für Pfe* ble aus be- «ll- «n, uta km mürbes ans fah- igs. ang lene ifen, be- den W US-- enl nW fort oori, i tat ein de« i» )enn ant- inuj noch des tabi bet beteten >ren an Art kastlet kllch zu ge- nbes Ror< bat auf uten tafle labt- ung, atzen et. s sind .alen Ibat und fein |enb Hia» hab diese nie' uli«‘ * rter. als SJlii bunt «der lese' lllffl d-- D« nned e Kl $ lUrS- tf» irbt«' de" Siefjciier^ainilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang <958 Ulontag, den 2[. November Nummer 9| Der ArMacher von Sankt Stephan Eln helterer Liebesroman von Alfons o. LMulka Copyright by A. G. Cotta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart 1. Fortsetzung. Nun, da sie in ihrem schönsten Sonntagskleide war, der lichtblaue Reifrock, der rote, spitzenverzierte Schnurleib, das braune, pelzverbrämte Jäckchen ihre schöne Gestalt verhüllte und schmückte und schon die schwarze Haube keck auf den Locken saß, hielt sie die Hauptprobe ab. Unten vor bem ©ater, der schon dreimal mahnend seinen Hauspsisf gepfiffen, sollte die Generalprobe in Szene gehen. Als zum Vierten Male das Pfeifen erscholl, nickte sie zufrieden ihrem Spiegelbild zu. Sie konnte sich sehen lassen. Das wußte sie. Dann lief sie die schmale, steile Treppe hinunter. Nicht ein bißl Angst hatte sie mehr. Sie öffnete die Tür zur Werkstatt, wo die Gesellen und Lehrbuben bereits an der Arbeit saßen, machte noch drei zierliche Schritte gegen die Mitte des Raumes, wo ihr Water stand, und sank bann, den schönen Kopf neigend, in vollendetem Hofknicks zusammen. „Kann ich's nicht wie ein Komtessel?" fragte sie. Die Gesellen und Buben lachten. Aloisius Brand antwortete zärtlich: „Fein, List! Wirst Ehr einlegen für mich bei der Frau Kaiserin." Da kam von der Tür her wie ein kalter Wasserguß die heisere Stimme der Melgratterin: „Wie ein Komtessel — schon recht! Aber vor der Majestät werden dir^die Sprüch' und die Kurasch schon vergehen!" Aloisius Brand sagte nichts. Er seufzte nur. Die Alte hatte ein eigenes Talent, einem alle Freude zu verderben. Da hals auch kein Reden. Er ging ans Fenster, sah zur Domuhr hinaus. Dann nahm er von einem | Tischchen einen kleinen, mit dunkelrotem Samt ausgeschlagenen Korb, in dem ein Dutzend der schönen Wachskerzen lag. Das würde als Probe wohl genügen. Er breitete sorgfältig ein weißes Seidentuch über das Körbchen und reichte es feiner Tochter. Dann zog er sie an sich und küßte sie auf die Stirne. „So geh halt, Lisl!" Der Tag war hell und klar geworden. Die Sonne blendete aus blitzendem Schnee. Langsam, mit leicht gesenktem Kopf, wie sich das für eine Bürgers- lochter gehörte, ging Elisabeth Brand über den Graben. Erst als sie an die Pestsäule kam, um die die Tische und Schirme der Kräutel-, Butter- und Eierweiber standen, merkte sie, daß sie leise ein Lied trällerte, was sich für ein ehrbares Bürgermädel durchaus Nicht schickte. Eines der Weiber an der Säule rief ihr zu: „Kaust die Demoiselle heut gar nix? — An schönen Spinat hält i und legfrische Eier. Drei Stück nur an halben Kreuzer —" Eine zweite, dicke und fette, gab Antwort, daß es über den halben Traben hallte: „Die kümmert sich heut grob um deine Eier! An Schatz liat’s. Hörst nit, wie schön s-singt — wie a Bogerl!" Sie stemmte die roten Fäuste in die Hüften und wiegte sich lachend. Die Demoiselle schlug sich fröhlich auf den Mund, nickte den Weibern zu und sagte: „Später, später!— Zuvor muß ich mit den Kerzln noch zur Frau Kaiserin —" Das war jur die Fratschlweiber ein Fressen. Als die Brand vom Graben schon in den Kohlmarkt einbog, konnte sie noch das aufgeregte Geschnatter der zwei Dutzend Weiber an der Säule hören. Als wäre dort j Gänsemarkt. Born Goldslaub der Sonne überrieselt, wuchs das Schwarzgrau der 8 Aurg mit dem Spitzen werk aus Schnee vor dem Mädel empor. Nun | begann ihr Herz doch rascher zu schlagen. Nicht so sehr, weil sie in einer | halben Stunde vor der Kaiserin stehen sollte, die sie bisher nur aus der I kerne gesehen. Die Courage verging ihr schon nicht. Mund und Herz sitzen ihr auf dem rechten Fleck. Der Mund vor allem — weiß Gott! Aber I der „Modeaff" fing ihr nun doch an, Sorge zu machen. Wenn er ge- I katscht hätte! Man wußte doch, daß die Kaiserin mit Stockhaus und Eassenkehren rasch bei der Hand war. Langsam ging Elisabeth Brand Uder das letzte Wegstück zum Burgportal. Schyee von Dorübergföitenben Schlitten stäubte neben ihr auf. Klingende, goto- und ftlberoergierte Muscheln, bunt und farbig auf hochge- ichwungenen, verschnörkelten Kufen hinter mächtig trabenden deutschen Uid böhmischen Pferden oder ungarischen Juckern fegten an ihr vorbei. An großem Bogen den Platz umsährend, hielten sie vor dem gewaltigen wre. Generale in Gold, Weiß und Rot, ungarische Magnaten in ver- Idmürtem, grünem Pelz mit suwelenbesetzten Krummsäbeln, von d'nen mancher ein Herzogtum wert war, und den brillantengeschmückten Kal- :r, weiße, über das _ der Offizier das eiß die Demoiselle auch den paks mit der wippenden Adlerfeder entstiegen den Schlitten. Sänften mit Damen des Adels^ mit Läufern in allen Farben, mit Mohren und rt“rxen xoram'h^an. Dazwischen eilten die Fußgänger, standen die Gaffer. Ohne Unterbrechung fast präsentierten die