GiehenerLamiliendMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Alizeiger Jahrgang 195Z , Donnerstag, den ZV.Dezember Nummer <02 Die Insel öer fünf Millionen Pinguine Don Lherrg Kearton Deutsche Rechte durch 3. Engelhorns Nachf., Stuttgart Nachdruck verboten 7. Fortsetzung. Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, dies« dreieckige Schlacht in ihren Einzelheiten zu beschreiben, um so mehr als alle drei Teilnehmer genau gleich gekleidet waren. Jedenfalls dauerte sie so lange, daß ich allmählich genug bekam und zum Mittagessen heimging. Als ich aber eine Stunde später zum Nest zurückkehrte, um zu sehen, wer Sieger geblieben war, sah ich zu meinem Erstaunen, daß der Kampf nicht weniger heftig tobte als zuvor. Dann und wann ließen die beträchtlich zerzausten Kämpfenden einen Augenblick lang voneinander ab, um Luft zu schnappen, doch gleich ging es wieder von vorn los. Sonderbarerweise hatten sich keine Zuschauer eingefunden, obwohl die Pinguine sonst oft lebhafte Neugier für die Streitigkeiten und Kämpfe anderer Tiere zeigen. In diesem Fall aber gingen die Insassen der benachbarten Nistlöcher gleichgültig ihren häuslichen Geschäften nach oder sahen uninteressiert und gelangweilt zu. Noch immer waren keinerlei Zeichen schwindender Kampfesbegeiste- rung bei den dreien zu sehen, und ich muß sagen, daß ich von tüchtigem Respekt vor dem Schneid des Pinguins erfaßt wurde, der so wacker in der Schlacht gegen eine doppelte Ueberlegenheit durchhielt. Doch als ich genauer hinsah, merkte ich plötzlich, daß eine wichtige Veränderung vor sich gegangen war. Ob das Pinguinweibchen bereits von derselben Bewunderung für die Tapferkeit ihres Mannes-ergriffen worden war wie ich und infolgedessen Gewissensbisse über ihr Verhalten zu fühlen begann, weiß ich nicht, jedenfalls aber stand sie nicht mehr eindeutig auf feiten des Ehebrechers; wie ich annehmen möchte, hatte der lange wütende Kampf sie etwas unzurechnungsfähig gemacht. Einmal sah ich genau, wie sie mit verzweifelter Wut auf ihre eigene Flosse einhackte; ein Zufall zweifellos, aber auch ein Beweis für die Wildheit des Kampfes. Auf alle Fälle teilte sie nun ihre Hiebe mindestens gleichmäßig an ihren Bundesgenossen und iyren Feind — ihren Magn — aus. Das war wohl das Zünglem an der Waage, das schließlich und endlich den Kampf zugunsten des rechtmäßigen Ehemannes entschied. Mit frischen Kräften drang er aufs neue aus den Gegner ein, und als der Nachmittag zu Ende ging, war es nicht mehr zweifelhaft, daß er den Sieg davontragen würde. Und ebensowenig war daran zu zweifeln, daß es ihm irgendwie gelungen war, sich die Gattin zurllckzuerobern. Sie focht jetzt kaltblütig an seiner Seite und setzte ihre Hiebe mit wohlberechneter Wirksamkeit immer an die ungeschütztesten Körperstellen ihres verflossenen Liebhabers. Und dieser Gentleman ließ erkennen, daß er nachgerade genug hatte, was nach sechs Stunden kein Wunder war. Man konnte sein Gesicht kaum sehen, so blutüberströmt war es; nur noch steif bewegten sich die Flossen, und die eine schien tatsächlich halbgelähmt. So zog er denn bei anbrechender Nacht vor, die zweiundneunzigste Runde — sooiele mögen es gewesen sein — nicht mehr anzunehmen. Er machte sich still davon und hinkte jämmerlich nach dem Djeer hinunter. Zweifellos war es nicht recht von mir, daß ich irgendwelche Sympathie für den arg zerrauften Kerl empfand, der die Lektion gewiß reichlich verdient hatte. Allein ich seh« nun einmal Tiere nicht gern in Not, was auch der Grund sein möge, und so folgte ich ihm, um zu sehen, was aus ihm würde. Er war übel zugerichtet. Vom Hals bis üreioiertels zu den Beinen hinab war fein' Gefieder buchstäblich in Blut getränkt, und schrecklich sah sein Kopf aus; aus klaffenden Wunden kam das rohe Fleisch hervor. Und beide Augen waren so zerschunden, daß er so gut wie blind sein mußte. ■ torkelte den Weg vom Nistplatz zum Meer hinab — eine in den Erddooen getretene Spur — und irrte ab und zu, weil er nicht zu sehen vermochte, wohin er trat, und auch keinen geraden Kurs zu steuern vermochte, ins offene Land ab. Merkwürdig war aber, daß er, obzwar er die Spur offenbar nicht sehen konnte, doch sofort merkte, wenn er davon abgekommen war, und dann vorwärts und rückwärts lief, um sie wieder- zufinden. Schließlich tat er mir so leid, daß ich ihn aufhob, unter den Arm nahm und zum Wasser hinuntertrug. Ein paar Augenblick« blieb er n«hen — augenscheinlich im Zweifel darüber, wo er sei. Dann wittert« er wohl die See oder er hörte die Brandung und ging stracks ins Wasser, um sich zu waschen. Er tauchte mehrmals und spritzte sich Wasser über das Gefieder, das von Minute zu Minute wieder mehr seine natürliche Färbung annahm. Und endlich schwamm er Hinaus ins Meer und „verschwand im Dunkel der Nacht", wie der Bösewicht in einem alten Roman Ich ober als Zuschauer des Dramas begab mich zurück, um zu sehen, was Herr Pinguin und Frau Gemahlin nach dieser traurigen Störung ihres Ehelebens wohl beginnen mochten. Diese Augenblicke, denke ich mir, waren sicher entscheidend für das weitere Leben jenes Paares. Eine falsch angebrachte Zurechtweisung seitens des Gatten, ein Vorwurf seitens der Frau — und alles war wieder in Frage gestellt. Doch zum Glück war keines von beiden in der Verfassung etwas zu sagen. Eine ganz« Weile waren alle beide wohl mit der Behandlung ihrer Wunden beschäftigt gewesen. Und dann hatten die beiden beschlossen, die Sache „auf sich beruhen zu lassen" — genau in derselben unverständlichen und geheimnisvollen Weise, in der auch bei uns Menschen manches scheinbar schlecht zusammenstimmende Paar es immer wieder fertigbringt, seine halbzerrüttete Ehe frisch zusa-mmen- zuflicken. Und so habe ich nur hinzuzufügen, daß bei meiner Rückkehr Herr und Frau Pinguin einträchtig Kops an Kops in ihrem Nest lagen und alles Geschehene offenbar vergeben und vergessen hatten. * Von dieser Episode mit ihrem unerwartet glücklichen Ausgang muß ich zu einer andern übergehen, die notgedrungenermaßen tragisch endete. Nicht weit von meinem Zelt hatten zwei Pinguine ihr Heim, das wenigstens in einer Peziehung allen andern Nestern im Umkreis überlegen war: es hatte ein steinernes^Dach. Dieses Dach hatten die Pinguine natürlich nicht selbst gebaut; sie hatten nur geschickt den Boden unter dem Dach ausgehöhlt, wobei sie die Erde und den Sand, die das Felsstück trugen, nicht anrührten. Da die Gegend aber sehr beliebt war, wurden in der Nähe