n r n T n t, ;b v le er e- ch er 1° i)e nb ö> ib. rt m >ll» nn eit ert i)L ms iur •er in US i)e. ten pen en- nb, hen nie, ntn ud) 14« hen )cn. aus ber lehr ten, etzt jen er« im .n, mb «6«* eitet, iches teils itnas dlche tiobe ona- euh>' tzuug fjieit i des ins iegel’ idigt. ures. erifch e fi-h peare .bare, dem Koin° M hat atc= • bet ieate= flung Seift- lifche" jloffen utf*e .roß-n amte" Nummer 58 Montag, den 18. Mai Jahrgang 1956 zu hitzig Händel, die Frau. Christine geht heim, daher rommi es uicueiu;i, uu0 । im Herzen ist/ Bisher lief sie viele Wege, aber diesen Heimweg geh sie num ersten Male. Und sie kann nicht anders, einmal mutz sie stehen bleiben Ln? mutz den Mann herankommen lassenNurumihnnahevvrsichZU haben, um seine Schultern zu sehen und sein dunkles Gesicht unter Das Jahr des Herrn Roman von Karl Heinrich Waggerl Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig. 13. Fortsetzung. GiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ^Ät sich nicht sagen, was sie so bewegt es mm gesagt sein. Aber sie lehnt sich em wemg an ^unb t darüber, daß er il - ■ ■ - - - - ih ja auch nicht u/ti„ ....... .... ist heimlich froh ihr sogleich seine Hand auf die Hüfte legt. Raste nur, meint er, laß dir Zeit! , h Latz dir Zeit, denkt Christine. Der Winter w.rd °°rubergehen, der Frühling. Dann wird das Kind kommen, und es wird hellhaarig seim J , eine neue starke Wurzel wird sie in den Boden treiben, den sie erobert hat Und auch der Mann wird zufrieden sein, freilich, anfangs; gab es allerlei auszutragen, aber das war in der Jugend das zahlt nicht mehr wenn ein paar Jahre um find. Die Kinder zählen, d,e guten und schweren Roch einenl schreit der Brautführer in das Gelachter. Er hat sich etwas aonx Verteufeltes ausgedacht, ober leider wird nichts daraus, es per= Meli kick alles in seiner Kehle. Der Wein ist schuld, er steigt zu hitzig in die löpfe. Plötzlich geraten ein paar weitschichtige Lettern in Handel, sie haben sich ihr Leben lang nie gesehen, aber das macht nichts aus letzt u, fijf. trofabetn allerlei dunkle Schandtaten vor. Du Rotztauscher, ^ack der eine schwer^üngig dich kenne ich! Und dafür bohrt ihn der andere mit dem Zeigefinger an, er schnaubt vor Wut und sucht nach einem vernichtenden Schimpfwort, bis sie einander unversehens um den L>als fallen und einen Bund für Zeit und Ewigkeit fchlleßen. Die Musik und der Tanz der ganze fröhliche Lärm macht auch die Mädchen gefügiger, sie lassen sich wMi? um den Hals nehmen und mit Kuchen futtern und wenn man sie nachher ein wenig hinter das Haus in die Kuhle fuhrt, haben sie nichts weiter dagegen einzuwenden. Es kommt die Stunde der Reden und Rührseligkeit Da klettert em [n nraues Bäuerchen auf den Ofen und hält eine Predigt, es ist die !chöne und erbauliche Predigt von den zwei Jüngern, die nach» Emmaus gingen Zwei, sagt das Bäuerlein, und zwar Junger, betrachtet das mit gehörter Andacht. Es waren keine Kinder und keine alte Narren, so wie ihr meine Lieben sondern Jünger, und zum andern fuhren sie nicht und ritten sie nicht, sondern sie gingen nach Emmaus, zwei Junger gingen, ob wie ist das schön und erhebend! Nach, sage lchs nach Emmaus, statt nnr ffmmaus wie ihr vielleicht meint, oder hinter Emmaus was wiederum so viel heißt wie ebenaus, nicht obenaus, ihr Kleingläubigen, und nickt untenaus, sondern Emmaus! Oh ihr besoffenen Heidenkinder, schreit das Bäuerle,n, wie werden eure Knocken knirschen und eure Zähne zittern! — und bann oeifagt ihm die Stimme vor Rührung, er rollt vom Ofen herunter auf die Bank ^Erst'Oqeqen^ Abend nehmen die Brautleute ihren Abschied von allen, die noch einer Ansprache zugänglich sind Ja, leb wohl, Adam, du auch, Schwägerin, ihr habt einen weiten Weg! Vor