Lehrsatz, man beweist nicht, daß Gott vorhanden fei. Man beweist auch nicht die Auferstehung Christi, auch die Heilige Schrift tut das nicht. Vielmehr: es ist die Ausgabe, Erlebniswege aufzuzeigen, auf denen ein Mensch plötzlich von der Ueberzeugung überwältigt wird, daß Jesus nicht im Tode bleiben konnte, Wege, auf denen ihm die Unvergänglichkett bewußt wird, weil ihm dessen ewiges und göttliches Teil so stark aufleuchtet, daß der Gedanke an seine Vernichtung nicht nur unerträglich, sondern auch widersinnig erscheint. Es sind das also Wege, auf denen der Geist Gottes selbst in unserem Herzen die Gewißheit des Glaubens schafft — wir haben nur diese Wege zu gehen mit der inneren Bereitschaft für die Geiftestat Gottes an unserer Seele. Jene Jünger find diesen Weg gegangen. Am Abend des Ostertage; find zwei auf der Straße von Jerufalem nach Emmaus. Daß Lukas nur den Namen des einen — Kleophas — kennt, spricht für das Alter feiner Quelle; später hat man auch den anderen benannt. Beide Männer sind offenbar durch ihre Unruhe, ihren Schmerz, ihre Enttäuschung aus den dunklen Winkelgaffen der Hauptstadt in die Weite hinausgeworsen worden. Und felbstverständlich reden sie miteinander von allem, was geschehen ist. Die zahlreiche Anhängerschaft Jesu, die so gefürchtet war, daß man ihn bei Tage nicht zu fangen wagte, erweist sich, wie der römische Statthalter vorher wußte, als sehr wenig revolutionär. Kein Sturm auf den Palast des Hohenpriesters! Das kann nicht daran liegen, daß die Gefolgschaft Christi aus Feiglingen bestanden habe — der Hohe Rat hat sie ja auch nicht dafür gehalten. Aber sie sind gelähmt. Ist es die erschütternde Sprache der vollendeten Tatsache? Eher ist es wohl die seelische Verwirrung dieser Gemüter: es ist etwas geschehen, was all ihren Vorstellungen von Christus widerspricht; sie denken nicht an Rache, sie quälen sich ab mit der furchtbaren Frage, die einst den gefangenen Johannes, den Täufer, in Verzweiflung stürzte: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen mir eines anderen warten?" Nicht die Macht der Christusgegner lähmt sie, sondern die unerwartete Tatsache, daß der, den sie für den gottgesandten Erlöser halten, sterben konnte. Der Tod Christi scheint ihn zu entthronen. Mit einem Wort, sie hatten erwartet, daß jener stärker sei als der Tod, einfach um des Eindrucks willen, den sie von ihm empfangen hatten. Vor der Tatsache des Kreuztodes murbeit sie an ihrem eigenen Erleben irre, an der Ueberzeugung, Jesus richtig gesehen und beurteilt zu haben als den Herrn des Lebens — mar er wirklich ein Herr des Lebens? Einer kommt hinter ihnen geschritten wie der Abend. Einer geht ihnen zur Seite und lieft ihre Trauer mit dem Blick des Herzenskündigers. Er fragt, sie antworten. Und in ihrer Antwort sagen sie, weshalb sie an Jesu unvergängliches Leben glauben: „Er war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk." Auf diesen Eindruck hat sich ihr Glaube an seine Unvergänglichkeit aufgebaut, in diesen drei Dingen haben sie die Verbürgung seines ewigen Seins, seiner göttlichen lieber« ivindungsmacht auch dem Tode gegenüber zu finden gemeint: in seiner sieghaften Tatkraft, mit der er unerhörte Heilungen vollbrachte, in der Kühnheit, Gewalt und Gotterfülltheit seines Wortes, in dem Erfolg, der den unbekannten Galiläer erst zum heimlichen, nach dem Einzuge in die Hauptstadt auch zum öffentlichen Dolkskönig gemacht hatte. War nicht unwiderstehliche Lebensmacht in diesem Manne, trug er nicht sichtbar bas Zeichen des Gottgesandten an der Stirn? Glühte er nicht von Leben, bas aus dem Ewigen flutenb ins Ewige drängte? Es ist gut, sich hier klarzumachen, daß diese eindrucksvollen Dinge den unerschütterlichen Glauben an Christi Ewigkeit eben nicht begründen können. Und es ist gefährlich, hier sein eigentliches und übermenschliches Wesen erkennen zu wollen und damit den Blick für bas zu verlieren, was ihn wirklich als gotteinig unb barum als unvergänglich erscheinen läßt. Das Siegel feiner Herkunft ist nur zum Teil fein gewaltiges Wort; er hat weniger Neues unb Unerhörtes gesagt, als bie meisten annehmen; er hat im großen ganzen, freilich nicht nur das, verkündigt, was zuvor schon die Propheten, die Psalmisten und die Weisen am. Tor verkündigt hatten. Auch seine Wunderkraft, feine geistige Macht über fremde Gebundenheit ist nicht das Eigentümliche an ihm: bie Apostel haben Aehnliches vollbracht, unb bis heute gibt es Menschen, bie ber Höchste mit heilenber Geistesgerafftheit begnabigte. Auch ber Erfolg ist es nicht: hinter bem politischen Mürber Barrabas ftanben in einer bösen Stunde mehr. Sondern — unb nun beutet ber Frembe auf bem Weg nach Emmaus bas große Geheimnis — bas, was Jefus über alle Menschen erhob, unb was feiner ihm nachtut, ist fein unfchulbiges, freigewähltes Leiden bis in den Tod. Hierdurch allein gewinnt er ein unvergängliches Leben. Denn hier ist Gottes Wesen von einem menschlichen Herzen völlig angeeignet: die strömende Hingabe, die Reinheit des guten Willens, die lebenschaffende Geduld und Güte, das was fein soll und was schlechthin göttlich und damit ewig ist. Eine Seele, die so mit Gott eins ward, nicht nur im Denken, nein, mit dem ganzen Bestand aller Regungen, Willensantriebe, fühlend bis ins innerste Herz, gelöst von allen Bindungen des Niedrig-Vergänglichen — bie lebt schon unverzüglich vor bem Tobe, unb ber Tod ist ihr nur noch ein Samstag, den 8. April Nummer 28 »tgang 1959 Jät Sf. Mr. a,. Eroeiani inemtod, tiemign J8ä cor dm nogenen ich l'agti jiböiirtf Sonory mn »elbft Älan könnte nun sagen, daß wir diese Geschichte in unserer Bibel Pw> unb daß sie nicht wie andere Geschichten von Jesus Christus im “tofturm der Zeit verschüttet wurde, daß sie geschehen ist, weil sie Mbar schön ist. Wir fragen ja auch nicht eine Blume oder einen "le lein: Weshalb seid ihr da? Sie bezeugen ihr Daseinsrecht durch sich 3tt meinem Garten... Von Karl Bröger. In meinem Garten schauern die Bäume, sind nur noch Träume und lauter Erwarten. Aus ihren Zweigen der Winter fällt, lieber das stumme Neigen Sonne die fpenbenben Hände hält. Knospen, braun und prall, drängen sich überall, und mein Blut, dumpf und ungemut, steigt mit den Säften ber Bäume ins Licht Herz, wenn nun bie Rinde bricht, wirst bu mit Blüten im Winbe schaukeln, töricht sein, selig (ein, und im köstlichen Morgenschein werben bich Falter umgaukeln. Sä** ns einen ihr nitt* de $09: _3'nM erme^’elt :s ”:»»• mb teil >r gelanjt i me ei» aus. ed : imbt® 06er naf lerrfuW b pä di feiten »' _ bas in eben mi$ Stunbe |i Ipionitnit n pt en SuW bigen. 