abmärti ier. Ab» u|d) ent. doch W, fiadjen; s ,aB mit n9?meiit rn^ 'bn r. fierten W not 'fierten Stimmt en (Bro, die. unb Schreien Menschen e machte fM nicht "Ichirtllch es, unb bete, ble Tadjt zu bas ich nnt, unb Gestrüpp en hatte, iber, bas Jrunnens i tonnte, elbft mut n bebertt s falber id) selbst trommel' fröhliche! tiger auf ifte, eint ! empor. Schönheit innen J« n Schluh uorfichlil trug den aftlos dit ier freien nen. Mir lieft ft i er aud) ehüch 1" t Sofain den, fi'i iaflcrftätle r W-rdle Hile mich Priesitt, - jina«* , sich oor de. ®""i der mit , Lach«"' schöpfe"' e ich de« aber * aar» . - einHf ,([ utitbet um l’llt lieber de« en 8* -lo"d ]<' . @o|ain* ch-°i"L Ls SfehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger ! ahrgang 1937 Montag, den 25. Oktober Nummer 85 Eugenik brandet ROMAN von Honore de Balzac 12. Fortsetzung. Und so wurde von Tag zu Tag durch seine Blicke, seine Worte das arme INdchen mehr sortgerissen, das sich entzückt der Strömung der Liebe über- [jji und nach ihrer Glückseligkeit griff, wie ein Schwimmer nach dem Zweig der Weide greift, um fich aus dem Fluß zu ziehen und fich am Ufer uszuruhen. Doch trübte fchon der Kummer über die herannahende Tren- ming die fröhlichen Stunden dieser flüchtigen Tage. Jeden Tag erinnerte |e irgendeine kleine Begebenheit an das herannahende Scheiden. So t urde drei Tage nach des Graffins' Abreise Charles von Grandet zum k ericht der ersten Instanz geführt, mit cher Feierlichkeit, die Kleinstädter sichen Handlungen beilegen, um dort einen Verzicht auf die Erbschaft s ines Vaters zu unterschreiben. Schrecklich dieses Ausschlagen der Erbschast, S war wie eine Art Abfall vom Hause. Dann ging er zum Notar Cruchot, um zwei Vollmachten ausstellen zu lassen, eine für des Graffins, die andere fit den Freund, der fein Mobiliar verkaufen sollte. Dann mußte er die nöti- ('n Formalitäten erfüllen, um einen Paß fürs Ausländ zu erhalten. Endlich, (3 die einfachen Trauerkleider ankamen, die er aus Paris bestellt hatte, L'B er einen Schneider von Saumur kommen und verkaufte ihm feine unnötige Garderobe. Diese Handlung gefiel dem alten Grandet aus- uhmend gut. „Ja, du bist der rechte Mann, der sich einschiffen und fein Glück machen Hill", sagte er zu ihm, als er ihn in einem Ueberrock von grobem schwarzem buch sah. „Gut, sehr gut." „Ich bitte Sie, zu glauben", antwortete ihm Charles, „daß ich mich schr wohl meiner Lage anzupassen weiß." , ,, ,, „Was ist denn das da?" sagte der Alte unb seine Augen wurden lebhaft bim Anblick einer Handvoll Gold, das Charles ihm zeigte. „Ich habe meine Knöpfe und meine Ringe, alle die Ueberflüssigkeiten, li e ich besitze unb bie einen Wert haben könnten, znsammengefncht; aber In ich niemanben in Saumur kenne, wollte ich Sie heute früh bitten, ur..." „Dies abzukaufen?" unterbrach ihn ©raubet. „Nein, Onkel, mir einen ehrlichen Mann zu nennen, ber . . . „Gib es mir, Nesse, ich werbe es oben für bich abschätzen unb dir dann uf ein Centime genau sagen, was es wert ist. — Schmuck-Gold , sagte er unb sah sich eine lange Kette genau an, „achtzehn- bis neunzehnkaratig. Der Alte streckte seine breite Hand aus und trug den Haufen Gold weg. „Liebe Cousine", sagte Charles, „erlauben Sie mir, Ihnen diese be den . i uöpse zu schenken, mit denen Sie Bänder um Ihre Handgelenke befestigen i mögen. Ein derartiges Armband ist augenblicklich sehr modern. „Ich nehme sie ohne zu zögern an, lieber Vetter , sagte sie unb a f ii in einen Blick des Einverständnisses zu. , „Siebe Tante, das hier ist der Fingerhut meinet Mutter, ich habe ihn I tgfältig in meinem Reisenecessaire aufgehoben , sagte Charles und Verreichte Fran Grandet einen hübschen goldenen Fingerhut, den m Ich feit zehn Jahren wünschte. v. , „ ,, „ „Ich kann Ihnen nicht genug danken, hebet Neffe , f g Sutter, deren Singen sich mit Tränen füllten. „Abends und morgens herbe ich bei meinen Gebeten als inständigstes von allen für S . . l“t Reifenden sprechen. Wenn ich sterbe, soll Eugeme Ihnen das Kleinod -ufbewahren.eu ,eunundachtzig Franken fünfundsiebzig Centimes hert, Nesse", sagte Grandet in der Tür. „Aber nm d.t d.e SNühe za iparen, V' zu verkaufen, will ich es dir in Geld auszahlen. . . m Livres. , Der Ausdruck „in Livres" bezeichnet im Küstenstrich d" L°.re, daß dw | ^echs-Franken-Taler für sechs Franken angenommen werden müsi n, _ „Ichäwagte nicht, Ihnen diesen Vorschlag ö» machen , vu'wettete Harles, „aber es widerstrebte mir, meine Schmucksachen m der L-tam, >u> cie wohnen, zu verschachern. Man soll seinef fchuiubw 7 > @e, iMuuie waschen, sagte Napoleon. Ich danke Ihnen dahc f 3 '©raubet kratzte sich Hinterm Ohr, unb es entstand eine kleine Pause. „Mein lieber Onkel", fuhr Charles fort und (al) ita i“"5?unbmcTne trenn er fürchtete fein siartaesühl zu verletzen, „meine Cousine uno m We ware7so 'ftem,dlÄ ein kleines Andenken von rn.r nicht zurück- r weisen. Würden Sie die Güte haben, Manlchettenknopfe von rn a^z^ t hmen, die für mich überflüssig geworden sind, sie sollen Ci armen Jungen erinnern, der fern von Ihnen, sicherlich an die denken wird, die von setzt ab seine ganze Familie sind." „Aber, aber, mein Junge, solltest dich nicht so berauben . . . Was hast du bekommen, liebe Fran", sagte er und wandte fich gierig zu ihr. „Ah, einen goldenen Fingerhut, und du, Töchterchen? Sieb an, Diamantagraffen. —■ Gut, ich nehme deine Knöpfe an, mein Junge", fuhr et fort und drückte Charles die Hand. „Aber du mußt mir erlauben, dir deine .. . ja . .. liebet* fahrt nach Indien zu bezahlen. Ja, ich ivill dir die Uebersahrt bezahlen. Um so mehr, siehst du, mein Junge, als ich beim Abschätzen deines Schmuck» nur das rohe Gold gerechnet habe, vielleicht kann man noch etwas für bie Arbeit bekommen. Also, wie ich gesagt habe. Ich werbe bir sünszehnhunbert Franken geben ... in Livres; Cruchot