eine «ute aus. •egen ifter. eben Jn3|j war, iirdje und «ischi lagt mich daß Dors, 1 der Siet asen- itten, Dors Uni! und nicht irbeil rben. neitie 3t bu Drei neun einer 1 r ein s! । uni f I >rtha, |l iw H leicht 6 He ein jafeb keine I ifen* I grW I beitet I > alte ihrer jöliig ,$or c n, W en |o e h°> | , und unter । nmet alten W chim u bu Höri, uw- -chie- beffl neu liebet chi-z teuft ir, nn seife« 19!' freut bafii' lebet- V liefe (iK< -hört (fnt- ürfr» ®ießener$amilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang 1957 Montag, den 31. Mai Nummer 41 Dee GteOlin Vornan von Theodor Kontane 34. Fortsetzung. Engelke stand verlegen da. „Nu, was hast bu? Bist du dagegen?" Lnädger Herr, dagegen bin ich wohl eigentlich nich. Aber ich schlafe doch auch nebenan, und bann is es ja, wie wenn ich für gar nichts mehr ba wär und fast so gut wie schon abgesetzt. Und bas Kind kann doch auch nicht all das, was nötig is; Agnes is ja doch ne lütte Krabb." „Ja, das is sie. Und du sollst auch in der andern Stube bleiben und alles tun wie vorher. Aber trotzdem, die Agnes soll kommen. Ich brauche das Kind. Und du wirst auch bald sehn, warum." Und so kam denn auch Agnes, aber erst sehr spät, als sich Adelheid schon zurückgezogen hatte, dabei nicht ahnend, welche Ränke mittlerweile gegen sie gesponnen waren. Auf diese Verheimlichung kam es aber gerade an. Dubslav hatte sich nämlich wie Franz Moor — an den er sonst wenig erinnerte — herausgeklllgelt, daß Ueberraschung und Schreck bei seinem Plan mitwirken müßten. Agnes schlief in einer nebenan aufgestellten eisernen Bettstelle. Dubslav, gerade so wie seine Schwester, halte das etwas auffällig herausgeputzte Kind bei seinem Erscheinen im Herrenhause gar nicht mehr gesehen; es trug ein langes, himmelblaues Wollkleid ohne Taille, dazu Knöpfstiefel und lange rote Strümpfe, — lauter Dinge, die Karline schon zu letzten Weihnachten geschenkt hatte. Gleich damals, am ersten Feiertag, hatte das Kind den Staat denn auch wirklich angezogen, aber bloß f° still für sich, weil sie sich genierte, sich im Dorfe damit zu zeigen; jetzt dagegen, wo sie bei dem gnäbgen Herrn in Krankenpflege gehen sollte, jetzt war die richtige Zeit dafür da. Die Nacht verging still; niemand war gestört worden. Um sieben erst kam Engelke und sagte: „Nu, lütt Deem, steih upp, is all seben." Agnes war auch wirklich wie der Wind aus dem Bett, fuhr mit einem mitgebrachten Hornkamm, dem ein paar Zähne fehlten, durch ihr etwas gekraustes langes Blondhaar, putzte sich wie ein Kätzchen und zog dann den himmelblauen Hänger, die roten Strümpfe und zuletzt auch die Knöpfstiefel an. Gleich danach brachte ihr Engelke einen Topf mit Milchkaffee, und als sie damit fertig war, nahm sie ihr Strickzeug und ging in bas große Zimmer nebenan, wo Dubslav bereits in feinem Lehnstuhl faß unb auf seine Schwester wartete. Denn um acht nahmen sie bas erste Frühstück gemeinschaftlich. „So, Agnes, das is recht, daß du da bist. Haft du denn schon deinen Kasfee gehabt?" Agnes knickste. „Nu setz dich mal ans Fenster, daß du bei deiner Arbeit besser sehn kannst; du hast ja schon dein Strickzeug in der Hand. Solch junges Ding wie du muß immer was zu tun haben, sonst kommt sie auf dumme Gedanken. Nicht wahr?" Agnes knickste wieder, und da sie sah, daß ihr der Alte weiter nichts zu sagen hatte, ging sie bis an das ihr bezeichnete Fenster, dran ein länglicher Eichentisch stand, und fing an zu stricken. Es war ein sehr langer Strumpf, brandrot und, nach seiner Schmalheit zu schließen, für sie selbst bestimmt. Sie war noch nicht lange bei der Arbeit, als Adelheid eintrat und auf ihren im Lehnstuhl sitzenden Bruder zuschritt. Bei der geringen Helle, die herrschte, traf's sich, daß sie von dem Gast am Fenster nicht recht was wahrnahm. Erst als Engelke mit dem Frühstück kam und die plötzlich geöffnete Tür mehr Licht einfallen ließ, bemerkte sie das Kind und sagte: „Da sitzt ja wer. Wer ist denn das?" „Das ist Agnes, das Enkelkind von der Buschen." Adelheid bewahrte mit Mühe Haltung. Als sie sich wieder zurechtgefunden, sagte sie: „So, Agnes. Das Kind von der Karline?" Dubslav nickte. „Das ist mir ja ne Ueberraschung. Und wo hast du sie denn, seit ich hier bin, versteckt gehalten? Ich habe sie ja die ganze Woche über noch nicht gesehn." „Konntest du auch nicht, Adelheid; sie ist erst seit gestern abend hier. Mit Engelke ging das nicht mehr, wenigstens nicht auf die Dauer. Er ist ja so alt wie ich. Und immer raus in der Nacht und rauf und runter und mich umdrehn und heben. Das könnt ich nich mehr mit ansehn." „Und da hast du dir die Agnes kommen lassen? Die soll dich nun rum- drehn und heben? Das Kind, das Wurm. Haha. Was du doch alles für Geschichten machst." „Agnes", sagte hier Dubslav, „bu könntest mal zu Mamsell Pritzbur in bie Küche gehn und ihr sagen, ich möchte heute mittag ne gefüllte taube haben. Aber nich so mager und auch nich so wenig Füllung, und daß es nich nach alter Semmel schmeckt. Und bann kannst du gleich bei der Mamsell unten bleiben und dir ne Geschichte von ihr erzählen lassen, vom .Schäfer und der Prinzessin' ober vom .Fischer un fine Fru'; Rotkäppchen wirst du wohl schon kennen." Agnes stand auf, trat unbefangen an den Tisch, wo Bruder und Schwester saßen, und machte wiederholt ihren Knicks. Dabei hielt sie das Strickzeug unb ben langen Strumpf in ber Hand. „Für wen strickst bu benn ben?" fragte die Domina. „Für mich. Dubslav lachte. Adelheid auch. Aber es war ein Unterschied in ihrem Lachen. Agnes nahm übrigens nichts von diesem Unterschied wahr, sah vielmehr ohne Furcht um sich und ging aus dem Zimmer, um unten in ber Küche bie Bestellung auszurichten. Als sie hinaus war, wiederholte sich Adelheids krampfhaftes Lachen. Dann aber sagte sie: „Dubslav, ich weiß nicht, warum bu dir, so lang ich hier bin, gerade diese Hilfskraft angenommen hast. Ich bin deine Schwester und eine Märkische von Adel. Und bin auch die Domina von Kloster Wutz. Und meine Mutter war eine Radegast. Und bie Stechtine, die drüben in ber Gruft unterm Altar stehn, bie haben, soviel ich weiß, auf ihren Namen gehalten unb sich untereinanber die Ehre gegeben, die jeber beanspruchen durste. Du nimmst hier bas Kind der Karline in dein Zimmer unb setzt es ans Fester, fast als ob's ba jeder fo recht sehn sollte. Wie kommst bu zu dem Kind? Da kann sich Woldemar freuen und feine Frau auch, bie so was .Unberührtes' hat. Unb