GiehenerZainilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1937 Zreitag, den 29. Januar Nummer 8 Der GteMlin Vornan von Theodor Kontane 2. Fortsetzung. „Gewiß, Herr von Stechlin", sagte Czako. „Erstlich aus reiner Gour- mandise, dann aber auch aus Forschertrieb oder Fortschrittsbedürfnis. Man will doch an dem, was gerade gilt oder überhaupt Menschheitsentwicklung bedeutet, auch seinerseits nach Möglichkeit teilnehmen, und da steht denn Fischnahrung jetzt obenan. Fische sollen außerdem viel Phosphor enthalten, und Phosphor, so heißt es, macht .Helle'." „Gewiß", kicherte Frau von Gundermann, die sich bei dem Wort „Helle" wie persönlich getroffen fühlte. „Phosphor war ja auch schon, eh die Schwedischen aufkamen." „O, lange vorher", bestätigte Czako. „Was mich aber", fuhr er sich an Dubslav wendend, fort, „an diesen Karpfen noch besonders fesselt — beiläufig ein Prachtexemplar —, das ist das, daß er doch höchstwahrscheinlich aus Ihrem berühmten See stammt, über den ich durch Wolde- mar, Ihren Herrn Sohn, bereits unterrichtet bin. Dieser merkwürdige See, dieser Stechlin! Und da frag ich mich denn unwillkürlich (denn Karpfen werden alt: daher beispielsweise die Mooskarpfen), welche Revolutionen sind an diesem hervorragenden Exemplar seiner Gattung wohl schon vorübergegangen? Ich weih nicht, ob ich ihn auf hundertfünfzig Jahre taxieren darf; wenn aber, so würde er als Jüngling die Lissaboner Aktion und als Urgreis den neuerlichen Ausbruch des Krakatowa mitgemacht haben. Und all das erwogen, drängt sich mir die Frage aus .. Dubslav lächelte zustimmend. „... Und all das erwogen, drängt sich mir die Frage auf, wenn's nun in Ihrem Stechlinsee zu brodeln beginnt oder gar die große Trichterbildung anhebt, aus der dann und wann, wenn ich recht gehört habe, der krähende Hahn aufsteigt, wie verhält sich da der Stechlinkarpfen, dieser doch offenbar Nächstbeteiligte, bei dem Anpochen derartiger Weltereig- nisse? Beneidet er den Hahn, dem es vergönnt ist, in die Ruppiner Lande hineinzukrähen, oder ist er umgekehrt ein Feigling, der sich in feinem Moorgrund verkriecht, also ein Bourgeois, der am andern Morgen fragt: »Schießen sie noch?'" „Mein lieber Herr von Czako, die Beantwortung Ihrer Frage hat selbst für einen Anwohner des Stechlin seine Schwierigkeiten. Ins Innere der Natur bringt kein erschaffener Geist. Und zu dem innerlichsten und verschlossensten zählt der Karpfen: er ist nämlich sehr dumm. Aber nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung wird er sich beim Eintreten der großen Eruption wohl verkrochen haben. Wir verkriechen uns nämlich alle. Heldentum ist Ausnahmezustand und meist Produkt einer Zwangslage. Sie brauchen mir übrigens nicht zuzustimmen, denn Sie sind noch im Dienst." „Bitte, bitte", sagte Czako. Sehr, sehr anders ging das Gespräch an der entgegengesetzten Seite der Tafel. Rex, der, wenn er dienstlich oder außerdienstlich aufs Land kam, immer eine Neigung spürte, sozialen Fragen nachzuhängen, und beispielsweise jedesmal mit Borliebe darauf aus war, an das Zahlenverhältnis der in und außer der Ehe geborenen Kinder alle möglichen, teils dem Gemeinwohl, teils der Sittlichkeit zugute kommende Betrachtungen zu knüpfen, hat sich auch heute wieder in einem mit Pastor Lorenzen angeknüpften Zwiegespräch seinem Lieblingsthema zugewandt, war aber, weil Dubslav durch eine Zwischenfrage den Faden abschnitt, m die Lage gekommen, sich vorübergehend statt mit Lorenzen mit Katzler beschäftigen zu müssen, von dem er zufällig in Erfahrung gebracht hatte, daß er früher Feldjäger gewesen sei. Das gab ihm einen guten Gesprächsstoff und ließ ihn fragen, ob der Herr Oberförster nicht mitunter schmerzlich den zwischen seiner Berganaenheit und seiner Gegenwart liegenden Gegensatz empfinde, — fein früherer Feldjägerberuf, fo nehme er cm, habe ihn in die weite Welt hinausgeführt, während er letzt „stabliiert sei. „Stabilierung" zählte zu Rex' Lieblingswendungen und entstammte jenem sorglich ausgewählten Fremdwörterschatz, den er sich — "hatte diese Dinge dienstlich zu bearbeiten gehabt — aus den Erlassen König Friedrich Wilhelms I. angeeignet und mit in sein Aktendeutsch herübergenommen hatte. Katzler, ein vorzüglicher Herr, aber auf dem Gebiete der Konversation doch nur von einer oft unausreichenden Orientierungsfahigkeit, fand sich in des Ministeriaiaffeffors etwas gedrechseltem Gedankengange nicht gleich zurecht und war froh, als ihm der hellhörige, mittlerweile wieder freigewordene Pastor in der durch Rex aufgeworfenen Frage zu S)ilfe kam. „Ich glaube herauszuhören", sagte Lorenzen, „daß Herr von Rex geneigt ist, dem Leben draußen in der Welt vor dem in unsrer stillen Grafschaft den Vorzug zu geben. Ich weiß aber nicht, ob wir ihm darin folgen können, ich nun schon gewiß nicht: aber auch unser Herr Oberförster wird mutmaßlich froh sein, seine vordem im Eisenbahncoups verbrachten Feldjägertage hinter sich zu haben. Es heißt freilich, ,im engen Kreis verengert sich der Sinn', und in den meisten Fällen mag es zutreffen. Aber doch nicht immer, und jedenfalls hat das Weltfremde bestimmte große Vorzüge." „Sie sprechen mir durchaus aus der Seele, Herr Pastor Lorenzen", sagte Rex. „Wenn es einen Augenblick vielleicht so klang, als ob der .Globetrotter' mein Ideal sei, so bin ich sehr geneigt, mit mir handeln zu lassen. Aber etwas hat es doch mit dem .Auch-draußen-zu-Hause-sein' auf sich, und wenn Sie trotzdem für Einsamkeit und Stille plädieren, so plädieren Sie wohl in eigener Sache. Denn wie sich der Herr Oberförster aus der Welt zurückgezogen hat, so wohl auch Sie. Sie sind beide darin, ganz individuell, einem Herzenszuge gefolgt, und vielleicht, daß meine persönliche Neigung dieselben Wege ginge. Dennoch wird es andre geben, die von einem solchen Sichzurückziehen aus der Welt nichts wissen wollen, die vielleicht umgekehrt, statt in einem Sichhingeben an den einzelnen, in der Beschäftigung mit einer Vielheit ihre Bestimmung finden. Ich glaube, durch Freund Stechlin zu wissen, welche Fragen Sie seit lange beschäftigen, und bitte, Sie dazu beglückwünschen zu dürfen. Sie stehen in der christlich-sozialen Bewegung. Ader nehmen Sie deren Schöpfer, der Ihnen persönlich vielleicht nahesteht, er und sein Tun sprechen doch recht eigentlich