GichenerZainiIjenbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1938 Zreitag, den 50. Dezember Nummer \0\ Ser kerzelmacher von Sankt Stephan ikin heiterer Liebesroman von Alfons o. Lzibulka Eopgright by I. G. Eotta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart 11. Fortsetzung. Maria Theresia wehrte lachend ab: „Laß Sie nur! Laß Siel Grad die mit dem silbernen Herzen will ich haben —" Sie stülpte selbst den Deckel über die Schachtel, schlang das rotseidene Band herum und reichte sie der Hofdame. Meister Brand kam mit den beiden Packungen von der Leiter herunter, legte sie aus den Disch, neigte sich tief und fragte: „Und wann befehlen Jhro Majestät, daß ich die Lebzelten schicken soll?" Inkommodier Er sich nicht, lieber Brandl Die nehmen wir schon selber mit." Sie hob den Kopf und sah über die Schulter des Kerzel- machers hinweg lächelnd auf die Tapetentür, die sich ihr zu bewegen schien: „Oder hält mir der dort gern die Schachteln gebracht?" Ein blonder Bubenschopf leuchtete in der Türspalte. „Ja dich meine ich — Nur herein mit dir!" Mit verlegenem Gesicht schob sich der jüngste Lehrbub in den Laden und drehte seine Mütze in den großen roten Bubenhänden. „Nur näher, näher!" Die Kaiserin nahm ihn am Ohr: „Wer wird denn so neugierig sein? Oder möchtest du mir die Schachteln bringen?" Der Lehrbub nickte ersreut. Elisabeth Brand atmete auf. Wenn der Bub in die Burg ginge, würde sich schon eine Möglichkeit finden, vorher den Brief aus der Schachtel zu nehmen. Aber die Kaiserin schüttelte den Kopf: „Ist brav von dir. Aber das braucht es nicht. Du bekommst auch so was." Sie griff in ihren Hand- beutel und gab ihm ein Goldstück. Der Mund des Buben schien von einem Ohr zum anderen zu reichen. „Wieviel seid ihr drüben in der Werkstatt oder vielmehr dort hinter der Tür?" „Fünf, Frau Kaiserin!" krähte die fröhliche Stimme des Lehrlings, „drei G'sellen und zwei Buben." „Dann gib das den andern!" Sie drückte ihm noch vier Dukaten in die Hand. „Und jetzt geh!" Der Lehrbub verschwand. Hinter der Türe hörte man einen unterdrückten Jauchzer und erregtes Geflüster. Die Monarchin wandte sich wieder an Brand: „So, und nun geb Er uns die Schachteln! — Wenn Sie so gut ist, liebe Gräfin —" Das Herz der Elisabeth Brand schlug wie ein Trommelwirbel. Sie versuchte noch eine Rettung und stotterte: „Jhro Majestät werdm doch die Schachteln nit selber in die Burg fahren. Ich brings schon hin — in zehn Minuten bin ich dort." „Das ist lieb von Ihr. Aber wir nehmen die Lebzelten schon selber Mit. Werden am End sonst noch naß bei dem Wetter — Doch besuchen darf Sie mich auch so einmal. Sie ist doch bildsouber. Da wird Sie bald heiraten. Dann komm Sie und erzähl Sie mir, wer Ihr Schatz ist. Bielleicht kann ich Ihr helfen — Oder hat Sie schon einen, weil Sie wieder so rot wird? Dann darf Sie sich was wünschen. Aber wenn Sie jetzt noch ein übriges tun will, dann bring Sie uns die Schachteln zum Wagen!" So mußte Elisabeth Brand mit pochendem Herzm und zitternden Knien den kleinen Turm der bunten Schachteln, in deren oberster unter dem Lebkuchen mit dem geküßten Zuckerherzen der Brief an dm Leutnant von Rabenau lag, auch noch selber zur Karosse der Kaiserin tragen. Sobald das Rollen des Wagens und das Vivatrufen ferne in den Gaffen verklungen waren, stieg Aloisius Brand in seine Stube hinauf, um den Jubel seines Herzens in zartem Flätenspiele zu verströmen. Die List aber faß schluchzend hinter der Pudel, als Katharina Vielgratterin, die noch mit den Nachbarinnen schnatternd auf der Straße stehm geblieben war, wiederkam und schon m der Ladentüre rief: „So ein Glück! Die Kaiserin im Haus! Jetzt Hama ein Terno, List!" Sie blieb aus den Stufen stehen und starrte ihre Nichte an: „Ja, was hast denn? Dein Vater is Hoffournisseur, du kriegst a Hochzeitsg'schmk von der Kaiserin, und ein totsicheres Terno Hama auch — Was heulst denn dann, dumme Gans?" Elisabeth Brand sprang aus und lief aus dem Laden. Katharina Vielgratterin sah ihr kopfschüttelnd nach. Also alles, was recht ist. Hmlt das "Mädel an so einem Tag! Lange hatte die Alte nicht Zeit, sich dm Kopf über diesen rätselhaften Schmerzensausbruch der List zu zerbrechen, weil die Leute einander die Tür in die Hand gaben und sich die ganze Nachbarschaft in dm Laden drängte. Mit offenm Mäulern und strahlenden Augen standen und gafften die Menschen. Als hätten sie dm kleinen Kerzelmacherladen noch niemals gesehen. Unaufhörlich klingelte das Spielwerk der Türe. Sogar der Bursche des Leutnants von Rabenau hatte heute Mühe, auch nur bis zur Pudel vorzudringen. Als er endlich feinen Einkaufskorb auf den Disch stellm konnte, bediente die Vielgratterin gerade ein« Bürgersfrau. Dabei ging ihr Mundwerk: „Freilich, freilich. Frau Ma- gistratsrechnungskanzlist: die Kaiserin im Laden, allerhand! Und gar Hoffournisseur! Ein Glück hat der Brand! Das muß man schon sagm — Aber das Schönste wissens ja noch gar nicht, Frau Nachbarin —" Sie bemerkte den Dragoner und nickte ihm zu: „Das wird Ihn auch interessieren, Herr Soldat. Ich hab Ihnen doch vorgestern g'saat, daß wir am Sonntag nach Nußdorf fahren, der Brand, die List und ich — Und wissens, warum wir g'fahrm sind? — Aber ja nix sagm, Frau Rechnungskanzlist, ja nix sagen! — Also wissens, warum? Weil nämlich di« Dcmoiselle Brand den Franzl vom reichen Kirndorfer heirat! Gelt, da schauens — Gestern war Verlobung und zu Ostern is Hochzeit!" Sie drehte sich um, um mit dem Besenstiel die Schachteln für den Burschen aus einem der buntbeklebten Fächer zu angeln. Als sie die erste auf den Ladentisch stellm wollte, war der Soldat verschwunden. Eben wehte sein weißer Dragonerpelz zur Türe hinaus. Diesmal verschlug es ihr doch die Rede. Mit offenem Munde sah sie ihm nach. Hat der jetzt nicht warten können? So ein aufgeblasenes Mannsbild! Grad als obs nur für ihn allein auf der Welt wär! Es brauchte eine Weile, bis sie sich wieder gefaßt hatte, ihr Mundwerk in Gang kam und sie zur nächsten Kundschaft sagte: , Womit kann ich dienen, Madame Schweighofer? — Die Lebzeltm da könnt ich ganz besonders