Nummer 65 Montag, den 2$. August Jahrgang 1956 Nein, ich konnte es nicht mehr aushalten. Eines Nachts, als es in Strömen regnete und man nicht die Hand vor Augen sah, habe ich sie aus ihrem Zimmer entführt. Und jetzt wohnt sie bei mir tm Keller. ... . An Kunst ist vorläufig nicht mehr zu denken. Ich muß >etzt dafür sorgen, daß das arme Kind nicht vor Elend und Entbehrungen zugrunde geh. Denn ihr Vater hat sie verstoßen. Die Briefe, die sie ihm geschrieben haß blieben ohne Antwort. Und jetzt mußt du uns helfen, Simon! Für mich selbst habe ich Dich nie um etwas gebeten; aber jetzt bitte ich Dich für sie, nur für sie! Als alter Freund bist Du der Leuchtturm, der uns aus dem Elend retten soll, Du bist ..." . . . Pirruhn las nicht weiter, zerknüllte den Brief, lief aufgeregt hm und her und rief: „Was, ich ein Leuchtturm! Mag fein, aber ich spende kein Licht nicht eine Unze! Und meine zehn Franken soll er auch zuruckzahlen! Das schreibe ich ins Buch! Was fällt der Rotznase em, mrt meinen zehn Franken aus die Mädchenjagd zu gehen, statt zu malen!' Pirruhn war ärgerlich und wütend, well Lwmus so leichtsinnig sein Talent und seine Zukunft vergeudete. Er fluchte sogar, und der Pfau flog mit einem rauhen Schrei erschrocken auf den Gipfel einer dunklen Tanne, die in der Mitte einer nach innen geneigten Rasenfläche stand. Grain d ' O r. Die Bäume waren schon kahl geworden, und das Blaue Haus stand noch immer leer. Die frühere Dienstmagd wohnte jetzt mit ihrem kleinen Vermächtnis im Beginenhof hinter dem Kalvarienberg. An einem Sonntagnachmittag schrieb Pirruhn zum mertenmal einen Brief an Anna-Marie, die in Toskana wohnte, um sie nochmals dringend zu bitten, ein Jahr im Blauen Hause zu verbringen. Er teilte ihr wiederum mit daß das Gras in den Wiesen faulte, daß ine Bauern sich über den schlechten Zustand ihrer Wohnungen beklagten, und daß das Testament nicht gestattete, etwas daran machen zu lassen, auch das Einhorn bedürfe dringend der Pflege. Er fügte noch hinzu, daß dieses Landgut eigentlich ihm gehöre, wenn er Adelaide von Sint-Jan heiratete was, wie er hoffte, in diesem Jahre geschehen würde, und daß die Familie von Egmont zu den fünf Fontänen aus Grund des Kaufvertrages verpflichtet sei, es m tadellosem Zustand zu erhalten. Pirruhn bat sie..slehentlich, wenigstens einmal herzukommen, und es wäre nur, damit sie sich ein Bild davon mengen früheren Briese war stets ein rosafarbiges, duftiges Briefchen gekommen, in dem Anna-Maria mitteiüe, „daß he bestimmt einmal kommen würde". _ h Pirruhn konnte nicht begreifen, daß man gegenüber soviel Geld und Gi/so gleichgültig sein konnte. „Wenn's in einem Buch stunde wurde ich das nicht glauben", sagte er. „Aber ich werde sie selbst holen, die dumme Gans!", btohte er. . - f., Pirruhn siegelte brummend den Brief. Jetzt bemerkte er, daß sich inzwischen ein leichter Nebel verbreitet hatte, ber bte schwarzen, nassen Bäume im Garten mit hellem Grau umhüllte. „Gleich gehe ich spazieren , baC6r tauchte erst seine Pfeife zu Enbe, mit bem Rücken nach bem tnifternben Holzfeuer, unb betrachtete babei bie stille Wehmut bes Gartens. Er warf feinen grünen, dreistufigen Mantel um die Schultern, fetzte I fpittsn hoben tneihen £)ut ciuf und uinc^ fpQßicren. .... < Sein Weg führte ihn über den Wall, der die Stadt in einen ovalen Ning einschloß und mit vier Reihen kerzengerader Ulmen bewachsen war. An stdem der fünf Stadttore standen hohe hölzerne Windmühlen. Vom hochgelegenen Wall aus hatte man eine schone Aussicht »ber bw unb die offenen Felder ringsum. Man sah viele Kirchturme, auch ken von Mecheln!