Nummer 46 Montag, den 19- )uni Ichrgang 1959 mberer S i. > bmieti ), bei w e. Es M alle fyra tuf bit» ir San«! lk, nali: Hal es n ber »J em Ich«» jetDoljrn । inen» mb beit s er märal ch ihnen 1 So i[l| unb fei chen fjine orlchkz t lusgefproi I ntermejs 11 er Mestii , 6o twi scheinlich l । einmal' nb.ti iauH «f ,n anritt I aiet jn J । unb d Seiten 2 chlich 4 unb ti tödlich d fonnte ät beJ : unb = rfk an# r tRatur, ie dich ’rbnuno > tonnte, I bei 9■ oeri* ebcrt*. 611“ a- IrrniE bei“ i inne*, tz L Sine Armee meutert SCHICKSAf-STAGE FRANKREICHS 1917 Lia Gericht von p. C.LttigHoffer en in* WM । N« ’ t Haien K lUtf<; । wias J >dßs- Vielleicht hat man endlich ein Mittel, das richtige Mittel zur Beendi- gtng dieses elenden Krieges gefunden, denkt manche gequälte Frau und ist im Geiste bei ihrem Mann oder Sohn da draußen, irgendwo im flammigen Schützengraben oder in einer triefendnassen Batteriestellung. Git Tagen regnet es ununterbrochen. Ganz niedrig segelt bleigraues SiiDölt dahin. Eine richtige AUerseelenstimmung. Unter den eiligen 6 mmireifen der draußen vorbeirasenden Kraftwagen spritzt der Straßen- Ulamnt hochauf bis an die Häuserfronten. Der Kalender meldet den 16 November 1916. Die Zivilpersonen von Chantilly vermuten richtig. Diese französischen uti> fremden Offiziere sind hierher gekommen, um den viel zu lange schon teternben Krieg zu beenben. Das heißt, alle biefe Generalstäbler wissen ich nicht genau, wie sie ben lobernben Kampf auslöschen sollen, aber |ie sind hier versammelt, im Hauptquartier des französischen Oberbefehls- ,ia»ers Ioffre, um diesen Ausweg zu finden. Es muß endlich Schluß »macht werden mit dem deutschen Spuk. Weder die großangelegten bnpfe in der Champagne, im Herbst 1915, noch die Angriffe im Artois, ich die Somme-Offensive haben die deutschen Div.isionen zum Weichen Hingen können. Bei Verdun, jüngst noch, Ende Oktober, schien bas Kriegsglück dem -logen, draufgängerischen General Nivelle unb seinem energischen Unter- feb enen, bem grimmen General Mangin, lächeln zu wollen. Eine auf Hüter Front angelegte Offensive zeigte unverhofften Erfolg. In kühnem Üntauf hatten sich bie Soldaten bes Generals Mangin eines großen Teils .«M bisher von ben deutschen Regimentern so heiß umstrittenen unb so Illitig eroberten Trichterfelder- bemächtigen können. Der Donaumonk unb fort Vaux, die beiden Fahnen Frankreichs an der Nordostsront, waren - uiber in französische Hand gefallen. Mit Frankreich hatte die ganze Welt W'Jbelt und den Sieg gefeiert. Und aller Augen waren auf diesen jungen, o rgischen General Nivelle gerichtet. Ist das ber Retter seines Landes, Befreier aller besetzten Departements? Ist das ber Mann, ber einst u einem Schimmel, ben Marschallstab in ber Hanb, als Sieger feine . Hilus nach Straßburg führen wirb? General Nivelle ist selbstverstänblich auch zu dieser wichtigen Be- ’ !»echung geladen. Sein Quartier liegt noch dicht hinter der Verdun-Front. 'N Gespräch läßt er durchblicken, daß die Ueberraschungen in feinem Schnitt noch nicht abgeschlossen sind. Nur mal wieder einige Tage "»ckenheit, wenn schon kein Sonnenschein, und die Deutschen dürften sich ,u böse Dinge gefaßt machen. Aber bei diesem Wetter sei vor Verdun B'kts zu hoffen, des tiefen, zähen Schlammes wegen. General Mangin, « neben feinem Chef Nivelle Platz genommen hat, unterstreicht diese ^traulich gemachten Ausführungen mit vielsagendem Kopfnicken und Wfenbem Lächeln. I «stolzer Ehrfurcht blickt man zu ben beiben Verdun-Generälen hin. Ri ihnen hat das Vaterland sicher noch viel zu erwarten. Selbst Joffres Wi'Neralstabschef wendet sich unwillkürlich Nivelle zu und blickt fast nur i* an, als er, halb lesend, halb in freier Rede, die Hauptpunkte der I t09c5orbnung vorträgt: ..Meine Herren! Der französische Oberbefehlshaber hat Sie hierher ■e'*ten zu einer wichtigen und entscheidenden Sitzung. Seit 14 Tagen ■■wen wir die Somme-Schlacht abgeblasen. Sie hat leider — es muß 1 ^.schonungslos bekannt werden — bie erhofften Ergebnisse keineswegs MW- Wie weit sie den Feind erschüttern konnte, wissen wir noch nicht, ’,|r dtt Geländegewinn blieb verhältnismäßig gering. Wir danken ber iehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger wiederum chige Üeberlegenheit und das mathe- s Geländes mit unerhörten Artillerie- rul von massen vorziehen. „Man muß die Deutschen Quadratmeter um Quadratmeter aus dem Boden schießen, sonst kriegt man sie nicht mehr weg!" sagt Foch, und Mangin erklärt zu gleicher Zeit seinen Stabsoffizieren: „Mit der Taktik Josfre und Fach wird der Krieg noch zehn Jahre dauern und ganz Nordsrankreich in eine Wüstenei verwandeln, in der niemals mehr ein Baum grünen kanch soviel Tonnen