Nummer 33 Montag, den 27. April Jahrgang 1936 neuem der 2ld vom dem Pulverdamps, die Fahnen werden ge- r *■ ' tun die Musikanten ihr kamen ihn plötzlich Zweifel an, ob er doch den noch Dienen rönne, und bei Gott, er kann es hidjt, er bring teinen richtigen Ton heraus, und dabei schlagen schon die Glocken zu- ^^"sterbenskrank mit einemmal, sagt Christine und schaut dabei über fie mit einem Unsichtbaren. Das ege, und seither schläft es immerfort, schläft Gott nicht Hilst. Das Jahr des Herrn Roman von Karl Heinrich Waggerl Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig. 8. Fortsetzung. vertraut. * Auch Christine kommt zu Agathe in den Laden, um ein Wachslicht ür das Marienbild zu kaufen. Ja, es steht nicht gut auf Eck, der kleine GietzeimZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Siehener Anzeiger__ Skt und dort rennt schon ein Mann in Uniform aus dem Haus, plötzlich hält er inne und greift sich an den Bauch und kehrt eilig wieder um, Dreiteulel seinen Gurt vergessen hat. Die bunten Blocke ' U? in Trünnrhen vor der Schenke, blau die Feuerwehr, grün ^Schützen mU rottn Schärpen und Büschen auf dem Hut. Auf und ab schreiten "bie Offiziere, kurzatmig m ihren enggeschnurten Mänteln und in einen heimlichen Kampf mit dem Sabel verwickelt, der sich ständig ÄÄ*,ta «->-» -°° ■>" I„ d« L,» Fahnen entrollen sich und »erde» bestaunt die schwerseidene Pracht des Tuches und die farbige Flut der Festbänder aus glorreichen Tagen. Nur.ber,HornisthE einsam in einer Tenne, es l r- Fuhmarsch noch blasen könne, und bei . M • f i • ___ er'- a ««rt n nnh U.u w,iiBu«u v—, — ... -..... -M. Auf die Fülle kommt es 'an, nicht auf ein paar lumpige Noten. Denn nach allem, was die Schrift agt, liebt der Herr eine starke Musik. Nur der heilige Joseph lehnt vornüber aus seinem Gestell und schlummert schon wieder in der warmen Sonne, ach ja er war ja schon in jungen Jahren schwerhörig, wie es die meisten Zimmerleute sind. Und die Boten des Himmels hatten ihre Not mit ihm, sie mußten ihm alles im Traume sagen. Das Jahr über steht er im Kirchenschiff unter der Empore, aber er hat auch dort keinen besonderen Zulauf mehr, und sagt, daß er bisweilen die Anliegen verwechselt und einen Gesunden noch gesünder macht, statt ihm etwa in Geldnöten zu helfen. Pater Johannes meint, dieser Joseph sei ein Aergernis man müsse ihn m Draht und Leim von seinen Gebrechen heilen. Allem, was wäre Damit getan? Er ist gleichwohl ein ehrwürdiger Heiliger und hoch angesehen, wenn auch nicht so kräftig und verläßlich im Wirken wie der feurige Leonhard, der fanftmütige Franziskus oder die Mutter Gottes selbst. Ihr chenken viele beim Umgang Blumen oder Rosenkränze, und die am ärgsten bedrängt sind, schieben sogar ein Zettelchen m die Hand der hohen Frau damit sie ihres Kummers gedächte, wenn fte wieder in ihrer dunklen Nische steht, voll der Gnaden, mit aller Kümmernis des Lebens $ Viel fcblimmer ist, daß Christine noch immer als Magd auf Eck dient, daß sie heute wieder hinter der Mädchenfahne gehen mußte. Der junge Bauer hat es plötzlich gar nicht mehr eilig mit dem Aufgebot fett einigen Wochen ist er wie verwandelt. Christine tag tfjm fruf) und spat in den Ohren, vielleicht war das ein Fehler. — Dem Kind, sagte sie, wir müssen doch endlich dem Kind einen ehrlichen Namen geben Wir? fragte der Bauer zurück, hast du „mein Kind gesagt? Und bann nahm er seinen Hut vom Nagel und ging fort. Nachts tarn er heim, er drückte die Kammertur auf, stand vor der Wiege und fing zu reden an. Sonst schwieg er tagelang, aber der Kausch ma(*Günen Namen,^sogte er und schob den Hut ins Genick, — aber welchen? Verdammt noch einmal, hast du dich vielleicht im K-alender verblättert. Bilde dir nichts ein, schrie er. Den Alten hast du — ben bist du losgeworden, will ich sagen, und jetzt möchtest du nur wohl deine eigene Brut in5fierr5mtin@ottja, genau so sagte er. Und weiß Christine, was man Hrh im Dorf erzählt? Die Dorfleute rechnen es an den Fingern her. Wo haft du deine Augen?, sagen sie; Mensch, bist du blind? Ich weiß nicht meint der Roßknecht, die Haare und die Augen sind mir ,a bekannt, aber du Nase? Das sind die Folgen, meint er, wenn das Oberbett in den Magd- tammern zu kurz ist. Kalte Füße, große Nasen, heißt die Regel. Was sagte Christine dazu? . ... „ Nichts. Sie lag nur da und hörte den Mann schreien und druckte ihre Angst Hinunter, — es gab so vieles, was ihr Angst machte. Am anderen Tag war der Bauer wieder gleichmütig und schweigsam wie immer. Sie verbarg das Kind vor ihm, allmählich fing sie selbst an, es zu hassen, ja fo war es. Zuerst dachte sie, daß es gut fei, wenn em Kmdkame, aber es war wie verwunschen, alles schlug ihr zum Unglück aus. Christine ließ den Knaben in der Kammer liegen, der Bauer fragte nicht danach. Nur wenn er ihn schreien hörte, holte er ihn manchmal herunter und trug ihn eine Weile vor das Haus. Ganz schwarz ist das Haar nicht, sagte er, mit 3djÜ minder Zett? Christine brachte doch die heimliche Sorge nicht Herzen. Vielleicht hat sie einen allzu kecken Schritt gewagt, die Kluft war zu breit, und nun lag der Abgrund unter ihr. Noch fiel sie nicht oh. Christine wird allerlei abschütteln, und zuletzt wird sie sich hinuber- ^""Di?Mütter schieben ihre weißgekleideten Mädchen aus der Tür, ein lektls Mal wttd die Nase geschneuzt und das Haarband zurechtgezupft, und nun geh in Gottes Namen! Gib auf die Rinnsteine acht und sag den Buben es würden ihnen die Ohren ellenlang ausgezogen, wenn sie dir wieder mit ihren Kerzen den Schleier unseligen! Trommeln schlagen ein, scharfe Kommandorufe schallen aus frieb- fertigen Bärten über ben Platz, langsam ordnet sich der festliche Zug. um den Herrn aus der Kirche zu holen. Zuerst taucht das Kreuz im dunklen Tor auf umraufcht von Orgelklängen und von hlmmlifchem Gesang Dann wiederum 'Fahnen, bekränzte Buben mit Schellen und Lichtern vor dem Bild der gnadenreichen Jungsrau. Seh, einen Augenblick hält sie inne und lächelt ins Licht, und ihre wächserne Hand hat sie noch immer segnend erhoben, die gütige Mutter des Herrn Hinter ibr kommt der heilige Joseph, von Zimmerleuten getragen, auch er in Sttbe? und Seide gewandet Joseph schaut zwar freundlich umher und Zckt mit dem Kops aber er ist doch schon °in wenig gebrechlich und schwach in seinem Alter. Wenn ihn die Zimmer eute niederstellen, sinkt KfW'WrttÄ’sw! -- folg? ber Charter Sängerinnen unb enblich, von Weihrauch urnhullt EäV:? »W’ä 5? S-r M °m »Tä" ®sr.