dem Dorf schürzt Christine ihre Röcke und geht voran Sie hort den knappen Tritt d7s Mannes hinter sich, seinen Atem, da- alles ist hr lang vertraut, und doch ist es auf eine gewisse Ar neu und trostvoll für Frau. Christine geht heim, daher kommt es vielleicht dah ihr so woyi (Serien ist. Bisher lief sie viele Wege, aber diesen Heimweg geh sie ^Christine schaut hinter sich, das Dorf ist °ersunken. Nur ein^paar Lichter glimmen noch, feindselige Augen in der schwarzen T f, v Nichts, es war nicht gefragt. Wir find bald daheim, Adam, ich höre Am7nKn Morgen kommt der Knecht in die Stube, fteHt P* auf; ift. - W »'<«« x»r vom Unaliick verfolgt, jeden Tag gerat dem 1 . . Radreifen was ihn ärgert. Er zieht den Jauchenwagen heraus, da ift em Jtaoren gesprungen. Er sucht eine Kliebhacke, die erste, die er findet, ist schlecht verkeilt, die andere ist schartig. Was heiht das, sagt er zum Knecht. Bist du aufsässig oder was? Nein der Knecht weitz selber nicht, wie es zugeht. Auch sruher brach mitunter etwas, eine Deichsel, ein Sensenblatt, das verschwand eben zu gelegener Zeit, es muhte nicht gerade dem Bauern vor Augen kommen. Und jetzt verschwindet nichts mehr ungesehen, alles, was verschlampt oder sonst verdorben ist, legt sich wie von selbst in seinen Weg. Dah ich nicht vergesse, sagt Christine einmal beim Essen, es liegt ein Halfter hinter dem Zaun, könnt ihr den nicht flicken? So ein Halfter, der Bauer weih nicht einmal, dah einer zerrissen ist. Was treibst du mit meinem Zeug? fragt er den Knecht. Sagst du ^^tzftchts, nein, der Knecht zuckt nur die Schultern. Schrei nicht mit mir, brummt er, ich bin schon lang genug da auf dem Hof. Ja, ja, acht Jahre, zu Lichtmeh werden es neun. Aber dann ist deine $6'©o,n3u°ßict^tme6?* 2)as Überlegst du dir wohl noch, du auch, Christine! Damit'es dich nachher nicht reut! Der Bauer schweigt, er legt den Löffel weg und geht. Spater hort Christine einen lauten Wortwechsel vor dem Haus. Der Bauer kommt herein, er schnauft und wirft seinen Hut auf den Tisch. Gib Zeug für ein Hemd heraus, sagt er kurz. Für ein Hemd? Ja, das steht ihm zu. Er geht morgen. Ein paar Tage zieht der Knecht im Dors umher und säuft, er mochte seinen Kummer loswerden oder seine Wut ertranken, was soll er sonst anfanqen? Es ist Herbst, die trübe Zeit um Allerseelen. So spat im Jahr braucht niemand mehr einen Knecht, jedenfalls keinen, atL“n? mienpfrhunben ift wie er Jawohl, ausge chunden, das kann >eder Horen, undlA llegf er a7f dem Mist, und wer ist schuld? Das Weibsbild Diese Giftmischerin! schreit der Knecht. In seinem Rausch gerat er auf den Friedhof und klagt dem alten Adam femen 3ammer. Da liegst du sagt er schön haben sie dich herausgeputzt jaja, das h'lft dir nicht, tot bist du doch. Ein neues Hemd hast du noch bekommen, und dann war deine Zeit ""^Dft^ßeute bleiben stehen und hören zu, es ist ein Aergernis, dieser betrunkene Mensch auf dem Friedhos. Ich konnte euch etwas erzählen, plärrt er ich verbrenne mir nicht das Maul, verstanden, aber die Zeit kommt noch, der Zahltag, ihr wiht nicht, was ich weiß! Lauter Geschwätz. Der Wachtmeister nimmt den Knecht mit sich. Schlaf deinen R-ni'ck aus, sagt er, dann kannst du reden. Hier nicht. Die armen Seelen feiern ihr Fest nach den Heiligen Sie leiden ja noch im Fegefeuer, während die Seligen schon »in Himmel triumphieren, verklärt vor dem Angesicht des Herrn. Unabsehbar ist die namenlose Schar der Märtyrer und Bekenner. Sie taten freilich keine großen Wunder, lehrten nicht und bauten keine Klöster, aber Gott nahm (le bennorf) an fein Herz um ihrer Demut willen, weil sie ihm rühmlos und in der Stille bienten unb vielleicht gelten sie ihm nicht weniger als viele von benen, bic mit prächtigen