GietzenerKmiliendiätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer H Zreitag, den \L Zebruar jchrgang (939 t v. «en leeren, wie ausgestorbenen Marktplatz hinunter. In den letzten (Zir hlen der Sonne leuchteten die gelben Mauern, die grünen Jalousien S/ip Uotnornon fimMten hi<» hohen Blech- lie ii ... >en es,1 pMt IM Man soll seine Kinder nicht nur nicht in dem Eh stand zwingen, .irM ■ | Mit?rn auch nicht nein sagen, wenn die Dummheit nicht grad zum j)im= Ai! imlßchreit... Na, was meinst? Wird die Kaiserin ein Einsehen haben? Nr Regenschori lächelte. Hatte Brand also endlich begriffen, daß iltfK11 !Wn die große Liebe nichts half? Er [agte: „Könnt schon frin, Brand. -Lilli ‘Uli ten hat der Rabenau und in hoher Gnad is er auch. Die Kaiserin tat II i X : J . r . r • < •• LL nf L ™ t. 1t.«. X • A Qt ff t \ i ib m ten, b ersn i eil ei)U [en 1 H I 'es, k eben te & Ml >er Regenschori lehnte wieder im Fenster. Ein letzter Lichtsächer brach @lti ■t W ddel! aut k (tu* als, I' ii< xhon freuen, Wenns ihn wiederhütt... Aber ob ihr die Lifl recht ist, ’Simb?! ...Du hast doch selber glagt, daß die Kaiserin schon eine andere Mmage mit dem Rabenau vorhat... Und wie willst denn das uber- lofic, äst —" * Ja, und was is, wenn die Kaiserin befiehlt, daß die Lifl den Franzl leimt’? Dann kann der Kirndorfer auch nicht nein sagen. Und was ein I»etand ohne Liebe ist, das weißt ja selber..." Tiber Regenschori seufzte. Und ob er das wußte! fine Weile blickte Brand noch auf den Platz hinunter, über den ein fliter mit einem Handpferd trabte. Dann trät er ins Zimmer zurück. junj' nu'j >betw IC, (er i toi# en® «r t IM n"ti len te »,te % Beit ■ Ich »gl g» " in ien te t. $ it, te alt । uns' en m Mer uunt ■ |eb 'M r & * @rm en in itgejf > Bei uoöti :ur tu 'Pf» nt in i sch ß i* nt, i Km ante !im|:t machen, daß der Rabenau freikommt?" „Drum will ja die Lifl zum Herzog fahren." „Wenns aber nicht die Permission kriegt für die Reise: „Man müht halt mit dem König selber reden können.. „Bist jetzt närrisch, Brand? Hast doch g'hört, daß der König für eine Audienz jetzt nicht zu haben ist." Der Kerzelmacher erhob sich, trat wieder ans Fenster und sah zum Schloß hinüber, in dessen Fensterreihen schon die Lichter schimmerten. Eine Weile lächelte er still vor sich hin. Dann wandte er plötzlich den Kopf und sagte: „Ich mein, ich könnt ihn dazu bringen..." Am nächsten Vormittage rannte auf dem kleinen, steinernen Brückenbogen, der über den grünlich schimmernden Wassergraben zum Schloßtore führte, der Leutnant von Leskow mit dem Adjutanten des Königs zusammen. Der Adjutant lachte: „Mir scheint, die schöne Demoiselle hat auch Ihnen den Kopf verdreht. Wollten Sie am Ende zu mir?" „Freilich. Was denn sonst?" Der Adjutant hob in gespielter Verzweiflung die Hände: „Lassen Sie mich bloß mit der Geschichte in Frieden, Leskow! Ihnen zulieb habe ich es gestern abend noch versucht, Ihrem Wiener Fräulein eine Audienz zu verschaffen. Aber der König hat nur gallig abgewinkt. Ich habe es Ihnen ja gleich gesagt." Leutnant von Leskow schien nicht gehört zu haben. Er fragte unvermittelt: „Glauben Sie, daß der König heute abend Flöte spielt?" Der andere schüttelte den Kopf und lachte: „Mon dieu, Leskow, sind Sie manchmal komisch! Daß Sie musikalisch sind, weiß ich. Aber wie kommen Sie von der Demoiselle plötzlich aufs Flötenspielen?" „Ist mir bloß so eingefallen. Aber glauben Sie, daß er spielt?" „Wahrscheinlich. Das ist doch nichts besonderes." „Wann glauben Sie denn, daß er spielt?" Der Adjutant wurde ärgerlich: „Wie soll ich denn das wissen? Nach den Rapporten von der Armee wahrscheinlich... Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, daß er heute morgen schon den Kammerdiener nach den Noten gefragt hat ... Stellen Sie sich doch da auf den Dorfplatz! Dann werden Sie es ja hören. Ist immer noch gescheiter, als den König mit dieser Wiener Demoiselle und ihrem Leutnant zu molestieren..." Leskow ging mit ihm noch über den Platz. Dort trat er in den Garten des Schulmeisterhauses. Der Adjutant sah ihm kopfschüttelnd nach. War schon ein verrücktes Huhn, dieser Leskow! Am frühen Nachmittage, als er am Fenster des königlichen Vorzimmers stand, sah er ihn unten aus dem Platze mit dem Kammerdiener des Königs reden. Der Adjutant lachte. Jetzt versuchte wohl der kleine Leskow die Audienz durch den Kammerdiener zu erwirken! Vielleicht gelang es ihm. Der Offizier trat ins Zimmer zurück, sah auf die Wanduhr. Wie langsam heute die Zeit verging! Wie lange der König heute wohl noch arbeiten würde? Er griff nach einem Buch und las. Nach einer Weile sah er wieder schläfrig auf den Platz hinaus. Drüben im Schulhause schlossen sie eben die Fenster. Bei dieser Hitze. Die waren wohl närrisch? Der Adjutant las weiter. Gegen Abend ritt der König aus. Aber allein. Als er wiederkam, aß er in Eile, setzte sich bann von neuem an den Schreibtisch. Der Adjutant seufzte. Also hieß es immer noch warten. Endlich schellte es aus dem Zimmer des Königs. Wenigstens gab es was zu tun. Der König diktierte einige Briefe. Draußen dunkelte es schon. Als Friedrich fertig war, übergab er dem Adjutant noch die Post: „Die Stafette nach Schweidnitz rettet morgen früh... llebrigens sag Er! Es sind doch Fremde in Schmirschitz? Was sind das für Leute?" Der Adjutant wollte antworten. Vielleicht war das eine Gelegenheit, Leskows Schützlingen dach'noch zu helfen. Da war Hufschlag unten auf dem Platze zu hören. Der König trat ans Fenster. Drei Reiter ritten über die Brücke, faßen ab. Es war schon dunkel. Man sah sie nicht deutlich. Einer der Reiter ging auf das Tor zu. Man hörte den Präsentiergrisf der Posten. Friedrich sah sich um: „Eine Offiziersstafette? So spät noch? Seh Er nach, was sie bringt!" Der Adjutant ging. Der König begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Blieb einen Augenblick stehen. Hatte es mit Zielen was gegeben? Er sah im Geiste die viertausend Wagen als endlose Schlange sich durch die Schluchten des mährischen Hügellandes winden. Die Türe ging. Ein Major stand vor ihm. Friedrich hob den Leuchter, um besser zu sehen und das Regiment zu erkennen. Der Mann war scharf geritten. Der Blick des Königs senkte sich prüfend in die Augen des Offiziers. Er stellte den Leuchter auf bett Tisch zurück unb fragte: „Nun? Was läßt Herr von Zielen mir sagen?" „(Euer Majestät, heule nachmittag brei Uhr hat ber kaiserliche General von ßaubon nördlich von Domslabil ben aus bem Gebirge nieberfteigenben Wagenzug