^b?aü und stumpf Jetzt aber hatte ein leichter Nebel den (änrimnf mit Allerseelengrau verhängt. Der Boden war feucht, iind m ber winblosen Stille roch es nach burchgebrochenem Holz unb Ruben. Auf einem kleinen hochgeschossenen Baum, jenseits ber Nethe sah eme Versammlung von Staren bem Abenb entgegen ber unsichtbar herankaim Sfuf ber fernen qerounbenen Lanbstraße ratterte eine 3eit[ang Pos kutsche aistbie Stabt zu. bas Horn bes Bollillons hallte traurig über Bfeste an trank drei Gläser gutes Kavesbier unb setzte rauchenb seinen ^^Pirruhn°erre/chte bas Moller Tor, ein plumpes Steingebäube mit vier Türmen, an bem eine Wassermühle rauschte. Menschen. Und Vor bem Zollhaus unter bem Tor ftanb ein flaurietn -, I roaS s . m i „fithnfi ia^ Livinus Bruberherz. unb neben einer steinernen Bank Lwinus^ umbr st g, Tränen auf den roten ihm ein sehr hübsches, rundliches Madch m das mr Tranen^^e!". Backen ihren Kopf an feine ^fhulte • - . Livinus war ver- ; sagte Pirruhn gerührt, unb fein ganzer wrou geyu I fchwunden. SicfjenerSamilieiiblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger_______ FELIX TIMMERMANS Die Delphine EINE GESCHICHTE AUS DER GUTEN ALTEN ZEIT Aus dem Flämischen übertragen von Peter Mertens /Insel-Verlag Leipzig 1. Fortsetzung. Am Waifer entlang ging er nach Hause unb dachte mit Freude daran, daß er in irgendeinem Schubfach seines Schreibtisches ein Medaillon hatte, auf dem Anna-Marie als kleines Kind gemalt war; er hatte es zusammen mit anderen Miniaturen von ihrem Vater erhalten, als dieser auf einer . diplomatischen Reise hier zu Besuch gewesen war. Jetzt lag sein Freund irgendwo bei Neapel im Schatten hoher Zypressen begraben 9 Pirruhn fühlte sich sehr glücklich, die Tochter seines Freundes, mit bem er zusammen an ber Löwener Universität studiert hatte, halb in feinem Haus empfangen zu bürfen. Er rieb sich bie Hände und fugte: „Die kann noch meine Hochzeit mitmachen!" Ein Brief von Livinus. Im Garten, unter dem stillen, goldnen Laub der Bäume, rauchte Pir- mbn feine Pfeife. Er fütterte gerade den blauen, glanzenden Psau, der neben ihm auf einer steinernen, moosbewachsenen Base sah, als Kato, das Dienstmädchen, ihm einen Brief brachte. . . Es war ein Brief von Livinus aus Pans, eigentlich eine Papieriute, auf der geschrieben ftanb: „Lieber Delphin Pirruhn! Es ist schon lange her, baß ich Dir geschrieben habe, aber eine große Veränberung ist in meinem Leben eingetreten bie meine Zukunft anbers gestalten wirb, als ich gebucht hatte. Jetzt bin ich gewiß, baß unser Schicksal stärker ist als unser Wille." („Gr lugt , knurrte Pirruhm) ? Ich habe ein Mäbchen entführt! Lieber Freunb, ihre Schönheit ist wie"ein Wunber. Ach, könnte ich boch erzählen wie Corenhemel, ba mir ein solcher Stoff gegeben würbe, könnte ich Dich hierherzwmgen, um biefe ”CiS 5,'"“™ °<- d-ch.