Nummer 50 Montag, den 17. April jahrgang 1959 '""Ä .Balasre? i* „Mit mir? Und von welchem Punkte?" „Sie sollten es eigentlich erraten und ist auch nicht schwer. Ich spreche ’ckiirlich von einem Verhältnis, meinem Verhältnis." „Verhältnis!" lachte Botho. „Nun, ich stehe zu Diensten, Rexin. Aber «f«n gestanden, ich weiß nicht recht, was speziell m i r Ihr Vertrauen w trägt. Ich bin nach keiner Seite hin, am wenigsten aber nach dieser, •ine besondere Weisheitsquelle. Da haben wir ganz andere Autoritäten, kne davon kennen Sie gut. Noch dazu Ihr und Ihres Vetters besonderer «ne J u ba|* I 'n ßielJ Weid Irtefid ,e Steint | folg blieb | einen h Herr GW >er und - er tramp’; ah,L( |ti- iften." jj tiiui*- er jjS mger ShH ms joiltl j raum iner h«! ion plöjit ipfe mit! lummer} ■t Felsd,« ii im hiß te sich k h. Durch i n, sich mir gern wl ich gleich ii SuaUeterjt; en muhst )ie Kristi nes märt!; alzen nm erlebten ii n. Bei dir e das • i räumig je ines 0,0« , denn g« (ejanteifr teil vor«’; rnzte er.! s und |«l r haben t ich (afete: mir sogen; uns attef uns hi«' lenfogn* f nbigten « wich Dampfer«; [bar, al« ’ n Widerf eine lich der » der * ien, ade’ ■ i üerhäldf". jnitt d Elefant'' Zee-E nn das ? u tvirlU6 Singt'“. igkeihA <"?! # und Mato im Urtext und unterhielt sich mit sämtlichen ausländisch«" Gesandten fließend in deren Muttersprachen. Aber ebenso gewandt W sie in allen körperlichen Uebungen. Im Reiten nahm es kaum einer ihrn Kavaliere mit ihr auf, und eines ihrer größten Vergnügen war die Iag^ Seit ihrem 15. Jahr nahm sie an Ben Sitzungen des Staatsrats teil, nrn 18 Jahren wurde sie für mündig erklärt und ihr feierlich die Regieruni« übergeben. öi h| Wi S Mi ■1 5 «tz 'N 8 u tl 2;e den schwedischen Reichsräten doch ein wenig ung grauen, und Christine war nur zu froh, «u6l.y. «hn 1, ehen Lils nronMü ii> md ü h nach ty echuet,« . Ito® the, N »n, Bch flegwiga Achill iir;| *> bin ij war f*| k, im li 'tiä W in 6or« in bihtz S°MW Noald Amundsens letzte Fahrt. Bon Helmut Giese. Der dänische Grönlandforscher Lauge Koch leitete eins seiner Bücher mit diesen Worten ein: „Vor mir liegt ein kleiner Stapel Notizbücher. Sie sind abgegriffen, schmutzig, verschlissen, und aus ihnen steigt ein schwacher Dust von ranzigem Speck, Petroleum und altem Tierblut. Manche Blätter sind gelb und fleckig, andre reiner, bisweilen sehen sie auch fast ganz weih und sauber aus — das find die Auszeichnungen aus dem Inlandeis, wenn wir hungerten und es deshalb einfach für uns war, sauber zu fein. Die Notizbücher sind Seite für Seite mit Zahlen» mit langen Kolonnen von Beobachtungen gefüllt, die nach der Reise zu Karten wurden. Mitten unter den Zahlenkolonnen finden' sich kleine Skizzen von Bergen und Gletschern, geologische Profile mit Farbkreide illustriert, wobei jede Farbe ihre Bedeutung für das Alter der bargee stellten Erdschichten hat. Und dann sind ganz nebenbei in die Bücher einige wenige Zahlen eingestreut, die die Erlebnisse jedes Tages berichten. Wenn ich ins Lager gekommen war, fast immer todmüde, übernächtig und manchmal ausgehungert: erst muhten die langen Zahlenkolonnen nachgerechnet, die geologischen Profile gezeichnet werden, und nur zu allerletzt, wenn die Eskimos längst um mich schliefen, dursten die Ereignisse des Tages niedergeschrieben werden. Meist im Telegrammstil. Kräfte und Lust reichten manchmal nicht mehr als allein zu einer einfach hingeworfenen Bemerkung wie ,Ein guter