Gießener ZamilieiMtter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger________ Jahrgang M» Srettag, den U>. April NummcrR Ortungen Wiirrungen Roman Son Theodor Montane 13. Fortsetzung. Vor dem lebten Hause standen umherziehende Spielleute, Horn und Harfe, dem Anscheine nach Mann und Frau. Die Frau sang auch, aber der Wind, der hier ziemlich scharf ging, trieb alles hügelan, und erst als Botho zehn Schritt und mehr an dem armen Musikantenpaare vorüber war, war er in der Lage, Text und Melodie zu hören. Es war dasselbe Lied, das sie damals auf dem Milmersdorfer Spaziergange so heiter und so glücklich gesungen hatten, und er erhob sich und blickte, wie wenn es ihm nachgerufen würde, nach dem Musikantenpaare zurück. Die standen abgekehrt und sahen nichts; ein hübsches Dienstmädchen aber, das an der Giebelfeite des Hauies mit Fensterplltzen beschäftigt war und den um- und rückschauhaltenden Blick des iungen Offiziers sich zuschreiben mochte, schwenkte luftig von ihrem Fensterbrett her den Lederlappen und fiel übermütig mit ein: „Ich denke dran, ich danke dir mein Leben, doch du -Soldat, Soldat, denkst du daran?" Botho, die Stirn in die Hand drückend, warf sich in die Droschke zuruck und ein Gefühl, unendlich süß und unendlich schmerzlich, ergriff ihn. Aber freilich das Schmerzliche wog vor und fiel erst ab von ihm, als die Stadt hinter ihm lag und fern am Horizont im blauen Mittagsdämmer die Müggel- berge sichtbar wurden. Endlich hielten sie vor dem neuen Jakobikirchhof. „Soll ich warten?" . „Ja. Aber nicht hier. Unten beim Rollkrug. Und wenn Sie die Mufi- kantenleute noch treffen... hier, das ist für die arme Frau." Zweiundzwanzigstes Kapitel. Botho hatte sich der Führung eines gleich am KirchhofseiiMnge beschäftigten Alten anvertraut und das Grab der Frau Nimptsch in guter Pflege gefunden: Efeuranken waren eingesetzt, ein Geraniumtops stand dazwischen und an einem Eisenständerchen hing bereits ein Jmmortellen- kranz. „Ah, Lene", sagte Botho vor sich hin. „Immer dieselbe... Ich komme zu spät." Und dann wandt er sich zu dem neben ihm stehenden Alten und sagte: „War wohl bloß ne kleine Leiche?" „Ja, klein war sie man." „Drei oder vier?" „Justement vier. Und versteht sich unser alter Suppcrndent. Er sprach bloß's Gebet, und die große mittelaltsche Frau, die mit dabei war, so vierzig oder drumrum, die blieb in einem Weinen. Und auch ne Jungsche war mit dabei. Die kommt jetzt alle Woche mal und den letzten Sonntag hat sie den Geranium gebracht. Und will auch noch'n Stein haben, wie sie jetzt Mode sind: grünpvliert mit Namen und Datum drauf." Und hiernach zog sich der Alte mit der allen Kirchhofsleuten eigenen Geschästspolitesse wieder zurück, während Botho seinen Jmmortellenkranz an den schon vorher von Lene gebrachten anhing, den aus Immergrün und weißen Rosen aber um den Geraniumtops herumlegte. Dann ging er, nachdem er noch eine Weile das schlichte Grab betrachtet und der guten Frau Nimptsch liebevoll gedacht hatte, wieder auf den Kirchhofsausgang zu. Der Alte, der hier inzwischen seine Spalierarbeit wieder ausgenommen, sah ihm, die Mütze ziehend, nach und beschäftigte sich mit der Frage, was einen so vornehmen Herrn, über dessen Vornehmheit ihm, seinem letzten Händedruck nach, kein Zweifel war, wohl an das Grab der alten Frau geführt haben könne. „Da muß so was sein. Und hat die Droschke mcht warten lassen." Aber er kam zu keinem Abschluß, und um sich wenigstens auch seinerseits so dankbar wie möglich zu zeigen, nahm er eine der in serner Nähe stehenden Gießkannen und ging erst auf den kleinen eisernen Brunnen und dann auf das Grab der Frau Nimptsch zu, um den im Sonnenbrand etwas trocken gewordenen Efeu zu bewässern. Botho war mittlerweile bis an die dicht am Rollkrug haltende Droschke zurückgegangen, stieg hier ein und hielt eine Stunde später wieder rn der Landgrafenstraße. Der Kutscher sprang dienstfertig ab und öffnete den Schlag. „Da", sagte Botho ... „Und dies extra. War ja ne halbe Landpartie... „Na, man kann's aiich woll vor ne ganze nehmen." „Ich verstehe", lachte Rienäcker. „Da muß ich wohl noch zulegen? „Schaden wird's nich ... Danke schön, Herr Baron." . m »Aber nun futtert mir auch beit Schimmel besser raus. Js ja ern Jam- Und er grüßte und stieg