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Er war wohl plötzlich auf Sache oder zu sonst einem Dienst befohlen worden und würde dafür lorgen um so sicherer kommen. Im Laden zeterte wieder die Vielgratterin, als ihre Nichte so ver- ’ätet erschien. Doch die List hörte kaum hin, weil sie sogleich in die Wachstube ging, um am Fenster zu warten, ob der Leutnant von labenau nicht vielleicht seinen Posten auf dem Domplatz beziehe. Dann sollte sie ihm schon zu verstehen geben, daß sie morgen wieder vor dem karienbilde warten werde. Einen zweiten Brief zu schreiben, wagte sie icht. Sie hätte ja diesmal auch nicht gewußt, wie sie ihn befördern kllte, da doch unten im Laden die Alte neben den für den Burschen lereitgestellien Schachteln voll Lebzelten saß. Aber der Platz vor der Domkantorei blieb leer. Nach einer halben Stunde des vergeblichen Ausschauens hörte sie »!>n der Stiege her das Rufen der Vielgratterin. Rasch schloß sie das zensier. Sie konnte gerade noch sehen, wie drüben vom Stock im Elsen eine Stafette über die regennassen Katzenköpfe gegen den Roten Turm und die Schlagbrucken ritt. Der Herzog von Braunschweig-Bevern, Generalleutnant des preußischen Königs, stand vor der Kerzelmacherei von Sankt Stephan. Sein Wagen wartete einige Schritte weiter, jenseits der Domkantorei. Jnter- kfiert betrachtete er das kleine Haus, die zierliche Ladentüre, über der Don das Schild „Hoffournisseur der Kaiserin" hing, und das winzige Schaufenster, das kaum größer als ein Puppenzimmer war. Hinter einer btr vom Regen blinden Scheiben des Hauses mußte also die ver- winschene Prinzessin sitzenl .Gestern, beim Abschiedssouper, das die Wiener Majestäten ihm zu Edren gegeben, hatte die Kaiserin dem Herzog von Braunschweig die 8 schichte mit dem Liebesbrief unter dem Lebkuchen mit dem silbernen Kckerherzen erzählt. Sogar etliche'Lebzelten aus der für den Leutnant brummt gewesenen Schachtel hatte sie ihn kosten lassen. Nicht gerade bei mit dem Silberherzen. Den hatte beklagenswerterweise statt des chnrrn von Rabenau, zwischen dessen Lippen ihn Elisabeth Brand schon geehen hatte, bereits die kleine Erzherzogin verschlungen. Doch auch die andern Lebzelten aus her Wachszieherei von Sankt Stephan schmeckten den Braunschweiger Herzog so gut, daß er davon dem König eine Pmbe mitzubringen beschloß. Gleichsam als ein Gegenstück zu den viirundzwanzig Paar weißlederner Handschuhe aus der berühmten Berliner Manufaktur, die sich der General von Hadik im vergangenen Herbst vorn berlinischen Bürgermeister für die Kaiserin-Königin erbeten halte. Schon während des Winters hatte Maria Theresia dem Herzog einmal lachend erzählt, wie der gute Hadik dann doch noch der Herein- güallene war, weil das Berliner Stadtoberhaupt sich diesem feinem piiriotischen Herzen widerstrebenden Ansinnen dadurch launig entzog, daß es dem General, ohne daL dieser es merkte, lauter linke Handschuhe, vier Dutzend also, verehren lckeß. Wenn auch die wienerischen Lebzelten nicht unter so gloriösen Umstanden zu erwerben waren wie die Berliner Handschuhe, so würde Iptfl der König doch freuen, denn die Lebkuchen mären ein Gedicht. Der fj; mg beschloß, sie gleich am nächsten Tage zu kaufen. * . Dis süßen Erzeugnisse des Meisters Äloisius Brand waren freilich nicht die einzige Ursache dieses Entschlusses. Der Herzog von Braun- chmeig, selbst noch bin junger, lebenslustiger Herr, wollte das Mädel chin, das eitlem der vornehmsten Offiziere der Kaiserin so erstaunlich dm Kopf verdrehte. Der Feldmarschalleutnant von Hadik, mit dem ei «ährend seiner Gefangenschaft in kameradschaftlichem Geplauder manch- inial des Abends über die Basteien promenierte, hatte ihm nämlich schon wt Wvchen von der Liebe zwischen der schönen Wachszieherstochter und Wt Leutnant von Rabenau erzählt. Auch davon war die Rede gewesen, in« der sonst so brave Offizier um dieser Liebe willen sich einmal sogar । Dor dem Wachtdienst in der Burg absentiert und nur die gute Laune b-s Gen-^als ihn-vor Arrest oder gar Festung bewahrt habe. Hadik hatte am ugefrat, daß er sich Sorge mache, wie die Kaiserin dieses Ausbrechen !in-s ihrer besten Offiziere'aufnehmen werde. Mariagen zwischen dem Wkl und der Bürgerschaft liebe sie nicht. [ Daß General von Hadik sich inzwischen durch die freiwillige Meldung be; Leutnants von Rabenau dieser Sorge enthoben fühlte, hatte der Her- |p ”m f° weniger erfahren, als einem feindlichen General