angefallen..." Der König hob kaum merklich bie Brauen. Also doch! Was würde er hören? Der Major meldete weiter: „Nach hartem Kampfe wurde Laudon abgewiesen und bis auf die Höhen von Dom- sladll verfolgt. Nur einundzwanzig Wagen gingen verloren. General von Zielen hofft, morgen abend im Lager zu sein." Der König lächelte erfreut: „Merci! Ruh Er sich jetzt aus! Zuruck- zureilen braucht Er heute nicht mehr." Der Major trat ab. "d ™ Wimmer lachte. War also ber Kerzelmacher enblich so weit. Er brehke ’■ sich am: „Sa brauchst bir aber schon gar keine Sorgen z' machen. Dafür ¥* ttritt schon die «ielgratterin g’forgt haben, baß aus ber Mariage ntx mehr M tritt. Gift kannst braus nehmen, baß jetzt ben ganzen Tag ihre Tafel . 'ersne gleich' an ber Labentür hängt. Schon beshalb is g’fcheiter, wir Wn nach Wien zurück. Sonst verfaul bir bas Suber noch 's ganze Dann verschaffen Sie ihnen wenigstens die Erlaubnis, zum Herzog Braunschweig reifen zu dürfen! Geht auch nicht. Und was will denn das Madel überhaupt noch in (Schoeidnitz oder beim Herzog? Der Rabenau ist ja roteber gesund. Da hn sie doch beruhigt nach Wien zurückfahren." Mon dieu, sie liebt ihn eben." Das kann ich mir denken. Sonst wäre sie ihm nicht bis zu den Preußen ratigefahren. Aber daß der König sich auch noch um die Arnouren eines eieftigenen Leutnants kümmern soll, können Sie wirklich nicht verlangen, sie, Leskow, es geht nicht." Nit diesem Bescheide ging der Leutnant zu Brand und Wimmer. Der "etelmacher war eben nach Hause gekommen. Man sah es ihm an, daß eit sich sorgte. Er hörte schweigend zu, als der Offizier berichtete und dann ti odj hinzufügte, daß es auch schwer halten dürfte, die Erlaubnis für einen tulleren Aufenthalt im Schmirschitz zu bekommen. Es tue ihm leid. Er ' litt, der schönen Demoiselle und dem Herrn Vetter, um drei Ecken herum, en bie Freude gemacht. Aber es gehe eben nicht. Us ber Leutnant gegangen war, trat Branb ans Fenster und sah auf tut te ,r v v Den Leutnant von Rabenau gleich mitbringen tat r „ Wimmer fuhr herum, trat an den Tisch, setzte sich Brand gegenüber: 3 jrjje ..Achab glaubt, baß bu von der ganzen G'schicht nix wissen willst? fr er Kerzelmacher nickte: „Bin auch heul nicht dafür. Die Kaiserin hat i ifyi recht: ein jeder soll bei seinem Leisten bleiben. Aber besser als Unehr 11 it).1 vertanes Leden is immer noch. Ich hab viel nachdachl drüber, Wim- des Schlosses. Jenseits der steinernen Brücke funkelten die hohen Blech- i wen der Grenadiere. . „ , . , . «immer trat neben bes Kerzelmacher: „Is halt ein Pech, baß der Jjtr eg von Braunschweig nicht im Lager ist ..." Brand nickte. Der Wnschori sprach weiter: „Am gescheitesten is, wir fahren wieder z Ä M.Ab'er wenn die List doch zum Herzog will!" W Das hat doch jetzt wirklich keinen Zweck mehr." W Nr Kerzelmacher hob die Schulter: „Vielleicht doch, Wimmer ... Und l,e is, wenn ich mit der Lifl nach Wien zurückfahr! Soll’s jetzt den Kirn- I er kerzelmacher von Sankt Stephan Kn heiterer Liebesroman von Alfons v. Lzibulka - ehrerbietig und sagte: „Es ist der Regenschori von Sankt Stephan z, Wien, Ihrs Majestät." Sie Augen des Königs blickten erstaunt: „Dann kann er freiluf spielen. Will mich denn die Theresia durch Musik verzaubern?" d- dachte