GiehMrZamilienblätter ! Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Jahrgang 1957 Montag, den 2. August Nummer 59 M-l. at viel- ' Welt! >e ohne I einige Ibournt überaus cht. Ein aftigteit । dein r woh! Deck- tsplafc. rftäbte, ■btplan, uhr ich flächen, es fall i5 eng- sich in e, triefe heran- e Sau- Sine Stunde später waren wir auf dem Weg. Meine Ausrüstung var in Eile zusammengebracht, Siebold übernahm es, Josepha Nachricht zu geben. Aus der Wiese warteten drei Pferde, bewacht von zwei Kerlen, die mubermäszia verwegen und zerlumpt genug aussahen. Bei Tage sah ich «ann, daß sie grüne Tuchlappen auf die Achseln ihrer zerfetzten Jacken «enäht hatten und damit als Miquelets bezeichnet waren, als Leute «us der Truppe der Gebirgsjäger, die bei den Franzosen besonders «esürchtet war. „Wir warten nur noch auf ein Pferd", sagte Fuentes, „dieser Sennor dmmt mit uns." rn; es Und t bes halb- n lag i aus; ie von 1 lein; 1 Sfir- dunkle e. Sie j tet man- is einen ls. Drei Bieriel englifche 6: Sinn- beliebt, glich ft vielleicht t jenen- ung bet er leibet r wenig iu neben, rankreih e einzig r-Ge|ehe> Landes, »en 8ä» iberte iq i bringe« * Schiffen .n weite" g in bit verfoM e Sch'll' wanijche' mb, w GOYA UND DAS LÖWENGESICHT ROMAN VON KARL HANS STROBL 14. Fortsetzung. Aber Siebold schüttelte den Kops. „Rede keinen Unsinn! Du würdest letzt den Kürzeren ziehen. Früher hast du den Hof hinter dir gehabt und Godoy. Der hat, was immer man ihm nachsagen mag, keine Ueber- gnffe der geistlichen Herren geduldet. Und als die Franzosen da waren, md sie ganz klein gewesen, das war des Uebels gute Seite. Oh, sie ist schon so schlau, die Gelegenheit abzupassen. Jetzt ist die Inquisition wieder obenauf. Nein, Francesco, du mußt dich ihnen entziehen! Du mußt fort! Er mochte recht haben. Gegen Napoleon hätte ich einen Kampf wagen können, ein ebenbürtiger Gegner, ich hatte Europa hinter mir — der Inquisition war ich nicht gewachsen. Siebold wandte sich an Fuentes: „Was ist Ihre Absicht, Gras?" „Bei Calatayud haben sich etwa zweitausend Mann Freiwillige aus Aragonien gesammelt. Ich soll sie nach Zaragossa führen. Palafox braucht dringend Verstärkung." „Nehmen Sie Goya mit!" „Willst du mitkommen, Francesco?" zögerte Miguel. Er kannte die Blätter, auf denen ich meine Anklage gegen die Greuel des Krieges erhob. Aber er wußte nicht, daß ich längst eingesehen hatte, diese Greuel seien ebenso unvermeidlich, wie irgendein Naturereignis, wie Erdbeben, wie Wirbelstürme, wie Springfluten. Was für eine Dummheit, irgendeinem Mann ober einem Volk die Schuld an einem Krieg beizumessen! Nicht Menschen machten die Kriege, auch darin hatte Siebold recht, es waren bluttrunkene Teufel, glotzäugige, rüsseltragende, säbelzähnige Dämonen, die über die Menschheit herfielen, um sie zum Krieg untereinander zu Hetzen. „Du mußt ja nicht kämpfen", meinte Siebold. „Du brauchst nur die Waffen zu ergreifen. Aber du mußt fort von hier. Und einem Mann, "r gegen Frankreich die Waffen trägt, wird auch die Inquisition nichts mhaben können. Jeder Freiheitskämpser hat einen Anspruch auf einen vollkommenen Ablaß aller Sünden. Die Kirche erläßt ihm alle Verbrechen, Ehebruch, Betrug, Mord — auch das deine." „Abgemacht!" sagte ich, „ich begleite dich, Miguel!" SBranb hatte die halbe Stadt vernichtet, des Marschalls eigene Pferde waren fast mitverbrannt, die (Befangenen, die man vorher bet einem Gefecht gemacht hatte, waren in den Flammen umgekommen. „Es sind auch einige von den Franzosen mit in die Luft geflogen, gfjre ebenen Offiziere haben vor den Bestien fliehen müssen", sagte der Mann der uns dies alles erzählte. Er kam hinter der geschwärzten und geborstenen Mauer einer Brandruine hervorgekrochen Um den Kopf trug er ein blutiges Tuch. Ich hatte gemeint, die Greuel des Krieges durch meine Einbilbungs- ä^t erreichen und erschöpfen zu können, aber ich sah mich von der Wirklichkeit übertroffen, alles was ich zu erdenken vermocht hatte war zahm gegen die grausige Wildheit des Lebens. Und es geschah, daß in mir, obzwar ich klarer als irgendein anderer die naturhafte Unoer- metdltchkett des Krieges erkannte, über die Gestalt, die ihm die Menschen gaben, em Entsetzen entstand. Aus dem Entsetzen wurde eine dumpfe Wut. Ich vergaß, daß ich die Menschen von der Verantwortung freigesprochen hatte, und begann Recht und Unrecht zu verteilen und meinen Landsleuten jenes allein zuzugestehen. Niemand war in all den Ortschaften, durch die wir kamen um die Trümmer wegzuräumen und die Toten zu bergen. Einige verlassene kwd'fche Greise hockten in den Schutthaufen, nur ab und zu schlich ein Sauer, der in den Ruinen herumgestöbert hatte, hervor und schloß Mons an, nachdem er einige Worte mit unseren Miquelets gewechselt hatte. Unser kleines Häuflein wuchs an, und wir waren etwa zwanzig Mann stark, als wir das Schloß des Grafen Don Caspar Mercador unweit Calatayud erreichten. .. Wir staunten nicht wenig, es in einigermaßen gutem Zustand zu fmöen. Einige zersplitterte Türen hingen schief in den Angeln, Fenster waren eingeschlagen, zwei oder drei Zimmer waren ausgebrannt, und eines der Hofgebäude lag ganz in Trümmern. Aber immerhin: diesen Besitz hatte der Krieg nur gestreift. Im Hof kam uns der Schloßherr entgegen. Hinter