Gräfin Melusinel Na, bie wird sich wohl auch freun. Und die darf auch. Ader ich wiederhole meine Frage, wie kommst bu zu dem Kind?" „Ich hab es kommen lassen." „Haha. Sehr gut; .kommen lassen'. Der Klapperftorch hat es dir wohl von der grünen Wiese gebracht und natürlich auch gleich für die roten Beine gesorgt. Aber ich kenne dich besser. Die Leute hier tun immer so, wie wenn du dem alten Kortschädel sittlich überlegen gewesen wärst Ich für meine Person tann's nicht finden und sagte dir gern meine Meinung darüber. Aber ich nehme häßliche Worte nicht gern in den Mund." „Adelheid, du regst dich auf. Und ich frage mich, warum? Du bist ein bißchen gegen die Buschen, — nun gut, gegen die Buschen kann man sein; und bu bist ein bißchen gegen die Karline, — nun gut, gegen die Karline kann man auch sein. Aber ich sehe dir's an, das Eigentliche, was dich aufregt, das ist nicht die Buschen und ist auch nicht die Karline, das sind bloß bie roten Strümpfe. Warum bist bu fo sehr gegen bie roten Strümpfe?" „Weil sie ein Zeichen finb." „Das sagt gar nichts, Abelheib. Ein Zeichen ist alles. Wovon sind sie ein Zeichen? Darauf kommt es an." „Sie sind ein Zeichen von Ungehörigkeit und Verkehrtheit. Unb ob du nun lachen magst ober nicht (benn an einem Strohhalm fleht man eben am besten, woher der Wind weht), sie sind ein Zeichen davon, baß alle Vernunft aus der Welt ist und alle gesellschaftliche Scheidung immer mehr aufhört. Und das alles unterstützt du. Du denkst wunder, wie fest bu bist; aber bu bist nicht fest unb kannst es auch nicht fein, benn bu steckst in allerlei Schrullen und Eitelkeiten. Und wenn sie dir um ben Bart gehn ober dich bei deinen Liebhabereien fassen, dann läßt du bas, worauf es ankommt, ohne weiteres im Stich. Es soll jetzt viele solche geben, benen ihr Humor unb ihre Rechthaberei viel wichtiger ist als Gläubigkeit unb Apostolikum. Denn sie finb sich selber ihr Glaubensbekenntnis. Aber, glaube mir, bahinter steckt der Versucher, und wohin der am Ende führt, das weiht du, — soviel wird dir ja wohl noch geblieben fein." „Ich hoffe", sagte Dubslav. „Und weil du bist wie bu bist, freust bu bich, baß biefe Zierpuppe (schon ganz wie bie Karline) rote Strümpfe trägt unb sich neue dazu strickt. Ich aber wiederhole dir, diese roten Strümpfe, die sind ein Zeichen, eine hochgehaltene Fahne." „Strümpfe werden nicht hochgehalten." „Noch nicht, aber das kann auch noch kommen. Unb das ist bann die richtige Revolution, bie Revolution in der Sitte, — bas, was sie jetzt das .Letzte' nennen. Und ich begreife dich nicht, baß bu davon kein Einsehen hast, bu, ein Mann von Familie, von Zugehörigkeit zu Thron unb Reich. Ober der sich's wenigstens einbildet." „Nun gut, nun gut." „Und da reift du herum, wenn sie den Torgelow oder den Katzenstein wählen wollen, und hältst deine Reden, wiewohl bu eigentlich nicht reden „Das is richtig. Aber ich hab auch keine gehalten .. ." „Und hältst deine Reden für König und Vaterland und für die alten Güter und sprichst gegen die Freiheit. Ich versteh dich nicht mit deinem ewigen .gegen die Freiheit'. Laß sie doch mit ihrer ganzen dummen Freiheit machen, was sie wollen. Was heißt Freiheit? Freiheit ist gar nichts; Freiheit ist, wenn sie sich versammeln und Bier trinken und ein Blatt gründen. Du hast bei den Kürassieren gestanden und mußt doch wissen. fttfj Torgelow und Katzenstein (was keinen Unterschied macht) uns nicht erschüttern werde, uns nicht und unsern Glauben nicht und Stechlin nicht und Wutz nicht. Die Globsower, solange sie bloß Globsower sind, tonnen gar nichts erschüttern. Aber wenn erst der Buschen ihre Enkelkinder, denn die Karline wird doch wohl schon mehrere haben, ihre Knopfstiesel und ihre roten Strümpfe tragen, als müßt es nur so sein, ja, Dubslav, dann ist es vorbei. Mit der Freiheit, laß mich das wiederholen, hat es nicht viel auf sich; aber die roten Strümpfe, das ist was. Und dir trau ich ganz und gar nicht, und der Karline natürlich erst recht nicht, wenn es auch vielleicht schon eine Weile her ist." „Sagen wir .vielleicht'." „Oh, ich kenne das. Du willst das wegwitzeln, das ist so deine Art. Aber unser Kloster ist nicht so aus der Welt, daß wir nicht auch Bescheid wüßten." „Wozu hättet ihr sonst euern Fix?" „Kein Wort gegen den." Und m großer Erregung brach das Gespräch ab. Noch am selben Nachmittag aber verabschiedete sich Adelheid von ihrem Bruder und fuhr nach Wutz zurück. Verweile doch! Tod. Begräbnis. Neue Tage. 40. Kapitel. Agnes, während oben die gereizte Szene zwischen Bruder und Schwester spielte, war unten in der Küche bei Mamsell Pritzbur und erzählte von Berlin, wo sie vorigen Sommer bei ihrer Mutter auf Besuch gewesen war. „Eines war da", sagte sie, „das hieß das Aquarium. Da lag eine Schlange, die war so dick wie'n Bein." „Aber hast du denn schon Beine gesehn?" fragte die Pritzbur. „Aber, Mamsell Pritzbur, ich werde doch wohl schon Beine gesehn haben... Und dann, an einem andern Tag, da waren wir in einem .Tiergarten', .aber in einem richtigen, mit allerlei Tieren drin. Und den nennen sie den .Zoologischen'." „Ja, davon hab ich auch schon gehört." „Und in dem .Zoologischen', da war ein ganz kleiner See, noch viel kleiner als unser Stechlin, und in dem See standen allerlei Bögel. Und einer, ganz wie'n Storch, stand auf einem Bein." Als die Mädchen das Wort „Storch" hörten, kamen sie näher heran. „Aber die Beine von dem Bogel, oder es waren wohl mehrere Vögel, die wären viel größer als Storchenbeine und auch viel dicker und viel röter." „Und taten sie dir nichts?" „Nein, sie taten mir nichts. Bloß, wenn sie so ne Weile gestanden hatten, dann stellten sie sich auf das andre Bein. Und ich sagte zu Mutter: .Mutter, komm; der eine sieht mich immer so an'. Und da gingen wir an eine andere Stelle, wo der Bär war." Das Kind erzählte noch allerlei. Die Mädchen und auch die Mamsell freuten sich über Agnes, und sie trug ihnen ein paar Lieder vor, die ihre Mutter, die Karline, immer sang, wenn sie plättete, und sie tanzte auch, während sie sang, wobei sie das himmelblaue Kleid zierlich in die Höhe nahm, ganz so, wie sie's in der Hasenheide gesehen hatte. So kam der Nachmittag heran, und als es schon dunkelte, sagte Engelke: „Ja, gnädgcr Herr, wie is das nu mit Agnessen? Sie is immer noch bei Mamsell Pritzbur unten, un die Mächens, wenn sie so singt und tanzt, gucken ihr zu. Sie wird woll auch so was wie die