Jahrgang 1938 Montag, -en 24. Oktober Nummer 85 nL» ^ernriette And in der Tür, als Christine ankam. Sie brauchte rem Wort zu sagen, Christine wußte, daß sie zu spät kam die Wangen $räuleh’ umarmte Christine und streichelte ihr unaufhörlich „Göttchen, Fräulein Christine, er hatte nur noch gute Wort« für Sie. Er wollte ja wohl auch nicht mehr." x Christine wollte in das gewohnte Schlafzimmer eintreten, das neben dem Arbeitszimmer lag. ... '^ein", sagte die alte Wirtschafterin, „hier unten wohnen jetzt Ausländer. Die hat uns die Regierung einquartiert." Christine ging die Treppe hinauf. In der oberen Diele stand der Arzt und wartete. „Fräulein von Rucktasch", sagte er, „liebes Fräulein von Rucktasch." Christine gab ihm die Hand. ' „Warum Wort«, Doktor? Keine Worte bittel Wo liegt mein Vater?" Das Gesicht des Toten war erschreckend blaß und klein Die Hände waren gefaltet. „Er hat einen leichten Tod gehabt", sagte der Arzt. Wahrscheinlich Herzschwäche. Das Herz setzte geradezu aus, als ob es nicht mehr weiterwollte. Dann schloß der Arzt die Tür und ließ Christine allein. Christine kniete neben dem Bett nieder. Sie hatte keine Gedanken Sie hatte keine Tränen. Sie legte ihre Stirn aus die Hand des Toten und streichelte einmal ganz leise über seine Schultern. Dann stand sie auf und sah auf den Garten. Es war der Blick ihres Mädchenzimmers. Der Blick, den sie mitgenommen hatte, damals, als sie das Haus verließ. Der Kirschbaum war abgeblüht, ein feiner Strichregen lag wie ein dünner Vorhang vor dem Fenster. Sie umfaßte das Fensterkreuz mit aller Kraft. Hier war sie herunter- gesprungen. Hier war sie einsam gewesen. Man wußte ja nicht, wie geborgen man war, dachte sie. Ach, warum hat es keine Worte gegeben, sich zu verstehen. Man ist eingesperrt, jeder für sich, wie in einem Käfig, und man kommt nicht heraus aus feinem Käfig und kann dem andern nichts sagen. Ach, Paps, man kann sich ja nicht ändern, und es ist nun mal so geworden. Ach, Paps, ich hätt dich gern noch einmal gesehen. Nach einer halben Stunde verließ sie das Zimmer. Der Arzt wartete draußen. Er fragte: „Kann ich Ihnen mit irgend etwas helfen? Sind Familienangehörige zu benachrichtigen?" , lö gibt einen alten Onkel von Vater. An den werde ich telegraphie- I ten. Er ist so alt, daß er eigentlich schon im Himmel lebt. Sonst ist wohl niemand da." Die alte Henriette saß weinend in ihrem Sessel. „Hat mein Vater noch etwas gesagt?" fragte Christine. „Er wollte Sie sehen. Er hat von Ihnen gesprochen. Eigentlich ging es ihm ja besser feit ein paar Tagen. Er sollte doch nach Versailles. Er hatte ja plötzlich noch große Pläne. Dann hatte er noch den großen „Sri) komme sofort", sagt« Christine, „fehlt Vater denn etwas?" seht ihm recht schlecht." Christine legte den Hörer auf die Gabel kn? ? 6brCllfCn Augenblick vor dem Schreibtisch sitzen. Wenn der Vater ä,a& fle ft"« sollte, dann war es ernst; wenn es ernst war, hätte man besser nicht weggehen sollen. Sie ging auf den Flur und 30a den Mnr11 C rrVSie mit niemandem sprechen. Da stand^Pro- fessor Rottenbach schon neben ihr und fragte fie- „Was gibt es, Kind?" a 1 "®5 geht meinem Vater schlecht. Ich will sofort hinfahren." „Wenn Sie jemanden brauchen, Kind..." '/Ach. Professor, Sie haben ja selbst den Kopf voll Sorgen. Ich muß zunächst Horen, was der Arzt jagt." b ö . . ulte Henriette stand in Der Tür, als Christine ankam. Sie brauckte Kummer mit den Zwangsmietern." Henriette schwieg, und der Amt fuhr le>cht mit der Hand über die Schulter von Christine 3 fu9r Sie hielt sich die Hand vor die Augen und wischte dann ein wenia in den Augenwinkeln. Es gab ein so bitteres Gefühl 9 . ,"Ls u>tchl einiges erledigt werden, Herr Doktor" sagte sie dann „ich werde den Justtzrat anläuten..." Auf einmal merkte ü- dak n- NUN völlig einsam sei. Ach, es war etwas anderes, zornig auf ein 33ater- to |em und enttäuscht. Es war doch da. Man dachte a gar nicht nach. Man erwartet doch eines Tages... 