Reisetag' oder ,ein verdammter Tag'. Und wenn ich jetzt vor einem weitern Kreise meine grohte Reise childere so fühle ich: meine besten Kräfte habe ich in der Kartographie- rung und der Geologie nieüergelegt. Für Stimmungen und private Ge- ühle ist mir wenig Zeit übrig geblieben. Versuche ich trotzdem, in meine Erzählung etwas von der festlichen Freude zu legen, die über einer so großen Reise liegt, dann geschieht es im Vertrauen darauf, dah die Kraft und das Geheimnis der Reife, ihre Gröhe und innere Spannung über das helfen werden, was ich nicht darzustellen vermag." Kann ein Dichter über fein Werk schöner und schlichter schreiben als der Forscher Lauge Koch über seine grönländischen Expeditionen? Und ein gleiches Gefühl der Ehrfurcht ergreift mich, wenn ich in dem vor kurzem norwegisch erschienenen Buch des Kapitäns Gunnar Hov- benot blättere, das „Roald AMünchens letzte Fahrt" heißt und bet sachliche Rechenschaftsbericht einer Nation, ja der halben Welt ist ubev >ie Suche nach einem grohen Mann, der im Eismeer verscholl: Als Amundsen von der verzweiselten Lage der Nobile- Expedition auf der Eisscholle hörte, war mit den ersten Rundfunknachrichten auch ein Entschluh der persönlichen Hilfeleistung augenblicklich gefaßt Er empfing in seinem Hause den Vertreter Italiens, der ihn um Rat bitten wollte, und sagte ihm wörtlich: „Notwendig, absolut notwendig ist letzt der äußerste Grad von Schnelligkeit und die Energie unseres Handelns. Nur einer, der wie ich über drei Wochen vom Eis blockiert war, weiß» was das bedeutet, und weih, daß in solchen Fällen die Hilfe niemals zu schnell kommen kann. Es gibt ein Gefühl der Solidarität das Männer bindet, besonders aber die, die ihr Leden im Dienst der Wissen- schäft wagen. Gegenüber diesem Gefühl müssen alle unsere persönlichen Meinungsverschiedenheiten verschwinden. Alles, was meine Verbindung mit General Nobile gestört und getrübt Hatz muß jetzt vergessen fein. Heut« sehe ich nur eins vor mir: General Nobile und seine Begleiter sind in Gefahr, und wir müssen alles tun, was in menschlicher Macht *6f)2InUlberleSeie °des" Raumes, in dem Roald Amundsen diese Worts sprach, hing ein Modell eines Dornier-Wals, mit ■ dem er selbst einen Polslug unternommen hatte. Dieses Modell fesselte die Aufmerksamkeit des Forschers. Immer wieder mußte er an seine Notlandung denken und an die Stunden, die er aus dem unendlichen Polareis erlebt hatte. Das Schicksal Nobiles war ja auch sein Schicksal gewesen. In einem solchen Augenblick sagte er zu seinen Gästen: „Oh, wenn Sie nur wußten, wie großartig es da oben ist. Dort möchte ich sterben, und ich wünsche nur, daß der Tod auf eine ritterliche Art zu mir kommt daß er mich wahrend der Ausführung einer großen Aufgabe überfallt schnell und ohne Leiden Und das hoffe ich, weil ich über dreißig Jahre lang, seit der belgischen Expedition von 1897, es gelernt habe, Mich gut gegen den Skorbut zu wehren, die einzige Gefahr, die ich ernsthaft tu jenen Gegen- ist ivahrfcheüilich, nach den Ereignissen und abgeschlossenen Unter- suchungen aller beteiligten Rettungsexpeditionen, agzunehmen daß dis Ahnung und der Wunsch Amundsens nach einem schnellen Tod sich er- füllten9 21m 10. Juni 1928 startete er mit „Laihgrn 47 , einem Flugboot französischer Konstruktion, begleitet von vier „Franzosen und einem iinnhsmann Dietrichson, aus dem Tromsoer Sund. Man nahm allqemein' an, daß es Amundsens Absicht war, zuerst nach dem Kongs- iiord aus Spitzbergen zu fliegen, um diese Stelle zum Ausgangspunft für die Sache nach Nobile' zu nehmen. Da die Vorbereitungen für den Flug in aller Hast getroffen wurden, bestand eine ju bestimmter Zeit . vermnbarte Radioverbindung der „Latham"-Expedition nur mit bet Radiostation des Geophysischen Instituts m Tromso. 