|U fei», um di, ' Nit n hach "ch wt N $w °ps uni gepch es bloj 'iU'lefbffl Nk GiehenerLamilienblätter ________Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger 'U mtijl hsimlih über g,, äüngfin] »ar dich nun jtz lann «, ib anial Er tni| en. Bti Jenen er, le: ,Hj r wehm er Böch Sieh mot edierenr ji ene Aih , die W | mb säst I J kriech» I Jahrgang 1937 Montag, den b.vezember Nummer 95 Die Insel der fünf Millionen Pinguine Von Lherrg Kearton Deutsche Rechte durch I. Engelhorns Rachf., Stuttgart Nachdruck verboten Einleitung. Für mich als Naturforscher ist die Insel der Pinguine das achte Weltwunder. Sie ist nichts als ein Stück Fels von höchstens sechseinhalb Quadratkilometer Umfang und beherbergt doch in gewissen Jahreszeiten «sicht weniger als fünf Millionen Vögel: Taucher, Kormorane, Auftern- iischer, Möwen, See- oder Meerschwalben, Regenpfeifer und den „heiligen" Ibis. Und dann die Pinguine — millionenweise. Er wag nicht immer einen besonders gescheiten Eindruck machen — obwohl er, vermutlich instinktiv, oft erstaunlich klug und bedacht handelt__ °ber er ist ein braves und treues Geschöpf und im ehelichen Leben ein wahres Musterbild. Monatelang beobachtete ich ihn, und dieses Buch ist das Ergebnis meiner Forschungen. Ich hofse sehr, daß ich darin dem Pinguin einigermaßen gerecht werde, denn wenn ich auch über ihn lache wie jeder- mann, ist er mir doch lieb geworden. Und mehr als einmal, wenn ich meine Pinguine betrachtete und sie, den Kopf schief auf die Seite gelegt auch ihrerseits gedankenvoll nach mir herschauten, fragte ich mich, ob es der Naturforscher sei, der den Pinguin, eine merkwürdige Vogelart studierte, oder ob nicht vielmehr sie die Naturforscher seien, die das merk- wurdigste aller Geschöpfe — den Menschen — studierten. Wenn ich also hoffe, daß dieses Buch der Pinguine würdig ist, muh ich zugleich hoffen, daß auch sie — sofern mein Besuch bei ihnen der ungeschriebenen Natur- ™e „der Insel em Kapitel hinzugefügt haben sollte — trotz allem Lächerlichen, das sie sicher an mir fanden, ebensoviel Liebenswertes an mir entdeckt haben wie ich an ihnen. E r st e s Kapitel. Während der langen Monate, die meine Frau und ich auf der Insel i’ hi* tön« » Pinguine gibt es zwar in vielen Teilen der südlichen Meere. Nirgends aber wimmelt es so von ihnen wie auf dieser Insel, dem Hcmpt- jrutplatz der Schwarzfußpinguine, die wegen des unangenehmen Geschreis, das sie ausstoßen, auch Eselspinguine genannt werden. Sie lammen hier so zahlreich vor, daß man stellenweise zwischen ihren Nist- löchern kaum hindurch kann, und nicht selten finden zwei nistende Paare io wenig Platz, daß ihre Baue ineinander übergehen. Auf den vier kuadratmeilen der Insel bestehen große Nistkolonien, und jede von ihnen zählt grob geschätzt dreiviertel Millionen Pinguine. siipel, die zu Tausenden eine Nachbarinsel bevölkerten. Auch Robben « ich, Riesenkrabben, Walfische, Delphine, Meerschweine, Seepolypen ■Jni> Haifische — wenn ich diese letzteren auch nur aus respektvoller j Meinung betrachtete, weil mir mein Freund „Einbein" und die Ursache ■ likes Gebrechens unauslöschlich im Gedächtnis hafteten. ; Doch obwohl ich bald diesem, bald jenem meine Aufmerksamkeit lenkte, kehrte ich doch stets zu den Pinguinen zurück, weil nichts anderes ®ii) so fesselte. In der Tat weiß ich nicht, ob mir während der vierzig llwre, die ich nun schon naturforschend durch die Welt ziehe, je ein so pressantes und zugleich unterhaltsames Geschöpf begegnet ist. wie der rüguin. Wegen seines komischen Ausdrucks, für den er berühmt ist, pt man über ihn lachen, ob man will oder nicht. Allein die Insel der »Uguine Hot mich gelehrt, daß er nicht nur belacht zu werden verdient. ionlt «*? i)id)te”* lenWLj I I unb rlM [ßunber ff , Unb * chen 8# ] las ja *ä ja i ii war H Oem R iten uM* ihr j«* auch * le * n* • uns J* litte er* | ffiiebe» || ussah, int | )inau| iri 1 mer Pm |l sollie, i»! i Leute nrt | ! hopft' I liefl'"';^ uich'K ebe.T^ )*; ujf' 'S?.*1 «brachten, wohnten wir meist in einem Zelt, das wir auf einem kleinen eien Fleck mitten zwischen Nistlöchern aufgeschlagen hatten. Beständig imen Pinguine zu uns hereinspaziert, entweder aus bloßer Neugierde ober mit diebischen Absichten. Sie zogen ihre Jungen sozusagen an un- sirer Schwelle auf; sie stritten sich, kämpften, mauserten sich und liebten einander unmittelbar unter unseren Augen. Während dieser fünf Monate lernte ich viele Vögel genau unterscheiden und gewann besonderes Inter- efe an einigen, denen ich wegen ihres eigentümlichen Aussehens Namen lob wie „Shylock", „Der Ratsherr" (ein großer Fresser), „Der Richter", i »Der Landstreicher" (ein zerlumpter schäbiger Geselle), „Der Cherub", Tharlie Chaplin" (er hatte die komischste Unschuldsmiene, die man sich dnken kann), „Der Albino" und „Einbein". Ich beobachtete alte und I nge Pinguine, kranke und gesunde, Pinguine in allen Lebenslagen, bei Sonnenschein, Sturm und Regen. Ich schloß Bekanntschaft mit dem bolzen und dem Sanften, dem Quälgeist, dem Unfugstifter, dem gemütlichen alten Herrn, dem verachteten Schwächling, dem Paria. Ich sah Hochzeiten, Kämpfe, sah den tragischen Einsturz eines Hauses, lustige 5:ranb[pie[e — alles Vorgänge, wie sie die Spalten unserer Zeitungen lullen würden, wenn