1 1 niq>t < ^J3 sle unten am Telephon stand, begann sie zu meinen. Sie klinaett« Life Lutzowplatz an. Er brummelte erst etwas Als er hörte von Milom"zü rufen f handelte, erklärte er sich bereit, den Herrn mir'Mfenr e" meln B°t-r ist gestorben. Wollen Sie ** fam" Cr hatte in fünf Minuten das Geld aufgetrieben um toie^ei^guter »Sr6"- bem $8a9en ba- benahm sich "Christinchen" sagte er und streichelte ihre Hand. Er telephonierte mH ftißrat. Er telephonierte mit dem Begräbnisinstitut Er führte rllce ln b“s tfeme Wohnzimmer im oberen Stock, legte sie aus das Ruhesofa und deckte sie mit dem alten, gewürfelten Plaid zu „So, nun nehmen Sie das mal, Christine." Er gab ihr ein welkes ^Unmr" or- streichelte über ihr Haar. Er war da. ° srn» brachten ein paar Worte über den Tod des Geheim- 3^ ^ber er hatte wenig Freude an seinen Nachrufen gehabt Ueberaö .stund, der Sohn des berühmten Malers Christpoh von Rucktasch sei ae- ftorbem Dann folgten viele Zeilen über die berühmte Erzellen, und ein p°°r Worte über das fleißige und geachtete Leben des Sohnes Nur n einer Zeitung, die dem Auswärtigen Amt naheftand, las man daß der Verstorbene in bem Augenblick von feinem Wirken abgetreten fei wo iz “s 5"“-n-to- <»>*"■ Photographen kamen und nahmen eine Photographie von ihr in dem (einen Rimmer von Frau Hinterzart auf. Depeschen kamen, fremde Leutt ließen sich melden. Aber von dem Gute des Onkels liefen nur tin paar Seilen em oon ber Hand ber Tante. Der Onkel hatte nur in kaum (efer- I licher Hanbschnft feinen Namen daruntergefetzt aetehrt nkun °ud) Hinrich aus Amerika zurück- getegrt sei. Er werde nun wohl das Gut übernehmen ™e„T "ur Heinrich? dachte Christine. Das war das Geheimnis der I ??beren Rucktafchs. Sie hatten alle ihr Geheimnis Sie hatten alle ihr frf;mere5 StudJBlei im Koffer, wie Onkel Paul gesagt hak. b Das Vermögen bas der Geheimrat hinterlassen hatte, war sehr klein I uusnahmslos in Kriegsanleihe angelegt "Wünschen Sie eine andere Verwertung?" fragte der Justizrat. ffhriÄn,U^e'?^ es so bleibt, wie Vater es ungeordnet hat", sagte Haus mochte ich verkaufen. Wir haben Zwangseinquar- st^ung, und es hat für mich keinen Zweck, dort mit französischen Offi- | Zieren in Zivil zu leben. Die Möbel sollen auf einen Speicher gestellt "ch""" ®ro6"01"- *"* 611 »«»--. d>. un6 gines Abends, es waren schon über vierzehn Tage nach dem Tode Christine: „Warum tun Sie das alles, Milotti? Es ist doch em Wahnsinn, ich nutze Sie ja ans." 'Eurum ich es tue? Schön, ich will es Ihnen sagen. Ich liebe Sie Christine Ich habe Sie gar nicht auf den ersten Blick geliebt. Aber Sie stnd — ich glaube, man soll Ihnen das nicht sagen — Sie sind hinreißend N^st'?^ Und nun werde ich gehen, und es geht überhaupt nicht mehr' Aber da Sie fragten, wollte ich Ihnen das sagen " „Was geht nicht mehr?" „Es hat sich noch mehr geändert", sagte Milotti. „Sie sind Erbin Sie haben einen Namen. Sie werden Karriere machen, und ich war glücklich daß ich Ihnen helfen konnte." 1 u ■ "D^Si3 gehen wollen was auch besser ist, Milotti, werde ich Sie ctnJ?ch null Ahnen janstem Atem über die Uferstraße. Das Laub der Kastanien schimmerte SSESSSiSä —’S-:™ -: "as sj’Sffir °b«« Ä £ r* a*wM' ».n Sch-inbd «i-M-n, d-n» ich «”■ da ziemlich schlecht. e?ne^ganz"kleim° Zeichnung von ihm darauf. *" ber Welt. Es ist merkwürdig." . . beii)el Kommt gut durch » « »»-' 8r,"n6 ®S‘?l,la„8 bu d-- nW Hl. Dieses: Stirb und Werde, Bist du nur ein trüber Gast Aus der dunklen Erde.' Euer Wohl, Kinder!" * “ÄÄ**®** SÄ« in d«mW WMMEMUr herum, hielt sie mit seinen Händen ein wenig von PJ nimm, Christinei Es ist zwar unerträglich, du wirst Mit ,eoem ^age 60bS: iÄSiÄfi*.®“ '« ’ÄlttSS'SS MM.ll an b-r LSlch mS nämlich nach choule. ich bin d« Mdch-N Das Atelier in der Lützowstraße war ganz verändert. Man hatte sily mit dem Wirt geeinigt, einen Teil der Möbel übernommen und vieles dazugekaust Aus dem Schlafzimmer von Milotti war rin Eßzimmer ge- eine gedruckte Einladung zu rinem Maskenfest. Christine sah ihre Briefe von außen an, ehe sie "blegte. „Ach, Hans, ich glaube, es ist ein Auftrag Darunter! Die Bank schreibt auch, was to0 TOHoth half'chr'beim Ausziehen des Jacketts. Als er hinter ihr stand, nahm er sie einen Augenblick ganz leicht in die Arme. Sie bog sich zurück. ®' R>Ä M. »dd.: „ch.»