niemand auf )k Nase band, daß morgen oder übermorgen ein Kurier abreiten werde, um die kaiserlichen Regimenter in Marsch zu setzen. Auch einem Herzog von Braunschweig mußte diese Liebe des Rabenau wider die geheiligte Ordnung der Dinge erscheinen. Er wollte das Mädel sehen. Mußte schon ein wahres Meerwunder oder eine verwunschene Prinzessin sein. Denn schöne Frauenzimmer gab es in der Wienerstadt wahrhaftig auch im zlbel genug. Das hatte der Herzog den Winter über zur Genüge bemerkt. Den Tag über hatte er allerlei Abschiedsvisiten gemacht. Man war tn Wien gegen den kriegsgefangenen Generalleutnant sehr zuvorkommend gewesen. Es gab kaum ein adeliges Haus, das sich ihm nicht gastfreund, lich geöffnet hatte. Die Kirchenuhren schlugen schon ein Viertel vor sieben, als er endlich vor dem Wachszieherladen stand. Er kam allein. Er war ja nicht mehr Gefangener. Er hatte den kaiserlichen Major, den man ihm als Ehrendienst zugeteilt hatte, gebeten, ihn allein zu lassen. Den Herzog von Braunschweig kannte in Wien jedes Kind. Seine silberbetreßte, dunkelblaue Uniform hatte man den Winter über bei allen Festen, bei Schlittenfahrten und Lustpartien sehen können. Er hatte sich in Wien nicht anders bewegt als irgendein hoher kaiserlicher General. Nur daß der Major fein steter Begleiter gewesen war. So begrüßte ihn auch die Vielgratterin mit einem erfreuten, wenn auch lendenlahmen Knicks, als er den Laden betrat. Sie beeilte sich auch sogleich, seinen Wunsch zu erfüllen, als er sie bat, den Meister zu rufen. Aufgeregt trompetete sie in die Werkstatt: „Ein Glück hast schon, Brand! Draußen im Laden steht der preußische Herzog und will mit dir reden.. Paß auf, jetzt wirst auch noch braunschweigischer Hoffournisseur!" Als Äloisius Brand wieder in der kleinen Tapetentüre dienerte, wie vor zwei Tagen vor der Kaiserin, saß der Herzog und Generalleutnant auf einem kleinen, rotgepolsterten Taburett, hatte den rechten Arm auf den Ladentisch gestützt, nickte Brand freundlich zu und sagte: „Ich habe gestern Gelegenheit gehabt, bei Ihrer Majestät der Kaiserin Seine delikaten Psefferkuchen zu kosten, und möchte gern ein Dutzend solcher Schachteln, wie die Kaiserin sie gekauft hat, mit nach Berlin nehmen... Hat Er so viele? Denn ich muß morgen schon reifen." Brand verneigte sich tief: „Soviel Eure Hoheit wünschen." Er rückte sich die kleine Leiter zurecht. Auf der Ladenpudel standen ja wieder nur i>ie drei Schachteln für den Burschen, der aber anscheinend heute nicht kam. Der Herzog zog langsam feine gelbledernen Stulphandschuhe aus, legte sie sorgsam über sein Knie und sprach weiter: „Aber ich habe noch einen änderest Wunsch, lieber Meister ..." „Hoheit befehlen?" „Die Kaiserin erzählte mir Nicht nur von Seinen meroeilleufen Pfefferkuchen, sondern auch von Seiner Tochter... Darf ich sie sehen?" Brand auf seiner Leiter runzelte die Stirn. Der Herzog sah es ja nicht. Dieses Paradieren mit der Schönheit der Lisi liebte er nicht. Es machte sie nur eitel. Der Herzog war noch ein stattlicher Mann. Was wollte der? Aber abschiagen konnte er es einem so hohen Herrn wohl auch wieder nicht. Er kletterte mit feinen Schachteln unterm Arm die Sprossen herunter, sagte: „Sehr wohl. Eure Hoheit" und trug der Vielgratterin auf, seine Tochter zu rufen. Dieses Rufen war es gewesen, das Elisabeth Brand oben in der Dachkammer gehört hatte. Das Keppeln vergaß die Alte auch jetzt nicht: „Möcht nur wissen, was du allerweil in der Dachstuben zu suchen hast!" Dann aber klärte sie ihre Nichte über Rang und Vornehmheit des Besuchers auf und schloß: „Wirst sehen, jetzt wird der Vater noch ein zweites Mal Hoffournisseur." Als die Türe ging, sah der Herzog erwartungsvoll auf. In feine Augen traten Entzücken und Staunen. Er wiegte lächelnd den Kopf, sagte leise vor sich hin: „Tja, dann allerdings", erhob sich, legte die rechte Hand an sein Herz, ließ sie mit großer Gebärde sinken und verneigte sich. Elisabeth Braud errötete und knickste tief. Der Herzog setzte sich wieder, nahm sie an der Hand, zog sie zu sich heran und sagte: „Die Frau Kaiserin, wie ihr Wiener wohl sagt, hatte schon recht, als sie mir erzählte, daß die Demoiselle sehr schön sei. Den künftigen Eheliebsten kann man nur beglückwünschen..." Katharina Vielgratterin dachte, daß der Franzi vom Kirndorfer für fein Geld schließlich auch was verlangen könne. Die Lisi aber sah ihn unsicher an: was wußte der Herr? Doch der Herzog