empfehlen, ganz besonders. Grad vor einer Stund hat die Frau Kaiserin g'sagt, daß delikat sind — delikat Hots g'sagt!" Der Reitergeneral Andreas von Hadik saß in seinem Zimmer, groß wie eine Reitschule, das er den Winter über im dritten Stockwerk eines kleinen Palais hinter der Freyung bewohnte. Gemütlich sah es in dem fast leeren Saal, dessen drei Fenster auf ein schmales, kaum dreimannbreites Gäßchen gingen, nicht aus. Nichts stand in der Stube als ein eisernes Feldbett mit zwei groben Pferdedecken, ein rohgezimmerter, wackliger Eichenschrank, ein kleines Waschbecken aus einem der vier Stühle und in der Mitte ein großer runder, spiegelnder Tisch voll Bücher, Akten und Karten. Es roch nach Leder und Stall. Zwischen dem Feldbett und dem mächtigen, aber eiskalten Kachelofen hing über einem Holzbock ein Sattel mit der Generalsschabracke, darüber das goldbeschlagene Zaumzeug an einem eisernen Haken. Der kleine General war gestiefelt und gespornt, hatte die pelzgefütterte grüne Attila an und den Kalpak auf dem Kopf, als wollte er eben zu Pferde stelgm. Auch an strengsten Wintertagen heizte er nicht, und wenn die Spatzen als Eisklumpm von dm Dächern fielen. Heizen war feiner Meinung nach etwas für Bürger und Weiber, aber nicht für Soldaten. Böse Zungen behaupteten, er habe dieses Zimmer über dem engen Gäßchen nur deshalb gewählt, um Kerzen zu fparen. Denn auf diese Weise könne er, wenn er des Abends in feinen geliebten römischen Klassikern lese, am Fenster sitzend von der' Lichterfülle profitieren, die der gegenüberliegenden Wohnung eines gastfreundlichen Advokaten entströme. Das war übertrieben. Zumindest heute stimmte es nicht. Aus dem großen, runden Tisch, auf den der Bursche des Generals schon den Teller für das Abendessen gestellt hatte, brannte ein dreiarmiger Leuchter. Davor lag eine Karte der böhmischen, mährischen, schlesifchm und brandenburgischen Länder, an den Grenzen mit roten und blauen Fähnchen besteckt. Di« Fähnchen waren die Truppen des Dauns und des Königs, die Reiterregimenter des Hadik und Nadasdy, des Zietm und Seydlitz in ihrm Winterquartieren und auf Vedette und Vorposten. Hadik faß rittlings auf dem verkehrt stehenden Sjuhl, hatte die Arm« auf der Lehne verschränkt, stützte das Kinn darauf und ließ seinen Geierblick über die Karte gehen. Die Prmßen marschierten wohl schon. Jedeb Tag war kostbar. Noch in dieser Woche mußten seine Schwadronen in Marsch gesetzt werden. Aber wie sollte er das? Seine Ordonnanzoffiziere und Adjutanten saßen, bis auf den Rabenau, in den Winterquartieren in Schlesien und Böhmen. Und der Hofkriegsrat hatte es nicht einmal fertig gebracht, ihm einen berittenen Kurier zu stellm, der di« Regimenter alarmierte. Seit gestern lief er sich die Beine ab bei allen militärischen Kommandostellen und Behörden. Aber es schien keine Offiziere in Wim zu geben. Allzuviel« waren es wohl wirklich nicht. Die Winterurlaube waren zu Ende. Aber dann stolperte man doch wieder an jeder zweiten Straßenecke über einen Leutnant mit seinem Mädel. Einen einzigen solchen Leutnant mürben die Wiener Mädel wohl schließlich noch mtdehren können. Würde sich an seiner Stelle wohl noch ein ziviles Manpsstück finden, das dafür sorgte, daß kein Topf ohne Deckel blieb. Das hatte der General den Messieurs auch gesagt. Wie er alles zu sogen pflegte, was ihm nicht patzte. Wenn er sich dabei auch manchmal das Maui verbrannte. Aber die militärischen Perücken hatten erwidert, daß man die Urlaube der jungen Offiziere, die dann wieder das ganz« Jahr ihre Schädel Hinhalten müßten, nicht kürzen könne. Waren doch sonst nicht so menschenfreundlich, die Federfuchser und Ziffernsp-ione, und um das Wohl der Feldsoldaten besorgt. Oder durften di« Wiener Kmn- mandostellen keinen Berittenen für den Hadik haben, weil die Kaiserin es sich in den Kops gesetzt hatte, daß der Rabenau die Heine Hartenberg heiraten müsse, die auch so ein Topf ohne Deckel war. Der Rabenau sollt« wohl ä tont prix nach Groh-Jaunitz reiten! In solchen Dingen traute Andreas von Hodik den Weibern nicht über den Weg, und wenn es selbst seine vergötterte Kaiserin war. Heute Mittag hatte ihm auch noch der Generalissimus und Feldmarschall Leopold von Daun besohlen, daß spätestens übermorgen ein Kurier zur Armee abzugehen habe. Aber es war doch keiner da! Und wenn sich keiner fand, dann mußte er eben doch den Rabenau schicken. Wegen des Leutnants von Rabenau und feiner Wachszieherin konnte man doch schließlich nicht den Krieg abblasen für dieses Jahr! Andreas von Had,k zog nachdenklich die brillantengeschmückte Tabaksdose aus der Tasche seiner grünen, goldoerschnürten Attila. Die Kostbarkeit mit dem Bilde der Kaiserin stand in seltsamem Gegensatz zu feinem spartanischen Quartier. Mario Theresia hatte ihm die Dose für eine kühn« Affäre verehrt. Er betrachtete das Bild der Monarchin und schmunzelte. Gut eingefädelt hatte sie das mit dem Rabenau! Aber ob damit die Hartenberg wirklich zu ihrem Deckel kam? Hadik wiegte zweifelnd den Kopf. Dazu war der Rabenau wohl zu sehr verliebt in die kleine Person, die damals vor etlichen Wochen die Kerzln in die Burg gebracht hatte. Sonst hätte dieser brillante Offizier, der doch als einer der ersten den so begehrten, neugestifteten Orden der Kaiserin bekommen hatte, an jenem Abend auf der Burgwache nicht den Wacht- dienst geschwänzt und Festungshast oder gar Aergeres riskiert. Appetitlich und hübsch war di« Hartenberg; das mußt« ihr der Neid lassen. Dabei allem Anschein nach auch noch aus Männer lüstern wi« die Katze nach Mäusen. Aber $u einer rechten Ehefrau taugte sie wohl nicht. Wenn es rechte Ehefrauen überhaupt gab. Andreas von Hadik bezweifelte das. Reiten mußte der Rabenau natürlich, wenn der Hofkriegsrat keinen Kurier zu stellen beliebte. Er tat ihm leid. Doch was war da zu tun? Hadik schob eine Prise in die Nase, zog fein Schnupftuch, das umfangreich wie ein Fahnenblatt war, entfaltete es mit Behagen und niest«, daß die Flamme der einen Kerze beleidigt erlosch. Darum hörte er auch das Klopfen an der Tür« nicht. Doch jetzt klopfte es wieder. War