zahlreiche apdere Baue dicht nebeneinander gegraben. Ständig trafen neue Familien ein, um sich ihr Haus zu bauen, fein beträchtlicher Teil des Bodens wurde aufgewühlt, und wie bei allen größeren Tiefbauten lockerten sich dadurch allmählich die Fundamente der umliegenden Häuser. Keiner der Pinguine merkte, was vorging, bis endlich im gegebenen Augenblick die Erde unter dem einen Ende des großen Steindachs nachgab und das Ganze einstürzte. Unglücklicherweise geschah das gerade zu einer Zeit, als sich einer der beiden Pinguine, denen das Nest gehörte, darin befand. Und so konnte ich nur noch den zerquetschten, verstümmelten Tierkörper hervorziehen. Als ich auf den Schauplatz kam, gelang es mir mit Mühe, den heruntergebrochenen Stein wegzuschieben; für das arme Pinguinweibchen darunter aber vermochte ich nichts zu tun. Es mußte im Handumdrehen getötet worden sein, während es.da faß und auf die Rückkehr des Männchens vom Fischen wartete. Ich holte einen Spaten aus dem Zelt und grub ein Grab. Was würde wohl das Männchen denken, wenn es zurückkam und das eingestürzte Rest fand, aber kein Zeichen von seiner Gefährtin? ... Allein es schien mir besser so, als sie dem Aasvertilger der Insel, dem Ibis, zu überlassen. Als ich mit dem Begräbnis fertig war, schaute ich auf einem nahen Stein einen Pinguin sitzen, der unverwandt auf die Trümmer des Rests und das frische Grab blickte. Jeder, der nicht gut mit wilden Lebewesen vertraut ist, jeder der gewohnt ist, den Menschen als die einzige fühlende Seele auf Erden zu betrachten, jeder, der nichts weiß von der Liebe, di« manche dieser wildlebenden Geschöpfe für einander hegen, wird dieses Geheimnis widersinnig oder unglaubhaft finden. Und doch ist es Tatsache. Der seines Weibchens beraubte Vogel blieb sechs volle Tage auf jenem Fleck, indem er sein zerstörtes Heim betrachtete und — daran vermochte ich nicht zu zweifeln — auf di« Rückkehr seiner Gefährtin wartete. Was diese ununterbrochene Wacht ihn gekostet haben muß, tarm man daran ermessen, daß er während ihrer Dauer ohne Nahrung und Wasser blieb. Man sah ihm an, daß er langsam verhungerte, bis er endlich am Abend des sechsten Tages langsam zum Meer hinabging. Doch selbst da war die Hoffnung noch nicht erstorben, denn nach zwei Tagen erschien er von neuem und blieb wiederum fünf Tage an dem Grabe. Obwohl man also oft über die Pinguine lachen muß, hat die Medaille sicherlich auch ihre Kehrseite. Als jenes Dach einstürzte, war zufällig nur das eine Pinguinweibchen zu Hause, und soweit ich entdecken konnte, waren di« Eier noch nicht gelegt. Wären aber schon Kücken dagewesen und auf irgendeine Weise dem fallenden Stein entronnen, dann wären sie mit ihrer Ernährung gänzlich von ihrem Vater abhängig gewesen. Und wäre ihm etwas zugestoßen oder er hätte zu mausern angefangen ... __ Dazu würde allerdings «in« ungewöhnliche Reche von Mißgeschicken Elftes Kapitel. Tägliches Leben. — Der Abendschoppen. — Badepolonoise. — Die Prozession. — Das Strandbad. — Tauchstunde. — Spiele — Haifischalarm. — Sprung aus sechs Meter Höhe. — Das Felsenriff. — Siesta. — Der silberne Zug. Die Pflichten der Hauswirtschaft und die der Elternschaft nehmen miteinander die Pinguine während eines erheblichen Teils ihres Aufenthalts auf der Insel in Anspruch. Doch so häuslich veranlagt und so gute Eltern sie auch sein mögen, lassen sie sich diese Dienste doch nicht zu einer Fessel werden, die alles andere ausschließt. Zwar wird sicherlich das Pinguinweibchen zuweilen ihrem Gatten vorhalten, daß „eine Haussrau nie eine Minute freie Zeit für sich selbst hat", und sobald sie einmal Mutter ist, steht sie Mutterängste aus, auch während der Spielzeit. Dennoch aber dachte ich. oft, wenn ich die Pinguine bei ihren Alltagsverrlch- tunqen beobachtete, daß viele Menschenmütter sie zweifellos beneiden würden. Wie wenig wissen sie von unfern unliebsamsten Pflichten! Die Instandhaltung der Wohnung zum Beispiel: da genügt es, ein paarmal mit dem Fuß über den Teppich aus Reisern oder Tang zu fahren, und olles ist für den kommenden Tag in schönster Ordnung. Freilich müssen sie lange brütend auf den Eiern sitzen, was gewiß oft lästig ist, doch bemerkte ich, daß die meisten Weibchen dieses Geschäft im Halbschlaf verrichten, der oftmals in festen Schlummer übergeht. Ueberhaupt roitb ein erklecklicher Teil des Tages von Pater, Mutter und Kindern schlafend verbracht. Ich kenne kein wildlebendes Tier, das. sich eines gesünderen Schlafes erfreut. Ein weiterer Teil der Zeit wird wie bereits gesagt mit ausführlichen Liebesbezeugungen ausgcfüllt. Auch Krach gibt es nicht selten, und ein ordentlicher Zank gehört ja bekanntlich zu den Beschäftigungen, denen man sich mit besonderer Leidenschaft hingibt. Worüber die Pinguine so ost in Harnisch geraten, wüßte ich allerdings kaum zu sagen, wenn auch in einzelnen Fällen ein triftiger Grund vorliegen mag wie ein Einbruch ins eheliche Leben oder die Raubzüge von Dieben. Mitunter werden die Rester auch zu dicht beieinander gebaut, und die Nachbarn streiten sich über die Brandmauer hinweg oder richtiger- hindurch. Abgesehen davon wird viel geklatscht und getratscht, ohne daß man irgend eines jener Dinge dafür verantwortlich machen könnte. Es ist nichts weiter, als daß die Bügel in ihren kleinen Restlöchern auf der Pinguininsel sich eben nicht immer vertragen. Helle Begeisterung weckt bei allen Pinguinen stets der Regen. Beim gehört haben, trotz aller Ungewöhnlichkeit aber komm! dergleichen> v o iv Und zwar ist die Ursache häufmec em gleichzeitiges Mausern als der gleichzeitige Tod beider Eltern. Jeden -alls gibt es aus dem einen »der andern Grunde'zahlreiche verwaiste Pinguinkucken auf der Insel. Zwei davon interessierten mich ganz besonders. nh Sie pflegten von Gruppe zu Gruppe zu wandern und sich wahrend der Fütterzerten andern Nestlingen zuzugesellen wobei sie von Muttern, die zu beschäftigt waren, um achtzugebcn, wen sie futterten, etwas abzu- bekommen versuchten. Diel aber kann das keinesfalls gewesen |ein. 3unge Pinguine sind bei der Fütterung sehr gierig und lassen nicht leicht fremde Kücken heran. Und ich denke mir, sobald es fid) einnwl herurn- gesprochen hatte, daß elternlose Junge sich in der Gegend herumtneben wurde sofort Vorsorge getroffen, daß die schwergewonnene Nahrung von der nie zuviel da war, nur in die Schnabel beqentgen floh, denen sie zugedacht wan * halbausgewachsenen verhungerten Jungen — ein erschütternder