizier das Schloß seiner Kaiserin. Er gleitet aus dem Sattel, eilt in die Torfahrt. Maria Theresia sieht auf: „Gott war gnädig, Kaunitz!" Sie tritt in den Saal zurück. Mit einer Handbewegung bedeutet der Kanzler dem Wachsziehermeister und seiner Tochter, in die Antikamera zu verschwinden. Die Kaiserin bemerkt es, schüttelt lächelnd den Kopf: „Laß Er, Kaunitz! — Er kann bleiben, Brand, und Seine Tochter auch!" Vierundzwanzig Postillone, das war die Victoire. Bescheiden treten Brand und die Lisl an die Wand zwischen Tür und Ofen zurück. Die Kaiserin wartet. Eilige Schritte in der Antikamera. Die Türflügel öffnen sich. Sporenklirren auf spiegelndem Parkett. Ein stampfender Doppelschlag. Jung- Augen strahlen. Aus der Ecke des Raums ein verhaltener Schrei. Der Leutnant von Rabenau steht vor der Kaiserin. Maria Theresia tritt an ihn heran: „Er bringt?" Rabenaus Stimme klingt wie ein Jauchzen: „Allergnädigste Kaiserin — Olmütz ist frei!" uf. W um (w ach! * ernitfc ropäi'i ' * schön,, onbcrc iel 3J,i Pilegii empo: ensbut. ! Ich« lick iik eine nüiuij hr A er Bi, Uttytr geprit lidjlii, Her uni Drto ;en, ü estlicht chicksch tif. end, ii als tut iuch it t>en * turR it» n Seit mW di- aW 1«. «<■ । ®* tian.i* ihel J wtl* 15 R Barfl» ,siR jjiaeW ( fi ein* res* ,Äuch Soldat, der Sohn?" . .Zögling in Jhro Majestät Offiziersakademie in Wiener-Neustadt." .Das ist brav. Und die Tochter?" .Seit drei Jahren mit einem Hauptmann vom Regiment Khevenhllller ixis»rochen, aber —" m >ie Kaiserin blickte sich nach dem Kanzler um. Das alte Lied. Kein Geld tiun Heiraten. Sie wendet sich wieder dem Obristen zu: „Da haben Ihm >>ii «edersuchser von der Kriegskasse schöne Sorgen gemacht — Wie lange I i»n ?" .Halten zu Gnaden, seit ich verwundet wurde." ,2as tut mir leid. Ich will's auch wieder gutmachen. Seiner Tochter । ;»er die Sorgen da. Sie fragte: „Noch immer keine Nachricht von litnl‘-r die Kaiserin. .. I Ein untersetzter, weißhaariger Soldat tritt ein, stützt sich schwer auf j :in n Stock. Sein Holzfuß macht ihm Mühe, die vorgeschriebene Haltung i mz, nehmen. Maria Theresia geht rasch auf ihn zu, um ihm das Gehen iivs idem spiegelnden Parkett zu ersparen. Jetzt erinnert sie sich. Er hat iwf in den Türkenkriegen gedient und vor zwei Jahren, schon als Sieb- • ;ir- , in der undglücklichen Bataille von Lobositz bei einem Sturme ein ,, ,, !8,ii verloren. Die Kaiserin fragt freundlich: „Hat Er nicht Kinder, f®” liiift?" <1 " ,Ju dienen, allergnädigste Majestät, einen Sohn und eine Tochter." f«i «her ersten dabei ist. Bei der Kriegskasse muh Remedur geschaffen ist,»en. Die läßt mir sonst noch meine Soldaten verhungern." Die Kaiserin geht mit dem Staatskanzler in den kleinen blauen Saal I jiniiber, in dem sie, wenn sie In Schönbrunn ist, die Audienzen zu erteilen likle; t. Sie hebt die Glocke, die auf einem weißen, goldgeränderten Tischchen | Ml Der Kämmerer vom Dienst erscheint. Maria Theresia befiehlt: „Den Otrfften! — Wart Er noch, Kinsky! Den Rat von der böhmischen Hof- Canlei kann Er selber abfertigen. Ich laß ihn fragen, ob er glaubt, daß i ii richt weiß, wie hoch fein Salär ist. Sag Er ihm, er soll nicht sausen, i»nt wird er auskommen! •— Und jetzt den Dbriften!" Saunitz sieht abseits an dem hohen, fast bis zum Boden reichenden fet ter, aus dem man über den Schlohplatz und die Auffahrtsallee bis urHietzinger Straße sieht. Erft als die Tür geht, tritt der Staatskanzler Die Kaiserin lacht beglückt: „Läßt Daun mir das sagen? Wie kam es dazu? Hat es eine Bataille gegeben?" „ „Nicht eigentlich eine Bolaille, Jhro Majestät... "Volmer'Tagen hat der Feldmarschalleutnant von Laudon, nachdem er es am Tage zuvor schon einmal