GiehenerZamilienblmer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang 1939 Montag, den 9. Januar Nummer 5 Der kMlmcher von Sankt Stephan ein heiterer Liebesroman von Alfons o. Lzibulka Äopyrighl by A. G. «lotta'sche Buchhandlung Aachfolger, Stuttgart 14. Fortsetzung. Als der Wirt wieder kam und sah, daß die beiden noch die Suppe »ffelten, trat er abermals an den Offizier heran und flüsterte besorgt: Ob's nicht am Ende Spioninnen sind." Rabenau lachte: „Warum nicht gar, Wirt?" Unwillkürlich warf er lber doch einen Blick aus die Ordonnanztasche, die neben ihm aus der Zank lag. , r Der Wirt begann zu schwätzen: „Erst voriges Jahr haben sie hier n Olmütz zwei Spioninnen arretiert, Herr Leutnant. Zwar waren es ionn keine. Aber immerhin: auf der Hut muß man sein." u „Warum sollen denn dann grade die beiden dort welche sein?' „Weil sie schon vor drei Stunden mit der Postchaise angekommen sind aus Wien, wie sie behaupten — und nicht ihre Namen sagen .. Rabenau siel es jetzt ein, daß er kurz vor Olmütz mit seiner Stafette «ine Postkutsche überholt hatte. Der Kaiserwirt redete weiter: „Und Französisch parlieren sie auch die «anze Zeit, Das ist doch verdächtig. Will morgen doch lieber gleich zum jl'ommanbo gehen." „Tu Er das, Wirt! Uebrigens sag Er, logieren die Damen tm ,Hämischen Kaiser'?" „Freilich, Herr Baron. Haben sogar die besten Zimmer belegt. Die Runge gleich neben dem Herrn LeuMant, die Alte gegenüber an der Stiege." Die Frauen waren mit der Suppe fertig. Diensteifrig ging der Wirt tinüber. Spioninnen pflegen Geld zu haben. Und Leute mit Geld muß tm Wirt gut bedienen, auch wenn sie morgen vielleicht schon im Kotter itzen. Er dienerte und fragte, ob die Damen vielleicht vor dem Braten ivch einen Karpfen wünschten. Ein prächtiges Stück, gerade rechts für wei Personen. Man habe ihn erst mittags in der March gefangen — an er Wasserbastei. Die beiden dankten. Der Braten genüge ihnen. Der Wirt ging gerankt. Waren also nicht nur verdächtig, sondern auch noch geizig, die frauenzimmer! Der Leutnant von Rabenau hatte das Gespräch gehört. Eigentlich lütte er nichts essen wollen. Aber jetzt reizte ihn der Karpfen doch. Fisch iß er für sein Leben gern. Und sein junger Magen kümmerte sich nicht im die Qualen des Herzens. Rabenau bestellt« den Karpfen, wenn es euch einer für zwei Portionen war. Schon während die Frauen die Suppe aßen, hatte Rabenau bemerkt, daß die Junge nicht böse wäre, wenn er die höfliche Frage fietlte, ob er den Damen Gesellschaft leisten dürfe. Defter und länger 0l5 nötig sah sie zu ihm herüber. Der junge, hochgewachsene Offizier mit dem ä merveille gepflegten und gepuderten Haarbeutel schien ihr gu gefallen. Immer häufiger hob sie die dunklen, ein wenig verschleierten Augen. Dann sagte die Alte etwas, und die Junge senkte gehorsam den funkelnden Blick. Rabenau hatte der Karpfen geschmeckt, und eigentlich war es jetzt dumm, hier allein am Tische zu sitzen. Mit dem Wiener Mädel war es ji doch vorbei. Zwar hatte sogar Andreas von Hadik, der doch sonst keine Gespenster sah, vor dem Abreiten zu ihm gesagt: „Nehm Er sich unterwegs vor den Weibern in acht! Sind davon mehr in feind- lchem Sold, als wir denken." Aber warum sollten die beiden dort eigentlich Spioninnen sein? Würden sich doch wohl kaum in eine t? eftung wagen, wo jeder Paß zehnmal perlustriert und gewendet nurde, ehe man ihn in Ordnung befand Auch hätten sie wohl sicher einen Namen genannt, wenn auch einen falschen. Aber wer waren sie b.oß? Nach Frauenzimmern von Stand sahen sie eigentlich aus. Aber man konnte sich da auch irren. Für Mutter und Tochter schien der Altersunterschied zu groß. Vielleicht war es eine hochgestellte Dame mit ilrem Zöschen oder ihrer Gesellschafterin. Wieder ließ das Persönchen die Augen blitzen. Das war wohl die siurnrne Frage, ob er sich nicht zu ihnen setzen wollte. Sonst hätte der Leutnant von Rabenau diese Bekanntschaft auch schicht ausgeschlagen. Gerade im Kriege, wenn Tod und Leben Bruder- sihaft tranken, lockte das Abenteuer. Und das, was der Wirt von Spioninnen phantasierte, war ja doch nur Unsinn. Aber noch übertönte der Schmerz die Stimme der Jugend. Mit raschem Entschluß trank Rabenau sein Glas leer, nahm die Ordonnanztasche, erhob sich, verbeugte sich knapp vor den Frauen und bat in den Hof hinaus. Den enttäuschten, verwunderten Blick, der ihm folgte, sah er nicht mehr. Vorsichtig den Pfützen ausweichend, ging er an der neben der Mistgrube stehenden, mit Koffern vollgepackten Postkutsche vorbei, deren Deichsel ihm den Weg verstellte, zum Stall hinüber, um nach seinen Leuten zu sehen. Als er, begleitet von dem Korporal, der ihm mit der Laterne über den Hof leuchtete, wieder den Stall verließ, sah in der nur von einer Oellampe schwach erhellten Torfahrt gerade ein Reiter ab. Rabenau hörte, wie er dem herbeieilenden Wirt zurief: „Kurier der allergnädigsten Kaiserin", vom Pferde glitt, ihn etwas zu fragen schien und bann in die Kavaliersstube ging. Das war für Rabenau ein Grund mehr, sie nicht noch einmal zu betreten. Er hatte keine Lust, sich mit dem Kurier, den er nicht kannte, an einen Tisch zu setzen. Und das hätte er aus Höflichkeit wohl tun müssen. Aber zum Schwätzen war er nicht aufgelegt. Er trat durch die Torfahrt auf die nachtdunkie Gasse hinaus, in der nur manchmal ein hallender Schritt oder ein Degen auf dem Pflaster zu hören war. Langsam ging er an den schlafenden Dorn- herrenhäusern, an der fürstbischöflichen Residenz und an der Domkirche vorbei, deren gewaltiger Turm sich in die klare, fternenfuntelnbe Nacht verlor, bis zum Theresientor. Dort kehrte er um, ging zum „Römischen Kaiser" zurück und stieg zu feinem Zimmer hinauf, das, wie der Wirt ihm gefagt" hatte, neben der Stube des hübschen Persönchens lag.t Am gleichen