Lietzener KmilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ;a rgang <939 Zreitag, den (2. Mai Nummer 36 § DER HEILIGE Novelle von Conra- Zerdinanü flieget •ßunqajpoß v Ws ich dem Königs von dieser schlimmen Begegnung Bericht gab, ihoj ihm das Blut dunkelrot zu Kopfe vor Zorn und Liebe. ,Sir müssen mit der kleinen Dame über Meer', sagte er und mWte die Brauen. ,Und zur Stunde! Bevor der Habicht die Taube Lischt!' kr befahl mir auf den Abend drei gesattelte Rosse und für ihn eine inijteinbare Tracht bereit zu.halten. ty war schon dunkel, als der erst spät vom Kanzler freigelassene Mantel und Kappe ergriff und sich zu Pferde warf. lach einer Stunde scharfen Rittes, schon fast auf der Hälfte des ! Big s, winkte er mich an seine Seite und sagte mir, ich kehre in der ijutf nicht mit ihm zurück, sondern habe morgen in hem Schlößchen ; H ILeiben und die Herrin mit einer Zofe nach eingebrochener Nacht i ui eine nächste Burg zu bringen, von wo er sie werde übers Meer liefern lassen. l«sch waren wir am Ziel. Der Herr sand für sein Haupt einen i nitcn Pfühl und ich am Fuße der Mauer einen harten, den Sattel i itiii»s Pferdes, dem ich mit den zwei andern eine nächtliche freie ;. ! Bräe gönnte. ffs sich die nebelfeuchten Wipfel des Waldes vergoldeten und ich «ba die drei Tiere wieder eingefangen hatte, trat der König aus der • if»be, und an seinem Arme hing ein liebliches Geschöpf, nicht über sinsehn Jahre alt. Das schönste Mädchenhaupt, das ich je erblickt habe, lüjns an der Schulter des Königs und heftete auf feine lusttrunkenen ifort zwei flehende und furchtsame. Rabenschwarze Haare, von einem Mnen Stirnreif zusammengehalten, flössen aufgelöst über die zarten Hütern und Hüften nieder bis fast zur Erde. Sie war in Tränen, t zerr Heinrich sprach ihr Mut ein. .ti) lasse dir diesen hier. Er ist mein -treuer Knecht und wird dich li» wie seinen Augapfel. Laß dich heut abend ohne Furcht zu Rosse Ipe. Es muß sein, ich will es, Grace! Ein kurzes, und wir sind unter «nm warmen Himmel wieder vereinigt.' Jr küßte sie, schwang sich zu Pferde und sprengte von dannen, wäh- '• e> ihm das Kind mit beiden Armen Grüße nachsendete. Mir aber war cils Blut aus dem Herzen gewichen. Die Wahrheit durchfuhr mich t»“in scharfer Strahl. Vernehmt es: der König hatte den Kanzler r W(bei einer prächtigen und ehrgeizigen Schönheit ausgestochen, Leid t M Zünde! er hatte sich an des Thomas Becket unschuldigem Kinde "Pffen. Wißt: Gnade, wie sie der König genannt hatte, war des iK'tts leibhaftiges Ebenbild, soweit ein junges, unwissendes Antlitz erkälteten und welterfahrenen gleichen kann. Der edle Zug seiner Jhisn, seine dunkeln, schwermütigen Augen, das ernste Lächeln seines j w-es, die Sanftmut seiner Gebärde — da war kein Zweifel: Gnade, j um des Kanzlers Schwester zu sein, war sein eigen Fleisch und "«t Herr Heinrich, ein christlicher König, hatte schlimmer als heidnisch ^Nemer unmündigen Seele und einem kaum reifen Leibe gesündigt. <.,.0'gleich «in armer Knecht, zürnte ich mit meinem Herrn, und meine elchL ballten sich, als hätte man mir das eigene Kind zerstört. Alsobald JW mich auch eine große Kümmernis, und ich hätte blutige Tränen wögen, daß mein König, den ich lieb hatte, durch den Mord "^Unschuld den göttlichen Zorn" herausfordere. Ich suchte den hohen JF’ zu entschuldigen mit seinem starken Blute, seiner Allmacht, seinen unklugen Stunden, doch vergeblich! Es klang mir in den Ohrem «i a)err hat eine Todsünde begangen! Meine Sinne öffneten sich: ich t Schutzengel, der sich aus Betrübnis und Scham mit beiden q ein weißes Tüchlein vor das Gesicht hielt, und hörte die i pinen des Gerichtes mächtig erdröhnen. r.^ch 'ch nahm mich zusammen. Die zwei Tiere, zwischen denen ich !'«-» wurden unruhig, ich faßte sie fester, und meine Verzückung wich. b Kind des Kanzlers war in der Burg verschwunden. Aescher Er® «Kein im Torweg und winkte mich zum ersten Male in fein 'IV- in die dicke Ringmauer hineingebautes Wächterstübchen. ; !«h scheu und elend aus und war so zerfahrenen Gemütes, daß ,?^8«ß, mir die Speise und den Trank vorzusetzen, deren ich nach « .^Schrecken wahrlich bedürftig war. Während ich mir selbst zu a K,n«.®ro^e «erhalf und den Weinkrug aus dem Wandschrank holte, K j.„ „ zögernd, die von meinem Könige befohlene Flllchtung der L "2 ®n«be werde nicht ohne Gefahr sein. Er habe seinem Herrn, Kanzler, in aller Treu und Redlichkeit berichtet, das Waldschloß werde von dem Normannen Malherbe seit mehreren Tagen belauert und umkreist. Er erwarte stündlich den Kanzler, der mit Bewaffneten anlangen und eine Besatzung hinter diese Mauern legen werde. .Hätte ich doch dem Teufel widerstanden', jammerte er in elender Reue, ,und meinem Herrn gleich den ersten Besuch des deinigen geoff en- bart. Mein Leib wäre daraufgegangen — jetzt hab' ich auch meine Seele verkauft! — Aber woher den Mut nehmen, mich der höchsten Gewalt zu widersetzen! Verwirrender Schrecken wandelt vor deinem Könige her! Fluch über die Stunde meiner Geburt! Alles, selbst die Kenntnis des Guten und Bösen, haben uns diese Normannen geraubt! ... Aber auch mein Herr, der Kanzler, trägt eine Schuld. Er, welcher die verkörperte Weisheit ist, hat Gnade schlecht erzogen. Glaubst du mir's, Bogner? Kein Kruzifix, kein Meßbuch, keinen Heiligen halten wir im