Nummer HZ Hreitag, den 9. Juni irgong 1959 >t aiajy Engelland x ijn«, H e SiM erste ij 1 W,| > «Mil •len -Jl ! die D 'en NI ir W kn Jd, M »r 9«wäit '°ch I» ttikn d> •Nu erlieffu Wft । ft j, Mtk enbe, & heuH m and •b Lch n bei«; t bgj l - hi« i aus bi tiefe K ren, sst oller 6[ ber $' i Mfci'.i bet P' rag A ä ift inten." j •es «*' n in Ichloßhof Mssouldig auf ihre Rosse harren und sie dann hastig besteigen. !lls ich am Abend dieses schlimmen Christtages in der Kammer Jenes Herrn erschien, um seinen Jagdbefehl für morgen zu holen, fand «l ihn, wie den Zornmütigen zu geschehen pflegt, stumm und niederrilllagen, so daß ich es wagen durfte, meinem geängstigten Herzen Luft ssi machen. Zu Mittag nach Eurer scharfschneidigen Tischrede', begann ich, .sind >e Eurer Gäste', und ich nannte sie, .spornstreichs verritten, ich meine M der Küste. — Hätten sie aus Euern entrüsteten Worten einen ,Md) oder einen Befehl herausgehört... o Herr! Was dann? Wenn !• .mre Rede in Eure Tat verwandelten — es wäre nicht Euer Wille. — II starrte mich an, mühsam seine Gedanken zusammenknupfend, und •••»ortete nickst. Bei der glückseligen Krippe', warnte ich flehentlich, ,das ist kein MAngesI Alle Heiligen und Engel wollen Euch behüten, daß Ihr Euch -v«n Märtyrer auf die Seele ladet!' ™ E 3chl begriff er mich plötzlich und packte mich an der Schulter. .Wann . Der Bischof aber rannte diese Vernunft mit gewaltsamen Worten zu Wen. .Thomas am Erlöschen?' schrie er. .Bel meiner Bischofsmütze, i uns: brti Lebensgeister hat ber Zähe, um deiner Majestät zu schaden! Thomas \ uns । ein Friedebringer? Den Krieg bringt er dir nach Engelland! Ueberali oui seinen Wegen tumultuierten die Sachsen und griffen zu ihren rigeM Bttm! Ich habe es von Augenzeugen!' geh«. Das schien mit schon damals unmöglich, wie ich die geschwächten ihm« Sihsen kannte. Aber ich Hörle kaum auf die kollernden Worte des n niW l|t)»fs, denn alle meine Sinne waren auf meinen König geheftet, oben 3 H n Innerstes zu sieden begann. fr hatte die Berichtigung des verständigen Klerikers m der Bein!-ung feines Zornes nicht vernommen. -. Jetzt kam die lodernde Flamme zum Ausbruch. Herr Heinrich, von bit Aufruhr oder der Demut -des Primas gleicherweise empört, sprang in -tonlosem Zorne vom Sitz empor und stieß seinen Becher so hart -v'ii sich, daß er weit über die Tafel rollte, -den Wein in roten Strömen iCiij bas Linnen vergießend, wie Blut in den Schnee. . i Ich habe ihm verboten, meinen Boden zu betreten!' schrie der König M J nit bebender Stimme. ,Jch weih, er verbirgt in seinem Busen und Ge- «, W- Mvbe auch einen päpstlichen Bannbrief gegen mich, feinen König. Er niM M W mir ihn selbst gezeigt, der Bösel' Jetzt schlug et verzweifelnd die r täÄi ^fie gegeneinander und wehklagte: ,Jch habe ihn gekleidet und ge- ■ Ich- ückt wie eine Geliebte. Er hat wie ein schmeichelndes Händlern das Üjii aus meiner Hand gegessen, und dieser Teufel von Undankbarkeit tiii mich mit Füßen, zerreißt mein Haus und zerstört mein Reich ' . fr blickte irr über die verstummte Tafelrunde und schleuderte seinen Siii'rn die beschimpfenden Worte zu: ,Jch mäste Knechte! Sie zehren am Mark meiner Länder und strecken die Füße aus unter meinem vollen Slff); ober keiner dieser Fresser und Schwelger ist Mannes genug, Wit einen Verräter vom Halse zu schaffen!' iessenerZamilieiwIäner Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger hinter denen Ich mich barg, ungern mich geduldend, bis -er Augenblick es erlaubt, mich Herrn Thomas zu nahen ,ri , . , , Er selbst berührte keinen Bissen, sondern hielt das geisterhafte Haupt mit geschlossenen Augen in den bischöflichen Stuhl zurückgelehnt, einen armen, frommen Mann aus Canterbury anhörend, der mit bebender Stimme den Eintritt der viere berichtete. Nachdem er ihn von der Nahe der Gefahr überzeugt hatte, beschwor der Sachse den Primas, sein Leben durch die Flucht zu retten. Em ängstliches Gemurmel lief um die Tafel. , Herr Thomas aber regte sich nicht. ,Es ist genug, sagte er ruhig, segnete und entließ den Weinenden. Dann sprach er: .Gib nur den Kelch!' und der junge Kleriker, an den er sich wandte, ein blondlockiger Knabe in weißem faltigen-Gewand, reichte ihm eine mit Wasser gefüllte kristallene Schale, die er langsam ausschlürft«. Jetzt trat ich vor und wars mich dem Primas zu Füßen. .Ehrwürdiger Vater, ich komme von meinem König! — Ihm ist bange um Euch!' rief ich. .Er sendet mich aus eiligen Schiffen und dampfenden