Nachmittage, an dem die Stafette des Leutnants die Türme von Olmütz aus noch regenbnmpfenben Siedern und Hügeln vor sich auktauchen sah, kniete die schöne Elisabeth Brand zum vierten Male vor dem Marienbilde. Wohl begriff sie, als sie auch diesmal vergebens gewartet hatte, der weite, weiße Reitermantel nun schon seit Tagen nicht mehr vor der Domkantorei leuchtete und wehte und auch der Bursche nicht mehr erschien, daß der Geliebte nicht komme. Aber immer noch wehrte sie sich gegen den doch schon so naheliegenden Ge<- danken, daß er mit Absicht ferngeblieben. Auch daß er ohne ein Wort des Abschieds in den Krieg geritten sei, glaubte sie nicht. Es befiel sie vielmehr plötzlich die Angst, daß die Kaiserin den Leutnant wegen des Briefes mit Arrest bestraft oder am Ende gar auf den Spielberg gesetzt habe. Mit der Festung Spielberg bei Brünn war ja die Kaiserin rasch bei der Hand Das wußte man doch. Und vielleicht war es wirklich ein Verbrechen gegen die Majestät, einen Liebesbrief unter die Lebzelten einer Kaiserin zu legen. Wenn der Leutnant dieses Verbrechen auch nicht selbst begangen hatte, so war er, wie man aus dem Schreiben leicht zu ersehen vermochte, doch gleichsam der Anstifter gewesen. Vielleicht war diese Angst aber auch nur ein letzter Damm, den Elisabeth Brand unbewußt vor ihrem verzagenden Herzen gegen die Erkenntnis aufrichtete, daß sie den Geliebten verloren habe. Denn so hart es auch war, wenn er wirklich auf dem Spielberg sah, so konnte doch ein Fußfall vor der Kaiserin, deren Zorn so jäh verging, wie er aufflammte, das Glück vielleicht noch einmal zurückrufen, das aber für immer verloren schien, wenn der Geliebte^ aus freiem Willen nicht kam. Weil aber im Leben so oft ein eingebildetes Unheil ober ein nur von der Phantasie gezimmertes Leid nicht minder quälen als ein wirkliches, wurde es der Elisabeth Brand immer mehr zur Gewißheit, daß der Leutnant von Rabenau durch ihre Schuld in den Kasematten des Spielberges verschmachte. Erst wollte sie wirklich zur Kaiserin gehen, doch dann ließ sie es sein, weil sie doch selber kein reines Gewissen hatte und fürchtete, daß die Monarchin bei ihrem Anblick von neuem erzürne. So beschloß sie, sich nach einer Fürsprache umzusehen. Aber das war nicht so leicht. Wohl hatte ihr erst vor zwei Tagen der Herzog von Braunschweig gesagt, daß sie auf ihn zählen könne. Doch der Brief an den Leutnant war ja nicht unter die Lebzelten des Königs von Preußen geraten, bei dem der Herzog wohl etwas gelten mochte, sondern in die Geburtstagsschachtel der Kaiserin Aus einen feindlichen Heerführer würde Maria Theresia nicht hören. Doch zu dem kleinen, freundlichen General wollte sie gehen, der ihr damals in der Hofburg leise gesagt hatte: „Wenn die Demoifelle einmal etwas braucht: Hadik, Feldinarschatteutnant Hadik ist mein Name ..." Gleich morgen wollte sie ihn bitten, daß er mit der Kaiserin rede. Zu dem Hexenschuß, der die alte Vielgratterin alljährlich beim Nahen des Frühlings plagte, hatte sich diesmal auch noch ein gichtischer Anfall gesellt. Verdüsterten Antlitzes faß sie mit einem heißen Ziegelstein am Bein und einem Katzenfell auf der gepeinigten Rückseite schmerzgequält hinter dem Ladentisch. Die Versorgung des väterlichen Haushaltes mußte sie ganz der Lisi überlasten. Das fiel ihr um fo schwerer, als sie gerade jetzt mit den Nachbarinnen und Kräuilerinnen allerlei zu bereden hatte: die zu Ostern angesetzte Hochzeit, die für sie feststand, wenn die Lisi auch immer noch so tat, als wüßte sie von nichts, und die für einen . Klatsch nicht minder ergiebige Beobachtung, daß, feit die neben der er je; ch der Jagdpartie Wege nach Serie, meinte. Aber ihr Herz schlug doch vor Glück. Auf dem einem Zipfel Stiefelschaft. Tigerjagd vor neunzig Jahren. Von Oberst a. D. Kleinhans, Gietzen. hersallen! Dös halt der Stärkste nit aus." Er greift nach der Generalschabracke und zieht seinen Rohrstock aus dem Ein Kreuz hat man schon mit dem Weiberzeug!-- Geliebten nur nicht verlor. Am Nachmittage kniete Elisabeth Brand noch einmal vor der Madonna. Ehe sie ging, steckte sie aus einen der eisernen Dorne eine schöne, goldgehöhte Opferkerze, die wie ihr eigenes Herz leuchtete und brannte und alles kleine Geflacker ringsum überstrahlte. Auf daß die Himjnels- fönigin ihr den Geliebten erhalte und beschütze im Kriege. Um feine Siebe bangte sie nicht mehr. (Fortsetzung folgt.) „Dorrn Winter nimmer. Was willst denn überhaupt von ihm?" Wieder trifft ihn ein zorniger Blitz. Der Husar zuckt mit der Schulter und putzt gleichmütig weiter. Wie die großartig tut? Was wirds denn schon anderes sein als ein Stubenkatzerl? Elisabeth Brand überlegt. Sie kann ihn doch nicht fragen, ob er weih, daß der Leutnant von Rabenau auf dem Spielberg sitzt. Aber dann versucht sie es doch: „Kennt Er den Herrn Leutnant von Rabenau?" . „Freilich kenn i ihn." Er reibt mit einem Ledertuch über die Kinn- kette. Dann aber stutzt er und wendet den Kopf. Ob das am End die Wachszieherische ist? Die Geschichte mit den Lebzelten hat ihn der ,Kaunitz" erzählt. Der hat sie vom Burschen des Rabenau. Die Lisl fragt beklommen: „Und weiß Er, wo der Herr Leutnant jetzt ist?" „Der is schon am Dienstag fort. Nach Schlesien Aufs Schloß vom Grafen Hartenberg hab i g'hört." Elisabeth Brand unterdrückt ein Jauchzen. Auf dem Spielberg ist er also nicht. Aber dann traten ihr doch die Tränen in die Augen. Denn nach Schlesien, das heißt in den Krieg! Sie nickt einen raschen Dank und geht. Der Husar blickt ihr kopfschüttelnd nach. Hat er's also sitzen lassen! Er hat Verständnis dafür. Erst vor drei Wochen hat er dem Rabenau, der ihn im Auftrag des Generals fragte, ob er nicht für ein paar Tage in die Heimat wolle, zur Antwort gegeben: „Bitt g'horsamst nein, Herr Leutnant! Drei