die Treppe hinauf. Oben in seiner Wohnung war alles still, selbst die Dienstboten fort, üveil sie wußten, daß er um diese Zeit immer im Klub war. Wenigstens leit feinen Strohwitwertagen. „Unzuverlässiges Volk", brummte er vor sich hin und schien ärgerlich. Trotzdem war es ihm lieb, allem zu sein. Er wollte niemand sehn und setzte sich draußen auf den Balkon, um so vor sich hin zu träumen. Aber es war stickig unter der herabgelassenen Marqmse, dran zum Ueberfluß auch noch lange blauiveiße Fransen hingen, und so stand er wieder auf, um die große Leinwand in die Höh zu ziehn. Das half. Die fich nun einstellende frische Luftströmung tat ihm wohl, und aufatmend und bis an die Brüstung vortretend, sah er über Feld und Wald hin bis auf die Charlottenburger Schloßkuppel, deren malachitfarbne Kupferbekleidung im Glanz der Nachmittagsfonne schimmerte. „Dahinter liegt Spandau", sprach er vor sich hin. „Und hinter Spandau zieht sich ein Bahndamm und ein Schienengeleise, das bis an den Rhein läuft. Und auf dem Geleise seh ich einen Zug, viele Wagen, und in einem der Wagen sitzt Käthe. Wie sie wohl aussehen mag? O gut; gewiß. Und wovon sie wohl sprechen mag? Nun, ich denke mir von allerlei: pikante Badegeichichten und vielleicht auch von Frau Salingers Toiletten, und daß es in Berlin doch eigentlich am besten sei. Und muß ich mich nicht freuen, daß sie wiederkommt? Eine so hübsche Frau, so jung, so glücklich, so heiter. Und ich freue mich auch. Aber heute darf sie nicht kommen. Um Gottes willen nicht. Und doch ist es ihr zuzutrauen. Sie hat seit drei Tagen mcht geschrieben und steht noch ganz aus dem Standpunkt der Ueberraschnngen.' Er hing dem noch eine Weile nach, dann aber wechselten die Bilder und längst Zurückliegendes trat statt Käthes wieder vor seine Seele? Der Dörrsche Garten, der Gang nach Wilmersdorf, die Partie nach Hankels Ablage. Das war der letzte schöne Tag gewesen, die letzte glückliche Stunde ... „Sie sagte damals, daß ein Haar zu fest binde, darum weigerte sie sich und wollt es nicht. Und ich? warum bestand ich darauf? Ja, es gibt solche rätselhaften- Kräfte, solche Sympathien aus Himmel oder Hülle, und nun bin ich gebunden und kann nicht los. Ach, sie war so lieh und gut an jenem Nachmittag, als wir noch allein waren und an Storung nicht dachten, und ich vergesse das Bild nicht, wie sie da zwischen den Gräsern stand und nach rechts und links hin die Blumen pflückte. Die Blumen, — ich habe sie noch. Aber ich will ein Ende damit machen. Was sollen mir diese toten Dinge, die mir nur Unruhe stiften und mir mein bißchen Glück und meinen Ehefrieden kosten, wenn je ein fremdes Auge darauf fällt." Und er erhob sich von seinem Balkonplatz und ging, durch die ganze Wohnung hin, in sein nach dem Hose hinaus gelegenes Arbeitszimmer, das des Morgens in heller Sonne, jetzt aber in tiefem Schatten lag. Die Kühle tat ihm wohl, und er trat an einen eleganten, noch aus seiner Iunggesellenzeit herstammenden Schreibtisch heran, dessen Ebenholzkästchen mit allerlei kleinen Silbergirlanden ausgelegt waren. In der Mitte dieses Kästchens aber baute sich ein mit einem Giebelseld ausgestattetes und zur Aufbewahrung von Wertsachen dienendes Säulentempelchen auf, dessen nach hinten zu gelegenes Geheimfach durch eine Feder geschlossen wurde. Botho drückte jetzt auf die Feder und nahm, als das Fach aufsprang, ein kleines Briefbündel heraus, das mit einem roten Faden umwunden war, obenauf aber, und, wie nachträglich eingeschoben, lagen die Blumen, von denen er eben gesprochen. Er wog das Päckchen in Händen und sagte, während er den Faden ablöste: „Viel Freud', viel Leid. Irrungen, Wirrungen. Das alte Lied." Er war allein und an Ueberraschung nicht zu denken. In seiner Vor« stellunq aber immer noch nicht sicher genug, stand er auf und schloß die Tür Und nun erst nahm er den obenauf liegenden Brief und las. Es waren die den Tag vor dem Milmersdorfer Spaziergang geschriebenen Zeilen, und mit Rührung sah er jetzt im Wiederlesen auf alles das, was er damals mit einem Bleistiftstrichelchen bezeichnet hatte. „Stiehl .. . Alleh ... Wie diese liebenswürdigen ,h's' mich auch heute wieder anblicken, besser als alle Orthographie der Welt. Und wie klar die Handschrift. Und wie gut und schelmisch, was