Karline. Soll sie wieder nach Haus, oder soll sie hierbleiben?" „Natürlich soll sie hierbleiben. Ich freue mich, wenn ich das Kind fehe. Du hast ja ein gutes Gesicht, Engelke, aber ich will doch auch mal was andres sehn als dich. Wie das lütte Balg da so saß, so steif wie ne Prinzeß, hab ich immer hingeguckt und ihr wohl ne Viertelstunde zugesehn, wie da die Stricknadeln immer so hin und her gingen und der rote Strumpf neben ihr baumelte. So was Hübsches hab ich nicht mehr gesehn, seit zu Weihnachten die Grafschen hier waren, die blasse Komtesse und die Gräfin. Hat sie dir auch gefallen?" Engelke griente. „Na, ich sehe schon. Also Agnes bleibt. Und sie kann ja auch nachts mal aufstehn und mir eine Tasse von dem Tee bringen, oder was ich sonst grade brauche, und du alte Seele kannst ausschlafen. Ach, Engelke, das Leben is doch eigentlich schwer. Das heißt, wenn's auf die Neige geht; vorher is es soweit ganz gut. Weiht du noch, wenn wir von Brandenburg nach Berlin ritten? In Brandenburg war nicht viel los; aber in Berlin, da ging es." „Ja, gnädger Herr. Aber nu kommt es." „Ja, nu kommt es. Nu is Katzenpfötchen dran. So was gab es damals noch gar nicht. Aber ich will nichts sagen, sonst wird die Buschen ärgerlich, und mit alten Weibern muß man gut stehn; das is noch wichtiger als mit jungen. Wnd, wie gesagt, die Agnes bleibt. Ich sehe so gern was Zierliches. Es is ein reizendes Kind." „Ja, das is sie. Aber ..." „Ach, laß die ,Abers'. Du sagst, sie wird wie die Karline. Möglich is es. Aber vielleicht wird sie auch ne Nonne. Man kann nie wissen." Agnes blieb also bei Dubslav. Sie saß am Fenster und strickte. Mal in der Nacht, als ihm recht schlecht war, hatte er nach dem Kinde rufen wollen. Aber er stand wieder davon ab. „Das arme Kind, was soll ich ihm den Schlaf stören? Und helfen kann es mir doch nicht." So verging eine Woche. Da sagte der alte Dubslav: „Engelke, das mit der Agnes, das kann ich nich mehr mit ansehn. Sie sitzt ja jeden Morgen und strickt. Das arme Wurm muß ja hier umkommen. Und bloß alles, weil ich alter Sünder ein freundliches Gesicht sehn will. Das geht so nicht mehr weiter. Wir müssen sehn, daß wir was für das Kind tun können. Haben wir denn nicht ein Buch mit Bildern drin oder so was?" „Ja, gnädger Herr, da find ja noch die vier Bände, die wir letzte Weihnachten bei Buchbinder Zippel in Gransee haben einbinden lassen. Eigentlich war es bloß ne .Landwirtschaftliche Zeitung', und alle, die mal neu Preis gewonnen haben, die waren drin. Und Bismarck war auch drin un Kaiser Wilhelm auch." „Ja, ja, das is gut; das gib ihr. Und brauchst ihr auch nich zu sagen, daß sie keine Eselsohren machen soll; die macht keine." Wirklich, die „Landwirtschaftliche Zeitung" lag am andern Morgen da, und Agnes war sehr glücklich, mal was andres zu haben als ihr »tritt« zeug, und die schönen Bilder ansehn zu können. Denn es waren auch Schlösser drin und kleine Teiche, drauf Schwäne fuhren, und auf einem Bilde, das eine Beilage war, waren sogar Husaren. Engelke brachte leben Morgen einen neuen Band, und mal erschien auch Elfriede, die Lorenzen, um nach Dubslavs Befinden fragen zu lassen, von der Pfarre heruber- geschickt hatte. „Die kann sich ja die Bilder ansehn", sagte Dubslav; „am Ende macht es ihr selber auch Spaß, und vielleicht kann sie dem kleinen Ding, der Agnes, alles so nebenher erklären, und dann is es so gut wie ne Schulstunde." Elfriede war gleich dazu bereit. Und nun standen die beiden Kinder nebeneinander und blätterten in dem Buch, und die Kleine sog jedes Wort ein, was die Große sagte. Dubslav aber hörte zu und wußte nicht, wem von beiden er ein größeres Interesse zuwenden sollte. Zuletzt aber war es doch wohl Elfriede, weil sie den wehmütigen Zauber all derer halte, die früh abberufen werden. Ihr zarter, beinahe körperloser Leib schien zu sagen: „Ich sterbe". Aber ihre Seele wußte nichts davon; die leuchtete und sagte: „Ich lebe". Das mit den Bilderbüchern dauerte mehrere Tage. Dann sagte Dubslav' „Engelke, das Kind fängt heute schon wieder von vorn an; es ist mit allen vier Bänden, so dick sie sind, schon zweimal durch; ich sehe, wir müssen uns was Neues ausbaldowern. Das is nämlich ein Wort aus der Diebssprache; soweit sind wir nu schon. Uebrigens ist mir was Gutes eingefallen: hol ihr eine von unfern Wetterfahnen herunter. Die stehn ja da bloß so rum, un wenn ich tot bin und alles abgeschätzt wird — was sie .ordnen' nennen —, dann kommt Kupperschmied Reuter aus Gransee und taxiert es auf fünfundsiebzig Pfennig." „Aber, gnädger Herr, uns' Waldemar ..." „Nu ja, Waldemar. Waldemar ist gut, natürlich, und die Komtesse, seine junge Frau, is auch gut. Alles is gut, und ich hab es auch nicht so schlimm gemeint; man red't bloß so. Nur soviel is richtig: meine Sammlung oben is für Spinnweb und weiter nichts. Alles Sammeln ist überhaupt verrückt, und wenn Woldernar sich nich mehr drum kümmert, so is es eigentlich bloß Wiederherstellung von Sinn und Verstand. Jeder hat feinen Sparren, und ich habe meinen gehabt. Bring aber nich gleich alles runter. Nur die Mühle bring und den Dragoner." Engelke gehorchte. Den ersten Tag, wie sich denken läßt, war Agnes ganz für den Dragoner, der, als man ihn vor Jahr und Tag von feinem Zelliner Kirchturm heruntergeholt hatte, frisch aufgepinselt worden war: schwarzer Hut, blauer Rock, gelbe Hosen. Aber sehr bald hatte sich das Kind an der Buntheit des Dragoners fattgesehen, und nun kam statt seiner die Mühle an die Reihe. Die hielt länger vor. Meistens — wenn sie nur überhaupt erst im Gange war — brauchte das Kind bloß zu pusten, um die Mühlflügel in ziemlich rascher Bewegung zu halten, und der schnarrende Ton der etwas eingeroftelen Drehvorrichiung war dann jedesmal eine Luft und ein Entzücken. Es waren glückliche Tage für Agnes. Aber fast noch glücklichere für den Alten. Ja, der alte Dubslav freute sich des Kindes. Aber so wohltuend ihm feine Gegenwart war, so war es auf die Dauer doch nicht viel was andres, als ob ein Goldlack am Fenster gestanden oder ein Zeisig gezwitschert hätte. Sein Auge richtete sich gerne darauf; als aber eine Woche und dann eine zweite vorüber war, wurd ihm eine gewisse Verarmung fühlbar, und das so stark, daß er saft mit Sehnsucht an die Tage zurückdachte, wo Schwester Adelheid sich ihm bedrücklich gemacht hatte. Das war sehr unbequem gewesen, aber sie besaß doch nebenher einen guten