GietzeimZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1958 Sreitag, den 29. Juli Nummer 58 Historie von der schönen Lau. Von Eduard Mörike. (Schluß.) Frau Betha wußte ferner viel lehrreicher Fabeln und Denkreime, auch spitzweise Fragen und Rätsel: die gab sie nacheinander im Vorsitz aus zu raten, weil sonderlich die Wassersrau von Hause aus dergleichen liebte und immer gar zufrieden schien, wenn sie es ein und das andere Mal traf (das doch nicht allzu leicht geriet). Eines derselben gefiel ihr vor allen, und was damit gemeint ist, nannte sie ohne Besinnen: „Ich bin eine dürre Königin, Trag' auf dem Haupt eine zierliche Kron', Und die mir dienen mit treuem Sinn, Die haben großen Lohn. Meine Frauen müssen mich schön frisieren, Erzählen mir Märlein ohne Zahl, Sie lassen kein einzig Haar an mir, Doch siehst du mich nimmer kahl. Spazieren fahr' ich front und frei, Das geht so rasch, das geht so fein; Nur komm' ich Flicht vom Platz dabei — Sagt Leute, was mag das fein?" Darüber sagte sie, in etwas fröhlicher denn zuvor: „Wenn ich der- einstens wiederum in meiner Heimat bin und kommt einmal ein schwäbisch Landeskind, zumal, aus eurer Stadt, auf einer Kriegsfahrt oder sonst durch der Walachen Land an unsere Gestade, so ruf’ er mich bei Namen, dort wo der Strom am breitesten hineingeht in das Meer — versteht, zehn Meilen einwärts in dieselbe See erstreckt sich meines Mannes Reich, soweit das süße Wasser sie mit feiner Farbe färbt —, dann will ich kommen und dem Fremdling zu Rat und Hilfe jein. Damit er aber sicher fei, ob ich es bin und keine andere, die ihm schaden möchte, so stelle er dies Rätsel. Niemand aus unserem Geschlechte außer mir wird ihm darauf antworten, denn dortzuland sind solche Rocken und Rädlein, als ihr in Schwaben führet, nicht gesehn, noch kennen sie dort eure Sprache; darum mag dies die Losung sein." Auf einen andern Abend ward erzählt vorn Doktor Veylland und Herrn Konrad von Wirternberg, dem alten Gaugrafen, in dessen Tagen es noch keine Stadt mit Namen Stuttgart gab. Im Wiesental, da wo dieselbe sich nachmals erhob, stund nur ein stattliches Schloß mit Wassergraben und Zugbrücke, von Bruno, dem Domherrn von Speyer, Konra- dens Oheim, erbaut, und nicht gar weit davon ein hohes steinernes Haus. In diesem wohnte dazumal mit einem alten Diener ganz allein ein sonderlicher Mann, der war in natürlicher Kunst und in Arzneikunst sehr gelehrt und war mit seinem Herrn, dem Grafen, weit in der Welt herumgereift, in heißen Ländern, von wo er manche Seltsamkeit an Tieren, vielerlei Gewächsen und Meerwundern heraus nach Schwaben brachte. In seinem Oehrn sah man der fremden Sachen eine Menge an den ^Wänden herum hangen: die Haut vom Krokodil sowie Schlangen und fliegende Fische. Fast alle Wochen kam der Graf einmal zu ihm; mit anderen Leuten pflegte er wenig Gemeinschaft. Man wollte behaupten, er mache Gold; gewiß ist, daß er sich unsichtbar machen konnte, denn er verwahrte unter seinem Kram einen Krackenfischzahn. Einst nämlich, als er auf dem Roten Meer das Bleilot niederließ, die Tiefe zu erforschen, da zockt' es unterm Wasser, daß das Tau fast riß. Es hatte sich ein Krackenfisch tm Lot verbissen und zween seiner Zahne darinne gelassen. Sie smd wie eine Schustersahle spitz und glänzend schwarz. Der eine stak sehr fest, der andre ließ sich leicht ausziehen. Da nun ein solcher Zahn, etwa in Silber oder Gold gefaßt und bei sich getragen, besagte bohe Kunst besitzt und zu den größten Gütern, so man für Geld nicht haben kann, gehört, der Doktor aber dafür hielt, es zieme eine solche Gabe niemand besser als einen weisen und wohldenkenden Gebieter, damit er überall, in feinen eigenen und Feindes Landen, sein Ohr und Auge habe, so gab er einen dieser Zähne seinem Grafen, wie er ja ohnedem wohl schuldig war, mit Anzeigung von dessen Heimlichkeit, davon der Herr nichts wußte. Bon diesem Tage an erzeigte sich der Graf dem Doktor gnädiger als allen seinen 6bedeuten oder Räten und hielt ihn recht als seinen lieben Freund, ließ ihm auch gern und sonder Neid das Lot zu eigen, darin der andere Zahn war, doch unter dem Gelöbnis, sich dessen ohne Not nicht zu be= dienen, auch ihn vor jeinem Ableben entweder ihm, dem Grafen, erblich zu verlassen oder auf alle Weise der Welt zu entrücken, wo nicht ihn gänzlich zu vertilgen. Der edle Graf starb aber um zwei Jahre eher als der Beylland und hinterließ das Kleinod seinen Söhnen nicht; man glaubt, aus Gottesfurcht und weifen Vorbedacht hab' er's mit in das ®rab genommen oder sonst verborgen. Wie nun der Doktor auch am Sterben lag, so rief er feinen treuen Diener Kurt zu ihm ans Bett und sagte: „Lieber Kurtl Es gehet diese Nacht mit mir zum Ende, so will ich dir noch deine guten Dienste danken sind etliche Dinge befehlen. Dort bei den Büchern, in dem Fach zu unterft in der Ecke, ist ein Beutel mit hundert Imperialen, denn nimm sogleich Zu dir: du wirst auf Lebenszeit genug daran haben. Zum zweiten, das alte geschriebene Buch in dem Kästlein daselbst verbrenne jetzt vor meinen Augen hier in dem Kamin. Zum dritten jindest du ein Bleilot dort, das nimm, oerbirg’s bei deinen Sachen, und wenn du aus dem Haufe gehst in deine Heimat, gen Blaubeuren, laß es dein erstes jein, daß du es in den Blautopf wirfst." — Hiermit war er darauf bedacht, daß es, ohne Gottes besondere Fügung, in ewigen Zeiten nicht in irgendeines Menschen Hände komme. Denn damals hatte sich die Lau noch nie im Blau- topf blicken lassen und hielt man selben überdies für unergründlich. Nachdem der gute Diener jenes alles teils auf der Stelle ausgerichtet, teils versprochen, nahm er mit Tränen Abschied von dem Doktor, welcher vor Tage noch das Zeitliche gesegnete. Als nachher die Gerichtspersonen tarnen und allen kleinen Quart aussuchten und versiegelten, da hatte Kurt das Bleilot zwar beifeit’ gebracht, den Beutel aber nicht versteckt, benn^pt war keiner von den Schlauesten, und mußte ihn da lassen, bekam auch nach der Hand nicht einen