sie da schreibt. Ach, sie hatte die glücklichste Mischung und war vernünftig und leidenschaftlich zugleich. Alles was sie sagte, hatte Charakter und Tiefe des Gemüts. Arme Bildung, wie weit bleibst du dahinter zurück." Er nahm nun auch den zweiten Brief und wollte sich überhaupt vom Schluß her bis an den Anfang der Korrespondenz durchlesen. Aber es tat ihm zu weh. „Wozu? Wozu beleben und auffrischen, was tot ist und tot bleiben muß? Ich muß aufräumen damit und dabei hoffen, daß mit diesen Trägern der Erinnerung auch die Erinnerungen selbst hinschwinden werden." Und wirklich, er war es entschlossen, und sich rasch von seinem Schreibtisch erhebend, schob er einen Kaminschirm beiseite und trat an den kleinen Herd, um die Briefe darauf zu verbrennen. Und siehe da, langsam, als ob er sich das Gefühl eines süßen Schmerzes verlängern wollte, ließ er jetzt Blatt auf Blatt auf die Herdftelle fallen und in Feuer aufgehen. Das letzte, was er in Händen hielt, war das Sträußchen, und während er sann und grübelte, kam ihm eine Anwandlung, als ob er jede Blume noch einmal einzeln betrachten und zu diesem Zwecke das Haarfädchen lösen müsse. Plötzlich aber, wie von abergläubischer Furcht erfaßt, warf er die Blumen den Briesen nach. Ein Aufflackern noch und nun war alles vorbei, verglommen. „Ob ich nun frei bin? ... Will ich's denn? Ich will es nicht. Alles Asche. Und doch gebunden." Dreiundzwanzig st es Kapitel. Botho sah in die Asche. „Wie wenig und wie viel." Und dann schob er den eleganten Kaminschirm wieder vor, in dessen Mitte sich die Nachbildung einer pompejanischen Wandsigur befand. Hundertmal war sein Auge darüber hinweg geglitten, ohne zu beachten, was es eigentlich sei, heute sah er es und sagte: „Minerva mit Schild und Speer. Aber Speer bei Fuß. Vielleicht bedeutet es Ruhe ... Wär' es so." Und dann stand er auf, schloß das um seinen besten Schatz ärmer gewordene Geheimfach und ging wieder nach vorn. Unterwegs, auf dem ebenso schmalen wie langen Korridore, traf er Köchin und Hausmädchen, die diesen Augenblick erst von einem Tiergartenspaziergange zurückkamen. Als er beide verlegen und ängstlich dastehen sah, überkam ihn ein menschlich Rühren, aber er bezwang sich und rief sich zu, wenn auch freilich mit einem Anfluge von Ironie, „daß endlich einmal ein Exempel statuiert werden müsse". So begann er denn, so gut er konnte, die Rolle des donnernden Zeus zu spielen. Wo sie nur gesteckt hätten? Ob das Ordnung und gute Sitte sei? Er habe nicht Lust, der gnädigen Frau, wenn sie zurückkomme (vielleicht heute schon), einen aus Rand und Band gegangenen Hausstand zu überliefern. Und der Bursche? „Nun, ich will nichts wissen, nichts hören, am wenigsten Entschuldigungen." Und als dies heraus war, ging er weiter und lächelte, zumeist über sich selbst. „Wie leicht ist doch predigen und wie schwer ist danach handeln und tun. Armer Kanzelheld ich! Bin ich nicht selbst aus Rand und Band? Bin ich nicht selber aus Ordnung und guter Sitte? Daß es war, das möchte gehn, aber daß es noch ist, das ist das Schlimme." Dabei nahm er wieder seinen Platz auf dem Balkon und klingelte. Jetzt kam auch der Bursche, fast noch ängstlicher und verlegener als die Mädchen, aber es hatte keine Not mehr, das Wetter war vorüber. „Sage der Köchin, daß ich etwas essen will. Nun, warum stehst du noch? Ah, ich sehe schon (und er lachte), nichts im Hause. Trifft sich alles vorzüglich ... Also Tee; bringe mir Tee, der wird doch wohl da sein. Und laß ein paar Schnitten machen; alle Wetter, ich habe Hunger ... Und sind die Abendzeitungen schon da?" „Zu Beseh!, Herr Rittmeister." Nicht lange, so wgt der Teetisch draußen auf dem Balkon serviert, und selbst ein Imbiß hatte sich gefunden. Botho saß, zurückgelehnt in dem Schaukelstuhl, und starrte nachdenklich in die kleine blaue Flamme. Dann nahm er zunächst den Moniteur seiner kleinen Frau, das „Fremdenblatt", und erst in weiterer Folge die „Kreuzzeitung" zur Hand und sah auf die letzte Seite. „Gott, wie wird Käthe sich freuen, diese letzte Seite jeden Tag wieder frisch an der Quelle studieren zu können, will sagen zwölf Stunden früher als in Schlangenbad. Und hat sie nicht recht? .Unsre heut vollzogene eheliche Verbindung beehren sich anzuzeigen Adalbert von