ihm standen die Gräfin und feine Tochter, und bas Mädchen trug einen Teller auf dem Brot und Salz lagen. Der Graf sprach mit gemessener Höflichkeit einige Worte der Begrüßung, dann brach er ein Stück des Brotes, tauchte es in Salz und reichte es Fuentes. Miguel aß drei Bissen, brach bann selbst von bem Brot und gab es in Salz getaucht dem Grasen. Dann tauschten sie ihre Messer gegeneinanber aus unb küßten einanber schließlich auf beibe Wangen. x „Es ist eine uralte Feindschaft zwischen den Fuentes und den Grafen Mercador", sagte Miguel, als wir in bem Zimmer allein waren bas man uns angewiesen hatte. „Einer ber Ahnen bes Grafen, ein wüster Mensch, hat einst in den Straßen. Valencias einen armen Narren einen Blödsinnigen, der nicht rasch genug ausweichen konnte, nieder- gestochen. Und einer meiner Ahnen hat sich des Mannes angenommen Hundertfunfzig Jahre war Haß zwischen seinem Geschlecht unb bem meinen, unb wir haben einanber so viel Uebles angetan, als wir nur konnten. Nun hat bie gemeinsame Not bes Vaterlanbes die alte Feind- schaft ausgelöscht unb uns versöhnt." Man ließ uns eine Stunbe Zeit, uns vom Reisestaub in einem mofaifgetäfelten Bab aus ber arabischen Zeit zu reinigen. Dann holte uns ein buckliger und hinkender Majordomo zum Speisen. Die waffenfähigen Diener standen wohl alle irgendwo gegen den Feind Der Graf selbst war verurteilt, daheim zu bleiben. Er zeigte uns seine verstümmelte rechte Hand, sie war ihm auf der Jagd durch einen Unfall zerschmettert worden. „Wie beneide ich Sie, Graf", sagte er „daß es den Fuentes vergönnt ist, ihren Namen neuerdings in das Buch der Geschichte unseres Landes einzuschreiben. Wie gern hätte ich neben Ihnen gegen diesen niederträchtigen Feind gekämpft." „Obzwar es auch unter ihm Männer gibt, die man achten muß" fuhr er nach einer Weile nachdenklich fort „Keine Franzosen freilich, sondern Deutsche. Es sind Deutsche gewesen, denen wir es verdanken, daß wir so glimpflich davongekommen sind." Ich war neugierig, mehr darüber zu hören, aber der Graf Mercador lenkte ab, als ob er in Gegenwart seiner Damen ungern davon spräche Erst als uns die Frauen verlassen hatten, und wir allein beim Wein saßen, begann er zu erzählen. „Ja, ich verdanke es Deutschen, wenn ich Ihnen ein Dach über dem Kopf anbieten und wenn ich Ihnen etwas zum Essen und ein Glas Wein vorsetzen kann. Ich verdanke ihnen sogar noch viel mehr." Ein deutsches Regimen, hatte auf dem Durchmarsch nach Zaragossa in dem Schloß Quartier genommen. Es hielt strenge Manneszucht, und die Offiziere baten von allem Anfang an, ihnen die geringste Verletzung der Gastfreundschaft und jede Unzukömmlichkeit anzuzeigen. „Freilich, Krieg ist Krieg", sagte der Graf, „damit muß man sich abfinden, und der Leutnant, der als Platzadjutant für die Aufbringung der Lebensrnittel und des Pferdefutters zu sorgen hatte, mußte seinem Befehl nachkommen unb ein Verzeichnis der Vorräte aufnehmen. Nach einer kleinen Welle kam Gabriel mit meinem Cid, den er inzwischen aus dem Stall in der Stadt geholt hatte. Wir saßen auf und beim Anbruch des Tages hatten wir schon die viadt umritten und ein tüchtiges Stück der Straße nach Gundalajara Mrüifgelegt. Es war nicht nötig, Vorsichtsmaßregeln anzuwenden, die Umgebung Madrids war frei von Franzosen. Sie hatten sich nach den nördlichen Provinzen zurückgezogen, aber der Weg, den sie genommen Wten, war eine breite Bahn der Zerstörung, der Greuel und des Todes. Die Bäume waren niedergehauen, die Weingärten verwüstet. Es diuert ein Menschenalter, bis ein Delbaum heranwächst, in einigen etunben ist sein Holz vom Lagerfeuer verzehrt. Die Dörfer waren Wummerhaufen, unter verkohlten Balken tagen Menschenleichen, bie ®(er toter Tiere verpesteten bie Luft. Gundalajara lag zur Hälfte in Schutt. In den Kellern schwammen l(fire zerschlagene Fässer auf dem ausgelaufenen Wein. Zertrümmertes tyiusgerät versperrte die Straßen, tote Hühner und Schweine stanken We Verwesung zum Himmel. ® -Ir‘ Gorregidor der Stadt, ber mit seinem Stab, bem Zeichen ber Mrichtsbarkeit, den Franzosen entgegengetreten war, hatte ein Pariser ®aroift ohne Umstände mit einem Schuh niebergeftrerft. Dann hatten betrunkenen Mordbrenner bie Pulverfässer, bie auf bem Marktplatz ri’nben, entzünbet. Die Häuser um ben Platz waren eingestürzt, ber ginbruif spatalt Ttt, Ni* » bet W t suhlt» n hin« (pult h ber s* t M>l* rfte 91* bfl iitnant Wettermarsch hat |i1b|l unter ''"^Qrn'nmr bn« bat),dfd)e Lheoauxleflerregimeiit Prinz uon Thur» und dettiiicher vor mein Innere» ' »In her (»raf von he» römischen ........... , Id) meiner Suche sicher fleme|en. Melcher andere Mensch - h/n Drillichen befliiügf sich, wenn er einen Schuh sindei, mit einigen ulten Münzen? Wer sonst al» du, Melchior? Er wandte sich um, leche sich au, den Bauch und lies, die Beine Uber den Fel,block Hunnen Die Nächststehenden dal,en- ihm h ub, en Murmeln Ichwoll an, wurde zu einem wilden, dröhnenden Schrei. „Gib e» nne, alb nno da« ©ofroment!" Wie non einem Sturmwind der Seelen vorwartsflepestfcht, drängte die inmberte neuen den Block, um da« Olelübbc zu leisten So rasend tiieh sie ihr Äegehren voran, das, der Mond) erbrikft worben wäre, 'nicht'einige besonnene. Männer eine Kelte um ihn Beb bet ha lern Sie las,ten