sie sich in London oder Neuyork zutrügen statt iti. den Pinguinen — und ebenso die zahlreichen, persönlicheren Erleb- । ibie, die jedes Menschenleben kennt, die aber den Journalisten berufs- Aißig nichts angehen. Ich lernte sowohl die Gefahren, Mühen und Bergen des Pinguinlebens als seine Freuden aus dem Vollen kennen. Reben dieser Hauptbeschäftigung mit dem Charakter und der Lebens- .henen '■ Me der Pinguine beobachtete ich die Kormorane und Meerschwalben . h,n gr* Wb die sonstige Vogelwelt der Insel und besonders auch die weißen ifc, 3* i Man stelle sich vor, was das für den Naturforscher bedeutet! Die Tisch m । wissenschaftlichen Mitglieder der Scottschen Slldpolarexpedition beob- ® * achteten eine Kolonie von „einigen Dutzend" und schon unter diesen mich P, finden sie mehrere verschiedene Typen und konnten viele verschiedene lach allis. I zarakteristische Merkmale feststellen. Auf meiner Insel aber lebe ich als ijen »W | enjiger Fremder unter fünf Millionen Eingeborenen buchstäblich im Deich der Pinguine. Ich lernte jede individuelle Abart kennen, wurde tobte i® I Hit allen kleinen Vorkommnissen des Pinguinlebens vertraut. etobt IM 1 ........ — ■ 1 ■ ~ ■ ■ - ' ' ~ ' Ein moderner Gulliver. — Empfang durch die Pinguine. — Die erst« Nacht. — Erforschung der Insel. — Die Vorhut der 5 Millionen Pinguin«. Ich kann meine Ankunft auf der Insel der Pinguine nur mit der Gullivers in Liliput vergleichen. 2lls Gulliver Schiffbruch gelitten hatte, suchte er sich durch Schwim- men zu retten und „kämpfte sich durch Wind und Wogen hindurch" bis er schließlich auf einer unbekannten Insel landete. Todmüde warf er sich am Strande nieder und schlief ein. Als er endlich erwachte, sah er sich einer Unmenge kleiner Wesen gegenüber, die Menschengestalt hatten, aber nur sechs Zoll hoch waren. Er blieb bei ihnen und lernte allmählich ihre merkwürdigen Sitten, Gebräuche und sozialen Einrichtungen kennen die sämtlich zum Vergleich mit denen seines eigenen Volkes heraus- forberten. Auch ich landete auf einer Insel, die ich von unzähligen kleinen Wesen mit eigenen Sitten und Gebräuchen und eigenen sozialen Einrichtungen bevölkert fand. Unb währenb der Monate, die ich in ihrer Gesellschaft verbrachte, mußte ich sie wieder und wieder mit den Menschen der Welt, aus der ich tarn — der Welt des zivilisierten Menschen — vergleichen,' und zuweilen ging es mir wie Gulliver, wenn er die Liliputaner mit feinen Zeitgenoffen verglich: das Urteil fiel entschieden zugunsten der Insulaner aus. Ich wollte, ich könnte die Erzählung all des Seltsamen, das ich erlebte, gleichfalls mit einem Schiffbruch beginnen, wie er Gulliver als Einleitung so gut zustatten tarn. Wenn man an Inseln denkt, stellt man sich ja sogleich auch gestrandete Fahrzeuge vor, und es würde meiner Geschichte einen romantischen Beigeschmack verleihen, könnte ich gleich eingangs beschreiben, wie ich mich halbtot vor Erschöpfung an einen Balken klammere und schließlich an eine einsame Küste gespült werde. Aber wenn ich das auch nicht tun kann, bleibt mir doch wenigstens die Genugtuung, unter ganz dramatischen Umständen auf der Insel gelandet zu sein, unter Begleitung eines Sturmes, der uns fortwährend schwere Sturzseen über Bord warf und unsere Decks unter Wasser setzte. Kurz nachdem wir Kapstadt verlassen hatten, gerieten wir hinein und wurden ihn die ganze Zeit, die wir nach Nordwesten steuerten, nicht mehr los. Doch da ich einigermaßen seefest bin, interessierte mich weniger der Sturm an sich als das, was es dabei zu sehen gab: die Hunderte von kreisenden, schwebenden und schreienden Möwen, die dem Schiffe folgten; der plötzliche Anblick von fteuerborbfeits schwimmenden Robben, die verschwanden und wieder auftauchten; die weißen Tölpel, die aus der Höhe nach Fischen stießen und große Gischtwolken durch ihren Aufprall hochwirbelten; das Vorüberhuschen eines dunkeln Streifens unter Wasser mit einem Aufblitzen von Weiß unb Schwarz, an dem ich den ersten schwimmenden Pinguin erkannte, der uns begegnete; unb etwas später ber Anblick von Gruppen von fünf oder sechs Pinguinen, die plötzlich zum Atemholen emportauchten. Das alles war mehrere Mellen vor unserem Ziel — lange ehe wir durch unsere Gläser eine Nabelspitze entdeckten, die, wie der Schiffsführer uns versicherte, ber Leuchtturm der Pinguininsel war. Wahrscheinlich sind die Wärter jenes Leuchtturms keine begeisterten Naturforscher und finden darum die Gesellschaft von Vögeln nicht so befriedigend wie ich. Ihr Leben auf der weltverlorenen Insel, wo das Radio das einzige ist, was ihnen so etwas wie menschliche Gesellschaft vortäuschen kann, muß sehr einsam sein; allein über die ganze Welt verstreut findet man ja Menschen, die «in einsames Leben lieben — ,.