versucht hatte, bei Dornstadtl einen t>on Troppau heranziehenden feindlichen Wagenzug voll Munition und Proviant angefallen, zweitausend Wagen erbeutet, siebzehnhundert verbrannt und ge mengt; nur dreihundert sind entkommen. Gestern vor Tagesanbruch hat der König die Belagerung aufgegeben und ist nach Böhmen Oi)njBas'Cnenn ich einmal eine Nachricht! Ich danke Ihm, Rabenau!" Sie wendet den Kopf. Ihre Augen lachen vor Glück: „Nun, Kaunitz, soll ich noch immer nach Graz gehen?" Sie sieht wieder den Leutnant an: „Aber jetzt sag Er mir, Rabenau, wie kommt Er eigentlich her? .Ich horte doch, Er sei blessiert und gefangen." „Ich war es auch, Jhro Majestät." ... „Ja, haben Ihn denn die Preußen wieder ausgelassen, oder ist Er ihnen am Ende ausgerückt?" .Mein, Majestät! Ich war wenige Tage in der Festung Schweidnitz, als die Ordre kam, mich unverzüglich an die kaiserlichen Borposten zu überstellen. Am Tage nach Domstadtl rückte ich bei General von Hadik ein." „Und weih Er, warum Er wieder freitam, Rabenau?" „Es wurde mir nur gesagt, daß es auf Befehl des Königs fei... „Na hör Er ..." Die Kaiserin tritt einen Schritt zurück, schüttelt erstaunt den Kops: „Auf Befehl des Königs?" Ein rascher Blick streift das Mädel. Hat ihr die Brand nicht vorhin gesagt, daß sie beim König war. Aber so närrisch wird sie doch wohl nicht gewesen sein. Sie sieht Rabenau in die Augen: „Er weiß also nicht, warum?" „Halten zu Gnaden, nein, Majestät!" „Soll ich's Ihm sagen?" Sie winkt die List heran. Ein iahes Erkennen blitzt aus Rabenaus Augen; Glück und Erschrecken zugleich. Die Geliebte bei der Kaiserin? Was soll das bedeuten? Doch er darf sich nicht rühren. Die Kaiserin zeigt auf den Offizier: „Sann Sie dem Monsieur vielleicht sagen, warum der König so generös war, mir ihn wiederzuschicken?" Von flammendem Rot übergossen senkt Lisl den Kops. Das Gesicht der Kaiserin wird hart. Sie fährt auf: „Sie wird den König doch nicht darum gebeten haben!?" Elisabeth Brand nickt beklommen. Jetzt stürzt wohl die Welt zusammen. „ . _ ,, Wieder erscheint die drohende Falte aus der Stirne der Monarchm. Aber Olmütz ist frei. Heute kann sie nicht böse sein. Kopfschüttelnd sieht sie das Mädel an. Hat die Grand'rnere also recht behalten? Als sie sagte: „Die ist imstand und bittet sich ihren Leutnant noch vom preußischen König aus." Um ihren Mund zuckte es. Nur ein leiser Spott schwingt noch in der Stimme der Kaiserin: „So! Hat Sie den König vielleicht auch gleich um den Heiratskonsens für den Herrn Leutnant gebeten? Oder glaubt Sie nicht auch, daß ich da noch ein Wörtl mitzureden hab?" Wieder nickt die Lisl. „Schön von Ihr! ... Aber was meint Sie, was ich jetzt mit Ihr anfangen soll?" Elisabeth Brand hebt zögernd den Kopf. Die Augen der Kaiserin blicken immer noch ernst, aber nicht böse mehr. Das gibt ihr Mut und setzt ihr Herz und Mundwerk zurecht. Sie sinkt zu ihrem schönsten Hofknicks zusammen, sieht lächelnd auf und sagt: „Majestät haben zu sagen geruht, daß ich kommen darf, wenn ich einen Schatz hab..." „Und ich Ihr dann vielleicht helfen könnt... Ich weiß." Auch Maria Theresia hat ein Gedächtnis wie der liebe Gott und der Hadik. Sie lacht: „Kann mir ja denken, wie ich Ihr helfen soll. Und ich will auch nicht nein sagen." Sie sieht lächelnd den Leutnant an: „Weil Er mir heute eine rechte Freude gemacht hat, Rabenall... Aber das eine bitt ich mir aus: sorg Er dafür, daß sie mir nicht wieder Liebesbriefe unter die Lebzelten legt!" Nächtlicher Spuk. Von Georg Schwarz. Heut nacht, so um die drei und vier War's nicht geheuer, glaubt es mirl Ich war ein wenig aufgewacht Und jah's genau bei halber Nacht: Der alte Schrank an seiner Wand