einunder an den fjäiiben unb stemmten die Rücken gegen die Menge, so bns, nur einer nach hem andern herantreten Donnie E, s« ©anUiflo Sa»", suche Miquel, „er hat flrohe Much, über da» Volk. Du» Hut sein Mute» und |eln Schlimme» E> blieb un» nicht, übrlfl, ul» zu warten. Ich setzte mld) unme he» Wirbele, her den Münch umtoste, aus einen Stein und nahm Zeichenblock und Siist zur Hand viele», wa» ich da vor m r faj, nmr wert, sestflehalten zu werden. Wie de allgemein, »efle ter,m« |ld) Im einzelnen |e nach Veranlagung aitcstprach, ergab sich mir eine Mannlgfastiflkett der Bewegung, de,. «»»druck, und der Medarde me mich se,leite Manche waren siili, gesasst und entschlossen, andere he iich hlnflerlssen und voll An schwnnfl, wieder andere loderten von undön blfler Morblusi. al« ob sie sid) auaenblick, aus den Feind len Dazu spielten die dichter her Feuer mit dem Schulten der Massen, war,en sich In die Lücken, brandeten an Gesichtern empor und würbe wieder von Klumpen Dunkelheit erstickt. h.t(lnrn Plötz! ist) sah ich einen Kops, dessen Anblick inich in der Has««»« Arbeit meine» Siiste» einhalten lieh. Ö» war Mariincho. der eben du« Sakrament empsangen hatte und an» dem Kreta um den Wnn» hervorkam, ... ... . .. HÄ»”•ÄÄ’"lÄ * I»™ '« '""’SOdliid'd hdroddd, mld, v,rhIW, bmm Hnltl. Id» 'Dlmib in einem Grinsen miselnonber, und seine Augen fllonimen lud W auf 3d) habe e» nldjt glauben wollen", suflle er. „Mu» hust bu nicht fllnuben wollen?" ,nmmln /3d) habe ee der Pastrana nicht fltauben wollen, bafi bu kommen 11 " wie hat e» die Pnstrnna wissen können?" Mariincho zuckte die Achseln und wollte sich obwenden. , „Mariincho". saflte ich, „wallen wir nicht Frieden machen. f)oh spranfl mld) au» seinem Gesicht an. Er rls, den Mund a einander und zeigte aus die dunkle Mhfe. Gewi», er war dabmch «W schöner geworden, das, ich Ihm die Zahne elnqetreten halte. Der '' gesatlene Mund zwischen den breiten Backenknochen und d«m rob aesiohenen Kinn lief, an einen Totenkap, denken, dessen Berwe, bereite begonnen Hai. .... lFvrtsetzung solgt.) eure Sliidie haben sie verwüstet und ausaebranntz «der wa, ist da» aiie» ba sie auch die Kirchen fleslürmt unb erbrochen haben, um ihre . v, )nri.uirtdrnntn die Gold- unb Silberborien von den Me,i» n^mrinbem abAU rennen und da» Tabernakel mit seinen helttflen Gesäsien Au nllVnhern? 6le höben enr. Weiber unb Töchter geschändet unb Jrmnrbel Aber wa» ist ba», da sie die Hostien geschändet haben da» lUelld) unb Blut Christi über ben guftboden hinaestreui und mit den «blaken zertreten? Huben sie nicht Unter Gelachter unb Gespött da» Fleisch uni) Blut Christ! mit ihren ketzerischen Mäulern verschiunflen al, wäre e» ein gebackener Teig au» Mehl unb Wasser. Der Mönch hob ein Bein hoch, so reell e» sein rundlicher u9 jullef, unb lieh einen zerlumpien unb mit Stricken verschnürten S<) h Mitten In der Macht wurde an unsere Tür gekiopsl Miflnel Iprnttfl aus und nahm van einem unserer JJliquelel» eine Mrldung entflegen. , „ .Vorwärts, Franceseol" lugte Miauet. „Gehen wir 3m Schtohhos stunden etwa zweihundert Bauern beisammen. Gott allein inndjle wissen, au« welchen Schlup,winkeln Ile i)ervorgeiuin,neu waren ihre Bewussnung war armselig, e« gab wenige richtige Blich en, um Fagdsstnten, malle Pistolen, Gewehre, die sie selbst gefertigt Halten, indem sie nisenrohre an Stöcke banden, zumeist friedliche» öauerngerdt, Sensen, Mistgabeln, irflenbmle zu kriegerischem (Siebrand) handlich neinndit, oder Säbel und zerbrock)eue Basanelle, die an langen ©tannen bete,Hat waren Da« alle« wäre nicht |el)r surchtetnslöftend gewesen, ober wenn Id, ble Qiuti ansah, I" spürt, ich bin Kah unb bin unirdiitlichin Willen zur Vernichtung de« Feinde«, der In ihnen zusammengeballl war. Einer bei' Bauern silhtle un». Fackeln letidjlelen ans dem Weg durch Wölb eine Höhe hinan und dann Über eine kahle, steinige Flache. Bach einer oder unberthutl) ©lunben Marsch senkte sid) der P ad wieder, wir iahen In bei 'liefe einer Schlucht Feuer leuchten. Wir stiegen in steilen, kurzen Windungen hinab, Posten riesen un» an, erhielten da» Losnnfl«- roort und liehen un, vorbei Die sonst schmale und lies eingerissene Schlucht erweiterte sich an der Steile wo die Lugerieuer bräunten, zu einem Ke stet, der den zwei- i,,ulend Man», die |ld) hier gesammelt hatten, genügend Baum bot. Ai« wir näherkamen drang her Scholl einer Inulen Stimme zu uns. Vful einem ichwarzen Fe1«lst»ck flnnh ein Dominikanermönch und schrie aus die andächtige Menge ein, die ihn umringte. Mit roten Fetzen und Fackeln umgtlidte ihn der Schein her Unger,euer. rin Gai, wahlgeiäNtge» Werk", sdnie er, „ein Gott wohlgesäi. Hne« Werf. ble|e Bdjeutnle umzudringen Die Heilige Schrist lehrt um, bah die Menschen und) dem Ebenlstide Gatte« aeichaisen sind wohlan, die Heilige Schrist hat noch nldil« von den Franznien gewuist Diese stab nicht Ebenbilder Gotte», sondern Ebenbilder he« teufet». 6« sind Ausnedurten der Hölle, die Heersitzoren de« Aniichrlsl, nnne|ührt von Ihm selbst »um Hölteniürslen. brr sid) ben Kaiser nennt Wenn ihr einen Fronzoten tötet, so lötet ihr keinen Menschen. sonbern einen Teufel. 