6« ig.TM unbemerkt brtnS» :6er Se®1 ichaui® gibt N UN M »litt w ..„Ml M re. st •! mW Minin, “la um !'5 ranjifo j W bet I Sari)«, ' Mott, «in. J,. asenbau ■ M « [ Seiörbti raMe h iefjcitet Samilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger . D« tein: Weshalb feib ihr ba? Sie bezeugen ihr Daseinsrecht burch sich - [*»•■ Sie sind wi» Besitztümer, die Gott verlor, als er einmal über diese .. i schritt. Es tut gut, auch die Emmausgeschichte einmal so zu nehmen, " i F1.301" betrachtend, ohne Frage und im Gefühl der Gottesnähe. „ - ennoch glaube ich, daß der Erzähler noch eine befonbeta Absicht hegte: |F,n flicht zu erwecken. Die Erzählung vom Gesicht ber Emmaussünger ! »ie Auferstehung Christi irgenbmie gewiß machen. Es fragt sich nur, - »r welchem Wege. is ". L'iins scheint mir sicher: sie soll bie Auferstehung nicht „beweisen" benn .L «in ebensowenig bewiesen werden wie bas Dasein Gottes selbst. Es F.an der Zeit, das Wort „beweisen" endlich aus bem Bezirk bes R.ofen Lebens zu entfernen, benn es stammt aus der Welt des rein fnndesmäßigen Denkens. In biefem Bereich gilt es freilich, bas nach- LtD®r Wirkliche aufzuzeigen, bas in Raum und Zeit Gebannte oder bas, Gesetz ist in unserem Denken. Man berodfixeinen mathematischen Ostern. Von Heinrich Wolfgang Seidel. Heinrich Wolfgang S e i b e l ist ein Sohn des Ingenieurs unb Dichters Heinrich Seidel, des Verfassers von „Leberecht Hühnchen", unb verheiratet mit ber Dichterin Ina Seibel, bereu große Romane „Das Wunschkinb" unb „Lennacker" weite Verbreitung fanden. Heinrich Wolfgang Seidel hat selbst einige ausgezeichnete, leider minder bekannte Romane geschrieben, wie z. B. die stille,, besinnliche und von überlegener Heiterkeit getragene Erzählung „Krüsemann". Oerselbe unbekannte Christ, bem Lukas bie Weihnachtsgeschichte, bie Michnisse vom barmherzigen Samariter unb vom verlorenen Sohn Mlimnkt, hat ihm auch die Erzählung von den Emmausjüngern über- Mslt. Sie ist eine ganz einzig dastehende Ueberlieferung: anmutig unb 'chs von brennendem herzen erlebt unb wie ber Aufgang eines Sternes Ml'Abendhimmel; benn nicht bie Morgenröte unb das frühe Licht ber Pftirfonne hat sie geboren; es ist eine Geschichte ber Dämmerung, unb Mstus burchbringt bie Nacht unb wirb eins mit ber Nacht; aber diese |W ist die Nacht behüteter Kinder, an deren Bett Engel mit goldenen Wertem Wache halten; diese Nacht ist die erste, da Christi Jünger er schliefen wie einst: tief geborgen im Arm bes Barmherzigen. L Es wird eine Erscheinung bes Auferstanbenen erzählt, unb die Form ^Darstellung, in ber alles gleichsam feine festen Umrisse verliert, ent- TOt bem visionären Erlebnis; wir fühlen unmittelbar, daß es sich M um sehr zarte und kaum mit Worten auszudrückende seelische Er- Ife handelt. Was geschieht, erleben Menschen, bereit Augen gehalten W und als diese geöffnet werden, als sie wieder in irdischer Weise die A-r dieser Welt aufnahmen, die Herberge und den hölzernen Tisch, lontrug und bas zerbrochene Brot in ihrer fjanb: ba ist er, ber «'ter, ber sekundenschnell Erkannte, wieder entschwunden. Aber es ist E®„in ihnen ein Wissen und eine Gewißheit, daß jener lebe, ja, die Süßheit bes Lebens überhaupt, eines Lebens „von Ewigkeit zu Ewig- schmerzlicher, über zuletzt gleichgültiger Vorgang an ihrer Leiblichkeit. Gott selbst würde sterben, wenn diese Seele, die ein Teil seiner selbst ist, Kein Wort der Jünger auf die Rede, die sie vernehmen, wird berichtet; nur ,ihr Herz brannte". So brennt das Herz dessen, der plötzlich im Dunkel der Zeit den einzigen Weg aufleuchten sieht, der Menschen nut Gott vereinigt und über die Vergänglichkeit hinaussuhrt: den Weg der entschlossenen Liebe und Lauterkeit, die jedes Leiden aufmmmt, um dem Geiste Gottes treu zu bleiben und andere zu gleicher Gotteimgkeit zu befreien Woran aber erkennen sie ihn? Höchst bezeichnend an der Gebärde des Brotbrechens, an der Gebärde des Gebenden, des auch in der geringsten Gabe sich Gebenden. , . .. , Es wird nicht gesagt, daß sie nun auch ihres eigenen unvergänglichen höheren Seins gewiß waren, und gerade dies scheint mir den stärksten Ausdruck eines Geborgenseins in der Liebe Christi zu bedeuten — lebte er so waren sie gewiß, daß auch ihnen nichts geschehen könne. Von ihm geliebt, lebten auch sie, war er in Gott, so würden auch sie es einst sein, denn sie erinnerten sich des verheißenden Wortes: „Ich will keines von denen verlieren, die der Vater mir gegeben hat." Einer ging voran, die Stätte zu bereiten; fein Name war: der Erstling vieler Brüder. TamS 'm Dranchlum enthalten. In Sen einzelnen Stammen, Tn ixu Landschaften und Gauen erfahren sie ihre Ausschmückungen, treten ig schlichter, dort reicher auf und sind auch mancherorts in Vergefsenhek geraten. So wird in Baden das Eierlegen am Ostermontag, roobg Burschen um die Wette taufen, auch Reiten um ausgelegte Eier seltene:. Kinder vergnügen sich noch mit