Lichterloh, Regierungsreferendar und Leutnant der Reserve, Hildegard von Lichterloh, geb. Holtze'. Wundervoll. Und wahrhaftig, so zu sehn, wie sich's weiterlebt und liebt in der Welt, ist eigentlich das Beste. Hochzeit und Kindtausen! Und ein paar Todesfälle dazwischen. Nun, die braucht man ja nicht zu lesen, Käthe tut es nicht, und ich tu es auch nicht, und bloß wenn die Vandalen mal einen ihrer .alten Herren' verloren haben und ich das Korpszeichen inmitten der Trauer-Annonce sehe, das les' ich, das erheitert mich, und ist mir immer, als ob der alte Korpskämpe zu Hofbräu nach Walhalla geladen wäre. Spatenbräu paßt eigentlich noch besser." Er legte das Blatt wieder beiseite, weil es klingelte ... „Sollte sie wirklich ..Nein, es war nichts, bloß eine vom Wirt herausgeschickte Suppenliste, darauf erst fünfzig Pfennig gezeichnet standen. Aber der ganzen Abend über blieb er trotzdem in Aufregung, weil ihm beständig die Möglichkeit einer Ueberraschung vorschwebte, und sooft er eine Droschke mit einem Koffer vorn und einem Damenreisehut dahinter in die Land- grasenstraße einbiegen sah, ries er sich zu: „Das ist sie; sie liebt dergleichen, und ich höre sie schon sagen: ich dacht es mir so komisch, Botho." Küthe war nicht gekommen. Statt ihrer kam am anderen Morgen ein Brief, worin sie ihre Rückkehr für den dritten Tag anmeldete. „Sie werde wieder mit Frau Salinger reifen, die doch, alles in allem, eine sehr nette Frau sei, mit viel guter Laune, viel Chic und Reisekomfort." Botho legte den Brief aus der Hand und freute sich momentan ganz ausrichtig, seine schöne junge Frau binnen drei Tagen wiederzusehen. „Unser Herz hat Platz für allerlei Widersprüche ... Sie dalbert, nun ja, aber eine dalbrige junge Frau ist immer noch besser als.keine." Danach rief er die Leute zusammen und ließ sie wissen, daß die gnädige Frau in drei Tagen wieder da sein werde; sie sollten alles instandsetzen und die Schlösser putzen. Und kein Fliegenfleck auf dem großen Spiegel. Als er so Vorkehrungen getroffen, ging er zum Dienst in die Kaserne. „Wenn wer fragt, ich bin von fünf an wieder zu Haus." Sein Programm für die zwischenliegende Zeit ging dahin, daß er bis Mittag auf dem Eskadronhofe bleiben, dann ein paar Stunden reiten und nach dem Ritt im Klub essen wollte. Wenn er niemand anders dort traf, fo traf er doch Balafrü, was gleichbedeutend war mit Whist en deux und einer Fülle von Hofgeschichten, wahren und unwahren. Denn Balafrö, so zuverlässig er war, legte doch grundsätzlich eine Stunde des Tages für Humbug und Aufschneidereien an. Ja, diese Beschäftigung stand ihm, nach Art eines geistigen Sports, unter feinen Vergnügungen obenan. (Fortsetzung folgt.) Glück der Landschaft. Von Rudolf Lift. Träumst du, fo träume vom Glück, Sieh in die Landschaft zurück: Tal, das im Märzwind noch schweigt Antlitz, dem Winter geneigt. Gehst du im Mai vor das Haus, Schaust nach den Bergen du aus; Ueber dem glasklaren See Blühn deine Gipfel im Schnde. Blühn deine Blumen im Kar, Wanderst du tiefer ins Jahr. Wanderst du höher ins Licht: Welt, du mein Angesicht. Schlummerst du herbftfonnenwann Lockerem Heidkraut im Arm, Decken die Wolken dich zu: Himmelsnah felige Ruh. Himmelsnah seliges Sein, Lächelt der Winter dich ein, Rieselt der Sturm durchs Gebälk, Wird dir das Herz nicht welk. Träumst du, so träume vom Glück, Sieh in die Landschaft zurück: Tal, das im Märzwind noch schweigt, Antlitz dem Winter geneigt Heimweg. Erzählung von Hans Watzlik. Der deutschböhmische Dichter Hans Watzlik wurde vol kurzem mit dem Eichendorfs-Preise ausgezeichnet. Aus dem Runddorf, wo er die fremde Sprache lernen sollte, sehnte er sich in die freie Hochöde feines Bergdorfes zurück, sehnt« er sich mit aller Kraft, die feine kleine Seele zu entfalten vermochte, über den Schöninger hinüber, dessen wuchtiger Bergrücken ihm die Heimat verdeckte. Und als er sah, wie der Vorwinter blanken Schneeglanz auf den Kamm des Schöningers legte, da haßte er den Kot und den grauen Regen, darin das Dorf der Ebene stak, da fchwoll in ihm das leiden; fchaftliche Verlangen nach dem tiefverfchneiten Wald, nach der herben Reinheit des Gebirgswinters, nach den verlorenen Bauernhütten, um die der Schnee wirbelnd die weißen Wälle baute. Da stürzte eines Abends das