“ wä i" .SÄ ® VFs S. Aus ber Brücke bleibt Pater Johannes abermals gen, Ä Sm h-.i-i".--" "■’S -uh. rM». wiÄ ä' tta Süb.i UM ->i-"g°ni. Mi l,.; hergetragen, nun aber stoßt er ihn kr'eger'sch^ge^ Y'mm^, frümmt es gut geht, wenn sich kem Fmger z Rohren, den Weibern schossenes Papier aus d.. . schwungen und zum Salut gesenkt, gleichzeitig Bestes und schmettern heraus, was der Atem h. Agathe weg ins Leere, als spräche sie mit einem Unsichtbaren. Das Kind siel nachts aus ber Wiege, unb seither schlaft es immerfort, schlaft wohl einfach hinüber, wenn Gott nicht hilft. David wickelt die Kerze in Papier, aber Christine geht noch nicht, sie wollte noch etwas besorgen, was war es benn nur? Ein Grabstem, ja. Wo hat Agathe bamals ben Stein gekauft, als ber Kramer starb, ^^^»raud^elriftine nun fo bringenb einen Grabstein, muß es unbebingt ein schwarzer sein? Wen will sie benn Zubecken, ben alten Adam, ber burch einen morschen Laben trat, ober schon ben jungen, i3Cr Dim a??n,^Agathe!'und wenn es sein muß, auch ben jungen. Das läßt schwingen. Was sollte sie denn? Wollte sie nur Bäuerin sein und in Seide gehen und die Hände in den Schoß legen? Nein, das nicht. Sie war bloß Magd auf Eck, und schon brachte der Garten doppelt so viel, es wurde wieder eigene Wolle gesponnen, und die Kühe gingen sauber aus dem Stall. Sie wäre eine gute Frau für den jungen Bauern, nickt etwa leicht- Kunb träge, trotz allem nicht. Und später würde sie iym helläugige r gebären, jedes zur rechten Zeit. So dockte Christine, Tag und Nacht ging sie mit diesem Gedanken um. Und plötzlich geschah das Unglück, daß der kleine Adam aus der Wiege fiel. Der Bauer kam in der Nacht herauf und sah das Kind an, wie es dalag und blaß war und schlief, er sah auch Christine lange an. Höre, sagte er dann, geh lieber. Du machst mir Angst. Aber Christine ging nicht. Jetzt, am Fronleichnamstage, fragt sie nach dem Stein bei Agathe, sie kauft das Wachslicht und betet ein Ave vor dem Bild der Lieben Frau. Später jucht sie den Bauern in der Schenke auf, sie trinkt aus seinem Glas und schaut den Leuten kalt ins Gesicht. Warte auf mich, sagt der Bauer. Warte draußen! Auf dem Heimweg redet Christine über allerlei, sie schaut unruhig den Weg hinaus und horcht und redet immerfort. Hast du das Stierkalb verkaufen können? fragt sie. Ja, antwortet der Bauer kurz und schweigt wieder. Kommt da jemand? Nein, wer sollte kommen? Aber auf bem Anger treffen sie den Knecht, der hat eine schlimme Botschaft auszurichten. Das Kind ist gestorben. Christine sitzt bleich in der Stube, sie weint lautlos und schaut lange vor sich hin und sieht nichts als die schwarzen Stiefel des Bauern. Hin und her gehen die schweren Tritte, auf und ab. Gegen Abend wäscht sie den kleinen Leichnam und bahrt ihn in der Kammer auf. So war es also fein Sterblichti sogt sie in die Stube hinaus Was für ein Lickt? Die Kerze für das Frauenbild. Ich habe eine Kerze gestiftet, sagt Christine ruhig, gerade um diese Zeit. Stille. Die Schritte verstummen, der Mann steht in der Tür. Plötzlich aber schreit Christine laut auf und fällt ihm an die Knie. * Ja, das geschieht auf Eck, anderswo endet dieser Tag friedlicher. Es ist einer von den besck-aulichen Abenden in der Sommerszeit, warm und still. Du hängst den Fcicrtagsrock um die Schultern und gehst um das Haus und ein wenig an den Zäunen entlang, nur um zu schauen und den Gedanken nachzuhängen, die non weither kommen. Du rückst einen Stecken am Zaun zurecht und läßt ein paar Halme durch die Hand gleiten, dann hebst du etwas vom Boden auf und betrachtest es lange, es ist nur ein Schneckenhaus oder ein Krümchen Erde, das du im Gehen zerbröckelst und warm und körnig zwischen den Fingern fühlst. Ganz allein stehst du dci und streust deine Handvoll Erde wieder auf den Acker zurück, aber dir ist dennoch wohl ums Herz, weil alles um dich her fa fest und sicher gegründet ist. Du siehst den Tag verdämmern, ohne Unruhe, ohne Sorge. Du hast Ihn aus Gottes Hand empfangen wie einen Werkstein, hast ihn nach deinem Verstand behauen und geformt cmd in den Bau deines Lebens gefügt, und morgen wirst du wieder so tun. Es füllt dir nicht ein, Gottes Bausteine etwa zu messen und zu wägen, du zerschlägst sie nicht in Splitter, um zu sehen, wie sie inner» wärt« beschaffen sind. Ein so großer und gelehrter Baumeister bist du gar nicht, nur ein Handlanger. Aber vielleicht wird Gott dereinst deine Seele vor ein prächtiges Bauwerk führen. Herr, wirst du sagen, das ist zu kostbar für meine arme Seele, fo ein schönes Haus! Du betrachtest das Gebäude genauer, und plötzlich ist dir jeder Stein vertraut und bekannt. Tag für Tag deines Lebens hast du daran gebaut, zuweilen mißriet dir wohl auch ein Block, bu warst ungedulblg in deiner Jugend, verzagt im Alter, aber im ganzen sieht es sich stattlich an, bu hast eine prächtige Wohnung für die Ewigkeit. Hier auf der Welt war dein Dasein freilich nicht besonders ruhmvoll, du hast dein Korn geerntet und hast deine Kinder damit gefüttert und aufgezogen, eines reichte gerade fürs andere. Eigentlich warft du ein rerfjt unnutzer Mensch, bu hast nichts in Bücher geschrieben und nichts aus Büchern gelernt, niemals bist bu in fremde Länder gereift, um zu erfahren, wie dick das Eis auf dem Nordpol ist, das war dir einerlei. Andere ihre Sorgen damit, wie sie noch höher in die Luft, noch schneller über Land kämen, es war ja eine Schande, wenn man erst nach vielen Stunden erfahren konnte, daß irgendwo in Amerika der Blitz eingefchlagen hatte. Wie denn? fragtest du, halfen sie denn dem Farmer, well ihm fein flau? niebergebrannt war? Nein, sie wollten es nur wissen. Du nicht, mit deinem Merktagsgehlrn. Du hättest vor zweitaiisenb Jahren genau ebenso an beinern Zaun stehen können in Bundhosen unb harbenem Hemb, und nach zweitausend Jahren vielleicht immer noch. Aber den übrigen Menschen ift die Zett inzwischen knapp geworden, die müssen schneller leben und ihr Brot in Minuten verdienen, nickt in Wochen und Monaten wie du. »ei deiner Art zu rechnen käme die Welt nie vorn Fleck. Du brauchst nicht nur wenig, buroelftt nicht einmal, wieviel bu brauchen könntest. Wahrscheinlich freute bich