muß sie mir leihen, beim hier habe ich nicht einen roten Heller, wenigstens nicht, so lange Perrotet, ber mit bet Pacht im Rückstanb ist, sie mit nicht zahlt. Ach ja, ich werbe mal nach ihm sehen gehn." Er nahm seinen Hut, zog bie Hanbschuhe an und ging fort. „Sie reifen wirklich?" sagte Gugenie und warf ihm einen von Traurigkeit und Bewunderung gemischten Blick zu. „Es muß sein", sagte et und senkte den Kopf. Seit einigen Tagen waren Haltung, Benehmen und Sprache von Charles zwar die eines im tiefsten bekümmerten Menschen, der aber, da er ungeheure Verpflichtungen auf fich ruhen fühlt, neuen Mut aus feinem Unglück schöpft. Er seufzte nicht mehr, et wat Man» geworden. Und Eugeniens gute Meinung vom Charakter ihres Vetters erreichte ihren Höhepunkt, als sie ihn in seinen schwarzen Tranerkleidetn aus grobem Tuch herab* kommen sah, die ganz z>i seinem bleichen Gesicht und seiner düstern Haltung stimmten. An diesem Tag hatten auch die beiden Frauen Trauer angelegt und mit Charles einem Requiem beigewohnt, das in bet Pfarrkirche für die Seele des entschlafenen Guillaume Grandet zelebriert wurde. Beim zweiten Frühstück bekam Charles Briese ans Paris und las sie: „Wie steht's, Vetter, sind Sie mit Ihren Geschäften zufrieden?" sagte Eugenie mit leitet Stimme. „Stelle doch niemals solche Fragen, Kind", bemerkte Grandet. „Teufel auch, ich spreche mit dir nicht von meinen Geschäften. Warum steckst du die Nase in die deines Vetters? Laß doch den Jungen in Ruh." „Oh, ich habe keine Geheimnisse", sagte Charles. „Ta, ta, ta, ta, Neffe, du weißt, daß man im Geschäftsleben seine Zunge im Zaum halten muß." Als die beiden Liebenden allein im Garten waten, sagte Charles zu Eugenie, indem er sie auf die eite Bank zog, wo sie sich unter den Nuß* bäum setzten. , , , , „Ich hatte mit Recht eine gute Meinung von Alphonse, er hat sich fabel* haft bewährt. Er hat meine Geschäfte mit Klugheit unb Rechtlichkeit geführt. Ich habe keine Schulben mehr in Paris, alle meine Möbel sind vorteilhaft verkauft worben, unb er teilt mit mit, baß er für breitaufend Franken, bie übriggeblieben waren, auf ben Rat eines Seekapitäns eine Warenlabung für mich gekauft hat, bie ans europäischen Raritäten besteht, mit denen man in Indien einen großen Verdienst erzielen kann. Er hat meine Frachtgüter nach Nantes gesandt, wo ein Schiff mit Ladung für Java liegt. In fünf Tagen, Eugenie, müssen wir uns Lebewohl sagen, für immer vielleicht, mindestens für lange Zeit. Meine Ladung und zehn- tausend Franken, die mir zwei Freunde schicken, wird ein seht kleiner Anfang fein. Ich kann vor mehreren Jahren nicht an meine Rückkehr denken. Meine liebe Cousine, machen Sie Ihr Leben nicht von meinem abhängig, ich kann umkommen, vielleicht bietet fich Ihnen eine reiche Heirat . . „Haben Sie mich lieb?" sagte sie. „O ja, sehr", antwortete er mit einer Aufrichtigkeit im Ton, bie gleiche Aufrichtigkeit im Gefühl erkennen ließ. Ich werbe warten, Charles. Gott, mein Vater ist an (einem Fenster", sagt'?sie und stieß ihren Vetter zurück, bet fich genähert hatte, um sie zu Sie flüchtete in ben HauSemgang, wohin ihr Charles folgte; als sie ihn fah, wich fie bis zum Fuß ber Treppe zurück unb öffnete die Klapptüt, bann, ohne recht zu wisfen, wohin fie ging, kam Eugenie bis zur Kammer von Nanon, ber buntelften Stelle bes Ganges, ba ergriff Charles, der ihr nachging, ihre Hand, drückte fie an fein Herz, faßte Eugenie um die Taille unb zog sie sanft an fich. Sie loiberftanb nicht länger, sie empfing unb gab ben reinsten, zartesten, aber auch ben ewig sie binbenben Kuß. „Liebe Eugenie, ein Vetter ist besser als ein Bruder, er kann dich heiraten. 9?anon unb öffnete die Tür ihrer Kammer. Die beiden Liebenden flohen erschreckt in ben Saal, wo Eugenie ihre Arbeit roieber aufnahm unb Charles bie Gebete ber Jungfrau im Gebetbuch von Frau Granbet zu lesen anfing. „Ra", sagte Nanon, „wir sagen ja alle mal unsere Gebete. Seitdem Charles seine Abreise angekündigt hatte, war Grandet eifrig bemüht, ihn glauben zu machen, daß er großes Jnteresfe für ihn hätte; et zeigte sich freigebig in allem, was ihn nichts kostete, wollte ihm einen „Grandet von Saumur wird bezahlen." Sechs Monate verflossen. Die Pariser steckten die im Umlauf befindlichen Wechsel wieder ein und hoben sie in der Tiefe ihrer Brieftaschen aus. Das erste Resultat, das der Böttcher erreichen wollte. Neun Monate nach der ersten Versammlung verteilten die beiden Liquidatoren ftebenundvrerzig Prozent an jeden Gläubiger. Diese Summe kam durch den Berkaus der Werte, Besitztümer und aller irgendwie dem verstorbenen Gurllaume Gründet gehörigen Sachen heraus, der mit der pemlrchsten Genauigkeit durchgeführt worden war. Die allerstrengste Rechtlichkeit herrschte bei dieser Liquidation. Die Gläubiger erkannten gern das bewundernswerte unbestreitbare Ehrgefühl der Grandets an. Ms diese Lobeserhebungen eine angemessene Zeitlang gedauert hatten, verlangten d,e Gläubiger den Rest ihres Geldes. Sie mußten einen gemeinsamen Bries an Gründet schreiben „Da wären wir auf dem Punkt", sagte der ftühere Böttcher und warf nimm meins." , . , .,_ ., „Dein aus ewig", klang es zweimal von beiden Seiten. , Kein Versprechen von der Welt war reiner; Eugenrens Herzensreinheit I hatte sür den Augenblick Charles Liebe geheiligt. Am nächsten Morgen war das Frühstück traurig. Trotz dem goldgestickten Schlafrock und dem Jeanetten-Kreuze, Geschenken von Charles, hatte Nanon, die ihre Gesühle I frei ausdrücken durste, Tränen im Auge. „Der arme liebe, junge Herr, der aufs Meer geht . . . möge Gott ihn I 0ekSaIb elf Uhr machte sich die Familie auf den Weg, Charles zur Postkutsche nach Nantes zu begleiten. Nanon hatte den Hund losgemacht, d,e Haustür verschlossen und trug die Handtasche von Charles. Alle Kaufleute I der alten Straße standen unter