Eierpicken. Sie stoßen ihre Eier mit de„ stumpsen oder spitzen Ende gegeneinander. Das Ei, das zerbricht, mutz dem Gegner abgeliefert werden. Das Ofterbrauckstum beginnt bereits am Gründonnerstag, der 15 alemannischen Landesteil auch „Hohdunschtig" heißt. Er ist ein Glück-- taa für die wissende Bäuerin. Sie kümmert sich an diesem Tag gen um ihre Blumenstöcke, die „Maien", schneidet abgestorbene Zweige «, gibt ihnen Dünger oder frische Erde und stellt sie ins Licht, vorab Ire Geranienstöcke, ferner backt sie. Die Hotzenwälderin muß Küchle backe,,, damit ihr das ganze Jahr weder Mehl noch „Anken" (Butter) ausgeh«. Im Hanauerland wurden „Dfterflaben" gebacken, an manchen Orin Brezeln, Zöpfe, Kränze. Grünes Gemüse, Spinat, Salat wird gegessn. Die Gründonnerstag-Eier eignen sich besonders, wie sie glaubt,, zur Brut; denn sie sind gesegnet. Oft bekommen die Männer am Ostei- (onntag die Eier vom Gründonnerstag zu essen; denn sie verhüten dc- Jahr hindurch Leibschäden des schwer arbeitenden Bauern. Er lupft sih keinen Bruch, er verheit sich nicht den Magen, er stürzt nicht von k Tenne und verletzt sich nicht mit Messer und Axt. Und bei jungen Bauern ist dann auch der Hoserbe sicher. Immer noch wandeln am Gründonnerstag die Glocken aus di ein Kirchtürmen nach Rom, und die Meßbuben, dies vorab im fränkisch«» Bauernland, ziehen mit Klappern oder Rätschen durch die Gassen ui» bieten die „genaue Zett". Morgens und abends singen sie das A« Maria, und am Karsamstag nach dem Avesingen verbrennen sie in Odenwald den Judas auf einem Scheiterhaufen, und danach (ammtJi fie als Lohn für ihre lebendige Zeitwache Ostereier ein und mach«, damit Lebenschön am Ostertag. Der Karfreitag ist still. Im protestantischen Markgraslerland ruht oll taute Arbeit, es ist der höchste Wochenseiertag im Jahr. In schwarz» Tracht, die stolze Hörnerkappe auf dem Kopf, gehen die Frauen 31111 Abendmahl, die Männer in schwarzen Röcken und steif gestärkten Hen den. Die Frau hebt das Sarfreitagsei im Verborgenen auf, es darf niisl gebraucht werden und fall frisch bleiben bis zum nächsten Karfreiiaz Cs schützt vor Blitzschlag. In katholischen Orten sät die Frau ihre” Blumengarten ein, aber im Erdboden darf nicht gegraben werden, soH gräbt man den Leichnam Christi aus. Die Gräber der Lieben aus 6eii Gottesacker werden besucht und geschmückt. Das Wasser, immer ist das fließende Wasser gemeint, weit es rein hat am Karfreitag Heilkraft, man muß es aber „unbeschrauen" benützen gegen Hautausschläge, böse Finger, Sommersprossen. Vor ©onnenaufg« »i ist alles Gewässer am wirksamsten. Der Karfreitagstau ist auch von glü6 ttcher Wirkung. Das Vieh, das mit betautem Heu, welches man abeitte hinausgelegt hat, gefüttert wird, bleibt gesund. In Todtmoos im SchwE wald wie auch in anderen Orten ist der Karfreitag voller Wunder ft das Wachstum, und er hat Bannkraft gegen Ungeziefer, Ratten, Mä«, Käfer, Schlangen. Haare und Nägel fall man am Karfreitag schneiden, fn leiden bann nicht mehr an Krankheit und Schwund. Vieles ist zu beacht!» an diesem stillen Tag. Die Männer gehen nicht ins Wirtshaus, fluch!» nicht, es darf kein Streit im Heim fein, kein Gedudel. Kein Knecht |ol pfeifen, keine Magd fall kreischen, kein Blut soll fließen bei Mensch U.»l Tier. Die Seelen sind still unter der Last des Trauerns um Christi W Und doch, sie alle haben die Gewißheit, Mensch und Erde, das spüren 1 den österlichen Auferstehungshimmel. Am Karsamstag rumort die Hausfrau in Stube und Küche. Stört st ja nicht! Sie muß putzen und backen und Deftereier färben und viel» beachten. Die Mädchen sind gurrig; denn die Oftertage geben ihnen 1M Erlebnisse. Die Mutter sagt ihnen, daß Osterwasser schön mache, unti1 schrien muß darin mindestens das Gesicht gebadet werden. Sie werden M tun. Die Anna weiß auch, daß sie am Ostermontag mit dem Franz „w Emmaus" gehen wird. Die Anna sowohl im Frankenwatd als das Anrr lis am Bodensee; denn das Auswärtsgehen zur Sippe, zu Vettern w* Basen im Nachbarbors ist überall gang und gäbe am Ostermontag, auch, vorab im Markgräflerland, am Himmelfahrtstag. Die Kinder |w wunderlich, weit sie geschrubbett werden, um am Ostersonntag bei Gotte Ehre einzulegen, wenn sie ihr Kuchen bringen und den „Osterh»- dasür einheimsen. Nach der Auferstehung, spätestens aber am Ostermorgen, ehe Sonne aufgeht, muß an vielen Orten der Palmen aus dem Freien «»■ Haus geholt werden. Heia, daß bann ja ber Bursche, der dies tut w ein Möbel zufällig beim Osterwasserholen ober gar beim Waschen erwM Hell leuchten in Oer Frühbärnmerung bie Strohfeile an ben Obstbau flämmen, bie nach bem Auferstehungsiäuten herumgewickelt werden, dar»» die Bäume gut tragen sollen. Und bann bricht der geweihte Tag an. Die Vögel fingen in Qubil® Chören, die Glocken schwingen in den Türmen: Hephata, tue dich Unter die Haustüren treten bie Männer und schauen geruhsam in ” sauber geschweifte Straße hinaus, ihre Hemdärmel sind blütenweih. 