für mich: fein Feld ist nicht einzelne Seelsorge, nicht eine Landgemeinde, sondern eine Weltstadt. Stöckers Auftreten und seine Mission sind eine Widerlegung davon, daß das Schaffen im Engen und Umgrenzten notwendig das Segensreichere fein müsse." Lorenzen war daran gewöhnt, [ei’s zu Lob, fei’s zu Tadel, sich mit dem ebenso gefeierten wie befehdeten Hof Prediger in Parallelle gestellt zu sehen, und empfand dies jedesmal als eine Huldigung. Aber nicht minder empfand er dabei regelmäßig den tiefen Unterschied, der zwischen dem großen Agitator und seiner stillen Weise lag. „Ich glaube, Herr von Rex", nahm er wieder das Wort, „daß Sie den .Vater der Berliner Bewegung' sehr richtig geschildert haben, vielleicht sogar zur Zufriedenheit des Geschilderten selbst, was, wie man sagt, nicht eben leicht sein soll. Er hat viel erreicht und steht anscheinend in einem Siegeszeichen: hüben und drüben hat er Wurzel geschlagen und sieht sich geliebt und gehuldigt, nicht nur seitens derer, denen er mildtätig die Schuhe schneidet, sondern beinah mehr noch im Lager derer, denen er das Leder zu den Schuhen nimmt. Er hat schon so viele Beinamen, und der des heiligen Krispin wäre nicht der schlimmste. Viele wird es geben, die sein Tun im guten Sinne beneiden. Aber ich fürchte, der Tag ist nahe, wo der so Rührige und zugleich so Mutige, der seine Ziele so weit steckte, sich in die Enge des Daseins zurücksehnen wird. Er besitzt, wenn ich recht berichtet bin, ein kleines Bauerngut irgendwo in Franken, und wohl möglich, ja, mir persönlich geradezu wahrscheinlich, daß ihm an jener stillen Stelle früher ober später ein echteres Glück erblüht, als er es jetzt hat. Es heißt wohl .Gehet hin und lehret alle Heiden', aber schöner ist es doch, wenn die Welt, uns suchend, an uns herankommt. Und die Welt kommt schon, wenn die richtige Persönlichkeit sich ihr auftut. Da ist dieser Wörishofener 'Pfarrer — er sucht nicht die Menschen, die Menschen suchen ihn. Und wenn sie kommen, so heilt er sie, heilt sie mit dem Einfachsten und Natürlichsten. Ueberiragen Sie das vom Aeußern aufs Innere, fo haben Sie mein Ideal. Einen Brunnen graben just an der Stelle, wo man gerade steht. Innere Mission in nächster Nähe, fei’s mit dem Alten, fei’s' mit etwas Neuem." „Also mit dem Neuen", sagte Waldemar und reichte seinem alten Lehrer die Hand. Ader dieser antwortet: „Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es irgend geht, und mit dem Neuen nur, soweit es muß. Das Mahl war inzwischen vorgeschritten und bei einem Gange angelangt, der eine Spezialität von Schloß Stechlin war und jedesmal die Bewunderung seiner Gäste bildete: losgelöste Krammetsvögelbrüste, mit einer dunkeln Kraftbrühe angerichtet, die, wenn die Herbst- und Ebereschentage da waren, als eine höhere Form von Schwarzsauer auf den Tisch zu kommen pflegten. Engelke präsentierte Burgunder dazu, der schon lange lag, noch aus alten, besseren Tagen her, und als jeder davon genommen, erhob sich Dubslav, um erst kurz seine lieben Gäste zu begrüßen, dann aber die Damen leben zu lassen. Er müsse bei diesem Plural bleiben, trotzdem die Damenwelt nur in einer Einheit vertreten [ei; doch er gedenke dabei neben feiner lieben Freundin und Tischnachbarin (er küßte dieser huldigend die Hand) zugleich auch der „Gemahlin" seines Freundes Katzler, die leider — wenn auch vom Familienstandpunkt aus in hocherfreulichster Veranlassung — am Erscheinen in ihrer Mitte verhindert sei: „Meine Herren, Frau Oberförster Katzler" — er machte hier eine kleine Pause, wie wenn er eine höhere Titulatur ganz ernsthast in Erwägung gezogen hätte — „Frau Oberförster Katzler und Frau von Gundermann, sie leben hochl" Rex, Czako, Katzler erhoben sich, um nut Zu Hause ist es wir den Vorzug ist so was? Erst ne Schlacht ver- es am besten/' „Bravo. Da nehm ich alles zurück. Lassen Sie ihn. am Ende wirklich am besten Und gerade wie hier, die haben, in der Rheinsberger Gegend zu leben. Ja, wo der große König, und dann Prinz Heinrich, der nie loren. Und einige sagen, er wäre noch klüger gewesen als sein Bruder. Aber ich will so was nicht gesagt haben." Aber die meine Ich auch gar nicht. Ich meine überhaupt nicht Menschen, die dergleichen als Metier betreiben und sich in den Zeitungen anzeigen, unheimliche Gesichter mit einer Pelzkappe. Was ich meine, sind bloß Pinscher, die nebenher auch noch .Rattenfänger' heißen und es auch wirtlich sind. Und mit einem solchen Rattenfänger auf die Jagd gehen, das ist eigentlich das Schönste, was es gibt." „Aber mit einem Pinscher kann man doch nicht auf die Jagd gehen!" ,Doch, doch, meine gnädigste Frau. Als ich in Paris war (ich war da nämlich mal hinkommandiert), da bin ich mit runtergestiegen in die sogenannten Katakomben, hochgewölbte Kanäle, die sich unter der Erde hinziehen. Und diese Kanäle sind das wahre Ratteneldorado; da sind sie zu Millionen. Oben drei Millionen Franzosen, unten drei Millionen Ratten. Und einmal, wie gesagt, bin ich da mit runtergeklettert und m einem Boote durch diese Unterwelt hingesahren, immer mitten in die Ratten hinein." ■ „Gräßlich, gräßlich. Und sind Sie heil wieder rausgekommen? „Im ganzen, ja. Denn, meine gnädigste Frau, eigentlich war es doch ein Vergnügen. In unserm Kahn hatten wir nämlich zwei solche Rattenfänger, einen vorn und einen hinten. Und nun hätten Sie fehen sollen, wie das losging. .Schnapp', und das Tier um die Ohren geschlagen, und tot war es. Und so weiter, so schnell wie Sie nur zählen können, und mitunter noch schneller. Ich kann es nur vergleichen mit Mr. Carver, dem bekannten Mr. Carver, von dem Sie gewiß einmal gelesen haben, der in der Sekunde drei Glaskugeln wegschoh. Und so immerzu, viele Hundert. Ja, so was wie diese Rattenjagd da unten, das vergißt man nicht wieder. Es war aber auch das Beste da. Denn was sonst noch von Paris geredet wird, das ist alles übertrieben: meist dummes Zeug. Was haben sie denn Großes? Opern und Zirkus und Museum, und in einem Saal ne Venus, die man sich nicht recht ansieht, weil sie das Gefühl verletzt, namentlich wenn man mit Damen da ist. Und das alles haben wir schließlich auch, und manches haben wir noch besser. So zum Beispiel Niemann und die dell'Era. Aber solche Rattenschlacht, das muß wahr (ein, die haben wir nicht. Und warum