„u a_ jräujd) an, das uns allen Schlummer raubte. Mit Erinnerungen an Katzen auf heimischen Dächern im Sinn stand ich aus, um zu sehen, was dagegen zu tun wäre. Ich gewahrte im Dunkel der Nacht ein« Anzahl schneeweißer Gestalten, zum Teil nicht mehr als zehn Meter vom Zelt entfernt, deren jede dieses Geräusch hervorbrachte, das wie ungleichmäßiges Holzsägen klang Aus meiner jammervollen Müdigkeit heraus rief ich laut: „Ruhig, ihr da!" Das hatte aber nur den einen Erfolg, daß ein Dutzend oder mehr Pinguine näherrückten, wie um zu fragen, was ich wünschte, und dann mit ausgebreiteten Flossen stehen blieben, um ihre Musik von neuem aufzunehmen. , ..... Ich fühlte mich nicht weit von Gewalttätigkeit entfernt: doch das hatte ausreichen würde. * Sobald das Wetter sich aufklärte, ging ich $um Strand hinab kletterte an den Felsen entlang und betrachtete den Schauplatz. Wie es icbien war ich gerade recht zum Morgenbad gekommen. Hunderte von Vögeln plantschten im seichten Wasser, ließen sich von benWellen auf und niederschnellen, liefen herum und plauderten im Sand« gang offenbar miteinander. , , ,, . ...... - Eine Zeitlang beobachtete ich di« belebte Szene, und plötzlich tarn mir etwas daran höchst sonderbar vor. Immerzu kamen Pinguine aus dem Meer, mischten sich zunächst unter die auf dem Strande bestnd- lichen und wanderten dann landeinwärts. Bestimmt aber waren wahrend der guten Stunde, seit ich zusah, nicht annähernd so viele ins Wasser gegangen, wie jetzt daraus hervorkamen! Es war genau wie das Taschenspielerkunststück, bei welchem ein Taschentuch in einen Hut gelegt wird, und heraus kommen dann Meterlängen von zusammenge- knupsten Taschentüchern. Ununterbrochen kamen die Pinguine letzt aus. öer See geströmt, und obwohl beständig Vögel zu den Nistplatzen watschelten, wurde die Menge auf dem Strand immer dichter. Ich begriff es einfach nicht. , , .. . Und dann blickte ich zufällig auf das Meer hinaus. Da sech 'ch wie innerhalb der Bucht Köpf« von Pinguinen kurz aus dem Wasser empor- tauchten und dann wieder verfchwanden, genau wie Schwimmer, ine einen Moment zum Luftschnappen aussetzen — und nun wuß e ich, was vorginq. Die Vögel, die ich während der letzten zwei Tage auf der 3n|ei gesehen hatte waren die wenigen, die am Ende des letzten Jahres wegen Krankheit oder Mauser oder aus irgendeinem anderen Grund zuruw geblieben waren. Jetzt erst kam die wirkliche Jnselbewohnerschaft durch die Bucht dahergeschmommen, stieß Kopf um Kopf aus dem Woher aus und tauchte bann wieder zum Endspurt dem Land entgegen. D>« Dor hüt der fünf Millionen Pinguine, von denen ich gelesen und an oeren Vorhandensein ich vielleicht doch nicht so ganz geglaubt hatte, landete unbestreitbar vor meinen Augen auf der Insel. So hob mein Besuch auf der Insel der Pinguin« an Wie ichschon sagte blieb ich viele Monate lang dort und erlebte viele seltsame Dinge. Doch'liegt es nicht in meiner Absicht, nun die Erzählung meiner eigenen Abenteuer fortzusetzen — aus drei Gründen. Der erste ist, daß ichf zum Lernen hinkam und ein Bericht über das Gelernte sicherlich viel wisiens- roerter ist als ein Bericht über di« Art, wie uf) meine Erfahrungen sammelte. Der zweite Grund ist daß fede der zahlreichen Fragen die sich in mir erhoben, als ich die Insel durchwanderte, ihre Anttvort ge fnnden hat, und wenn ich di« genaue Geschichte vom tagWn twn der Pinguine niederschreibe, bleibt mir kein Raum ur anderes. Drittens und letztens aber sind die Pinguine unendlich viel unterhaltender, a ,d) Solche ich als der^Schausteller mich in die Kulissen zurück und die vielen kleinen Mitwirkenden, alle in chrem besten Frack, treten nun vor und machen ihre Verbeugung (Fortsetzung folgt? nickis gefruchtet. Da ich beabsichtigte, monatelang auf der Insel zu bleiben war es natürlich ganz ausgeschlossen, Nacht um Nacht einen Guerillakrieg gegen die Pinguine zu führen, deren Beobachtung doch der Zweck des ganzen Aufenthalts war. Zudem war ich überzeugt, daß ich bei ihrer Ueberzahl doch eine Schlapp« davontragen wurde. Es blieb mir «Iso nichts weiter übrig, als mich wieder hinzulegen und mich, so gut ick tonnt» mit den Verhältnissen abzufinden. Mit der Zeit, so sagte ich mir tonn' man sich wohl selbst an das Rattern der Straßenbahn ge- wöhnen die am Schlafzimmer vorbeifährt — vielleicht wurde ich mich vor meiner Abreise auch an das mitternächtliche Schreien der Pinguine gewöhnen Jo, vielleicht würde ich es zum Schluß sogar gern Horen und ahn« dieses Wiegenlied gar nicht mehr «inschlafen tonnen. Fahl und trostlos dämmerte der Morgen. Es ging ein IHhrfer Wind, der den Sand aufwirbelte, und diefes Wetter dauerte d.« nächsten zwei Tage an, die ich mit der Erforschung der Insel verbrachte. Es war sehr unangenehm. Sand flog mir in Augen und Ohren, Sand kitzelte nnch n der Nase. Mit einem Sandsturm in der Sahara war es freilich nicht zu vergleichen, immerhin aber war es schlimm genug, weil gerade der Umstand, daß es nicht noch schlimmer war, einen immer'm über ms Srei« hinauslotfte — und bann war man im Handumdrehen rote mit Blind beit geschlagen. Selbst den Pinguinen mertte man an, roie ungemütlich ihnen zumute roar, denn sie drängten sich, dem Wind den Rucken keh- renb, in Gruppen dicht aneinander. . , v . ,, . Damals waren wohl so gegen v'erzigtausend PinMine auf der Insel: jedenfalls schien es nur, wahrend ich teils über Fels, teils über Sandboden hierhin und dorchin wanderte, eine ganz Utzerhorte Menge. f>ätte ich freilich gewußt, was ich jetzt weih, dann wurde ich gesagt haben, es sei „recht leer". Die ganze Insel mar roie getüpfelt mit Pinguinen, die sich meist in und vor den Nestern aufhielten. Manch« brüteten, manche schliefen, andere sahen genau aus wi« Freunde di« auf der Straße schwatzend beieinander stehen: etliche sch,enen