Eisen und Kriegsschutt werden das Land rettungslos bedecken. Wir aber wollen den frischen Angriff, verbunden mit einem Durchbruch und mit einer Verfolgung des Gegners durch unsere Kavalleriemassen. Mit den geringsten Opfern an Menschen und Material werden wir fast unversehrte Provinzen dem Vaterland gewaltigerem Ausmaße. Gleich nach dem Bekanntwerden des Joffreschen Planes gibt's im Kreise der dienstlich eingSweihten Generäle ein großes Aufhorchen und dann eine starke Verschiebung der Meinungen. Ganz deutlich spalten sich die Anhänger der Schule von der Somme und jener von Verdun. Die jüngere Generäle, an ihrer Svitze Nivelle, sind fürs forsche Draufgehen, während die älteren Herren die matische Abtasten und Ausklopfen des Dieser Plan findet den ungeteilten Beifall des Generals Foch, der hier „iederum den Triumph seiner Taktik sieht. Vergessen die Demütigungen im Rahmen des Kriegsrates zu Chantilly. Das ist doch für ihn, für Foch, eine glänzende Wiedergutmachung, denn sogar Josfre, der Held des Marnewunders, bekennt sich zu der Somme-Taktik, ja sogar in noch wiedergeben---" Hart prallen die Meinungen auseinander. Auf der einen Seite Josfre und Foch mit der Taktik der Sommeschlacht, auf der andern Seite Nivelle und sein Untergebener Mangin mit dem Draufgängertum der Durchbruchsschlacht. Und wieder gerät Frankreich in einen unbeschreiblichen Siegestaumel. Am 15. Dezember 1916 hat General Nivelle erneut, nach seinem bewährten Durchbruchsprinzip, angegriffen und wiederum große Gelündestriche den Deutschen entrißen. Zwei Dörfer sind wieder für Frankreich gewonnen, Ortschaften, deren Namen für alle Ewigkeit mit Feuer und Blut in die Geschichte der sranzösischen Nation eingeschrieben bleiben. Die beiden Dörfer heißen Douaumont und Louvemont. Nivelle ist wieder der Held. Frankreich weih nun, wer sein Retter sein wird. Niemand anders kann es (ein als dieser jugendliche, schlanke, energische General, der überall, wo man ihn an eine verantwortungsvolle Stelle setzte, bisher nur Großes leistete. Im Vergleich zu den aufgebrachten Mitteln und den eingesetzten Streitkräften ist dieser neue Erfolg Nivellescher Taktik bei Verdun nicht gerade überwältigend, wenn man alles fachlich sehen will. Die deutsche Heeresleitung legt selbst keinen allzu großen Wert mehr aus jene verschlammten Triimmerdörser, in denen das Leben im Winter geradezu eine Qual sein mußte. Um Menschenleben zu sparen und um die Anmarschwege durch jene Wüsten von Schlamm und Trichtern zu verkürzen, hatte die Oberste Heeresleitung selbst schon den Plan erwogen, freiwillig die ganze Gegend zu räumen und fast bis an die Ausgangsstellung der Verdunfront zurückzugehen. Kein bedeutender Verlust für die Deutschen, dieser Geländegewinn um die beiden Trümmerdörser, aber er wird großartig aufgemacht, er wird als Sieg sondergleichen gefeiert und stärkt Nivelle den Rücken. Von Rußland gelangen indessen alarmierende Nachrichten zu Ohren des französischen Generalstabs. Gehorsamsverweigerungen größerer Verbände und eine unbeschreibliche Kriegsmüdigkeit lassen erkennen, daß die Soldaten des Zaren sehr bald die Massen niederlegen werden. Kein Jahr mehr wird vergehen bis zu diesem gefürchteten, scheinbar unvermeidlichen Zeitpunkt. Was dann? Vielleicht steht der Zusammenbruch des Zarenreiches dicht vor der Tür. Schon allein aus diesem Grunde kann unmöglich der Krieg in Frankreich noch durch Monate und Monate geschleppt werden. Er muß bald beendet sein. Amerikanische Hilfe? Bah, da ist scheinbar nicht mehr viel zu hassen. Nur eine Nioellesche Taktik kann eine rasche Beendigung des Krieges herbeiführen, nicht das Zermürbungssystem von Jossre und Foch. Luftlinie, die von kühnen Piloten bei nächtlichen Angriffen auf Paris srets eingehalten wird. Durch die angelaufenen Fensterscheiben spähen die Frauen und Greise von Chantilly und sehen die zahlreichen Wagen mit den hohen Offizieren aller befreundeten Nationen vorbeifahren. Was hat sich nun abgespielt da drüben im Schlößchen, das Jofsre bewohnt? Haben alle diese klugen und tüchtigen Generäle jenen entscheidenden Plan entdeckt, dessen Anwendung die baldige Vernichtung des Gegners bedeutet? v . Wurde endlich die todsichere Formel des Sieges gesunden? Wie heißt diese Formel, und wie sieht die praktische Anwendung aus? Jst's die Taktik der Somme? Jstis die von Verdun? * Josfre und Nivelle st eilen Pläne auf. Bei den Stäben der alliierten und angefchlosfenen Armeen, die mit Deutschland im Kamps liegen, wird fteberhaft gearbeitet. Das Ziel ist gegeben. Eigentlich ist alles jetzt höchst einfach. Man erwägt irgendeine Angriffsmöglichkeit im Rahmen des großen Ganzen. Bei aller Zusammenarbeit bleibt dem einzelnen