., da I weißt ich bin neugierig! Hans, ich muh die Briefe seht lesen! Hans, du lollli 'vernünftig sein ich muh mindestens den Bries von der Bank lesen! Vernunft an, du läßt einen noch nicht einmal Briefe lesen! Wie |ou oas ""^Sie^rih sich^ los und ging in das Atelier. Dort ux>r >hr Lieblingsplatz in einem tiefen Sessel dicht am Fenster. Man sah von hier durch ine hohe Schribe über Den ganzen Platz mit seinen herbstlichen Baumen, man sah ^enÄ Nchch-n. das neben dem Sessel stand, öffnete einen schweren Büttenumfchlag, der ein Wappen trug und Überfian5bie93mlIrbnn)Q9! Lady Grace freut sich, uns heute abend zu sehen, und" will mit mir die nächste Sitzung verabreden. Hans, hast du eigent- lid) e^™Q®a^ltn^rc^Qg ®it Mr, du Strolch!" sagte Milotti. „Ich will nur etwas mit dir haben, und ich werde nur etwas mit dir haben! Deine $U1sTOi'faHl blieb stehen. Er streichelte ein paarmal die. schmale Schulter, !an^n.g|ÄiS1iriröt& Me •"SÄ*** •* SÄ«.. NWI. d» d-mm., kehrten sie um und gingen wieder mit grohen langfarnen Schritten den , üserweg zurück. Milotti sang plötzlich mit seiner klaren, hübschen Stimme. fiätt’ ich Gut und hätf ich Geld, Zog' ich mit dir in Me Welt. Hab' nicht Geld und hab' nicht Gut, Kauf ich einen Narrenhut, Oh, Christine ..." . Dann sagte er, indem er Ihren Arm preßte: „Christine, ich weiß, wie Die' surchtbarei?vier Jahre, das Entsetzen, als man zuruckkam, und nun, Christine, — darf Ich fluchen, Christine? „Wenn's dir Spatz macht kannst du alles tun was du willst! Also hol's der Teufel, Christine, ich bin glücklich! Er fah plötzlich, als sehe er es zum erstenmal an MefemAbend, Christines S«WA HÜ S ri»zÄ mä g3 märe gut gewesen, wenn ich meinen Vater noch hatte sehen Innern | <1m tor aen tiä te r die Heirat mit einem Maler me erlaubt .. Lassen m?r den allen Herrn ruhen, er hatte ein schreckliches Leben - sein Leben, yjans, ich will meines, du wirst noch erschrecken, wie sehr ich meines lCb6i”roaren fast bis zur Potsdamer Straße gekommen. Christine hielt: llns ;ebt wollen wir beide ganz allein eine ganze Flasche Jtotwein trinten" an bemheften, Mr in dem Lokal ist da irgendwo in der Potsdamer Sttaße Ich gchube es besteht noch. Ich habe da mal Speisekarten mll Zeichnungen von Großvater verkauft. Uebrlgens, die Villa l)°be ich auch zu,n Verkauf gestellt. Ich kann da doch nicht wohnen, und> wir beide wollen hnrt nicht wohnen Außerdem, wir bekommen ja die Villa doch nicht tret. Es ist v elllich" falsch wenn ich nachdenke, was der alte Graefer sagte, kommt es mir vor als sei es salsch! Aber was soll man tun? Die alte Weinstube lag in einer Nebenstraße. An den Ästchen fußen «.«.“X H«ft"».> M »»«. Di. »d-nchlnn, war schlecht. An einem Ecktisch aber faß Professor Rottenbach. ffr (ah erstaunt auf, als er Christine und Milotti erblickte. Sie streckte ihm die Hand hin und schüttelte die seine mit festem Dru . Während sie noch seine Hand hielt, sagte sie: ..Herr Professor, dies ist mein Verlobter, Hans von Milotti, auch ein Maler. Wir wollen in ganz ßab?D®rneC hat einen so schönen Mund, Hans, und ich habe einen so häßlich geradezu ein Skandal, wie eine Frau. Me latent hat'und de zeichnen kann, so salsch über Münder spricht! Dieser Mund ^on der LÄ>y Grace- ach, wenn man ihn küßt, öffnet er sich ein wenig, unb sie schließt dann die Augen, und das Ganze ... man denkt an das Ganze nicht meh? Dein Mund, Christine ist wie ein Befehl, wie^n fBefebl zur'Liebe, und wenn man ihn einmal geküßt hat Christme ... auf Hans! Ich werde dir die Erlaubnis entziehen, in dieser Weise mit mir zu sprechen! Außerdem laß mich jetzt wirklich lesen. Mllotti"ging ^zu $ber ’ Staffdet^'auf der bas angefangene Sito eines iunaen Menschen von sechzehn Jahren war, bem Sohn bes englifdjen Bot° ichafters Der Jüngling stand nachlässig da, das weiße Wollbemd war am kivls aeöffnet, die blauen Augen fahen in eine unbestimmte Ferne. Hinter ihm war die Andeutung einer Landschaft, eine Herbstlandschast in merkwürdigen rostbraunen Farben. (Fortsetzung folgt.) Beeren -es Herbstes. Von Anton Schnack. Ihretwegen ist der Herbst so schön: Vögel sind jetzt'über allen Meeren. Und sie kröpfen 'auf der Rast Wacholderbeeren, Ernst und dunkel steht der Busch auf