1 Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer 32 Montag, den 26. April Jahrgang 1937 Der Gterhlin Roman von Theodor Fontane 25. Fortsetzung. mit- nicht „Aber die großen Verluste .. „Ja, die Verluste waren groß, das ist richtig. Aber Verluste, Frau Gräfin, das is eigentlich gar nichts. Natürlich wen es trifft, für den is es was. Wer ich meine jetzt das, was man dabei so das Atorallsche nennt: und darauf kommt es an, nicht auf die Verluste, nicht auf viel oder wenig. Wenn einer eine Böschung raufklettert und nu steht er oben und schleicht sich ran, immer mit nem Pulversack und nein.Zunder in der Hand, und nu legt er an, und nu fliegt alles in die Lust uni) er mit. Und nu ist die Festung oder die Schanze offen. Ja, Frau Gräfin, das is was. Und das hat unser Pionier Klinke getan. Der war moral, ch. Ich weiß nicht, ob Frau Gräfin mal von ihm gehört haben, aber dafür leb ich und sterb ich: immer bloß das Kleine, da zeigt sich s, was einer kann. Wenn ein Bataillon ran muß un ich stecke mitten brtn, za, was will ich da machen? Da muß ich mit. Und baff, da lieg ich. Und nu bin ich ein Held. Aber eigentlich bin ich keiner. Es ist alles bloß ,Muß , und solche Mußhelden gibt es viele. Das is, was ich die großen Kriege nenne. Klinke mit seinem Pulversack, ja, der war bloß was Kleines, aber er war doch groß. Und ebenso (wenn er auch unser Feind war) dieser Rolf Krake." So ging historisch-retrospektiv das Gespräch an der Tete, wahrend Dubslav und Uncke, die den Zug abschlossen, mit ihrem Thema mehr in der Gegenwart standen. , Is mir lieb, Uncke. Sie mal wieder zu treffen. Seit Rheinsberg hab'ich Sie nicht mehr gesehn. Ich denke mir, Torgelow is nu wohl schon im besten Gange. So wie Bebel. Ich kriege natürlich ,eden Tag meine Zeitung, aber es is mir immer zu viel und das große Format und das Sünne Papier. Da guck ich denn nich immer ganz genau zu. Hat er denn schon gesprochen?" . „Ja, Herr Major, gesprochen hat er schon. Aber mch viel Un war auch kein rechter Beifall. Auch nich mal bei seinen eignen Leuten. „Er wird wohl die Sache noch nicht recht weghaben Ich meine das, was sie jetzt das Parlamentarische nennen. Das chadt: aber nichts u ist eigentlich egal. Wichtiger is, wie ste hier '"unserm Ruppiner Winkel, in unserm Rheinsberg-Wutz über ihn denken. Sind sie denn da mit ihm zufrieden?" .. u „ „Auch nicht, Herr Major. Sie sagen, er sei zweideutig. Ja Uncke io heißt es überall. Das is nu mal so, das ,s nicht zu ändern.' In Frankreich heißt es immer Sleich .Verrat. und hwr sagen sie .zweideutig'. Da war auch einer von uns, den ich nicht nennen w , -ja k? y... u-d i= SÄ SV« E SS SSSA S-» » •Ätfü. I„W immer so gebildet. Aber is es auch richtig? -z- toon ricktig Herr Major. Herr Major denken immer das Gute von nem Menschen, weil Sie G viel zu Hause sitzen "Nst^meinen, das Aber wer so rum kommt wie ich. Alle lugen si . s m'er[a6 sagen sie nich, und was sie sagen, das meinen ste nid). Is kein Berkay sie jetzt .politisches Leben' nennen. J°tt',^^'nn^"iner^sich ^i'ns^olitische'^weideuE muß^ich SjÖriÄ' S Ml das kann einen mitunter leid tun. So bloß als Mensch. g:e t0 „Aber, lieber Uncke, was is denn eigentlich los? We " hört, da sollte man ja wahrhaftig glauben, es g g z „3a, das war es, Frau Gräfin, ein ganz eigenes Gefühl. Und unter erscheint mir der Rolf Krake noch im Traum. Und ,s auch zu verwundern. Denn Rolf Krake war wie ein richtiges Gespenst. Und wenn solch Gespenst einen packt, ja, da ist man weg ... Und dabei bleib ich, Frau Gräfin, sechsundfechzig war nicht viel und siebzig war auch nicht viel." in der Welt draußen, da klappt nich immer alles. Aber so im Schoß der Familie ..." Jott Herr Major, das is es ja eben. In diesem Schoß der Familie, da is es ja gerad am schlimmsten. Und sogar in dem jüdischen Schoß, der doch immer noch der beste war." „Beispiele, Uncke, Beispiele." Da haben wir nu hier, um bloß ein Beispiel zu geben, unfern guten alten Baruch Hirschseld in Gransee. Frommer alter Jude... „Kenn ich. Kenn ich ganz gut, beinah zu gut. Nu, der hat nen Sohn, und mit dem is er mitunter verschiedner Meinung. Aber dagegen is doch nicht viel zu sagen; das is in der ganzen Welt so. Der Alte hangt noch am Alten, und der Junge, nu, der is eben ein Jungscher und bramarbasiert ein bißchen. Ich weiß nicht recht, zu welcher Partei er sich halt, er wird aber wohl für Torgelow gestimmt haben. Nu, mem Gott, warum nicht? Das tun jetzt viele. Darau muh man sich gewöhnen. Das is eben das Politische." Nein Herr Major. Herr Major wollen verzeihn, aber bei diesem Isidor is es nicht das Politische. Komme ja jeden dritten Tag hm und seh den Alten in seinem Laden und höre, was er da red t und reo t. Und