nicht? Weil wir keine Katakomben haben." Der alte Dubslav, der das Wort „Katakomben" gehört hatte, wandte sich jetzt wieder über den Tisch hin und sagte: „Pardon, Herr von Czako, aber Sie müssen meiner lieben Frau von Gundermann nicht mit so furchtbar ernsten Sachen kommen und noch dazu hier bei Tisch, gleich nach Karpfen und Meerrettich. Katakomben! Ich bitte Sie. Di« waren ja doch eigentlich in Rom und erinnern einen immer an die traurigsten Zeiten, an den grausamen Kaiser Nero und seine Verfolgungen und seine Fackeln. Und dann war da noch einer mit einem etwas längeren Namen, der noch viel grausamer war, und da verkrochen sich diese armen Christen gerade in eben diesen Katakomben, und manche wurden verraten und gemordet. Nein, Herr von Czako, da lieber was Heiteres. Nicht wahr, meine liebe Frau von Gundermann?" „Ach nein, Herr von Stechlin; es ist doch alles so sehr gelehrig. Und wenn man so selten Gelegenheit hat .. „Na, wie Sie wollen. Ich hab es gut gemeint. Stoßen wir an! Ihr Rudolf soll leben; das ist doch der Liebling, trotzdem er der älteste ist. Wie alt ist er denn jetzt?" „Vierundzwanzig." „Ein schönes Alter. Und wie ich höre, ein guter Mensch. Er müßte nur mehr raus. Er versauert hier ein bißchen." „Sage ich ihm auch. Aber er will nicht fort. Er sagt, zu Hause sei 4. Kapitel. Frau von Gundermann schien auf das ihr als einziger, crffo auch ältester Dame zustehende Tafelaufhebungsrecht verzichten zu wollen und wartete, bis statt ihrer der fchon seit einer Viertelstunde sich nach seiner Meerschaumpfeife sehnende Dubslav das Zeichen zum Aufbruch gab. Alles erhob sich jetzt ralch. um vom Eßzimmer aus in den nach dem Garten binausgehenden Salon zurückzukehren, dem es — war es Zufall oder Absicht? — in diesem Augenblick noch an aller Beleuchtung fehlte; nur im Kamin glühten ein paar Scheite die während der Essenszeit halb niedergebrannt waren, und durch die offenstehende hohe Glastür siel von der Veranda her das Licht der über den Parkbäumen stehenden Mondsichel. Alles gruppierte sich bald um Frau von Gundermann, um dieser die pflichtschuldiaen Honneurs zu machen, wäbrend Marttn di« Lampen, Engelke den Kaffee brachte. Das ein paar Minuten lang geführt« gemeinschaftliche Gespräch kam. all die Zeit über, über ein unruhiges Hin und Her nicht hinaus, bis der Knäuel, in dem man stand, sich wieder in Gruppen auflöste. Das erste sich abtrennende Paar waren Rer und Katzler, beide passionierte Billardspieler, die sich — Katzler übernahm die Führung — erst in den Eßsaal zurück und von diesem aus in das daneben gelegen« Spielzimmer begaben. Das hier stellende, ziemlich vernachlässigte Billard war schon an die fünfzig Jahre alt und stammte noch aus des Vaters Zeiten her. Dubslav selbst machte sich nicht viel aus dem Spiel, aus Spiel überhaupt nicht, und interessierte sich, soweit sein Billard in Be- tradit kam nur für eine sehr nachgednnkelte Karoline, von der ein Berliner Besucher mal gesagt hatte: „Alle Wetter, Stechlin, wo haben Sie die der? Das ist ja die gelbste Karoline. die ich all mein Lebtag gesehen habe", — Worte, die damals solchen Eindruck auf Dubslav gemacht hatten, daß er seitdem ein etwas freundlicheres Verhältnis zu seinem Billard unterhielt und nicht ungern von „seiner Karoline" sprach. (Sortierung folgt.) Frau von Gundermann anzustoßen; als aber jeder von ihnen auf seinen 1 Platz zurückgekehrt war, nahmen sie die durch den Toast unterbrochenen Privatgespräche wieder auf, wobei Dubslav als guter Wirt sich darauf beschränkte, kurze Bemerkungen nach links und rechts hin einzustreuen. Dies war indessen nicht immer leicht, am wenigsten leicht bei dem Geplauder, das der Hauptmann und Frau von Gundermann führten, und das so pausenlos verlief, daß ein Einhaken sich kaum ermöglichte. Czako war ein guter Sprecher, aber er verschwand neben feiner Partnerin. Ihres Vaters Laufbahn, der es (ursprünglich Schreib- und Zeichenlehrer) in einer langen, schon mit anno 13 beginnenden Dienstzeit bis zum Hauptmann in der „Plankammer" gebracht hatte, gab ihr in ihren Augen eine gewisse militärische Zugehörigkeit, und als sie, nach mehrmaligem Auslugen, endlich den ihr wohlbekannten Namenszug des Regiments Alexander auf Czakos Achselklappe erkannt hatte, sagte sie: „Gott..., Alexander. Nein, ich sage. Mir mar aber doch auch gleich so; Münzsttaße. Wir wohnten ja Linienstraße, Ecke der Weinmeister — das heißt, .als ich meinen Mann kennenlernte. Vorher draußen, Schönhauser Allee. 'Wenn man so wen aus seiner Gegend wiedersieht! Ich bin ganz glücklich, Herr Hauptmann. Ach, es ist zu traurig hier. Und wenn wir nicht den Herrn von Stechlin hätten, so hätten wir so gut wie gar nichts. Mit Katzlers", aber dies flüsterte sie nur leise, „mit Katzlers ist es nichts, die sind zu hoch raus. Da muß man sich denn klein machen. Und fo toll ist es am Ende doch auch noch nicht. Jetzt passen sie ja noch leidlich. Aber abwarten." „Sehr wahr, sehr wahr", sagte Czako, der, ohne was Sicheres zu verstehen, nur ein während des Dudslavschen Toastes schon gehabtes Gefühl bestätigt sah, daß es mit den Katzlers was Besonderes auf sich haben müsse. Frau von Gundermann aber, den ihr unbequemen Flüsterton aufgebend, fuhr mit wieder lauter werdender Stimme fort: „Wir haben den Herrn von Stechlin, und das ist ein Glück, und es ist auch bloß eine gute halbe Meile. Die meisten andern wohnen viel zu weit, und wenn sie auch näher wohnten, sie wollen alle nicht recht; die Leute hier, mit denen wir eigentlich Umgang haben müßten, sind so diffizil und legen alles auf die Goldwaage. Das heißt, vieles legen sie nicht auf di« Goldwaage, dazu reicht es bei den meisten nicht aus; nur immer die Ahnen. Und sechzehn ist das wenigste. Ja, wer hat gleich sechzehn? Gundermann ist erst geadelt, und wenn er nicht Glück gehabt hätte, so wär es gar nichts. Er hat nämlich klein angefangen, bloß mit einer Mühle; jetzt haben wir nun freilich sieben, immer den Rhin entlang, lauter Schneidemühlen, Bohlen und Bretter, einzöllig, zweizöllig und noch mehr. Und die Berliner Dielen, die sind fast alle von uns." „Aber, meine gnädigste Frau, daß muß Ihnen doch ein Hochgefühl . geben. Alle Berliner Dielen! Und dieser Rhinfluß, von dem Sie sprechen, der vielleicht eine ganze Seenkette verbindet, und woran