beiben mnrfAb'ere hm ^°r' äro5 "Gewehr heraus", rasselte der General- marfch aus dem Innern des Burghofs DieDemoifelle Brand schloß sich den in die Burg strömenden Men- an- Öen funMnben Uniformen, den glitzernden Roben und Staats- tteidern, tue m der Mitte der hohen, hallenden Torfahrt als'ein buntes Band m einer breiten Glasture verschwanden. Dort, wo die Marschallsstiege hinauf zu den Gemächern der Kaiserin führte. In der Mitte der marmornen Treppe stand mit gegrätschten Beinen kerzengerade em Burgleutnant. Er war noch jung. Aber der leere linke ©ermet seines dunkelgrünen Rocks verriet, daß er seinen Teil schon ge- ^ "nti nicht mehr tauglich zum Felddienst war. Immer wieder riß feine Rechte vor den Generalen und Exzellenzen den goldbetreßten Dreispitz de-" Meinen weißgepuderten Perücke, um ihn nach Vorschritt mit ausgeftrecftem Arm querab zu halten. 1 ■■F^e^eg1'^ sicht er. Nur seine großen braunen Kinderaugen neben pr? end von einem zum andern, damit kein Unberufener die Burg der Kaiserin betrete. Plötzlich senkt er lächelnd den Blick. Sein Arm legt sich ?"e em kleiner Schlagbaum in den Weg der Demoiselle. Freundlich und er die Frage: „Und die Demoiselle - » “rlSjJ, Slr‘”9' ** * *« *“»««. »I« topfer Theresias, an dem die Symbole unermeßlicher Macht, Ruhm und Glanz des noch riesenhaften Reichs, die Würde des deutschen Kaisertums und so vieler Kronen sich seltsam mit einfachstem Burg ersinn vermengen, weiß auch der Burgleutnant du jour, daß die Kaiserin auf die Kerzen zum Hofball wartet. 0 Freundlich sagt er: „Ich weiß." Nur der Form halber hebt seine gelblichen Stulphandschuh vorsichtig das weiße, über das Körbchen gebreitete Seidentuch. „Magnifique! Werden der Majestät gefallen, die Kerzln —und die Demoiselle dazu—" Mit einem fröhlichen Nicken des Kopfes entläßt Bürgermädl. Dann ruft er ihr noch nach: „Weiß di. 2...„e„ Weg? Die Stiege hinauf, dann den langen Gang nach rechts. Bis ,ui der großen Flügeltür mit den Garden!" Während des Aufenthalts Mit dem Burgleutnant hat sich die weiße, schimmernde Treppe geleert. Nur zwei Generale, ein älterer in hellgrünem Waffenrock und dem scharlachroten Mantel der Panduren und ein jüngerer in der Uniform der deutschen Generale der Kaiserin gehen vor dem Mädel her rasch die letzten Stufen hinauf. Dann ist sie allein. Langsam steigt Elisabeth Brand die breite Freitreppe hinaus. Sie hat noch Zeit. Von der Michaelerkirche hat es vorhin erst halb zehn geschlagen. Neugierig hewegt sie den Kopf mit der schwarzen Pelzhaube. Niemals noch Hat sie das Innere der Hofburg gesehen. Ihr seidener Reifrock knistert. Leise klappern die Stöckelschuhe auf den mit Teppichen belegten, hallenden Stufen. Noch hat sie die Kehre der Treppe nicht erreicht. Da kommt ihr von oben, zwei Stufen auf einmal nehmend, ein Offizier entgegen. Der weite weiße Radmantel der deutschen Retter weht hinter ihm her. Als er den breiten Absatz an der Kehre erreicht, bleibt er betroffen stehen, tritt zuvorkommend und höflich an die Wand zurück zieht mit weitausladender Gebärde den schwarzsamtenen Dreispitz mit der Goldkokarde vom gepuderten Kopf, wie es vorhin unten an der Stiege der junge Burgleutnant vor den Exzellenzen getan. Läßt das Bürgermädl vorbei. Steht stramm, als ginge die Kaiserin vorüber. Auch die Elisabeth Brand verhält einen Atemzug lang ihren Schritt. Mit einem kurzen Blick nur streift sie die weiße, schlanke Gestalt. Dunkles Rot Überflammt chre Wangen. Dann nickt sie fast abweisend ihren Dank, eilt weiter. Erst als sie in der Mitte des zweiten Treppenteils ist, wirft sie einen verstohlenen Blick über die marmorne, mit steinernen Vasen und Putten geschmückte Brüstung: auf der unteren Treppe steht unbeweglich, den Dreispitz unterm Arm, lächelnd der junge Offizier und starrt ihr nach. Als sie die letzte Stufe erreicht, hört sie von unten her die Helle Stimme des Burgleutnants: „MH, du bist's, Rabenau — guten Morgen!" Langsam, zögernd war Elisabeth Brand durch den weiten hallenden Gang, durch dessen große Fenster man hinunter in den Burghof iah, auf die hohe weiße Flügeltür zugegangen. Unheimlich groß kamen ihr die beiden in Rot und Gold geMeibeten Offiziere der Garden vor, die, die Hellebarde bei Fuß, links und rechts von der goldgeränderten Türe landen. Die Demoiselle blieb stehen. Unschlüssig sah sie auf die Garden. Die beiden Offiziere rührten sich nicht. Erst, als sie die Hand hebt, um, wie es der Anstand verlangt, mit dem EstjabeH Brand jdyüttdt hartnäckig Ihr« Locken. Doch fk lacht und “>itDer t®ener,r4>;n ni(« nyüfttcTi iw von nidyts." Gr lud)t (rufnuirttcrni). MUns NHWl ÖtC ÄÄÄlÄtv-tW * ««bte, kedt mit einem Ruck di« Lorgnette, sieht den General giftig an, sagt tobLkri: 6Üe meinen wohl den Baron von Rabenau Exzellenz- Ja den' mein' ich", brummt der Alte. „Ist mein bester Leutnant, der ÄSW».«- "“'»"«mlÄSnel. AU< |«l,cl «H: „Une plfMi.n».