unverhüllte Heimweh wie ein Habicht auf ihn los, mit betäubendem Schwingenschlag, mit offenen Fängen. Der BiMjhote hatte dem Knaben eine Karte überbracht; darauf stand gefchrie^,: „Sieber Freund! Morgen gehen wir den Wolf ablaffen. Es schneit bei uns schon seit dem Mittwoch. Einen Gruß von mir. Dein treuer Freund Johann." Das war zum erstenmal in feinem Leben, daß er es mit der Poft au tun hatte. Die Karte fiel ihm aus den zitternden Fingern in den Kot des Dorfplatzes. Hastig hob er sie auf und las das beschmutzte Blatt wieder und wieder. , v Ach, über den Schöninger herüber kam es wie der süße Rus eines Märchenhornes, lockte die Heimat geheimnisvoll und unwiderstehlich. Und feine braunen Augenbrünnlein füllten sich bis zum Ueberrinnen, als er an den alten Brauch, an das „Wulfenablassen" dachte. Das stammte noch aus Zeiten, wo man den hungernden Wolf verscheuchen mußte, den der Winter in die Dörfer des Waldes getrieben hatte. Und wenn abends die Dorfbuben in luftiger Vermummung lärmend und blasend von Gehöft zu Gehöft ziehen, da wird einer in der Fremde sich traurig abfeits schleichen ... Heimlich ging er über den Hof zum Scheunentor hinaus und rannt« quer über die leeren Aecker davon. Die nassen, klebrigen Schollen hafteten sich an feine Schuhe und machten sie gleich schwer, aber sie konnten den Fuß nicht halten. Nur fort von hier, wo die Worte und die Glocken anders klangen, wo der Himmel keinen Schnee hatte für das traurige Land! Mit gehobener Brust ließ er, als das erste deutsche Dorf erreicht war, die deutsche Lust in feine Lungen fliehen, und die deutfchen Worte, die sich die Leute auf den Straßen zuriefen, schienen ihm kostbare Geschenke zu fein nach langer Entbehrung. Das Landschastsbild hatte' sich geändert: Der Schöninger war etwas zur Seite gewichen und im Westen stiegen neue, fchneeleuchtende Höhen auf: die Heimat. Da streckte der Flüchtling die beiden Arme aus; da rief er die Namen der vertrauten Berge. Die aber standen teilnahmslos und groß, und über ihrem Kamm hing, einer Drohung gleich, der Rand einer grauen Wolke. In gedankenloser Glückseligkeit trabte der Knabe weiter. Bald war die Stadt erreicht. Sie schien ihm furchtbar groß und verwirrte ihn; scheu wie ein Wild ging er durch die Gäßlein und über die Brücken, wo die Heiligen standen. Ein krummes Weiblein, das er zu fragen wagte, wies ihm die Straße. Später Nachmittag war es, der Boden gefror, dem Buben aber war in feinem groben Röcklein nicht kalt. Je näher die Berge rückten, desto höher glühten ihm die Wangen. Aber die Wolke im Westen wurde immer grauer und gewaltiger; wie die feierliche Küste eines Wunderlandes rückte sie langsam dem Wanderer entgegen. Der durcheilte den letzten Marktflecken. Beim Hirfchenwirt hauen sie schon Licht, und der wachsende Mond stand über der uralten Magdo- lenenkirche. Ein Landauer rollte vorüber, und der Müde hängte stch hinten an, um sich ziehen zu lassen. Da pfiff des Fuhrmanns Geißel a>i' n in d-° itzk NaÜ (H Vfi# 'M irf’ mLe rot! k, W i ' sich eil über den nwt wn| , aus iw« n grauen I ;5 feHW«! | r heM i it, um die. nie kältesteifen Hände herab, sv daß'sie von dem WaM äbsteßM. 1 Wen stieg, dunkler wurde es, und die Wolke hüllte die Berge I Vihm ein. Des Flüchtlings Blick jedoch ruhte auf dem Boden, der E eine dünne Schicht Schnee trug. Die war wie eine Botin, die ihm die ^uat grüßend entgegengesandt hatte, und neue Kraft schien aus der Sn Erde in seinen Körper Su. fließen, frischen Mutes griff er aus »« Wind kam, hob den feinen Schnee, träufelte und drehte ihn und IE ihn wieder sinken, wie ein Kind plötzlich vom Spiel ablaßt. Und I» Wolke stand nun gerade über dem Knaben und ließ sich leise nieder. Da huschte es blinkend daher, fetzte sich auf fein Haupt und zerfloß M kam wieder aus der grauen Lust, erst einzeln und ernst, dann in lEL Rudeln, in wimmelnden Heeren, die Feld und Wiese weiß 6,-hten und die Wegspur zu verwischen suchten. Da freute sich der Ki> und er dachte an die Freude des biblischen Balkes, als das Manna Cr Himmel fiel. Und ihm war der finkende Schnee lieber als das närenfce Brot, wonach der Hunger in feinem Leib wie ein böser Hund fc.