GetzenerZammewlanrr Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Nummer 26 Nontag, den 30. März Jrföeit es 1 zewand anschaffen, es besehen ist es doch nur Immer, o Gott! Schwört sie das? Agnes schwört. Ilack efetz, erwec iichtsch Kegler M® en M ien Sei let, bo ■ oe# E! •qern® W\ B". her ,nbi* oder ’■ '« A * - 'S foti roenht tfung I Lebe ffioDf ibioibii , bah' deM> man t jotie ' ; Bete er$eugi nicht» kann, I buen < । aller eine * en N len,1 Bibel wird, keiner Menschenseele? ' Ja Und will sie das Band nachts unter ihr Kissen legen, und wird sie immer bei sich tragen, ihr ganzes Leben lang? a Erst mid): Büatji' dem, 11| dir j |i arm, I < hin r ine $ err, i gfie 'urd) eist» Später werden auch die lärchenen Schränke in der Sakristei aufgeschlossen, es kommen schwer bestickte Paramente an den Tag, Meß- lleider und Rauchmäntel, manche uralt und schon so verschlissen tm Gewebe als seien sie aus purem Goldfaden gewirkt. Andere sind aus leidigen Damast genäht, über und über mit Blumengewinden in allen garben, die der Herr liebt, grün und weiß für die Festzelten, violett and schwarz für Buße und Trauer. Matt schimmernde Rüstungen sind sie, duftend vom Räucherwerk und vom Wachs der festlichen Kerzen. Aus den Truhen kommt altes Linnen, weich und kühl und schwer in der Hand, gestärkte Alben, Chorröcke aus prunkvollen Spitzen. Run wird das alles für eine Weile ins Licht gebreitet, damit es die Frauen säubern und lüften. Denn die Kirche ist zu Ehren Unserer Lieben Frau errichtet worden, man sagt, daß sie hier in Nöten des Herzens half; und darum kamen vordem die Wallfahrer von weither durch das Tal. Liebesleute kamen, auch trauernde Frauen, sie brannten ein paar arme Kerzen vor iem gnadenreichen Bild und flüsterten ihren Kummer durch das Gitter; und wenn sie es vermochten, so schenkten sie etwas für den Hausrat des Herrn. Jetzt kommen die frommen Gäste nur noch spärlich, vielleicht lind die Menschen im ganzen glücklicher geworden, oder sie haben andere Nittel gefunden, ihren Kummer loszuwerden. Aber die schmerzensreiche Jtutter steht noch immer in ihrer dämmerigen Nische und lächelt und läßt ihre segnende Hand nicht sinken. Ja, setzt ist die Kirche arm geworden, von Jahr zu Jahr orockelt etwas ab, fällt ein Stück aus dem alten Schatz. Der Pfarrer kann wohl bis Groschen aus der Sammelbüchse Zusammenlegen und ein neues Meß- ..... gleißt ja auch von Seide und Gold, aber genau Fqcycn Mi es vvlp nui Baumwolle, dürftiger Faden, und das Gold wird schwarz. Es gibt jetzt Fabriken, die Meßkleider weben, wie andere Bett- rorleger. Früher faß ein Bildschnitzer im Nachbardorf, zu dem ging. wer einem der Heiligen Dank schuldig war. Der Meister nahm zehnjähriges Holz vom Darrboden, und dann wendete er einen Winter daran und grub die Glieder des Heiligen lebendig aus dem Klotz, eines Florian oder Leonardas, der das Vieh vor Wetter und Seuchen schützt. Versteht das recht, der Meister hat ihn mit Kunst und Liebe gemacht, er hat ihm einen krausen Bart gegeben, über eine Weile gefällt sich der Heilige in diesem Bart, er läßt sich herab und hilft denen, die ihn bitten. Heutzutage ist es nicht mehr so, Leonardas wird aus Gips gegossen, man könnte ein Dutzend seinesgleichen für wenig Geld nebeneinanderstellen, und es ist schon viel, wenn er nicht im ersten Winter zu Staub zerbröckelt. Mitunter kommen auch jetzt noch fremde Besucher, sie lassen sich in die Kirche führen und haben ihr Wesen und ihr verzücktes Getuschel vor jeder geschnitzten Mantelfalte, aber das Knie beugen sie nicht, wenn sie am Altar oorübergehen. Ja, Frühbarock und Gotik, das mag schon sein, davon versteht der Pfarrer nichts. Er ist selbst nur ein Bauer, tagsüber werkt er in Hemdärmeln aus den Feldern. Vieleicht weiß er nicht mehr, wie Pflug und Egge im Lateinischen heißt, aber das Korn gerät ihm trotzdem. Erde klebt an seinen Schuhen, die Hände sind schwielig und ungelenk vom Werkzeug, und der Herr nimmt gleichwohl den Dienst von ihm an. Denn dieser Herr ist kein finsterer Gott, der zornig aus dem Dornbusch spricht, er ist ein Gott der Saaten und der gelben Frucht unter dem Himmel, gütig und väterlich, mild und blauäugig, so wie David ihn gesehen hat. Gott feiert seine Feste mit den Menschen, das Jahr des Herrn ist auch das Jahr des Bauern. Zur Sommerzeit geht er mit ihnen über Land, er segnet das Brautbett, das Kind in der Wiege und nimmt die Toten zu sich auf. Der Herr war selbst arm, als er auf Erden ging, wie sollte er nicht wissen, was die Armen drückt? Im Stall wurde er geboren, zeitlebens hatte er keinen Stein, um das Haupt darauf zu legen, und als er in die Stadt zog und starb, verbarg er feine Herrlichkeit in einer Scheibe weißen Brotes. Indessen hat sich freilich vieles in der Welt geändert, das Wort des Herrn ist nicht bei Fischern und Bauern geblieben, einfältig und schlicht, wie es anfangs war. Städte wurden ausgebaut und erstickten wieder im Schutt, glänzende Reiche wurden gegründet, auch sie vergingen, Kaiser und Könige. Ja, aber wenn der Herr wiederkame, so fände er immer noch einen warmen Wiesengrund für die Nacht, eine Quelle unter Büschen, wenn ihn dürstete, oder einen vertrauten Baum auf dem Hügel, kn dessen Schatten er sitzen und die Menschen seligsprechen könnte. Wiese und Quelle, Strauch und Hügel, das alles wäre wie vordem geblieben. Er fände auch dieselben Menschen wieder, Bauern und Fischer, die ihn zuerst erkannten, auch sie hätten noch immer ihren bedächtigen Schritt, die gleiche Einfalt hinter ihren furchigen Stirnen, und darum wären sie ihm lieb. -• Gott hat die Welt ja nicht wie ein Taschenspieler aufgebaut, damit wir daran raten können, sondern er hat sie fest und verläßlich gegründet, damit das Menschenkind eine Heimat habe und damit niemand irregehen muh, der die Wege Gottes nicht verläßt. Erde ist im Schoß der Täler ausgebreitet, fruchtbares Land, Tiere find dem Menschen gegeben, daß er sich nähre und kleide, Erze liegen im Berg für fein Gerät. Diese Welt ist nicht weitläufig, wenn man sie so betrachtet, man kann sie, in der Runde, mit einem Blick vorn Hoftor aus zufammenfassen, aber der ganze Himmel wölbt sich darüber. So läßt sich leben, Gartenland um die Häuser. Wege, ein kleines Gehölz, ein freundliches Waffer. Glatte Wiesen, und die Kirche inmitten breit hingelagert wie eine schwere Bauernfaust mit aufgerecktem Finger. Auch jenseits Felder, das Dach