der Junge red't auch und red't immer vons .Prinzip. Das Prinzip is ihm aber egal. Er will bloß mogeln und den Alten an die Wand drucken. Und das ist das, was ich das Zweideutige nenne." Armgard, Woldemar und Tante Adelheid hatten die Mitte genommen. Als sie bis in die Nähe der Seespitze gekommen waren, immer unter einem verschneiten Buchen- und Eichengange hin, wurden sie durch ein Geräusch wie von brechenden kleinen Aesten aufmerk am gemacht und ihr Auge nach oben richtend, gewahrten sie, wie zwei Eichhörnchen über ihnen spielten und in beständigem Sichhaschen von Baum zu Baum sprangen. Die Zweige knickten, und der Schnee stäubte hernieder. Armgard mochte sich von dem Schauspiel nicht trennen, lachte, wenn die momentan ver- schwundenen Tierchen mit einem Male wieder Zum Vorschein kamen, und gab ihre Beobachtung erst auf, als die Domina, nicht direkt unfreundlich, aber doch ziemlich ungeduldig und jedenfalls wie gelangweilt, zu Gr bemerkte- Ja, Komtesse, die springen; es sind eben Eichhörnchen. Einige Minuten später hatten alle die Bank erreicht, von der aus man den besten Blick auf den zugefrorenen See hatte. Das Eis zeigte sich hoch mit Schnee bedeckt aber in feiner Mitte war doch schon eine gefegte Stelle, zU der Dom Ufer her eine schmale, gleichfalls freigeschaufelte Straße hmuber- führle Engelke legte die Decken über die Bank, und die Damen, die von dem halbstündigen und zuletzt etwas ansteigenden Wege müde geworden waren nahmen alle drei Platz, während sich Rolf Krake und Uncke wie Schildhalter zu beiden Seiten der Bank aufstellten. Dubslav dagegen placierte sich in Front und machte, während er einen landläufigen Fuhrer- ton anschlug, den Cicerone. „Hab die Ehr, Ihnen hier die große Sehenswürdigkeit von Dorf und Schloß Stechlin zu präsentieren unfern See, meinen See, wenn Sie mir das Wort gestatten wollen Alle möglichen berühmten Naturforscher waren hier und haben sich höchst Über den See geäußert. Immer hieß es: ,es stehe wissenschaftlich fest. Und das ist jetzt das Höchste. Früher sagte man: ,es steht m den Akten. $d) lasse dabei hingestellt sein, wovor man sich tiefer verbeugen muß. Ja" sagte Melusine, „das ist nun also der große Moment. Orientiert binich. Aber wie das mit allem Großem geht, ich empfinde doch auch etwas von Enttäuschung." Das ist weil wir Winter haben, gnädigste Gräfin. Wenn Sie die offene Seefläche vor sich hätten und in der Vorstellung stunden: ,jetzt bildet sich der Trichter und jetzt steigt es heraus, so wurden Sie mut- maßlich nichts von Enttäuschung empfinden. Aber letzt! Das Eis macht still und duckt das Revolutionäre. Da kann selbst unser Uncke nichts notieren. Nicht wahr, Uncke " Uncke schmunzelte. Im übrigen sehe ich zu meiner Freude — und das verdanken wir wieder unserm guten Kluckhuhn, der an alles denkt und alles oorsieht -, baß die Schneeschipper auch ein paar ihrer Pickäxte mitgebracht haben. Jcb tariere bas Eis auf nicht dicker als zwei Fuß, und wenn sich die Leute dranmachen, so haben wir in zehn Minuten eine große Lune, und der Hahn, wenn er nur sonst Lust hat, kommt aus feiner Tiefe herauf. Befehlen Frau Gräfin?" Um Gottes willen, nein. Ich bin sehr für G^e Geschichten unb bin alücklick baß die Familie Stechlin diesen See hat. Aber ich bin Zugleich auch abergläubisch und mag kein Eingreifen ins Elementare. Die Natur bat ieüt den See überdeckt; da werd ich mich also hüten, irgendwas ändern zu wollen. Ich würde glauben, eine Hand führe heraus und ^'Illde'lhW war bei diesen Worten immer gerader und läi^er geworden und rückte mit Ostentation von Melusine weg, mehr der Banklehne zu, wo, halb wie das gute Gewissen, halb wie die göttliche Weltordnung, Uncke stand und durch seine bloße Gegenwart den Gemütszustand bet,.. Domina wieder beschwichtigte. Nur von Zeit zu Zeit sah sie fragend) sorschend und vorwurfsvoll auf ihren Bruder. Dieser wußte genau, was in seiner Schwester Seele vorging. Es erheiterte ihn ungemein, aber es beunruhigte ihn doch auch. Wenn diese Gefühle wuchsen, wohin sollte das führen? Die Möglichkeit einer schrecklichen Szene, die sein Haus mit einer nicht zu tilgenden Blamage behaftet hätte, trat dabei vor seine Seele. Der Himmel hatte aber ein Einsehn. Schon seit einer Viertelstunde lag ein grauer Ton über der Landschaft, und plötzlich fielen Flocken, erst vereinzelte, dann dicht und reichlich. Den Weg bis Globsow fortzusetzen, daran war unter diesen Umständen gar nicht mehr zu denken, und so brach man denn auf, um ins Schloß zurückzukehren. Auch auf einen Besuch in der Kirche, weil es da zu kalt sei, wurde verzichtet. 