bein Weizen gar nicht mehr, wenn er bir In müßigen fünf St""den statt in harten fünf Monaten reifen würde, fo ein Querkopf bist bu Und deinen Rock hieltest bu für nur halb fo gut, wenn er nicht vor deinen Augen gewoben unb gewalkt unb genäht worben wäre eben dein J^erer. Denn bu meinst, die Dinge hätten ihren Wert von der Arbeit, bie in ihnen steckt: und wenn man bie Arbeit sparte, bann wären auch bie Dinge nicht» mehr. Unb darum, well bu fo denkst, wirst bu immer arm bleiben, bu ewiger Bauer an deinem Zaun! Auch der Pfarrer wandert zur Abendzeit auf und ab im Garten und lieft sein Brevier unter den Bäumen, ja, auch er ift zufrieden und dankt dem Herrn für diesen Tag. Vorhin hatte er ein Gespräch mit Pater Jo- banne«, sie sprachen davon, daß der Bischof in diesem Jahr zur Firmung 'ornmett will. Den alten Pfarrer regt da» nicht besonders auf, er kennt den Bischof. In der Jugendzeit saßen sie ein paar Jahre nebeneinander in der Schulbank, damals war es noch nicht ausgemacht, welcher von beiden zu Rang und Ehren kommen würde. Bauernsöhne waren sie, jeder die Hoffnung unb der Stolz einer ganzen Gemeinde, sie hatten dieselbe Not mit dem ersten Latein, und sie bekamen das gleiche schwarze Roggenbrot, Speck unb Käse aus ber Heimat in die Stadt geschickt. Ja, anfangs war es nur ein winziger Schritt, ber ihre Wege für immer trennte Vielleicht lag es überhaupt bloß baran, baß ber Pfarrer sogleich roieber in ein Dorf verschlagen wurde, Felder um sich hatte unb eine Senfe in bie Hanb bekam, währenb in der Pfarre des Amtsbruders Maschinen stampften unb hohe Schornsteine rauchten. Im Dorf wohnte Gott in Frieden unter den Menschen, unb in ber Stabt war Lärm unb Kamps, ein heißer Boben für den jungen Soldaten des Herrn. So kam es, daß bie mühselige Wissenschaft im Kopf des Pfarrers allmählich wieder verblaßte. Die Bauern wollten gar nichts aus den Kirchenvätern belegt und bewiesen haben. Sie sind zufrieden, wenn der Pfarrer sein ehrwürdiges Handwerk versteht, wenn er Ihnen bie Sünben abnimmt unb ihre Kinder tauft unb den letzten Trost in die Sterbefammer bringt. Das weiß ja auch ber Bischof. So oft er kam, ließ er sich willig umherführen unb im Stall bie Sauen zeigen, auch über bas Felb ging er mit dem Pfarrer unb nickte, — ja ja, sagte er, ift das Flachs? Wir haben auch Flachs an^ebaut, bort, wo ich her bin. Jetzt sind sie einander wieder ähnlich geworden, der alte Veteran, ruhmbedeckt in vielen Gefechten, unb fein geringerer Bruber, ber gute Hirt. Sie haben beide graue Köpfe unb müde Gesichter, im stillen bitten sie den Herrn um feinen Frieden. Vor sechs Jahren war der Bischof zum letzten Mal im Dorf, indessen hat sich nicht viel geändert, worum sollte sich der Pfarrer Sorgen machen? Er wird den hohen Herrn würdig empfangen und alle Fliegen aus ber Gaststube jagen, damit er gut schläft, unb auch Helene ist ja noch ba, die könnte sogar den Papst auf eine Welse bewirten, daß er noch lange an diesen Tag dächte. Sorgen hat nur der Pater Johannes, für Ihn ift dieser Besuch eine kostbare Gelegenheit, zu zeigen, was für ein Licht hier unter dem Scheffel steht. Er wartet schon feit Wochen auf die Abberufung, aber man ruft ihn nicht, vielleicht hat man ihn vergessen und läßt ihn elend in diesem Nest verkümmern unb versumpfen. Wird ihm also der Pfarrer erlauben, die Ansprache zu halten? Ja, gern! Das ist nämlich wichtig, der erste Eindruck. Außerdem hat Pater Johannes ein Gedicht verfaßt, Agnes wird es lernen und auffagen, wenn sie den Blumenstrauß Überreicht. Es ist ein kunstvoller Vers, die Anfangs- buchflaben ergeben zusammen den Namen des Bischofs, JOHANNES, und well er das vielleicht nicht merken würde, darum hat der Pater das Gedicht auf ein Blatt Papier geschrieben, auch dieses Blatt muß Agnes dem Bischof in die Hand geben. Agnes lernt, wo sie geht unb steht, es finb ja nur acht Zeilen, aber schwer. Jubelnb klingen alle Glocken, flüstert sie, soweit ginge es ganz gut. Allein dann kommt etwas von einem Hirten, der ein Schaf verloren hat ober umgekehrt, das verwechselt sie immer. David kommt ihr zu Hilfe. Es kehlt nur das Aeußere, meint er. Wenn ber Bischof leibhaftig vor Ihr stünde, bann könnte sie es auch. Er wickelt sich ein Bettleinen um den Leid unb stellt sich unter bie Tür, ein stattlicher Bischof, mit einem Rechen in ber Hanb unb einer blauen Zuckertüte auf bem Kops. Sei gegrüßt, mein Kinb! sagt er feierlich. Aber Agnes will ihm nicht die Hand küssen, das auf keinen Fall. llebrigcns gerät David selbst in Bedrängnis, auch er wird dieses Jahr gefirmt. Nun besitzt er zwar einen neuen Anzug, ein Hemd, unb Schuhe und einen Hut, bas alles hat er, nur bas Wichtigste fehlt: ein Pate. Die Väter und Mütter im Dorf tun sich untereinander diesen Nachbardienst. Nimm bu meinen Buben, sagen sie, Ich will es bir beim nächsten Mal einbringen, wenn ich bas Leben habe. Gut, aber wer wirb sich bes kleinen Davibs annehmen mögen, der feinen Vater hat? David steigt in den Turm, um die Sache einmal von oben zu betrachten, bas tut er ja immer, wenn Ihn etwas im Herzen bewegt. Aus ber Höhe gesehen, finb bie Dinge gefügiger und einfacher, bas ganze weitläufige Dorf mit feinen hundert Türen und Zäunen und verborgenen Winkeln ist nichts weiter als ein grauer Fleck, eine ver- harschte Wunbe im Angesicht ber Erbe. Und auch die Leute sind alle gleich winzig unb unscheinbar, sie kriechen wie langsame Käfertiere über den Platz, betasten sich unbeholfen und verschwinden wieder in irgendeinem Loch. David betrachtet den Weber, wie er aus dem Haus tritt und den Staub von ber Schürze schüttelt. Ihm hat er oft beim Garnspulen geholfen, allein ber Weber muß selbst zusehen, daß ihm jemand seine drei Kinder in Tausch nimmt. An den Schuster nebenan wäre eher zu denken, leider greift er noch immer nach dem Hosenriemen, wenn David in seine Reichweite kommt, er kann bas Loch im Krautacker nicht vergessen. Der Lehrer? Nein. Der Sägemeister? Auch nicht, ber würbe Ihn nicht einmal ansehen, großmächtig unb reich, wie er ift. Dann die Zeugschmiede am Wasser. Mit bem Schmied könnte man vielleicht reden, schade, daß auch hier etwas in der Schwebe ist. Er hat erst unlängst gefragt, ob David nicht wisse, wo seine beste Rundfeile hingeraten fei, unb es steht dahin, ob er noch vor ber Firmung einmal unter bie Türschwelle