SiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1957 Montag, den IZ.Dezember Nummer 97 Die Insel öer fünf Millionen Pinguine Von Lherrg Kearton Deutsche Rechte durch I. Engelhorns Nachf., Stuttgart Nachdru«^ verboten 2. Fortsetzung. Es läßt sich denken, was dieser Wunsch nach Polsterung der Nester für den kargen Pslanzenwuchs der Insel bedeutet. Die Büsche werden langsam zersetzt, und viele verkümmern, weil ihre Wurzeln, wenn auch nicht immer abgerissen, so doch blohgelegt und der Sonne ausgesetzt worden sind. Auch die Bautätigkeit selbst entblößt oft die Wurzeln und zerstört die Sträucher. Ich sah einmal, wie ein Pinguin sehnsuchtsvolle Blicke auf ein aus der Erde ragendes Wurzelende warf, das anscheinend das war, was er brauchte. Er lief hin, packte es mit dem Schnabel und riß daran. Doch die Wurzel faß fest und gab nicht nach. Er aber wollte sich nicht geschlagen geben, sondern krümmte sich vor Anstrengung, sie herauszureißen. So hartnäckig war er, daß er immer wieder zu dem Büschel hinging, um ihn von jeder Richtung her zu bearbeiten; erst nachdem er sich fast volle drei Tage lang damit abgequält hatte, -wurde er der Wurzel Herr; in dem Augenblick, als das geschah, riß er so mit aller Macht daran, daß er durch ihr unerwartetes Nachgeben plötzlich bums! auf dem Rücken lag. Doch das machte ihm nichts; er stand sofort wieder auf und watschelte davon, die Beute im Schnabel, um sie seiner Liebsten zu bringen — ein wahres Bild stolzen Glückes. Aehnlich konnte ich beobachten, wie Pinguine lange Stücke Seetang nachschleiften und sich damit den ansteigenden Weg vom Strande heraufmühten — eine Entfernung von beinahe einem Kilometer und darüber — wobei der Tang sich häufig um ihre Beine wickelte und sie beinahe zu Fall brachte. Ganz vereinzelte Pinguine der Insel — alles in allem vielleicht ein Dutzend — finden jedoch, daß zur Innenausstattung Hölzchen oder Strohhalme oder auch Tang nicht annähernd mit Steinen zu vergleichen sind. Das ist sehr sonderbar; obwohl Steine nicht die natürliche Nistunterlage dieser Schwarzfußpinguine bilden, finden sie sich fast ausschließlich in den Nestern öerjenigen Vögel, die das südlichere Jnselgebiet bewohnen. Au manchen Stellen der Pinguin-Insel kommen fast keine Steine vor, diese besonderen Vögel aber scheuen auch die größte Mühe nicht, um sich welche zu verschaffen. Ein Mst z. B. fand ich, das ganz und gar mit etwa hühnereigroßen Steinen ausgelegt war, und zwar so dick ausgelegt, daß eine halbe Schubkarrenladung in dem einen Nest drin fein mußte; und jeder einzelne Stein hatte eine halbe Meile weit hergeholt werden müssen, obwohl rechts und links alles voll ganz geeigneter Reiser lag. Ich kann mir das nur so erklären, daß diese Pinguine auf ihren Reisen die Sitten einer fremden Art kennengelernt hatten und sich so davon imponieren ließen, daß sie beschlossen, diese Sitte zu Hause einzuführen. Und doch ist diese Theorie nicht ganz stichhaltig. Unbedingt spricht auch die Tatsache mit, daß Pinguine Vögel von Charakter mit ganz individuellen Neigungen sind. Dann und wann wird ein einzelner Vogel von einer Vorliebe für etwas erfaßt, die die andern in keiner Weise teilen. Eines Tages sah ich, roie ein Pinguin sein Nest verließ, um auf die Suche nach Hausrat zu gehen — offenbar mit ganz bestimmten Anweisungen seiner Frau über die Art dessen, was er bringen sollte. Er sammelte eine Reihe von Holzenr, von denen er jedes zum Nest schaffte, um dann von neuem auf die Suche zu gehen. Plötzlich sah er einen herrlichen glatten Stein baltegen. Irgendetwas daran mußte ihm ganz besonders gefallen, denn er ging zwei oder dreimal rings um ihn herum und betrachtete ihn von allen Seiten; unwillkürlich erinnerte er mich an den jungen Ehemann, der in einem Schaufenster etwas sieht, was er gern seiner Frau kaufen mochte, obschon er weiß, daß er es nicht erschwingen kann. Für den Pinguin war der Preis sicher recht hoch: er mußte den Stein hundert Meter weit schleppen. Endlich entschloß er sich aber doch dazu. Nach Ueberroinbung einiger Schwierigkeiten hatte er ben Stein im Schnabel und machte sich auf den Weg. Zweimal muhte er stehenbleiben und sich verpusten, nacWem er den Stein vorsichtig auf ben Boden gelegt hatte. Doch er ließ pchs nicht verbrießen, langte endlich stolz watschelnd am Nest an und ließ den Stein gerade vor seiner Frau auf die Erd« fallen. Einen Blick warf sie darauf — doch der sprach Bände. „Hab ich dir nicht gesagt", schien sie zu sagen, „daß wir dieses Nest mit Hölzchen aus- staffieren wollen?" Und der tiefgeknickte Gatte, dem Freude und Stolz im Nu zu gallenbitterer Enttäuschung geworden waren, nahm den Stein auf und trug ihn wieder davon. Ich war gespannt, wie weit er ihn wohl schleppen würde, ob er ihn an die Fundstelle zurückbringen oder ihn erbost bei der nächsten Gelegenheit ablaben würbe. Was tat er? Er trug ihn zwanzig Meter weit fort — gerabe weit genug, baß er feiner Frau aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mieber in bie Augen fallen unb ihr Gelegenheit bieten würbe, ihn an ben peinlichen Vorfall zu erinnern. Doch er stellte bie Arbeit nun ein. Seine ganze Begeisterung für bas neue Haus unb feine Ausstattung war geschwunden unb — wie das bestrafte Kind, das in den Garten ging, „um