des Nachbarn unter Bäumen, dann Wald, Almen auf dem Berg, und dahinter wieder fo, Weiden und Aecker, aber das ist schon weit. Und das Jahr rollt heran und hinweg, mit den ewigen Gezeiten des Lebens. Die Tage des Bauern find geräumig, keiner ohne Frucht. Zuweilen mischt sich freilich etwas Trübes in den ruhigen Fluß der Arbeit, das bringt aus der Ferne herein, Lärm und Gezänk der friedlosen Welt. Aber kein Unheil, das vom Menschen kommt, ist so groß, daß der Weizen deswegen nicht mehr grünte. Darin kann ein einfacher Mann gewiß seinen Trost finden. Gott hat das Triebwerk der Schöpfung unserer Torheit entrückt. So denkt der Pfarrer. Früher einmal war auch er stürmischer, rang mit dem Engel und zog das Schwert wie Petrus. Aber der Herr besänftigte ihn. Selig sind die Friedfertigen, sagt der Herr. Und du sollst nicht weiter wirken wollen, als das Herz reicht. ♦ Die Kirche ist blank gescheuert und für die Feftzeit gerüstet, nun muß der Pfarrer noch einen Gehilfen haben. Eines Morgens kommt der geistliche Bruder an, David geleitet ihn und trägt fein Gepäck. Aber es ist nur ein leichtes Bündel, barfuß und bloßen Hauptes zieht Pater Johannes im Dorfe ein, vom Staub der Straße umwölbt. Ein junger Menfch, sagen die Männer. Ein heiligmäßiger Mensch, tuen, S: nten, । % Jahrgang 1956 lerfjeit le and rsönliij, für )pposd 'etulgi i Er« oben, , ist, ! iahrzel einge: n Wm i en, « angebt urch tu ren ® DasIahr des Herrn Roman von Karl Heinrich Waggerl ___ Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig. 2. Fortsetzung. Es ist wegen der Frühglocke, erklärt DaniW weil sie ihm doch damals nit dem Läuten geholfen hat. Nein? Hat Agnes nicht geläutet, hat sie nicht richtig abgefetzt und nur am Schluß ein ganz kleines bißchen nachgefchlagen? David gerät m Zorn. Ach du, sagt er, mit deinem Pfannenstiel tm Gesicht! Er läuft neben Agnes her und stopft ihr das Band mit Gewalt unter den Arm, aber auch das hilft nicht. Sie faßt es mit spitzen Fingern an und schleudert es weit von sich. So da liegt nun das Band im Schmutz. Weiß Agnes überhaupt, was sie getan hat? Gefrevelt hat fiel Denn dieses Band war hoch- zeweiht und gewissermaßen wundertätig, und den treffen unausdenkbare Strafen, der es mit Füßen tritt. Ich trete es ja nicht, sagt Agnes und wirft einen Blick hinter sich. Gleichviel. Sieben Tage lang mußte dieses Band ungesehen durch die Kirche wandern, die Sonne durste es nicht bescheinen, kein Regentropfen durfte darauffallen. Es mußte im Meßbuch verborgen liegen, drei Tage auf der Epiftelfeite, drei auf der Evangelienseite, aber am letzten Tage nutzte es unter das Altartuch gebreitet werden, damit der Pfarrer den Zutz des Kelches darauffetzte. Und nicht genug, nach dem Avelauten mußte man mit geschloffenen Augen rücklings durch die Kirche gehen, »hne anzustoßen, und außerdem war es nötig, einen ganzen Tag vorher zu fasten, man durfte nichts zu sich nehmen, nicht das mindeste. Ja, es zab einmal einen Menschen, der versuchte es auch und stand schon vor dem Altar, da flog ihm eine winzige Mücke in den Mund, und er chluckte sie unb stürzte auf ber Stelle ... Schweig still! sagt Agnes mit zitternber Stimme. Ich will es ja »ehmen. . Gut. Aber gelobt Agnes auch, daß sie niemanbem etwas davon sagen sich die kahlen Kopfe. Eins und das andere kriecht aus dem Korb und verliert sich im Haus, Katharina rollt über die Treppe in den Keller. Sebastian klettert durch ein Loch in die Waschküche und ist überhaupt nicht mehr zu finden. Erst am Abend entdeckt ihn die Magd unter einem umgekippten Schaff, da sitzt er vergnügt und singt mit dröhnender Stimme. Ein paar Wochen schwanken sie noch auf krummen Beinen in den Stuben umher, und eines Tages verschwinden sie für immer. Ja, einmal am Sonntag bleibt »in Bauer vor dem Hause stehen, er betrachtet sich den kleinen Matthias, der da mit seiner Garnrolle durch den Sand humpelt und fröhlich kräht. Der Bauer hat sich vielleicht in diesem Sommer Schafe zugelegt, er könnte wohl einen Schafbuben brauchen, später einen Knecht für Kost und Schuhwerk. Darum geht der Bauer jetzt zum Borstand und spricht mit ihm. Höre, sagt er, ich will ein gutes Werk tun und dieses Kind zu mir nehmen, die Waise Matthias, aus Barmherzigkeit will ich es tun. Und dann nimmt er das Kind mit sich. Einen Hüthund müßte er kaufen, aber den kleinen Matthias bekommt er umsonst. Allein, wie es auch zugchen mag, der Korb in der Leuleftube bleibt trotzdem nicht leer. Denn es ist das unsterbliche Geschlecht der Magdkinder, das hier fortwuchert, die große Sippe der Heimatlosen, die ewige Bruderschaft der Berachteten und Verleugneten. Dunkel ist ihr Herkommen, dunkel ist auch ihr Tod, sie vergehen einfach und sind nie gewesen, die Trittspur ihres Daseins erlischt hinter ihnen. Ein wenig pater vermodert auch das Kreuz auf dem Grabhügel, und dann ist ihr Andenken, ihr Name verschollen für immer, wenn nicht Gott ihn ausgezeichnet hat. In der Armut werden sie geboren, die Schande sieht ihnen Gevatter, und schon das Stroh, auf dem die Mutter blutet, ist ein Almosen. Die Mutter ist ja selbst nur eine Viehmagd, für die Arbeit gedungen, nicht für die Liebe. Sie wickelt das Kind in geschenktes Linnen und überwindet ihre Schwäche und trägt es in das Dorf zu den Schwestern. Ein paarmal fragt sie beim Kirchgang nach ihm, aber dann ist es schon eines unter vielen, ein fremdes Wesen. Und zuletzt kommt die Magd gar nicht mehr, sie sucht sich einen anderen Platz für den Winter oder sie geht in die Stadt und wird Kellnerin, Stubenmädchen in einem Hotel. Den Vater kennt niemand, er ist irgendein Mensch, ein Jäger, ein Wanderbursch, der einmal in den Mainächten unterwegs war und ein Fenster offen stand, dieses oder ein anderes Fenster. Aber das Kind lebt, es übersteht die Fraisen und die Skrofeln und die Masern, es ist kräftig und zäh, Maienkinder sind so. Mit den Jahren wächst es heran, kriecht zuerst und läuft auf eigenen Beinen. Es wird Schafhüter, nachher Holzknecht, wenn seine Schultern breit genug für den Schlitten find, und dann ist es schon viel für so einen jungen Burschen. Das Leben läßt sich nicht übel an, er hat schon einen hellen Flaum auf der Wange, ein paar Silberstücke in der Hosentasche, in dieser Zelt fängt er selbst an, sich nach offenen Kammerfenstern umzusehen. Aber die Arbeit schindet ihn aus, er merkt gar nicht, daß sich sein Rücken allmählich krümmt, daß