1'1 Frauen setzen die Töpfe aufs Feuer, die Kinder harren des Osterhk» mit seinem bunten (Belege. Die Mädchen werden nicht fertig mit tl)k* Staat und es sprengt sie fast die Ungeduld der Liebe. Ja, sie sind und blank vom Osterwasser. Die Burschen striegeln ihre Pferde auf leW Hochglanz. Der Bauer zieht den Kutschenwagen aus dem Schuppen. Glocken läuten. Und der Osterspaziergang der festlichen Seelen über » liebe Erde hebt an nach der Kirche, über bie Gottesäcker burch die ist s' Und es ist gerabe am Osterfest traurig, wenn es regnet ober trüb 1 unb ber April nach feinem Rufe „macht was er will". Denn nie sind O“ Stuben enger und alle Herzen offener ber Sonne zugewendet als mähre» der Auferstehung. . Alles Brauchtum an Ostern ist gehoben aus dem Naturelement ahe' ■ Oesterliches Brauchtum. Von Hermann Eris Busse. Das Osterfest hat in ber Stadt auch schon manchen Brauch bewahrt, manche Handlung, bie „im Blut liegt." In hellen Scharen ziehen bie Leute aus den Mauern >n die freie Natur, wo die Quellen fpnngen und die Anemonen und Veilchen blühen und die Matten schon erholt vom Schneedruck und ber Frostbürre leuchtend grün find. Unb bie Kinder suchen in Gärten und Hecken ihre Ostereier. Das Spiel mit den Trillern (Tanzknöpfen) unb Klickern (Spielkugeln) nimmt in den schul- freicn Tagen im Märzenstaub oder Aprilglanz leidenschaftliche Formen an in Stabt unb Dors. Der Frühling befreit bie Seelen aus ber Enge und Lichtkarghert des Winters. Alle werden feiner überdrüssig, selbst der schneefreudige Schi- Held Wenn er von ben Hängen herabstiebt und an ber Wintergrenze schon ben Krokus blühen sieht, schnallt er ab, fühlt sein kühnes Herz warm angehaucht unb trägt seine Bretteln über rieselnde Tauwetter- bäche unb Quellen in ben Talsrühlingz aber ben Leuten ist nicht ganz zu Helsen. Schon warten sie eigentlich auf den Sommer, um sich vom schiieeüberfprühten Berggeist zum Wasserschreck zu wandeln. Ostern schließt wohl dem Frühling die Türe auf, doch verzichtet ber Winter nicht vom ersten April ab auf fein Wohnrecht im weiten Raum der Mutter Erde, lieber Nacht drängt er sich gern wieder ein, manchmal neckisch auf Windböen hergetragen, manchmal, besonders mittags, böse grollend mit Plitz und Donner, eisig speiend verschosst er sich Recht. Doch wird die Sonne rasch mit ihm Meister, hat sie erst einmal den frühlingshaften Schwung richtig geübt. Alles öffnet Herz und Sinn dem Ostertag entgegen Die Bäuerinnen sammeln bie Eier der Karwoche, um bie Jugend beschenken zu können. Die Männer stehen aus nassen Böden draußen im Freien und säubern die schmalen Kanäle durch die Wiesen, fahren mit Gülle und Mist. Mißmutige Arbeiten sind bas. Noch Ostern kommen Pflug unb Egge unb Sätuch unter die schon wieder gebräunte Hand; dabei ist der Bauer hochgemut. Ostern ist da, das bäuerliche Jahr ist aufgegangen. Schon am Palmsonntag ging das Helle Fest als Vorfreude in ben seltsamen Aufmärschen der Palmbufchträger durch das Land. In der Stadt bringen sie nur noch grüne Sträuße zur Weihe in die Kirchen. Auf dem Dorfe aber, im Alemannen- wie im Frankengebiet, wachsen bie Palmbuschen, die Palmbesen, bie Dfterpälmen, an langen (Berten ober geschälten Tannenstämmchen oder Erlen-, Eschen-, Haselstangen befestigt, über die Köpse der Gläubigen hinaus. Ueberall haben sie landschaftliche Eigenart. Neues Grün und Immergrün, Weidenkätzchen und Stechlaub, Buchs- und Sevenbaum, auch Wacholder und Efeu gehören in ben Buschen. Im Breisgau und in der Baar machen sie kunstvolle Palmkronen mit roten Jlepfeln ober Beeren und bunten Bändern. Das Grün ist nicht die Hauptsache hier. Sie bilden aus Weiden, Tannästen oder Haselruten heilige Symbole nach, unb manche dieser künstlichen Palmen sind so prachtvoll wie bie großartigsten Schellenbäume. Im Hotzenwald nehmen sie Tännchen mit roten Aepseln behängt am Palmsonntag zum Weihen mit. Im Herrgottswinkel, im Garteneck, oben zur Firstlücke heraus, im Stall, bei ben Bienen werden bann geweihte Zweige ober bie ganzen Palmen aufgehoben, bis Ostern ober auch bis zum ersten Donner. Dann kommen sie in den First des Hauses, wo ehemals unsere Vorfahren ihre Heils- unb Bannmale aufhoben, bie Pferdeschädel oder Stiertöpfe. Das Heimwefen sollen sie schützen vor bösen Geistern, schlimmen Wünschen, vorab vor Blitz, Feuer unb Krankheit. Früher fanden auch wie in der Stadt so in ben (Bemeinben Palmeselprozefsionen statt, wobei ein linkisch geschnitzter Esel mit Christus feierlich herumgeführt wurde. Die Frühlingsbräuche, die heute noch bie Bauern pflegen, bie vorab von der Bauernmutter, ber Erbhalterin ber Ueberlieferung, streng eingehalten werden, gehen zumeist aus vorchristliche Zeit zurück, die Kirche hat sie aber in ihren heiligen Kreis, oft verändert, oft auch ganz urfprünglid), aufgenommen; denn was fie einstens verbot an lang- ererbten Handlungen, das fetzten bie Bauern erst recht heimlich fort. Was ihnen in Blut unb Seele eingeboren ist, treibt keine Macht von ihnen weg. Unb fo ist, was heute erst allen Forschern desonbers tief unb deutlich offenbar wird, der Bauernstand das Kernstück des Volkstums geblieben; denn er hat uns doch feine Bräuche und vorab in den Frühlingstagen bie alte Zeit erhalten, bas Vätererbe im Geiste lebendig aufbewahrt. Fast im ganzen deutschen Bauerntum sind die Dfterfpiele mit den Eiern, bas Ostergeheimnis um die Kraft des fließenden Wassers, des aus iii kenn Ich besser als du. Und Angst, datz sch fle Dagmar wegesse, brauchst du nicht zu haben! Ich mag das labbrige Zeug nicht. Wenn es wenigstens welche mit Likör wären!" Und ehe Leonhard aus dem Wagen heraus war und Einspruch erheben konnte, war sie mit dem Korb auf und davon, und Leonhard blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und das um so mehr, als Dagmar und ihre Mutter jetzt auf der Freitreppe erschienen und begrüht werden muhten. , „ Vor dem Frühstück traf er Dagmar in der Halle. „Schämen solltest du dich!" lachte sie ihn an, „nicht mal Ostereier mit- zubringen, wo ich doch so gern Sühes esse!" Er konnte nicht umhin, ihr Giselas kleinen Streich zu erzählen. „Das sieht dir ähnlich!" sagte Dagmar. Leonhard spürte eine gelinde Verärgerung, und als Dagmar weiter- fraqte- „Hast du wenigstens ,il)n< mitgebracht?" zuckte er die Achseln und machte ein undurchdringliches Gesicht. Um so größer meinte er, werde hernach ihre Freude sein, wenn sie den Ring in dem Osterei fand. Das Frühstück zog sich länger hin, als Leonhard lieb mar: Dagmar kümmerte sich nicht um ihn, sondern bevorzugte aussällig DUektor Werm- kirchen, einen nicht