nach. Der Regenschori von Sankt Stephan? Von diesen Leut» hatte ihm doch gestern schon der Adjutant erzählt? Die wollten doch waz' Wie die Menschen immer und überall etwas von ihm wollten. Er fragti qaUig: „Aber um mir was vorzuspielen, wird ja der Herr Regenschor nicht gekommen fein... Was verschafft mir das Pläsier? Jetzt schwieg auch Brand. Hundertmal hatte er sich vorgesprochrg was er dem König sagen wollte, um der Lisi zu helfen. Aber nun war t- wie ausgelöscht. .,. . .. , Friedrich wurde ungeduldig. Angst konnte er nicht leiten. Er drchi sich um, stieß döse den Krückstock gegen den Äoden: ,,2st Äym auch uc< Maul verriegelt, Leskow?" Elisabeth Brand begannen die Knie zu gittern. Aufs Beißen schm: sich der König noch besser zu verstehen als die Kaiserin. Leutnant von Le! kow straffte sich, berichtete kurz, wie Friedrich das liebte, und schloß: Demoiselle will Eure Majestät untertänigft bitten, zum Herzog von Bram, schweig reisen zu dürfen." Der König sah das Mädel an: „Was will Sie denn dort? Elifadeth Brand sank wieder zu tiefer Verneigung zusammen: „Den Herrn Herzog bitten, Jhro Majestät, daß ich einen blessierten kaiserlichen Offizier besuchen darf." Sie wurde rot und senkte den Blick. Ein lächelnder Blick des Königs streifte den Leutnant. Da hatte ei dem Leskow also unrecht getan. Eine Mariage war wohl im Spiel, ade, sie ging ihn nichts an. Er fragte: „Weiß Er, Leskow, wie der Dffyiei heißt und wo er jetzt ist?" „Auf der Festung Schweidnitz, Jhro Ma,estat! Es ist der kaiserlich Leutnant von Rabenau..-" Rabenau? Der König erinnerte sich. Das war doch der schlanke, ho«- gewachsene Offizier, den er vor kurzem am Lagerfeuer der Puttkamci- Husaren gesprochen? Der hatte ihm gefallen. Er wandte sich wieder «« das Mädel, sagte freundlich: „Da braucht Sie doch nicht erst zum Herz« zu fahren. Sie wird einen Paffeport für Schweidnitz bekommen... 311 d>r Demoiselle jetzt zufrieden?" Der König lächelte. Elisabeth Brand knickste ehrfurchtsvoll und sagte leise: „Untertänigste Dank, Jhro Majestät!" Aber ihre Stimme schwankte. Sie senkte den Kops. Friedrich sah sie ausmerksam an. Sehr erfreut hatte dieser Dank niM geklungen. Was wollte sie denn noch?" Die Musik und vorhin die Ml- dung des Majors hatten ihn gnäbigft gestimmt. Er fragte: „Oder hat Ein noch einen Wunsch?" Die Lisi sah auf, sagte bittend: „Wenn ich halt doch zum Herzog M Braunschweig fahren dürft.. „Glaubt Sie, daß der mehr vermag als ich? Ich hab Ihr doch sch«, gesagt, daß Sie den Passeport bekommt... Was will Sie da noch von: Herzog?" „Ihn bitten, daß der Leutnant von Rabenau freikommt." Tränet, stehen in ihren Augen. Der König schüttelt ärgerlich den Kopf: „Da mutz Sie fckM märten, meine Liebe, bis der Krieg zu Ende ist... Sie ist nicht die einzige... Wie kommt Sie denn überhaupt darauf?" Ein Schluchzen würgt sie in der Kehle. Aber sie bezwingt es, lächck: und sagt tapfer: „Ich hab mir halt dacht, daß die Frau Kaiserin vielleich: eher ja sagen tät, wenn ich den Leutnant gleich mitbringen könnt." Der König lacht belustigt: „Hat also die Kaiserin bis jetzt nein gesagt Das scheint so eine Marotte der Souveräne zu [ein... Das ist ab« schlimm... Weiß Sie warum?" „Die Kaiserin wird sich halt schon eine andere