Nummer 37 Montag, den 15. Mai ihrgang 1939 m Hände zu legen", sagte er. in k jen,i iremj' ine ttN en, Hrlk -hch Ü*! jer ?■ bet W Dergestalt fuhr der König über Meer, ich mit meinem Briefe nach Üindon, und der war keine leichte Bürde, das dürft Ihr mir glauben. Oi ich auch im Gehorsam meines Herrn gehandelt, war mein Gewissen jdjroer bedrückt, und hatte ich eine heilige Furcht, vor den Kanzler zu Men; denn dieser muhte jetzt die wahre Ursache von Gnades Untergang O oitil'" in i# ti3’! -ie» be-'k 1«!* h % <■ - s x 4 Mir wurde ein Anblick, der mir das Wort auf der Lippe bannte und den Atem in die Brust zurückdrängte. Ich schaute in das Halbdunkel der Burgkapelle. Aber da war kein Kruzifix und kein ewiges Licht, und statt eines heiligen Leichnams unter dem Altar lag in einem Schreine vor demselben, ebenso reich geschmückt, die tote Gnade. Ein Lichtstrom, der durch das einzige, hach gelegene Fenster sich ergoß, beleuchtete ihre überirdische Schönheit. Ihr Haupt ruhte auf einem Purpurkissen und trug ein Krönchen von blitzendem Edelgestein. Der zarte Körper verschwand in den von Goldstickerei und Perlen starrenden Falten ihrer über die Wände des Schreins ausgebreiteten Gewandes. Die kleinen, durchsichtigen Hände lagen auf der Brust gekreuzt • und hielten keusch den schwarzen Schleier ihres Haares zusammen, der vom Scheitel fließend die zarten Wangen einrahmte und, die zwei Wunden des Halses bedeckend, sich unter dem blassen Marmorkreuz ihrer Arme wieder vereinigte. Neben dem lieblichen Todesantlitz aber lag ein anderes hingefunken, von demselben Sonnenstrahle gebadet, lebloser und gestorbener als das der Leiche, ein Antlitz, über das die Sterbenot der Verzweiflung gegangen, und von dem sie, nach getanem Werk, wieder gewichen. Es war der Kanzler, der mit zerrauftem Haar und aufgerissenem Gewände . neben Dem Sarge lag, die Arme auf den Rand desselben stützend. Lautlose Stille heischte. Nur ein Laubgeflüster regte sich im offenen Fenster, und leichte Blätterschatten tanzten über das Purpurkissen und die beiden Angesichter. " . Ich . weiß nicht, wie es geschah, daß mir in btejer bangen Stunde das maurische Wesen in Granada durch den Sinn fuhr. Ich erzähle Euch eben die Sache, wie sie war. Was immer es fein mochte, die Einflüsterung eines lichten oder eines schwarzen Geistes, ich wurde getrieben, in arabischer Zunge einen Vers des Korans auszusprechen — Gott der Heilige rechne es mir nicht zu —, der Anblick Der erblaßten Gnade mag mich an das Paradies der Ungläubigen und feine Engel erinnert haben. — Der heidnische Spruch aber lautete so: ,Schön sind sie und lieblich, ja, sie sind schön wie Lilien und Hyazinthen. Sie senken die Lider, und ihr reines Antlitz hat Die Blässe des Straußeneis, das im Sande wohlgeborgen ist." . Kaum war der Spruch meinen Lippen entfahren, fo ging mit dem Gesichte des Kanzlers eine Veränderung vor. Es glitt eine Bewegung Der Freude und Liebe darüber hin. Er wandte sich langsam zu dem, der ihn mit diesem Koranvers getröstet hatte. Ich nahm Den Augenblick wahr, nahte mich ihm, -bog das Knie und überreichte mit banger Furcht den königlichen Bries. e Eine Welle brauchte der Entrückte, sich in diese Welt zurückzufinden. Nun wurde er Der Drei Leoparden Des königlichen Siegels ansichtig — die Hand, in welche ich Das Schreiben gelegt hatte, zuckte, wie von einem Skorpion gestochen, und schleuderte es in heftigem Schmerze voll sich Gleich einem Manne, Der auf der Folter liegt und unsagbare Qual erduldet, verzog er seine ebeln Brauen. Die vorwurfsvollen Augen richteten sich auf mich, und in ihrer Tiefe entglomm eine Flamme, grausam und