Anblick! — von Familie zu Familie wandern, überall obqewiesen und davongejagt, verachtete Bettelkmder mck denen niemand das geringste Mitgefühl zu haben schien. Man sah sie wußten mcht mehr aus noch ein. Die einzige Nahrungsquelle, die sie kannten, waren ihre Eltern, und die waren nicht mehr da, einmal sah ich sie am Rand des Wassers stehen, wie sie verlangend hinausblickten. Sie muhten wohl gewußt haben, daß dort ihre Eltern das Futter zu holen pflegten, dennoch aber machten sie keinen Versuch ins Wasser hineinzugehen. So seltsam es ist — selbst in einem so verzweifelten Falle lvie diesem werden Pinquinkücken sich kaum jemals ins Wasser wagen, wenn sie nicht zuvor von den Alten hineingeführt worden sind. Sie treiben zwar ganz von feldst auf der See, und wahrscheinlich würden sie auch schwimmen können, ohne doß es ihnen gezeigt zu werden brauchte aber sie tun es so gut wie nie, und wenn doch einmal, gelangen sie bestimmt nicht weit genug, um Fische zu finden. Ganz gelegentlich wagt sich einer einmal gerade ins Wasser hinein, sowie aber die erste Welle ihn erreicht, laßt er sich statt dagegen anzuschwimmen, wieder von ihr an Land spmen. Er macht qar nicht den Versuch, es mit ihr aufzunehmen — er wird einfach zu einem Stück Treibgut, das olle Aussichten hat, gegen einen. Felsen geworfen und in Stücke zerschmettert zu werden. Da den beiden hungernden Kücken ihr verzweifelter Plan, das Meer aufzusuchen, mißlungen war, fing das erschöpfende Herunnrren von einem Nistloch zum andern von neuem an. Von Tag zu Tag sahen sie abgezehrter aus, und immer schwächer wurden die kleinen Beine. . Es war einer jener hoffnungslosen Fälle, bei denen feine Mst möglich ist. Pflegemütter gibt es unter den Pinguinen nur selten: Weibchen, denen die Eicr von Möwe ober Ibis gestohlen wurden, dehnen ihre Mütterlichkeit selten auf fremde Junge aus. Ich glaube nicht, daß solch verwaiste Nestlinge je aufwachsen — ihnen ist das Todesurteil gesprochen. Sie verzehren sich allmählich, wie diese beiden es taten, und werden immer magerer — solange bis selbst das Herumirren und die Futter- uche bei andern unmöglich wird. So sah ich diese beiden Waisen wie sie, beinahe schon in den letzten Zügen, Obdach suchten, weil sie nicht mehr weiter konnten. Sie stolperten über ein verlassenes Nest, gingen hinein und legten sich zum Sterben nieder. ' Drei Tage danach sah ich, wie der Ibis ihre Knochen blank nagte. ' Man lacht so leicht über die Pinguine, die komischsten aller Vogel, die Komiker der Natur... Vielleicht ist es gut, sich dann und wann einmal klarzumachen, daß ihr Leben auch für anderes Anlaß bietet als zum Lachen. ^^Aiick Verirrte, wie die beiden armen Kücken, von denen ich erzählte, gehen mit, obgleich sie wissen, daß sie den Wogen nicht trotzen können. Sie hoffen wahrscheinlich, dort unten am Wasser ihren Eltern zu begegnen. Eine kläglich aussehende Gesellschaft von Mauserern sieht den anderen nach; dann setzen auch sie sich in Bewegung, obwohl sie ja in Mer Zeit nicht zu tauchen vermögen. Der Ruf des Meeres ist.Unwiderstehlich. Wir wollen einmal die Familie dort begleiten, tue soeben ihr Nest verlassen hat. Die beiden Kücken gehen voran, das lagere ist ganz aufgeregt über die große Begebenheit und mochte anscheinend am liebsten davonstürmen, das andere Penau drei Tage altere zeigt eine zwar gleichfalls erfreute, aber doch e\n klein wenig überlegene Miene Hinterher trotten wachsamen Auges Wster und Mutter Ihr Ausdruck scheint ,edoch zu sagen, daß sie einzig und allein der Kinder halber zum Strand« pilgern, was natürlich der Wahrheit durchaus nicht entspricht. Durch die vorbeiziehende Familie werden andere Pmgume daran erinnert, welche Tageszeit es ist, und im Ru lassen sie all ihre anderen Beickäftigungen liegen und schließen sich an. . Die Familie schlägt einen S°nZ bestimmten Weg em. Das tun die Pinguine stets. Auch wenn es anscheinend völlig gleichgültig ist, ob sie hier entlanggehen oder dort, halten sie sich immer auf dem gleichen Pfad, den sie vorher gegangen sind und aus dem alle andern gehen. Ueber die Felsen wie über die Erde führt eine gut ausgetretene Fährte, und die verfolgen sie watschelnd und von Fels zu Fels hinabspringend. Und wählend sie so dahinziehen, kommt es einem vor, als ob sie, obwohl sie keinen Laut von sich geben, miteinander und mit den andern Pmguipen chwatzten, die unterwegs aus ihren Nestern hervorkommen. An einer Stelle hat Regen die Erde m Schlamm verwandelt, der dem Fuß nicht viel Halt bietet, allein diese Möglichkeit ist vorgesehen worden: die Pinguine haben in den Boden eine Reihe von furchen gekerbt, so daß er fast wie em Rost aussieht. Ganz allein haben die Pinguine das gemacht — jedenfalls in Erfüllung ihrer Gemeindepfsicht. Mit den Schna- beln haben sie die schlüpfrige Erde bearbeitet und S" dicht aneinander- liegenden winzigen Erdwällen aufgehäuft. Das war sicherlich eine harte Arbeit für sie. Allein ein Weg ist lebensnotwendig, und em schlupfriger Weg ist schlimmer als nutzlos, folglich muh stets für seinen ordentsichen Zustand Sorge getragen werden. Auf der gefurchten Strafte rutscht man nicht so leicht aus — da kann man gemächlich einherstolzieren ober auch einen Wettlauf ansetzen, wenn die Nähe des Meeres gar zu verlockend "'"Inzwischen hoben sich der Heinen Prozession weitere ansehnliche Trüpplein angeschlossen, so daft nun mehr als zwan^g Pinguine mit- lammen dahinwandern; bald stöftt zu ihnen noch eine Gruppe aus einem andern Nistplatz und erhöht die Zahl. . Die Familie, mit der wir aufgebrodjen sind, hat gegen anderthalb Kilometer Weges bis zum Strand ober (ebenfalls bis zu ber Stelle am Strande, wo die Badepolonaise stattfindet. Täglich wird eine solche Parade am Sandstrand jeder der verschiedenen Jnselbuchten abgehalten, denn wenngleich sich von der Felsküste aus ein fröhliches Treiben mit Tauchen von hoch oben herab entwickeln läftt, besteht doch beim Boden, wie jedermann weift, bas halbe Vergnügen im Herumliegen auf bem Sanö Während des Marsches schwillt die Prozession immer mehr an Hier kommt eine grofte Abteilung aus jenem Teil der Insel, ber so sehr an Cornwall erinnert... Es müssen mittlerweile schon em paar hundert Vögel sein, und dieser weitere Zustrom erhöht die Zahl auf em halbes Tausend Die beiden Ströme fliehen ineinander und vermischen sich, doch die Morjchkolonne wirb streng innegehalten — eine Ausbreitung gibt es nicht. (Fortsetzung folgt.) ersten Schauer sieht man sie aus