Festen, mit Rang unb Ehren im Kalenber prangen. Man darf alten Geschichten nicht zu viel Glauben schenken, sicher ist es nur erfunben, wenn man sagt, es sei auch im Himmel nicht immer friedlich orosten Sperren hätten sich dort wie hier aus Erben bre9it9aemad)tBunb9aui bie besten Stuhle gesetzt Es ist nämlich so, daß ber Herr ben Müßiggang verabscheut unb selbst im Himmel keine Daumenbreher dulden will, unb barum hatte er feinen Helligen aller e. Arbeit anvertraut, wie sie ihnen nach ihrer Neigung unb nach ihrem zeit- llcken Beruf anftanb So tarnen einige, wie Pe rus oder Andreas, als Vatrone ihrer Zunft zu hohen Ehren. Anbere hatten Macht über die GIe= Florian sum Beispiel gebietet bem Feuer, Jakobus ben Winden unb 2BeUern, unb wieder welche batten in ßeibesnöten Erfahrung, Blasius Ptmn nher Avollonia, die gegen das Zahnweh hilft. Gut soweit Allein es wurden der Himmelsbürger immer mehr, nicht aenua daß die alten Heiligen einander ins Gehege kamen sie eiferten auch neuen'bie jüngeren unb meinten, es ginge nicht an, daß nun jeher Her- aeiaufenc belohne Verbienft unb Ansehen, bloß burd) Go tes unbegreif- ttcke Güte burd) bie Tür geschlüpft fei, wie ihresgleichen beim Herrn vor- fnrecben bürfe. Darum taten sie sich zusammen unb grunbeten eme fBruber- frfiaft die Zunst ber Kalenberheiligen, jeder mit Titel unb Jahrtag für all? ^eit Weil sie sich aber nicht einig werden konnten, wer unter ihnen baa amt des Meisters verdiente, ließen sie einen Tag frei und gingen sum Herrn unb baten ihn, bah er ihnen ben Würdigsten aus der Reihe nennen möge, der sollte dann der Hauptheilige fern. Ack bie lieben Apostel unb bie Kirchenväter alle, da ftanben fie nun in ihrer Glorie unb spreizten sich unb sahen fefjed aufetnanber!®tn leber hatte auch [ein Zeichen mitgebracht, Anbreas sein Kreuz, Paulus se Schwert Der Herr aber ließ bie Augen von einem zum anberen gehen. er sah Petrus an und den großen Augusttn, die Reihen der Bischöfe und Päpste musterte er, und auch die Geringeren hinterwärts, die Klosterbrüder und die Armen im Geiste. „Ja, und dann lächelte der Herr und war ihnen allen gleich gut. „Allerheiligen" schrieb er aus den leeren Platz im Kalender ... Der andere Tag aber ist den armen Seelen zugedacht, die der Welt noch näher sind, der mühseligen Erde, in der ihre Leiber ruhen. An diesem Morgen liest der Pfarrer dreimal die Messe, und vielleicht ist es wahr, dah Gott am Allerseelentag einen Engel in das Fegefeuer schickt, damit er die Flammen lösche, ein einziges Mal im ganzen Jahr. Dann kommen sie zur Erde zurück und schweben über den bekränzten Hügeln, ein Licht findet jede, ein paar Blumen und einen Wasserkrug, mag sie auch sonst schon lange verwaist und vergessen sein. Es zieht ein seltsamer Geruch über die Gräber, ein süßlicher Duft von Kerzenrauch und welkem Laub, das der Wind über die Mauer streut. Man geht mit anderen Leuten umher und liest dann und wann einen Namen von den Kreuzen, — ja, du! denkt man, und taucht den Finger in das kalte Wasser, um ein Kreuz zu schlagen. Und plötzlich hat man ein Gesicht vor Augen, eine längst vergessene Begebenheit. Es ist Nacht, man steht auf einer Brücke und findet ein Streichholz an, und da sieht man dieses Gesicht im gelben Feuerschein. Nichts weiter, die Pfelfe brennt wieder, man schwenkt die Hand, grüße die Schwester, sagt man, und geht weiter. Später hat man sich gewiß noch ost getroffen, vielleicht war das Gesicht ganz anders, als er starb, nicht mehr so jung und fröhlich. Aber von dem ganzen Menschen ist einem nichts geblieben als dieses flüchtige Bild, dieser winzige Augenblick seines Da eins, und der hier liegt, ist ein anderer, den kennt man nicht. Anderswo trifft man eine Frau, die vor einem