Hause! ... Außer einem geringen Sankt Joseph dort in der Mauernische für uns Dienstleute. — Mit arabischen Lettern bedeckte Pergamente brachte er dem Kinde, heidnifche Märchen, die den grausamen Weltlauf zu einem süßen Abenteuer verfälschen — und das Kind ergötzte sich bei Tag und Nacht an diesem schönen Lug und Trug. Auch Monna Lisa, die welsche Lautenspielerin, ihre Zofe, hat den Kanzler in Gedanken oft darüber angeklagt. Die Aermste! Sie hielt den Gang des Königs kniend auf. Aber er füllte ihr die Hände und schob sie beiseite. Bei den Weibern ist dein Gebieter ein so herzgewinnender Herr, als für uns ein grausamer König — und fo wurde die Torheit begangen.' Während der greise Sachse also bänglich und unnütz jammerte, hatte ich mich nach und nach mit Trank und Speise gestärkt und in meinem Gemüts ermuntert. ,Hans', sprach ich zu mir, ,sei kein altes Weib — nimm dich zusammen. Unheil ist geschehen; aber noch ist eine Möglichkeit, daß es zum Bessern umschlage. Wer weiß, ob Königin Ellenor nicht vor ihrer Zeit mit dem Tode oder nach ihrer Zeit mit einem Fahrenden abgehtl So würde der Herr frei und machte seine Gnade zur Königin. Ist sie doch zwiefach aus fürstlichem Geblüte! Besorge du das Heutige und bringe das Kind über Meer!' Wißt, Herr, das sagte ich, um mich zu trösten. Aber, glaubet mir, all meine im Herrendienst schwer erworbene Habe, meine Kunst und die Hälfte meines Blutes hätte ich daran gegeben, um Herrn Heinrich von seiner Tat und mich von meiner Dienstleistung dabei loszukaufen. Diese Sünde sank so schwer in die göttliche Waagschale, daß ihr Gewicht den Herrn und den Knecht wohl erdrücken konnte. Herr Heinrich hatte den Glauben eines Kindes mißbraucht. Gnade war von beiden Eltern her heidnischen Blutes, und die unterwürfigen arabischen Weiber beugen sich vor dem Zepter bis in den Staub. Der Sönigift ihnen an Gottes und des Gesetzes Statt und mehr als Vater und Mutter. So begriff ich, daß Gnade das böse Geheimnis des Königs vor dem Vater bewahrt hatte. Wie heiß und unbesonnen mußte der Kanzler sein Töchterlein lieben, um es, der sonst nach allen Seiten Umblickende und das Keimen der Dinge Belauschende, in seine und damit in die Nähe des normännischen Hofes gebracht zu haben — so klügelte ich weiter. Und wie schwer wird er es bereuen! — Doch ich raffte mich schleunig auf, um das Nötige zu beschicken. Ich nahm drei runde Brote unter den Arm und führte meine zwei Rosse, die draußen angebunden standen, in eine nahe Waldschlucht neben ein klares Wässerlein, speiste sie, ließ sie saufen und knüpfte ihre Zügel an zwei Fichtenstämme. Es tat mir wohl, für zwei kluge und treue Ge- fchöpfe zu sorgen, die nichts wußten von Verrat und Sünde. Als ich aus der Schlucht wieder emporstieg, schreckte mich ein Hornruf, der aus einer andern Ecke des Waldes erscholl, und auf welchen das Flattern eines Tllchleins von der die blaue Kuppel umgebenden Zinne antwortete. Schleunig durcheilte ich den mich von der Burgmauer trennenden Raum und schlich, in ihren Schatten gedrückt, nach der Pforte, durch die mich der erbleichte Aescher zitternd hineinzog. Seine kleine Pförtnerstube blickte durch drei schmale Luken in das Freie, in die Torwölbung und in den Burghof. Wohl ein Dutzend Reisige sprengten aus dem Walde. Voran der Kanzler, den ich an seinem wunderschlanken arabischen Grauschimmel erkannte und an der feierlichen Art, wie er ihn lenkte. Er war in voller Rüstung mit gesenktem Visier. Vor dem Tore, wo sie abstiegen, ließ er von einigen die Tiere in der Richtung der Meierei wegführen; die übrigen folgten ihm, nicht zu meiner Freude, durch die Pforte und erhielten im Hofe den Befehl, sich rings auf die Mauerzinnen zu verteilen. Ich hatte meinen Standort gewechselt, den Kanzler im Auge behaltend, dem jetzt Aescher Rechenschaft abzulegen schien, und der dann in der Burgwohnung verschwand. Der alte Pförtner trug den Schlüssel meines Versteckes am Gurt, ich war in der Falle und legte mich auf die Lauer. Mir gerade gegenüber, in der Mitte des Burghofes, stand der Kuppelbau, von dem Halbrunde feiner mit immergrünen üppigen Sträuchern bewachsenen Terrasse umgeben. Nach einer Weile trat Herr Thomas, Gnade an der Hand haltend, durch die hohe Bogentur und ließ sich mit ihr aus einer weiß schimmernden Marmorbank nieder neben einer rot geäderten Schale, über welch« emporschießende Wasserstrahlen sich in der Lust kreuzten. Und aus solcher Nähe blickte ich in die besorgte, aber mcht argwöhnische Miene des Herrn und in Gnades rätselhaftes Gesichtchen, daß ich plötzlich den Kops zurückbog, obgleich die Mauer, durch die ich auslugte, außen von Eppich überspannen war. Jetzt winkte der Kanzler die Zofe, welche mit gesenkten Augen unter der Tür stand, hinweg — wohl jene welsche Monna Lisa, deren Tugenden ich eben aus Aeschers Munde kennengelernt hatte. Eine Weile saßen sie schweigend, und Grace blickte, um den väterlichen Augen,auszuweichen, in das perlende Wasser. . Dann begann der Kanzler in arabischer Sprache: „Mein Kind, du wirst nur noch wenige Tage hierbleiben, und es ist nicht unmöglich, daß du in dieser kurzen Zeit noch durch einen Uebersalt geängstigt wirst. Aber fürchte dich nicht. Ich lasse dir zehn tapfere Leute, welche diese Mauern gegen feindliche Ueberrafchung zu halten vollkommen imstande sind. Du wirst