mutmaßlich eine reizende Villa liegt! Und darin hören Sie Tag und Nacht, wie nebenan in der Mühle die Säge geht, und die dicht herumstehenden Bäume bewegen sich leise. Mitunter natürlich ist auch Sturm. Und Sie haben eine Pony-Equipage für Ihre Kinder. Ich darf doch annehmen, daß Sie Kinde'- Haden? Wenn man so abgeschieden lebt und so beständig aufeinander angewisen ist..." , Es ist, wie Sie sagen, Herr Hauptmann; ich habe Kinder, aber schon erwachsen, beinah alle, denn ich habe mich jung verheiratet. Ja, Herr von Czako, man ist auch einmal jung gewesen. Und es ist ein Glück, daß ich die Kinder habe. Sonst ist kein Mensch da, mit dem man ein gebildetes Gespräch führen kann. Mein Mann hat seine Politik und möchte sich wählen lassen, aber es wird nichts, und wenn ich die Journale bring«, nicht mal die Bilder sieht er sich an. Und die Geschichten, sagt er, seien bloß dummes Zeug und bloß Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie. Seine Mühlen, was ich übrigens recht und billig finde, sind ihm lieber. „Aber Sie müssen doch viele Menschen um sich herum haben, schon in Ihrer Wirtschaft. „Ja, die hab ich, und die Mamsells, die man so kriegt, ja, ein paar Wochen geht es; aber dann bändeln sie gleich an, am liebsten mit n«m Volontär; wir haben nämlich auch Volontärs in der Mühlenbranche. Und die meisten sind aus ganz gutem Haufe. Die jungen Menschen passen aber nicht auf, und da hat man’s denn, und immer gleich Knall und Fall. All das ist doch traurig, und mitunter ist es auch so, daß man sich geradezu genieren muß." Czako seufzte. „Mir ein Greuel, all dergleichen. Aber ich weiß vom Manöver her, was alles vorkommt. Und mit einer Schläue ... nichts schlauer, als verliebt« Menschen. Ach, das ist ein Kapitel, womit man nicht fertig wird. Aber Sie fagten Linienstraße, meine Gnädigste. Welche Nummer denn? Ich kenne da beinah jedes Haus, kleine, nette Häuser, immer bloß Bel-Etage, höchstens mal ein Oeil de Boeuf." „Wie? was?" „Großes rundes Fenster ohne Glas. Aber ich liebe diese Häuser." „Ja, das kann ich auch von mir sagen, und in gerade solchen Häusern hab ich mein« beste Zeit verbracht, als ich noch ein Quack war, höchstens vierzehn. Und so grausam wild. Damals waren nämlich noch die Rinnsteine, und wenn es bann regnete und alles überschwemmt war und die Bretter anfingen, sich zu heben, und schon so halb herum« schwammen, und die Ratten, die da brunter steckten, nicht mehr, wußten, wo sie hin sollten, dann sprangen wir auf die Bohlen rauf, und nun die Biester raus, links und rechts, und die Jungens hinterher, immer aufgekrempelt und ganz nackicht. Und einmal, weil her eine Junge nicht abließ und mit feinen Holzpantinen immer drauflos schlug, da wurde dos Untier falsch und biß den Jungen daß er schrie! Nein, so habe ich noch keinen Menschen wieder schreien hören. Und es war auch fürchterlich." „Ja, das ist es. Und da helfen bloß Rattenfänger." „Ja, Rattenfänger, davon hab ich auch gehört — Rattenfänger von Hameln. Aber die gibt es doch nicht mehr." „Nein, gnädige Frau, die gibt es nicht mehr, wenigstens nicht mehr solche Hexenmeister mit Zauberspruch und einer Pfeife zum Pfeifen. An einem Winiernwrgen vor Sonnenaufgang. Von Eduard Mörike. O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe! Welch neue Welt bewegest du in mir? Was ist's, daß ich auf einmal nun in dir Von sanfter Wollust meines Daseins glühe? Einem Kristall gleicht meine Seele nun, Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen; Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn, Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen. Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft. Bei Hellen Augen glaub' ich doch zu schwanken; Ich schließe sie, daß nicht der Traum entweiche. Seh ich hinab in lichte Feenreiche? Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken Zur Pforte meines Herzens hergeladen; Die glänzend sich in diesem Busen baden, Goldfarb'gen Fischlein gleich im Gartenteiche? Ich höre bald der Hirtenflöten Klänge, Wie um die Krippe jener Wundernacht, Bald weinbekränzter Jugend Lustgesänge; Wer hat das friedenselige Gedränge In meine traurigen Wände hergebracht? Und welch Gefühl entzückter Stärke, Indem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt! Vom ersten Mark des heutigen Tages getränkt. Fühl ich mir Mut zu jedem frommen Werke. Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht. Der Genius jauchzt in mir! Doch sage. Warum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht? Ist's ein verloren Glück, was mich erweicht? Ist es ein werdendes, was ich im Herzen trage? Hinweg, mein Geist! Hier gilt kein Stillestehn: Es ist ein Augenblick, und alles wird verwehn! Dort, sieh! Arn Horizont lüpft sich der Vorhang schon! Cs träumt der Tag, nun fei die Nacht entflohn; Die Purpurlippe, die geschlossen lag. Haucht, halbgeöffnet, süße Atemzüge: Auf einmal blitzt das Äug', und wie ein Gott, der Tag Beginnt im Sprung die königlichen Flüge! Bäume für Därbes Brücke. Von Görge Spervogel. Zuerst schlugen sie rauhrindige, hohe Fichten ab, wo das Tal eng war und der Wald dicht; die Säge schrie, dann trieben sie Keile in den Schnitt, es krachte hell und prasselte lange, der Baum barst auf den Boden, und das Klopsen der Schlichtbeile begann. Sie bauten eine Hütte aus diesen Stämmen, fugten sie mit Fettmoos und schindelten das Dach. Nun konnte der Schnee kommen. Eines Morgens war die Welt gestorben; das Rauschen des Bergflusses, das Zischen des Windes in den Bäumen, die große Stummheit hatte es erstickt. Es gab keinen Tag mehr, die Luft war voll von Schnee und still, es sank herab, dicht und ohne Hast, lautlos und gleichgültig, deckte die Hütte zu, verschüttete den Kamin. Mer Tage lebten die zwei Männer in feuchter, kalter Nacht. Gorm der Junge nahm es mit gleichmütiger Verwunderung, gerade so hatte er es sich gedacht, der alte Semcken aber wurde unruhig: Frost sollte kommen und den Schnee setzen, klarer Himmel des Nachts und Sonne am Tage. Sonne kam, es tropfte durch das Dach, immer heftiger, und rann durch die Tür, die grauen Bodenplatten glänzten schwärzlich, Rost schlug an das Cisengeschirr — Westwind, Westwind, und dann wurde es hell. Gorm erwachte davon, seine Augen schmerzten im Schlaf schon von Licht; die Balken, der