2lmunbjen hat sie "'^Die^Forschungen und Vermutungen über eine Aenderung des Kurses lind durcb die Zeitungsberichte der ausgesandten Rettungsschiffe bekannt« Norweger, Franzosen9 Schweden, Italiener und Russen beorderten SchsfS in das mögliche Unfallgebiet, die zwei Aufgaben hatten, nach der Latham 47" zu suchen und gleichzeitig schwimmend« Stutzpunkte für di« Befreiung der Nobilgruppe zu sein. Schicksal und Rettung Nobiles durch das Flugzeug und den Eisbrecher „Krassin sind bekannt. Nur das Schicksal 21 m u n bf e n s blieb lange ungewiß, bis "w IT Oktober 1928 ^ein norwegischer Fischkutter auf dem 64. Breitengrad, 8 Grad östlicher Länge einen Benzintank entdeckte, der nach Ueberprusung m der französischen Fabrik, ebenso wie ein kurze Zeit vorher gefundener Schwimmer als Materialteil von ,,Latham 47" erkannt wurde^ .utz war kein Zweifel mehr möglich. Prust man überdies ine Wetterverhaltmtze i zu rrta Balton, l te, dch i- 5e*; $ Nve ersten politischen Schritte zeugten von großem Geschick. Sie setzte i V. energisch für den Frieden ein, ohne Schwedens Vorteil aus den Augen verlieren Und tatsächlich ging ja auch Schweden aus dem Westfalischen lieben mit reicher Deute hervor. Der Ruf dieser erstaunlichen jungen niain der „Pallas Mordica“, verbreitete sich über ganz Europa. Die »rühmtesten Gelehrten der Zeit traten mit ihr in Briefwechsel, viele dcoon so Descartes, Grotius, Vossius und andere, zog sie g. ihren Hof. Auch fürstliche Bewerber aus fast allen europäischen Ländern stellten sich ein. Ihr Vater hatte für sie eine Verbindung mit ihrem branbenburgitoen Veiler, dem späteren Großen Kurfürsten, un Auge ».habt Die geschichtlichen Folgen, die sich beim Gedanken einer Personalmion dieser beiden Mächte eröffnen, sind kaum abzusehen. Aber nach ustav 21dolfs Tode mochte den schwedischen Reichsraten doch cm wenig ir einer solchen Verbindung grauen, und Christine war nur zu froh, i n Kurfürsten abweisen zu dürfen. Sie setzte überhaupt allen Heirats- anen den entschiedensten Widerstand entgegen, und hier ist der Punkt, o ihre Tragik beginnt. Zweifellos hat eine frühe Enttäuschung eine ent- fceibenbe Rolle in ihrem Leben gespielt. Als ganz junges Mädchen hatte । sich heimlich mit ihrem Detter Karl Gustav verlobt. Ihre Briefe i ihn sind rührende Zeugnisse eines noch völlig mädchenhaften, aber tfen Gefühls, während die [einigen daneben steif und gezwungen wir- n Christines durchdringender Verstand und lebhaftes Gefühl konnte sich cht darüber täuschen, daß Karl Gustavs Liebe nur der Krone, nicht aber , irer Person galt. Offenbar hat sie diese Enttäuschung nie überwunden. och ihrer Thronbesteigung löste sie die Verlobung, erreichte aber, dah art Gustav zum präsumptiven Thronfolger gewählt wurde. Eine tiefe Rastlosigkeit war Christine eigen. Sie schlief nie mehr als ßnf Stunden und nahm auf ihren Körper nicht die geringste Rücksicht. [ loth die Natur rächte sich. Krankheit und Schwermut nahmen von ihr ktesig. Einem französischen Arzt Bourdelot gelang es, großen Em- iW ' wech 1,1‘bi.