Jahrgang <957 Montag, -en 6. September Nummer 69 Unterdessen hat sich dem Volke, das immer mehr im innern Hofe des Palastes zusammengelaufen, ein wunderlich seltsames Schauspiel eröffnet. Man wollte den jungen Menschen, den man unbedingt für tot hielt, aufheben und forttragen, da hinkte mit lautem Jammergeschrei ein altes häßliches, Iwctb heran, machte sich, die spitzen Ellenbogen in Seiten und Nucken bohrend, im dicksten Hausen Platz und rief, als sie endlich bei dem entseelten Junglmge stand: „Laßt ihn liegen — Narren! — tolles Volk! — er ist ia nicht tot. Nun kauerte sie nieder, nahm den Kopf des Jünglings auf den Schoß und nannte, seine Stirn sanft streichend und reibend, ihn bei den süßesten Namen. Betrachtete man das abscheuliche Fratzengesicht der Alten, wie es herabhmg über des Jünglings bildschönem Antlitz, dessen milde Zuge im bleichen Tode erstarrt lagen, während auf dem Gesicht der Alten em widriges Muskelspiel herumhüpfte, — betrachtete man, wie die schmutzigen Lumpen hin und her flatterten über die reichen Kleider, die der JnnOmg trug, wie die dürren, braungelben Arme, die Knochenhände auf ■tPt fönrtIP AUT hör nffv»nv» QQn.n. kz.3 CVZL— -TI___a .'n. , t TH7 bet 5^ Doge und Dogaresse Erzählung von E. T. A. Hoffmann. 3. Fortsetzung. Als Antonio ganz aus seiner Betäubung erwacht war und die Alte an !emem Lager erblickte, die ihm soeben einige stärkende Tropfen eingeflößt »atte, so sprach er, lange den düstern, schwermütigen Blick starr aus sie ge- uchtet, m,t dumpfem, mühsam gehaltenem Ton: „Du bist bei mir, Marga- '«ta! — das ist gut! — wo hält' ich denn sonst eine treuere Pflegerin als dich? _ Ach, verzeih' mir nur, Mutter, daß ich blödsinniger, ohnmächtiger »nabe nur einen Augenblick daran zweifeln konnte, was du mir entdecktest! ja, du bist die Margareta, die mich nährte, die mich pflegte, ich wußte es «schon immer, aber der böse Geist verwirrte mir die Gedanken. — Ich labe (ie gesehen — sie ist es — sie ist es. — Hab' ich dir nicht gesagt, daß irgendein dunkler Zauber in mir ruhe, der mein Selbst unwiderstehlich ^herrsche? Aus der Dunkelheit blitzstrahlend ist er hervorgetreten, um mich n namenlosem Entzücken zu verderben! — Ich weiß jetzt alles — alles! — »var nicht Bertuccio Nenolo mein Pflegevater, der mich erzog auf einem ^andhause bei Treviso?" — „Ach ja", erwiderte die Alte, „wohl war es Jiertuccio Nenolo, der große Seeheld, den das Meer verschlang, als er mit •2liÄt6cerfranä sbin Haupt zu schmücken gedachte." — „Unterbrich mich ucht , sprach Antonio weiter, „höre mich geduldig an! — Es ging mir gut dem Bertuccio Nenolo. Ich trug hübsche Kleider — immer war der Tisch kweckt, wenn mich hungerte, ich durfte, hatte ich meine drei Gebete ordent- • hergesagt, herumschwärmen nach Gefallen durch Wald und Flur. Dicht beim Landhause befand sich ein dunkles, kühles Pinienwäldchen voll Duft Md Gesang. Da streckte ich, müde vom Springen, an einem Abend, als !°)vn die Sonne zu sinken begann, mich hin unter einem großen Baum Und starrte hinauf in den blauen Himmel. Mag es sein, daß der würzige «eruch der blühenden Kräuter, in denen ich lag, mich betäubte, genug, ^me Augen schlossen sich unwillkürlich, und ich versank in träumerisches t nbrüten, aus dem mich ein Rauschen, gleich als fiele ein Schlag dicht neben uiir ms Gras, erweckte. Ich fuhr auf in die Höhe; ein Engelskind mit hirnrn- *'cyem Antlitz stand neben mir, schaute in holder Ailmut auf mich herab ii:o sprach mit iüßer Stimme: ,Ei, mein lieber Knabe, wie schliefst du so Itzon, so ruhig, und doch war dir der Tod so nahe, der böse Tod.' Dicht neben Deiner Brust erblickte ich eine kleine schwarze Schlange mit geborstenem v"ipt: das Kind hatte das giftige Tier mit dem Zweige eines Nußbaums Schlägen, in dem Augenblick, als es zu meinem Verderben sich heran- u: geln wollte. Da erbebte ich in süßem Schauer — ich wußte ja, daß oftmals «:gel herabsteigen aus dem hohen Himmel, um sichtbarlich den Menschen !U retten vor dem bedrohlichen Angriff irgendeines bösen Feindes — ich nk nieder auf die Knie, ich erhob die gefallenen Hände. ,Ach, du bist ja | » Lichts, den der Herr sandte, mich zu retten vom Tode', so ries i das holde Wesen streckte aber beide Arme nach mir aus und lispelte, D em höheres Rot auf seinen Wangen leuchtete: ,Ach, du lieber Knabe, ich « ia kein Engel, ein Mädchen, ein Kind wie du!' Da vergingen die Schauer ? namenloses Entzücken, das mich mit sanfter Glut durchströmte — ich «o aus, wir schlossen uns in die Arme — wir drückten Lipp' aus Lippe — J I sprachlos, weinend, schluchzend vor süßem, unnennbarem Wehl Nun rief eine silberhelle Stimme durch den Wald: ,Annunziata — Annunziata ' — muß nun fort, du herzlieber Knabe, die Mutter ruft', fo lispelte das Mädchen; ein unsäglicher Schmerz durchfuhr meine Brust. — ,Ach ich K io , schluchzte ich; heiße Tränen, die das Mädchen vergoß a J’te!nJe”b auf meine Wangen. — ,Jch bin dir so herzensgut, du lieber Knabe , rief das Mädchen, indem sie den letzten Kuß mir auf meine Lippen 'Annunziata! rief es aufs neue, und das Mädchen verschwand im Gebüsch! — Sieh, Margareta, das war der Augenblick, in dem der mäch. "ge Liebesfunke in meine Seele fiel, der, ewig stets neue Flammen ent- zundend, m nur fortglühen wird! — Wenige Tage nachher wurde ich hinausgestoßen aus dem Hause. Vater Blaunas sagte mir, als ich es nicht lassen konnte, von dem Engelskinde zu reden, das mir erschienen, und dessen süße Stlmme ich zu vernehmen glaubte in dem Rauschen der Bäume, in dem Gelispel der Quellen, in dem ahnungsvollen Sausen des Meeres — ia ba fugte mir Vater Blaunas, das Mädchen könne niemand anders gewesen sein als Nenolos Tochter Annunziata, die mit ihrer Mutter Franzeska nach gekommen, andern Tages aber wieder abgereiset sei. — 5? blutter Margareta! — Hilf Himmel! — Diese Annunziata — es ist n 'fe l ®a.mit hüllte sich, vor unsäglichem Schmerz weinend und schluchzend, Antomo in die Kissen ein. „Mein lieber Tonino", sprach die Alte, „ermanne