dich nach und nach an Waffenlärm gewöhnen müssen, mein scheuer Vogel. Das ist das Los jeder Burgfrau in der Willkür und Zuchtlosigkeit dieser Tage. v . Und es ist die Zeit gekomnien, daß ich mich von dir, meine Wonne, trenne und dich vermähle. Nicht zwar unter diesem feuchten Himmel, sondern jenseits des Meeres, in einem sonnigen Lande von mildern Sitten. Wenn es fein kann, und dich dein Stern dahin führt, nicht weit von deinen Pflegeeltern im Poitau. Du gedenkst doch immer noch des ehrlichen Calas, dem sie, weil er Arabisch versteht, nachreden, daß er aus maurischem Geblüte stamme, der aber fein Vaterunser betet, nicht anders als wir beide? Ist doch kaum ein Jahr vergangen, daß der Alte, dich hierher bringend, mit Tränen sich von dir getrennt hat! Ich weiß nicht, ob es gut war', sagte er, die Stirne faltend. .Sollt' ich mich', fuhr er fort, wie sich selbst entschuldigend, da Grace schwieg, .nicht eine kurze Spanne meines Lebens an beider keuschen Jugend ohne Teilung erfreuen? Doch ist nun die letzte Frist verflossen, die ich mir gönnen konnte, und der Augenblick des Scheidens da. Ich darf dieses liebe Haupt nicht gefährden!' und et legte ihr die schmale Hand auf den Scheitel. .Der Herr verreist morgen nach dem Festland«, und ich folge ihm in wenig Tagen. Du aber begleitest mich, dicht verschleiert, mit deinen Frauen und weichst nicht von meiner Seite, bevor ich dich in die Hut eines tapsern und seinen Mannes gebe. Der König wird mir doch einen Tag, wenn er von seinen unreinen Freuden trunken ist, für meine reinen gönnen. Diefer König!' fügte et mit verächtlichen Lippen, als erblickte er ihn leibhaftig vor sich. — Wahrhaftig, ich wundert« mich, ihn fo reden zu hören. .Erschrick mir nicht', fuhr er fort, denn Graces Hand, di« er lest- hielt, zuckte in der (einigen, .ich verstehe zu wählen. Ich werde zusehen, wem ich dich anvertraue, und auch aus der Ferne meine Hand schirmend über dir halten, denn ich bin mächtig in allen normannischen Landen. Und in ein Kloster begehrst du dich nicht einzuschließen? Nein, sagen mir deine Blicke, du hast kein« Sünde zu büßen und Licht und Sonne nötig.' Wäre der weise Herr Thomas nicht in seinen eigenen Gedanken befangen gewesen, er hätte die Seelenangst seines Kindes bemerken müssen; aber feine Augen waren gehalten, und Grace die nach Worten rang, brachte endlich ein schwaches Flüstern hervor: .Wer ist es, Vater, der mich hier gefährdet?' .Wer?' wiederholte der Kanzler mit leise bebender Stimme und wie mit dem Entschlüsse, feinem Kinde den Lauf und die Bosheit der Welt nicht länger zu verbergen, sagte er ohne Hehl: .Eine besudelte Königin. Sie haßt mich, ihre Späher haben ihr von deinem Dasein berichtet, und ich will nicht, daß Frau Ellenor von dir wisse und an dir herumrate — ihre Gedanken schon verunreinigen.' Grace erblaßte, woran ich ersah, daß Herr Heinrich vor ihr fein Eheweib, an dem nichts zu rühmen war, klüglich mochte beschwiegen haben. Sie raffte sich aber zusammen und flüsterte wieder: ,So sprachest du, mein Herr und Vater, nicht immer. Hattest du nicht beschlossen, mich einst vor das Angesicht des Königs zu stellen, und rühmtest du nicht seine Gunst als die eines gütigen und majestätischen Herrn? Auch Herrn Richard hast du vor mir gelobt .. ,Sp»ach ich so', erwiderte Herr Thomas ernsthast, ,so sprach ich töricht und beirrt von meinem väterlichen Wohlgefallen an dir. Ich hab« mich eines Besseren besonnen. Jene eitle Rede sei verweht wie die Luft, in der sie verhallte. Du darfst nicht an den Hof, in diesen Pesthauch, wo nichts Reines gedeiht. Aber in einem sprichst du recht: dem Könige gebührt Ehrfurcht und Gehorsam! Doch genug! Meine Stunde ist um. Uebergib dich kindlich und ohne weitere Gedanken meiner Sorge Meinst du, daß ich dich hebe? Unermeßlich! Mein Einziges, mein Alles!' Und er drückte ihr einen sanften Kuß auf di« Stirne. Herr Thomas hatte sich erhoben. Er ließ seinen prüfenden Blick rings über die Zinnen gehen, ob jeder seiner Reisigen den befohlenen Posten wahre, und so durchdringend war dieser Blick, daß ich mich in meinem dunklen Versteck auf den Boden gleiten ließ und nur noch die Worte vernahm: ,Jn drei Tagen denn! Bereite dich. Aus Wiedersehen!' und den an den Anführer der zehn gerichteten Befehl .Du lässet mir niemanden ein noch aus bei deinem eigenen Leben!' Als ich mich vorsichtig wieder in die Höhe richtete, war die Marmorbank leer. Thomas Decket mit seinem unglücklichen Kind« war verschwunden. Mir hatte geschaudert, da ich den Mann, welchen ich als allwissend kannte, zum ersten Male als einen Getäuschten und Betrogenen erblickte; Entsetzen kam über mich, daß der väterliche Glaube an di« teure Unschuld eines Kindes dem Teufel dazu hatte dienen müßen, den Scharf- Mai 6*5 Wl IJ Jul tai Wat Mein »ü , ,3 blick des Klügsten zu blenden und durch eine vollkommen« Rüstung bar vergifteten Pfeil zu treiben. _ , . _ , Nach einer Weile wurde draußen die arabische Stute des Kanzle,- vorgeführt, Herr Thomas uerritt, und der Schlüssel knarrt« in der Tm« meines Gelasses. Aescher starrt« mich mit seinen hilflosen, matten Auge- an ich sah, daß er völlig haltlos war, und ergriff die Herrschaft. ' .Geh hinüber', sagte ich, bringe Monna Lisa, der Lautenspielerin, iw Namen des Königs den Befehl, sie hab« sich bei Todesstrafe mit ihm jungen