greift. Dort liegt nämlich bie Feile seit gestern, aber das weift niemand außer David. Die Krämerin wiederum kann nur ein Mädchen nehmen, und zudem möchte sich David fein zweites Mal von Ihr Jagen taffen, er fei schon alt genug, um selbst für sich zu sorgen. Nein, von nun an lebt David auf eigene Rechnung, Agathe wird schon sehen, daß er es kann, sie hat ihn schwer in seinem Stolz getroffen. Er will weder den Schmied noch den Sckuster zum Palen haben, überhaupt keinen von diesen armfeligen Klein« Häuslern. Ist er nicht David, der den Pfarrer ausgemäht hat unb beinahe auch bie Magb? Darum wird er zum Vorstanb gehen und sich für die Grummetmcchd verdingen. Vorstand, wird er sagen, du kennst mich. Ich Helse dir diesen Sommer beim zweiten Heu. (Fortsetzung folgt.) Krutzling. Don Friedrich Schnack. Die Flammen schlagen aus der Erde, Das ist des Frühlings Feuerwerk. Der Hirte treibt die Lämmerherde Aus dumpfem Stall zu hellem Berg. Die junge Birke, geistbeflügelt. Tanzt schwerelos im Morgenhauch, Und Erdenkräfte, ungezügelt, Verzaubern Hecken, Busch und Strauch. Daß ich wie sie verwandelt werde Aus dürrem Holz zu grünem Saft, Lehrt mich die alte Mutter Erde Durch ihres Bildes Zeugenschaft. Tiro! 1809. I Bon Robert Hohlbaum. Das Tirol vor hundertdreißig Jahren hat wohl ganz anders ausgesehen, als das heutige dem Fremdenverkehr weit geöffnete Land. Es war noch eine wilde Bergwelt, die hohen Gipfel noch gar nicht erschlossen oder doch nur von wenigen Eingeborenen erstiegen, es war ein Gebiet, wo der Guerillakrieg noch alle erdenkliche Aussicht auf Erfolg hatte. Was Schill erstrebte, den Aufstand des ganzen Volkes — in der norddeutschen Ebene unmöglich zu verwirklichen —, was den Vendeer Bauern in ihrem Busch- und Wiesenland nur halb gelang, das glückte restlos den Bauern des Inn- und Etschtales, den H o f e r, S p e ck b a ch e r und Peter Mayr, solange sie noch eine Deckung am großen Oesterreich hatten, solange man sie nicht im Stich ließ, solange sie noch durch Kriegsbedarf aller Art unterstützt wurden. Seit den großen deutschen Bauernkriegen, seit dem niederländischen Freiheitskampf, seit der puritanischen Revolution in England ist dieser Kampf der erste große germanische Volkskampf der Geschichte. Ein Stoff, überreich an tragischen Motiven, an dem Gegensatz zwischen schlichtem Heldentum und — für die damalige Zeit — raffiniertester Kriegführung. Vieser Kampf barg darüber hinaus die Tragik des Bruderkampfes, denn . t« war ja nicht nur ein Krieg zwischen Tirolern und Franzosen, Napoleon ilostete den Bayern den Löwenanteil dieses Kampfes auf, teils weil diese doch den Gebirgskrieg gewohnter waren, teils auch, um sein eigenes Heer zu schonen und ihm die von Haus aus nicht eben dankbare Aufgabe möglichst zu ersparen. Namentlich den Dramatikern hat dieser Krieg unerschöpflichen Anreiz geboten. Franz Kranewitter in seinem „Andre Hofer", Schönherr im ,Liudas von Tirol" und „Volk in Not", auf epischem Gebiete Peter Rosegger, Paul Buffon und in letzter ZM erst Erwin H. Rain- eiter in seinem Hoferroman „Der Sandwirt", find von Zeitgenossen lder Jüngstverstorbenen zu nennen. Aber schon ein Mitkämpfer der großen Freiheitskriege, I m m e r m a n n, hat als erster im „Trauerspiel in Tirol" tiefes Heldenlied gesungen. Wer an einem regnerischen Sommer- oder an einem düsteren Herbsttag furch den feuchten Nebel dieser Täler wandert, dem wird die alte Zeit bbendig werden in ihrem ganzen düsteren Zauber. Dem wird sich das keine Bergwirtshaus mit wilden, verwegenen Bauerngestalten bevölkern, de dort ihre erste Berschwörersitzung abhalten, der wird dem Zug der u keinde folgen, der frischen bayrischen Bauernjungen, die lieber freund- H schaftliche Arbeit im Hause der Stammverwandten leisten würden, als gegen sie in einen Kampf zu ziehen, den keiner von ihnen versteht. Die Tiroler Bauern aber wissen jeder, worum es geht. Um die Freiheit der Heimat. Die französischen Kommandanten haben ein übriges getan, .sich unbeliebt zu machen, sie treiben Steuern ein und verganten den Armen das letzte Vieh aus dem Stall. Bauern, Jäger sind diese Tiroler, deren ganzes Leben schließlich ein Kampf ist, mit wilden Tieren, mit Raub- jchützen, mit den Gefahren der Natur. Aber auch die Wildschützen selber gesellen sich ihnen, feinen Stutzen hat jeder frei oder heimlich im Haus, gcnz wenige nur mahnen zur Mäßigung, bis dann die Zusicherung der Hilfe vom Kaiser kommt, bis ihnen ausreichendes Kriegsmaterial verbrochen wird. Eine österreichische Heeresgruppe gesellt sich ihnen, nicht oß, aber die Legalität des Kampfes ist dadurch gewährt. .Für die schlichten Bauern ist es nicht nur ein Krieg für die Heimat, ist auch ein Kampf für Gatt. Napoleon ist der Antichrist, das wissen schon lange, und daß die Banern genau so gute Katholiken sind wie . das wißen sie nicht oder wollen es nicht wissen. Der Fremde ist der Feind, gleichgültig woher er kommt, wes Glaubens er ist, welche Sprache et spricht. Und dann beginnt der Krieg und wird mit allen Mitteln des Bergbewohners geführt, mit Lift und wilder Gewalt, unbarmherzig, wie es sie Natur der Berge ist. Das furchtbare Gefecht an der Pontlatzer Brücke, in dem die Bauern die Steinlawine niederdonnern lassen auf die hilflosen Bayern, ist wohl der Höhepunkt der ungeheuren, grausamen, aber natur- i'r,otenen Gewalt dieses Krieges. Und in der ersten Schlacht auf dem Berae Jfel wird das ganze Land frei, Hofer zieht in Innsbruck ein und residiert in der Hofburg. Ein seltsames Bild: Die Bauern in der prunkvollen Umgebung, der einstige Sandwirt vom Baffeier in einem Saale «mtierenb, ber einem Kaiser keine unwürdige Arbeitsstätte wäre. Aber Mer Wirt fügt sich hinein, er regiert, besser als manche Fürsten seiner Seit. er löst auch diese, vielleicht noch schwierigere Ausgabe, wie er die les Feldherrn gelöst hat. Dieser schlichte Mensch, der zur Not schreiben und Itfrn kann, ist auf feine Art nicht nur ein Held, sondern auch ein Genie. In Rainalters Roman sind diese Szenen in breiter Farbigkeit «noergeßlich vor uns hingestellt, sie sind zugleich der äußere Höhepunkt « tirolischen Triumphes, wie sie es in ber Geschichte waren. Der Kaiser Franz, den die Tiroler Bauern noch immer kinblich den „guten" nennen, hat inzwischen Frieden geschlossen. Frieden schließen müssen. Und in diesem Frieden