SiehenerZammeMätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1939 Zreitag. den 16. )uni Nummer 45 Eine Armee meutert SCHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Lin Bericht von p. e. Ettighoffer Copyright b y Bertels in ann Gütersloh Dar Ereignis einer Nacht an der Laffaux-Ecke. In jener Frühsommernacht des Jahres 1917 war höchste Alarm- dirsitschast befohlen. Das 2. Bataillon RJR. 258 lag in vorderster Linie Oij dem schmalen Rücken des sogenannten Assenberges. Hier waren die ifanzosen stellenweise, im Verlaufe der Rioelleschen Offensive vom l. April bis Ende Mai, in das deutsche Verteidigungssystem an der Laf- fux-Ecke gedrungen und hatten Teile der Siegsriedlinie besetzt. Hart ti-.b zielbewußt durchgeführte Sturmangriffe der drei Jnfanterieregi- msnter, die unserer erprobten Division angehörten, hatten das Gleich- «wicht in diesem Frontabschnitt wiederhergestellt und ab Juni den Bigner in die Verteidigung gezwungen. Das Artilleriefeuer ritz selten ol. Die Fliegertätigkeit war stark. Und oft vergasten die Franzosen oisere Anmarschwege, die alle durch tiefe Schluchten führten. Eine Werst unruhige Stellung. Der einzige Zugang zur vordersten Linie war ein schmaler Kabel- pben, auf den immer wieder rücksichtslose Feuerüberfälle prasselten, ■tagsüber, mit Hilfe des gut getarnten Grabenspiegels, war uns vom »rdersten Kampfgraben aus ein herrlicher Blick über den Damenweg riglich. Der Affenberg liegt ja am westlichen Ende dieses vielumkämpf- tit Höhenweges. Aber wenige meiner Kameraden haben je mit Genug d.rch den Grabenspiegel geschaut, denn jene Landschaft barg damals i*-r Tod, Grauen und Vernichtung. Ich war Führer vom Trägerzug des il. Bataillons. Jede der vier ; fanteriekompanien und auch die Maschinengewehrkompanie hatte eine ß'uppe ab kommandiert zur Bildung dieses Trägerzuges. Mit meinen fi> if Gruppen legte ich täglich zweimal, oft dreimal den H>eg von der Mdersten Linie über den Pinon-Riegel bis Schloß Pinon zurück. Wir kleppten die Verwundeten zurück, brachten Lebensmittel, Munition und f»st nach vorne, beförderten in schweren Lasten wuchtige Stollenbretter, rvlhanzzeug, Sandsäcke und Minen. Streckenweise ging’5 im Laufschritt Schlucht zu Schlucht, wenn es galt, dem ständigen Störungsfeuer os szmveichen. Neun Tage schon hatten wir vom Trägerzug diesen kiiettlauf mit dem Tode durchgehalten. Manchen hatte es unterwegs zpackt. Wir beneideten unsere Kameraden der vordersten Stellung. Vom Wachtdienst waren wir befreit. Wir lagen nachts hinter der lotirberjten Linie am oberen inneren Rande der Klaraschlucht in zwei pißen feuchten Stollen, die bei jedem Granateinschlag bedenklich wankten. Mere Trägertätigkeit war meist bei Einbruch der Dunkelheit beendet. Dinn lagen die Schluchten unter solch schwerem Feuer, daß ein Durch- !<*nmen nur mit großen Verlusten möglich war. Tagsüber konnte man i Ibon eher der Gefahr in der Feuerwalze ausweichen, aber nachts war Sperrfeuergürtel oft undurchdringlich. Bei Verdun hatten die Feld- Muen auch die Schluchten gefürchtet, aber dort waren die Mulden 1®’nigftens weiter und viel flacher. Hier dagegen, an der wilden Laffaux- Gffe, stiegen alle Hänge kurz und steil empor. Jede schwere Granate, die Jff dem Grund einer solch engen Schlucht zerschellte, hatte eine vielfache Artung. Der Bataillons-Kommandeur ließ den Trägerzug, der tagsüber so M leisten mußte, nachts in Ruhe. Nur bei allerhöchster Gefahr hatten einzuschwärmen, durch den Kabelgraben zur vordersten Kampslime, ">tn dort am kritischsten Punkt eine der Kompanien zu verstärken. >)n Aurr- 'chkeit wäre wahrscheinlich keiner von uns lebend durch den Kaoei- Mben gekommen, denn beim geringsten Anlaß legte der Feind eme ® durchdringliche Wand von Granaten und Explosionen an den -Kano «-^laraschlucht und in den Kabelgraben. So war die taktische Lage in jener Fruhsommernacht, da wir aiar- »■ert wurden. ... , , , ."Der Feind soll, wie es heißt, seine Stellungen uns gegenüber heute 1 »nbets stark besetzt haben." So sagte der Melder beim Ueb erbringen ^2 Alarmbefehls. Wir schnallten um, legten die Handgranateii gr: n- ®'ieit, taten die Gasmaskenbüchse vor die Brust. In der pechschwarze Mternis der beiden Stollen war es minutenlang ein raunendes -tonen ® •» Suchen, untermischt mit kräftigen Soldatenflüchen. Dann wurde e »•eher ruhig. Jeder lauerte