gramvoll wie die Hölle. Dieser Blick traf mich mit Der Gewalt eines Wurfgeschosses, ich entsetzte mich in Der Seele und floh ohne Urlaub von bannen. Siebentes Kapitel. Nun erschreckt Ihr, Herr, unb vermutet, zu dieser Stunde sei die Feindschaft ausgebrochen zwischen dem König und Thomas Decket — Ihr würbet irren. Eine Weile zwar mieben sie einer bes anberen Atem und Angesicht; doch 'in begründeter und ungezwungener Weise, weil Herr Heinrich jenseits des Meeres mit dem Kapetinger in Fehde stand unb ber Kanzler inzwischen in Engelland die Staatsgeschäfte besorgte. Denn ber Glaube meines Herrn an bie Weisheit unb Treue bes Kanzlers blieb unerschüttert; ja biefer Felsenglaube war Überhaupt nicht ins Wanken zu bringen. Und seinerseits nahm Herr Thomas nie williger jede Bürde der Arbeit und Feindschaft auf sich, die ihm aus feinem Eifer für die Größe des Königs entsprang. . Er hatte Damals keinen leichten Stand, Da er zum Vorteil Der königlichen Rechte mit ber vornehmen normönnischen Pfaffheit angebunben unb sich verbissen hatte. Ihr kennt diese Händel, Herr, benn sie wuchern überall In Engelland waren sie aus den unmäßigen, von dem Eroberer an die'bischöflichen Stühle geknüpften Vorrechten erwachsen. Nicht nur, wie auch anderwärts, Händel von Pfaffe mit Pfaffe wurden den königlichen Gerichten entzogen, sondern auch der von einem Pfafsen geschädigte Laie mußte den Geschorenen vor dem geistlichen Richter suchen. Da nun — in aller Einfalt geredet — keine Krähe der anderen die Augen aushackt, blieben, schwächere Dinge ungerechnet, psäffischer Totschlag und Weiberraub ohne Ahndung, oder, schlimmer noch, wurden so sanft bestraft, daß es einem bösen Scherz glich und die ungedämpfte Brunst Der Geschorenen immer weiter um sich griff. Darüber ergrimmte mein Herr und König, denn er war im gemeinen II * 8», N I* ¥ * W N ls «!. G n |S lief- idtli; tkte NI II! 156 Ms Licht gezogen haben. ,,, , In London, wo ich ihn zuerst suchte, war er nicht. Auf welchem seiner vielen Schlösser er sich befinde, konnte oder wollte mir sein siidtisches Gesind" nicht sagen: ich hatte es auch nicht notig, Denn ich tw&te es. _ . Auf einem frischen Pferde jagte ich am hellen Tage — was war noch |u verbergen? — denselben Weg, den ich oft genug in Dammer und Avndlicht gemacht hatte. Der klarste Himmel schimmerte über den gelben & umtronen unb zwischen den hier und Dort schon entlaubten Zweigen. Das Herz pochte mir wie ein Hammer, als ich das schimmernde Ä)läßchen erblickte und, vom Pferde springend, die sonst so wohl vergossene Pforte offen stehen sah. Kein Türhüter fragte nach meinem 8 zehr. 3m Burghof war es still, nur der Wind flüsterte in den immer= Jt inen Zweigen des fremden Holzes, und der Springbrunnen spielte stilschernd mit seinen goldenen Kugeln. , . Ich hielt den Fuß an, mich nach einem lebendigen Wesen umschauend. D- ward ich eines Weibes gewahr, das an der Gartenmauer vor einem ta cingefügteii Heiligenschreine kniete. Sie hielt das Haupt in beioe h> ade versenkt und bemerkte mein Kommen nicht. Ich aber berührte Donna Lisa hart an der Schuller. Sie wandte sich erschrocken und starrte sdch mit von Tränen geröteten Augen an. Dann bedeutete sie Mich nm di-den Händen, schleunig zu entweichen. Da wies ich ihr den -Brief Jiitii verlangte, als Bote des Königs, unverzüglich vor den Kanzler ge- ®»rt zu werden. _L , . Zitternd, aber ohne Widerrede, stieg sie die Stufen zu den gelblichen eitlen des Kuppelbaues mir voran und öffnete Die Tur: ,Sie liegt m Kapelle — ich habe sie noch geputzt wie eine Königin, sagte sie Achtsam unb verschwand. , ,, , Ich trat in Den heitern Raum einer von oben erleuchteten kleinen WbaUe. Rings Der Mauer entlang lief ein kostbares Polster, und m tyr Mitte stand ein vergoldetes Gitterhaus voll Geflatter und Ge- st iischer. Bunte, fremdländische Vogel spielten da unter Zwergpalmen, »ter nirgends war ein menschliches Wesen, das sich Daran gefreut batte. 