Rossen, daß ich Euch mit meinem Leibe decke und die königliche Macht über Euer Haupt breite! ... Auf, fromme Brüder', und ich wendet« mich an feine Kleriker, .auf! Stehet mir bei! Führet Euern Bischof in fein innerstes, festestes Gemach! Und ihr andern, helfet mir die Tore versperren und die Türen verrammeln! Ist nur das erste Feuer der vier Herren verlodert und ihr erster Anlauf abgeschlagen, so geleite ich mit Hilf« der Leute von Canterbury den Primas in die nächste königliche Burg. — Herr Thomas, im Namen der benedeiten Mutter, widerstrebet nicht! Gebt Euch in des Königs Schmutz, unb Euch wird kein Haar gekrümmt werden!' Ohne sich von der Stelle zu rühren, richteten die Kleriker insgesamt ihre Blicke auf den Primas; doch dieser machte mit wenigen gelassenen Worten meinen Anschlag zunichte. .Besser als dir ist der Wille deines Herrn mir bekannt. Ich lese deutlich in seinem Herzen! Gottes ewiger Ratschluß und der Vorsatz meines Königs erfülle sich an mir!' .Bei den fünf heiligen Wunden!' schrie ich, außer mir geratend, .der König will nicht, daß Ihr hier erwürgt werdet! Trägt er die Sch.uld, wenn Ihr die trotzige Absicht habt, Euern Leib und des Königs Seele wissentlich und freventlich zu verderben?' Da wandte sich plötzlich Herr Thomas gegen mich und schlug mich mit biblischen Worten: .Hebe dich von hinnen, du Schalk und böser Knecht, denn du bist mir ärgerlich!' Erschrocken sprang ich auf die Füße und wich zurück unter die Kleriker. Ich war betrübt und mehr noch ergrimmt, daß Herr Thomas, der bis heute säuberlich mit mir gefahren war, im Augenblicke, da sein Innerstes offenbar wurde, mir so bös« und ehrrührige Namen gab, als wäre ich ein Erzschelm von lange her. — War das nicht eine Ungerechtigkeit? Ich überlasse Euch das Urteil, jetzt, da Ihr meinen Wandel von jung auf kennt und ich Euch nichts von meiner Blöße verhehlt habe. Bevor ich den Schmerz dieses unverdienten Schlages verwunden hatte, wurde die Türe geöffnet, und die vier normännifchen Herren traten in die Halle, ohne Rüstung und ohne Waffen, in gewöhnlicher Hoftracht. Sie begrüßten den Primas mit tadelloser Courtoisie und feindseligen Mienen. ' Der Bischof hatte sich bei ihrem Eintreten in seinem Stuhl emporgerichtet, und ich wunderte mich über die Erhabenheit seiner Gestalt, aus welcher jede Schwäche gewichen schien. Er erwiderte den Gruß seiner finstern Gäste ebenso adelig und lud sie, die Hand leise bewegend, an seine Tafel. Sie setzten sich. .Wie steht es um meinen Herrn und König?' fragte er sie nach einer Weite und erhielt kein« Antwort. .Jst's Friede?' fragte er wieder. Die vier aber betrachteten den Bischof, die einen mit gesenkter Stirn unter drohenden Brauen hervor, die andern mit scheuen Seitenblicken, nur ein unverständliches Gemurmel kam über ihre Lippen. Zuerst ermannte sich Herr Richard, den sie seiner unbezwinglichen Faust halben Frappedjir, das heißt in unserer Zunge Schlagehart, nannten, ,3m Namen des Königs kommen wir!' sagte er. .Ich glaube euch' versetzte der Primas. .Ihr, die ihr um ihn seid, verstehet seine Winke und erfüllet seinen Willen.' .Hebe den Bann von dem Bischof zu York, Primas, oder hebe dich selbst aus Engelland!' fuhr Herr Frappedür fort, und der Einsilbig« stimmte bei: .Hebe den Bann oder dich selbst.' .Nicht ich allein, jetzt hat ihn auch ein anderer als ich, der Heilige Vater in Rom, mit dem Banne belegt', erwiderte Herr Thomas ruhig. ,An diesen wende sich mein Bruder in York. Meine Sache kann das nicht länger fein. Ich suche nur den Frieden.' ,So entrinnst du uns nicht, du Doppelzüngiger!' drang Herr Wilhelm Tracy, der unter den vieren der gewandteste Redner war, auf den Primas ein. .Befrei« den Bischof von dem Banne, den du auf ihn geschleudert hast! Er brennt ihm stärker auf der Haut als der römische. Genug der Unterscheidungen und Spitzfindigkeiten! Gehorche deinem Könige und Lehensherrn in geraden Treuen, wie wir alle tun! Bist du nicht lediglich ein Geschöpf seiner Gnade? Wer hat dich aus dem Nichts gezogen und aus einem Sachsen zu einem Menschen gemacht? Woher kommt dir die erhaben« Macht dieses Stuhles? Du Undankbarer, Feindseliger, sprich und bekenne: aus wessen Händen hast du sie empfangen?'