bewaffnet, umgeschnallt und kampfbereit ®sf seinem Platz. Draußen war's eine Nacht, so schon und so ruhig, uns selten eine gegönnt wurde. Kein Schuß wert und b^ech kau Leuchtkugel. Der Krieg schlief. Oder lauerte er nur, sammelte er ,,r lein'« Kräfte zu neuem Sprung? Um 2 Uhr in der Frühe verließ ich den Stollen, wollte zum Bataillons-Gefechtsstand, dort etwas Neues über die Lage und den vermuteten Angriff erfahren. Als ich den dumpfen Stollen verließ und in die frische Frühsommernacht trat, fuhr mich die kalte würzige Luft an wie ein Hieb. Ringsum duftete die von Granaten durchwühlte und taufendfach aufgebrochene Erde. Sie duftete nach Korn und gutem Brot. Und es dufteten ferner die sterbenden Bäume, die frisch umgeschossenen Sträucher, die es im Vollsaft ihres Wachsens unerbittlich gepackt hatte. So duftete es bei ländlichen Festen, so nach Erde und nach verwelkendem Grün. Nicht lange genoß ich die Stille der Nacht. Vorne aus dem etwa 200 Meter entfernten Kampfgraben zischte eine Leuchtkugel. Und auf französischer Seite waren es jetzt schon zwei, drei Leuchtfallschirme. Und es begann der Tanz — — — Zuerst schoß langanhaltend ein französisches Maschinengewehr. Die kupfernen Spitzgeschofse peitschten alle über die Böschungen hinweg und pochten als dumpfe oder helle Ham- merschlüge gegen die sterbenden Baumstümpfe der Klaraschlucht. Jetzt setzte ein zweites, ein drittes Maschinengewehr ein, und bann kam elementar der Orkan aus Rohren aller Kaliber. Es zischte, heulte und gurgelte, es tobte und spritzte und spie, es fang, johlte und brüllte. Die Hölle war los. War das der erwartete französische Angriff? Laufend und stürzend, kriechend und von Granatloch zu Granatloch springend, erreichte ich wieder die beiden Stollen, wo der Trägerzug fix und fertig zum Eingreifen bereitsland. Wir lauschten hinaus und erwarteten von Minute zu Minute den polternden, atemlosen Lauf eines Melders, der uns den Bataillonsbefehl zum Einsatz bringen würde. Nichts geschah, nichts. Dagegen flaute das Feuer sehr bald ab. Also doch nur einer jener nervösen Ueberfätte, wie fast alltäglich. Um 2 Uhr 30 war wieder olles ruhig. Im Osten kündete sich schon der junge Tag an. Die Front schwieg. Bis zur halben Höhe war die Klaraschlucht mit Gas- und Geschoßqualm gefüllt. In langen weißen Schwaden zog der chemische Nebel an der zertrümmerten Kleinbahn entlang auf die Ailleval-Ferme zu. Für die Franzosen war nun der Zeitpunkt des Angriffs an diesem Tag verpaßt. Vorbei die kritische halbe Stunde der beginnenden Dämmerung. Man konnte schon wieder Einzelheiten auf mehr als hundert Meter im Gelände deutlich erkennen. Und da sah ich vier deutsche Soldaten hastig nach rückwärts zum Pinon-Riegel streben. Mit Bedacht vermieden sie die gasgefüllte Tiefe der Klaraschlucht, hielten sich oben am Höhenrand, der noch nicht voll und ganz vom Feind eingesehen werden konnte. In 50 Meter Entfernung etwa mußten sie an unserer Unterstandsgruppe vorbei. Ich sah sie daherkommen, völlig zerrissen die Uniformen, die Gesichter von krankhafter Blässe, die Augen dunkel unter- schattet. So sehen Menschen aus, die soeben vom Krankenbett aufstehen ober ein furchtbares Erleben hinter sich haben. Waffen hatten sie keine bei sich, auch kein Koppel. Nicht einmal die unentbehrliche Gasmaske trugen sie auf der Brust. Beim näheren Hinschauen merkte ich, baß ihre Uniformen mit Heller Farbe beschmiert waren. Auf Brust und Rücken las ich bie Buchstaben P. G. Das waren doch — — — bas waren Kriegsgefangene, deutsche Kameraden, die von drüben kamen, ohne Zweifel geflohen über die Front hinweg. Der vierte Mann winkte mir vergnügt zu. Es war mein Regimentskamerad Klaus Fisch, im Zivilberuf Kunstmaler, Eifelmaler, damals Zugführer bei der 6. Kompanie. Er hatte wohl den Auftrag, diese drei Rückläufer sicher und rasch in die Etappe zu bringen. Kamerad Klaus Fisch hatte ja immer mit Vorliebe verwegene, kitzlige und auch seltsame Aufträge übernommen. Eine Stunde später wußten wir alles. Diese drei Kameraden waren vor fast 14 Tagen aus einem Gefangenenlager in der Nähe von Fisrnes, in der französischen Etappe geflohen. Fast zwei Wochen lang hatten fie sich in der Gegend Herumgetrieben und auf den günstigen Augenblick zum Durchqueren der Front gelauert, hatten sich von Gras, Blättern, Wurzeln, Abfällen und unreifen, kaum nußgrohe-n Aepseln genährt und