GieheiierKmnIienblätter ________Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang <937 Zreitag. -en 12.§ebruar * Kummer 12 Der GteOlin Noman von Theodor Fontane 6. Fortsetzung. Czako" nahm jetzt Dubslao das Wort, „dabei bleiben Sie nur. Auf Ihr Spezielles! In so wichtiger Sache müssen Sie mir berübmi-^mm Lreblingssorte Bescheid tun, nicht in Rotwein, den mein frf>^mn»nn^lfteknLebrer b^l '.natürliche Getränk des norddeutschen Men- £$5?. genannt hat. Einer seiner mannigfachen Irrtümer; vielleicht der Das natürliche Getränk des norddeutschen Men chen ist am Rhein und Main zu finden. Und am vorzüglichsten da, wo sich wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, beide vermählen. Ungefähr von dieser Ber- f?uhtungsstelle kommt auch der hier." Und dabei wies er auf eine vor stehende Bocksbeutelflasche. „Sehen Sie, meine Herren, verhakt sind mir alle langen Halse; das hier aber, das nenn ich eine gefällige Heißt es nicht irgendwo: .Laßt mich dicke Leute sehn/ oder so Aullch. Da stimm >ch zu; dicke Flaschen, die sind mein Fall." Und dabei a u>l^>erholt mit Czako an. „Noch einmal, auf Ihr Wohl. Und 00n ^ex- Und dann auf das Wohl meiner Globsower, oder wenigstens meiner Globsower Jungens, die sich nicht bloß um Fehr- n ..ummern und um Leipzig, sondern, wie wir gesehen haben, auch illnflnwr Xa ,...:r . ■ Ü ... nur immer, wenn ich diese riesigen Ballons da zwischen meinen Globsowern sehe. Und hinter dem ersten Fabnkhof (ich wollte Sie nur nicht weiter damit behelligen), da ist noch ein zweiter Hof, der sieht noch schlimmer aus. Da stehen nämlich wahre Glasungeheuer, auch Ballons, aber mit langem Hals dran, und die heißen dann Retorten. ...rs" m rf Papa , sagte Waldemar, „daß du dich über die paar Retorten und Ballons nie beruhigen kannst. So lang ich nur denken kann, eiferst du dagegen. Es ist doch ein wahres Glück, daß so viel davon in die Welt gebt und den armen Fabrikleuten einen guten Lohn sichert. So was wie Streik kommt hier ,a gar nicht vor, und in diesem Punkt ist unsre Stech- lmer Gegend doch wirklich noch wie ein Paradies." Lorenzen lachte. „Ja, Lorenzen, Sie lachen", warf Dubslav hier ein. „Wer bei Lichte besehen hat Waldemar doch recht, was (und Sie wissen auch warum) eigentlich nicht oft vorkommt. Es ist genau so, wie er sagt. Natürlich bleibt uns Eva und die Schlange; das ist uralte Erbschaft. Aber so viel noch von guter alter Zeit in dieser Welt zu finden ist, so viel findet sich hier, hier in unsrer lieben alten Grafschaft. Und in dies Bild richtiger Gliederung, oder meinetwegen auch richtiger Unterordnung (denn ich erschrecke vor solchem Worte nicht), in dieses Bild des Friedens paßt mir diese ganze Globsower Retortenblüserei nicht hinein. Und wenn ich nicht fürchten müßte, für einen Querkopf gehalten zu werden, so hätt ich bei hoher Behörde schon lange meine Vorschläge wegen dieser Retorten und Ballons eingereicht. Und natürlich gegen beide. Warum müssen es immer Ballons fein? Und wenn schon, na, dann lieber solche wie diese. Die lass ich mir gefallen." Und dabei hob er die Bocksbeutelflasche „Wie diese", bestätigte Czako. 1/ako, Sie sind ganz der Mann, meinen Papa in feiner Idiosynkrasie zu bestärken. „Idiosynkrasie", wiederholte der Alte. „Wenn ich so was höre. Ja, Woldernar, da glaubst du nun wieder wunder was Feines gesagt zu Habern Aber es ist doch bloß ein Wort. Und was bloß ein Wort ist ist nie was Feines, auch wenn es so aussieht. Dunkle Gefühle, die sind fein Und 0 gewiß die Vorstellung, die ich mit dieser lieben Flasche hier verbinde, für mich persönlich was Celestes hat ... kann man Celestes sagen? ... «oren^en nickte zustimmend, „so gewiß hat die Vorstellung, die sich für fern lstch '* Globsower Riefenbocksbeutelflaschen knüpft, etwas Jn- „Aber Papa." „Still, unterbrich mich nicht, Waldemar. Denn ich komme setzt eben an eine Berechnung, und bei Berechnungen darf man nicht gestört werden, lieber hundert Jahre besteht nun schon diese Glashütte, und wenn ich nun so das jedesmalige Jahresprodukt mit hundert multipliziere, so rechne ich mir alles in allem wenigstens eine Million heraus, pte Ichicken sie zunächst in andre Fabriken, und da destillieren sie flott »raustos, und zwar allerhand schreckliches Zeug in diese grünen Ballons pmein: Salzsäure, Schwefelsäure, rauchende Salpetersäure. Das ist die schlimmste, die hat immer einen rotgelben Rauch, der einem gleich die Lunge anfrißt. Aber wenn einen der Rauch auch zufrieden läßt, jeder Tropfen brennt ein Loch, in Leinwand oder in Tuch, oder in Leder, überhaupt in alles; alles wird .ungebrannt und angeätzt'. Und wenn ich dann bedenke, daß meine Globsower da mittun und ganz gemütlich die Werkzeuge liefern für die große Generalweltanbrennung, ja, hören Sie, meine Herren, das gibt mir einen Stich. Und ich muß Ihnen faaen nnh "Ar einen halben Morgen Land von Staats wegen und kaufte sich zu Ostern em Ferkelchen, und zu Marttni schlachteten sie ein Schwein und hatten den Winter über zwei Speckseiten «eben Sountag eine ordentliche Scheide, und