der Deckung ihrer Nester hervor und ins Freie eilen, in unverkennbarem Vergnügen mit den »(offen schlagend. Ueberhaupt ist ber qröhte Teil ihrer Erholung auf bte eine ober andere Weise mit dem Wasser verbunden. Von Zeck zu Zeck sieht man, wie Herr Pinguin, während seine Gattin gerade Dienst hat, sich lässig den Schlaf aus den Gliedern schüttelt, die Flossen reckt und. streckst den Kopf auf die Seite legt und zu seiner Eheliebsten hinuberbsickt, als wolle er ihr mitteilen dah er einen kleinen Bummel vorhabe, „nur gerade um sich die Füße etwas zu vertreten". Das bedeutet natürlich, dah es ihn gelüstet, einen Abendschoppen zu trinken. So watschelt er zum Meer h,ngb und kommt gewöhnlich erst nach geraumer Weile nach Hause. In der Sonne schlafen macht eben durstig! Vielleicht laftt fich grau Pwgum nicht anmerken, wie sie über dieses Alleingelassenwerden denkt, wahrscheinlich aber hat sie im Grunde nichts dagegen: sobald dce Abwsung erfolgt ist, macht sie sich vermutlich selber auf den Weg und beehrt dasselbe Etabliffe- ment mit ihrem Besuch. ' Das Meer ist und bleibt nun einmal für die Pingume die schönste und unerschöpfliche Quelle des Vergnügens; dort genießen sie alle Freu- den eines Ferienaufenthalts unmittelbar vor ihrer Haustur. Jeden Morgen findet eine regelrechte Badepolonaise statt, °n der ganz selbstverständlich alle außer den Mauserern und den diensthabenden Ellern teilnehmen. Es gelang mir nie herauszufinden ob^ne bestimmte Stunde für dieses Vergnügen festgesetzt war oder niu>-. 3c6enfaU9 konnte man tagtäglich früh am Morgen sehen, wie zum Beispiel auf ienem Teil ber Insel, ben ich wegen seiner langhmgezogenen, mit Strauchwerk und dicht mit Restern übersäten Sanbflachen die „Ebene- von Salisbury" getauft hatte — Pinguine aus ihren Bauen herauskamen und fiel, auf den Weg zum Straube machten. Aus dieser Nisthöhle kam der Vater, aus jener die Mutter herbei hier und dort gesellten sich ein paar jungverheiratete Paare dazu die noch nicht gelernt hatten, vorsichtshalber immer eine Schildwache zurück- zulasseiy oder auch ganze Familien mit dem Etternpoar und beiden Kindern — und gelegentlich auch ein ober zwei Nachbarn, die sich i*)nen offensichtlich angeschlossen hatten — hier ein schicker junger Mann, der ersichtlich sehr stolz auf fein Gefieder war, dort ein Bursche mit verschlagener Miene, der augenscheinlich zwischen ber und ber Erwägung schwankte, was er mausen tonnte roenn er zurück- bliebe — olle schlugen sie biefelbe Richtung em, bie Richtung nach bem Altes Jahr und nrues Jahr. Von Karl Bröger. Nun ein junger Tänzer tritt in den alten Reigen ein, neigen sich dem ersten Schritt Gläser mit dem heißen Wein. Feuer fallen himmelan, » Glockendonner von dem Dach, Des gelassnen Zeigers Bahn hält noch alle Augen wach. Altes Jahr und alte Zeit, Haß und Liebe dieser Welt schwindet, bleicht und wandert weit wie ein Schatten überm Feld. Schnee und Sterne trägt der Baum, und die Nacht fällt weih und klar auf den bunten, lauten Traum vom geschenkten neuen Jahr. als eins, Sturm liefen. Kein Werk meldet das Höchste, feine Zeile erfaßt es. Wir stahlen uns iHugenbliite von drüben!" „Den Egoismus ganz zu meiden, wird mir nie gelingen." „Warten Sie, bis Sie zum Sterben kommen." „Das Leben ist eine Spirale: auf jeder höheren Stufe finde ich den alten Ekel, so wird's auch mit dem Sterben sein." Gemessen schlug die Turmuhr zwölf. Schiller erhob sich; er streckte die Hände Goethe hin und sagte: „Leben wir ergeben und entschlossen ohne unzufriedenes Suchen, das hienieden nie Sicherheit finden kann, freudig auswärts sehend, zu Ende. Bewußt als Mensch, der die Erds weder vergißt noch verachtet, weil er weiß, unverlierbar ist des Himmels Spiegelbild in uns, wir sind Einheit. Glücklich der, der nimmer zu suchen braucht, weil er überall vergeblich suchte!" > ' Goethes Hand umschloß Schillers Hand. „Es ist alles eine Wandlung", sprach dumpf tastend und tröstend der Weltgeist aus ihm, „eine Wandlung zu neuen Wandlungen. Wer ermißt das?" IahteSende 1812. Von Walter Schwerdtfeger. Der General Yorck hebt den Kops von der Karte Kurlands, die auf dem Tische ausgebreitet liegt. In dem bleifarbenen Licht des finkenden Dezember-Nachmittags steht sein kantiger Schädel mit dem kurzgeschorenen, eisengrauen Haar. Sein Gesicht ist braun gegerbt von der Aequator» sonne, aus jenen Jahren, da der vom Alten Fritz kassierte Leutnant sich im Dienst der holländischen Ostindien-Kompanie zwischen Kapstadt und Ceylon aus dem Ozean umhergetrieben hatte. Die Mühsal vieler Feldzüge und eines schweren Lebens haben ihre Furchen darin eingegraben. „Was erzählen Sie mir da, Seydlitz? Meinen Sie, ich fühle nicht das Entwürdigende für Preußen in diesem erzwungenen Bündnis? Aber ich bin Soldat und habe den Befehlen des Marschalls Macdonald zu gehorchen, dem mich der König unterstellt hat." „Solche Befehle gibt es nicht mehr." Der Finger des Adjutanten zerschneidet die dünnen Straßennetze auf der Karle, auf der die Standorts des preußischen Korps mit bunten Nadeln abgesteckt sind. „Die Verbindung mit dem Stabsquartier des Marschalls ist unterbrochen, und dis Russen fangen alle Patrouillen und Meldegänger auf." Eine Ordonnanz übergibt dem General einen Zettel, Yorck überfliegt ihn. „Wer hat das gebracht?" — „Unsere Vorposten bei Poscherun haben einen Hausierjuden aufgegriffen, der aus Tilsit kommt. Er sagt, der französische Marschall habe mehreren Bauern solche Zettel gegeben. Sie sollten versuchen, sich durch die russischen Linien durchzuschlagen." Schweigend reicht Yorck seinem Adjutanten den Zettel und sieht auf den Marktplatz hinaus. „Nun, Seydlitz", sagt er, ohne sich umzuwenden, „wollen Sie mir immer noch raten, mit den Russen zu paktieren?" Seydlitz hält Den zerknitterten Fetzen grauen Papiers in der Hand. Mit Bleistift, kaum leserlich, sind ein paar französische Worte daraus gekritzelt!' Der General Yorck wird mit Ungeduld in Tilsit erwartet. M. „Tilsit. Ein odioser Name für Preußen feit anno 1807." — „Der König scheint'» nicht zu empfinden. Da auf dem Tisch liegt die Kabinettorder, die Sie aus Berlin gebracht haben. Da steht's: Mein und des Kaisers von Frankreich engverbundenes Interesse ... und so weiter. Friedrich Wilhelm. Da halten Sie den Marschbefehl Macdonalds in der Hand. Wenn das preußische Korps nicht heute nach Tilsit marschiert, kann mich jedes Kriegsgericht wegen Gehorsamsverweigerung vor dem Feind verurteilen." „Wer will Ew. Exzellenz