3,bei 1 ropsen Fronzosenbiul. ben ihr vergieftt, wascht eine Sünde fort, bei letzte Atemzug eine« solchen Ungeheuer« nimmt eine eurer Tod- lünben mit sich. Denn wo« wollen diese Bösewichter? Meint Ihr, sie wollen eure Freiheit nernichlen, Spanien In Besitz nehmen und euch ui Knechten machen? Gereist wollen sie dn« Wo«? He?" Ein dumpfe» Seufzen, ein Grollen der Wut ontworlete dem Mönch 'da da« wollen sie, Ihr wiftt r«s" fuhr er fort, „aber sie wollen noch mehr ’nod) weit mehr Diese Ketzer, diese Teusel«bratrn wollen auch die heilige Kirche zerstören, sie wollen euch euren Glauben rauben, fle mollen die Diener Gotte« auerotten, damit Ihr den Weg zu Gott nicht ,,-hr findet und dem Teufel verfallen feid. Eure Häuser, eure Dörfer, Plötzlich kommt mein Masvrdomo gelaufen, so schnell e» Ihm fein franke» I Bei aellalfef Er .nur nicht davon abzuoringen gewesen, alle U ere besten Äll.arkesten, aselgeschirr. Geld Sdmmck tue guten Kta bu. fl»^ stiicke unb Ballen Leinwand In ein unlerirdlsche» ^""öibe hinter vem Wi lnfeller au verstecken Und NUN stammelte er ganz entsetzt, d ift der Leutnant b!t der Durchsuchuu» de» Hause» die Hamsterhöhle meine» allen Pasguote entdeckt bat. «her «leid) daraus fommf ber Leutnant | unb omldu'it wir brauchten un» keine Sorgen zu machen. Er bst nr einige römische ©llberfflün;eii behalten zu dütseii, ble ml ' aeboraen holte. Bedenken Eie; Sennore», ein Feind, der einen ren Aber diese Teusel nehm haben. .Frommer Bruders sagte ber Bösewicht, dem Id) eien meinen tzlosenkranz geschenkt habe, .diese» Zeug Hilst mir wenig bei Regen unb auf euren steinigen Bergen, ^''' deinem Rosenkranz ann id> nicht marschieren. Schau dir nur mein ©chuhwerk an. Die chr Uri,,. Räd)stenstebe verlangt von dir, daft du mir deine guten Schuf)« gii'st.' Und damit packt mich dieser Hüllensohn beim Bein wirst mich mit einem Muck auf ble Strafte und zieht mir meine Schuhe ou», und "a hä Md, uerfiullen, »ereilenden unb nur mit Mt oeholtenen Lumpen hat er mir dafür gegeben Und allen Ist es so er- aanaen sogar seiner Gnaden, dem Bischof. Mus, da nicht Feuer vom Hinmiei sagen? Ja, e« Ist Feuer vom Himmel flefoüen, ee (ft In eure fier.ren aesaiieu und Hot fle zur Rache entzündet. Jede Kugel Ist ge> mclht d" einen Franzosen trifft, feder Dolch tft flereelht der da. Her» eine» Keifer» durchbohrt, feder Strick ist geweiht, Der einen «m brassest Gist und Stein und Feuer, alle» Ist "'weilst. In ^«rago a haben sie olle ba« Sakrament daraus genommen, Mann für Marei wenigsten« einen Franzosen zu erlegen. Seht her. hstr have lch den leweilsten Leib Ehrlstl. Wohlan, tretet alle heran. Ich will Ihn euch proben und gelobet mir desgleichen Wer einen Franzosen tötet dem st der Himmel gewift. wer zwei tötet, «ylrb einflehen ben inneren 'D zirk ber Erzengel und Heiligen, wer aber drei tötet oder mehr i wird ble heiilge Jungfrau selb f an der Pforte empfangen und ihn führen zu her obersten Tafel, wo er itzen wird zur Rechten de, Herrn. Der Mönch hatte eine Hberire Buchse au» feiner Kutte gehl, hielt sie hoch, so bah alle fle sehen konnten Dann stellte er da« Gesas) vor sich Olis den Stein, kniete davor nieder, sattele die 5)gnde unb rkl ,.di. IW .ud, °.n «Immd .... Anmuffaer Veriraq. Von Christian Morgen st er n. Auf der Bank im Walde Han sich gestern zwei geküßt. Heute kommt di« Nachtigall und holt sich, was geblieben ist. Das Mädchen hat beim Scheiden die Zöpfe neu sich aufyesteckt... Ei, wie viel blonde Seide da die Nachtigall entdeckt! Den Schnabel voller Fäden, kehrt Nachtigall nach Haus und legt das zarte Nestchen mit ihrem Golde aus. Freund Nachtigall, Freund Nachtigall, so bleib's in allen Jahren! — Mir werd ein Schnäblein voll Gesang, dir eins voll Liebchens Haaren! Auf Polff ern ff aff im Gaffel. Eine Fahrt von Bagdad nach Teheran. Don Hans Hermann Aderholt, Teheran. Um von Bagdad, der Hauptstadt des biblischen Zweistromlandes, des heutigen Königreichs Irak, nach Teheran, der Kapitale des Kaiserreichs Iran zu gelangen, gab es im Laufe dieses Jahrhunderts für den Reisenden drei Möglichkeiten Um die Jahrhundertwende war das Reittier das gebräuchlichste Verkehrsmittel. Es wurde bald vom schnelleren und bequemeren Automobil verdrängt, und im dritten Jahrzehnt trat mit ihm das Flugzeug in Konkurrenz. Der deutsch-persische Junkers-Lustverkehr, der seit einem Jahrfünft aus verschiedenen Gründen zur Einstellung seines Dienstes gezwungen wurde, verband Teheran mit Bagdad in halbtägiger Reisedauer. Heute beherrscht das Automobil als Beförderungsmittel allein die Strecke. Demjenigen jedoch, der darüber nörgelt, daß er heute nicht mehr in wenigen Stunden wie auf dem Zauberteppich aus Tausendundeinenacht durch die Lüfte nach der Hauptstadt Irans fliegen kann, möge der ungeheure technische Fortschritt, der darin liegt, auf bequemen Autopolstern anstatt auf harten Sätteln reifen zu dürfen, aus der Tatsache erhellen, daß eine deutsche berittene Expedition im Weltkrieg von Bagdad bis zur irakischen Grenze fünf Marschtage benötigte, für eine Entfernung, die der motorisierte Reisewagen in vier Stunden zurücklegt. In den Nachmittagsstunden sind die Soffer auf den Gepäckträger geschnallt und über schnurgerade, teilweise asphaltierte Straße brummt der Wagen in östliche Richtung. Wüstengraues Oedland wechselt mit saftgrünen Weizenfeldern, die Anfang April bereits Aehren angesetzt haben. Hie und