lächelte nur: „Wenn ich daheim über Wien berichten werde, werde ich von nichts beredter erzählen als von der Schönheit der Demoiselle. Um dieser Schönheit willen könnte ich es verstehen, wenn wir Preußen einmal Wien belagerten, wie die Griechen einst Troja wegen der Helena." Elisabeth Brand senkte den Kopf und warf dabei einen Blick auf den Vater, der gerade einen Bogen Papier zurechtlegte und nach den drei für den Burschen bestimmten Schachteln griff. Nur ein Glück, barfite sie, daß nicht wieder ein Brief in der obersten lag. Der Herzog würde sich wundern. Daß es eben sieben schlug und auch der Dragoner heute nicht gekommen war, betrübte sie nicht. Es war ihr nur der Beweis, daß der Leutnant auf Wache war. Da nahm er feinen Burschen wohl mit. graue waren. Der Wirt brachte auf schön geschwungener, zinnerner Platte einen kleinen, dampsenden Suppentopf, aus dem der silberne Schöpflöffel ragte, zwei Teller und ein Glas voll Wein. Er goß die Suppe ein, wünschte gesegnete Mahlzeit und kam dann mit dem Glas zu Rabenau herüber. Der nickte dankend. Doch der Wirt blieb noch stehen, beugte sich zu ihm herab, machte mit dem Kops eine Bewegung nach den Frauen und sagte leise: „Wenn ich bloß müßt, wer die sind!" Rabenau klopfte eben die Pfeife wieder aus, weil die Damen aßen. Er lachte: „Wie soll ich das wissen? Frag Er sie halt!" „S)ab ich doch schon getan, Herr Leutnant. Aber sie haben mit nur geantwortet: ,das pressiert doch nicht, Wirft. Es geht mich jo nichts an, wie sie heißen. Aber Olmütz ist Festung. Wir haben strenge Vorschriften. Man bekommt leicht die Polizei auf den Hals, Herr Baron. Der Kaiserwirt buckelte und ging. Das „Herr Baron" hatten die beiden wohl gehört. Nach Wirtsart hatte er es auch lauter gesagt. Denn man sollte doch sehen, was für noble Gäste er habe. Die Alte sah interessiert herüber. Rabenau trank. Es ärgerte ihn, daß er in seinem Schmerze bemerkte, daß die Junge ein allerliebstes Persönchen war, mit einer schneeweißen Perücke über der rosig schimmernden Stirn und einem blutroten, feingeschwungenen, ein bißchen spöttischen Mund. (Fortsetzung folgt.) klirren würden! . r . . . ... Kein Wunder, daß er mißmutig und schweigsam durch den rieselnden Regen ritt und die Dragoner hinter ihm einstweilen nicht mit den Ohren zu wackeln wagten. Obwohl doch sonst der Leutnant von Rabenau dafür bekannt war, daß er auf Estafette und bei Patrouillen, wenn die Disziplin nicht so scharf zu sein brauchte wie beim Regiment, mit seinen Leuten am Lagerfeuer sang oder während des Rittes über ihre Sol- datenfpähe lachte. Schweigend zogen sie hinter ihm drein und fraßen Lebzelten. Einen ganzen Beutel daoon hatte der Bursche des Leutnants quer über seinen Hafersack geschnallt, weil er sand, daß es schad sei, auch noch auf die Lebzelten zu verzichten, wenn es schon mit dem Mädel nichts war. . Am frühen Abend des dritten Tages ritt der Leutnant von Rabenau in Olmütz ein. Er übergab beim Festungskommando die Befehle wegen des Kuriers nach Böhmen, Der Festungskommandant, der alte Feld- zeugmeister Freiherr von Marschall, ein tapferer, eisgrauer Soldat, bedauerte, daß er den Leutnant nicht zum Abendessen laden könne. Aber Aloisius Brand verschnürte das Paket und fragte, wohin er es der ^Ser'Ä^nlmortete: bin Ihm oougiert, wenn Er es mir dann Wahlen Es ist rettich nicht wahrscheinlich, daß sich die Gelegenheit praivt Braunswweia ist weit. Aber wie gejagt**, er eryob sich uno küßte ber Lisi galant die Hand, „die Demoiselle [änöe keinen ergebeneren yreunb und besseren Fürsprecher." Sechs Dragoner und den Burschen mit dem Packpferd hinter sich, so ritt der Leutnant von Rabenau durch das mährische Land. Ein^mg rauicgie bet Regen aus grauem Gewölk. Non ben Dreispitzen, Mänteln unb o • fein troif das Wasser. Aus ben enblojen, von der Schneeschmelze ausge- weichten Straßen tauchte gespenstisch Pappel um Pappel auf. Ähre Wipfel sah man nicht. So tief hing der Regen. Morlrb- Jn der Ordonnanztasche, die der Korporal trug, ruhte der Marsch befehl für die Regimenter des Hadik. Für die Ordre an ble ^j^PP6? Böhmen hatte Rabenau beim Festungskoinmandanten in Olmutz einen ^Äber^noch"ein drittes Schreiben lag in der ledernen Tasche: ein Brief der Kaiserin an den Grasen Hartenberg in Jaunitz. Den sollte Rabenau, wenn er dort zum Quartiermachen einritt, mit einem Gruße übergeben. Auch an die kleine Komtesse selbst hatte Maria Theresia em Billett bep leqen