wohl der Bursche mit dem Abendessen. Der General brummte: „Herein!" An der Türe stand einer sporenklirrend still. War doch sonst nicht jo manierlich, sein Bursche Wenzel, den er feines Vornamens wegen auch manchmal „Kaunitz" rief. Wenn ihn etwa der Staatskanzler Wenzel von Kaunitz wieder einmal geärgert hatte, weil er feiner Meinung nach mit diplomatischen Künsten versaute, was der Soldat mit seinem Blute in Ordnung gebracht. Bor allem das französische Bündnis verzieh er dem Staatskanzler nicht. Aber was hatte der Kerl? Sollte ihm lieber das Nachtmahl hin- stellen, der Wenzel, statt militärische Hebungen zu machen. Oder wollte der .Kaunitz" was? Ausgang bis zum Morgen vielleicht. Spannte es wohl schon, daß wieder marschiert wird? Hadik sah auf. Doch das war ja gar nicht der .Kaunitz"! Der General neigte sich vor, um besser zu sehen. Das war doch der Rabenau! Jetzt zu nachtschlafender Zeit? Stand da wie sein eigenes Standbild und schnitt ein Gesicht, als hätte ihm einer was weggefressen. Hadik lachte: „Bonsoir, Rabenau! Welche Laus ist Ihm denn über die Leber gelaufen? — Steh Er bequem! Das heißt noch besser: Setz Er sich!" Hadik angelte mit dem rechten Bein nach einem Stuhle. Doch der Leutnant rührte sich nicht. Halte wohl eine Meldung. Der General knurrte: „Na also, was gibt’s? Schieß Er los!" Rabenau antwortete stramm: „Jhro Exzellenz, ich melde gehorsamst, daß ich nach Groß-Jaunitz reite und um Dero Exzellenz Befehle bitte!" Hadik pfiff leise durch die Zähne. Hatte also die Kaiserin schon selber eingegriffen. Er hob Nase und Oberlippe: ,Ke? Was sagt Er? Nach Grotz-Jaunitz? — Hat Ihm das die Majestät befohlen?" „Nein, Jhro Exzellenz! Aber ich bitte, reiten zu dürfen ..." „Trotz Seinem Urlaub, Rabenau?" ,Ku Befehl, Exzellenz!" Hadik sah überlegend vor sich hin. Auf derlei Symptome verstand er sich doch. War doch selbst einmal jung gewesen. Also war's ex mit dem Mädel. Er brauchte nicht erst zu fragen. Er fragte auch nicht. Er meinte nur lachend: „Schön von Ihm! Sann’s nicht leugnen, daß Er mir wie gerufen kommt. Dachte schon, daß die Kaiserin dem Potsdamer König huldigen mutz, weil kein Offizier aufzutreiben war als Kurier für die Armee ... Aber jetzt setz Er sich, Retter des Baterlandes!" Rabenau blieb stehen: „Ich bitte Jhro Exzellenz gehorsamst, mich beurlauben zu dürfen." Der General hob den Finger und winkte ab, so wie er der Wache abzuwinken pflegte, wenn sie vor ihm ins Gewehr treten wollte: „Nichts da! Er hat doch selber gesagt, daß Er um weitere Befehle bitte. Jetzt bleibt Er hier und trinkt ein Glas Wein mit mir! Und ein Nachtmahl bringt Ihm der Kaunitz' auch ..." Das täte dem Rabenau so passen, die ganze Nacht hindurch vor sich selber mit seinem Weltschmerz zu paradieren, weil das Mädel nicht Ordre pariert hatte. Trübsal blasen hielt Hadik für das Ueberflllssigste in der Welt. „Da fetz Er sich her!" Der Leutnant wehrte sich. Er müsse noch packen. Feldmarschalleutnant von Hadik schwang fein linkes Bein herum, stand auf, nahm den Leutnant unterm Arm, drückte ihn auf einen Stuhl und sagte: „Seine Siebenzwetschgen kann Er auch morgen packen. Vor übermorgen wird Er kaum reiten ..." Er holte eine Flasche, die zwischen dem Fenster stand und goß zwei Gläser voll: „Da trink Er und halt Er bis auf weiteres das Maul! ... Ich muß Ihn doch noch instruieren. Oder glaubt Er, daß der Ritt zur Armee eine Landpartie ist? Häng Er Sein Schwert dort an die Tür und dann komm Er her und schau Gr mit mir in die Karte!" Instruieren hätte er seinen Leutnant zwar auch noch morgen können. Aber der Weltschmerz des Rabenau vertrug keinen Aufschub. War vvm Ucbel, wenn die jungen Offiziere mit hängenden Nasen in den Krieg ritten. Gegen solchen Liebesgram hals nach Meinung des Hadik fürs erste nur Dienst und Wein — und später eine andere. (Sortierung folgt) Zwölf Monde sind vergangen. Von F r i tz D i e t t r i ch. Zwölf Monde sind vergangen. Wohin? In Gottes Schoß, Wo wir auch hingelangen Dank seines Sohnes Los. 3m Wandel der Gezeiten, Im Kommen und im Gehn Lehrt er uns heiter schreiten Und hilft uns, mutig stehn. Doch kann er auch entschwinden. Wie es die Sonne tut. Kann im Gewölk erblinden Des Zornes und der Wut. Und feine Pfeile sirren. Es regt sich vieler Wahn. Und einer fällt im Irren Dem andern in die Bahn. Daß dies nicht kommen müsse, O Herr, erflehen wir! . ' Lenk uns, wie du die Flüsse Zum Meere lenkst, zu dirl Besinnliche Jahreswende. Von Wilhelm von Scholz. Wenn die stille dunkle Winterzeit um Weihnachten und Jahreswende mit Flockentreiben ober unbewegtem Wolkenhimmel und Nebel angebrochen ist, wenn sie ihre weite graue frierende Einsamkeit über das Land legt, in dem die Bäume kahl sind, die Straßen verlassen, die Vachrinnen wasserleer — dann wandelt uns auf dem Lande jeden das Besinnen, das Zurück- und Vorandenken an. Wir mögen fast di« gewohnt« Arbeit liegen und selbst fleißige Hände ein wenig sinken lassen — es sind ja auch deshalb genug Feiertage gemacht, damit die Zeit dazu da ist — um uns an dem Einschnitt, den der Jahreswechsel bedeutet, wieder einmal über uns, unser Leben, unser Tun Rechenschaft zu geben und klarzuwerden. Das braucht schon Ruhenlassen der Tättgkeit, damit sich die Gedanken sammeln können, die Erinnerungen herauftauchen und man zu überlegen vermag, wie man es weiter machen will. Freilich: für die guten, lieben, sorgenden Hausfrauen ist's gerade jetzt nichts mit Nachdenken und Besinnen. Ihnen hebt im Gegenteil schon mit den Wochen vor dem Sonnenwende-Doppelfest Weihnachten und Neujahr — das eigentlich nur eines ist — die Zeit aufopferndster Arbeit für die anderen Familien- und Hausgenossen an; und wenn sie zum Ueberlegen kommen, ist's: wie sie hier eine Freude bereiten, dort helfen ober eine Not lindern können. Sie prüfen, was entbehrt und verschenkt werden kann vom Eigenen, und rechnen immer wieder na.ch, was sie draufgehen lassen und ausgeben dürsen. Es wird reinegemacht, gewaschen, gebügelt, ausgebessert, gebacken und gepackt, bestellt und ein« gekauft. Die Hausfrauen schreiben Briefe an die auswärtigen Verwandten, halten