Herrin reifefertig zu machen und diese Nacht im Torgewölbe sich einzufinden, sobald deine Ampel erlischt. Geh!' , 1 Er kam mit der Antwort zurück, di« Welsch« leist« Gehorsam. As hieß ihn, da es dämmerte, fein Licht an zünden und sich, die Kreid« « der Hand, vor feine Rechentafel fetzen, wenn etwa eine aus der gegen: überliegenden Zinn« auf und nieder schreitende Wache einen mißtraut ischen Blick in das helle Fenster schickt«, und warf mich in eine Ecke au fein Lager, denn ich war nach der Spannung des Tages der Ruhe dv dürftig. Ader der stöhnende Alte verdroß mich mit feinem ängstlichen murmel und feinen eintönigen Selbstanklagen. Ich gebot ihm Ruhe unä fand doch den Schlaf nicht. ... Wie es denn grausamerweise geschehen kann, daß, während das jyr- von Angst zusammengepreßt ist, die kalten Gedanken unermüdlich unü gleichgültig ihren besonderen Weg wandern, arbeiteten die meinigen daran herum, aus welchem Grunde der Kanzler sein unseliges Siiti habe Grazia nennen müssen. Ob der gnädigen Bekehrung feiner eigenen so getauften Mutter zu Ehren, oder einer heidnischen Anwandlung nach gebend, weil Grazia wohl di« himmlische Gnade bedeutet — di« ©oll uns allen schenken möge! —, aber ebensogut die feinste Blute mensh 11 Mt tu ■ IN, t* fc licher Art und Armut. ~ m v Weiter gab es mir zu denken, daß Herr Thomas Gnade von seine» Liebling Richard erzählt und sich also wohl eine Weile in dem sträflich« Ehrgeiz gewiegt hatte, (ein Kind an Herrn Heinrichs Hof und zu fü* lirtjen Ehren zu bringen. Darüber entschlummerte ich, und der Traum gott betrog mich mit allerhand Gaukelspiel. Es ist ja bekannt, daß «e träumte Trauer Freude bedeutet, geträumte Lust Tränen. — M war, als träte ich wieder aus dem Walde hinter Herrn Heinrich, desse« Antlitz sich plötzlich verjüngte und in das seines Sohnes Richard ot» wandelte. Der unbändige Königssohn pochte an das Tor des WaiV schlosses und .zertrümmerte die Pforte mit einem Schlage feiner gepart jetten Faust. Aber der treue Bescher warf sich ihm dreist in den WG und Monna Lisa zürnte in tugendhaften Tränen. Doch sieh«, da trat tat Kanzler, Gnade an der Hand haltend, aus dem Innern des Schloss« und di« Rechte Richards ergreifend, führte er die beiden unter bü: Wölbung der Bäume. Dies« aber verwandelte sich in die Wölbung bat Halle von Windfor. Von Heinrich und Ellenor, die elterlich blickt«, kniete das von Schönheit duftend« Brautpaar, Pauken und Drommet« schmetterten, ich warf meinen Filz in die Lust und schrie: .Lang lefe Prinz Richard und Prinzessin Grazia!" , ..... Darüber erwachte ich und hört« den fahlen Sünder Aescher @ebti» . t.t» d murmeln, und, an das Fenster tretend, erblickte ich das Licht in b® fe Burggemach, wo Monna Lisa mit dem unreifen Kebsweib« eines alt!” | lut* Königs auf das Erlöschen meiner Ampel harrte. . I «i« Es war eine böse Nacht, die schlimmste meines Lebens. Am Hinmi chchl wanderten schwarze, lange Wolken und bedeckten di« wachsend« Mom» t* s sichel mit ihren schleppenden Gewändern. Eben verhallte auf den Zimmi der Schritt der Runde. Ich -löschte die Ampel. .Wir haben zwei Rofp mir* Aescher', sagte ich, hu setzest Monna Lisa auf das deinige.' Wir tafle® uns die Wendeltreppe hinunter. Im Torwege standen zwei verhüll? Frauen. Eine von ihnen, die schlanke, dicht verschleierte, ward M Schluchzen erschüttert. Ich zog behutsam die Riegel zurück, schlich cui| dem Tor« und spähte über mich. Mir war, als hörte ich auf der Mmuü I die Sehne eines Bogens spannen, aber es regte sich nichts weiter -1 ich mußte mich getäuscht haben. , 1 Drei Vaterunser lang, ich habe in meinem Leben keine inbrünftigers’ | gebetet, martete ich Eine Bracke heulte, dann wurde wieder alles fMJ Jetzt holt« ich di« zitternde Gnade, hob sie auf meinen Arm w™ lief mit ihr, was ich konnte, dem Walde zu. Plötzlich wurde es W und lichter um uns. Ein Wolkenbild ward vom Winde so hastig $?■' trieben, daß der Mond aus feiner Schleppe hervorrollte. Ein Psiss und sausender Schwung! Hätte doch der Pfeil mich N' troffen! Das leichte Wesen in meinen Armen ergriff krampfhaft meiusä Hals. Warmes Blut überströmte mich, und di« hervordringend« SpG des Pfeiles, der dem Kinde des Kanzlers die Kehle durchbohrt b®® ritzte meine Wange. Ein ersticktes Röcheln, und es war mit ®n<" zu Ende! Ich ließ die junge Leiche der mir auf den Fersen folgenden Monm Lisa in die Arme gleiten, und während das leichtsinnige Weib ein dura? dringendes Geschrei ausstieß, erreicht^ ich den Wald, von Pfeilen i«* schwirrt und gefolgt von dem keuchenden Atem Aeschers. Ich hatte mich auf das eine Roß geschwungen, Aescher auf andere. Wir brausten über den nächtlichen Waldweg, und ich Aescher, der im Sattel wankt«, wir drückten unser« Häupter in ® fliegenden Mähnen der Pferd«, damit wir nicht abgeftreift mürben t®: den kahlen Besten, welche, als trauerten sie, schwarz und tiefer als lerr herabhingen. Doch wir erreichten glücklich die mondhelle, große Lichtung, an w« Ende der Weg sich senkt. Hier flogen unsere geänftigten Tiere. Da W ich einen mißtönigen Schrei hinter mir. Ich wende mich und sehe Rappen, sonst ein frommes Tier, bolzgerade aufsteigen mit geftrauu.1 Mähnen und plötzlich in wilder Angst sich rückwärts überschlagen. vorüberhuschender weißer Schein hatte ihn erschreckt. Es mag eine via® Hirschkuh gewesen