29. Kapitel. Der Heimweg war gemeinschaftlich angetreten worden, aber doch nur bis an die Dorfstraße. Hier teilte man sich in drei Gruppen, eine jede mit verschiedenem Ziel: Dubslav, Tante Adelheid und Armgard gingen auf das Herrenhaus, Uncke und Rolf Krake auf das Schulzenamt, Waldemar und Melusine dagegen auf die Pfarre zu. Waldemar freilich nur bis an den Vorgarten, wo er sich von Melusine verabschiedete. Lorenzen, so lang er Waldemar und Melusine sich seiner Pfarre nähern sah, hatte verlegen am Fenster gestanden, kam aber, als das Paar sich draußen trennte, so ziemlich wieder zu sich. Er war nun schon so lange jeder Damenunterhaltung entwöhnt, daß ihm ein Besuch wie der der Gräfin zunächst nur Verlegenheit schaffen konnte; wenn's denn aber durchaus fein mußte, so war ihm eine Tete-a-Tete mit ihr immer noch lieber als eine Plauderei zu dritt. Er ging ihr denn auch bis in den Flur entgegen, wap ihr hier beim Ablegen behilflich und sprach ihr — weil er jede Scheu rasch von sich abfallen fühlte — ganz aufrichtig seine Freude aus, sie in feiner Pfarre begrüßen zu dürfen. „Und nun bitt ich Sie, Frau Gräfin, sich's unter meinen Büchern hier nach Möglichkeit bequem machen zu wollen. Ich bin zwar auch Inhaber einer Putzstube, mit einem dezenten Teppich und einem kalten Ofen; aber ich könnte das gesundheitlich nicht verantworten. Hier haben wir wenigstens eine gute Temperatur." „Die immer die Hauptsache bleibt. Ach, eine gute Temperatur! Gesellschaftlich ist sie beinah alles und dabei leider doch so selten. Ich kenne Häuser, wo, wenn Sie den Widersinn verzeihen wollen, der kalte Ofen gar nicht ausgeht. Aber erlassen Sie mir gütigst den Sofaplatz hier; ich fühle mich dazu noch nicht ,alte Same1 genug und möcht auch gern en vue der beiden Bilder bleiben, trotzdem ich das eine davon schon so gut wie kenne." „Die Kreuzabnahme?" „Nein! das andre." „Die Lind also?" „Ja." „So haben Sie das schöne Bild in der Nationalgalerie gesehn?" „Auch das. Aber doch freilich erst seit ganz kurzem, während ich von Ihrer Aquarellkopie schon seit ein paar Monaten weiß. Das war auf einer Dampfschiffahrt, die wir nach dem sogenannten Eierhäuschen machten, und der Ausplauderer über das Bild da vor mir war niemand anders als Ihr Zögling Waldemar, auf den Sie stolz fein können. Er freilich würde den Satz umkehren, oder sage ich lieber, er tat es. Denn er sprach mit solcher Liebe von Ihnen, daß ich Sie von jenem Tag an auch herzlich liebe, was Sie sich schon gefallen lassen müssen. Ein Glück nur, daß er sich draußen verabschiedet hat und nicht hören kann, was ich hier sage .. Lorenzen lächelte. „Sonst hätten sich diese Bekenntnisse verboten. Aber da sie nun mal gemacht sind und man nie weiß, wann und wie man wieder zusammenkommt, so lassen Sie mich darin sortsahren. Waldemar erzählte mir — Pardon für meine Indiskretion — von Ihrer Schwärmerei für die Lind. Und da horchten wir denn auf und beneideten Sie fast. Nichts beneidenswerter als eine Seele, die schwärmen kann. Schwärmen ist fliegen, eine himmlische Bewegung nach oben." Lorenzen stutzte. Das war doch mehr als eine bloß liebenswürdige Dame aus der Gesellschaft. „Und um es kurz zu machen", fuhr Melusine fort, „Waldemar sprach bei dieser Gelegenheit wie von Ihrer ersten Liebe" (und dabei wies sie lächelnd auf das Bildchen der Lind) „so auch von Ihrer letzten — nein, nein, nicht von Ihrer letzten; Sie werden immer eine neue finden —, sprach also von Ihrer Begeisterung für den herrlichen Mann da weit unten am Tajo, von ihrer Begeisterung für den Joao de Deus. Und als er ausgesprochen hatte, da haben wir uns alle, die wir zugegen waren, um den ,Un Santo' geschart und einen geheimenBund geschlossen. Erst um den ,Un Santo' und zum zweiten um Sie selbst. Und nun frag ich Sie. wollen Sie mittun in diesem unserm Bunde, der ohne Sie gar nicht existierte? Mir ist manches verquer gegangen. Aber ich bin, denk ich, dem Tage nahe, der mich ahnen läßt, daß unsre Prüfungen auch unsre Segnungen sind und daß mir alles Leid nur kam, um den Stab, der trägt und stützt, fester zu umklammern. Ich darf leider nicht hinzusetzen, daß dieser Stab (möglich, daß er sich einst dazu auswächst) das Kreuz sei. Meiner ganzen Natur nach bin ich ungläubig. Aber ich hoffe, sagen zu dürfen: ich bin wenigstens demütig." „Wenigstens demütig", wiederholte Lorenzen langsam, zugleich halb verlegen vor sich hinblickend, und Melusine, die Zweifel, die sich in der Wiederholung dieser Worte ziemlich deutlich aussprachen, mit scharfem Ohre heraushörend, fuhr in plötzlich verändertem und beinah heiterem Tone 'art: „Wie grausam Sie sind. Aber Sie haben recht. Demütig. Und daß h mich dessen auch noch berühme. Wer ist demütig? Wir alle sind im letzten doch eigentlich das Gegenteil davon. Aber das darf ich sagen, ich