Höh'n, Schwarze Kugeln an den Nadclspeeren. An den Bauernstraße glüht es feuerrot, Alle Ebereschen tragen Beerenglocken, Und die Drosselschwärme im Geäst srohlocken. Warum habe ich nicht auch so leichtes Brot Wie die Vögel, froh und unerschrocken! Leise fällt die Frucht vom Schneebeer st rauch, Schwermutsstille ruht auf allen Gärten, Hunde bellen auf den Hasenfährten, Wer macht Feuer mit dem blauen Rauch? Hirten stehn daran mit langen Bärten. Winzer ernten auf den Hügeln Wein, Und ich sehe ihre Traubenmesser blitzen, Meine Trauben sind die Berberitzen, Und mein Weinberg ist der Sträucherrain, Blätterbraun bis in die Rutenspitzen. Von dem Sommer weiß ich nicht mehr viel. Kehrt es nicht in jedem Jahre wieder: Mädchenkuß gestohlen untcrm Flieder? Run glänzt schwarz die Beere schon am Stiel, Und im Windstoß fällt sie lautlos nieder. Traumversponnen streift der Wand'rer aus Inadas wilde Heckenland der Schlehen. Einstmals war hier weiße Blütenpracht zu sehen. Doch jetzt hängen Früchte frostverwelkten Blau's. Ach, wie schnell die Tage kommen und vergehen! Oer Brunnen. Von Hermann Hesse. Zum erstenmal wieder nach Jahrzehnten fuhr ich mit der kleinen Bahn durch die sommerlichen Waldhügel der Maulbronner Gegend, stieg an der verschlafenen Haltestelle aus und wanderte durch den feuchten, moorigen Wald nach Maulbronn hinüber, froh zugleich und beklommen m der Erwartung des Wiedersehens, denn hier hatte ich in den sagenhasten Jahren der ersten Jugend Wichtiges erlebt. Ich roch den bittern Laubgeruch, ich sah zwischen Buchenzweigen den Elfinger Berg und den runden Eichenhügel über den Weinbergen und alle die andern Spielplätze meiner Schülerzeit liegen, ich sah im warmen Dampf des Tales hinter Lindenwipfeln die spitze Turmnadel erscheinen und ein Stück des langen Kirchendaches, und es strömte mir aus hundert plötzlich brechenden Dämmen unsagbares Gefühl des Wiedersehens entgegen: Erinnerung, Trauer, Mahnung, Lächeln, Reue, Bangigkeit des Angeworbenen, tiefe, neu erweckte Liebe, aufgefchreckte Sehnsucht, auf flatternden Flügeln taumelnd. O wie sehr liebte ich dies alles, was meine Augen hier wieöererkannten und zu eigen nahmen, wie sehr hatte ich mich nach alledem gesehnt und es vermißt, und wie wenig hatte ich von meiner Liebe uni) Sehnsucht gewußt, wie tief hatte sie so viele Jahre geschlafen! O Tal, o Wald und Teich, o Spielplatz unter den rauh gewordenen Aesten der alten Eichen! Und in der schwülen, feuchten Hitze niedersteigend, nahm ich mein Herz zusammen und schritt in festem Takt, an der alten Post vorüber und am Hirschen durchs Tor hinein, auf den Klosterplatz und über ihn hinweg den Linden, dem Brunnen und dem „Paradies" entgegen, der wunderbar gewölbten Vorhalle der Sommerkirche mit ihren überschlanken Pfeilern. Ich sah Platz, Bäume und Gebäude in seliger Halbwirklichkeit stehen, genau nach dem Bild meiner Erinnerung gestaltet, hörte warm und dumpf in den blühenden Linden Bienenvölker summen, trat untcrm hohen runden Bogen hindurch in das „Paradies", stand überrascht, von regungslos verzauberter Steinkühle umwittert, tränt tief den ernsten Wohllaut der Fensterbogen und schlanken, lebendig wachsenden Pfeiler, sog falte Klosterluft in tiefem Atemzug — und wußte plötzlich alles wieder, alles, jede Treppe und Tür, jedes Fenster, jede Stube, jedes Veit im Schlaffaal, den Geruch der Dormente, den Geruch des Pro- fefforengartens, und den der Klosterküche und den Ton der Morgenglocke! Es war alles wieder da, es fehlte nichts, ich konnte hier hlindlings weitergehen und jeden Weg im Dunkeln finden wie vor Jahrzehnten. Ich atmete befreit das süße, seltene Wunder: Heimatlust, dem Heimatlosen und Wanderer so ungewohnt, so schön und fremd, so ganz und gar neu! Als wäre eine längst zerbrochene und beiseitegestellte Kostbarkeit über Nacht wieder ganz und schön und mir zu eigen geworden! Als stünden leliebte Tote neben mir und sähen mir in die Augen, darüber lächelnd, !