Würmer zu schlucken" — pickte er einen Grashalm auf und trug ihn — nicht heim, sondern zum Meer hinunter. Diese Gewohnheit der Pinguine, Halme oder Stöckchen zum Meer hinunter zu schassen, war mir nie verständlich. Einen Zweck scheint sie nicht zu haben, denn sobald das Wasser erreicht ist, wird das Stöckchen regelmäßig fallen gelassen. Dennoch ist sie etwas ganz Alltägliches, und der ebenerzählte Vorfall möchte mich fast glaubet) taffen, daß es für den Pinguin etwas Beruhigendes hat, ein Stöckchen im Schnabel zu halten, genau wie Männer in Augenblicken innerer Erregung an einer kalten Pfeife kauen. Es ist selbstverständlich, daß bei Tieren mit so ausgesprochener Individualität wie die Pinguine selbst Baue von ein unb bemjelben Typ durch- aus nicht alle gleich aussehen. Es gibt träge Hausfrauen unb fleißige, unb infolgebeffen finb manche Nester unorbentlidjer gehalten als anbere. Manche Vögel finden, ein halbes Dutzend Stöckchen, nach einem Sturm mühelos in der Nähe ausgesammelt, genüge vollständig; unb ich nehme an, baß solch lieberliche Nester beutlich auf unbebeutenben Geist und leichtsinnigen Charakter schließen lassen, deren Folge dann eine vernachlässigte Brut ist. Darum ist es jedenfalls gut, daß weitaus die meisten Pinguine ihr Heim lieben und emsige Arbeiter sind. Wenn man besonders darauf achtet, findet man hier und dort faule Vögel; im allgemeinen aber sieht man in jenen ersten Tagen des Hausbaus ringsumher unzählige gewissenhafte und neststolze Tiere, die emsig bedacht sind, ihrer künftigen Brut ein bequemes Heim zu bereiten. Viertes Kapitel. Wiedersehen mit der alten Wohnung. — Junger Mann sucht Anschluß. — Verlobungszeit unb Eheschließung. — Der neue Hausstanb. — Ein harter Rückschlag. — Der Kampf um ben Teppich. — Wohlverbiente Ruhe. Man sollte denken, das erste, was die Pinguine täten, sobald sie ihr« Ferien auf der Brutinsel angetreten haben, wäre, daß sie eine der zahlreichen freien möblierten Wohnungen der Umgegend bezögen. Die erfahreneren tun das auch. Nach einem kleinen Schwatz mit Freunden am Strand unb einer kurzen Ruhepause nach der langen Reise machen sich Vater und Mutter zusammen auf den Weg. Zuweilen müssen sie über einen Kilometer weit watscheln, bis sie vom Strande aus ihr Ziel erreicht haben, allein fast ausnahmslos suchen sie stracks das aus früheren Jahren bekannte Heim auf. Dabei legen sie sich zwar gegenseitig nicht die Flossen um die Stelle, wo ihre Taille sitzen müßte, wenn sie eine hätten; ihre zärtlich gegeneinanbergeneigte Haltung brückt aber entschieben irgenbmie dasselbe aus. Sie laufen nebeneinander her, manchmal geht auch Vater ein paar Schritte voraus, und wenn sie die höchste Stelle des Abhangs erreichen, bleiben sie einen Augenblick stehen, um Ausschau zu halten, glucksen vor Wonne beim Anblick der alte« Wohnstätte und trippeln eilends darauf zu. Mitunter kommt es vor, daß eines dieser liebenden Paare, wenn es nicht rechtzeitig anlangt, fein erkorenes Nest — in dem es doch während der letzten sechs Jahre ein dutzendmal gehaust und auf da» es ein unbestreitbares Vorrecht hat — schon von Neuankömmlingen besetzt findet. Dann gibt es große Aufregung, unb Federn müssen gelassen werden, ehe die Eindringlinge nach Fug unb Brauch an bie Lust gesetzt sind unb Vater unb Mutter einziehen können, um Ordnung zu schaffen und Unordnung und Schmutz eines halben Jahres auszuräumen. Das wären Vater unb Mutter, die genau wissen, was sie wollen und wo sie es finden. Was aber geschieht mit den Söhnen und Töchtern, die, während des letzten Aufenthalts geboren, sich schon von den Elterni getrennt haben unb nun ihren eigenen Hausstand errichten wollen? (Den Eltern sind sie tm übrigen auch gar nicht mehr erwünscht, da bald neue Sprößlinge ankommen sollen — in welchem Fall die älteren Kinder bekanntlich immer gut tun, sich zu drücken.) So sucht er sich die besten Reiser aus und schleppt sie davon, um sie bei sich daheim als Teppich auszubreiten und nach getaner Arbeit genau wie die rechtmäßigen Besitzer voll Genugtuung mit seinem Weibe di« Wirkung zu bewundern. Stiebitzen aber macht natürlich viel Arbeit und danach verdient man eine kleine Ruhepause, und was könnte unter solchen Umstanden genußreicher sein als ein Bad? Also machen fich nun ihrerseits der Dieb und seine Frau zum Strand auf, — und währenddessen kommt ein Zweiter Dieb vorbei erblickt den vielbewunderten Reiserteppich und transportiert ihn in seine Behausung. Unser junges Paar kommt nun heim, immer noch voll gegenseitiger Freude aneinander und voll Stolz auf das neue Haus. Beide sreuen sich schon auf seinen Anblick und find gekannt ob es wirklich so schon -st, wie sie es in der Erinnerung haben. Sie klimmen selbander den Abhang hinauf, erblicken das wundervolle Haus von weitem, wat^eln hinunter — und dann, o Schreck I Es ist kahl und leer. Kem prächtiger Teppich __ — . < v —asa 4' f atu wi m öl* Gv 110 seinen hält. , Das ist dis Hochzeitszeremonie, und danach gibt es viel zu tun. Der Gatte hat sich, wie es scheint, bereits für den Platz entschieden, wo genistet werden soll: es ist die Stelle, an der er sich wahrend der letzten ■»eit der Liebeswerbung aufhielt. So wird also nach der, Eheschließung keine Zeit verloren und es kann sofort ernschaft mit Hausbau und