-rte. Er nahm den Schnee, der sich noch nicht ballen ließ, in die laö warf ihn hoch über sich, daß es stäubend über Hut und Haar Er er freute sich über feine Fuhtapsen, die er kreuz und quer über Weg gehen ließ. Er bezeichnete mit einem Stecken, den er von Er kahlen Staude gebrochen, Buchstaben und Gestalten über die große fcreibtafel, die ihm der Winter hingelegt hatte; er streckte sich nut weit- Eeiteten Armen und gespreizten Beinen in den tiefen Wiesenschnee, tig dann auf und bewunderte den Abdruck, der wie em hohler, ■6er Schatten vor den Füßen lag. Der spielende Wind wuchs, und als der verwehte Weg über die Heide ffo-te wo der Sturm ankonnte, da fausten die Flocken waagrecht und Wrf auf den Buben los, füllten ihm Kleider und Taschen, füllten fein tränendes Ohr mit Schnee und- nähten ihm die Wange und den Hals, 8,1 der aufgestülpte Rockkragen nur wenig bedeckte. Die Linke, die Mlich des Freundes Karte hielt, erstarrte ihm fast. Der Sturm zerrte Et die Luft vom Mund weg, so daß er sich oft wenden mutzte, um illiim zu finden. Kämpfend errang er sich den Weg, oft stürzte er in Seitengraben, oft irrte er weit vom Pfad ab. Endlich kam er an den M des Berges. Da schwieg der Sturm, er hatte sich in dem Kronen- z echt des schützenden Waldes verfangen, längs dem der Fuhpsad an- Mi. Run war das Dorf nimmer weit. i Da' kam dem Buben erst das Bewuhtfein seiner Tat und er er- llbiat vor dem, was er kommen sah: den Hohn der Nachbarsleute und Htt Schmerz der Mutter, des Vaters rauhes Wort, den Schlag feiner lWichigen Hand. . v ... t Aber wie schauerlich schön mag es jetzt daheim seml Wie mag jetzt Wind im Rauchfang klagen! Die Mägde sitzen um den Tisch und ish-ißen Federn, und die Großmutter dreht die Lampe hoher und '■tetert: „Loset, wie die armen Seelen meinenI" Und im Wald da stehen - iii Fichten mit weißen Hauben und weißen Mänteln. Und das Vogel- Ksel im Pfarrholz drin, wie wird es dem gehen? Ein geschnitztes und »mattes Muttergotteslein hatte er hineingestellt und dann die Vogel- ’Ä fcqe im dicksten Wald hoch oben im Gupf einer Tanne aufgehangt, war fein Geheimnis und sein Wallfahrtsort. Run mag die Mutter °Ui," 6rtes auch ganz verschneit fein! d||l,il* , Aber der Vater der Vater wird fchön bos werden! Wenn nur das oon M - nd MA ie ton* k ®i02 s traunO1 rf trrff en®«* ftbore ®ar fft fJS ilf ** «T> . | Run kam die Bergblöße. Schneelicht hellte die Nacht. Da standen 6e? V Irselne Bäume in Gruppen und steckten rote flüsternde Verschwörer - dunklen Häupter zusammen. Hier und da ragte eine Kranwittstaude imoeit des Weges und schien mitzuroandeln. Dem Buben wurde bang, ml froh war er, wenn er den unheimlichen Gesellen weil hinter sich hatte. Timer steiler ging es, die Beine wurden ihm zu kurz in dem tiefen 5t nee. Wälle gab es zu erklimmen, Schanzen zu ersteigen, Burgen zu mgchen. Sein erschöpfter Leib bedeckte sich mit Schweih. Heimat, du »i:|t schwer erkauft! r ™ , Da stieg hoch und einsam ein Holz vor ihm auf, ein Wahrzeichen A Schnee, der „Herrgott in der Wiesen". Die Grenze der Dorfgemar- iüig war erreicht, hier schloß sich der Wald wieder, und die Lust war teig. Feierlich und schwer sanken die großen Flocken, die oben vom Sturm wild umhergewirbelt worden waren, zu Fußen des Kreuzes, in* der gütige Winter hatte das dorngekrönte Haupt des Erlösers mit liier weichen Schneekrone Überdeckt. „Dem wird auch leichter sein! Der Stxnee meint es halt gut", dachte der Bub und bekreuzigte sich. Noch einige Schritte stolperte er weiter, dann wurde er aus einmal Wißt müde, er mußte sich setzen. Auch seine Gedanken gingen so langsam, ili hatten sie sich ebenfalls die Deine mübgelaufen . _. „Was wird der Vater reden, wenn ich zur Tür hereinkomme. Die M wird er erheb en: „Du Schandfleck, warum bist du davongerannt? - Was werde ich darauf sagen? „Ich weiß nicht, warum ich davon- je-annt bin. Ich hab' müssen." . „ . Seufzend sank fein Kopf in den Schnee. „Einmal, da hol d er Vater '«ten Hund verkauft — und der Ist auch davongelaufen , ift heimge Icmmen — in der Nacht — hat Daxel im Hof geheult — und gewinselt, h ist der Vater auf — und hat ihn hereingelafsen — hat ihn nicht geben — hat ihn gestreichelt — er wird auch mich nicht hauen — er ®i"b mich streicheln — wie den Daxel." __, Die Augen des Kindes lächelten und schloffen sich. ®angnahe unö kumhaft klangen wohlbekannte selige Glocken. Die