sinten, einzelne entfernten sich und spazierten auf eigene F°ust umher. Viele waren gerade in der Mauser begriffen; diese machten einen jammervollen Eindruck mit ihrem aufgeplusterten Körper ^ ruppigen Ge- fieber und schienen nichts zu tun, als still dazusitzen, in die Betrachtung ihres Elends und der Nichtigkeit des ganzen Daseins ?erfunken Ick fraate mich welches wohl wirklich das Dasein der zahllosen Be wohiier der Insel sei, roie sie sich paarten ihr Nest hernchteten Ewk legten, die Brut aufzogen, wie st« sich ernährten, ob sie sich bei bet: (E g der Nachbarschaft immer miteinander vertrugen, ob «s Verbrechen auf der Insel gebe und wenn, wie es gesühnt wurde. Jch fragte mich, ob ine Pinguin« ttotz ihrer komischen Gesichter wohl ernste Geschöpf«seren oder ob ihnen bas Leben rechten Spaß mache, wenigstens solange ihnen^ nichts fehlte. Tausend Fragen stellten sich ein, und es woMemir scheinenatt ob die Spanne Zeit, di« vor mir lag, zu ihrer Beantwortung kaum das siegt ihnen im Blut, rote es diesem Leuchtturmwärter und seinen 1 Gehilfen im Blute liegen muß. „„ Allmählich kamen mir in dem Sturm voran, di« Nadelspitze wurde zu einer dünnen Linie, und endlich tauchte der niebrrge gelsroaU ber anfei selbst vor uns auf. Sie machte, als wir naher kamen, den Eindruck eines oben reizlosen Flecks, von gefährlichen Riffen umzogen und mit Schaumkämmen gegürtet. Wir hielten nun auf eine kleine Bucht ■>u tzen einzig möglichen Anlegeplatz — und der Kapitan roar scharf I auf bem VS, um nicht auf ein flutüberspültes Riff zu stoßen, m welchem Falle meine Ankunft allerdings der Ueberheferung besser entsprochen haben würbe. Wir gingen indes ohne Zwischenfall vor Anker, und ein paar Minuten danach bestieg ich mit meiner Frau em kleines Boot, das uns an Land bringen sollte. . . . Diesen Augenblick zu beschreiben, ist nicht leicht. Vor uns lag eine ruhige Wasserfläche, die sich einem bis gegen zwölf Meter steigenden Sandstrand entgegenträufelte. Auf diesem Strand erblickten wir etwa tau enb Pinguine. Es roar wirklich ein wunderbarer Anblick. Zwar waren wir natürlich nicht ganz unvorbereitet darauf, aber dennoch rangen wir buchstäblich nach Lust, als mir diesen Strand nnt seiner dichtgedrängten Vogelmenge vor uns sahen, mit Dogeln, die standen, liefen und im Sande lagen. Es war ein großer Augenblick in unserem Leben. Diese komisch aussehenden schwarzroeihen Geschöpfe sollteni nun auf Monate hinaus unsere unmittelbaren Nachbarn werden. Welchen Empfang würden sie uns wohl bereiten? , , . I Peim Näherkommen schien es uns, als erwarteten sie uns, begierig, uns zu bewillkommnen und ausfindig zu machen, wer die seltsamen Besucher wären. Das roar aber ein vollkommener Irrtum, denn ihr Verhalten bewies, daß wir ihnen eine bestenfalls mäßige Neugierde ablockten, die nicht genügte, ihr« Alltagsgeroohnheiten zu unterbrechen. In der Tat beobachteten sie uns nicht einmal, sie standen einfach beschaulich umher, gleich einem Heer von Philosophen, die ms Nichts bl‘VeDor wir jedoch an Land gingen, tarnen wir an mehreren Gruppen vorbei die in tiefem Wasser badeten, und diese hielten.allerdings mne, um uns anzustarren. Furcht zeigten sie gar nicht nur mteresiierteV«r- rounberunq; und sobald wir vorüber waren, wurde ihre Ausmerksamkeit wieder voll und ungeteilt von den Freuden des Wassers m Anspruch genommen — ganz genau wie bei einer menschlichen Badegesellschaft, bie einen Augenblick im Schwimmen einhält, um gelassen einem vor- übersahrenden Boot nachzuschauen. Und wirklich erinnerte uns die ganze Szene an einen englischen Badeort an den sie uns auch später immer wieder erinnerte. Wir begegneten zuerst den Schwimmern, die sich ihrem Sport zu eifrig Angaben, um auf etwas anderes zu achten; dann tarnen wir am Samilienbab vorbei, wo Väter, Mütter und Kinder im Wasser auf und nieder tanzten; und als wir landeten, sahen wir ganz nahe am Rande die PI an s eher (das dort ist doch sicher ein alter Herr, der seine Hosen bis zum Km« aufgekrempelt hat?) und fchließlich in ziemlich seichtem Wasser die schwatzenden Mütter. m . —. Noch immer zollte uns niemand ausgesprochene Beachtung. Erne Gruppe drehte sich um, und betrachtete uns, die Köpfe schief aus Sen Schultern, roie um zu sagen: „Schau, schau, da sind ,a neue Gaste angekommen!" Eine Mutter roackelle davon, um sich zu vergewissern, datz ihre Kinder nichts von den ungeschlachten Ankömmlingen zu befurchten hätten, während andere sich in ihrem Gespräch oder ihrem Schlummer nicht stören ließen. Ein Pinguin, der sich genau benahm roie der Oberkellner eines Cafes, stellte sich vor uns hin, sah uns über die Schulter roeg an und trottete dann voran, als wolle er uns zu einem Tisch führen, an dem wir unfern Aperitif einnehmen könnten. Ein anderer kam voll Neugier direkt auf uns zu und pickte an meinem photographischen Stativ herum. , ..., ‘ .. r . Ein aufsallender Unterschied bestand freilich zwischen diesem und dem englischen Badestrand, mit dem wir ihn verglichen: es fehlte die Farbe. Es fehlten die bunten Kleider, die den Anblick unferer Seebäder so fröhlich machen, die Badeanzüge, Bademäntel und Strandkoftüme, die Zelte, die rotberockte Strandkapelle oben auf der Promenade. Das Ganze war eine Schroarzweihftudie. Außer meiner Frau und nnr