habe den Willen dazu." „Und schon der gilt, Frau Gräfin. Nur freilich ist Demut nicht genug; sie schafft nicht, sie fördert nicht nach außen, sie belebt kaum." „Und ist doch mindestens der Anfang zum Bessern, weil sie mit dem Egoismus aufräumt. Wer die Staffel hinauf will, muß eben von unten an dienen. Und soviel bleibt, es birgt sich in ihr die Lösung jeder Frage, die jetzt die Welt bewegt. Demütig sein heißt christlich sein, christlich in meinem, vielleicht darf ich sagen in unsrem Sinne. Demut erschrickt vor dem zweierlei Maß. Wer demütig ist, der ist duldsam, weil er weiß, wie sehr er selbst der Duldsamkeit bedarf; wer demütig ist, der sieht die Scheidewände fallen und erblickt den Menschen im Menschen." „Ich kann Ihnen zustimmen", lächelte Lorenzen. „Aber wenn ich, Frau Gräfin, in Ihren Mienen richtig lese, so sind diese Bekenntnisse doch nur Einleitung zu was anderem. Sie halten noch das Eigentliche zurück und verbinden mit Ihrer Aussprache, so sonderbar es klingen mag, etwas Spezielles und beinah Praktisches." „Und ich freue mich, daß Sie das herausgefühlt haben. Es ist so. Wir kommen da eben von Ihrem Stechlin her, von Ihrem See, dem Besten, was Sie hier haben. Ich habe mich dagegen gewehrt, als das Eis aufgeschlagen werden sollte, denn alles Eingreifen oder auch nur Einblicken in das, was sich verbirgt, erschreckt mich. Ich respektiere das Gegebene. Daneben aber freilich auch das Werdende, denn eben dies Werdende wird über kurz oder lang abermals ein Gegebenes fein. Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben. Und vor allem sollen wir, wie der Stechlin uns lehrt, den großen Zrsammenhang der Dinge nie vergessen. Sich abschliehen heißt, sich einmauern, und sich einmauern ist Tod. Es kommt darauf an, daß wir gerade das beständig gegenwärtig haben. Mein Vertrauen zu meinem Schwager ist unbegrenzt. Er hat einen edlen Charakter, aber ich weiß nicht, ob er auch einen festen Charakter hat. Er ist feinen Sinnes, und wer fein ist, ist oft bestimmbar. Er ist auch nicht geistig bedeutend genug, um sich gegen abweichende Meinungen, gegen Irrtümer und Standesvorurteile wehren zu können. Er bedarf der Stütze. Diese Stütze sind Sie meinem Schwager Waldemar von Jugend auf gewesen. Und um was ich Sie jetzt bitte, das heißt: .Seien Sie’s ferner'.“ „Daß ich Ihnen sagen könnte, wie freudig ich in Ihren Dienst trete, gnädigste Gräfin. Und ich kann es um fo leichter, als ihre Ideale, wie Sie wissen, auch die meinigen sind. Ich lebe darin und empfind es als eine Gnade, da, wo das Alte versagt, ganz in einem Neuen aufzugehn. Um ein solches .Neues' handelt es sich. Ob ein solches .Neues' fein soll (weil es fein muß), ober ob es nicht fein soll, um diese Frage dreht sich alles. Es gibt hier um uns her eine große Zahl vorzüglicher Leute, die ganz ernsthaft glauben, das uns lieberlieferte — das Kirchliche voran (leider nicht das Christliche) — müsse verteidigt werden wie der salomonische Tempel. In unserer Obersphäre herrscht außerdem eine naive Neigung, alles .Preußische' für eine höhere Kulturform zu halten." „Genau wie Sie sagen. Aber ich möchte doch, um der Gerechtigkeit willen, die Frage stellen dürfen, ob dieser naive Glaube nicht eine gewisse Berechtigung hat?" „Er hatte sie mal. Aber das liegt zurück. Und kann nicht anbers fein. Der Hauptgegenfatz alles Modernen gegen das Alte besteht darin, daß die Menschen nicht mehr durch ihre Geburt auf den von ihnen einzunehmenden Platz gestellt werden. Sie haben jetzt die Freiheit, ihre Fähigkeiten nach allen Seiten hin und auf jedem Gebiete zu betätigen. Früher war man dreihundert Jahre lang ein Schloßherr oder ein Leinenweber; jetzt kann jeder Leinenweber eines Tages ein Schloßherr fein." „Und beinah auch umgekehrt", lachte Melusine. „Doch lassen wir dies heikle Thema. Diel, viel lieber hör ich ein Wort von Ihnen über den Wert unsrer Lebens- und Gesellschaftsformen, über unsre Gesamt- anschauungsweise, deren besondere Zulässigkeit Sie, wie mir scheint, so nachdrücklich anzweifeln." „Nicht absolut. Wenn ich zweifle, so gelten diese Zweifel nicht so sehr den Dingen selbst, als dem Hochmaß des Glaubens daran. Daß man all diese Mittelmaßdinge für etwas Besonderes und Ueberlegenes und deshalb, wenn's sein kann, für etwas ewig zu Konservierendes an« sieht, das ist das Schlimme. Was mal galt, soll weiter gelten, was mal gut war, soll weiter ein Gutes oder wohl gar ein Bestes [ein. Das ist aber unmöglich, auch wenn alles, was keineswegs der Fall ist, einer gewissen Herrlichkeitsvorstellung entspräche. ... Wir- haben, wenn wir rückblicken, drei große Epochen gehabt. Dessen sollen wir eingedenk sein. Die vielleicht größte, zugleich die erste, war die