waren nun am Ende ihrer Kraft. Tagsüber hatten sie sich in den Steinbrüchen aber in Granatlöchern versteckt gehalten, um nach Anbruch der Dunkelheit den Marsch zur vordersten Linie anzutreten. Zuletzt waren sie im Durcheinander einer Ablösung auf den Spuren eines französischen Bataillons nach vorne gekommen, hatten unbehelligt die vordersten Linien erreicht, und waren zwischen zwei Schulterwehren auf die Deckung geklettert, um dann langsam, unter dem Drahtverhau hinweg, ins Niemandsland zu kriechen. Zum Schluß wurden sie noch entdeckt, als sie schon dicht vor dem deutschen Graben waren, ungefähr am Schnittpunkt unserer Bataillonsstellung mit der des Nachbarregi- ments Die Franzosen sahen die Bewegung im Gelände und forderten Sperrfeuer an. Wahrscheinlich hatten fie die Nerven verloren, bei der unheimlichen Ruhe dieser Nacht, und vermuteten einen deutschen Patrouillenvorstoß. Die drei Rückläufer wurden nach Beendigung des Feueruberfalls sofort französischen Heer weiß doch, roorur teidigt seine bedrohte Heimat. Was Jahrelang habe ich mich mit der Meuterei der französischen Divisionen am Damenweg beschäftigt. In der Mitte des damaligen Geschehens steht Gegners neidlos an. , Wir, di« Feldgrauen, achten Poilus und Tommies, in ihrem opstw willigen Einsaß. Und wir wissen genau, daß heute die hohen Leistung«!« unseres feldgrauen Heeres auch bei seinen ehemaligen Gegnern ancrkenM werden. Damals, im Jahre 1917, führt« die planmäßig genährte Unt«r schätzung des Feindes zu jenen bitteren Enttäuschungen, die den Po«" erschütterten, als er, trotz des gewaltigsten Trommelfeuers, das je ul« die gemarterte Erde himveggebraust war, den feldgrauen Gegner iw überrennen konnte. Dem französischen Infanteristen wurde ganz plötzlich die ernüchterns! Erkenntnis, daß der deutsch« Soldat and«rs war, als ihn Zeitungen »» Witzblätter hingestellt hatten, nicht ein gefühlloser, sturer Gehorsam kadaver, sondern ein opferbereiter, nimmermüder Sohn seines Volk«- Man hatte dem zum Sturm schreitenden Poilu einen leichten Sieg sprachen, über die zermalmten deutschen Divisionen hinweg, und wa wagte der Gegner noch Widerstand. Nicht genug! Er schritt bald |elH zum Gegenstoß. Das war Verrat! Man hatte den Poilu belogen, ihn nutzlos geopfert Nicht genug! Beim Gegner, der planmäßig erschüttert und erledigt st" sollte, war noch alles in Ordnung, während beim Angriffsheer manchs auszusetzen war, zum Beispiel der Sanitätsdienst, und die Lebensmut«! Versorgung, und der Nachschub, und das Drückebergertum, das gar W Blüten trieb. Ja, wer war da schuldig? „Nur einer, Nivelle, der Oberbefehlshaber!" schrie der um fcinm Tapferkeit. ... Verdun, wo Nivelle einige geschwächte Truppenteile in einem Tuchtfeld, das sowiefo aufgegeben werden sollte, mit feinen frischen Xrupp®' überrumpeln konnte, war kein ehrlicher Maßstab. Nach Tagen und Wochen fand das horizontblaue Heer seine ehre wieder. Es hat vielleicht heute noch nicht erkannt, daß C9 seinen Führer zu Unrecht schmäht«. Schuldig war nicht er, der Gene» > sondern nur die üblen Stimmungsmacher. Hüben aber das Frontheer im schlichten Feldgrau nahm auch hin ein hartes, unerbittliches Schicksal geduldig auf sich und blieb nocy seinen Trümmern von vorbildlicher Disziplin und eiserner Tapferkeit. (Fortsetzung folgt.) Frontnacht. , . ... „ « „Da drüben, beim Franzmann, soll 5 nicht mehr stimmen — - hieß es. „Da haben ganze Divisionen gemeutert, da sind die Regimenter mit der roten Fahne aus den Stellungen marschiert. Die wollten Schluß machen mit dem Krieg, so oder so. Das französische Heer ist müde-- Wer behauptet das? Unfug! Meutereien ganzer Divisionen? Unglaublich unmöglich! Man möchte lachen, nur lachen, weiter nichts! In Rußland ist so etwas möglich, jawohl, in Rußland! Ader nie in einem hochkultivierten Land wie Frankreich! Der einfachste Soldat irn deutschen- und französischen Heer weih doch, worum es in diesem Krieg geht. Jeder verteidigt seine bedrohte Heimat. Was weiß der russische Muschik vom Ziel des Krieges? Seine Heimat liegt vielleicht tausend und mehr Kilometer vom Kriegsschauplatz entfernt. Niemals wird sich der Kampf bis dorthin verirren, in jene Einöden. Diese Heimat scheint nie gefährdet Es ist also schwer, dem Muschik glaubhaft darzustellen, daß er an der Front seine Heimat verteidigt. Warum soll er denn für etwas, das er nie begreifen wird