3d) schritt über die farbigen Figuren des Mosaikbodens "ach «me dtmalen Marmortreppe, die zu einer Bogenpforte führte, öffnete und allug scheu Die innen darüber hangende Damastdecke zurück. SietzeimZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger PA it tili DER HEILIGE Novelle von Conrad Ferdinand Metzer 5. Fortsetzung. Sechstes Kapitel. Ich wandte mich nach Dover, um Herrn Heinrich über das Meer in sß, Normandie zu folgen; doch widrige Winde hatten ihn aufgehalten. H fand chn noch bo-rt, und Die Stunde, ihm das Unheil zu berichten, ttif mich früher, als ich geglaubt, unb noch auf englischem Boden Der Herr brach in schwere Jammertränen aus und verschloß sich in jener Kammer, Ich aber legte mich auf die Schwelle meines Königs, ne ich von jeher in gefahrvollen StunDen zu tun gewohnt war. Immen floh ihn der Schlaf, und ich horte ihn nächtlicherweile mit Porten Tritten auf und nieder schreiten. Dazwischen wehklagte er er- dormlich und redete zu sich selber laut unb ungestüm, so daß ich seine , gtk jen Seufzern unterbrochene Rebe wohl vernehmen konnte. Kirn ,War sie nicht meine Wonne! klagte er. «Ich hätte mein zartes M Limmchen auf eine sichere Weide gebracht! ... Aber was kann ich iwi giien die böse Art meiner Königin und die Dummheit meiner Knechte! Eis kann ich gegen Die Tücke bes Schicksals? ... Mir unb Dem Kanzler - uns beiden — ist auf der Walbwiefe groß Herzeleid gewachsen .... „(6!« liier ich will ihm mein Gemüt schreiben ... er soll es wissen, daß ich i« jC hi mit Gunst unb Gnaden überschütten will, mehr als je zuvor, und M kg er meinem Herzen und meinem Throne für immer der nächste L. h jlibt." L Gegen Morgen wurde er ruhiger, und im ersten Frühlichte ruckte L !, sich Tisch und Sitz zurecht und schien einen Brief zu beginnen, ,e ilK ild je einen Satz vor sich her murmelnd, bevor er ihn nieberfcfjrieb. — ’ 3 letzt hörte ich seines Siegels schweren Druck. (fli* Er rief mich und übergab mir ein Schreiben. ... % .Dieses hast bu in des Kanzlers eigene Händ _ . _ . siche ihn, bis bu ihn findest." ? »i#; Wesen ein gerechter Monn und versuchte, seine Pfaffheit einzutun. Kein leichtes Werk. „ „ . . , Aus dem Stuhle des Primas und Erzbischofs von Conterbury, welchem der Eroberer weiland aus Staatsgründen die anderen englischen Bistümer völlig untergegeben hotte, soh damals ein trotziger Normanne, dem seine Tonsur gerade recht war, um gegen seinen Lehensherrn und König Panier ouszuwerfen. Und auch der damalige Heilige Vater in Rom — sie sagen, man habe ihn aus einem Kloster hervorgezogen, um Um aus den Thron zu setzen, und er hatte zeit seines Lebens nicht viel von der Welt und ihren Geschäften gehalten und begriffen — nahm Partei für den normannischen Bischof, weil er überhaupt kein geistliches Recht wollte umkommen lassen. An diesen wendete sich nun der Kanzler von Engelland in zahlreichen Staotsschriften, das taube Ohr Seiner Heiligkeit bestürmend, sie möge dieser in Mutwillen ausgearteten geistlichen Gerichtsbarkeit Regeln und Schranken setzen. Und ich sage Euch, Herr — denn ich weiß, auf welcher Seite die Chorherren von St. Felix uttd Regul stehen —, Gerechteres wie Schlaueres wurde nichts gegen die weltliche Gewalt der Pfaffen geschrieben und wird in Ewigkeit nicht geschrieben werden, als was dem Kanzler aus seiner geschmeidigen Feder sloh. Mit