unter dem Soldatenkönig. Das war ein nicht genug zu preisender Mann, seiner 3eit wunderbar angepaßt und ihr zugleich voraus. Er hat nicht nur bas Königtum ftabiliert, er hat auch, was viel wichtiger, die Fundamente für eine neue Zeit geschaffen und an die Stelle von Zerfahrenheit, selbstischer Vielherrfchast und Willkür Ordnung und Gerechtigkeit gesetzt. Gerechtigkeit, das war sein bester .rocher de bronze'." „Und bann?" „Und bann kam Epoche zwei. Die ließ, nach jener ersten, m-’’t lange mehr auf sich warten, und das feiner Natur und feiner Geschichte nach gleich ungeniale Land sah sich mit einem Male von Genie durchblitzt/ „Muh das ein Staunen gewesen sein." „Ja. Aber doch mehr draußen in der Welt als daheim. Anstaunen ist auch eine Kunst. Es gehört etwas dazu, Großes als groß zu begreifen ... Und dann kam die dritte Zeit. Nicht groß und doch auch wieder ganz groß. Da war bas arme, elend,e, halb dem Untergange verfallene Land nicht von Genie, wohl aber von Begeisterung durchleuchtet, von dem Glauben an die höhere Macht des Geistigen, des Wissens und der Freiheit." „Gut, Lorenzen. Aber weiter." (Fortsetzung folgt.) Schwäbische Kunde. Von Ludwig Uhland. Als Kaiser Friedrich lobesam Zum heil'gen Land gezogen kam, Da mußt er mit dem frommen Heer Durch ein Gebirge wüst und leer. Daselbst erhub sich große Not, Viel Steine gab's und wenig Brot, Und mancher deutscher Reitersmann Hat dort den Trunk sich abgetan; Den Pferden war's so schwach im Magen, Fast mußt' der Reiter die Mähre tragen. Nun war' ein Herr aus Schwabenland, Von hohem Wuchs und starker Hand; Des Rößlein war so krank und schwach. Er zog es nur am Zaume nach; Er hätt' es nimmer aufgegeben Und kostet's ihn dos eigne Leben. So blieb er bald ein gutes Stück Hinter dem Heereszug zurück. Da sprengten plötzlich in die Quer' Fünfzig türkische Reiter daher; Die Huben an, auf ihn zu schießen. Nach ihm zu werfen mit den Spießen. Der wackre Schwabe forcht' sich nit. Ging seines Weges Schritt vor Schritt, Ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken Und tat nur spöttlich um sich blicken. Bis einer, dem die Zeit zu lang. Auf ihn den krummen Säbel schwang: Da wallt dem Deutschen auch sein Blut, Er trifft des Türken Pferd fo gut, Er haut ihm ab mit einem Streich Die beiden Vorderfüß zugleich. Ssls er das Tier zu Fall gebracht. Da faßt er erst fein Schwert mit Macht, Er schwingt es auf des Reiters Kopf, Haut durch bis auf den Sattelkopf, Haut auch den Sattel noch zu Stücken Und tief noch in des Pferdes Rücken. Zur Rechten sieht man wie zur Linken Einen halben Türken heruntersinken. Da packt die andern kalter Graus, Sie fliehen in alle Welt hinaus. Und jedem ift's, als würd' ihm mitten Durch Kopf und Leib hindurchgefchnitten. Drauf kam des Wegs 'ne Christenschar, Die auch zurückgeblieben war, Die sahen nun mit gutem Bedacht, Was Arbeit unser Held gemacht. Von denen hat's der Kaiser vernommen. Der ließ den Schwaben vor sich kommen; Er sprach: „Sag' an, mein Ritter wertl Wer hat dich solche Streich gelehrt?" Der Held bedacht' sich nicht zu lang': „Die Streiche sind bei uns im Schwang'; Sie sind bekannt im ganzen Reiche: Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche." Ludwig Uhland. Zu seinem 150. Geburkskage am 26. April. Von Annemarie v. Puttkamer. In feinem poetischen Nekrolog auf Uh land s Tod sagt Emanuel @eibek „Wie stand mit seinem keuschen Psalter Im jüngren Schwarm er stolz und schlicht, Ein Meister und ein Held wie Walther Und rein fein Schild wie fein Gedicht." Der Hinweis auf die Gestalt Walthers, des Sängers von der Vogelweide, drängt sich einem bei der Betrachtung Ludwig Uhlands in mehr als einer Beziehung auf. Uhland selbst hat die innere Verwandtschaft lehr stark empfunden, und eine seiner ersten Forschungsarbeiten, die einen großen Teil seines Lebenswerkes ausmachen, galt dem ritterlichen Dickster. Was beide am engsten verbindet, war das, was (Seibel nit den Worten andeutet: „Ein Meister und ein Held ...", „und rein ein Schild wie fein Gedicht". Es war nicht nur der Adel der Ge- innung und die aufrechte männliche Haltung, es war die Art, wie beide n ihrer Zeit standen, wach, unerschrocken, kämpferisch. Beide waren politische Dichter im höchsten Sinne des Wortes. Freilich, wer flüchtig ihr Werk durchblättert, dem scheint das Politische nur einen verhältnismäßig geringen Raum einzunehmen, aber es stand so sehr im Mittelpunkt ihres Wesens, daß es auch mittelbar bis ins rein Lyrische, bis in sj 'chlichteste Ballade hinein, jedes Wort durchformte. .. ' 'iß. auch die Gegensätze zwischen dem Dichter des 13. und dem '9. Jahrhunderts liegen auf der Hand. Die lyrische Süßigkeit Walthers, gerade das „Minnesängerhafte", fehlt