- Da rief Herr Thomas mit durchdringender Stimme, daß es,durch die Halle zitterte: .Aus den Händen meines Königs zu seinem Gericht!' lieber dieser harten Rede gerieten die viere in Aufruhr. Rinald der Schön«, drehte an den Fingern seiner Handschuhe, die er bis jetzt spielend in der Linken gehalten. Herr Richard Frappedür stieß mit Rücken und Fuß feinen Stuhl zurück, daß das Eichenholz kracht«, und der Einsilbig« sagte: .Endet!' Herr Thomas aber sprach mit heiliger Hoheit: .Ich glaube, Ihr drohet tapfre Herren? Was will mein König von mir? Was fein ist, will ich ihm geben. Meinen Leib? Hier ist er. Nehmet ihn. Mein Gewissen aber gehöt weder ihm noch mir.' .Vergessen wir her ritterlichen Sitte nicht!' sprach Herr Wichel,. .Herren, überlasset mir di« Fragestellung!' Er erhob sich und trat in Totenblässe vor den Primas. .Thomas Becket, nimmst du den Bann von dem Bischof« zu Yorts Red«!' Herr Thomas aber schwieg und verurteilt« sich damit zum Tode. .Thomas Becket, du hast den englischen Boden gegen den Willa deines Königs und den Spruch seines Parlamentes wieder betretet. Weiche aus Engelland! Zugesagt ist dir freies Geleit bis ans Me,:. Wann ziehst du von hinnen? Red«!' Herr Thomas aber schwieg. Eine Weile harrte Herr Wilhelm auf Antwort, dann schloß «r finften , .Das ist Felonie. Dein Blut über dich!' Die fixer verließen den Saal mit gemessenen Schritten. Ich wutz:>, sie gingen sich zu ro offnen. Es entstand nun eine so große Stille, daß ich mein Herz rote eiw Hammer gegen die Rippen schlagen hörte. Da erklang aus dem Schm» gen stark und markig eine Stimme, die ich anfangs nicht erfann Sie gehörte Herrn Thomas, der einen ihm gegenüber an der Web hängenden Kruzifixus mit Inbrunst ansprach: .Fürst der Schmerzet,! nimm Wohnung in diesem Leibe!' Wieder hörte ich lange Zeit nichts als die Schläge meines Herzen;. Dann sprach Herr Thomas zum andern Male und streckte seine schmale Hände aus: .Durchstich sie und gewähre mir deine Passion!' Da erbebte ich in Ehrfurcht und getraute mich nicht länger, ks Angesicht des Herrn Thomas zu besehen, weil ich fürchtet«, der T)k- faltige hab« in feinem Leib Einzug gehalten und blickt« majestätisch ans seinen Augen. Aber ich raffte mich zusammen, als ich auf dem Gange Waffe» lärm vernahm, stürmte nach der Pfort« und stieß all« Riegel vor. 2uii| mein Zufuhren wie aus dem Banne eines Traumes gelöst, umringte der ganze Haufe der Kleriker den Primas, etliche fielen ihm zu Füfpz andere, di« ihn fortziehen wollten, faßten feine Arm«, noch andere iro schlangen feine Hüften, um sich seiner zu bemächtigen und ihn nii liebender Gewalt Wegzutragen. Inzwischen schmetterten Beilschläge von draußen gegen die Tü:. Der Primas aber wollt« von dem Sitze, wo er gerichtet roortei nicht weichen. Da trat ein schlanker, klug blickender Diakon vor ihn legte den Finger auf den Mund und machte ihn auf das feine ®eläuti eines Glöckleins aufmerksam, das in dem Tumulte kaum zu vernehm« war. .Es läutet zur Vesper, und man erwartet Euch in der Sinti. Vater', mahnte er. Thomas Becket erhob sich ohne Weigerung, ein Zug ordnete sich und der Primas durchschritt hinter dem vorgetragenen Kreuze langen Gang, der durch das Inner« des bischöflichen Hauses in M Chor der Kathedrale führte. Auch ich wandelte in Reih' und Glied mii den psallierenden Pfaffen." Hier hielt der Armbruster inne. Sein Mick richtet« sich auf et» neben ihm auf dem Kaminsimse stehend« Wanduhr, in welcher eben •’ letzten Körner aus dem oberen in das untere Glas rollten. Hans breB'i die Uhr und sagte: „Heute jährt es sich, und es war zu dieser 6W des Nachmittags, daß Herr Thomas seinen letzten Gang antrat." In den Chor des Münsters gelangt, warf er sich vor dem Froualüit auf die Knie, von seinen Klerikern umlagert, deren mehr als einer, 11 den Bogentoren des Lettners lauschend, furchtsame Blicke durch 8« Länge des Schiffes nach dem Hauptportale irren ließ, durch welches 8« Normannen jeden Augenblick eiudringen konnten; denn der Diakon halt diese Zufluchtsstätte nicht der Festigkeit, sondern der unanfaftbani Heiligkeit des Ortes wegen gewählt. Auch ich hiell das Portal unverwandt im Auge, entschlossen, !lf letzten Augenblick«, nicht gegen die Herren das Schwert zu ziehen - solches war mir als einem Knechte verwehrt —, aber Herrn Thome mit meinem Leibe zu decken, ob ich di« Schuld vergossenen Martys Mutes von meinem Herrn und Könige abwende. Alle Zeit und Frist nimmt ein Ende. Es klirrt« und blitzte untifi dem Portal, die viere traten geharnischt vom Wirbel bis zur Sohle, « die Pforte und stürmten mit nackten Schwertern durch das Schiff s‘: Kirche. .Mir nach. Getreue des Königs!' fchrie Herr Wilhelm Treq Schleunig wollte ich noch di« offen stehenden festen