Boden, die Decken und alles Gerät: weiß von Reif, brennend und glitzernd im Glanz und Widerschein. Windstille, Wärme am Tage, Frost in der Nacht, vereister Schnee; gute Zeit für die Aexte und Sägen. Gorm der Junge batte nicht gewußt, wie sehr er die Walder liebte, die schwarzen, brausenden Wälder über den Bergen hinauf bis an die Wolken. Nun war er ein Holzfäller, und als die Tage langsam wieder länger wurden, lag der Wald des Tales geschlagen an den Ufern des Bergstromes und wartete auf die Schneefchmelze. Sie fällten letzt hoch am Hang, in dem nackten, verwüsteten Tale lag die Hütte unter einem dunklen schmalen Ring seltsam hoher und nackter Bäume; am Ende der Zeit würden auch sie fallen und die Hütte im kahlen Stubbenfelde verlaßen fein, bald, die Sonne gewann an Kraft, mittags sickerte und riefelte es schon unter dem Harsch. ,, , , ... Semcken schnüffelte, er schirmte die Augen: Rauch! sagte er, und fein Finger wies bebend und starr auf die Hütte hinab, auch Gorm sah es, Rauch zog durch den Ring der Bäume, Rauch aus der Hütte Sie sprangen, glitten und stürzten hinab, zerschunden und atemlos, erst bet Den letzten Schritten erleichtert: der Rauch stieg aus dem Kamin! — und doch gleich wieder von Mißtrauen bestürzt. Semcken riß die Tur auf. Es war em Mädchen, nein, die Hütte brannte nicht, ein Mädchen stand am Herd, auf der Bank lag ihr Bündel. Sie erschrak, Semcken aber begann auf einmal S lachen, es war kein Lachen wie sonst, am Ende packte ihn Husten unö üttelte ihn. Der Kessel dampfte auf dem Herde. Das Mädchen beugte den Kops vor, daß der Wrasen ihn verbarg, und als sie das brodelnde Wasser beiseite gerückt hatte, fielen immer noch Tropfen auf die glühende Eisen- platte und sprangen zischend darauf hin und her. Vielleicht hatte es zum erstenmal Männer gesehen, aus deren Gesichtern Grauen und Todesfurcht zu erkennen waren, und sie hatte Schuld daran. Semcken und Gorm dagegen schämten sich ihrer Angst und der Tränen des Mädchens — sie wollten gut zueinander sein, dachten sie alle, und das machte sie stumm. Hier ist Kaffee, sagte Semcken. Wie heißt du denn? Man hatte sie immer Bärbe genannt. Gorm war verwundert; so wie sie ihr Gesicht abwandte, schien sie sich dieses Namens zu schämen. Semcken kramte unter den Vorräten und trug auf den Tisch, was ihm recht erschien, der alte, langsame, stumme Semcken, schon beim Essen begann er zu erzählen. Als er dem Mädchen erklärte, was er getan hätte, wenn die Hütte wirklich verbrannt märe, klappte Gorm das Messer zu. Ho, das hätte nicht genügt, um ihn zu verderben, der schon in brennenden Schiffen mitten auf dem Ozean herumgetrieben und immer davongekommen war. Nein, er war kein armer Holzfäller von Anbeginn, er nicht, wie war doch die Geschichte von dem Eisberg? „Arkebuse" hieß das Schiff, eine Bark mit Segeln wie Schnee, sie fuhr zwischen zwei Eisbergen dahin bei frischer Brise und Sonne, es war bei dem griefen Kap Horn, und solches Wetter ist dort das größte Wunder der Welt. Aber was jetzt geschieht — der eine Eisberg beginnt sich umzudrehen, was unter Wasser war, wälzte sich dröhnend und brüllend herauf nach oben, saßt unter das Schiff, und die „Arkebuse" schwebt plötzlich berghoch über der See, in Eis gebettet, die weißen Segel voll Wind. So trieben wir um die griese Horn nach Nord herauf, bis es wärmer wurde und das Eis schmolz und der Berg sich langsam wieder in feine frühere Lage drehte und wir davonfegeln konnten. Arkebuse? sagte Börde mit großen Augen. Ja, so hieß das Schiff! sagte Gorm und wurde rot, er hat es mir auch schon erzählt. Semcken schnaufte durch die Nase. Das ist ein kleines Abenteuer, eines, das man auch ängstlichen Leuten erzählen kann. Etwas schlimmer war es schon, als wir bei schwerem Sturm unter Grönland lagen, aus Robbenfang mit einem Schmier aus Amerika. Eine See, hoch wie ... na, wie was? ... kannst du dir denken, ein Berg fiele um und liefe auf dich zu? So eine See ... sie stürzt sich breitfeits auf das Schiff und schmeißt es um und begräbt es, daß nichts mehr davon da ist — verschwunden, weg, die Masten hängen nach unten und kratzen vielleicht schon am Meeresgründe. Aber wir hatten einen schweren Kiel und festen Eisenballast, vielleicht kam auch eine andere See und schmiß uns noch einmal um. Die Masten tauchten an der anderen Seite wieder auf, und wir waren dabei keinen Strich aus dem Kurse gekommen; wer in der Hängematte lag, brauchte nicht einmal aufzuwachen, während der Schuner für die ganze Welt unterging und bann wieder auferstand. Gorm stand auf. Wir haben die Aexte und Sägen oben am Schlage gelassen, sagte er. Ich hole sie. Gut, sagte Semcken, und zu Bärbe: Hast du schon einmal von Wasserhosen gehört? Nein. Oder doch? Aber ich glaube, es ist Zeit für mich. Sie stand auf und machte sich an dem Bündel zu schaffen. Wir können dich nicht halten, erklärte Semcken, aber du könntest ruhig hierbleiben und würdest es gut haben. Gorm war in der Tür stehen geblieben. Lebt wohl, sagte Bärbe, und vielen Dank für die Ausnahme. Eine ängstliche Person, knurrte Semcken, als sie hinaus war; Gorm seufzte und ging, um die Aexte zu holen. Hinter den Tannen traf er auf Bärbe. Ich muß über den Fluß. Gibt es eine Furt? Gorm schüttelte den Kopf. Man kann jetzt nicht hinüber, das Wasier ist schon zu hoch. Sie konnte es nicht glauben. Ich muß und muß hinüber! Es ist nicht möglich ... aber man könnte es mit einer Brücke versuchen. Mit einer Brücke? Wenn das ginge! Vielleicht. Aber dazu muß ich erst das Werkzeug holen. Sie gingen nebeneinander dahin. Der Hang wurde steiler, und der Pfad glatt, aber Bärbe fetzte ihre Füße sicher und leicht. Plötzlich blieb sie stehen. Was ist das für eine Blume? fragte sie. In einem kleinen Schneetrichter stand ein Pflänzchen mit zwei rötlich-blauen Blüten. Eine Schneeblume, antwortete Gorm. Man sagt, sie wäre ein Wunder unter allen Blumen und könnte vielen ein Lehrmeister und Wahrsager fein. Wird der Schnee von der ersten Wärme naß, bann wacht sie auf und wächst und verbreitet Wärme um sich her, daß rundum der Schnee auftaut. Die Knofpen warten, bis die Harschdecke über ihnen brüchig geworden ist und zerfällt, dann blühen sie auf. Bärbe schüttelte den Kopf. Wunderbar, sagte sie, aber ein Lehrmeister und Wahrsager? Ja. Je mehr es davon gibt, um