Uhland. Der nüchterne ^>hn einer nüchternen Zeit war nämlich bis zur Eckigkeit und Härte mnd in einem Maße verschlossen, daß oft der Eindruck einer gewissen -Trockenheit entsteht und tatsächlich auch im persönlichen Umgang ent- lltand. Seine nächsten Freunde — Gustav Schwab, Justinus Kerbt er, Paul Pfizer — bezeugten, von seinen persönlichen Erlebnissen »nd Gefühlen eigentlich nie etwas erfahren zu haben, und Uhland tadelte als alter Mann den übermäßigen Subjektivismus der jungen Generation, die sich selbst zu wichtig nähme. Er selber nahm sich ganz und gar nicht wichtig, sondern trat völlig zurück hinter den sachlichen Ausgaben seines Lebens. Entsprechend verläust sein Dasein in einer einfachen Kurve, in das nur die Politik einige Verwicklungen bringt. Als Sohn eines mittleren Universitätsbeamten in Tübingen entschloß er sich, wie es scheint ohne rechte innere Beteiligung, zum Studium der Rechtswissenschaft. Ebenfalls ohne wirkliche Anteilnahme und sogar entgegen der innersten Neigung scheint es gewesen zu fein, daß er nach anderthalb unerfreulichen Jahren im württembergischen Staatsdienst sich 1811 unter die Stuttgarter Advokaten aufnehmen ließ. Wie er selbst (einen Eltern brieflich mitteilte, bestimmte vor allem der Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit und Selbständigkeit diese Berufswahl Die Abhängigkeit hatte er besonders schmerzlich im Jahre 1813 empfunden, wo sie ihn daran verhinderte, persönlich an dem Freiheitskampf des deutschen Volkes teilzunehmen, den er nur mit feinen Liedern begleitete, xim Jahre 1815 erschien, nachdem fein Name bereits durch zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften bekannt geworden war, die erste Sammlung seiner Gedichte bei Cotta, die bereits viele seiner schönsten Balladen enthält. Im nächsten Jahr wurde er zum erstenmal in das politische Leben seiner Zeit aktiv hineinbezogen und bald darauf, d. h. sobald er durch Vollendung seines 30. Lebensjahres dazu fähig war, in die verfassunggebende württembergische Ständeversammlung gewählt, wo er zur ausgesprochenen Opposition gehörte. In derselben Eigenschaft finden wir ihn auch 1820 im ersten württembergischen Landtag. In dieses Jahr fällt auch feine Verheiratung mit Emilie Vischer aus Kalw. Bezeichnend ist, daß Uhland zu seiner eigenen Hochzeit sich verspätete, weil er eine wichtige Abstimmung im Landtag nicht versäumen wollte. Auf die Dauer freilich fühlte er sich von dem parlamentarischen Betrieb enttäuscht, der seine besten Kräfte aufzehrte, ohne dem Land wirklich zu dienen, so daß er nur aus Pflichtgefühl bis zum Ende der sechsjährigen Wahlperiode ausharrte und eine Wiederwahl ablehnte. Eine um so größere Freude bedeutete es für ihn, als ihm wenige Jahre darauf der Tübinger Lehrstuhl für deutsche Literatur angeboten wurde. Am 3. Mai 1830 hielt er seine Antrittsvorlesung. Hier endlich war er vollkommen in seinem Element, bei den Gegenständen, denen von Jünglingstagen an seine größte Leidenschaft gehört hatte. Seine Vorlesungen über das Nibelungenlied, über altdeutsche Poesie, über germanische Sagengeschichte waren die Frucht zwanzigjähriger Studien, hier war auch der Quell, an dem feine Muse sich nährte, wie auch sene politische Haltung ganz von selbst aus der innigen Verwurzelung in der deutschen Vergangenheit heraufwuchs. Dennoch sollte er schon nach wenigen Jahren dieses Amt wieder verlieren. In den politischen Erregungen des Jahres 1833 hatte er sich, im begeisterten Gedanken an das kommende gesamtdeutsche Vaterland, um das es zu kämpfen galt, zu einer neuen Landtagswahl bereit finden lassen. Die Regierung aber, die feine Wahl ungern sah, verweigerte ihm den dazu notwendigen Urlaub. Da glaubte er es seinen Wählern schuldig zu sein, fein Amt niederzulegen, um feinen Sitz in der Kammer einnehmen zu können. In dieser Landtagsperiode bis 1838 war es, daß Uhland, längst berühmt als Dichter, nun auch als Vorkämpfer für die Einheit und Freiheit Deutschlands einen Namen von gutem Klang bekam. Nach Ablauf der Wahlperiode folgte ein Jahrzehnt der stillen Zurückgezogenheit in Tübingen und der eifrigen Studien, nur von zahlreichen Reifen durch ganz Deutschland, Oesterreich und die Schweiz unterbrochen. Da rief ihn die Revolution des Jahres 1848 von neuem in die erste Reihe der Kämpfer. Es war nach Lage der Dinge selbstverständlich, daß ' Uhland alsbald seinen Platz in der Paulskirche einnahm. Seine Stellungnahme hier bezeichnet am besten ein Wort, das er einer Kundgebung, die ihn als „Freiheitsmann" feierte, entgegnete: „Ja, die Freiheit wollen wir, welche Einheit schafft". Seine Vorstellung von der unteilbaren Einheit des großen deutschen Vaterlandes machte ihn