Gitterpfom> schließen, die den Chor von der Kirche trennen; aber der Primas, ® sich erhoben und gegen seine Mörder gewendet hatte, wehrte es mir n® unwiderstehlicher Gebärd«. Seine Kleriker aber alle umbrängten wj Die jüngeren und mutigeren füllten die Stufen. Voran auf die unten stellte sich festen Fußes Trustan Grimm, der das Kreuz trug. anderen standen und knieten um den Bischof und drückten sich dur? einander wie ein« erschreckte und verwirrte Herd«, deren Hirte !?' schlagen wird. , J ,Wo ist der Verräter?' rief Herr Wilhelm Tracy. Da hiell der tapr” Mönch Trustan das Kreuz mit beiden Händen gegen ihn empor *•* einen Schutz und eine Drohung. Ein Schwerthieb, ein Blutstrahl, «jj der vom Leibe getrennte Arm sank mit dem Kreuz auf die Erde. W griffen die vier« mit flach fallenden Hieben die geängfHgte !Pfafft)eit und trieben die auseinanderstürzenden Geschorenen in feig« Flucht -w aber trat neben Herrn Thomas, der mitten vor dem Hochaltar stand, » Arme öffnend, wie der Gekreuzigte über chm, als hätte sich dieser doppelt. M .Der König will, daß du fterbeft!' sprach Tracy und erhob c ■ Schwert. ,Es geschehe!' antwortete Herr Thomas. . M Ich umschlang ihn mit diesen beiden Armen, fühlte den Schlag blitzen und wurde in demselben Augenblicke unter dem Rufe: Knecht!' von einer eisernen Faust, die nur dem Frappedür geyo . konnte, gepackt und geschleudert, daß ich sausend mit dem Schädel M ein« Säule fuhr. . ( Während mir die Sinne schwanden, sah ich ein Blutmeer vor m«" Augen und darin ein sterbendes, lächelndes Haupt. (Schluß tol9 Ballade. Don E rn st Moritz Arndt. Und die Sonne machte den weiten Ritt Um di« Welt, Und die Sternlein sprachen: „Wir reisen mit Um die Welt"; Und die Sonne, sie schalt sie: „Ihr bleibt zu Haus! Denn ich brenn euch die goldenen Aeuglein aus Dei dem feurigen Ritt um die Welt." Und die Sternlein gingen zum lieben Mond Sn der Nacht, Und sie sprachen: „Du, der aus Wolken chront Sn der Nacht, Laß uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein, Er verbrennet uns nimmer die Aeugelein." Und er nahm sie, Gesellen der Nacht. z Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond, Sn der Nacht! Shr verstehet, was still in dem Herzen wohnt Sn der Nacht. Kommt und zündet die himmlischen Lichter an, Daß ich lustig mit schwärmen und spielen kann Sn den freundlichen Spielen der Nacht. Oer Kopeinig. Bon Erich August Mayer. Krieg ist Krieg. Er ist ans keinen Fall angenehm, ob er im Flach- and tobt, ob er im Gebirge wütet. Da wie dort gibt es Besonderheiten, iie dem Soldaten das Leben schwer machen. Gräbt er sich im Flach- lind ein, dann kann es geschehen, daß ihm das Grundwasser die Graben md Unterstände ersäuft; davor ist er zwar im Gebirge sicher, aber da iibt es wieder Sturm und Schnee und Eis und endlos ermüdende kraxele!. Wer keinen Kriegswinter an der Front mitgemacht hat, der weiß :icht, was di« Gebirgswelt von den Soldaten verlangt. Oft ist sie grau- xmer als der Feind. Wir saßen im Sahre 1915 auf einem schmalen Felsgrat, über den sich hon in Friedenszeiten die Grenze gezogen hatte. Gegen den Feind zu el der Berg verhältnismäßig sanft ab, in unserem Rucken aber stürzten lie Wände geradezu senkrecht in einen Abgrund. Wir muhten uns an kr Kante dieses Abgrundes mühsam einen gegen den Feind gedeckten Leg ausmeißeln. Der Abstieg ins Tal war schon im Sommer nur für schwindelfreie möglich, im Winter selbst für diese keine Weinigkeit. Ürotzdem lösten sich die Regimenter häufig ab. Es waren nicht immer Bebirgstruppen, die da kamen. Polen, Ruthenen, Leute, i>ie_ m ,ihrer Heimat nie einen Berg gesehen hatten, wurden nunmehr aus höheren 3esehl Kletterer. Sch muß gestehen, sie haben sich oft ganz erstaunlich lut gehalten. Zitternd und bebend, mit verzerrten Gesichtern kämpften fe sich auf dem schwindelerregenden Klettersteig aufwärts. Aber sie bedangen ihn. Es ist wunderbar, was die eiserne Notwendigkeit an Leistungen er- avingt. An manchen Tagen war der Steig aber so vereist, daß er selbst iiir geübt« Alpinisten ungangbar schien. Einer aber ging diesen Steig, tagaus, tagein, was für em Wetter md) herrschen mochte. Und dieser eine war die Postordonanz, der Sopeinig. Ich war mit einem kleinen Geschütz Gast des jeweils auf dem^Berg- ;rat wachenden Regiments und hing, was die Verpflegung„und> Pos -mbetangte, immer von den Gepflogenheiten des jeweiligen Befe, Mbcrs ab. Sch kann nicht leugnen, daß es da mehr als einmal Un- rnnehmlichkeiten, Schlampereien