Musterungen ab, ob nicht dies und jenes im Kleider- bestand fehl«, das paffend jetzt ergänzt werden sollte, lesen die Anzeigen in den Zeitungen mit Andacht und studieren Kataloge. An den Festtagen sind sie dann müde und abgespannt, was sie aber nicht merken lassen wollen. Eigentlich erst, wenn die Silvesternacht und der Neujahrsmorgen, in manchen Gegenden sogar auch noch der Dreikönigstag, vorüber sind, kommen sie ganz allmählich wieder zu sich und ins gewohnte alltägliche Leben zurück. Dann holen sie, denk' ich, das Besinnen und Ueberlegen nach, wofür sie sowieso nicht soviel Zeit brauchen wie wir Männer. Vielleicht ist's das gerade und gar nicht der Nebel und der Winter und die Einsamkeit des Landes draußen, weshalb der Mann um Weihnachten und Neujahr zum Nachdenken kommt — weil er mal eine Zeitlang auf sich angewiesen ist und die Frau nicht immer für ihn Zeit hat, oft genug nicht einmal zu einem gemeinsamen Spaziergang ober zu einem Bereden, der für den Mann besonders wichtigen Dinge. Wenn es nicht Weihnachten, die Geschenke und Silvester unmittelbar betrifft, bann entzieht sich die Frau jetzt gerne und mit großer Gewandtheit, ohne zu kränken, dem Mann. Ich glaube aber, das ist von der Natur absichtlich so eingerichtet, damit der Mann recht darauf aufmerksam werden soll, was er sonst immer an der Frau hat — wenn es ihm jetzt doch so fehlt! — wie sie das ganze Jahr über an feiner Seite gestanden ist und ihm geholfen hat — was ja doch oft vorkommt — eins der besten Stücke seines Besinnens über das alte Jahr. Besonders, eh'e es den Rundfunk gab, war die Advents-, Weih- nachts- und Neujahrszeit auf dem Lande wirklich tiefe Einfamkeit und Häuslichkeit; Häuslichkeit, zu der jeder Spaziergang doch immer nur der Weg war, sie wieder neu zu erwandern mit ihrer Behaglichkeit und Wärme, ihrem nach dem frifchen Gange doppelt labenden Kaffee und Tee, Wieviel Wintersonnenwenden und damit Jahreswenden habe ich außer auf meinem Landsitz am Bodensee auf dem Dorfe in Oberbayern, im Odenwald und sonstwo oerbrachtl Die ich in der Stadt und gar der Großstadt feierte, sind zu zählen daneben. Ich wußte, wenn ich aus dem Dorfe lebte, immer, wie es dem benachbarten Bauern ging, was der Bürgermeister im Amt und in der Familie erlebte, kannte den Ortsgendarmen und, nicht ohne stille Hinge- zogenheit zu ihm, den Närrischen mit seinen Wunderlichkeiten, seinen Reden und Späßen, Den hatten ja einige Dörfer; ich erinnere mich besonders an einen, der zu nicht viel mehr als zu Bodengängen zu brauchen war, der aber dafür alle Familientage der Gemeinde genau auswendig wußte, sich stets rechtzeitig gratulierend einstellte, aber auch die jungen Frauen mahnte, wenn er nach einer Hochzeit zu lange aus die Kindstaufe warten mußte ober sie zu früh ausgerichtet fand, ehe das nach seinem untrüglichen Kalender im Kops hätte der Fall sein sollenl Den Arzt sprach ich und den Lehrer, den Straßenwart, der immer am besten Zeit zu einem kurzen Stehenbleiben hatte, Schneider, Förster und Waldhüter, wie den aus der Stadt verschlagenen Maler, der sich über den Rafsael-Ehrgeiz zu Anfang feiner Laufbahn längst einen langen Wurzelmannbart hatte wachsen lassen und nur nach für Jäger Rehe und Gemsen malte, die einander alle sehr ähnlich sahen. Aus diesen meinen Erfahrungen aus dem Darf, aus dem Verkehr mit den Honorationen und den Bauern, dem ländlichen Beamten, Post- und Eisenbahnleuten und den Handwerkern habe ich die Ueberzeugung geschöpft, daß man in den großen Städten die Jahreswende nicyc fo zu begehen und zu feiern versteht wie draußen, wo man noch mit der Natur, ihrem absinkenden und steigenden Leben nahe zusammenhängt, von ihr auch geistig beeinflußt wird. Man wird »e in der Stadt ja gar nicht gewahr, wie das Land, und auch das Volk auf dem Lande, sich einfpinnen zur Winterruhe und zum Kraftsammeln in der Zeit der kurzen Tage und langen Nächte, Man weiß es in den Städten mit ihrer Weitläufigkeit, ihrem nie unterbrochenen lauten Verkehr, ihrer Mechanisierung des Lebens nicht mehr, wieviel urkräfttg-altheidnische Natur in unserem Volke noch lebendig ist draußen auf dem Lande. Da hallt noch in jeder Neujahrsnacht, namentlich im Gebirge, wo Sage und Märe, Aberglauben und Spuk am unsterblichsten sind, in das Singen und Glockengeläut von der Kirche herein, das Knallen und Schießen und der mit Blechdeckeln gemachte Lärm, der die bösen Geister vertreiben soll. Was mich aber vor allem auf dem Lande, mehr als je in der großen Stadt, das tiefe Sichbesinnen zur Jahreswende gelehrt hat, das ist die Verbindung, in der man gerade als Kulturmensch, als Geistesarbeiter da draußen — noch ehe man an irgendeine Absicht ober Grunb- sätzlichkeit denkt — mit dem einfachen Mann, dem Urvater unser aller, dem Bauern, steht: die nahe, herzliche und fruchtbare Gemeinsamkeit! Was bas Jahr ist mit ben Jahreszeiten, mit Saat, Ernte und ber Abhängigkeit von Sonne unb Wärme, von Licht und Wasser des Himmels wie von der mühsamen und fleißigen, sich anpaffenben Arbeit des Menschen, das erfährt man doch nur draußen beim Bauern. Der weiß auch von Tier unb Pflanze wie vorn Menfchenleben und von Schicksalen manches, was man in ben Stabten spät ober nie erfährt. Der hat ein untrügliches Auge für Tüchtigkeit, Wert unb Wefen. Er ist gewiß noch nie durch Modefchlagworte unb Dinge, bie keine Jahrhundert-Bewährung in sich tragen, getäuscht worden; denn er ist immer mißtrauisch und vorsichtig. Und er hat die Gebundenheit an bie Erbe, die Kraft gibt unb ein leichtes Ertragen alles Notwenbigen, selbst des Schweren unb Schwersten. — Wie ist es auf dem Lande fchön in der Neujahrsnacht, wenn rings um bie zum Dorf gescharte Gruppe ber Dächer bie Weite von Siedern, Feldern, Wiesen, fernem Wald unter dem Sternenhimmel ober im silbrigem winterlichen Atemhauch der Erde daliegt, noch hinauszugehen, den lebenden, tragenden, fruchtbaren Boden unter dem Fuß, die ewige Kuppel über sich, und zu fühlen, wie das Leben in den Häusern und Hütten den Morgen entgegenschlummert und dem anbrechenden Jahr« zu neuer Tat, Leistung und Arbeit, die doch Jahrtausende