unsympathischen, gescheiten Herrn von funsundvierzig. Dann stürmte Gisela ins Zimmer: „Die Eier sind versteckt! Die von Leonhard für Dagmar im Gemüsegarten, die andern im Park!" Und nun begann die Eiersuche. Dagmar ging zu Leonhards freudiger Ueberraschung gleich in den Gemüsegarten, sie trug den kleinen Lastkorb, den Gisela ihr zugeworfen hatte. Leonhard ging ihr nach, die andern verteilten sich in etwas auffälliger Diskretion im Park. „Haft du ihn wirklich nicht?" fragte Dagmar, über die Schulter zuruck- blitfenb. Wiederum zuckte Leonhard die Achseln. Da fand he mit einem Freudenschrei das erste Ei, bann das zweite, das dritte und vierte. Uni) bann jubelte Dagmar auf: „Jetzt weih ich es: er steckt in einem Osterei. Auf der Stelle fing sie an, die gesammelten Eier aufzuwickeln und in den Mund zu stecken, und mit denen, die sie noch sand, machte sie es genau so. Leonhard begann das Schlimmste zu fürchten. . . Und bann gesck-ah bas Unglück. Man hörte vom Park her einen Schrei unb aufgeregte Stimmer, bie beiben — Dagmar mit vollem JJiunbe qinqen schnell hin. Gisela hatte über eine gefällte Buche fpringen moüen unb sich das Fußgelenk verstaucht. Wermkirchen erbot sich, das Kind heim- zufabren, was sogleich' dankbar angenommen wurde; er trug die Kieme, die ihn kokett anlächelte, zu feinem Wagen und fuhr davon. Die Eier- fuche nahm ihren Fortgang, wenngleich in etwas gedämpfterer Spannung unb Aufmerksamkeit. , . Leonhard ging neben Dagmar her, die Ei auf Ei fand unb aß —< nur nicht das ganz bestimmte rofarote. Ihm wurde bänglich. Sind es jetzt alle?" fragte sie nach einer Weile erfolglosen Suchens. Eins fehlt noch", erklärte Leonhard mit mühsam gefestigter Stimme. Dann suche bitte allein weiter. Ich — mir — mir ist ganj übel ... Dagmar wandte sich dem Hause zu, und Leonhard, dem sie dazubleiben bedeutet hatte, suchte allein weiter — vergeblich. Vielleicht hatte Gisela das Ei. gar nicht versteckt, sondern es einfach zuruckbehalten, um den beiden einen Streich zu spielen? Oder um es ihrem kleinen Bruder mit- zubrinqen, der gerade bie Masern gehabt unb daheim hatte bleiben müssen^ Unb plötzlich kam bem guten Leonharb ber Gedanke, ben Verlobungsring in ein Osterei zu tun unb biefes verstecken zu lassen, dermaßen kindisch vor, daß er sich scheute, ihn Dagmar einzugestehen. Sie kam gerade zurück, merkwürdig bleich. , Es ist noch mal gut gegangen", sagte sie und hakte ihn unter; »komm mit ins Haus, die andern sind schon dort. Und, nicht wahr, vor dem Essen gibst du ihn mir, und dann sagen wir es den Eltern, und dann macht Papa es bei Tisch bekannt." - Leonhard, in peinlichster Verlegenheit, stotterte etwas Dagmar ließ seinen Arm los und blieb stehen. „Hast du ihn etwa nicht mitgebracht? Und als sie sah, daß er rot wurde und nichts Rechtes zu sagen wußte, sagte sie beinahe zornig: „Du, schlimmstenfalls lasse ich dir Zett bis zum Abendessen — aber keine Minute länger!" Das Mittagessen ging vorüber — Direktor ®erH1^'rd)e” !P°r,. wieder da; Dagmar ah kaum etwas und beschäftigte sich ausschließlich mit ihm. Leonhard empfand wühlende Eifersucht unb verwarf den Oebanfen, 3U Gisela zu fahren, bie auf einem Nachbargute wohnte, um nach dem Verbleib des Ostereies zu fragen. Wer weiß, wie Dagmar fein«। Abwefen- beit ausleqen und was mittlerweile geschehen konnte! Der Nachmittagskaffee in der Veranda ging ebenfalls vorüber. Leonhard wurde immer einsilbiger e« dämmerte, es dunkelte, man faß und horte Radiomusik. Dann stand Dagmar, grünlichblaß, auf flüsterte ihrer Mutter etwas zu und verschwand. „Zuviel Ostereier gegessen!" sagte Frau Wiegert lächelnd, als die Tür sich hinter Dagmar geschlossen hatte. Leonhard war trauriger rumute als je zuvor in feinem Leben. Er ging hinaus in den Gemuse- qarten Es war kälter geworden, dennoch plärrten vom Teich her die Frösche; ein Nachtvogel strich lautlos schwirrend vorüber. Und bann, als er sich schon wieber bem erleuchteten Hause zugewandt hatte, sah Leonhard etwas blinken; er bückte sich, und siehe da: in einer Rhabarberpflanze lag bas rosarote Osterei — es wäre zwischen ben Knollen unb rosa Stengeln unb unter ben breiten Blättern am Vormittag wirklich kaum zu bemerken gewesen. Leonharb fiel ein Stein vom Herzen. Er bat Dagmars Mutte: in bie Halle, fragte nach des Mädchens Befinden, und händigte ihr dann das Ei ein: das fei eine Medizin! Frau Wiegert schüttelte den Kops, ging aber hinauf zu Dagmars Zimmer. Leonhard folgte. Noch ein Osterei?" hörte er durch die angelehnte Tur Dagmars stöhnen. „Seonbarb ist ein Ekel! Ich kann kein Osterei mehr sehen - uh! Da konnte Leonhard nicht anders. In klaffendem Widersvruch zu allen Gesetzen ber Schicklichkeit stürzte er ins Zimmer unb rief: „Wickle es aus, D Er hörte einen abgrundtiefen Seufzer, ein leises Rascheln und Knistern unb einen Freudenschrei. „Geh runter, Leonhard!" jubelte Dagmar. „Ich komme gleich noch. Jetzt bin ich wieder ganz gesund!" tu, Iti J ■ tret«, II M w1 «t M er mitJ britz, t Q9, bti ein fc i lag g Sroeigt': , Dorab: idjle btt ') ausgit. ndjen ft rb gtjit ie glou: r am ft echtsten i ft lupft i cht dohI men si, ich lau« unb N mb ruht i. in sch«: flauen ? ärtten jir j es batj iJ Kaisk::: Frau iss nerben, m auf >: it es teil en“ benir mnenaiift ich non !