nachweisen, daß Sie einen solchen Befehl erhalten haben? Ist denn dieser Wisch, den ein Hausierer bringt, ein dienstliches Schreiben?" Schroff wendet sich Yorck um. „Ich bin kein Advokat, Seydlitz! Ist das eine Order vom Marschall Macdonald oder nicht?" „Und wenn es so ist", wendet Clausewitz ein, „so läßt sich ein solches Vorgehen auch militärisch rechtfertigen. Nach den Dispositionen des russischen (Beneralftabs» chess d'Auoray, die ich Ew. Exzellenz überbracht habe, stehen morgen bereits die gesamten Streitkräfte der Wittgenstein-Armee drei Meilen links des Njemen und sperren die Straßen nach Preußen." „Blägue, Clausewitz! Ich weiß ganz gut, was die Kälte und die französischen Tirailleurs von Wittgensteins Armee übrig gelassen haben. Hinter seinen Kosaken-Pulks stehen auch nur noch ein paar marode Ba- taillone." — „Exzellenz..." — „Bleibt mir vom Leibe, Clausewitz!" der General stößt hart seine Tabaksdose auf den Tisch, „ich bin zu alt für Seiltänzereien. Das Korps Yorck marschiert in einer Stunde! Ich will nicht mit grauem Haar infam werden." ,Es gibt einen Punkt,' wo die Armee aufhört, nur zu gehorchen, Exzellenz. Es geht jetzt um realere Dinge als Eid und Fahnentuch. Es geht um Preußens Freiheit!" Dicht tritt Yorck an den Sprecher heran. „Wie schön Ihr das sagt, Clausewitz! Große Worte, Clausewitz! Aber der Soldat hat sich der Pflicht zu beugen. Eine Armee, die das nicht tut, ist eine Räuberbande in Litzen und Montur." Er geht mit heftigen Schritten durch die Ratsstube. ,Lhr habt es Euch leicht gemacht, Clausewitz und Boyen und Gneisenau und all die andern. Als Euch der preußische Kram nicht mehr paßte, habt Ihr dem König den Degen vor die Füße geschmissen und seid mit russischen Pässen nach St. Petersburg gegangen. In den Jahren, als Euch Preußen brauchte! Es ist mir kein Spaß gewesen, das preußische Kontingent zu führen in der Armee Napoleons, aber wir haben noch aus der friberi» zianischen Zeit andere Begriffe von Pflicht und Preußentum als Ihr. Man kann sie nicht ablegen wie Zopf und Haarbeutel. Der Yorck steht, wo der preußische Adler ist, das können Sie dem Generalmajor von Diebttsch melden." Das Zimmer liegt in blauer Dämmerung. „Ist denn das noch der preußische Adler in Berlin?" fragt Clausewitz bitter. „Der König sieht in seiner Residenz nur die ßegionsabler Napoleons. Inmitten feiner Stabt« nettsräte spürt er nichts von der Stimmung im Volke und sieht nur nach „Ja, Clausewitz. Sie mögen recht haben. Aber ich kann da nicht mit, Ihr habt Euch einen untauglichen Mann in mir ausgesucht!" Goethe-Gchiller-Silvester. Von Walter von Molo. „Wenn wir die Summe der Ereignisse seit unserer letzten Silvestersitzung ziehen, Freund Schiller", sprach ernst und weltverborgen Goethe, „jo bleibt ein hartes Plus des Gevatters Tod." Der Eiswind sauste an die Fenster. „Äant, die Mutter der Frau von Stein, Klopstvck, Lavctter, der Schauspieler Beck, Jung-Hardenberg, der Musiker Zumsteeg unir Herder schieden von der Gemeinsamkeit, und mancher Gute, den die Geschichte nicht kennt." Goethes verschleierter Blick fiel von den Steinfammlungtaften, die er traurig betrachtet hatte, zum Scheine des krachenden Buchenholzes nieder im geliebten Kachelofen. Er faß bewegt hn langen Hausrock und hörte die Zeit brausen. Nach einer Weile fuhr er fort: Hölderlin im Wahnsinn, die Kalb der Erblindung nahe — man lernt sich bescheiden!" Schillers sinnender Blick vereinte sich mit dem des Freundes am Boden. „Bloß Wieland entdeckt noch immer neues Leben", sprach Goethe grimmig und gequält sinnend, „er hat jetzt gerad' wieder einen Shakespeare in einem Freund seines Sohnes entdeckt!" Mißlaunig fuhr er sich mit der Hand über die großen, vorwurfsvollen Augen, über die mächtige Stirn. Gequält sah er dann Schiller an; er lachte kurz: „Wieland ist spaßhaft!" Schiller lächelte zart und menschenliebend. „Das ist das Schöne an ihm", sprach er leise, „daß er immer hofft und in alles immer wieder die zerstörte Hoffnung neu gießt; so wird er nie betrogen! Wir vergaßen: mir wurde im vergangenen Jahr das vierte Kind geboren.“ „Es wird irren und sterben wie wir." Schiller sah Goethes finster kummervolles Versunkenfein; mitfühlend rührte er an des Fremdes Arm. „Denken Sie dessen", sagte er aufridp tend, „was Sie vorhin lasen! Die alte Erde treibt doch immer Schönes." Langsam, tief zerwühlt blickte Goethe ihn an; er hatte nachmittags auf dem Schlittenplatze viele unheilbringende Raben gesehen. „Der Faust?" Ker wegwerfend und starrte durchs Fenster zu den beschneiten i seines Gartens hinaus, die chn, von der Lampe beschienen, leise schaukelnd grüßten, ,cher ist Witz, den ihr alle nicht verdaut! Es ist unsäglich, wie sich die armen Menschen quälen; jedoch: es muß wohl sein, sonst roär’s nicht." , „Wenn wir auch nicht wissen, warum wir hienieden sind , trojtete Schiller, „unser Fühlen vermag die Schönheit allüberall zu finden. Das Fühlen ist des Menschen Seligkeit." „Sie sprechen wie diese neumodische Kunst, die sich jetzt breitmacht , drohte Goethe. „Sie sind überhaupt in letzter Zeit schrecklich deutsch!" „Einmal wird auch der Schwade klug. Der Mensch steht auf der Erde er kann nicht los von ihr und darf nie vermeinen, fliegen zu können, well er den Himmel sieht. Doch er muß ihn sehen: 3m ewigen, langsamen Entwicklungsgang der Welten, der ewig ist und uns hienieden drum nicht mehr bekümmert,- als daß er ständig Hoffnung gibt, wird jeder Sprungversuch bestraft; drum müssen wir verantwortungsvolle Kinder unserer Zeit sein, das Fühlen unseres Volkes teilen; nur dann mögen wir führen können." „Für Philister plag' ich mich nicht!" „Sie gebaren — uns." . „ „Meinen Sie, die Bande wüßte, daß das em Verdienst fei? „Es wäre anders übel." . . , „Wenn der Deutsche Freiheit sagt, meint er seine Freiheit: Er meint das Recht auf Beschränkung der anderen." „Sie sind Deutschlands echtester Sohn." „So? Sehr ehrend!" Goethe sah zum Schreck, in dem seine Schemata lagen, aus denen er die Welt, die Welt vereinfachend, zu verstehen suchte: auch dort gab’s unversöhnliche Verschiedenheiten, ine tm Wettbewerb das Ganze höher sührten. ,Zch goutiere den kurzblickigen Plun- nicf)t’u „Wir kriechen langsam zu Gott! Selbstloses Begreifen ist langer Weg, er muh begonnen werden. Das Volk ist aber am reifsten und drum zum Führer am ehesten befähigt, das am meisten litt. Unserem Volk ist wie ein Brandmal das Ideal ins Herz gelegt; es wird, es muß führen! „Die Kerls werden immer