-d«< Wt^r- licke!?" Wütend kehrt sie dem General den Rucken. ^Der verbeugt sich spöttisch. Der Schalk lacht chm aus den Augen. Er weih' sie kann chn nickst leiden, weil er es zu Ehren bracht« und doch mir ein kleiner deutsch-ungarischer Edelmann ist. Menten gellen ja ^ »,«3° gleichen nicht. Er sicht es ihrem Rucken an: sie kocht jetzt vor Wut. rwm er den Freiherrn von Rabenau aus Rotbuch und Hradek mit emer Düraerlichen verkuppeln will. Und wenn's nur im Spatz war Er will noch etwas sagen. Da schlägt di« Äehubr aus der Konsole -lehn Die hohe, goldgeränderte weih« Flügeltiire, di« indas Zimmer der Kaiserin siihrt, öffnet sich langsam, fast feierlich. Akt dem zehnten silberhellen Schlage der Uhr steht der Kammerer vom Dienst rn der Ture. | Musternd gleitet sein Blick über die Wartenden. ___ Erschrocken erkennt Elisabeth Brand den Kavalier von gestern. Da sicht er sie auch schon an. Ein spöttischer, hochmütiger Ä^g spielt über sein kaltes Höflingsgesicht. Ohne di« Stimme zu erheben, sagt er. „Die Brand!" —Das „Demoiselle" schenkt er sich. Mit raschem Blick in den Spiegel noch eine Locke ordnend, «ety Elisabeth Brand durch das sich vor ihr bildende Spalier. Leise falber General hinter ihr: „Wenn die Demoiselle einmal etwas braucht — Hav'l. Feldmarschalleutnant Habil ist -mein Name —" Ehe sie noch ganz begreift, daß das also der berühmte ReitergenerÄ ae wes Ni ist, der tm vergangenen Herbst mit seinen Regimentern, wenn auch nur für einen Tag und eilte Nacht, so doch immerhin Rerlm okkupierte, hat sie die Türe erreicht, die der Gras Eolloredo weit vor ihr öffnet. Mit tiefgeneigtem Kops huscht sie an ihm vorbei. Der „Modeajf brennt ihr nun doch in der Seele. Eine recht« Strafe Gottes, ein solches Mundwerk zu haben! Unhörbar schließt sich die hohe, weitze Tur hinter ihr. Ohne aufzusehen, sinkt Elisabeth Brand in tiefem Hoskntcks zusammen. Wie sie es am Morgen vor dem Spiegel und den Tauben am Fenster ^^Der"ältere der beiden Generale, der immer noch mit dem jüngeren spricht, wendet bei diesen Worten den eisgrauen Soldatenschadel dem Schreiber zu und blitzt ihn mit gespieltem Zorn aus stahlharten Augen an Der Sekretär duckt unter diesem ftinkelnden Mick den Kopf über die Kielfeder kratzt auf die Liste: Elisabeth Brand, die Tochter vom Kerzel- macher bei Sankt Stephan — von Jhro Majestät aus zehn besohlen. Aufzublicken wagt er einstweilen nicht mehr. Der General schmunzelt über die rasche Wirkung seines Blicks, nimmt das Bürgermädel sanft an der Hand, zieht es heran und jagt freundlich: „Komm Sie nur zu uns! Uns moleftiert Sie schon nicht. Wieder sucht sein Aua« den Schreiber. Dann lacht er: „Leist Sie uns Gesellschaft! — Was bringt Sie der Kaiserin Schönes?" Auch der alte General hebt vorsichtia das seidene Tuch vom Henkelkorb, betrachtet anerkennend di« Kerzen.'Er nickt und fragt: „Hat Sie schon einen Schatz? — In Ehren natürlich", fügt er hinzu, als er merkt, daß das Mädel errötet. Die List schüttelt heftig den Kopf. , , ~ m , „Was?! —Keinen! Man sollt es nicht glauben! Der General schlagt seinem Kameraden leicht aus die Schulter: „Hörst du, Serbelloni! Em Mädel wie das und keinen Schatz! Was sind das für Zeiten! — Was meinst du, Serbelloni, sollen wir ihr nicht einen verschaffen? Er lacht ^Entrüstete Blicke wenden sich ihm zu. Unerhört, in der Antikamera ber Kaiserin so plebejisch zu lachen! Wie an einem Lagerfeuer! Ob man wohl in den Feldlagern fo afsreuse Manieren bekommt? Selbst der Schreiber am Fenster wagt beschwörend di« Hände zu heben. Der General kümmert sich nicht um die wütenden Augen und den entsetzten Schreiber. Er spricht weiter. Ein wenig leiser wohl, aber doch so, datz die zunächst stehenden ihn noch deutlich zu hören vermögen: „Gras- teusel von Leutnants hätten wir ja genug, Serbelloni, m Böhmen, Mähren und Schlesien, die nach einem solchen Bissen schnappen mürben wie Hechte nach silbernen Fischlein — Meinst du nicht? — Weißt du, so einen wie den Rabenau denk ich mir—" „Rabenau?" fragt der Generalwachtmeister Serbellom erstaunt. „Rabenau? — Kenn ich nicht." „Naturellement kennst du ihn. Das ist doch der Leutnant vom Regiment de Ligne, der mein Adjutant war bei unserem Ritt nach Berlin im vergangenen Jahr — Ein brillanter Offizier, der Rabenau. „Hab ihn nie gesehen." t .Doch! Vorhin sind wir ihm draußen aus dem Gang begegnet. Der Große Schlanke im weihen Mantel der deutschen Reiter. Er lies an uns vorbei' Kannst du dich erinnern? — Nicht? — Aber die Demoiselle hat ihn gewiß gesehen — Wie?" ... sjßieber ücrneint bas HRiibe'L Äber diesmal glaubt ihr bet Älte nicht. Er versteht sich doch auf Gesichter, ,/voch, doch! Sie l)at ihn gesehen, und er bat Ihr sogar gefallen. Ich merk's 2hr doch an. Mach Sie nur doch nichts vor!" 9C1©ie blickt erst auf, als ihr eine warme Stimme eutgeaenschwingt: .Komm Sie doch näher, die Demoiselle!" Vor ihrem Arbeitstische sitzt 'in mattblauem, spitzenverziertem Kleid« Maria Theresia. Noch einmal zelebriert die Demoiselle ehrfurchtsvoll ihre Verneigung, als die Kaiserin ihr die Hand zum Kusse entgegenhalt. Maria Theresia^ lächelt gütig: „Sie bringt wohl die Kerzln? Will CAusge"egt ^neftei t di« Brand an dem seidenen Tuche, das sich in dem Geflecht des Korbes verhängt. Die Kaiserin amüsiert sich. Sie sagt freundlich: „Sei Sie doch nicht so enerviert, mein« Liebe! Ich beiß doch md»ie Lisl sieht auf: „Manchmal schon, hat der Vater g'sagk" Maria Theresia preßt die Lippen zusammen. Mit dem aus dem Mund gedrückten Spitzentuch bezwingt sie das Lachen. Aber ihre Augen verraten