(”! mblid) die Leichtigkeit, mit der ict) 1 feil' W«deckte, das waren die Eigenschaften, 3. jWr ''ch war dem Abgrund nahe, aber Sei aß'auf sie zu gewinnen und ihr die Gesundheit wiederzugeben. Doch ihr ets zu Extremen geneigter Geist griff nun mit Heftigkeit nach auher- chen 2krgnügungen, die sie vorher verachtet hatte. Der früher so em- lche Hof von Stockholm wurde ein Mittelpunkt rauschender Feste. Große ummen wurden verschwendet, die Steuern muhten erhöht werden. Dabei henkte die Königin ihre Gunst vorzugsweise Ausländern. „Das alles «regte begreiflicherweise die Unzufriedenheit des Volkes, die sich 1650 in tnem Aufstand Luft machte. Christine wurde zwar der Unruhen rasch Herr, aber nicht so sehr der Unzufriedenheit in ihrem eigenen Inneren, tft versank sie stundenlang in ernstes und schwermütiges Grübeln. Das Erfühl, auf einen falschen Weg geraten zu sein und der unersättlich« Irang nach Außerordentlichem suchten in ihr einen Ausweg. So reist« rimähllch der Plan, die Krone niederzulegen, und verdichtete sich, trotz hkftigsten Widerspruchs der Stände, zu unwiderruflichem Entschluß. Am 6. Juni 1654 entsagte Christine feierlich der Krone zu Gunsten i farl Gustavs, während di« ältesten und treuesten Diener ihres Da- irs vor Schmerz weinten. Der älteste Reichsrat P. B r a h e weigerte sich, dm Kinde Gustav Adolfs die Zeichen der Herrschaft, Krone, Zepter, Reichsapfel und Krönungsmantel, abzunehmen, so daß die Königin dies Eit eigener Hand tun mußte. Bald darauf verlieh Christine Schweden, tm ein halbes Jahr später einen weiteren Entschluh auszuführen: am 54. Dezember 1654 trat sie in Brüssel heimlich, am 3. November 1655 in Innsbruck öffentlich zur kathokifchen Kirche über. Unendlich viel ist über die Aufrichtigkeit dieser Konversion hin und ter gestritten worden. Christine war, als sie die Krone niederlegte, m ihrem 28. Jahr. Sicher ist, daß sie damals nicht in der Lage war, die volle Sragroeite ihrer Entschlüsse, weder ihres Verzichtes, noch des Glaubens- vechsels, voll zu übersehen, daß sie vielmehr einer mehr ober weniger unklaren Sehnsucht folgt«, mit der auch innerlich Ernst zu machen, zur Aufgabe ihres weiteren Lebens rourbe. Denn wenn auch ihre gejchichtliihe Rolle mit der Thronentsagung ausgespielt war, ihr Weg als Mensch war noch weit und nicht ohne herbe Enttäuschungen und bittere itampte. In ihrem kleinen Hckf, den sie sich in Rom einrichtete, fand sie zunächst richt den ersehnten Frieden. Ihre Rastlosigkeit trieb sie auf mehrere lingere Reisen durch Europa, die wenig zu ihrer Zufriedenheit ausfielen. Lach Karl Gustavs Tode mochte sie sogar einen Der uch, wieder auf den schwedischen Thron zu gelangen, später bemühte sie sich um die polnische S tone. Der Erfolg war für sie demütigend und enttäuschend. Dazu wurde fe von ständigem Geldmangel gequält, denn sie war eine sehr schlechte Haushälterin und selbst in der Armut freigebig. In den hohen katholischen Greifen erregte sie Anstoß durch ihre derbe barbarische Ungezwungenheit, ijr lautes männliches Wesen. Sie trug äußerlich wenig Frömmigkeit zur Schau, lachte und fluchte nach Herzenslust, kleidete sich und ritt nach Rännerart und ließ es auch gelegentlich an frivolen Bem er tun Zen nicht schien. Erst im reiferen Alter lernte sie sich in der Rolle bescheiden, die hr verblieb, als Mittelpunkt der kleinen Akademie von Gelehrten und Künstlern, die sie gestiftet, als Beschützerin junger Talente, als Herrin der 'Bibliothek und der kostbaren Sammlungen, die