sein Schritt schwerer wird, der Griff am Werkzeug weniger flink und fest. Unglück kommt dazu, ein Baum schlägt ihn nieder, er muß sich um eine andere Arbeit umsehen, von nun an ist er Knecht auf einem Hof. Und was am merkwürdigsten ist, er hat keine Silberstücke mehr in der Hosentasche, obwohl er seiner Arbeit wie früher nachgeht, vom grauenden Morgen bis in die sinkende Nacht. Auch das wäre nicht schlimm, wenn es nur immer so bliebe, wenn er immer seinen Strohsack in der Geschirrkammer, seinen Platz am Eßtisch hätte. Es gibt da vieles, was ihm mit den Jahren vertraut geworden ist, er möchte weiter so leben, im Frühjahr mit den Gäulen Land umbrechen, mähen und dreschen und abends in Hemdärmeln um das Haus gehen, die Kinder an der Hand. Cs ist ja nicht sein Hous, es sind nicht seine Kinder, aber er möchte das alles nicht verlassen, das wäre hart für den alten Knecht. Es geschieht dann einmal, daß sich ein Stück Vieh verläuft oder daß man mit dem Heu in das Wetter gerät. Der Knecht ist nicht schuld daran, aber der Bauer meint doch, es müsse eine frische Kraft auf den Hof, ein junger Mensch. Und zu Lichtmeß zählt er dem Knecht seinen Lohn auf den Tisch. Wie, kann man das in Geld umrechnen? Soundso viel für deine willige Treue, für Schweiß und Fleiß in schweren Sommerwochen. Das für deine wortlose Siebe, für alles, was du ungeheißen getan hast, damit kein Sensenblatt verkam, kein Hufeisen verloren ging, — ja, noch einen Gulden mehr für das zehnmal geflickte Wagenrad! Darf der Bauer jo rechnen mit feinem Knecht? Er beklagt sich ja nicht, im Sommer, sagt der Bauer, zur Heuzeit, kannst du immer wieder einmal kommen. Der Knecht sucht zusammen, was er besitzt, ein paar Hemden aus dem Flickkorb, seinen grünen Rock für die heiligen Zeiten. Seinen Wetzstein holt er aus dem Heuschuppen, den Rosenkranz vom Nagel an der Tür, das ijt alles weit herum in Haus und Hos verstreut. Jetzt erst sieht der Knecht, daß es so wenig ist, was er besitzt, nur ein Arm voll altes Gerümpel in feiner Truhe. Und dann beginnt die traurige Wanderschaft von Hos zu Hof. Noch einmal ein Jahr als Roßknecht, einen Winter auf der Schattseite, da und dort ein paar Wochen im Taglohn, wenn die Arbeit drängt, es ist nichts Bleibendes mehr. Der Knecht gewöhnt sich an, ungebeten in den Stuben zu sitzen, er bettelt ja noch nicht, aber er richtet es so ein, daß er um die Esienszeit nach Arbeit fragt, allmählich lernt er das. Es gibt Hochzeiten und Taufen und ein Begräbnis, auch auf den Märkten ist mitunter ein Schnaps zu verdienen. Auf diese Art lebt er ein paar Jahre. Eines Tages besäuft sich der Knecht und legt sich einfach mitten im Dorf in den Dreck, der alte Tagedieb. Einmal kommt es schon so weit, daß ihn fein Elend übermannt, er kann ja auch in eine Scheune gehen und seinen Hosenriemen an den Türbalken knüpfen, manche machen es so. Aber tot ober lebendig, zuletzt liegt er wieder dort, wo er her- aefommen ist, im Armenhaus. Und dazwischen ist nichts, Herr mein Gott, fruchtlos gelittenes Leid, fruchtlos vergossener Schweiß. 1 (Fortsetzung folgt.) meinen die Frauen, er sieht nicht rechts und nicht Ilnfs, nimmt fein Was er und kein Brot, geradenwegs schreitet er durch das Tor der Kirche und wirst sich vor Gott auf die Knie. Der Pfarrer hat Zeit genug, seinen Rock vom Zaun zu holen und den Samenschurz abzulegen. Er wartet auch geduldig im kühlen Schiff der Kirche und spricht selbst ein Vaterunser, bis sich Pater Johannes von den Stufen erhebt. Dann reicht er ihm friedlich die Hand. , , ,, David hat indessen das Bündel in die Gaststube gelegt, er hat Wasser im Krug geholt, damit sich der neue Herr erfrischen kann, sofern ihm überhaupt etwas von menschlicher Schwäche anhaftet. Die Wahrheit zu sagen, David ist ein wenig enttäuscht. Er hat sich alle Mühe gegeben, den Pater Johannes gut zu unterhalten und ihm einen Begriff von den Herrlichkeiten zu geben, die einen Fremdling zur Osterzell im Pfarrhaus erwarten. Da war vor allem einmal das Schwein zu betrachten, mit Milch und Honig aufgezogen und so dick gemästet, daß feine Beine gar nicht mehr zur Erde reichten, man mußte es zuletzt wie ein Faß aus dem Koben rollen, von jo einer Fülle war dieses Schwein. Daran konnte man wieder ermessen, wie die Würste geraten waren, die Blutwürste mit schneeweißem Würfelspeck und gesalzener Gerste durchsetzt, vierundzwanzig, wenn David richtig gezählt hat. Leberwürste, butterweich und scharf gewürzt, Schinken, nur ganz leicht angeräuchert und zweimal In Würzwein gesotten. Aber das alles war nichts im Vergleich zu den Mehl- jpeisen. Pater Johannes durste da nicht etwa an Strauben denken ober an gewöhnlichen Napfkuchen. Zu biefen Zeiten folgte bie Köchin Helene gewissermaßen höheren Eingebungen. Da wurde in Töpfen gerührt, in Schüsseln geschlagen und aus Säcken zugeschüttet, Helene stand zwischen den schweißtriefenden Mägde mitten in der Küche und hatte Gesichte und zeigte hierin und dorthin mit ihrem mehlbestäubten Finger. Kein Tisch war breit genug, die Massen goldgelben Teiges zu walken und zu ziehen, man konnte Erzengel damit speisen, so wie er ungebacfen in den Formen lag. Ader nicht genug, dann kam er noch ins Rohr über ein Feuerchen aus kleinen Buchenspänen, um alles in der Welt über kein anderes. Das eine Blech brauchte sechs Vaterunser, um gar zu werden, das andere nur ein Ave, die Windbeutel und Mohrenköpfe. Und zuletzt goß Helene selbst den Zierat aus spitzen Papiertüten, eine Palme, ein Osterlämmchen mit Kreuz und Fahne. Im vergangenen Jahr, erzählte David feuchten Mundes, da baute Helene eine ganze Kapelle über der Torte auf, aus nichts als Zuckerwerk und gebackenem Eiklar, und dennoch alles ganz natürlich und getreu, mit Säulen und Leuchtern und einer Glocke im Turm ... Plötzlich aber blieb Pater Johannes stehen. Gott verzeihe dir, mein Kind, sagte er laut und streng, ich fürchte, du lügst! Und überhaupt, fügte er hinzu, sollte David nicht immerfort daran denken, wie er sich den Bauch vollschlagen könne. Ach, eine Kapelle aus Zuckerzeug, ein Denkmal der Genäschigkeit, der Teufel zöge die Glocke darin! Es sei Sünde, sich mit solchen Künsten an der Gabe Gottes zu versuchen. Brot und Wasser, sagt Pater Johannes, mehr brauche der Mensch nicht. Zuletzt sei doch alles nur Asche und stinkende Fäulnis. So etwas begreift David nicht, das ist ihm verdächtig: ein Mensch, der das Würstemachen