waren alle Anroefenden korrekt im schwarzen Rock, weißer Weste, kurzen .weihen Hosen, weihen Socken und schwarzen Sttefeln — alle, das heiht mit Ausnahme der jüngeren Kinder, die unterschiedslos grau gekleidet waren. Doch die Szene war darum nicht weniger eindrucksvoll. Die Sonne schien, und das glänzende Schwarz und Weiß zeichnet« sich scharf gegen den Sand ab. Wir waren zu müde, um an jenem Abend viel zu beginnen, außer daß wir uns auf dem höhergelegenen Teil eine Stelle ausjuchten, wo wir unfer Zelt auffchlugen und uns davorsetzten, um einem herrlichen Sonnenuntergang zuzusehen und später dem Aufst.eigen des Mondes. Dann legten wir uns zu Bett und glaubten, durch teinerlei Sachkenntnis getrübt, wir würden schlafen. Aber ach! ... . . . _. Man stelle sich vor, man befände sich mitten in einem Feld, wo hundert Esel angebunden sind. Und dann stelle man sich weiter vor, alle diese Esel iahten zu gleicher Zeit ... „ So hörte sich das mißtönige Geräusck Legende vom Christkind. Volksweise. Als Gott der Herr geboren war. Da war es kalt. Was sieht Maria am Wege stehn? Ein' Feigenbaum. Maria, laß du die Feigen noch stehn, Wir haben noch dreißig Meilen zu gehn. Es wird uns spät. Und als Maria ins Städtlein kam Dor eine Tür, Da sprach sie zu dem Bäuerlein: Behalt uns hier, Wohl um das kleine Kindelein, Es macht dich wahrlich sonst gereun. Die Nacht ist kalt. Der Bauer sprach von Herzen: Ja, Geht in-den Stall! Als nun die halbe Mitternacht kam, Stand auf der Mann; Wo seid ihr dann, ihr armen Leut? Daß ihr noch nicht erfroren seid. Das wundert mich. Der Bauer ging da wieder ins Hau«, Wohl aus der Scheuer. Steh auf, mein Weib, mein liebes Weib, Und mach ein Feuer, Und mach ein gutes Feuerlein, Daß diese armen Leutelein Erwärmen sich. Und als Maria ins Haus hin kam, Da war sie froh. Joseph, der war ein frommer Mann, Sein Säcklein holt; Er nimmt heraus ein Kesielein, Das Kind tät ein bißchen Schnee hinein, Und das fei Mehl. Es tat ein wenig Eis hinein. Und das fei Zucker, Es tat ein wenig Wasser drein. Und das sei Milch; Sie hingen den Kessel übern Herd An einen Haken, ohne Beschwerd Das Müslein kocht. Ein.' Löffel schnitzt der fromme Mann Von einem Span, Der ward von lauter Helfenbein Und Diamant, Maria gab dem Kind den Brei, Da sah man, daß es Jesus sei Unter seinen Augen. Alaska-Ballade. Don Franz Erdmann. In der Goldgräberstadt Nome, an der eisigen Küste der Beringsee, war in einem Winter die Diphtherie ausgebrochen, eine der gefurchtetsten Krankheiten im Norden. Unaufhaltsam lief die Epidemie durch alle Gassen, griff hier und da einem Weißen an die Kehle und stürzte sich mit unheimlicher Wut auf die Eskimos und Indianer. Die Aerzte taten, was Menschenkraft vermag, als aber der geringe Vorrat an Serum nahezu verbraucht war, wurde eine dringende Bitte an die Regierung um den kostbaren Stoff durch den Draht geschickt Einige Tage darauf kamen dreihunderttausend Ampullen des Serums, in dicke Hasenfelle verpackt, in Nenana, der Endstation der Bahnilnie, an. Aber Nome lag noch weit im Norden, tausend Kilometer weit; dazwischen wilde Gebirge, menschenleere Ebenen über die der Schneesturm heult, Flüsse, die zu übereinander getürmten Eisschollen geworden sind, Strecken längs der Küste, wo gigantische Kräfte den Weg mit einem furchtbaren Durcheinander von Packeis verschüttet haben. Wie a s mitten im Winter ungefährdet mit dem Serum nach Nome kommen? Man dachte zuerst an ein Flugzeug. Doch es fand sich kein Pilot, der so wahnwitzig gewesen wäre, den Flug durch die Schrecken des no dischen Winters zu wagen. Blieb nur ein einziges Mittel, das uralte Verkehrsmittel — der Hundeschlitten. Alle Stationen an der Telegraph - linie von Nenana bis Nome wurden daher angewiesen, dre besten Hundegespanne und Treiber bereitzuhalten , Als erster fuhr der Schwede Gunnar Kasson, em verwegener Kerl. Halbblind vom treibenden Schnee, jagte er sein Meter durch einen furchtbaren Sturm und lieferte das serum glücklich Der^anadi^ChaAi^Clyff war der nächst«- ^'V?°^"dem^einen einst auf der Jagd ein Auge ausgerissen. Aber er sah mdbewi emen Auge so gut wie manch einer mit zweien nicht. Er wartete schon m * feinem Gespann vor der Station. Kaum war !das> Polli t pullen sicher auf seinem Schlitten untergebracht, so war er auch schon unterweas Das scharfe Auge des unerschrockenen Mannes wurde von einer Flut'von Eiskristallen und Schneeflocken überschüttet dafes^völlig verklebt wurde. Er sah nichts mehr, doch sein braver Le thu ch ihn sicher nach Tanana, wo niemand zu hoffen wagte, daßchm die Fah gelingen würde. Clyff hat nie erzählt, wie es chm ergangen ist. Der dritte war Leonhard Sepalla, der eine der schlimmsten Etappen des ganzen Weges über den gefürchteten Tananafluß zurücklegte, obgleich chm schließlich dabei das Gesicht erfror und er mehr tot als lebendig in Kallands ankam. Noch schlimmer erging es dem Eskimo Pete Olfen, dem die Fahrt über den Norton-Sund zufiel. Man riet chm, die Nacht abzuwarten, da gerade ein wütender Orkan tobte, und dann die bei weitem längere Route um die Bucht zu nehmen. Jede Stunde Verzögerung aber konnte ein Leben in Nome bedeuten. Darum vertraute Pete auf sein Hundegespann und stob in die Nacht hinaus. Die Dünung hatte das Eis aufgebrochen, und Pete mußte große