Deut davon zu sehen, kaum daß die schnöden Erben ihm den Jahreslohn auszahlien. Solch Unglück ähnele ihm schon, als er, auch ohnedem betrübt genug, mit feinem Bündelein in seiner Vaterstadt einzog. Jetzt dachte er an nichts, als feines Herrn Befehl vor allen Dingen zu vollziehen. Weil er feit dreiundzwanzig Jahren nimmer hier gewesen, so kannte er die Leute nicht, die ihm begegneten, und da er gleichwohl einem und dem andern Guten Abend sagte, gab’s ihm niemand zurück. Die Leute schauten sich, wenn er vorüberkam, verwundert an den Häusern um, wer doch da gegrüßt haben mochte, denn keines erblickte den Mann. Dies kam, weil ihm das Lot in seinem Bündel auf der linken Seite hing; ein andermal, wenn er es rechts trug, war er von allen gesehen. Er aber sprach für sich: „Zu meiner Zeit sind dia Blaubeurarnar so grob ett gmäl" Beim Blautopf fand er feinen Vetter, den Seilermeifter, mit dem Jungen am Geschäft, indem er längs der Klostermauer, rückwärts gehend, Werg aus seiner Schürze spann, und weiterhin der Knabe tridte die Schnur mit dem Rad. — „Gott grüaß di, Vetter Seiler!" rief der Kurt und klopft' ihm auf die Achsel. Der Meister guckt sich um, verblaßt, läßt seine Arbeit aus den Händen fallen und lauft, was seine Beine mögen. Da lachte der andere, sprechend: „Der denkt, mei’ Seel, i wandele geist- weis! D' Leut haut g'wiß rni für tot hia g’fagt, anstatt mein' Herrn — ei so schlag!" Jetzt ging er zu dem Teich, knüpfte fein Bündel auf und zog das Lot heraus. Da fiel ihm ein, er möchte doch auch wissen, ob es wahr sei, daß der Gumpen keinen Grund noch Boden habe (er wär' gern auch ein wenig so ein Spirigurfes wie fein Herr gewesen), und weil er vorhin in des Seilers Korb drei große starke Schnürbund liegen sehn, so holte er dieselben her und band bas Lot an einen. Es lagen just auch frischgebohrte Teichel, eine schwere Menge, in bem Wasser bis gegen bie Mitte des Topfs, barauf er sicher Posto jassen konnte, unb also ließ er das Gewicht hinunter, indem er immer ein Stück Schnur an seinem ausgestreckten Arm abmaß, brei solcher Längen auf ein Klafter rechnete und laut abzählte: 1 Klafter, 2 Klafter, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10"; — da ging der erste Schnurbund aus, und mußte er den zweiten an das Ende knüpfen, maß wiederum ab und zählte bis auf 20. Da war der andere Schurbund gar. — „Heidaguguk, ist dees a Tiafe!" — und band den dritten an das Trumm, fuhr fort zu zählen: „21, 22, 23, 24 — Höll- Element, mei’ Arm will nimme! — 25, 26, 27, 28, 29, 30 — Jetzet guat Nacht, ’s Meß hot a End! Do heißt's halt, mir nex, dir nex, rappebe, kappede, fo sich usganga!" — Er schlag die Schnur, bevor er aufzog, um das Holz, daraus er stand, ein wenig zu verschnaufen, und urteilte bei sich: der Topf ist währte bodalaus. Indem der Spinnerinnen eine diesen Schwank erzählte, tat die Wirtin einen schlauen Blick zur Lau hinüber, welche lächelte; denn freilich wußte sie am besten, wie es gegangen war mit dieser Messerei; doch sagten beide nichts. Dem Leser aber soll es unverhalten sein. Die schöne Lau lag jeden Nachmittag auf dem Sand in der Tiefe, und, ihr zu Füßen, eine Kammerjungfer, Aleila, welche ihr die liebste war, beschnitte ihr in guter Ruh die Zehen mit einer goldenen Schere, wie von Zeit zu Zeit geschah. Da kam hernieden langsam aus der klaren Höh' ein schwarzes Ding, als wie ein Kegel, des sich im Anfang beide sehr verwunderten, bis sie erkannten, was es sei. Wie nun das Lot mit neunzig Schuh den Boden rührte, da ergriff die scherzlustige Zofe bie Schnur und zog gemach mit beiden Händen, und zog, so fang, bis sie nicht mehr nachgab. Alsdann nahm sie geschwind die Schere und schnitt das Lot hinweg, erlangte einen dicken Zwiebel, der war erst gestern in den Topf gefallen unb war fast eines Kindeskopses groß, und band ihn bei dem grünen Schossen an die Schnur, damit der Mann erstaune, ein ander Lot zu sinden, als das er ausgeworfen. Verweile aber hatte die schöne Lau den Krackenzayn im Blei mit Freuden und Verwunderung entdeckt. Sie wußte seine Kraft gak wohl, und ob zwar für sich selbst die Wasserweiber oder -männer nicht viel darnach fragen, so gönnen sie den Menschen doch so großen Vorteil nicht, zumalen sie das Meer und was sich darin findet, von Anbeginn als ihren Pacht und Lehn ansprechen. Deswegen denn die schöne Lau mit dieser ungefähren Beute sich dereinst, wenn sie zu Hause käme, beim alten Nix, ihrem Gemahl, Lobs zu erholen hoffte. Doch wollte fie den Mann, der oben stund, nicht lassen ahn' Entgelt, nahm also alles, was sie eben auf dem Leibs hatte, nämlich die schöne Perlenschnur an ihrem Hals, schlang selbe um den großen Zwiebel, gerade als er sich nunmehr erhob; und daran war es nicht genug: sie hing zuteuerst auch die goldne Schere noch daran und sah mit hellem Äug', wie das Gewicht hinaufgezogen ward. Die Zofe aber, neubegierig, wie sich das Menschenkind dabei gebärde, stieg hinter dem Lot in die Höhe und weidete sich zwo Spannen unterhalb dem Spiegel an des Alten Schreck und Verwirrung. Zuletzt fuhr" sie mit ihren beiden aufgehobenen Händen ein maler viere in der Luft herum, die weißen Finger als zu einem Fächer oder Wadel ausgefpreizt. Es waren aber schon zuvor auf des Vetters Seilers Geschrei viel Leute aus der Stadt herausgekommen, die standen um den Blautopf her und sahn dem Abenteuer zu, bis wo die grausigen Hände erschienen; da stob mit eins die Menge voneinander und entrann. Der alle Diener aber war von Stund an irrsch im Kopf ganzer sieben Tage und sah der Lau ihre Geschenke gar nicht an, sondern saß da, bei seinem Vetter, hinterm Ösen, und sprach des Tags wohl hundertmal ein altes Sprüchlein vor sich hin, von welchem kein Gelehrter in ganz Schwabenland Bescheid zu geben weiß, woher und wie oder wann erstmals es unter die Leute gekommen. Denn von ihm selber hatte es der Alte nicht; man gab es lange vor seiner Zieft, gleichwie noch heutigestags, den Kindern scherzweis auf, wer es ganz hurtig nacheinander ohne