Grabhügel kniet und Blumen in die Erde steckt, es soll vielleicht ein Name werden oder ein Herz aus bunten Strohblumen. Man hat selbst niemand aus dem Friedhof, darum läuft man eben nur so herum und macht sich Gedanken und schaut den Leuten zu, wie sie Blumen in die Erde stecken. Liegt hier der Deine? sagt man zu dieser Frau und denkt, dah sie ja schon weißhaarig ist. Da kann es doch kein Herz sein, dieses Blumenzeichen aus dem Hügel? Ja, der Meine, antwortet sie nach einer langen Weile und wendet sich wieder ihrer einfältigen Arbeit zu. Einmal wischt sie sich die Nase, und dann sieht man plötzlich einen Tropfen an ihrem Kinn hängen, er fällt herab und sammelt sich von neuem, ein schwerer, glänzender Tropfen. Und plötzlich erinnert man sich, dah man nicht nach ihrem Mann hätte fragen sollen. Die ganze traurige Geschichte fällt einem wieder ein. Er war Holzknecht, am Tag vor der Hochzeit warf ihn der Blochschlitten an die Wand. Die Frau ist also eigentlich ein Mädchen, es kommt nur von der langen Zeit, dah ihre Haare weih und ihre Finger welk geworden sind. Dem Toten macht das nichts aus, er hat doch jedes Jahr ein blühendes Herz auf seinem Hügel. Man drückt sich zur Seite und sucht nach einem Grab, vor dem niemand kniet und weint, es gibt solche. Lorenz Tagwerker steht auf einem Kreuz: Fuhrknecht. Ruhe sanft. Gut. Den nimmt man also an Bruders Statt. Sucht ein paar verlorene Blüten auf dem Weg für ihn zusammen und betet ein Vaterunser, so gut man es kann. Ach ja, traurig ist das, es sind der Toten so viele. Meilensteine sind die Kreuze, Wegzeichen im eigenen Leben, man kann es Jahr für Jahr von den Taseln ablesen. Eine Weile steht man auch vor dem Beinhaus und betrachtet die Schädel an der Wand, wie ähnlich sie einander sind. Fröhlich der eine mit seinen blanken Zähnen, der andere ein bißchen schief und gelb, aber sonst nicht sehr verschieden, ein Mann und ein Mädchen. Jedem ist ein Kreuz auf die Stirn gemalt, der Name und das Sterbejahr, so aufrichtig sind die Toten. Im Leben hatte man es weniger leicht, aus ihren Gesichtern zu lesen. Aber sie lagen ja auch lange genug, bis endlich das Fleisch zerfiel, in dem die Lüge sitzt. Den ganzen Abend hindurch ist der Friedhof belebt und bunt wie ein Garten. Um die Dämmerzeit werden Oellampen angezündet und Papiertüten um die Kerzen gefaltet, damit sie nicht zu früh verlöschen. Es dunkelt schnell. Zuletzt ist der Wind allein zwischen den Kreuzen, da sucht er herum und betastet die welken Kränze. Nebel zieht von den Feldern herein, feuchte Kälte. Da und dort zuckt ein Licht, flackert hell auf und erlischt. Die Stunde der Gnade ist vorüber. Und plötzlich kreischt das Gittertor laut in den Angeln. Klirrend schlägt es zu, als sei da jemand hinausgegangen, der Gärtner des Herrn, der Tod. * Der Tod geht aus und wandert durch das Dorf, sein Schritt raschelt im Laub, sein grauer Mantel weht im Wind. Ungesundes Wetter, meinen die Leute im Armenhaus und husten hohl aus der Brust, aber es ist gar nicht das Wetter, es ist der Tod, der jeden anfühlt und an der Schulter rüttelt. Dann legt sich so ein alter Mensch plötzlich zum Sterben nieder, wo es ihn gerade trifft, die Weiber vom Spinnrad weg, die Männer auf der Hausbank ober irgendwo unterwegs auf den bereiften Feldern. Der Pfarrer kommt und beeilt sich mit der Wegzehrung, er denkt, daß er leichte Arbeit haben wird. So etwas lehnt sich nicht mehr auf, zweifelt und klagt nicht mehr, so ein Häufchen Knochen unter der flachen Decke. Allein es kann vorkommen, daß gerade ein solcher Mensch unglaublich zäh und widerspenstig ist, er klammert die Finger um den Bettladen und will die Hände nicht falten, nein, mit aller Kraft stemmt er sich in die Kissen