Strecken über das wogende, krachende Eis fahren. Doch Pete gelang das Uebermenfchliche, er kam über die Bucht. So wurde die kostbare Ladung von Mann zu Mann weitergereicht, und jeder von ihnen war ein Held an selbstloser Hingabe und Opfermut, wie ihn kein Epos heldenhafter schildern kann. Inzwischen aber waren durch die Schneestürme die Telegraphendrähte nach Nome zerstört worden, und die Einwohner erduldeten schreckliche Nächte in verweifelter Ungewißheit, ob das Serum sie erreichen würde. Schon war der größte Tell der Strecke zurückgelegt, bis die Reihe an den letzten der Hundeschlittenführer, William Shannon in Gelosnin, kam. Aber William, ein erfahrener Treiber, hatte einige Tage zuvor bei einem unglücklichen Sturze den Knöchel des rechten Fußes gebrochen. Wer sollte an seiner Stelle die gefahrvolle Fahrt wagen? Der Orkan tobte mit unverminderter Wut, und eine Fahrt durch die sturmge- peitschte Nacht bedeutete für den Unerfahrenen sicheren Tod. Alles stand auf dem Spiel. Nach langem, fruchtlosem Hin und Her atmete man erleichtert auf, als William Shannon selber einen jungen Deutschen, den Fallensteller Fred Faber, vorschlug, den irgend ein dunkles Geschick nach Gelosnin verschlagen hatte. Wenn einer, so meinte Shannon, so sei es dieser, denn er sei zäh wie ein Wolf und stark wie ein Bär. Eiligst wurde Fred herbeigeholt, und der Gemeindevorsteher fragte ihn, ob er das Gespann gegen hohe Belohnung treiben wolle. Da nahm Fred bedächtig die rußige Pfeife aus dem Munde und sagte laut: „9cf) fahr und ich kann es, aber bezahlen lasse ich mir die Fahrt nicht." Fred kannte Williams Gespann und dessen Leithund Balte. Oftmals hatte er William ein Stück Weges begleitet, wenn dieser mit feinem Schlitten an den Jagdstellen vorüberkam, wo Fred auf Beute lauerte. Allmählich waren ihm alle die Pfiffe und Zurufe, womit William feilte Hunde regierte, vertraut, und er durste sich rühmen, schon nach einigen Versuchen mit der Lenkleine die Herrschaft über den Leich und und das Gespann gewonnen zu haben. Darum fetzte er nun fein ganzes Vertrauen auf die Hunde. - Der Schneesturm heulte bei Dunkelwerden um die Häuser von Gelosnin. Dennoch waren die Bewohner am Dorfausgang versammelt, um Fred Faber abfahren zu sehen. Da kam er, fast unkenntlich in dem dicken Pelz, lachte allen noch einmal zu, winkte mit der Hand. Gleich darauf war er im Schneetreiben verschwunden. Wütend fiel ihn auf der ungeschützten Ebene der Sturm an und warf sich mit furchtbarer Gewalt gegen seine Brust, daß ihm der Atem ausging. Die Hunde keuchten, und ihre Flanken begannen zu zittern. Nur langsam kam Fred vorwärts. Alle Augenblicke muhte er vom Schlitten springen und nebenher durch den meterhohen Schnee stapfen, daß ihm trotz des Orkans der Schweiß von der Stirn rann. Aber der Leithund Balte tat feine Pflicht. Kilometer auf Kilometer ging es vorwärts, bis Fred zu einer Höhe kam, uon wo er die mit Packeis bedeckte Bucht überschauen konnte, an deren jenseitigem User Nome lag. Noch lag die gefahrvolle Uebersahrt vor ihm Wehe ihm, wenn die Hunde dort auf dem Eis in eine der tückischen Wasserlachen gerieten, die von Zeit zu Zeit über das geborstene Eis quellen. Von Neuschnee überdeckt, sind sie gefährlicher denn Schlingen und Fußangeln. Pfoten und Weichen der Hunde gefrieren sofort, und jeber Hundeschlittenführer ist verloren, wenn er es nicht sogleich bemerkt. Von solchen Gedanken beunruhigt, fuhr Fred den ziemlich steil ab- fallenden Hang zur Bucht hinab. Todesschweigen war um ihn her. Kem Baum, kein Strauch. Heulend kam der Sturm über das Eis und überschüttete ihn mit scharfkantigen Eisstücken. Die Hunde winselten und sahen ihn kläglich mit blutunterlaufenen Augen an. Sie waren völlig er chöpft. Er muhte ihnen Ruhe gönnen. Ihm selber zitterten die Knie. Er konnte sich kaum noch aufrecht halten. Auf allen Vieren kroch er zu Balte dem Getreuen, der traurig den Kopf hängen ließ. Mit Tranen in den Augen umarmte er ihn, küßte ihn auf die struppige Stirn und raunte ihm flehend ins Ohr: „5>alt aus, Balte, du Guter, halt aus! Dann zog er einen Sack vom Schlitten und entnahm ihm einge Hastn- felle die er zur Sicherheit mitgenommen hatte. Er umwickelte damit die 'Beine der Hunde, um sie gegen die todbringende Feuchtigkeit zu Eine Weil« lagen sie so ermattet im hohen Schnee. Allmählich aber fühlte Fred, das ihm die schreckliche Kälte durch den Pelz und die Kleidung drang. Er konnte sich nicht mehr aufrichten. Die Beine waren ihm wie gelähmt. Mit letzter Kraftanstrengung zog er sich auf den Schütten, griff noch der Senfleine und stieß keuchend hervor: „Vorwärts, Balte! Der Hund heulte auf und tat einen Schritt. Jaulend sprangen die anderen Hunde auf und zogen an. Hinunter glitt der Schlitten von dem hoben Ufer auf das Eis der Bucht. Dort drüben lag Nome Dort drüben harrten sie feiner verzweifelt. Doch die Kräfte schwanden ihm mehr und mehr Zusammengekrümmt lag er auf dem Schlitten, der auf dem glatten Eise schneller dahinglitt. Erleichtert griffen die Hunde aus. Nun galt es, dem Ziele zu, das chn alle Not und Qual vergehen lief), er mutzte Im Morgengrauen sahen die Wachtposten, die am anderen Ufer der Bucht harrten, im heulenden Schneesturm eine zusammengesunkene Gestalt aus einem Schlitten auftauchen, der