und Berluste gab. Sie hörten alle auf, als das ... Regiment kam, undmitihm: «-peinig. Schon unsere erste Bekanntschaft war eine angenehme Ueber- aschung. Es pochte an dem Türpfahl meiner armseligen Baracke auf nein „Herein!" flog die Decke zur Seite, die die Stelle emer Tu verdat und ein Infanterist wurde sichtbar, an dem mir 'M Augenblick nur 'in mächtiger Schnurrbart auffiel, der wie d«r elnes Walrosses ink und rechts über die Mundwinkel des Mannes herabhmg. Ueber ihm wurde dann im matten Schein meiner kleinen Lampe em geisterhaft Reiches Gesicht ohne jede Färbung sichtbar. Mein erster Eindruck war, ich hätte es mit einem Bergknappen zu tim, so fahl, so blutleer wies sich dieses Antlitz. „Herr Leutnant, melde chorsamst Postornanz", brachte er mangelvastem Deutsch hervor. Sch reichte ihm stumm meine F°'dpost und dachte, er werde grüßen und abtreten. Aber er blieb stehen. »Herr - bitt« chorsamst, nix mitbringen?" ... ! Das war mir neu. Seine Vorgänger hatten nie bmwch gesrag, st, eher gedrückt, wenn derartige Aufträge kamen, so kam mir i 9 wie ein Wunder vor. .. . h Ich dachte ein wenig nach, was ich etwa aus dem Tal eno >ge, un nannte ihm schließlich zwei Kleinigkeiten, die er nur, ohne sich aUjuKPr im belasten, mitbringen sollte. Er klappte die Hacken zusammen, grüßte und ging. Er hatte sich nichts ausgeschrieben. Sch war überzeugt, daß er den Auftrag nicht aus» führen werde. Aber ich hatte mich geirrt. Sn tiefer Nacht kam Kopeinig zurück. Er hatte nichts vergessen, legte die Kleinigkeiten vor mich, auf den Tisch, verrechnete mit mir, dankte erfreut für das kleine Trinkgeld, das ich darauf gab, und verschwand. Der gute Kopeinig konnte weder lesen noch schreiben. Er konnte sich so natürlich nichts vormerken. Und das wäre doch eigentlich nötig gewesen. Denn von den 24 Offizieren, die auf dem Grat saßen, hatte jeder fast jeden Tag irgendwelche Anliegen. Außerdem nahm Kopeinig auch Aufträge der Mannschaft entgegen. — Und trotzdem hat es sich nie ereignet, daß er auch nur einen einzigen dieser Dutzende von Aufträgen vergesfen hätte. Sem Gedächtnis — nicht erschlafft durch das Hilfsmittel des Aufschreibens — behielt eine schier unvorstellbare Zahl von Namen, Gegenständen und Zahlen, ohne auch nur einmal sich zu irren. Aber nicht nur das. Der gute Kopeinig trug auch all das Eingekaufte abends in die Stellung hinauf. Briefpapier und Tinte, Knöpfe, Taschen- messer und Spielkarten waren die kleinen, leichten Gegenstände. Aber er trug auch Flaschen mit Wein, Schnaps und Likör, Schachbretter, Lampen und Geschirr, was eben seine ewig gelüftigen Besteller verlangten. Er trug Lasten von 25 und 30 Kilogramm und noch mehr. Er trug sie bei Sturm, Schneefall und Vereisung. Und niemand bedachte das. Sch selbst hatte im Anfang mit meinen Wünschen zurückgehalten; aber als ich sah, daß die anderen munter be» stellten, vergaß ich auch die damit verbundene Mühe oder tröstete mich damit, es sei dem armen Mann vielleicht um das Trinkgeld zu tun. Und so bestellte denn auch ich, was mir eben einfiel Und Kopeinig brachte es mir mit dem ewig gleichmäßigen Gesichtsausdruck ernster Dienftfertigteit, immer ruhig und gemessen, nie mißlaunig, nie verdrossen oder gar erregt. Man sollte es nicht glauben, aber auch dieser Mann hatte Feinde, die ihm das harte Werk neideten. Er habe sich zu diesem Geschäft entschlossen, weil es ihm von den Kampfhandlungen befreie, sagten diese Kerle. Er sei ein „Taschenierer", ein Feigling, der sich nicht in den Schützengraben traue. Ich war empört, als ich zum erstenmal eine derartige Aeußerung vernahm, und wies den unverschämten Lästerer zurecht. Sch weiß nicht, ob der arme Kopeinig von diesen üblen Bemerkungen erfuhr. Sein Gesichtsausdruck blieb gleich, ernst, unbeweglich. Dann tarnen die heißen Kampftage des August 1916. Der Feind belegte unsere Stellungen mit einem wohlgezielten schweren Feuer. Es verging fast kaum eine Viertelminute, ohne daß einer der schweren Aufschläge den Berg erdröhnen lieh. Wir machten uns nicht allzuviel daraus. Denn wir hatten uns Höhlen in das Gestein gesprengt, duckten uns hinter die Steinmauern und waren so verhältnismäßig sicher. Aber der Feind beschoß auch die Zugangswege. Ein Teil dieser Wege lag sichtfrei. Auf diese Stellen schoß er sich bei guter Sicht tagsüber ein und schoß auch in der Nacht in raschen Feueruberfallen auf diese Gebiete. „Geben Sie acht, Kopeinig", warnte ich den Braven, „warten Sie lieber die