nun schon alt istl * Zwischen -en Jahren. Erzählung von Ernst Kreuder. Zu Silvester verließ Engelbrecht das klein«, verschneite Holzhaus im Wald, wo er sich im Herbst mit seinon Büchern und feiner Arbeit ein- gesponnen hatte und fuhr in die Stadt hinunter. Das Telegramm, das er bekommen hatte, lautete: „Erwarte Dich gegen Abend in N. bei Ursula zur Silvesterfeier. Angelika." Wie Angelika es fertig gebracht hatte, zu seinem Zug an der Sperre zu sein, verriet sie Engelbrecht nicht. Angelika hatte etwas von einem Pony, sie hatte starke, junge, etwas ungelenke Glieder, aber da sie groß war, wirkte sie eher schmal als voll. Sie lächelte ihm zu unb gab ihm einen schnellen, angedeuteten Kuß. Dann hakte sie sich bei ihm unter unb zog ihn zum Bahnhof hinaus. Es dämmerte ichon. Engelbrecht war still und Angelika redete. Sie erzählte reizend unwichtige, einfache Dinge, und er hörte geduldig zu, ihr Geplauder war wie ein warmer, leiser, angenehm rieselnder Sommerregen. Unb Engelbrecht ging durch die von vielen, eiligen Menschen überfüllten Straften der Großstadt wie ein Mann, ber lange im Walde gewohnt hat unb nun verwunbert in bie „Welt" zurückkehrt. Er erkundigte sich nach Ursula. „Ach, weißt du", sagte Angelika, „es geht ihr nicht so gut. Deshalb wollen wir jetzt einmal ordentlich eintaufen Weiht du, was wir machen werden?" Sie war stehen geblieben und sah Engelbrecht frohlockend an. „Wir machen einen Heringssalat, Tom. Engelbrecht nickte. Er freute sich. Wir machen einen Heringssalat. Das war einmal etwas ganz anderes als Zitate unb Exzerpte und langwierige Text«. Aus dem großen Marktplatz waren die Schätze des Landes verlockend ausgebreitet. Diese bunte, erdsrische, unübersehbare Fülle war ein stiller unb mächtiger Lobgesang aus das weite Land draußen, auf seine Fruchtbarkeit unb aus ben zuversichtlichen Fleiß feiner Bewohner. Engelbrecht ging von Staub zu Stand unb lernte roieber eintaufen. Wir machen einen Heringssalat. Er kaufte dicke Sellerieköpfe, längliche Mauskartoffeln, sandige rote Rüben, kleine rote Winteräpfel, Salzgurken und geputzte Matjesheringe, durchwachsenen Speck unb ein braunes Holzofenbrot. Ursulas Markttasche, die Angelika trug, füllte sich mehr und mehr. Zuletzt besorgten sie noch Wein unb Gebäck, Mistelzweige, rostrote Astern, Mimosen, Palmkätzchen unb dann gute Festzigaretten. Sie gingen ben schneeglitzernden Weg zur alten Burg hinaus, in ber Ursula wohnte. Engelbrecht zog ben rostigen Glockengriff. Dann mußten sie noch über eine buntle, steile Treppe. Oben stand Ursula im gelben Hausgewand. „Das ist Tom, ber Einsiedler", sagte Angelika. Ursula — sie saßen in ben noch immer bei der Hand — aus der Nische. Es lag etwas ihren Mann verloren.. „Thomas", sagte niedrigen gelben Sesseln unb hielten sich „kennst du dieses Schälchen noch?" Engelbrecht nahm das blaue Schälchen Asche unb ein Zigarettenrest darin. „Das ist noch von deinem ersten Besuch, vor drei Jahren", sagte Ursula. Engelbrecht nickte. Verwunschen, dachte er, wie verwunschen ist alles hier oben. Als wären auch noch die Jahre hiergeblieben. Er sah Ursula lange und stumm an. Draußen war es dunkel geworden. Ursula zündete eine rote Kerze an. Die Stadt unter der Burg war jetzt wie eine große Lichterküste. Aus der verzauberten Stille rief ihn plötzlich Angelika heraus. Er fallt« ihr in der Küche helfen. In ber Küche fah es wunberlich aus. In einer tiefen, gewölbten Fensternische, bie wie eine Schießscharte aussah, leuchtete gespenstisch durch den dicken Wasserdampf eine Kerze. Es war hier wie in einer Zaubererhöhle, wie in einer Alchimistenküche im Turmverlies. In dem halbdunklen, spitzbogigen Gewölbe, in dem es kalt und feucht war, stand Angelika in dem nebligen Kochdampf neben den winzigen blauen Gas- Herdflammen und schälte die gekochten Kartoffeln. Engelbrecht half ihr. Er schnitt die heißen Sellerieköpf« in die große braune Tonschüffel, dann die roten Rüben, bie Aepfel unb die Heringe, unb Angelika schnitt bie Kartoffeln, die Gurken unb die Eier darüber. Wir machen einen Heringssalat. m , Sie trugen bie gefüllte Schüssel, bas Brot und die Weinflaschen m die Burgstube hinein. Da waren schon alle Kerzen am Baum ange- zUndet unb leuchteten aus dem dichten lannengrün wie aus einem Wald, unb Ursula saß still boneben. Angelika betfte ben Tisch unb Engelbrecht entkorkte die Flaschen und schenkte ein. Der Heringssalat schmeckte allen wunderbar. Engelbrecht erzählt« unterdessen von seinen Tagen im verschneiten Waldhaus. Und dann krachten drunten in der Stadt die Schüsse schon lauter unb am Nachthimmel fliegen immer mehr feurige Raketen hoch. Die verzaubert« Atmosphäre wurde in den letzten Minuten des alten Jahres noch dichter. Sie standen jetzt vor dem leuchtenden Tannenbaum unb hielten bie gestillten Gläser in den Händen. Engelbrecht war etwas blaß die Gesichter ber Frauen waren gerötet, ihre Augen glänzten, um ihren Mund war ein leltsamer Zug, als müßten sie meinen und Men. als Sann der erste Glockenschlag der letzten Mitternacht vom nahen Dom klang, hob Engelbrecht das Glas, er sah die beiden Frauen an und *a8teßiebe Ursula, liebe Angelika, nun ist das letzte Stück Weg zu- rüdgelegt, die letzte Stufe erstiegen, nun öffnet sich wieder em neues Tor. Willkommen fei das Neue Jahr!" Während sie die Gläser an bie Sippen führten unb sich zutranken, begann es im Dom brunten feierlich unb langsam zu lauten. Sie traten an die Fenster unb blickten über bie erleuchtete, raketenspruhenbe nächtliche Stabt, in der es jetzt in allen Kirchen läutete. Mit einem Male schien es in der Burgstube noch stiller geworden zu sein. Engelbrecht wandte sich um. Ursula war nicht mehr im Zimmer. Angelika stand schon neben ihm. ,Liebster", sagte sie, und Engelbrecht schien es als wäre im Zimmer ein spurloser, süßer Wind, .Liebster, ich wünsche dir ein irohes, nCUSi«$(al}en sich an, als stünden sie beide an Ufern, die noch weit auseinander lagen, fo daß es schwer war, sich zu erkennen in dem ungewissen Licht. Aber bann war bie Ferne zwischen ihnen verweht unb sie standen nah voreinander, und erst