- man «leim M Wuiib» itten, $e schneid": ft zu be«ss haus, M n Knecht - Mensch Christ i 5 fpüren’ feile gell* ■nit hi"^ idje. * >n und e en rnuchr?, sie ** i Frws ' As b°s , ' Seite'”; rmuni^- e tw bi-r i» Ä werdend en >" ■/( in< ruhl^j : ch W lUMrV ob ijj»1 -st „irbt ersonnen, sondern gelebt wie das leibhaftige, schone, schwere und doch geliebte Leben zwischen Himmel und (Erbe, durch Sommer unb üßinter, Tag unb Nacht. Und alles Brauchtum ist Gott wohlgefällig wie inbrünstiges Gebet._ Das verlorene Osterei. Eine Geschichte von E r n ft Sander. Hütte in den ersten Februartagen einer seiner Bekannten bem guten Leonharb Berting auf ben Kopf zugesagt, Ostern werbe er verlobt (ein, jo würbe er mitleidig gelächelt ober, je nach Stimmung unb Gelegenheit, eine Wette auf bas Gegenteil abgeschlossen haben. Hatte jener Bekannte inbcjjen überbies noch hellsichtig behauptet: „Leonharb, Ostern werden Sie mit Dagmar Wiegert verlobt fein!", so würde Leonhard mit Recht haben antworten tannen: „Wer in aller Welt ist Dagmar Wiegert? Aber es Mud sich kein Bekannter, der Leonhard Berting auf diese Weise gewarnt ober, je nach dem, ihm einen Blick in verlockende Zukünfte eröffnet hatte. Leonhard war ein jüngerer Rechtsanwalt mit guter und stetig wachsender Praxis, neunundzwanzig Jahre alt, dunkelblond, mit einigen Ersparnissen, jedoch ohne Vermögen, (Eigentümer eines zweisitzigen Sportwagens. Unb wer war Dagmar? Drittes Kinb eines mittleren norbbeutfdjen Gutsbesitzers, schmal, hellblonb, gefunber Sproß eines schweren, etwas wehleidigen Vaters und einer quicklebendigen Mutter, neunzehn Jahre alt unb mehr ber Stabt als bem ßanbe zugetan. Denn bort hatte sie auf einem ber großen Feste, bie um bie Faschingszeit gefeiert werden, Leonhard kennengelernt.' Die beiden paßten zueinander unb hatten bas auch bald heraus« gefunden. Daß aus ihrer beider Verliebtheit gleichsam über Nacht eine helle feste Liebe geworden war, suchten sie, Kinder ihrer Zeit, nach Kräften hinter sportlicher Forschheit zu verbergen, unb auf einen Widerspruch von feiten der Eltern Dagmars brauchten sie schwerlich gefaßt zu [ein- denn Leonhard hatte bereits zweimal als (Saft in Heckenrode, dem Wiegertfchen Besitz, geweilt und hatte sich dort ebenso wohlgelitten gefühlt, wie er selbst dort gern gewesen war. Altmodisch umständliche Formeln, feierliches Anhalten, und was dergleichen mehr ist — darum brauchte Leonhard sich nicht zu kümmern. Aber dennoch war es sowohl ihm als auch Dagmar reichlich nüchtern und prosaisch vorgekommen, als er ihr an . einem der unverhofft warmen, blaugolbenen Frühlingstage um Mitte März eine ganj bestimmte Frage gestellt, die das Mädchen mit schöner Unum- wundenheit ohne das mindeste Zögern bejaht hatte. Es war auf ber Terrasse eines Cases gewesen, man hatte schon im Freien sitzen können, unb diese Gebanken hatten viele Menschen gehabt — so viele, baß es nicht einmal zu einem Verlobungskuh gekommen mar. Nur angelacht hatten sie einander, und sich unter dem Tisch die Hände gedrückt, und Leonharb hatte nicht umhin können, Dagmars Hanb sestzuhalten unb zu streicheln, wobei er ein bißchen rot geworden war. Dann waren sie, da bis zur Abfahrt von Dagmars Zug noch eine gute Stunde Zeit war, in ben Anlagen fpajieren gegangen; die Forsythien blühten gelb, bie Luft roch nach Erde unb Veilchen. „Nun sind wir also heimlich verlobt!" sagte Leonharb, unb nachbem er sich umgeschaut hatte, ob sie halbwegs allein feien, was glücklicherweise der Fall war, näherte er fein Gesicht dem ihren. Aber Dagmar bog den Kopf weg. „Nicht hier", sagte sie, „unb eigentlich erst, wenn wir richtig verlobt sind. Mit Ring und Elternsegen. Vor allem aber mit Ring. Sie zog den linken Handschuh aus. „Sieh, da kommt er hin! „Wann wollen wir es denn den (Eltern sagen?" „Ach, weißt du — ein bißchen Überraschen wird es sie ja vielleicht doch. Ich muß das vorbereiten. Warte mal — am besten Ostern. Ostern ist ein Verlobungsfest. Eigentlich sind bas alle Feste. Wir haben Gaste -bu solltest übrigens auch eingelaben werben, neulich ist davon schon gesprochen W°J5a", sagte Leonhard. „Das ist schön. Ostern also! In gut drei Wochen." „Aber vergiß den Ring nicht! Ohne Ring — das wäre keine richtige Verlobung^o nod)!„ ^fzte Leonhard. „Und das schlimmste ist, daß ich dich vorher kaum werde sehen können. Ich muß übermorgen ins Industriegebiet und einen Vertrag ausarbeiten, und dann zu meiner Mutter, zu der ich ja eigentlich über Ostern hatte reisen wollen." „Guter' Da hast du also noch drei Wochen Zeit zur Selbstbesinnung. Sie sah ihn plötzlich ernst an: „Also, wenn du mir zu Ostern den Ring mitbringft, ist alles gut. Und wenn nicht, dann weiß ich, daß du es bir anders überlegt hast." „ Diese halb scherzhaften, halb ernstgemeinten Worte Dagmars losten in Leonhard die Eingebung zu dem Plan aus, der bann ... Am Dftermorqen fuhr Leonhard in seinem kleinen roten Wagen nach Heckenrode. Aus dem freien Sitze lagen, in Seibenpapier gewickelt, Blumen für Dagmar und ihre Mutter, und außerdem stand dort ein Sponkorbchen mit Ostereiern. Obenauf lag ein besonders großes, in rosa Stanniol gewickeltes, das Leonhard während.der Fahrt hin und wieder mit zärtlichen Blickei, musterte — denn dieses Osterei war nicht aus Schokolade oder Marzipan wie die übrigen, sondern bestand aus poliertem Holz und netz sich ausklappen, unb darin lag, in dunkelgrünen Samt gebettet, ber Dagmar zugebachte Verlobungsring. Den eigenen trug er griffbereit in der linken Westentasche; er überzeugte sich während ber Fahrt mehrmals, ob er auch noch vorhanben sei. „ ,, , Als er vor bem Herrenhaus hielt — es standen schon m^re" ®1'9 auf bem weiten Platz, barunter ber Achtzylinber von dem Leonhard wußte, daß er sich um Dagmar bemüht hatte, fr i m ohne den mindesten Erfolg — sprang ihm Gisela entgegen, Dagmars fünfzehnjährige Kusine. . , . . .. „Tag. Leonhard", sagte sie, „Prost Ostern!" Sie duzte jeden, mit bem sie mehr als drei Worte gesprochen hatte, verbat sich ober energisch, b 6 sie selbst ebenfalls geduzt wurde. „Au fein, du haft Öftereier mitgebrad) . Zeig mal her. Die müssen wir nachher verstecken. Nee, laß man Ortungen Abirrungen Vornan Son Theodor Montane 12. Fortsetzung. Einundzwanzigstes Kapitel. Rienäcker, als