zu den sieben Totsünden zählt. Vielleicht war alles nur Hinterlist, und der Pater legte es darauf an, ihm fein Teil zu verleiden, damit fein eigenes größer bliebe. Oder Pater Johannes hatte sich zu irgendeiner Zeit ein ©raufen angegessen, so wie David an den Dörr- kirschen. Damals lag er drei Tage lang in Winden und Wehen, er verlobte sich dem heiligen Blasius, der gegen Gallensteine gut ist, und der Heilige erbarmte sich dann auch und half ihm von den Kirschkernen. * Ja, den Dörrkirschen hatte" David für immer entsagt, mochte es ihm im Jenseits angerechnet werden. Bisweilen schickt eben Gott seine Plagen aus heiterem Himmel, manche vergehen wieder, andere bleiben und machen einem das Leben schwer. Es bleiben die saueren Stunden in der Schulstube, die rein vergeudet sind. Das Wollehaspeln bleibt, das Jäten auf dem Rübenfeld und vor allem die endlose Plage mit den Kindern. Das Armenhaus ist voll von kleinen Kindern, sie vermehren sich auf rätselhafte Weise wie Maden in den düsteren Stuben, und oben« orein erschüttern sie das ganze alte Gemäuer mit ihrem durchdringenden Geschrei. Ihm aber, David, ist die Sorge für dieses Gewürm aufgebürdet, er muß es heben und legen, immerfort ist er mit einem dieser brüllenden Stoffbünbel beloben. David kennt gewiß Beispiele von Hinterlist, aber keine Kreatur der Welt ist so mit Bosheit angefüllt wie ein Wickelkind. Da schläft so ein Klümpchen, schläft lange und satt in feinem Korb, von keiner Fliege gestochen und von keinem Windchen gezwickt. David hebt sich auf die Zehen und schleicht zur Tür, er hat schon die Klinke niedergedrückt, in diesem Augenblick aber erwacht das Kind. Es nimmt sich nicht einmal Zeit, ordentlich zu gähnen, sogleich ist sein winziges Gesicht ein einziger brüllender Schlund. David nimmt es aus dem Korb und schleppt es in der Stube umher mit Tütü und freundlichem Gesumm — nein, nichts kann es begütigen. David gerät in Verzweiflung, vielleicht ist irgend etwas in diesem Kind aus Den Fugen gegangen, und es schreit nun wie eine zerbrochene Ziehharmonika, folang die Luft aus und ein geht. Er trägt es hinter das Haus und schüttelt es ein bißchen. Mit einem Male schweigt das Kind, es betrachtet ihn mißtrauisch mit seinen glänzenden Kugelaugen. Aber wenn er nur den Fuß vorsetzt, bläht es sich jofort wieder auf und läuft blaurot an. Niemals kann man erraten, was fo ein Geschöpf in seinem Willen bewegt. Man zwickt es in die Zehen, es lächelt. Man küßt es auf die Wangen, es brüllt. An schönen Tagen breitet David eine Decke auf die Wiese und trägt bie ganze Brut hinaus in bie Sonne. Da liegen sie bann in einer Reihe, von Fliegen umschwärmt unb säuerlich buftenb wie gärenbe Brote. Sie haben auch Namen, Matthias ober Antonia, aber bas macht nichts aus, alle sinb gleich in ihrer Gier nach Milch unb süßem Koch, von bem zu schweigen, was sie unaufhörlich roicber von sich geben. Dcwib füttert sie aus der Flasche und mit dem Löffel, allmählich runden Sirei'ttied zwischen Leben und Tod. "'^bekannter Dichter des 16.Jahrhunderts.) So spricht das^Leben: Die Welt ist mein, Mich preisen die Blumen und Vögelein, Ich bin der Tag und der Sonnenschein So spricht das Leben: Die Welt ist mein. So spricht der Tod: Die Welt ist mein, Dein Leuchten ist nur eitel Pracht, Sinkt Stern und Mond in ew'ge Nacht. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein. Und machst du Särge aus Marmorstein, Kannst doch nicht sargen die Liebe ein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein. So spricht der Tod: Die Welt ist mein, Ich habe ein großes Grab gemacht, Ich habe die Pest und den Krieg erdacht. So spricht der Tod: Die Welt ist mein. So spricht das Leben: Die Welt ist mein. Ein jedes Grab muß ein Acker sein. Mein ewiger Samen fällt hinein! So spricht das Leben: Die Welt ist mein. Der Waldbrand. Erzählung von Gert Lynch. Mathias Breitmoser, den sie den Hias nannten, ein armer Schlucker von einem Holzfäller war, besagt überhaupt nichts. Er hätte sich niemals einfallen lassen, aus seiner Haut zu fahren, um mit jemand zu tauschen. Am wenigsten jetzt, wo die Förster-Margret mit keinem auch nur annähernd so freundlich wie mit ihm war. Er wäre beinahe selber erschrocken, so schneidig hatte sie den reichen Marthelbauersohn abblitzen lassen, als sie beide den ersten Walzer gleichzeitig von ihr wollten. „Schon vergeben!" schwindelte sie keck drauflos, indem der Hias erst heraneilte. Der faßte sie flink und schwenkte sie mit Begeisterung durch den Saal. So wild war ihr Rock noch keinmal geflogen! Der Holzhauerball nahm ein unschönes Ende. Der Marthel, vor Eifersucht blind, hatte mit Hias Händel gesucht und dabei das Grisfeste hinterrücks aus der Naht gezogen. Doch Hias war ihm noch früh genug auf den Schlich gekommen und hatte ihm, ehe er fich's verfah, die Hand mit der Klinge aus dem Gelenk gebrochen, daß der Marthel wie ein Frauenzimmer hochauf schrie, was ein wieherndes Gelächter unter den Zuschauern auslöste. Fortab würde zwischen den beiden Todfeindschaft sein. Hias schlug's geringschätzig in den Wind. Den und fürchten? Bier- banzen mit einem Hektoliter konnte er glatt unter den Arm nehmen, und einmal hatte er einen bis an die Achsen versunkenen Heuwagen ganz allein aus der Moorwiese gezogen. 4 * Hias brachte zuerst seine Margret nach Hause, und da er kein bißchen müde war, beschloß er, noch an der Luft zu bleiben. Er schlug aus alter Gewohnheit den Gangsteig zur Vrüllschlucht ein. Dort war seit einigen Wochen sein Schlag. Haushohe Weihtannen, dicker, als vier Arme umzingeln konnten, mußten für eine holländische Firma umgelegt werden. Tag um Tag donnerten die Riesen zu Boden, daß das Echo fünffach aus der Runde zurückbellte. Jeder Baum, den sie lostrennten, riß ein gewaltiges Loch in den Wald. Bald würde er ausgerauscht haben, und es wird dort bloß noch harzende Wurzelstöcke geben und viel Reisignester, Moder und Totenstille. Hias riß einen Tannenzweig ab und steckte ihn in den Mund. Es war eine schwüle Nacht. Ein Volk Mücken siedete auf einem hohen, dünnen Ton hinter ihm her. Aus der Moorwiese knarrte unaufhörlich der Wachtelkönig, und im Soldatenhölzl fchrie jämmerlich eine Toteneule. Allmählich stellte sich der Weg zur Kuppe hinauf. Hias mußte beim Steigen den Atem tiefer nehmen, wobei ihm plötzlich ein brenzliger Geruch ausfiel. Er blieb stehen und sog die Witterung in sich ein. Kein Zweifel, es