fein wie sie der Kanzler der Seltenheit wegeni feinen gefriedeten Forsten hegte. Neben einem Hausen Feldsteine toa, sich das Roß und lag ein Toter mit entstelltem Gesicht. Da flieg "V das Haar zu Berge. Ich trieb mein Tier an, ohne mich mehr nach "8 verendenden Rappen noch dem gerichteten ungetreuen Knechte umzuftt (Fortsetzung folgt.) Kommandant L35: „Es er gekommen durch die An diesem Nachmittag tarn wichtige Post: Eine allerhöchste KM- nettsorber in der es hieß: „Der bisherige Kommandeur der Marine Luftschiff-Äbteilung wird Führer der Luftschiffe iF b,L.)Ihm unter* stehen die Marineluftschifse und die Marme-Lustschstf-Adteilung. Die Marine-Luftfchifs-Abteilung erhält einen besonderen Kommandeur. Ich verleihe dem Führer der Marine-Luftschiffe die Befugnisse eines 2-2tÖ®rSere9Cäo®5Sm/S)err Kapitän," sagte der Adjutant. „Da- ist "ja eine außerordentlich hohe Anerkennung für einen Korvetten* Fnnifnni citot endlich was wir seit zwei Jahren wollten. F d L. Peter Strasser gab seinem Mitarbeiter still die Hand: ,L>as bedeutet erhöhte Verantwortung. Wendt!" Und blätterte schon wieder m Papieren „Aber wir werden bas schon hinkriegen!" sagte er nebenbei. Die beiden Männer auf der vorderen Plattform suchten unentwegt den Himmel ab. Sie wußten, was ihre Wachsamkeit für das Luftschiff bedeutete. Immer wieder narrte ste eine Geschotzexplosion. Steuerbord querab faßten jetzt die Scheinwerferstrahlen eine Helle Wolke, — nein, — es war ein Luftschiff. Sofort kamen von allen Seiten die Strahlen herbei, es festzuhalten. Peter Strasser biß sich auf die Lippen. Umsprüht von hundert Explosionen, fuhr der Kamerad da drüben unbeirrt feinen Weg. In diesem Augenblick ließ die Abwehr mit einemmal merklich nach. Einige Scheinwerfer blendeten ab. Eine blaue Flamme schoß drüben aus dem Bug. Sofort züngelten die Flammen über den ganzen Schiffskörper bis zum Heck, fraßen sich gierig durch das ganze Schiff. Die Achtergondel brach plötzlich ab, andere Teile folgten, krachend barst der ganze Riesenfisch. Weihglühende Träger leuchteten durch rote Flammen. Prasselnd und knatternd fiel die lohende Masse langsam, dann immer schneller, um jetzt im Absturz von den Flanken des eigenen Schiffes verdeckt zu "" Kein Wort hatten die beiden Männer hier auf dem First gesprochen, aber der Schweiß stand ihnen auf der Stirn. Ein paar Herzschläge lang waren sie erstarrt, gebannt von dem Feuertod ihrer Kameraden. Dann schrie der Kapitän: „Achtgeben! Jetzt kommen wir dran. Das muh em Flieger gewesen sein!" Sie suchten zwischen Sternen und Granaten. Sie horchten, aber das Rauschen des Fahrtftromes über dem kleinen Windschutz, sein Pfeifen nm das Maschinengewehr war alles, was sie hörten, und letzt das tausendfache Gekreisch der Sirnen auf der Insel, die „Sieg' riefen, — „Sieg" über den verhaßten Feind! Schon blendete ste nun neues Licht. Wieder schwamm das Schiff in einem Strahlenmeer. Wieder steigerte sich tue Abwehr zu einem Orkan dessen Einzelheiten die schmerzenden Augen nicht mehr wahr- nehmen konnten. Es zischte, glühte und knatterte um sie herum. Dann ' tropfte achtern eine Leuchtkugel vom Himmel. „Flieger!" brüllte Strasser, und während die Abwehr verstummte, — während die Scheinwerfer verloschen, gaben die beiden Männer ihre Meldung mit Fernsprecher und Telegraph in die Führergondel hinab. Dann waren sie am Maschinengewehr. Aber sie Hatten kein Ziel. Nichts war zu sehen, — kein Flieger, — kein Licht. Wurde der Angriff von vorn kommen, von achtern oder einer Seite? Die Augen brannten, die Pulse hämmerten. , v Da knatterte ein Maschinengewehr kurz auf und im Selben Augenblick zog der Flieger hinter dem Heck hoch, — tiefer, als sie erwartet hatten Sie sahen nur die Flamme seines Auspuffs^ und jetzt die Flügel, undeutlich, im Widerschein ferner Brände. Grüne Striche davor, — Striche in langer Reihe vom Flugzeug ins Schiff: Phosphorgefchosfe! Schon »raffelte dem Feind aus allen Maschinengewehren ine Abwehr entgegen. Puloerdampf beizte. Der Engländer stieß herab. Das Schicksal des Lustschisses schien besiegelt, — ein kurzer Feuerstoß — da bog der Flieger plötzlich scharf ab, — schwamm über den Flügel zur Seite und wurde iosort von der Nacht verschluckt. Sekunden hindurch glaubten sie noch die Auspusslamme zu sehen. Unheimlich, wie ein Spuk war das. Dann aber blieben sie allein. *— Wir müssen höher hinauf!" sagte der Kommandeur nach der Heim- kehr, „6000 Meter mindestens!" Er ging in seinem Zimmer auf unb ab. Wenn er sich wendete, sah er durch das Fenster die Hallen osten stehen. L 21 22 und 34 fehlten noch. Alle anderen waren zuruck. Und er kannte diese Stunden ..., er kannte diese Stunden des Wartens nur Auf einem Tisch lag der Funkspruch von L22: »Schi»! durch Artillerie- treffet toroer beschädigt, brauche dringend Hilfe. In der Nacht war er gekommen. Nun war es Morgen geworden. Torpedoboote waren längst entaeqengeschickt. Wendt hatte das mal wieder gut gemacht! — L 22 kam zurück. Nach Hage, statt nach Nordholz. Kapitänleutnant Hallender hatte die erste, schwere Angrstfsfahrt hinter sich gebracht. Allerdings muhten MG., Ballastwasser und viel Benzin über Bord. Die Motoren hätten das Schiff keine halbe Stunde mehr getragen! sagte der Kommandant durch den Draht. ^tzt° stylten noch T21 und L34. Wer war das in der Nacht? Max