-». ««6 mich - unb iem rot eine Kamee, weiter nichts, unb gleich war ich in sre.verliebt. Am nächsten Tage habe ich mit meiner Geige m der stillen Straße wo sie wohnte, unter ihrem Fenster gespielt. Im weißen Kletch M ihrer jugendlichen, herrlichen Schönheit, trat sie ans Fenster vor dem blutrote Geranien blühten. O Pirruhn! Hier muß ich eme Zeile frei lassen, denn es ist mir nicht möglich, bas, was ich bamals fühlte, zu beschreiben. Denk es Dir! — Meine Geige war mein Herz geworben. Ich spielte auf meinem Herzen, unb meine Liebe, meine Bewunberung sangen unb meinten tn bem bezaubernben Gesang Mozarts. ., h 6 fi Würbe sie mich armen Teufel begrei,en? Spater roufete tdj, t)aft fie mich verstauben hatte, bamals wußte ich es nicht; sie warf mir em ©e.b- stück zu unb zog sich bann beschämt zurück. Abends warf'ich ein Briefchen, bas ich um einen kleinen Stein gewickelt hatte zu ben blühenben Geranien, unb bie Auserkorene meiner Lieoe fand 'es am Morgen beim Gießen b.-r Blumen. Als ich am nächsten Tage roieber vor ihrem Fenster spielte, wmf ste mir schnell eine Rose eine weiße Rose, bie sie an.ihrem Kiew getragen hatte. Unb, Simon, mit biefer Blume schenkte sie mir ihr Herz. Nun folgten ein paar glückliche Tage. Wir trafen uns jeben Tag im Park; aber ihr Vater, ein abscheulicher Mann, Gehilfe «mem Orgelbauer erfuhr es und sperrte sie em wie einen Vogel. Sie durste ihr Zimmer nicht verlassen, es sei denn, sie schwöre, jede Beziehung zu mir ab3u- brechen Nicht für hundert Näter, Simon, hatte sie das getan. Endlich konnte ich es nicht mehr aushalten! Der Gedanke daß meine (SraVb’Dr gefangen sah, leiben mußte unb vielleicht allmählich baran zugrunbe ging, brachte mich dem Wahnsinn nahe. Abends im „Delphin" erzählte Livinus dem kronengeschmückten Freundeskreis, mit einer vor Liebe und Elend sanfter gewordenen Stimme das Abenteuer seiner Liebe, während er ab und zu einen zärtlichen Blick auf das hübsche Mädchen warf, das Pirruhn nut väterlicher Besorgtheit neben sich hatte Platz nehmen lassen. Der alte Mann zappelte richtig vor Glück und unterbrach Livinus immer wieder mit einem „Bravo! Bravo!" oder „Das ist eine Sache! , und er tätschelte spielerisch die zarten Hände seiner hübschen Nachbarin. . Als Livinus zu Ende erzählt hatte, wollte der witzige Kuckuck em Lied darauf fingen, aber Pirruhn schlug auf den Tisch: „Morgen gehst du mit Grain d'Or zum Pfarrer, in drei Wochen feiern wir ein Fest! Livinus wurde rot und blaß. „Ich wollte dir vorhin schon sagen ... aber du ließest mich nicht ausreden. Sie ist minderjährig, und wir haben keine Papiere. Pirruhn zog die Augenbrauen über seine grünen Augen, erhob sich und ging im Zimmer auf und ab, während er an seinem Daumen sog. . , . .... . Die Delphine waren still, jeder suchte nach einer Losung. Im Herd brannte das Feuer mit trägen, großen Jungem Durch die blauen, roten und gelben Scheiben der Glastür blickte man in die Gaststube. Dort stand im braunen Lampenlicht Fräulein Barbara hinter