nur um ein Stück Land raufen, sie ahnen vom Höchsten nichts!" . , . „Unser bestes Werk war unser Zweiklcmg, wenn wir sprachen und — schwiegen, weil die Sprache die Hilfen versagte, wenn unsere Geister, „Sie stehen hier als Führer des preußischen Heeres Bleiben Sie in diesem Augenblick neutral, so sieht nicht ein Mann von den fünfhunderttausend der Großen Armee den Rhein wieder. Stellen Sie sich als Wehr auf, daß Napoleon die zersprengten Truppenteile hinter der Elbe sammeln kann, dann haben wir morgen ein zweites Austerlitz, dann ist übermorgen Deutschland wieder bis zur Memel französische Provinz. Nicht an der Beresina ist die Entscheidung gefallen. Sie fällt in Tauroggen." Der General stützt sich mit beiden Armen schwer auf den Ratstisch. Da ist er, Yorck, Sohn einer Potsdamer Handwerkerstochter und eines Subaltern'offiziers aus kassubischem Kleinadel, mit einigen zerlumpten Regimentern in einem kurländischen Nesl, auf seinen Schultern ruht die Last der Verantwortung für ein Reich. Wenn nun die mächtige Partei Kutusows am Zarenhofe durchdringt, die den Krieg nicht über Rußlands Grenzen hinaustragen will? Wenn die deutschen Fürsten weiter in rhein- bündischem Denken dahindämmern? Dann wird man sich in Paris nicht mit dem Kopf eines einfachen Brigadiers begnügen, dann wird der Staat Friedrichs des Großen zertrümmert und von der Landkarte gefegt. Dennoch! Der Strom des Blutes, der im Herzen aufquillt, reißt alle Bedenken fort. Er streckt seine Hand über den Tisch: „Clausewitz. Ihr habt mich!" In der Mühle des Dorfes Poscherun, wo die letzten preußischen Posten vorgeschoben sind, unterzeichnen an andern Morgen die Generäle Yorck und Diebitsch ein Abkommen. Das preußische Korps stellt die Kampfhandlungen ein und zieht sich in das Gebiet zwischen Memel, Tilsit und dem Haff zurück. Durch die Fenster sehen Dieditschs Kosaken und Yorcksche Dragoner, wie die Generäle sich umarmen. Nach Einbruch der Nacht wird der Aufbruch befohlen. In meilenlangem Zuge schleppt sich das Korps durch das hügelige Land. Am Abend des letzten Jahrestages erreicht das Yorcksche Korps die Glacis von Tilsit, wo es von Bürgern mit Pechfackeln empfangen wird. In der Nacht entwirft der General ein Schreiben an den König. Niemals ist ihm ein Brief so schwer gefallen. Militärisch ist feine Tat nicht zu rechtfertigen. Und wäre sic' es, es wäre keine Tat mehr. An feine Rechtfertigung, die es dem König nur ermöglichen fall, das Dekorum zu wahren, knüpft Yorck die große Rechtfertigung vor der Geschichte: „Jetzt oder nie ist der Moment, um Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wieder zu erlangen. Ich spreche die Sprache eines alten treuen Dieners, und diese Sprache ist die allgemeine der Nation." Nation! Gibt es bas? Lebt ein Volk in biefem bunten Mosaik Deutsch- tanb? Wenn bie kleine Flamme, bie hier in ber Mühle an der kurischen Grenze emporschlug, zum Fanal würde für Deutschland! Glaubensbrünstige Gedanken der letzten Jahresstunde: „Ich erwarte nun den Ausspruch Ew. Majestät, und ich schwöre, daß ich auf dem Sandhaufen ebenso ruhig wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarten werde." Yorck fegt den blauen Streusand vom Bogen. „Eiaentlich kurios, Seydlitz! Da hat man nun an die vierzig Jahre feine Pflicht getan, wie das Gesetz es befahl. Ist alles nichts gewesen, wird mit einem eingescharrt. Keiner fragt danach. Und jetzt, mit grauen Schläfen, da setzt man alles auf eine Karte: Ehre, Pflicht, Gehorsam und Fahneneid. Da wirft man das weg, was Inhalt und Erfüllung eines ganzen Gebens gewesen ist. Und das ist nun vielleicht die große Tat. Das ist das einzige, was die Geschichte aufbewahren wird: das ist eine große Versuchung, Sendlitz." Der Adjutant sieht von seinen Papieren auf. „Vielleicht ist es doch nicht fo, Exzellenz. Ist nicht gerade das der Sinn des Gesetzes, daß es uns reif machen soll für die eine Stunde der Berufung?" Yorck schweigt. Er steht am Fenster und blickt in die Nacht hinaus, die schwarz hinter den Scheiben hängt. Da klingen alle Glocken auf über der Stadt: 1813. Es hallt und dröhnt über den Dächern wie das Donnern ferner Geschütze. Der Frosch int Mantel. Eine Silvestergeschichte von Erich Paetzmann. Für einen Mann wie Könneke, Oberbuchhalter und Unterbefehlshaber der Kontokorrente K — Z, sind Bilanzen und Jahresabschlüsse keine Dinge, die viel Kopfzerbrechen verursachen könnten. Aber in eine Bilanz kann er keine Ordnung bringen, bas ist bie Zwischenbilanz feines Gebens, an ber er heute am Silvesterabend, acht Tage vor seinem vierzigsten Geburtstag, in seiner stillen Sofaecke addiert und korrigiert. Die äußeren Posten stehen eigentlich alle richtig an Ork und Stelle. Er hat ein gutes Auskommen, sitzt im warmen Zimmer und kann die Beine von sich strecken, hat ein mittleres Sparguthaben auf der Bank und die Aussicht, in Kürze Handlungsvollmacht zu bekommen. Dazu'kann er Asche aus den Teppich fallen lassen, die Gardinen vollräuchern und die Hosenträger baumeln lassen: könnte sogar die Portionen Rum, die er sich aus Anlaß des Tages sparsam in fein Grogglas gießt, ruhig verdoppeln und verdreifachen, ohne daß er auf die strafenden oder rügenden Blicke eines Eheweibes zu achten braucht. Das sind gute und gewichtige Posten im einzelnen, aber wenn er sie summiert, klafft ein bitterer Bruch auf im Habensaldo seines Gebens. Herr Könneke ist keine leichtblütige Natur und noch weniger ein fröhlicher Trinker. Er schätzt mehr das ruhige Behagen, das er allabendlich mit feinen Filzpantoffeln anzieht, als die grellen Amüsiergeräusche dieser Welt. Es muß wohl heute der ungewohnte Grog sein, der ihm die Seele so beängstigend entzündet und das Blut an seine Schläfen klopfen läßt wie Sekundenschläae, als klirre bas Geben unwiderbringlich vorüber unb ließe ihn hoffnungslos zurück in feinem Umbaufofa unb feinen Filzpantoffeln unb mit feiner Anwartschaft auf Hanblungsvollmacht. Es wird ihm so heiß, baß er aufsteht unb das Fenster öffnet. Aber rechtzeitig fällt ihm noch ein, daß plötzlicher Temperaturwechsel gesundheitsschädlich ist. Außerdem lassen auf der Straße Jungens ihre Kanonenschüsse los, jetzt um zehn Uhr, also durchaus vor der Zeit, was Herr Könneke tief mißbilligt. Er fetzt sich wieder auf sein Sofa und grübelt unklar unb gallig in fein Grogglas hinein. Da breht man in ber Wohnung unter ihm das Rabio lauter, lacht unb redet im Chor und läßt über Gebühr die Gläser aneinander klirren Herr Könneke weiß