vollkommene Dunkelheit ab, bevor Sie gehen." „Jawohl, Herr Leutnant", sagte er. Aber er befolgte den Rat nicht. Er kam pünktlich wie eine Uhr wie bisher zur selben Stunde. Wir sahen ihn feinen Weg ziehen, als gäbe es keine feindliche Einwirkung. Oft schlug unfern von ihm ein Geschoß ein. Er hielt wohl für einige Augenblicke im Weg inne und sah nach der Rauch- und Erdsaule, die dann emporstieg. Ader dann schritt er weiter, gleichmäßig mit dem ruhigen Schritt, den nur der kennt, der tagtäglich in den Bergen zu wandern hat. Sch machte dem Befehlshaber der Snfanteri« Vorstellungen. Er zuckte die Achseln. „Er ist eigensinnig und behauptet, ihm geschähe nichts. Was soll ich da machen?" _ „Ihm es verbieten." „Und unsere Post? Andere Leute stehen stundenlang im Trommel- feuer im Schützengraben." Das war richtig. Gegen solche Tatsachen ließ sich nutzte Jagen. An einem Septemberabend hörte ich vor meiner Baracke einen Schrei. Sch stürzte hinaus. Einer meiner Leute zeigte aufgeregt in den Abgrund. Der Kopeinig" stammelte er. Sch setzte meinen Feldstecher an die Äugen. Aus dem Weg klaffte ein Trichter, neben dem Trichter lag ein Mann, um ihn her eine Anzahl von Paketen. Kein Zweifel. Es konnte nur Kopeinig fein. Wir liefen, so rasch es der Felssteig erlaubte, hinab. Santtatsmann» schäft, die das Unglück beobachtet hatte, schloß sich uns an. Als wir bei ihm anlangten, lag er in einer großen Blutlache. Die Sanitäter machten sich sofort an die Arbeit. Aber er schien kein Vertrauen auf Erhaltung feines Lebens zu haben. Er ftammelte nur immer wieder „Herr Leutnant, bitte, Herr 2CUt9ßas wollen Sie, Kopeinig, was kann ich Shnen helfen?" "Bitte chorsamst, Herr Leutnant! Die Schachtel hier für Herrn Haupt» mnnn Glabef die Flasche für den Herrn Oberleutnant ... Sch werde es mir aufschreiben, Kopeinig." Sch riß mein Merkbuch hervor und er diktierte, während ihn die Leute verbanden und auf eine Tragbahre hoben. Alles geschah in großer Eile, denn der Feind konnte ’Cl1 Seine9SHmmeI,rourbe^mmer schwächer und schwächer. »Die «pul- karten gehören dem Feldwebel Richter, sie kosten 2 Kronen 60, das Taschenmesser gehört ..." „Kopeinig, schonen Sie sich! zwischen Mitternacht und 1 Uhr, aber In einigen Klubs (als einge- ! führter Gast) und In den Hotelhallen kann man „zeitlos zechen". Dazu die Selbstverständlichkeit. * ■i Der«ntwortlich: Dr. HanS Thhriot. — Druck und Verlag: Vrühlsche UniversitStSdruckerei R. Lange, Gießen. I a - 01 1* v h: * h P *1 w tz (tut Kl i'H Irdische Kreuden und olympische Sorgen. Eindrücke von einer Reise nach Finnland. Von Oleg Berting. iMi iwi rite W ' ;W lim tW Mi »A ili ÜS( W „Schlagseite" unerbittlich ins polizeiliche „Trockendock" befördert. Es gibt auch private „Trockendocks", in denen man freiwillig die Spuren ] feuchter Stunden restlos tilgen lassen kann. Dazu dienen Schwitzbäder, > Duschen, Massage und „natürliche" kosmetische Behandlung (Gesichts- i massage, heiße Kompressen ujw.). Die Alkoholbestimmungen Finnlands liegen zwischen „trocken" und „naß". Es gibt Lokale mit unbeschränktem und mit beschränktem Alko- - holausschank (Alkohol nur zu Mahlzeiten und rationiert). Privat« Wein- Handlungen fehlen; an ihr« Stelle treten die Niederlagen des staatlichen ! Alkoholmonopols „Alkohollliike". Diese sind sehr spärlich gesät, verkauf« ' aber dafür alkoholische Getränke in jeder Form und in beliebiger Menge, im Gegensatz zu Schweden — ohne Karten. Die „Nachtlokale" schließen ; „Gehört dem Korporal .. Schäffler, eine Krone 20. Die Glückwunschkarte „meiner lieben Braut" dem Gefreiten . . Sieberth ... der muß sie heute ... noch kriegen ... seine Braut hat ... übermorgen .. Namenstag." „Kopeinlgl" „Tot" sagte der Sanitätssoldat. , Das war ein Frühling. Von Agnes Miegol. Das war ein Frühling, — süß und selig sang Die Nachtigall die ganzen Nächte lang. Der blaue Tag, der sonnenlichtdurchglühte, War trunken von dem Duft der Fliederblüte. Boll goldnen Bernsteins lag der ganze Strand, Die Wellen sangen süß im weißen Sand. Auf Möwenflügeln flog ins Licht, ins klare. Die junge Sehnsucht meiner achtzehn Jahre. Geschäftsabschlüsse werden nicht im Büro, sondern beim „Lunch' getätigt, und zur Lunchzeit, zwischen 12 und 14 Uhr, sind sämtliche Aemter und Büros wie ausgefegt, bis auf einige diensthabende Unterbeamte, die aber deshalb auf ihren Lunch auch nicht zu verzichten brauchen, sondern ihn nur zu anderen Zeiten „nehmen". Betritt man einen Laden kurz vor Schluß, um mit Muße und