Mariage ausgedach haben ..." In den Augen des Königs blitzt es. Er macht einige Schritte, tomw wieder zurück und schmunzelt: „Weiß Sie was? Da geb ich Ihr de« Leutnant doch lieber frei... Es ist ja meine Aufgabe, alle Pläne mein« Feindin zu durchkreuzen." Maria Theresia stand am Fenster ihres Arbeitszimmers, sah über bii Kieswege und Alleen des Schönbrunner Parkes zur Gloriette hinaus deren steingewordener Traum in der Mittagsglorie strahlte vor den Som merwolken und dem Blau des Himmels. Den Vormittag hatte sie i> ihrer Ritterakademie im Schlöße Favorita auf der Wieden verbracht. 6» hatte wieder einmal nachsehen wollen, was Lehrer und Schüler trieb» Der Besuch hatte ihr Freude gemacht. Aber jetzt war sie müde. Sie hält« gern geruht. Doch es ging nicht an. Audienztag war zwar heute nicht Aber Audienzwerber gab es doch. Solche, die sie vor langer Zeit für heu» bestellt hatte, und andere, mit dringenden Bitten. Maria Theresia träum» in das leise Rauschen der Bäume, in das Plätschern der springenbe« Brunnen hinaus. Alle Tage feit bald zwanzig Jahren war es das gleich« Bitten, Tranen, Danksagungen, und alles in allem immer nur das eim Wort: Gnade! Wo sollte sie so viel Gnade nur hernohmen? Und wie osi hatte sie sie selber gebraucht? Jetzt wieder, da der König vor Olmütz I«! und Daun sich nicht von der Stelle rührte. Eine Weile stand die Kaiserin noch am Fenster, dann trat sie an be« Schreibtisch und griff nach der Liste der Audienzwerber. Es waren wen! ger als sie gefürchtet hatte. Ein alter invalider Obrist, dem die Krieg« kaffe zu Unrecht das Ruhegehalt gekürzt hatte. Ein Rat der böhmische« Hoskanzlei, der sich beschwerte, daß er von seinem Salär mit einer Fru« "Ud zwei Kindern nicht leben könne. Sie las weiter: „Auf Befehl Jh«> Maiestat: Aloisius Brand samt Tochter." Was wollten die? Die Kaiser!« besann sich. Jetzt siel es ihr ein. Freilich! Das war ja der Kerzekmach" von Sankt Stephan mit feiner unternehmenden Tochter, der sie den Kop! wapchen wollte. War sie also wieder zurück? (Schluß folgt.) W über od)H »cho M M iw 5,1« üitlt ha«! iel,i Dffi: aijert »0 litt« iedn 'Hk «... >en 6 t( f' r triii 6id- uif”1 (irt । tB ring« is gi|! da-' »s W! te o"' re«1*1 eH v! in«! eh>E -D den' >W k &t kh ®: ■tfrg ens^ »'M ■ «kn r brt tuet)! n jE >onä ’BjJ 5k iisg* t, Io« N- ie nif Sicherheit. Don Hermann Stehr. Ich wollte dieses Leben ganz erfassen und hab' gerungen über lange Jahre. Nun ich's erworben habe und bewahre, merk ich, daß ich es lange schon verlassen. Fern bin ich allem Flammen, allem Hassen, dem Mummenschanze pfässischer Talare, dem hirngespitzten Streite um das Wahre und all dem Schreierpompe voller Gassen. Einsam geh' ich die lieben Wälderwege, die Kindheit ist kn Weisheit mir geborgen, und lächelnd trag' ich Ruhm und Schickfalsschläge. Mich quält nie mehr, was werden wird am Morgen: denn nehmt mir alles: das raubt ihr mir nicht, daß ich im Tod erlösch ins ewige Licht. Dichtung und Weisheit Hermann Stehrs. Zu seinem 75. Geburtslage. Von vr. Johannes Günther. Wir stehen im Gefühl dankbarster Achtung vor diesem Mann, vor N«sem Dichter, vor diesem Weisen, vor diesem Seher, Das Schicksal hat ihn geschunden von frühen Kindesjahren an. Zu Im, was in feinem Roman „Drei