wollen. Aber der Kriegsrat hatte lange gedauert. Man hatte Nachricht, daß der König schon nach Schlesien gefahren sei. Das war em böses Kelchen. Es qab Sorgen um Sorgen. , . r. x , Als sie den Bries an die Komtesse geschrieben hatte, erfuhr sie, daß der Leutnant von Rabenau sogleich nach der Konferenz abgentten et. Hadik war das lieber gewesen Die Meldungen von der Grenzegestelen ihm nicht. Es war besser, daß der Rabenau noch am Abend ritt. Da hatte die Kaiserin das Billett für die junge H-.ri-nberg dem anuetuaut, der ben Ranzionierungsoertrag wegen des Herzogs von Braunschweig- Bevern bei den preußischen Vorposten ab geb en sollte und dann als Furrer weiter nach Petersburg ritt. Sie schrieb der Komtesse, was sie fötm bem ‘ Vater geschrieben, daß ber Leu nant von Rabenau wohl einige ^eit auf Grotz-Jaunitz bleiben werde und sie eine Verbindung der Hau er Hartenberg und Rabenau von Herzen begrüßen wurde. Der Brief schlog. „Er wird ihr schon gefallen. Sei Sie nur von allem Anfang an recht lieb Der Kurier für Petersburg tarn zwar nicht über Jaunitz. Aber er sollte der Hartenberg das Billett in Olmütz übergeben, wo he ja doch ben Postwagen wechseln mußte. Der Kurier ritt auf Relaispserden. Die Posten fuhren langsam. Da mußie er den Wagen der Komtesse in Olmutz überholen. Dort hatte er den Brief mit einem Reifearuß der Kaiserin zu überreichen. Ehestandskandidatinnen schloß Maria Theresia zärtlich ms H^Mit hochgeschlagenem Mantelkragen, traurig und übelgelaunt trabte Rabenau vor seiner Stafette. Eine Welt war ihm zerbrochen In fernem Herzen stritten Liebe und Zorn. Es war die erste Enttäuschung fernes Lebens, und sie war schwer. Noch am Montag hatte das Madel, wohl um anzudeuten, daß sie am nächsten Tage zum Marienbilde kommen werde, an ihrem Fenster genickt und ihm eine rote Rose zugeworfen — die dritte. Und doch hatte ihm eine Stunde (pater sein Bursche erzählt, daß die Demoiselle Elisabeth Brand sich gestern verlobt habe und zu Ostern den Sohn des Nußdorser Weinprotzen heiraten werde. Den kannte er Er hatte dem Weinhändler einmal zwei Wagenpferde für seine Ettern abgetauft. Der Junge hatte damals die Pferde vorge ähren Rabenau lachte bitter, als er daran dachte, daß dieser feiste, grobschlächtige Bursch, der kaum das Maul aufbrachte, sich dieses blühenden Frauenlebens erfreuen sollte. War wohl das Geld daran schuld. Der Kirndorfer war reich. Doch wozu dann die Rosen und das Augenspiel im Schlitten? Rabenau begriff das nicht. Aber vermutlich durfte er seinem Herrgott danken, daß er dem Mädel so rasch hinter die Schliche gekommen war. .... Aber chade war es doch um sie. Und lieb hatte er sie gehabt wie noch keine im Leben. Schwierigkeiten hätte es natürlich gegeben. Ein Rabenau durfte nicht die Tochter vorn Kerzelrnacher von Sankt Stephan heiraten Aber das wäre ihm gleich gewesen. Durchgesetzt hatte er es ,a doch. Erft hätte. Papa von Eselei gesprochen und Mama einen jo ausgiebigen Ohnmachtsanfall bekommen, daß dem van ©mieten die Hoff- mannschen Tropfen ausgegangen wären. Die Kaiserin hätte eine Szene gemacht und ihm vielleicht für eine Zeit ihre Gnade entzogen. Aber ' schließlich hätten sie wohl alle drei Ja und Amen gesagt: Papa, Mama und die Kaiserin. Denn was wäre ihnen anderes übrig geblieben? Doch das war jetzt vorbei. Nichts blieb als ein quälender Schmerz, der ihm manchmal saft die Tränen in die Augen trieb. War nur ein Gluck, daß er reiten durste und bald die Pallasche wieder an die Sabel des Feindes knmilcben Kaiser" Die andern Tische in dem kleinen, getäfelten Raum wa7en1«r Das Zimmer war behagttch und warm. In dem grasgrünen. Mächtigen Kachelten, der gegenüber dem Fenster aus der Wand vor l,r,Äd>IUÄl »I. mchnlch» S'Ü«Ts.Ä SÄ SNm Ä ftimmernden Decke des Himmels, hastig bereitetes Essen ""i einer Kessel naute auf Feldrainen oder im Sattel und ewiges Retten. Machten ein ander' das Leben schwer, die Reiter des Königs und der Kaiserin. Aber Rabenau liebte dieses Leben, dieses Reiten und Jagen, TrompetensHall und bas helle Wirbeln der Pauken, den Kampfruf der Retter, den chus- schlag der Rosse, das Klirren des Stahls. Doch diesmal g.ng er nicht fröhlich in ben Krieg. Nicht aus Angst um fein Leben Was gilt dem Soldaten Verwundung und Tod? Aber h7rt kam es ihn an daß wieder die Leere um ihn sein sollt-, wenn dann im Svätherdst der Feldzug oder vielleicht gar der Krieg zu Ende wäre. Von einem Hausstand hatte er geträumt, von