Wechselte plötzlich seinen Stand Und drehte mir ächzend in aller Ruh Seinen breiten, glatten Rücken zu. Das Sofa in der Ecke schwoll, Als war's ein Balg und würde voll Und stöhnte aus gebunf’nem Leib, Ihm fehle längst ein Zeitvertreib! Doch wie erschrak ich gar darob. Daß nun der Tisch die Beine hob, Stolzierend edel, grab und zier Durchs Zimmer wie ein hohes Tier! Holterdiepolter ging es um, Und rechts herum und links herum. Zwei Stühle folgten feinem Schweif, Ganz gravitätisch, rüdenfteif. Dazu trat aus der Uhrentür Der Kuckucksvogel dreist herfür Und schrie und flog da frei umher. Als ob das in der Ordnung wär'! War ein Gepolter und Radau Die kurze Zeit vor Morgengrau! Vielleicht, wenn Ihr einmal verfrüht Erwacht, Euch auch das Wunder blüht' Narretei. Äiim. ii u ■H BClngt! Were« •te ÖDn?" HWidrt ■"Orte WDeljr Erzählung von Josef Martin Bauer. Um ein Uhr hatte es zu schneien begonnen in nebelleichten Flocken Der Wachszieher wußte genau die Viertelstunde, mit ber es angefangen hatte er faß feit Stunden am Tisch vor bem Fenster und schrieb jenen törichten Haufen Zahlen zufamrnen, der ihn morgen ober in der nächsten Woche oder in einem Monate spätestens erdrücken mußte. * Die schwerfällige Babette tarn um vier Uhr: „Es schneit, Herr. Dei Herr fah von seinen Blättern auf, „es schneit, unb ihren aufgeroarmten Kaffee können Sie in den Ausguß schütten". Darüber grämte sich Babette, weil fie stolz war auf ihren Kaffee unb weil der Herr doch frieren mußte in bem ungeheizten Zimmer. „Ich stelle ben Kaffee ba her. Der Kassei stand um halb sechs noch am gleichen Platz, es schneite weiter, unb auf ber Straße lief einer, den man nicht fah und nicht horte, der lief von Haus, zu Haus, er tappte ba unb dort an ein dunkles Fenster, bann wurde es hell dahinter, glasig hell, ober leicht rot, oder gelb mie bas Glanzpapier in der Wachsauslage. , . , s , ., Nebenan scharrten die Leute, die heimkamen von der verfchneiten Straße, lautpolternd ben aufgeballten Schnee von ben Schuhen. Morgen vielleicht, ober nächste Woche. Ober im anderen Monat, wenn der Schnee ausaeschwemmt wurde. Ein Fuhrmann schnalzte mit ber Peitsche vorbei. Vielleicht würbe in ber nächsten Woche schon durch die Zeitung aus. geschrieben, baß jedermann Haus unb liegenden Besitz d?s Wachsziehers haben könne gegen ein unwürdiges Gebot. Gute Nacht! Ein Ätnb klap- perle mit Bierkrügen vorbei, gute Nacht, die Babette soll den Laden zw machen unb ben alten Kaffee wegschütten. Morgen bann. Ober nächste Woche. , Jemand lachte drunten. Unb weiter weg irgendwo schlug das Zetern einer Trompete stumpf gegen die Watte von Schnee. Die jungen Leute fällten nicht immerzu wie toll schreien ba brunten! Aber der Mann ain Fenstertisch nahm es jetzt gleichgültig hin. Er lachte trocken heraus. Wenn schon alles lachte und wenn die Straße mit ihrem lauten Treiben nicht zur Ruhe kommen wollte, bann durste er boch auch lochen. Wozu war er eigentlich Wachszieher geworden? Zum Verdienen wohl nicht mehr, denn dazu war er in die unrechte Zeit gekommen. Zum Arbeiten nur noch selten, höchstens zu dieser Arbeit über den Büchern im un ^heizten Zimmer. Zu dem aber doch auch, baß er genau wußte, wie wüt vi:it zöllige Kerze in einer Stunde niederbrannte, in zwei Stunden, in drei Stunden. Warum denn gar nie mehr lachen? Die Trompete lief durch den Markt, wie ber Lichtanzünder vorher durch die Häuserreihen gelaufen war, unb bie Trompete schrie: wißt iht denn nicht, was für eine Zeit wir haben? Habt ihr bie Narretei vergessen? Du? Unb bu? — Unb bu, Wachszieher, alter Narr? Willst bt nicht mehr wissen, wie ihr Alten Jahr für Jahr alle Dehnung umgerannt habt, wie ihr Narren