Tadel am öftesten hersagen könne; und lauten die Worte: „’s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei." Die Wirtin nannt' es einen rechten Leirenbendel und sagte: „Wer hätte auch den mindesten Verstand da drin gesucht, geschweige eine Prophezeiung!" Als endlich der Kurt mit dem siebenten Morgen seine gute Besinnung wiederfand und ihm der Detter die kostbaren Sachen darwies, so sein rechtliches Eigentum wären, da schmunzelte er doch, tat sie in sicheren Verschluß und ging mit des Seilers* zu Rat, was damit anzufangen. Sie achteten alle fürs beste, er reise mit Perlen und Schere gen Stuttgart, wo eben Graf Ludwig sein Hoslager hatte, und biete sie demselben an zum Kauf. So tat er denn. Der hohe Herr war auch nicht karg und gleich bereit, so seltene Zier nach Schätzung eines Meisters für seine Frau zu nehmen; nur als er von dem Alten hörte, wie er dazu gekommen, fuhr er auf und dreh.te sich voll Aerger auf dem Absatz um, daß ihm der Wunderzahn verloren sei. Ihm war vordem etwas von diesem kund geworden, und hatte er dem Doktor, bald nach Herrn Konrads Hintritt, seines Vaters, sehr darum angelegen, doch umsonst. Dies war nun die Geschichte, davon die Spinnerinnen damals plauderten. Doch ihnen war das beste daran unbekannt. Eine Gevatterin, so auch mit ihrer Kunkel unter ihnen saß, hätte doch gar gern gehört, ob wohl die schöne Lau das Lot noch habe, auch was sie damit tue? und red'te so von weitem darauf hin; da gab Frau Betha ihr nach ihrer Weise einen kleinen Stich und sprach zur Lau: „Ja, gelt, jetzt macht Ihr Euch bisweilen unsichtbar, geht herum in den Häusern und guckt den Weibern in die Töpfe, was sie zu Mttag kochen? Eine schöne Sach' um so ein Lot für siirwitzige Leute!" Jnmittelst fing der Dirnen eine an, halblaut das närrische, Gesetzlein herzusagen; die andern taten ein gleiches, und jede wollt' es besser können, und keine brachten es zum dritten- oder viertenmale glatt aus dem Mund; dadurch gab es viel Lachen. Zum letzten mußte es die schöne Lau probieren, die Jutte ließ ihr keine Ruh. Sie wurde rot bis an die Schläfe, doch Hub fie an und klüglicherweife gar langsam: „'s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeuren." Die Wirtin rief ihr zu, so sei es keine Kunst, es mässe gehen wie geschmiert! Da nahm sie ihren Anlauf frisch hinweg, kam auch alsbald vom Pfad ins Stoppelfeld, fuhr buntüberecks und wußte nimmer gicks noch gacks. Jetzt, wie man denken kann, gab es Gelächter einer Stuben voll, das hättet ihr nur hören sollen, und mitten draus hervor der schönen Lau ihr Lachen, so hell wie ihre Zähne, die man alle sah! Doch unversehens, mitten in dieser Fröhlichkeit und Lust, begab sich ein mächtiges Schrecken. Der Sohn vom Haus, der Wirt, — er kam gerade mit dem Wagen heim von Sonderbuch und sand die Knechte verschlafen im Stall — sprang hastig die Stiege herauf, rief feine Mutter vor die Tür und sagte, daß es alle hören konnten: „Um Gottes willen, schickt die Lau nach Haus! Hört Ihr denn nicht im Städtlein den Lärm? Der Blautopf leert sich aus, die untere Gaffe ist schon unter Wasser, und in dem Berg am Gumpen ist ein Getös und Rollen, als wenn die Sintflut käme!" — Indem er noch so sprach, tat innen die Lau einen Schrei: „Das ist der König, mein Gemahl, und ich bin nicht daheim!" — Hiermit fiel sie von ihrem Stuhl sinnlos zu Boden, daß die Stube zitterte. Der Sohn war wieder fort, die Spinnerinnen liefen jammernd heim mit ihren Rocken, die andern aber wußten nicht, was anzufangen mit der armen Lau, welche wie tot da lag. Eins machte ihr die Kleider auf, ein anderes strich fie an, das dritte riß die Fenster auf, und schafften doch alle miteinander nichts. Da streckte unverhofft der luftige Koch den Kopf zur Tür herein, sprechend: „Ich hab' mir's eingebildet, sie mär’ bei euch! Doch, wie ich sehe, geht's nicht allzu luftig her. Macht, daß die Ente in das Wasser kommt, 1 D. h. mit den Seilersleuten (in Schwaben ganz gebräuchliche Redeweise). so wird sie schwimmen!" — „Du hast gut reden!" sprach die Mutter mit Beben: „Hat man sie auch im Keller und im Brunnen, kann sie sich unten nicht den Hals abstürzen hn Geklüft?" — „Was, Keller!' ruf der Sohn: „Was Brunnen! Das geht ja freilich nicht — laßt mich nur machen! Rot kennt kein Gebot — ich trag’ fie in den Blau topf. — Unö damit nahm er, als ein starker Kerl, die Wafferfrau auf feine Arme. „Komm, Jutta — nicht heulen! — geh mir voran mit der Latein! — „In Gottes Namen!" sagte die Wirtin, „doch nehmt den Weg mm en herum durch die Gärten, es wimmelt die Straße mit Leuten und Richtern." — „Der Fisch hat sein Gewicht!" sprach er im Gehen, schritt aber festen Tritts die Stiege hinunter, dann über den Hof und links und rechts, zwischen Hecken und Zäunen hindurch. _ Am Gumpen sanden sie das Wasser schon merklich gefallen, gewahrten aber nicht, wie die drei Zosen, mit den Köpfen dicht unter dem Spiegel, ängstlich hin und wider schwammen, nach ihrer Frau ausschauend. Das Mädchen stellte die Laterne hin, doch der Koch entledigte sich seiner Last, indem er sie behutsam mit dem Rücken an den Kurbis- hüqel lehnte. Da raunte ihm sein eigener Schalk ins Ohr: wenn du sie küßtest, freute dich's dein Leben lang, und könntest du doch sagen, du habest einmal eine Wasserfrau geküßt. — Und eh’ er es recht dachte, war’s geschehen. Da löschte ein Schuck Wasser aus dem Tops das Licht urplötzlich aus, daß es stichdunkel ward umher, und tat es dann nicht anders, als wenn ein ganz halb Dutzend nasser Hände auf em paar kernige Backen fiel, und wo es sonst hintraf. Die Schwester rief: „Was gibt es denn?" — „Maulschellen, heißt man's hier herum! sprach er, „ich hätte nicht gedacht, daß sie am Schwarzen Meer (otttgc Ding auch tenneten!" — Dies sagend, stahl er sich eilends davon, doch well es vom Widerhall drüben am Kloster auf Mauern und Dächern und Wänden mit Maulschellen brazzekte, stund er bestürzt, wußte nicht recht wohin, denn er glaubte den Feind vorn und hinten. (Solch einer