Dörfer harna im Tal. Und in an jeden hab i a Madl sitzen, die no norm vorigen Urlaub an Buben von mir hat. Wann die inj J* X M C A f t . M t A X f. A f i S AM (t A OT t t AI t (V M A AI f) Vt A Die Lisl , ...... Spielberg saß er nicht, und warum er nicht gekommen war, wußte sie auch. Nicht einmal ein Wort des Abschieds konnte er schreiben, so plötzlich hatte er reiten müssen! Das war bei den Soldaten nicht anders. Daß er wieder in Sen Krieg ging und sie ihn vor dem Winter nicht wiedersehen würde, war hart. Aber sie wollte es tragen. Wenn sie den Wo sind die Stunden ... Von Christian Hofmann von Hofmannswal da u. Wo sind die Stunden Der süßen Zeit, Da ich zuerst empfunden, Wie deine Lieblichkeit Mich dir verbunden? Sie sind verrauscht, es bleibet doch dabei, Daß alle Lust vergänglich sei. Ich schwamm in Freude, Der Liebe Hand Spann mir ein Kleid von Seide; Das Blatt hat sich gewandt, Ich geh im Leide, Ich wein' jetzund, daß Lieb' und Sonnenschein Stets voller Angst und Wolken sein. Beim Wiederdurchblättern eines in meinem Besitz befindlichen Buches , Reise um bie Welt 1844 bis 1847" fandich die Beschreibung einer Tigerjagd in der Gegend nördlich von Delhi m Vorderindien. Sie verdient wiedererzählt zu werden, da es wohl nur wenigen Deutschen in der damaligen Zeit vergönnt gewesen ist, in einer fol4) .W}}, . “’S mit allen Mitteln für die Jagdausubung ve^^uen Jagdgesellschaft zu jagen. Das Buch, das 1864 erschien und sich jetzt wohl„nur m wenigen Händen besinden wird, wurde meinem Vater vom Verfasser, Carl Graf von Görtz, einem großen Pserdesreund und passtoniertem Reit-»- im Frühjahr 1864 überreicht, als mein Vater als kurhesstscher Osnzier als Gast in Schlitz ein schwer zu reitendes Pferd des Grajen vor den im Schloßpark versammelten Herrschaften einwandfrei vorrttt und dafür ungeteilte Anerkennung fand. In einem Abschnitt des Buches wird geschildert, wie Gras Görtz von Holländisch-Jndien kommend, in Madras landete und dann durch die große Halbinsel in weitem nach Norden schwingenden Bogen, wobei auch ttes in die Bergwelt des Himalaja vorgedrungen wurde, zog um in Bombay wieder das Schiff zu besteigen. Auf diesem Wege hatte er durch seine Beziehungen als oberhessischer Standesherr Gelegenheit, eine Einladung in das Jagdlager des Oberbefehlshabers der anglo-indischen Armee, Lord G o u g h, zu erhalten, die er auch annahm. Im Folgenden lasse ich den Grafen erzählen und bin überzeugt, daß jeder Leser Gefallen an dem interessanten Bericht haben wird. „Das Lager des Oberfehlshabers der anglo-indischen Armee, Lord Gough, stand gerade bei Seheranpore, und ich wünschte sehr, dem alten Helden meine Verehrung zu bezeigen; ich sandte also an (einen Adjutanten, Major Bates, für den ich Empfehlungen hatte, meinen Brief, erfuhr aber zu meinem Bedauern, daß die ganze Gesellschaft auf Tigerjagd ausgezogen fei. Desto freudiger war meine Ueberrajcfjung, als noch abends spät eine Einladung an mich gelangte, mich der Jagdpartie anzuschließen. Am nächsten Morgen war ich auf dem Wege nach Serie, wo die Jagdgesellschaft übernachtet hatte. Der Ort war 18 englische Meilen entfernt, und schon in der Nacht hatten meine Freunde mir ein Relais von Reitpferden gelegt. Drei gute Pferde brachten mich in kaum zwei Stunden ans Ziel, welches ich noch vor dem Frühstück der Gesellschaft erreichte. Die Gesellschaft im Lager bestand aus acht Jägern, Lord Gough, seinen drei Adjutanten, zwei höheren Zivilbeamten aus Seharunpore, einem geistlichen Herrn, der es mit St. Hubertus hielt, u-iki meiner Wenigkeit, deren jeder ein Zelt für sich hatte. Außerdem stand ein Gesellschaftszelt zur Verfügung. Mit größter Artigkeit hatte man mein Zelt mit allem nötigen Bedarf ausgeftaitet. Hinter den Zelt- reihen der Sahibs aber war ein Gewirr von kleineren Zelten, Militär- leinen fi Koben üt mar IroHl Wrab ®ir all »int« B M bas 11 Zoll io Stele i'inn b Ma|t, mod; in _ C- öauen, »t)nep| Mir An Enterb, !'?rze 3 Elchen «W jMinei Faß t»on d° «M- We 3 !®alb ^Ael - » r »hoffe *8te, ,v,ar nirgends, Schneckerl." Er legt den Sattel über einen Holzbock',' wirft die Schabracke über einen Querbalken und hängt das Zaumzeug an einen Haken im Türstock. „Aber irgendwo muh er doch wohnen." , Muh er gar nicht ... Wir reiten nämlich heut ab. Er holt das Putzzeug aus seiner roten Husarenhose. „Heut früh um sechs is er mit dem Wagen vorausg'fahren. Um zwei soll ich ihm die Pferd' nach Kagran bringen." Er spuckt in eine kleine Schachte), rührt mit der Bürste darin herum und beginnt mit Hingebung das Zaumzeug zu wichsen. „3a, kommt er denn gar nicht mehr nach Wien zurück?' fragt die Domkantorei wohnhaft gewesene Komtesse Hartenberg abgereift war, l £Bragoner(e“intäufe eingestellt hatte und auch der Leuinant vom Regiment de Signe nicht mehr aus dem «tephansplatz zu sehen “ Damit waren für Katharina Bielgratt-rin tue verwerflichen B - üebunaen zwischen dem Offizier und dem Komtessel erwiesen. Sie empfand es als eine besondere Tücke des Schicksals, sich gerade jetz über die Schlechtigkeit der Menschen nicht genügend verbreiten zu tÖnffür Elisabeth Brand aber war es ein Glück. Da sie nun selbst alle Einkäufe sür die Küche besorgen mußte, brauchte sie nicht erst über eine Ausrede nachzudenken, wie sie sich für die Stunde, die der Bestich beim General in Anspruch nehmen mochte, frei machen konnte. Schon um neun Uhr morgens eilte sie zur Wohnung bes j)abit. Arn linken Arm trug sie den Marktkorb, aus dem ein Kahlkopf, Suppengemuse und adbe Ruben, ein Laib Butter und ein Fischschwanz heroorjahen. Vor dem kleinen Schaufenster eines Goldschmieds ordnete sie noch rasch eine Locke und rüÄi die Haube zurecht. Daß eine bei den Mannsbildern um so mehr erreicht, je hübscher sie ist, wußte sie schon. Wurde auch be einem General