zurück. Um Christi willen, bittet der Pfarrer, nimm doch Bernunst an! Und während er noch redet, stirbt ihm der Mensch unter den Augen weg, mit einem einzigen, unerwarteten Ruck. Der 'Pfarrer läuft verstört in die Kirche und betet für die ungetröstete Seele Er kannte doch diesen Menschen seit vielen Jahren, nie hatte er ein sauberes Hemd auf dem Leibe, man hielt ihn in der ganzen Gegend wie die liebe Annut selbst, so hieß er ja auch einfach — der Arme. Und nun rammen die Schwestern in den Pfarrhof und bringen einen Strumpf rc ' Geld, einen großen Schatz von Silberstücken, den sanden sie unter dem Röcken des Toten. Ja, die Leute im Armenhaus sind ein wunderliches Volk, voll dunkler •Regungen, wie Kinder, und zuweilen auch gefährlich. David erinnert sich an einen, den sie Daker Jakob nannten. Der Hemmte ihn einmal zwischen die Kniee und fing an, ihn zu kitzeln. Anfangs war es nur Spaß, David lachte und schrie aus vollem Halse, aber Vater Jakob lachte nicht. Er stierte vor sich hin und griff nur um fo heftiger zu, je mehr fein Opfer sich wehrte und wand. David war wirklich schon ganz blau und halb erstickt, als ihm die Schwester endlich zu Hilfe kam. Jetzt ist er solchen Spielen längst entwachsen, auch Vater Jakob liegt in seiner Grube und kann niemand mehr zu Tode kitzeln. David verträgt sich gut mit den alten Leuten, oft schlichtet er ihr kindisches Gezänk, oder er führt lange Gespräche mit ihnen. Mutter Gertraud, bist du immer schon blind gewesen? Ja, immer. Und kannst du gar nichts sehen, die Sonne auch nicht, Mutter Gertraud? Nein. Die Sonne nicht. Aber die heilige Jungfrau sehe ich. Wie ist sie denn? Warm, David. Ganz warm und lind, so, wie es im Fruh,ahr auf der Hausbank ist. Ihr Gewand riecht nach Honig, es rauscht leise und streicht einem über das Gesicht, wenn sie vorübergeht, und immer flüstert sie, Jesus — Jesus! Das ist ja der Wind, was du meinst. Nein, das ist die Mutter Gottes. Manche wissen gut Bescheid in schwierigen und geheimen Dingen, was die Wetterzeichen betrifft, die Heilkräuter gegen allerlei Gebrechen, den Einfluß des Mondes und der Gestirne. Im Krebs, sagen sie, im Zeichen des Krebses darfst du dir niemals die Haare schneiden, sonst kann es geschehen, daß sie verkehrt wachsen, einwärts in das Gehirn, verstehst du, und dann gehst du am Hitzschlag zugrunde, natürlich, weil du den ganzen Schädel voller Wolle hast. Der Steinbock wiederum ist für das Kartenspiel günstig, die in diesem Zeichen geboren sind, haben Glück im Spiel. Denn der Steinbock ist ein waghalsiges Tier und außerdem das einzige, das nicht nur geradeaus, sondern auch um di« Ecke schauen kann, die Jäger wissen es. . Ja, und überhaupt gibt es gegen jedes liebel in der Welt ein Mittel, das ihm abhilft, man muh es nur kennen. Als der Herr den Adam und die Eva aus dem Paradies verstoßen hatte, war der Teufel eilig hinterher und streute Unheil aus. Wenn die Menschen schon im Glück so schwach gewesen waren, dachte er, dann werden sie im Unglück noch viel leichter fallen. Und der himmlische Vater in feinem Zorn ließ es zu, er mochte die Wett gar nicht mehr ansehen, so verleidet war ihm alles. Aber wie der Mensch eben ist, den Leuten war das Unglück heilsam. Sie besannen sich und widerstanden dem Teufel und feinen Schlichen, es währte gar nicht lange, da zog der erste Gerechte in den Himmel ein. Gott der Herr ließ ihn vor sich treten und betrachtete ihn lange. Wer bist du? fragte er den gerechten Mann. Ein Kohlbrenner, sagt er. So. Und wie kommt es, daß du fo verschwitzt und zerrauft bist, fo voll Beulen und Wunden? Ja Herr, sagte der gerechte Kohlbrenner, das kann nicht anders fein, in deiner Welt ist der Teufel los. Nichts als Domen und Disteln und Fußangeln