sie mit unvergleichlicher IäCSÄ b« m* «*. *.;•* *** «uherordentlichen Eigenschaften und Fähigkeiten in sich zur Harmonie z linden, dennoch ihr ganzes Leben läng leidenschaftlich und til?frid)tig® -esucht hat, dürfen wir aus den Aufzeichnungen entnehmen die fie gegen Enbe ihres Lebens niederschrieb, und in denen ft« sich mit der eigenen ,, IlngesäMinktheit mit ihrem eigensten Ich im Lichte der Ewigkeit aus- IL Vü^Feindschaft und üble Nachrede hatte sich an ihren Namen geheftet. | Sn diesem Zusammenhang schreibt sie, und wir dürfen gewißsein, d ß s lZ iie Wahrheit fagt: „Mein hefttger Sinn reizte m gleich W™ ®rabe iur Liebe wie zum Ehrgeiz. In welches Unglück hatte mich nicht die erstere ; estürzt, o Herr, wenn Du nicht grobe durch meine Fehler dieser schwache .ntgegengearbeitet hättest! Mein Stolz, der sich niemals an einen Anderen Menschen gekettet fühlen wollte, mein Hochmut, der alle ’h "ich die Leichtigkeit, mit der ich Schwächen und Fehler be, anderen ■«uuedte, bas waren die Eigenschaften, die mich vor der Gefahr bejch tz • lief) war dem Abgrund nahe, aber Deine mächtige Hand hat mich geuii« . -S »Ai Ä WA des G N ung(76i< des Flugiages nach, dann ergibt sich nach dem Werk Gunnar Hov - d e n a k s folgende Deutung des Unglücks: Amundsen, der bei völlig windstillem Wetter in Tromsö ausstieg, wählte wahrscheinlich einen nordwestlichen Kurs, um einer aus Norden kommenden Nebelbank zu entgehen, denn zwischen Spitzbergen und Nordnorwegen lag an diesem Tag ein breiter Nebelgürtel, Und Amundsen glaubte sicher, vielleicht durch eine Kursänderung nach Westen, die sich durchaus mit dem Ziel des Fluges vereinbaren ließ, wieder freie Sicht zu gewinnen und aus der gefährlichen Zone zu kommen. Als er trotzdem auf die Nebelwand stieß, wagte er dennoch, wohl im Glauben, es handle sich nur um ein schmales Randgebiet, den Blindflug. Diese Annahme unterstützte eine Meldung, die er kurz vor seiner Abreise von Tromsö aus Björnöa empfing, die klares Wetter meldete, was darauf deutete, daß der Nebel sich nicht allzu weit nach Norden, dem eigentlichen Ziel erstrecken konnte. So wird es also verständlich, daß Amundsen und seine erfahrenen Flugbegleiter sich entschlossen, über oder durch die Nebelwand zu kommen, anstatt unverrichteter Sache nach Tromsö zurückzukehren. Es ist schwer zu sagen, wie lange wohl die „Latham 47" durch den Nebel flog, der breiter und tiefer war, als man dachte. Unter Berechnung aber der durch Strömung und Wind abgetriebenen und an verschiedenen geographischen Orten und zu verschiedenen Zeiten entdeckten Fundstücke ist man geneigt, eine Flugdauer im Nebel, die zwischen ein bis zwei Stunden schwankt, anzunehmen, bevor das Unglück geschah. Auch die Untersuchung des Tanks wirft kein ganz klares Licht auf die erst« Ursache des Verschwindens von „Latham 47". Fest steht aber, daß das Flugboot gezwungen wurde, zu wassern, und daß es sich mindestens einige Minuten schwimmend halten konnte, währen- die Besatzung arbeitete, um die Katastrophe zu verzögern. Dabei kann es sich aber nur um wenige Minuten gehandelt haben. Denn mit dem abgerissenen Schwimmer war die Querschiffsstabilität,, zerstört, und hätte man sie bei ruhiger See vielleicht ^auch Hilfsweise durch Benzintanks wieder- herstellen können, so war es än diesem Tage infolge des Seegangs und der Brise, die in einer Nebelzone herrschen, vollkommen hoffnungslos. Das Flugboot muß daher in kurzer Zeit gesunken