ihren Ladentüren, um dieses Geleit vorbei- kommen zu sehen, dem sich aus dem Marktplatz der Notar Cruchot anschloß. I „Weine nur ja nicht, Eugenie", sagte ihre Mutter. Lieber Nesse", sagte Grandet unter der Tür des Postgasthofes und küßte Charles aus beide Wangen, „reise arm ab, komm reich zurück, dann wirst du die Ehre deines Vaters gerettet sinken. Ich verbürge mich dasur, ich, Grandet, denn alsdann hängt es nur von dir ab, daß . . . „Ach, lieber Onkel, Sie mildern die Bitterkeit meiner Abreise. Das ist das schönste Geschenk, das Sie mir machen konnten." Da er die Worte des alten Böttchers, den er unterbrochen batte, nicht verstanden hatte, benetzte Charles das lohfarbene Gesicht seines Onkels mit I Tränen der Dankbarkeit, während Eugenie mit aller Kraft die Hand ihres I Vetters und die ihres Vaters drückte. Nur der Notar lächelte und bewunderte die Schlauheit Grandets, denn nur er hatte den Alten wohl verstanden. Die vier Saumuraner blieben, umgeben von einer Anzahl von Leuten, [ bei der Postkutsche, bis sie abfuhr; dann, als sie auf der Brücke verschwunden war und nur noch in der Ferne rollte, sagte der Winzer: „Gute Reise." . . m . I «um Glück war Notar Cruchot der einzige, der diesen Ausruf hörte. Eugenie und die Mutter waren an eine Stelle des Kai gegangen, von wo aus sie noch die Kutsche sehen konnten; sie winkten mit ihren weißen Taschentüchern und Charles ließ als Antwort auf dies Zeichen fernes flattern. „Mutter, ich möchte für einen Augenblick die Allmacht Gottes haben", sagte Eugenie im Augenblick, wo sie Charles Taschentuch nicht mehr sah. I Um den Lauf der Ereignisse, die im Schoß der Familie Grandets vor sich gingen, nicht zu unterbrechen, müssen wir im voraus einen Blick auf bte Operationen wersen, die der Alte in Paris durch Vermittlung von des Graisins ausführte. Einen Monat nach der Abreise des Banners besaß Grandet hunderttausend Franken Staatsrenten, .die zu achtzig Franken netto getauft waren. Die AufschlÜsfe, die nach feinem Tod durch sein Jnven- tarium gegeben wurden, haben nie das geringste Licht aus die Mittel wersen können, die ihm sein Mißtrauen eingab, um die Stücke gegen die Eintragung ins Staatsschuldbuch selbst einzutauschen. Notar Cruchot dachte, daß Nanon, ohne es zu wissen, das treue Werkzeug beim Transport der Renten gewesen ist. Etwa in dieser.Zeit war die Magd süns Tage abwesend, unter dem Vorwand, in Froidsond etwas in Ordnung zu bringen, als wenn es dem Alten ähnlich sähe, irgend etwas in Unordnung geraten zu lassen. Was d,e Geschäfte des Hauses Guillaume Grandet anging, so wurde alles, was der Böttcher vorausgesehen hatte, Wirklichkeit. .... „ , Bei der Bank von Frankreich gibt es bekanntlich die genauesten Aufzeichnungen über die großen Vermögen in Paris und in den Provinzen. Die Namen von des Grassins und Felix Grandet in Saumur waren da bekannt und genoffen die Achtung, die Finanzgrößen gezollt wird, die sich auf ungeheuren hypothekenfreien Landbesitz stützen. Die Ankunft des Bankiers von Saumur, der, wie man sagte, beauftragt war, ehrenhalber das Haus Grandet in Paris zu liquidieren, genügte daher, um der abgeschie denen Seele des Kaufmanns die Schande der Wechfelproteste zu ersparen Die Abnahme der gerichtlichen Siegel ging in Gegenwart der Gläubiger vor sich, und der Notar der Familie schritt zu einer regelrechten Ausnahme des Nachlasses. Bald daraus versammelte des Grassins die Gläubiger, die einstimmig zum Liquidator den Bankier von Saumur erwählten, zusammen mit Francois Keller, dem Ches eines reichen Hauses, einen der Haupt- interefsenten, und sie mit allen nötigen Vollmachten ausstatteten, um die Ehre der Familie zugleich mit den Schuldsorderungen zu retten. Der Kredit Grandets von Saumur, die Hossnung, die er im Herzen der Gläubiger durch des Grassins wecken ließ, erleichterten die Verträge; es 'and sich nicht ein Störriger unter den Giläubigetn. Niemand dachte daran, -einen Wechsel aus Gewinn- und Verlustkonto zu buchen und jeder sagte sich: mU"®e°t9ate", sagte man zu des Grassins, „sührt Sie und uns an bet ^Dreiundzwanzig Monate nach dem Tode Guillaume Grandets hatte" viele Kaufleute im Drang des Pariser Geschäftslebens ihre Ausstände Grandet vergeffen oder, wenn sie daran dachten, sagten sie sich: „Ich fange an zu glauben, daß die siebenundvierzig Prozent alles bleiben werden, was ich da herauskriege." .. Der Böttcher hatte auf die Macht der Zeit gerechnet, die, wie er sagte, eine verteufelt gute Helferin ist. Am Ende des dritten Jahres schrieb«des Grassins an Grandet, daß er die Gläubiger so wert habe, ihm fürzehn> Prozent der restlichen Schuld des Hauses Grandet, im Betrag von zwei Millionen vierhunderttausend Franken, die Wechsel auszuliefern. Grandet antwortete, daß ja der Notar und der Wechselmakler, deren schreckliche Bankrotte den Tod seines Bruders verschuldet hätten, noch lebten, he für ihre Person konnten ja gut geworden fein, und man müßte sie in Bewegung setzen, um noch etwas herauszuschlagen und den Betrag des Defizits zu verniin- dern. Am Ende des vierten Jahres war das Defizit recht und schlecht aus die Summe von zwölfhunderttausend Franken festgesetzt worden. Es haue Besprechungen gegeben, die sich sechs Monate lang hinzogen, zwischen b Liquidatoren und den Gläubigern, zwischen Grandet und den Liquidatoren. Endlich, lebhast gedrängt, sich zu entschließen, antwortete Grandet den beiden Liquidatoren, ungesähr im neunten Monat dieses Jahres, daß len, Nesse, der in Indien reich geworden war, ihm seine Absicht angezeigt haue, die Schiilden seines Vaters vollständig zu bezahlen, daß er es mcht aus M nehmen könne, sie zu saldieren, ohne ihn befragt zu haben; er warten auf eine Antwort. Um die Mitte des fünften Jahres wurden die Gläubige immer noch durch das Wort „vollständig" in Schach gehalten, das von Zen zu Zeit von dem