dazwischen, da muß einer zusehen und die Haut daran geben, bis er dich findet. Sucht ihr mich denn? fragte Gott. Freilich Vater, aber es ist schwer. Und nun fing der Gerechte an, dem Herrn die Welt zu beschreiben. Du machst dir feinen Begriff, sagte er, was man alles auszuftehen hat. Köhler find ein wenig einfältig und grob, aber stark im Glauben. Die Arbeit wäre nicht das Aergste, meinte er, der Schweiß und die Sorge um das Brot, das ließe sich tragen. Allem viele feien ja schwach von Natur, zart und anfällig, die habe der Teufel besonders im Auge mit seinen Plagen an Leib und Seele, und da sei es ein Jammer, das anzusehen, wie sie aus einer Heimsuchung in die andere gerieten, und niemand könne ihnen Helsen aus brüderlicher Liebe. Denn alle Tugenden wüchsen wieder auf der steinigen Erde, nur eine nicht, die schönste nicht: Barmherzigkeit. , Und bas rührte nun den lieben Gott, weil der Kohlbrenner so sagte: aus Bruderliebe. Er griff hinter sich in den Schatz seiner Gnaden, und bann schickte er den gerechten Mann auf die Wett zurück, damit er die Gnaden ausftreue, denen zum Trost und zur Hilfe, die guten Killens finb. Der gerechte Kohlbrenner machte sich bann auch mit Eifer ans Werk, in feiner Einfalt dachte er dem Teufel einen Streich zu spielen und alles wohl zu verstecken, damit der Böse nicht dahinterkäme und die Gottesgabe verdürbe. Unter allen Kräutern wählte er die unscheinbarsten und verlieh ihnen heilende Kräfte, dem Wegerich geo-n die Schwindsitcht, der Schaf- aarbe gegen hitziges Fieber, während Arnika die Wunden kühlt und schließt Du befahl er dem Schnittlauch, du krümmst dich, solang im Frühjahr noch Schnee und Fröste drohen, damit die Leute keinen Unsegen in den Gärten haben. Ihr aber, Schwalben und Häher, ihr zeigt das Wetter an, grobes und gutes, denn das Wetter ist eine schlimme Versuchung, was das Lästern und Fluchen betrifft. Er lehrte auch die Winde, Mühlen zu treiben, und die Gewässer, Schifte zu tragen, baß bi« Menschen in ihrer Dürftigkeit eine Hilfe hätten und nicht verzagen müßten. Und so bedachte er alles in (einem Kops, nur eines nicht: wie die Menschen bas finden sollten, was selbst der Teufel nicht roch. Darum, weil die Einfalt klug sein wollte, haben wir noch heute unsere liebe Not, Drangsal und Plagen. Manches haben wir ja mit den Jahren mühsam an den Tag gebracht, gescheite Leute suchen und suchen in aller Welt und sind nicht wenig stolz, wenn ihre Gelehrsamkeit etwas wiederfindet, was der Kohlbrenner versteckt hat. Ader das meiste bleibt uns noch lange verborgen, vielleicht für immer. Nur die Kohlbrenner wisien Bescheid, und das wundert keinen, der den Hergang kennt. David erfährt allerlei von den alten Leuten, einige sind weit herum- getommen, Daker Thomas zum Beispiel, der mit dem schiefen Hals. Dor Jahren wanderte er einmal zu Fuß in die große Stadt, er war Soldat gewesen, und nun war der Kaiser gestorben, da wollte er ihm die letzte Ehre nicht fchuldig bleiben. (Fortsetzung folgt.) und hörte • wie In der (Stabt ■ ' Don Gottfried Keller.- Was ist das für ein Schrein und Peitschenknallen? Die Fenster zittern von der Hufe Klang, zwölf Rosse keuchen an dem straffen Strang, und Fuhrmannsflüche durch die Gasse schallen Der auf den freien Bergen ist gefallen, dem toten Waldeskönig gilt der Drang; da schleifen sie, wohl dreißig Ellen lang, die Rieseneiche durch die dumpfen Hallen. Der Zug hält unter meinem Fenster an, denn es gebricht zum Wenden ihm an Raum; verwundert drängt sich alles Volk heran. Sie weiden sich an der gebrochnen Kraft;, da liegt entkrönt der tausendjährige Baum, aus allen Wunden quillt der edle Saft. Irrlicht auf der Mole. Von Hans Leip. Svät gelangten wir mit unserer Jolte vor die Schleusen