schmeckte nach Reisigbrand. Irgendwo im Walde mußte eine Flamme sengen. Hias spürte, wie fein Puls sich erregte. Er jagte die Halde zum Schluchtkopf empor, wo der Wald teilweise schon abgeholzt war und einen guten Beobachterstand bot für bas Gelände im Umkreise. Der Pfad lief durch dichten Baumbestand; es wurde stockfinster, und Hias mußte sich meistens nach dem Gefühl richten. Endlich hatte er die freie Höhe erreicht. Hias dampfte. Seine Hand war patschnaß, als er sich über die Stirn wischte. Und was er nun sah, ließ ihm das Blut stocken: Auf drei Stellen zugleich brannte der Jungwald hellichterloh am Fuße des Berges, und das Vorfeuer, von einer flotten Brise geritten, lief schnellfüßig wie ein Wiesel auf einem Streifen verdorrten Grases In das trockne Unterholz des Hochwaldes hinein, prasselte auf, wurde zur Lohe und — Hias stieß einen heiseren Schrei aus — schlängelte sich gleich einer Natter an einer Rottanne hinauf, und dann pufften unzählige Sprühsterne gen Himmel, und die Krone stand in einer einzigen Feuerlache. Ein Windstoß plusterte hinein, zwei, drei, vier weitere Bäume wurden in Brunst getaucht, eine turmhohe Flamme sprang wie jauchzend empor und warf ihren blutigen Schein bis zum Brüllpaß herauf. Der Hochwald brannte! Der Hochwald brannte! Hias quirlten die Gedanken durcheinander.' Er preßte die Fäuste zusammen, um sich zur Ruhe zu zwingen. Er mußte um Gottes willen etwas tun. Retten, was noch zu retten war! Löschen? Ein Ding des Unmöglichen! Wabernd, schleckend, schlürfend wälzte sich die Hölle dahin mit rußschwarzen Qualmschlangen, deren flackernde Schatten die Hänge in einen brodelnden Hexenkessel verwandelten. Hias mußte sich festhalten. Der Berg torkelte im Feuerrausch, so deuchte es ihn. Ein Rudel Rehe, das in kopfloser Flucht an ihm vorüberflog, brachte ihn zur Besinnung zurück. Das Holz für Holland, seine ehrliche Arbeit von Wochen, stand in größter Gefahr! Die durch den niedergelegten Wald entstandene Schneise war viel zu schmal, um die Stichflammen aufzuhalten. So mußte der Berg ausbrennen mit Gras und Kraut, mit Strunk und Stiel, mit Wurz und Wipfel! Hias verlor keine Zeit mehr. Die Schichten der Blochhölzer lagerten am äußersten Rande der Brüllschlucht und sollten nach Abnahme des Maßes zum Flößen ins Tal gestürzt werden. Hias riß das Schloß der Werkzeughütte mit einem einzigen Ruck seiner bloßen Hand herunter, nahm die längste Axt zu sich, sprang auf den Blöcherstapel, setzte das Eisen als Hebel an und wuchtete einen Stamm nach dem anderen in die Tiefe hinab, daß der Berg in feinen Grundfesten erschütterte. „Krachchch — kröchchch — kruchchch" dröhnten die schweren Lasten von der Talsohle herauf, und das fünffache Echo täute es, sich überhudelnd, wahnwitzig wider, und die Luft war nur noch ein Bersten, Grollen, Grunzen und Wubbern. Hias gebärdete sich wie ein Rasender. Er spürte seine Arme nicht mehr. Sein Schädel kochte. Er arbeitete im Takt: „Eins — zwei, eins — zwei, eins — zwei", ging es. Mit eins legte er seinen Beilhebel an, mit zwei rollte der Stamm bereits in die Leere hinaus. So walzte der letzte Stamm in den Felstrichter. Hias hatte es geschafft! Der Schweiß siedete ihm aus allen Poren heraus. Seine Augen waren halb blind geworden. Aber er kam nicht zum Verschnaufen. Eine rußige Rauchbank warf sich auf ihn und stahl ihm die Luft weg. Er tastete sich hinter eine Tanne und preßte das Gesicht so lange auf ihre Rinde, bis die Wolke anderwärts trieb. Als er wieder ausbliden konnte, sprang ihm der Schreck wie ein Ring um den Hals: Zweihundert Schritte vor ihm schmolzen die Bäume gleich Wachskerzen dahin. Er spürte bereits den stechenden Obern ber Glut, bie in geschlossenem Halbkreis herankroch. Hias hatte vergessen, an sich selbst zu denken. Eine Rettung war nur durch die Brüllschlucht möglich. Er trat hinaus auf bie Felsennase. Gar kein Drandenken, hinunter zu klettern. Lotsteil liefen bie Wände hinab. Ader der Spalt war nur zwölf Meter breit. In diesem Augenblick kam Hias der rettende Gedanke. Er wählte die längste Tanne am Schluchtrande (sie war so stark, daß sie ein Mann grab noch umfassen konnte), suchte sich festen Stanb, unb bann sauste das Beil in den Stamm. Vier Hiebe; zwei faustdicke Batzen schnellten nacheinander in die Luft, und aus der Tanne klaffte eine große weiße Wunde. Damit hatte er ihr die Fallinie gegeben. Und nun zuckte die Schneide von der anderen Seite ins Holz. Jeder Hieb faß. Die hellen Baumsplitter spritzten. Da knatterte und praffelte es auf einmal wie Maschinengewehrfeuer. Eine unbändige Flamme lief heran, und Millionen grüner Nadeln rundum explodierten in Salven. Das zischte und zackte und knackte und burrte, worauf ein Regen glühender Asche niederging und Hias von oben bis unten versengt wurde. Nun ging es um bie Minute! Unb er schlug unb schlug um sein nacktes Leben! Mit jebem Schlage biß sich das heiße Eisen eine Handbreit tiefer ins Mark des Baumes, daß die Späne und Scheiter nur so herumschnurrten. Bis ein Zittern die Tanne durchlief. Der lodernde Wipfel neigte sich langsam zur Seite. Hias trennte mit einem letzten gewaltigen Hieb den Stamm vom Stock, und der Baum polterte rittlings über die Brüllschlucht und wurde zur Brücke. Hias verlor keinen Augenblick mehr. Glücklich kam er über den grausigen Steg. Hier trat die Erschöpfung ein. Atemlos, ausgepumpt bis zum Letzten, mit blutigen Händen und voller Brandwunden, taumelte er zu Boden, während drüben die Lohen zu einem einzigen Feuermeer zusammenschlugen und alles verfchlangen, was weder Erde noch Fels war. Die Brüllfchlucht hatte dem Brande ein Ziel gefetzt. Aber der schwarze Berg rauchte noch neun Tage und zehn Nächte. ♦ Die Tat des Mathias Breitmoser indessen war wochenlang das Gespräch in sämtlichen Wirtschaften der umliegenden Waldämter. Wenige aber wußten, daß Marthel, der reiche Hoferbe, am Fuße des Brandberges vor einem leeren Graden, den er, wie die Spuren erwiesen, überspringen wollte, in schlimmem Zustande gefunden wurde. Sein Schuh war beim Absprung auf einem Schleimpilze ausgeglitten, wodurch er zu Fall kam, mit dem Schädel auf einen Knorzen schlug und ohnmächtig liegenblieb. So konnte es geschehen, daß die roten Ameisen über ihn herfielen. Als er wieder zu sich kam, redete er bereits irr. Hias jedoch erholte sich bald und hatte dann mit Margret eine gewichtige Aussprache, bei ber er sie fragte, ob ihr