Em- richten begonnen werden. Die erste Scholle wirst Herr Pinguin aus, damit seine junge Gattin sieht, wie stark und tüchtig er ist und was für ein schönes Haus es geben wird Er liegt auf der Seite, lockert die Erde mit einer Flosse und schiebt sie dann mit den Füßen beiseite. Rach einer Weile wird er müde, worauf die junge Frau ihre Schicht macht, während Herr Pinguin dabei stehen bleibt und ihr zusieht, zweifellos voller Stolz über seine tüchtige Frau, die Erde und Sand fast ebensogut auswerfen kann wie er selbst. jn seiner Begeisterung kommt er ihr manchmal etwas zu nahe, so daß ihm eine Staubwolke ins Gesicht fliegt. Aber das macht ihm natürlich nichts — welcher Ehemann würde sich an seinem Hochzeitstag daraus etwas machen! Er schüttelt sich und nähert sich von neuem, denn er kann es kaum erwarten, bis die Reihe an ihn kommt. Wenn das Ristloch etwa einen halben Meter tief in die Erde hinein- reicht, findet der Ehemann, dem es kaum schnell^ genug gehen kann, daß dies für das Haus genügt und es Zeit wird, für die Einrichtung zu sorgen. So stiebt er, während seine Frau gerade eine Pause macht, eilends davon, sammelt kleine Reiser und läßt sie in das Loch fallen. Die Frau ist darüber ein wenig entrüstet. ,JD Hans, siehst du denn gar nicht, daß wir noch längst nicht fertig sind!" ruft sie, geht in das Loch zurück und wirft den ganzen Hausrat wieder hinaus, um weiterzugraben. Richt im geringsten beleidigt, wartet der Gatt«, bis er wieder daran ist, und versucht dann von neuem, die Einrichtung hineinzuschaffen und den Bodenbelag ordentlich zu verteilen. Diesmal läßt sie es vielleicht geschehen. Und nun stehen beide vor der Tür des Hauses, blicken m das prachtvoll hergerichtete Zimmer und schnattern fröhlich, als wollten sie sagen: „O Schatz, denk doch, unser eigenes Heim!" Ach, nur zu oft folgt diesem natürlichen Stolz bald ein harter Rückschlag denn es ist ein offenes Geheimnis, daß das Sjaus eines jungen Ehepaars Einbrechern leichte Beute gewährt. Es ist vielleicht gerade em schöner sonniger Tag, so daß Mann und Frau sich sagen, nach all der Plackerei verdienten sie wirklich ein bißchen Ausspannung — ganz zu schweigen von der dringenden Notwendigkeit einer Säuberung — und was könnte unter solchen Umständen genußreicher sein als ein Bad? Also spazieren sie fröhlich zum Strand hinab und lasten das prachtvolle neue Haus unbewacht, so daß jeder freche Dieb ungehindert eindringen kann. Und zu meinem aufrichtigen Bedauern muß ich sagen, daß es aus der Insel der Pinguine recht viele Diebe gibt. Da wandert einer umher, gewahrt das schöne neue Haus mit seiner eleganten Einrichtung und findet aus den ersten Blick, daß diese ganz das ist, was er in seiner eigenen Wohnung braucht. Wieviel einfacher also, sie hier mitzunehmen, als sie mühsam Stückchen um Stückchen selbst zusammenzuttagen! Gegen solchen Frevel gibt es nur em einziges Argument — das Arcmment des Schnabels mit feiner zweiten aber überaus wichtigen Ver- wendungsart. So geht denn Herr Pinguin — den es bei all fernem Aerqer offenbart freut, auch bei dieser Gelegenheit wieder mit semer Stärke und zudem mit feiner Tapferkeit vor der Eheliebsten paradieren zu können — zum Angriff über. Und die hübsche Frau PinMin, di« sich nicht ausstechen lasten will, verwandelt sich in em Mannweib und folgt dem Gatten in den Kampf. Es geht heiß her. Sie raufen sich und balgen sich und versetzen sich Hiebe mit ihren Flossen, die laut klatschend hintreffen, wo sie mögen — auf Brust und Rücken und Kopf des Gegners. Auch zugeblsten wird gehörig, so daß Blut zu strömen beginnt. Aber danach wird nicht gesra^ — Gnade gibt es nicht. Auf Leben und Tod geht der Kampf, sofern nicht vorher die eine Partei endgültig in die Flucht geschlagen ist. Drei vier Stunden kann die Schlacht dauern. Meist geht sie in dem umkämpften Rest vor sich; bisweilen dehnt sie sich aber auch aus das umliegende Gelände aus, ja selbst bis hinab in die anliegenden Wohn- höhlen, sehr zur Verwirrung der neutralen Nachbarn. Unter dem heftigen Getrappel beginnen die Wände des frisch gegrabenen Nestes abzubröckeln, und auch der kostbare Teppich ist ganz rulmert; aber niemand kehrt sich daran. Das bräutliche Gefieder des Herrn Pmgmn ist elend zerrauft, und die junge Gattin blutet heftig aus ihren Bißwunden; aber sie haben mehr Hiebe ausgeteitt als empfangen, und ihren Gegnern ist sichtlich anzumerken, daß sie genug haben. Denn mäst oft vermögen räuberische Eindringlinge der blinden Wut von Pinguinen zu widerstehen, denen Verlust ihres Nestes droht. Es ist ihr einziger kostbarer Besitz, hier haben sie beschlossen, ihr eheliches Leben zu fuhren und -hre Brut auszuziehen, und darum sind sie um keinen Preis gesonnen nachzugeben. Weiter geht die Schlacht. Alle vier Streiter bluten jetzt, allein Herr und Frau Pinguin zeigen em neues Feuer, das der offenbaren Schwächung der Feinde entspringt. Durch das ganze Nistloch haben sie sie vor sich hergetrieben, um oben den Kampf sortzufetzen, und als die Rainer gewahren, daß sie den Boden verloren haben, schwindet ihr letzt« Kampfesmut, und sie treten einen etwas unwürdigen Ruckzug an, um am Meeresufer ihre Wunden zu waschen. Auch Herr und Frau Pinguin haben Wunden zu waschen, allein auf dem wiedereroberten Boden muß