Diettich, der alte Handelskapitän, oder Kurt Frankenberg? Später rief Kapitänleutnant Flemming an, Kommandant L 35. „Es Alst Diettich!"" UeSben Atlantik war er gekommen durch die Blockade hindurch, um über England zu fallen ... Mit 15 Mann, die zu den besten gehörten ... Das" wühlte ^niemand. Erst der englische Bericht löste das Rätsel Im Morgengrauen überfielen es fünf englische Nieger als es eben die Küste verlassen hatte Zwei schossen die Männer von L 21 ab, dann brach die blaue Flamme aus dem Rumpf ihres Schiffes, wenige Minuten, nach- dem sie gefunkt hatten: „Habe angegriffen: Bin auf dem Heimweg. Romanze. Don Julius Waldemar GrSsfe. «, horch, was fingen die Wellen am Strand? iaren drei Jäger im Oberland, Die wollten fischen und jagen In ihren jungen Tagen. Sie kamen an einen Wald so grau. Da faß eine wilde, uralte Frau, Die kämmte die weihen Locken, Das Herz töt ihnen stocken. „Vor tausend Jahren, da war ich schon, Da jagt ich die Hirsche auf Berge shöhn. Kein König zog vorüber, Er küßte mich viel lieber! Mein Haar ward grau, und mein Haupt ward schwer» Mag heute keiner mich küssen mehr. Wollt chr das Alter nicht ehren? Ich will euch Sitte lehren!" Drei Haare sie riß aus dem greifen Schöps, Die wirbelt sie lachend über den Kops; Drei schöne Mädchen alsbalde Hinschwebten über dem Walde. Die Jäger standen und staunten sehr, Dann stürmten sie nach mit Wasf und Wehr, Das flüchtige Wild zu fangen — Sind alle verloren gegangen. Marine-Lustschiffe am Feind. Don Thor Goote. Wir entnehmen den folgenden Abschnitt dem Buche „Peter Strasser, der F. d. L." von Thor Goote, der mit dem Gaukulturpreise für 1939 ausgezeichnet wurde. Das Buch sBrsidenstein Derlagsgestllschast, Frankfurt a. M.) wurde früher bereits mit dem Preise der Stadt Frankfurt a. M. für das beste Buch auf dem Gebiete der Luftfahrt bedacht. Marine-Luftschiffe standen wieder über England. Und Peter Strasser ir auch diesmal dabei. Sein Adjutant hatte chn gebeten, sich zu ...onen Seine Kommandanten hatten ihn auf die Notwendigkeit auf» iierkfam gemacht, daß er übrig bliebe. Die Vorgesetzten hatten be- s-hlen. Und der .Lufstchistpadst" hatte Mutter Strasser nach Dresden k-Ichrieben ihr Piter sollte nun nicht mehr selbst mitsahren. Aber Peter «rasser schrieb umgehend: „Meine Mutter muh wissen, daß ich immer tarn bin und jeden Tag fallen kann." Diesmal stand er aber nicht in der Führergondel — nein —, er huerte auf der vorderen Plattform als Ausguck. Mühsam war er im shweren Lederzeug mit den hohen Filzstiefeln die enge Letter durcl; den kchacht hinauf geklettert. „Aber, Herr Kapitän, — bei dieser Kalte! tote der Ausguck erstaunt gesagt, doch Strasser hatte nur so nebenbei cmntoortet: „Die bißchen 35 Grad?" Wenn noch em Mann gebraucht turbe im Schiff, dann war es hier auf dem First als Ausguck gegen tjlieger, wo der Wind um das Schutzfchild jaulte. Und nun kauerte er schon seit Stunden hier oben neben dem Naschinenaewehrschützen, wo bas Dröhnen der Motoren nicht mehr hörbar war. Längst sprachen sie kein Wort mehr. Da kam plötzlich ein unheimlicher Kältestrom über sie. f ... „Verflucht, was ist denn bas!" Der Kommandant schüttelte sich. „Das gibt's hier manchmal!" sagte der andere gleichgültig „Aus len Zellen wird Gas abgeblasen. Und das ist noch tatter als die $uft ..." Und bann, mit einem Seitenblick auf Straffer: »Lat aud) fein Gutes! Danach glaubt man, es wären nur 20 Grad, statt die bißchen 35!" Er schien bas Wort „bißchen" etwas zu betonen. Peter Strasser biß sich auf die Lippen. Der Mann hatte recht. Und Helt bas auf jeder Angriffsfahrt aus manchmal 20 Stunden lang ohne Ablösung! Jetzt stieß er sogar den Kommandeur mit dem Ellenbogen, ber sah erstaunt auf die kleine Flasche. „Guter Grund mal am Korken ;.i ziehen!" Nein, — da konnte man nicht nein.sagen. Warm rann er tt die Kehle, aber der andere spuckte Eisstuckchen auf die Plattform. »Da hat der „Specksnider" doch wieder gepanscht! knurrte er wütend md steckte behutsam die Flasche weg. Ja - so waren diese Kerls! - Und jetzt tobte um sie herum das Abwehrfeuer. Ganz eigenartig »ar das,.anders, als der Kommandeur bas bisher bei feinen Angnffs- lahrten erlebt hatte, denn hier oben sah man ja auf dem ^M^sAn' »ie auf dem Boden eines gekenterten Lrnienfchiffes, und war wirkl ch I mutterseelenallein. Man sah keine Kameraden. Man sah die Erbe nur im schrägen Winkel, und wenn die Scheinwerfer das Luftschiff gefaßt ■'alten, war es, als schwämme das Luftschiff m einem schmerz illeer von Licht. Minuten nur, bann hatte es ber Kommandant schon vieder geschickt aus den Strahlen herausmanovnert, um neu anzu- 'Te&borb voraus pendelten nun die ^heinwerstr, überschnitten sich, imrchleuchieten sich wie körperlose Geister Kieme, blaue Funken sprühten :on allen Seiten unglaublich schnell an den Finken herauf I ahe, daß jeden Augenblick die Flammen aus dem Schiffskörper her torlobern konnten. Dann hätte es keine Rettung mehr gegebe - - .. Doch der Mann neben ihm sagte kein Wort, Dicke, । be Kate n j Wegen nun über das Schiff, fraßen sich langsam 'chmer neu n unt i -rauf. Schrapnelle barsten krachend über, neben und hinter dem hier oben, fern vom Donner der Motoren, hieb ihr Pauttn !chars legen die Trommelfelle. Dumpf dröhnten schwere Explosionen auss Der -iefe herauf. Das mächtige Luftschiff sprang