alltags Kartoffeln und Grieben." m "?Ar Herr von Stechlin", lachte Lorenzen, „das ist ja die reine Neulaichtheorie. Das wollen ja die Sozialdemokraten auch" „Ach was, Lorenzen, mit Ihnen ist nicht zu reden ... Uebriaeus Profit ... wenn Sie s auch eigentlich nicht verdienen." ” „A^d ^ühftück zog sich lange hin, und das dabei geführte Gespräch nahm noch em paarmal einen Anlauf ins Politische hinein- Lorenzen °A- der kleine Schraubereien gern vermeiden wollte, wich jedesmal geschickt aus und kam lieber auf die Stechliner Kirche zu sprechen Er war aber auch hier vorsichtig und beschränkte sich, unter Anlehnung an Tucheband auf Architektonisches und Historisch s, bis Dubslav ziemlsth »brupt, ihn fragte: „Wissen Sie denn, Lorenzen, auf unserm Kirchern boden Bescheid? Krippenstapel hat mich erst heute wissen lassen, daß wir ^Mldete Bischofe mit Krummstab haben. Oder vielleicht sind b 2lebte Lorenzen wußte nichts davon, weshalb ihm Dubslav gutmütig mit dem Finger drohte. ' So ging das Gespräch. Aber kurz vor zwei mußte dem allen efn werden Engelke kam und meldete, daß die Pferde da und die Mantelsacke bereits aufgeschnallt seien. Dubslav ergriff sein ® £,rum. £uLeJ*l frohes Wiedersehn anzustoßen. Dann erhob man sich, nrr "c' "e Polsterung der Rampe, trat noch einmal an die kranke AA. rr*nb A^^Erte, daß solche Blüte doch etwas eigentümlich aD sich zu widersprechen, und freute stch' °aß der Besuch mit etwas für ihn so Erheiterndem abschloß. Gleich ^nach ritt man ab. Als sie bei der Glaskugel vorbei kamen, wandten sich alle drei noch einmal zurück, und jeder lüpfte seine Mütze Dann ging es, zwischen den Findlingen hin, auf die Dorfstraße hinaus, ramponiert aussehende Halbchaise, das lederne ?Aeck zuruckgeschlagen, an ihnen voruberfuhr; die Sitze leer, alles an dsw ^schrwerk ließ Ordnung und Sauberkeit vermissen; das eine Pferd m" sbas ??hre schlecht, und zu dem neuen Livreerock des nicj?rerf)t pa“fenbeü “ * 9 ' ber roie ein fuchsiges - Torfstück aussah, „Das war ja Gundermanns Wagen." „So, so", sagte Czako. „Auf den hätte ich beinah geraten." dieser Gundermann", Machte Waldemar. Mein Nate,* mnfft ^nen gestern gern etwas Grafschaftliches vorsetzen, aber er vergriff sich mer%T1fX °1? S-ebenmühlen ist so ziemlich unsere schlechteste Nummer. Ich sehe, er hat Ihnen nicht recht gefallen." „Gott, gefallen Stechlin — was heißt gefallen? Eigentlich gefällt mir jeder oder auch keiner. Eine Dame hat mir mal gejagt, die lang- ®ei("Qen Leute waren schließlich gerade so gut wie die interessanten, und es hat was für sich Aber dieser Gundermann! Zu welchem Zwecke läßt er denn eigentlich seinen leeren Wagen in der Welt herumkutschieren?" aud,x n,rf)f stcher. Wahrscheinlich in Wahlangelegen- ^?iken- Er persönlich wird irgendwo hängen geblieben sein, um Stimmen emzufangen Unser alter braver Kortschädel nämlich, der allgemein be- If bxCfen ^Tmer Seftorben und da will nun Gundermann, öer ficb auf den Konservativen hin ausspielt, aber keiner ist, im Trüben fischen. Er intrigiert. Ich habe das in einem Gespräch, das ich beftätigt e' deutlich herausgehört, und Lorenzen hat es mir ih/$ k°nu mir denken" sagte Rex, „daß gerade Lorenzen gegen dieser Gundermann, für den ich weiter nichts übrig fyabe, bat borf) wenigstens die richtigen Prinzipien." M ,, ich bitte Sie", sagte Czako, „richttge Prinzipien! Geschmacklosigkeiten hat er und öde Redensarten. Dreimal hab ich ihn sagen Horen: Das wäre wieder Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie So was sagt kein anständiger Mensch mehr, und jedenfalls " 6"’ ”*r *■ D», dl i« eine K°LLLk"«LÄn""'" ’* M* " ”-*>•">»'« $•« B der gleich frühmorgens ein allerschönstes Wetter in Aus- \d)t gestellt hatte, hatte recht behalten; es war ein richtiger Oktobertag, und ststch und milde zugleich. Die Sonne fiel hie und da durch das noch ziemlich dichte Laub, und die Reiter freuten sich des Spielens der Schatten und Lichter. Aber noch anmutiger gestaltete sich das Bild, als '« bald danach in einen Seitenweg einmiinbeten, der sich burch eine uou Wasserlachen durchzogene Wiesenlandschaft hinschlangelte. Die großen Heiden und Forsten, die das eigentlich Charak- tensttsche dieses nordöstlichen Grafschaftswinkels bilden, traten an dieser nämäer mein Gott, Stechlin, Ähre Worte werden immer rätselhafter Sie können doch nicht bei jeder Obersörstersfrau d.e erwartet eine Visite machen wollen. Das wär« denn doch eine Rresenaufgabe, selbst wenn Sie sich auf Ähre Grafschaft hier beschranken wolltem Es liegt alles ganz exzeptionell. Uebrigens mach ich es kurz nut meinem Besuch und wenn Sie Schritt reiten, worum ich bitte, so ho I ich Sie bei Genshagen wieder ein. Von da bis Wutz haben wir kaum noch eine Stunde, und wenn wir's forcieren wollen, kerne halbe. Und wählend er noch so sprach, bog er rechts ein und ntt auf das Waldemar hatte die Mitte zwischen Rex und Czako Schabt; jetzt ritten diese beiden nebeneinander. Czako war neugierig und, hatte gern Fritz herangerufen, um dies unö das über Katzler und Frau zu höre - I Aber er