großartigen Böttcher hingeworfen wurde, der st» n- Fäustchen lachte und nie ohne ein schlaues Lächeln und einen Liebling, pur? sagte: Die Pariser!... (Fortsetzung folgt.) Packer verschaffen, fand aber, daß dieser Mann zu viel sür seine Kisten verlangte; darauf wollte er iie durchaus selbst anfettigen und verwendete dabei seine alten Bretter; er stand in bet Frühe auf, um bie dünnen Bretter abzuhobeln, zufammenzupasfen, zu glätten, zu nageln, und wachte sehr schöne Kisten daraus, in die er alle Habseligkeiten von Charles verpackte, er übernahm es, sie per Schiss die Loire herunterzuschicken, zu versichern und zu rechter Zeit nach Nantes zu expedieren. f.. Seit dem im Hausgang geraubten Kuß entflohen die Stunden für Eugenie mit erschreckender Schnelligkeit. Manchmal wollte sie ihrem Vetter folgen. Wer die uns am meisten ieffelnde von allen Leidenfchafwn kennt, die täglich an Dauer einbüßt durch das Alter, die Zeit, eine tödliche Krank- beit, durch irgendeines der menschlichen Verhängnisse, der wird die Qualen Eugeniens verstehen. Sie weinte oft, wenn sie in dem Garten auf und ab ging, bet ihr jetzt zu eng war, wie der Hof, wie das Hauch wie die Stadt, sie schwang sich schon im voraus hin, über die weite Unendlichkeit der Meere. Und dann wat der Abend der Abreise da. Am Morgen war, als Grandet und Nanon abwesend waten, das kostbare Kästchen mit den beiden Porträts feierlich in dem einzigen verschließbaren Fach der alten Truhe^untergebracht worden, in dem auch die jetzt leere Börse lag. Die Einbettung dieses Schatzes ging nicht ohne eine große Zahl von Küssen und Tränen vor sich. Ms^ugeme den Schlüssel an ihrer Brust verwahrte, hatte sie nicht den Mut, Charles zu verwehren, diese Stelle zu tüifen. „Et wird nie, nie diesen Platz verlassen, mem Freund. „Gut, bann ist auch mein Herz stets da mit ihm vereint. „Ach, Charles, es ist nicht recht", sagte sie mit sanftem Vorwurf. „Sinb wir benn nicht verheiratet?" antwortete er, „ich habe bem Wort, den Brief ins Feuer. „Gebulb, mein Freunbchen." Als Antwort auf bie Vorschläge in diesem Br,es verlangte Grandet, daß bei einem Notar sämtliche vorhandenen Schuldforderungen aus den Nachlaß seines Bruders hinterlegt würden, zusammen mit einer Quittung über bie schon geleisteten Zahlungen, unter bem Vorwand, daß dadurch die Abrechnungen ins Reine gebracht und der Stand des Nachlasses genau bargelegt werben könne. Diese Hinterlegung stieß aus tausenb Schwierigkeiten. Im allgemeinen ist ber Gläubiger eine Art Besesiener. Heute ist er bereit, abzuschließen, morgen will er mit Feuer unb Schwert losgehen; noch später ist er übergutmütig. Heute ist seine Frau guter Laune, sein längster Sprößling hat Zähne gekriegt, alles geht gut zu Hause, da will er nicht einen Sous verlieren; morgen regnet es, er kann nicht ausgehen, er ist melancholisch, er sagt ja zu allen Vorschlägen, bte em Geschäft zum Abschluß bringen können; übermorgen will er Garantien, am Ende des Monats droht er mit bem Gerichtsvollzieher, mit bem Henker. Grandet hatte die atmosphärischen Verschiedenheiten von Gläubigern beobachtet, und bte seines Bruders entsprachen samt und sonders feinen Berechnungen. Die einen wurden wütend und widersetzten sich schlechtweg der Hinterlegung. , Schön, das geht ja tresslich", sagte Grandet und rieb sich die Hände, wenn er die Briese las, die ihm hierüber des Grassins schrieb. Ein paar andere gaben die Zustimmung zu der besagten Hinterlegung nur unter der Bedingung, daß ihre Rechte ausdrücklich anerkannt wurden, daß sie aus keins verzichten würden und sich sogar das vorbehtelten, den Bankrott erklären zu lassen. Neuer Brieswechsel, der damit endete, daß Grandet von Saumur auf alle gemachten Vorbehalte entging. Infolge dieser Nachgiebigkeit bestimmten die langmütigen Gläubiger die hartnäckigen, Vernunft anzunehmen. Die Hinterlegung fand unter einiger Mißstim« Herbstliches Ufer. Don Wilhelm Luetjens. Im Nebel rückt bie Stadt in sich zusammen. Die Wasserslut ist wie ein graues Meer, das wogt unb atmet. Aus bem Dämmern her zucken der ersten Lichter sohle Flammen. Ruhende Boote schaukeln nah am Steg mit Masten, bie sich zueinander neigen und schwankend in den grauen Himmel steigen. Die gelben Blätter wehn aus meinen Weg. Nun sinkt das Dunkel. Dichte Tropfen fallen durch Lindenkronen wie ein langes Lied, das in den dunstverhängten Abend mündet. Und während rings, wohin das Auge sieht, die Stadt mit grellen Lichtern sich entzündet, hört man den Wellenschlag ans Ufer prallen. Siebzehn Kastanien. Eine herbstliche Geschichte von Eberhard Meckel. Manche Menschen werden, wenn das Jahr immer mehr in den Herbst gerät und sich von draußen mit einem trüben und von eiligen Wolken befahrenen Himmel im Fenster zeigt, melancholisch. Sie bekommen dann, wie man zu sagen pflegt, ihren herbstlichen Koller, gegen den nichts hilft als ein planlos stürmisches Lausen über die Felder und in die Wälder. Auch Peter wurde eines Tages, eines grauen windigen Tages, da es die Blätter scharenweise an den Scheiben vorübertrieb, plötzlich in dieser Art erfaßt; kurz enischlossen warf er seine Studierbücher hin, griff sich den Hut vom Haken und marschierte, von nichts getrieben als von dem Gefühl, sich die vergangene, endgültig vergangene Sommerzeit von der zwanzigjährigen «Seele laufen zu müssen, in ungewisser Richtung los. Der Weg führt ihn aus der Stadt hinaus, rechts und links standen große Kastanienbäume, und sooft der schwere Arm des Sturmes in das Geäst brausend griff, platschten die stacheligen Kugeln herab, öffneten sich beim Aufprall auf den Boden mit leisem Knall, und heraus rollte aus feinem weißen Gehäuse der rotbraune Inhalt, fettig glänzend, frisch wie eine verlockende Frucht. Ab und zu wurde Peter an Kopf und Arm unsanft von den fallenden Kastanien getroffen; gedankenlos hob er, wie er es