Nächte" berichtet und mit vor- tÜblicher Beherrschung überwunden wird, sei gesagt, daß Hermann s t e h r von einem Tyrannen des inneren und äußeren Lebens geknebelt rurbe, daß ihm sein Schulamt, sein Beruf, den er von Natur aus liebte inb innig zu erfüllen fähig war, zur bittersten Strafzeit entstellt ward, liß man ihn mit Ansehuldigungen und Maßregelungen schier zu Boden lkückte. Aber doch hält er sich am Leben; Verbannung und Verfolgung r«iß er — für sich und für diejenigen, welche ihm lesend und lernend lAchfolgen — auszunutzen, zu gestalten, umzuwerten, mit der Kraft des fotzen Schaffenden, die fast stärker ist als das Schicksal. — Seine Bücher „auf Leben und Tod", „Drei Nächte", eigentlich auch „D er vchlndelrnacher" und .Leonore Griebel" sind noch Lcidens- nerte, sehnsüchtige Verdrängungen, Befreiungen manchmal, ungestümer, g waltsamer Art. Dann aber, als seine Lebensumstände zum Leichteren, künftigeren sich gewandt haben, als man ihm nicht mehr das Wort ver- jjSt, als Deutschland auf ihn hören darf, als es ihm vergönnt ist, feiner l«nk-Arbeit und feiner Dicht-Kunst zu leben, als er nach nochmaliger isrüfungszeit, nach fchriftftellerifch ergebnislosen Jahren, machtvoll geirie- b n den Roman vom „H e i l i g e n h o f" schreibt, da gehen Worte des sill und groß gewordenen Wissenden von ihm aus, da dichtet er ein lasein aus der Kraft der Landschaft, da gattet sich Geistiges und Irdisches, bt tut sich eine Heimat auf für Getroffene und Suchende, eine Heimat, bie aber nicht die Schwachheit unterstützt, sondern die an den Quellen Mrtiger Menschlichkeit Gesundung darreicht. Aus dem „H e i l i g e n h o s" Kber „Peter Brinbeisener" auf, ein motivisch sehr ähnlicher, »egen aber nicht, mit keinem einzigen Satze, überflüssig sich wieder- hilender Roman: nein, eine neue wichtige Erscheinung alten Gesühls- mites — nach brünstigerem Glühen, nach härterem Grübeln wird die Er- rifjung der Klarheit nur noch wohltuender. Mit diesen beiden Werken, nvchte ich sagen, hat Hermann Siehr seine göttliche Komödie geschrieben. Cr wagte die Abgründe im Höllischen, er sand Läuterung und Segen, „lüm das Dasein aller Menschen", heißt es im „Brindeisener", „wölbt sich eis Träumen, Sehnsüchten, Ahnungen, aus lichten oder dunklen Hoss- imngen eine außerirdische Welt, etwas wie eine magische Hohlkugel, die bim Tummelplatz unserer Erden schick sale den eigentlichen tieferen Sinn gibt. Und alle Menschen brauchen diese außerirdische Unterkunft für ihr Leben. Ihr Wesen braucht eine Leidenschaft, einen Irrtum, eine Ver- zickung oder heiliges Außerfichgeraten. Erst wenn sie irren, wissen sie, aoran und wo und wer sie sind." Knut Hamsun hat einmal die Frage aufgeworfen: ,Lch weih gar nicht, was die Deutschen an uns Skandinaviern so lieben — sie haben doch ihren Hermann Stehr!" Das ist eine Ehrung vor aller Welt, aus bim Munde eines wiederum in aller Welt anerkannten Dichters ... und um ein solches Lob zu erreichen, lohnt es sich wohl schon, in Mühen zu binkxn und in Leiden zu schaffen. „Wer den Besten seiner Zeit genug gt tan, der hat gelebt für alle Zeiten", das heißt: der hat geleistet und ettungen, was nur ein Mensch erringen kann; wer aus dem Munde eines Wertvollsten seine Leistungen bestätigt