dem Schanktisch: sie zapfte zwei Krüge Bier, trank ein wenig davon und brachte sie dann auf einer Zinnplatte dem kahlen Apotheker und dem Zuckerbäcker, die beim Licht einer Kerze in der Ecke Karten spielten. , , r, . Hinter dem Schanktisch, auf den eine Postkutsche gemalt war stand die hohe Anrichte, in allen Fächern reichlich mit Zinn, Kristall und buntem Steingut ausgestattet. Das war Fräulein Barbaras Stolz. „Wie alt ist sie?" fragte Pirruhn plötzlich. „Neunzehn und ein halbes ..." „ „ r„ „Also noch anderthalb Jahr", und dann sagte er mit Bestimmtheit. „Ihr Vater muß die Papiere schicken!" „Das wird er nie tun." Pirruhn setzte sich, stand wieder auf: „Er muß sie schicken, ich werde ganz Paris auf den Kops stellen, er muß! Das sage ich!" Er ging auf und ab, und ein Delphin nach dem anderen meinte: „Ein schwieriger Fall, ein sehr schwieriger Fall!" , „Gar kein schwieriger Fall!" schnauzte Pirruhn erregt „Schwieriq- keiten gibt es für mich nicht! Sie wohnen bei mir, bis sie heiraten! Seht ihr nun, wie schwierig das ist? Ihr Affen!" Ein lärmender Jubel brach los um den Hirten, der zwei Sammlern auf seine Schultern genommen hatte. v , ... Grain d'Or küßte Pirruhn aus die roten Backen und die kristallnen Römer wurden mit Liebfrauenmilch gefüllt, denn dies war ein großer ^"8,Ach!" sagte Van de Nast, gierig auf den Wein, „ich „möchte, daß Livinus jede Woche dreimal jemand aus Paris mitbrächte. Die gute Nachricht. Es war um Ostern herum. Während Pirruhn ein Senffußbad nahm, spielte er auf einer langen, silbernen Flöte. Die Töne hüpften wie silberne Böhnchen über den Garten, wo noch alles glänzend und naß war von dem leichten Regenschauer, der soeben über die Stadt gezogen war. Die Sonne drängte nun wieder mit frischem Frühlingsduft zur offenen Tür herein und warf einen hellen Glanz in ein Fifchglas, in bcm drei Goldfische schwammen. Eine blaugoldene Glaskugel, die wie ein Auge an der Decke hing, spiegelte Pirruhn, dessen nackte Füße, die Sonne, die offene Tür und alles, was das Glasauge erreichte, wider. Gegen die weißen Wolken am Himmel zeichnete sich ein Gänsedreieck ab, die Spitze nach den Kempen gerichtet, und Pirruhn freute sich über den Frühling, der die Bäume wachschüttelte und die Vögel nach unserem Lande zurücklockte. Es wurde so heftig geklingelt, daß es im ganzen Hause widerhallte, und Kato brachte einen kleinen rosafarbigen Brief, der angenehm nach Blumen roch. „ m Pirruhn sog den Dust ein und sagte: „Von Anna - Marie, ich ticcfyc es " Er riß den Umschlag hastig auf und las, daß sie nun endlich doch kommen würde. Mitte Mai würde sie in Brüssel fein und hoffte, Pir- ruhn im „König von Spanien" zu treffen. Pirruhn sprang vor Freude aus dem Fußbad, lachte laut auf, schlug sich auf den Bauch, lief ein paarmal mit nackten Beinen um den Tisch herum und liefe sich vor seinem Schreibtisch auf einen Stuhl fallen, um ihr mit einer Gänsefeder sofort eine Antwort zu schreiben. Es war nun plötzlich still geworden, eine samtene Stille. Sonnenschein klebte auf feiner Hand. . . » Im Bibliothekszimmer, dessen Tür offen stand, horte man das trage Ticktack einer Standuhr. Eine