sie. „So? Hat er das gesagt, der Brand? — Muß ein gescheiter Mann sein, der Herr Vater-Aber geb Sie doch her! . . Die Monarchin erhebt sich, löst das Tuch, nimmt den Henkelkorb, aus dessen rotsamtenen Grund dlaßgelb und seidig die Kerzen schimmern, stellt ihn aus ihren Arbeitstisch. Dann hebt sie zwei Lichter heraus, nickt befriedigt, geht zu einer Kommode, aus dessen eingelegter spiegelnder Platte zwei Leuchter blitzen, steckt die Kerzen hinein. Eine Weile bleibt sie noch stehen, tritt dann prüfend zurück, wendet sich um, sagt erstem. „Das hat der Herr Vater recht schön gemacht. Ich dank ihm auch dafür — aber werden die Kerzln auch fertig bis Dienstag?" Die Lisl nickst „Sind schon fertig, Jhro Majestät Di« Kaiserin tritt dicht an sie heran, sieht ihr sest in die Augen. Seit Dezember, seit Leuthen, hat ihr Gesicht manchmal einen harten Zug. toi« sagt ernst: „Ist nicht mir ein gescheiter, sondern auch ein braver Mann, ber Meister Brand — Darum soll sie ihm auch feine Sorgen machen: Als das Mädel sie unsicher anblickt, fährt sie fort: „Tu Sie nicht so -- Sie verficht mich schon — Oder meint Sie am Ende, daß es in Ordnung war daß Sie den Grafen Eolloredo einen Modeasf genannt hat? Di« Augen der Brand Men sich mit Tränen. Tränen kann die Kaiserin nicht leiden. Tränen machen sie ■meut). sagt unwillig: „Flenn Sie doch nicht gleich!" — Ihre Stimm« wirb wieder gütiger: „Den Kops reiß ich Ihr schon nicht ab. Will kern« Assar machen aus der Geschichte und hätt auch weiter nichts gesagt Obwoh der Eolloredo sich bitter beschwert hat über Ihren kecken Schnabel, zroer weil Sie selber kommt, muß ich Ihr schon den Kops waschen. Das M Sie doch ein. Ein Kämmerer ist immerhin eine Respektsperson für toi« Versteht &ie mich?" _ . cu.rfl Wieder geht der Lisl das Mundwerk durch: „Halten zu Gnaden, Ar« Majestät, hätt gewiß nichts gesagt, wenn der Herr sich nicht so m|oie benommen hätt." , . . »„«„rin Eine steile, zornige Falte erscheint aus der Stirne „der Kaiftnn Widerspruch liebt sie nicht. Sie sagt streng, befehlend: „Erzähl Sie! A di« Wahrheit will ich wifsenl" (Fortsetzung folgt.) e-xrfwf aeaen die Tür ,ru klopfen, zuckt ein verhaltenes Lächeln über das | Ä, I ninte$ drückt fie nieder und ist im gleichen Augenblick wieder zu einer ^"VSHßffnet zögemddk Tür«. Ob dahinter wohl schon die KmeÄ »Vieler Stimmen, das leise Klirren von Deaen und Sporen aus spiegelndem Parkett tönt ihr entgegen. Gut zwei ^mnd Menschen nwrten in der Antikamera der Kaiserin: Beamte und Militärs Minister und Staatsrät«, Gelehrt« und Künstler, Damen de hohen Adels, Bittsteller und Aventuriers, die ihr halbes Leben damit hm- bringen in den Vorzimmern der Mächtigen zu warten. Em«: gürt-: Motte aus Puderstaub und Wohlgeruch erfüllt den silbergrauen, goldschimmern beneritaunt« oder belustigte Blicke wenden sich dem Bürgermädel zu, das in wohl gutem und reinem, aber in dieser Pracht doch armlich wirkendem Kleide einen kleinen Korb am Arm, mit gesenktem Kops an der Tur steht. An dem hohen, säst bis auf den Boden reichenden ^"Üer, hmter dem ietit wieder die Mocken fallen, fitzt vor einem zierlichen Tischchen ein Mangin schwarzen Seid nhabit. Wie ein Abbe sieht er aus. Sogar die Hakmnase stwiÄ Als er bi« Tür gehen hört, sieht er auf, verzieht ein wenig spöttisch den Mund und bedeutet der Demoiselle mit einer herrischen nrä’ ä* n„«b.F Gold. Ein Lakai in den kaiserlichen Farben tritt auf sie zu führt si« ans Fenster. Wie Pfeil« spürt sie die vielen Blicke, die ihr hochmütig folgen. Nur die beiden Generale, die auf der Treppe vor ihr hergmgen mid nun in ein Gespräch vertieft in der Näh« des Fensters stehen, machen ihr an ihnen vorbeikommt, wendet der ältere den Kops, sagt, vergnügt mit den Augen zwinkernd: „Tja, wenn man noch Leutnant war, Eine "aufgedonnerte Dame, bie hing gewesen sein mochte, als der General noch Leutnant war oder Kornett, hebt bofe die Loignette, als das Bürgermädel mit ihrem Henkelkorb ihren weit ausladenden Reiftock K^ebn Jahre lang war sie mit ihrem Gatten am Hof« von illes gewesen. Der bürgerliche Einschlag in der Wiener Bitt« g^Mt ijjr nicht. Sonderbarer Geschmack, Burgerkanaillen in der kaiserlichen Antikamera zu dulden! tw Die schöne Wachsziehertochter steht vor dem Goldtischchen. Der fchwarzgekleidete Mann, den sie für einen Schreiber halt und der es auch ist, wenn er auch den Titel eines kaiserlich-königlichen Hvsstkretanus führt, mustert fie geringschätzig, fragt gallig: „Was will Siek ■ . Nachdem sie Namen und Zweck ihres Kommens genannt, wirft er einen Blick auf die schwere, mit Schildpatt verzierte Uhr, di« lickend auf einer Konsole steht. Dann sagt er, um eine Spur fteundlicher: „Sie muß noch warten!" Als wäre das schon allzu gnädig gewesen, fugt er hinzu. Stell Sie sich dort abseits in die Ecke und molestter Sie die Herr- Wenn alle untreu werden... Von Novalis. Wenn alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu; Daß Dankbarkeit aus Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz; Drum geb ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. Ost muh ich bitter weinen, Daß du gestorben bist. Und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt. Von Liebe nur durchdrungen, Hast du soviel getan, Und doch bist du verklungen. Und keiner denkt daran. Du stehst voll treuer Liebe Noch immer jedem bei; Und wenn dir keiner bliebe, So bleibst du dennoch treu; Die treuste Liebe sieget. Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie. Ich habe dich empfunden, Ohl Lasse nicht von mir; Laß innig mich verbunden, Aus ewig sein mit dir. Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und sinken liebend nieder Und fallen dir ans Herz. Hier müßte ein Schwert stehen... Don Friedrich Bodenreuth. Dieser Abschnitt bildet den Eingang von Friedrich Boden- reuHs Buch „Alle Wasser Böhmens sließen nach Deutfch- land", das die Schicksale eines Sudetendeutfchen während und nach der Zeit des großen Krieges geftallet. (Hans von Hugo Verlag, Berlin-Wannfee.) — Bodenreuth und Gottfried R o t h a ck e r lesen auf Einladung des Goethe-Bundes in Gießen aus eigenen Werken. Hier müßte ein Schwert stehen, wie ein in den Boden gerammtes stählernes Kreuz. Und eine Senfe müßte darunter liegen, ein Hammer daneben und viel Aehren ringsum. Dann wären auch einem gröberen Gehör die Glocken verständlich, biex hier so seltsam über den Boden gehen, und jeder wüßte dann, daß das, wovor er nach einem inneren Befehl den Hut abnähme, deutsches Blut sei, und kein Mohn. Aber es steht kein Denkmal mit einer so deutlichen Sprache inmitten dieses weiten Talkessels. Hier liegt bloß ein« Stadt unter einem schwarten Turm. Die Stadt heißt Budweis. Daß ihr Name auf den Markomannenfürsten Marbod zuruckaehe, der hier ein Lager ausgeschlagen hätte, ist wohl nur ein Sage. Aber wer die Sage schält wie eine Nuß, findet den Kern, und er weiß dann, daß auch hier ununterbrochen Deutsche sitzen, seit den Zeiten, da tausend Jahre vor den Tschechen noch die Bojer im Lande lebten und es „Bo- Heim" hießen, da die germanischen Silingen „Schlesien" den Namen gaben und die deutschen Ouaden an der March wohnten und sich deshalb Marchwarer oder Mährer nannten. Wie nun seit diesen Zeiten ms aus den heutigen Tag die Moldau und die Mies, die Schwarzahwa und Zwittahwa und hundert andere Achen und Flüsse immer noch nüt ihren deutschen Namen durch das Land rollen, so hat auch das deutsche Blut niemals durch diesen Boden zu fließen aufgehört. , Doch Blut ist nicht Wasser und befcheidet sich nicht für alle Ewigkeit mit einem Bett. Blut will sich feiner selbst bewußt werden, es lebt nur, wenn es sich bewährt. Und das kann das Blut nur >m Widerstand und im Durchbruch zu neuen Bahnen. Was tut es seinem Drang, wenn ein Acker, den es erst nur zu kurzem Halt versenkt hatte, sich einmal im Grunde verfing und sich nicht lichten lassen will? Blut erlahmt nicht sobald wie der Arm eines Mannes, und Volksblut mißt die Zeit nicht mit Sand und Glas Dem in Böhmen ankernden deutschen Blute machte es nichts aus, daß von der Zeit, als jener Markomanne Marbod Böhmen als de en erster König beherrschte, und damals in Bethlehem gerade ein Heller Stern über der Geburt eines armen Knaben stand, der Anker noch fünfhundert Jahre lang hielt, nachdem jener Knabe schon längst gestorben war. Einmal stand das Volk dennoch auf. Von einer unsichtbaren Kraft gedrängt, zog es gegen Abend und Mittag, durchbrach den Wall der Berge und den Verhau des Urwaldes und sah in ein neues Land. Zukunfts- land ist Heller als Ursprungsland, weil es unter den Gestirnen von Hosf- nung und Wunsch liegt. Die aus Böheim kamen, gaben ihm deshalb einen Hellen Namen und nannten es Bayern. Nun wäre es sreilich verwunderlich, wenn es damals noch keine Treu« gegeben hätte zu dem Boden, der sünfhundert Jahre gut genug gewesen war, Bleibe und Nahrung herzugeben. Wo denn auch diese Treue stärker war als der Drang zu neuen Taten, oder wo er sich versäumte aus Genügsamkeit und Alter, dort blieben die Deutschen auf ihrer Scholle zurück und gaben den scheidenden Brüdern nur einen guten Gedanken mit auf den Weg. Schließlich war aber das Zurückbleiben genau so ein Wagnis wie das Vondannenziehen, denn das Schicksal steht Überall, und je weniger Arme sind, desto härter müssen sie (ein. Die in Böheim geblieben waren, hörten bald die Kunde, daß sich ein fremdes Volk in ihr Land vortaste. Der Name dieses Volkes klang gell wie eine Drohung Darob erhoben die deutschen Männer die Kopse wie Hunde, die vor den Wohnungen liegen und die Ohren einem nahenden Schritte entgegenspitzen. Aber das Land war groß und weit, und zwischen Sippe und Sippe war noch viel Niemandsboden. Wenn Bären und Wölse vor neuen Menschen weichen sollten, war es nur gut. Man brauchte also diesen Schritten nicht entgegenzugehen, solange sie nicht in die Gemarkungen der eigenen Notdurft einbrächen. Später aber mußten die Deutschen dann zu Spieß und Axt und Schwert greifen, um den Zug der Avaren in eine geziemende Bahn zu weisen. Die Wildheit in den fremden Gesichtern und die Schlachtschreie fochten sie nichts an, denn die Augen der Deutschen waren scharf wie das Schwert und ihre Fäuste hart wie die Axt. Und wer auf sich vertraut, kann warten. Aber die Gesichter der anderen Menschen, die von ben Avaren mitgeschleppt wurden, deren Züge und Formen nicht von Avarenblut gebildet waren, die Striemen auf den Schultern der Männer, die Stricke, mit denen