und erzitterte, g !. on den Wellen ber eigenen Bombeneinschläge. Magisches Rezept. Von Josef Weinheber. Nimm einen alten Suppentopf, den halt du neunmal übern Kopf, dann stelle ihn cum spiritu auf einem Birnholzseuec zu, gib etwas Glaubersalz hinein und sieben zarte Hühnerbein, dieselben ganz vom Fleisch geputzt (weil das arcanum sonst nicht nutzt), dazu gestoßnes Hasenherz samt dreizehn Haar vom Ochsensterz, Bockmist ein Lot, in Milch verrührt, drei Apfelkern pulverisiert, als dann zum Schluß noch einen Schuß — das würztl — boletus badius. Dies koche, eh die Sonn aufgeht und wenn kein Stern am Himmel steht. Dabei sprichst du die Wendewort: Was ferne ist, sei hier am Ort, was außen ist, das geh hinein, was innen ist, soll außen sein. Durch dies dein rosenfarbnes Blut, das ist für siebzig Fieber gut. Es bleibt dies Mittel sehr probat für jeden, der den Glauben hat, und half, so hör ich, olim schon dem weiland König Salomon. Erfinden kannst du solches nicht. Ich schrieb's Rezept bei Mondenlicht an meines Hundes frühem Grab aus einem alten Hausbuch ab, und weil ich ein Kalenderchrist, der ohnedies ganz hilflos ist, und füglich will, daß jedermann wie ich sich also nützen kann, so hab idj’s fleißig hergesetzt, damit es dir den Gaumen letzt. Und hilft es nicht, was fchadt es schon: Mach alleweg Gebrauch davon! Die böhmische Küche. Von Professor Or. A. R. Franz. Mit dem Protektorat über Böhmen und Mähren hat das Reich nicht nur zwei der reichsten und fruchtbarsten Länder erworben, sondern auch «in Gebiet, in welchem der Freund einer guten Küche in jeder Hinsicht auf seine Rechnung kommt. Nicht als ob Böhmen und Mähren sich durch «inen großen Reichtum von Spezialitäten und Leckereien und eine besonders eigenartige Küche auszeichnen würden: aber die durchschnittliche einfache Küche ist hier zur größten Vollendung gesteigert, nicht so sehr hohe Kochkunst als vielmehr edelstes Koch-Kunsthandwerk. Ich habe säst alle Länder Europas bereist und auch vom kulinarischen Standpunkt studiert und kann aus Grund meiner Erfahrungen behaupten, daß selten irgendwo anderwärts in der Welt — von einzelnen Ausnahmen abgesehen — im allgemeinen so ausgezeichnet gebraten und gebacken wird wie in Böhmen und Mähren. Teilweise gibt eine Vorstellung davon die berühmte Wiener Küche die in ihren Grundlagen hauptsächlich auf der böhmisch-mährischen Küche beruht mit etwas alpenländischem und etwas ungarischem Einschlag. Das ist dadurch erklärlich, daß bis zum Weltkriege die Bevölkerung Wiens und besonders deren Hauspersonal sich hauptsächlich durch Zuwanderung aus den Sudetenländern ergänzte. In den Wiener Bürgerhäusern spielte die „böhmische Köchin" (sie konnte natürlich auch aus Mähren sein) eine große Rolle. Sie brachte die Speisen der Heimat und deren Zubereitungsart nach Wien mit und drängte die alte, nicht so abwechslungsreiche, nicht so geschmackvolle bodenständige Küche immer mehr zurück. Und nun ist die Wiener Küche überall bekannt und geschätzt, ihre Stammutter, die böhmisch-mährische Küche, muß aber für die große Welt erst neu entdeckt werden. Das fruchtbare Land bringt alles zum Leben Notwendige in reicher Menge und bester Qualität hervor. Daß die daher meist wohlhabende ländliche und bäuerliche Bevölkerung aber bestrebt ist, diese reichen Gaben der Natur auch in schmackhafter Form zu genießen, ist vielleicht auch einem anderen historischen Grunde zuzuschreiben. Auf den zahlreichen Schlössern des reichen böhmisch-mährischen Großgrundbesitzes, wo man bis in die letzte Zeit noch ein wirklich feudales Leben führte, gab es natürlich seit Generationen zahllose Küchenmägde, die dann wieder Bauern und kleine Handwerker heirateten oder als selbständige Köchinnen in die Stadt gingen. Ihre in der hohen Schule der Schloßküche abgeguckte Kenntnis von den Grundlagen und Kunstgriffen der Kochkunst benützten sie dann, um die ländliche oder kleinbürgerliche Küche weit über das anderwärts übliche Durchschnittsmaß hinauszuheben, die Grundelemente einer guten Küche, das richtige Braten und Backen und dar maßvolle und geschmackvolle Würzen zu einer wahren Höchstleistung zu steigern. Selbst in kleinen Orten Böhmens und Mäh- vens kann man ganz vorzüglich essen. Wahre Gedichte der Bratkunst sind fast überall z. B. Gänse-, Enten-, Schweinebraten, zart und weich, mit einer glasharten, unter den Zähnen zersplitternden Haut, nicht zu fett, nicht zu trocken, wie sie ein Herrschaftskoch nicht besser Herstellen könnte. Hier wird das Kochen eben nicht als eine notwendige, aber un- angenchme Pflicht angesehen, hier wird mit viel Sachkenntnis und oot allem mit Liebe gekocht. Der Großgrundbesitz, die zahlreichen Mühlen, Zuckerfabriken uni. Brauereien ermöglichen durch ihre Abfallprodukte eine verhältnismäßig billige Mästung von Rindern und Schweinen. Aus Böhmen und Mähre» bezog Wien vorzugsweise sein berühmtes Mastochsenfleisch. Wie in Wien wird auch hier das Rindfleisch mit Vorliebe gekocht genossen Dabei gewinnt man noch eine vorzügliche, kräftige Suppe. Als besonder! Spezialität ist hier als Beigabe beliebt Oberskrenn oder Mandelkrenn' oder Dillensoße mit einem „böhmischen Knödel". Der Großgrundbesitz hegt aber auch einen sehr bedeutenden Wildbestand, vor allem Hasen, Fasanen und Rebhühner, die auch einen wichtigen Exportartikel, haupb