der Name „Frau Breit- mofer" in den Streifen paffe. Auf dem Heimwege machte er an jedem erreichbaren Baumast drei Klimmzüge. Sie waren sich einig geworden! Schließlich ist noch zu erwähnen, daß Hias am Fußpunkte der Brandstätte, vor jenem leeren Graden, ein Feuerzeug sand, das dem Marthel gehörte. Und er nahm das Ding auf drei Finger, warf es von sich, soweit er nur konnte, und wunderte sich im stillen über das buchstäblich erfüllte Sprichwort von jener Grube, die man andern gräbt dort. nichts bewirkte. Derloreu. Von Theodor Storm. sich vollkommen bisweilen, weil Was Holdes liegt mir in dem Sinn, Das ich vor Zeit einmal besessen; Ich weih nicht, wo es kommen hin. Auch, was es war, ist mir vergessen. Vielleicht — am fernen Waldesrand, Wo ich am lichten Junimorgen — Die Kinder klein und klein die Sorgen — Mit dir gesessen Hand in Hand, Indes vom Fels die Quelle tropfte. Die Amsel schallend schlug im Grund, Mein Herz in gleichen Schlagen klopfte, Und glücklich lächelnd schwieg dein Mund; In grünen Schatten lag der Ort — Wenn nur der weite Raum nicht trennte. Wenn ich nur dorl hinüberkönnte, Wer weiß! — vielleicht noch fand ich s Beran,wörtlich: vr. Hans Tbvriot. — Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Buch. und Steindruckerei. OL Lange, Kurzschluß. Bon Georg Grabenhorst. 6 Er kannte sich gut mit dieser Aeußerung, wir müssen ihm recht geben, wir wollen aber hierbei bemerken, wie gern er die Dinge solchermaßen auf sich zukommen ließ, wie gern er ihren schließlichen, unentrinnbaren Entschlüs en zustimmte, wie gern er nicht nein sagte! Er liebte das Leben in seinen tausend Möglichkeiten zu sehr, um eme davon freiwillig aufaeben zu wollen. Er genoß die Fülle, indem er sich nicht entschloß und geschehen ließ. Er genoß die endliche Entscheidung, indem er ohne Absicht, ohne Bemühung, jedem Zufall träumerisch hmgegeben, ledern neuen Antlitz staunend zugekehrt, leise darauf zutrieb, voruberstreisend am unendlichen Möglichen, innerlich tief in der Erwartung der einen endlichen Wahl, die er nur zu bestätigen hatte. So und nicht anders schloß er jene höchst merkwürdig und ungleiche Freundschast mit Maemy, über die seine Freunde vieles zu reden und zu vermuten hatten. Es war im Grunde gar nichts Außergewöhnliches dabei Es war genau so natürlich und einsach dabei zugegangen wie bei allen seinen Begegnungen sonst. Das Zusällige wurde entzückendes Ereignis und er war dankbar genug, dabei freundlich zu verweilen. Er hatte sie irgendwann einmal tennengelernt, ohne besondere Notiz, hatte zu den zahllosen bekannten Gesichtern das ihre stillschweigend hinzugetan und nicht weiter hinterher gedacht, als es nicht mehr da war. Er traf Maemy bei schönstem Schlackerschneewetter an der Omnibus- Haltestelle. Er hatte sie nicht gleich bemerkt, obwohl sie in ihren eleganten Pelzstieselchen heftig vor ihm auf und ab trippelte. Aber es stellte sich heraus, daß der Omnibus überfüllt war. Sie mußten Zurückbleiben. Es war durchaus Zufall, daß gerade sie es waren, die nicht mehr hineinpaßten. Der Omnibus fuhr jedenfalls davon und sie sahen sich an, ganz unwillkürlich, in jener wütenden Sympathie, die nicht viel Umstände bnytdjt, um sich mitzuteilen. „Guten lag*, sagte er, „das ist eine Gemeinheit!" „Guten Tag*, sagte sie, „das finde ich auch!" Daraus riefen ste ein Auto an, das gerade vorüberkam, und fuhren zusammen in die Stadt. Er hatte eigentlich allerlei Geschäfte vor, aber er brachie e, einfach nicht fertig, nein zu sagen, als sie unterwegs fragte, ob er auch zur Modenschau wolle. Er fuhr also mit ihr zur Modenschau nnh non da in die Polizei-Ausstellung. Ihr kindliches Interesse für dl« Maeieemerkzeuge, für die verschiedenen Hinrichtungsmethoden, sand er so bezaubernd, daß er sie auch noch zur Schneiderin begleitete, und es ihr unmöglich abschlagen konnte, auf ein halbes Stündchen, nach all b™ fi. - WJ» d-b-i auf eine' unwiderstehliche Weise an, „die Seltenheit wäre festlich genug, ste ^Nich?wahr, darauf ließ sich doch nichts anderes antworten, als ge- rührt und trotz aller Bedenken begeistert: Ja! . h . Er mar voller Bedenken, das muffen wir zugeben. Sie wohnte dre Treppen hoch, und der Fahrstuhl ging nicht rote immer. Diese drei Treppen stieg er hinauf in einer höchst verworrenen EmpstrHimg. Jede Stu^ schien sich an seinen Sohlen sestzusaugen. Er füllte sich f f - qebatten und immer mehr in die Länge gezogen. Eigentlich war es f , als ob seine Füße unten stehen geblieben waren, als ob sein ganzes Wesen zwischen zwei ungeheuren Magneten sich befand, die es langsam auseManderzogen, als ober auf eine gänzlich »eue und eigenartige We e komfortabel und sanft gefoltert, gemartert und hingerichtet wurde Ms er oben roar, lächelte er, und er tat es mit ienem oerflar en Ausdruck, der gewöhnlich die beginnende Auflösung anzeigt und deshalb so schmerz- lieh erareift, tücil er feine S)offnun^ meijr übriQlQpt- „ Nun, es war gemütlich bei Maemy, das ließ sich nicht leugnen. E fand foaar daß es ein ausgezeichneter Gedanke von ihr war, hier Tee u trinken anstatt irgendwo in der Stadt. Mit innigster Anteilnahme betrachtete'er ihre Bilder, ihren Schreibtisch, ihre Rauch- und Schmollecke Er ging hinüber ins Musikzimmer, klimperte «'n wenig, knipste sämtliche elektrische Kerzen an, entdeckte das Grammophon, kramte >m Plattenschränkchen, und als er zurückkam, klang es gedampft hinter ihm her- Jwifcken Potsdam und Berlin IN den Fichten ... ___ „Öl)!" sagte Maemy und schenkte den Tee in die Nymphenburger Tasten die wundervoll blau waren. . Sie saßen sich gegenüber. Die neue elektrische Teemaschine auf dem Perlmuttertischchen sah „süß* aus, das fand er auch. Er fand überhaupt alles genau for mte sie es fand. Nicht, daß er sich höflich dazu veranlaßte, sondern er roar in diesem Augenblick wirklich und vollkommen überzeug von ihr von ihrer Teemaschine, vom Grammophon von der moll'gen Wärme de- gelben Kachelofens und von ihrem unschuldigen Bubengesicht Alles war lieb und nett und seinetwegen auch suß. Sogar die Zofe i ihrem weißen Häubchen, die auf eine beglückend angenehme und dezente Art mit dem Geschirr hantierte. m Sie ist allerliebst", sagte er, als sie allein waren. Sie hat ,ene Be^ gißmeinnicht-Augen, die ich liebe, weil sie so enttäuscht aussehen. Ich finde sie so stimmungsvoll." Maemy antwortete nicht. Sie schien ganz mit ihrem Tee beschäftigt, mit der Teemaschine. Er betrachtete sie, die Teemaschine und sie. Bor allein °ber^sie.