von einem Rudel dampfender Hunde gezogen wurde. Sie stürzten chm entgegen hoben den leblosen Körper des (Erfrorenen vom Schlitten und trugen ihn in das Blockhaus. In knapp einer Stunde wußte es ganz Nome, ^^emm arbeitete. Schon liefen Gerüchte von Wundern der Heilung um. Dom tfieber Ver zehrte, die von den Aerzten aufgegeben waren, schlugen erkennend die Augen auf. Betende Frauen sanken einander weinend in die Arme. Acht Tage später hatte sich die düstere Wolke der Epidemie über die Stadt gehoben und war ins Grenzelose zerslattert. Heute ist an der Stelle, wo die Wachtposten einst den Schlitten mit dem Toten fanden, em steinernes Denkmal zu sehen, auf dessen Sockel ein Schlitten mit Zugtieren steht, darauf die im Schmerz zusammenge- krllmmte Gestalt eines Mannes, der krampfhaft mit beiden Händen die Lenkleine umschlossen hält. In die vordere Wand des Steinsockels sind die Worte aus dem Evangelium eingehauen: Der aber hat die größere Liebe. Der sein Leben gibt für seine Brüder. Und darunter: Dem Retter aus Todesnot. Die dankbare StM Nome. Gt. Nikolaus. Von Martin Weise. St. Nikolaus, St. Nikolaus, Der wandert jetzt von Haus zu Haus; Schaut durch die Fenster in die Stuben, Ob all' die Mädels und die Buben Auch immer artig und fleißig sind, Sich freuen auf das himmlische Kind. St. Nikolaus hat viel zu tun, Er darf nicht rasten, kann nicht ruhn. Das Fest der Weihnacht ist bald da Mit Glitzerglanz und Gloria. Viel Wünsche steckt er in den Sack Und trägt sie alle huckepack. Ihr Kinder, lernt euer Sprüchlein sein. Kommt St. Nikolaus zu euch herein. Wird er nur den mit Lob bedenken, Aus seinem Sacke Nüsse schenken, Der brav sein Verslein sagen kann, Und da steht wie ein rechter Mann. Die andern aber holt, o Graus, Er aus der warmen Stube heraus. Da hilft kein Weinen und kein Klagen, Er faßt sie alle hart beim Kragen Und läßt, weil sie nicht beten und singen, Auf ihrem Rücken die Rute springen. Nürnberger Märchen. Von Hans Friedrich Blunck. Zu einer Zeit, als unser Land sehr arm war, als der Feind große Teile losgerissen harte und seine Heere auf unfern Feldern lagerten, da machte sich auch der Verlocker die Trostlosigkeit der Menschen zunutze. Er kaufte sich mit falschem Geld viele Kleinode und Schmuckstücke und war besonders darauf bedacht, heimlich die Wünschelruten und Allertürschlüssel im Land in seine Hand zu bekommen. ')iun war da in der Stadt Nürnberg irgendwo ein altes Gebäude, in dem lag, das wußte er, unter allerlei Gerümpel eine solche Zauberrute verborgen. Eine Greisin hatte sie besessen, ohne zu ahnen, was für einen Schatz sie im Hause hatte. Jetzt war die Arme in ihrer Kammer Hungers gestorben Aber der Locker wußte Bescheid und machte sich auf, das Zauberreis zu gewinnen. Das war gar nicht so leicht; der Uralte, dem die Rute einstmals gehört hatte, ging in der Stadt um und wachte über seinen Schatz; nicht Mann, nicht Frau, nur ein unschuldiges Kindlein vermochte die Rute aufzuheben, jedem andern war der Tote über. Und es mußte zum Christmarkt fein, sonst sand das Kind sie nicht. Der Verlocker fuhr also nach Nürnberg, stieg in einem großen Gasthof ab und besah sich die Stadt, die wie alle anderen arg zu leiden hatte. Viele arme Leute gingen aus den Straßen auf und ab, versuchten, kleine Dinge, die ihnen lange lieb gewesen, zu verkaufen, oder boten Reiser und Besen oder Hampelmänner aus, nur um einige Pfennige zu bekommen. Und dem Verlocker gefiel es, denn der Hunger ist ein großer Sünder und treibt die Menschen ihm zu. Nun hatte der gute Knecht Ruprecht wie in jedem Jahr mit dem ersten Schnee allen Nürnberger Kindern eine echte Rute gebracht, um sie zu warnen — das geschieht ja auch in andern Städten. Wenn die Beschenkten aber bis zum Weihnachtsabend fleißig und gut waren, durften sie zu Nürnberg alle Ruten auf dem Christmarkt verbrennen, gerade bevor die Lichterbäume angesteckt wurden. Der Verlocker wußte aber von der alten Sitte der Kinder und baute darauf feinen Plan, die Rute aus dem alten Haus zu gewinnen. Als der Weihnachtsabend gekommen war und die Kleinen schon auf die Stunde warteten, wo sie aus Besen und Ruten ihr Feuer anzünden durften, kam er wie ein uraltes Männchen zu den Knaben und Mädchen, brachte braune Kuchen vom Markt und fragte, ob er ihnen sonst eine Freude bereiten könne. Aber die Kinder waren scheu vor dem Fremden. Endlich faßte sich ein kleiner Junge ein Herz. Er sollte sich einmal einen Buckel machen, krähte er. Was geschah? Der Alte hatte, bautz, einen großen Höcker auf dem Rücken und eine fingerlange Nase dazu. Das hatten die Kinder ja nicht erwartet. Jetzt solle er seinen Hals so lang machen wie einen Laternenpfahl, wünschte jemand. Nicht zu glauben, da hatte der Alte einen Hals, drei Ellen lang. Was immer die Schelme noch von dem Fremden verlangten, geschah; der Locker tat wie ein Hanswurst; er zog sich lang, er zog sich kurz, und die Kinder folgten ihm lachend und jauchzend. Ein armer Besenbinder wurde das Treiben gewahr. Und weil Knecht, Ruprecht sein Kind ganz und gar vergessen hatte, meinte er, es bekäme vielleicht bei solchem Umzug einen braunen Kuchen ab, und riet ihm, sich dazu zu drängen. „ Als der Locker in seiner Verkleidung nun das ärmste der Kleinen ohne Reiser und Besen sah, da hatte er ja