sie an die Schweife der Avarenpferde gebunden waren, die Welkheit der Weiber mit den ergebenen Augen, auch das bedroht zwar nicht Haus und Acker, nicht Gut und Leben. Aber das geht einen doch in einem anderen Sinne an und wird die Deutschen immer wieder an- gehen, wie damals bei den Tschechen, so mehr als tausend Jahre nachher bei den Buren und weiter, solange einer von ihnen noch auf der Erde steht. Wer die Freiheit liebt, setzt sich für die Freiheit ein, auch wenn sie nicht die (einige ist. Den Kampf der versklavten Tschechen gegen ihre Zwingherren machten also die Deutschen mit zu ihrem eigenen. Bald brannte er gegen Morgen und Abend, gegen Mittag und Mitternacht, aber die Gemeinsamkeit der Not sand noch zu keiner Gemeinsamkeit der wehrenden Tat. Ein einziger Mann mußte sein, der den Ring schweißte und die Schwerter lenkte! Aus Franken, aus dem senonagischen Gau, kam Samo nach Böheim, zunächst um die seltenen Waren zu tauschen, die seine Tiere auf den Rücken trugen. Er fah den Kampf, und er war der Mann. Und der deutsche Mann wurde dann der erste König über das tschechische Volk. Von den Deutschen lernte das neue Volk, wie stark es macht, wenn die Sippen sich zu Gauen schließen, und wenn, nicht bloß vor dem Feinde, des besten Mannes einziger Wille über alle herrscht. Und das neue Volk sah den deutschen Pflug und nannte ihn Pluh. Da es ihn nahm, bereicherte es Hand und Sprache zugleich. Und es lernte erkennen, was ein Dank ist, und nannte ihn Dik. Aber es ist schon so mit dem Lehngut, daß man sich seiner gern entledigt, wenn es einem nicht mehr dient. Den Pflug hatte das neue Volk nicht mehr vergessen. Für den Dank sind aber tausend Jahre wohl eine all zu lange Zeit. Nun gibt es ein zweifaches Heimweh. Denn die Sehnsucht nach dem Lande, in das man geboren wurde, in dem der Vater liegt und der Vatersvater, ist nicht alles. Heimat ist nicht nur Vergangenheit. Denn wie dein und mein Blut sich teilt, damit es neben einer brüderlichen Stütze in der Zukunft stehe, so bist auch du bloß ein Teil, und neben dir lebt der Bruder vom Ahn und Urahn her. Heimat der Gegenwart, Heimat der Zukunft ist dein Volk. Alls der Erde nimmst du den Glauben, in dem Volke aber erwächst dir die Ausgabe und die Kraft der Zuversicht. Es gibt also auch ein Heimweh ins Volk. Steht nun dein Volk mit dir auf deiner Erde, dann bist du ganz zu Hause, und du hast es gut. Liegt dein Boden aber außerhalb deines Volkes, dann hast du eine Heimat, aber kein Vaterland. Ob du es nun weißt, was dir fehlt, oder nicht, du bist ruhelos und ein ewiger Sucher. Von nun an sandten die Böheimer ihr Suchen zu den Brüdern nach Bayern hin. Und weil die Bayern stark und mächtig geworden waren und roeiljfie einen König hatten, dessen Name allein schon vor Ungemach wie ein Wall ftani>, und weil sie deshalb den Böheimern nicht bloß einen Rat, sondern auch Beistand und Hilfe jedesmal auf den Heimweg mitgeben konnten, stellten sich auch die Slawen in Böhmen und Mähren gern hinter den bayerischen Schild und damit unter den Stab des großen Karls. Wohl riß sich einmal ein mährischer Herzog aus dieser Bindung und raffte in hundert Schlachten auch Böhmen mit sich. Zwenttdald führte ein tapferes Schwert. Aber ein Volk lebt nicht allein im Krieg. So geschah es denn, als Zwentibald gefallen war, daß der Deutfche Reichstag zu Regensburg staunend einen Zug fremder Männer durch die Tore der Stadt eingehen sah. Ungezwungen und ungebeten, in der Freiheit des eigenen Willens, schritten hinter den Prager Fürsten Spittgnew und Vratiflav alle Herzöge der Böhmen im feierlichen Geleite vor den Thron und legten mit reichen Gaden ein Gelübde von Treue, Gehorsam, Zins und Kriegsdienst kniend vor Kaiser Amols hin. Und da der Kaiser sich erhob und als erbetene Gegengabe den Tschechen Schutz und Hilse gegen jeden inneren und äußeren Feind versprach, war Böhmen für immerdar als ein gleichberechtigtes Land ins heilige Reich getreten. haben, denn hier geben sich fast alle edlen Metalle und ihre weniger vornehmen Genossen ein Stelldichein, Kupfer gibt es und Nickel, Kobalt, Wis- mut und Arsen, aber das unscheinbare Uranerz hat sie alle übertrumpft, und wenn von jenen nichts mehr abgebaut wird, so bleibt dieses in mannigfacher Hinsicht doch noch wertvoll genug. So unauffällig die Uranpechblende nämlich auch ist, so wunderbar leuchten die Farben, die man aus ihr herstellt und die zur Glas- und Porzellanmalerei dienen. Und dann wäre das moderne Radiumbad ohne das Uran nicht denkbar; nimmt es doch sein radiumreiches Wasser unmittelbar aus dem Uranbergwerk des Eliasschachtes. * Und doch vermochten weder Kupfer noch Nickel, weder Wismut noch gar das Uran den Ruhm des nunmehr reichsdeutschen Städtchens zu begründen, Joachimsthal ist das, was es ist, nur des Silbers wegen, das man früher hier reichlich abbaute. Gerade die Mitternachtsgange waren am ergiebigsten, und noch heute sind die Ausbisse dieser Gänge durch zahlreiche uralte Halden gekennzeichnet, die Zeugnis davon ablegen, daß damals das Erz im Tagebau gefördert wurde. Schon vor dem fünfzehnten Jahrhundert war das Silbervorkommen der Gegend bekannt, aber Berühmtheit erlangte der Abbau erst, als Stephan Graf von Schlik