hat er auf Tirol verzichtet. Das verstehen die Bauern nicht. Alles vergossene Blut, alle Siege sollen vergebens gewesen fein? Es soll alles so sein wie vordem, nichts, gar nichts soll sich geändert haben? Unter Frankreich sollen sie wieder kommen? Auch der Klügste, Hofer, versteht es nicht. Solange es um fein Land ging, war er alles, auch Diplomat, wenn es nötig war. Jetzt, im Stiche gelassen, ist er mit einemmal wieder nur Bauer, heldenhafter, an der Scholle haftender Bauer. Er kämpft weiter. Viele verlassen ihn, wenige halten bei ihm aus. Eine furchtbare Niederlage wirft sie, Hofer muß fliehen, sich verbergen. Alles andere ist so bekannt, daß wir es hier nicht darzustellen brauchen. Und doch ist es immer und immer wieder nötig, auf diesen Heldenkampf hinzuweisen, auf seinen eigentlichen Sinn. Er ist lange vom engherzigen Lokalstandpunkt, wenn es hoch kam, vom rein dynastischen Gesichtspunkt aus betrachtet worden. Gewiß traten Hofer und die Seinen in diesen Krieg ein, nur als Verteidiger ihres Landes, als Anhänger des Kaisers, zum Schluß aber als in ihrer Liebe tief gekränkte und enttäuschte Rebellen. Einen weiteren Gesichtskreis hatten sie durchaus nicht. Man darf nicht versuchen, Hofer ideell zu einem Schill, einem Dörnberg oder gar zu einem Scharnhorst und Gneisenau machen zu wollen. Und doch hat er für weit mehr gekämpft als für den kleinen Fleck Erde, dem er gehörte. Und doch gehorchte er einer weit größeren Gewalt als der kaiserlichen zu Wien, als er seinen tapferen Stamm zum Siege führte. Er war unbewußt ein deutscher Held, er kämpfte und starb für dasselbe Ideal wie die Schill und Dörnberg, er ist untrennbar mit den Helden der Freiheitskriege verbunden, als deren Vorläufer und Wegbereiter. Denn der Eindruck, den fein tragisches Schicksal auf das weite Deutschland machte, war so überwältigend groß, baß ber Aufltanb der Tiroler, der zeitweilig ein kleines Land befreite, aus dem Befreiungskampf Deutschlands nicht mehr fortzudenken ist. Und Hofer gehört in die Reihe jener großen Deutschen, die unferm Volkstum den heldischen Glanz gaben für alle Zeit. Die Aufgaben plastischer Kunst. Von Dr. Hanswerner Nachrodt. Sucht man nach der Bedeutung der plastischen Kunst im Leben des Volkes, so stößt man auf einen zunächst seltsam blinkenden Zwiespalt: Es ist auf den ersten Blick hier weder eine wirkliche völkische Anteil- nahme an ihrer Entwicklung, noch ein allgemeines weitergehendes Verständnis für ihre künstlerischen Werte zu finden. Im Gegensatz zur Dichtung, zur Musik und auch zur Malerei sind die Schöpfungen der Plastik nur in wenige Volksschichten, und auch bann meist nur in kunstgewerblichen Kopien, gebrungen. Selbst unter ben Liebhabern, in Sammlerkreisen, gibt es nur einen ganz geringen Bruchteil, der ber Bildhauerei den ihr zukommenden Platz oder gar eine bevorzugte Stellung einzuräumen gewillt wäre. Der Grund für diese Tatsache liegt aber weder in irgendeiner künstlerischen Abneigung, noch lediglich im sozialen Unvermögen dieser Volkskreise: Er stammt aus dem Wesen der plastischen Kunst selbst, die in ihren arteigenen künstlerischen Voraussetzungen und entscheidenden Schöpfungen mehr als jede andere Kunstform jenseits aller privaten, individualistischen Neigungen im tiefsten Sinne Ausdruck eines Gemeinsamen fein will; sowohl in der Verwirklichung ihrer Ideen als auch der künstlerischen Auffassung nach, die ihre Werke verlangen. Von der ausgesprochenen Bildnisplastik abgesehen, die naturgemäß strenge Modelltreue fordert und deshalb von jeher eigentlich privater Anregungen bedurfte, lebt die Bildhauerei in ihren großen Werken entscheidend von der Kraft des Gleichnisses, das dem Grundgefühl einer Gemeinschaft entspricht. Betrachten wir beispielsweise die Plastik eines Bauern, eines Arbeiters, eines geistig Schaffenden ober eines Soldaten, so wird es kaum jemandem einfatten, in diesen Köpfen ober Statuen, einzeln ober als plastische Gruppe, nach der Aehnlichkeit mit einem bestimmten Vorbild, dem „Modell", zu forschen; vielmehr werden wir bemüht fein, bas für die genannten Volksschichten in ihrem „So-sein", in ihren inneren Werten ruhende Charakteristische, ihr typisches Gesicht, ihre Haltung im Dasein der Gemeinschaft beim Anblick und Erlebnis des plastischen Kunstwerkes zu entdecken und uns zu eigen zu machen. Wir verbinden also mit dem plastischen Erlebnis meist nicht die Vorstellung vom flüchtigen Sinnenreiz des Privaten, sondern die Erkenntnis des großen Zusammenhanges, in den wir selbst mit den plastisch wahrgenommenen, typisch gesehenen Abbildern unserer Mitmenschen gestellt sind. So wird uns bas Einmalige ber plastisch roiebergegebenen, künstlerisch geformten Gestalt ober Geftaltengruppe zum Gleichnis ber Gemeinschaft, in beren sinnvolle Drbnung beispielsweise ber Bauer, ber Arbeiter ober Solbat gehören. Es gibt Stimmen, bie gegen bie gleichnishafte Auffassung des plastischen Kunstwerkes reden; sie verkennen damit das Wesen dieser Kunstform — berechtigt ist ihr Standpunkt nur dann, wenn damit jene völlig verzerrte Auffassung gemeint ist, die in vergangenen Zeiten den künstlerischen Höhepunkt des Gleichnishaften in der vollständigen Abstraktion der dargestellten Stoffe und Gestalten erblickte. Der allgemeingültige Wert aller plastischen Kunst erweist sich erst in jenen Werken, deren symbolische Kraft mächtig genug ist, das Bewußtsein von einer größeren geistigen Ordnung, der diese Werke entstammen ober bie uns mit ben bargestellten Geschöpfen oerbinbet, in uns wachzurufen ober neu zu festigen. Dergleichen wir daraufhin die Blütezeiten der Plastik mit dem jeweiligen, geschichtlichen Gesamtbilde, lo erkennen wir deutlich, wie der Aufschwung ber plastischen Kunst stets in innerem Zusammenhang steht mit dem Vorhandensein einer geschloffenen staatlichen ober religiösen Drbnung, eines ausgeprägten gemeinschaftlichen Grundgefühls, wobei es hier gleichgültig bleibt, ob bas letztere religiös ober politisch begründet war. Hochplastische Zeiten in diesem Sinne waren das alte Aeaypten, das archaische und klassische Griechenland, das Mittelalter — für Deutsch- Druck und Verlag: Drühl'fche LlniverlitätS-Duch- und Stetnbruckerei, 2i- Lana«, Gieße» Verantwortlich: Or. Hans Thyrlott Als pelzjäger in Kanada. Von Jakob Stricker. Die Pelztierjagd, die seit je zu den