sah ein, daß das nicht ginge. So blieb ihm Nichts als ein Me>- 11U"^Sehen" Stt" J)ob7r an, „unser Freund Waldemar, trabt er da nicht hin, wie wenn er dem Glücke nachjagte? Glauben Sie mir da steck ne Geschichte dahinter. Er hat die Frau geliebt ober hebt sie noch... Und dies merkwürdige Interesse für den m Sicht stehenden Erdenbürger. Uebrigens vielleicht ein Mädchen. Was meinen Sie dazu, Rex? „Ach Czako, Die wollen ja doch nur hören, was Ihrer eignen „frivolen Natur entspricht. Sie haben keinen Glauben an reine Verhältnisse. Sehr mit Unrecht. Ich kann Ihnen versichern, es gibt dergleichen." „ \ „Nun ja, Rex. Sie, der sich Frühgottesdienste leistet. Aber Stechlin ^. „Stechlin ist auch eine sittliche Natur. Sittlichkeit ist ihm angeboren, und was er von Natur mitbrachte, das hat sein Regiment weiter in ihm ausgebildet." „ . , ., . . „ . Czako lachte. „Nun hören Sie, Rex, Regimenter kenn ich doch auch. Es gibt ihrer von allen Arten, aber Sittlichkeitsregimenter kenn ich X „1X1 N „Es gibt's ihrer aber. Zum mindesten Hafis ihrer immer gegeben, sogar solche mit Askese." „ , , Nun ja, Cromwell und die Puritaner. Aber, long, long ago. tter- zeihen Sie die abgedudelte Phrase. Aber wenn sich's um so feine Dinge wie Askese handelt, muß man notwendig einen englischen Brocken ein» schalten. In Wirklichkeit bleibt alles beim alten. Sie sind ein schlechter Menschenkenner, Rex, wie alle Konventtkler. Die glauben immer, was sie wünschen. Und auch an unserm Stechlin werden Sie mutmaßlich erfahren wie falsch Sie gerechnet haben. Im übrigen kommt da gerade zu rechter Zeit ein Wegweiser. Lassen Sie uns nachsehen, wo wir eigentlich sind. Wir reiten so immer drauflos und wissen nicht mehr, ob links oder^rechts.r ^em Wegweiser nichts wissen wollte, war einfach für Weiterreiten, und das war auch das Richttge. Denn keine halbe Stunde mehr o hotte Stechlin sie wieder ein. ,Lch wußte, daß ich Sie noch vor nicht widerspricht." „Und wie kam sie nur dazu, Ihrem Papa gerade Konfefftons in einer so delikaten Sache zu machen?" . „Das war voriges Äahr, genau um diese Zeit, als sie auch mal wieder erwartete. Da war mein Vater drüben und sprach, als dasi durch di« (Situation gegebene Thema berührt wurde, halb diplomatisch, halb humoristisch von der Königin Luise, hinsichtlich deren der alle Dok.or Heim, als der Königin das .Sechste oder Siebente geboren werden sollte, ziemlich freiroeg von der Notwendigkeit der ,Srad)e‘ gesprochen hatte. „Bißchen stark", sagte Rex. „Ganz im alten Heimstil. Aber freilich, Königinnen lassen sich viel gefallen. Und wie nahm es die Prinzessin auf?" , ... . D sie war reizend, lachte, war weder verlegen noch verstimmt, sondern nahm meines Baiers Hand so zuttaulich, wie wenn sie seine Tochter gewesen wäre, ,3a, lieber Herr von Stechlin, Tagte fie, roer A lagt, der muß auch B sagen. Wenn ich diesen Segen durchaus nicht wollte, dann muhte ich einen Durchschnittsprin.zen heiraten, — da hält ich vielleicht das gehabt, was der alte Heim empfehlen zu musien glaubte. Statt dessen nahm ich aber meinen guten Katzler. Herrlicher Mann Sie kennen ihn und wißen, er hat die schone Glnsachheit aller stattlichen Männer, und seine Fähigkeiten soweit sich überhaupt davon prechen läßt, haben etwas Cinseittges. Als ich ihn heiratete war ich inshalb ganz von dem einen Gedanken erfüllt, alles Prinzeßliche von mir abzustreifen und nichts bestehen zu lassen, woraus Uebe wollende hätten herleiten können: ,AH, sie will immer noch eine Prinzessin fern.« Ich entschloß mich also für das Bürgerliche, und zwar .voll und ganz wie man setzt, glaub ich, sagt. Und was dann kam, nun, das war einfach die natürliche Konsequenz/" Großartig" sagte Rex, „Äch entschlage mich nach solchen Mitteilungen jeder weiteren Opposition. Welch ein Maß von Entsagung! Denn auch im Nichtentsagen kann ein, Entsagen liegen. Andauernde Opferung eines Innersten und Höchsten. Unglaublich!" lachte Czako. „Rex, Rex. Ich habe Ihnen da schon vorhin alle Menschenkenntnis abgesprochen. Ader hier übertrumpfen Sie sich selbst. Wer Konventikel leitet, der sollte doch wenigstens Die Weiber kennen. Erinnern Sie sich, Stechlin sagte sie sei lympbattich und habe Vergißmeinnichtaugen. Und nun sel^n Sn sich„ den Katzler an. Beinah sechs Fuß und rotblond und das Eiserne Kreuz. Cmko Sie sind mal wieder frivol. Aber man darf«- mit Ihnen nicht so genau nehmen. Das ist das Slawische, was in Ihnen nachspukt: latente Sinnlichkeit. Ja sehr latent; durchaus oergrabner Schatz. Und i S ÄÄ WÄ« konfiszierten Schulmappe geschnitten aussah, hätt ich chn nicht nnedererkann. .... < xu. W Ja er war es, und das mit der Schulmappe wwd wohl auch hw treffen" sagte Woldemar. „Krippenstapel kann eben alles der SWMKV ±“Ä S, SS” T/"äs-’'1*5'”' °b”s'l’Si hinüber, da drüben neben der Waldeck«. Aber Stechlin, was wollen St« denn bei nem Forster? derE"dknT geftern* «wÄm te Billardspieler. Und doch, wenn Sie nicht ganz mhm mit ihm sind, s Das'sst aber nicht^der Fall. Es handelt sich nicht um ihn, sondern um seine junge Frau." ’ria ^ba^finb Sie* nun auch wieder auf einer falschen Fährt«. So was^ka'nn nicht vorkommen, ganz abgesehen davon, daß mit Oberförstern immer Ifhledit Kirschen pflücken ist; die blasen einen weg, man roeifj nicht wie ... Es handelt sich hier einfach um einen Teilnahmebesuch, um etwas, wenn Sie wollen, schön Menschliches. Frau Katzler erwartet Genshagen treffen würde. Die Frau Dberforfterin läßt sich übrigens den Herren empfehlen. Er war nicht da, was recht gut war. «onn ich mir denken", sagte Czako. Und was noch besser war, sie sah brillant aus. Eigentlich ist sie mcht hübtfi Blondine mit großen Vergißmeinnichtaugen und etaas lympha- tUck ^uch wM nicht ganz gesund Wer sonderbar, solche Damen wenn was'in Sicht steht, sehen immer besser aus als in natürlicher Rerfafsung. rinriustand der allerdings bei der Katzler kaum vorkommt. Sie ist noch nicht volle ' sechs Jahre verheiratet und erwartet mit nächstem das Sie!)6nk6." * m Das ist aber doch unerhört. Ich glaube, so was istScheckungsgrund. 'Mir nicht bekannt und auch, offen gestanden, nicht TSunö lief). Jedenfalls wird es die Prinzessin mcht als Schsidungsgrunö nehmen." „Die Prinzeffin?" fuhren Rex und Czako a tempo heraus ein die Prinzessin", wiederholte Woldemar. ,Lch war all dl« Zett über gespannt was das wohl für einen Eindruck auf Die machen wurde, weshalb ich mich auch gehütet habe, vorher mit Andeutungen zu kmnrnem Und es traf sich gut, daß mein Vater gestern abend mir so ganz leicht drüber hinging, ich möchte beinah sagen diskret, was sonst nicht seine b" „Prinzessin", wiederholte Rex, dem die^ Sach« beinah den Atem nahm. „Und aus einem regierenden Hause?" . Ja was heißt aus einem regierenden Haufe? Regiert haben sie alle mal. Und soviel ich weih, wird ihnen dies .mal regiert haben, auch immer noch angerechnet, wenigstens sowie sich s um Erschließungen handelt. Um so großartiger, wenn einzelne der hier in wenden Damen auf alle diese Vorrecht« verzichten und ohne Rücksicht auf Ebenbürtigkeit sich aus reiner Liebe vermahlen. Ich sage .vermahlen, weil .sich verheiraten' etwas plebeje klingt. Frau Katzler ist eine Jppe» Büchsenstein." . . (fmo rinne!" laate Rex. „Nicht zu glauben. Und erwartet wieder. Ich "bekennet daß mich das am meisten chokiert. Diese Ausgiebigkeit, ich finde kein anderes Wort, oder richtiger, ich will kein andres finden, ist doch eigentlich das Bürgerlichste, was es gibt. „Zugegeben. Und so hat es die Prinzessin auch wohl s/kber ausge- faßt. Aber das ist gerade das Große an der Sache; ja, so sonderbar es klingt, das Ideale." , „Stechlin, Sie können nicht verlangen, daß man das so ohm wei- teres versteht. Ein halb Dutzend Balge, wo steckt da das Ideale? Dock Rer doch. Die Prinzessin selbst, und das ist das Rührendste, hat "sich darüb er gasiz unumwunden ausgesprochen. Und zwar zu mei nem I Alten. Sie sieht ihn öfter und möcht ihn, glaub ich, bekehren, sie ist nämlich von der strengen Richtung und hält sich auch zu Siiperintendent Koseleger, unserm Papst hier. Und kurz und gut. sie macht meinem Papa beinah den Hof und erklärt ihn für einen perfekten Kavalier, wobei Katzler immer ein etwas süßsaures Gesicht macht, aber natürlich Meine Gräber. Von Theodor Fontane. Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut, Meine Gräber liegen weit zerstreut, Weit zerstreut über Stadt und Land, Aber all in märkischem Sand. Verfallene Hügel, die Schwalben ziehn, Vorüber schlängelt sich der Rhin, lieber weiße Steine, zerbröckelt all. Blickt der alte Ruppiner Wall, Die Buchen stehen, die Eichen rauschen. Die Gräberbüsche Zwiesprach tauschen Und Haferseiber weit auf und ab, — Da ist meiner Mutter Grab. Und ein anderer Platz, dem verbunden ich blru Berglehnen, die Oder fließt dran hin, Zieht vorüber in trägem Lauf, Gelbe Mummeln schwimmen darauf. Am Ufer Werft und Schilf und Rohr, Und am Abhange schimmern Kreuze hervor, Auf eins fällt Heller Sonnenschein. — Da hat mein Vater feinen Stein. Der dritte, seines Todes froh, Liegt auf dem weiten Teltow-Plateau, Dächer von Ziegel, Dächer von Schiefer, Dann und wann eine Krüppelkiefer, Ein stiller Graben die Wasserscheide, Birken hier, und da eine Weide, Zuletzt eine Pappel am Horizont, — Jrn Abendstrahle sie sich sonnt. Auf den Gräbern Blumen und Aschenkrüge, Vorüber in Ferne rasseln die Züge, Still bleibt das Grab und der Schläfer drin, — Der Wind, der Wind geht drüber hin. Vier kleine Hufeisen. Von Gunnar Gunnarsson. ... Raudur (Rot-Tier) — denn nach vielem Kopfzerbrechen habe ich mein Füllen nach dieser unglückseligen Farbe, die wir gemeinsam haben, benannt — will nicht das geringste mit mir zu tun haben, anerkennt auf keine Weise mein sonnenklares Besitzrecht, sondern beginnt zu laufen und auszuschlagen, sobald ich mich ihm nähere. Ich halte ihm aus der Ferne lange Ermahnungsreden, aber was hilft das? Schließlich beklage ich mich bei meinem Vater, aber er antwortet mir nur gefühllos: „Mit der Zeit werdet ihr fchon Freunde werden, du wirst sehen! Man soll sich nicht mit Füllen einlassen." Ich verstehe nicht, warum