geworben feib, richtige, große Narren? Hm? Alt war er geworben, ber Wachszieher, unb die klobigen Zahlen hatten ihn müde gemacht. Nun lachte er ein klein wenig. Es war freiliit nur ein mageres Lächeln, aber der alte Narrenglaube kam wieder über ihn, und mit bem glaubte er fogar an fein eigenes Lächeln. „Halt das Maul, Trompeter! Ich komme fchon! Heute abend, morgen abend, jeden Tag die ganzen verrückten Wochen lang. Die Babette wird fchon etwas eingenommen haben im Laden, das wird nicht reichen für die Rechnungen und bie Zinsen. Für heute abenb reicht es fchon, — unb morgen, morgen?" Er wußte doch, wie lange eine zöllige Kerze brauchte, um eine Elle weit abzubrennen. Und nach diesem Wissen reichte alles wieder, bas Haus, das Geld, alles. „Du sollst nicht plärren, Trompeter! Wir schreien schon selber. Kennst bu beim bie alten Narren nicht mehr! Als Rotznasen finb wir schon gelaufen mit Laternen und Trommeln. Babette, richte mir etwas her für bie Narretei! Was? Du wirst fchon das Rechte finden." „Freilich, zuerst meinen Kaffee verachten, unb bann Du zu mir sagen! Als was wollen Sie denn gehen? Und wo das (Selb Herdringen?" „Babette, kümmern Sie sich nicht brum! Wenn ich sonst nichts finbe, laufe ich in Ihrem Gewanb, bann bin ich bie Babette, unb bie Leute werben brüllen. Deinen Entengang werde ich schon fertigbringen. Uni vas (Selb? Geht Sie bas Geld etwas an? Haben Sie Schulden ober ich! Was ist heute im Laden eingegangen? — Sechs Mark? Die reichen fit heute, unb für morgen brauchen Sie nicht zu reichen. Hahaha. Babette, Sie dürfen nicht fad fein! Bringen Sie alles her, was man zur Babette braucht!" ' 1 Babette aber war erzürnt darüber, daß er fie in ihrem eigenen Gewand lächerlich machen wollte, nur zögernd gab sie ihm bie paar Mar! aus der Cabentaffe, der Wachszieher aber lachte. Der Bader kam, uni Babette muhte sich neben ben Herrn fetzen, bamit das Gesicht mit Wachs unb Schminke, mit Haarzopf unb Ohrringen genau nach dem Gesicht bet dienstbaren Babette geriet, über bie boch jeher im Markt ein wenig lache« Durfte. Dann heulte Babette, unb der Herr stand im Frauengewand i« einer Ecke. Er lachte jetzt nicht mehr. Das Gesicht zwar lachte noch ei« wenig, denn Babette lachte immer unb nach diesem Lachen hatte ber Badet bas Gesicht bes Wachsziehers gemacht. Jetzt aber stand unter dem Lache» die Sorge, bann bie Angst, bas Grausen vor dem {onberbaren Vorhaben Eine zöllige Kerze brannte ungefähr um bie Breite von vier Finget« ab in einer Stunde, Babette mußte oben nach ben Fenstern sehen, h" ber Winb sie nicht anschlug, und der Mann in Weiberkleibern ging i« der knappen Zeit, bie ihm so belassen würbe, schleichend ins Lager. Dm mal bie vier Finger nebeneinanber, so tief muhte er bie Kerze in di« Packwolle stecken, bas war bas Maß für heute nacht. Und dann: „Gute Nacht, Babette. Heulen Sie nicht immer weiter, es tut Ihnen nicht gut Er rebete mit flatternber Stimme. Die Kerze brannte im Lager, das Läget war abgesperrt, unb um elf Uhr kam das Feuer nieder zur Packwolle. Es quäkte unb hudelte, bie Burschen liefen unb bie Mäbchen kniffe« ihnen lachenb aus, bie Narren trieben sich unter ben jungen Leute« herum unb rissen alles mit im Wirbel. Bei denen war bie Narretei ei«1 große, vornehme Fahrt, zu ber nicht jeder geboren war. Man muß" ganz Narr sein können und man mußte ganz tief aus diesem Trank J( *‘#t? Morre"1, Bet! Miite«^ lVi»««l,i! E-y s. * Wer tttt«- Senn die ,jodelte M."" f redete (iiwd)t ’ men. o nicht Kein l. ■ii« N tmuBIS 16s nror Ilten na ner trän! liier da RJBnin ei - O! lüfiü roei oioili ihr Jbtennt i chemach müderen chklMig! Wah «r Ser iiich als rin Rar SknJfl mil der «mir. U iiinb