Witzling brauchte es, damit er sich des Mundes nicht berühmte, den er geküßt, unwissend zwar, daß er es müssen tun der schönen Lau zum Heil.) Jnwährend diesem argen Lärm hörte man die Fürstin in ihrem Ohnmachtsschlaf so innig lachen, wie sie damals im Traum getgn, wo sie den Abt sah springen. Der Koch vernahm es noch von weitem, und ob er’s schon auf sich zog und mit Grund, erkannte er doch gern daraus, daß es nicht weiter Not mehr habe mit der Frau. Bald kam mit guter Zeitung auch die Jutte heim, die Kleider, den Rock und das Leibchen im Arm, welche die schöne Lau zum letztenmal heut' am Leibe gehabt. Von ihren Kammerjungfern, die sie am Topf im Beisein des Mädchens empfingen, erfuhr fie gleich zu ihrem großen Trost, der König fei noch nicht gekommen, doch mög’ es nicht mehr lang anstehn, die große ^^Wasserstraße fei schon angefüllt. Dies riawllch war ein breiter hoher Felfenweg, tief unterhalb den menschlichen Wohh- ftätten, schön grab und eben mitten durch den Berg gezogen, zwo Mei- len lang von da bis an die Donau, wo des alten Nixen Schwester ihren Fürstensitz hatte. Derselben waren viele Flüsse, Bäche, Quellen dieses Gaus dienstbar; die schwellten, wenn das Aufgebot an fie erging, besagte Straße in gar kurzer Zeit so hoch mit ihren Wassern, daß fie mit allem Seegetier, Meerrossen und Wagen füglich befahren werden mochte, welches bei festlicher Gelegenheit zuweilen als ein schönes Schaugepräng mit vielen Fackeln und Musik von Hörnern und Pauken geschah. Di« Zosen eilten jetzo sehr mit ihrer Herrin in das Putzgemach, um sie salben, zöpfen und köstlich anzuziehen; das sie auch gern zuließ und selbst mithalf, denn sie in ihrem Innern fühlte, es fei nun jegliches erfüllt zusamt dem Fünften, so der alte Nix und sie nicht wissen durfte. Drei Stunden wohl, nachdem der Wächter Mitternacht gerufen, es schlief im Nonnenhof schon alles, erscholl die Kellerglocke zweimal mächtig, zum Zeichen, daß es Eile habe, unb hurtig waren auch die Frauen und die Töchter aus dem Platz. Die Lau begrüßte sie wie sonst vom Brunnen aus, nur war ihr Gesicht von der Freude verschönt, und ihre Augen glänzten, wie man es nie an ihr gesehen. Sie sprach: „Wißt, daß mein Ehgemahl um Mitternacht gekommen ist. Die Schwieger hat es ihm voraus verkündigt ohne- längft, daß sich in dieser Nacht mein gutes Glück vollenden soll, darauf er ohne Säumen auszog, mit Geleit der Fürsten, seinem Ohm und meinem Bruder Synd und vielen Herren. Am Morgen reisen wir. Der König ist mir hold und gnädig, als hieß' ich von heute an erst fein Gespans. Sie werden gleich vom Mahl aufstehen, sobald sie den Umtrunk gehalten. Ich schlich auf meine Kammer und Hierher, noch meine Gast- freunde zu grüßen und zu Herzen. Ich sage Dank, Frau Ahne, liebe Jutta, Euch Söhnerin und Jüngste dir. Grüßet, die nicht zggegen find, die Männer und die Mägde. In jedem dritten Jahr wird euch Botschaft von mir; auch mag es wohl geschehen, daß ich noch bälder komme selber, da bring’ ich mit auf diesen meinen Armen ein lebend Merkmal, daß die Lau bei euch gelacht. Das wollen euch die Meinen allezeit gedenken, wie ich selbst. Für jetzo, wisset, liebe Wirtin, ist mein Sinn, einen Segen zu stiften in dieses Haus für viele [einer Gäste. Oft habe ich vernommen, wie Ihr den armen wandernden Gesellen Gut's getan mit freier Zehrung und Herberg'. Damit ihr solchen fortan mögt noch eine weitere Handreichung tun, so werdet Ihr zu diesem Ende finden beim Brunnen hier einen steinernen Krug voll guter Silbergroschen: davon teilt ihnen nach Gutdünken mit, und will ich das Gesäß, bevor der letzte Pfennig ausgegeben, wieder füllen. Zudem will ich noch stiften auf alle hundert Jahr fünf Glückstage (denn dies ist meine holde Zahl), mit unterschiedlichen Geschenken, also, daß, wer von reisenden Gesellen der erste über Eure Schwelle tritt am Tag, der mir das erste Lachen brachte, der soll empfangen, aus Eurer oder Eurer Kinder Hand, von fünferlei Stücken das Haupt. Ein jeder, fo den Preis gewinnt, gelobe, nicht Ort, noch Zeit dieser Bescherung zu verraten. Ihr findet aber solche Gaben jedesmal hier nächst dem Brunnen. Die Stiftung, wisset, mache ich für alle Zeit, solang ein Glied von Eurem Stammen auf der Wirtschaft ist." Nach diesen Worten redete sie noch manches leise mit der Wirtin und sagte zuletzt: „Vergesset nicht das Lot! Der Meine Schuster soll es nimmermehr bekommen." — Da nahm fie nochmals Abschied und küßte ein jedes. Die beiden Frauen und die Mädchen meinten sehr. Sie steckte Jütten einen Fingerreif mit grünem Schmelzwerk an und sprach dabei: „Ade, Jutta! Wir haben zusammen besondere Holdschaft gehabt, die müsse fernerhin bestehen!" — Nun tauchte sie hinunter, winkte und verschwand. In einer Nische hinter dem Brunnen fand sich richtig der Krug samt den verheißnen Angebinden. Es war in der Mauer ein Loch mit eisernem Türlein versehen, von dem man nie gewußt, wohin es führ«: das stand jetzt aufgeschlagen und war daraus ersichtlich, daß die Sachen durch dienstbare Hand auf diesem Weg seien hergebracht worden, deshalb auch alles wohl trocken verblieb. Es lag dabei: ein Würfelbecher aus Drachenhaut, mit glodenen Buckeln beschlagen, ein Dolch mit kostbar ein- aelegtem Griff, ein elfenbeinen Weberschifflein, ein schönes Tuch von fremder Weberei und mehr dergleichen. Aparte aber lag ein Kochlöffel aus Rosenholz mit langem Stiel, von oben herab fein gemalt und vergoldet, den war die Wirtin angewiesen, dem lustigen Koch zum Andenken zu geben. Auch keins der andern war vergessen. Frau Betha hielt bis an ihr Lebensende die Ordnung der guten Lau heilig, und ihre Nachkommen nicht minder. Daß jene sich nachmals mit ihrem Kind im Nonnenhof zum Besuch eingesunden, davon zwar steht nichts in dem alten Buch, das diese Geschichten berichtet, doch mag ich es wohl glauben. Spätes Glück. Bon Josef Weinheber. Das Rund der Erde meisternd zu umfahn mit Schwert und Feuer, Lieb und Liebesgaben: Ach, eitler Traum, ach, frevles Ziel des Knaben — Der Mann