in einen endlosen Krieg marschieren, selbst nur ein Atom, ein mm« Siges Schräubchen in der mächtigen russischen Dampfwalze, in jener Walze, die eigentlich nie richtig ins Rollen gekommen ist! Aus diesen und vielen anderen Erwägungen heraus ist's kein Wunder, daß die Russen plötzlich nicht mehr mitmachen wollen. Aber die Franzosen?! Nein, Meuterei beim französischen Heer war ausgeschlossen, dafür besah doch der Poilu zuviel Vaterlandsliebe und zuviel soldatische Tradition. Das Gerücht von einer Meuterei im französischen Heer hielt fiep bet uns nur wenige Tage. Zu toll, um wahr zu [ein! Keine Spur von Mog- bie tragische Gestalt des französischen Oberbefehlshabers General Nivelle. Kein Heerführer des Weltkrieges wurde fo oft und fo verbissen angegriffen. Viele Geschichtsschreiber haben seine Taktik verdammt und ihr allein : die Schuld an den furchtbaren Disziplinlosigkeiten von Mai und Juni: I 1 Im" iwrstege nden Tatsachenbericht erscheint Nivelle so, wie ihn ein: deutscher Soldat aus jener wilden Kampfzeit nach dem Studium vieler Quellen sieht. Die verpönte und als untragbar verschriene Taktik d«» Feldherrn Nivelle war richtig und mußte eigentlich den glanzenden Sie, an Frankreichs Fahnen hesten. Die große Tragik des Feldherrn Nivell- war nur daß seine Gegner deutsche Soldaten waren, an deren Zähigkeit und Opfe'rbereitschaft der wundervoll erdachte und glänzend ausgearbeitete Plan einer unerhört hestigen und gewaltigen Durchbruchsschlacht scheiterte. „Ein Jahr später Hal Marschall Fach die deutsche Front durch klein«, heftige, überall geführte Hammerschläge zermürbt und die seldgraii« Mauer zum Weichen gebracht", erklärt die französische Geschichtsschrei. buna Nein, nicht Fach allein! Damals war Amerika aus dem Plan. Amerika mit einer Million frischer, kampfgeschulter Soldaten, die de, Krieg als „verdammten Kirmesrummel" bezeichneten und mit jungenhafter Neugier, gleich beim Betreten europäischen Bodens, fragten: „No, wo habt ihr sie denn, diese lächerliche Schießbude?" Solcher Uedermacht, solchem Material, solchem Uebersluß, selbst oben ohne kräftige Lebensmittel, ohne ausgeruhten Ersatz und reichliche JRii- nition, war das todwunde deutsche Frontheer nicht mehr gewachsen. Unbesiegt durch Wasfen, nur von Hunger und Uedermacht erdrückt, zog e« sich langsam, in steten Kämpfen, planmäßig in Aufnahmestellungm zurück. Nicht die kleinen, zahlreichen Hammerschlage Fachs die unentwegten, nimmermüden Teilangriffe auf ganzer Frontbreite hatten allein die Deutschen aus ihren Stellungen verdrängt. Die Fochfche Taktik kann,, keinen Durchbruch. Ihr fehlte das Großzügige und Gewaltige ber Nwell«- eben Pläne. Fach zermürbte einen zahlenmäßig unterlegenen Gegner, ttn ungleichen Kamps von Menschen, Maschinen und Matenal ohne Enf gegen Menschen allein. _______ r .. ... Nivelle aber wollte den brutalen, rücksichtslosen, mannt,chen Durchbruch, den Krieg im weit und breiten Feld. Soldatischer war Nivelle! Deshalb ist sein Schicksal um so tragischer. Mit einem anderen als dem felbgrauen Gegner vor den Spitzen seinm Bajonette und den Mündungen seiner Geschütze hätte Nivelle unfterblia) Lßenn die Fahrensmänner zwischen Kap Horn und Haparaudaden »men Flanagan hörten, dann wurden sie still. Er war ein Zw-izentner nm, schwarzbehaart wie der Teufel und breit wie der Schrank, der m kiier Kajüte stand. Er trug immer einen steifen Hut, ob er gerade in der Sch-Bay fuhr oder an den Midway-Jnfeln herumkreuzte, emen hübschen stz arzen, steifen Hut, mit dem ging er auf der Brücke auf undi abund s!li,te. Nur wenn er mit den Dreiminutensluchen anfing und rote Adern hals kriegte, dann nahm er den Hut ab bis sein ^utansall herum *- Die verwegensten Seemänner machten einen Bogen um 'hn. und Ul der eiserne Jim wurde bescheiden und artig wie em Kmd, wenn Uiagan in der Tür stand. f Las alles wußte Mister Smith nicht. MKifkr^Sickch stand"schon seit drei Wochen in den Slums deiOstseits Bet Manhattan herum und versuchte blind aus em Sch'ltöukmnmen. Marei war er dreimal ins Wasser geschmissen, siebenmal »«rpruge t wor- M' und hatte ein Ohr im Laderaum der „Vulcama gelassen, als man dort an die frische Lust bat. Mister Smith dachte daß er etzt woh Mnug bezahlt hätte und nun eigentlich ein Recht darauf befolge, unbemerk |l« Bord zu kommen, um als blinder Passagier mich Kuba zu.fahren .'