Hand fpielenb in Schnee der Heimat getaucht, lag es da. Durch den Schnee jagte ein Dackel daher. Verwundert beschnüffelte ff das fast verschneite Kind und Hub plötzlich °>n tolles, stürmisches Dibell an, rannte wie besessen den Weg zurück und kam wieden !i tzer, hagerer Mann tauchte aus dem Gestöber und folgte de . Mit einem Schmerzensschrei brach er bei dem selstasendenKind in ^ii Snie. Es regte sich, öffnete schwach die Augen und staunte. „ , wgel!" . „Du lebst! Du lebst!" schrie der Mann außer sich vor Freude und t fein Kind in heißer Liebe an seine Brust. Neue Ansichten über die „Neuen Sterne*. Von Dr. Erwin Kossinna. Von Jett zu Zeit ereignet es sich, daß am Himmel plötzlich, wie aus dem Nichts entstanden, ein „neuer Stern" aufleuchtet. Wo am Abend zuvor in der betreffenden Himmelsgegend noch keine Spur einer Veränderung zu sehen war, da strahlt jetzt ein heller Stern, eine „N o v a“, wie die Astronomen sagen. Ein neuer Stern gibt dem Sternbild, in dem er erscheint, ein ganz anderes Aussehen und bringt Leben in das scheinbar' so starre Antlitz des Fixsternhimmels. Aber nur wenige Tage hält er sich auf der Höhe seiner Leuchtkraft. Unter Schwankungen nimmt die Helligkeit zuerst ziemlich rasch, dann langsamer ab, so daß der Stern nach einigen Wochen dem bloßen Auge entschwindet und schließlich nur noch in großen Fernrohren wahrgenommen werden kann. Ist wirklich ein „neuer" Stern entstanden? Sind vielleicht zwei dunkle Weltkörper bei ihrem Laus durch das All zusammengeprallt und haben sich in einer gewaltigen Katastrophe zu einer neuen, hell strahlenden Sonne vereinigt? Bis zum Auftreten der glänzenden Nova im Perseus 1901 war man in der Tat dieser Meinung. Der schwedische Astronom Knut Lundmar k^hat die in alten Chroniken vorhandenen Auszeichnungen von Neuen Sternen unkerfucht und gesunden, daß in der Zeit vom Jahr 134 bis 1578 etwa 48 Neue Sterne beobachtet worden sind, also durchschnittlich alle dreißig Jahre eine Nova. Aber dieses Bild ändert sich mit einem Schlage, wenn wir die Zeit nach der Erfindung des Fernrohrs (um 1600) betrachten. Seit der berühmten, von TychoBrahe beobachteten Nova in der Kassiopeia 1572 zählte man bis 1936 240 Neue Sterne, davon feit 1890 allein 223, Erst in der neusten Zeit find wir durch die ständige photographische Ueberwachung des Himmels über die Häufigkeit der Neuen Stern« einigermaßen unterrichtet. Danach müssen wir in unserem Milchstraßen- fnftem jährlich mit mindestens 30 Neuen Sternen rechnen. Lundmark schätzte ihre Zahl auf hundert im Jahre. Annähernd ebensoviel treten aber auch im Andromedanebel auf, der bekanntlich ein benachbartes Sternfnftem von der Größe der Milchstraße darstellt. Zahlreiche Neue Sterne sind ferner in anderen Spiralnebeln auf photographischem Wege entdeckt worden. ., . r ,, . . Neue Sterne sind daher durchaus nicht ein so seltenes Ereignis, wie man früher annahm; nur die dem freien Auge sichtbaren auffälligem Erscheinungen find verhättnismäßig selten. Der Grund dafür liegt vor allem in der enormen Entfernung, sie meist mehr als 1000 Licht; ah re beträgt. Für die Nova im Herkules 1934 ergaben ine Messungen beispielsweise einen Abstand von 1500 Lichtjahren oder 14 000 Billionen Kilometer. . _ ., _ S,A Die glänzendsten Nova-Erscheinungen der neueren Zeit roaren dir Nova im Perseus 1901; im Adler 1918, welche ast Smushelligke't er- reichte- im Schwan 1920, in der Malerstaffelei (am Sudhimmel) 1925; im Herkules 1934 und in der Eidechse 1936. Mit wenigen Ausnahmen treten die Neuen Sterne fast alle in der Milchstraße auf; sie zeigen eine starke Konzentration nach dieser Symmetrieebene unseres Fixstern- ^^Als Ursache des Aufflammens einer Nova kann ein Zusammenstoß nicht in Betracht kommen. Es gibt im Weltall keine Karambolagen rote aus der engen Fläche des Billards. Dazu find die Entfernungen der Fixsterne untereinander viel zu groß. Von der ungeheuren Vereinsamung der Sterne im Weltenraum machen wir uns erst einen richtigen Begrifft wenn wir sie auf einen anschaulichen Maßstab verkleinern. Denken wir uns die Fixsterne als Kugeln von Kirschengröhe, fo würde deren gegen» feitiaer Abstand immer noch über 1000 Kilometer betragen, entsprechend der Entfernung Berlin-Rom. Auf ganz Europa käme k°um ein Dutzend