dich, widerstehe doch nur tapfer dem törichten Schmerz! Ei, wer mag denn gleich verzweifeln in Liebesnot, ei, wem anders blüht denn das goldene Blümchen Hoffnung als dem Verliebten? Am Abend weiß man nicht, was der Morgen bringt: was man im Traum geschaut, kommt lebendig dahergegangen. Das Schloß, das in den Wolken schwamm, K ®tne!nm(!1 blank und herrlich aus der Erde. — Sieh, Tonino, du gibst nichts auf meine Reden, aber mein kleiner Finger sagt es mir und wohl noch jemand anders, daß auf dem Meer dir die leuchtende Liebesflagge mit entgegenweht. — Geduld, mein Söhnlein, Tonino — Aduld! So versuchte es die Alte, den armen Antonio zu trösten, denn in der Tat, ihre Worte klangen wie liebliche Musik. Er ließ sie gar nicht mehr ti0" fuh; Bettelweib auf der Franziskanertreppe war verschwunden, und statt ihrer sah man die Haushälterin des Herrn Antonio in anständigen ^u^ronenkleidern aus San Marco herumhinken und die Bedürfnisse der Tafel elnkausen. ' " r „Der Giovedi grasso war gekommen. Glänzendere Feste als jemals sollten ihn ferern Mitten auf dem kleinen Platz von San Marco wurde ein hohes Gerüst errichtet für ein besonderes, nie gesehenes Kunstfeuer, das ein sieche, der sich auf solch Geheimnis verstand, abbrennen wollte. Am Abend bestieg der alte Falieri mit seiner schönen Gemahlin, sich spiegelnd im Glanze seiner Herrlichkeit, seines Glücks, und mit verklärten Blicken alles um sich her auffordernd zum Staunen, zur Bewunderung, die Galerie. Im Begriff, sich auf den Thron niederzulassen, wurde er aber den Michaele Steno gewahr, der auf derselben Galerie, und zwar fo Platz genommen hatte, daß er die Dogaresse beständig im Auge behielt und von ihr notwendig bemerkt werden mußte. Ganz entbrannt von wildem Zorn, von toller Eiser- suchi, 'chrie Falieri mit starker, gebieterischer Stimme, man sollte äugen- blmlich den Steno von der Galerie entfernen. Michaele Steno erhob den Arm gegen den Falieri, in dem Augenblick traten die Trabanten hinzu und nötigten ihn, der vor Wut mit den Zähnen knirschte und in den ab cheulich- sten Verwünschungen Rache drohte, die Galerie zu verlassen. Unterdessen hatte sich Antonio, den der Anblick seiner geliebten Annun- ziata ganz außer sich selbst gebracht, durch das Volk fortgedrängt und schritt tausend Qualen tm zerrissenen Herzen, einsam in dunkler Nacht am Gestade' des Meeres hin und her. Er gedachte, ob es nicht besser sei, in den eiskalten Wellen die brennende Glut zu löschen, als langsam totgesoltert zu werden von trostlosem Schmerz. Viel hätte nicht gefehlt, er wäre hineingesprungen m das Meer, schon stand er auf der letzten Stufe, die hinabführt, als eine Stimme aus einer kleinen Barke hinausries: „Ei, schönen guten Abend, Herr Antomo." Im Wiederschem der Erleuchtung des Platzes erkannte Antonio den lustigen Pietro, einen seiner vormaligen Kameraden, welcher in der Barke stand, Federn, Rauschgold auf der blanken Mütze, die neue gestreifte Jacke bunt bebändert, einen großen schönen Strauß duftiger Blumen tn der Hand. „Guten Abend, Pietro", rief Antonio zurück, welche hohe Herrschaft willst du denn heute noch fahren, daß du dich so schön geputzt hast?' — „Ei", erwiderte Pietro, indem er hoch aufsprang, daß die Barke schwankte, „et, Herr Antonio, heute verdiene ich meine drei Zechinen, ich mache ja die Fahrt hinauf nach dem Markusturm und bann hinab und überreiche diesen Strauß der schönen Dogaresse." — „Ist denn", fragte Antonio, „ist denn das nicht ein halsbrechendes Wagestück, Kamerad Pietro?" — „Nun", erwiderte dieser, „den Hals kann man wohl ein wenig brechen, und dann zumal heute geht's mitten durch durch das Kunstfeu . Der Grieche sagt zwar, es sei alles so eingerichtet, daß kein Haar einem angehen solle vorn Feuer, aber" — Pietro schüttelte sich. Antonio war zu ihm hinabgestiegen m die Barke und wurde nun erst gewahr, daß Pietro dicht vor der Maschine an dem Seil stand, das ans dem Meere stieg. Andere Seile, mittels deren die Maschine angezogen wurde, verloren sich in die Nacht. „Höre, Pietro", ^ungilng trug, tote die dürren, braungelben Arme, die Kn der Sttrne, auf der offenen Brust des Jünglings zitterten — in der $at,' man mochte sich inneren Grauens nicht erwehren. War es denn nicht an» Zufthen, als sei es des Todes grinsende Gestalt selbst, in deren Armen der ^ungling lag? So kam es denn auch, daß die umstehenden Leute einer nach dem andern still fortschlichen und mir wenige Übrigblieben, die den Jüng- img, als « mit einem tiefen Seufzer die Augen aufschlug, faßten und auf °er Men Geheiß nach dem großen Kanal trugen, wo eine Gondel beide, und den Jüngling, aufnahm und fortfchaffte bis nach dem Hause, das die Alte als die Wohnung des Jünglings bezeichnet hatte. Bedarf es oenn noch gesagt zu werden, daß der Jüngling Antonio, die Alte aber das Vettelweib von der Franziskanertreppe war, das durchaus seine Amme sein Ivollte r GichenerLamilienbliitter ________Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger (Schluß folgt.) Der alte Falieri fuhr auf in glühendem Zorn und schwur, daß den, der den boshaften Frevel begangen, die härteste Strafe treffen falle. Indem er feine Blicke umherwarf, fiel ihm auf dem Platze unter der Galerie Mrchaele Steno ins Auge, der in vollem Kerzenfchimmer dastand, und sogleich besah! er den Trabanten, ihn festzunehmen als den Urheber jenes Frevels. Alles schrie auf über den Befehl des Doge, der, indem er fich ganz fernem uber- wallenden Zorn überließ, beide, Signorie und Volk, beleidigte, dre Rechte I der ersteren kränkend, dem letzteren die Freude des Festes verderbend. Die Signorie verließ ihre Plätze, und nur den alten Marino Bodoeri sah I man, wie er iich unter das Volk mischte, voller Eifer von der schweren Beleidigung sprach, die dem Haupte des Staates widerfahren, und allen Haß auf den Michaels Steno zu leiten suchte. Falieri hatte fich nrcht geirrt, denn in der Tat war Michaels Steno, als er fortgewiesen wurde von der Galerie des Herzogs, nach Hause gelaufen, hatte jene