er wieder allein war, war von dieser Begegnung und vor allem von dem, was er zuletzt gehört, wie benommen. Wenn er sich, in der zwijchenliegenden Zeit, des kleinen Gärtnerhauses und seiner Insassen erinnert hatte, so hatte sich ihm selbstverständlich alles so vor die Seele Stellt, wie's einst gewesen war, und nun war alles anders und er hatte in einer ganz neuen Welt zurechtzufinden: in dem Häuschen wohnten Fremde, wenn es überhaupt noch bewohnt war, auf dem Herde brannte kein Feuer mehr, wenigstens nicht tagaus, tagein, und Frau Nimptsch, die das Feuer gehütet hatte, war tot und lag draußen aus dem Jakobikirchhof. Alles das ging in ihm um und mit einemmal stand auch der Tag wieder vor ihm, an dem er der alten Frau, halb humoristisch, halb feierlich, versprochen hatte, ihr einen Jmmortellenkranz aufs Grab zu legen. In der Unruhe, darin er sich befand, war es ihm schon eine Freude, daß ihm das Versprechen wieder einfiel, und so beschloß er denn, die damalige Zusage sofort wahr zu machen. „Rollkrug und Mittag und pralle Sonne, — die reine Reise nach Mittelasrika. Aber die gute Alte soll ihren Kranz haben." Und gleich danach nahm er Degen und Mütze und machte sich auf den Weg. An der Ecke war ein Droschkenstand, freilich nur ein kleiner, und fo kam es, daß trotz der Jnschristtafel: „Halteplatz für drei Droschken", immer nur der Platz und höchst selten eine Droschke da war. So war es auch heute wieder, was mit Rücksicht auf die Mittagsstunde (wo die Droschken überall, als ob die Erde sie verschlänge, zu verschwinden pflegen) an diesem ohnehin nur auf ein Pflichtteil gesetzten Halteplatz kaum überraschen konnte. Botho ging also weiter, bis ihm, in der Nähe der Von-der-Heydt-Brücke, ein ziemlich klappriges Gefährt entgegenkam, hellgrün mit rotem Plüschsitz und einem Schimmel davor. Der Schimmel schlich nur so hin, und Rienäcker konnte sich angesichts der „Tour", die dem armen Tiere bevorstand, eines wehmütigen Lächelns nicht erwehren. Aber soweit er auch das Auge schicken mochte, nichts Besseres war in Sicht, und so trat er denn an den Kutscher heran und sagte: „Nach dem Rollkrug. Jakobikirchhof." „Zu Befehl, Herr Baron." .....Aber unterwegs müssen wir halten. Ich will nämlich noch einen Kranz kaufen." „Zu Befehl, Herr Baron." Botho war einigermaßen verwundert über die mit soviel Promptheit wiederkehrende Titulatur und sagte deshalb: „Kennen Sie mich?" „Zu Befehl, Herr Baron. Baron Rienäcker, Landgrasenstraße. Dicht bei'n Halteplatz. Hab Ihnen schon öfter gefahren." Bei diesem Gespräche war Botho eingestiegen, gewillt, sich's in der Plüschecke nach Möglichkeit bequem zu machen, er gab es aber bald wieder auf, denn die Ecke war heiß wie ein Ofen. Rienäcker hatte den hübschen und herzerquickenden Zug aller märkischen Edelleute, mit Personen aus dem Volke gern zu plaudern, lieber als mit „Gebildeten", und begann denn auch ohne weiteres, während sie im Halbschatten der jungen Kanalbäume dahinfuhten: „Js das eine Hitze! Ihr Schimmel wird sich auch nicht gefreut haben, wenn er ,Rollkrug' gehört hat." „Na, Rollkrug geht noch; Rollkrug geht noch von wegen der Heide. Wenn er da durchkommt un die Fichten riecht, freut er sich immer. Er is nämlich von's Land ... Oder vielleicht is es auch die Musike. Wenigstens spitzt er immer die Ohren." „So, so", sagte Botho. „Bloß nach tanzen sieht er mir nicht aus... Aber wo werden wir denn bett Kranz kaufen? Ich möchte nicht gern ohne Kranz auf den Kirchhof kommen." „O damit is noch Zeit, Herr Baron. Wenn erst die Kirchhofsgegend kommt, von's Hallsche Tor an un die ganze Pionierstraße runter." „Ja, ja, Sie haben recht; ich entsinne mich..." „Un nachher, bis dicht an den Kirchhof ran, hat's ihrer auch noch." Botho lächelte. „Sie sind wohl ein Schlesier?" „Ja", sagte der Kutscher. „Die meisten sind. Aber ich bin schon lange hier und eigentlich ein halber Richtiger-Berliner." „lind 's geht Ihnen gut?" „Na, von gut is nu woll keine Rede nich. Es kost't allens zuviel un soll immer von's Beste sein. Und der Haber is teuer. Aber das ginge noch, wenn man bloß sonst nichts passierte. Passieren tut aber immer was, heute bricht ne Achse, un morgen füllt en Pferd. Ich habe noch einen Fuchs zu Hanse, der bei den Fürstenwalder Ulanen gestanden hat; propres Pferd, man bloß keine Lust nich un wird es woll nich lange mehr machen. Un mit eins is et weg... Un denn die Fahrpolizei; nie zufrieden, hier nich und da nich. Immer muß man frisch anstreichen. Un der rote Plüsch is auch nich von umsonst." Während sie noch so plauderten, waren sie, den Kanal entlang, bis an das Hallesche Tor gekommen; vom Kreuzberg her aber kam gerat) ein Jnfanteriebataillon mit voller Musik, und Botho, der keine Begegnungen wünschte, trieb deshalb etwas zur Eile. So ging es denn rasch an der Belle- Allianee-Brücke vorbei, jenseits derselben aber ließ er halten, weil er gleich an einem der ersten Häuser gelesen hatte: „Kunst- und Handelsgärtnerei". Drei, vier Stnsen führten in einen Laden hinaus, in dessen großem Schaufenster allerlei Kränze lagen. Rienäcker stieg aus und die Stufen hinauf. Die Tür oben aber gab beim Eintreten einen scharfen Klingelton. „Darf ich Sie bitten, mir einen hübschen Kranz zeigen zu wollen?" „Begräbnis?" „Ja." Das schwarzgekleidete Fräulein, das, vielleicht mit Rücksicht auf den Umstand, daß hier meist Grabkränze verkauft wurden, in seiner Gesamthaltung (selbst die Schere fehlt nicht) etwas ridikül Parzenhastes hatte, kam alsbald mit einem Jmmergrünkranze zurück, in den weiße Rosen ein» geflochten waren. Zugleich entschuldigte sie sich, daß es nur weiße Rosen seien. Weiße Kamelien stünden höher. Botho seinerseits war zufrieden, enthielt sich aller Ausstellungen und fragte nur, ob er zu dem frischen