solcher kirschgroßen Modelle von Fixsternen. Bei dieser Weiträumigkeit ergibt die Wahrscheinlichkeitsrechnung, daß viele Millionen Jahre vergehen, ehe zwei Sterne sich aus Jupiter-Entfernung nahe kommen, von einem Zusammenstoß gar nicht zu reden. Reue Sterne entstehen nicht erst bann, wenn wir sie Aufleuchten sehen. Auf photographischen Aufnahmen, die kurz vor dem Erscheinen einer Nova, von der betreffenden Himmelsgegend ausgenommen wurden läßt sich in den meisten Fällen genau an dem Ort der Nova em schwaches Sternchen Nachweisen, das oft schon eine gerotffe Veränderlichkeit ferner H^Typisä? für die Neuen Sterne ist das jähe Aufflammen zur größten Helligkeit. Innerhalb von zwei bis vier Tagen wachst die Helligkeit auf das zehntaufend fache bismillionenfache an Merkwürdigerweife ändert sich dabei die Sttahlungstemperatur nur wenig Dagegen verraten die starken Verschiebungen der Spektrallimen nach Violett "eine äußerst rasche Annäherung der leuchtenden Massen, die^plötzlich mit rafenber Geschwindigkeit auf uns zu kommen Der Stern bläht sich explosionsartig auf. Sein Durchmesser vergrößert sich in Zwei Tagen aus bas 100- bis 300fache. Bet der Nova im Herkules 1934 betrug die mittlere Ausdehnungsgeschwindigkeit 400 Kilometer, bei bet Nova in der Eidechse 1936 1500 Kilometer in der Sekunde. Das ist tausendmal so schnell wie das Geschoß des Ferngeschützes, nut dem während des Weltkrieges Paris auf 130 Kilometer Entfernung beschossen mUfffiir haben es also mit einem unvorstellbar gewaltigen Naturvorgang zu tun. Es ist so, als ob unsere Sonne sich plötzlich über die Erdbahn hinaus bis zur Marsbahn ausdehnen und ihre an sich schon unbegreiflich große Licht- und Wärmestrahlung verhunderttausendfachen wurde. Wenn wir berücksichtigen, welche ungeheuren Energiemengen ein Wohnlicher Fixstern in jeder Sekunde in den Raum ausstrahlt, so bekommen wir ttnen ungefähren Begriff von dem Ausmaß der Katastrophe, um die es fich bei einem Novaausbruch handelt! Es ist klar daß unsere Sonne niemals einen Novaausbruch gehabt haben kann solange Leben auf der Erbe herrscht, bas heißt feit minde- ftens 1000' Millionen Jahren. Die heranflutenden glühenden Gase würden alles Leden vernichtet und geradezu steril,fierend gewirkt haben. | Anderseits sprechen gewichtige Gründe, insbesondere die g»ohe Haufig- »ersteht betrinti® Ate. W ;attc. U« reiiide ft Indessen verschwand er nicht, wie wir gedacht hatten. See-Elefant! scheinen zu erraten, was man von ihnen erwartet, um dann das gertii Gegenteil davon zu tun. Erwarte Rückwärtsgang, und du wirst seh« daß sie sich umdrehen: ebenso umgekehrt. Erwarte einen Angriff, utti man kommt dir freundlich entgegen: erwarte Liebenswürdigkeit, und H Elefant wird dich angreifen. Aber dieser Angriff ist nur spielerisch, den« allem Anschein nach sind diese Elefantenherzen bar jeder Tücke um) Niedertracht. In ihnen wohnt kein Mißtrauen und kein Groll. Auch nachdem wir ihnen Steine auf den Rücken geworfen um) Schlingen um den Hals gelegt hatten, betrachteten sie unser Handeln nid! anders denn als Beweise liebenswürdigster Hochachtung. Nummer behielt die Augen lange genug offen, um noch zu sehen, wie sein NaäM ins Meer rutschte, dann schloß er sie wieder. Nummer Zwei, noch ratlik- über unser unerklärliches Vorgehen, drehte in den Sturzwellen bei. SD$I ®°Pf und Schultern aus dem Wasser tauchend, verharrte er in nachsichtig Beobachtung. Sich mit den Wellen hebend und senkend, sah er aus tu auseinander wie das Bugwaßer des meerdurchfurchenden Dampfers. M Hosenboden machte sich schon eine heftige Reibung bemerkbar, als fiert Elefant sich umdrehte. Wahrscheinlich wurde er eines leichten SÖBiberftaiüs gewahr. Mit bem Kopf zum Meer gemenbet, erhöhte er feine Geschah i digkeit. Humpelnd und stampfend schleppte er uns gemächlich der Bm»! düng zu. Wir erhoben uns, einmal nach rechts, bann wieder nach lintöl scherend, um die Seine an irgendeinem Felsen festzumachen, aber tret'| geblich. Es hätte auch nicht viel genützt, denn wie spätere Erfahryng-'I zeigten, stand die Zugfestigkeit der Seine in gar keinem Verhältnis m Riesenkraft dieser Ungeheuer. Nur ein verzweifelter Schnitt mit b« Jagdmesser rettete den größten Teil des Sassos. Der Herr Elefant wälA« sich in die wogenden Fluten.