keiner beleidigenden Rede oder langweiligen Beahardenpredigt verdarb er seine Sache, das ist nicht gebräuchlich im Staatsverkehr; sondern er berannt« den schlichten Geist des Heiligen Vaters mit schlagenden Tatsachen. Er stieß, figürlich geredet, einen Fensterladen nach dem andern auf, so daß eine große Helle entstand und selbst ein Kind begreifen mußte: Geiz, Habsucht, Raub, Hinterlist, Unzucht und Gewalttat, wie sie die Pfaffen König Heinrichs an sich hatten, seien etwas anderes als der reine und unschuldige Wandel des Heilands und seiner zwölf Boten. War es auch nur, um feinen Schmerz zu verwinden, der Kanzler zog mannhaft ins Feld. Schrift, Kirchenväter, Rechtslehrer lieh er für sich streiten, und sein schärfstes Schwert war der schöne evangelische Spruch: .Mein Mich ist nicht von dieser Welt/ Ich sehe die Frage auf Euren Lippen, wie mir folches zur Kenntnis kam. Hört an. Wann eine Botschaft oder ein Staatsbrief des Kanzlers ins Lager gelangte, welche mein König zu unterzeichnen hatte — denn in Person und Krast des Königs stritt der Kanzler mit dem Papste —, ließ sich Herr Heinrich, wenn ihm gerade keiner feiner Kleriker zur Hand war, das Schriftstück von feinem unwürdigen Knechte Vorlesern Es war ihm bewußt, daß ich in meiner Jugend auf pfäffischen Wegen gewandelt und des Lesens kundig sei; seine eigenen Augen ober, ob sie wohl noch scharf und sicher in die Ferne blickten, waren untauglich geworden, Handschriftliches zu entziffern. Er lachte herzlich über die getroffenen Bildnisse, welche der Kanzler von seiner Pfaffheit entwarf. .Merke, Hans, es macht chm Kurzweil', sagte er wohl zu mir, .meine Pfaffen an den Haaren zu ziehen, denn er ist ein ungläubiger Philosoph und verkappter Sarazen.' Auch mich hat dabei oft ein Lachen an gewandelt, aber fein fröhliches. Nicht, daß ich es dem Heiligen Vater mißgönnt hätte, wie er zuzeiten beschaffen ist, sondern mir schien, was meinem Herrn und Könige bei seiner treuherzigen Art gänzlich entging, unter diesem spielenden Witz brenne ein Abgrund von strafendem Ernst und dunkler Trauer. Herr, ich konnte das Antlitz aus der Burgkapelle nicht vergessen! Ost, wann ich etwa einen Pfeil schnitzte und dabei meinen Gedanken freien Lauf gab, fragte ich mich, ob Herr Thomas sich je wieder an den königlichen Tisch setzen und Scherzreden mit Herrn Heinrich werde wechseln können, den Hauch seines Mundes mit dem des Königs mischend. Dieser schien nicht daran zu zweifeln und mit feiner natürlichen Tapferkeit vergangene Dinge hinter sich zu werfen. Aber ich wettete in meinem Geiste gegen ihn; denn nach dem Urteile meines Herzens ging es wider menfchliche Möglichkeit. Mein Herr und König faß nach beendigter Fehde auf einer feiner Burgen in der Normandie; da geschah es eines Tages, daß ich, was selten vorkam, ein müßiger Mann war und auf dem Turme mit dem Wärter, einem guten Gesellen, plauderte. Er übergab mir eine Weile fein Amt, da ihm das Liebchen aus dem Küchengarten winkte. Wie ich Umschau halte, erblicke ich an einem nahen Hügel eine kleine, auf den Krümmungen des Weges sich herabwindende Heerfahrt. Voran in der Abendsonne ein blitzender Gewappneter, der in das Hifthorn stößt! Das war das Löwenherz. Hinter ihm ritten feine drei Brüder und ein reisiges Gefolge. Jetzt erblick' ich etwas leuchtend Weißes — den Schimmel des Kanzlers. Ein höhnisches Lachen der Sicherheit überkommt mich — ich ergreife das große Wächterhorn, erhnbere Herrn Richards Ruf und begrüße den Kanzler, freilich nur mit meinem natürlichen, auf diese Entfernung nicht vernehmbaren Mundwerke, mit den frechen Worten: .Herr Thomas, Ihr habt keines