wir nicht ebensogut gleich Freunde werden können, oder was es schaden könnte, wenn ich mich ein bißchen mit ihm „einlasse". Es könnte so glänzend in meinem Winkel grasen, während ich spielte — wir könnten es so gemütlich zusammen haben, wenn es nur ein bißchen Vernunft annehmen wollte. Im übrigen soll es aber nicht für seinen Unverstand büßen, es ist doch nur ein Tier, und daher nicht klüger! Als ich eines Tages Schmied Bjarni dabei treffe, wie er Feuer in der Esse macht, bestelle ich großzügig vier Hufeisen für Raudur. „Rein, sieh mal — vier Hufeisen", antwortet Schmied Bjarni, der mit der einen Hand den Blasebalg bedient und mit der andern Kohle und 'Schlacken zusammenscharrt. „Sollte Raudur wirklich nicht mit weniger auskommen können?" „Er hat doch vier Beine", erkläre ich sachlich. „Vier Beine", wiederholt Bjarni nachdenklich und hämmert auf das gröbste Ende seiner Eisenstange los, daß die Funken die kleine Schmiede füllen. „Vier Beine?" ... Das ist richtig, das ist unwiderlegbar! ... Hätte er nur eines mehr oder weniger — was täten wir dann mit ihm? — Das Fell könnte man vielleicht gebrauchen — aber ich weiß nicht ... mich könnte jedenfalls niemand dazu bringen, Schuhe aus der Haut einer Mißgeburt an meinen ehrlichen Füßen zu tragen! .. - Nee, siehst du — vier Beine, die soll ein Tier haben — das ist die Taxe ... Ich rede nicht von Federvieh — ich rede nicht von Fischen und Tausendfüßlern ... ich rede nicht von Ungeheuern und Wundern — ich rede von Tieren! ... Wir Menschen, siehst du, wir haben zwei Beine, und was sollten wir wohl mit mehr? ... Warum ein Hahn mehr als eines hat, danach mußt du einen andern und Klügeren als mich fragen — aber, wie gesagt Pferde — das Tier hat vier Beine — das ist die Taxe! ... aber wenn auch dein Raudur vier Beine hat, so ist damit nicht gesagt, daß er vier Hufeisen braucht! .. Kannst du die Nuß knacken?" , „Nein", gestehe ick, aufrichtig und nicht wenig gespannt, rote Biarm etwas so Sinnloses erklären will. „ ,. . , .. , „Nein — sieh mal, mein altes, schlaffes Auge sieht doch weiter als ein junges fdjarfes — nimm dir das zu Herzen!" kichert Bjarni, laßt das fertige Eisen in ein wenig Wasser plumpsen, das es gereizt fauchend umschließt, ergreift die eiserne Stange und begibt sich ro^ber yu Esse und Blasebalg! Was weißt du, wenn es daraus ankommt? Nichts! Was weiß ich? Alles! ... Nicht, daß ich in deinem Alter nicht auch dumm gewesen wäre und geglaubt hätte, daß ein Füllen vier Eisen haben müßte! Ach Gott — man wird doch etwas klüger mit den fahren! .._ Ganz gewiß — nur die wenigsten werden je so klug und tüchtig, daß sie Hufeisen machen können, aber die meisten lernen doch, wenn ste zu Jahren kommen, mit der Zeit auf eigene Faust berechnen, jme viele Eisen zu einem Pferd gehören und wie viele zu einem Fullen. „Wie viele gehören denn dazu, guter Bjarni?" erkundigte ich Mich demütig. „Wie viele dazu gehören?" wiederholt Bjarni und wirst mir ehtefl nachdenklichen Blick zu: „Das kommt wahrhaftig darauf an— ja wahrhaftig." „Ich meine, wie viele ich haben soll?" frage ich geduldig. Schmied Bjarni reiht die Augen auf und zieht das lange verbeulte Gesicht nach oben und unten, bis es so lang wie das eines Pferdes ist, und ruft endlich bestürzt: „Du? ... Bist du denn ein Pferd? ... Willst du Hufeisen haben?" „Du weiht doch gut, daß ich sie für Raudur brauche", antworte ich verletzt. „Ach so — für Raudur — nein, sieh mal?" fragt Bjarni ernst. „Die abgelegten von Skjoni passen wohl nicht — nein, das tun sie wohl nicht? Für Raudur, sagst du? ... Wieviel Eisen brauchst du denn für Raudur?" „3a", seufzte ich hoffnungslos. „Das will ich dir sagen", antwortet Bjarni und überlegt das Problem genau. „Für Raudur brauchst du — laß mal sehen — ebensoviel Hufeisen wie du hast. Das ist die Taxe, das geht gerade auf." „Ich habe ja keines, guter Bjarni, erklärte ich mit erkämpfter Geduld. „So, nicht? ... Du hast wirklich keines. Nein, steh mal!" antwortet Bjarni und kratzt sich den Kopf. „Aber das ist ja geradefoviel, wie du brauchst, nicht wahr?" „Was heißt das?" frage ich verständnislos: „Wieviel brauche ich? Sag es mir nun." „Keines", platzt Bjarni heraus und hämmert wie rasend darauf los. „Seines! ... Das kann nicht billiger fein — das ist die Taxe!" Ich stehe vernichtet da und glotze Bjarni nur an. Ich weih weder ein noch aus — derartig hat er mich verwirrt. Ich vermag die Augen nicht vor den springenden Funken zu schließen, und die betäubenden Hammerschläge treffen meine offenen Ohren. Erst als es wieder von glühendem Eisen im Wasser sprüht, drehe ich den Kopf, kann aber kaum den Eimer gewahren, da meine Augen von Tränen geblendet sind. Wenn Bjarni mir so antwortet, ohne mit einer ordentlichen Erklärung zu schließen, muß es sein, weil er mich nicht leiden mag. Und wir sind doch immer so gute Freunde gewesen. Was habe ich vorhin nur getan? Wo soll ich nun Eisen für Raudur hernehmen? Plötzlich fühle ich, wie Schmied Bjarnis schwere, griffsichere Hand um meinen Kopf faßt. „Was ist denn nun?" fragt