da durchfahrene Palrn-Oasen deuten auf wasserreiche Flüsse ober Kanäle. Immer wieder begegnet man fleißigen Arbeiterkolonnen in ihrer malerischen arabischen Tracht, die mit Hacke und Spaten emsig bemüht sind, die Minterschäden der Straße auszubessern und sie frisch mit Asphalt zu übergießen. Die Straßenreparaturen zwingen oft zu Umwegen, welche die Reitenspuren in die tafelglatte, staubüberdeckte Steppe zeichneten. Eine Abendbrise wirbelt Sandhosen auf und täuscht den Einbruch einer Nacht in der Wüste vor, die dieses vielfach bebaute und entlang der Wasserkanöle höchst fruchtbare Land gar nicht ist. In südlicher Dämmerungslofigteit bricht die Dunkelheit herein, und plötzlich funkeln die Sterne vom nachtschwarzen Samt des Himmels. Nach Dierrfünbiger Fahrzeit taucht der Bahnhof der Grenzstadt Khanikin auf. Auf den Schienen stehen die zum Sonnenschutz mit Silberbronze bestrichenen Züge der Schmalspurbahn. Die von der irakischen Eisenbahn- geselUchast betriebene Bahnhofswirtschaft empfängt uns mit liebevoller Göttlichkeit. Im Badezimmer roufcht Wasser, um den Staub abzuspülen, englisches Bier kommt aus dem Eisschrank auf den sauber gedeckten Tisch, der, angerichtet mit einem üppigen Mahl mit Speisen aus oller Herren Ländern, frischen Tomaten aus Indien und Butter aus Australien, alle Unterschiede der Breitengrade vergessen läßt. Anderntags blaut ein kristallklarer Morgen. Nur wenige Minuten erfordern die Ausreiseformalitäten im irakischen Zollamt. Nach einer halben Stunde kündigt eine grünweißrote Flagge an, daß in dem großen Neubau die iranischen GrenzbeHörden un,ergebracf)f sind. Auch Hier dauert der Aufenthalt nicht lanae. Mit Höflicher Großzügigkeit geht die Zollrevision vor sich, und die Notierung der Devisenbestände nrirb mit derselben Genauigkeit erledigt, wie bereits achtmal seif der Ausreise aus B<»-lin. D->nn fahren wir los in irani^es Land. Kasr Schirin ist die erste iranische Stadt, in der wir Halten. Diese Stabt, in der im siebenten Jahrhundert Khossrov Parvis, der letzte große Herrscher der Sassaniben- bnnaftie, ber Palästina und Aegypten eroberte und bis Konstantinopel DO’-hrang, auf seinem Schloß inmitten unerm-ßlicher Parks residierte, ist heute ein verhältnismäßig unbedeutender Grenzort. Aber selbst er zeigt dem Reitenden deutlich den Berwestlichungswillen des neuen Iran. A--Nostx ber bunten arabischen Gestalten jenseits der Grenze mit ihren als Sonnenschutz malerisch um den Kopf gewunbenen Tü-ßern sind auf ber Straße eimovaisch nefleibete Männer zu sehen mit Filzhüten und Snorttannen, Knickerbockers unb Kontektionsan-ügen. Selbst bie Frauen tragen nicht mehr ben altgewohnten schwarzen Umhang, fonbern bewegen sich in Kleibern westlichen Zuschnitts. Nach einer Taffe bes berühmten, blumig buftenben iranischen Tees, geht es weiter. Bald wird bie Land- frbaft romantisch und wild. In Kehren windet sich die Straße durch enge Röste in ber zerklüfteten Ranbkette. bie bas iranische Hochplateau von ber irakischen Tiefebene ab(nerrt. Diele Berge werben von kurdischen Stämmen bewohnt, deren Dörfer oesh wie der Lehm, aus denen sie gebaut sind, kaum sichtbar an den Berghängen kleben. Manchmal sind auch schwarze Ziegenhaorzelte zu entdecken, in denen die Betreuer ber zahlreichen Herden hausen. Fast baumlos ist das Land, von leichtem grünem Schimmer überzogen, den der Frühling auf bie Steppe zauberte. Nur an ben Wasserläufen in ben Tälern wachsen Pappelhaine, unb an ben Hängen sind Felber mit Weizen bestellt. Manchmal zwingen Eselkarawanen zur Berminberung ber Geschwinbigkeit. Das lieblich in Grün gebettete Dorf Kerinb, bas wegen seiner frischen Quellen unb des kühlen Sommerklimas von Iranern unb Irakern gerne als Sommerfrische erwählt wirb, liegt bereits 1800 Meter hoch. Ihm folgt bas bem Schah gehörenbe Musterborf Schahabab, bas in ber sonst so oegetations* armen Lanbschaft mit einem weißrosa schäurnenben Meer blühenber Obstbäume bas Herz erfreut. In Kermanschah ist Mittagsraft. Nachdem die Polizei wieder bie Pässe kontrolliert hat, fahren wir burch breit angelegte Straßen in ein Gasthaus, bas im Spieß gebratenes Hammelsleisch unb köstlichen körnigen Reis, bie iranische Nationalfpeise, bietet. Zum ersten Mal hat ber Reisenbe Gelegenheit, auf dem Boden unb an ben Wänben die in geschmackvollen Farben unb Ornamenten leuchtenben Erzeugnisse ber iranischen Teppichknüpfkunst zu berounbern, beren Pracht in eigenartigem Gegensatz steht zu ber sonstigen Einfachheit ber Herberge. Die Stabt Kermanschah, bie vor etwa anberthalb Iahrtausenben von ben Sassa- niben begrünbet würbe, zählt heute über 70 000 Einwohner unb macht ben Einbruck eines aufblübenben Ortes. Bald nach Kermanschah führt die Straße nahe an Tagh Bostan unb Bifutun vorbei, wo ber Reisende von teilweise gut erhaltenen, in bie Felsen gehauenen Reliefs aus ber Zeit ber Sassaniben unb ber noch viel früheren Epoche bes großen Achämäniben, Darius I., besten Reichsgrenzen im Westen Aegypten umschlossen, baran erinnert wirb, baß bie Reisen bes Autos ben Staub historisch bedeutsamer Erde aufwirbeln. Als die Schatten lang werden zieht auf einmal schneidend kalter Luftzug durch bie Fenster. Der Wagen schraubt sich in halsbrecherischen Haarnadelkurven immer höher in bie Berge, unb als