hat längst die Träume abgetan. Er will nichts mehr als ein Stück Erde haben, daraus er stehen, säen, ernten kann. Und, hebt nach Schweiß und Müh der Abend an. das Glück, an später Rast sich zu erlaben. Im Schatten eine liebgewordne Bank, ein altes Buch, ein Weg vom Lärm gemieden, und zwischen dämmerdunklem Blattgerank dein Helles Kleid in dem arkadischen Frieden. Geschenks genug! Geliebte, habe Dank! Die kühnen Arme haben sich beschieden. Musik und Raffe. Bon Professor Dr. W. H e i n i tz. Was ist Musik? Was ist Rasse? — Musik? Die einen sagen, es wäre die geheimnisvolle Macht, die uns Menschen gut oder böse werden läßt, die uns ertüchtigt oder verweichlicht, die uns aufrüttelt zu neuem Mut, die auch dem müdesten Soldaten in die Glieder fährt, die uns mit einer zündenden Suggestion auf das Tanzparkett lockt, deren letzten Sinn wir aber trotzdem nie begreifen könnten, weil die Musik die „unfaßbarste" aller Künste wäre. Die andern sagen: Es mag schon recht fein, daß die bloße Tatsache, daß Musik überhaupt da ist und aus uns wirkt, für uns Menschen ein unerklärliches Naturgeheimnis ist. Aber wir können aus ganz bestimmten Wegen in diese Verschleierung eindringen, können messend, vergleichend, probierend, gestaltend und nachgestaltend prüfen, wie vieles in der Musik auf das Konto kosmischer Uebersinnlichkeit, aus das Konto der Seele, des Geistes oder gar unseres lebendigen Körpers geht. Alles Seelische offenbart sich uns durch Gefühle. Aber die Gefühle, fclbst bei der Wiederholung desselben Musikstückes, bleiben fast nie die gleichen. Es hängt von unseren Stimmungen ab, ob uns eine anfangs gehörte Schlagermelodie, wenn wir sie schließlich „nicht mehr loswerden können, nicht anfängt, zu ärgern. Die Verbindung zwischen Musik und Gefühl kann uns also von dem kernhasten Urwesen der Musik nicht viel Zuverlässiges verraten. Auch der Intellekt wird uns nicht viel weiter bringen. Wir können die Takte, die Tonschritte und alles, was zu einer Melodie gehört, was ein Komponist seinen Lehrern, Zeitgenossen oder Vorgängern abgeguckt hat, zählen und einander gegenllberstellen. Damit erfahren wir etwas über die Mode, die Komponiertechnik und den Geschmack bestimmter Zeitalter, aber nur wenig über die Musik selbst. Musik kann man nicht papiermäßig verstehen lernen und beurteilen. Man muß sie lebendig am eigenen Leibe erfahren haben. Wie aber ist das möglich? Wir müssen die Musik dort belauschen, tpo sie aus dem Dunkel unseres Innern hervorgebrochen ist, wo sie über die Brücke geht von dem ewig unfaßbaren Seelischen, hinüber in das materiell in Noten oder aus Schallplatten festzuhaltende rein Physikalische. Diese Brücke baut sich uns auf aus den seelisch gesteuerten Bewegungen, aus denen heraus wir fingen oder spielen, die sich nicht nur in unferm Kehlkopf oder m untern Fingern, sondern sozusagen im und am ganzen Leibe, unter Einfcha.- tung unseres gesamten Nervenapparats vollziehen. So ist Musik, soweit |ie für unsere Sinne faßbar und vernehmbar wird, nichts anderes, als das direkte Ergebnis eines „Tanzspiels" von den kleinsten bis womöglich zu den größten Muskelspannungen unseres Körpers. Will jemand einen Marsch komponieren, dann ist es nicht gut, daß er rein geistig auf dem Papier Noten im Viervierteltakt zusammenbastelt. Es ist viel besser, wenn er erst einmal anfängt, selber zu marschieren. Bei dem Rhythmus dieser „Arbeit" fallen ihm dann in der Regel ohne große Muhe paßende Marschmelodien ein. Und wer einen fo entstandenen Marsch hingebungsbereit hört, dem werden sich die Beine fast von selber wiederum in Bewegung setzen, und zwar in eine Bewegung, die derjenigen sehr ayniicy ist, aus der das Lied entstanden ist. Die Melodie wird m ihm eine Resonanz Hervorrufen, der er sich um so weniger entziehen kann, je me jr er musikalisch beanlagt ist. Also ist Musik in solchem Sinne zunächst nichts anderes als zu Tönen gewordene Bewegung. Jeder Mensch hat aber feine höchst persönliche Bewegung, woran wir ihn oft von weitem schon eher als an seinem Gesicht wiedererkennen können. Darin steckt zugleich alles, was er an Bewegungssinn und Bewegungsform von seinen Vorfahren ererbt hat. Wenn wir also hören, wie ein Mensch spricht (auch das Sprechen ist ja eine Art Musik) und wie er singt, spielt oder tanzt, dann können wir durch die Musik hindurch einen Blick in- seinen individuellen Bewegungsapparat, und damit nicht nur in (ein persönliches Seelenleben, sondern auch in das seiner Art und darüber hinaus seiner Rasse tun. Neger haben andere Bewegungen als holsteinische Bauern, ein östlicher Mensch bewegt sich anders als ein nordischer oder vorderasiatischer. Dabei kann es in allen Rassen begabte und unbegabte Sänger geben mit allen gleichen Abstufungen der Temperamente und der Freude am Musizieren. In allen Musikkulturen gibt es auch steigende oder fallende Melodien mit allen möglichen dur- oder moll-ähnlichen Tonschritten, die auch woanders in ähnlichem Ablauf vorkommen. Die gleichen oder ähnlichen Melodien werden von blonden, roten oder schwarzen Menschen mit krummen oder geraden Nasen gesungen. So wäre es scheinbar ein uferloses Beginnen, Musik und Rasse miteinander in Beziehung zu bringen? Nein. Es kommt nur darauf an, an welchen Merkmalen einer Rasse man d i e ihr arteigene Musik studieren will, um so einen zuverlässigen Ausgangsort für eine Vergleichung zu finden. Rasse ist für uns etwas organisch in sich Gebundenes, das sich trotz seiner Zugehörigkeit zu der großen Einheit Mensch auf so ganz bestimmte Art und Weise bewegt, um durch diese Bewegung und damit durch seine Handlungen und seinen Charakter seine direkt unfaßbare Seelenhaltung indirekt zu offenbaren. Die Summe und das Ordnungssystem der Bewegungen eines Menschen ergeben seinen biologischen Stil. Dieser kann nicht nachgeahmt werden. Er ist angeboren. Was ein Mensch, etwa ein Musiker, im Verlaus seines Lebens hinzulernt, um sich „richtig und musikalisch gebildet" ausdrücken zu können, gehört zu seinem