eine Schildwache Zurückbleiben, und so geht zunächst die Hausfrau allein zum Strand hinab. Noch immer wuno, aber doch sichtlich erquickt, kehrt sie alsbald zurück um chrersetts de Wache zu übernehmen, während Herr Pinguin mühselig hugelab dem Wasser zu watschelt. . , Aber auch jetzt ist der Tag noch nicht ru Ende denn nvch «nnuu muß das Haus in Ordnung gebracht, baufälliges Mauerwerk ^stutzt, der Hausrat repariert oder erneuert werden. Ist das aber gelchey - dann finden zwei mütx kleine Pinguin« endlich chren Frieden und uge LchrgÄ Ä, Ä rvenn'fie do-nächste Da- wäre jetzt ideal, gehen sie getrennt, damit der eme aufpasten turnt, solange der andere schwimmt. Manchmal ereignet sich eine noch schlimmere Katastrophe. Es ist scbon traurig genug, wenn man zurückkommt und sein Heim zerstört findet. Nun stelle man sich aber vor, wie es Herrn und Frau Pinguin zumute sein muß wenn sie, von einem kleinen Bummel heimkehrend, >emand anders in ihrer Wohnung installiert finden! Wenn zwar der unvergleich- liche Teppich noch den Boden ziert, aber ftemde Fuße darauf herum trampeln. Uni) mehr noch — dieses ftemde Paar sche-mt keineswegs geneigt den Platz zu räumen, sondern zeigt im Gegenteil die fest« W>- ficht, zu bleiben und nach dem Grundsatz .finden heißt Behalten zu Sobald die jüngeren Pinguine nach langer Flostenreise landen, geht jeder seinen eigenen Weg Selbstverständlich wissen sie ganz genau, w.e sie sich ^ verhalten haben - welches junge Mädchen oder meld)«junge Mann wüßte das heutzutage nicht? Die Strandpromenade ist dazu ganz der geeignete Ort. Herr Pinguin junior schüttelt das Wasser von sich ab und^putzt zunächst sein Gefieder; bei derartigen Gelegenheiten muß man sich möglichst nobel machen. Dann durchstreift er die Menge, Augen bald rechts bald links, bis er endlich ftehenbleibt, den Kopf em roemg auf tue Seite legt und jedenfalls denkt: „Ei, das da drüben ist ein nettes Madel! __worauf er rasch, wenn auch nicht so rasch, daß es seiner Wurde Eintrag tut, in ihrer Richtung abschwenkt. Das junge Ding, auf das er ein Auge geworfen hat, psitzt zuchttg ihr Gefieder und vertieft sich dann noch züchtigeren Blickes m di« Betrachtung dessen, was um sie herum vorgeht — natürlich ohne ihren Anbeter eines Blickes zu würdigen. Durch so etwas laßt er sich aber Bor dreißig Jahren, denke ich mir, wurde das junge Pinguinfraulein f b 9 > . $ röinb alles entführt? Ist es möglich, daß wohl errötend zu Boden geblickt und Ach, das k°mmt ^r jo unerwar- stef^rn si-m^ann Hat^drMWeü fein - biefe tet!" gestammelt haben. Aber heutzutage ist von jo etwas keine Rede I em Lneo ...rjiem, m r , v. KJ.' ------ mehr. Sie schlägt die Augen zu Pinguin junior auf und da sie sich langst darüber im klaren ist, daß er der Rechte ist, ruckt sie den Kopf schief auf die Seite, und kurz darauf „gehen" beide miteinander. Da es heute nicht mehr nötig ist, erst lange wie die Katze um ben heißen Brei herumzugehen, begeben sie sich schnurstracks zum nachst- v !D ____nr ininlm-ht-ffen aber aud wohlverdient« Ruhe. ... (Fortsetzung folgt.) ein Dieb ...? Nein, so grausam kann niemand auf oer -weu i«m — unschöne neue Wohnung auszurauben, in der sich so wunderbar« Dingt abspielen sollten! Aber der Teppich ist fort — daran ist nicht zu zweifeln. Ach so, so ist bas Leben nun einmal Kaum hat man sie, verschwinden die besten Dinge wieder, und das Einzig«, was einem übrig bleibt, ist ^ettoenen Nisivlatz'Was'nün Lr^Pinquin ftni^ infolgedessest aber astch I von vorne anMfangen. Also macht sich Herr Pinguin wiederumausdi dnt«7-nag-!o leicht istdieDame denn doch nicht zu haben. Zunächst Pein«, und in wenigen Minuten schon ist er junirf - nu «t««rt WZMZMWW WZMZMM Neigung zu beweisen, als um ihr zu zeigen, was für ein außergewöhnlich | leisten, daß «^noch Mfer usgj bQg nä^[te Mal finden, «in hübscher Kerl er ist. Endlich naht der schicksalhafte Augenblick. Anscheinend kommt er ganz unverhofft, wenn auch der künftige Gatte einen neuen Ausdruck der Zärtlichkeit in den Augen bemerkt, die ihn so aufmerksam betrachten. Auf alle Fälle tritt er plötzlich ganz dicht an sie heran, und die beiden Liebesleute küssen sich. Das meine ich wortwörtlich. Die Schnäbel berühren sich- und mit gestrecktem Hals, den Kopf hoch erhoben, reiben die beiden Vogel mit einem Klick — Klick ihre Schnäbel aneinander. Zehn bis fünfzehn Sekunden dauert das. Die Flossen breiten sich aus, und zuweilen umarmt der Bräutigam in seiner Begeisterung das nun endgültig gewonnene Weib mit den Flossen, während er die ganze Zeit über ihren Schnabel in dem Ländliche Kinderweibnacht. Erinnerung aus dem Baltikum. Von AndrL Baron Foelckerfam. Weihnachistannen. Don Georg Schwarz. Das Holzbeil hackt. Es kracht und knackt, Em Tännlein rauscht und purzelt. Da liegt es sta-rr Und schimpft sich: Narrl Kein Sturm halt' es entwurzelt. Der Bauer raucht Sein Pfeislein, schmaucht. Fängt wieder an zu schlagen. Das Bäumlein stumm Schaut sich noch um, Da liegfs schon auf dem Wagen. Ein andres fällt. Und es gesellt Sich bald zu den Genossen. Der Bauer haut. Und manchmal schaut Er auch nach seinen Rossen. Di« möchten gehn Und müssen stehn — Ein Stern brennt auf und funkelt. Da ruht das Beil, Zu großer Eil' Der Bauer treibt, weil's dunkelt. Schon schneit es leis. Auf Laub und