nicht anders sein. Aber dann fürchtete sie sich doch Wahrend sie das von zwei grauen Sandsteingöttern flankierte Tor des kleinen Palais durchschritt, in dessen oberstem Stockwerk mit der Aussicht auf das kaum breimannbreite Gäßchen der General wohnte, schlug ihr Herz noch heftiger als damals, als sie die Kerzeln zur Kaiserin rüg. Als sie gerade den Treppenaufgang erreicht, der ,n die Torsahrt einmündet, kommt ihr von oben, mit einer Pfeife im Mund, die Lagerkappe schief überm Ohr, ein Husar entgegen. Er ist ohne Rock, hat nur Hemd, Hose und Tjchismen an und trägt Sattel und Zaumzeug. Aleil ihm die Generalsschabracke die Sicht verdeckt, bemerkt er dar Madel nicht gleich. Erst, als, sie ihn fragt, ob der General von Hadik hier wohne, schielt er hinter Decke und Zaumzeug hervor, bleibt stehen, nimmt die Pfeife aus dem Mund, zwinkert ihr zu und sagt: „Bist du abe<$inQb3orniger Blick trifft das nach Stall, Leder und Bartwichse riechende Mannsbild. Sie wiederholt die Frage, ob der General hier logiere? ' , . ,, ... fiat hier logiert!: Beleidigt wendet er sich ab und geht auf bie große, offene Glastüre zu, die den kleinen, dämmrigen Hof von der Torfahrt trennt. Elisabeth Brand läuft neben ihm her. Erst als er den Hof überquert hat und vor der dampfenden Stalltüre stehen bleibt, durch die die Spatzen zu ihrem Frühstück flattern, wagt sie es wieder: „Und wo wohnt nnbeten1 Kundige" 2orb' Ml 6 «cheM ' M «.” toon |t'r b herze" dir den lüsier 3' grinnen Minzen Kaibein Wer o Benfen 1 in« en rebt z" Doch -sie Te M nb M in w ine förr Diener 1 ibl; do idjtige ug des brigen olfter poften, Kochplätzen ber Eingeborenen, der Stand für 50 Elefanten, 20 Kamele, Pferde und Hunde; 300 bis 400 Eingeborene jedes Ranges, von dem wohlgenährten Beamten des Kriegsdeparteinents an, ber die zum Troß des Heeres gehörigen Elefanten unter sich hatte, bis zum letzten Diener hinab, bildeten unser Gefolge. Um 7 Uhr stand man auf, zog sich gemächlich an und spazierte bann im Freien; gewöhnlich hatte ich dann meinen Spaß an ber Menge ber Eingeborenen, welche an jebem unserer Haltepunkte sich um die Zelte der zwei Zivilbeamten scharten, teils um ihre Ehrerbietung zu bezeigen, teils um die Gerechtigkeit anzurufen, oder wohl gar deren Schwere auf schuldigem Haupte zu empfinden; namentlich wurde an einem Morgen eine ganze Bande Spitzbuben mit einer erklecklichen Anzahl Jahre Zuchthausstrafe so im Vorbeigehen bedacht. Lord Gough pflegte gegen 9 Uhr zu erscheinen, und nun ging es zum Frühstück, das in dem großen Zelt in tadellosem Stil aufgetischt war. Dann wurden bie Elefanten bestiegen, und noch hatten wir dem Lager nicht den Rücken gedreht, als in unglaublicher Schnelle die Zelte abgebrochen, auf Kamele und Elefanten geloben würben, und ber ganze Troß auf geradem Wege vorwärts ging, um die Zeltstadt für den Abend etwa 10 bis 15 englische Meilen weiter aufzuschlagen. Nach der Jagd zogen wir mit Sonnenuntergang nach dem neu aufgeschlagenen Lager, meist in ber Nähe eines Ortes, oft in tiefer Wilbnis, unb fanden hier genau dieselbe kleine Stadt mit derselben Ordnung der Zelte wieder und nicht nur jede Wohnung, sondern jeden Stuhl, ja jede Haarbürste genau auf bcmklben Platz, an dem wir am Morgen alles verlassen. Man zog sich zum Elsen an, unb selbst in ber Wilbnis ist, da bie weiße Jacke burch das Wetter nicht legitimiert war, ber Frack inbispenfabel am englischen Tische; nun folgte ein voll- iw 3 hi-Geiii an s; die «ijneebei io inten partien, Kraz b rattern »euer S) iia igen größten Rtinind; Vir. hoi Wljnl Bngreifi 3d) zu Wem i im (ein sündiges Diner an einer Tafel, der weder die Zierde reichen Silberge- k irrs noch sonst etwas fehlte was zur vollständigen Besetzung gehört, ii id unter Gesprächen, für welche die Erlebnisse des Tages reiflichen Ltoff lieferten, sahen wir meist so lange beisammen, bis einem nach dem anderen die Augen zufielen. Wenige werden nach einer acht- bis neun- fi mbigen Jagd auf dem Rücken eines Elefanten sich über Schlaflosigkeit b klagen. Lord Gough, der siegreiche Feldherr Englands in den großen Schlachte am Sutledge, war damals schon tief in den Sechzigern, mit schnee- ueißem Haar, aber von großer Rüstigkeit und von einem Löwenmut, du er auch bei einzelnen Episoden unserer Jagd an den Tag legte; Kon sein Aeußeres flößte Achtung und Zutrauen ein, und dabei war ei herzensgut und der liebenswürdigste Wirt. Der Zufall wollte es, daß Mir den Jahrestag der Schlacht von Sobraon, den 10. Februar auf dieser Jagd erlebten, und es war mir eine Herzensfreude, wie dieser G-innerungstag ihm Anlaß gab, der ritterlichen Tapferkeit eines deutschen Annzen und deutscher Edelleute mit aller Wärme zu gedenken. Prinz Waldemar von Preußen und seine Begleiter, denen ich nur ein Jahr 5ater auf ihrer Reise nachfolgte, haben überall das ehrenvollste An- nken hinterlassen und dem deutschen Namen einen guten Klang in iner europäischen Gesellschaft gesichert, deren Beifall wohl wert ist, er- ihn darauf aufmerksam macht. C»ir «* selbsi., •es Nach einigen Tagen des Umherziehens passierten wir den Ganges. Str 15. Februar war mein Geburtstag; ich vermaß mich, den Jagd- gmoffen auf diesen Tag einen Tiger zu prophezeien, und bald darauf langten die Späher, welche wir regelmäßig auszusenden pflegten, mit nichtigen Nachrichten an. Entlang dem Flusse von unserem Lager ab- nirts erstreckt sich ein weiter Sumpf, ein rechtes Versteck für Tiger. Utfere 40 Elefanten durchzogen das Gestrüpp in bester Ordnung, wir ch von rd) bit wobei >g, um alle et t, eine idischen genben er Eidlichen Übung n. Sie Men n und njdjaft tur in Wer, intern Mr Bräsen vorriti ■, ßorb i n alten ! i W- SSrief, i Tiger- i ife noch I jbpartie I fietii, inglW j ibe mir i mich i" i tüct ber j Sägern, i en aus J .5 hieb- itzerdem