bei Bruns- büttettooq9 Ern hatte sich oorgenommen, schon bei Tagesanbruch in der Ostsee zu^baden. Wir machten an der Südmole fest, und ich b'esterte nut ben Vermessungspapieren auf die Schleusenwache. Man gahn^ mich a - Eine Schleppgelegenheit? Bor morgen früh kaum. Und segeln darf man nicht im Kaiftr-Wilhelm-Kanal. Wir redeten dies und das. Der Wach, habende wurde munter. Er war als junger Mann m Panama gewesen ■Lhod) hier sei alles größer. Ich stimmte em in das Lob der Heimat. Wir sprachen von Seeschiffahrt und Ueberfeehandel. Aber es nutzte alles Wenn wir fahren auf der See, wo die Fifchlein fpringen, freuet sich mein ganzes Herz, lauter Heil und Singen. Ery, Ery, wir sind hier, die Fifchlein, die Fifchlein, die fangen wir. Aber was war das? Die Schritte oben entfernten sich. Kein Zweifel. Sie konnte unser Boot nicht finden. Das kam von dem verfluchten Grog. Ich turnte die Molenleiter hinauf. „Erp!" rief ich. , Sie wandelte schon fern und gerade auf die 'Kleusenbrucke zu. Sie wandte sich nicht um, hatte ihren Schal um den K°pf geschlungen Und da! Träumte ich? Sie trug ein flackerndes Licht in der Hand, ich sah es deutlich, als sie in der Biegung des Weges den Kurs änderte, sah hell ihre andere Hand, die sie vor der Kerze hielt, den Zug abzufangen. War das ein Spuk? Hatte Lotfe Protts abergläubischer Klabanterzauber einen Scherz in ihr entfesselt? „Ery!" schrie ich. Sie eilte unentwegt weiter. Wollte sie etwa ich sollte hinter ihr hertürmen wie ein verliebter Asfe?^ Sie'lief^glatt^auf die Schleusenbrücke zu, die, großer Gott, im nächsten Augenblick sich katzenleise öffnen würde, um den Dampfer herauszulassen. Nun rannte ich doch hinterher. Ihre schmale Gestalt war umflossen von flackerndem Schein. Jetzt war sie am Brückeneingang. Die Aufbauten dort entzogen sie l h meinem Blick. Dünn und schrill hörte ich das Glockensignal der Schleusen- offnHh„P Atem lanate ich an beim Brückenkopf. Vor mir gähnte der Abgrund, tief unteAas Wasser, die schauernde Schlucht der Rocht, dann ein oaar Hetzen Licht zuckten wie verlöschende Kerzen Drüben, kleiner und kleiner schwand das Schlußstuck des Schleusentors zum anderen Ufer. Stanb sie nicht ba? War sie gerabe noch t)inaufgelangt und, obwohl es verboten ist, mitgefahren, das tolle Balg? Eben bevor der Spalt aufriß zwischen Leben und Tod? Wahrhaftig, da flackerte drüben dos «eine Licht huschte am anderen Ufer entlang. Klar, sie wollte über die obere Brücke wieder zurück, zu mir zurück. Jetzt verbarg sie der lange sckiwa'-ze Rumpf des rufsifchen Dampfers, dessen Rauch aus dem langen SchloAeuditeSeine Maschine rummelte schon. Eine sonderbare Angst überkam mich, Ery würde mit diesem Dampfer durch tne oufgestoßene Schleuse auf Nimmerwiedersehen davonfahren. ®neniStimmeftunb ^eine Hand tupften mich an. Es war Ery. Ich mutzte mich sammeln und stotterte, sämtliche Olympiaden feien nichts ^eaen sie daß sie jedoch hier erbarmungslos hätte hinemfallen können. 9 9 erwiderte sie und es war ein merkwürdig sanfter Klang in ihrer Stimme- „Hineingefallen bist augenscheinlich du, mein Lieber. m in lolckem Tempo fremden Mädchen nach? Das war nämlich niÄ mit d r Kerze Kw war das Irrlicht von der Mole, verstehst d^? D?s war eine Russin von diesem Dampfer. Da geht er raus er hat mahl auf fie«wartet Denn sie hat hinten auf der Mole gebetet, me es h3,, miepin Kreuz aussiehi. Der Schleusenwärter war eben im Lotsen- bn„7 und iE? du dageblieben und hättest mich den munteren Haifischen nicht so eifersuchtslos und lieblos überlassen, hättest du es selber I" pxnrt/m Hnh bah ftp pg tößQcn ihres 9ÄQntlC5 geton bat» bet ITH Gefängnis sitzt. Verstehst du? Und auch, daß in einer Viertelstunde ein Schlepper nach Holtenau geht