Verstand, und in allem, was sie sagte, war etwas, worüber sich streiten und ein Feuerwerk von Anzüglichkeiten und kleinen Witzen abbrennen ließ. Etwas, was ihm immer eine Hauptsache war. Dubslav zählte zu den Friedliebendsten von der Welt, aber er liebte doch andrerseits auch Friktionen, und selbst ärgerliche Vorkommnisse waren ihm immer noch lieber als gar keine. Kein Zweifel, der alte Schloßherr auf Stechlin sehnte sich nach Menschen, und da waren es denn wahre Festtage, wenn Besucher aus Näh oder Ferne sich einstellten. Eines Tages — es schummerte schon — erschien Krippenstapel. Er hatte seinen besten Rock angezogen und hielt ein übermaltes Gesäß, mit einem Deckel darauf, in feinem linken Arm. „Nun, das ist recht, Krippenstapel. Ich freue mich, daß Sie mal" nachsehn, ob unser Museum oben noch seinen ,Chef hat. Ich sage .Chef. Der Direktor find Sie ja selber. Und nun kommen Sie auch gleich noch mit ner Urne. Hat gewiß Ihr Freund Tucheband irgendwo ausgegraben. Oder is es bloß ne Terrine? Himmelwetter, Krippenstapel, Sie werden mir doch nich ne Krankenfuppe gekocht haben?" „Nein, Herr Major, keine Krankenjuppe. Gewiß nicht. Und doch is es einigermaßen so was. Es ist nämlich ne Wabe. Habe da heute mittag einen von meinen Stöcken ausgenommen und wollte mir erlaubt haben, Ihnen die beste Wabe zu bringen. Es ist beinah fo was wie der mittelalterliche Zehnte. Der Zehnte, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, war eigentlich was Feineres als Geld." „Find ich auch. Aber die heutige Menschheit hat für fo was Feines gar keinen Sinn mehr. Immer alles bar und nochmal bar. Oh, das gemeine Geld! Das heißt, wenn man teins hat; wenn man's hat, ist es soweit ganz gut. Und daß Sie gleich an Ihren alten Patron — ein Wort, das übrigens vielleicht zu hoch gegriffen ist und unser Verhältnis nicht recht ausdrückt — gedacht haben! Lorenzen wird es hoffentlich nicht Übelnehmen, daß ich Sie, wenn ich mich Ihren .Patron' nenne, so gleichsam avancieren lasse. Ja, das mit der Wabe. Freut mich aufrichtig. Ader ich werde mich wohl nicht drüberher machen dürfen. Immer heißt es: ,das nicht'. Erst hat mir Spanholz alles verboten und nu die Buschen, und fo leb ich eigentlich bloß noch von Bärlapp und Katzenpfötchen." (Fortsetzung folgt.) Erste Blume. Von Josef Weinheber. Erste Blume, aus Dunkel und Erde wie ich für ein Weilchen gehoben ins Licht: Ein Bruder senkt mit ergriffner Gebärde zu dir hernieder sein Menschengesicht. Bist eine Sehnsucht, bist ein Leben gluck- und schmerzdurchzittert wie ich: Kannst auch du mir die Hand nicht geben, ich beug mich nieder und küsse dich. Brenles Traum. Von Eberhard Meckel. Eigentlich hieß sie „Sabine", aber niemand nannte sie je so, sondern jeder hatte für sie nur die Abkürzung „Bienle" — ja, und wenn man sie anschaute, sah, wie sie war, ging und sprach, wußte man auch, ihr Name konnte gar nicht anders sein als eben „Bienle". Dabei war sie schon ein ausgewachsenes Mädchen, siebzehn Jahre alt, ein richtiges Fräulein, eine junge Dame fast; nein, „Fräulein" oder „junge Dame" paßten nicht auf sie, sie war und blieb eben Bienle, zu Hause oder im Geschäft, wo sogar der gefürchtete Direktor, wenn er sie zum Diktat hereinrufen ließ, sagte: „Das Bienle soll kommen!" Zu Hause? Ein rechtes Zuhause hatte sie nicht. Sie stand allein, allein in der großen, im Grunde ihr fremden norddeutschen Stadt, nachdem ihre Eltern, die in Süddeutschland gewohnt hatten, vor zwei Jahren gestorben waren, und sie, das Bienle, aus der Heimat wegmußte, froh, irgendwo hier in der Fremde unterzukommen, bei einer alten mürrischen, um viele Ecken verwandten Tante, die sich nicht um sie kümmerte, in einer Dachkammer zu wohnen und im übrigen eine Bürostelle anzunehmen, die ihr nicht mehr und nicht weniger einbrachte, als was alle Anfängerinnen in ihrem Alter bekommen, und die sie genau so sesthielt, den Tag über einspannte von morgens acht Uhr, eine halbe oder dreiviertel Stunde Mittagspause, bis um fünf. Meist wurde es später, sehr viel später sogar, denn Bienle mußte immer noch warten, bis alle Unterschriftmappen fertig waren, dann die Briefe noch einpacken und zur Post geben — kurz und gut, es war immer ein reichlich ausgefüllter Tag! Aber vielleicht merkte es Bienle nicht einmäl sehr, vielleicht hatte sie noch gar keine klare Empfindung dafür, in welch einem Dasein und Betrieb sie darinsteckte. Sie war noch so jung, sie nahm alles hin, als ob es sein müßte, sie war noch nicht zum Eigenen erwacht, es schlummerte alles noch in ihr, und es war eigentlich wunderbar, wie alles noch in ihr schlummerte. Sie hatte noch keine Wünsche ans Leben, und wenn sich wirklich einmal solche von fernher zeigten, dann waren sie klein, und mit den Hoffnungen und Enttäuschungen, den Schmerzen und Erfahrungen, überhaupt mit allen inneren und äußeren Dingen erging es ihr ebenso. Sie war eben „Bienle", und ohne alles dies wäre sie es eben nicht gewiesen, siebzehn Jahre alt, wie gesagt, sehr nett anzuschauen, ein reizendes Kind, das die Haare noch ohne Berechnung, es könne wirksam aussehen, zurückwarf, mit noch ein wenig ungeschickten Gliedern, und alle, aber auch alle Menschen hatten sie gern. Im Geschäft war alles ein Herz und eine Seele, schon um des kameradschaftlichen Zusammenhaltens willen, aber man weiß ja, wie es ist: Kaum ist die Bürozeit zu Ende, läuft alles auseinander, und keiner kümmert sich viel um den andern; das Privatleben beginnt. Und fo kümmerte sich im Grunde auch niemand um das Bienle. Empfand sie es vielleicht doch? Sehnte sie sich nicht vielleicht dunkel nach irgend etwas, nach einem Menschen, nach einem lieben Wort? Ahnte sie etwas von dem leeren Raum um sie, von der Luft, die sie nicht in vollem, freudigem Zug atmete? Wie sollte es weitergehen? Wo würde es enden? Machte sie sich Gedanken darüber? Brauchte sie sich welche zu machen? War sie nicht einfach jung, herrlich jung — was will man mehr? Es war ein junger Angestellter in Bienles Büro, das heißt, ganz so jung war er nicht mehr, und der beschäftigte sich mit dem Mädchen mehr, als sie wußte. Sie wußte überhaupt noch nicht viel, und sie befand sich in dem Zustand, wo ihr ein Mann wie der andere galt. Dieser eine war ihr darum auch nicht mehr als alle übrigen, die sie sah und kannte, und mit denen sie zu tun hatte, obwohl er es gern gehabt hätte. Ja, er, der sie täglich sah, ihr im gleichen Raum, am gleichen Pult fast