^ (ie ift unbeschreiblich süß. Diese Geste wie sie mit zwei Fingern vorsichtig auf den silbernen Kessel t»q)ft, ist berauschend hübsch. Sie hat Überhaupt entzückende Hande. Verführerisch sind sie. Ich spüre die Versuchung, die sie ausstrahlen. Ich mochte ihr nach- qeben, möchte nur einmal leise darüber streichen. Aber ich werde es nicht hm. Ich werde sie weiter nur betrachten, Tee trinken und mich beherrschen. Das elektrische Licht flackerte em wenig. Er wandte sich nach der Krone um. Er tat es nicht sehr geschickt. Er schob mit seiner Bewegung die Gabel vom Teller. Sie fiel herunter. Das eigentümlich g^angene Geräusch auf dem Teppich, dieser seltsam unentschiedene, unensichloffene, dumpfe Ton, der noch ein wenig nachhallte und bann plötzlich abbrac^ versetzte ihn In eine merkwürdige Erregung. Er horte auf einmal, daß er geschwiegen hatte. Er horchte weit zurück, bis er endlich, sehr entfernt und undeutlich, seine letzten gesprochenen Worte wlederfand. Er glaubte aber gleichzeitig seine Gedanken (aut werden zu Horen. Eme beklemmende Unsicherheit überkam ihn. Er fühlte, rote etwas auf ihn zukam, dem er nicht ausweichen konnte. Er fühlte, daß etwas ins Wanken gerwt daß ihm etwas entglitt, was er durchaus nicht zu faffen vermochte. Krampf hast juchte er irgendwo eine Zuflucht, eine letzte Sicherung. Maemy fah ihn lächelnd an. „ ,, Darf ich Ihnen noch etwas Tee geben? Sie vergessen ihn ganz. Woran denken Sie? Sie machen so komische Augen." O ich bitte sehr! Ich dachte ... Nein, ich dachte nichts. Ich dachte wirklich absolut nichts. Es ist ... ich finde ... ich habe das Gefühl ... Da geschah es. Da war es geschehen. Da ging das Licht aus. Da war es dunkel. Vollkommen dunkel. Pechrabenschwarzstickedusterdunkel. Sie hielten zusammen die Teetasse. Keiner von ihnen wagte sie los- zulasten. Sie hielten sie ganz fest. Sie nahmen ine andere Hand hinzu. Es ließ sich nicht verhindern, daß sie sich dabei berührten, daß sie sich ein wenig aneinander festhielten. So entsetzlich dunkel war es. „O Gott, was ist das?" hauchte sie. Die Taffe zitterte heftig. „Ich glaube, das ift Kurzschluß!" Er bemühte sich, seiner Stimme etwas Haltung und Festigkeit zu geben. Er fühlte sich dazu verpflichtet. Er fühlte die Situation als moralische Forderung. Ader die zitternde Teetasse, die kleine, liebe, warme, sanft und verführerisch ausstrahlende Hand bedrängten ihn unaussprechlich innig und süß. , . - „Die Sicherung ift durchgebrannt", flüsterte er noch einmal, in der vollkommenen Verzweiflung seines Herzens. Dann wurde es noch dunkler um sie, namenlos dunkel und unsicher. Er konnte sich nicht entschließen, ihre Hand wieder loszulassen. Er brachte es einfach nicht über sich. Er hatte ein weiches und liebevolles Gemüt. Er liebte das Leben in feinen unzähligen zärtlichen Möglichkeiten zu sehr, um eine davon freiwillig aufgeben zu können. Nein, er war kein Mann von Entschlüssen. Er wurde es niemals. Eigentlich waren es immer Kurzschlüsse, wenn etwas passierte, und da das häufig vorkam, hatte Maemy recht, wenn sie in der Folge ihr» I Freundschaft ein wenig acht gab auf die Sicherungen, die so leicht durch- 1 brannten bei ihm. Nein er war kein Mann von Entschlüssen. Er war klar darüber Die Deutlichkeit dieser Einsicht quälte ihn fle Io ganz hoffnungslos roar, weil sie nichts, absolut - weil sie ewig ohne Resultat blieb. In einer unbegreiflichen Gewohnheit stellte er die Entschlüsse immer wieder aus sich hinaus m bte Dmge, über bie zu entscheiden war, selbst hinein. Er wachte ihnen gleichsam sein Kompliment: Bitte sehr, nehmen Sie keine Rücksichten auf mich, ich versichere Sie von vornherein meiner Zustimmung, es ist eme schwierige Sache, ich weiß es, aber ich bin überzeugt, daß Sie einen Weg, einen Ausweg wenigstens, finden werden. _ Diese Neigung, mit den gewöhnlichsten und ungewöhnlichsten Zufällen und Situationen feines Lebens zu verkehren bereitete Gm, w>e man leicht einsehen wird, häufig die unangenehmsten Verlegenhelten. Aber die naive Zuversicht, daß die Dinge selbst am Ende wohl ober übel sich erklären mußten, daß eine von den tausend Möglichkeiten der Ent- scheidunq einmal recht behalten und sich behaupten muhte, ohne daß d.e anderen ihn dafür verantwortlich machen konnten, — diese tröstliche und manchmal ein wenig spitzbübische Aussicht war immer auch zugleich schon in der peinlichen Verlegenheit des Augenblicks wie ein Augenzwinkern, wie eine heimliche, ein für allemal gültige Verabredung. Man wußte von ihm, daß er trotz dieses satalen Zustandes oder vielleicht gerade deswegen fortgesetzt die amüsantesten Abenteuer erlebte, und wiederholte oft eine Aeußerung, die er einmal ohne Bedacht m Freundeskreise getan hatte; Das Malheur, hatte er gemeint, bestehe darin daß er durchaus nicht nein sagen könne. Das fei sein Schicksal. Es wäre ebenso boshaft wie falsch, wenn man von Gm sage daß er der geborene Verführer sei. Es gebe keinen moralischeren Menschen als ihn. Er befände sich dauernd in den gewissentlichsten Bedenken und Hemmungen. Und wenn ab und an etwas passiere, so sei er vollkommen unschuldig babei Er würbe sich niemals zu einem Abenteuer aus freien Stucken entschließen. Es geschähe immer ganz von selbst, beinahe ohne ihn, beinahe gegen seinen Willen. Die Dinge kämen auf ihn zu und dann könne er eben nicht ausweichen, dann könne er nicht nein sagen, das sei das GiehenerAmilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ^adraana 1956 Montag, den 2. MSrz tilllnlntr 18 Colour & Grey Control Chart Cyan Green Yellow Black Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Red Magenta ^uch" in "seinen Urnänem Er war' zu ehrlich, zu geradezu. Aber das -menschliche Beieinander ist ein Kunstwerk, und es kommt gar sehr aus die Form an und die Formen. , „Ich verspreche, mich zu bessern", sagte er leise, und ihm schien, als habe Frau v. Blinkburg ein bißchen gelächelt zu diesen Worten. Er räusperte sich grundlos, lediglich erfreut, und hob wieder an: Sie haben den Pfenningshof ja auch sicher schon einmal von weitem gesehen Er liegt da wie eine kleine Burg. Ich näherte mich heute morgen von der Rückseite, da ist der Anblick nicht so imponierend. Eine Art Wall umgibt die Gebäude, aber er ist niedrig. Wege führen darüber hinweg in die Scheunen und Ställe. Das Herrenhaus ist ein mächtiger, sicher