Mannes Mark in den Knochen und keines Ritters Blut in den Adern! A la bonne heure! Mich fall s nicht anfechten, wenn meinem Herrn einfällt. Euch lebendig auf dem Roste zu braten und Euch zu einem heiligen Lorenz zu machen!' Und mir schien, da ich das weiße Roß erblickte, der Herr und der Knecht habe von dem Kanzler nichts weiter zu befahren, und auch der Himmel werde die Rache des feigen Mannes finken kaffen. Ich eilte hinunter und beobachtete den Einzug, mich möglichst beiseite- haltend. Herr Thomas war nicht verändert, feine Gebärde so ruhig und sein Gewand so kostbar wie vordem. Der König in feiner heftigen Art stürzte den Söhnen und feinem Kanzler entgegen, nach dem er sich wohl noch mehr als nach seinen Kindern gesehnt hatte. Dieser ersparte ihm jede Scham und äußerliche Reue, er verneigte sich ehrfürchtig vor ihm und redete bann von ben Knaben mit Sorgfalt und Wohlwollen, fügte aber mit milder Ruhe hinzu, feine Zeit, die wachsenden Staatssorgen, seine Reisen und Gesandtschaften, auch eine früher ihm unbekannte Müdigkeit erlaube ihm nicht länger, ihre Erziehung perfönlich zu leiten, er werde ihnen berühmte Männer zu Lehrern geben, die ihn leicht entbehrlich machen würden. Der König stand betroffen von dieser Rede, und feine Kinder umringten ben Kanzler unb umarmten ihn mit Tränen, bittend unb flehend, er möge sich ihnen nicht entziehen. Nur der kleine Hans schnitt eine vergnügte Grimasse. Da bat Herr Heinrich mit. ben Knaben, baß er sie nicht von . sich weise. , . „ . Die berebten Lippen des Kanzlers wiederholten feine Weigerung mH neuen anmutigen Wendungen, aber feine dunkeln Augen richteten sitz auf den König und schienen zu sagen: Grausamer Mann, du hast rnidg meines Kindes beraubt unb verlangst, bah ich mich um ble beintge« bekümmere! , Ich weiß nicht, ob Herr Heinrich in diesem Blicke die Wahrheit la«; aber er drang nicht weiter in den Kanzler. Bon jener Stunde an brach Hader aus zwischen ben vier König,, tinbern, unb bie Liebe bes Kanzlers versöhnte sie nicht; denn sie roaren ihm gleichgültig geworben, unb er überließ sie ihren Trieben. Ich habe Euch schon erzählt/ daß ich im Bogen und in der Armbrust der Lehrmeister der vier Jungherren war. Ich hatte strenges Verbot, non ihnen jemals zu weichen oder ihnen eine Armbrust in den Händen zu 1 lasten; denn da sie von verschiedener und unbrüderlicher Natur roarem, mußte gewehrt werden, daß sie nicht mit der Schießwaffe aufeinantw* Ifce. den Vater nicht!' ‘M ttt Im« >ita Ä Ml 5 tob O m toi ich sehen unb hören mußte, als ii seine Schlafkammer geleitete. Er , geschäften ^erarbeitet und den Leib mit einer ... er denn fein schweres Haupt über dem Schlaftrünke geneigt und schnarchend in seine auf den Tisch gelegten Arme versinken kaffen. ult (tits I •! |üi "’n LA Mi Aber nicht nur i . wehe — sie begannen auch der Majestät ihres Vaters erbietung zu verjagen. Ich weiß noch, wie es mir ins Herz ii* ■ V« '** üii M I &5 |,Al Mr( 1*1 Sl ■Ttt W LrNt rrS IM \w losgingen. Eines Tages nun, da ich mit den vier Armbrusten zu den vier Jung- herren in ben Hintern Burghof ging, hörte ich schon von weitem zwischen dem Gebelle der Bracken Getümmel und Schlachtruf. Ich fand die Herren dort so. hart ineinander verwickelt, daß ich Mühe hatte, sie zu sondern Das Löwenherz hatte Herrn Gottfried mit der Rechten an der Kehle, mitt der Linken aber Herrn Heinrich an den geträufelten Haaren gefaßt unb schüttelte beide wacker. Ihm selbst hinwiederum hatte sich der kleine Ham, der es mit den beiden Aeliesten hielt, an den Rücken gekrallt und biß Ihn in den Hals. Ich griff zuerst nach dem Kleinen, der Wildkatze, und löste dann die Herren Heinz und Gottsried aus ben streitbaren Fäusten des Löwenherzens. untereinander verfolgten sich die viere; sondern — «faß >n auch der Majestät ihres Vaters die fchukdige Ehr- ... -- -- :r_- H:rz schnitt, was .... ch einst meinen Herrn und König im i yatte sich den Kopf an den Staats- 11.