hämischen Worte geschrieben, | in dem Augenblicke, als aller Augen auf das Kunstfeuer gerichtet waren, das Zettelchen an den Stuhl des Doge angeheftet und dann fich unbemerkt wieder entfernt. Recht tückisch gedachte er den empfindlichen Streich zu führen, der beide, Doge und Togareffe, recht tief, recht ans Leben dringend, verwunden sollte. Michaele Steno gestand ganz freimütig die Tat und schob alle Schuld aus den Doge, der ihn zuerst empfindlich gekrankt habe. Die Signorie war längst unzufrieden mit einem Haupt, das, statt der gerechten Erwartungen des Staates zu erfüllen, täglich bewies, wie der kriegerische, zornige Mut in dem erkalteten Herzen des abgelebten Greises nur dem Kunstfeuer gleicht, das aus der Rakete ganz gewaltig emporkmstert, aber sogleich in schwarzen, toten Flocken wirkungslos dahinschwindet. Hinzu kam, daß das Bündnis mit der jungen, schönen Frau (längst wußte man, daß er es vor kurzer Zeit als Doge geschlossen), seine Ersersucht, den alten gaben nicht mehr als Kriegsheld, sondern als vecchio Pantalone36) erscheinen ließ, und so mußte es geschehen, daß die Signorie, gärendes Gift im Innern nährend, mehr geneigt war, dem Michaele Steno recht zu geben als dem bitter gekränkten Oberhaupt. Von dem Rate der Zehen wurde die Sache verwiesen an die Ouarantie36), von der Michaele sonst einer der Häupter war. Michaele Steno habe schon genug gelitten, und eine monatliche Verbannung sei genügsame Rüge des Vergehens, so siel der Rechtsspruch aus, der den alten Falieri aufs neue und stärker erbitterte gegen eine Signorie, die, statt das Haupt zu schützen, ihm widersahrene Kränkungen nur als Vergehen der leichtesten Art zu bestrafen sich unterstand. ... , Wie es denn zu gehen pslegt, daß der Liebende, den em einziger Strahl des Liebesglücks getrossen, tage-, Wochen-, monatelang von goldenem Schimmer umflossen, Träume des Himmels träumt, so konnte sich Antomo auch gar nicht erholen von der Betäubung des wonnereichsten Augenblicks, kaum aufatmen vor füßem Weh. — Die Alte hatte ihn tüchtig ausgefcholten wegen des Wagestücks und murmelte und brummte unaufhörlich von ganz unnötigem Beginnen. Eines Tages kam fie aber so seltsam am Stabe hineingetänzelt und gehüpft, wie sie es in ihrer Art hätte, wenn sw von sremdem Zauber berührt schien. Sie kicherte und lachte; ohne auf Antonios Reden und Fragen zu achten, schürte sie im Kamin ein kleines Feuer an, letzte ein Plännchen daraus, kochte, aus allerlei bunten Gläsern Jugre- M) Rach Philippis „Geschichte von Venedig" (Dresden 1828) II, 14 lauteten die Worte: „Marino Falieri dalla della moglie; altri la gode ed egli la mantiene“, d. h. Marino Falieri hat eine schöne Frau; ein anderer genießt und er unterhält sie. 8S) Als alten Hanswurst; der „Pantalone" ist eme stehende Figur der ><>nezianischen Posse. 3’1 Gericht der Vierzig. fing Antonio nach einigem Stillschweigen an, „höre, Kamerad Pietro, I wenn du heute zehn Zechinen verdienen könntest, opne dein Leben in Gefahr m setzet würde dir das nicht lieber fein?" - „Ei freilich", lachte Pietro aus vollem Halle. „Run", fuhr Antonio fort, „so nimm dwse zehn Zechinen, wechsele mit mir die Kleider und Überlasse mir deine Stelle. Statt d-m« will ich hinaufsahren. Tu' es, mein guter Kamerad, Pietro! Pietro sck;ut- telte bedächtig den Kops und lprach, das Gold m der Hand wiegend. „Ihr seid sehr gütig, Herr Antonio, mich armen Teufel »och immer Euren Kameraden zu nennen — und freigebig dazu! — Ums Geld ist § mir freilich zu ■ tun, aber der fchönen Dogareffe den Strauß selbst m bie Hand zu geben, ihr süßes Stimmchen zu hören — ei, das ist's doch eigentlich, warum man sein Leben auss Spiel setzt. - Run, weil Jhr's seid Herr Antomo, mag S darum sein!" Beide warfen fchnell die Kleider ab, kaum war Antomo mit dem Ankleiden fertig, als Pietro rief: „Schnell hinein in die Maschine, das Zeichen ist schon gegeben." In dem Augenblick leuchtete das Meer ans im slammenden Widerschein von tausend lodernden Blitzen, und die Lust, das Gestade erdröhnte von wirbelnden Donnern. Mitten durch dw knisternden, zischenden Flammen des Kunstfeuers fuhr mit des Sturmwindes Schnelle Antonio auf in die Lüste — unversehrt sank er weder zur Galerie, schwebte er vor der Dogaresse. — Sie war auf gestanden und vorgetreten, er fühlte ihren Atem an feinen Wangen fpielen — er reichte ihr den Strauß; aber in der unfäglichsten Himmelswonne des Augenblicks faßte ihn wie mit glühenden Armen der brennende Schmerz hoffnungsloser Liebe. — Sinnlos, rafend vor Verlangen - Entzücken - Qual, ergriff er die Hand der Dogareffe — drückte er glühende Küsse darauf — rief er mit dem schneidenden Tone des trostlosen Jammers: „Annunziata!' — Da riß ihn die Maschine, wie das blinde Organ des Schicksals selbst, fort von der Geliebten, hmab ms Meer, wo er ganz betäubt, ganz erschöpft in Pietros Arme fcmk, der feiner in der Barke wartete. ~ . <«„_ Unterdessen war aus der Galerie des Doge alles m Aufruhr und Verwirrung geraten. An den Sitz des Doge hatte man em kleines Zettelchen angeheftet gefunden, auf welchem in gemeiner venetiamscher Mundart die Worte standen: „11 Dose Falter della della muier, I altri la gode i. lut la mantien.