gegenübersah, er liebte sie wohl schon, wenn er es sich recht gestand, doch es war keine törichte und blinde Liebe, eine Verliebtheit oder voreilige Begehrlichkeit, sondern es war die sehr gerade und klare Sache eines Mannes, der immerhin schon bald dreißig Jahre alt war, still lebte und mit Dingen umging, die ihn gegen den flüchtigen Genuß äußerer Stunden oft schmerzhaften Gewinn gleichgewichtiger Reife einbrachten — und gleichzeitig begriff er, daß man bei Bienle vorsichtig und behutsam sein müsse, um in ihr vielleicht auf lange oder immer etwas zu zerstören. Er erkannte deutlich, daß man sie noch lassen solle, wie sie war, und man von außen nichts an sie herantragen, sondern höchstens leise und zart und mittelbar sie darauf hinlenken dürfe, was wohl für sie gut war, für jedes Mädchen, jede Frau gut und richtig war. Wenn er Bienle sah, und er sah sie natürlich oft, wüns te er ihr nur seine Gedanken zu schicken in der Hoffnung, sie gelangten einmal zu ihr, und bei diesen G-^mken war kein Wunsch, keine Heftigkeit, sondern einfach dies eine „Ick bab dich lieb, Bienle, und du fällst es langsam, langsam wissen . Aber sie merkte dies Eine nicht; wie konnte sie es merken? Bis er chr eines Nachts — wohl fühlen wir den Traum der Liebe, aber die Kräfte, die ihn durchströmen und möglich machen, kennen wir in ihren geheimnisvollen und verborgenen Wegen immer noch nicht — einen Traum sandte, in dem vieles war, was ihn bewegte und sie auch bewegen sollte: Würde der Traum sie erreichen? Vielleicht war, er, der Mann, auch gar nicht die Ursache davon? Kam er aus Bienle selbst? Sie schlief. In ihrer Dachkammer lag sie, die Arme unterm Kops verschränkt, die Falten der Decke zeichneten ihre Gestalt rührend ab, unter den Lidern, durch die Geäder wunderbar blau hindurchschkmrnerle, glitten die Augäpfel hin und her, Schlafjchatten lagen überm Gesicht — wer sie so sah! Aber es sah sie ja niemand, nur die Nacht, die nie ganz dunkle, nie ganz stille Nacht der Stadt, stand ums Haus, um Kammer und Lager, um die paar Habseligkeiten in Schrank und Schubladen uud Wandbrett. Und mitten darin also schlies sie, ein junger Mensch, der das ganze Dasein noch vor sich hat, schlief und träumte. Träumte und war plötzlich im Traum merkwürdig angerührt, spürte sich von einem bisher nicht Gekannten gestreift. Bienle wußte nicht, was das alles war, woher sich das alles her- leitete; sie wachte halb auf, schlummerte wieder halb ein, von tiefer Ruhe erfüllt, und gleichzeitig fühlte sie sich wie von starken Händen gewiegt, und in diesem Wiegen, das das Zimmer und das Haus und die ganze Welt miteinschließt, wiegte sie selbst etwas hin und her, auf ihrem Arm hielt sie es, sie blickte nicht hin, was das fei, sie brauchte gar nicht hin- zusehen, denn es war ihr plötzlich aus ihrem ganzen Wesen heraus nah und deutlich: Es war ein Kind, fast überirdischer Glanz ging davon aus, eine blendende neue Wirklichkeit, die alles Mütterliche mit jäher Gewalt in ihr hervorzaubert, ihr Inneres zu einer beglückenden Erschütterung aufwühlt und unerklärlich verwandelt. Kindliches entfernt und doch wieder zart bestätigt. Frauliches zum erstenmal aus heimlicher weiblicher Gestaltwerdung sichtbar macht und doch erneut in sehnsüchtige Ferne entrückt und verhüllt ... Wie lange das so währte, dieser zwischen Wachen und Traum, Erwecken und Bewahren schwankende Zustand dauerte, ob Minuten oder Stunden, das vermochte Bienle, als sie, nicht im Geringsten verwirrt, morgens dann aufstand und später wie üblich, ins Geschäft ging, nachträglich nicht mehr zusammenzubringen. Aber hinter jedem Schritt, hinter jeder Bewegung schien ihr nun ein tiefer, wenn auch noch nicht faßbarer Sinn und eine besondere Bestimmung zu liegen. Unter der Türe zum Büroraum begegnete sie dem Mann, von dem aus dieses Treffen vielleicht nicht ganz zufällig gedacht war. Sie hob den Kopf, sah ihn an, die Augen begegneten einander, es war wie immer und doch anders, unerbittlich anders. Und von da an nahm auch für Bienle das alte Spiel, der alte Ernst der Liebe den ersten leisen Anfang. Das Leben nahm sie unmerklich in Besitz, wenn es ihr auch vielleicht noch Jahre ließ zum ersten entscheidenden Wort, zum ersten entscheidenden Schritt ... Friedrich Bethge, Dichter des Krieges und unserer Zeit. Ein Aufriß seines Lebens und seines Werkes. Von Wilhelm Utermann. Cs ist bei einer Betrachtung der Dichter unserer Zeit nichts im Grunde so unwichtig, wie die äußeren Daten ihres Lebens. Sie treten hinter ihrem Werk zurück. Was sie sind und was sie sein wollen, sind sie in ihm. Darum sei hier nur dem allgemeinen Brauch folgend vermerkt, daß Friedrich Bethge am 24. Mai 1891 in Berlin als Sohn des Germanisten Richard Bethge geboren wurde. Mütterlicherseits entstammt er einem über 250 Jahre in Ostpreußen ansässigen Pfarrergeschlecht. Vor dem Kriege war Bethge als Schriftleiter in einem Berliner Zeitfchriften- $ erlag tätig. Gleich bei Beginn des Krieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger zum Kolberger Grenadier-Regiment Nr. 9. Schon 1916 wurde er Leutnant, 1917 Kompanieführer. In den viereinhalb Kriegsjahren wurde er fünfmal verwundet. Bethge besitzt außer den höchsten Kriegsauszeichnungen das Goldene Verwundetenabzeichen. Aus dem Krieg zurückgekehrt, fand er als Beamter eine Stellung bei der Stadt Berlin. Er schrieb während dieser Zeit auch Theaterbesprechungen. Manche Gedichte aus seiner Feder ließen aufhorchen. (Für feinen ersten Band „Gedichte" wurde er 1923 mit einem Lyrikpreis ausgezeichnet.) Er arbeitete an der dreiaktiven Tragödie „P f ar r P ed e r", zu der er durch Strind- bergs Erzählung „Höhere Zwecke" angeregt wurde. Dieser dramatisierten Legende ließ er den Novellenband „Pierre und Jeanette" folgen. Als 1930 Bethges Kriegsdrama „Reim s" aufgeführt wurde, war fein Name mit einem Schlage bekannt. Diesem Schauspiel ließ er 1933 die Kleinstadt-Komödie „D i e Blutprobe" folgen. Den Ruf eines großen Dichters errang er sich mit dem am 30. Januar 1935 in Frankfurt a. M. uraufgeführten Schauspiel „M arsch der Veteranen". Bethge hat sich früh in die nationalsozialistische Kampfgemeinschaft eingegliedert. Er hat heute den Rang eines SS.