sehr alter Backsteinbau: es leuchtet gelb; der Turm, in der Form eines nicht sehr hohen Obelisken, ist gemauert und weist die rote Ziegelfarbe; er wird neueren Datums sein, wahrscheinlich hat ihn erst der jetzige Besitzer des Gutes, Professor Pfenningshof aufsetzen lassen, um ihn als Observatorium zu benutzen, oder um Fallgesetze, und andere Mathematik zu erproben. Archimedes, nicht wahr, kletterte ja auch auf den Türmen und Wällen von Syrakus herum, bis ihn ein Soldat totschlug. Aber verzeihen Sie, das ist eine recht lieblose Art, zu erzählen. „Sie kommen überhaupt langsam von der Stelle.' . „Tatsächlich? Wie peinlich. Ich wollte hier gerade etwas vom Kriege einf'ügen aber dann will ich nur kurz erwähnen, daß ich den Feldzug Blue White wend an. Sie sagen die Wahrheit. Sie haben ochen, nicht wahr? Und als ich vorsichtig den lehr traurig; aber das wird vorübergehen; an ßcht mit achtzehn Jahren. uk> ■v*yren, Herr Prosessor! orr~,;rtM (Er knurrte wie ein alter Hund. Seine Lippen verzogen stch. Alwien bewarb sich um Glascha; ich hatte es natürlich bemerkt. Aber ich habe die direkte Anfrage zu verhindern gewußt. Wenn ich Glascha damit wehe tun mußte — ich habe andere Pläne mit meinem Kind. Alwien war Ihnen unsympathisch?' r , . , Nicht gerade. Aber ich wollte ihn nicht als Schwiegersohn. Ich wollte niemanden! Jeder nimmt mir mein Kind! , Ich hütete mich, seine Rede stocken zu lassen. Es war la verwunderlich, daß er überhaupt so viel sprach. So wollte ich ihm weiterhelfen: Sie hatten eine Hilfe gehabt hier aus dem großen Gut. Glascha wird eines Tages nicht mehr allein fertig werden können. Sie sehen das nicht, Sie haben ihre Arbeiter. Glascha steht allein. Sie hat Lilius, den Inspektor. Sie kann einen zweiten Verwalter engagieren; niemand verlangt, daß sie selber diese Rolle spielt. Es ist ihr freier Wunsch und Wille. Glauben Sie, ich wäre em Rabenvater, wie man io laat^ . . Gewiß nicht. Obgleich es egoistisch gedacht ist, zu sagen, jeder Ncann nimmt mir die Tochter. Der Sinn des Lebens ist, daß aus der Tochter b’e Aft Vie^utunft Ihres Fräulein Tochter nicht in jedem Fall gesichert, Herr Professor! Dieser große Besitz — und ich beschrieb mit der Hand hur oimn-; Märhtiaes andeutete.--- oanesZx einzufallen. Es war, als nehme er sich zusam- pictäNg?" avisier Gesetze der Höflichkeit. Er senkte ferne ßchen und sagte ein paar bedauernde Worte, illwien war noch jung, n: Er war Ihr Freund? shof energisch den Kopf. Alwien kam in unser kam nicht einmal selten. Aber — und seine t Satz und sagte nichts aus. Der Professor abler Schachspieler. ’ben.. uch kein Capablanca. ein. Alwien kam wohl auch weniger, um mit (Serr Brnfellor. I । pHI|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll )C[1 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 i 7. £ t7 £ 9 L 8 6 ein — oder er hatte mim ourcy eines (einer yernrogre icyon auf oem Felde im Gespräch mit Glascha bemerkt. Er sah aus — nun. Sie kennen ihn ja, Frau v. Bkinkburg, ein rundes, rotes Gesicht, bartlos, weiße, auffallend buschige Augenbrauen. Die Augen selbst hinter einer Brille. Ich stellte mich ihm als Reporter vor. Begann ein Loblied, bei der Haubitze anfangend, und bat ihn, mir einiges über leine jetzigen Arbeiten und Versuche zu sagen. Ich beabsichtigte, eine Artikelserie über seine Mondrakete zu veröffentlichen. . Ich hatte Erfolg. Pfenningshof schien geschmeichelt; er lud mich ein, Platz zu nehmen. Spricht man draußen von mir?, meinte er lächelnd, hat man den alten Pfenningshof doch noch auf der Rechnung? War sein Gesicht zuerst verschlossen, ja, geradezu finster gewesen, so begann es sich jetzt aufzuhellen. Er wurde beinahe liebenswürdig. Freilich erzählte er van Tatsachen nur Spärliches; aber Plane, in Drei, vier Jahren reif zur Ausführung, enthüllte er mir gern. Es mar offen» sichtlich, er gedachte durch mich und meine Presse einem breiten Publikum Zukunftsmusik zu machen. Als ich ihn nach dem Stand seiner Berjuche im Augenblick fragte, lenkte er ziemlich plump ab. . Ganz verdarb ich es für eine Weile, als ich ihn bat, mir feine Arbeitsräume zu zeigen. Er zog sich in sich zurück und wurde sogar grob metterroenhifd) wie ein Turmhahn, anfallsweise em bissiger Choleriker. Ader fein Zorn verrauchte auch wieder, und wir plauderten weiter^ Leider konnte ich es nicht vermeiden, ihn später nochmals zur Explosion zu bringen. Ich war ja mit einem ganz bestimmten Plan hierher in den Pfenningshof gekommen. So erwähnte ich gegen den Schluß unserer Unterhaltung das tragische Ende des Herrn Alwien. Ob er davon ^Äin°Gesicht verfinsterte sich sofort. Natürlich knurrte er. Aine Brillengläser funkelten, als er mich unverwandt ansah. Aber bann schien Es war ifjm nicht möglich — tote sagt man — Süßholz zu raspeln Alwien verstand das besser. Aber nun ist Alwien aus der Welt. Und wenn Glahn klug ist, gewinnt er das Spiel. Ich will ihm, wenn es denn schon einmal ein fremder Mann fein muß, gern bei der Sache helfen. Wissen Sie, ob der Pächter Glahn Ihre Tochter liebt? Der Professor neigte den Kops voll Stolz. Wer liebt dieses Madel nicht! Glahn hat mir gesagt, er sei in jeder Stunbe bereit. Glahn hat Ihnen bas gesagt? - Ich war ein bißchen erschrocken. Der Professor merkte bas. Er war sofort abgekuhlt. Er erhob sich. Sie entschulbigen, sagte er unb schien etwas abzuschütteln. Soviel gerebet zu haben, verwunderte ihn nachträglich. Ich muß nun wieder an die wirbelt Als ich mich vor ihm verbeugte und zur Tür ging, äußerte er noch, und es klang fast, als riefe er mir das als wichtig nach: Glahn hat mir das natürlich schon vor dem Mord gesagt! Ich konnte nicht antworten. Sie können es sich denken, Frau v. Blmk- burg, daß es mir den Atem verschlug. Der Professor sprach nicht von dem Unglücksfall, sondern Professor Pfenningshof sagte klar und deutlich das Wort Mord! „ Wie ich die Tür erreichte, weiß ich nicht. Ich lief davon. Frau v. Blinkburg fand sich einfach nicht mehr zurecht. Sie saß diesem Mann gegenüber und konnte sich des Gefühls nicht erwehren: ich bin wieder ein kleines Mädchen. Ich habe einen Verdacht auf ihn gehabt, nun schäme lch mich fast. Natürlich habe ich Unsinn gemacht, als ich seinen Stock zersägen ließ, um den Griff der Chemischen Fabrik einzu- schicken. Zu ihm selber hätte ich hingehen sollen, ihm den Stock zeigen sollen, bann hätte er mir gewiß eine Erklärung geben können. Aber wir