! dachte er, und daran erkennt ein befahrener Mann, sn^unorf Büschen von Mister Smith beschossen war. Eine FahrtvonNeuyork Ich Havanna ist mehr wert als das Ohr emes armen Mannes so viel Bteilt fest. Mister Smith war dünn und kläglich anzusehen, er war die ln bsal in Person, und seine Schultern hingen. h. < Tnrhter Dieser unglückliche Mister Smith hatte eine Tochter, und diese Tochter dünn und blond und frisch wie eine Pr.se Seewind, wenn er um d,e Bit "in Sckiif für uns, was?" Und Paula hielt die Hand über bk Aug n ,i;»> betrachtete den Frachter, der sauber und frisch >m Rai lag. Unser unglücklicher Mister Smith hatte ein Herz für seine Tochter uno f törichtes Köpfchen, sonst hätte er wenigstens nach dem Namen des Uitäns gefragt. Und hätte er gefragt, so hatte er von einem raf M ® ts gehört, und er wäre mit seiner Tochter nie anBord 99 3 snau[a 1!? tat er nicht. Und als es Nacht geworden war, kletterte Bei ne Angewandt über die achtere Stahltrosse an bas mcr sch. B spähte sie nach der Wache, aber es war niemand zu |epen. aijo B Ol»tte sie dem zitternden Mister Smith, der in semem g - ' sy^rter ■ Schatten einiger Fässer stand und mit den Zahn n wackelte. Mister B °nith glückte es mit vielen Schnaufern ebenfalls, bis c,otenbein 1 klld zu klettern. Hier schnitt er sich in die Hand riß s'ck e n Hofenbe^^ B U verlor fein Hütchen und rollte kläglich an Deck, wo Paula r sch I Xw SSÄ beiden an der Schanze liegen und^beobachttten ' l Deck. Als sie schließlich sicher waren, daß sie ungesehen nach i ^eictjen konnten, liefen sie lautlos wie zwe, Schatten auf das 1 Ick st, ■ 0: He in den Kettenraum hinabkletterten. „ «jeder bann B Keuchend warfen sie sich aus die öligen, nassen Kettt Rtretär- I “täten sie sich ein geschütztes Plätzchen, indem sie »n Licht eines Stteicy Holzes herumtasteten und schließlich im Hintergrund eine Ecke fanden, in der man sich verbergen konnte. Sie hatten zwei Brote, eine Büchse Fleisch und auch eine große Flasche Milch eingepackt, aber sie ahnten nicht, daß der Kettenraum der gesährlichste Ort für blinde Passagiere ist, denn wenn die Ankerkette gehievt wird und hereindonnert, so hat sie fchon oft einen unglücklichen Mann erschlagen. Ja, es ist schon vorgekommen, daß der Maat an der Ankerwinsch beim Fieren der Ankerkette ein dummes Gesicht machte, weil die Sette so sonderbar aussah. Und wenn er sie genau betrachtete, so war die Kette rot. Und sie war rot vom Blut eines in der Finsternis erschlagenen Mannes. Das alles ahnte Mister Smith nicht, und erst recht nicht die kleine Paula, die sich in die Ecke gekuschelt hatte, um zu schlafen, denn es war gegen drei Uhr und die Zeit, wo der Mond über Hoboken untergeht. Mister Smith saß geduldig auf der Kette und überlegte, ob alles richtig getan worden war. Es war sehr still in der Kettenkammer, man hörte nur von draußen das Schlagwasser, und hier drinnen hörte man die kleinen, vogelhasten Atemzuge des schlafenden Mädchens. Zur selben Zeit hatten die Heizer die Kessel aufgemacht. Die Saäelute wurde gedichtet und alles klar gemacht für die Abreise, denn um vier sollte das Schiss oblegen. Kapitän Flanagan rannte auf der Brücke umher, und er hatte schon zweimal den Hut abgenommen, und dreimal hatte er sich nach Natie, dem Jungen, umgeblickt. Es lag Sturm in der Luft, so viel war sicher. Drüben über der Back- bordjeite sah man von der Brücke aus den brandigroten Himmel des großen Neuyork, in den die Tausende von Wolkenkratzern hineinstteßen, am höchsten die Nadel des Empire-State-Building. Hier an Bord jedoch sah niemand hin, hier arbeitete jeder Mann, um mit der abziehenden Flut den Atlantik zu gewinnen. _ . , . .. . , ... Ties im dunklen Kettenraum aber sah Mister Smith und zündete sich eine Zigarette an. . .. ,, . Schön, so im Dunkeln zu sitzen, nur bas glimmende Zigarettenende leuchtet gemütlich. Aber sonderbar, die Zigarette riecht etwas brandig. Mister Smith versucht im Dunkeln zu erkennen, woran es liegt. Er chnuppert nachlässig umher. Ach was, er wird sich geirrt haben. Bald wird der Dampfer abfahren, bald werden die Maschinen anfangen zu arbeiten, und dann geht die Reise nach Kuba, mit einem blinden Passagier im Kettenraum und einem kleinen schlafenden Mädchen. Es ist schon zu leben, denkt Mister Smith. ~ . ... Da schnuppert er schon wieder umher. Teusel, es rieckst wahrhaftig etwas brandig hier unten. Was