nicht, worüber er sich mehr ärgern soll, über diese wilde Lärmerzeugung oder über das unheimliche Gefühl des Ausgeschloffenseins, das langsam nach feiner Seele greifen will. Er lehnt sich zurüF und starrt ratlos an bie Decke. Plötzlich sieht er, wie die Campe ansängtzu schwingen, und hört ein rhythmisches Getrappel über sich. Dort oben wohnt ein junges Ehepaar, dort tanzt man also, dieses junge Ehepaar weiß also mit dem Silvesterabend nichts Vernünftigeres anzufangen als zu tanzen unb ihm den Hausfrieden zu stören. Er springt auf, zieht die Schuhe an, fährt in den Mantel und verläßt wütend die Wohnung. Herr Könneke hat es in der Gewohnheit, sich erst auf der Straße vollständig anzuziehen. Er beginnt auch heute erst vor der Haustür, sich das Jakett zuzuknöpfen, den Schlips zurechtzurücken und den Mantel vorn mit einer weitaushokenden Bewegung zuzufchlagen ... Da fühlt er in plötzlichem Entsetzen, wie es unter feinem Mantel lebendig wird, sprüht, knallt unb mit höllischem Gefauche rumort. Er reißt den Mantel roieber auf unb fährt zurück, als fei ein Blitz vor ihm eingeschlagen. Aus ber Straße hüpft ein Knallfrosch krachenb hin unb her unb stirbt bann in Gestank unb Pulverrauch. Herr Könneke braucht eine Weile, bis der Schrecken so weit sein Herz verläßt, daß die Fülle feines Männerzornes Platz darin findet. Er sucht mit unheilvollen Blicken das Haus ab und sieht auf dem Balkon im dritten Stock eine helle Gestalt stehen. Also, die waren es, die Jungvermählten, bie Tänzer, die Radaumacher unb Ruhestörer ... Herr Könneke poltert wie ein Chor ber Rache die Treppe empor. Auf fein Schellen wird es stille in der Wohnung, bann geht eine Tür, unb im Korribor entsteht ein Flüstern. Herr Könneke schellt noch einmal unb dringender. Da nähern sich Männertritte, unb bie Tür wirb geöffnet „Sagen Sie mal, haben Sie sich vielleicht den unverschämten Schern erlaubt, mich mit Feuerwerkskörpern zu bewerfen? Waren Sie das, he?* Der junge Ehemann hak noch bie Stirn, ihn in guter Gaune anzu- lächeln: „Ich weiß zwar nicht ganz — ist Ihnen benn etwas passiert?" „Das fragen Sie auch noch? Schleudern Explosivkörper auf friedliche Passanten unb haben noch bie Dreistigkeit — aber warten Sie, den Mantel werden Sie bezahlen! Jawohl, das werden Sie! Und außerdem werde ich Sie zur Anzeige bringen, wegen — ja, wegen —" „Aber bitte, wollen Sie nicht hereinkommen, daß wir den Schaden erst mal bei Gicht betrachten können? Hier auf der Treppe geht das doch nicht fo." „Können Sie gern haben, bitte! Das ganze Futter ist angefengt. Pa muß erstens ein ganz neues Futter rein. Unb bann muß —" Er unterbricht sich, denn im Zimmer kommt ihm die junge Frau entgegen: „Ach, Sie sind ja wohl Herr Könneke, von unter uns, nicht wahr?" „Ja, unb Herr Könneke ist sehr ungehalten, Emmy. Da werben wir wohl tief in die Tasche greifen müssen. Herr Könneke beansprucht einen neuen Mantel." „Mantel nun gerade nicht", erwidert Herr Könneke, „dem Mantel direkt ist ja nichts geschehen, nur dem Futter gewissermaßen." „Ja, wahrhaftig", sagt die junge Frau. „Paula, komm mal her, sieh, was du hier angerichtet hast, Paula. Meine Schwester war nämlich bie Uebeltäterin." Die Uebeltäterin kommt herein und versucht, ein schulbbewuhtes Gesicht zu machen: „Es tut mir ja nun wirklich von Herzen leid, Herr —" Herr Könneke verbeugt sich: „Könneke, wenn Sie gestatten." „Ja, wirklich, Herr Könneke, aber ich hatte den Knallfrosch auf dem Balkon angeftecft und hüpfen lassen, und da ist er bann plötzlich über ben Rand —" Unb schilbert bas alles sehr anschaulich, unb Herr Könneke beschreibt es dem jungen Paar auch noch seinerseits unb schlägt den Mantel auf und zu und deutet fein männlich gefaßtes Erstaunen an, bas er bei dem Knall empfand, unb beteuert ber Schwester, daß das ja nur ein kleines Malheur fei, das sie sich nur nicht weiter zu Herzen nehmen solle. Darauf nötigt ihn ber junge Ehemann aus bem Mantel unb an ben Tisch unb schenkt ihm ein Glas Punsch ein, unb bie junge Frau verurteilt ihre Schwester, sich neben ihn zu setzen unb ihn, für bie erlittene Unbill, recht nett zu unterhalten. Nach einigen Gläsern beginnt Herr Könneke an ber Seite feiner Nachbarin, die ihm zwar nicht ganz fo hübsch wie die junge Frau dünkt, aber dafür reifer, ruhiger unb weicher, über die Maßen warm zu werden und wird fo gesprächig wie noch nie. Seine Nachbarin wird es nicht minder, unb Herr Könneke erfährt, währenb bas junge Paar bas Grammophon bedient und tanzt, daß Fräulein Paula neunundzwanzig Jahre zählt, als Krankenschwester in einem Nervensanatorium tätig ist, aber auf ärztlichen Wunsch für einige Monate pausieren muß unb biefe bei ihrer Schwester zu verbringen gedenkt. Zumal bas hort Herr Könneke mit tiefer Befriedi- gung unb versucht 'herauszukriegen, ob sie denn unbedingt, vielleicht aus ethischen Motiven, Krankenschwester bleiben wolle, ober ob sie nicht — wenn man so fragen bürfe — denn das Geben bestehe doch nun mal aus Wechselfällen — Er verirrt sich dabei so tief in ein beschwipstes Dickicht von halben Fragen, fernen Andeutungen und beziehungsreichen Unverständlichkeiten, daß es zwölf Uhr wird und man mit vollen Gläsern aut ben Balkon tritt. Aber als er bann auf das neue Jahr mit ihr anftößt und ihr dabei länger als nötig in die Augen sieht, als suche er darin einen Ausweg aus allen Zweifeln, scheint sie diesen Blick viel besser zu verstehen als die vielen Worte vorher: langsam und zaghaft leuchtet in ihren Augen ein warmes Gacheln der Verheißung auf. Verantwortlich: E>r. Han» Thhriot. — Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei A. Lange, Gießen. Zteitag, den Z.Dezember Jahrgang 1937 Nummer 9§ , 'M«/ ••»Vif IV v-l ! Und dann: „Hahn in ..nein Und er fragte nach meinem 16 6 L 9 9 t? £ £ je* und Mi zustmd! Magenta Black „Gewehr---ab." Und klapp und klapp — so wie meine Kommandos flogen seine Hände und Griffe. Gerade aufgereckt stand der Soldat, und ich sprang vom Fenster seitwärts zur Hauswand. Ulrike — Ulrike — mein Gott! Der Atemzug ging bis ins Morgenrot — über den Dächern glänzt' es. Allein im Raum drinnen polterte es und stampfte, und während Ich das Haustor, Stimmen und Tritte und Sporen höre, stürzt der rasend gewordene Mensch über die Fensterbrüstung ins Freie, den Karabiner in der einen, den nackten Pallasch in der andern Faust und sieht mich und fällt mich an. Aber er war so viel kleiner und wie blind; ich hole aus mit der Rechten und schlage von oben auf seinen Kopf, daß