“ „Zwar ist der Doge Falier' Der fchönen Dame Eheherr, Doch hält er nur und hat sie nie, Und andere, die gewinnen sie."38) biemien hmeinwerfend, eine Salbe, tat fie in eine kleine Büchse und bmkte damit, laut kichernd und lachend, von bannen. Erst am späten Abend kam sie zurück, setzte sich keuchend und hüstelnd in den Lehnstuhl und sing, rote von großer Erschöpfung zu fich selbst gekommen, endlich an: „Tomno, mem Söhnlein, Tonino, von wem komme ich her? — fteh zu, ob du raten kannst. — Antonio starrte sie an, von seltsamer Ahnung ergriffen. Run kicherte die Alte: „Von ihr selbst komme ich her, von dem lieben Täubchen, von der holden Annunziata!" — „Mache mich nicht wahnsinnig, Aitel , schrie Antonio. „Ei was", fuhr die Alte fort, „ich denke immer an dich, mem To- nino f — Heute morgen, als ich unter den Säulengangen des Palastes feilschte um schönes Obst, murmelte das Volk von dem Unglück, das die (fröne Dogaresse betroffen. Ich frage und frage, da spricht ein großer ungeschlachter, toter Kerl, der, gähnend an eine Säule gelehnt, Limomen kaut. Ei nun, an der linken Hand der kleine Finger, an dem hat em Skorpwnchen die jungen Zähnchen probiert, und das ist ein bißchen ins Blut gegangen — nun, mein Herr, der Signor Dottore Giovanni Basseggro, ist eben oben, der wird nun wohl schon das Händchen mitsamt dem ginger weggeschmtten haben.' Und in dem Augenblick, daß der Kerl das spricht, entsteht em großes Geschrei auf der breiten Treppe, und ein kleines, ganz kleines Mannlem kugelt, von Fußstützen der Trabanten wie ein Kegel getrieben, die Smfen herab uns vor die güße, fchreiend und lamentierend. Das Volk famme t sich um ihn herum, laut lachend; der Kleine ^erarbeitet sich und strampelt mit den Beinen, ohne in die Höhe kommen zu können, da springt aber der rote Kerl herbei, rasst sein Dottorchen auf, nimmt ihn m die Arme und rennt mit ihm, der immerfort aus vollem Halse schreit und heult, was die Beine laufen können, fort nach dem Kanal, wo er mit ihm in die Gondel hmemfleigt und davonrudert. — Ich dachte es wohl, daß, sowie der Signor Basseggio das Messer ansetzen wollte an das schöne Händchen, der Doge ihn die Treppe hinabstoßen ließ. Ich dacht' aber noch weiter! — Geschwind — ganz ge» schwind nach Hause — das Sälbchen kochen — hinaus damit m d-n Herzog- liehen Palast! — Da stand ich auf der großen Treppe, mem blankes Flaschlem in der Hand. Der alte galieri kam gerade herab, der blitzte und prustete mich an: ,Was will das alte Weib hier?' — Aber da machte ich einen Kmx, t,ef — tief bis an die Erde, fo gut es nur gehen konnte, und sprach, daß ich woyt ein Mittelchen hätte, daß die schöne Dogaresse geheilt sem so le gar bald. Sowie der Alte das hörte, blickte er mich starr an mit recht entsetzlichen Augen und strich sich den grauen Bart zurecht; bann packte er mich bei beiden Schultern und schob mich herauf und hinein in das Gemach, daß ich beinahe der Länge nach hingestürzt wäre. Ach, Tonino, da lag das holde Kind hm- gestreckt aus die Polster, leichenblaß, seufzend und stöhnend vor Schmerz und leise klagend: ,Ach, nun bin ich wohl schon durch und durch vergiftet! Aber ich machte mich gleich darüber her und nahm das dumme Pflaster des einfältigen Doktors herab. O Herr des Himmels! b,e niedliche kleme Hand — blutrot — gefchwollen. — Run, nun — meine Salbe kühlte — linderte. — ,Das tut ja wohl, sehr wohl', lispelte die kranke Taube. Ta rief der Marino ganz entzückt: .Taufend Zechinen find dein, Alte, wenn du mir die Dogareffe rettest', und verließ das Zimmer. Drei Stunden haft ich nun dagefesfen, die kleine Hand in meiner haltend und fie streichelnd und p legend. Da erwachte das liebe Weibchen aus leichtern Schlummer, m den sie gesunken, und fühlte keinen Schmerz mehr. Nachdem ich den neuen Verband gemacht, blickte fie mich an mit vor Freude leuchtenden Augen. Da sprach ich: ,Ei, gnädige Frau Dogaresse, Ihr habt ja auch schon einmal einen Knaben gerettet, da Ihr die kleine Schlange tötetet, die ihn stechen wollte zum Tode, als er schließ' - Tonino! da hättest du sehen sollen, wre, als leuchte ein Strahl des Abendrots hinein, das blasse Antlitz sich schnell färbte — wie die Augen funkelndes Feuer blitzten! — ,Ach ja. Alte , sprach sie, ,ach ja — ich war noch ein Kind — auf meines Vaters Landhause. — Ach, es war ein holder, lieber Knabe — o, wie gedenk' ich noch seiner — es ist mir, als sei die Zeit mir gar nichts Glückliches mehr begegnet. — Kun sprach ich von dir, daß du in Venedig wärst, daß du noch alle Liebe, alle Wonne jenes Augenblicks im Herzen trügest — daß du, nur um noch einmal in die Himmelsaugen des rettenden Engels zu schauen, die gefährliche Luftfahrt gewagt, daß du ihr den Blumenstrauß gegeben hattest am Gioveoi malio 1 — Tonino — Tonino 1 da rief fie wie in Begeisterung: ,Jch es gefühlt — ich hab' es gefühlt — als er meine Hand an feine Lippen drückte, als et meinen Namen nannte — ach, ich wußt' es ja nur majt, was fo feltfam mein Innerstes durchdrang, es war wohl Lust, aber auch zugleich Schmerz: — Bring' ihn her — her zu mir — den holden Knaben . — Antonio warf sich, als die Alte dies sprach, auf bte firne nieder und rief wie wahnsinnig: „Herr des Himmels! nur jetzt, nur jetzt laß mich nicht unicr gehen in irgendeinem Ungeheuern Schicksal — nur nicht, bis ich le gescyau , bis ich sie an meine Brust gedrückt." Er wollte, daß die Alte ihn gleich andern Tages hinsühren sollte, was sie ihm aber rund abschlug, da bet alte galten beinahe zu jeber Stunbe bie kranke Gemahlin zu besuchen pflegte. Mehrere Tage waten vergangen, bie Dogaresse war von bet Alten ganz geheilt, aber noch immer blieb es unmöglich, ben Antomo Hinzufuhre . So gut fie es nur vermochte, tröstete die Alte den Ungeduldigen, immer wiederholend, wie sie mit der holden Annunziata von dem Antonio Iprea) , den sie gerettet, und der sie so inbrünstig liebe. Antonio von taufend Dualen der Sehnsucht, des Verlangens gefoltert, gondelte, lief auf den Platz umher. Unwillkürlich lenkten ihn feine Schritte immer und immer roicofi nach dem herzoglichen Palast. An der Brücke neben der Hintern Seite oe Palastes, den ©efängni’fen gegenüber, stand Pietro auf ein buntes Ru gelehnt; im Kanal wogte, an Säulen befestigt, eme Gondel, bie groar I > aber mit zierlichem Verbeck, buntem Schmtzwerk, fa mit bet veneziam a) Flagge geschmückt war unb beinahe bem Bueentoro glich. Sowie Pie den ehemaligen Kameraden gewahrte, rief er ihm laut zu: „®b S'g" Antonio, seid mir tausendmal gegrüßt — mit Euern Zechinen ist m Glück gekommen I" Antonio fragte ganz zerstreut, was er für em ® meine, erfuhr aber nichts Geringeres, als daß Pietro beinahe tagltgi Abendstunden ben Dogen mit bet Dogaresse h,nübergondeln muffte i“» der (SJuibecca, wo unfern von San Giorgio Maggiore der Soge em .. Haus