er, blinzelt mich komisch ermutigend an und schnalzt mit der Zunge: „Schmilzt du bei Tauwetter? ... Ist der alte Bjarni ein so schlimmer Mann, daß er Kinder zum Weinen bringt? .. Wollen wir ihm mit dem Vorschlaghammer eines auf den Kops geben und sehen, ob er Funken schlägt? Nicht? Nun, dann lasten wir es! Du hast etwas van Eisen für Raudux gesagt? Vier sollst du haben — — eines für jedes Bein ... Denn doppelt beschlagen soll er wohl nicht werden?" „Doppelt beschlagen?" frage ich, „was ist das, guter Bjarni?" „Ja, wenn du das wüßtest, dann wärst du klüger als ich", antwortet Bjarni ernsthaft. ,Zch habe es nämlich nie gewußt, na, dann lasten wir das. Vier Eisen sollst du haben, mit vier Löchern in jedem. Acht sind sonst die Taxe, aber dazu ist wohl kein Platz! ... Wenn du dich mit den Löchern allein begnügen wolltest, würdest du sie für den halben Preis bekommen, aber das willst du wohl nicht? — Ach nein, das hätte ich mir wohl selber sagen können . . So dumm bin ich nicht . Siehst du die Eisenstange dort, willst du sie auch anfühlen! Hübsch ist sie nicht, rot und rostig, als unbrauchbar fort geworfen. Wollen wir sehen, was das Feuer und Bjarni daraus machen können. Wollen wir?" Dazu bin ich bereit. Als ich endlich mit den kleinen Hufeisen in der Hand dastehe, breche ich in ein Lachen aus, in das sich Schluchzen und Tränen mischen. Die Fülleneisen sind so klein, daß es fast nicht zu glauben ist! Ich habe das Gefühl, als hätte ich ein Märchen erlebt, statt daß es mir erzählt wurde — ich bin besiegt und verwirrt. Das Herz tanzt mir in der Brust, ganz wirr ziehe ich Bjarni am Aermel, ziehe feinen Kopf zu mir herab und küsse ihn innig auf feine harten Lippen. „Dank, guter Bjarni", flüstere ich. „Dank — Dank — Dank!" „Ja, sieh, Dank, das ist nun etwas, das man neben der Bezahlung zu bekommen pflegt", erklärt Bjarni sinnig. „Ich werde dich schon bezahlen!" verspreche ich zuversichtlich ... „Kennst du die Geschichte vom Knaben und der Wunschstunde?" „3a, baute", antwortet Bjarni bedenklich. „Hast du im Sinn, mich mit Pferdeäpfeln zu bezahlen?" „Nein, mit Gold, guter Bjarni", weise ich ihn verletzt ab. „Sag doch lieber, mit Wunschgold", rät Bjarni besinnlich: „Dann versprichst du nicht mehr, als du halten kannst." „Wunschgold, was ist das?" frage ich zweifelnd. „3ft das besser als anderes Gold?" „Besser und schlechter zugleich", antwortet Bjarni hinterhältig. „Das ist das Komische am Wunschgold. Du sollst übrigens gar nichts für sie bezahlen. Sie haben nämlich einen Fehler." „Einen Fehler", wiederhole ich ungläubig und betrachte sie genau. „3n meinen Augen sind sie fehlerfrei." „Sie haben den Fehler", erklärt Bjarni nachdrücklich, „daß kein lebender Mensch, nicht einmal ich, Raudur damit beschlagen kann!" „Warum denn nicht?" frage ich verständnislos. „Einfach, weil man ein Fullen nicht beschlägt", lacht Bjarni plötzlich heiter. „Und wenn Gott selbst käme und es verlangte — ja, laß mich jetzt nicht zuviel sagen — aber ich würde mich doch jedenfalls bedenken ..." „Warum hast du die Eisen bann gemacht?" frage ich, enttäuscht unb erleichtert zugleich. „Um bir eine Freude zu machen, denke ich", lächelt Bjarni. „Sollte man ein Füllen beschlagen? ... Die Hufe eines Füllens sind ja weich wie Kindernägel — ritzt man sie nur, gleich springt das Vlut hervor! ... Nein, ein Pferd muß Eisen haben, ein Füllen keines, das ist die Taxe! ... Aber jetzt hast du die Eisen und kannst sie Raudur zeigen." Das, finde ich, ist ein vorzüglicher Rat — wir können ja zusammen damit spielen, Raudur und ich. Versunkene Stadt. Bon Josef Weinheber, war einmal ... Nachts, wenn die Sterne in den Abgrund tropfen Und weißer Mond im dunklen Spiegel badet. Ruft aus der Tiefe Lied verfunkner Glocken Tote zum Gebet. Die gläsernen Ringe ziehn Und branden an die brunnenrunden Felsen. Es ist wie ferner, feiner, süßer Herzschlag Der Geliebten. Die Flut wird wach, um Turm und Giebel gleiten Silberne Fische. Hoch oben an dem Rand der hellen Erde Löst sich ein Stein und fällt und fällt und findet Niemals Grund. Dann sinkt der Mond, ertrinkt. Das schwarze Meer lauert. lieber den Abgrund beugt ein früher Wandrer Fahl sein Haupt. OReife auf Elefantenrücken. Von Dr. Hugo Adolf Bernatzik. Es klirren schwere eiserne Ketten an den Füßen der Sträflinge, die unser Gepäck aus dem Raschaus eines südsiamesischen Dorfes tragen. Draußen stehen unsere Elefanten, geduldig ergeben in ihr Schicksal, sich dem Willen der Mahout zu beugen. Spitze Eisenhaken in den Händen, mit denen sie ihre Befehle mehr oder weniger zart anzudeuten pflegen, sitzen diese auf dem breiten Hals der Tiere. Auf den hohen Rücken der grauen Riesen ruhen auf einer Unterlage von Bastdecken die korbartig geflochtenen Tragsättel. Sie werden von zwei Rotangstricken gehalten, die um den Hals und unter dem Schwanz der Tiere geschlungen sind. Auf einen Ruf der Mahout legen sich die Elefanten nieder und werden von den Sträflingen mit unseren Kisten, Blechkoffern und Zeltballen beladen. Emen der Sättel, der durch ein hohes Korbdach