Reis, Die kalten Flocken blinken. „Ade, ade, Feld, Wall) und Schnee I" Die Tannen Abschied winken. Jede Weihnacht fuhren wir als Kinder aufs Land Vor dem Haufe hatten die großen altmodischen Schlitten mit den zottigen Bären- und Lammfelldecken und den vielen Pelzfutzsäcken. Sie sind in aller Frühe vom Lande gekommen, um uns abzuholen. Der Kutscher Ewald und sein« drei Söhne haben, sich bei heißem Kasse« in der Küche ausgiebig erwärmt, die Pferde ihren Hafer bekommen. Jetzt stehen die Schlitten abfahrtbereit vor der Haustür. Der dicke Ewald sitzt im umgurteten Schafpelz auf dem Bock der „Arche Noa". Unter der runden Pelzmütze, die ihm bis zu den Augen reicht, blickt sein gewaltiger, von Rauhreif versilberter, Schnurrbart hervor. Auch die Pferde, die wir alle beim Namen kennen und denen wir noch rafch Zuckerstücke bringen, haben heute einen weißen Bart. Sie schütteln ungeduldig die Mähnen, daß die vielen Schellen hell aufklingen. Tante Alvine hat längst besohlen, sich in die Schlitten zu verteilen, aber es dauert eine kleine Ewigkeit, bis alle verpackt sind. Nachdem Tante Alvine zum letzten Male Kinder, Koffer und Körbe gezählt hat und in die „Arche Noa" steigt, der Kutscher mit der Zunge schnalzt und die Pferde anziehen, erweist sich, daß ein Kind oder ein Koffer oder ein Paket fehlt.-Alles ruft, fragt, lacht durcheinander, das vergessene Kind wird noch rasch irgendwo untergestopst, und wieder zählt Dante Alvine, zählt und verzählt sich, und beginnt von neuem. Endlich ist man soweit, und im Trab geht es durchs Städtchen, auf di« stille, verschneite Landstraße hinaus. Vom frühen Morgen, wenn der Schnee in her Sonne in tausend Funken sprüht und glitzert und der Rauch der kleinen Gehöfte am Wege steil in den klarblauen Winterhimmel steigt, bis zum späten Nachmittag, wenn das Abendrot hinter • den Baumstämmen flammt und Baum, Strauch und Feld in sein Märchenrosa taucht, gleitet der lange Schlitten- eg mit festlichem Schellengeläut über die vielen Windungen der ein- men Landstraße. . Vorne, in der „Arche Noa", einem geschlossenen Schlitten aus Urgroßmutters Zeiten mit den winzigen Fenstern, der nur von drei kräftigen Pferden von der Stelle bewegt werden kann und der in seinem Innern eine Unmenge von großen Seitentaschen und unter den breiten Polstersitzen viele Fächer birgt und nur einmal im Jahr, zu Weihnachten, aus der Wagenremise hervorgeholt wird und so nach Mottenpulver riecht, daß alle Insassen andauernd, einer nach dem andern, niesen müssen, sitzt, in unzählige Plaids und Tücher gehüllt, Tante Alvine. Sie verträgt keinen Luftzug. Neben ihr, bleich und ergeben, Fräulein Palm. Auch meine vier Schwestern sind in der „2lrd)e Noa auf viele Reisestunden eingekerkert. Hier reist auch das Grammophon mit seinem unförmigen himmelblauen Trichter, den alle der Reihe nach im Arm halten müssen. Und in „Großmamas Schwanenschlitten" mit den einst vergoldeten Schwanenhälsen, sitzen Nanna, die Kinderfrau, Katti, die Wäscherin, ich, der weiß-braun gefleckte Terrier Fips, und in einem Käfig, zu Nannas großem Aergernis, meine Meerschweinchen, von denen ich mich nicht trennen kann. Vor lauter Decken, Pelzen und Schals kann ich kaum atmen. — „Den Mund zu und durch die Nase atmen, sagt Nanna streng. Unter ihrem Hut trägt sie ein Tuch. Die Schwalbe auf ihrem Hut wippt auf und ab, als nicke sie den Krähen zu, ine aus dem Felde spazierengehen und uns erstaunt nachsehen. Hinter uns, ganz allein, fährt die Köchin Jule. Sie sieht in ihrer rieschen Lammfellmutze ganz wie Nansen aus. Sie thront zwischen Kisten, Konfttüretopsen und Deihnachtsschinken und singt den ganzen Weg über Choräle. Und ganz zuletzt kommt, knarrend und langsam, die große Fuhre mit den Kisten» Koffern und Körben. Nur der silbern« Kling-Klang der Schellen und das Knirschen der Schlittenkusen unterbricht die feierliche Still« des Waldes. Vor uns fchwimmt die „Arche Noa" einen Hügel hinauf, faust bergab, eine gewaltige Schneewvlke hinter sich aufwirbelnü. Der Schnee überstäubt mein Gesicht wie der Puderzucker, mit dem Jule die Weihnachtstorte bestreut. „Sind wird bald da?" frage ich. Aber Nanna sagt nur böse: „Den Mund zu und durch die Nase atmen!" Und ich beginne im Stillen bis hundert zu zählen, wenn ich bis hundert komme, sind wir vielleicht da. Und jedesmal schlafe ich beim Zählen ein. Plötzlich hält der Schlitten mit einem Ruck. Ich reiß« di« Augen auf. Wir sind endlich da! Das alt«, langgestreckt« Haus ist hellerleuchtet. Auf der Treppe steht in einem Tuch Bienchen. Seit über dreißig Jahren betreut sie im Winter das leere Haus. Bienchen wird mit jedem Jahr immer kleiner, sie schrumpft immer mehr zusammen. Bald bin ich so groß wie sie. Bienchen weint vor Freude, lange und ausgiebig, weil wir all« wieder da finö und, — weil es Weihnachten ist. In den großen Kachelöfen knistert und knackt es, und in den niedrigen Zimmern mit den hellen, altmodischen Möbeln duftet es schon ganz weihnachtlich und festlich, — nach Bohnerwachs, Aepfeln und Tannengrün. Alles rennt aufgeregt durcheinander, Koffer, Kisten und Körbe werden ausgepackt. In der Küche steht Jule in der hohen Kochmütze, schwingt als Zepter einen gewaltigen Kochlöffel und jagt Kinder und Hunde unbarmherzig hinaus, — sie knetet den Pfefferkuchenteig. Am