^. Hirschjagd ermüdet; so batte i lr- Wir begegneten auf dem Gange den schlimmem seiner Söhne, beim ältesten und dem jüngsten. Erfrechte sich da nicht der kleine Hans, ber; wäre der Herr bei unverhüllten Sinnen gewesen, sich vor chm verkrachen hätte, schwankend, als spotte er eines Trunkenen, hinter den königlichen Tritten herzuziehen, und der andere, der Kleidemarr, wandte suh von seinem Erzeuger mit einem hochmütigen Pfui. Nachdem ich meinem Herrn wohl versorgt hatte, traf ich Junker Heinrich noch auf dem Gang« Da ließ ich ihn hart an, nannte ihn einen schwarzen Ham und drohte,: ihn bei dem Kanzler zu verklagen. .Herr Thomas verachtet den Batet,, versetzte der Knabe. ,Wie hielte der feine Berberhengst mit dem borstigem Eber Freundschaft?' Entsetzt hielt ich ihm die Hand aus den Mund; etr aber warf die langen, weichen Locken aus dem Gesicht und entsprang mit einem scharfen Gelächter. Ich mußte mich über die seine Witterung wundern, weiche oft kindliche Unerfahrenheit von den verborgenen Dingen des Gemütes hat- Denn, wahrlich, es war nicht Herr Thomas, der sich etwas merken ließ von feinem Widerwillen gegen den König, ober der es in irgendeinem Falle an williger Ehrfurcht hätte fehlen lasten. Allabendlich faß dieser Unentbehrliche am königlichen Tische und erheiterte den Herrn mit den seinen Spielen seiner Rede. ! Noch seh' ich, wie er lächelnd in feinem Stuhle zurüittehnte und b™ frohe König lauschend an seinen kaum bewegten Lippe hing. Ich f*”nD hinter dem Stuhle meines Herrn und betrachtete zuweilen mit ft«“J Furcht dieses unkörperliche Antlitz, das im Ampelfchein wie im Tageslich» gleich blaß war, und auf welchem für mich jener Todeszug, der nuG daraus angeftarrt hatte, als es damals neben Graces Haupt auf beim Sargkissen lag, auch in der belebten Laune bes Bankettes nie nW völlig verschwinden wollte. Habt Ihr das aus Byzanz gekommene Bild gesehen, das die MönM in Allerheiligen zu Schaffhausen als ihren besten Schatz hüten? ein toter Salvator mit eingesunkenen Augen und geschlossenen Libett aber betrachtet man ihn länger, so ändert er durch eine List der Zenh nung und Verteilung der Schatten die Miene und sieht Euch mit offener1 Schmerzensaugen traurig an. Eine unehrliche Kunst, Herr! Denn de» Maler soll nicht zweideutig, sondern klar seine Striche ziehen. Mit dem Kanzler aber ging es mir umgekehrt. Wenn ich fein AnE länger betrachtete und er gerade schwieg, so war es, als schlössen I«? (eine Lider und es sitze ein Gestorbener mit dem Könige zu Tische. (Fortsetzung folgt.) Da warf sich Herr Richard mit flammendem Zorne nach mir herum I- und schrie mich an: ,Jn Teufels Namen, Armbruster, willst du uns unfa . E - Hauserbe rauben?' — .Welches Erbe, Beausire?' fragte ich verblüfft. — ii;, ,11ns zu hasten!' rief er. ,Darauf leistet keiner von uns Verzicht.' - ,,, Mich erfaßte ein tiefes Verbärmnis über diesen Worten eines Unmündl- |, gen. Ich zog ihn beiseite und redete ihm christlich zu, wie süß es sei, wem Brüder einträchtig beisammen wohnen. Herr Richard aber brach in stürmische Tränen aus und schluchzte: ,Er hat mich heute nur nicht mrge- schaut!' Und ich erriet, daß er von Herrn Thomas sprach. ,Wenn bei Kanzler sich weniger mit Euch abgibt', tröstete ich, ,so ist es dringend«! Staatsgejchäfte halb Eurem Herrn Vater zu Nutz und Lieb.' Da fdyitt» teile