freche Drossel tanzte aus dem Gartm in die Stube herein, fafe auf dem himbeerroten Teppich, guckte um sich, und als sie Pirruhns nackte Füße sah, surrte sie erschreckt davon und sang ein wütendes Lied im schleimigen Kastanienbaum. ., {iA sßirrubn zog seine weißen Strümpfe und feine Schuhe an, machte sich schnM 8/und ging dann zu Adelaide von Sint-Jan, um ihr die Bevor er wegging' wollte er noch einmal das Miniaturbildnis von Anm^M je btaufamtene Schachtel aus der ScfeuMabe unb be= trachtete gerührt das Medaillon. Anna-Marie war auf diesem Bild zwölf Jahre alt. Sie war schlank und blaß, nut großen grauen Augen und pechschwarzen Haaren, die einen bläulichen Glanz hatten. Sw trug e seidenes Kleid, das grün und rosa schimmerte; m der zarten Hand hielt ie einen Rosenstrauß, und ein kleiner Hund mit langen weißen Haaren und einer schwarzen Nasenspitze fafe stolz aus ihrem Schoß. Während Pirruhn das Bild betrachtete, kam Putiphar herein paz.ert, die aanie Farbenpracht seines kostbaren Schwanzes hinter sich her scklevvend Pirruhn streichelte seinen seidigen, blaugoldenen Hals und M ihm das Miniatu?bild. „Das ift Anna-Marie", sagte er die kommt letzt her!" Aber der Bogel kehrte gleichgültig m den Garten zurück, den glänzenden Hals stolz hin und her bewegend. _ u ( " * küßte die knospenden Bäume, und aus einem offenen Fenster tiangen die friedlichen Töne eines Klavizimbels. Das Glockenspiel des Turmes kündete die Mittagszeit. . „Herr Pirruhn, das Essen ist fertig!" rief Kato aus einem anderen Livinus selbst war noch magerer geworden, tritt blauen Schatten unter den tiefliegenden Mönchsaugen; seine Kleider waren völlig abgetragen, aber eine schöne Begeisterung strahlte hell aus seinen guten, dunklen ^Pttruhn hörte Vater Bruderherz, den Livinus in seiner Verzweiflung batte rufen lassen, mit blecherner Stimme schelten: „Mir kommst du nie mehr ins Haus, nie und nimmer. Für einen Klecksmaler habe ich kein Geld mehr übrig, du kannst mit deinem sauberen Fräulein hingehen, woher du gekommen bist!" ..... , . ... „Dann kommen die beiden zu mir! , rief Pirruhn dazwischen. Livinus warf sich gleich in die Arme des Notars, und sie küßten sich, mie Komm!", jagte Pirruhn; er nahm das Mädchen bei der Hand, stieß feinen Stock herzhaft aufs Pflaster, und sie schritten tn die Stadt hmem. Sie gingen zu tritt nebeneinander durch die engen Straßen, wobei sich das Mädchen immer wieder bückte, um den herabrutschenden weihen Strumpf hochzuziehen, an dem sich das Band gelockert hatte ... Das Paar war zu Fuß von Paris gekommen, in der Hoffnung, bei feinem Baler ein Unterkommen zu finden. Unterwegs hatte er in Den Dörfern Geige gespielt und gesungen, um die Kost zu verdienen. In Brüssel hatten sie so viel Geld erübrigt, daß sie die rote Postkutsche „Der Windhund" nehmen konnten, der sie hierher in die kleine braban- tische Stabt gebracht hatte. effe nicht!" rief Pirruhn zurück, legte das Miniaturbild sorg- "y's -u iÄ. »-m« &Ä uttm"L L-»'Äch- d>° ^L'Veilch7n zu holen, die er heute morgen im Grase gesunden und für Adelaide von Sint-Jan gepfückt hatte. R a ch e p l ä n e. SSM SStaS» "BÄ» "f i'1"™ TOiW; trsr-S" »■ schönen Häusern glanzte das bräunliche Gold Gewehr im Arm, landen. Am Rathaus staub aufrecht ein Solbat ogs O betDrarf)tete bie &S*1S £"l. S- MU UM-Lch,-l,.7^|l°|l-.