Glück und zartttchen Stünden Und nun war das vorbei. Wie hatte er doch dieses Madel neliebt! Sinnlos schien ihm das Leben. __.. . „ Unb hatte ihm doch sogar in diesen Tagen gefallen, wenn hinter ihm die Sättel knarrten, die Hufe pochten die Sabel an d" Buge! chlugen oder für einen Augenblick die Lichtfacher der Sonne: aus blei aoldgerändertem Gewölk in den windgekrauselten Tümpeln ber Wiesen und Aecker blitzten, über die im Sommer bas Sjalmenmeer des Kornes wogte mit ben roten Lichtern bes Mohns, bas Sloten der Amsel und ber Schlag ber Nachtigall stieg unb die mächtigen 5Rinberf)erben zogen in der sruchtschweren Hanna. Und bann hatte er es doch wieber als Unrecht empfunben, baß er sich freute. Noch wußte er nicht, baß auch im zerrissensten Herzen zu der Bitterkeit des Leids sich manchmal schon die Süße der Zukunft gesellt, unb es bie Glocken ber Feste bes Lebens waren, deren Geläute er deutlicher von Meile zu Meile gehört. Er'klopfte mit dem Siegelring ans Glas. Er wollte noch Wein. Vielleicht half ihm der Wein aus den Nöten seines Herzens. Hatte diese Liebe noch Sinn? War es nicht besser, auf die Glocken bes Lebens m hören? Eben wollte er ein zweitesmal und diesmal lauter ans (Sias djlagen, weil der Wirt „Zum Römischen Kaiser" wohl auf seinen Ohren gezogener Mütze, buckelnd unb in den Knien' einknickend, blieb ber Wirt davor stehen unb lieh zwei Frauen im Reisekleid ein: eine alte und eine junge. Dann geleitete er sie an den Tisch neben bem Oien, gegenüber dem des Ofsiziers. Er hals ihnen aus Pelz ^nb Umhang, wobei er sie ausmerksam musterte. Er fragte nach ihren Wünschen, verneigte sich und ging. Im Vorübergehen nahm er bas Glas des Leutnants, blieb an der Türe, hinter dem Ofen, wo ihn die beiden Frauen nicht sehen konnten, noch einmal stehen, zuckte mit ben Schultern und hob bedauernd Arme unb Schultern. Als wollte er sagen, daß er um Vergebung bitte, aber nicht ahnte, wer bie Weibsleute seien. Als hatte ihn ber Offizier banach gefragt. Rabenau stopfte sich eine neue Pfeise und warf hin und wieder einen kurzen Blick auf bie beiden. Wer sie wohl sein mochten? Die ?’mae mar sehr hübsch und apart, nicht groß, aber schlank und ent- ; t.r, ,•.!■> g-rnachsen. Sie saß ihm gerade gegenüber. Zu ihrer Linken saß die Alte, mit dem Rücken am roärmenben Ofen. Beim Eintritt hatte die beiden wohl das Licht des kleinen Kronleuchters geblendet, denn sie schienen den Offizier erst jetzt zu bemerken. Die Alte hob die Lorgnette und flüsterte der Jungen zu: „Nous ne sommes pas seules! Dann sahen sie einen Augenblick lang zu ihm herüber. Er grüßte höflich, aber gemessen. Man mußte ja nicht, was bas für Frauenzimmer >»z°g Siflen Ader 1 'hin Men. > eine War, L: tünen, t> vor- König Kasper. Von Hans Watzlik. Deutschland, wie liegst du tief verschneit! Es starrt der Wald, die Krähe schreit. Ein schnöder Stall, im Tann verlor'n, drin ist das selig Kind gebor'n, bei einem Rössel fromm und grau, gebor'n von einer armen Frau. raßen, . i«. bie il noch Wärme in den ’t nur lernen. Befiel, in ein. ■ Aber -»scholl n Jjuj. Angs! ? Aber n dann; : wäre. etlichen Mädel hinter Bügel ja blei« ein der ieer der r Amsel rherden roitber chl, des anchml i Lebens । Wein hall« Lebens ns Eins n Ohm rb, bliei in: eine m DI» Umbang, jünföft its fient1 grauen lern ml n er llls HA' j wiel" en? ü« unb r Li»!'" ritt hi"' -i >el, hob bj eeules- Üfilei" ' enjiniw" 9Ä beugte |i n gram" neu aben^ >n M .r<8are"' rnd ** Und da sie ihm zu trinken beut, kommen gereist die Dreiköntgsleut. In einem stolzen Sternenschein Balthauser in den Stall tritt ein, die feurig' Kron' im gelben Haar, reicht einen güldnen Apfel dar. Der König Melcher von Oesterreich kniet vor dem Kinde alsogleich, gelind den greisen Hals geneigt, aus seiner Schale Weihrauch steigt. Der dritte zaudert vor dem Haus. Ach, König Kasper ist ruhig und kraus! Er fürcht', das Kindlein wonniglich könnt allzu hart verschrecken sich, wenn es den fremden Mohren schaut mit seiner wilden, schwarzen Haut. Der gläubig König Kasperlein greift hurtig in den Schnee hinein, besinnt sich seiner Einsalt nicht und wäscht andächtig sein Gesicht. Als er dann trat in Gottes Näh', da war er lichter als der Schnee. Oie Hasengeschichte. Von Friedrich Bischoff*. Die Geschichte, die hier erzählt wird, hat nur den Anschein des ix» sundenseins für sich; sie ist so wahr wie das Leben selbst, das uns manchmal mit absonderlichen Sprüngen