>?b ich sie tot geglaubt. Als wäre nun alles wieder vorhanden, was 6'le fern und fabelhaft gewordene Jugend einst so vertrauensvoll und ^ich und köstlich gemacht: ein Vaterhaus, ein Vaterland, ein Glaube, iine Mutter, Kameraden, Gespinst der goldenen Zukunftsträume. Vom ersten Rausch etwas genesen, ging ich später weiter, dahin und dorthin, ohne Eile, kleine vertraute Gänge im friedlichen Bereich des Klosters und seiner paar Nachbargebäude, wo jeder Tritt, jede Stufe jeder vorstehende Nagel im alten Treppengeländer mir ehemals bekannt gerne [en war und wo tausend kleine Dinge dieser Art mir, wie ich mit Erstaunen l°h, noch heute ganz genau bekannt und vertraut waren. Ueberall lebendige Erinnerung, und hinter ihr, wie Reste alter Bilder hinterm spatem Verputz, sanden hier und dort sich Spuren noch tieferer Erinnerung ausleuchtend, geheimnisvolle Bruchstücke unbewußten Seelen- ebens von damals, überwuchertes und vergessenes, kaum mehr oerständ- liches Fortklmgen tiefster und einsamer Erlebnisse aus der mythischen Knabenzeit, da noch Ungeheures zu erleben und Unerhörtes zu erproben war. Wohin ist das alles entschwunden? Was ist daraus geworden? Was ist aus mir geworden, aus meinen Gaben und Träumen, meinen Planen von damals? Eines aber inmitten dieser Klosterwelt hatte ich vergessen, an eines v°"e >ch nicht mehr gedacht und dachte auch jetzt beim Umherschlendern und Wiedersehen nicht daran, es kam erst zu seiner Stunde wieder yeroor. Da drehte ich, zu einer Zeit, wo niemand sonst die verschlossenen Teile des Klosters betreten darf, leise den dicken Schlüssel in der schweren Xur und öffnete behutsam die Pforte zum Kreuzgang. Auch hier sand ich nichts, was nicht in meinem Gedächtnis treulich oorgezeichnet lag: gotisches Gewölbe und reiches Fensterwerk, rötliche und graue Stern» fliefen mit gemeißelten Grabsteinen dazwischen, Wappen und Abtstäde geheimnisvoll verwitterte Farbenflecke im alten Verputz, zwischen fleh' neunen Fensterkreuzen in beruhigtem Licht das satte Grün der Gebüsche zwe, drei Rosen dazwischen zärtlich und traurig leuchtend. Nun aber, da ich gegen die Ecke schritt, von keinem andern Laut erreicht als vom Hall meiner eigenen Schritte im Gestein, begann mir unendlich zart und hauchdünn eine selig seltsame Musik entgegenzuklingen, leichte, traumhafte Geistertöne mehrstimmig in versunkener Mono- tonie, nicht fern noch nah, wundersam und doch selbstverständlich als klänge die Harmonie des Bauwerks ernst und innig in sich selbst wider. Ich tat noch einen Schritt, und zwei, ehe der holde Klang mein Be- mußtsem erreichte. Da aber stand ich still, und mein Herz begann plötz- nch zu zittern, und wieder tat die Erinnerung feierliche Tore auf, höhere heiligere als zuvor, und wieder kam ein entschwundener Zauber zurück, und ich wußte wieder: Du Lied meiner Jugendzeit! Kein Ton der Welt, kein heimatliches Kirchengeläut und keine Menschenstimme von denen, welche noch leben, spricht so zu mir wie du, Lied meiner Jugend — und dich habe ich vergessen können! Verwirrt und beschämt trat ich dem Wunder näher, stand am Eingang der Brunnenkapelle und sah im klaren Schatten des gewölbten Raumes die drei Brunnenschalen übereinanderschweben, und das singende Wasser fiel in acht feinen Strahlen von der ersten in die zweite größere Schale und in acht feinen klingenden Strahlen von der zweiten in die riesige dritte, und das Gewölbe spielte in ewigem Dornröschentraum verzaubert mit den lebendigen Tönen, heute wie gestern, heute wie damals, die Jahre und Jahrzehnte hindurch, und stand herrlich in sich begnügt und vollkommen als ein Bild von der Zeitlosigkeit alles Schönen. Diele edle Gewölbe haben mich beschattet, viele schöne Gesänge haben mich erregt und mich getröstet, viele Brunnen in vielen Ländern haben mir, dem Wanderer, gerauscht. Aber dieser Brunnen ist mehr, unendlich mehr, er singt das Lied meiner Jugend, er hat meine Liebe gehabt und meine Träume beherrscht in einer Zeit, da jede Liebe noch tief und glühend, da jeder Traum noch ein Sternhimmel voll Zukunft war Was ich vom Leben erhoffte, was ich selbst dem Leben anbot und versprach, was ich zu sein und zu schaffen und zu dulden dachte, was von Heldenmut und Ruhm und ehrwürdiger Künstlerschaft meine ersten Gebens» träume erfüllte und bis zum Schmerz mit Fülle überquoll das alles hat dieser Brunnen in der Kapelle