sein, und in dem kalten Wasser hat niemand lange leben können. Der Forscher Gunnar Hovdenak schließt so seine Untersuchung über den Tod Roald Amundsens: „Man mag die vier Franzosen und Dietrich so n beklagen, die ein unerbittliches Schicksal fortriß. Sie hatten das Leben noch vor sich. Aber bei Roald Amundsen war es anders. Die nordwestliche und nordöstliche Durchfahrt hatte er entdeckt, und auf den beiden Polen der Erde war er gewesen. Für ihn gab es wohl keine große Tat mehr auszuführen auf dem Felde, in dem seine großen Eigenschaften lagen. Widerstand und bittere Erfahrungen hatten begonnen, Schatten über sein Leben zu werfen. Der unglückliche Zwist mit Nobile hatte auch etwas vom Glanz des Namens Roald Amundsen genommen, über die Latham-Expedition tat mehr als diesen Glanz wiederherzu- stellen. Indem er entschlossen alle früheren Meinungsverschiedenheiten auslöschte und vergaß, und mit dem eigenen Leben als Einsatz Nobile ?iu Hilfe kam, warf Roald Amundsen neuen und ewigen Glanz über einen und den Namen Norwegens." Mit dem Ruhm der größten unmenschlichsten Tat flog er in den Nebel und verschwand in der Unendlichkeit des Polarmeeres, in dem er selbst sterben wollte. Das Schicksal begnadete Roald Amundsen mit einem Geschenk, das 'es- nur an Wenigs und Auserwählte zu vergeben hat: mit einem ritterlichen Tode. Unvergängliches Afrika. Von Eva Mac Lean. Als wir in die Bucht von Monrovia einfuhren und der Kapitän „Fallen Ankert" kommandierte, sank gerade die Sonne ins Meer. Die Hafenbehörden in der Negerrepublik Liberia sind nach Sonnenuntergang nicht mehr zu sprechen, kein Schiff wird einklariert, kein Hafenarzt kommt, um den Dampfer kür seuchenfcei zu erklären, niemand kann infolgedessen herunter von Bord — und keiner herauf. Man mußte die Nacht über also still liegen und warten, bis die Herren drüben aufgestanden waren. Eine ganze Nacht in Ruhe — nach zwei Wochen rauschender Fahrt und pochenden Maschinen. Man würde wohl unruhig schlafen heute ohne die gewohnte Begleitmusik. Mit dem bloßen Auge war die Stadt noch recht gut zu erkennen. Zwei Meilen entfernt lag sie am User, am Strand die Negerhütten, weiter hinauf die Villen der Europäer und der wohlsituierten schwarzen Liberianer. Eine hübsche junge Deutsche, Kaufmannsgattin, mit dem Reiseziel Monrovia, stand mit uns an der Reling und starrte mit einem geradezu verzweifelten Blick hinüber. Sie hatte einen hälbjährigen Deutschlandurlaub hinter sich, wollte zurück zu ihrem Mann. „Und nun", sagte sie erbittert, „kann ich noch- tnal zwölf Stunden auf ihn warten". Da faßte einen der Passagiere ein Menschliches Erbarmen, er ging und holte aus seiner Kabine ein Fernrohr mit Stativ und brachte beides auf der Kommandobrücke in Stellung. Es war ein riesiges Ding, das wie eine kleine Kanone aussah und eine zwei- ündvierzrgfache Vergrößerung hervorbrachte. Drüben woben schon graue Dämmerungsschleier um die Stadt. Plötzlich flammte in einem der weißen Häuser ein strahlendes Licht auf. „Da wohnen wir!" schrie die junge Ehefrau auf. Das Rohr ging in Stellung, sein freundlicher Besitzer schraubte daran herum, und nach einer kleinen Weile sagte er: „Ganz deutlich zu fdhen, ein Mann ans der Veranda, ein roter Blumenstrauß auf dem Tisch lind daneben eine Blendlaterne." Die junge Frau — sie hieß Anneliese — starrte durchs Fernrohr, alle Damen waren schrecklich gerührt und wollten auch einmal durchsehen, und der Kapitän