Erklärung für bie plötzliche Kühle tauchen rechts unb links bes Weges ©d)neeFe!ber auf, bie in ben letzten Strahlen ber unter» gehenben Sonne aufleuchten. Immer steiler unb enger wirb bie Paßstraße. Vorsichtig werben riesige Ungetüme von Tankwagen ber Ang'o- Iranian-Oil-Company überholt, bie in ber Erbölraffinerie von Kernwn- fchah ihre eisernen Bäuche mit bem für bie Autos ber Hauptftabt bestimmten Betriebsstoff füllten. Als ber Fahrer ein ärmliches Bergborf mit ber Erklärung Astababab belegt, wissen wir, baß bie Pahhöde erreicht ist. Man hätte auch ohnehin durch bie vor Kälte klammen Hänbe, bas schneller pochende Herz unb bas Saufen in ben Ohren gemerkt, baß unversehens breitaufenb Meter erreicht sind Dann gleitet ber Waaen mit abgestelltem Motor lautlos bie jenseitige Paßstraße hinab. Bei Dunkelheit wirb fmmaban erreicht. Ein großräumiges Gasthaus von nüchterner Zweckmäßigkeit nimmt uns aus. Man stellt uns Speisen nach europäischem Geschmack unb golb» gelben ßanbroein auf ben Tisch. Im Zimmer, dessen Wände mit bunten iranischen Stickereien geziert sind, warten Betten mit warmen Komck- haardecken, denn wir sind immer noch 2100 Meter hoch, und die Frühjahrsnächte bringen oft noch Kältegrade. Hamadan, bas alte Ekbatana, bas sich um 700 v. Ehr. ber erste König ber Meber als Resibenz erkor, unb besten Palastviertel bie Ausdehnung ber Stabt Athen bes Altertums besessen haben soll, ist eine ber ältesten Stöbte bes iranischen Hochlanbes, benn es wirb schon in assyrischen Quellen erwähnt. Schnell vergehen jeboch bie Gebanken an graue Vorzeit angesichts des morgenschönen Tages über ber Stabt von heute. Viele neue Bauten sprechen berebt von ber Entwicklung mährenb bes letzten Jahrzehnts, unb ber Schmuckplatz im Mittelpunkt ber Stabt ist einer östlichen S'abt von bunberttaufenb Einwohnern wohl würdig. Nur hat auch Hamadon wie bie meisten iranischen Stäbte, obwohl hier Walser in Überfluß ist, noch keine Wasserleitung. Im Hotel versucht ein über bem Waschbecken bängenbes Blechkännchen mit einem winzigen Hahn baran sie zu erleben, bamit her Mohammedaner seine vorgefchriebene Wafchung unter fließendem Wasser vornehmen kann. Als Wahrzeichen Hamadans aber, das wegen feiner kunstvollen Teppiche, wegen ber blau gefärbten Tövfer- roaren unb bes Weins, ben feine lanbfchafttich reizvolle Umgebung in bie Stabt schickt, berühmt ist, erhebt sich ber oiertaufenb Meter hohe Elvenb. In flottem Reisetempo geht es nun auf geraber Straße nach bem 240 Kilometer entfernten Kafwin. wo die Mittagsrast anaefeht ist Die Disziplin ber Schofföre, ihre Vorsicht in ben Kurven, bie Höflichkeit beim Ueberbolen unb bie freundliche HUfsbereitschgtt. bie biefe Manner am Lenkrab untereinanber beroeifen, fällt bem Reifenden angenehm auf. Wer damit rechnen muß, in fonnenüberglühfer wasserloser Steppe ei"e Panne zu haben ober in sibirischer Kälte im Gebirge einzufchneien. weiß, bah einmal bas Leben van ber Einsatzbereitschaft bes Kameraden ab» hängt. In fünf Stunden ist Kafwin erreicht. Diese Stadt von etwa 60 WO Einwohnern war im 16. Jahrhundert unter ber Savaviben-Dnnastie Hauptftabt bes Reiches. Ihre heutige B°beutunq liegt in ber Eiaenfchgft, wichtiger Verkehrsknotenpunkt zu fein. Bei Kafwin gabeln sich bie Landstraßen, bie von Teheran nach bem Kafvihafen Pahlavi, ber meistbenuß- ten Ausreisestation nach Mitteleuropa laufen, ferner nach Täbris unb damit sowohl nach ber Türkei wie nach bem kaukasischen Rußland unb schließlich zweigt hier bie Ausfallstraße nach Westen in Richtung Bog- bab ab, auf ber wir anrollten. Das Hotel entspricht in feinem guten Zustanb ber Stärke bes Durchgangsverkehrs. Trotzdem halfen wir nur zu kurzem Imbiß, denn es drängt uns, bald bas Ziel Teheran zu erreichen, bas nur brei Stunben entfernt liegt. Ueberoll entlang des Weges konnten wir bewundernd ben Fleiß unb die Zähigkeit feffftelbm, mit ber bie iranischen Beuern mit oft noch rückstä--higen Methoden karger Scholle bas tägliche Brot abringen. Hier in Ker»tfch werben junge Iraner zu wissenschaftlichen ßanbroirfen erzoaen, die bann hinausgehen sollen, um neuzeitliche Mefhoben unter ber Bauernschaft zu Derhre'*en. Enblich taucht ber schneebestäubte Kegel bes Demavenbs, bes 6200 Me- ter hohen erloschenen Vulkans, auf, der das Wahrzeichen der iranischen Hauptstadt ift Die Reisemüdigkeit fällt plötzlich vor Staunen von uns ab, als wir in Teheran einfahren, das wir vor sieben Jahren zum letzten Mal sahen. Die Stadt hat sich in dieser Zeit derart zu ihren Gunsten verändert, daß sie nicht wiederzuerkennen ist. Wo einst ungepslasterte, von Lehmhäusern eingefaßte Gassen liefen, sind heute asphaltierte Avenuen mit zwei Fahrbahnen, die ein Grünstreifen trennt, durchgebrochen, zu beiden Seiten von schmucken Backsteinbauten, manchmal sogar von palastähnlichen össentlichen Gebäuden flankiert, die bei aller Neuzeitlichkeit der Ausführung nicht einfach Europa kopieren, sondern einen eigenen, iranischem Geschmack und Klima angepaßten Stil zu finden bestrebt sind. Auch das Straßenleben hat sich von Grund auf gewandelt. Anstelle der offenen basarartigen Verkaufsstände von früher traten Läden mit Schaufenstern, die Männer eilen geschäftig wie in einer südeuropäischen Stadt durch die Straßen, und die Frauen, die sich in