Heerführer dennoch die Selbständigkeit im eigenen Abschnitt. . General Josfre ist als erster mit seinem Angriffsplan fertig. Schon am 27 November, genau elf Tage nach dem entscheidenden Kriegsrat von Chanttlly, schlägt er eine gewaltige Offensive der französischen und britischen Truppen auf dem bisherigen Somme-Schlachtfeld vor, allerdings in noch viel breiterer Front. Der Angriff hätte auf der ganzen langen Strecke zwischen dem Vimy-Rücken bei Arras über Bapaume, Peronne bis an die Oise bei Noyon stattzusinden. Gleichzeitig müßte eine zweite Offensive zwischen Berry-au-Bac und Reims losbrechen. Am 1. Februar 1917, so will es General Joffre, soll auf der angegebenen, ungeheuren Frontstrecke das Geschützfeuer seine blutige Arbeit beginnen. Nivelle, der jugendsrische Sieger von Douaumont und Louvemont, pslückt seinen Tag. Er versteht es, sich zur rechten Zeit ins rechte Wchi zu rücken. Was erreichten seine Gegner bisher mit ihrer Taktik? Was können sie vorzeigen? Nichts als den Gewinn von ein paar Quadratkilo, meter Land, das ewig unbrauchbar sein wird. Er aber hat im schwierigsten Gelände bewiesen, daß seine Ansichten richttg sind. Und so wird General Nivelle zum Oberbefehlshaber der Nord- und Nordost-Armee ernannt. Man schreibt den 12. Dezember 1916. Und drei Tage später zeigt ja General Nivelle bei Verdun, daß et seiner Ernennung würdig ist. Am Tage nach seinem Sieg erklärt er; „Der Beweisring ist geschlossen. Unsere Methode hat die Feuerprobe bestanden. Der Sieg ist nach dieser Taktik sicher. Daraus baue ich. Der Feind wird diese Taktik zu spüren bekommen." Den greifen Helden der ersten Marneschlacht, General Jossre, kann man nicht in die Verbannung schicken. Er wird zum Marschall von Frankreich ernannt. Den ihm treu ergebenen General Foch bestehlt man nach Paris und gibt ihm später, weit hinter der Front, einen kleinen Posten. Das bedeutet sozusagen eine Kaltstellung. Erst der grimme Tiger Clemenceau soll später, nach dem ttagischen Zusammenbruch der Nivelleschen Theorie, den geschmähten General Foch als Oberbefehlshaber einsetzen. Kriegsminister der Französischen Republik ist um diese Zeit General Lyautey. Ihm zur Seite steht Marschall Josfre, als technischer Berater für alle Dinge des Krieges. Zum Oberbefehlshaber des französischen Heeres wird General Nivelle bestimmt, während General Franchei d'Efperey den in Ungnade gefallenen General Foch ersetzt. General Nioell- hat den Fuß auf der ersten Sprosse der steilen Leiter, die zur Unsterblichkeit führt. Der neue Oberbefehlshaber handelt. Mit größter Begeisterung entwirft der neue Oberbefehlshaber seinen Schlachtplan für 1917. Zwischen Vimy und Soissons sollen die brittschen Streitkräfte mit der französischen Nordarmee des Generals Franchet d'Esperey angreifen. Gleichzeitig wird die französische Hauptmacht zwischen der Laffaux-Ecke und Reims durchbrechen und sich vorerst in den Besitz der strategisch wichtigen Hochebene von Craonne setzen. Diese Hochfläche ist der Eckstein der deutschen Linien. Ein einziger Stoß muß dieses Hindernis überwinden und den sranzösischen Angreifer von vornherein in den Vorteil bringen. Von der Craonner Hochsläche herab wird er das weite Land gegen Norden bis fast zur belgischen Grenze mit Artillerie, beobachtung und weittragendem Geschütz beherrschen können. Von hier aus sollen sich die Kavalleriemassen in die Ebene ergießen. Hier auf der Hochfläche von Craonne wurde schon manche Schlacht geliefert. Hier kämpfte Napoleon, hier wurden 1870 blutige Gefechte geliefert, hier soll die Erde Frankreichs noch einmal dröhnen unter dem Hufschlag von hunderttausend Rossen, die antraben werden, den Sieg gegen Norden, ja, bis an den Rhein zu tragen. Der Plan, der Rohumriß der Schlacht, ist damit gegeben. Nach und nach befiehlt General Nivelle die Einzelheiten. Schon Ende Dezember ergeht feine Anweisung an die Artillerie: „Die Artillerievorbereitungen müssen die ganze deutsche Front in ihrer vollkommenen Tiefe erfassen und vernichten." Der französischen Artillerie fällt eine große Aufgabe zu. Sie muß die vorgehende Infanterie durch ihren Feuerorkan decken. Mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometer in der Stunde, einem Tempo, das später aber gesteigert werden muß, um bei rückwärtigen deutschen Stellungen fünf Stundenkilometer zu erreichen, wird der Feueroorhang aus Explosionen, einschlagenden Granaten und tanzenden Erdfontänen genau siebzig Meter vor der ersten Infanterie-Angriffslinie einherrollen und alles niederstampfen, um den nachfolgenden Stoßtruppen ein leichtes Arbeiten zu ermöglichen. Dieser 3nfanterieangriff muß brutal sein, darf keine Müdigkeit kennen und hat ohne Aufenthalt im ersten Anlauf