|I.M. M S" VS M«Itei. »-8» u»d'K »°-j-i.™ heil, interessierte sich lebhaft für b°s, was auf den Aushaus TOau(= der Läden gemalt oder 3" lesen war. Da hi ß .„Z , Zucker- assen", „Im zunehmenden Mond, „Im Gelobten Lande , „ä |On3(a58"erU?m Ende der Butterstraße angelangt, Adelaides weißgeköktes Sians mit der kleinen Freitreppe aus dem Schatten hervorleuchten , - sihob e7 die Lippen nach vorn und schritt rascher aus, um früher "i if,r E Butterftraße jedoch begegnete ihm die Zauberhexe 3°° die aufdenFeldern Kauter gesucht hatte Er bekam eine olche Lst nach ihrem ausgezeichneten Schnupftabak, daß er die Straß q >» K-«MMMI,1. m -In« blauen Bellte °-r den 8lug«n, worin wte man - . t . Spiegelbild zu sehen war, unO wer chr in die bloßen Augen fay, ieo> nid,®rTuer Tettige Haarsträhnen guckten aus ihrer °erschmi.tzten Mü-' hervor und ihre behaarte Oberlippe war schwarz vom Schnupftab- iaftai5 sßirrubn sie um eine Prise bat, holte sie aus der Tasche> ib* Sdüime eine hölzerne Schachtel und klopfte mit dem Fingerkn) au\ den Deckel; Pirruhn schöpfte mit dem Daumen eine Portion ans und 30a den ausgezeichneten Schnupftabak in die Nase. . . Dieses Jahr wird ein Unglücksjahr", sagte Ivo nut eiserner Stirn?. "Mir machst du nicht bange", rief Pirruhn ihr nach, „denn mit bei @nnrhen werde ich noch die Nüsse von den Baumen werfen. • • • 2(15 Adelaide aus Pirruhns Munde erfuhr, daß Anna-Marie doch kommen wollte, wurde sie blafe, und die Veilchen zitterten m chr ^Seitdem Fräulein Angelina aus dem Blauen Haufe geftorber, w. fühlte sich Adelaide wie neugeboren: sie war nun mieber !b e etnjf adelige Perfon der Stabt; bas entfaltete ihren ganzen Stolz unb chü And mut Jon neuem, unb sie hatte wieber bas begluckenbe Gefu. ! aanr allein über bie gewöhnlichen Bürger ber Stabt erhoben zu fei Der silberne Stern auf blauem ®runb unb bas Bild Johannes i Täisiers, die sie im Wappen führte, bekamen wieber ben ganzen Ren ihrer symbolischen Bebeutung: Hossnung unb Steg. (Fortsetzung folgt.) Das Unvergängliche. Bon Heinz Rusch. Nichts hat, was atmet, Bestand, Alles ist im Vergehn: Ueber das trunkene Land Zieht schon ein kühleres Wehn. Wenn wir uns ansehn im Licht, Welkt schon die Stunde wie Trug; Aber des Freundes Gesicht Weih um die Wolke im Flug. Weih, im verklingenden Raum, Ahnend das ewige Bild: Aller Gezeiten Baum, Der sich im Wandel erfüllt. Die freiherrlichen Hofen. Einer altsteirischen Anekdote nacherzählt von Paul Anton Keller. Ferdinand II. von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser ein harter Streiter wider die Lutherischen, hatte den.strengen Befehl erlassen, dast jedermann, ob arm, ob reich, ohne alle Ausnahme, an den feicrltdjen Tagen die heilige Messe zu besuchen habe. Er war em treuer und demütiger Anhänger der Lehre Jesu und als solcher gar wohl bekannt Gegen die, so wider feinen Befehl handeln wallten, setzte er harte Buhen fe^ Anno dazumal saß auf Gästing bei Grätz Maximilian von Schratten, bacfi Freiherr zu