-Sturmführers. Seit der deutschen Revolution ist er Chefdramaturg und Stellvertreter des Generalintendanten der Städtischen Bühnen in Frankfurt a. M. Bei Gründung des Reichskultursenats berief ihn Reichsminister Dr. Goebbels als Senator in dieses führende Gremium. Bethges erste Tragödie birgt einen echten tragischen Konflikt. Sein „Pfarr Peder" greift ein Stück der Religionsgefchichte auf: es spielt um das Jahr 1070 im Schwäbischen. Der Erstling läßt noch formale Schwächen erkennen, aber den Griff des Dramatikers erkennt man, und die erste aller Fähigkeiten, die Entscheidung in den Willen des einzelnen zu legen und seinen Entschluß schon in die Nähe der tragischen Höhe zu führen. Bethge sagt einmal: „Das neue deutsche Drama fußt im Erlebnis des Krieges", und ein anderes Mal: „Das Pathos der Frontgeneration ist immer noch der grimmige Humor — diese männlichste Umgehungsform des alles zerstörenden Pathos". Die Forderung dieser beiden Sätze hat Bethge rein in seinen Schauspielen „Reims" und „Marsch der Veteranen" erfüllt. Bethge trägt die Wunden des Krieges und das heilige Vermächtnis der Frontkamerad- schaft. Jahrelang hat er es mit sich getragen und geschwiegen. Dann begann er es zu gestalten. Weil er es, dies Kriegserlebnis, fo lange reifen ließ, konnte fein erstes Wort von diesem Heiligtum so stark wirken. Fast zu gleicher Zeit mit „Reims" entstand Eberhard Wolfgang Möllers „Douaumont", von dem Bethge selbst sagt, daß dies Werk Möllers schon tastend die neue Form gefunden habe, die das Kriegsdrama finden mußte. Es ist fast symbolisch, daß in diesen beiden Staatspreisträgern der Krieg Gestalt fand, als Dank und Mahnung, schon in den ersten Werken, die Deutschland aufhorchen ließen. Die Fabel des Schauspiels „Reims" ist einfach und schlicht wie die Durchführung: ein Soldat hört, daß im Heimatdorf seine Frau ihn mit einem russischen Kriegsgefangenen betrüge. Er desertiert, um nach dem Rechten zu sehen. Er wird vor ein Kriegsgericht gestellt. Die Aussagen, die er macht, zunächst bezweifelt, bewahrheiten sich durch das Zeugnis seines Leutnant. Der Soldat hört im Prozeßverfahren, daß während feiner Abwesenheit sein Regiment fast restlos vernichtet wurde. Er erkennt seine Schuld und kehrt mit diesem tiefsten menschlichen Schuld- gefühl an die Front zurück, wo ihn vor Reims neuer Kampf und Erlösung erwartet. So schlicht wie dieser Borwurf ist auch die Gestaltung, die aber doch das eiserne Lied des Krieges einfängt. Eine nüchterne Tatsachenmeldung ist Bethge Anregung zu seinem Kriegsepos gewesen. Die Wirklichkeit brachte dem Soldaten zehn Jahre Zuchthaus — der Dichter, Soldat eben, schenkt ihm Begnadigung. Ernst Jünger schreibt: „Die kräftigste Erdluft, die daran haftet, rief in mir lebhaft die Erinnerung an die Gräben wach, daneben fehlt es nicht an Stellen, die beweisen, daß uns während dieser Zeit nicht wie den Maulwürfen die Augen zugewachsen sind." Bethge vermochte einen durch und durch heroischen Stoff heroisch zu gestalten. Seinem eigenen Grundsatz gemäß mied er jedes Pathos. Darum war „Reims" ein mythisches und zugleich naturalistisches Bild vom Kriege. Im „Marsch der Veteranen" erfüllte Bethge dann am schönsten das Vermächtnis der Front. Er hat die Heimkehrer gesehen, denen einmal gesagt wurde, daß ihnen der Dank des Vaterlandes gewiß sei. Er hat erlebt, wie der Soldat des Krieges in einer schmachvollen Zeit ohne Dank blieb. Der Dichter las im April 1932 in den Zeitungen von dem Hungermarsch amerikanischer Kriegsteilnehmer zum Weihen Haus in Washington. Die Veteranen schlugen vor dem Regierungssitz ihr Lager auf und schaufelten mit Blumen geschmückte Gräber, auf denen Kreuze die Namen der Regierungsmitglieder nannten. Entgegen den Abmachungen des Führers der Veteranen mit dem Chef der Regierungstruppen, die freien Abzug garantierten, werden sie mit Tanks und Tränengas vertrieben. Für den nationalsozialsozialistischen Dichter, so sagt Bethge selbst, mar hier der Stoff und die Art der Gestaltung gegeben. Um zeitlichen und künstlerischen Abstand zu gewinnen, verlegt er das Ereignis in das napoleonische Rußland. So läßt Bethge seine Veteranen in Petersburg einmarschieren. In der Auseinandersetzung mit dem zaristischen Regime verherrlicht Bethge den soldatischen Geist schlechthin, der sich in Disziplin, Gehorsam und dem festen Glauben an das gegebene Wort erweist. Die über alles siegende Kameradschaft, tausendmal unter Kanonendonner bewährt, glorifiziert Bethge. Wie er dieses Lied vom Soldatentum singt, ist es ein Schulbeispiel, wie der dichterische Mensch Themen der Gegenwart in die Historie zu verlegen vermag, um sie in der Ebene gleichnishaft zu gestalten. Gerade in „Reims" und im „Marsch der Veteranen" ist das formelle Vermögen Bethges zu erkennen. In knappster Sprachführung und diszipliniertem dramaturgischem Aufbau löst er den Konflikt. Bethge spricht selbst oft davon, daß bester Lehrmeister des Dramatikers das Schachspiel sei. Und wie bei diesem baut er auf. An seinen beiden Dichtungen ist beispielhaft die sichere dramaturgische Lösung aufzuzeigen, wie sie die große Dichtung enthalten muß. Diese dramaturgische Kraft des Dichters paart sich mit der zuchtvollen Sprache, die mit balladeskem Wort bei aller Schlichtheit immer transparent bleibt. So finden sich in Friedrich Bethge alle die Mittel vereint, die Rüstzeug des großen Dramatikers sind. Jetzt wurde ihm auch die Anerkennung gegeben, die sein Werk verdiente, und alle, die Bethge kennen, freuen sich mit dem Manne, der durch alles Leid ein Kinderherz behielt. Gerade die Jugend bekennt sich rückhaltlos zu ihm, weil er ihr vieles von dem sagte, was sie als Ideal zu leben sich bemüht. Die Millionen Soldaten des Krieges aber erfahren in der Ehrung eines ihrer Kameraden auch den Dank und die Anerkennung, an der sie, wie er, berechtigten Anteil haben. Brockenbesteiaunq. Eine Jugenderinnerung von Paul Ernst. Heute ist der Brocken ohne alle Schwierigkeiten durch die Brockenbahn zu erreichen: schon lange vorher aber bot eine Brockenbesteigung keine besonderen Aufgaben, denn eine bequeme Landstraße führte bis zum Gipfel. Etwa um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts beginnen die ersten Beschreibungen von Brockenbesteigungen, von denen aus der des Fürsten Friedrich von Anhalt-Bernburg einige Sätze folgen mögen: „Wären (von Rübeland) nach dem Brockensberge zugegangen, und hätten ihn durch einen morastigen, steinichten und sonsten bösen Weg eine Meile hinanbestiegen, die Bäume sich aber in der Höhe immer oergeringert, und endlich gar verloren, also, daß oben der Platz, einer guten halben Meile groß ganz kahl mit