besaß. Antonio blickte den Pietro starr an und fuhr dann Wnel*t,CI bu „Kamerad, du kannst wieder zehn Zechinen verdienen und mehr,.wenn willst. Laß mich deine Stelle vertreten — ich will den Dogen hmuberruo Annas Lied. Von Achim von Arnim. Goldne Wiegen schwingen, Und die Mücken singen. Blumen sind die Wiegen, Kindlein drinnen liegen, Auf und nieder geht der Wind, Geht sich worin und geht gelind. Wie viel Kinder wiegen? Wie viel soll ich kriegen? EinS und zwei und dreie, Und ich zähl' auss neue, Aus und nieder geht der Wind, Und ich weine wie ein Kind I Das bäuerliche Besicht. Von Joses Martin Bauer. ES gibt irgendwo ein eigenartig eindringliches Bild der schwedischen Dichterin Selma Lagerlös, ein Bild, da- unter die Leute kam, ehe der gleichmachende Stift deS Photographen rin glatte«, nichtssagende« MätterleinS« gesicht mit ein wenig Güte, ein wenig Klugheit und sehr viel Ausdruck«- armut daraus machen konnte. Weil dieses Ungerechte nicht geschah mit dem Bild der Dichterin, drnni ist es Gesicht geblieben, sprechende«, erzählende« Gesicht, aus dessen alten Angen viel Güte, viel Weisheit, viel jimg gebliebene Freude schaut, so dast man die tiefen Furchen, die wir Bäche und Gräben und Ackerraine das Gesicht durchziehen, nicht mehr als die Zeichen eine« gebrechlichen Alters sieht. Lange kann man diese« Bild beschauen, und immer wieder gibt e« neue Eindrücke, weil niemand die Mühen, Nöte und Sorgen de« erlebten Lebens daraus weggestrichen hat. Die Arbeit deS Leben« steht darin, mit der diese Arbeit vollendet wurde, und plötzlich lernt man tiefer sehen, wenn nia» die herbe, bäuerliche Umwelt kennt, in der diese« Gesicht sich formte, bi« e« so wurde, wie nur wenige es kennen. Noch steht die geivaltige menschliche AusdruikSkrast eines Augenpaares darin, noch leuchtet die Freude darin, die Beglückung eines erfüllten Leben«, und man denkt kaum daran, dast dieses Gesicht einmal in der Auslösung alles Menschlichen erlöschen wird, denn schon haben sich die Zeichen einer ewigen Zeit eingegraben, und es spricht daran« die ewige Landschast, da« ewige bäuerliche Dienen, der Gleichmut einer Welt, die sich ewig so spiegeln loirb, wo der Zeitraum eine« Menschenlebens ohne Bedeutung ist vor der unendlichen Ausgabe. Dieses gleiche Bild aber begegnet »n« vielleicht hundertmal an federn Tag, es begegnet uns überall dort, >oo Bauern in selbstverständlicher Hingabe ihr Leben abdienen, an ihr Land verpflichtet, das diese« gleiche wunderbare Gesicht hat. Richt immer freilich sind die Züge so tief gezogen und die Zeichen der Verpflichtung oder des abgediente» Leben« fv klar geprägt, aber ein Widerschein des Ackerlandes und der harten Heimat spielt um jede« Bauern- antlitz. Wenn ein schlichtes Handwerk seine Menschen zeichnet, dast man sie unter den anderen erkennt, dann muß wohl erst recht da« bäuerliche Tun seine Menschengesichter zu besonderer Ausdruckskraft formen. Denn waS im einen Fall eine erlernbare Kunstfertigkeit ist, die fich im Etnzelmenfchen vielleicht zu hoher Meisterfchaft entwickelt, da« ist im anderen Fall eine jahrhundertealte Bestimmung, ein Fortlvachsen des gleichen klaren Berufes durch Geschlechter hindurch. Die Hand sonnt sich nach dem alltäglichen Tun, der Rücken beugt oder strasst sich entsprechend der Arbeitshaltung, und da« Gesicht als Spiegelbild der inneren Schau spricht noch klarer von dem Ein- finden eines Menschen zu seinem Berus. Dem einen ist mir die Zeit einer LebeuSentwicklung gelassen, daß seine Haltung und sein Gesicht sich bilde nach dem bernslichen Tun. Dann laim wohl erst das Altersgesicht zum Spiegel des Lebensdienstes werden. Der Bauer aber hat vielleicht schon ein halbes Jahrtausend einer gleichen, gleichmütigen Erfüllung seines schweren Berufes hinter sich. Die Hände des Wiegenkindes sind schon breiter und dem Kind der Gasse ist schon der Gang eigen, den man lernt, wenn immer ein Stück bäuerlichen Werkzeuge« eine Schulter drückt. Und das Gesicht eine« kleinen, henkelzöpsigen Mädchen« schaut schon mit den gleichen Augen so in eine unbestimmte Weite, wie es die reife Frau tut, die den Raum unendlicher Felder ansznschauen hat. Es braucht sich im Menschen, wenn er wächst nnd erwächst, nicht« mehr so sehr nach dem Tun des Berufes zurechtzuformen, luic es bei dem anderen notwendig ist, der in einem Berus einen neuen Weg beschreitet, den ihm noch niemand ausgetreten hat. Tausendfältig, wie das Land, ist da« bäuerliche Gesicht, Vom kliub her begonnen, Hessen AuSbrnck vielleicht noch Staunen über bas Abspielen selost- verstänblicher Geschehnisse ist, bis zum greisen Manu, der ein stille«, gleich- niütige« Gesicht bem bäuerlichen Land entgegenhält, da« sich barm wieber- sieht. Es ist ein wimberliches Erlebnis, wenn man bei einem großen Ereigni- einmal zehntansenb ober hunderttausenb Bauerngesichter ime ein Meer vor sich sehen kann. Kein Gesicht gleicht bem anberen, unb buch ist über alle ein großer gleicher Zug gezeichnet, etwas von ber weiten Schau, Die bas Augenblickliche nicht gelten läßt unb schon die fernen Hintergründe vergangener oder kommender Dinge zu schauen scheint. Wenn ein verstehende« Lächeln so über taufende von Bauerngesichtern kommt, dann ist es, al8 ziehe über einen ernsten Tag Plötzlich em verwehter Streisen Sonnenlicht unter windgetriebenen Wolken. Und wenn dann diese Gesichter alle, die tausendsach verschiedeii lind doch in der Art des Schaneiis gl üch sind, wieder still liegen, dann ist darüber die Ruhe des ernsten Landes, die wunderbare Ausgeglichenheit, die eine große Weite mit ungezählten selbständigen Bildeinbrücken znr Kraft eine« einzigen Bildes zusammenführt. Von alten Leuten, die vierzig ober fünfzig ober mehr Jahre nebeneinander gegangen sind, will der Bolksmnnd wissen, daß sie einander ähnlicher würden mit jedem Jahr nnd jedem Jahrzehnt de« Beisammensein«, bis sie wie Geschwister dann miteinander durch das Alter gehen, und je schwerer e« ihnen wurde, die Verschiedenartigkeit de« Wollen« nnd Denken» in eine gleiche