jetzt hatten sie sich wirklich "^An^der^Tanne war oben eine Kerze niedergebrannt, bas kleine, blaue Flämmchen zuckte noch einige Male auf, bis es still erlosch. Ein dünner Faden Rauch schwebte hoch. Als sich ihre Wangen berührten, lächelte Angelika mit geschlossenen Libern, als hätte sie etwas Wunderbares, ganz und gar Unwirkliches geträumt. „Grüß Gott, Ursula", sagte Engelbrecht, und Ursula mußte beide Arme aufhalten, um die vielen Blumen zu tragen. Dann traten sie in die Burgstube. Die schönste Stube der Welt, hatte Engelbrecht sie einst genannt. Durch die breiten Fenster mit den tiefen Nischen sah man weit über die verdämmernde, lichterglimmende Stadt. In der Ecke zwischen den Fenstern stand eine hohe Tanne. In ihren grünen Zweigen steckten nur weiße Kerzen. UeberaU in den Wandnischen standen zwischen den hellgrünen Blattpflanzen kleine, geschnitzte, bunt bemalte Engel mit großen Flügeln aus Ursulas Hand. Angelika war in die Küche gegangen. Ursula war still unb schön. Blond und still unb mütterlich. Sie hatte einen Knaben von elf Jahren. Früh hatte sie profii Neurer! Von Georg Schwarz. Wie die Rakete steigt, Fällt und verzischt, So auch ein Jahr: es blüht, Welkt und erlischt. Pandorenbüchsenschreck Geht von ihm aus; Was bringst du, neues Jahr, Uns in das Haus? Jauchzt, böllert, schießt und knallt! Ein Purpurstrahl Verkläre, was uns bleibt, Nacht, Stadt und Wald und Tal! L)aö piflol des Marisfelders. Eine Neujahrsgeschichte von Otto An ihrs. Wenn der Rheinländer ein Fest feiert, mag es ein weltliches oder ein geistliches sein, dann muß geschossen werden. Ohne Geknalle keine rechte Festfreude. Auch beim Fest des Kirchenpatrons dürfen Böllerschüsse nicht fehlen. Und gar in der Neujahrsnacht würde jedes männliche Wesen, vom zehnjährigen Buben angefangen bis zum gereiften Mann, sich etwas zu vergeben glauben, wenn es nicht zu dem geliebten Lärm beitrüge. Da jedoch die Hattenheimer in der Wahl ihrer Schießwerkzeuge allzu unbedenklich zu fein pflegten, so daß "einige sogar mit Schrotflinten zugange waren, so hatte der Bürgermeister eines Jahres im Sinne der öffentlichen Sicherheit angeordnet, daß in der diesmaligen Neujahrsnacht jegliche Schießerei bei Geldstrafe und Einziehung der Schußwaffe, zu unterlassen sei. Diese Verordnung traf keinen schwerer als den Winzer und Weinwirt Vilbel im Haus „Zum Krug". Denn er besaß ein Schießeisen, das es ihm geradezu zur Ehrensache machte, das neue Jahr damit ein- zuknallen. Das war eine uralte Reiterpistole, silberbefchlagen und mit schönen Verzierungen versehen, die sich seit undenklichen Zeiten im Besitz der Familie befand. Zugleich aber haftete an dem ehrwürdigen Stuck eine dunkle Ueb-erlieferung, die es noch kostbarer machte, als es ohnedies war. Der tolle Kriegsheld Ernst von Mansfeld, der später in feinen Stieseln stehend starb, sollte es nämlich an Zahlung? Statt im „Krug" zurückgelasfen haben, als er, von Tilly geschlagen, dort nächtigte und am andern Tag seine Zeche nicht zahlen konnte, weil ihm seine Kriegskasse in der Unordnung des eiligen Rückzugs abhanden gekommen war. „Diese kostbare Waffe", sollte er zu dem damaligen Wirt gesagt haben, „lasse ich zu treuen Händen bei dir zurück. Du gibst sie nur heraus, wenn ich selbst sie zurückverlange oder ein von mir Geschickter, der dieses Zwillingsstück vorzeigt." Dabei zog er ein zweites ganz gleiches Pistol aus dem Gürtel, wies es dem Wirt und steckte es wieder an seinen Ort. — Es war wirklich ein wertvolles altes Stück, dies Mansfelder Pistol im ,Krug" zu Hattenheim. Es wurde noch von vorn geladen, indem man ihm einfach den Hals voll Pulver goß, die Kugel darauf stopfte und die Mündung mit einem Papierpfropfen verschloß. Man konnte aber auch die Kugel roeglaffen und den Papierpfropfen gleich auf das Pulver setzen. So machte es der Vilbel bei festlichen Gelegenheiten, und der Knall, den das alte Ding dann von sich gab, war in ganz Hattenheim bekannt und berühmt und ließ alle anderen Schießgeräusche weit hinter sich. Man begreift, daß der Besitzer solchen Wertstücks es nicht übers Herz bringen konnte, in der Neujahrsnacht untätig zu fein. Und er brütete mit feinem Freund Mappes in mehreren abendlichen Wein- sitzungen einen Plan aus, wie sie der bürgermeisterlichen Verordnung zum Trotz zu ihrem Recht kämen. Die Ausführung wurde schwieriger, aber auch reizvoller dadurch, daß der „Krug" unmittelbar neben dem Rathaus lag, wo der Ortsdiener in der fraglichen Nacht Wache hielt. Der Ortsdiener war ein langer hagerer Mann, den die Hattenheimer nur den .Linken" nannten, indem sie nach alter Redner- und Dichtersitte den Teil fürs Ganze setzten. Es war allerdings ein beträchtlicher Teil des Ortsdieners, der so zur Namengebung herhalten mußte, nämlich seine überaus große lange Nase, die außerdem auch noch mit einem leuchtenden Weinrot geziert war, desgleichen es nicht einmal in dem Wemdorf Hattenheim zum zweiten Male gab. Ansonsten war der „Zinken" ein braver Mann, der nur seine Pflicht tat, als er gegen Zehn Uhr des Abends seinen Posten im Fenster des Rathauses bezog, um welche Zeit die Schießerei zu beginnen pflegte. Er hatte noch nicht allzulange da gestanden, als es ganz in feiner Nähe einen furchtbaren Knall tat. Er kannte den Knall und stürzte diensteifrig alsbald in den -Krug". Dort aber fand er den Wirt friedlich am Tisch der Gaststube sitzend, die .m übrigen vollkommen leer war, da ja natürlich alle Hatten- Heimer unterwegs waren, um das Verbot des Bürgermeisters im Schuß der Dunkelheit nach Möglichkeit zu umgehen. „Wo ist dein Pistol?" herrschte er den Vilbel an. mchr^ei" Pistol?" sagte der erstaunt. „Ei, das hab ich doch gar ntt „Wieso? Was heißt —?" „Ei, hast du das noch ntt gehört? Du kennst doch die Gefchicht, wo daran hängt. Und was soll Ich dir sage: Da kommt vor zwei Stund vielleicht ein Kerl herein, wie aus dem Dreißigjährigen Krieg, sag ich dir, im lange Reitermantel und den Hut an der Seit'aufgeschlage, zeigt mir ein Pistol, das ganz genau so ausgesehe hat wie meins, und legt den Taler hier auf den Tisch." Dabei wies er eine alte Silbermünze