red Er | W am Worbes, machen. Lain Sic aus liiidjts tu Aart di chre ha Mhen z Mund, Men gel Rach iijijl M>tnn hm grol "nun ain ■ eßen hHndtii ’i’ingefte Nieder! Impften So woi tos frfl Mnnen, ÄfeSBür KJtüijeil Wie. j Wern llRfli De Ms im OJBinkr bven verstehen. Es war etwas Wunderbares um die ausgewogene, groß« Narretei dieser Grauköpse. Das^war ja die Wachszieher-Babette mit dem lustigen Gesicht und dem (Srtrenaana? Einer von den alten Narren war in der Maske der Babette kommen und diese Babette redete mit der Stimme der richtigen Babette, ss. batte den gleichen Watschelgang, aber der schlenkernde Arm war nicht ed Das ist der Wachszieher selber!" Der Schlenkerarm hatte ihn ver- roien aber es war ganz recht so, die Leute sollten nur wissen, daß er hir war, wenn daheim etwas anderes geschah. Der Wachszieher trank, Ann die anderen tranken, und er brüllte, wenn Die anderen schrien, er Mufrelte als Babette mit alten Herren an, er war ein Narr von großem M b'einer, der das Narrsein noch feierte als ein erbauliches Fest. Und er redete dann, als das Trinken und Reden und Mitsingen ihn trunken ie nacht hatte von den Dingen daheim, vom Wachs, von der Güte seiner Krzen Er beugte sich zu den Bürgern hin und erzählte ihnen, daß er »nicht mehr weitermachen werde. Aber niemand verstand ihn recht. Keinen Schluck nahm er mehr, und wurde doch immer trunkener. „Wißt ihr, wie lange eine zöllige Kerze braucht, bis sie abbrennt? Um so zwölf Fingerbreiten, verstanden? Drei Stunden! Drei Stunden. Jck> m.jn es ja wissen, ich bin nicht die Babette, ich bin der Wachszieher.' S< war halb elf, und die alten Narren hatten ihn in die Mitte genorn- ln und ließen ihn nicht mehr weg. Dreiviertel elf. Er war ganz trocken, er »rank jetzt wieder und trank sinnlos. Um elfe begann er zu schreien, ai r da verspotteten ihn die Narrenfreunde, daß er nichts mehr vertrage. Nun er aufstand, drückten sie ihn nieder. >Elfe' Jetzt mußte bald einer hereinkommen und „Feuer ! schreien. Ho weil keiner kam, schrie er es selber. „Es brennt daheim! Auslassen |oit ihr mich! Selber habe ich die Kerze in die Packwolle gesteckt, jetzt btnnt das Lager aus und die obere Stube, wo die Rechnungen liegen, ft, nach dann das ganze Haus." Er lachte wie ein Narr, das Lachen der P eren aber gefror, als sie die Wahrheit spürten. Ein bissiger Wind war heaufgekommen, der fegte vielleicht das Feuer über die ganze Häuserseite. es wahr, du?" Wahr? Es brannte doch schon seit einer halben Stunde. Dieses Maß dii Kerze kannte er gut. Wahr? Die Kleider der Babette verschoben siä als der Mann an der Wand niederglitt, arm und elendig. Die andern Narren hoben ihn auf, er solle heimgehen, besoffen sei er und ein Sri andfleck für die ehrbare Narretei. Da raffte er sich auf, und er sagte mii der Klugheit, die nur den Narren eigen ist: „Es ist ja alles nicht wehr. Und ich bin schon richtig die Babette. Der Wachszieher sitzt daheim un> rechnet, was er euch schuldig ist." <$r ging aus dem Saal. Der Arm durste nicht schlenkern, er mußte sti! am Körper halten, als fei er gewohnt an das Tragen des Markt- toibes, und die Füße muhten entenwatfchelnd Badettens Gang nach- pnchen. Babette faß am Tisch daheim und wartete. „Das Licht im Lager haben 6ii auszulöschen vergessen, Herr. Ich habe cs ausgelöscht." Die sagte gar nichts von Brandstifter und derlei Dingen, sic wußte alles und fand fern Siri des Vorwurfes. Da faßte der Mann über den Tisch hin und faßte ich,- Hand, schüchtern fast wie ein Kind. „Wir müssen noch einmal hin- Scn zu der großen Narretei", sagte er, und sie fragte nicht nach dem und, als er die Schminke abwusch und ihr die Kleider gab, die er IHn getragen