Richtung zu bringen, desto klarer loirb ber Gleichklang de» Alters sein, desto ähnlicher werden die Menschen dann in ihrem Alter werden. Warum sollte diese« Gleiche nicht gelten dürsen vom Menschen in seinem Zusammenleben mit dem, was ihn bis zum letzten erfüllt, weil e« mit ihm ber gleichen Ausgabe bient? DaS Ackerland ist boch nicht wesenlose« Ding ohne Leben, es ist nicht Handwerksstoff wie ba«, wa« atiberc Menschen in anderen Bernsen brauchen. Das Lanb ist selbst Mitschaffenber, es ist eigentlich da« Schassenbe allein, unb ber Bauer bient in seinem Leben nnd feiner Arbeit boch nur bem einen, daß dieses Schassen nie zu Ende gehe. Dem Laiid freilich ist die ewige Zeit AUgcmeHen, und der Bauer muß in seinem zeitlich begrenzten Raum dem dienen, baß vom Werber bis zum Sterben da« Schassen ber Erbe weitergehe. Rach ihm werben die Hände am Pflug wechseln nnd da« Gesicht darüber ivird sich verjüngen unb bie Tage de« Wachsen« werden weiter- gehen, bi« auch diese« Gesicht mehr unb mehr sich gestaltet nach ber Klarheit unb Vielfältigkeit unb Reinheit ber Erbe, be« Lande«, ber ewigen Landschaft. E« mag dem andere» Menschen, ber nicht um den Bauern weiß, kühn erscheinen, lvenn ba« menschliche Gesicht dessen, der da« Land hütet, mit bem ewigen Gesicht beS Lande« verglichen lvird. Der Zweisler aber möge selbst einmal in den bäuerlichen Menschen zu erschauen versuchen, >va« da« Land zu erschauen »n« gegeben hat. Hub er wirb bie kleine Volksweisheit von den verschieden gearteten Menschen, die im Zusammenlebe» sich mehr und mehr aneinander gestalten bi« z» geschwisterhafter Gleichheit, daran verstehen lernen. Kein Stift möge die vielen Züge de« Kummer«, be« Leibe«, bet Röte unb ber Menschlichkeiten bnrau« wegzuzeichneu versuchen. Denn an ewige» Dingen ober an Dingen, bie am Ewigen sich geformt haben, bars ber aubere Mensch nicht deutelnd zu verbessern versuchen, weil ba« Gesicht be« Bauern so wenig sich eignet, baß mau barin bie kleinen Züge be« Selbstvetstänblichen verwische, wie e« bie Lanbschast verträgt, baß man mit menschlich an«- gebachten Verbesserungen ihr Gesicht «eriinbert. Erst bann, wenn man biefeu Menschen wegreißt von bem, wa« ihn formte und fein Geficht bestimmte seit Jahrtausenden, wird dieseSMenschen- gesicht mild und vom großen Leid zerfurcht werden, ohne die Güte, die vom Ewige» her darein gezeichnet ist, ohne die Klugheit, die da« Dienen zur Herrenhaften Ausgabe gemacht hat, ohne den AnsdruckSreichtum, der schließlich da« Gesicht de« ganzen Volkes zu bestimmen vermag. Dleerfabrt Von Gertrud Papendick. Wir verließen Hamburg mit der „Cvbra" an einem warmen, windstillen, verschlafeiien Morgen. Die Frühe Ivar grau unb verhangen, bei aller Milbe ein wenig fröstelnd, ein wenig hoffnungslos in ber schweren Gebämpstheit beö Lichtes unb ohne bie schwingende Erregung, bie sonst bie Abfahrt gibt. Die große, geliebte Stabt ragte {remb und kühl, sie glitt mit Türmen und Masten nnd Kranen langsam rückwärts in Dunst unb Versunkenheit. Zwischen mehr imb mehr entweichenden Ufern trug im- bie stumme Elbe in eine rätselhafte, verschleierte Ferne hinaus. Rach langen, seltsam bleiernen Stunden geisterte Cuxhaven aus dem Rebel heran, von einem flüchtigen Lichtstrahl erhellt; zum letztenmal grüßte die menschliche Erde, — unb um uns schloß sich die fremde, uferlose, verhangene Weite. Wer auf« Meer hinanSführt, dein sollte die Svime scheinen, ber sollte unter bem Dach eines leuchtenden Himmels dahinfahren, von tausend Verheißniigen gesegnet. Wir zogen dahin gleich einem Schicksalsschiss, wir waren lauter Verbannte aus der Fahrt »ach einem unbekannten und grausig verhüllte» Ziel. Zum Glück >var die gute, alte „Cvbra", dieser Kerl mit bei» bösartigen Name», ein behagliches fchwinnnendeS Haus, in besten Schoß man vor aller Unbill bes Wetter« unb des Leben« geborgen schien. Der Hnpagdaiupser war voll von Ferienreisenben, bie auf den zahllosen Liegestühlen fest eiu- gepackt umherlageu, und benen nach Vertilgung eine« stärkenden Frühstück- nun nicht« mehr übrigblicb, al« sich auf dieser eintönigen Meerfahrt bodenlos zu langweilen. Auch dieses soll möglich sein, je nun ... Ich weiß nicht — e« war doch eine großartige FahrtI Sie hatte etlua« vom Rausch des Abenteuer«, voui Reiz de« Geheimnisvolle» unb war boch luieber erfüllt von all den taufenb Segnungen der Stille ... Ma» setzte feine Hoffnungen aus Helgoland: Bei Helgoland wird e- immer schön I Je tiefer wir hineinpflügten in die unbewegte unb lichtlose Weite, desto schwerer umschlug uns der Nebel. ES lourbe zwölf, es würbe halb zwei. Wo tuaren wir? Nicht« zu sehen I Die Maschine stoppte ab, wir lagen still. Das Nebelhorn ber „Cvbra" erhob feine toarnenbe Stimme, unb au« ber Undurchdringlichkeit antwortete es bunips, brohenb unb geisterhaft, von hier und von dort, immer und immer wieder, eine Stunde lang unb länger. Erregung kroch über da« Schiff. Hinter weißen, bewegnngslosen Manern lauerte ein Unheil, da« man nicht sah, ein namenloses Verhängnis, das jeden Angenblick Vernichtung werde» konnte. Wo war die selige Insel, der ragende Fels im Meer? Die „Cvbra" setzte sich wieder in Bewegung, langfam, ganz vorsichtig, beständig tutend, stoppte wieder, lag still. Dann tauchte es jäh und drohend dicht vor uns im Rebel auf, ein riesenhafte- schwarze- Ungeheuer, da« im nächsten Augenblick zu einer friedlichen Barkasse wurde. Gott sei Dank, man war dem Leben, bem freundlichen Tag wieder nahe. Nun wurde alles auSgebootet, was nicht mit nach Shit wollte, zuerst die Fahrgäste für Helgoland, dann nacheinander Arnrnm, Wyk ans Föhr und Norderney. Zuletzt kamen wir Vorkuiner brau. Zum Glück waren e- nut wenige, unb die Sache verlief srieblich. Zehn Riiberfchläge weit, unb bie „Cvbra" war bom Nebel verschlungen, es ging fünf Minuten lang in« Ungewisse, bann ein Fallreep hinaus, und ba war man an Bvrb ber kleinen, reizenden „Rheinland", bie blank und sauber und säst leer war. Ich (aß aus dem obersten offenen Deck ich saß mitten