sand, der hat, nach menschlichen Begriffen, vollendet, dem gelang genug, der hat nichts mehr zu firbern! Wir Deutschen aber haben noch lange zu tun, bevor wir behaup- t«n können, wir hätten dies Hamsun-Wort erfüllt und wir „hätten" nun nahrhaft „unfern Hermann Stehr"! Als schlesischer Dichter, treu von feiner Heimat angetan, als gestalten- b r Mensch also, der dankbar bewußt auf mütterlichem Boden steht, hat 0' teil am größeren, umfassenden Vaterlande. Vielleicht ist es so: nur ner sich im bestimmten Gebiet eines Ganzen zu Hause weiß, nur der ft nn sich erheben und ausbreiten und einem großen Lande, ja der Welt, Pm Segen werden. Ich denke an die Stelle in Stehrs Roman „N a t h a - nia e l Mächte r", wo der Mann, mit dem sich diese Geschichte beschas- tigt, am einsamen Schneegrubenrand sitzt und tief unter sich sieht das k sonnte Land mit heiteren Dörfern und Städten, inmitten wohlgebauter Felder, ein unendlich buntes Tuch, das der Herrgott aus dem nimmer- niiben Fleiß der Menschen gewoben hatte und nun in Freude unter |m 18. Jarhundert in die Hand des Zaren, als ein Gouvernement des kulturell von Asien bestimmten russischen Reiches, bis mit dem Weltkrieg die Abspaltung und die Selbständigwerdung der Randstaaten erfolgte. — Reist man heute durch diese Landschaft, so sind es noch immer die alten Ordensburgen im Land, die alten Herrenhöfe deutsch-baltischer Vergangenheit und in den Städten die deutschen Bauwerke der Gotik, der Renaissance, die das Bild des Baltenlandes bestimmen; von der ganzen russischen Zeit sind wenig mehr als einige Kirchen geblieben. Die Städte des einstigen Kur- und Livland haben estnische und lettische Namen. Die jungen Staaten haben ihre eigenen Lebensgesetze in den Vordergrund gestellt, kulturell aber leben sie großenteils vom deutschen Erbe. Eine organische Selbstverständlichkeit war nach der Befreiung von der russischen Herrschaft die Wiederhinwendung zum abendländischen Kulturkreis. Estland ist heute der Rücken gegen den Osten. In Lettland spricht nur die ältere Generation noch russisch, während in den Schulen Deutsch obligates Lehrfach ist. Man hat in Reval und Riga die alten deutschen Baumeisterwerke wiederher- aestellt, das Mitauer Schloß (im Kriege zerstört) wurde wieder ausgebaut. Auch die geistige Kultur der Länder baut großenteils auf der deutschen auf, die den Russifizierungsversuchen während der Zarenherrschaft zu Deutschen sein. Und da ich weiß, daß es am reinsten In der Jugend aufbricht, ist mir auch um unser Volk nicht bange! Ja, ja, wir Schlesier und die Deutschen! Man hat dem Schlesier oft oorgeworfen, daß er als oit- licher Deutscher wohl doch zuviel slawisches Blut in sich trüge, das ihn zum Grübler und Sinnierer veranlage. Kein Mensch weiß, day die Vorfahren der heutigen Schlesier vor acht- und neunhundert Jahren In eine fast menschenleere Waldgegend in Schlesien vorstießen und sich gar nicht mit den östlichen Volksstämmen vermischten. Wie sollte es auch anders sein. Ist nicht gerade Eichendorfs, der deutscheste Liedersanger, der beste Beweis dafür, wie sich in dem Jahrhunderte alten schlesischen Geschlecht das Deutsche rein erhielt? . v ,.. --Und ich wollte sagen: „Ist nicht letzt Hermann Stehr dafür em Beweis, daß in ihm