hatte. Rach einer halben Stunde kam die gleiche Babette wieder, und der W-chszicher war diesmal bei ihr. „Es hat keinen Sinn", meinte er, „Ksnn man immer vor den Rechnungen sitzt." Dann ging es weiter in bei großen Narretei, und die Narrenbrüder freuten sich, daß die Babette nur auch den Wachszieher noch mitgebracht hatte. Die Mainzer Kaffenacht. Anekdote von Otto Anthes. i Wenn in früheren Jahrhunderten der Winter über einen im Gang bei ndlichen Krieg einfiel, bann wurden beiderseits die Unternehmungen eirgefteüt, die Heere bezogen Winterquartiere und lagen sich bis zur Wedcrkchr der besseren Jahreszeit so friedsam gegenüber, daß die Vor- mjten sogar einen saft freundschaftlichen Verkehr untereinander pflegten. Ec mar es auch im Winter 1792 auf 93 bei Mainz. Im Jahre 1792 hatte iü französische Revolutionsheer Mainz ohne Schwertstreich einnehmen timen, weil der Kurfürst mit seinem ganzen Anhang geflohen war, und hie Bürgerschaft in (Erwartung der Segnungen, die ihr die neue französische Irnhcit bringen sollte, die Einrückenden mit offenen Armen ausgenommen |alte. Zur Abwehr des eingedrungenen Reichsfeindes traten aber alsbald Seterreid) und Preußen auf den Plan, denen sich als einziger unter den ihrigen Reichsfürften der Landgraf von Heffen-Kasfel angeschlossen hatte. $C3 verbündete Heer drängte die inzwischen bis Frankfurt vorgerückten ?rimzosen auf Mainz zurück und schickte sich zur Belagerung der Stadt an, Ttm aud Masken. Bon Hans Sturm. Die Zeiten des Faschings stehen unter der Macht der Maske. Wir entfliehen unferm Ich, um hinter dem anderen ^Gesicht" ein anderer Mensch zu sein, um auf Stunden unerkannt und namenlos unterzütauchen in einer allem Bürgerlichen entrückten, jeglichem Alltagszwang entzogenen lustbeschwingten „Frohgemeinschaft" (Hans Sachs). Was sind uns Masken? Seidene Larven, lustig bemalte „Gesichter" aus Pappe, Holz oder Ton, vor denen sich bei Tanz und Lachen die Wirrnisse des Schicksals verbergen, verflüchtigen. Diese Anschauung erinnert an den ursprünglichen Sinn der jahrtausendealten Maskerade. Die Menschen erschrecken, sie fürchten machen, das ist seit jeher der Hauptgedanke der Maskenmacher und der Maskenträger gewesen; in der Frühgeschichte der Menschheit war der Glaube an die abwehrende und somit schützende Kraft der Maske so stark, daß man sie zur Abwehr, gefährlicher Mächte benutzte. Die ältesten uns bekannten Gesichtsverhüllungen, die ägyptischen Totenmasken, dienten dazu, den Gestorbenen den Weg ins Jenseits, an dessen Ende böse Geister hockten, zu sichern; die berühmten „goldenen Masken" von Mykene dienten ähnlichen Zwecken, desgleichen die Larven, welche die alten Mexikaner den Abgeschiedenen mitgaben auf den schlangengesäumten Weg durch acht Wüsten und über acht hohe Berge. Unsere altgermanischen Vorfahren stülpten sich Tierfelle über den Kopf, um die Feinde zu schrecken; aus dem Kopf des wilden Tieres entwickelte sich dann die Tiermaske, die später sich in den Maskenhelm verwandelte. Die Freude an den „Schreckmasken" hat sich noch lange im Volke und bis heute in ländlichen Gegenden in den Spielen der Kinder erhalten. Mchard Wagner berichtet aus seiner Kindheit, welch gruseliges Vergnügen er und seine Schwester Cäcilie darin fanden, mit einer selbst- gefertigten Kürbismaske, deren Augenhöhlen eine hineingestellte Kerze unheimlich flackern ließ, die Leute fürchten zu machen, bis sie sich dann selbst davor fürchteten und sie mit Entsetzensschreien den Hügelhang hinabrollen ließen. So endete die „große Maskje", mit der er ihr später in Briefen scherzend drohte und sie warnte: „Eile, Eile, in Deinem Bett ist eine große Maskje!" Von den alten Schreckmasken