sächlich nach Frankreich und England bilden. Wildbret, anderwärts vieb fach eine seltene Delikatesse, ist hier ein in weiteren Kreisen zugänglicher billiger Braten. Geradeso wie die Gänsezucht in Mecklenburg und Pommern geo- graphisch durch die Landschaft der Seenplatte bedingt ist, ist auch ht Böhmen und Mähren vielfach betriebene Teichwirtschaft die Voraussetzung für ausgiebige Gänse- und Entenzucht. Mährische Gänselebern werden in großen Mengen nach Straßburg ausgeführt, wo sie zu den berühmten Pasteten verarbeitet werden. Gänse- und Entenbraten uni) dazu Kraut in zahllosen, aber stets trefflichen Zubereilungensarten können in ihrer Vollkommenheit kaum mehr überboten werden. Die zahlreichen Teiche liefern auch Riesenmengen von Fischen, vor allen Karpfen für das Inland und den Export. Eine besondere Art der Zubereitung ist neben dem allgemein üblichen gebackenen der „böhmische Karpfen" in einer schwarzen Biersoße. Die Schweinezucht liefert nicht so viel Fettschweine wie Ungarn, sondern zarte Jungschweine für Braten und vor allem für die berühmten Prager Schinken. Mit den meisten Prager Selchereien ist al« besondere Spezialität der Stadt eine Restauration verbunden, in der man nur in Würsten, Geselchtem und allen sonstigen Delikatessen, die vom Schwein kommen, wahrhaft schwelgen kann. Prag und Kremsier sind zwei Zentren der Selcherei. Hier und in andern Orten werden ausgezeichnete Spezialitäten von Würsten wie die unendlich langen, dünnen Kabanosst, Kremsierer Würstel, Neutitscheiner Klobassi u. a. m. erzeugt Die beliebteste Beigabe dazu ist Krenn oder Kraut. Der böhmische Ma- tiner Krenn, süßlich milde und doch etwas scharf und aromatisch, gehör! jedenfalls zu den besten Krennsorten der Welt. Zu Geselchtem, Würsten und Braten wird vorzugsweise Kraut gegessen, das besonders in Mähren von einer Zartheit und einem Wohlgeschmack ist wie kaum anderswo. Das zarte, haardünn geschnittene, feingewürzte Sauerkraut aus den Dörfern südlich von Brünn ist ein bekannter Exportartikel. Die Gemüse werden stets „eingebrannt", sie sind nicht so trocken oder pappig oder wässrig wie in vielen anderen Gegenden, nicht so fett, schwer und überwürzt wie in Ungarn oder Südslawien. Gemüse, Mehl Fett und Würze — nichts zu viel und nichts zu wenig — vereinigen sich zu einer geradezu idealen kulinarischen Symphonie. Sonstige Gemuse- spezialitäten sind der Eibenschitzer Spargel und die Bisenzer Salzgurken aus Mähren, die auch bekannte Exportartikel Mährens sind, sowie Hvpsensprossen aus Böhmen, die wie Spargel zubereitet werden. Knödel und Kartoffein sind die gebräuchlichen Beigaben zu Gemüse und Fleisch. Was sind die Wiener Semmelknödel, die Tiroler Speck- knödel, die bayerischen Leberknödel, die Thüringer Kartoffelklöße gegen 'inen richtigen, flaumigen, böhmischen Knödel oder gar den kopfgroßen, in der Serviette gekochten Serviettenknödel, der in Scheiben geschnitten, mit Butter beträufelt auf den Tisch kommt als Ideal aller Knödel! Die fast durchweg vorzüglichen Kartoffeln werden meistens in Salzwasser gekocht, eine andere beliebte Zubereitungsart sind die „eingebrannten Kartoffeln", Kartofselscheiben in einer braunen, mit Majoran oder Dill gewürzten Rahmsoße. Und nun das Heer der Mehlspeisen! Nichts Raffiniertes, aber das Einfachste, vorzugsweise Germ- (Hefe-) Speisen, zur höchsten Potenz erhoben. Zart und flaumig sind die gebackenen Mehlspeisen mit einet goldbraunen, appetitlich glänzenden knusperigen Rinde. Als Fülle der „Buchtel", die sich in der letzten Zeit auch die Alpenländer eroberten, und der mehr lokalen „Kolatschen" und „Dalken" dienen wieder in erster Linie die Landesspezialitäten „Povidl" (Pflaumenmus), Mohn, der in großen Mengen gebaut wird, und „Topfen" (Quarg). Kovidl und Zwet- schen dienen auch als Fülle der Germ- bzw. Zwetschenknödel, die mit gemahlenem Mohn bestreut und reichlich mit zerlassener Butter begossen werden. Zahlreiche Abarten der genannten Mehlspeisen, darunter eine Dalken art auch den Namen „Benesch" führt, wären noch zu erwähnen Der starke Anbau von Kartoffeln hat natürlich auch eine Menge von Kartoffelmehlspeisen zur Folge, von denen hier nur die „Skubanki", eine Art Kartoffelsterz, und die Placki (fpr. Plazki), den Kartoffelpuffern verwandt, genannt seien. Erwähnen wir noch von Käsen die berühmten Olmützer „Quargeln", Vettern der Harzer Kümmelkäschen, den „Schwarzenberger", einen Verwandten des Limburger Käses, den mildpikanten streichbaren „Brimsen" (Schafkäse) aus den mährischen Beskiden und die --^olleranz", ein mit Kümmel und Schnittlauch gewürztes Gemenge von f damit die allerwichtigsten Spezialitäten aus- Nordwestbühmen liefert einen berühmten Hopfen, in der Hanna in Mahren wächst die beste weiße Braugerste, beides wichtige Ausfuhrartikel. Kein Wunder also, daß Böhmen und Mähren die Erzeugungsstätte zahlloser ganz vorzüglicher lichter, leichter, prickelnder, angenehm bitterlicher, gesunder, wohlschmeckender und süffiger Biere sind, die zu den besten der Welt gehören, darunter vor allem der Pilsener Urquell überall bekannt ist. Und alle diese Biere sind dazu noch sehr billig. Kurz, es ist ein Land, wo sich'» gut leben läßt. * Krenn -- Meerrettich. Dekäntwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Berlag: Brühljche^lnlversitätsdruckerei R.Lange, Gießen.