mir gesungen, das hat er belauscht und beschützt. Und ich hatte ihn vergessen! Nicht freilich die Kapelle mit dem Stern« Seroolb und den überschlanken Fenstersäulen und auch nicht die Brunnen- Halen und die lichte grüne Garteninsel inmitten der schweigenden Mauern; dies alles hatte ich nicht vergessen. Aber das Brunnenlied den süßen, gleichschwebenden Zaubergesang der sanft herabfallenden Gewässer, den Hort und Schatz meiner frühesten und reinsten Jünglingssehnsucht — ihn hatte ich vergessen können! Und stand nun still untraurig im vertrauten Heiligtum und fühlte jede Sünde und jeden Verderb in mir tief und unauslöschlich, und hatte nicht Heldentum noch Künstlertum erworben, welche an jenen Träumen gemessen nicht wertlos wären, und wagte nicht, mich über den Rand zu beugen und mein eigenes Bild im dunklen Wasser zu suchen. Ich tauchte nur meine Hand in die kalte strenge Flut, ins sie fror, und hörte stehend das Lied des Brunnens in die Gartenstille und in die langen, toten Steinhallen strömen, zauberisch wie einstmals, für mich aber voll tiefer Anklage. „Es muß für dich ein wunderliches Gefühl sein", sagte später mein Freund, „hier herumzugehen und an damals zu denken - Damals warft du ja voll Sehnsucht nach der Welt und nach der Kunst, und voll Zweifel, du wußtest ja nicht, ob irgend etwas von deinen Träumen sich würde erfüllen können. Und jetzt kamst du zurück aus der Welt und hast wirklich dein Ziel erreicht und deine Träume erfüllt, bist wirklich ein Künstler geworden und kehrst hierher zurück aus einer eroberten schönen Welt, aus einem Künstlerleben mit Erfolgen, mit Reifen und Festen —" „Ja, es ist wunderlich", konnte ich nur sagen. Dann setzte ich mich noch einmal unter den hohen Linden des Hofes nieder, stieg noch einmal zum alten Spielplatz bei den Eichen hinauf, schwamm noch einmal im tiefen See und reifte weiter, und wenn ich seither an Maulbronn denke, dann sehe ich wohl den Faustturm und das „Paradies", den Eichenplatz und den spitzen Kirchturm wieder, aber es sind nur Bilder, und sie kommen nicht recht zu Glanz und Leben vor dem sanften fBrunnengeläut in der Kreuzgangskapelle und vor jenen Erinnerungen, die hinter den andern (Erinnerungen stehen wie die Reste alter heiliger Malereien hinter der Tünche einer Kirchenwand. stellte vor: » „Herr Jensen — mein Mann/ „Na, ich will nur hoffen, daß Sie endlich der Halunken zu bändigen", sagte der Gutsherr. ,G' Wi-a-nlied. Volksweise. Da droben auf dem Berge Da wehet der Wind, Da sitzet Maria Und wieget ihr Kind, Sie wieget's mit ihrer schneeweißen Hand, Dazu braucht sie kein Wiegenband. Derantwortlich: vr. HanS Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl,che UniversitätSdruckeret R. Lange. Dießen. Oer Hauslehrer. Eine Geschichte von Erik Hassin. Tom stand ziemlich ratlos aus der Station der kleinen Lokalbahn, als aroei Damen auf ihn zutraten. Die eine war elne stattliche Vier xigerhi mit einem Gesichtsausdruck, den manche vielleicht charaktervoll, andere jedoch weniger schmeichelhaft „recht stramm nennen wurden Ader die andere — ach du mein Gott, Tom verschlug es fast den Atem - sie g'ich den Mädchen auf Schönheitsm.ttelreklamen also Wesen, die man gewöhnlich nicht aus dieser Erde oder Zum mindesten nur im Film anzutreffen erwarten kann. Sie war groß und schlank mit blondem" lockigem Haar, schelmischen Grübchen, Psirsichhaut und den tiefsten blauen Augen, die man sich denken konnte. Tom stand gang versunken in den Anblick dieser Schönheitsoffenbarung, als die altere Dame ihn anredete. „Sind Sie vielleicht Herr Jensen? Ja, allerdings, stimmt ganz genau, erwiderte er verwirrt. Mein Name ist Frau Lindvad, und dies ist meine Tochter Inge , unterbrach ihn die Dame, „nehmen Sie nur A^en Koffer, unser Wagen steht draußen. Wir haben einen Besuch in der Nachbarschaft gemacht, und da überlegten wir uns, daß Sie wohl mit diesem, Zug Eintreffen würden, und wir Sie alfo gleich mitnehmen konnten. Das ist außerordentlich liebenswürdig von den Damen." ".Setzen Sie sich hier neben mich, meine Tochter fahrt uns, dann kann ich Ihnen chon immer etwas von meinem Sohn erzählen. „Sehr intereffant", versicherte