J ii en Zeii- Mititbr- [efanten, IRanges. der in bis nun "4 ich h°' eiche i" beamte11; leteW aupte i“ , ®anb< se 1° * Wine«-! mdA aublich" »-n«; um,0' fl ebt zu werden.. Doch nun zur Jagd. In dem tiefen sumpfigen Dickicht, welches das biste Terrain zur Tigerjagd bildet, ist es ein nutzloses Unternehmen, Fuß oder zu Pferd vorzudringen; so wird also ber Elefant gewählt, utb zum Zweck dieser Jagd im Dickicht hat man Howdahs von schttch- ti n Holz mit spanischem Rohr geslochten, in denen ein bequemer >vitz, eire förmliche Schiehkanzel für den Jäger, dahinter ein kleiner für den J ener befindlich ist, der die Gewehre, deren man zwei bis drei führt, liot; das ganze ruht auf einem Kissen so dick und schwer wie eine tichtige Matratze, und ist mit Ketten und Stricken gut befestigt. Unser Äug bestand aus 40 Elefanten, davon acht für ebenfoviele Jäger, die Zeigen zum Treiben, jeder dieser letzteren mit einem jener großen Allster gesattelt und von zwei bis drei Eingeborenen besetzt; auf dem httse sitzt der Mahout, ber sich mit seinem Tiere völlig versteht und es n t Zeichen, Worten, Liebkosungen und Drohungen lenkt. Unsere zehn- tigige Jagd umfaßte einen langen Strich Landes unterhalb dem Seva- lü-Gebirge, von Seharunpore bis zum Ganges, ja über denselben hin- ai s; die herrlichen Himalajas in ihren drei Reihen bis zu den äußersten je neebeberften Gipfeln immer vor uns, durchstreiften wir die Unheil uten Strecken, welche diesem Landstrich eigen sind, einzelne Wald- p rtien, meist aber ausgedehnte Steppen und Sümpfe mit Schilf und @ras bedeckt, oft 15 bis 20 Fuß hoch, so daß die Elefanten in den Schils- llättern fast verschwanden, während die langen Blütenstengel bis zu jener Höhe über unsere Köpfe wegragten. Wir drangen immer in einer langen Schlachtordnung von 40 Elefanten Breite vor. Es ist einer ber g.ößten Reize dieser Jagd, bah jebes Rascheln im Gras vielleicht nur ein iiininchen, vielleicht einen Tiger verkündigt. Gleich am ersten Tage erspähte Nr. Harvey, unser bester Schütze, der schon dem Tob von 100 Tigern bei- giwohnt, einen Tiger ruhend im Schilf und verwundete ihn durch einen Schuß; seiner Art nach wandte das Raubtier sich sosort gegen den Angreifer, und während dieser seinem Nachbar Lord Gough zurief, sich zu nähern, hatte ber Tiger schon, durch das Dickicht gedeckt, mit einem raschen unbemerkten Sprung den Elefanten erreicht, und hing nr seinem Rüssel, ehe ber Schütze es gewahr würbe. Das unvergleichliche Tier stand unbeweglich, und machte es dem Jäger möglich, ii-er das Geländer ber Howdah sich lehnend, dem Tiger aus aller Nähe einen sicheren Schuß beizubringen, worauf dieser sofort losließ und zu Woden fiel; ein Schuß des alten Herrn brachte ihn wieder auf, und et war im Begriff, sich auf diesen neuen Feind zu stürzen, als einer ber Toh-Elefanten aus der Reihe wich, und ber Tiger, den Vorteil er- tofjenb und schwer verwundet, durch diese Lücke zu entkommen suchte. Wir alle ihm nach, und in wenigen Augenblicken lag bas Tier am Fuße eines Baumes tot. Alles stieg ab unter großem Jubel, und es fand sich, dlh das Tier ein schöner ausgewachsener Königstieger war, von 9 Fuß S Zoll Länge und ohne den Schwanz 6 Fuß 3 Zoll. Nicht wenig Mühe fo’tete es, unsere stolze Beute auf einen ber Pack-Elefanten zu binben, dtnn die Elefanten waren ebenso aufgeregt wie die ganze Jagdgesell- jdiaft, und sträubten sich sehr, einen Feind aufzunehmen, der ihnen mch immer furchtbar schien. Es wimmelte in diesen Steppen von Wild: Leoparden, Hyänen, Sauen, Hirsche und Rehe, Assen, Pfauen, Parroquits, bis zu Hafen, Schnepfen, Rebhühnern und wilden Hühnern herab; aber es bestand des strengste Verbot gegen unzeitiges Schießen auf dieses Wild. An diesen wie an den folgenden Tagen gewährte es eine angenehme Unterbrechung, an irgendeinem romantischen Orte der Wildnis sich eine liirze Ruhe zu gönnen und etwas kalte Küche zu verzehren. Bei einer suchen Gelegenheit war es, daß ein Baum uns an einem sonst sehr sibschen Plätzchen im Wege stand; ein Elefant wurde geholt und durch Tchmeichelworle aufgefordert, den Baum umzureißen. Dieser war wohl 1 Fuß dick, sehr zähes Holz, nachdem er einige unbequeme Nebenäste «tu der Dicke eines Schenkels mit dem Rüssel abgebrochen hatte, lehnte ti sich mit der Stirn gegen den Stamm, mit aller Macht und Schwere wrmärts pressend, und drückte den Baum um, wofür das brave Tier gute Worte und etwas Zwieback erhielt. Auch beim Reiten durch den W-ald ist diese Geschicklichkeit und Willigkeit von großem, Nutzen, indem tr Aeste und Bäume, die im Wege sind, sorgfältig wegbricht, sobald sein N-ohout Jäger in ber Reihe und jeder das Gewehr in der Hand mit höchster Spannung auf eine Bewegung im Grase lauernd. Bald stießen wir auf ein sicheres Zeichen, daß ein Tiger nahe sei. Ein frisch getötetes Rind, halb verzehrt und daneben ein Lager eine» großen Tieres in dem niedergetretenen Grase Das Terrain war höchst günstig, da wir rechts und links zwei tiefe Wasser hatten, und unteres Reche umfaßte die ganze Ausdehnung des dazwischenliegenden Dickichtes. Dreimal jedoch zogen wir hindurch ohne Erfolg und wollten schon ablassen, als ber erfahrene Mr. Harvey noch auf einen weiteren Durchgang bestand; er fei gewiß, sagte er, baß der Tiger die halbverzehrte Beute nicht verlassen hätte, sondern in irgendeinem ruhigen Eckchen des Sumpfes feinen Mittags- fchlaf halte, nach welchem er auf Vollendung seines Mahles rechne. Einige Schützen wurden an die Flanken beordert, wir übrigen fünf hielten uns in ber Mitte, und bald verkündete der Tumult in der Linie, daß dep Tiger gesunden sei. Das Geschrei der Leute, die Befehle der Schützen, das Trompeten der Elefanten, deren einige' durch diesen Ton ihre Furcht zu erkennen gaben, und bas Rückwärtsgehen der Packtiere, die uns