Jung Richard trotzig den Kops, leuchtete mich mit seinen großen, blauen Augen an und rief: ,Das lügst du, Armbruster! Der Kanzler litt:! Kauf fÄt fte nuTüiwJ äagemeine Dinge, weil der-eichte Plnuder- , n den sie dabei anschlugen, es zulieh, daß sie sich unterhielten, wahrend I -ffich mit ihren Blicken auch noch anderes sagten: wi« viel Gefallen ■ t aneinander fanden, wie gut es war, wie schon, einander anzufesien, "inander zu reden, im gleichen Rhythmus des Danzes dahinzu« Kleiner Markt. Don Georg Schwarz. Kleiner Markt für kleine Leute, Rettich, Schnittlauchund Spinat. Later Griesgram, Mutter Grämlich Kaufen dort sich den Salat. Biel Geschacher, viel Gegacker Um ein kleines Häuptlein Kraut. Endlich kommt ein Kaus zustande, Und die Marktfrau ist erbaut. Fällt ein Regen, stiichtet alles • Eilig unter Dach und Fach. Spatzen warten in der Rinne Tauben auf dem Kirchendach. Kleine Mond-Tragödie. Dan Hans Breiteneichner. Schuld an dem unglücklichen Ausgang dieser Geschichte tragen allein jene, die sich mit Dorliebe über die Rolle des Mondes lustig machen, die er in althergebrachter Weise im Leben der Liebesleute zu spielen hat. feiten. .Ich möchte Sie gern« nach Hause bringen"/ bat Axel, bevor er «ffi auf ihren Platz zurucksührte. . . ... ... .Das geht nicht", sagte Steffi, „ich kann meine Freund« nicht allein Sie tanzten dann nur noch ein einzigesmal an diesem Abend mitein« lli«r. Sie unterhielten sich gerade über ein Buch, das sie beide gelesen hl'-en, das sie beide ablehnend beurteilten; da sagte Steffi unvermittelt. Senn Sie sehen, daß ich von meinem Platz weggehe Axel, und ein iachentuch in der Hand trage, ist das ein Zeichen für St«. .Axel nickte. „Ich danke Ihnen, Steffi. Und es tut mir Jeib, datz Sie meinetwegen von Ihren Freunden fortstehlen müssen. , Aber auck) Axel nahm Steffis wegen eine Lüge auf sich. „Sei» mir «litt böse", entschuldigte er sich bei seinen Kameraden, „aber ich bin >o ^be, ich muh früher schlafen gehen heute." i Steffi wartete schon auf ihn. ... ., Ks ist kalt", sagt« sie, aber in ihrem Blick lag viel freudige Warwe. ...Wohin müssen wir gehen?" fragte Axel, und als er wusste, “W wohnte, bedauerte er: „Da sind wir aber rasch K'4.. „ Dann aber entschlossen sie sich doch noch zu einem kleinen Umwegs r führte durch «inen Park, und Steffi und Axel gingen Hand in Hand Mam die breite gerade Strafte entlang. sprachen fast kein Wort. „, ,, ®in Wunder war daran, sich zu erfüllen. Der Glanz ihrer Augen, da Sowohl Steffi als auch Axel waren in Begleitung mehrerer Saune« T' wird der inzwischen zum Herzog von Friedland ernannte Albrecht M» Wallenstein ein Heer für den Kaiser anwerben, das sich in Feindeslail selbst verpflegt, aus den kaiserlichen Arsenalen zwar allerlei Ausrüstan- erhält, in bezug auf geregelten Nachschub aber gänzlich auf die frM, ländischen Güter angewiesen ist. o, - Wallenstein ward binnen weniger Monate der Feldherr der griM« Armee Europas, er wurde auch der größte Kriegslieferant feiner 3(; Aber feine Preise waren niedriger als die aller anderen Bewerbs seine Lieferungen erfolgten immer pünktlich, und was geliefert murte war beste Ware. Das Herzogtum Friedland mit seinen Ernten und 3'1' dustrien ermöglichten dem Kaiser den Krieg: als der siegreiche Feldhe? bald auch Herzog von Sagau und später reichsunmittelbarer Herzog oc« Mecklenburg wurde, holte er seine Organisatoren auch in diese Sänoti und bald lief die Maschine hier in gleichem Rhythmus wie daheim " Böhmen. | Den erfolgreichen Kriegsherrn^und Diplomaten hat dann später Ehrgeiz verführt, gegen seinen kaiserlichen Herrn Verrat zu spinnen, wj blutige Ende