vor, die gut und gern ihre zwei- bis dreihundert Jahre alt sein mochte. „Was wollt ich mache?" fuhr der Vilbel fort. „Ich hab sie ihm gebe." Der Zinken wollte gerade feinem Unglauben in derben Worten Ausdruck verleihen, als draußen wieder der bekannte Knall ertönte. Und da er mit dem Kopf durchs Fenster schoß, sah er wahrhaftig, wie da einer im langen Mantel und aufgeschlagenem Hut in die Rathaus- tür schlüpfte, die er, der Zinken, offen gelassen hatte. „Ich werd euch", schrie er noch immer ungläubig und darum zornentbrannt und rannte hinaus. „Nimm dich vor dem Mansfelder in acht!" rief ihm der Vilbel warnend nach. Da war auch der Mappes in Mantel und Hut schon herein. Dabei muß man wissen, daß der Bürgermeister auch ein guter Freund des Vilbel war und, als man die neue Brandmauer zwischen Rathaus und ,Krug" aufführte, sich ein kleines Fenster ausgespart hatte, das auf den Hof des „Krugs" ging und vermittels dessen er jederzeit einen kleinen Schwatz mit dem Nachbar halten, auch wohl unbeschadet feiner Würde in den Amtsstunden zwischendurch einmal einen Schoppen genehmigen konnte. Durch dies Fensterchen war der Mappes gekommen. In fliegender Eile wurde nun das Pistol wieder geladen, und ehe noch der Zinken seine fruchtlosen Nachforfchungen im Rathaus beendet hatte, knallte es schon wieder im Torweg des „Krugs". Der Zinken, der gerade wieder aus der Rathaustür trat, blieb wie angewurzelt stehen. Das Ding wurde ihm unheimlich. Sollte doch etwas dran fein, an dem Gerede des Vilbel? Daß der Mansfelder etwa wirklich mit seinen zwei Pistolen herumgeisterte? Mit Gespenstern kann auch ein Ortsdiener von Mut und Pflichtgefühl schlecht fertig werden. Während er so zögerte, die menschenleere Straße hinauf und hinunter schaute und überlegte, was zu tun fei, hatte der Mappes das Pistol aufs neue geladen und begab sich wieder auf seinen Schleichweg. Weil ihm indes der Mantel beim Klettern durch das enge Fensterchen hinderlich war, warf er ihn mitsamt dem Hut in den Hof. Der Zinken stand noch immer im Kampf zwischen Schauder und Dienstgefühl, als aus dem Rathausfenster über ihm der nur zu bekannte Knall ertönte und ein Papierpfropfen so dicht an seiner langen Nase vorbeiflog, daß er erschrocken mit der Hand hinfuhr, um zu fühlen, ob sie noch da war. Nun aber roar’s mit feiner Fassung vorbei. Er stürmte die Gasse hinab zur Wohnung des Bürgermeisters, um die oberste Behörde felbit gegen den Spuk zu Hilfe zu rufen. Hinter ihm schoß der Mappes aus dem Rathaus und in den „Krug" hinein, wo die beiden Spitzbuben ob ihres gelungenen Streichs sich halb tot lachen wollten und sich hinter einen gewichtigen Schoppen Wiselbrunn setzten. Dem Bürgermeister schwante gleich etwas bei der Erzählung des Zinken. Er kannte feine Hattenheimer und feinen Freund Vilbel insbesondere und wußte, daß der immer zu solchem Schabernack aufgelegt war. Er ging mit dem Zinken zum Rathaus, ließ ihn aber an der Tür Posten fassen. Denn seine gelegentliche Nutzung des abseitigen Fenster- chens war sein kleines Geheimnis, weshalb er gewöhnlich dafür sorgte, daß es mit irgendeinem Gerät verstellt war. Aus diesem Grund hatte auch der Zinken nicht an eine solche Gelegenheit für ein Gespenst gemacht. De. Bürgermeister ging also allein an sein Fensterchen und merkte gleich, daß sich einer damit beschäftigt hatte. Und als er nun gar mit feiner Laterne hinausleuchtete, sah er Hut und Mantel drunten im Hof liegen. „Ahal" sagte er und hatte nun auch seinen Plan. Eine Viertelstunde später trat eine seltsame Gestalt in die Tür der Gaststube. Unter dem aufgeschlagenen Hut, der tief herabgezogen war, geisterte ein kalkweißes Gesicht ins Zimmer, mit tiefen schwarzen, .senk- und waagerechten Schatten: wie ein Totenkopf wirkte es. Die Hönde in den Mantel gewickelt stand der unheimliche Kerl an der Tür und sagte mit tiefer Stimme: „Wo ist mein Pistol?" Der Mappes erkannte gleich seinen Mantel, ahnte den Zusammenhang und meckerte leise vor sich hin. Der Vilbel aber, dem sein eigener Scherz solchergestalt in den Hals zurückschlug, erschrak mächtig, sprang auf und wich ein paar Schritte zurück. „Wo mein Pistol ist, frag ich", wiederholte das Gespenst und trat lautlos näher. „Hier ist das Zwillingsstück." — Damit kam eine Hand langsam unter dem Mantel hervor und legte schwer und gewichtig — ein Holzscheit auf den Tisch. Nun löste sich auch in dem Vilbel «e Spannung. Nun wußte er, wen er vor sich hatte, und er lachte mit dem Mappes um die Wette. Der Bürgermeister streifte sich die Bastschuhe von den Füßen, denen er seinen lautlosen Gang verdankt hatte, behielt aber sein Amtsgesicht und sagte: „Das Pistol kann ich ja nicht einziehe, weil es der Mansfelder sich schon geholt hat. Aber die Straf müßt ihr bezahle. Gutwillig ober nit?" Da legte der Vilbel den alten Taler auf den Tisch, mit dem der Mansfelder seine Zeche von damals beglichen hatte. Es war ein gutes deutsches Fünfmarkstück, das die beiden Verschworenen künstlich alt gemacht hatten. Und da Um selben Augenblick die Glocken einfielen, weil es zwölf Uhr war, so vereinigten sich alle drei um einen besonders guten Trunk, den der Vilbel eigens aus dem Keller holte. Der Zinken draußen wurde auch nicht vergessen, und so erholte auch er sich bald von seinem Schrecken mitsamt seiner Nase, die doch bis dahin vor Angst noch ein bißchen röter geblieben war als gewöhnlich. "Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und "Verlag: Vrühlsche Univerf itätsdruckerei R.Lange, Gießen. GieheimKmMrnblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1958 Zreltag, -en 2. Dezember Nummer Colour & Grey Control Chart Black :8 Bm^ II 14 9 L S 8 £ 6 V L ivie «ii öiier nur uem «ingtin; Die stillstehenden Offiziere am nicht tanzen nicht ändern . ." Der General lachte: „Dennoch, Komm Er! Die Kaiserin wartet/' . 