geist i g e n S ti l. Diese grundlegenden Zusammenhänge sind leicht zu verstehen. Nicht ganz so leicht ist es. mit dem modernen Musikwissenschaftler daranzugehen, allen verzwickten Kleinfragen der musikalischen Bewegung und ihrer Rassegebundenheit nachzuspüren. Da ist dann beispielsweise die Rede von „Homogenität", worunter verstanden wird, daß ein Musikstück, etwa ein Volkslied in allen seinen Teilen, also in Takt, Tonhöhe, Mehrstimmigkeit, Stärke, Klangfarbe usw. völlig im biologischen Gleichgewicht stehen muß. Daß man also nicht etwa eine in Afrika gefundene Melodie für echt hält, trotzdem sie nur eine negerische Verballhornung eines Berliner Schlagers ist, den ein paar Matrosen auf ihren mißverstandenen Schifferklavieren exportiert haben. Da ist weiter die Rede von „M i k r o- d y n a m i k", womit alle die feinen rhythmischen Abstufungen und Spannungswechsel gemeint sind, die selbst dem begabtesten Musiker nicht bewußt werden, wie etwa auch ein Maler erst durch eine mikroskopische Untersuchung die genaue Struktur seiner Farben und seiner Pinsel- striche kennenlernen könnte. Aber gerade diese feinsten Vorgänge, die man genau so wie die verborgensten Strichwendungen einer Handschrift nicht bewußt und mit täuschender Absicht nachahmen kann, sind dem Musik- und Rasseforscher besonders wichtig. Um sie zu erfassen, müssen viele oft mühsam erarbeitete Mittel herangezogen werden, wobei auch die filmische Aufnahme von Tanz- und Musikbewegungen nicht fehlt. Der Laie würde sich gewiß oft eines Lächelns nicht erwehren können, wenn er sähe, wie ein ernster Professor ein Musikstück bewegungsmähig und unter Ausschaltung aller Bewegungshemmungen auf sich wirken läßt. Wie er fein Muskelfpiel beobachtet und immer wieder kontrolliert, wie er nach den „angemessenen Freiübungen" zu einer bestimmten Musik sucht, und wie er oft beim Erklingen der ersten Töne in einer Art von „Schreckbewegung" feinen Körper sich widerstandslos ducken oder zusammenzucken läßt, um das für eine Melodie typische Bewegungsbild für die Filmkamera der „Forschungsabteilung für vergleichende Musikwissenschaft an der hamburgischen Universität" zu erhalten. Der Laie würde sich nicht minder wundern, wenn er erfahren würde, daß man aus einem Musikstück „heran s l e s e n" kann, wie oft und wie tief fein Urheber während der Gestaltung geatmet hat, ob er die Melodie mit geschlossenen oder geöffneten Augenlidern, sitzend oder stehend, während einer Linksherum- oder Rechts- herumdrehung feines Körpers erfunden hat ... Wie man alles dieses auch auf di« rassische Sichtung musikalischen Volksgutes anwenden kann, wurde kürzlich in einer grundlegenden Schrift „Neue Wege der Volksmusikforschung", Hamburg 1937, bis in viele Einzelheiten hinein behandelt. Die Forschung aus dem Gebiet Musik und Rasse hat gewiß noch einen weiten Weg der Entwicklung vor sich. Aber das eine läßt sich heute schon sagen: Der gestaltende Mensch und das von ihm gestaltete Werk lassen sich biologisch nicht voneinander trennen. Wie wir uns bewegen, so sind auch unsere Werke, unsere Tänze und Märsche und alle Melodien, bei denen die Bewegung weniger sichtbar, aber doch immer, wenn auch in kleinsten Ansätzen wahrnehmbar hervortritt. So werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bloß geiftige Verlegungen, nicht gefühlsmäßige Wertungen, nicht nur naturwissenschaftlich-mechanistische Messungen zu einer uns allen am Herzen liegenden Klärung der Zusammenhänge zwischen Musik und Rasse führen, sondern der Weg geht auch hier über die „Be — wegun g". Nur aus Handlungen kann man den Menschen erkennen, nur aus vielen Einzelmenschen das Geheimnis ihrer völkischen Verbundenheit und nur aus dieser Volkheit endlich das, was die eine Rasse von der anderen unterscheidet. Dabei aber kann uns die Musik besonders gut helfen. Denn sie ist, nicht nur schöner Klang, nicht nur Unterhaltung oder seelische Trösterin. Sie ist Trägerin unserer verborgensten Bewegungen und damit beinahe — eine Gefahr für alle, die sich nicht gern in'die „seelischen Karten" blicken lassen möchten. G'ück im (Warfen. Von Ruth Schaumann. Ja, er ist da und sie ist da. Der Garten und die Freude dran! Nicht wußte ich, wie mir geschah, 211 s mir zum erstenmal mein Mann Zwei selbstgezogne Tulpen bot, Die eine weiß, di« andre rot. Päonie blüht und Kaiserkron, Gelbveiglein und die Akelei. Ein eignes Heupferd sing der Sohn Mit einem lauten Jubelschrei, Und klagend zeigt die Jüngste an: Mich biß ein wilder Löwenzahn I Vier Kirschen trug der kleine Stamm, Fünf Eier barg das Hänflingnest. Nesthäkchen knüpft sein Spielzeuglamm An einem Lilienstengel fest, Dort steht es still im Sonnenlicht, Als weide es Vergißmeinnicht. Ein Vogel hat am Zaun sein Grob, Der Eisenhut steigt dort empor. Zwei Täubchen fliehn am Deichselstab Wohl hundertfach aus seinem Flor. Ein Hälmchen, dünn und abgeblüht. Der Regenwurm ins Erdreich zieht. Das Regenfaß ist ausgeleert, Das Beet ist feucht und sprießt voll Macht. Der Iris blaues Blütenschwert Der Biene Vesperschlaf bewacht Sie hat für heut genug getan Und kleine Honighosen an. Wie geht die Mutter so beschwert, Wie sinkt der Zweig voll süßer Tracht! Wer hat euch die Geduld gelehrt? Ein Fleckchen Erde, sagt sie sacht, Er geht und sinnt und steht und schweigt. Und tiefer sich dec Wipfel neigt. Ein kleines Fleckchen Eigentum Ist mehr als eines Zepters Glanz, Der stillste ist der größte Ruhm, Mehr als die Krone gilt der Kranz, Wie jener, den der Schwestern Paar Sich wechselnd drückt ins offne Haar. Des eignen Maulwurfs Hügelbau Weckt keinen Zorn, was lebt, das lebt! Der eigne Schnee, der eigne Tau, Die Spinne, die am Gatter webt, Hat alles seinen eignen Sinn — Ernst beugt sich Dank zur Erde hin. Und kommt das eigne Abendrot Vom Weidenbaum herabgeträuft. So ahnt das Herz den eignen Tod, Darüber sich einst Erde häuft. Was lebt, das lebt, so flüstert sacht Der kleine Garten durch die Nacht. Oer beste Mann im Lager. Von Karl Heinrich Waggerl. Es stand