einen Grund, es auszuschicken. Gerade als er mit der Kinderschar an dem dunklen Haus ohne Licht vorbeikam, hielt er an, tat, als wenn es nun genug und Zeit sei, zum Markt zurückzugehen. Das kleine Mädchen aber behielt er zurück, war freundlich und fragte so recht mitleidig, warum es denn nicht Reis noch Rute bei sich habe. Ach, antwortete das Ding, sein Vater müsse immer alles verkaufen, und Knecht Ruprecht habe seiner vergessen. Nun, dem wolle er abhelfen, tröstete der sonderbare Fremde und zeigte dem Kind einen Schlüssel. Und dann gab er ihm ein brennendes Lichtlem in die Hand und sagte, es solle nur getrost die alte Tür aufschließen, gleich auf der Diele läge alles, was Knecht Ruprecht vergessen hätte. Da würd's auch seine Rut« finden. Das Kind war erst ängstlich, dann tat es, wie ihm geheißen ward, und der Böse blieb auf' der Straße und horchte und wartete in seiner Gier. Im Haus war es aber sehr düster, das Licht warf nur einen schwachen Schein. Das kleine Mädchen hatte Mühe, die Stufen zu gewinnen, ihm war, als flüsterte und wisperte es und riet ihm von allen Wänden. Weil es indes durchaus sein Ruprechtrütlein haben wollte, um es auf dem Markt ins Feuer zu werfen, und weil die andern Kinder nicht wißen sollten, daß der gute Knecht es so ganz und gar vergessen hatte, nahm das Mädchen allen Mut zusammen. Und es suchte den Haufen mit Gerümpel ab, den die Leute beim Tod der alten Frau zusammen- geworfen hatten, und fand zwischen Flaschen und Tüchern und Lumpen wirklich ein Ding, wie es sich's wünschte. Rasch nahm es die Rute auf und freute sich, gleich mit den andern zum Markt ziehen zu können. Nun hatte das Kind sich mit seinem dünnen Lichtlein aber so viel gedreht und gewendet, es wußte zwischen den winkligen Türen und Treppen nicht mehr, woher es gekommen war. Weil aber in einer der Scheiben ein wenig Licht schien, ging es darauf zu, preßte das Gesicht daran und sah gerade auf den Christkindelmarkt hinaus. Da hatte es Furcht, sich durch das Haus zurückzutappen, fand eine Tür und ein Schloß und — oh, wie freute es sich, die Tür sprang vor seinem Schlüssel auf, eine kleine Treppe führte gerade auf den Marktplatz. Schon kamen von allen Seiten die Nürnberger Kinder angezogen, um ihr Feuer an- zuzünden; das kleine Mädchen lief hinaus und war froh, das dunkle Haus hinter sich zu haben. Der Verlocker wartete währenddes noch immer auf der Straße. Als niemand zurückkehrte, wurde er besorgt um den 'Schlüssel und um die Zckuberrute. Weil aber nur ein Kind das Ding zu heben vermochte, versuchte er sich zu gedulden, schuppte sich in seiner Verkleidung, rückte sich den Hut von einem Ohr aufs andere und stampfte mit den Füßen vor Kälte. Endlich hob er sich auf die Zehen, um von draußen durchs Fenster zu blicken. Da war kein Licht mehr zu sehen, weder oben noch unten. Der Böse bekam einen rechten Schreck; er fuhr dreimal hin und her, besah sich das Haus von allen Seiten und meinte, gleich müsse die kleine Suchende zurückkehren — wer sollte solchem Boten wohl etwas antun? Ais er dabei auch zur Marktseite lief, warfen schon alle Kinder ihre Ruten zusammen. Da kam ihn die Furcht an, daß auch die Rute, die er suchte, dazwischen sei; er also hin, entdeckte das Mädchen mit dem Schlüssel, drehte sich vor Zorn, sprang in den Reiserhauf, riß alles auseinander und durcheinander und stöberte vergeblich nach dem Zauber- ftab. Von Zeit zu Zeit reckte er beide Fäuste hoch und klagte, heulte und jammerte. Die Kinder lachten darüber; sie meinten, er machte wieder seinen Spaß mit ihnen. Daß der Böse seine Rute nicht gesunden hat, ist so gekommen: Als der arme Bürstenbinder nach seinem Töchterchen rief, das er verloren hatte, gewahrte auch er die vielen guten Reiser, die die Nürnberger zu Häuf warfen. Und es tat ihm leid um die schönen Birken, die er für feine Besen brauchen könnte. Er raffte also unauffällig mit dem Fuß einige zur Seite, und schob sie sich unter den Arm. Dann sah er sein Kind, das er suchte, nahm es an der Hand und zog es rasch nach Haus, er hatte kein ganz reines Gewissen. Wenn's doch erst Abend wäre und ich die Reiser zugearbeitet hätte, dachte er. Batz, stolperte er, da lagen vier fertige Besen vor seinen Füßen, gerade vor seinen Füßen, gerade fo viel, wie er hatte schaffen wollen. Das ist ja fein, staunte der Besenbinder, hob sie auf und wußte gar nicht, woher sie kamen. Nun kann ich dem Kind eine schöne Weihnacht bereiten und ein Lichterbäumchen besorgen, dachte er. Ach, wären wir erst daheim! Schwupp, war er schon in seiner Kammer, und alles war nach seinem Wunsch bestellt. Da staunten Vater und Tochter. Wenn wir es doch immer so gut hätten, dachte der Mann und sah sich in der Kammer um — immer so gut bis zum Lebensende. „Soll geschehen", sagte der Besen auf einmal laut und verneigte sich. Und bann grüßte er und ging aus der Tür; vielleicht hatte ihn einer gerufen, der mächtiger als Mensch und Verlocker ist. Aber das ist gewiß, die beiden Menschen haben es gut seitdem, und sicherlich wird es ihnen weiter wohlergehen. Sie haben's auch besser verdient als der Alte, der auf der Nürnberger Christkindelmette alle Ruten auseinanderwarf in seinem Zorn und doch die rechte nicht sand. Verantwortlich: Dn Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.