als Kind getan, im Weitergehen eine Anzahl der großen und kleinen Dinger auf und steckte sie zu sich in die Tasche. Er war noch nicht weit gelangt, stapfte mürrisch zwischen Gärten und Lauben dahin, als auf einmal aus einem offenen Tor mit viel Gebell ein Hund hervorschoß, offenkundig in der Absicht, sich auf den eiligen und dadurch verdächtigen Wanderer zu stürzen. Peter, eine Sekunde wehrlos, erinnerte sich des aufgelesenen harten Gutes in der Tasche und — „wozu hat man Kastanien", dachte er geschwind — holte ein paar hervor, warf sie blitzschnell zur Abwehr und traf mit einer genau die Schnauze des wütenden Tieres, das sichtlich ernüchtert nun schleunigst wieder kehrtmachte und sich mit Geheul dahin zurückzog, woher es gekommen. Und schon wollte der Sieger in jäh aufwallendem bubenhasten Gefühl des Triumphes über die Kreatur weitergehen, da erreichte aus nächster Nähe eine scheltende weibliche Stimme demütigend fein Ohr: „Pfui, man wirst nicht gleich mit Steinen einen Hund, der keinem Menschen etwas tut!" Peter wandte sich betroffen um und sah an einem Zaun, zwischen Dahlienbüschen hervorgetreten, ein junges Mädchen stehen, das ihn mit erzürnten Blicken maß. „Entschuldigen Sie", sagte Peter, höflich den Hut vom Kopfe rückend, so daß (oh, er wußte die Wirkung) sein dunkelblonder Schopf wie eine Lockenflut ihm ins Gesicht fiel, „entschuldigen Sie, es waren keine Steine, die ich warf, sondern Kastanien." Und, mit einem Schritt die empörte Ruferin erreichend und nun dicht vor ihr stehend, wobei er ihr in bas von ihm mit ehrlicher Ueberraschung wahrgenommene, jetzt schon weniger böse dreinschauende, bezaubernd hübsche Gesicht blickte, fügte er lächelnd hinzu: „Hätte ich allerdings geahnt, daß es 3f)r Hund ist, ich hätte mich gerne von ihm beißen lassen". Für ein paar Augenblicke fiel nun fein Wort zwischen beiden, die sich nur schweigend teils neugierig, teils zurückhaltend betrachteten; dabei fand Peter das Mädchen immer reizender, und auch ihr gefiel er nicht übel, nein. Schließlich bemerkte sie, um die schon ein wenig peinliche Pause zu überbrücken, mit leisem Spott: „Sie haben wohl noch mehr Kastanien" und wies mit der Hand aus seine prall gefüllte Rocktasche. „Soviel Sie wollen", gab Peter zurück, „das heißt, solange der Vorrat reicht", und begann die Kastanien eine nach der andern hervorzukramen und ihr einzeln zu geben. Das Mädchen nahm sie zwischen hre kindlichen Finger; „siebzehn haben Sie!", rief sie aus. als eine iebzehnte indianerrote Kugel nach einigem Suchen ans Tageslicht geordert ward, „siebzehn, genau so viele, wie ich alt bin'. „Das paßt ja ausgezeichnet", meinte Peter und unterdrückte schnell eine achtzehnte und letzte, die ihm eben noch in die Hand geraten war, indem er sie wieder in die Tiefen der Tasche zurückfallen ließ. „Ich schenke Sie Ihnen alle", erklärte er großmütig, „tragen Sie sie immer bei sich in der Tasche, dann haben Sie ein Jahr lang kein Rheumatismus! , und druckte bei der Uebergabe der siebzehnten Kastanie ein klein wenig mehr als unbedingt nötig war, die Hand seiner apfelbackigen Ausschimpsenn. „Aber ich habe gar keine Taschen", ließ die sich mit gemachter Betrübnis vernehmen; die Beleidigung, die darin lag, ihr mit siebzehn Jahren Rheumatismus zuzutrauen, schien sie überhort zu haben. „Ich würde sie sonst immer gewiß tragen, well sie von Ihnen sind! ergänzte sie den Satz und blitzte ihr Gegenüber aus ihren dunklen Augen an wie mit einem Feuer. Das leise schelmische Zucken, das dabei gemischt sein sollte, mißlang jedoch; sie war eben noch unerfahren auf dem Gebiet weiblicher Koketterie, stellte Peter, der alles wohl bemerkte, mit Genugtuung für sich selbst fest; um nichts in der Welt hatte er diesen Blick weggegeben, der freilich mehr Kompliment für ihn „enthielt, als seinem Studentenherzen gut tat. Denn er wollte nun übermütig roeröen roie ein junger Gaul; in plötzlicher Erinnerung jedoch an den Grund eines herbstlichen Äusmarsches lieh er fein Gesicht von Schwermut umfloren. Das Mädchen hintenn Zaun nahm das sogleich wahr, Bestürzung spiegelte die glänzende Tiefe ihrer Augen und teilnehmend fragte sie, ob ihm etwas fehle. „Die Sonne, der Sommer! , Peter leidenschaftlich hervor und ging in derbe Verwünschungen des f^noöen 5)6^- stes über, der alles kahl mache und melancholisch, einsam, wüst und leer. „Wieso wüst und leer?" ward ihm zur Antwort; zwei .zierliche Hände wiesen auf die Büsche von Dahlien und Herbstastern, Chrysanthemen und anderen bunten Blumen umher. „Es ist eine törichte nung, der Herbst sei häßlich"; sie rühre nur daher, daß man sich gewöhnt habe, immer nur vom Sterben in der ^tur zu sp ch■ statt daran zu denken, wie jetzt schon Im Grunde sich °lles insgeheim wieder rüste, nach der Winterruhe in neuen Bluten und Blattern auf- zuerstehen. „Wie mit dem Regen ist es , fuhr sie fast aufge gt s „von dem man schon die kleinen Kinder lehrt, er bedeute schlechtes und häßliches Wetter." Würde man ihnen jagen, auch Regen fei schönes Wetter, und ginge diese Meinung in alle Menschen über, stünde es sicher anders und fröhlicher auf der ganzen Welt! Nein, der Herbst macht nicht wüst und leer, traurig und einsam", bekräftigte sie noch einmal energisch das Ende ihrer langen Rede und, wie zum Beweis, riß sie von den nächsten Büschen an Blumen ab, was ihr unter die Finger kam und gab sie ihm: „Sind sie nicht herrlich? Das gibt es eben nur im Herbst!" Davor mußte sich Peter endgültig geschlagen bekennen; „sie hat eigentlich recht", dachte er, „man kann die Welt auch so betrachten, und das ist sicher nicht schlechter!" verflogen war mit einem Male seine herbstliche Riedergeschlagenheit, und Fröhlichkeit gewann wieder die Oberhand in ihm. „Jawohl, es stimmt, was Sie sagen!" sagte er, und ehe sich das Mädchen hinter dem Zaun versah und sich wehren konnte, hatte