15 16 17 18 19 20 21 22 23 12 13 9 10 Ar keyelmacher von Sankt Stephan ein heiterer Liebesroman von Mono v. Lzibulka Copyright by 3- G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart die einander nach der ersten Begegnung Ihren Freunden als dumme Gans oder aufgeblasenes Mannsstück geschildert. Die Vielgratterin glaubte nicht an die Liebe auf den ersten Blick. Wäre einem eine solche Liebe auch schwer gefallen bei der Bielgratterini Phantasie besaß sie auch und hatte sie beim Kartenlegen zeit ihres Lebens sattsam geübt. Warum sollte also die List eigentlich nicht eine Gräfliche werden? War doch schon vorgekommen so etwas! Wenn das Maria Theresia auch nicht liebte. Aber was konnte selbst eine Monarchin gegen die Liebe tun? Vielleicht hatte die Kaiserin dem Colloredo gar selber befohlen, daß er die Lisl Brand heiraten müsse; zur Strafe, weil er gar so unverschämt war. Und lagen beim Kartenaufschlagen nicht immer wieder Herzbube und Coeurdame beisammen? Und ein Kavalier war er doch, der Colloredo in seinem himmelblauen, weißverbrämten Mantel! Ein feiner dazu. Fast so schön wie die bunten Bilder auf den Lebzelten- Herzen. Und sagten nicht auch die Karten in den letzten Tagen, daß es Schwierigkeiten geben werde? Natürlich würde es Schwierigkeiten geben. Die Tochter vom Kerzelmacher von Sankt Stephan und ein lebendiger Graf! Das war nicht so einfach Aber die Vielgratterin hoffte doch. Und dann zauberte ihr ihre Phantasie so etwas wie einen gräflichen Hofstaat vor, in dem sie selbst in freilich vorerst noch verschwommener Gestalt als Kindsfrau, Amme oder dergleichen auftrat. Wiewohl ein künftiger Säugling dem bloßen Anblick der einstweilen noch von grauer Wolle gnädig bedeckten Vorderseite der Katharina Vielgratterin mutmaßlich den Hungertod vorgezogen hätte. In diesen Tagen entging dem Wachsziehermeister Aloisius Brand manches schöne Stück Geld. Wenn er in seiner Werkstatt bei seinen Ocm 1 2 3 4 5 6 7 8 Schweiß auf die Stirne trat. Plötzlich senkte der General den Blick, sah die rote Rose in der Hand des Offiziers, hob wieder den Kopf, strich sich schmunzelnd den Schnurrbart und sagte: „Sein Glück, Rabenau, daß mir der Serbellom den Dienst abnahm für heute nacht!" Er fuhr herum, sah die befreit lachenden Gesichter der andern. „Setzen!" Er nahm einen Stuhl, ließ sich nieder. Dann sah er auf und fragte belustigt: „Wo bleibt der Soldatenblick, Messieurs? Habt ihr schon einmal gesehen, daß ein General der allergnädigsten Kaiserin ohne Tisch iahen einander bedeutungsvoll an. Hauptmann Falkenftein hob bedauernd die Schulter. Da riß Hadik, der um zwei Spannen kleiner war als der Leutnant, mit einem Ruck den Kopf hoch, bohrte feinen Blick in die Augen des jungen Offiziers. Der Leutnant hielt ihm stand, wenn ihm auch der Blue White Yellow Grey 3 Green Grey 2 Cyan Grey 1 Soviel hatte die Katharina Vielgratterin auch schon erraten, daß ein Mannsbild schuld an dem närrischen Getue, an dem Geflenn und Ge° seufz ihrer Nichte Elisabeth Brand war. Wenn sie nur gewußt hätte, welches! Jammernd und klatschend lief sie zu den Nachbarinnen, wo sie berichtete, was sie bereits dem Weinhändler Johann Kirndorfer geklagt, daß die Lisl am Sonntag nicht einmal das Gansl angerührt habe, und als besonders belastend hinzufügte, daß sie am letzten Freitag gar den gebackenen Karpfen verschmähte. „Ihre Lteblingsspeis denkens nur! Verliebt muß die fein! Aber glaubens. Ich könnt herauskriegen, in wen?" Manchmal meinte sie es freilich zu wissen. Ob es nicht doch dieser Rad Grey 4 Mandanten Dienst bei der Wachtkompanie habe heute nacht und daher den Wunsch Ihrer Majestät nicht erfüllen kann ..., denn wenn die Ronde kommt, Jhro Exzellenz ..." Feldmarschalleutnant Hadik lachte polternd: „Gut gegeben, der Kon- trestoß! Bloß hilft er Ihm nichts. Der Stadtkommandant hat die Dispens schon erteilt ... Komm Er nur mit, Rabenaul" Der General wollte sich erheben. Da fiel sein Blick auf den Kornett, der grinsend in einem Buche las. Hadik fragte: „Was hat Er da?" Der Kornett fuhr hoch, antwortete mit Unschuldsmiene: „Das Dienstreglement, Jhro Exzellenz!" t „Wirst es ja auch nötig haben ... Was liest du grade? ... Soll ich dich examinieren? — Her damit!" Er winkte den Buben zu sich heran. Wenn Hadik bei Laune war, hatte er gern seinen Spaß mit den jungen Offizieren und Kornetts. , , ’ ... Der Kornett ging um den Tisch herum und legte die Dienstvorschrift aufgeschlagen vor den gefürchteten General hin. Dem Leutnant von Rabenau stieg die Röte ins Gesicht. Er warf wütende Blicke auf den Kornett und bemühte sich vergebens, die Seitenzahl zu entziffern, während sich die Exzellenz schon neugierig über das Dienstbuch beugte. „ - , , , Da stutzte Hadik, sah auf und starrte verblüfft den neben seinem Stuhle wartenden Kornett an. Dann schlug er sich auf die schenket. Er wurde puterrot vor Lachen. Nach Atem ringend, polterte er los: „Het- rätskonsens für die kaiserlichen Offiziere?! ... Ja will Er denn heiraten, Er Grasaff?" . _ ... „ Die helle Stimme des Buben antwortet« stramm: „Ich nicht, Ihrs Exzellenz!" „Na, wer denn dann?" Der Raubvogelblick des Generals ging langsam von einem zum andern. ,Lch!" antwortete der Leutnant von Rabenau und senkte verlegen den Kopf, „Ach so!" Hadik wurde nachdenklich. Er wußte nicht warum, aber die Audienz vor acht Tagen fiel ihm ein, als das Mädel die Kerzen für die Kaiserin gebracht. Vielleicht irrte er sich. Aber warum interessierte den Rabenau der Hettatskonsens? Wenn es eine vom Stand war, war oanesZS och sicher. Eine Weile blickte er schweigend auf pictavy tzendenden Offizier. Dann meint er verstehend: ngen auf. ßer Hauptmann Falkenstein trat vor, zur Türe zu geleiten. n Hadik blieb noch einmal stehen. Er sah dem ,-n und schüttelte den Kopf. Dann lächelte er still, die jetzt in einem Glase auf dem Tische stand, tat das Dienstbuch, klappte es zu und legte das Buck -Damit Er die Stelle wiederfindet, Rabenau ..." nant unterm Arm und ging. eß auch der Kompanieälteste die Wachtstube. Viel- losten zu sehen, vielleicht auch, um die Musik des ", die jetzt fernher durch die geöffnete Türe sang. ■ ■ , er habe von der Marschallsstiege her noch ein« "■ui we omnme des Hadik gehört: „Kann mir's denken, Rabenau, wer das Mädel ist und Er kann auf mich zählen. Aber der Ritt nach Berlin war ein Kinderspiel gegen das, was Er jetzt wagt, Rabenau?