narrt, auch wenn es sich dazu, wie in unserem Falle, eines armseligen Hasen bedient. Im Schlesischen, wo sich die Sache ereignete, lacht man noch heute darüber, und in einigen Dörfern läuft eine Art Sprichwort um: „Wenn de und du hoast woas Unrechtes getoan, bind bei Geld ei'm Hoasen oan!" — Ja, so ist es, und so hat es sich auch zugetragen. Die runde liche Bauersfrau, die da, ihr Wägelchen hinter sich herziehend, vom Wochenmarkt der ländlichen Kleinstadt zurückkam, wird ihr Lebelang daran denken, obgleich sie in jener Stunde, da sie selbstzufrieden die Landstraße dahinstapfte, nichts anderes im Sinne trug, als den gewich- ngen Markterlös durchzurechnen, den sie übersorglich, um ihn auch ganz nahe bei sich zu spüren, jns Umschlagetuch eingebunden trug. Es war kalt; der Januarwind lieh einzelne Flocken zwischen den Bäumen tanzen. Not und frisch strahlte das Gesicht mit den winzigen Mäuseaugen, die ihren Vorteil zu erfassen verstanden, was es auch immer zu beobachten galt. Sie schien ein wenig sonderlich in diesem Betracht zu fein; wenn inan im Dorfe herumhörte, erfuhr man darüber erstaunliche Dinge. Dah ihr Mann unterm Pantoffel stand, nun, das war ja eher alltäglich zu nennen, und es fjatte auch fein Gutes; daß sie ihn aus der Wirtsstube holte, wenn er sich schon einmal nach Feierabend zu einem Glase Bier hinzuschleichen traute, fand ebenfalls die Lacher auf ihrer Seite, aber haß sie dem Mann und den Kindern hin unb wieder den Magengürtel enger schnallte, nur aus reiner Rasfsucht, um die Pfennige in der Lade zu behalten, obendrein ehrbare Wandersleute mit Hunden hetzte ober sie arbeiten ließ und dann ohne Entlohnung, weil sie gestohlen hätten, tom Hofe jagte — das klang nicht mehr gut für eine wohlhabende Bauersfrau unb wurde verständlicherweise von den Nachbarn nicht gerade freundlich oorgebracht. Wer's erfährt, den fchert's! Sie scherte sich richt darum und führte weiter mit Maß und Unmaß das Regiment im bause, und so kam es auch, daß jetzt sie und nicht der Bauer vom Markte heimkam, der inzwischen zu Hause angestellt war, die Wäsche zu mangeln. Noch besser wäre es freilich gewesen, ihn heute als Treiber dem klutsherrn verdingt zu haben, überlegte sie, als ein blaffendes Ge- kiall von Schrotschüssen hinter der Hügellände vernehmlich wurde, und bald darauf die Kette der Treiber mit Hallo! und Ho! auftauchte und k-chlsab von der Straße sich wieder zwischen den schneekrustigen, hart- gi-frorenen Feldern verlor. Sie schqute ein wenig hinüber unb lieh sich's Wohlsein bei allerlei nahrhaften Gedanken, wie man am zweckmäßigsten. * Die Geschichte entnehmen wir mit Erlaubnis des Propyläen-Ver- lhn schon im Geiste gespickt — dem besonders erfreulichen Hafenrücken. Sie zog die Plane zurück, da sah sie den Hasen hocken, die Löffel abwärts, die Augen zu ihr hinaus, das tarierte Umschlagtuch, als hätte er Zahnweh, zum Halse zurückgeschoben. In diesem Augenblick fiel es ihr ein, ach, du himmlische Gnade, im Tuch ist ja bas Marktgeld drin! Sie wollte gerade zufassen, da gab es einen Sprung unb Husch und der Hase flog, pardauz, mit einem Riesensatz über den Karrenrand unb in das Feld hinein. Die Zipfel des tarierten Tuches wehten hinter ihm her, und darin war das Geld, das gute, in die' Lade einzubringende, nie mehr wiederzuerlangende Geld! Dort drüben sprang es mit Lampe, dem Hasen, auf und davon! Die Frau rannte schon. Wie der Hase vorhin lief sie, als gelte es nun ihr Leben. Aber Gott, der die Menschen und Tiere nebeneinander leben läßt nach gnädigem Plan, sand für die Bauersfrau in [einer Welt keinen tröstlichen Schoß, bereit, wohl aber sand sich ein Tümpel, dünn mit Eis überzogen, in den sie fjineinfiel, die Röcke über den Kops geschlagen, so lang sie war unb so breit. Der Hase lief und lief Vielleicht haben sich die Heiligen Drei Könige einer erbarmt unb mit dem ßöfegelb an feinem Hals seine Jäger für alle Ewigkeit ausgezahlt. Verantwortlich: vr. tzanS Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühlfche Univerf itatsdruckerei R. Lange, Gießen. Oreifönig. Von Karl Burkert. Nun bald schon bleicht der Morgenstern, es wächst der Tag, selb hat man gern Man kürzt die Nacht, spart auch das Licht. Die Sau wird seist, geht ins Gewicht. Der Flachs ist all gesponnen sein, Frau Perta mag's zufrieden sein. Der Bauer treidelt an das Tor den Kaspar, Balzer, Melchior. Mit Weihrauch wandelt man durchs Haus, die bösen Geister scheucht hinaus. Laht's schneien nur, laßt kalt es wehn: viel Schlimmes noch kann nicht geschehen! 