Haide bewachsen, teils morastig, teils felsig und hart wäre gewesen. Anfangs hätten sie auf offenem Platz ihnen zur linken Hand sich aufeinander gefügte sehr große Steine gesehen, welche daselbst des Königs Kapelle genannt wurden, besser hinauf über ihnen zur Rechten wäre ein ziemlich tiefer und großer Teich gewesen, ungefähr zwei oder drei Morgen groß, der Zauberteich genannt, und weiter fort ein schöner großer Quell guten Wassers, an welchen ein Stein gelegen mit einem Loche, worin eine eiferne Stange gestanden daran eine eiserne Kelle mit einer Kette angeheftet gewesen, welcher Quell der Zauberbrunnen (heute Kellwasser) genannt wurde. Der Wegweiser hätte, weil es sehr neblich gewesen, sich nicht getraut, den Weg nach Andreasberg zu finden, hätten also die vorige Beschwerde wiederholen und mit Gefahr Menschen und Tiere herabziehen müssen. Sie hätten hernach zur rechten Hand auf einem hohen Berge, die Höhe genannt, viel Felsen und Steinklippen, fast wie eine Mauer liegen lassen, und wären endlich an etliche aufeinander geschichtete Felsen, so auch die Königskapelle wäre geheißen worden und am Wege gelegen, gekommen." Wer wirklich Freude an dem Besuch des Brockens haben will, wird auch heute noch lieber zu Fuß aufsteigen als sich der Bahn anoertrauen, deren Rauch und Geräusch häßlich die Ruhe der Berge und Täler stört. Merkwürdig, wie die Menschen heute immer durch das Mittel den Zweck verjagen; wer mit der Harzquerbahn und ihrer Abzweigung auf den Brocken fährt, der sucht die einsamen grünen Täler mit dem rauschenden und kalten, klaren Wasser, in welchem die Forelle springt, und die Waldeseinsamkeit der runden waldbedeckten Höhen, der weiten dunkeln Hochebenen, aber der Eisenbahnzug, der ihn durch diese Herrlichkeit trägt, zerstört die Einsamkeit ja gerade; was der Mensch fliehen will, das bringt er mit an den Ort, wohin er flieht. Der Aufstieg auf den Brocken ist so wenig mühsam, daß wir als Schüler von Clausthal aus in etwa sechs Stunden den Brockengipfel erreichten; mir gingen die Nacht durch, daß wir zum Sonnenaufgang oben waren und kehrten bann wieder zurück. Ein solcher nächtlicher Weg gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Wir gingen über Altenau und Torfhaus; erst die schöne Altenauer Chaussee, die durch Fichtenhochwald führt, in welchem nächtliche Stille herrschte; am Polstertal schnitten wir leichtsinnig die Windungen der Chaussee ab, indem wir in der Dunkelheit den schmalen Fußweg einschlugen, der oberhalb der Altenauer Hütte herauskommt; wir gingen einer hinter dem andern tappend den steilen Hüttenberg zwischen den Fichten auswärts, bis wir auf der Hohe an» tarnen, wo von der andern Seite der Berge der Hüttenrauch den Baum- wuchs vernichtet hat, und wir nun nicht mehr die dunkeln Zweige über uns hatten, sondern die Wolken, die zogen und sich drängten; und bald ging dann auch der Mond auf, der die weitläufige Hütte unter uns, das sich windende Tal, den kahlen Bergzug gegenüber fo hell beleuchtet«, daß man glaubte, die Steine einzeln unterscheiden zu können. Es war gegen Mitternacht, und die Häuser von Altenau waren dunkel, aber die Hunde hatten uns gewittert und bellten schon von weitem; und einmal drang auch wohl der Laut einer klirrenden Kette nach oben, wenn eine Kuh im Stall sich bewegte. Dann ging es im Mondschein weiter durch die Waldwege, wo nun die Zweige der Bäume phantastische Netze auf den Boden malten; die Kühle des Morgens kam zu der Kälte der größeren Höhe, welche wir allmählich erreichten, schweigend, ohne die vielen Gespräche, mit denen sonst Knaben ihre Ausflüge begleiten. Wir tarnen in die Gegend der Torfmoore, wo verkrüppelte weißfchalige Birken vereinzelt aus der trügerischen Decke aufwachsen zwischen dem dichten Heidel- beerfraut; wunderliche Gestalten nehmen in dem phantastischen Mondlicht die Birken an. Zuweilen begleitete uns ein heimlich rauschendes Wässerchen, aus dem es hier und da widerblitzte durch den Mondschein; in plätschernder Eile schoß es roegab. Dann kam wieder Wald, wo sich das Mondlicht zwischen den hohen Stämmen verlor, ein Hai mit abgeblühten Kerzen des Fingerhuts, wo man weit über den schweigenden Wald blicken konnte; vor uns stand der Gipfel des Brockens, der sich ruhig erhebt aus den weiten Wäldern. Nun wurde der Anstieg steiler, noch freier und frischer die Lust; große Granittrümmer lagen verstreut zwischen den Stämmen, in Mondlicht und Schatten wunderliche Gestalten bildend. Mit der Zeit wurde der Wald immer dünner, verloren die Fichten ihre gerade Gestalt; zeigten sonderbare Kämme und verwachsene Formen; die Spuren des pflegenden Menschen verschwanden; umgestürzte Stämme, die feit Jahren gelegen hatten und ihre rindenentblößten Aeste wie weiße Knochen zeigten, lagen zwischen den Felsen; die Kronen waren bei vielen Stämmen abgebrochen; die Bäume wurden auch immer kleiner und kleiner, immer phantastischer die greifenden und klammernden Wurzeln. Es kam die Gegend der fast gestrüppartigen niedrigen Stämme, die viele hundert Jahre lang so niedrig und zäh in den heulenden Stürmen stehen sollen; an einer Stelle waren die Stämme abgestorben und der Rinde beraubt und sahen weiß und knöchern in die mondbeschienene Nacht. Wir hatten keinen Nebel auf dem Wege gehabt, und auch am Fuße des Brockens die Spitze ganz klar gesehen; aber jetzt, eine halbe Stunde etwa vom Gipfel und Haus entfernt, war urplötzlich alles von Nebel eingehüllt, ohne daß wir vorher eine Ahnung gehabt hatten. Es war ein Glück, daß wir uns auf dem Wege befanden, nur einer von uns war wenige Schritte zur Seite gegangen, um eine ganz merkwürdig verkrüppelte Zwergfichte zu betrachten; trotzdem er uns fo nahe war, gelang es ihm doch nicht gleich, uns wieder zu finden, denn auch die orientierenden Rufe scheinen bei dem dichten Nebel zu äffen. So fliegen wir die letzte Höhe, welche ganz kahl ist, eilig hinauf, bis zu dem gastlichen Brockenhaus, wo wir uns ausruhen und aus den Sonnenaufgang warten konnten. Der Blick vom Brocken ist sehr schön bei klarem Wetter, wenn man über die steinige nächste Umgebung fort die weiten Wälder übersieht mit den einzelnen Hais und jüngeren Beständen, den einsamen Forsthäusem; weiterhin die versteckten Orte des. Harzes, und dann die flache Ebene mit ihren vielen, vielen Städten, Flecken und Dörfern in ihren Fluren. Ein solcher Blick gibt ein Gefühl der Weite und Freiheit in die Seele, eine Luft zu