zum leidenschaftlichen Gegner der sogenannten „kleindeutschen Lösung", die Oesterreich aus dem Reichsverband ausschließen wollte. Ebenso heftig aber sprach er sich auch — und damit setzte er sich in Gegensatz zu vielen feiner nächsten Freunde — gegen das Erbkaisertum aus, vollends gegen die Möglichkeit, die Kaiserkrone einem der regierenden deutschen Fürsten zu übertragen — wobei damals schon viele an Preußen dachten. Nach seiner Ueberzeugung sollte das Oberhaupt des Deutschen Reiches wählbar fein, dieses höchste Amt aber dem besten Deutschen offenstehen und nicht Vorrecht einer Dynastie fein. Bei vielen und gerade bei den politisch befähigsten Köpfen seiner Zeit galt Uhland mit diesen Vorstellungen als ein unklarer, alles staatsmännischen Denkens barer Ideologe. Und tatsächlich waren seine Ideen das genaue Gegenteil von dem, was zunächst in der Reichsgründung von 1870 Wirklichkeit werden sollte und damals wohl auch allein Wirklichkeit werden konnte. Aber wie so oft war der scheinbare Phantast, dessen Phantasien aus einem weiteren Zusammenhang stammen, als sie der eigenen Gegenwart faßbar sind, der Träumer von heute, zugleich der Prophet von übermorgen. Uhland war es, der in einer vielberufenen Rede vorn 23. Januar 1849 das berühmt gewordene Wort sprach: „Glauben Sie mir, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Oeles gesalbt ist" Auch, als es längst klar geworden, daß eine parlamentarische Versammlung nicht die Stätte fei, die zur Wiege des Deutschen Reiches werden könne, hielt Uhland es für feine Pflicht, auszuharren, und so gehörte er zu jenem zufammengeschmolzenen Häuflein des „Rumpfparlaments", das zuletzt in Stuttgart durch gewaltsame Auflösung ein klägliches Ende fand Die 13 Jahre, die ihm als Lebensrest nach verblieben, gehörten völlig privaten Studien der geliebten deutschen Vergangenheit. Als Uhlands wichtigste Werke auf diesem Gebiet seien hier neben der schon erwähnten Monographie über Walther von der Vogelweide noch genannt der „Mythos von Thor", „Sammlung alter hoch- und niederdeutscher Volkslieder", „Beiträge zur schwäbischen Sagenkunde" und „Beiträge zur deut- chen Heldensage". Der Dichter, der Gelehrte und der Politiker waren in ihm zu unlösbar lebendiger Einheit verschmolzen. Als poetische Frucht 'toiiori" kommandierte der Admiral, neben seiner eingestürzten Kam- w°Me bemühten wir uns, sein Gewinsel durch V.ktor.a-Rufen zu über. brÜ“ein Viktoria dem Admiral Deckeltopf," röchelte Erwin ,,der seinen fflSÄPSä* KW mu WJÄS: schrien wir und sprangen wie di- Tollen aus den ^°"Ein^n Rettungsring auswersen für den Schiffsjungen!" kommandierte DeHnIwortHch Or. HanS Thtzrtöt. — Druck und Derlag: Brühl',ch- UniversitätS.Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Giebe«, Elli. Bon Bruno Brehm. Kaum waren die Eltern fort, so verwandelten sich Vaters Reitstiefel in Kanonenrohre, die Sporen in Visiere, das Bügelbrett in eine Kommandobrücke, der lange Besen in einen Mastbaum, die Matratzen in die Panzerung und die Ehebetten in die den Ozean kreuzenden Schlachtschiffe. Karl der Aelteste, wollte immer wieder der Admiral Tegetthoff sein. Aber keine Würde ohne Bürde. Seine Erfindung, den Kanonendonner durch das Zusammenschlagen zweier Topsdeckel nachzuahmen, hatte ihm den Namen Deckeltopf eingetragen, dawider hals kein Strauben. Wollte er sich nicht mit zuckendem Herzen Deckeltopf nennen lassen, dann spielte unser Jüngster, Erwin, nicht als Schiffsjunge mit. Erwin legte nicht besonders viel Wert auf das Schiffsfpiel, aber er brauchte uns für fein Theater, wo hinwiederum der Admiral die niedrige Rolle eines Beleuchters und Lampenputzers innehatte. Admiral Deckeltopf, schritt vorsichtig auf der über dem Bettgestell liegenden Kommandobrücke auf und ab, schaute durch eine Pappendeckelröhre und befahl: „Feindliches Geschwader in Sicht! Anrammen und zum Sinken bringen! . ; Alles auf die Gefechtsstationen!" brüllte Heinz, der Erste Offizier. Heinz und ich schoben schnell die Stiefelröhren durch die Matratzenpanzerung, drehten die klirrenden Sporenräder, und Heinz meldete. „Feuer- bCrerroin, der nicht nur unter die Betten zu kriechen und dort 'm Kessel- raum zu heizen, sondern auch die Elementargewalten und den Ge chutz- donner darzustellen hatte, tauchte aus der Tiefe auf, schlug seine Topfdeckel zusammen und sprang dann so wild aus den Federmatratzen umher, daß die Kommandobrücke samt dem eben „Feuer!" kommandierenden Admiral in das schlingernde Bett purzelte. „Admiral gefallen!" brüllte Heinz, der Erste Offizier. „Ich übernehme 'sich""»" dem Bllgclladen und einer übelwollenden Handbewegung des Admirals zu retten, ließ sich der Schiffsjunge, der zu stark gerüttelt hatte, über Deck auf den Ozean des Fußbodens gleiten „Mann über Bord:" brüllte ich, der die Aufgabe hatte, alle Matrosen in meiner Person zu verkörpern. , .... „Admiral Tegetthoss lebt noch!" stieß unser Admiral mühsam hervor, „Herr Erster Offizier, kümmern Sie sich um Ihren Dienst, ich werde den ^^"^Deckeltopf, o du blöder, gemeiner.Deckeltops! Du hast die Seeschlacht verloren und willst dich an mir dafür rächen." . . „ Genug!" brüllte der Admiral. „Achtung! Ich zahle: eins, zwei, drei. "Elli! Elli' Elli!" schrien wir drei nun aus vollem Halse, um das Aus »'"'LLmNÄK". »Ä * I.