so dichter steht die große Schneefchmelze bevor. Und die Gärtner sollen viel von dieser Blume gelernt haben, wenn es wahr ist, was man hört. Laß uns die Brücke nicht vergessen. Sie gingen weiter bis an den Waldrand. Gorm belud sich mit dem Arbeitsgerät. Bärbe stand und schaute umher. Cs ist nicht mehr schön hier, sagte Gorm. Es war alles Wald, als wir tarnen. Und nun — Man müßte die Baumstubben roden und Aecker daraus machen, ehe das Land wieder zuwächst. Aecker? fragte Gorm. Aecker? Aecker und Weiden. Gorm. Und aus der Hütte müßte ein Hof werben. Unb die Bäume stünden darumher. Brücke, sagt Barbe, die Brücke ... niemand wartet drüben der Batterien und dem Ritt der Schwadronen: das Heer rückte zur ^Stunden vergingen. Im Rücken der Armee erhob sich die Sonne und überzog das verschneite Land mit rötlich glitzernden Schemen, die verfärbten sich langsam zu einem silbern blendenden Weiß, noch immer mar- chierte das Bataillon, an der linken Flanke durch eine schneeig blitzende Maelkette gedeckt, in den kalten Wintertag hinein, und noch war nirgends ein Feind zu sehen: weiß und leer erstreckte sich die Ebene ringsum. Da trabten Meldereiter an der Kolonne entlang, hielten bei den Ofsi- üeren und Georg Wilhelm vernahm einige abgerissene Worte: Kiefern- bera — Sagschütz — Gohlauer Graben — Leuthen. Zugleich erdröhnte die Helle Mittagsluft von dem Donner eines Wintergewitters, aber der Donner hielt an, die Salven der Musketen fuhren dazwischen und von einem fernen Gebraus war der Raum unter dem hohen, lichtblauen Bewegung durchzuckte die marschierenden Reihen, und im Herzen Georg Wilhelms erstanden noch einmal die blühenden Traume von ckugm, Ehre und Heldentum — und versanken sogleich und zerstoben ms Weite; denn aus der Schlacht kehrten die ersten Verwundeten zuruck. Da mußte Georg Wilhelm sie ansehen, wie sie daherkamen ein Haufen des Elends, wie sie sich dahinfchleppten, sich auf Gewehre und Baumaste stützten, er mußte die blutdurchnetzten Leinen sehen, die sie um Stirnen und Hände gebunden hatten, er mußte ihr Wimmern und Stöhnen Horen und in ihre verzerrten Gesichter und erschöpften Augen schauen da sah der Junker die vom Sterben Gezeichneten, die durch das Tor des Todes gegangen waren, und er erkannte, daß auch ihm dieser Weg drohte, daß er sich bereit machen und sich rüsten müsse: aber er vermochte es nicht, er verzagte. Er war damals noch sehr feige. Er blickte den Verstümmelten nach und schauderte vor der roten Spur, die ihr tröpfelndes Blut tm Schnee zurückließ. — So feige war er, daß seine erste Schlacht in einem Taumel von Angst und Furcht unterging. Von dem Augenblick, als das Bataillon am "ach- mittaq den Sturm auf den Kiefernberg begann, wußte er nichts mehr. Es schien ihm, er sei — gestoßen, geschoben, mitgerissen und schreiend vor Feigheit — in den Rebel des Pulverdampfes hmemgelaufen, bis er einen dumpfen Stoß an der linken Schulter verspürte, fo dah pch |cin Blick verdunkelte, und er hinstürzte und hinabsank ins Bodenlose. Das ist das Land des Todes, dachte Georg Wilhelm, als er zu sich kam; denn er lag inmitten schwarzer Säulen, die in einem dämmrigen, rauchenden Schein standen, und es ging über ihm ein Wehen und Klagen, ein Wimmern und Seufzen durch die traurige Luft; die Erde war mit einem schmutzigen Schnee bedeckt, aus dem sich die Umrisse verrenk.er Menschen erhoben: das waren Tote; zwischen ihnen lag Georg Wilhelm in einem Gehölz, sausend strich der Wind durchs kahle Geäst und darüber glitzerten die strengen Sterne des Winters. Als Georg Wilhelm sich aber rührte, als er neben sich eine kalte Hand ertastete und ein verkrustetes Menschenhaar, da brach die Wunde an seiner Schulter auf, und er fühlte sein Blut tröpfeln und entrinnen; da lag der Junker, ausgeworfen auf den Schnee, prcisgegeben dem Sterben, und hineingestoßen in das Tor des Todes: da fürchtete er sich, da begehrte er zu leben und schrie. Run schwankte, als habe er’s durch sein Schreien herbeigerufen, ein Licht zwischen den Stämmen des Wäldchens daher, das Licht einer Laterne, die von jemandem getragen wurde: langsam kam sie auf den schreienden Junker zu und hielt vor ihm still. Dann wurde sie angehoben; sie beschien das blanke Fell eines Rappen, einen Reiterstiefel aus stumpfem Leder und ging dann an der Erscheinung eines Mannes hoch, der m einem abqesckeuerten, schäbigen Uniformrock im Sattel saß; zuletzt wurde ein schmales, furchiges Gesicht beleuchtet, in dem zwei erschreckend Helle Augen standen. Die blickten auf den Jüngling hinab, und der eingefallene verkniffene Mund zuckte verächtlich: „Was schreit Er da so? — Dir Schlackt ist gewonnen, — darum weine und flenne Er nicht, Mosjeh — sterb Er anständig, Junker!" — Dann sank die Laterne herunter, der Mann ritt weiter, das Licht schwankte zwischen den Bäumen, entfernte sich und verschwand. — Sterb Er anständig, Junker! Das waren die Worte, die auf Georg Wilhelm einhieben und ihn Hochrissen wie Peitschenschläge. Da hatte er die Begegnung mit dem König gehabt, aber sie war anders geschehen, als er es sich daheim erträumt hatte. Darum stammelte er: „Zu Befehl, Majestät!". Darum stemmte er sich am nächsten Baum hoch, nahm sein Gewehr als Stab mit und taumelte dem schwankenden Licht nach, das den König begleitete, als er durck die Nacht ritt. Denn er wollte den König erreichen, wollte neben sein Pferd treten und ausrusen: „Ich verstehe es, anständig zu sterben!" und dann lautlos zusammenbrechen und hinsinken. — Aber auch dieser Traum erfüllte sich nicht. Als Georg Wilhelm auf die Straße schwankte, die nach Lissa führt, geriet er in ein marschierendes Regiment, das den Fieberkranken auffinq, auf einen Wagen lud und ins nächste Spital brachte. Dort erst — nachdem die Kugel aus der Sckulter qezogen war und er langsam genas — erfuhr der Junker die Lehre dieser unvergeßlichen Nacht: Wenn der König gesiegt hat bei Leuthen, so darfst du nicht klagen; wenn die Schlacht gewonnen ward, hast du stille zu fein;- wenn du Ehre und Ruhm haben willst, so bewähre dick erst. — Cs bleibt nur noch wenig von dem Fahneninnker Georg Wilhelm zu berichten. Er war bei allen Scklachten des Krieges dabei, aber jener Jugendtraum vom König, dem FeldherrnhUael und den bewundernden Generalen, der erfüllte sich niemals: Georg Wilhelm