schlimm um unsere kleine Gesellschaft, damals, als mir am Roßrivsr im Nordland Winterquartier bezogen hatten und sehnsüchtig auf den Frühling warteten, Unser Erfolg, ja, unser Leben, alles hing davon ab, daß es endlich wärmer wurde, daß wir mit dem Waschen beginnen und dieses elende Land verlassen konnten. Wir waren gemachte Leute, das stand fest, wir hatten es durchaus nicht mehr nötig, uns jeden Tag am Seilzuge müde zu schinden. Aber vor fünf Tagen hatten wir den ersten Mann verscharrt, Battle litt unerträglich an seinen erfrorenen Daumen, und ich selbst merkte des Nachts, das meine Glieder lahm wurden, wenn ich zu lange aus derselben Seite lag. Ja, es stand schlimm mit uns allen, wir saßen untätig.und kochten Tee aus bitterer Weidenrinde, um den Skorbut abzuwehren, und wenngleich niemand klagte, so wußten wir doch, daß uns nicht mehr retten konnte, nichts als frisches Fleisch. Wärme und Bewegung. Wir waren mißmutig und gereizt, wie Tiere in der Not, und selbst McShot, der ein so tapferer Kerl war, selbst ihn mußte ich einmal von der Sandbank holen, als er dort im Schnee hockte und weinte wie ein Kind. In diesen Tagen, die so trostlos langsam verrannen, grau und kalt — in dieser ganzen Zeit blieb Jack der beste Mann im Lager. Ich muh sagen, daß er mir nicht aufsiel, so lange es uns gut ging, er schwieg und arbeitete und sah übrigens nicht gut aus mit feiner untersetzten Figur und seinem platten Gesicht. Aber je mehr uns die furchtbaren Plagen des Nordlandwinters übermannten, desto mehr trat Jack hervor, feine unverwüstliche Kraft, fein prächtiger Mut. Als es so kalt war, daß unser kanadischer Speck spröde wurde wie Milchglas, da hieb er noch Löcher in das dicke Flußeis und versuchte, Fische zu fangen. Er verfolgte auf Schneeschuhen einen Elch. Nach drei Tagen kam er zurück, erschöpft und bleich, aber er trug frisches Fleisch auf der Schulter. Elch- braten für drei Tage, jawohl. Allein, auch das half nichts, wir sahen das Ende grausam nahe. Es mag fein, daß ich damals eben daran war, den Verstand zu verlieren, jedenfalls geriet ich ganz unversehens in sinnlose Wut, als Jack eines Morgens vor mein Zelt tarn und Proviant für drei Tage verlangte. „Proviant?" brüllte ich. „Bist du betrunken?" „Schrei nicht so!" sagte Jack ruhig. „Gib mir vier Mahlzeiten. Ich will fort, ich habe eine Spur." „So, eine Spur! Schön, mein Sohn. Aber da sind acht Leute, du Grindkopf, und da ist Essen für fünfzehn Tage, nicht mehr! Vier Mahlzeiten! Bist du hier Koch? Ein Dreck bist du, wenn du das wissen willst!" Ich hätte so etwas natürlich nicht sagen sollen. Jack schlug augenblicklich zu. Es war der gewisse tödliche Hieb mit der Handkante an den Hals und ich fiel auch sofort um wie ein Sack, war für etliche Minuten so tot, wie man es nur sein kann. Ader der Schlag hatte meine Schuller gestreift, er saß nicht ganz richtig, und so kam ich nach einer Weile doch wieder zur Besinnung. Ja, ich war ganz klar im Kops und versuchte natürlich gleich, mich aufzurichten. Aber das ging nicht. Ich wollte den Kopf wenden — nein. Eine ganze Weile brauchte ich, um herauszu- bekommen, was mit mir los war. Arn meisten störte es mich zunächst, daß ich nur mit einem Auge sah. Das andere war geschlossen, es schmerzte nicht, aber ich konnte es nicht ausmachen! Kurz, ich war gelahmt, es mußte wohl irgend etwas an meinem Rückgrat in Unordnung geraten fein. Ich fühlte keinerlei Schmerzen, und Übrigens hörte ich auch ganz gut. Hinter mir vernahm ich ein mörderisches Geschrei, ich konnte die Stimmen genau unterscheiden: „Ruhe, Jack!" brüllte Battle. „Halt still, Kerl! — Donald. He! So faß doch endlich feine Beine!" Was nun folgte, war nicht mehr gemütlich für mich. Die sechs Leute rauften mit Jack und plötzlich geriet ich selbst unter ihre Füße. Ich lag da, nicht wahr, und konnte meinen Schädel keinen Finger breit weg- rütfen, wenn ein eifenbeschlagener Absatz über meiner Nase schwebte. Was für ein Prachtkerl war Jack übrigens! Sechs Leute mußten eine halbe Stunde daran arbeiten, ihn hinzulegen. Endlich bekam. Donald doch feine Beine zu fassen, und das entschied den Kamps. MeShot nahm das Wort. „Jack", sagte er keuchend, „ ich verstehe dich nicht! Mein Freund. Recht muß fein, das weißt du. Es ist eine Schande, wie du dich aufführst!" Jack konnte das offenbar nicht einsehen, er schwieg zwar, aber zuweilen versuchte er, mit einem Ruck die Riemen zu sprengen, die ihn wie ein Bündel zusammenschnürten. „Es tut uns ja leid", fuhr MeShot fort, „du kannst mir glauben, daß es uns leid tut, wenn wir dich hängen müssen, in dieser verfluchten Gegend. Du bist unser bester Mann, Jack, aber das hilft nichts, hängen müssen wir dich." Sv stand es also, Jack wurde ausgeknüpft, der Totschläger. MeShot wußte recht gut, daß er mit Jack wahrscheinlich auch die 'übrigen zum Tode verurteilte. Aber kein Recht ist unbeugsamer, als das Recht im freien Norden — es erhob sich keine Stimme für ihn. Ich selbst aber, der Ermordete, ich lag da, und mußte alles mit ansehen. Meiner Treu, ich habe allerlei mitgemacht, ich saß einmal eine Nacht in den Sümpfen auf einem Grasschopf, der zollweise unter mir wegsank; aber nichts war schrecklicher, als die wenigen Minuten, die es währte, bis Donald die Rolle des Seilzuges höher geknüpft hatte. Ich strengte mich an und versuchte jedes Glied meines Körpers, aber vergeblich. Um jeden Preis mußte ich ein Mittel finden, mich bemerkbar zu machen, ich wurde wahnsinnig bei dem Gedanken, daß ich vielleicht eine Minute, eine Sekunde damit zu spät kommen könnte. Eine Weile hoffte ich auch, man werde mich doch noch einmal untersuchen, aber schon schleppten drei Leute den armen Jack zur Rolle. Donald stritt mit Battle darüber, ob die Seine halten werde. „Sie ist gut", sagte er erregt. „Jack, was meinst du, genügt sie dir?" Ich sah gerade vor mir, wie man Jack an den Mast lehnte und seine Beine lo^band — in wenigen Augenblicken mußte alles entschieden sein. Da bemerkte ich plötzlich einen