wichtigsten Erwerbsquellen mancher nordamerikanischen Gebiete gehört, ernährt in Kanada auch heute noch ihren Mann. 2" iemem im Orell Flißli Verlag, Zürich-Leipzig, erschienenen Buch „Erlebnisse eines Schweizers in Kanada" schildert Jakob Stricker das Leben eines solchen Pelztierjägers. Ick vertrieb mir die Zeit damit, im Wald Herumzustreisen und Geflügel und Kleinwild zu schießen Eines Tages traf i 3oe ben $raWerj Er war gerade dabei, mit dem Jnd.anerpserde den Proviant nach ferner ersten Blockhütte zu bringen, um es dann von dort aus m die Berge hinauszutragen, wo sich seine Trapline (Fallenre.he) befindet. Jeder Pelzjäger hat seine Linie (Jagdrevier), bie manchmal bis zu 100 Meilen lang ist. Er läßt sie bei der Regierung emtragen damit kem anderer Trapper ihm in der Nähe schaden darf, und muh dafür je nach der Größe eine jährliche Taxe bezahlen, die aber 50 Dollar nicht übersteigt. Als Joe hörte, daß ich nicht arbeite, lud er mich em, ihm über den Winter Gesellschaft zu leisten. Es sei langweilig, volle fünf Monate allein in den Bergen zu wohnen und mit niemandem reden zu können, er aebe mir freie Station, auch einen Bunk habe er für mich. So nennt man das primitive Trapperbett, das man vielleicht besser mit Strohlager bezeichnen würde. Der Trapper bat mich, ihm auch gleich beim Provianttransport zu helfen. Am ersten Dezember wurde die Jagd eröffnet, und er mußte sich beeilen, rechtzeitig allen Proviant in die Blockhütten zu bringen. Er versprach mir auch, mir dann auch im Frühling einen kleinen Gewinnanteil zukommen zu lassen. m f . . Dieses Angebot lockte mich. Ich hatte sckon viel von der Pelztieriagd gehört und wollte recht gerne einmal dabei sein. Gleich ging ich daran, meine eigene Farmhütte in Ordnung zu bringen Alle nicht haltbaren Eßwaren packte ich ein, um sie mitzunehmen Alle andern wie Mehl, Erbsen weiße Bohnen und gedörrte Früchte, also alles, was nicht bereits in Konservenbüchsen war, versorgte ich in "lte Biskuitdofen, die ich zu diesem Zweck gekauft hatte. In die Deckel machte ich mit entern Jtagel Steine Löcher damit die Luft Zutritt habe. Alles übrige, Wasche, Geschirr und so weiter verpackte ich in Kisten. Dieses Aufräumen war notig, denn ich hatte in meiner Blockhütte als unrentable Mieter viele Mause: auch gab es dort Packratten, die alles wegschleppen, was nicht gut verpackt ist. Qum Schluß nagelte ich auch die Schiebesenster zu und verschloß die Hütte mit der Hoffnung, im Frühling alles wohlbehalten wieder anzutreffen Mit dem Rucksack auf dem Buckel marschierte ich an die Straße und wartete auf Joe, der mit seinen Saumpserden hier vorbeikommen sollte. Nach einer halben Stunde kam er mit seiner Karawane daher UnVmd’nit"'mejen'°sechs'saumpserden ungehindert vorwärts zu kommen, hatte er sie in einer Reihe zusammengebunden, immer eines an den Schwanz des vorderen: so brauchte er nur das erste Pferd zu führen, die andern muhten gern oder ungern folgen. Jlüe fedjs_ JPf waren schwer bepackt. Als ich ihnen meinen Rucksack auch ™d) °uf aetaben hatte, machten wir uns gemeinsam auf ben Weg, bte Flinte auer über den Rücken. Ich hatte auch eine Axt mitgenommen um, wenn nötig bamit ben Weg zu bahnen. Nach zwei Stunben gönnten wir ben Werden am Ufer des ßiUooet River eine Rast. Während Joe ihnen die Packsätte^bnabm und sie tränkte und fütterte, richtete ich em Camp- feuer her um für uns eine Suppe zu kochen. Ich idjnitt vier dicke, arofte Aeste schlug diese gekreuzt in den Boden und legte darüber einen langen, dicken Weidenast, an den ich zwei Kochkessel hängte. Der eine war für Suppe, der andere für Tee bestimmt. Neber einem knisternden Reisigfeuer war das Essen schon nach zwanzig Minuten gekocht Am anderen Morgen um fünf Uhr gingen wir wieder "us den Rückweg, und so folgte nun ein Provianttransport dem anbern. 21m vierten läge nahmen wir noch einen brüten Mann mit, bet bte Pferbe roteber lnS®ir rPchtttt"n ^die^Blockhütte nur provisorisch ein, beim sie war viel zu klein. Die Traplinie Joes war fünfzig Meilen lang, unb immer nach sechzehn Meilen stand ein Blockhaus. Unsere nächste Aufgabe war nun, den Proviant gleichmäßig auf alle vier Blockhütten zu verteilen und sie häuslich einzurichten. Dann mußten die hundert Fallen geölt werden, damit sie gut funktionierten. Nachher wurde Fleisch für Koder beschafft. Joe der das Revier gut kannte, hatte schon nach drei Stunden zwei I Rehe erlegt. Einen Teil dieses Frischfleisches legten wir für uns zurück. I Dann machten wir uns daran, die Fallen zu stellen. Joe trug bte-Sailen und ich das Fleisch. Nach vier Tagen waren alle hundert Fallen der Linie entlang aufgestellt. Das war gerade am 1 Dezember, dem Tage Dieses Leben gefiel mir fehr gut. Wir gingen nie ohne die Flinte aus denn in der Umgebung hausten noch die gefürchteten Grislybären. Für jeden erlegten Bären zahlte die kanadische Regierung fünfzig Dollars Bounty (Prämie), wenn man das Fell ein sandte. Inzwischen hatte es zu schneien begonnen unb wir mußten bie Iraphnie auf Schneereifen abschreiten. Ich halte noch nie solche Dinger an ben Fußen gehabt unb kam am Anfang recht mühsam vorwärts. Oft fiel ich auf bte Nase, weil ich immer mit dem einen Reifen auf dem andern stand Am 21. Januar erwachte ich morgens früh noch bei Dunkelheit. Als ich mich umdrehte, um nach dem Wetter zu sehen, erblickte ich zu memem größten Schrecken vor dem kleinen Fenster einen Baren, der sich mit den Vorderfüßen auf dem Sims aufstutzte. Sofort weckte ich Joe, der mir bestätigte, daß wir es mit einem Grislybären zu tun hatten..Der Trapper sprang aus dem Bett, ergriff feine Flinte und schlich tm fyrnib der Wand entlang auf das Fenster zu wahrend auch ,ch . meine Firn e lud Ein Schuß — und draußen ertönte em lautes Gebrull. Joe hatte in feiner Aufregung den Bären nicht gut getroffen, und wutentbrannt stellte sich das Tier wieder auf die Hinterbeine und versuchte, nut seinen großen Tatzen das Fenster einzuschlagen und heiuuszure,ßen. Joe legte wieder an, und beim zweiten Schuß fiel der Bar rückwärts tn ben Schnee. Ich eilte gleich ans Fenster unb sah zum erstenmal, tote sich em i Pstr jm Tobeskampf krümmt unb roinbet. Er brummte immer noch, aber Joe war sicher, ihn bieses Mal gut getroffen. 