das faustische Ringen um die letzten Dinge des Lebens, ebenso stark braust wie das Ringen um die letzten Dinge, das wir Im Werk und Leben Goethes empfinden? Nur im Grad ist alles unter- chieben. Der ostdeutsche Mensch, der Schlesier, ist leidenschaftlicher im Suchen, ist vielleicht noch unbeschwerter deutsch als die Großen, die doch die Brücken zur Welt der Klassiker betraten. Hier bei den schlesischen deutschen Gottsuchern tritt das Unmittelbare an uns heran. Deswegen ist es nicht zu verwundern, daß die tiefsten deutschen Gottsucher Schlesier waren — wie Angelus Silesius, Jakob Böhme und nunmehr Hermann Stehr. Wir sind den lebenden deutschen Dichtern vielleicht noch zu nahe gestellt, um diesen Aufbruch des tiefsten deutschen Wesens, des ostdeutschen Menschen, ganz zu erfassen. Es ist aber [ein köstlichstes Geschenk, daß er erst letzt im neuen Deutschland in seinen ganzen Tiefen verstanden wird. Das kommt aus dem Volksgefühl für alles Echte. Stehr kommt wie alle aus der Welt des vergangenen Deutschland und hat selbstverständlich auch in sich erst die Welt des neuen deutschen Menschen suchen müssen. Aber immer war fein Leben eine Wanderung zum Goetheschen Ideal, daß das höchste Ziel der Erdenkinder die Persönlichkeit sei! Freilich nur die Persönlichkeit, die zur Gemeinschaft wurde, die anonym blieb. Hier offenbart sich die Welt der neuen deutschen 9bee, und deswegen ist Stehr, ohne es zu wissen, in seiner Dichtung der Prophet dieser neuen deutschen Welt geworden; abgesehen davon, daß er nicht den Umweg über die Größe der Klassik suchte, sondern diese letzten Dinge äussprechen ließ von Arbeitern, Bauern, von den kleinen Leuten, vom Volke selbst, das ewig ist. Hermann Stehr hat dieses Volk nicht gesucht und entdeckt, er ist als schlesischer Mensch in dieses Schicksal hineingeboren worden. In einer langen Kette der Ahnen, die gleich seinen Eltern einfache Bauern und Handwerker waren, trug er das Angesicht dieser ostdeutschen Erde schon bei der Geburt in sich. Es mag fein, daß die Gedanken in mir neue Gestalt und Gewandung annahmen; denn immer schaffen wir das Leben des Andern in uns ins Leben. Aber was zwischen diesen Zeilen lebt, bleibt das Lebendige, was von ihm ausging und diese Nacht segnete. Die Sterne verblaßten, und über den Himmel der Berge fiel das Licht des kommenden Morgens wie ein u^aßbares Segnen einer Nacht, die auch Licht war, das nur von innen her glühte. Das „Faberhaus" wachte eine Nacht und darin stand der Mensch, der sein Dichtertum als Prophetie trägt, dem Dichten, Leben und Gotterken- nen eins ist, das sich nicht trennen läßt. Als wir schieden, hatte er wieder- eins der lebendigsten Dichterworte geschaffen, das Leben selber, das er " ‘ Er ist einer der letzten Dichter einer großen MW « »! dem ■N in I frin John ve flÄrift?" -Zn! Hl "'M i 'N , । utas J „Seit "^sprech „Dietz SM)th ^ebei i chch i As MH- fe Wrin U>" ich S A Wer : Bin 6 listend an »jur ict, I 1 „Bonjoui n eitler d jSaun?“ ■ Saun „®ai IIM M e ■ „W meßet, in -erzählten, Habe —" ■ Marit IBtmee? ■ ii „Drei > „Und ISein gut ß „Es I IBlrmee 31 i „Plac imufl nur «ei der Werden. Die S Hinüber, »liegt. Ci ateljt. Der öbriftenl i'airlei ti M nicht nann wii Saun WJenfter, « hietzj Minter du i ' Gin 1