schmunzelte, denn Kapitäne haben tznmer Verständnis für Liebe auf hoher See. So hat Frau Anneliese an diesem Abend doch noch ihren Mann wiedergesehen, allerdings nur über zwei Meilen hinweg, dafür aber in zweiundvierzigfacher Vergrößerung. So heiß wurde es diese Nacht, baß die Passagiere in den Kabinen wie t*e Braten Im eigenen Saft schmorten. Es waren zwar nur 32 Grad, aber starke Luftfeuchtigkeit bewirkte, baß sich der Wasserdampf an den Buße« wänden in dicken Tropfen niederschlug. Silbern dunstete der Morgen herauf über die Barre stieg glühend-rot der Sonnenball und verschwand wieder ä Wolkendunst. Ueber diese Barre, die den großen Ozeandampfern die Ei«- fahrt in den St. Paulsfluß verwehrt, an dessen Mündung Monrovia liegt, schossen jetzt Ruderboote heran, ein Tender schleppte die Leichter herbei, und dann nuckelte eine Barkasse herüber und brachte Annelieses Man«, Wir sahen ihn das Fallreep hinaufeilen und gingen ein Stückchen weiter, um die Wiedersehensfreude nicht zu stören. Nun hatten sie sich also wieder, für ein oder zwei Jahre, wie dies an vielen Westküstenplätzen so üblich ist, in deren Tropenklima weiße Frauen nicht allzulange aushalten. Die Kindei haben sie meistens zu Hause gelassen, nun reisen sie hin und her, zwischen Mann und Kindern, zwischen Heimat und afrikanischer Westküste, und müsse« überall ein Stück von ihrem Herzen zurücklassen. Einen Tag vor Monrovia, in Freetown, war der Innenminister vo« Liberia von Bord gegangen, ein braunschwarzer Herr, der dort das Flugzeug nahm, um etwas schneller in seine Hauptstadt zu kommen. Er hatte in Amerika studiert, war ein gesprächiger Mann und wies mit besonderem Stolz ein Buch vor, das in vielen photographischen Ausnahmen die Schönheiten Liberias zeigte. Liberia hatte Gold und Diamanten, Eisen, Edelhölzer und Gummi — einen unschätzbaren Reichtum an Rohstoffen, verborgen in einem wilden Urwald, der von noch zum Teil kaum bekannten Eingeborenenvölkchen bewohnt wird. Darüber herrscht die Oberschicht der Liberianer, Nachkommen freigelassener amerikanischer Sklaven, also ein nicht bodenständiges Element, das hier Geld herausschaffen will um jeden Preis. Seit zehn Jahren hat die amerikanische Kautschukfirma Firestone in Lande Einzug gehalten, hat im Hinterland den ungeheuren Landbesitz von einer Million Acres erworben und beschäftigt jetzt schon zwanzigtausend Eingeborene, die dabei sind zu roden, niederzubrennen und Gummibäume zu pflanzen. Ein Stab weißer Angestellter wacht über dieses kapitalistische Unternehmen ganz großen Umfanges, und Firestone ist der ungekrönte König der Republik. Aber während er Straßen zur Küste baut und weite Strecken jungfräulichen Urtvaldes dem Hackmesser und Feuer zum Opfer fallen, beginnt im Innern schon die Lebensmittelknappheit. Denn zwanzigtausend erwachsene Männer können keinen Reis mehr bauen und wolle« auch keine Bauern mehr fein. So gerät das zukunftsreiche Land in die Verstrickungen kapitalistischer Wirtschaftsmethoden, die sich an anderen Gegenden der afrikanischen Westküste schon so verhängnisvoll ausgewirkt haben. Firestone hat das ganze Land vom Flugzeug aus photographieren lasse« und ein Bildwerk hergestellt, eben jenes Buch, welches der Innenminister immer unter dem Arm herumtrug, voller Stolz über so viel „Fortschritt". * Der Zufall führte uns einen jungen Deutschen in den Weg, der uni freundlicherweise sofort in seinen rotlackierten Wagen Packte und auf eine