es einen Kuß mitten auf den Mund bekommen. „Darf ich mir noch öfters Blumen abholen?" fragte er gar nicht verlegen» wobei er es aber doch für ratsamer hielt, schnell zwei Schritte zwischen sich und die von dem stürmischen Uebersall Verdutzte zu legen und sich langsam wieder zum Gehen zu wenden. Die Bewegung, die ihm von der immer noch Sprachlosen als Antwort ward, konnte Drohung bedeuten oder Verheißung. Peter aber, sich nun endgültig ent» sernend, nahm sie als Verheißung; wie verzaubert dünkte ihm nun der Herbst, wo man mit einem hübschen Mädchen übern Zaun reden, von ihm Blumen geschenkt bekommen und ihr selbst einen Kuß stehlen konnte. Vergessen war alles, was ihn vorhin hinausgetrieben hatte. Im tüchtigen Ausschreiten in der Richtung nach Hause zu seinen Studierbüchern spürte er die vorhin unterdrückte Kastanie in der Tasche: Er nahm sie hervor und, indem er die vorhin gehörten Worte laut wiederholte: „Nein, der Herbst macht nicht wüst und leer, traurig und einsam!", warf er sie hoch in die Luft. In ihrem Rostbraun schien sich der. ganze Glanz der Jahreszeit zu spiegeln ... Oie Mutter Napoleons 111. Von Annemarie von Puttkamer. Es sind in diesem Monat hundert Jahre her, daß in ihrer Villa in Arenenberg in der Schweiz Hortense Beauharnais starb, die Stieftochter und Schwägerin Napoleons, lange Jahre von Napoleons Gnaden Königin von Holland, Mutter Napoleons Hl. Der Glanz der Kronen, der durch die Che ihrer Mutter mit Napoleon auch auf sie fiel, hat der Tochter des Vicomte de Beauharnais kein Glück gebracht. Als Kind hatte sie die unglückliche Ehe ihrer Eltern mitange« sehen, später die Schrecken der Revolution erlebt, die ihren Vater, obgleich er anfangs ein begeisterter Parteigänger der Revolution war, zuletzt doch aufs Schafott schickte, ihre Mutter ins Gesängnis brachte. Schlimme Jahre für Hortense und ihren Bruder Eugene! Bessere Tage kamen erst, als ihre Mutter den General Bonaparte heiratete. Don nun an erhielt Hortense eine sehr sorgfältige Erziehung, die den beweglichen Geist des schönen, begabten Mädchens vielseitig bildete. Mit 17 Jahren war Hortense die Zierde der ersten Gesellschaft des Kon- ulats. Böse Zungen behaupteten, daß sie ihrem Stiefvater allzstnahe tünde. Jedenfalls war ihr in den Familienplänen Napoleons eine be- timmte Rolle zugedacht. Anstatt sie ihrem Herzen folgen zu lassen, las sie zu dem General Duroc zog, verheiratete er sie mit 19 Jahren mit feinem Bruder Louis. Schlechter konnten zwei Ehegatten nicht zueinander passen: Louis Bonaparte war eigensinnig, brutal, unappetitlich und mißtrauisch; Hortense weich, zärtlich, liebebedürftig und musischen Geistes. Der Charakter ihres Gatten entsprach ihr ebenso wenig wie das nebelige Klima des Haag, wohin sie übersiedeln mußte, als der Kaiser seinen Bruder zum König von Holland machte. Der Ehe entsprossen in den ersten Jahren zwei Söhne, von denen Napoleon den ältesten zu adoptieren und als seinen Nachfolger zu erziehen wünschte. Louis widersetzte sich jedoch standhaft allen solchen Absichten, die geeignet gewesen wären» den umlaufenden Gerüchten nur neue Nahrung zu geben. Uebrigens starb der Knabe in zartem Alter. Nach seinem Tode entfloh Hortense für längere Zeit dem traurigen Hof des Haag und suchte im sonnigen Savoyen Genesung und Abwechslung. Dort stieß ihr ein furchtbares Erlebnis zu: ihr« Jugendfreundin, die Generalin Broc, die zu Hortense geeilt war, um ihr Gesellschaft zu leisten, versank bei einem Spaziergang vor den Augen der Königin in einem Abgrund, aus dem sie nicht lebend geborgen werden konnte. Napoleon versuchte, zwischen dem Ehepaar zu vermitteln, er schrieb nach beiden Seiten mahnende Briefe, und auf seine Bemühungen hin kam tatsächlich eine Aussöhnung zustande, die allerdings nur von kurzer Dauer war. Dieser Aussöhnung verdankte ein Dritter Knabe sein Leben, ein Achtmonatskind, das |o zart war, daß es nur durch die größten Anstrengungen der Aerzte am Leben erhalten werden konnte Aber gerade dieses Kind war es, dem von allen Erben napoleonischen Blutes die größte weltgeschichtliche Bedeutung beftimmt war. Als Napoleon III. sollte er das zweite Napoleonische Kaiserreich errichten und — verspielen und dadurch mittelbar auch ein Wegbereiter der deutschen Einigung werden. Nach der Scheidung Josephines lebte Hortense meistens in Malmaison bei ihrer Mutter, zeigte sich aber auch viel am Hof. Ihre Bitte, auch ihre Ehe fcheiden zu lassen, fand bei Napoleon kein Gehör. So blieb ihre tiefste Herzensbindung, die Beziehung zum Grasen von Flahaut, un- gesetzlich. Der Sohn, der dieser Beziehung enfiproh, spielte spater im Zweiten Kaiserreich als Herzog von Morny neben seinem Halbbruder eine bedeutende politische Roll«. Hortense, nach wie vor als eine der schönsten Frauen Frankreich gefeiert und stets von einem Schwarm von Künstlern und Dichtern umgeben, teilte ihre Tage zwischen ihrer glücklichen Liebe, einer leidenschaftlichen Blumenpflege sowohl in Ma maison als auf ihrem eigenen Besitzungen, die der Kaiser ihr geschenkt batte, und dem Dichten und Komponieren von Liedern für Flahauts berühmt Oer Brief der Mutter. Von Rudolf Kreutzer. Der Jnsanterieleutnant Peter Hagenberger stand in der frühen Dämmerung eines Maimorgens des Jahres neunzehnhundertsiebzehn m dem eingeebneten Laufgraben einer durch tagelange, feindliche Artillerte- beschießung verwüsteten Stellung des Chemin des Dames-Rückens bei Craonne in der Champagne. Er sollte, sobald das Licht des Tages es erlaubte, mit seiner Kompanie den in einzelne Granattrichter des Vorfeldes eingedrungenen Feind, Teile eines Zuavenregimentes, im Sturmangriff aus den Stellungen werfen und das gewonnene Gelände bis zum Eintreffen der angeforderten und bang erwarteten Verstärkung halten. Die letzten Sterne waren schon verblaht, im Osten begann es allmählich zu