ist es denn bloß? Es vergeht eine Zeit und die Zigarette ist zu Ende. Mister Smith drückt sie sorgfältig aus. So, jetzt wird er sich ebenfalls >n die Ecke legen und ein Ende zu schlafen versuchen. Und er legt sich neben das ttef atmende Mädchen und versucht einzufchlafen. Aber es wird ihm >m Halb- 'chlaf plötzlich klar, daß er hier unten im Rauch hegt. 3a, ber •Setten» raum muß voller Rauch fein. Und der Rauch riecht nicht fo hübsch harmlos wie der einer Zigarette, nein — er riecht böse und gefährlich uno erstickend! Es riecht nach Brand! m Und plötzlich ist Mister Smith hellwach. Um Gottes willen, wenn es hier vorne nach Rauch riecht, stimmt etwas nicht, das ist klar! Es brennt "^Mister Smith rüttelt seine Meine Tochter Paula, die schlaftrunken hochfährt. Das Mädchen Paula reibt sich die Augen und gähnt und begreift erst allmählich daß sie in einem dunklen Settenraum hegt. Aber das erste, was sie sögt, ist: „Es ist ja so rauchig hier. Pap!" Und der Baier hustet, und die kleine Paula hustet auch Und der Vater sagt: „Komm, steh auf, wir müssen rasch weg. Wir schleichen an Land, bas Schiff brennt irgendwo!" Als sie beide versuchen, durch das Oberluk an Deck zu klettern, zupft die kleine Paula ihren Vater am Aermel und flüstert: Aber wir müssen das doch dem Kapitän fa«m daß es brennt! „Das geht nicht, Kind, bann geht es uns schlecht! 'Nein, wir müssen es ihm sagen, sonst brennt das Schiss ab Miskr Smith war nie ein mutiger Mann gewesen, aber jetzt denkt er noch und dann Heftern sie beide an Deck, Mister Smith unb das kleine Fräuleck Und sie verbergen sich hinter der Winfch. Nicht weit von ihnen ist eine Bohle, die an Land hinunterführt, das ist die Rettung. Aber sie laufen nicht die Bohle hinab, die beiden, sondern sie warten, bis em •junger Matrose pseisenb an ihnen vorubergehf. Da zupft ihn Mister -» gjj« oor sich im fahlen Mondlicht einen bleichen Mann hinter der Wmsch austauchen, der zitternd hervorstößt: ®as6 jegf1 g"sch^'ging rasch. Natie rannte zum Kapitän Flanagan, her foFort die chafenseuerwehr alarmierte. Und während die donnernden Jeu rwaaen hernnbrausten, wurden Mister Smith und das kl-.ne Frau- stin ^ula auf die Brücke zu Flanagan geführt, der duster und r.esig Passagiere, ins Wasser schmeißen sollte man °^Mitt^r Smith "im gelben Mäntelchen zitierte wie nie in (einem Leden. mnn hnoon dachte er, und das kleine Fräulein begann zu heulen. Jlanaaan holte jetzt zu feinen Dreiminutenflüchen aus und nahm den steiftn Hut ab^ Man sah fogar die Adern an feinem Hals bedrohlich an- '^^ vlötllick wandte er sich ab, als ein Feuerwehrmann zu ihm trat unb £ Äte, Ml das g'eu’er gelöscht fei. Das Schiff fei gerettet, weil “’ÄSVÄ TaSn'sianW« 1» ndn.n M« Smith um und knurrte: r beibe bleibt un Dort) bis Sfuba 'Vjr helft Ole[rf)lrr spülen John» Mfter Brücke fon lull <-urt) eure Koje zeigen. Dun ft " (Es Ist nort) nie oorgekommen, ba|) Flonagan „banke" gesagt hat. Und es ist and) nort) nie uurgelunnnen, das» Mister Smith uon einem Srtjlsss- kurt) < in herrlirtns Abendesten uns ben Tisch geletzt wurde Und al» Mister Vmith unb die kleine Paula In Havanna von Bord gingen, winkte die ganze Besatzung von der Reling herunter. Smith war gtllcklick), die kleine Puulu strahlte, und oben aus der stand der grobe Flanogan und luchte. Ja, bas ist vorgekoniinen. Oer tebknöe (Kchöppe. Bon Friedrich Rückert. In Obern hält man Hvehgericht lieber Heben und Wul, Zwölf Vtühle sind Attgerichs Für die zwöls Schöppen gut. (Eise lind gekommen, Hon ihre Stüht eingenommen. Der zwölfte Stuhl bleibt unberührt, Niemand braut sitzen bars; Denn'der Schöppe, bem er gehört, Ist ans Abermannedorf; Aber Abermannsdorf ist versunken, Setn Srt)öpp hött OJerirtjt bei ben Unken Da reitet von ben elfen Ein Bote hinaus zu Rost, Der ben fehlenden zwölften Hereinlaben must. Der Bot behäit's Rost am Zügel, Den linken Fast im Bügel. Wil dem rechten Fast dreimal Siampst er ans ben Olrnnb, Hub den Schöppen dreimal Rnsl er mit lautem Mund; ,JJu Obern Ist Schäppenarricht, Schöppe, uerfäume blrtj nlrljlr' Da wird es unter her (Erbe laut Bon furchtbarem Vietas, Der Bot nicht vor- noch rückwärts schaut, Sandern springt aus sein Rust Und must schnell fort süh machen, Sansl i>er(rt)lhiflt ihn der Erbe Rachen. Maueriiiihibe ui Den Berge«. Bon Joses F r I e d r I rt> P«r k o n I g. Streife deine Schuhe ab an der steinernen