er-zufamm-nstürzt. Ich batte chn totgeschlagen. Zwar — meiner Faust allein, zumal sie von oben traf, hätte sein Schädel gewiß widerstanden. Indessen wußte ich nicht, daß ich in all der Zeit, während ich vor ihm stand mit dem Tod im Auge, die Hände in den Rocktaschen und mit der Rechten ein Ding von Eisen umklammert hatte. Das war mein leiblicher Halt gewesen — mein großer Torschlüsse!, fast spannenlang. Mit dem — und mit meiner Kraft — schlug ich zu; und beide vereint waren zu viel. „ Aber nun war in mir Ruhe. Ihr Urteil." So begann ich mit einiger Mühe auseinanderzusetzen, daß er ohne Zweifel die Wahrheit erfahren habe; daß aber der Rittmeister, wie im Regiment feit langem bekannt — als Mensch ein andrer war denn als Offizier. Ueberspringend nach einer Pause, während er einen Zeigefinger warnend bewegte, fuhr ich fort: Ich wisse nicht, ob der Bericht enthalten habe, daß der Leichnam des Mörders zwei blutunterlaufene Striemen im Gesicht aufwies, die nur vom Schlag einer Reitpeitsche herrühren konnten. Die Untat, sprach ich weiter, sei zwar nachweislich um dreiviertel drei Uhr des Morgens geschehen, und der Tote habe auch ausgekleidet im Bett gelegen. Doch war er erst nach ein Uhr in der Nacht heimgekommen, und diesem Zeitraum entspreche die Frische der Striemen. Er war so gering — daß der Vorwurf überlegten oder nur vorsätzlichen Mordes kaum erhoben werden dürfe. Ein Gericht, schloß ich, das alles in gerechte Erwägung zog, die bis dahin musterhafte Führung des Mannes und eine Empfindlichkeit, wie sie oft gerade die Besten im bäuerlichen Stande auszeichne — Er unterbrach mich: „Ach, ich sehe schon — wie gut Sie das ausgedacht haben, viel zu gut — für Sie selbst, allzu gewissenhaft. Da denken Sie nun — milde Strafe, am Ende mein Gnadenrecht, und mit Ihrer — Ihrer Notwehrhandlung hätten Sie das —" Er stockte, fand vielleicht das passende Wort nicht. In meiner Er- vegung stand Ich auf und sagt« beinah »einend; i cntMt ic ter wird to ilidjeffii* nf, um tim den retteM erin " AM"" it begreiflicher Bewegung, daß der uralte Mann, gefährlichen Krankheit feines Sohnes erschüttert, sie für das Geschick eines Fähnrichs. Ich habe ährende Unterredung mit soviel Details, als ich i danach zu Papier gebracht, um sie als teure nähren. * ren Vormittag im leichten Dämmer der Sonnen- Xllf# feinem Schreibtisch, meiner Tür gegenüber, aber fil sah — zurückgelehnt im Armstuhl; das aus- i Bart ruhte auf der Brust. Er war in bürget« weißen Weste; feine Hände lagen auf den aus« en. Der Adjutant vom Dienst rief halblaut floß Run! if dem M verloren ii Wicht st if der grelle® irgerlich (1 en halle. 2 sich aus bin )windet tun gte Sich« wieder et 22 23 19 20 21 17 18 e übertli» Verbrecht Men M , Frau M nhren, bn schrank b i, aber, ® hl, das ij den Anim wktameti chnngsM Artesisch Mert mit n kann, d Damit vck nörgelnden 8 9 10 11 12 13 14 15 *nir noch einen mahnenden Blick zu und ging, uiuyieiiu vei uuc »yn-i langsam den Kopf hob und drehte. Bei meinem Anblick schlug er die Hände zusammen. „Nein", sagte er, „nein — das ist ja nicht abzusehen. So jung — und bereits so lang!" Und er fragte nach meinem Alter. Da ich als Fähnrich nun nicht mehr der jüngste war, mußte ich von meiner haprigen Gymnasialzeit berichten; er wußte aber, daß ich auf Kriegsschule la war. Ein Aktenstück lag auf dem Schreibtisch. Vs itg aus JH Bord M- end der sitz chen *' ihr! ins Wagen r« ein W* men von « , Der Fiü' n mit tnapi ug W 1 Ich faß dann schräg vor ihm, und ich erinnere mich noch seiner Handbewegung nach meinem Czapka, als ob er ihn mir sortnehmen wollte, worauf ich ihn unter den Stuhl stellte. Seine Hände lagen wieder auf den Knien; und da konnte ich ihn nun sehn, leibhaftig, der schon fast eine Sage war, neunzigjährig, aus einem vergangenen Jahrhundert. Seine geröteten Lider waren feucht von den Tränen des Alters, aber die Augen blickten klar und freundlich, wenn auch sehr müde. Hinter ihm stand unendlich die Dynastie von einziger Gröhe — ihm, der selber kein großer Mann war, aber als Herrscher und Mensch Eigenschaften vereinte, die ihn im Alter zu wahrhaft menschlicher Größe erhoben. Deren Blick standzuhalten und Rede zu stehn, war nicht leicht. Nach einigen Fragen von ihm und Antworten von mir, die den Bericht, den er erhalten hatte, ergänzen sollten, geriet ich in eine zusammenhängende Darstellung, die ich wohl richtig machte, die mir am Ende aber doch den Schweiß aus der Stirn trieb, zumal es im Raum wirklich sehr warm war. Er ließ mir dann Zeit, aufzuatmen, indem er still mit -----L>a>H«n WW °>,j. ■Öungsju mitii Ti.®5 * heobaU, Hl auf b(, '?en Satt It vor br TJie6t ti- Kurze um. WH. ajnti. Ws erzch. unten fe i. «b *! ' Mädels d larates. LebevM" »Kficner^amilienblättcr Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Blus White Cyan Grey 1 Green Grey 2 . «c n°u. S" - Da ME 'l Yellow Grey 3 Red Grey 4 summierte sich alles. Er merrre, ee* «... schickte mich gütig nach Hause. Dort schlief ich den Tag über und die Nacht, ohne einmal zu erwachen. Väter und Söhne. Zwei Nachspiele hatte das Ereignis für mich — ein schlimmes und Am^ Nachmittag nach meinem langen Schlaf faß ich beim Frühstück mit meiner kleinen Mutter, die — wie immer tm chwarzen Kleid und dem Häubchen — ihren Sohn nicht anzufehn wagte, als mir gemeldet wurde, daß ein Manu mich zu sprechen wünschte Der >m haw- dunklen kleinen Vorzimmer gebeugt Stehende tn bäuerlicher Sueibung ließ sich sogleich erkennen als der Vater des von mir erschlagenen Ulanen, wenn er auch doppelt fa alt war, mit einem rot.tchen Hangeschnurrbarl. Er nahm erst Haltung, um anzudeuten, daß er gebient hatte, trug auch Ehrenzeichen am Rock. Dann sagte er, er wäre gekommen, um stchbu mir zu bedanken. Denn ich hätte, sagte er, seinen Sohn vor der Schande bewahrt, durch eine Kugel zu enden oder im Jrrenhauje. , , Er streckte mir die Hand hin, und ich nahm sie, die hart und furchtbar groß war und leblos wie Holz oder Leder. Dann hatte ich noch die Kraft, eine Weile zu stehen, eine Hand auf ferner Schulter b s er sich denn zur Tür wandte. Ihr werdet begreifen, daß ich zu Mutter ym- einstürzte und brüllte. , ... . . Aber es war doch auch gut; denn so löste sich das ztergfte. I Das zweite Nachspiel war, daß ich zum Kaiser nach Berlin be- AMA I I sohlen wurde, der einen persönlichen Bericht von mir wünschte. Colour & Grey Control Chart rach seinem neunzigsten Geburtstag, ein halbes stand. Daher betrat ich das Arbeitszimmer, in