Auswählen einen Einkauf zu besorgen, wird man höflich hinauskomplimentiert, und gelangt man auch nur eine halbe Minute nach Schlußzeit durch die noch offene Tür in einen Laden, wird man nicht mehr bedient. Das passierte mir kürzlich in einem Lebensmittelgeschäft, obgleich ich erklärte, verhungern zu müssen; man hatte trotzdem kein Mitleid. Außerdem hat man in Finnland Zeit und hastet nie; alles mit der Ruhe, mit Maß und Muhe; ein wunderbar beruhigendes Land ... * Die bekannte finnische Ehrlichkeit steht immer noch in voller Blüte. Warnende Anschriften, wie „Für hier abgelegte Kleider haftet der Inhaber nicht", oder „Die Gäste werden gebeten, auf ihre Garderobe selbst zu achten", oder „Bor Taschendieben wird gewarnt", kennt man in Finnland nicht. Wäsche trocknet man unbeaufsichtigt in Großstadthöfen, und in den Vororten einfach im Freien, und es gibt viele Provinzorte, in denen man Dag und Nacht bei unverschlossenen Türen haust. Tatsächlich wird in Finnland fast überhaupt nicht gestohlen. Das Verblüffendste, was ich in dieser Hinsicht gesehen habe, war, daß man im Bus herangeschafftes Handgepäck unbeaufsichtigt an der Landstraße stehen ließ, um es vom Hausdiener eines etwa einen halben Kilometer entfernten Fremdenheimes abholen zu lassen. Der Finnländer ist großzügig und sparsam zur rechten Zeit, niemals kleinlich und außerordentlich gastfrei. Auf Einladungen ins Haus uni) auf Landsitze braucht der Fremde gewöhnlich nicht lange zu warten. Finnische Freundschaften sind treu und verläßlich, dauerhaft sind aber auch die Feindschaften. Der Finnländer ist zäh und beharrlich in allem, auch in Gefühlen. * In Finnland lautet der Wahlspruch: „Arbeiten und Verdienen", und für Außenpolitik interessiert man sich hierzulande im allgemeinen viel weniger als anderweitig. Jetzt aber tut man es — in Hinsicht auf die olympischen Spiele. Noch nie hat man die Erhaltung des Friedens so heiß ersehnt wie jetzt, damit das große Ereignis, für das alle Kräfte im Lande aufs höchste angespannt werden, nicht gestört oder verhindert werde. Ebenso wie die Sportsleute unter Anteilnahme des ganzen Landes sich schon jetzt für zukünftige Höchstleistungen vorbereiten, sind die organisatorischen Kräfte am Werk, um die ihnen bevorstehenden Riesenaufgaben erfolgreich meistern zu können, denn allein die Unterbringung des plötzlich zu erwartenden und für finnländische Verhältnisse geradezu gewaltigen zeitweiligen „Bevölkerungszuwachses" aus aller Herren Ländern erscheint keineswegs leicht. Doch — die Spiele und alles Drum und Dran wird man schon schaffen, wenn die Welt nur Frieden hält ... Das ist Finnlands größte .olympische" Sorge. Andere Sorgen scheint dieses Land nicht zu haben. am Kai fest. • Die Paßrevision verzögert sich diesmal etwas. Unter den Reifenden befinden sich nämlich einige mit reichsdeutschen Pässen versehene Personen, denen man aber „an der Rase ansieht", daß die Wiege ihrer Vorfahren, und vielleicht auch die eigene, in östlichen Gefilden stand. Die Pässe werden beanstandet, die Inhaber müssen zur Seite treten und warten, bis die Durchsicht der einwandfreien Pässe erledigt, ist; wenn es sich erweist, daß der Paß nur zur Ausreise aus. Großdeutschland, nicht aber auch zur Rückreise berechtigt, wird der Inhaber unbarmherzig zurllckverfrachtet. Im Revaler Hafen hat man, um sich vor dem „Einsickern" von Emigranten zu schützen, sogar einen besonderen Schalter für reichsdeutsche Reifende eingerichtet. Der Zoll erfüllt seine Pflichten wie immer sehr gründlich. Dabei habe ich bisher noch nie erlebt, daß irgend etwas beanstandet worden wäre, weder bei mir, noch bei anderen; nicht einmal Whisky und viele Zigaretten (di« man auf einigen Schissen sehr billig kaufen kann). Was also dieser Aufwand an zöllnerischem Eifer eigentlich bezweckt, habe ich nicht ergründen können. Jedenfalls fallen die Finnländer hier aus der Form, indem sie formell werden, was sie sonst gar nicht sind. Der stattliche Stettiner Dampfer „Nordland" dampft durch schmale Ausfahrt des Revaler Hafens nordwärts. Grau ist der Himmel, grau das Meer. In den bequemen Sesseln „mit Aussicht aufs Meer" ist es sehr gemütlich. Der Zuzug aus Reval macht sich eifrig über den deutschen Wein, das Bier, die Zigaretten und die Erzeugniss« der Schiffs- küche her. Auch hier vergoldet man sich den grauen Tag mit dem Wein, hem holden, und ehe man sich's versieht, tauchen schon die grauen Felseninseln auf, die zum System der Schären gehörend, der