Platz machen mußten, bilden bei solchem Anlaß eine augenblickliche Verwirrung, die zu der ungeheuren Aufregung aller Beteiligten wohl paßt. Wir Schützen rückten vor, und unsere Seite, Mr. Davidson, Major Bates und ich hatten den ersten Angriff, während Lord Gough und Mr. Harvey, durch eine tiefsumpfige Stelle von uns getrennt, vor der Hand Zuschauer blieben. Davidson schoß zuerst, und ber verwundete Tiger stürzte sofort JbrüUenb auf ihn zu, aber er traf eine solch üble Begegnung, bah er es nicht wagte, an bem Elefanten hinaufzuspringen, sondern seine Wut in nutzlosem Vor- und Zurückweichen vor den Schüssen erschöpste; ein neuer Schuß von Major Bates, der dicht neben mir hielt, brachte den Angriff auf uns. Ich hatte den vollen Anblick des königlichen Tieres, wie es in ein paar mächtigen Sätzen erst auf meinen Nachbarn, bann, als dieser sich verschossen hatte und zurück- weichen mußte, auf mich losstürmte, brüllend und Kops und Vordertatzen hoch emporgeworsen. Da traf ihn mein Schuß mitten im Sprunge, als er nur etwa 12 bis -15 Schritt von mir war. Mein braver Elefant stand wunderbar wie eine Mauer und gestattete ein sicheres Zielen Ich brauchte nicht zu zweifeln, ihn schwer verwundet zu haben, denn sobald sich der Pulverdampf verzogen hatte, sah ich ihn ins Schilf zurückweichen, und für etwa eine halbe Minute war alles ruhig. Der Angriff auf uns war das Werk weniger Augenblicke gewesen; nun hatten ihn alsbald die zwei Schützen aus der rechten Seite erspäht, ein Schuß von Harvey reizte ihn zu letzter verzweifelter Gegenwehr, aber dem wohl unterhaltenen Feuer der beiden Herren, welche jeder mehrere doppelläufige Gewehre hatten, erlag er bald, und als wir den Sumpf mit Vorsicht passierend, zur Stelle kamen, lag bas Untier röchelnd und wehrlos am Boden. Da war Freude und Jubilieren an allen Enden, alles drängte sich um die Szene des Falls, und ßorb Gough wie ber Jüngste war alsbald neben bem Tiger auf ber Erde, um mit ebensoviel Mut als Unvorsichtigkeit die Beute zu mustern; wir waren sehr erschrocken denn mehr als ein voreiliger Jäger hat durch die letzten Zuckungen in den mächtigen Tatzen des erlegten Tieres eine tödliche Verletzung erhalten, und Harvey jagte ihm deshalb schnell noch eine wohlgezielte Kugel durch den Kopf. Nun wurde er vollends abgetan und mit Mühe auf einen der Packelefanten geladen. Es war ein junges aber ausgewachsenes Tier, drei Zoll kürzer als unsere erste Beute, und alle kamen überein, daß er sich tapfer gewehrt hatte. Die Aufregung, in welche die ganze Gesellschaft geraten war, ist unbeschreiblich: ein froheres Frühstück war wohl nie auf einer Jagdpartie vorgekommen als das unfrige in der Mitte des wüsten Sumpfes, und unsere Stimmung den ganzen Tag über war abenteuerlich erhöht. Ich sagte mir, daß nun den schönen Erlebnissen meiner Mise die Krone aufgesetzt sei. Konnte ich mich auch nicht rühmen, allein einen Tiger erlegt zu haben, so war ich doch in die volle Hitze des Kampfes geraten und verdankte es mir selbst und meinem glücklichen Schüsse, daß der auf mich gerichtete Angriff des Tigers erfolglos blieb. Ich gestehe, daß ich in jenem Moment von der ganzen Wett nichts sah als das Korn meines Gewehres und die Brust des Tigers; aber eben in dieser äußersten Spannung hatte ich das Gefühl, daß es unmöglich war, fehlzufchießen. Die Tigerjagd ist in den Augen des indischen Jägers kein gesahr- volles Unternehmen. Der Tiger greift äußerst selten den Elefanten an, ehe er verwundet ist und läßt, wie wir gerade an dem Tage sahen, den Jagdzug ungestört vorüberziehen. Der erste Schuß ist die Sache, auf die es ankommt. Ist der Tiger getroffen, so ist sein Schicksal meist entschieden, denn er dreht dann fast immer um und greift die Jäger an. Meist sind Schützen und Gewehre genug vorhanden, ihn zurückzutreiben, und der Elefant selbst weiß seinen schwachen Punkt, den Rüssel, wohl zu schützen indem er ihn zusammenrollt ober hoch emporhält. Gelingt indes dem Tiger der Sprung, so ist die Lage des Jägers kritisch genug; nur selten steht ein Elefant so fest wie Harveys unvergleichliches Tier unter bem furchtbaren Angriff. Oft wird er durch die Schwere des Tigers und den Schmerz niedergezogen, oft und fast immer sucht er mit Schütteln, Niederknien oder Wälzen den Feind loszuwerden, und damit ist ein sicherer Schuß außer aller Frage, selbst wenn der Schütze imstande sein sollte, sich in der Howdah zu halten; stürzt er heraus, so laßt der Tiger aller Wahrscheinlichkeit nach den Elefanten fahren und wirft sich auf den Jäger. In solchen Fällen ist es Brauch und Pflicht, auf den Tiger zu feuern, selbst auf die Gefahr hin, den Menschen zu treffen. Stetiger und passiver Mut ist die Haupteigenschaft des Jagdelefanten, und darum zieht man die weiblichen Tiere vor. Die tapferen (Elefanten- bullen gehen auf den Feind los, suchen auf ihm zu knien ober ihn mit den Stoßzähnen aufzuspießen und werfen durch dieses Verhalten den Schützen dem Tiger leicht in den Rachen. Noch schlimmer ist es, wenn der Elefant Reißaus nimmt, und auf der wilden Flucht die Howdah zwifchen Aeften und Gebisich zerschlagen wird; dann ist oft die einzige Rettung, in Absalows Weise sich an einen Ast festzuklammern und aus gut Glück den Elefanten unter sich wegrennen zu lassen. Von größter Wichtigkeit ist es überhaupt, daß der Mahout, der so viel über das ihm anvertraute Tier vermag, die Geistesgegenwart behält. Der erstaunliche, „Down-Easlers. Gefährliche Schiffe waren es. Gefährlich vor allem wegen der Art, wie dort Manneszucht gehalten wurde. Sie durfte sich am besten darstellen in einer Ansprache des Kapitäns Jack Haiyard an eine neue Besatzung, die uns überliefert ist und im folgenden gekürzt ""^Älte"^sag"e der genannte Schiffsführer, „mein Name ist Kapitän Kalnard Ich