Heggenberg und Osterwitz, oberster Erbvorschneider in St?i'ermark Geheimer Rat und Vieedom in CM, ein gar wackerer und unerschrockener Herr, von springlebigem Blut und immer frohem Sinn erfU2?n einem schönen Margen im jungen goldfarbigen Herbst hielt es ihn nickit auf feiner Burg er streifte mit den Jagdgesellen durch die Walder und fällte einen mächiigen Hirsch. Er war so gewaltig, daß der Freiherr keine Reue in sich fühlte, weil er mit Absicht die heilige Messe versäumt hatte, sondern vielmehr von Herzen froh war und voll Lust, angesichts Ab^ sein?Gestll7n'h°tten ein leichtes Mundwerk, die Sache kam bald ftÄÄÄ* Ä™ .»tnnmwn hab fierr Maximilian von Schrottenbach den Ketzerworten de ^‘7n hatten die Mäuse Locher genagt. Der Vicedom Gratz war^m Kmser Köstliche Llrlaubstage auf einsamer Insel Von Sofie von Uhde. Der Morgen hebt sich über dem Atlantischen Ozean. Von zartestem Frühlicht übergossen steigen die t einen, westmd'schen finfeln die zu Trinidad gehören, aus dem meerumrauschten Schlafe. motzen schweren Pelikane schütteln sich die Nacht aus den Flügeln und ^reichen von ihren Bäumen hinab aufs Wasser zum ersten Fischzug, !>nd aus den in Koios- und Bananenhainen versteckten Negerdorfern steigt der Rauch der Morgenfeuer. Aber dieser Rauch steigt auf den großen Inseln, die ich durchs Glas erspähe; auf meinem winzigen Korallenriff, auf dem uh außer den erwähnten Pelikanen das einzige Lebewesen bin ste gt statt des früh stückverkündenden Rauches nur meine herzliche «atlofigteit Es der fünfte Morgen, an dem ich aufs Vergeblichste Der(u^^)e, aus den safttriefnden Zweigen des Urwaldes, der mein.unzugängliche , mit senkrechten Felswänden aus dem Meere steigendes Inselchen bebedt, Tin Feuer anzumachen. Holde Träume von goldenem Tee oder duft n- dem Kaffee zerrinnen heute so wie alle Tage, und ich wandere gefaßt Schrittes in den Vorratsraum meines kleinen, hölzernen Bungalows unb wähle mir zum Frühstück eine bicke Papaya und reife leuchtenbe Bananen — meine Nahrung nun seit TagenI Ais mich ber schwarze Diener meines englischen Gastfreundes, dem dies Jnlelcken gehört, hierher gerudert hatte, galt bet ber begeisterten Besichtigung meines neuen Reiches kein Gedanke diesem verflixten, kleinen Herd zumal Ali voll Eifer briet und buk. Aber da es mein Haupt- ferienwunsch war, diese Wachen ganz alleme auf dem Inselchen zu sitzen verließ Ali mich wieder und Überließ mich einer nicht bedachten Unkenntnis dieser seltsamen Feuerstelle — zu meiner Unkenntnis Ali arinft Ali eilt auf federnden Sohlen ins Haus, ich beschleunigt hinterdrein" Nein, Ali gibt sich keine Mähe, meinen Vorrat an grünen Zweigen zu entzünden, mit einem erstaunten Blick aus mich nimmt er bas Zeug von ber vermeintlichen Feuerstelle, setzt mit em paar Griffen einen mir unklar gebliebenen Gegenstand auf das eiserne Gestellchen, gießt aus einem tönernen Gesäß, bas uh als Dekoration ansah, Del hinein, und in wenigen Minuten raucht Wasser auf mauern HerdI Man blamiert sich ungern vor feinem schwarzen Diener, ich hab "" Aber 7as °Esien war gut, das er gekocht fjat unb hat mir nach dem Ziegendasein neue Kräfte gegeben, niemand