dämmern, aus dem nebligen, milchigen Dunst des herauf- kvmmenden Tages hoben sich die grauen, matten Stahlhelme, die ausgepflanzten Bajonette schimmerten fahl zwischen den Schultern der in dichter Reihe stehenden Sturmtruppe. Der Leutnant Hagenberger stand an die Grabenwand gelehnt, übernächtig und fröstelnd, den Kragen hochgeklappt und die Hände in den Taschen vergraben und wartete auf den Ausgang der Sonne, den er irgendwie ersehnte und von dem er doch im Grunde seiner Seele eine unüberwindliche Angst empfand. En dachte, daß der anbrechende Tag vielleicht der letzte sei in seinem Leben, vor ihnen lag ein heimtückischer, grausamer Feind und er wußte, daß der Austrag, der ihm zuteil geworden war, in eine Hölle führte. Der Leutnant Peter Hagenberger war kein Mann, der vor dem Tode zitterte, er war ein tapferer Offizier, aber er brauchte oft lange Zeit zu dieser Tapserkeit und wenn er es bedachte, so war dies eigentlich schon immer so gewesen. Jedesmal, wenn er so im Graben gestanden war, das Sturmgepäck schräg über die Brust geschnallt, zwischen den fahl schimmernden Bajonetten, in der wie eine Schlange gekrümmten Reihe seiner Infanteristen, hinter der die Unteroffiziere aufgeregt hin und her liefen und letzte Befehle erteilten, jedesmal wenn er so gestanden war, fröstelnd und an eine Grabenwand gelehnt, hatte ihn jenes grauen- erfüllte, zitternde Gefühl ergriffen, hatte etwas an feinem Herzen gerissen, von dem er nicht einmal mit Bestimmtheit hätte sagen können. schöne Stimme Eine ihrer Romanzen „Partant pour la Syne wurde zu ihrer Zeit überall viel gesungen. Durch Napoleons Sturz und den Einzug der Verbündeten in Paris fand das tmmerwahrende .Fest e jähes Ende. Aber während sonst die Bonapartlsten in alle Winde zerstoben nahm der Zar Alexander von Rußland Josephine und ihre schone Tochter unter seinen Schutz. Josephine starb bald darauf, aber Hortens durste sich auch des Schutzes Ludwigs XVIII. erfreuen, ©te machte sich freilich bald verdächtig, da ihr Haus als Sammelpunkt für unzufriedene Bonapartiften galt. Bevor aber etwas gegen sie entschieden wurde, kehrte Napoleon von Elba zurück. Es folgten die hundert Tage, Waterloo und die endgültige Abdankung Napoleons. Es war Hortenfe, bei der der gestürzte Löwe in Malmaifon Zuflucht suchte wo er feine letzten Tage in Frankreich verbrachte und Abschied nahm, von feiner Familie, feinen Freunden, vom Leb en. Hortense war schon auf die Nachricht von der Katastrophe zu ihm nach Pansgeeit und im ersten Augenblick unfreundlich empfangen worden „Was hat man Ihnen erzählt?" herrschte er sie an. „Daß Sie Unglück gehabt haben, Sire", erwiderte sie schlicht. Er ließ sich von dem sansten Zauber ihrer Gegenwart sofort versöhnen und sagte ihr, es wurde chm eine Freude sein, bei ihr in Malmaison zu wohnen. In den Tagen der nttnemeinen Auflösung tat ihre Ergebenheit, die ruckhaltos, schwester- lich-töchterlich war, ihm wohl, ohne d ahirge ndw el che Z artlich leiten zwischen ihnen gewechselt wurden. Sie drängte ihn, das Kostbarste, was sie besaß, ein Diamanthalsband von ihm, anzunehmen. Er gab schließ lich nach und schenkte ihr dafür den Ehering ihrer Mutter. Als Napoleon fort war, war auch für Hortense in Frankreich kein Raum mehr. Sie reifte mit ihren Kindern, unterwegs mehrfach als Bonapartin" vom Pöbel bedroht, nach der Schweiz. Mehrere Städte I weigerten sich, sie aufzunehmen, bis sie endlich in Arenenberg Zuflucht sand, wo sie zurückgezogen nur noch der Erziehung ihrer Sohne lebte. Der ältere der Söhne, der an der Revolution in Italien teilgenommen hatte fiel dort 1831 bei Forst; mit dem »weiten reiste Hortense bald daraus heimlich nach Frankreich und suchte die Gnade Loziis Philipps zu gewinnen. Der König nahm sie zwar freundlichi auf, verweigerte aber die Erlaubnis zur Heimkehr nach Frankreich, so daß Hortense mit ihrem nun dreiundzwanzigjährigen Sohn ^nach Arenenberg zurucklehren mußte. Sie hatte ihre Söhne in der napoleonischen Tradition erzogen, aber sie sollte den zweiten Aufstieg der Familie Bonaparte zur Macht nicht mehr erleben. Im Gegenteil, der mißglückte Staatsstreich von Straßburg tm Jahre 1836, mit dem ihr Sohn versucht hatte sich an die Macht zu bringen, verschlechterte ihre Situation erheblich Loms Napoleon wurde nach Amerika abgeschoben, und nur ihren persönlichen Bitten rind Bemühungen gelang es, ihm die Erlaubnis zur Rückkehr zu erwirken. Diese letzte Enttäuschung aber hatte ihr Strafte gebrochen. Sie war 54 Jahre alt aber vom Leben zermürbt. In ihrem Testament schrieb sie: „Ich habe meinem Sohn keinen politischen Rat zu geben. Ich weiß, daß er seine Stellung kennt und alle Pflichten, die fein Name ihm auserlegt . Bald darauf, am 5. Oktober 1837, starb sie. Ihre Ueberrefte ruhen in der Kirche von Rueil, an der Seite ihrer Mutter Josephine. Das lebensvollste Bild dieser Frau besitzen wir in ihren eigenen MemRren, deren drei Bände auch ein wichtiges Kulturdokument ihrer bewegten Zeit bilden. Sie war eine Frau, die für den Frieden und die Liebe geschaffen war, fchön und blumenhast wie ihr Name, leichtsinnig und lebenslustig. Aber ihr ganzes Leben stand tm Banne des qroßen Korsen, wurde durch ihn in Tragik, Verwirrung und Resignation getaucht, empfing aber auch durch ihn einen Hauch von Heroismus und geschichtlicher Größe. ob es wirklich Angst gewesen war. Schon oft hatte er versucht, mit feinen Kameraden darüber zu sprechen, zu erfahren, ob auch sie em Aehnstches empfunden hätten, aber noch jedesmal war er wieder davon zurückqefchreckt, er hätte nicht die Worte finden können und es war ihm auch gewesen, als müßte er etwas Unwürdiges, ja Schimpfliches von sich bekennen. Heute aber schien es ihm. als wäre es noch nie so schamlos aufdringlich und verächtlich gewesen, dieses schimpfliche Gefühl, das mit dem Worte Angst zu bezeichnen er sich tm