vor Regen und Sonne einigermaßen geschützt ist, besteigen meine Frau und ich, und langsam setzt stch unsere Karawane in Bewegung. Die Reise geht nach Süden, entlang der spärlich besiedelten Westküste der Halbinsel Siam, deren unwegsame Sümpfe und dichte Urwälder auf keine andere Weise durchquert werden können. Mit langsamen, bedächtigen Schritten durchwandern unsere Elefanten, einer hinter dem andern, ein von vielen Wasserläufen und breiten ausgetrockneten Flußbetten durchzogenes Tal, in welchem riesige Baggermaschinen Zinnerz zutage fördern. Auf Schmalspurbahnen, Tragelefanten und Booten wird das gewonnene Material befördert und den Schmelzöfen zugesührt. Kleine, schmutzige Siedlungen, erst vor wenigen Jahren entstanden, beherbergen eine bunt gemischte asiatische Bevölkerung, die die Berdienstmöglichkeiten in der Nähe der Tagbaue anzog. Bald jedoch liegen diese Orte der Zivilisation hinter uns, und ekne bergige Graslandschaft breitet sich vor uns aus. Gewaltige Büffelherden weiden geruhsam inmitten des saftigen Grüns. Mit erhobenem Haupte, den Aeser witterungsuchend in der Luft, sehen die mächtigen, grauschwarzen Tiere unseren Elefanten nach. Sonne liegt über der weiten Landschaft und über den hohen dichtbewaldeten Bergen, die in der Ferne das hügelige Tal begrenzen. Die fremde Welt, die da vor uns liegt, erinnert an die Üeblichen Bergtäler unserer Heimat und dünkt uns deshalb doppelt schön. Wir freuen uns über unser Wetterglück, denn fast 14 Tage lang hatten wir die Sone nicht gesehen. Tag und Nacht stürzten tropische Regengüsse vom Himmel herab und hüllten die dampfende Erde in undurchdringliches Grau. Nun ist uns eine kurze Unterbrechung der Regenzeit beschieden, und die sonnige Welt erscheint uns wie ein Wunder. Eine liebliche Parklandschaft lockt zum Wandern. Wir steigen ab, um Misere steifgewordenen Glieder zu rühren und schreiten einige Stunden neben unseren Elefanten dahin. Trotz der feuchten Hitze haben wir die Empfindung, daß das Reisen auf Schusters Rappen doch das Schönste istl Bald aber geht es bergauf, bergab, durch dichtes, dorniges Gestrüpp, düsteren Urwald, schwarzglänzende Wassertümpel, in denen Blutegel und Wasserschlangen hausen, dann wieder dukch mannshohes, scharfkantiges Alcmgras. Im schlammigen Grund heißt es mühsam vorwärts stapfen, und immer wieder müssen wir Bäche und Flüsse durchqueren. Gern nehmen wir dann wieder Zuflucht zu dem harten, schwankenden Sattel unseres braven „Biau", so heißt unser mächtiger, alter Elefantenbulle. Er hat große, geschwungene Stoßzahne, einen starken Rüssel und regelmäßige. dicke Säulen. Seine kraftvolle, vorsintflutliche Erscheinung steht kn merkwürdigem Widerspruch zu der sanften Gutmütigkeit und dem treuherzigen Blick seiner kleinen, langbewimperten Augen. Im Banne dieses Blicks fühlt man sich unterlegen. Eine weise Verzichtstimmung liegt darin, ein „Beiserwissen", eine selbstbewußte Ruhe und zurückgehaltene Kraft, die es verständlich erscheinen läßt, daß sich die Menschen seit jeher der „Weisheit" des Elefanten beugen, und die Siamesen ihn heute noch als heiliges Tier betrachten, das sie aus religiösen Gründen als einziges der vielgestaltigen Fauna ihres Landes schützen. Wenn es blinzelnd auf uns kleine Menschen herabblickt, kommt man sich wie ausgelacht vor. Wohl ist er bereit, uns zu dienen, im übrigen aber setzt er seinen Willen immer durch. Reicht ihm auch das Wasser der rauschenden Ströme bis über den Bauch, er bleibt ruhig darin stehen, solange es ihn freut, mit dem Rüssel seinen Körver zu bespritzen. Erblickt er neben dem Pfad einen Bambussproß, seine Lieblingsspeise, so kann ihn nichts in der Welt davon abhalten, stehen zu bleiben, sich mit dem langen Greiffinger seines Rüssels die Delikatesse zu holen und gut schmecken zu lassen. Er reißt Blattpflanzen und Büsche aus und verspeist die dicken, meterlangen Wurzeln, als ob es Nudeln wären. Auch ganze Bäume liebt er so unterwegs zu entwurzeln, in seinem Rüssel mitzutragen und damit zu spielen. Wenn ihn die zudringlichen Bremsen, die erstaunlicherweise imstande sind, sein Blut durch die dicke, runzelige Haut zu saugen, ober andere freche Insekten belästigen, bricht er sich besonnen einen belaubten Ast, um die Quälgeister damit zu verjagen, ober er ergreift einen Holzprügel und kratzt sich damit voll Behagen die juckende Haut. Was liegt ihm daran, wenn der ungeduldige Mahout wild auf seine harte Stirn hämmert, Hals und Flanken peitscht ober mit ber Spitze seines Dha, bes großen Dschungelmessers, in bie zarte Haut hinter ben Ohren sticht, baß das Blut im Bogen herausspritzt? Drohenb hebt er wohl ben Rüssel, läßt ein wütenbes Brüllen ertönen, schreitet aber erst weiter, bis er seine Absicht ausgeführt hat. Wenn aber ber Mahout bie sinnlose Tierquälerei fortsetzt unb in bie blutenben Wunben eine beißenbe Paste aus Betelpfeffer und Kalk einreibt, dann fährt er fauchenb auf unb schlägt bröhnenb mit bem Rüssel auf bie Erbe, als wolle er bem Zwerg im Nacken seine letzte Warnung erteilen. Diese schon zur