Hafeneinfahrt von Helsinki vorgelagert sind. Im Hintergründe leuchtet Helsinki selbst, die „Weiße Stadt im tztorden", hell im leichten Nebeldunst. Vorbei an der zierlichen Lotseninsel Grohara und an der wuchtig aus weißem Gischtgürtel aufragenden Festungsinsel Sveaborg, der berühmten „unbezwinglichen" Seefeste des Nordens, geht es in den Hafen von Helsinki. Nach etwa dreieinhalbstündiger glatter Fahrt macht die „Nordland" dienen auch die sehr verbreiteten häuslichen „Nachseiern". it In Finnland wird, wie auch in den anderen nordischen Ländern, un- VJjJL geheuer viel Kaffee getrunken. Die Zubereitung dieses südlichen ji»"" Tranks wird im Norden als „Wissenschaft" und als „Kunst" betrieben j (etwa rote das Teekochen in Rußland), und dementsprechend schmeckt auch der Kaffee. Ein Kaffeehausleben in unserem Sinne, mit Zeitungen, Skat und Domino, mit tiefsinnigen Gesprächen, oder leichtfertigen Tänzen, gibt es jedoch in Finnland nicht. In jedem Cafe werden auch „Menus" verabfolgt, und zwar sehr gute und billige, und die Gäste befassen sich mit Trinken, Futtern und Flirten; mit und ohne Musik, aber immer ohne Tanzdiele. Ferner trinkt man Unmengen von Milch, die wie Sahne schmeckt und hoch in Ehren steht. Sogar in den vornehmen Abendlokalen und in den Hotelhallen kann man sich Milch bestellen, ohne spöttische Blicke und Reden heraufzubeschwören. Die finnischen Taxen sind wie die finnischen Pferdchen — kleiry > flink und verläßlich. Schnell, ohne zu hupen, und mit bewunderungswürdiger Sicherheit steuert mein Wagenlenker sein Fahrzeug durch das dichte Menschengewimmel in den breiten, geraden Straßen, umfährt in geschickten Schlangen kurven die menschlichen Hindernisse, die sich reichlich unvorsichtig auf dem Fahrdamm bewegen, oder bremst im letzten, aber immer noch richtigen Augenblick. „So ganz beiläufig" vollbringt der Mann dabei manchmal geradezu artistische Kunstfahrerleistungen. Es scheint, als mache die Sicherheit der Chauffeure die Fußgänger — allzu sicher. Plötzlich sehe ich eine Frau vor dem Fahrdamm, unmittelbar vor dem Wagen. Mächtig fährt es mir in die Glieder. Ich schließe di« Augen ... Jetzt ... Aber — nur ein Knirschen der Bremse, ein Ruck ... Der Wagen hält, die Frau hat sich schon auf den Gehsteig gerettet, etwas blaß, aber nicht einmal „angekratzt". Der Chauffeur schimpft weder, noch droht er mit dem Finger; er fährt weiter, als wäre nichts geschehen. Kunstfahrer ... Aehnliche „Fahrkunststllcke" kann man öfters beobachten. Natürlich kommen auch in Finnland Verkehrsunfälle vor, aber seltener als anderweitig. * Die Alkoholfrage hat das gesunde, spart- und naturliebende finn- ländische Volk — selbst bestens gelöst. Als nach der 1033 erfolgten Aufhebung des Alkoholverbots die Lockung der „verbotenen Frucht" wsgfiel, begann man mäßig zu trinken, und besonders enthaltsam zeigt sich die Jugend Trinkt man mal auch eins über den Durst, ist man immer bemüht, wenigstens „nüchterne" Haltung zu bewahren. Es sieht sich manchmal recht heiter an, wenn ganze Gesellschaften, die schon allerhand in der Krone haben, krampfhafte Anstrengungen machen, ihre Stimmen zu dämpfen, ihre Gesangeslust zu zügeln und ihre Bewegungen „abzuzirkeln". Außerhalb der vier Wände gilt — polizeilich — die Regel: „Betrunken sein darf man, aber zeigen darf man es nicht", erst recht: wenn jemand, es sei auch noch so „lautlos", mit seinem Gleichgewicht in augenfällige Mißverständnisse gerät, wird er zur Behebung seiner * Komfort in allem und für alle — in diesem Zeichen steht Finnland. An der wirtschaftlichen Blüte des Landes haben sichtlich alle Bevölkerungsschichten Teil und die durchschnittliche Lebenshaltung ist erstaunlich hoch. Auf modernster Höhe steht die Wohnungs- und Wohnkultur, die sich auch auf die Arbeiterwohnunaen erstreckt; „Elendsviertel" gibt es in Helsinki nicht, und nur wenig Armut, 78 v. H. der Bevölkerung (eben auf dem Lande, und dort ist der allgemeine Wohlstand besonders groß. Abgesehen von den erstklassigen Gaststätten, die darin wetteifern, Meisterwerke der Kochkunst zu liefern, ist das Essen auch in den „Cafe-Nestau-, rants" und in den billigen Garküchen gewöhnlich sehr gut. Auf dis kleinen Bequemlichkeiten des Lebens wird ebenfalls großer Wert gelegt. So werden z. B. die kleinsten Einkäufe in kürzester Zeit ins Haus geschickt, und daß einem der Morgenkaffee ans Bett gebracht wird, ist nicht nur in den Hotels, sondern auch in den Fremdenheimen eine kti •ist 6 1«