steht mir zu, und das ist gut; denn zunächst besteht mein Angriff aus einer Sette von Niederlagen, meine ganze alpine Technik wird hier zu Schanden vor dies Wanden, die mich mit der doppelten Waffe der spitzenf Rftfe und der undurchdringlichen Pflanzenverkettungen zuruckroersen. Aber heute hab ich mir's geschworen: nicht länger blamiere ich mich vor meinem Vor 9ar,®lanKfann0 viel, wenn man nur wirklich will: nach unzähligen Abstürzungen und Verstrickungen in einem wahren Hollennetz von Pftanzen- armen,3 nach verzweifeltem Klettern, Rutschen, Hangenbleiben und Verschnaufen unter befreienden, bayerischen Kraftausdrucken komme ich wahrhaftig, wenn auch um und um zerschunden, oben an. D ich bin oben! Ein kleines Plateau tut sich auf, unter mir liegt sckwarzarün ber Urwald, frei geht der Blick über das meerumtofte, unroeaiame Inselchen hinüber zu den fernen Nachbarinfein, hinaus auf die grenzenlosen Weiten des Ozeans. O Gnade und Gluck des Schauens! Hingeworfen in bas harte Gras der Höhe, vom Wind umbraust, von Orchiebeenduft unb Salzhauch der See gleichermaßen umspielt, seh rch den roten Abend kommen über Insel und Meer Weiße Wo kchery selig hinsegelnd durchs freie Blau, werden golden, werden P“PuroloIc.tt;(”er^ iüberarau verlöschen. Die Pelikane, nach letztem Fischzug, fallen auf bem Inselchen ein unb bäumen auf, nicht weit von mir auf einem Urroalbriefen. Nach einmal streicht hier, streicht bort D0™ Lr frfnnanen Vögeln fliegt eine letzte Runde über dem abendlichen Wasser K fällt mlX ein auf feinem Saum. Ein Friede ohnegeichenschreitet über die Welt. Wo ist die Unruhe der Städte, wo ist die Unrast der Menschen? Es ist, als gäbe es auf Erden nichts weiter mehr als diese Jnselm di- in Schatten sinken, das Flügelschlagen der großen, heim- febrenben Vögel unb bas unendliche, beruhigte Meer. Die rasche9Tropennacht zwingt mich zum Mbftieg. Es geht rascher, als mir lieb ist, erstaunt schauen die schläfrigen Pelikane dieser blamablen Geschwindigkeit zu. Aber wenigstens bin ich unten! ___ kleine liebe, schützende Hätte, um die ber Ozean brandet! Zwar versagt — ach, Ali! — bieser verdammte Herd schon wieder! Er gibt furchtbare Fehlzündungen von sich, stinkt und raucht und wird siche erplobieren.^Qieber kehre ich für heute nochmal zu meinem bewahrten Affendasein zurück — der Menfch vertragt viel an ©runfutter! Unb nun wird die trauliche, kleine Detlampe entzündet; rasch noch ein abendliches Bad im Meer nach biefer heißen Gipfeltour, dann halte ich tauernb auf ber wafterumrauschten Haustreppe die große Stunbe der Nachtandacht. Die ewigen Fragen rufen aus ^em Buntel. gttoalhg kreisen die Gestirne durch das All, rote klein werden da ine Menschen- roeae! Das Südenkreuz schifft über meinem Hausbach hm, das Del lichteben leuchtet ein einsamer, roter Stern mitten im Meer unter den Sitberfternen' be's Himmels, grenzenlos ist die Einsamkeit dieser S un e und doch wie fern ist sie von Verlassenheit! Teil vom @anien, Atom unter Atomen demütiges Glied einer geschwisterlichen Kette, so lege ich mich schstistn zu Gottes Füßen, bis das große Licht über den Horizont schreitet. ________________ K°