stammen auch die in vorgeschichtlichen Gräbern gefundenen Maskenkrüge, die sich in verschiedenen Formen von den spitznasigen Gefäßen des trojanischen Ruinenfeldes bis zu den breitbauchigen Kölner Bartmannskrügen des 16. Jahrhunderts erhielten. Der Abwehr böser Geister dienten auch die alten Steininasken an den Häusern und die Pferdeköpfe an den niedersächsischen Gehöftgiebeln; selbst die Masken unter den sogenannten Mesericordien (Sitzbretter der mittelalterlichen Chorstllhle) erinnern daran. In einer vergilbten Münsterchronik liest man, daß die Wasserspeier in ihrem oft geradezu dämonischen Aeußeren „die um die Türme kreisenden Teufel zurückhalten" können. Aus den ebenerwähnten Maskenhelmen entwickelten sich später die Prunk- belme, von denen man manch kostbares Stück auf deutschem Boden bei Ausgrabungen gefunden hat; sie scheinen jedoch wie auch die wundersam geformten griechischen Helme nicht im Kampf, sondern nur bei Festen getragen worden zu sein. Bet den Römern trugen die Kämpfer in den Amphitheatern. Maskenvisiere, die lange in den italienischen Masken, spielen fortlebten. Die Renaissance kannte noch den Maskenhelm, wenn auch nur als Zierstück. . Besondere Bedeutung hatte die Maske auf der altgriechischen Buhn«. In ihr sah man den guten oder den bösen, zumeist den bösen Dämon; der Anblick der Maske wühlte das Denken der Zuschauer auf, die tragisch« Maske sollte den Bösewicht nicht nur schrecken, sondern beschwören, sich selbst der strafenden Gerechtigkeit zu stellen, in den Komödien berauschte man sich an der ausdrucksstarken bacchantischen Ornamentik der Mimenköpfe, die von eindrucksvollen Gesten und treffenden Versen begleitet wurden. Griechische Maskenbilder sind uns derbkomisch auf Vasen, anmutig, scherzend in Tanagrafiguren, feierlich-schön auf Sarkophagen erhalten geblieben. ..... Im alten Rom gab es — nach griechischem Vorbild — Maskenschnitzer, die meistens eine größere Werkstatt unterhielten; diese Schnitzerschulen erhielten sich in Italien bis in die Renaissance hinein, und viele bedeutende Maler sind aus ihnen hervorgegangen, z. B. Guido M a z z o n i, der Meister der „Beweinung Christi". Neben den Griechen und Römern sind die Japaner die begabtesten und vielseitigsten Maskenmacher gewesen. Seit je ist ihnen die Maske heilig, sie sehen in ihr die Spiegelung lebendiger Dämonie und besitzen gemäß der Eigenart ihres Kultes ein ganzes Maskensystem. Zur Zeit Mazzonis gingen aus der Werkstatt eines tüchtigen japanischen Meisters drei neue Maskenschnitzerschulen hervor, deren Kunstfertigkeit sich durch viele Generationen sorterbte. Für ihre mittelalterlichen Opern, die sog. Ro-Spiele, schufen sie mehr als hundert verfchiedene Masken, zum Teil allgemeiner Natur, zum Teil für bestimmte Götter, Geister, Dämonen und Helden gedacht. Die Naturvölker hielten und halten ihre mehr oder weniger kunstvoll gefertigen Masken für die Geister selbst. Im Schmuck der Tanzmaske fühlen sich die Indianer als gute Dämonen, denn nach ihrer Anschauung legt man unter der Maske alles Häßliche ab; ähnlich mögen die asrita- nischen Stämme denken, die ihren Masken soviel Groteskes geben, daß sie nicht mehr menschlich wirken. In Neupommern steht die Maske im Dienste des Totenkults und hat meistens die Form des Nashornvogels, der nach dem Glauben der Eingeborenen die Gestorbenen ins Jenseits geleitet. Bei den Eskimos im nördlichen Alaska hat die Tanzmaske magische Wirkung; Sie soll die von den Jägern zu erlegenden Tiere anlocken. Vielfach benutzen ne Eskimojäger Doppelmasken, das sind solche, die im geöffneten Rachen eines Walrosses ein Menschengesicht zeigen. Die verschiedensten Stoffe dienen zur