Tom, obgleich es ihm durchaus Meier- I haft war, weshalb man ihm von dem jungen Lindvad erzählen.wollte. Irgend etwas stimmte da nicht, wenn man von einem so reizenden ^°Mo rnem^Sohn Jens ist sozusagen eine Natur^intelligenz", wandte sich Frau Lindvad an Tom. „Er besitzt vorzügliche Gaben, und auch (ein Charakter ist im Grunde einwandsrei. Leider haben wir trotzdem viel Scherereien mit ihm gehabt. Er ist eben sehr temperamentvoll Seitdem er aus der altmodischen Schule in unserer nachstgelegenen Stabt fort’ geschickt wurde, bloß, weil er in lugendlichem Uebermut ein bißchen Fi chieim aus den Stuhlsitz des Lehrers schmierte und als Tierfreund ein paar weiße Mäuschen in der Schublade des Kathederpultes verbarg, haben wir schon fünf verschiedene Hauslehrer für ihn gehabt. „Ihr Vertrauen ehrt mich", versicherte Tom. Und diese fünf waren eben sämtlich keine guten Pädagogen. Wenn B. dieser Herr Tronö, fein letzter Hauslehrer, ma einen Sonntagnachmittag lang von ihm zu dem Schafbock eingefchlosien wurde, so ist das doch schließlich nur ein Jungenstreich, und Herrn Tronos Auffassung des Vorkommnisses mit daraus folgender Kündigung war viel zu p^>aniisch^ xnp wieder mal ganz ähnlich", entrüstete sich Toni (nein, wie süß ihr Haar in der Sonne flimmerte). Mittlerweile war der Wagen durch eine Kastanienallee gerollt und hielt jetzt vor einem großen, weihen Gutshause an. Em dicker, gut- wütig aussehender Herr trat auf die Treppe hinaus, und Frau Lindvad gesöhntSie, ich habe mich noch niemals in meinem Leben so wohl gefühlt wie hier!" sagte Tom eifrig, „allerdings habe ick mich um eine andere Stellung beworben die mehr in mein Fach schlagt, unb bie mir auch erlauben wird, ein eigenes Heim zu gründen; in einem halben Jahr kann ich ziemlich sicher darauf rechnen, fie an3u> treten — ob ich bann noch weiter meine Erziehungsversuche mit Ihrem Sohn unternehmen kann, glaube ich nicht versprechen zu können jedenfalls nicht in der bisherigen Form als Lehrer", fugte er hinzu und wechselte wieder einen warmen Blick mit dem jungen Mädchen. (Berechtigte Übersetzung aus dem Dänischen von Frida Erdmute Vogel.) der Richtige sind, um den „UIUIUCM ™ , „ Sie sehen eigentlich noch ziemlich jung aus, ich hatte einen etwas bejahrteren Mann erwartet, Tüchtigkeit hat doch gar nichts mit dem Alter zu tun, Vater", sagte da die reizende Inge plötzlich, was ihr einen strahlend-dankbaren ^Ich"hoffe" Sie werden ein paar Dutzend feste Rohrstöcke in Ihrem Koffer haben,' Herr Jenfen", sagte Herr Lindvad. Gerhard du weißt doch, daß ich ausdrücklicher Gegner jeder körperlichen Züchtigung bin!“ wies ihn feine Frau streng zurecht. Ich meine ja bloß als Verteidigungsmiilell" schmunzelte ihr Mann. Schon auf der Heimfahrt war Tom allmählich ein Licht über die Sachlage aufgegaugen. und jetzt war er sich ganz im klaren darüber: man hielt ihn aus irgendeinem Grunde für den erwarteten Houstehrer de--, Knaben Jens. Es wäre also feine Pflicht gewesen dies Mißverständnis auszuklären. Außerdem konnte er gewärtigen, daß der richtige Hauslehrer jeden Augenblick auftauchte. Aber wiederum — solange er bie ihm aufgezwungene Rolle Übernahm, konnte er in der Rahe dieses reizenden Mädchens bleiben. Nein, mochte geschehen, was wolle, er beschloß zu bleiben. — Der Gutsherr führte ihn die Treppe hinauf m eine freundliche Giebelstube. „Dies ist das Unterrichtszimmer", erklärte er, und gleich daneben befindet sich Ihre eigene Stube, und nun will ich den Bengel zu Ihnen heraufschicken." Damit entfernte er sich. , Kurze Zeit darauf klopfte es, und ein rothaariger, sommersprossiger ' Junge von etwa zehn Jahren trat herein. blieb abwartend an der Tür stehen und musterte in kampfbereiter Haltung den neuen Lehrer. Eines Tages, als die Familie gemütlich beim Nachmittagskaffee faß, .