bereiften Spinnfaden, der über mir an dem Ast einer Weide hing. Er pendelte langsam hin und her, und es fiel mir ein, daß es vielleicht mein schwacher Atem war, der diesen weißen Faden bewegte. Sofort versuchte ich, recht kräftig und gleichmäßig zu atmen. Wenn nur einer von den Leuten bei Verstand war, so mußte er diesen Faden bemerken, der in der Windstille so sonderbar baumelte. MeShot rückte eine Proviantkiste unter die Rolle, und dann Hoden sie Jack hinaus. Jack, schrie es in mir, sieh her! — Ich blies und blies, mein Faden wehte. Aber Jack sah nicht her, er drehte mir den Rücken zu. MeShot prüfte noch einmal die Schlinge, und dann streifte er sie Jack über den Kops. Zugleich aber sagte MeShot etwas, der Himmel segne ihn dafür! „Dreht ihn um!" sagte MeShot. ,Lch kann den Knoten nicht richtig legen!" Ja, und dann sah Jack mich plötzlich an. „Auf drei also, Leute!" erklärte MeShot in diesem Augenblick, „ich zähle." Allein MeShot hatte noch nicht zwei gesagt, als Jack lebendig wurde. Er hob den Kopf und beugte sich vor. „Brav, alter Freund!" sagte Donald; aber plötzlich machte Jack einen Satz und stürzte auf mich zu. Nun, ich bin damals sehr rasch wieder munter geworden. Jack verstand sich darauf, einen Toten wachzurütteln! Ach, er war ein prächtiger Kerl! Wir sangen noch die ganze Naiyt, wir armen Hunde im eisigen Nordlandwinter! Und später, als unser Lager von den Eingeborenen zersprengt wurde, war es wieder Jack, der uns auf einer Elchspur durch die Sümpfe nach dem Süden führte, mich, Donald und MeShot, seinen Henker, Deraniwörtlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen. Jahrgang 1958 Freitag. den l Iutt Nummer 50 Blue Die P e st. Hricht vom Rückzug der Franzosen aus Ruß- hncht vom Rückzug der Franzose °ch 1 Sibrn >r et || r M ireis nt nicht n Bild ta Wsch ii Güsh i. Endli len W > erj«l|i litte i als K dlich (tit ib HW u tennt: I je Bi«; rüd. und sis n ranl, in m. Em >ie so ii e jiemli «Kten, weil er die Gefangenen entkommen ließ, er roofie sein eigenes Leben gerne für die Königin geben ... Aber schon stieg die Sonne über den Wllstenhöhen — vielleicht hatten die feindlichen Faydan bereits die Stadt umzingelt. In rasender Flucht nur liege die Hilfe ... Reite die Königin nicht so gut wie ein Araber?! Hefter läßt sich den letzten gefangenen Faydan vorführen: er schwört, [ein Stamm werde nur Nassr bekriegen — und dann die Melika königlich empfangen! Sie wendet sich an Bruce: „Also fliehen wir — um Nassrs willen ... Haben Sie nicht gestern erzählt, auch Zenobia sei aus Palmyra geflohen?" Bruce lächelt: „Ja, Hefter. Und auf dieser Flucht hat sie einen ihrer Ratgeber ge- I opfert ..." r Frauen und Kinder umringten die weiße Herrin weinend und W --l----- itrth hto VfönnYttr norfünSofpn „Eines Tages werden Taufende von Menschen Obdach bei mir suchen, ich werde für ein ganzes Volk zu sorgen haben." „Doch nicht für die Beduinen?" Hinter Bruces korrekter Frage lag ein mühsam unterdrücktes Lachen. Hefter blieb unbeirrt: „Welches Volk es fein wird, weiß ich noch nicht. Aber ich sehe das oanes/tCu ba auf dem Stuhl sitzest." pictasy t auf den Teller und hütete sich, zu wider- ir Stanhope das mutige, stolze, schöne Weib, ntasie und Leidenschaft; er liebte den klugen •nb schweigen und alle Strapazen ertragen m ihr, der zuweilen in Rütteln sprach und er hin in lächelndem Verstehen als kleinen tadellosen Geschöpf. Rur wenn sie mit einer chie^ konnte er sich ärgern. | _ Dann ritten sie westwärts, der goldene Sand wirbelte unter ihren Öufen. Dreihundert feindliche Reiter vom Stamm der Faydan waren lesichtet worden; sie folgten den Spuren der Königin. Zwei Tage hetzte flaffr öie Kavalkade von zehn Uhr morgens bis Mitternacht, ohne Wasser ! die Pferde, ohne Speise für die Manschen. In der Nachhut gab es I Gefechte, fOgar Nassr entfernte sich eines Tages, um mit fliegendem Haar sagen Feinde zu reiten. Hefter befahl Meryon zur Pflege der Verwundeten. Aber er kam -Uld wieder entrüstet zurück. Was war mit Patienten zu machen, die ihre ochüffe in Kamelharn badeten — und wenige Tage darauf kaum mehr warben befaßen?- — _ .An einem Apriltag voll Glanz grüßten die Berge herüber, die grünen -nisten von Hamah. Die Wüste war zu Ende, der Traum einer Königin Palmyra. Nach einem großartigen Festmahl nahm Nassr mit könig- !4)er Geste zweitausend Piaster aus der Königin Hand. „Du wirst wiederkommen, Hefter, Stern des Morgens! Du wirst die I ^uste nicht vergessen, wie wir dich nicht!" | .Zwei junge Beduinen ließ er ihr zurück, als Pfand für ihr König« 15■ Aber die Jungen siechten dahin in den saftigen Triften von Hamah; m Rand der Wüste erkannt, die als franzö- /■ * w mrchstreifen und wohl den Zug nach Indien „Pierre", sagt sie eines Tages zu ihrem Koch, dem alten Veteranen Napoleons, „glaubst du, daß Bonaparte durch die Wüste nach Indien marschieren könnte?" „Ja, Herrin. Er hat zu Unrecht Europa als Schauplatz erwählt. Wenn Napoleon zu uns kommt nach Asien, werden Millionen mit ihm marschieren, die Welt wird ihm untertan sein und sein Reich Jahrtausende dauern!" Palmyra, die Perle der Wüste, hat Hefters Sinn betäuben können, es hat sie nicht das Bcrgeffen gelehrt. Indien! Es gehört zum Letzten, was Pitt ihr mit feiner warmen, geliebten Stimme anvertraut: „Das Schicksal Indiens hängt an Wellesley — ich hoffe, es ist gesichert für England!" — 6in blauer Sommer zieht übers Gebirge, während Hefter mit Bruce unter Sykomoren und Oliven nach Gazellen jagt. Ein Erwachen zieht durch ihre Seele. Indien — soll es verloren sein für England? ..Die^Welt^ stellt in Wammen — vielleicht vor dem Anbruch einer „Gewiß, Mylady, außerordentlich scharmant... Ganz George Brum- .----- —--- t~- Colour & Grey Control Chart SicRcnctSamilienblälter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger iit Sl'l’l isgeMM urnen- 1 : Fr»D 5ibn«5 '■ bann 'M Hierin < iüige °V mürbe. ■ T ( traf1! D!ac3«|!fl ßiaml?! Sie “ | V * | Ocm 1 2 3 läter *v für. ; rebeif . irlc M ne"' -I M *A unb [ |d