Schwelle unb tritt ein In ba» Bauernhaus, e» wirb blrtj sogleich die kühle Laube umfangen, laut kunmil der Hall deiner Stimme zurück von bem altertümlichen Gewölbe, unb ob du aus Holz gehst ober Ostrich, aus Stein ober Kotzenküpfen, du wiist immer svüren, das, bn in dem Hanse eines Herrn bist, mag er nun viel ober wenig an irdischem Gut besitzen, er ist ein Herr seiner Familie, ein Herr von Knecht unb Magd, er trügt einen ehrwürdigen Romen weiter zu seinem Sohne, dost die Schnur nicht obreistt zwischen Ahn und O nkel tileileirtjt wird dich der marine Duft bes Rauches empfangen, der von einem Feuer, einer Oil ul kommt, um dich für alle Übrigen Dinge be» Hauses za begriisten, vielleicht Irlilst du im Herbste hier in dem iSIiii zu den Früchien der Werter, Hügeln von Maiskolben und Rüben, Aevseln und Rüssen, unb es sind In einer Orte ble Kürbisse gehäuft, gDibgeto, liiubgrün und sntininnnnisniinn. n« nnnhiesi bu wohl ein wenig bei den Boten des nledersteigenden Jahres verweilen und von dem Bauern vernehmen, wie er hauset liiinltleii von Tieren, Frürtjlen und Dingen. Sieh um blrtj, und du muht nirtjl erst Bauersleute und Gesinde fragen, deren Uhr weiterlüuft von Augenblick zu Augenblick, und Ist aurt; nur einer versüumt, bringt ihn keine Rene, fein Wunsch wieder zurück. Hier aber ist bei Herd, der Tisch, die Bank, die magst du fragen, ble • wissen dir zu berichten Der »rgrostoater mit dem Irtjneeiuelfjen Haar ist lang gegen sie, sein 11runter war noch nicht geboren, do schnitzte ein Messer die sthlonke Johrzohl in den Trainboum und bas Zeirtjen der heiligen drei Könige C M B, an einem abjeiligen Ort vielleicht auch »In I...... merk......dige Zeirtjen, rtrirtje gekreuzt, Striche gewinkelt, nie» inund mehr weist, was sie bedeuten, und es mag sie ein völlig Ahnungsloser wohl für ein ileberbteibsei eines verspielten Messers ousehen, wenn Htm nicht ein Kriuzkopf eine seltsame Runde zuraunt. Bom Aller ist der J rumbaum dpnkelbrouu geworden, hat Ihn nun das Schnihmeffer geschmückt oder her Malerpinsel, es hü Ilgen unsichtbare Gedanken an ihm, Gebete und Flüche, denn unter Ihm, In der grasten Stube, lügst ein gutes Teil des Lebens ab, der lei je Hall der Riten steigt zu ihm empor, unb bas Uhrwerk des Bauernjahre» klapst unter Iljin. Hier In der Stube standen Brautwerber und Hochzeitslader, hier wurde ein Handel elnneleltet ober abgeschlossen, ein Rind träumte In der Wiege, in sein Harles Dasein hinein, und ein Olrel's sonn sich an dem Kachelofen in den Tod Richt umsonst sind Herdstatt und Tlschwiukel heilige Orte wo dos Feuer Jlüflert und ein frommer Mund, wenn er anderen den Rosenkranz vorbetet. Du magst in Haus und Stall und Tenne treten, wohin Immer es dich drängt, ein guter, ein böser Geist Ist vor dir w bäuerliche; Ji In In j -i ...... Il IH « II Hl II. R In t! ii seine Borbitder gehabt Ehe er sie feit der gotischen Zeit mit Holz an> täfelte, ehe er die Möbel bemalte unb Zinngefchirr benützte, hat es ihn der adlige Herr auf der Burg und der bürgerliche Herr in der Stott vorgemacht. Unb bis zu dem letzten Bauern hinunter reichten diese GB bräuche überhaupt nicht Die Armut erhielt ihn echter und bäuerll", , erbljaft unb ursprünglich. Der Irdene Krug ist sein Gesäst, der nacku Winket mit bem Heiland auf bem Kreuz ist seine Hauskirche. Es söhnt ber Teusei auch den Bauern auf ben Berg unb zeigte ihm alle Herrlich kett bet Welt (Einige Abtrünnige fielen vor dein Teufel auf die Kni unb beteten Ihn an Das hindert uns nicht zu jubeln: Der Bauer II ftandhakt geblieben. (Es ist stets ein guter Engel um ihn, und er hat es in einem frtjmerni, mitunter gefährlichen tieben wohl nötig, feine Frömmigkeit bewahrte iijli vor Unbill und Irrtum, aber er hat Gott nicht nur auf seinen tiippei und In feinem Herzen, er umgibt sich mit seinen Bildern und ben W bem seiner heiligen Helfer, stünden sie nun unter Glas ober wären ft un ble Hauswand gemalt, In tätlichen Gebeten nähert er sich ihnen ar Gichtig, und geweihten Gegenständen gibt er ein Obdach. So ist toi Bauernjahr gleichsam durchtränkt von bem religiösen Kult, unb ble|«t wieder verbräm! von weltlicher Zutat. DaoBerhättnis zwischen Himmi und (Erbe ward oft genug vermenschlicht, sonst wäre ein Borschlag niifi möglich, wie er In einem Spruche aus bem Jahre IH14 ausgesprochen worden Ist, einer bitteren Zelt wohl, wo viele Zweifler