«■ n>Uffln(|üngeml“Brille belrol bas Wohnzimmer. ..Ich muß vielmals um Entschuldigung bitten, daß ich erst letzt eintreffe , sagte er, „aber an dem Tage, wo ich meine Stellung hier als Hauslehrer antreten sollte, hatte ich einen Straßenunsall und zog mir dabet eine leichte Gehirnerschütterung zu, die einen,Ausenthalt im Krankenhaus notwendig machte. Durch diese Vorkommnisse verwirrt, vergaß ich leider, Ihnen eine erklärende Mitteilung zu senden. „Ich verstehe das nicht", sagte Frau Lindvad wir haben ,a untern Hauslehrer selbst vom Bahnhof abgeholt, er ist „schon eine ganze Weile hier, und wir find durchaus zufrieden mit ihm!' Darf ich einen Augenblick ums Wort bitten? rief Tom, nachdem er einen Blick des Einverständnisses mit Inge gewechselt hatte „sehen Sie, Frau Lindvad, die ganze Sache beruht auf einem Mißverständnis. Sie haben mich damals so freundlich von der Station ab geholt, und ich trage ganz gewiß auch den nicht ungewöhnlichen Namen Jensen; aber ich bin keinesfalls Lehrer von Beruf. Ich bin Forstkandidat und kam In diese Gegend, um meine Tante, die hier Stiftsdame ist, zu be uchen. „Aber wie konnten Sie sich dann als Hauslehrer ausgeben? fragte Frau Lindvad gekränkt. , t Ja Daran ist Ihre Liebeswürdigkeit schuld, gnädige Frau , er- widerte' Tom „Ich glaubte nämlich, meine Tante hatte Sie gebeten, mich vom Bahnhof mitzunehmen, da Sie ja sowieso, rote Sie sagten einen Besuch in der Nähe machten. Allmählich wurde mir dann unterwegs klar daß es sich um ein Mißverständnis handeln müsse; aber Da hatten Sie bereits so interessant über die verschiedenen pädagogischen Probleme geplaudert, daß mich die Aufgabe, die man mir, allerdings zu I Unrecht übertragen wollte, anfing aufs höchste gefangenzunehmen. Es I war falsch von mir, das gebe ich zu; immerhin mochte ich zu meiner Entschuldigung vorbringen, daß es mir geglückt ist, Ihre pädagogischen Ideen erfolgreich in die Praxis urnzusetzen. Aber rote die Dinge nun stehen werde ich jetzt natürlich meinen Platz dem rechten Manne überlassen müssen!" sagte Tom sich erhebens „Das weiß ich wirklich nicht", warf Frau Lindvad wieder ganz aus- „Immer näher, lunger Mann', sagte Tom, „wir wollen es uns zu- nächst mal ein bißchen gemütlich machen, bitte, nimm Platz ne n, nicht hier auf dem Schemel, fetz dich nur ruhig auf den Polsterpuhl da " und damit legte Tom beide Hände auf die Schultern feines Schulers und drückte ihn auf den einzigen Polfterstuhl der Zimmers herunter Der Junge stieß ein Wehgeschrei aus. „Na, dann zieh mal gefälligst alle Stecknadeln wieder aus> dem, vch heraus", lachte Tom, „damit du beguemer sitzen kannst. Kannst du ^„Nein", antwortete der Kleine etwas verwirrt. „Sic: oieUeidjt? „Alter Meifterschaftsboxer im Klub der Schwergewichtter du tust besser daran deine Knochen zu numerieren, wenn du dich nicht orbent lich benehmen willst; aber wenn du dich vernünftig auffuhrst werde ich den bester Boxer in zehn Meilen Umkreis aus dir machen! antwor- ^^Jens betrachtete den neuen Lehrer mit wirklichem Interesse. „Au, das rohre famos!" rief er strahlend. ..„ mlr „Und was die Lernerei betrifft , fuhr Tom fort, „so muffen roir sehen, sie so schnell wie möglich zu erledigen, damit mir für all den 6P“^ie°1>raud)en nur einfach zu sagen, ich machte Fortfchritte, das ^"^Nein mein Lieber, du kannst dir doch denken, daß das rauskommt, sobald deine Mutter mal bet einer Stunde zuhört", lachte Tom, „nee — roir müssen schon einiges in deinen Schädel hmempfropfen. Kann man übrigens hier irgendwo angeln?" „ . Im See sind ’ne Menge Fische, und der gehört uns ganz allem! erwiderte Jens. „Famos!" sagte Tom. .Hetzt kannst du abschieben, du ^^Jens sauste die Treppe hinunter und stieß unten gerade auf (eine Schwester Inge, die einen Blumenstrauß zum Willkomm für den Haus- Jöubrb?r%eue ist fein", sagte er, „der will mir »“^n beibringen und angeln wollen wir auch, der ist wirklich großartig, gar nicht wie ^Es^ verging eine Woche und dann noch eine, unb ^ens machte fabelhafte Fortschritte sowohl was Betragen wie Semen betraf. Am Vormittag würbe gelernt, am Nachmittag geangelt und geboxt oder sonst was Vergnügliches unternommen; aber am Abend pflegte Tom dann regelmäßig größere Spaziergänge mit der hübschen Inge zu machen. 8rau Lindvad war stolz darauf, daß sie recht gehabt hatte und es sich nun zeigte, wie tüchtig der Junge im Grunde roar, roenn er nur richtig behandelt wurde! Und Jens entwickelte sich allmählich aus einem ungezogenen Bengel zu einem forschen kleinen Kerl.