« M.»« ML y ein "tapferer Seemann Elli geheißen. Wir wollen kein Weib an Bord der .Lissa'I Ein Weib namens Elli soll unsere Flagge nicht schänden. Wir banden Erwin los, und er rannte weinend davon. „Feiger Deckei- ^°b!,Ellü blöder","envwertt"der Admiral, „und du darfst mich Deckeltopf nennen? Weine ich deshalb?" . .... . Mit Mühe gelang es uns, den Schiftsjungen wieder zu versöhnen, ja, er schloß sogar mit dem Admiral ein Abkommen nach welchem es verboten wurde, sowohl Decke,tops wie Elli jemals mehr zu rufen. Aber lange bat es nicht vorgehalten, denn in dieser geheimnisvollen Art fchimvfen, lag ein allzu großer, ein unwiderstehlicher Reiz, — und was hatte den das für ein Schiffsfpiel fein sollen, bei dem der Schiffsiunge keine Prügel bekam? f-^e, Hilfe!" brüllte der Schiffsjunge, mit Armen und Beinen um sich schlagend und dem Ersten Offizier die beiden Topfdeckel, reichend, damit das Feuer keine Unterbrechung leide. Zn Federpolster wurde zusammengedreht und Erwin zugeworfen, mit mlt’diaer Stimme ?,das Seegericht wird sogleich zusammentreten. Bis SÄ?»»« Ä SStt "W£t" »«t ültour-l Brf.llopf-, |a«le b.r ed>lff.iun«< |l* '‘tÄÄÄ’Ä to »bmlr«l. auf. A.°b»U- >"'• sÄSÄ'm, sich Ob«. S-«Nsw-h, umlegen, unb »ein« "“SÄ -ch» Soaireffer?" ftngle »bnilral T-g-lch-Ii noch fll"F"Ä”Ä »« SchM-lunge mit ««.« 81» "" -l-S »'ben «ruiib geben, b« ber g.n«. Mo. Kfl^«ln<« Schl,, »m üb« Leben unb Tob' ich kann Sie zu Tod peitschen lassen, wenn Sie mit dieser lächerlichen I und'bübischen Namensverdrehung nicht endlich einmal «ushorenw , . ■« ftÄfÄ*®? Ä' Ä-uK'Äen-. '«“?* XKÄfÄffi °°! » 'm ÄÄ.W $ Ä iMssäiS:|ATK' äs baß der Schiffsjunge nicht durch ein heftiges Emporfchnellen einen See sturm verursachte und die Kommandobrücke wieder herunterfege. „Seegericht gestellt, Herr Admiral." „Deckeltopf!" höhnte der Schiffsjunge „Schon gut", erwiderte der Admiral, „wir werden gleich fertig sein mltÄC™ Schweigen Auch dem Schiffsjungen verging anscheinend die gute Lne dlnn ihm stand Furchtbares bevor. Die Ehrfurcht vor dem Un9^rrmSerUDff£er,ri4 frage Sie vor Gott und Ihrem Gewisfen, ob 'e? Ihnen bekannt ist,,daß bei einem gewissen Namen meist kleine Modchen^geru^en^we bje Bastonade ohne Laut über sich ergehen hatte lassen wand sich bei dieser Folter dritten Grades, die er nun zu erdulden Ä?.‘S*”äbmw T.g«b.ir, b., 6* °M|--. sich'an der Qual des Schiffsjungen weidend, „fo werden nur kleine ^°Der "Mmira? verließ die Kommandobrücke unb beugte sich über den Gefesselten: „Schiffsjunge Erwin, warum halten Sie meinem Blick nicht stand? Sind das nicht gar Tränen, was sich da über Ihre Wangen fheb Warum meinen Sie denn? Es muß wohl fürchterlich ein einen solchen Mädchennamen zu haben, wie? Schiffsjunge Erwin, soll ich mein Flagg fthiff soweit schänden unb biefen Namen laut aussprechen. „Nein! Nein! Bitte, nein! Bitte nicht!" schluchzte ber Sch.sssiunge auf, das barfft bu nicht, bas ist gegen bas Spiel, ich hab ruhig bie Basto nabe ertragen, aber das kann ich nicht hören, bas will ich nicht Horen, bu barfft, wenn bu bas nicht fagft, nächstes Mal beim Theaterspielen dir ^,b^V^^^fNulngee6rroV^eertr>iberte ber Abmiral kalt, ,cheläftigen Sie uns nicht mit Ihren Privatangelegenheiten. Wir spielen nicht, ,etzt ist s voller SB MZNNB künde die Fackel deutend uns voran". Oer Wirtin Töchterlein. Bon Ludwig Uhlanb. Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein: „Frau Wirtin, hat Sie gut Bier und Wein? Wo hat Sie Ihr schönes Tochterlem? — Mein Bier und Wein ist srisch und har., „ Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr. Und als sie traten zur Kammer hinein, Da lag sie in einem schwarzen Schrein. Der erste, der schlug den Schleier zurück Und schaute sie an mit traurigem Blick: ,Ach, lebtest bu noch, bu schöne Maib! Ich würbe bich lieben von bieser Zeit. Der zweite beckte ben Schleier zu Unb kehrte sich ab unb meinte dazu: „Ach, bah bu liegst auf der Totenbahr'!" Ich hab' dich geliebet so manches Jahr. Der dritte Hub ihn roieber sogleich Unb küßte sie an den Mund so bleich: Dich liebt’ ich immer, bich lieb’ ich noch heut’ Unb merbe bich lieben in Emigkeit."