wurde keiner der großen Herren, von denen die Bücher erzählen; er rückte auf, aber er blieb ein bescheidener und mittelmäßiger Offizier bis an sein Ende. Seine Leute haben ihn verehrt und geliebt. Er hat auch ein schlichtes und rühmloses Ende gehabt: er verzehrte sich an einem schleichenden Fieber und starb zu Hause in seinem Bett. Auf seinem Grabstein stehen die Worte: „Selig der Mann, der die I Anfechtung überwunden hat." Das Land zwischen der Hütte und dem Fluß, das müßte der Garten mCr@5 ist guter Boden da unten, sagt Gorm. Die Steine kann man leicht ^Die^Sonne scheint kräftig, in den Baumwipfeln rauscht es leise, unter der Eisdecke des Schnees murmelt unö tropft hastig das Schlneszwaffer. Gorm überlegt mit schweren Stirnfalten: Ein paar Schafe, eine Kuh, wenn es gtücfte, Saatgut und Vorräte Wir haben viel Holz geschlagen, Semcken und ich, man könnte für den Lohn allerlei emtauschen. Ach Gott, sagt Bärbe, ich ... wo ich zu Hause bin, da gibt es ein Erbteil für mich, und das ist alles, was du eben sagtest. Gorms Herz tut einen Schlag und bleibt stehen ., Es ist ganz einsam hier, murmelt er vor sich hm, kein Mensch weit und breit, nichts ... Wo ich herkomme, sagt das Mädchen in die warme singende Stille, da waren Menschen. Und darum mußte ich fort. . Gorm zerstößt mit der Fußspitze den körn,gen Harsch Dabei öffnet er eine kleine Höhle, in der wieder so eine winzige Schneeblume steht. Die Bäume um das Haus, sagte er, und es verschlägt ihm den Atem, die mutz ich jetzt Umschlagen für deine Brücke. Ach, die aus mich. Oie Feuertaufe des Fahnenjunkers. Erzählung von Gerhard Bohlmann. Der Fahnenjunker Georg Wilhelm von D. war kaum achtzehn Jahre alt, als ihm ein Erlebnis widerfuhr, das ihn in einigen Stunden um Jahre altern ließ und zum Manne reifte. Es war in den ersten Dezembertagen des Jahres 1757, als er mit einem Ersatztransport aus Potsdam zum Heere Friedrichs II. geschickt mürbe, der in der Gegend von Breslau gegen die Oesterreicher operierte. Wie Georg Wilhelm damals aussah, zeigt eine Miniatur, die seine besorgte und stolze Mutter unfertigen ließ, bevor er zur Armee aufbrach; da erscheint ein Jüngling mit schmalem, edlem Gesicht und großen schwärmerischen Augen, aber um den Mund liegt ein weichlicher Zug, die weihe Perücke ist etwas zu zierlich gekräuselt, und das Jabot und die Spitzenmanschetten der Aermel zeigen eine eitle, fast weibliche Koketterie: ein Herrchen von Stand, ein Muttersöhnchen, das bisher nur die schonen Gärten des Daseins gekannt hat. Wie dieser feine, verzärtelte Jüngling dem Krieg in die Arme lies, wie der ihn aufgriff, anpackte, durchruttelte und umprägte, fo daß Georg Wilhelm aus einer Nacht als ein- neuer und verwandelter Mensch hervorging, das soll erzählt werden. Georg Wilhelm glaubte nicht, daß er feig fei. Er fieberte der Schlacht entgegen wie einem berauschenden Fest, er träumte davon mit wachenden Augen, und es war immer dieses eine Bild, das er schaute: Ein heißer Sommertag geht zu Ende, die Sonne steht tief und wirft einen roten Schein über die müde, grünende Landschaft, und die Schlacht Ist gewonnen; da wird er, der Fahnenjunker Georg Wilhelm, vor den | König geführt. Der steht, wie es ihm zukommt, auf dem Hügel, von dem aus er die Schlacht geführt hat, und er ist in weitem Umkreis von seinen Generalen umgeben. Als Georg Wilhelm herantritt und vor dem König salutiert, entsteht ein ehrfürchtiges Schweigen; die hellen Augen Friedrichs leuchten, er legt seinen Arm auf die Schultern des Jünglings und stellt ihn den Offizieren dar: „Dieser Junker, Messieurs", sagt er bewegten Tones, „ist der tapferste Ofstzier meiner Armee ..." So erträumt sich wohl ein Achtzehnjähriger den Beginn feines Ruhmes — denn die Jugend hat keine Zeit zu warten, um zu warten — und fo träumte auch der Fahnenjunker Georg Wilhelm von D. Aber es geschah auch ihm, daß die Wirklichkeit alle Traumbilder zerstörte, denn als er in seinem Ersatztransport nach Breslau kam, war es harter Winter, und der Schnee pfiff und zirpte unter den Sohlen der Marschierenden. Auch gab es kein Quartier in Breslau; es hieß, der König brauche ieden Mann, jede Muskete, jedes Pferd: er fei gezwungen, die Oesterreicher zu schlagen, wo er ihnen begegne, eine Schlacht stehe nahe bevor. So mußten sie also weiter, und in einer Nacht, die von Schneedunst und eisig glitzernden Sternen erfüllt war, gelangten sie in das Lager von Kammendorf. Da befand sich Georg Wilhelm nun bei der Armee Friedrichs des Großen, aber er wußte es kaum, denn es geschah nichts von dem, was sich der junge Held ersehnte: kein König erwartete ihn, kein General, um Den neuen Junker mit heißen Worten zu bewillkommnen. Aber er wurde von einem Feldwebel in ein Zelt geschoben, in dessen Dunkelheit er sich kriechend zurechltastete. Dort schliefen und schnarchten schon welche, er mußte sich zurechtkrümmen, und er lag auf einem fauligen, feuchten Stroh, das von den Dächern der Häuser gerissen war; und unter der Wärme der Schläfer zerschmolz der Schnee und sickerte als Wasser in Georg Wilhelms Montur, io daß er die kalte Nässe an seiner zarten Haut schaudernd empfand, ^uck mußte er das Gedünst der Schlafenden atmen, den Boden von durchseucktetem Tuch und Leder, von Schweiß und fettigen Haaren — er mußte erleben, daß an der Front der Adlige und der Bürger, der Fahnenjunker und der Musketier in den gleichen Zelten liegen, auf moderndem Stroh, auf der gleichen Erde: durch solche Erkenntnis wurde der junae Herr zerschlagen, es brachen einige Balken seines Seelen- gerüftes mfamnien, und er fühlte sich entwürdigt und gedemütlgt; doch es kam auch iogleich die Ermattung über Ihn: er schlief und ruhte und wußte nichts mehr. In der Dunkelheit brachen sie auf und marschierten unter funkelnden Sternen in die Finsternis; unter den Sohlen knirschte der Schnee, und es schwang ein schwarzes Brausen in der mächtigen Lust vom Rasseln verantwortlich: Dr. Hans Tbtzriot. — Druck und Derlag: Drühl sche Universltäts-Duch» und Steindrucken«!. R. Lanae, Gießen. Nummer I Montag, den ^.Januar Jahrgang 1937 Frau ist es nicht zum Pnrn hinii er. irhnner 11 22 L 6 8 9 S £ t7 Z ZUll Peter riß am Bindfaden, das Glöckchen schlug an. Nichts geschah. Er klingelte noch einmal — wer kam heraus? Nicht die Ringelnatter. Ein grüner