Kranz, auch einen Jmmortellenkranz haben könne? Das Fräulein schien über das Altmodische, das sich in dieser Frage kundgab,einigermaßen verwundert,bejahte jedoch und erschien gleich danach mit einem Karton, in dem fünf, sechs Jmmortellenkränze lagen, gelbe, rote, weiße. „Zu welcher Farbe raten Sie mir?" Das Fräulein lächelte: „Jmmortellenkränze sind ganz außer Mode. Höchstens in Winterzeit... Und bann immer stur... ", „Es wirb bas beste sein, ich entscheibe mich ohne weiteres für biefen hier." Und damit schob Botho den ihm zunächst liegenden gelben Kranz über den Arm, ließ den von Immergrün mit den weißen Rosen folgen und stieg rasch wieder in seine Droschke. Beide Kränze waren ziemlich groß und fielen auf bem Plüschrücksitz, auf bem sie lagen, hinreichend auf, um in Botho die Frage zu wecken, ob er sie nicht lieber dem Kutscher hinüber reichen solle? Rasch aber entschlug er sich dreser Anwandlung wieder und sagte: „Wenn man der alten Frau Nimptsch einen Kranz bringen will, muß man sich auch zu dem Kranz bekennen. Und wer sich dessen schämt, muß es überhaupt nicht versprechen." So ließ er denn die Kränze liegen, wo sie lagen, und vergaß ihrer beinah ganz, ms sie gleich danach in einen Straßenteil einbogen, der ihn durch seine bunte, hier und da groteske Szenerie von seinen bisherigen Betrachtungen abzog. Rechts auf wohl fünfhundert Schritt Entfernung hin, zog sich ein Plankenzaun, über den hinweg allerlei Buden, Pavillons und Lampenportale ragten, alle mit einer Welt von Inschriften bedeckt. Die meisten derselben waren neueren und neusten Datums, einige dagegen, und gerade die größten und buntesten, griffen weit zurück und hatten sich, wenn auch in einem regenverwaschenen Zustande, vorn letzten Jahr her gerettet. Mitten unter diesen Vergnügungslokalen und mit ihnen abwechselnd, hatten verschiedene Handwerksmeister ihre Werkstätten auf- gerichtet, vorwiegend Bildhauer und Steinmetze, die hier, mit Rückficht auf die zahlreichen Kirchhöfe, meist nur Kreuze, Säulen und Obelisken ausstellten. All das konnte nicht verfehlen, auf jeden hier des Weges Kommenden einen Eindruck zu machen, und diesem Eindruck unterlag auch Rienäcker, der von seiner Droschke her, unter wachsender Neugier, die nicht endenwollenden und untereinander im tiefsten Gegensätze stehenden Anpreisungen las und die dazugehörigen Bilder musterte. „Fräulein Rosella das Wundermädchen, lebend zu sehen; Grabkreuze zu billigsten Preisen; amerikanische Schnellphotographie, russisches Ballwersen, sechs Wurf zehn Pfennig; schwedischer Punsch mit Waffeln; Figaros schönste Gelegenheit oder erster Frisiersalon der Welt; Grabkreuze zu billigsten Preisen; Schweizer Schießhalle: „Schieße gut und schieße schnell, Schieß und triff wie Wilhelm Teil." Und darunter Teil selbst mit Armbrust, Sohn und Apfel. Endlich war man am Ende der langen Bretterwand, und an eben diesem Endpunkte machte der Weg eine scharfe Biegung auf die Hasenheide zu, von deren Schießständen her man in der mittäglichen Stille das Knattern ber Gewehre hörte. Sonst blieb alles, auch in dieser Fortsetzung bet Straße, so ziemlich basselbe: Blonbin, nur in Trikot und Medaillen gekleidet, stand balancierend auf dem Seil, überall von Feuerwerk umblitzt, während um und neben ihm allerlei kleinere Plakate sowohl Ballonauffahrten wie Tanzvergnügungen ankündigten. Eins lautete: „Sizilianische Nacht. Um zwei Uhr Wiener Bonbonwalzer." Botho, der diese Stelle wohl seit Jahr und Tag nicht passiert hatte, las alles mit ungeheucheltem Interesse, bis er nach Passierung ber „Heibe", beten Schatten ihn ein paar Minuten lang erquickt hatte, jenseits betreiben in ben Hauptweg einer sehr belebten unb in ihrer Verlängerung auf Rixdotf zulaufenden Vorstadt einbog. Wagen, in doppelter und dreifacher Reihe, bewegten sich vor ihm her, bis mit einem Male alles still stand und der Verkehr stockte. „Warum halten wir?" Aber ehe der Kutscher antworten konnte, hörte Botho schon das Fluchen und Schimpfen aus ber Front her unb sah, baß alles ineinanbergefahren war. Sich vorbeugenb und dabei neugierig nach allen Seiten hin ausspähend, würde ihm, bei der ihm eigenen Vorliebe für das Volkstümliche, der ganze Zwischenfall sehr wahrscheinlich mehr Vergnügen als Mißstimmung bereitet haben, wenn ihn nicht ein vor ihm haltender Wagen sowohl durch Ladung wie Inschrift zu trübseliger Betrachtung angeregt hätte. „Glasbruch-Ein- und -Verkauf von Max Zippel in Rixdorf" stand in großen Buchstaben auf einem wandartigen Hinterbrett, und ein ganzer Berg von Scherben türmte sich in dem Wagew- kasten auf. „Glück und Glas" ... Und mit Widerstreben sah er hin unb dabei war ihm in allen Fingerspitzen, als schnitten ihn die Scherben. Endlich aber kam die Wagenreihe nicht nur wieder in Fluß, sondern bet Schimmel tat auch fein Bestes, Versäumtes einzuholen, und eine kleine Weile, so hielt man vor einem lehnan gebauten, mit hohem Dach unb vorspringendem Giebel ausstassierten Eckhause, dessen Erdgeschoßseustet so medrig übtr der Straße lagen, daß sie mit dieser fast dasselbe Niveau hatten. Ein eiserner Arm streckte sich aus bem Giebel vor unb trug einen ailfrechtstehenben vergolbeten Schlüssel. „Was ist das?" fragte Botho. „Der Rollkrug." „Gut. Dann sind wir bald da. Bloß hier noch bergan. Tut mit leid um den Schimmel, aber es Hilst nichts." Der Kutscher gab dem Pferd einen Knips, und gleich danach führe-, sie die mäßig ansteigende Pergstraße hinauf, an deren einet Seite bet alte, wegen Ueberfüllung schon roieber halb geschlossene Jakobikirchhof lag, während an bet bem Kirchhofszann gegenüber gelegenen Seite hohe Mietkasernen aufstiegen. (Fortsetzung falzt.) DernntwvrtNch vr. HanSTHyrtot. — Druck und Ierlag: Drühljche LlniverfitätSdruckereiR. Lange, Gießen.