Herstellung der Masken, ange< sangen vom Golde, dem man im Altertum eine besondere Wirkung gegen Unheil und Zauberei zuschrieb, bis zum einfachen Stroh, aus dem sich korjakische Priesterinnen langwallende Gesichtsverhüllungen flechten, um nach harten, mageren Zeiten endlich wieder ein Walfest zu feiern. Marmor, Schildpatt, Porphyr und Türkise verwendet der Maskenbildner ebenso wie Glasperlen, Muscheln, Leder, Federn, Ton, Baumrinde oder seidene und andere Tuche; jeglicher Stoff muß helfen, die Menschen zu verwandeln, sie in die Gestalten guter oder böser Geister schlüpfen zu lassen. Auch wir stehen unter der uralten Macht der Maske, aber nur, um auf Stunden unerkannt und namenlos zu flüchten in die heiteren Bezirke einer von tollender Lebensfreude übersprudelnden Welt. „Narrenfreiheit" nennen wir diesen Zustand, die allgemeine Amnestie, die Prinz Karneval für die kurze Zeit seiner Herrschaft seinen Untertanen gewährt. Dabei wird freilich stillschweigend vorausgefetzt, daß jedermann einen sinnvollen Gebrauch von ihr mache und den Rahmen der Schicklichkeit nicht überschreite. Die natürlichen Grenzen zu erkennen ist Sache des persönlichen Takts, den auch die Anonymität der Maske nicht außer Kraft fetzen kann. Wie einer sich in der Trunkenheit aufführt: ob er stillvergnügt in sich hineinlächelt oder ausfallend und gemein wird — dies, sagt man, sei der beste Prüfstein für den guten oder den bösartigen Charakter. Mir scheint, die Fafchings-Trunkenheit, ob mit, ob ohne Alkohol, gibt einen ähnlichen Wertmesser ab. Wobei nur die Einschränkung zu machen wäre, daß der Satz: „Kinder und Narren reden die Wahrheit , wenn überhaupt, dann hier seine Berechtigung hat. Denn eben dies gehört ja mit zum Reiz einer karnevalistischen Verwandlung, daß sie „lachend die Wahrheit zu sagen" verstattet. In der Maske und durch sie hindurch, und nun nicht mehr ausschließlich „durch die Blume". Wieviele sparen ihr rachedurstiges Herz auf, um es zu dieser lang' ersehnten Stunde, Auge in Auge mit dem ahnungslosen Gegenüber, zu erleichtern! Es wäre paradox, hier noch von „Maske" zu sprechen, die sich einer vors Gesicht nimmt — oder die korrekte Haltung bis zu diesem Augenblick war dann die Maske, um die wahre Gesinnung dahinter zu verbergen. Was ist die Maske, was ist wahres Gesicht? Die Begriffe vertauschen sich — öfter als wir vermuten, manchmal zu unserem Glück. Ein fraglicher Sinn und nur eine halbe Wahrheit liegt demnach der Aufforderung zugrunde: „Masken ab!" Bei vielen, die dieser Ruf zu mitternächtlicher Ball- stunde trifft, geschieht ja nichts weiter, als daß sie ein unsichtbares Visier herunterklappen: ihr Alltagsgesicht. Nur, daß dies eigentliche Maske ist, die ihnen „wie angegossen" sitzt. Glücklich und wahrhaft In ihrem Element sind allein die Kinder, die in holder Unbefangenheit ihre Masken tragen. Sie besitzen noch Phantasie genug, um ihr kleines, unentwickeltes Ich fpurlos zu tilgen und Indianer, Harlekin, Rotkäppchen — oder was immer sie darftellen — nicht nur zu spielen, sondern auch wirklich zu fein. Die bunten Farben, in die sie sich kleiden: das Rot, das Weiß, das Gelb und das Grün — sind sie nicht wie das Leben selbst und schmücken die Kleinen mit Symbolen, die nur ihnen zukommen? Wir Aelteren, wir müssen uns mit dem Abglanz begnügen, an dem wir, nach einem Dichterwort, das Leben haben. nh nu g n ' Ute Vlein h ä, L ..o icat Wie, Us Zch, ifrlilaff ih tch steil» !ÄI stich itrstniiele mb doch 8 an bi jeitbet ® ro jfeienbenbi ibitnne st Ai jie bi mitten tut still «ietiveist i.tu»iton >uj eine N Doti « Me Iwitflen u lilifu'nbe M eint Ä*» thte Ml is ti .»» bat p Sur Rhm sti Hptn i Hnbtiuf , 'btiin! |™