nächsten Morgen, gleich nach dem Kaffee, sitzt alles rings um den langen Ehzimmertifch, Nüsse werden vergoldet, nach Honig duftende Wachskerzen in die Kerzenhalter gesteckt, endlose Ketten aus buntem Glanzpapier geklebt, golden« und silberne Stern« ausgeschnitten. Jule und Nanna stellen bis an den Rand mit Pralinen gefüllte Teebretter auf den Tisch. Di« Pralinen müssen für die Kinderbescherung im Dorf in Krepp-Papier in allen Regenbogenfarben gewickelt und mit Sternen und Engelsköpfen beklebt weiden. Sechsunddreihig Kinder gibt es im Dorf. Tante Alvine kommt mit einer großen Liste zurück, und fechsund- dreißig Krepp-Papierfäckchen müssen mit Pfefferkuchen, Nüssen, Pralinen, Aepfeln und Weihnachtskonfekt gefüllt werden, und man darf sich dabei nicht verzählen, damit in einem nicht eine Nuß weniger ist als in den anderen. Und kaum tft man damit fertig, tragen Jule und Katti auf großen Brettern den ausgewalzten Pfefferkuchenteig herein, und mit Kuchenformen und Gläsern schneidet man aus ihm Hunderte von Sternen, Pfefferkuchenmännern, Hasen, Hähnen, Halbmonden und Blumen, die mit Mandeln verziert, in. 6en großen Backofen wandern. Und schon ist es an der Zeit, sich zum Weihnachtsmarkt im Dorf aufzumachen. Nirgends gibt es so schöne Dinge, wie auf diesem Weihnachtsmarkt: da gibt es di« kleinen schneeweißen Gipskirchen, in die man ein Lichtchen stellen kann, mit ihren bunt erleuchteten Fenstern, Enten und Hähne aus grünem und braunglasiertem Ton; daneben werden dicke, glühend heiße mit Zucker bestreute Pfannkuchen gebacken; ein Aeffchen in einem roten Sammetwams hockt auf einem Leierkasten und zieht aus ihm mit einer langen mageren Hand rosa und hellbraun« Zettel, in denen man fein Schicksal lesen kann; und in der Lebkuchenbude, in der die alte Kruse mit ihrer blauen Brille sitzt wie die Hexe aus Hänsel und Gretel, kann man stolze, federbuschgeschmückte Pfefferkuchenreiter kaufen auf weißen Zuckergußpferden mit rosa und grüner Mähne, Pfefferkuchen- Herzen mit Sprüchen und mit Mandeln verziert, nach Honig duftende Lebkuchen. Auch der Tanzbär ist wieder da: er dreht sich ungeschickt in die Runde, ein kleiner Junge in einem Schafpelz schlägt dazu das Tamburin. In einem Zelt kann man einen Messerschlucker sehen, dahinter dröhnt mit Paukenschlag und Trompeten ein Orchestrion, und di« Schwäne und zierlich vergoldeten Schlitten des Karussells fliegen vorüber. Ich versuche Nanna zu bereden, auch einmal auf einem Schwan zu fliegen, aber Nanna hat keine Zeit. Sie steht stundenlang vor dem Zelt mit den riesigen bunten Oeldrucken. Schließlich tauft sie das Jesuskind, und ich weiß, daß es für mich ist, denn Nanna fragt mich, ob es mir gefällt, ich muß aber tun, als ob ich das nicht weiß. Und bann kauft sie noch die büßende Magdalena. In einem hellblauen Gewand, mit offenem Haar liegt die Magdalena in einer Grotte, lieft ein Buch und büßt. Jedes Jahr kauft Nanna die büßende Magdalma. Diesmal kauft sie sie für Katti, die Wäscherin. — „Damit", sagt Nanna, „sie in sich geht und aufhört, zu sündigen." — „Warum sündigt sie?" fragte ich. ,Zst sie unartig oder nascht sie?" ,Za, ja", seufzt Nanna und schüttelt traurig den Kopf, daß die Schwalbe auf ihrem Hut ganz aufgeregt nickt, „sie nascht. Sie nascht. Aber das verstehst du nicht, Ali." Als wir endlich mit Paketen und Päckchen beladen nach Hause kommen, steht Jule in der Haustür und winkt: „Schnell, schnell, di« drei Könige sind da!" In der Küche stehen ine drei Könige aus dem Morgenland ein wenig verlegen m einer Ecke und räuspern sich lange und umständlich. Sie tragen einen großen leuchtenden Stern an einem langen Stock und haben prächtige, mit Gold- und Silberstemen verzierte Gewänder an, und Turbane aus Tante Alvines unzähligen Schals, lieber den langen Flachsbärten erkenne ich Krischans, Anders und Jnriks lachende Augen. Sie fingen die alten Weihnachtslieder, eines nach dem anderen. Auch der Teufel fehlt nicht. Er hat ein kohlschwarzes Gesicht, einen Ringelschwanz und Hörner. Er springt mit wildem Gehopse in der Küche umher, grunzt wie ein Schwein, und gebärdet sich wie ein richtiger Teufel. Aber bi« drei König« bannen ihn mit ihrem Stern, er schleicht wie ein Wolf heulend und zähneklappernd hinaus und Jul« hilft mit dem Besen tüchtig nach. Dann nehmen die drei Weisen ihre Bärte ab und bekommen Kaffee Auch der Teufel erscheint wieder und setzt sich zu den anderen an den Küchentisch, und Jule stellt einen riesigen Teller voll knuspriger Pfefferkuchen, rotbackiger Aepfel und goldener Nüsse vor sie hin. Der Kutscher hat zwei mächtige Tannen aus dem Wald« geholt, fi« reichen dis an die Zimmerdecke. Die eine ist für uns, die andere steht Reiten gegen den Sturm an, der von den Gipfeln Derontwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und "Verlag: vrühlfche UniverfttätSdruckerei ».Lange, Sieben. Wo Zu er im neuen Blütenkleid Gottes Lob wird rauschen. öer Uhu. Von Otto A l f ch e r. Südostko.rpathen. Er mutz die Augen offen halten, trotz des Sturmes, der ihn zwingt, sich tief über den Hals des Pferdes vorzubeugen. Der Mantu, der Bandit, ist wieder in der Gegend, und wenn der ihn früher wahrnimmt, als er ehn, sendet er ihm eine Kugel durch die Brust, wie er es ihm hat sagen • lassen, und wie er den armen