die metallene Ernte in feine Obhut nahm. Er baute bei Konrads- grün im Erzgebirge die Bergstadt Sankt Joachimsthal im Jahre 1516, und , es dauerte keine drei Jahre, da ließ er daselbst eine Münzstätte errichten, die wie keine andere tn der Welt bekannt geworden ist. Die silbernen Guldengroschen nämlich, die von hier aus ihren Weg antraten, nannte das Volk einfach Joachimstaler und schließlich bloß noch Taler! So eng waren diese Münzen mit dem edlen Stifter Joachimsthals verknüpft, daß man sie früher auch Schliktaler nannte, übrigens eine wohlverdiente Ehre, die man dem Grafen antat, denn er stammte aus einer berühmten und alten vogtländischen Familie. r Als Graf Schlik im Jahre 15?6 dem türkischen Krummsabel zum Opfer fiel, hatte das Bergstädtchen Joachimsthal wohl auch die Blute seines Ruhmes erreicht: 8000 bis 12 000 Arbeiter waren beschäftigt, das gleißende Erz zu hauen und in rollendes Geld zu gießen. Dabei war die Arbeit der Bergleute noch so mühsam wie weiter drinnen im Land Böhmens wo die Schächte viele hundert Meter tief lagen und wo nur mühsam tzes Berges Schätze gewonnen werden konnten. * Joachimsthal war zwar schon damals weithin bekannt, aber es fehlte ihm die rechte Würde, der Henkel sozusagen, an dem man es fassen konnte. So kam es gerade recht, daß der gesamte Bergbau im Jahre 1545 an die Krone überging und Ferdinand I. Joachimsthal zur königlichen Bergstadt ernannte. Er gab eine eigene Bergordnung heraus, die dann später für alle Bergorte bindend wurde. Trotz dieser neuen Würden war doch die Ausbeute geringer geworden als zur Schlikschen Zeit. Immerhin wird noch ein Reinertrag von 43 000 Talern gemeldet. Doch war dieser Rückgang der erste Schritf zum Weg bergab. Mit furchtbarer Wucht brauste der Dreißigjährige Krieg über "die Länder und wütete nicht weniger schlimm als die Hussiten seinerzeit vor Gründung des Silberstädtchens Joachimsthal gewütet hatten, die auch damals so manchen uralten Bergbau im Inneren Böhmens zum Erliegen brachten. Man schrieb das Jahr 1651, als die berühmte Münze, der die Taler Stück auf Stück entrollten, aufgelöst werden mußte und von Prag übernommen wurde. Mit dem Bergbau ging es rasch abwärts: im 17. und 18. Jahrhundert wurden jährlich nur noch ungefähr 3000 Mark Silber erzeugt (früher waren es an die 30 000 Mark!), tn der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber kaum ein Drittel davon. Galt es früher als Selbstverständlichkeit, daß die Söhne der Bergleute wiederum Bergleute wurden, so hatten jetzt nur noch wenige Lust zu diesem Beruf; beschäftigte man doch nur noch 5—6000 Bergmänner zu jener Zett. Angesichts des reichen Erzvorkommens war es natürlich selbstverständlich, die Arbeitskraft nicht nur aus das Silber zu verwenden, sondern auch andere Metalle zu gewinnen. Schon zu Zeiten des Grafen Schlik wurden Metallhütten angelegt, die noch lange Zeit in Betrieb blieben. Dort wurden die Metalle verschmolzen. * Als auch diese Hütten immer nutzloser wurden, blieben die wenigen, diettrberhaupt noch in Betrieb waren, der Uranfarbenerzeugung Vorbehalten, die sozusagen die zweite Periode des Ruhmes von Joachimsthal bedingten. Erst in neuerer Zeit erkannte man den Wert des Radiums, das dieses Uranerz enthält und das das heilkräftige Wasser bedingt. Trotz der Wendung, die das Städtchen Sankt Joachimsthal nut feinen rund 18 000 Einwohnern in feiner Industrie genommen hat, wird doch der Silberbergbau nicht auf immer der Geschichte angehören, denn eine intensive Bergbauarbeit, wie sie aus sächsischer Seite, zum Beispiel im Zinnbergbau, wieder ausgenommen wurde, mag noch viele Schätze fördern. Gerade auf der böhmischen Seite ist das Erzgebirge ja so reich. Bedenkt man, wieviele Städte sich allein dem Silberbergbau widmeten — Gottesgab, dessen Silberbergwerke wohl schon 1535 entstanden; Klostergrab, das durch einfache Bergleute gegründet wurde und seit dem 16. Jahrhundert einen regen Silberbau sein eigen nannte; Presnitz, Niklasbera Weipert und manchs andere Orte—so liegt es klar auf der Hand, daß sich irgendwo der Abbau doch noch lohnen wird. Es kommt immer auf den Geist der Zeiten an: ob man den Mut findet, nach Erzen I zu schürfen oder ob man die Mühen und vielleicht vergeblichen Kosten scheut. Wie abbaufreudig war das sechzehnte Jahrhundert und wie reich ist es dafür gesegnet worden! In Abertham, einem der ältesten Bergstädtchen Böhmens, gar nicht weit von Joachimsthal gelegen, wurde allein in den Jahren 1529 bis 1589, also innerhalb eines Zeitraumes von 60 Jahren, über 95 000 Mark Silber erbeutet — und das ist doch gewiß I ein besonders hoher Wert. Wieder stehen wir an einer Zeitenwende, und auch sie wird den ehr- I würdigen Bergstädten des südlichen Erzgebirges neuen Aufschwung geben. Die Tschechen zinsten, steuerten und leisteten dem Reich wohl viel, | ober bas Reich vergalt auch mit einem gerüttelten Scheffel. Hatte schon L vierte Heinrich^em Herzog Bratislav und dann der Rotbart dem Bladislaw die Königswürde verliehen, so empfing i'e Przemysl Ottokar erblich aus der Hand des Staufers Philipp, und der König von Böhmen war von nun an der oberste weltliche Kurfürst des Deutschen Reiches. Aber durch die Verleihung des höchsten