des Herzogs von Friedland 1634 ist bekannt. Seine @U'? wurden aufgeteilt, aber was er geschaffen, verkam nicht ganz, und viel- von dem, was er an Wohlfahrtseinrichtungen gestiftet und erbaut. fw$ heute noch auf böhmischem Boden. Wallenstein enttäuschte seine Geldgeber nicht. Inmitten seines riesigen Besitzes lebte er wie ein Standesherr, um es war kaum eine Ueberraschung, daß der Kaiser ihn im Jahre 1622 zum Pfalzgraf ernannte, zum Fürsten also, der bereits das Recht be[«i, Adelsdiplome zu verleihen und selber auf seinen Gütern Richter zu sei«. Aber das Erstaunlichste war doch, daß nun diese Herrschaft Friedl-ml, wie sie genannt wurde, nach Methoden verwaltet wurde, wie sie ander? wo erst sehr viel später anzutreffen waren. : Wallenstein kannte den Bedarf eines Heeres und richtete deshrd fein Güter zur Belieferung von Armeen ein. Korn und Leder: was iH daran fehlte, kauften feine Agenten auf. Häute wurden in Mengt« überall für ihn erstanden und in seinen Gerbereien bearbeitet. Leim: seine Fabriken wurden neuzeitlich eingerichtet, Färber von überallher geholt, Maulbeerbäume gepflanzt, die Seidenraupenzucht eingeführt ® nur tüchtige Handwerker aufzutreiben waren, ließ sie der Pfalzgraf oo« Friedland anwerben, gleich welchen Glaubens sie waren. Und dun» baute er ihnen Wohnungen, Schulen und Kirchen, stiftete Spitäler wrö Waisenhäuser, stellte Pfarrer, Priester und Lehrer ein, ordnete die waltung, sprach Recht. Er ließ die Söhne der Handwerker im Bern! • ihrer Väter ausbilden, errichtete besondere Lehrgänge für sie, fdjuf fit " einen Stab von Landwirten, Beamten, Ingenieuren und Kaufleute Ein eigener Staat erstand mitten in Böhmen und erregte das Staun«« der Umwelt. Bald sprach man von Albrecht Wallenstein als dem reichst«« w ii r- V L* ■ J L'it ährige Krieg ausgebrochen, und Wallenstein hatte sich gegen den Adj. Böhmens und Mährens für Kaiser Ferdinand II. erklärt. Er hätte jch! von seinem Oberstengehalt leben müssen, aber längst hatte seine doj. ziigliche Bewirtschaftung der ausgedehnten Wischkowschen Besitzungen Mi Aufmerksamkeit manches Standesgenossen und manches Geldgebers e»; regt, so daß es ihm dank deren Hilfe möglich war, feinen Kredit anjti' pannen und mehrere Regimenter in Flandern und Wallonien anwerbet i zu lassen. Diese Truppen stellte er dem Kaiser im Kampf gegen bet „Winterkönig", Kurfürst Friedrich von der Pfalz, erwählten König o»; j Böhmen, zur Verfügung, und mit ihrer Hilfe erfochten die Kaiserlich« den Sieg am Weißen Berge. Wallenstein wurde zum Oberst von Prag ernannt; seine Unterschrift war jetzt so gut wie bares Geld. Ueberdies hatten die neuen Methode^ dieses Kriegsobersten Verwunderung erweckt: was nur immer an Millett aufzutreiben war, was an Kontributionsgeldern einging, alles rourör immer wieder für die Wallensteinischen Regimenter verwendet. Jmm« neuer Ersatz trat unter seine Fahnen, immer wurde die Ausrüstung auf den letzten Stand gebracht, niemals fehlte der Sold, und wenn bet Oberst von Wallenstein auch hoch verschuldet war: jetzt kam zum erfter« I mal eine große Stunde für ihn. Denn Kaiser Ferdinand zögerte nicht, den böhmisch-protestantisch« Adel aus dem Lande zu treiben, seine Güter als verfallen zu ertlärei und nun für die Krone zu verkaufen. Und Albrecht Wallenstein gns zu: als Ersatz für Auslagen wurden chm zunächst mehrere Guter d«k Smirickyschen Liegenschaften deshalb zugesprochen, weil seine Mutter aus diesem Geschlecht stammte. Um diesen Neubesitz herum kaufte AlbrM Wallenstein mehr als fünfzig Großgüter, die verwüstet oder herunll» ,. . gewirtschaftet waren uifb rundete sein Eigen auf das Vorteilhafteste