bin der Herr dieses Schiffes und will offen mit euch reden. Ihr sollt wissen, daß ich furchtbar scharf auf Disziplin bin, und daß ihr Hölle oder Himmel an Bord haben könnt, ganz wie ihr wollt. Den ersten, der ungehorsam ist, werde ich (und dabei zog Halyard e nen riesigen Colt-Revolver heraus) mit diesem niedlichen Spielzeug so durch löchern, daß die Sonne durch ihn scheint. Und wer stänkert, aus dem mach ich Hackfleisch. Nun wißt ihr Bescheid. Auf eure Posten! Das ist kein nachempfindender Jack London, der hier spricht, sondern der richtige Kapitän Jack Haiyard. Für solche Schüfe seebefahren« Leute zu finden, war mitunter schwer. Deshalb raubte man einfach Gesindel, das vorher betrunken gemacht worden war. Der Begriff des „Schanghaiens" verbindet sich nicht zuletzt mit den Down-Easters. J3 tarn vor, daß diese Segler ohne einen einzigen geschulten Seemann fuhren, und trotzdem machten sie ihren Weg ums Kap Siiff, wie dx Amerikaner Kap Horn getauft hatten. Seltsamerweise gibt es am Kap auch Windstille, die oft mehrere Tage dauern kann. Sie ist als Vorbote der Orkane gefürchtet. Ende 1907 als ich auf der Fahrt von Chile nach Europa wieder einmal ums' Kap kam, lag die See bleiern ruhig. Der Viermaster, auf dem ich mich befand, hatte seinen Kurs tief südlich genommen, an Backbord sichteten wir die Diego-Ramirez-Jnseln. Die Segel klappten, kein Hauch war zu spüren. Vier Stunden später jedoch kämpften wir in »er Halle, das Oberlicht der Kapitänskajüte wurde von einem Brecher zerschlagen, zwei am Ruder festgebundene Matrosen wurden losgerissen und übers Deck geschleudert wie Puppen. , Aber selbst in absoluter Windstille kann sich die Katastrophe ereignen. Es ist allerdings nur eine dieser Art bekannt, und sie begegnete im Jahre 1885 dem Segler „Ellenbrook". Während er am Kap lag, tarnen zwei riesige Flutwellen angerollt, eine von Westen, di« andere von Süden. Gerade dort schnitten sie sich, wo das hilflose Schiff f^auMie. Es wurde buchstäblich zerschmettert. Nur der Kapitän T. E.. Pare-r artete sich; in einem Korkring trieb er drei Tage umher, bis er Land erreichte. Wenn es die Insel gewesen ist, deren Südfchrossen das Kap bilden, wird er eine Ueberraschung erlebt haben. Das Eiland gilt allgemein als nackter Fels, ist aber in Wahrheit dicht mit großen Bäumen bestanden. Jedenfalls findet sich diese Angabe in den „In- structions nautiques" (Paris, 1920). Selbstverständlich hat Kap Horn auch feine Mysterien. Der Segler „Malborough", Kapitän.Anderson, war im Januar 1890 mit einer Ladung gefrorenem Hammelfleisch von Neu-Seeland nach England abgegangen, verschwand jedoch spurlos. Ein anderes Schiff meldete, es habe auf einer der kleinen Inseln um Kap Horn Notsignale beobachtet, Hilfeleistung sei infolge des schlechten Wetters unmöglich gewesen. Sofort dampfte ein englischer Kreuzer hinaus und suchte, entdeckte aber nichts. Jahre später fand die Mannschaft der Bark „Cordova" an der menschenleeren Küste die Ueberbleibfel eines Bootes der „Malborough" und sieben Skelette. Ein sehr eigenartiges Erlebnis hatten die Leute auf dem französischen Segler „Emilie Galline" Ende 1903. Sie sichteten im Sturm südlich von Kap Horn einen Eisberg, in dem ein Schiff eingefroren war. „Es war hineingehauen wie ein Messer in einen Laib Brot", heißt es in dem Bericht. Die „Emilie Galline" hatte so viel mit sich selbst zu tun, daß sie den Eisberg mit dem gefangenen Schiff schwimmen lassen mußte. Lebenszeichen wurden übrigens nicht wahrgenommen. Der Engländer Basil Lubbock, der viele lesenswerte nautische Bücher geschrieben hat, weist nach, das Jahr 1907 sei das verlustreichste für die Schiffahrt um Kap Horn gewesen. So nahe liegen noch die Tage der „Windjammer"-Zeitl Das Kap mit feinen Stürmen konnte die C gelschiffsreifen unglaublich verzögern. Den Rekord hält der Segler „5-addaii Hall", der für die Fahrt von Liverpool nach Victoria (Britisch Kolumbien) 243 Tage brauchte. Der Segler „Falls af Halladale" benötigte von Liverpool nach San Franzisko 239 Tage und der Segler „Claverdon" von Cuxhaven nach San Franzisko 218 Tage. Das sind die längsten bekannten Reisen, und gewiß haben alle diese Schiffe wochenlang am Kap gegen den Wind angetämpft. Die schnellste Urnseglung des Kap Horn in der Richtung Ost-West vollbrachte der amerikanische Segler „Young America" im Juli 1876; er rundete die böse Ecke in sechs Tagen. Bon Westen nach Osten' kann die Umrundung während einer einzigen Nacht geschehen. In die Jahre von etwa 1880 bis zum Weltkrieg fällt die letzt« Glanzperiode der Segelschiffe und des Kap Horn. Es war die Zeit der Salpeterfegler, die von den Häfen der nordchilenischen Wüstenküste das begehrte Mineral nach Europa brachten. Nun ist der „Windjammer" so gut wie ausgeslorben; nur noch wenige finnische Viermastbarken, die zumeist frühere deutsche sind, fahren einmal im Jahr nach Australien, um Weizen zu holen, und berühren dabei das Kap. Eine der schnellsten Reisen, die überhaupt je verzeichnet werden konnten, machte gelegen!» lich einer solchen Weizentour im Jahre 1933 die Viermastbark „Parma"; sie benötigte von Port Victoria in Australien nach Falmouth nicht mehr als 83 Tage. Noch schneller segelte einzig und allein der tasmanische Klipper „Harriett McGregor", der für ungefähr dieselbe Strecke im Jahre 1894 nur 82 Tage brauchte. Die Albatrosse haben wieder Besitz ergriffen von der Gegend um Kap Horn, kreften über endlos schäumenden Wasserbergen. Aber der Klang des Namens hat Sagenkraft gewonnen und dauert fort. Ein unauslöschliches Kapitel der Seeschiffahrt bindet sich an jene ferne Ecke, wo drei Meer« wütend zusammenprallen. blind fatalistische Mut dieser ungeschützten Leute gewahrt alle Zuversi^. c,n J beiden Jahreszeit trifft man oft auch wilde Lienennester im Ge- bükb die sich mit Wut auf die vorüberziehenden Friedensstörer werfen. 