der Provinz offensichtlich noch nicht ganz an die europäische Kleidung gewöhnt hatten, tragen in der Hauptstadt Kleid und Hut bereits mit selbstverständlicher Eleganz. Leise Wehmut beschleicht uns in der Erinnerung an die verloren gegangene Romantik des Orients, an die bunt gekachelten Stadttore. die einst den Reisenden empfingen, an das Treiben in den winkligen Straßen und die schwarzverhllllten Frauengestalten. Schon hält der Wagen vor dem Hotel und schon sind die Gedanken an die romantische Vergangenheit verscheucht. Der an die Bequemlichkeit der Zivilisation des 20. Jahrhunderts gewöhnte Mensch freut sich im Grunde doch, daß er in zwei Tagen auf weichen Polstern seinen Bestimmungsort erreichte, statt Wochen im Sattel oder einer schlecht gefederten Postkutsche verbracht zu haben und weiß dem Fortschritt des modernen Iran Dank, das für Hotels und gute Straßen sorgte. Der Angler. Erzählung von Ern st Kreuder. Ais ein Mann von 35 Jahren kehrte Heuer nach Deutschland zurück. Er war auf vielen Schiffen gefahren und hatte zuletzt lange in holländischen Diensten in der Südsee gestanden. Mit einem kleinen Vermögen kehrte er zurück, gelbgesichtig, lederhäutig, breiten, schlenkernden Schritts, den Hut schief im Gesicht. So sah er aus wie ein rauher Bursche, der es an jeder Ecke mit jedem ausnimmt, Tabak kaute, die Hände in den Taschen behielt und niemand grüßte, da er niemand kannte. Und doch war dieser Mann mit einem fast kindlichen Wunsche zurückgekehrt. Er wollte seinen Vater suchen und ihm ein Häuschen bauen. Seine Mutter war lange tot, Brüder und Schwestern hatte er keine, und vielleicht war dieser Wunsch, zu seinem Bater zurückzukommen, eins mit dem Wunsche, in seine Heimat zurückzukehren. Mit vierzehn Jahren war Heuer von zuhause ausgerückt, durchgebrannt in einer finsteren Novembernacht. Damals besaß sein Vater das Wirtshaus „Zum Nord- vol" in einer Stadt am Main. Nach einem schweren Zerwürfnis mit seinem Vater, nach einer Tracht Prügel war Heuer davongelaufen und hatte auf einem zurllckgelassenen Zettel geschworen, niemals mehr etwas von sich hören zu lassen. Nun hatte er vor einem Jahre schon einmal versucht, mit seinem Vater wieder in Verbindung zu treten, aber der Brief war zurückgekommen nach Samarang mit dem Vermerk: „Unbekannt verzogen". Und jetzt hatte er sich selbst aufgemacht, seinen Vater zu suchen. Wenn er ihn fand, wollte er ihm den Vorschlag machen, in ein neues kleines Häuschen auf dem Lande zu ziehen, Heuer selbst würde sich in der Stadt Arbeit suchen. Ein kleines Häuschen an einem Wiesenhang, mit einem Garten und Nußbäumen, denn die mochte sein Vater besonders gern. Auf diese Weise würde der Sohn Heuer auch noch einmal eine Heimat bekommen, er war ledig geblieben, und an freien Sonntagen würde er seinen Vater besuchen, im Garten mit ihm Kaffee trinken, eine Pfeife rauchen und von vergangenen Zeiten plaudern So hatte sich das Edgar Heuer ausgedacht. Und deswegen war er zurückgekommen. Jetzt saß er in dem ehemaligen Wirtshaus seines Vaters vor der Stadt am Main und ließ sich von dem fremden Wirt ein Glas Bier bringen. Es war ein warmer Nachmittag, der Main floß drüben friedlich vorbei, die Sonne glitzerte auf dem Wasser, drüben am anderen Ufer dehnten sich die gemähten Wiesen, und die Weidenbüsche waren fast zu Bäumen geworden, seit Heuer zuletzt hier gewesen war. Heuer gab sich nicht zu erkennen, er erfuhr, daß sein Vater in Not geraten war und vor einigen Jahren das Wirtshaus hatte aufgeben müssen. Ein Schisser kam jetzt die StzUen herauf, hängte seine blaue Kappe an den Haken, setzte sich zu Heuer'an den Tisch und bestellte einen Korn Als er den Namen des Vaters Heuer hörte, beteiligte er sich an dem Gespräch. „Den alten Heuer, meinen Sie?" sagte der Schiffer und kippte genau die Hälfte seines Korns hinunter. Dann drehte er in seinen schweren, roten Händen das Gläschen. „Den hab' ich mal vor einem Vierteljahr hinter Hanau wo gesehen, er sah nicht gut aus, es scheint ihm kratzig zu gehen." Am nächsten Tage war Heuer in Hanau. Aber er konnte dort nichts über seinen Vater erfahren. Am Nachmittag ging er über die Brücke nach Klein-Steinheim, kam nach Groß-Steinheim, trank da und dort einen Schnaps und ließ im Gespräch mit den Leuten den Namen des alten Heuer fallen Peter Heuer war hier unbekannt. Am andern Morgen schlenderte Heuer zum Main hinunter. Die Lust war neblig und feucht, es war mitunter schon leise herbstlich. Er bummelte am Ufer entlang, blieb bei den Anglern stehen, aber es waren meistens stumme, mürrische Leute, die auf kein Gespräch eingingen. Bei sich selbst dachten diese Leute wohl, was dieser gelbgesichtige Fremde hier eigentlich wollte. Denn im Dorf wurde seit gestern abend von ihm gesprochen. Heuer schlenderte weiter, steckte seine Stummelpfeife in SBranö, ließ die Angler Angler sein und freute sich über das frische Morgenwetter. Er hatte es nicht eilig, und wenn sein Bater noch lebte, würde er ihn schon noch finden. Zuletzt ließ er sich auf der Böschung im Gras nieder und schaute dem ziehenden Wasser zu. Schräg unter ihm am Wasser waren dichte Weiden- bllsche, und als Heuer einmal länger hinsah, merkte er, daß sich in dem vordersten Busch etwas bewegte. Dann sah er auch die Angelrute. Wieder ein