in bet Nordsee, mitten in einem ungeheuren Nicht« au einem hübschen, polierten Tische und traut eine Taste Kaffee. Das war alles, was von der Welt noch übrig war. Die Luft schmeckte naß, lalzig und ein wenig beißend. Wir lagen fest, — der Himmel allein wußte, was aus uns werden sollte. Unermüdlich riefen und antworteten die Nebelhörner, und dann kam dazwischen zuweilen ein verlorener, seltsam betörender Klang aus weiten Fernen herüber. Wenn das Sirenengesang war, dann war es mit uns aus! Dann weh dir, du hübsches, kleines Schiff, fahr wohl, du buntes, reiches Leben! Oder war es Hoffnung und Hilfe? Klangen uns Stimmen der Engel aus himmlischen Gefilden? Es war nichts anderes als die Kurmufik von Helgoland. Wir haben es dann doch noch erlebt: ein matter, goldener Schimmer drang durch den Nebel, die brauende Masse geriet in Bewegung, sie begann sich zu lichten, ein gigantischer, überweltlicher Schatten wuchs jäh herauf — nach einer halben Stunde war die Luft klar, da war Helgoland, ein paar hundert Meter weit nur, es stieg leuchtend auf in die Sonne und war Erlösung und ewig neue Offenbarung. Es ging dann bald weiter. Die Verspätung war nicht mehr einzuholen. „Es währte bis in die Nacht und — fast — wieder an den Morgen" ... Aber wem je die Zeit lang wird auf dem Meer, der soll getrost am Lande und zu Hause bleiben ... Es ist ein Glück ohnegleichen, unterwegs .zu sein! Ich habe stundenlang den Möwen zugesehen, die uns das Geleit gaben. Sie schienen groß wie Adler, sie kreisten unermüdlich hoch über dem Heck, sie flogen mit großartigem, ruhigem Schlag der Schwingen der sinkenden Sonne nach, sie wendeten und trieben wie Segel vor dem Wind; sie zogen dahin in einer Freiheit, unter der es schwer war, ein Mensch sein zu müssen. Ich saß unter der Flagge am Ende des Promenadendecks, und das Schiss vor mir war leer. Die wenigen Fahrgäste waren mit der Zeit samt und sonders in gastliche Tiefen hinabgestiegen, wo es Würstchen gab, Vier, Ansichtskarten und was sonst noch den Menschen am Leben erhält. Aber da war überhaupt niemand mehr zu sehen, nicht Kapitän, nicht Steuermann, nicht eine einzige Blaujacke. Das Schiss war leer, und ich war ganz allein, die Stunden hatten keine Zahl, und der Tag hatte keinen Namen mehr. Das Schiff fuhr mit mir übers Meer, woher — wohin? — es war ein Schiss der Sage, es hatte keinen Führer, es hatte fein Ziel, es fuhr unter einer Gewalt, die fremd und unsichtbar blieb, aus dem Leben der Erde und der Menschen hinweg in die Unendlichkeit. Wißt ihr, was das ist: allein sein auf dem Meer? Es ist etwas Ungeheures, es ist etwas so Herrliches und so Grausiges, daß es fast nicht ertragen werden kann. Seit Kindertagen eines Lebens Sehnsucht — Sehnsucht, immer nur wachsend, niemals gestillt. An jenem Tage habe ich gewußt: nie kommt eine Gnade wie diese wieder. Dies ist die Erfüllung. Ich werde das Meer begreifen können, einmal ... Ich habe gesessen, allein mitten im Meer, bis die Sonne versunken war, bis es Nacht wurde. Du armer Narr, der du denkst, daß das Meer etwas ist, das sich begreifen läßt wie ein Tal zwischen den Bergen, wie ein Wald, der den Hang hinanwächst, wie ein Garten, der blüht und vergeht. Es wird niemals sein. Das Meer gibt sein Geheimnis nicht her. Das Meer verschließt sich vor dir und schließt dich aus. Du mußt hingehen und deine Sehnsucht behalten und von ihr leben und mit ihr sterben. Vielleicht, daß es sich dir auftut einst, wenn aller Zeiten Ende gekommen fein wird, wenn dieses armen Lebens Schranken niederbrechen und deine Augen sehend fein werden für das, was von Ewigkeit ist. Solange der Mensch der Erde gehört, muß er immer noch irgendwo landen. Am nächsten Morgen, — ich stand auf der großen Plattform von Borkum — der Wind ging daher, und die Flut stieg an den Strand: Ueber das Meer bist du gekommen? ... Heirsberg, kaö OrdenSschioß in Erm'and. Von Margarete von Olsers. Jäh, fast ohne Uebergang ist der Sommer gekommen. Das Laub der Bäume ist dicht geworden und der Wind, der vom Meer her so häufig über das flache Land Ostpreußen weht, bewegt das schwer hängende, dunkelgrüne Gezweig der Birken, die rechts und links der Chaussee stehen. Es berührt einen jedesmal, wenn man aus dem Reich kommt, wieder von neuem, wie weit und einsam dieses Land ist. Beim raschen Vorüberfahren im Auto hastet das Auge an den sehr vereinzelt hingestreckien Gehöften. Wenig Fußgänger begegnen uns. Die Frau mit dem weißen Kopftuch, das das schmale Gesicht dunkel verschattet, im blitzblauen Kleid, an dem der Wind zerrt, kommt den kleinen Wiesenpsad wie in einer großen Einsamkeit daher. Hin und wieder aber sieht man Leute bei der Heuernte, hoch werden die Fuder auf den Wagen getürmt. Die Heuernte scheint trotz der Dürre, die in Ostpreußen dem schneelosen kalten Winter gefolgt ist, nicht allzu schlecht auszufallen und hier, in diesem Teil der Provinz wenigstens, den wir im Auto durchqueren, stehen auch die Felder einigermaßen, und die Kartoffeln sogar stellenweise gut. Ein tüchtiger Regen, so sagt man allgemein, kann noch viel retten. Der Rand der silbergrün schimmernden Felder ist gesäumt vom Blau der Kornblumen, die Ferne von der bläulichen Waldlinie.Rach einem Gewitter ist der Tag von einer unendlichen Klarheit, der Blick geht auf diesem flachen Lande wirklich bis in die fernste Ferne. Der Himmel ist von einem sehr tiefen, fast italienischen Blau. Gegen dieses Blau — nun ist das Land ein wenig wellig geworden und waldreich! — taucht der schwere Turm und gewaltige Bau jenes Ordensschlosses auf, das Heilsberg, die Stadt zwischen Alle und Simser, eine der frühesten Siedlungen der Ordensritterzeit, überragt. Durch enge, winklige Gassen und Gäßchen muh das Auto und bann über einen schönen Marktplatz, der west und breit daliegt, von Häusern mit malerischen Giebeln und Laubengängen umgeben, die an die Bauart alter schlesischer Städte erinnern. An der gotischen Pfarrkirche mit dem hohen viergehelmten Glockenturm, den ein goldschimmernder kriegerischer