durchzugehen bis zur schweren deutschen Artillerie, die in der zweiten Stunde nach Beginn des Angriffs umzingelt und unbrauchbar gemacht werden soll. Inzwischen geht das bittere Kampfjahr 1916 zu Ende Kurz vor Jahresschiuh bietet der deutsche Kaiser der Welt die Möglichkeit (ofartiger Friedensverhandlungen. Dieses deutsche Angebot wird hohnvoll zurück- gewiesen, als Schwache ausgefaht und gibt den Gegnern neuen Mut. Am 14. Januar 1917 tritt nochmals der Kriegsrat in Chantilly zusammen. Diesmal führt General Nivelle den Vorsitz. Nicht genug, er spricht, er spricht mit jugendlicher Begeisterung. Seine Augen glühen, [eine Bewegungen sind lebhaft. Mit vor Eifer geröteten Wangen legt er oen versammelten Generälen seine Pläne vor. Mitreißend wirkt seine Art. Sogar der nüchterne und sachliche Marschall Haig ist begeistert und nickt immer wieder bestätigend: „Wir wissen genau, meine Herren", sagt Nivelle, „daß die Deutschen an der Westfront 130 Divisionen stehen haben. Siebzig Divisionen kämpfen augenblicklich noch im Osten, dürften aber in absehbarer Zeit für unseren Frontabschnitt frei werden. Vor der Ankunft dieser 70 Divisionen müssen wir handeln. Wir werden sorgen, daß diese 70 Divisionen überhaupt nicht inehr zum Einsatz gegen uns gelangen. Deshalb, meine Herren, ist ein rasches und brutales Handeln notwendig. Der Hauptschlag muß hier geführt werden, auf einem Frontabschnitt, der unserer Hauptstadt am nächsten liegt, nur wenig mehr als 100 Kilometer von Paris entfernt. Ich meine damit den Abschnitt zwischen Reims und Soissons. Die französischen und britischen Armeen haben bisher ge,zeigt, daß sie und sie allein imstande waren, den deutschen Streitkräften die Stirn zu bieten. Deshalb soll ihnen auch jetzt die Ehre Zufällen, den 130 deutsck>en Divisionen des westlichen Kriegsschauplatzes einen letzten Vernichtungs- stoß zu oersetzen. Der Feind wird sich hinter seinen starken Verschanzungen verstecken. Wir aber müssen ihn dort hinaustreiben. Wir müssen ihn zum Kampf zwingen, um ihn vernichten zu können. Und deshalb ist ber |eim: briti|d)e Frech t zwi|h! den ®efij Höchlich uß die|« lornhim rd er te Ariiiie« Bon i|i« i auf k fett. P , hier P chlag w färben, jt Nach «'■ Dezes« it in iN e innb * @e|d)* jas |p® steltii* !US 6# iau p«n#nt Ve L it? >brattiie,j,, "stifc ©euere «nm® ’M« ■Hott n ■nerprei, «Ui onn mn rrantre«; ich Ni |ten. 2m emence® Itjeoft ©eneti ' Berel« nH|ch Franch- il Rirnt Unftert , reiE enüj rür Zf! ■StB ***, 'M »k. v , IM« » I l"l" L oll N „ enitiW f qenur en Ä ](n E y Erlkönig. Von I. W. von Goethe. Wer reitet so spät burch Nacht unb Winb? Es ist ber Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in bem Arm, Er saht ihn sicher, er hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst bu so bang dein Gesicht? — Siehst, Vater, bu ben Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron unb Schweis? — Mein Sohn, es ist ein Nebelstreis. — „Du liebes Kind, komm, geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel ich mit bir; Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand." Mein Vater, mein Vater, hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? — Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; In dürren Blättern säuselt der Wind. — „Willst seiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schon; Meine Töchter führen den nächtlichen Rechn „ Und wiegen und tanzen unb singen dich ein." Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort? — Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau. — „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; Und bist bu nicht willig, so brauch ich Gewalt. Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan! — Dem Vater grauset's, er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Müh und Not; In seinen Armen das Kind war tot. Nach einer alten Chronik erzählt von Hermann Hesse. uofo der vielen Humanisten, die es im Anfang des 15. Jahrhunderts in Italien gab, passierten damals zwischen Mailand und Neapel mel ichunlichere Dinge als heutzutage; roemgftens reihen die Chronisten ja- He,t trotz ihrer gelegentlichen Altklugheit alle Augenblicke die Üuen roeit auf und berichten mit der ihrem Berufe Zukommenüen Tu Herzigkeit ganz wunderliche Sachen. Ein solches, von zahlreichen L. :ijeugen beglaubigtes Ereignis aus eben jener Zett ist das ^genbe. Line Stadt am Meere, eine zwar nicht »ro^, aber uralte hochbe- r.rinte und von vielen Zierden der Kunst und Wissenschaft bewohnte &»t errichtete auf bem Standort eines langst vom Boben ibutn Neptuntempels eine schöne Kirche. Sie wurde vollendet und em- k reiht und von jedermann mit Stolz und Lreude besuchi und tötet, nur nicht von den Bewohnern