2?n erfolgt L Flucht! und der. Jäger begegnet Heber dem T.ger, als dem unscheinbaren stechenden Semb. m iü)le( ha5 HnMürfsfäüe unter den Europäern sind jetten, uno ein -oetjpiei, oa» fid) in Lucknow zuirug, wird als Ausnahme aufgeführt. Dort (prang etn Siner von einem höheren Ort in die Howdah und riß den Jager nut sich fori welcher indes trotz schwerer Verwundungen davonkam. Em Offizier' in ähnlicher Weise fortgeschleppt, zog nut erstaunlicher Fassung föne lenerolen aus bet Tasche; der erste Schuß, den er m der verzweifelten' Lage abgab, genügte nichi, und erst, nachdem er mit aller Ueberlegung das Herz des Tieres gefühlt hatte, gelang es .hm, emen tödlichen Schuß zu tun, der ihn rettete. Dieses Abenteuer ist wohlver- bürat jo wenig glaubhaft es klingt." ..., Mit dieser doch etwas an Jägerlatein grenzenden Erzählung mochte ich die Berichterstattugn des Verfassers mit den interessanten Angaben über das immer noch in Mengen m Indien vorkommende Großraub. wild abschließen. Leider wird nicht erwähnt, mit welcher Art von Ge wehren die Jäger ausgerüstet waren. Es werden wohl noch Vorderlader gewesen sein. Die heutigen Schnellladewassen mit rauchschwachem Pulver, bester Treffgenauigkeit und Geschoßwirkung verschaffen dem Schützen eine größere Sicherheit, und kühne Jäger, selbst Frauen, wagen sich im Pürschgang an das gefährliche Raubwild heran. Aber die Jag mit Hilfe des Elefanten wird immer noch ausgeubt und hat sich in ihrer Durchführung gegen die damalige Eigenart, wie sie uns Graf G,o r tz so lebendig geschiioert hat, kaum geändert. Das Kap der Stürme. Von Waldemar Keller. Kav Horn — der Name hat einen ureigenen Klang für alle die missen was er bedeutet. Schreckend und bestrickend zugleich ist dieser Name! die Balladen einer entschwundenen Zeit leben barm, jener romantischen Tage, als noch bas große Segelschiff mit achtzehn Raaen, der Windjammer", die Ozeane an der Südspitze Amerikas dunhkreuzie, Getrieben von ber Gewalt des Sturmes, umschwirrt von schreienden Albatrossen. Niemand, der dabei gewesen ist, wird das elementare Erlebnis einer Fahri ums Kap je vergessen. In den Seemannsliedern ist es aufbewahrt, denn heute schweigt die ferne wogende Wasserwuste, selten nur verirrt sich ein Schiss dorthin. Es gibt etn echtes und ein falsches Kap Horn. Das falsche, das keine Rolle spielt, ist der südliche Klippenabfall von Feuerland; das echte liegt auf einer kleinen vorgelagerten Insel, und es galt unter ben Scebesahrern als böses Anzeichen, wenn es in Sichtweite kam. Zum erstenmal beobachtete man bas Kap von Bord der Karavelle „oan Lesmes" die zum Geschwader des Garcia Geoffroy de Loaysa gehörte. Karl V. hatte ihn ausgeschickt, die Reise Magalhaes' zu wiederholen. Im Jahre 1525 wurde Kap Korn gesichtet, aber nicht registriert, und auch Drake, der zwischen dem 23. August und 9. September 1577 dort vorübersuhr, nahm es wohl in Augenschein, legte dieser Wieberentdeckung jedoch kein Gewicht bei. Immerhin besitzen wir einen aufschlußreichen Bericht eines Mitglieds der Drakeschen Expedition, des Geistlichen Francis Fletcher. Irgendwelchen Namen erhielt das Kap nicht. Die Namensgebung sollte dem Holländer Willem Cornelis van Schonten Vorbehalten bleiben. Zusammen mit dem Amsterdamer Kaufmann Le ßaire war er im Juni 1615 auf dem Dreimafter „La Concordia" von Texel abgefahren, um einen Weg nach Indien zu finden, der nicht ums Kap der Guten Hoffnung führte. Am 29. Januar 1616 sichteten sie den südlichsten Ausläufer Amerikas, und van Schouten nannte den Punkt nach feiner Vaterstadt: Kap Hoorn. Im Laufe der Zeil wurde aus ,Hoorn", das auf eine Ortschaft hinweist, die Bezeichnung „Horn", und diese Verbildung hat sich überall eingebürgert. Die meisten Menschen waren und sind wohl noch der Meiung, das Kap habe seinen Namen von ber hornähnlichen Krümmung der amerikanischen Südspitze. i . In den Jahren, die der Benennung folgten, wurde Kap Hom mehrfach in der Richtung Ost-West umfahren, wobei man (1619) auf die Diego-Ramirez-Jnseln stieß, eine öde Eilandsgruppe noch tiefer tm Süden. Immer hatten die Schiffer schwer mit ortanfjaftem Gegenwind zu kämpfen, der das Kap berüchtigt gemacht hat. Erft im Jahre 1681 unternahm Basil Ringroes eine Fahrt in der Richtung von Westen nach Osten, mit prallem Achterwind. Selbst für die großen stählernen Segler um die Jahrhundertwende war solch eine Reise mehr oder weniger das Eintauchen in die Hölle. Rigroes' Wagnis hat daher die Bedeutung einer ersten Tat. Sie öffnete den Verkehrsweg, es begann die Zeit der Pionierumschiffungen. Furchtbar mußten die Mannschaften der gebrechlichen Segler leiden, besonders bei der Fahrt in östlicher Richtung gegen den Wind, die unglaubliche Ansprüche an die physischen und psychischen Kräfte stellt. Georges Shelvecke benötigte im Jahre 1719 zwei volle Monate, um bas Kap zu bezwingen. Noch schlimmer erging es im Jahre 1741 dem Admiral Anson mit seinem aus fünf Schiffen bestehenden Geschwader; er brauchte ein ganzes Vierteljahr zur Ümfeglung. Der Skorbut brach aus. Jeden Tag starben ein halbes Dutzend Matrosen, die anderen trugen fast alle Verletzungen davon infolge der harten Segelmanöver bei Temperaturen von 12 bis 15 Grad unter Null. Dies war jedoch nur das Vorspiel. Recht lebhaft wurde der Schiffsverkehr am Kap erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die sog. „Down-Easters" auskamen. In Kalifornien war Gold gefunden worden; die Amerikaner bauten Segler, die von San Franzisko nach Neuyork und umgekehrt fuhren, und da sie in jedem Falle den Kurs zunächst nach Südoften abfetzten, gab man ihnen im Volksmund den Namen Derantwortlich: vr. Hans Thhriot. — Druck und Derlag: Brühlsche Universitätsdruckerei 2t, Sange, Gießen.