Gewohnheit geworbene Behanblung ber braven Tiere ist reichlich überflüssig, benn keines der verschiedensten Trag- und Reittiere, die ich bisher auf meinen Reisen benützte, verursachte so wenig Ülerger und war so zuverlässig wie gerade der Elefant. Gibt es doch kein Hindernis, das er nicht leicht und gern bewältigt. Wie er klettert, vorsichtig steile Rinnen hinabrutscht, erst behutsam mit dem Rüssel die Entfernung abtastet, bevor er einen Graben übersetzt, wie er die Tragfähigkeit eines van Wasser bedeckten Grundes prüft, mit Rüssel und Stvßzähnen Hindernisse aus dem Wege räumt, mit lautem Krach Bäume umstößt —, das mutz man gesehen haben, um sich eine Darstellung von der bewundernswerten Vorsicht unb ber Sicherheit zu machen, mit ber ber Elefant Menschen unb Lasten burch pfablose Wilbnis trägt. Sehen wir von ber Höhe unseres Sattels ben steilen Abhang hinab, ber in ein tiefes Bachbett führt, erscheint es uns rätselhaft, wie sich bas schwere Tier mit ber gewaltigen Breite seines Körpers burch ben oft kaum 50 Zentimeter schmalen, steilen Pfab hinabzwängen kann. In erwartungsvoller Spannung klammern wir uns an ben Ranb bes Sattels, bet bei solchen Uebergängen eine fast senkrechte Lage einzunehmen pflegt. Ganz langsam setzt Biau eine Säule vor bie anbere, Büsche und Bäume splittern wie Glas, spielend greift der Rüssel selbst in dieser Lage nach einer wilden Frucht — und schon sind wir drüben. * Rasch senkt sich die Nacht über die Landschaft. Die Elefanten schreiten kreuz und quer durch Wiesen und Buschwald. Die Mahout haben den Pfad verloren, doch nach einigen ungemütlichen Stunden stoßen wir auf ein kleines Dorf, in dem wir nächtigen wollen. Wir haben zwar keine Lust, für eine kurze Nacht unser Zelt aufzuschlagen, als uns aber ein verwahrloster, insektenumfchwirrter Schweinestall als Unterschlupf angeboten wird, lassen wir dennoch unser Gepäck auf einer kleinen monbbefdjienenen Wiese ablaben, um bork enblich bie ersehnte Ruhe zu finben. Dies läßt jeboch bie angeborene Gastfreunbschast ber Siamesen nicht zu, unb ein Mann stellt uns seine eben erst erbaute Tischlerwerkstatt zur Verfügung. Inmitten von Sägespänen, Brettern unb bem wohligen Duft nach frischem Kampferholz richten wir uns rasch ein unb sinb froh, vor bem brahenben Regen burch ein Wellblechbach geschützt zu sein. Doch Ruhe ist UPS noch lange nicht beschieben. Hinter bem Bretterverschlag, der uns von unseren Leuten trennt, werden erregte Stimmen laut. Die Elefantentreiber rebellieren! Unser Reis sei schlecht, die Lasten zu schwer und dergleichen mehr. Ich versuche sie zu beruhigen, doch vergebens. Schließlich erklären sie, nicht mehr weiter zu wollen, sondern ohne uns zurückzukehren, wenn wir ihnen nicht das Doppelte der Summe bezahlen, die wir vorher vereinbart haben. Ein Crpressungsversuch, wie ich ihn überall erlebt habe, In Afrika, In der Südsee, in Albanien oder Lappland, sobald ich von den halbzivilisierten Eingeborenen abhängig war. Auf das Geschrei hin kommen auch bie Dorfbewohner von allen Seiten herbei. Hagere, zerfetzte Gestalten mit mongolischen Gesichtszügen drängen sich heran, blecken die schwarzgefärbten Zähne und spucken roten Betelpriem um sich. Sie erwarten zweifellos ein interessantes Schauspiel. Während meine Frau ihre Empörung über das Vorgehen der Mahout nur schwer unterdrücken kann, lasse ich mich nicht aus der nötigen Ruhe bringen, bie allein in solchen Lagen Einbruck macht. Freunblich lächelnd lasse ich ihnen mitteilen, baß sie nicht einen Satang mehr erhalten würben, als wir vereinbart hätten. Falls sie ohne uns zurückkehren wollten, könne ich es nicht hinbern. Wir würben unser Zelt aufschlagen unb, ba wir Lebensmittel für einen Monat mit uns führen, Hilfe abwarten. Sie müßten übrigens wissen, was sie in biefem Falle von feiten ber Behorben zu erwarten hätten. Ich bächte auch nicht baran, sie für bie bisher ge-. leisteten Dienste zu entschäbigen. Dies fei alles, was ich zu sagen hätte, unb nun wünschte ich zu schlafen. Finster blickenb, boch ohne ein Wort ber Erwiberung ziehen sich die Mahout zurück und halten ein Palaver mit ben Dorfbewohnern. Uns aber läßt bie Ungewißheit unserer Lage und bie Unruhe unserer Mitbewohner nur einen leichten unerquicklichen Schlaf finben, aus bem uns von Zeit zu Zeit bie Besuche von Hunben, Katzen unb Schweinen auf« schrecken. Erleichtert begrüßen wir ben ersten Lichtstrahl ber Morgen- bämmerung. Unb siehe ba: bie Mahout haben sich besonnen unb sind schon vor Morgengrauen aufgebrochen, um die Elefanten einzufangen, die sie abends, vom Sattel befreit, zur nächtlichen Aesung freigetaffen haben. Obzwar ben Tieren bie Beine zusammengebunben würben, legten sie bennoch eine weite Strecke zurück, unb obwohl schwere Holzschellen ihre Anwesenheit verraten sollten, waren sie schwer einzufangen, ffrft um 10 Uhr morgens sinb bie gesattelten Elefanten unb bie grottenben Mahout zur Weiterreise bereit. «eraniwortlich- Dr. Hans Thhriot. — Druck unb Verlag: Vrühl'sche Universitäts.Vuch» unb Steinbruderei, R. Lange, Gieße».