unterwegs n* wesen sein mögen, den guten Glauben zu zerstören. Aus einer Mehttrch! sieht zu lesen: „Herr Gott last wachsen vll Korn und Wein, So toerbn wir fromm und zufrieden fein." Warum, dachte sich wahrscheinlich tei Maler ober fein Auftraggeber, worum soll man nicht auch einmal nti dem Himmel ein Geschäft machen? Bon bem Irdischen hinwiederum fortgewendet ist ein anderer ’titri auf einer Kleidertruhe: dort gewesen, und er wart» von den Hausleuten längst schon angebfit ober verdammt. So früh du zu kommen scheinst, bu kommst dennoch immer zu |pu, bezähme deinen Hochmut, vor dir sind Hunderte bagewesen unb hadq eine geheime Spur ihrer Gegenwart Hinterlasten. Mist die Zellen niq mit ber armseligen Spanne deines Hebens, bu wirft schmählich unlei. liegen, denn siehe: nicht wenige bäuerliche Geräte, Dreisust unb tfeue» bock, Kessel unb Kummet, Sense und Sichel, sie sind buchstäblich jch» tauseubhast. Rur weil dem Bauer so unendliche Zeit gegeben wat, konnte In «eben langsam wachsen zu einer edlen Frucht, öle uns spät bezaubei durch einen seltsamen Gehalt, in dem wir alle Bitterkeit und Sich dieser Welt zu svüren vermögen. Dies Ist das Wunderbarste an bei Wachstum: In Ihm wledecholl sich die sinnvolle Zucht ber Natur; u fehlt auch nicht ein einziaes Glied in der langen Kette, die durch de Jahrtausende geht, und jo brauchen wir die feierliche Ordnung du Dingen unb Werken Im Bauernhaus nicht zu bestaunen, sie konnte nlch anders fein. Der Bauer hat, als er feine Stuben mit Hausrat anfüllte, natürll „Sorg nicht allzusehr für mich. Denk viltnehr auch an blrtj, Denn All' da», was bu je besessen, Werden dir einst Motten fressen." 1 ■i 'di IW Ich mag nlt mehr alleine schlosst 61t mich tut meine Liebst angofst l en en." Ifl li I III» Hast du nie einen stillen Seufzer In einem dunklen Hause gehörig Einen Wohllaut wie von einem bedrückten Herzen? Die törichten Men schm hoben ble heilige ,(eierftalt, ble Ruhestatt, die Werkstatt gefrtjänM’ do kann der Hausgeist nimmer verweilen unb er nimmt Abschied. sprach DI), dos Ist ein Möbeln, die nicht wollen, dost bie Menschen von iiji bas tjortjgeiürmte Broutbelt nicht wie ein Thron und H< । IM Hi;., Ii>'; Die bäuerlichen Dichter mögen es einmal nicht leicht geljabl ljabn>, al» man ihre Gabe erspürt hotte und sie nützte, reell bie gereimte Inschrift eine Mode geworden war, role zu einer anderen Zeit gcmaltl' Blumen und buntes Gerank, Ornamente und schöne Buchstaben in vieles« Zierat. Wenn sie auch mit erdigen Fingern mühsam den Gänsekiel je.' führt hoben mögen, ja, wenn sie ihre kleine Dichtung dem Maler nur mündlich roeltergefagt hoben follien, das Herz und die Weit haben dies Didjter gleichwohl ausgeschöpft: da lieft man an einem Brautfästchen in Gumpvldsklrrtjen. „A Weibl ohne Monn, o mein, ist grab [o rolas Fafsol öiljnl Wein." Und an einer Presse: „So Ist ble Welt elngericht, vll Bltit und wenig Frlirtjt." Wenige Jnschristen aber haben, so dünkt mich die herbe Sliste de» Sprnckjes an einem Himmelbett: öel zur Dämmerung in so einer Bauernstube allein, sanft leuchtet dn Srtjnee zu den Fenstern herein ober ein letzter Abendglanz des Sonnen Himmel», unb bu wirft ble (elfen Tritte des Hausgeistes oerneljiuetn wenn er vom Keller zum Dartjboben emvorfteigt und tuieberfeljri. ÖH verweilt an der Truhe, ein Borvater hat sie rot, grün ober blau beinah er verweilt an dem llljrhvften, nirtjl zum altväterlichen Zisserubialt hin' ans, ja, auch ein Uhrengesicht hat seine Runzeln, und au bem Schrani verharrt er gar lange. War es nicht vor diesen gelben Sonnenblumen! vor dem roten Mohn und ben grünen Halmen, reo ein Jüngling b<» Geschlechts, bos nun seit drei ober vier Jahrhunderten in diesem Hous»! wohnt, leinen Arm um ein Mädchen legte und etwas In sein Dl)ii fprartj Dl), do» Ist eine wunderbare Liebe inmitten von ehrivürdigei« Möbeln bie nicht wollen, dost die Menschen von ihnen (ortflerben. 31' do» ljodjgetürmte Broutbelt nicht wie ein Thron und bie Wiege ein ein • geschrumpfter Sarg? Die Slupe will nirtjl sterben, ber Hausgeist fd)är|i dein 01) r, da st bu bas alte Blut in den Adern der Leute brausen hörji: Hub es fitzt auf einer Truhe wieder ein Junges Paar, Mund an Dljr ober Mund au Mund. Seid getrost, ihr toten, euer Name wird nldjl erlöschen. । tzan» ThyNot, - Druck und Beklag: Brühljch, Untverlttatsdrurteret B.tiange, Gtstzra.