3U Mesmal trinken die Eltern nicht. Nur Eva sagt: .Menn ich wollte; -$Ä * «*'• °^Dich"werde ich nicht fragen. Und wenn ich will, werde ich doch trinken." „ Helene versthließ"' die Masche wieder und bezeichnet zur Vorsicht die obere Malagagrenze heimlich durch einen feinen Strich. Am nächsten Morgen, gleich nach dem Erwachen pat cht ftm» kalte -Dimmer hinüber, um sich zu überzeugen, daß alles in Ordnung istArg möbniich betrachtet sie die Flasche und stoßt einen furchtbaren Schrei aus. Das Niveau ist fast um Fingerbreite unter den gestrigen Strich gesunken. Die Worte versagen ihr Sie stürmt mit der Flasche hinaus und erhebt vor der versammelten Familie die furchtbare Anklage: „Eva hat meinen ^°Eva lkÜ2 nicht. Ja, sie hat getrunken, aber nicht, weil er ihr schmeckt sondern wegen der Gleichberechtigung. Und uberhau^, ßehat immer Kopfschmerzen, es sticht sie in der Wirbelsäule, und manchmal ist ihr furchtbar wlbmütig ums Herz. Sie ist bestimmt noch v el b u armer als-Helens Das, sich Helene nicht mit einem Tlgersprung auf Eva stürzt, ist nur ö__m Umstande zu verdanken, daß sie nicht wagt, die Flasche auszulassen. Die Muttei greift vermittelnd ein. Sie wird die Flasche im versperrten Küchenschrank aufheben, und alles wird aut fein. ™ „ Nichtsdestoweniger prüft Helene zu Mittag mißtrauisch den Malagapegel. Entsetzen. Wieder zwei Zentimeter^Schwund. Em Blick genügt, um die Mutter zum Geständnis zu bringen. Heute ,st in der Küche all s schief gegangen Der Ofen hat geraucht, vier Eier sind zur Erde gefallen, der beste Topf ist leck geworden, und der Manm vom Elektrizitätswerk hat die Lichtrechnung einkassiert. Ganz allein und verzagt ist ste m der Küche gesessen, eines Trostes dringend bedürftig. Da ist ihr der Malaga emge- allen, nun, und da hat sie einen ganz kleinen Schluck gemacht. Helene verschluckt ihre Tränen und verzeiht. Die Flasche aber übergibt sie dem Vater, der sie im Bücherkasten einsperren wird. Seme einzige Leidenschaft ist das Rauchen. Aber sonst hat er einen guten, verläßlichen Charakter. Man kann ibm vertrauen. Trotzdem sieht Helene im Laufe des Tages mehrmals im Bücherkasten nach, ob nichts geschehen ist. Nein, alles ist in Ordnung, sie kann nach dem abendlichen Gläschen ruhig schlafen Geben. 2(ber — was ist das? Ein verdächtiges Geräusch aus dem Zimmer, wo der Bater noch arbeitet, weckt sie aus dem leisen Schlumyier. Lautlos turnt sie aus dem Bett, und klopfenden Herzens späht sie durch das Schlüsselloch Der Vater siebt vor dem Bücherkasten, ein Gläschen Malaga in der Hand. Wohlgefällig hält er es gegen die ßanwe, bann trinkt er es aus Einen Augenblick schwankt er, dann trinkt er noch eins. Das ist zuviel. Ganz gebrochen sinkt Helene in ihr B-stt und lästt die Tränen strömen. Früh geht sie schweigend mit düsterem Ernst zur Schule. Vormittags geht dem Vater die Arbeit nicht recht vonstatten. Eine Verkühlung scheint im Anzuge zu fein. Er hat schon dreimal aenieft. Da wäre ein Gläschen Malaga nicht schlecht. Er öffnet den Bücherschrank. Die Flasche ist nicht da. Er fraqt die Mütter. Sie weiß nichts. Aber sie vermutet, daß Helene die Flasche versteckt hat. Nein, sie hat sie nicht versteckt. Sie hak sie in die Schule mitgenommen und packt sie zu Mittag mit den Büchern aus. Ihr hartnäckiges Schweigen verrät deutlich, daß sie alles weiß. Nun heißt es beichten. Der Vater erzählt den Kindern, wie er vor dem Kriege gelebt hat. Viel besser als fetzt. Damals konnte er noch schöne Reifen machen, unter anderem auch nach Spanien. Nach Malaga kam et zwar nicht, aber doch noch Barcelona, Madrid und Valencia. Und in Wien, in einer engen Gaste der inneren <3*abt, gibt es eine kleine Weinstube, wo man herrlich beträte Brötchen bekam und wundervolle Siid- meine. Und dort, gestehen wir gleich alles, war der Vater früher ziemlich oft und bat bei einem Gläsch->n Malaaa b»r Herrlichkeiten des Südens gedacht. Und setzt war er auch schon viele Jahre nicht mehr in der kleinen Weinstube. Und heute nacht wat ihm zumute, als wäre er wieder dort, und als er von dem Malaga traut, da kamen alle die schönen Erinnerungen wieder an den Tag, die nicht wiederkehren. Der Zorn ist uerftonen. Helene ist tief gerührt. Sie bringt die Flasche, und er soll alles ausfrinfcn. sie wird sich nut Himbeersaft begnügen. Allgemeine Verföbnung. Ast» trinf-m von d<>m MaGaa, auch Eva, die