Innern stets geweigert hatte, zu Unrecht, wie es schien, geweigert hatte, und es überkam ihn ein heftiger Zorn über sich felbft und über feine Feigheit wie er es jetzt offen und ohne jede Beschönigung nannte, über feine Feigheit, die ihm den Schritt ins Unbekannte lähmte und die grauenvollsten Bilder des Todes vor feine Sinne stellte. Er griff in die Brufttafche feines Waffenrockes und holte eine Schachtel Zigaretten hervor, von denen er sich eine zwischen die Lippen steckte und zu rauchen begann. Als er aber die Schachtel zurück in die Brusttasche schob, griff feine Hand ein knisterndes Papier und es fiel ihm ein, daß heute Nacht, vor dem Abmarsch tn die Stellung, die Feldpost ausgegeben worden war und daß ihm sein Diener einen Bries überbracht hatte, den zu lesen ihm bis jetzt die Zett und auch das notwendige Licht gemangelt hatte. Er begann darüber nachzusinnen, wer wohl der Absender des Brieses jein mochte, er dachte an Kameraden, deren viele verwundet in den Lazaretten lagen, dachte an feine Freundin die jetzt zu dieser Stunde irgendwo im weißen Bette schlief, in Heidelberg vielleicht ober in Rudesheim, und je mehr er darüber nackst)achte, desto stärker erwachte in ihm das Verlangen, den Brief hervorzuholen und zu lesen, wuchs in ihm die Ungeduld nach dem Aufkommen des ersten Tageslichtes. Schon Hoden sich, ungewiß und schattenhast, die nahen Dinge der Umgebung aus dem grauen Dämmer, das z^- splitterte Astwerk eines zerschossenen' Baumstumpfes, das gespenstische Gewirr des zerfetzten Drahtverhaues vor den Gräben, aber es war noch immer zu dunkel um zu lesen und der Leutnant Peter Hagenberger stand immer noch an die Grabenwand gelehnt, und indem er an seiner Zigarette zog und an sein ungewisses Schicksal dachte, fiel ihm ein, daß das, was er als Angst, ja selbst als Feigheit vor sich selbst empfand, er niemals hätte vielleicht empfinden müssen, wenn nicht in jeder Lage seines Lebens an der Front sein Herz wie mit geheimen Faden an die Heimat gebunden gewesen wäre. Man müßte ganz allein sein hier und nur auf sich gestellt, dachte er. Immer ist es, als ob die zu Hause hinter einem stünden und zusähen, ob man es auch richtig macht, ob einem nicht die Angst am Herzen frißt. Er warf die Zigarette in den Graben und zertrat die Glut: Es ist nicht die Angst der Kreatur, dachte er, die natürliche, begreifliche, es ist die Angst, nicht in Ehren bestehen zu können vor den unsichtbaren Augen, die einem über die Schulter ^°Es" war heller geworden inzwischen, und er konnte in die Gesichter von ein paar Infanteristen sehen. Sie starrten zu ihm her, fragend und fast verwundert und eines Befehls gewärtig, der sie m dos Un- aeroiffe in die Hölle, führen sollte. Der Leutnant Hagenberger erschrak, er blickte auf die Armbanduhr, die Zeit war da, er hatte jetzt wohl das Kommando geben und aus dem Graben springen müssen. Aber der Bnef fiel ihm ein, hastig griff er in die Tasche und holte ihn hervor und da er ihn nahe vor die Augen hielt, erkannte er auf dem Umschlag die Schrift es war nicht die Schrift der Freundin in Heidelberg ober Rudes- jjeim es war die Schrift der Mutter, und er riß den Umschlag ab und begann mühsam im matten Schein des Frührotes zu lesen. Es waren Glückwünsche, die ihm die Mutter schrieb, Glückwünsche zu einer Kriegsauszeichnung, die ihm verliehen worden war in diesen Wochen, wegen seines tapferen und umsichtigen Verhaltens vor dem Feind in jener mörderischen Offensive, die seit den Tages des April über die Stellungen des Winterbergs und des Dornenweges brauste und in der sich der Feind den Durchbruch durch die deutschen Stellungen zu erzwingen gehasst hatte Der Leutnant Hagenberger lächelte, es überkam ihn ein Gefühl der Liebe und der Rührung bei dem Anblick der etwas unbeholfenen und zitterigen Schrift, aber plötzlich blieben feine Augen an einem Satze haften den er zum zweiten Male lefen mußte. „Mein lieber Sohn , stand da geschrieben „ich könnte Dir sagen, daß ich stolz bin auf Dich und auf die Ehre, die Du Deiner alten Mutter machst. Allein Ich denke, daß in dieser Welt der Pflicht, in der ihr alle lebt, ihr nicht so sehr des Stolzes und der Ehre bedürftig seid, als des Gefühls der Liebe. Darum mein lieber Sohn, sollst Du mir glauben, daß es mich freut, wenn Di, mir Ehre machst, daß aber Deine Mutter immer Deine Mutter bleiben wird, selbst wenn Du einmal meinst, ihr Unehre zu machen. Gott erhalte Dir Dein tapferes Herz, doch wenn Dich je der Mut verlassen sollte, so denke an diese Worte Deiner Mutter." Als der Leutnant Hagenberger den Bries wieder zusammenfaltete, sah er aufschauend die Blicke seiner Mannschaften auf sich gerichtet. Er schob den Brief in die Tasche und schwang sich über die Grabenwand und sein Rui war so hart und hell, fast jubelnd, daß seine Jnsanteristen mitten im Sprunge verwundert nach ihm schauten. Sie rannten über den Drahtverhau, über das Trichterfeld, sie stürmten vorwärts, sie sahen nicht, daß mancher von ihnen fiel, und nicht mehr aufstand, sie horten Schreie und schrien selbst, Schüsse peitschten und Blitze flammten vor ihren Gesichtern und dann brach es wie ein Gewitter über sie herein, und der Leutnant Hagenberger schlug mit den Fäusten um sich, sah em Messer blitzen über sich, schoß aus seiner kleinen Pistole um sich her, fiel zu Boden und raffte sich wieder auf und bann, auf einmal, waren sie in den Trichtern und sahen den Feind in rasender Flucht nach rückwärts laufen. , , „ Eine Weile später saß der Leutnant Peter Hagenberger, noch mit dampfendem Atem und mit schweißübergossenem Gesicht, aber mit einem Lächeln des Glücks auf den Lippen in einem der eroberten Trichter uno las noch einmal, diesmal ohne Mühe und im Glanz der aufgegangenen | Sonne den Brief feiner Mutter. Derantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei «.Lange, Gießen.