8u haben unb sagte -r werbe sich in wenigen Minuten strecken. Sabalb das Tier still lag, eilte er hinaus unb schnitt ihm bie Kehle durch, um -s ausbluten zu lasten Ich sah vorn Fenster aus wie bas Blut herausspritzte unb Joes Kleider und Gesicht befleckte. Der Trapper kam schnellstens ,n die Hütte zurück, denn es war sehr wohl möglich, daß noch ein anderer Bar m der Nahe war. Aus alle Fälle gingen wir an diesen Tagen nicht auf die Jagd, denn es ist zu gefährlich, einem zornigen Grislybären über den Weg zu lausen Joe kannte diese Tiere. Sie sind sehr angriffslustig und können einen Menschen mit einem einzigen Schlag ihrer großen Tatzen toten Sie konnten also auch ohne weiteres bie Ture unserer Blockhütte ein schlagen. Als sich nach einer Stunbe immer noch nichts rührte, nahm Joe sein Metzgermesser unb begann bem Baren bas Fell abzuziehen, währenb ich mit ber Flinte in ber Hand Wache stand Wir verbrachten den ganzen Winter damit, regelmäßig unsere Fallen abzuschreiten und zu kontrollieren. Wenn wir Tiere erlegt hatten, zog ihnen Joe die Felle selbst ab, streckte sie mit einem selbst hergestellten Gerüst von Holzstäben und lieh sie trocknen. Das Fleisch der erlegten Tiere wurde immer wieder für die Fallen gebraucht. Gegen Ende März kehrten wir nach Pemberton zuruck nut ein« schönen Beute von Biber-, Marder-, Skunks- und verschiedenen anderen Fellen... Joe lud mich nun ein, ihn auf feine Kosten nach Vancou zu begleiten, wo er die Felle der Hudson Bay Co., einem der größten Warenhäuser Kanadas, für 1800 Dollars verkaufen konnte Das ist em recht schöner Verdienst in fünf Monaten! Immerhin erforderte er manche Strapaze, Joe gab mir für meine Mitarbeit ^00 Dollars, dann keh auf feine Traplinie zurück und jagte bis Saifonschluß, mahrmd ich an dem Bau eines Camps und einer Brücke über ben Ryan C 1 machte. fnnh ha« elfte dreizehnte und fünfzehnte Jahrhundert und bas i Barock eben jene in ihrem Lebensgefühl burch die Totalttat einer religiösen ober weltlichen Macht bestimmten Epochen m denen die individuelle Bildnisplastik zugunsten einer, der alle umfassenden Idee dienenden Monumentalplastik zurücktrat. ra . . r Welch erschreckenden Einfluß auf den künstlerischen Gehalt einer Epoche ein Zwiespalt zwischen ber staatlichen unb ber arteigenen, mneren Ordnung eines Volkes ausüben kann, bas hat uns die Lage der d--ut- fchen Kunst am Ende des zweiten Reiches und im Novemberstaat e- ichütternd bewiesen, wobei bie plastische Kunst mit bte traurigsten Bei- ^Nachbem wir°*so bas Wesen ber Plastik als gemeinschastsgebunbener Kunstform erkannt haben, ist es notroenbtg, nach ihrer Bedeutung, be Möglichkeiten unb ber Richtung ihrer Entwicklung zu iragen: Die vlastische Kunst, vor allem bie monumentale Einzel- unb ®ruppen= plaftit wirb wieber eingefügt in bie große geistige Dehnung, bte je braucht um ihrer roürbige Aufgaben in unserem Volke zu losen. Es sinb jene völkischen unb künstlerischen Grunblagen wieder gegeben, aus kenen sich einst die Blütezeiten der plastischen Kunst entwickeln konnten Das Gemeinschaftsgefühl eines großen, lebendigen Volkes, der fruchtbare innere Gleichklang zwischen staatlicher Führung und. iwtt,scher Ordnung, die aus weltanschaulicher Ganzheit kommende künstle nsthe Grundrichtung, an die eine eingehende und verständnisvolle staatliche Kunstförderung appelliert. Welcher Art nun werden bte Aufgaben ber Plastik fein? Eine allgemeine, grundlegende Antwort daraus geben die Werke jener Künstler, bie auch in Zeiten kulturellen und völkischen Ver- Ms ihre künstlerische wie moralische Art unb Altung als bem inneren Wesen ihres Volkes zugehörig, mcht verraten haben: So werben bte Statuen unb Gruppen eines Georg Ko lb e, emes Joseph Th or ak unb fiertnann I. Pagels, Plastiken wie bte von Richard S ch e t b e, Sari Albiker unb Hans Hafsenrichter, um aus ber Fülle nur einige Namen zu nennen, der Kunstauffassung unserer Zeit und dem Stilempfinden des jungen Geschlechtes am nächsten kommen. Wer einmal Originalarbeiten ober Bildkopien der genannten Zünftler steht wird wissen, worum es uns im Grunde geht: Um bte tlare, un- | verzerrte Darstellung bes beutschen Menschen als artgemahe Erscheinung seines Volkstums. Dieser Begriff laßt gewiß eine schöpferische Vielfalt künstlerischer Möglichkeiten für bie Plastik zu. Darüber hinaus aber wirb sie sich ben größeren Aufgaben zuwenden muffen, für deren fruchtbare Eriülluna keine Zett so wie bie unsere stärkste Antriebe bietet: De. Schöpfung von Ehrenmälern für bie Gefallenen bes großen Krieges und des Kampfes um Deutschlands Auferstehung der sinnvollen Entwicklung eines monumentalen Denkmalstiles, aus dessen Werken die gewaltigen seelischen und willensmäßigen Inhalte eines im totalen Aufbruch beündlichen Volkes allgemein verständlich und ergreifend sprechen. Wir denken an den Toten Soldaten von B l e e k e r 'M Gefallenendenkmal zu München, das im Zusammenhang mit der architektonischen Gestaltung von Karl Knappe wegweisend für eine künftige Entwicklung sein kann, in der sich Plastik und Baukunstz so rote in den Tempeln der griechischen Antike und in den deutschen Domen des Mittelalters, aber im Geiste unseres neuen Zeitalters, zusammensinden zum monumentalen plastischen Ausdruck unseres Lebensgefuhls. Die Baukunst, in der sich fast immer zuerst das Stilgefühl einer neuen Gpodie gültig ausdrückt, hat schon in München, Nürnberg und Berlin herrttch/Zeugnisse eines neuen deutschen baukünstlerischen Monumental- ftiles geschaffen. Das, was wir an Werken und entwicklungsfähigen schöpferischen Kräften innerhalb dieser Kunstform im Reiche erkennen, berechtigt zu der Hoffnung, daß auch die Plastik ihrem Stile und ihren Jnhckten nach sich ihrer Zeit und ihres Volkes würdig erweisen wird. SiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Jahrgang 1936 Nummer 27 Hreitag, den 5. AprU Kirchplatz, wehenden ii Dielen und den anderen Winter hockt er noch in der Stube und Colour & Grey Control Chart Das Jahr des Herrn Roman von Karl Heinrich Waggerl Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig. 3. Fortsetzung. und nun, im Frühjahr, kommen noch die ersten saftigen Triebe vom Geißbart und vom Kerbelkraut dazu. Helene versteht die Kunst, die Kräuter so aufzulegen und mit Tüchern abzubinden, daß sie nach dem Kochen wie frischgrüne Bäumchen auf dem farbigen Grund der Schale stehen, wie zartes Vogelgefieder. David klettert in die