bereits zugibt, dost er ihr doch schmeckt. Nur ein kleiner Rest ist noch in der Flasche. Am nächsten Taoe kommt ein Briet ohne Unterschrift: „Ich mache Sie daraus aufmertfam. hast sich Ihre Tochter Helene in der Schule dem Trunk ergiebt." AMeits fröhlich-»-, Gelächter, und Helene trinkt das letzte Gläschen auf das Mahl der Familie Peberlberoer, von her dieser Brief zwestestos bewährt. Die Flasche itt leer. Aber schon nabt der Monatserste. Da bringt der ^Briefträger Geld. Und es wird für eine neue Flasche Malaga langen. gern kosten möchte. Aber die Ehre gebietet setzt, bei der einmal geäußerten Versteh mch^was'd7ran Gutes sein soll", sagt sie und geht hinaus die Nase hoch und die Schultern verzogen, was Helene in den Tod nicht aU52Iiroenfotaetroas Gutes, wie dieser Malaga, war noch nie imHause Schade, daß der Doktor nicht zwei Flaschen täglich verordnet hast Er kannte SSSU» und tropfenweise genießen? Nein, hinunter damit. Hier ist es nicht möglich. Malaga. Von Bruno Wolfgang. v .Helene ist ein wenig blutarm", sagt der Doktor, „sie soll eine Zeitlang TOa5n%Tnel)me ich nicht", wehrt sich Helene entsetzt,,,,da hat man immer io furchtbares Fieber, und es kommt immer wieder. Du meinst Malaria", lächelt der Doktor, „das ist freistch nichts Gutes, aber du bekommst Malaga. Das ist em sehr guter Wem. p "tn« __ rre, in Spanien. Und da braucht es mindestens eine Woche, ehe der Wem ankommt. Helene verschwindet. Nach fünf Minuten ist ste wieder da sie bringt Müller-Meier-Nawratil-Kiotz-Pappingers Schulatlas und h^ seftgeffellt, daß die Entfernung von Malaga bis zu uns gar nicht so arg ist. Das “ÄfE'Si'ÄS'X -in« fü, elnC.'s^t«nnftUb»d)Cbem Chnusseur von hem Flugzeug lagen, er soll eine Flasche so mitnehmen. Du gibst ihm halt ein paar Zigaretten. ° Das ist unmöglich. Denn der Wein ist so gut, daß er ihn unbedingt unterwegs austrinkt, bann bekommt er einen Rausch, bas Flugzeug stürzt ob alles9ift hin unb beinen Malaga bekommst bu erst recht nicht. ' Was hat der Vater nur?" Er ist doch sonst nicht so widerspenstig. Helene ist gerabezu wahnsinnig neugierig auf ben Malaga. Am nächsten Tage kommt sie aus ber Zwischenstunde atemlos nach Hause gelaufen. Sie bat erfahren, baß man ben Malaga überall zu kaufen bekommt. „Nein, so was", fchwivbelt ber Vater, „wenn 'sh dj- geahnt hatte! „Alfa setzt schnell, schnell! Wenigstens ein, zwei N°schen. Sie mochte gern warten unb sehen, ob ber Vater frei) Jo ort an3tet)t unb geht .Aber die V'licht ruft, unb sie muß wehklagenb fort. .-Warum gehst du nicht? ruft sie noch zurück, „ich spüre, daß ich schon gar tem Blut wehr habe. Die Mutier klappt zusammen: „Borg dir halt ein paar Schilling aus Und bring' endlich diesen verdammten Malaga." Seufzend ergibt sich der Vater. Er leitet die nötige Kreditoperation ein und richtig, zu Mittag ist der Malaga da. Umarmungen Freud en- geschrei. Helene bringt sofort das Bierkrügel für die erste Kostprobe. Was fällt dir ein? Ein so seiner Wein wird nur aus ganz kleinen Likörgläschen getrunken. Eines nach dem Essen und eines abends. So hat es der Doktor verordnet" Mene verschlingt mit noch nie dagewesener Geschwindigkeit das Mittagessen. Der Vater entkorkt feierlich die Flasche, die Mutter bringt drei Gläschen. , ,, . „ „Wozu drei?" ruft Helene entsetzt, „ich bin doch allein blutarm. „ , Wir wollen nur das erstemal kosten, ob er nicht zu stark ist für dich. „Nein, mir ist nichts zu stark", schreit Helene ungeduldig und schlagt mit der Zunge einen lüsternen Reif wie eine Löwin vor ber Fütterung. Lanosam rinnt ber buntte, ölige Wein in bie Gläser. „Du bekommst nichts", sagt Helene noch schnell. „Ach", macht Eva unb zuckt verächtlich bie Schultern, „ich mag keinen Mala-w Mir schmeckt bas nicht," „Haft bu beim fchon einen getrunken?" „Nein, aber mir schmeckt er trotzbem nicht." Eva ist als Weib zur Logik nicht verpflichtet. Sie steht.schon mit einem Fust in jenem Alter, bas von Menschen, bie starke Ausbrücke lieben, bas „blöbe“ genannt wird. Sie weiß alles besser und rümpft über alles bie Nase „fflut!“ schreit Helene unb klonst sich auf ben Magen. „Fein", nickt ber Vater. — „Nicht schlecht", sagt bie Mutter. Mene rennt plötzlich hinaus unb kommt mit einem Hammer roieber. Sie will ben Kork sofort roieber fest in bie Flasche zurückhämmern, baß ihn niemand so leicht wieder herausbekommt. Sie wittert Gefahr. Alle haben so verdächtig gierige Augen. Sogar Eva, die nun auch verdammt