fliegen und zu herrschen, eine Ungebundenheit und Leichtigkeit, ein Vergessen allen bürgerlichen und trägen Lebens im Behagen der Städte und Häuser. Aber seinen Reiz hat auch der Nebel und die Wolkenhülle, welche meistens den Gipfel umgibt. Auch da ist nichts Träges, Schweres oder Gleichgültiges. In dem Nebel wirbelt und brodelt es, zieht und flattert, ballt sich und türmt sich. Der Sturm legt sich in-bie Wolke und zerreißt sie, und ein Blick auf bie Wälder und die Ebene wird frei; Fetzen der Wolke hängen sich am Felsen, an Baumspitzen, und ziehen leidenschaftlich den Entflohenen nach; da stürmt wieder ein neuer Wolkenwall herbei, wälzt sich und ballt sich in die Lücke, im Nu alles verdeckend und verfinsternd; an einer anderen Stelle wird plötzlich durch einen Riß die Bläue des Himmels sichtbar; dann entsteht an einer ganz anderen Stelle eine neue Öeffnung mit einem neuen Blick, und die Wolken fliehen eilfertig wie ein geschlagenes Heer; aber wieder verfolgt von neuen Geschieben, Ballen, Mächten und treibenden Zügen. Und nichts scheint spielerisch bei diesen Bewegungen, alles ist Leidenschaft. Ernst, Sehnsucht, Verlangen, Haß, und düstere, furchtbare Schwermut. Stundenlang, tagelang konnte einer diesem Kampf der Wolken zufchauen, und immer neue Arten der Leidenschaft in ihnen finden. Das Meer ist einförmig gegen diese Wolken. Verantwortlich Dr. Hans Thyriot. — Druck und 15 er lag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, B. Lange, Gießen. Montag, -en 3. Mai Nummer 34 Jahrgang 1937 Roman von Theodor Fontane Küss' die Hand oanes/S r Sache daraus zu sagen habe, das ist das. Ich pictä^y- i jemand Briefbeschwerer heißt, und überlaß' es Green Yellow Red 6 8 L 9 V £ 1 Colour & Grey Control Chart Das Feuerversicherungsmännchen aber, das zufällig so sonderbar hieß, das mar so dünn wie'n Strich." „Ja, Dubslav, was soll das nun alles wieder? Du gibst da deinem Zeisig mal wieder ein gut Stück Zucker. Ich sage Zeisig, weil ich nicht verletzlich werden will." »er ein Kugelmann sein will. Aber ich habe sehr iefbeschwerer, nu, das ist bloß ein Zufall, Melu- Schwiegeroater ihren ricyngen mien «ui« Sie ging aus ihn zu und küßte ihm die Hand. Dann bin ich beruhigt", wiederholte der Alte. „Melusine gefallt fast' immer. Aber manchem gefällt sie freilich auch nicht. Es gibt so viele Menschen, die haben einen natürlichen Haß gegen alles, was liebenswürdig ist, weil sie selber unliebenswürdig sind. Alle beschränkten und aufgesteifte'n Individuen, alle, die eine bornierte Vorstellung vom Christentum haben — das richtige sieht ganz anders aus —, alle Pharisäer und Gernegroße, alle Selbstgerechten und Eitlen sühlen sich durch Personen wie Melusine gekränkt und verletzt, und wenn sich der alte Stechlin in Melusine verliebt hat, dann lieb ich ihn schon darum, denn er ist dann eben ein guter Mensch. Mehr brauch ich von ihm gar nicht zu wissen Uebrigens könnt es kaum anders sein. Der Apfel fallt nicht weit vom Stamm. Aber auch umgekehrt: wenn ich den Apfel kenne, kenn ich auch den Stamm ... Und wer war denn noch da? Ich meine, von Verwandtschaft?" „Nur noch Tante Adelheid von Kloster Wutz", sagte Armgard. "Das ist die Schwester des Alten?" ,'Ia. Papa. Aeltere Schwester. Wohl um zehn Jahr älter und au-b nur" Halbschwester. Und eine Domina." „Sehr fromm?" „Das wohl eigentlich nicht." , , „ ''Du bist so einsilbig. Sie scheint dir nrcht recht gefallen zu haben. ^Nun,°Melusine,^ dann sprich du. Nicht fromm also; das ist gut. Aber "^.Fast könnte man's jagen", antwortete Melusine. „Doch paßt es nen Woldemar daneben denke! Der is ja solcher ang an verloren. Eh er noch weiß, was los ist, itzdem er doch bloß ihr Schwager ist. Oder viel- ,. Und dazu das ewige Sichbiegen und -wiegen ie zum Beweise, daß es mit der Schlange denn , Und wie sie nun gar erst mit dem Lorenzen der ist womöglich noch leichter zu fangen als immer an wie ne Offenbarung. Und sie ist s kein Zweifel. Aber wovon?" Hochzeit. 32. Kapitel. Zu guter Zeit waren die Reisenden wieder in Berlin zurück. Woldemar hatte Braut und Schwägerin bis an das Kronprinzenufer begleitet, mußte jedoch auf Verbleib im Barbyschen Hause verzichten, weil im Kasino eine kleine Festlichkeit stattfand, der er beiwohnen wollte. Der alte Graf ging, als unten die Droschke hielt, mühsamlich auf seinem Zimmerteppich aus und ab, weil ihn sein Fuß, wie stets, wenn das Wetter umschlug, mal wieder mit einer ziemlich heftigen Neuralgie quälte. „Nun, da seid ihr ja wieder. Der Zug muß Verspätung gehabt haben. Und wo ist Woldemar?" Man gab ihm Auskunft und daß Woldemar wegen seines Nichterscheinens um Entschuldigung bäte. „Gut, gut. Und nun setzt euch und erzählt. Mit dem Conte, das ließ damals allerlei zu wünschen übrig .. v^eih, Melusine. Da möcht ich denn begreiflicherweise, daß 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 kotten Ä uni) eig^ M dem elfen auf »er weiß weit oben ’Mpänen* Denn tüt und h» blieb uet e fertigen mmt. Di, Witterung, Ken alten Leute sind tlid) einet schneiden, den. ’Rein, doch eint Plan ini kennen di, >m Hörem man nie! Stahle in ialbflädjen, den Kohb bis sticht, ize Wissem ipchen ooi zugedetks bann alles nbem nm Grey 2 Grey 3 Grey 4 wie die Komtesse sind verwöhnt: das merkt man. Aber ich mochte sagen, je verwöhnter sie find ..." „Desto besser gefallen sie dir. Das sieht dir ähnlich. Ich liebe mehr unsre Leute. Beide sind doch beinah wie Fremde." „Nun, das ist nicht schlimm." _ ., „Doch. Mir widersteht das Fremde. Laß dir erzählen. Da war ich vorigen Sommer mit der Schmargendorf in Berlin und ging ju Josty, weil die Schmargendorf, die so was liebt, gern eine Tasse Schokolade trinken wollte." „Du hoffentlich auch." „Allerdings. Ich auch. Aber ich kam nicht recht dazu, nippte bloß, weil ich mich über die Maßen ärgern mußte. Denn an dem Tische neben mir saß ein Herr und eine Dame, wenn es überhaupt eine Dame war. Aber Engländer waren es. Er steckte ganz in Flanell und hatte die Beinkleider umqekrempelt, und die Dame trug einen Rock und eine Bluse a_ r , , — n Meilen litten hol) i noch rech! ter, Reisig .fiten. Dem >n aus, bit hi sehr auf' • brach em| n-®lü(t bei, iratf) banadi chen wollte! m zu och' verbrannte wenn nich Wenn ab« ibergeschH . tarnen °> mit aroße> ilche ®agen t tonnte e> nq war, un> lob Da ®°' armen fer*'! "in große' i gab’s ° sangen a «r nonollt! er früh", emorbenj- ßanbeo dee LUie[ei deicht, ooi- ViApion •*.