Sankt Michael krönt, geht es vorbei und zu der Burg hinan, dem Ziel unserer Fahrt. In dem weiten gestreckten Hos, den zwei lange Gebäude späterer Zeit, es ist die in ihrem Kern noch mittelalterliche Vorburg, rechts und links flankieren, lassen wir unser Auto zurück. Es bleibt im Schutz einer froh- beschwingten sandsteinernen heiligen Katharina zurück, die auf dem hohen Sockel inmitten des Hofes zwischen schattigen Ahornen steht. Vor uns aber liegt, durch eine Brücke erreichbar, fast überraschend mächtig in seiner gedrängten Form, das Hochschloß mit seinem achteckigen Bergfried und den kleinen zierlicheren Scitentürmen. Das Tor, das zum Burghof führt, ist niedrig und dunkel, aber tritt man hindurch, ist da wieder jenes Gefühl jäher Ueberrafchung wie bei dem ersten Anblick der Burg. Der fast quadratische Hof mit seinen Säulengängen ist ein Wunder an Schönheit und architektonischer Harmonie. Die niedrigen gotischen Bogen des unteren Umgangs verbinden wuchtige Säulen, so wird es ein Bild der Kraft und des fest auf der Erde Ruhenden. Der obere Umgang lockert diese Schwere leicht, und hoch geschwungen sind die gotischen Bogen, und die Säulen aus schwedischem Sandstein wirken zierlicher. Vollendung dieses Hofraumes aber ist das ihn überwölbende Blau des Sommerhimmels. Von nun an umgibt uns der ganze Zauber der Vergangenheit, und während wir die Treppen zum „Großen Remter" emporsteigen, wird uns die Zeit lebendig, die die Burg entstehen und Schauplatz mannigfacher historischer Ereignisse werden lieh. Eine harte und blutige Zeit fürwahr, die diesem Schloß Form und Gestalt gegeben hat. Seine Herren und seine Fahnen hat es gewechselt, Feuer und Blut, Sturm und Belagerungen haben seine Mauern umbrandet, aber es hat doch allen Wandel der Geschichte überdauert! Wie ein trotziges: „Dennoch" steht es da im Herzen Ostpreußens, Zeugnis ältester deutscher Kultur! Die Burg wurde in ihrer jetzigen Gestalt (ursprünglich war sie eine Befestigung der Pruzzen, die sie den Ordensrittern zweimal in heißem Kampfe entrissen) im Jahre 1350 von dem Bischof Johann von Meißen auf- gebaut, und die einstige Ordenssiedlung Heilsberg, nun eine stark- befestigte Stadt, wurde zum Bischofssitz erkoren. Das kleine Männchen mit den lebhaften blauen Augen, das uns durch die Burg führte und im reinsten ermländischen Dialekt, geläufig, ober unaufdringlich seine Erklärungen gab, erzählte uns, daß seine Familie von jenen schlesischen Siedlern adstammt, die einst vom Ritterorden zur Urbarmachung und Kultur des Landes hierher gerufen wurden. Tiel hieß der Mann und wird in ganz Heilsberg „das „Tielche" genannt, denn die freundlichen Ermländer haben ihre Luft an Diminutiven, sie hängen gern an alles ein „chen" an, was sehr gemütlich klingt, das „n" aber lassen sie — in Heilsberg wenigstens — grundsätzlich fort. Das „Tielche" ließ uns in Ruhe die Schönheiten der Burg genießen und gab uns nur gewünschten und bann einfachen und klaren Bescheid. Einen schöneren Raum für prunkvolle Festlichkeiten kann man sich nicht denken als den „Großen Remter" in diesem Ordensschloß. Die Decke ist ein Wunder von Sterngewölbe in reinster und schönster Form, die Wandmalereien, die zum Teil wieder aus der sie lange deckenden Tünche zum Vorschein gekommen sind, geben einen Begriff von der Farbenpracht des gewaltigen Raumes. Fast noch schöner als der große ist der kleine Remter, dessen Wände und Sterngewölbe (das auf einen einzigen Schlußstein zuläuft) in einem wundervollen, satten Purpurton gehalten sind. In der gotischen Kapelle überraschen reiche barocke Holzschnitzereien, die Orgel ist ein Traum in Weiß und Gold, in der bewegten Freudigkeit ihrer Form sich sehr schön in den Raum fügend. Nachdem uns das Tielche noch in die finsteren Tiefen des Burgver- Uehes mit zweifachem Gefängnisraum hatte blicken lassen, fliegen wir in lichtere Regionen auf die Höhe des Bergfrieds. Ach, der Blick da hinaus — weit geht er in das wellige Land, das sommerlich vor uns lag. An diesem klaren Tag war die fernste Ferne erkennbar. Unter uns aber kauerten die Häuser des Städtchens mit ihren guten schweren Dächern, aus deren Schornsteinen der Rauch des abendlichen Herdfeuers stieg. Dicht an den Fluh sind die Häuser gestellt und friedlich schimmerten die Wasser der Alle, die aber hier besonders reißend und tief sind, im Licht. Große Turmschwalben strichen in raschem Flug auffunkelnd in sommerlicher Lust an uns vorbei, und bei jeder Wendung leuchtete die helle Innenseite ifjrer Flügel wie Gold im Schein der Abendsonne. Wir haben noch ein Heimatmuseum im Schloß besichtigt, ermlän« dischen Hausrat und Volkstrachten bewundert, an denen die mit echtem Gold sehr kunstvoll und reich gestickten Hauben der Bäuerinnen aus- allen. Ich sehe gern die innere Konstruktion, das Gebälk alter Dächer, o fliegen wir auch hier bis ganz unter bas Dach hinauf unb standen taunenb unter ben gewaltigen Jahrhunderte alten Balken aus mäch- tgen Eichenstämmen, benen man bie „Hanbarbeit" ansieht. Nachbem wir bann noch ben Turm erklommen hatten, in bem einst Crmlanbs berühmtester Sohn, Domherr unb Gelehrter, Kopernikus, gearbeitet und ben Blick aus eben bem,eiben kleinen Fenster, an bem wir ftanben, in bas Firmament hatte gehen lassen, geleitete uns bas Tielche in bie Kellergewölbe bet Burg. Er entzünbele eine Fackel unb lieh uns zwischen ben ungeheuerlich bieten Mauern in bas geheimnisvolle Dunkel unterirbischer Gänge unb in ben stattlichen Weinkeller sehen. Wieder an bas Tageslicht emporgestiegen, hielten wir noch einmal inne im Burghof, in Hessen Gängen nun bie Dämmerung bes sinkenden Tages war, währenb bas Dach unb ber massige Bergsned vom Glanz ber sinkenben Sonne angeleuchtet, in einem kräftigen warmen Rot gegen ben Himmel ftanben. Heimfahrend suchte unser Blick noch lange bie massigen Umrisse ber Burg, dieses gewaltigen Denkmals oftpreußischer Geschichte. Deranlworlllch: Dr. HanS Thhriot. — Druck und Detlag: Brühlfche UnivrrfitätSdruckerei R. Lange, Dießen.