Wasserfrosch tat einen Satz in den Sand, das Klingeln mochte ihn erschreckt haben. Mit Ueberraschung wurde er gesichtet. „Heute früh hab ich ihn an den Elbwiesen gefangen und hineingesteckt. Sie scheint nicht hungrig zu sein", sagte Peter. Armer Kerl, bedauerte Klick bei sich, es war vielleicht sein Sterbegeläut. Peter zerrte noch ein paarmal an dem Bindfaden und klingelte, umsonst. Die Ringelnatter folgte ebensowenig dem Glockenton, wie das Krokodil dem Lockruf: Ali Baba. Befriedigt von diesen unbefriedigenden Zähmungsversuchen seines Schulfreundes ging Klick nach Haufe. Er rief sogleich Ali an. Aber sie meldete sich nicht. Da begab er sich, im Umweg durch die Küche, wo er ein Stück Brot mitnahm, in den Laden des Hustenonkels. Aber der Hustenonkel erschien nicht. „Hallo!" „Hallo!", antworteten die Papageien. Pong schmetterte die Futterschale im Käfig wie einen Ball. Die Nachbarn lachten ihn aus und warfen mit Schimpfwörtern um sich, die Springmaus raschelte im Käfig, ein schwarzes Eichhörnchen, neuer Bewohner des Tierladens, zuckelte auf seiner Stange unermüdlich hin und her, das ---- —x—--------1 - <— > < r t g—— ax.rn. xxx. en alten Herrn. g äter war der Hustenonkel längst wieder gesund. Nach e hatte er das Fieber ausgeschwitzt. Anopheles nannte , die ihn einst auf seinen Tierjagden in den heißen ,tte. Wie eine leibhaftige Uebeltäterin beschimpfte er ungen. Zeiten besser waren, hätte er sich manchmal einen n können. Aber jetzt ... Er hustete auf die Gegenwart, en Hustenreiz schien es in seiner Dose kein Bonbon lte er, „hatte mich Hagenbeck zum Großtierfang ein- lÄSrsSfie -g weilten wir in Afrika und fingen Elefanten und rächte aber immer nur kleine Tiere mit nach Hause, lenkt euch, ich hätte eine Giraffe mitgenommen. Wohin ■ »1 i Laden hätte ich sie doch nicht einstallen können, .zuutüni nicyr, Onkel?", meinte Klick. „Du hättest eben das ganze gelegt. Er schien zu schlafen. „Sehr krank?", fragte Klick erschrocken. „Er bat vierzig Komma zwei — Schüttelfrost." „Erkältet? Immer fror ihn. Die Tropensonne hat ihn verwöhnt." Der grüne Regenschirm hing am Fenstergriff, auf dem kleinen Sofa lag der schwarze Filzhut. „Sollten wir nicht lieber den Arzt rufen?", meinte Klick. „Er hat es untersagt, als ich ihn ins Bett schickte. Es fei nicht schlimm. Tabletten hat er geschluckt." Auf dem Nachttischchen stand ein Glasfläschchen mit Tabletten. „Chinin!", las Klick. „Klar! Einen Malaria-Anfall hat er, Tropenfieber." Schwelte nicht über dem Kranken geheimnisvolle, fremdartige Glut? Am Fenster schlang der Christusdorn, eine ausländische Stachelpflanze, die langen Ranken, und feuerrote Blumen trieben aus ihnen hervor. Lange Pflanrenfäden riefelten van oben aus einer Blumenampel — einem Dickicht glich das Gewirr, einer Trovenwildnis, darin unbekannte Krankheiten und Gefabren nisteten. Für Klick hatte die Webergasse plötzlich etwas Abenteuerliches. Tropengeist wohnte in ihr, ein grllnverschossener Troven- sonnenschirm hing am Fenster, und draußen im Laden schnurrte der Affe. Der Tierjäger und Sammler aber, niedergeworfen von einem tückischen Anfall, fieberte auf seinem Lager. Ali erneuerte den kühlen Umschlag. Haus mieten und die Decke durchbrechen sollen. Wie lustig, wenn die Giraffe aus den Fenstern des zweiten Stocks in die Webergasse hinuntergeblickt hätte! Und wie viele Käufer für deine Fische und Vögel hättest im mit ihr angelockt!" „Eine Giraffe zu halten, kann einem doch niemand verwehren?", bemerkte Ali. „Giraffen sind gute Tiere", sagte Klick. „Wenn sie nicht gerade mit einem Tritt die Wand durchfeuern wandte der einstige Tierjäger ein. Die Ladenglocke bimmelte. Ein dicker Herr trat aufgeregt ein. „Was steht zu Diensten?" „Ich möchte einen stubenreinen Papagei." Klick und Ali blickten einander besorgt an: hoffentlich kaufte er nicht den roten Ricka, den sie so liebten. „Meine Papageien sind stubenrein", versicherte der Tierhändler gekränkt. „Noch nie hatte ich so wohlerzogene Vögel." „Aber er soll auch Liede zu Frauen haben", wünschte der Herr. „Versteht sich. Darüber können Sie beruhigt fein. Meine Papageien hegen eine ausgesprochene Siebe für Frauen. Es sind ja auch männliche Vögel." „Wissen Sie", sagte der Kunde, „mit meiner 17 18 19 20 21 12 13 14 15 16 9 10 4 5 6 7 8 Ocm 1 2 3 hnHon twir -x>rnx>.n_ haben nämlich keine Kind er..." „Versteht sich!", sagte der Hustenonkel. Natürlich habt ihr keine Kinder, dachte Klick, sonst wäre die Frau nicht so überspannt. „Dummer Kerl!", rief Ricka und schnatterte ein haldesdutzendmal den Namen Klick. Verstohlen nickte Klick ihm zu, und AU machte ihm schöne Augen. „Und so, habe ich mir gedacht", fuhr der Mann der trauernden Papageienfrau fort, „ist es am besten, ich kaufe einen neuen. Neue Sachen wirken immer bei Frauen, das kennt man. Wahrscheinlich vergißt sie bann den alten und kommt wieder ins Geleise." „Kirr! Prrtz!", schnalzte Ricka. Der Tierhändler stellte die Papageienbauer auf den Ladentisch. Die Vögel hielten die Köpfe schief und befugten aufmerksam ihre Umgebung. Dann brach Ricka in ein mörderisches Gelächter aus, indes der Zahnarztvogel sich als ungehobelter Bursche zeigte: wütend riß er an den Stäben, schrie gellend und warf Sand und Unrat heraus. „Geld regiert die West!", krächzte Ricka. Der Kunde war von ihm sogleich begeistert. Wie eine Ziehharmonika legte sich fein Gesicht in lauter Falten. Und er gurgelte tos: „Sehr richtig. Meine Frau sagt das auch immer. Man meint m-chrbaftig, folrb ein Vogel wär ein Mensch. Den nehm ich!", entschied der Mann und frag'" Cyan Grey 1 Green Grey 2 Yellow Grey 3 Red Grey 4 Blue White Magenta Black Klick aus dem Spielzeugladen Roman für das große und kleine Volk Colour & Grey Control Chart GiehenerMMMMMe Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger „Du bist eine tüchtige Pflegerin ...", sagte Klick, und Ali tat, als hätte sie es nicht gehört. Säuglingspflege und Krankenpflege, war es nicht ein und dasselbe? Hilflos wie ein kleines Kind lag der Onkel in feinen Kiffen vergraben, und feine Augen waren geschloffen. „Ich werde heute für dich die zweite Ausgabe beim .Anzeiger' holen". Jagte Klick zu feiner Freundin. oanesZx ng. Er rannte in den Laden und vertrat die Stelle des pictaxy Feuersalamander mit schönen, fieberischen Feuerflecken