Angler, man konnte ihnen hier offenbar nicht entgehen. Nach einer Weile fuhr die Angelrute hoch und ein Fisch mit rötlichem Bauch zappelte einen Augenblick blitzend in der Lust. Heuer vergaß seine schlechten Erfahrungen mit den Anglern und versuchte, ein Gespräch anzufangen. „Heh", rief er hinunter, „verkaufen Sie wohl so'n Fisch?" Der Angler brummte etwas und meinte nach ein paar Minuten, daß dies fein erster Fisch heute sei. Der wäre fürs Mittagessen. Nach einer Weile meinte er dann, wenn er noch was finge, könnte er auch was verkaufen. Heuer störte sich nicht an der brurnrnligen Rede und sagte, er hätte Zeit und könnte ja warten. Er hätte heute gerade Lust auf sriscken Mainfisch, gebacken, mit Kartoffelsalat. Aber der Angler gab keine Antwort mehr und Heuer legte sich auf den Rücken und starrte in den Himmel. Nach einiger Zeit wurde es ihm langweilig und so rief er hinunter, ob inzwischen einer angebissen hätte. „Bis jetzt noch nicht", brummte der Angler. „Sagen Sie mal", sagte Heuer, „haben Sie mal hier herum den Namen Heuer gehört?" „Heuer?" fragte der Angler. „Den alten Heuer meine ich", sagte Heuer, „sein Sohn ist ja im Ausland." „So", sagte der Angler, ,chen Namen habe ich schon gehört. Er soll wohl hier in der Gegend wohnen, meine ich." „Sie wissen, wo er wohnt?" rief Heuer und fühlte, wie plötzlich alles ganz schwer wurde an ihm. „So ungefähr", brummte der Angler. Er schien jetzt zu bereuen, daß er so viel geredet hatte. Und als Heuer ihn bestürmte, mit ihm zu gehen und ihm den Weg zu zeigen, gab der Angler überhaupt keine Antwort. Erst nach einigen Minuten hörte er ihn wieder brummeln. „Wenn Sie bis elf warten können, will ich Ihnen die Richtung zeigen." Heuer wurde die Zeit bis elf Uhr unendlich lang. Wenn sich der Angler nur nicht geirrt hatte, dachte er. Und zugleich fühlte er, daß er sich das Wiedersehen noch gar nicht vorstellen konnte. Er rauchte noch zwei Stummelpfeifen, der Hals wurde ihm trocken und im Stillen fluchte er über diesen dickköpfigen Angler. Kurz vor elf packte der Angler seine Sachen im Busch zusammen, er hatte nichts mehr gefangen. „Wenn Sie also mal mitkommen wollen", brummelte er, „bann geh ich mal voraus." Heuer sah, daß es ein kleines, altes Männchen war. Er stiefelte hinter ihm her. Das kleine Männchen hatte einen weißen Spitzbart und der verschossene Tirolerhut saß tief in der Stirn, es steckte in einem zerschlissenen alten Mantel, der viel zu groß war. Nach zehn Minuten standen sie vor einer baufälligen Gartenhütte in der Nähe des Ufer» (djilfes. Zwei Ziegen waren an langen Seilen angebunden und kamen meckernd heran. „Wenn Sie einen Augenblick hereinkommen wollen", murmelte der Alte und machte die Tür auf und ging hinein. Heuer folgte ihm, da drehte sich der Alte um, hob die dünnen Arme, legte die kleinen, runzeligen Hände auf Heuers Schultern und sagte: „Edgar." Im selben Augenblick hatte Heuer seinen Vater erkannt. Er war so überrascht, daß ihm die Sprache fehlte. Zwanzig Jahre waren eine lange Zeit. Er umarmte den kleinen alten Mann, der sich vergeblch losmachen wollte, setzte ihm den Tirolerhut ab und half ihm aus dem großen Mantel. Er bestürmte ihn mit hundert Fragen Vater Heuer gab nur einsilbig Antwort, seine Hände zitterten, er machte sich am Herd zu schassen, schichtete Papier und Kleinholz aus und zündete es an. Sie waren jetzt beide verlegen, die Hütte war zu eng. „Ist das dein Kleiderschrank?" fragte der Sohn. Dann machte er Öen alten, wurmstichigen Schrank auf, nahm einen Hut und einen Anzug heraus, beides Stücke aus besseren Zeiten, und überredete feinen Vater, sich umzuziehen und mit ihm essen zu gehen. Im Dorf mietete Edgar Heuer bei der einzigen Autovermietung einen kleinen, klapprigen Wagen. Die Leute grüßten seinen Vater und der Sohn hörte, daß sie ihn untereinander „Ziegen-Peter" nannten. Nun konnte er sich auch erklären, warum niemand'den Namen des alten Heuer hier kannte. Sie fuhren in dem kleinen Auto hinüber nach Hanau und stiegen in einem gemütlichen Gasthaus ab. Dort aßen sie zu Mittag. Heuer wußte, daß fein Vater gern Kümmel trank, er selbst machte sich gar nichts daraus, aber jetzt trank er eine Lage nach der anderen mit ihm. ,^)ätte dir gern den Fisch gefangen", sagte der alte Heuer lächelnd und zupfte an dem weißen Spitzbart, „ich wußte gleich, daß du's warst." Er war alt geworden, der Vater, weiß Gott, wovon er in der kleinen Hütte lebte. Als sie beide von dem Kümmel schon etwas rauchig waren, sagte der Sohn, daß er jetzt hier bleiben würde. Der Vater nickte. „Wir werden uns ein Häuschen kaufen", sagte der Sohn. „Ein Häuschen?" fragte der alte Heuer. „Mit einem Garten und schönen alten Nußbäumen", sagte der Sohn. Er nahm aus der Brusttasche ein abgegriffenes, dickes, gelbes Kuvert und legte es vor seinen Vater hin. „Es gehört uns, Vater", sagte er, „ich hab es für uns gespart" „Ein Häuschen?" murmelte der alte Heuer und sah auf das Kuvert und dann auf seinen Sohn. Dann brummte er, daß er gleich wieder da sei und ging langsam auf die Tür zu, auf der „Zum Hof" stand. Als er zurück kam, hingen noch ein paar Tränen in seinem kleinen weißen Bart. Derantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und Derlag: Drühlsche Universitätsdruckerei 2k. Lange. Dießen.