des eifersüchtigen Nachbar- | ^geschah es kurze Zeit nach der Einweihung jener Kirche durch den fö®* llnaf Latz ein araufiqer Sturm ausbrach, der mit unerhörter Starke W »«Tage unb Nachte wütete. Mehrere Fifcherbarken n Maus unter, ein Segelschiff mit reicher Warenladung versank un t-i: ber Küste, und vom Turm der neuerbauten Kirchwurde bas Irmnerschwere vergoldete Kreuz ausgerisien. Es furzte auf die Kirche, ! ^rhschlug das Dach und blieb verwüstet und verbogen W"»«® Mie hängen. Manche fanden, feine jetzige Form fei ^rrmesDreizacks, tu! schloffen daraus eine Rachehandlung des beleidigten Meergottes, mdere bemühten sich, die Haltlosigkeit dieser Behauptung darzuwn man tngte sich über die Frage, und bald war die ganze Stadt deswegen m [ (heit und Eifer. Der große Historiker Markus Salestns verlas^ im I Wssaat eine Abhandlung über Wesen und Geschichteder Meeresgo fen, eine wackere Arbeit voll aller Zita e und Hinweise auf die Werke kr Alten wie auch der Kirchenväter, die am Schlüsse m ber Ueber i-mung gipfelte, die ehemaligen Meergötter feien entw^er a^»g di- doch in unbekannte und öde Ozeane jenseits der Erdteile entwichen. , Ihm antwortete der berühmte Redner Cäsarius in einemi offenÄuben " frag. Unter Anerkennung der Gelehrsamkeit mÄBerdienste des kaeftrls behauptete er mit Ueberjeugung bas lsulÄ,Xten A Ansicht vielen überaus wahrscheinlich, indem er aus C^mkM I tu aus Seefahrerberichten neuerer Zeiten viele Falle von Degegnun N zwischen Menschen und heidnischen Meerwesen aufzahlte. A Inzwischen hatte der entsetzliche Seesturrn nachgelassen, und wenn «og die See noch ziemlich bewegt war, konnten doch Frscher und andere \| Se.te, die ihr Gewerbe am Strand betrieben, wieder ihrem Berufe Da kamen eines Morgens Fischerweiber in die Stadt gelaufen und M teäünbeten fchreienb, es liege am Sandufer, vom Meer fyerg fp » i' nn, nackt und halb vom Seetang überzogen Sie vermuteten m ihm Leichnam eines von dem im Sturme Umgekommenen, und in $t-be begleitete sie eine große Schar, teils Hilfsbereiter, tei S Pfrr zum Ufer. Sie nahmen Stangen, Netze und Sette mit, einige Wichten auch ihre Boote flott, und fo näherten sie sich dem Körper, ber un : e< t des Strandes, scheinbar in Schlinggewächse verwickelt, im Takt bei noch unruhigen Brandung auf und nieder schaukelte. Frauen wehklagten und beteten, Jünglinge und Kinder sahen mit Grausen auf den bleich schimmernden Körper, der bald bis zur Brust sichtbar wurde, bald nur noch eine Hand über Wasser zeigte. Des unsicheren Bodens und der vielen Untiefen wegen fand man es geraten, den Leichnam von drei Booten aus mit einem Schleppnetz einzuholen. Erfahrene Männer führten dies aus, und es gelang. Entsetzt aber schrie die Menge ber Zuschauer auf, als der vom Netz umschloffene Körper sich plötzlich heftig bewegte. Er riß am Netz und schlug mit ben Armen, und unvermutet stieß er ein so wildes und scheußliches Gebrüll aus, daß jedermann bas Herz erstarrte. Zugleich warf er sich wie im Krampf in die Höhe, und nun konnte man sehen, daß er mit einem gewaltigen Fischschwanze an Stelle ber Beine, versehen war. v , „Ein Ungeheuer! Ein Meermensch! Ein Seeschreckl riefen alle durcheinander, und nicht wenige ergriffen die Flucht. Die Männer in ben Booten aber hielten, obwohl erschrocken, Stand und zogen ben unentrinnbar Umstrickten mit Uebermacht ans Land-, Dort banden sie den ganzen vom Netz umschnürten Meer mann noch mit starken Seilen, warfen ihn auf einen zweirädrigen Karren und führten ihn unter ungeheurem Au flau s und Geschrei des Volkes in die Stadt. Hier war mittlerweile von den zuvor Geflüchteten die Neuigkeit in allen Gaffen verbreitet worden, und auf dem Marktplatz, wohin die Männer mit dem Karren eilten, strömte im Augenblick eine unzählbare Volksmenge zusammen. , „Totschlägen!" unb „Vierteilen!" riefen Hunderte unaufhörlich. Doch wagte sich niemand an ben Gefangenen, ben die Einlieferer überdies bewachend umstanden. , . «... Unter den Herren von Ruf unb Geltung, die sich samt dem Bürgermeister in ziemlicher Anzahl eingefunden hallen, wurde heftig beraten. Der Historiker Salestris und ber Rebner Cäsarius waren die ersten, die sich bem auf bem Wagen liegenben Ungeheuer näherten, um es genau zu betrachten So weit auch ihre Meinungen sonst auseinander gingen, waren sie doch darin einig, daß man versuchen müsse, ben Fremdling am Leben zu erhalten. Und es gelang ihnen, entgegen bem Wunsch Der Menge, jene Manner zu vermögen, daß sie den Gefangenen, gebunden wie er war, in den Marktbrunnen warfen, wo er alsbald unterfant Der Brunnen wurde mit Schildwachen besetzt, und das Volk trieb sich erregt noch lange auf dem Platz herum, während der Rat unter Beizieh una