Spazierfahrt durch Stadt und Urwald mitnahm. Er gehörte auch zu beit Firestone-Leuten und war drei Autostunden auf der amerikanischen Straße zur Küste gefahren, um unseren Dampfer zu besuchen — nicht etwa, mir wieder einmal kühles deutsches Bier zu trinken, was die Weißen tatsächlich« aus den verborgensten Schlupfwinkeln oft zur Küste lockt —, sondern um. sich deutsche Bücher zu kaufen. Es gibt so viele leere Stunden im Busch. Wer Wagen hüpfte über die Steine der rnonrovianischen Straße», unb, wir sahen uns dies merkwürdige Gebilde einer Stadt an, die eine Nachahmung europäischer Wohnkultur ist, bei der aber überall, wie durch einen mcherigen Mantel, das großsprecherische Unvermögen des Negers hindurch- blich. Siegesstatuen an Treppenaufgängen, von denen der Zement abbröckelte, zweistöckige Häuser mit eingeschlagenen Fenstern, schließlich bie Hauptstraße mit Gras und Unkraut, von der der Minister allen Ernstes: behauptet hatte, sie sei so ähnlich wie unsere Reichsautobahnen, nahmen wir staunend zur Kenntnis. Kirchen gab es in Massen, denn von den vierzehn, christlichen Sekten, die um die Seelen der Monrovianer werben, hat jede ihr eigenes Gotteshaus. Es war gerade Sonntag, und die schwarzen @in< wohner wanderten ihren Kirchen zu, die Männer in eleganten weißen Ja- ketts und engen Beinkleidern, die Mädchen und Frauen in seidenen Spitzem Keibern und Lackschuhen. Hinter der Stadt kam der Flugplatz und nicht loeit davon die Funkstation, einst von Deutschen erbaut, im Kriege bombardiert und vernichtet. Hinter Palmen versteckt lag das Haus des deutschen Konsuls, ein schöner luftiger Bau in einem herrlichen Garten. Der Konsnl hatte sich ein Sonntagsvergnügen gemacht und war auf Krokodiljagd in den Busch gefahren. Und dann kam der schweigende grüne Urwald, zwei Baumwände z« beiden Seiten der Straße. Wir hielte» a» einer Lagune und sahen einet fremden Vogelwelt zu. Eine afrikanische Schnepfe stelzte durch das seichte Wasser, gelbe und rote Webervögel schwirrten durch die Palmen, und buntfarbige „Witwen" mit langwallenden Schwanzfedern schwangen sich durch die Luft. Ein Neger stand plötzlich neben uns, trug ein meterlanges, sauber in Schilfhalme eingeschnürtes Krokodil in seinen Händen und bot es zum Verkauf an. Als wir ihm in ein Dorf folgten, tarn uns der Häuptling entgegen, um die Schultern einen schönen handgewebten Mantel. FraueN, mit sonderbar gezapften Haaren, saßen vor den Hütten, und Männer von herkulischem Körperbau, in malerische Tücher gehüllt, grüßten »ns freundlich. Da turnen wir ja wieder mitten in Afrika — im'sonnenüberstrahlten dunkelsten Erdteil! Es ist eigenartig, wie stark das Glücksgefühl jedesmal ist, wenn man bet unberührten afrikanischen Natur begegnete, ihren Menschen, Tieren und Pflanzen, wenn man fie spürt in ihren Gerüchen, in der Hitze, wenn alle Sinne sich wieder mit diesen Eindrücken vollsaugen tvollen. Es ist etwas von dem Rauschzustand der Entdeckerfreude darin. Wir fuhren zurück zur Küste, an den Hafen mit feinen Faktoreien, den Lagerfchuvpen, den Radios und Flugzeugen, in jene afrikanische Küstenwelt, deren Europäisierung unvermeidlich ist. Aber es ist gut zu wissen: dort, hinter diesem geschäftigen Getriebe, da wartet noch das alte, das ewige, das unvergängliche Afrika — auch heute noch — und auch auf dich. Derontwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Drühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Dieben.