Pirkner, seinen besten Forstgehilsen, aus dem Hinterhalt erschossen hat. Wenn er morgen dem Jagdherrn, der mit seinen Gasten zur Hirsch- jagd im Gasthaus unter dem Weihen Gipfel eintrifft, meldet, dah der Manu wieder in ihren Wäldern steckt, wird der schön wettern. Und es ist bestimmt der Mantu, der Raubmörder, der aus dem Zuchthaus von Aiud ausgebrochen ist, um von hier aus aus Raubzüge auszugehen und zu wildern. Bei der Hirtenhütte unter dem Dobri B,r hat es der Bub verraten, als er ihn fragte, woher er die ausgeschossene Patronenhülse hat. Eine 6-mm-Mannlicher-Schönauer-Patrone der . früheren Militärgewehre der rumänischen Armee — mit dem gleichen Geschah wurde auch der Pirkner ermordet. Die Gendarmerie sucht den Banditen seit mehr als einem Jahr, ein Preis ist auf seinen Kopf ausgesetzt, und doch wagt es keiner der Hirten, ihn zu verraten, obwohl er sie arg brandschatzt. Der Sturm wird jetzt, in den späten Nachmittagsstunden nur noch hestiger. Er schneidet durch die Kleider, läht die Glieder erstarren und auch den Uhu in seinem Weidenkorb, der am Sattelknopf befestigt ist, stört der Wind, denn er wird immer unruhiger. Der Jagdherr möchte einen der Steinadler schießen, die dieses Jahr bös unter den Gemskitzen hausten, darum hat er den Uhu mitgenommen. In einer Stunde ist er bei der Kordonhütte, wo er übernachtet, um auch hier die Hirsche zu verhören, da muh er trachten, ein Murmeltier oder eine Dohle zu schießen, damit der Uhu Atzung für die Nacht hat. Er hätte den Dackel mitnehmen sollen. Nun ist er ohne Wächter, und wenn der Mantu ahnt, daß er in der Hütte schläft, überfällt er ihn bestimmt. Winternacht. Bon Joseph Freiherrn von Eichendorff. Verschneit liegt rings die ganze Welt, Ich hab' nichts, was mich freuet, Verlassen steht der Baum im Feld, Hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht Und rüttelt an dem Baume, Da rührt er seine Wipfel sacht Und redet wie im Traume. Er träumt von künft'ger Frühlingszeit, Von Grün und Quellenrauschen, Es ist ein schweres Reiten gegen den Sturm an, der von Den Gipfeln herüber, den Wald herauffaucht, die Heidelbeersträucher des Kahlhanges raffelnd durchschneidet und mit schrillem Pseisen über die Felsen des Grates hinwegdonnert. Der Wind kommt von Nordost, solange er anhalt, bleibt auch der Oktober noch klar und regenfrei, wie immer hier in den Endlich erreicht er die Hütte. Es ist eines jener Wachthäufer der früheren rumänisch-ungarischen Grenze, aus rohen Steinen die Mauern, mit einem weit überstehenden Schindeldach darüber. Sie hat einen kleinen, offenen Vorraum an der Schmalseite, wo auch die Tur mundet. Hier will er nachtsüber das Pferd einstellen, das er nicht im Freien zur Weide anpstocken darf - nicht wegen Bär oder Wölfen sondern weil es der Bandit fortnehmen kann. Auch das Feuer in der Hütte will er erst nach Dunkelwerden entzünden, um sich nicht durch den Rauch zu verraten. Es ist gut, daß unter dem Bordach der Hütte ein großer Stoß Holz aufgestapelt ist, da braucht er dieses nicht aus dem Walde heraufzutragen, der mehr als hundert Schritte tiefer den Hang unten beginnt. Er sattelt ab, trägt alles in die Hütte, nimmt den Uhu aus dem Korb und setzt ihn mit der Fessel auf den Holzstoß. Das Pferd aber loht er einstweilen noch im Freien weiden. Bon der Quelle bei der Hütte Wasser holend sieht er Murmeltiere am Hang oben zwischen den Felsen verschwinden. Er nimmt die Büchse, setzt sich an, und jdjon nad) kurzer Zeit Muckt ein dickes, altes Männchen auf, das mißtrauisch zu ihm herabsichert. Obwohl er eine schwache Patrone mit Rauchpulverladung zum Schuß verwendet, rollt dieser doch weit über den Wald und die Berge hm. Während er die Beute aufnimmt, denkt er: „Wenn der Mantu in der Nähe ist, muß er den Schuß hören und kommt nachsehen, was es Da 9'b®eaen Abend läßt der Wind nach — kaum, daß die Sonne ver- schwunden ist, hört er auch schon den ersten Hirsch im Wald unten rohren. Bald orgelt ein Zweiter, als es bann dunkel geworden, meldet auch der starke Vierzehnender, dem sein Verhören gilt. Er sitzt vor der Hütte, neben dem Eingang und dem Uhu, dem er erst später das Murmeltier zum Kröpfen geben will, damit er wahrend der Nacht nicht zu unruhig ist, und lauscht in den schon finsteren Wald hinab, wo nun der Vierzehnender allein zu Horen ist. Noch ist das Vorfeld so hell, daß man jede stärkere Bewegung darauf erkennen kann, doch allmählich verschmelzen Büsche und Felsblöcke mit dem Boden, und auch der Waldrand ist vollständig in der Nächt eingesunken. In der Hütte brennt schon das Feuer, fein Schein fällt durch die offene Tur tn Den Vorraum, wo das Pferd schnaubend Mais und Haferkörner iml Futterfack zermalmt. Von weit drüben, wo das Jagdhaus liegt, kommt schwach der Schall eines Schußes, — also sind sie schon dort eingetroffen. Es ist Zeit schlaseir zu gehen, er muß nur noch den Uhu versorgen. — Da sieht er wie dieser weit vorgeneigt in die Finsternis späht, den Kops aufgeregt im Kreise dreht, als sehe er dort draußen etwas Außergewöhnliches. Ist es ein Fuchs oder ein anderes, größeres Raubtier? Doch dann müßte er die Schwingen spreizen und zornig fauchen. Was der Uhu sieht, kann auch ein Mensch sein. Er greift nach der Büchse und drückt sich enger in den Winkel zwischen Mauer und Holzstotz. So