jener Gelehrten über die ferner zu ergreifenden Maßregeln >m Stadthause beriet. Salestris und Cäsarius erhielten Erlaubnis und Aust trag, den Tritonen nach Möglichkeit zu erforschen und, wenn es möglich wäre, mit ihm zu reden. Sie begaben sich zum Brunnen, wo die Wachen sie vor dem Andrang der Neugierigen schützten. Der Meermann lag aus dem Grunde des tiefen steinernen Beckens, unb es gelang erst nach mehreren Stunden, ihn durch Brot unb Fische an die Oberfläche zu locken. Endlich tauchte er auf, und es zeigte sich, daß er Netz unb Stricke inzwischen abgestreist hatte. Die beiden Gelehrten machten bas Zeichen des Kreuzes, wozu ber ÜRcermann lachte Dann redete ihn bald der eine, bald ber andere an, sowohl m italienischer wie in lateinischer Sprache. Doch verstand er sie nicht obwohl er eifrig zu lauschen schien und teils durch Gebärden, teils durch unverständliche Laute einer fremden Sprache etwas zu sagen bemüht roar. Eine nochmalige Beratung im Stadthause blieb ohne Ergebnis. Casa- rius äußerte die Ueberzeugung, es müsse möglich sein, sich in irgendeiner Sprache mit dem Fremdling zu verständigen. Daraus fand sich em fub= ländischer Schiffer, der als Verwalter einer Reederei am Orte lebte unb der sarazenischen Sprache mächtig war. Auch er redete nut dem Scheusal und wurde nicht verstanden. Doch hielt er es für wahrscheinlich, daß es griechisch rede, denn seine Laute tarnen ihm denen ber griechischen Sprache ähnlich vor, die er zwar nicht verstand, doch auf Seefahrten manchmal $ ° ® s^MUf o,°jemand zu finden, der Griechisch konnte. Allein es fand sich niemand, denn die Kenntnis dieser Sprache war damals wenig verbreitet. Doch wußte Salestris, ber Historiker baß der ,n der Rachbarstabt lebende Arzt Charikles griechische Bücher besaß und sich mit feinen grw- chischen Studien brüstete. Nur hatte niemand Lu t, der verhaßteni Nachbarstadt den Triumph zu gönnen unb ben Charikles holen juL Aber in einer letzten Sitzung spat am Abenb würbe doch schließlich für richtig erkannt, den fremben Arzt und Gekehrten heimlicherweise herzubestellen, unb Cäsarius übernahm den Auftrag dazu, wenn auch ungern. Früh am andern Morgen begab er sich zu Pferde nach der nicht sehr weit entfernten Stadt, sprach bei Charikles vor, sagte ihm viele Schmeicheleien und bat ihn am Ende, ohne Aussehen mit ihm 311 tommen. 3cner meinte er habe durchaus kein Interesse daran, der Femdm seiner Dater- stadt einen Dienst zuerweisen, doch wolle er der Wissenschaft zuliebe und gegen eine ordentliche Belohnung immerhin mttkommen. 9 Hub io standen am späten Nachmittag bie Edlen ber Stabt, die Gelehrten unb der Arzt Charikles am Rande des Brunnenberfens. Das Meerungeheuer tauchte empor und legte sich mit beiden Armen auf bie Steinbrüftung. Charikles fprach es lateinisch unb italienisch an, doch ohne grfolg. Da begann er griechisch zu reden, und kaum hatte er einige Satze aefaat fo gab auch das Ungeheuer frembarhge Laute von sich. . 9 „Es is?gut", sagte ber Arzt zu ben Umstehenben, „er gibt mir Ant- ro0%ir scheint aber doch", meinte Salestris, „bas Schrecknis rede nicht dieselbe Sprache wie Euer Wohlgeboren." Ihr habt ein seines Ohr", erwiderte der Arzt lächelnd. „Der Triton spricht zwar Griechisch, jedoch ben veralteten jonischen Dialekt, benjel en, in bem bie Gesänge bes Homeros abgesaßt fmD. öTrebete weiter mit bem Unholb, bis dieser der Belästigung müde, untertauchte und im tiefen Wasser verschwand. Darauf gab er im Rat- haufe feine Unterredung zu Protokoll. Nach diesem hatte der Meermann mitgeteilt, er fei ein Abgesandter des Gottes Poseidon «Obiger fei erbost an ber Stelle seines ehemaligen Tempels cm fremdes Gotteshaus N errichtet worden; darum habe er jenen Sturm erregt, Fischer unb Seeleute samt ihrem Gut verwichtet und Turm und Dach des neuen Tetn= pels beschädigt. Sollten die Einwohner der Stadt es wagen, dies« Beschädigungen auszubessern, so werde seine Rache ohne Grenzen sein. Auher- dem aber verlange er zur Sühn« die Errichtung eines Standbildes auf der Säule des Marktbrunnens. Charikles erhielt ein anständiges Geschenk und ward von zwei Edlen bis zur Mitte des Weges in seine Stadt zurückgeleitet. Das Meerungeheuer stieß in der folgenden Nacht einen dreimaligen, grausigen Schrei aus und war am Morgen spurlos verschwunden. Bald darauf ward über dem Brunnen ein ehernes Neptunbild aufgestellt, und das Loch Im Dache der neuen Kirche blieb offen pnd ließ Sonnenschein und Regen durch. Das trug zum raschen Verfall des Gebäudes bei, heute steht dasselbe nicht mehr, sondern wurde im siebzehnten Jahrhundert durch eine schöne Kirche im Barockstil ersetzt. Auf eine Unbekannte. Bon Friedrich Hebbel. Die Dämmerung war längst