Weiden am Bach und bricht Zweige heraus, die schönsten und weißesten Kätzchen für den Palmbusch des Pfarrhauses. Sie werden auf eine Stange gebunden und über und über mit Bändern geschmückt, Agnes wird sie am Palmsonntag zur Weihe tragen. An diesem Tage wogt ein bunter Wald von solchen Büschen aus dem jeder einzelne prächtig verziert mit Schleifen und langen Bändern. Die Weiber haben ihre schönsten Tücher in das □anes/At ei von Farben, und die Seide raschelt in ihren pictaxy t der Himmel blau und mit runden Wölkchen t fröhlich in knallendes Fahnentuch, kriegerisch zusammen, Trompeten schmettern " Chor. Nicht anders zog Jesus in von der Em- Jerusalem ein. nver oen Klappern Pat-r Johannes wählt die Stelle der Schrift, an der ausgezeichnet ist, wie der Herr seine Jünger nach der Eselin schickte, wie er durch die bekränzten Straßen ritt und in den Tempel trat, um das Haus seines Vaters zu säubern. Das ist nun freilich eine andere Art, Gottes Wort auszulegen, dergleichen haben die Dorfleute nie gehört. Zuerst ist die Stimme des Predigers noch gedämpft und voll liebreicher Sanftmut, allmählich jedoch schwillt sie gefährlich an, Zorn grollt in ihr. Pater Johannes beugt sich weit hinaus, er zielt wie ein Schütze in das zitternde Fleisch und trifft. Oh, er greift die Herzen hart an, und was er sagt, ist wohl begründet und unverrückbar bezeugt bei Jeremias und allen Propheten. Darauf versteht sich der Pfarrer weniger, so kunstvoll kann er die Worte nicht setzen. und der Zuversicht zwischen Himmel unö Erve. Der «türm zaur uic Glocke an, würgt sie und rüttelt am Gestühl, zuweilen versagt ihr die Stimme im Kampf, aber wieder kehrt sie machtvoll zurück und beschwort den rollenden Donner. , ■ David liebt die Glocken, oft betrachtet er sie, befühlt ihre kühlen, narbigen Leiber und klopft mit dem Finger daran, um zu hören, wie sie summend und von weither antworten. Einmal, als er noch klein war, stieg er ungesehen in den Glockenstuhl er dachte, daß es Tiere sein mühten, die da eingesperrt waren, große Vögel vielleicht. Einmal in jedem Jahr flogen sie ja fort bis in die Stadt Rom. Es war um die Mittagszeit, er kroch und kletterte also umher und suchte diese Vögel in ihren metallenen Käsigen. M,t einem Male aber bewegte sich die große Glocke, schwang langsam aus und plötzlich überschüttete sie ihn mit ihrem brausenden Klang so daß er wie in einer Woge darin ertrank. Sie tat ihm nichts zuleide und schob ihn nur ganz sanft an die Mauer, aber es währte eine endlose Zeit, und als die Glocke wieder schwieg, kauerte er noch lange verstört und er Johannes'die Kanzel, um zu predigen. Lange ■ ■ I Brüstung und sammelt die Glut seines Blickes rzauprern oer Gläubigen. Es wird still in der Kirche, das der Rosenkränze verstummt, das Geflüster der jungen Leute unter der Empore, nur der alte Postmeister räuspert sich laut und umständlich, aber das tut er bloß, weil er taub ist, nicht aus Mangel an Green Grey 2 Blue White Yellow Grey 3 Cyan Grey 1 r der Mauer. lt vor dem verschlossenen Tor. Pater Johannes Schaft des Kreuzes dagegen und erhebt feine i dem biblischen Sänger. re, der König der Ehren will einziehen! g? fragt der Pfarrer zaghaft im Innern der wartet Pater Johannes, mächtig im Streit, der Beck_______Magenta Grey 4 Black 4«— LI|nilHHI|lllipiH|IIHIIIH|Hrdin|nil1IIIHIIIIini|IHIJIII|IHIIHII|lllllllll|llll|llll|llll[llll|llll|llll|llll|llll|llll|llll| llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll[lllllllllllll 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 1 5 9 ES rotro ounrei m oer wivuenpuvr, vcr Mauern, blaues Feuer schlägt durch die schmalen Fensterschlitze Dann prasselt der Regen nieder und überspult die Scheiben, als kochte draußen eine ungeheuere Wasserflut und brandete bis an die Fenster herauf. David zieht und zieht den Strang, er ring ganz allem mit der Holle, Herr sei uns gnädig! Verschone die Saaten, Vater, sie s^hen sihon fingerhoch und prächtig grün auf den Aeckern, verdirb sie nicht! Schone auch die Fruchtbäume und die Gärten, lenke den Blitz ab vom Vieh auf der Weide und von den Hütten deiner Kinder. Warum willst du ihnen zürnen? Du hast das Jahr'einen guten Anfang nehmen lassen, es ist alles dein Werk, sieh es an! Auch du, heiliger Jakobus, laß deine Glocke nicht zuschanden werden, geh zum Herrn und bitte ihn! Und Gott hört seinen Heiligen an, und er lächelt, weil David |o mutig ist, das Kind mit der Schleuder. Er läßt den Regen sanerstromen und den Donner leiser rollen, David merkt, daß auch die Glocke wieder freier schwingt und nicht mehr mit dem Winde kämpft. Hell und fröhlich steigt das Geläute zum verklärten Himmel auf. - r Später geht David auf die Suche nach Krautern wie st- Helene zum Färben der Ostereier braucht. Auch das geschieht kunstgerecht, nicht etwa mit bedrucktem Papier oder mit gekaufter Farbe. Das ganze Jahr über werden bunte Kattunreste und Bänderenden gesammelt Enzian und rote Malvenblätter preßt man zwischen den Seiten des Gebetbuches, er spuckt auch nicht einfach hinter sich in den Sandnapf, wie es der Pfarrer tut, wenn sich seine Kehle belegt, sondern er hält ein Tuch in der Hand und säubert damit seinen Bart. Ja es ist offenkundig, daß Pater Johannes eine besondere Gabe hat, das Menschenherz zu rühren und aufzurütteln. Vor allem sind die Weiber wie besessen hinter ihm her und versäumen keine Gelegenheit, ihm em Segenswort abzunötigen, obgleich ihn doch wahrhaftig nichts auszeichnet als eine überaus haarige Kutte. . Streng ist Pater Johannes, em eifernder Heiliger und dabei gottselig arm. Es spricht sich herum, er habe sogar die weiche Unterdecke aus seinem Bett genommen, auch den Spiegel von der Wand. Mein Spiegel ist das Kreuz, sagte Pater Johannes. David hat freilich gesehen, daß er bisweilen lange am Fenster steht und seine Fingernägel betrachtet, er haucht sie sogar an und reibt sie am Aermel, Pater Johannes hat außergewöhnlich schöne Nagel an seiner blassen Hand. Aber auch das geschieht wohl nur aus schuldiger Ehrfurcht, weil er dem Herrn mit diesen Händen dient. David ist indessen auch sonst nicht mit dem Pater zufrieden. Er bringt allerlei neue Moden mit, nie sitzt ihm die Albe beim Einkleiden locker genug in den Hüften, da und dort muß noch eine Falte I gezupft werden. Und von Davids Latein beim Altargebet behauptet er.