wartet er eine lange Zeit, doch nichts geschieht. Auch der Uhu hat sich wieder beruhigt — dennoch hat er etwas Verdächtiges gesehen, und er muß aus der Hut fein. . , War das der Mantu, der sich tn der Finsternis angefchlichen hat so weiß er nun, daß die Hütte bewohnt ist — der Feuerschein hat es ihm verraten —, und er kann es sich leicht denken, wer in der Hütte übernachtet Er wird so lange warten, bis er sicher ist, dah er schläft, dann wird er sich der Hütte nähern, um ihn im Schlafe zu ermorden. Er kann aber nicht wissen, ob er nicht einen Hund hat, darum wird er nicht von der Türseite her, sondern bergab, gegen den Wind sich anschleichen, um durch die kleine Fensteröffnung in der Stirnwand ihn auf seiner Schlas- stelle zu erschießen. Er muß also, den Banditen zu erwarten, hinter der Hütte Aufstellung nehmen, die Seite aber, wo das Fensterloch ist, und den Eingang versichert er am besten durch den Uhu, den er an die Ecke setzt wo'die beiden Seiten zusammenlausen. Er hat seinen Posten eingenommen. Die Hütte ist hier zur Halste in den Berg hineingebaut, zwischen dem Boden und dem weit vorstehenden Dach ist nur ein kleiner Zwischenraum, der ihn vollständig verbirgt. Vor ihm liegt der stell ansteigende, freie Hang, vom Sternenlicht so erhellt, daß sich niemand ungesehen nähern kann. Die Zeit vergeht. Wolfsgeheul steigt in der Ferne auf, kommt naher und verklingt wieder. Die Stimmen nächtlich wandernder Vögel fallen aus der Finsternis nieder, dann ist wieder nichts zu hören, als das eintönige „Zirr, Zirr" der Herbstgrillen. Zeitweilig wirft er einen Blick um die Ecke, sieht matt erhellt die Fensteröffnung, die ungewissen Formen einiger Büsche, die sich eng an die Finsternis lehnen. Mitternacht muß schon vorüber stin, er ist müde, auf einem Stein hockend, an die Mauer gelehnt, kämpft er gegen den Schlaf an, doch die Augen fallen ihm immer wieder zu. Plötzlich fährt er auf, denn der Uhu faucht und klappt zornig mit dem Schnabel. Erschreckt wendet er sich bin — wie aus dem Boden gewachsen steht dort eine Gestalt, zum Sprung gekrümmt, eine Gewehrmündung sucht den Uhu. „Hände hoch!" schreit er und bringt die Büchse in Anschlag Eine Hand erhebt sich widerwillig, doch der Gewehrlauf schwingt jäh herum, gegen ihn zu. Und schon fährt ihm ein Feuerftrahl entgegen. Doch auch er hat geschossen. Unwillkürlich duckt er sich, denn dicht über seinem Kops prasselt es im Gebälk, da sieht er die Gestalt eine halbe Schwenkung machen, das Gewehr rasselt aus die Steine, und nun schlägt der Mensch vornüber zu Boden. Es dauert eine Weile, bis er seine Taschenlampe ausblitzen lassen kann. Der Mensch ist schon tot. Es ist der Mantu. Mitten im Rücken hat er den Ausschuß der Kugel. ...... Er steht vor dem Uhu Dessen große gelbe Augen blinzeln ihn vertraut an und hoch mit einem Vorwurf — oh, er hat ganz vergessen ihn zu füttern. Rasch holt er das Murmeltier und legt es dem Uhu vor. > Darauf holt er das Pferd aus dem Verschlag. Er muß gleich zum Jagdhaus reiten, dort melden, damit bei Tagesanbruch ein Bote zu Tal I gehen kann, die Gendarmerie zu verständigen. im Etzzirnmer für die Dorfkinderbescherung Aus den Truhen und Korn- M’X bi Weihnachisschmuck hervorgeholt, all die me enMeuten- Den Sterne, Kometen, Engel, das glitzernde Engelhaar. Kaum ist Der letzte Kerzenhalter am Baurn angesteckt, schleiche, ich, die Tchchen mit Lichtchen, Haselnüssen und Pfefferkuchen vollgestopft hmaus« Es ist keine Zeit zu verlieren Bald wird tm Hof die große Glocke gelautet, zum Zeichen, daß die Dorfkinder sich zur Weihnachtsbescherung versammeln "^Draußen erwarten mich schon die drei Weisen. Auch Jan, der als Teufel so echt wie ein Schwein gegrunzt hat, ist mit Dabei. Wir stapfen durch den hohen Schnee in den Wald. Dort stecken wir die Kerzen an einen kleinen verschneiten Tannenbaum und zünden sie an. Denn auch die Rehe, Hasen, Eichhörnchen und die Nägel sollen einen Weihnachts- baum haben. Ein dünner, blasser Mond steht schon über dem Walde, der Frost zwickt einen tüchtig, und unter den Bäumen wachsen die Schoten Die Lichtchen brennen mit zuckender, goldener Flamme Die Eichhörnchen lassen nicht lange aus sich warten Jnrik schnalzt mit der Zunge und schon kommen sie von den Bäumen heruntergeflitzt und tn raschen Springen auf uns zu. Sie sehen uns mit ihren glänzenden runden Augen an und Halen sich die Nüsse aus der ausgestreckten Hand. Die Nuß zwischen den Vorderpfoten, richten sie sich auf, und, — eins, zwei, Drei, — ist die Nuß durchbissen, die Schale sortgeworfen, und sie greifen nach der nächsten Auch die Vögel fliegen herbei. Sie Hüpfen wie tleine Balle über den schimmernden Schnee und picken die Pfefferkuchenkrumen auf, die wir in den Schnee streuen. Nur die Hasen und Rehe wagen sich nicht heran, sie warten wohl ab, bis wir sortgegangen sind. Jetzt beginnt hinter den Bäumen die große Hosglocke zu lauten. Wir werfen die letzten Nüsse und Psesferkuchen den Eichhörnchen und Vögeln hin und rennen um die Weite durch Den stillen, abendlichen Wald dem Hause zu, das bald mit festlich erleuchteten Fenstern hinter der Weg- biegung austaucht. In Den Ehzimmersenstern steht ein Heller Schein. Es ist Der Weihnachtsb aum, der im Lichte von hundert goldenen Kerzen- slämmchen strahlend uns erwartet.