hereingebrochen, Ich halt' dich nie gesehn, du tratst heran; Da hat dein Mund manch mildes Wort gesprochen In heil'gem Ernst, der dir mein Herz gewann. Still, wie du nahtest, hast du dich erhoben Und sanft uns allen gute Nacht gesagt; Dein Bild war tief von Finsternis umwoben. Nach deinem Namen hab' ich nicht gefragt Nun wird mein Auge nimmer dich erkennen, Wenn du auch einst vorübergehst an mir. Und hör' ich dich von fremder Lippe nennen. So sagt dein Name selbst mir nichts von dir. Und dennoch wirst du ewig in mir leben, Gleichwie ein Ton lebt in der stillen Luft, Und kann ich Form dir und Gestalt nicht geben, So reißt auch keine Form dich in die Gruft. Das Leben hat geheimnisvolle Stunden, Drin tut, selbstherrschend, die Natur sich kund; Da bluten wir und fühlen keine Wunden, Da sreun wir uns und sreun uns ohne Grund. Bielleicht wird dann zu flüchtigstem Vereine Verwandtes dem Verwandten nahgerückt; Vielleicht, ich schaudre, jauchze oder weine, Jst's dein Empfinden, welches mich durchzuckt! Kinder suchen eine Antwort. Bon Waldemar A u g u st i n t). Durch das Tor von St. Annen trat ein weißhaariger dunkelgekleideter Mann. Er äugte sogleich nach rechts, zu dem Aebtissinnenhaus hinüber, das schon lange als Waisenhaus diente. Man kannte sehen, er wollte das Waisenhaus besuchen und nicht das Altweiberftist, das gegenüber im alten Klostergebäude untergebracht war. Wie alle Besucher schlug er sich sogleich auf die Wegseite, an der sein Ziel lag — jeder schien zu fühlen, daß der gründurchschossene Kopfsteinweg zwei Wellen trennte, die wie Morgen und Abend verschieden waren. Kaum war der alte Herr im Waisenhaus und im Zimmer der Vorsteherin verschwunden, da wußte es die Mamsell in der Küche, der Knecht und selbst die Kinder: der Vater des Fräuleins von Schilling war gekommen. Und als wären die Wände durchlässig, flüsterte einer zum anderen: der Vater ist gekommen und hat dem Fräulein ein« böse Nachricht gebracht; ihr Verlobter ist verunglückt. Ein dunkler Schatten lag alsbald über Küche und Garten, man fühlte ihn, obwohl die Sonne heiß aus den Wegen lag und über Blätter und Blüten tanzte. Die Köchin stand wie verdorrt vor dem Borratsschrank, nichts muckste sich, die Kinder standen und hockten aus dem Spielplatz beisammen, seit der dunkle alte Herr im Zimmer des Fräuleins verschwunden war. Dann hörte man auf dein Flur: Gesine!" Die Mamsell drehte aus Gewohnheit die Hände in der Schürze, obwohl sie trocken und rein waren, kam herbei, und nun härte sie: das Fräulein müsse den Tag über mit ihrem Vater verreisen und sei am Abend wieder zurück. „Passen Sie gut auf die Kinder", sagte das Fräulein von Schilling mit ihrer klaren und scharfen Stimme. Dann ging sie, eine stattliche, etwas zu hagere Dame neben dem leichtgekrümmten, sonst aber militärisch straffen Vater den Klosterweg hinauf — auf der Seit« des Waisenhauses natürlich, denn die Grenze zu wahren, war dem Fräulein in langen Jahren ins Blut übergegangen. Die Mamsell aber dachte: sollen die Kinder mal einen guten Tag haben. Sie legte sich aus dem Küchenfenster und schrie: „Ihr dürft in die Beerensträucher, meinetwegen auch auf die Wies«. Aber an den Strand, daß mir keiner an den Strand geht!. Hast du das gehört Klaus?" Im Nu war der Hofplatz leer. Wie Hühner verstreuten sich die Kinder Uber den Garten, krochen unter dem Staket hindurch und liefen über die Obstwiesen, die dem Waisenhaus und dem Weiberstist gemeinsam gehörten. Der einzige, der zum Strand hinunterschlich, war Klaus. Klaus kannte sich am Strande aus; trotz der Wachsamkeit des Fä„ (eins von Schilling fand er immer Gelegenheit, zum Strand zu komme,. Dann machte er sich einen künstlichen Hasen aus Sand, fing mit ix Hand die kleinen silbergrauen Fische, die einen Stachel auf dem Äiidn tragen, und tat sie in den Hasen. Klaus drehte sich, bevor er an t»i Arbeit ging, nach der Mamsell um. Die Mamsell war nicht zu sehr-, dafür aber waren Ihm zwei Mädchen gefolgt, Ursel und Antje & waren die dümmsten nicht, aber «s waren. eben kleine Mädchen, Klock braunes Gesicht bekam Jndianerfarbe vor Wut. Er stieß die fürchte- lichsten Drohungen aus, die Mädchen aber wichen nicht, schließlich gd er nach. „Meinetwegen", brummte er. Er ließ die Mädchen ins Waf« waten, zeigte ihnen, wie man Fische fing, legte sich selbst auf den Baus und schaute, den Kopf in die Hand gestützt, auf seinen Hafen, in den die kleinen grauen Leiber bald vorwärts stießen, bald wie tote Hohb stücke lagen. Als die beiden Mädchen miteinander tuschelten, fragt« Klaus, roo> da los wär«. „Antje hat gesagt", kräht« di« eine, „wir wollen mal ins Kloste» j haus gehen." Ins Klosterhaus — kein schlechter Gedanke, dachte Klaiu, „Aber da