Glanzes unö des höchsten Rechtes sollten doch bloß die früher erteilten Gaben durch die Hand eines Lehrers gekrönt werden, der seinen Schuler nicht allem deshalb gern vor allen ausgezeichnet sieht, weil er tn eitler Eigenliebe damit seine eigene Erzieherarbeit verherrlichen will. Wer immer wieder gibt, sobald der Schüler nur begehrt, muß dem Schuler schon um seines Selbstes willen zugetan sein. - . Und wie der Deutsche willig die Kenntnis hergab wie der Pflug übers Feld geführt wird, wie man das Rind pflegt und das Brot backt, wie man das Haus richtig gegen Wind und Wetter stellt, wie man die Ahle führt und den Hammer und alles, was dem Handwerk dient, jo ging der Deutsche auch überall dort selber hin, wo die Hand des Tschechen zu schwach schien oder zu unerfahren, und wo die härteste Faust nötig war, dem Urwald einen Ackerboden abzuzwingen, oder d,e Erze aus den'Steinen zu reißen. Und der Deutsche kam, wann, und von wo immer ihn die böhmischen I Könige riefen, und baute die Städte vor das staunende tschechische Volk. T Aber er baute sie nicht bloß in die Gebirge, aus den Boden hin, dessen Härte vom Tschechen gemieden wurde, nicht nur in die Inseln seiner deutschen Sprache, sondern auch' in das slawische Gebiet hinein. Beraun und Chrudim, Hohenmaut und Jermer, Nimburg und Komggratz, Ko- niqinhof und Melnik, Pribram und Schlau und Trans und Tschaslau und Schüttenhofen und Pilsen und Proßnitz und Brunn und Biel,tz und Teichen und die vielen anderen alle, — — es gibt keinen Atem, der in einem Zuge nennte, was die geschaffen haben, Die auch Kolm erbauten und es benannten nach Köln am Rhein. I Und Prag! Mütterchen wird diese Stadt von den Tschechen geheißen. Die Deutschen aber schenkten ihr eine Liebe, wie sie tief und schmerzensreich nur einem Kinde gegeben wird. Denn deutsche Arbeit legte die Steine zum Grunde der Stadt, aus deutschem Fleiß wuchs sie empor und ^deutsch begrüßten noch ihre Bürger König Johanns Einzug und deutsch die Gattin, die sich der vierte ■ Karl aus Frankreich holte. Dis deuten Türme von Teyn lesen die unvergängliche Handschrift des deutschen Bruders in den Steinen der Kirche von Sankt Nikolas jenferts der deutschen Brücke und der Turm des Domes auf dem Burgberg schreibt zugleich mit dem Namen eines Baumeisters aus Schwaben eine ewige Wahrheit in den Himmel über diese Stadt. Die Säule des Rolands verkündet, I welches Recht in diesen Mauern herrschte, wo Reinmar von Zweier nach dem Vogelweider die besten Sprüche schrieb und Ullrich vom Eschenbach seine großen Epen dichtete, unt> wo von den Kanzleien der Luxemburger jene Sprache ausging, die über Kursachsen dann zu Martin Luthern aus die Wartburg fand. , „ _ , , . Und es bleibt immer ihr deutsches Prag, durch alle Jahrhunderte nachher, auch wenn sie Gut und Leben für diese Liebe lassen müssen. Denn Prag ist auch Haß. Am furchtbarsten ist der Haß, wenn er aus maßloser Liebe entspringt, die nicht teilen will und sich nicht bescheiden kann. Die Tschechen wollten ihr Mütterchen für sich allein und kämpften ebenso tapfer dafür und setzten Blut ein, wie die Deutschen für ihr Kind. So ist Not und Tod und Elend im goldenen Prag. Aber immer, wenn die Deutschen schon selbst an ihr Ende glauben wollen, und wenn schon ihre Letzten gebeugt durch die Straßen und über das vergossene Blut gehen wie über- einen Friedhof und durch die Reihen von Gräbern, dann wird Prag ein Wunder. Denn wenn im weiten böhmischen Land die schwermütigen Lieder eingeschlasen sind, wenn die Linden still wurden und das Korn ruht, und wenn auch unter den-hundert Türmen das Leben endlich schweigt, dann wachen die Steine und Mauern auf und reden mit deutschem Munde in Prag. Und unter ihren Zaubersprüchen und Formeln steht immer wieder das deutsche Leben auf, denn das Leben in Liebe ist wie die Liebe selbst und hört nimmer auf. Oie Stadt der silbernen Taler. Das sudetendeutsche Bergstädtchen joachimsthal. Von Dr. H. Frieling. üuf dem Kamm des Sächsischen Erzgebirges hat man kaum den Eindruck, in etwa 1000 Meter Höhe zu wandern; das Gebirge steigt nur langsam an, bis man plötzlich von einer Lichtung aus tief hinab nach Böhmen schauen kann. Jäh fällt der Südrand des Erzgebirges ab, und vom Tal aus bietet es einen gewaltigen Eindruck. Auch der Keilberg erscheint dann wirklich als der höchste Gipfel des Erzgebirges. Just zu feinen Füßen liegt das alte Bergstädtchen Sankt Joachimsthal. Selten ist ehrwürdige Ueberüeferung mit dem Geist von heute in einer so notwendigen Weise gepaart wie hier, wo die gotische Dekanatskirche und das alte Rathaus mit dem modern gebauten Radiumbad und der großen Uranfarbensabrik das Auge des Besuchers fesseln. Jochimsthal ist das Herz und die Pulsader des mineralreichen Erzgebirges. Von mächtigen Porphyrgängen und Basalten ist hier der Glimmerschiefer durchsetzt. Die Freundschaft dieser verschiedenen Gesteine bedingt es wohl, daß zahlreiche Erzgänge den Berg durchziehen und teils von Norden nach Süden, teils von Osten nach Westen streichen. Der Bergmann nennt sie Mitternachtsgänge und Morgengänge, je nachdem, in welcher Richtung sie verlaufen. Der Herrgott muß diese Erzadern gesegnet Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.