kommt man ja Nicht rein", sagte er. „Doch kommt man da rein", nickten die Mädchen. „Gut! Ins Klostc« | hausl" befahl Klaus. Dann kratzten sie alle drei den Sand von bei Zehen, zogen sich Strümpfe und Schuhe über und standen vor iw i schweren Eichentür des Klostergebäudes. Sie gab nach. Die drei f (anbei i unter einem gewölbten Dach und schauten durch spitz« Bögen Hindu«- in heißes Licht, dos wie blauer Rauch über einem Rasenplatz la.z. j „Schnell wieder raus", kommandierte Klaus, aber ehe die drei Rinbef : sich umgedreht hatten, kam ein altes Weibchen über die Fließen zo ] schlurft, kam mit „Ach, liebe Kinderchen" und „Guten Tag, guten Taz' näher und fingerte aus einer verschlissenen Ledertasche Schokolade her> aus. Und als wären die Kinder «in langersehnter Besuch, humpelte um) trippelte es von allen Seiten. Aus den Ecken und über den Rosen kcmiei schwarz gekleidete Weiber herbei, im Nu standen die Kinder regte und vor Furcht kaum atmend in einem dunklen Kreis. Klaus wollte wie ein Fuchs durchbrechen und die beiden Mädche« nach sich ziehen, da gab «s wieder Schokolade und Bonbons und Heim \ Bilderchen, von allen Seiten streckten sich gelbe, faltige Hände Horm r, j Die Kinder stopften sich Taschen und Strümpfe voll . „Wo habt ihr denn eure Mutter?" fragte eine Stimme aus dem Kreis. „Sfcht", sagte eine ander«, „Mutter haben die doch nicht, flu) doch solche Kichern und Gurren. „Mutter?" sagte die erste Stimme roiebtr. „Hast du deine Mutter nie gesehen, mein Junge?" Klaus schüttelte bm Kops. Da beugte sich das Weiblein über ihn. „So macht die Mutter", sagte es, hielt die Arme im Ring und wiegte sich in den Hüften. „Mm ter hält di« Hände um das Kind, Mutter beugt sich am Abend über bw Kind und gibt ihm ein Küßchen zur Nacht." Keines der Kinder wußte recht, wie es aus dem Klosterhaus gt kommen war. Aber sie standen jetzt wirklich allein vor der Tür, um) die Tür hatte sich hinter ihnen geschlossen. Alle drei hatten Angst u:u) faßten sich an den Händen. „Ist das wahr", sagte Antje endlich, „das mit der Mutter?" „Klar", sagt Klaus. „Jedes Kind hat eine Mutter. Wenn es teil» Mutter hätte, wäre das Kind gar nicht da. So ist es. Nun schert euol nach Hause", befahl Klaus, „ich will meine Mutter suchen." „Wir auch", piepsten die beiden Mädchen. Klaus sah sie von unten bis oben mitleidig an und machte das Boot los, das am Steg vor her Kette auf- und niedernickte. Er sagte nichts, als die Mädchen ihm schwer geud nachkletterten, zeigte nur nach vorn, und die Mädchen drückten fW aus einer Ruderbank aneinander und hielten sich fest. Den beiden sank das Herz, als sie sahen, wie das Kloster mit Dächer । und Türmchen immer kleiner wurde, wie die Pappelallee hervortrat um) dahinter die Stadt, über der das Dach des Domes wie eine riesiW Schildkröte aufragte. Auch Klaus erschrak, aber keines der Kinder sagt» wie ihm zu Sinn war. ♦ Als die Dämmerung begann, kam das Fräulein von Schilling jurüfl Sie fand das Haus, in dem sonst alles am Schnürchen lief, wie eine:« aufgeklärten Ameisenhaufen vor. In der Küche saß die Mamsell vor der« Herd und meinte und betete und brachte erst nach energischen ErmM nun gen soviel heraus, daß das Fräulein verstand. Das Fräulein telephonierte zur Zollstation und zum Gendarm, twtt wenigen Minuten stand sie in der Zollbarkasse und unterhielt sich nä dem Polizeibeamten über die Möglichkeiten, wo die Kinder zu siuhM seien. Ihr« Hand lag ruhig auf dem Kopf des Wachhundes und streichel^ über fein Fell. Die Barkasse fuhr die Ufer ab. „Dort?" Fräulein vor Schilling zeigte auf die Brücke eines Kirchendorfes: da lag das Book das Fräulein Schilling kannte ihre Sachen, da lag das Boot gut W"' taut am Pfeiler. Di« Barkasse legte an, der Hund nahm eine Spur auf und ehe die Schatten auf den Feldern bleich wurden, fand man bn Kinder. In einer Garbenhocke lagen sie nebeneinander und schliefen. Fräulein von Schilling fühlte den Schrecken übergehen in Zon* packte den Jungen an der Bluse und stellte ihn aus die Beine. wischte sich di« Augen. „Mutter", war das erste, was er sagte. Dem Fräulein wurde weich ums Herz, sanfter weckte sie das ander» Kind, die Antje. Die stammelte mit süßer Traumstimme dasselbe. Da beugte sich das Fräulein über das Kleinste, die Ursel, hob es aufj nahm es in den Bogen ihrer Arme, wiegt« es leise hin und her, beN" ihr Angesicht über das Kind und hörte zum dritten Mal wie Hauch da" Wort „Mutter". Noch heut« erzählt di« Mamsell von diesem Sommertage. „Seitdem: hat das Helm eine Mutter, jawohl. Und man nennt das Fräulein au® in der Stadt nicht anders als die Mutter von St. Annen, so ist es Verantwortlich: Dr. Hans Thyrlot. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.