und uns mitnehmen kann, und wir also koch sth°n morgen früh in der Ostsee baden! Man muß nur richtig ab- warten können und nicht immer gleich lostigern! Der letzte Satz war wohl wert, gemerkt zu roertien, und er tut als . Lebensweisheit sicher (eine Dienste. Ich hab es spa erhin manchmal erfahren wie gut feine Anwendung tut m allen Fallen, wo es sich um Angelegenheiten zwischen Männern handelt. Ist eine Frau dabei, wird die Sache bann doch verzwickter. So mußte ich denn unverrichteter Sache über die Schleusenbrucken zurück. Wo aber unlängst ein guter breiter Weg gewesen, klaffte letzt ber Schlund der Nacht. Ein russischer Dampfer war inzwischen emge- ?aufen unö lag am Nordkai. Es sah nicht bedeutend aus m den Schluchten der Schleusenkammern, darin die „Europa und ''Bremen und die mächtigsten Schiffe der Welt Platz haben. Doch vor ben Schleusentoren finb alle gleich. Ich hatte zu warten, llferauf unb -ab bie runben Lampen blühten wie bie Blume Trollius in ben Fischergärten hmterrn Deich, gelb rund unb auf langen Stielen. Ich sah hinunter, wo sie sich Sittng spiegelten tief unten, wo bas Wasier schwärzlich schwappte, ohne baß arohe Schiebetür von jenseits aus ber Dunkelheit heran, geraujchlos, man erblickte keinen Mann Bedienung. Es war em ' qang Und auf einmal war wieder eine bequeme, mild erleuchtete Straße, wo soeben nichts als Abgrund gelauert hatte. (frn war (ehr enttäuscht. Sie hatte ferne Lust, die Nacht im Boot zu bleiben Sie sagte, sie wolle auf die Lotfenstation. B'elleicht wisse man | bort besser Bescheib über bie Möglichkeit, weiterzukommen Wir würben uns nicht einiq, unb sie verließ bas Boot. . Schtteßlich würbe mir bie Zeit lang. Auch vermemte ich, "An Stimme» zu vernehmen, bie mir nicht unbekannt schienen. Ich kletterte a s pbpnfnlls bie Svrossen hinauf. Ery stand oben auf den Steinen und neben ihr Lotse fßrott den wir von Hamburg-Altona-Oevelgonne kannten. FiaLl" sagte ich. Aber die beiden sahen, ohne sich stören zu lassen, ana'eftrenqt nach dem fernen Ende der Mole, nach dem Wasserstands- zeiner dort ode? was es fein soll, der je rechts und links einen waagerechten Arm hoch hatte und gegen den Westhnnmel Esah wie ein riesiaes Kreuz. „Könnte gleichsam zum Gedenken für Skagerrak se . äußerte ich. Prott warf mir einen knurrigen Blick zu und Ery fchuttelte den Kopf. , . „ . . fÄK1WÄ n-ch ->n„ W.U. ßotfe Drott- Nö Beern, nu is es djä denn woll rem roeggepuft . Lotte Prott war e^Berg von Mensch, und sein Brösel qualmte w.e ein Vulkan. Sein Benehmen war grobdrahttg und (eine Seele bie em Mndes. Er war als abergläubisch verrufen Darum »ahm ich die Sach nicht weiter für Ernst, unb mir gingen zu Bntt zur Station, um Nachtkühle durch einen Grog aufzuheben. f t rae. Die Gaststube war voll Taba squalm und Rumbunsd D e rokn G sichter bie darin glommen, grohlten: „Mansch, Prott, is oar "und Drott schien es für richtig zu halten, die Sache so beizudrehen und erklärte dAnend das könne ein Taubstummer mit dem Stocke sitzen. Notgedrungen wurde auch» mir vobingeschenkt^ Runde SksSwä» s Wänden musizierten. fld) ben walsischgroben Hof Ery glühte mitten dazwischen unb B 1 ' Sofa. Und machen. Ihr Haar stand wie eme «el^ Flamme über • sie erzählten ihr Geschichten von de. - mpnaouenao-Inseln. Sie I den spaßigen Sitten der Damen auf ■ 9 empfindlich war zu, wie em Schiffsjunge so lapfer, s , (gren$e zwischen Groß- Seibenpapier; bie ®arne fpannen I)art an oer mrerj ö Mamas Schaukelstuhl und Störtebekers Stammtifch. Ab und an wurde einer der Lotsen aufgerufen; dann roar fein ZSttl ba unb er mußte in bie buntle Beranba unb durchs Glas nach den von See kommenden Schüfen luxen wie eine Spinne nach Wlu«en UW) andere wurden bann gerufen und mutzten hinaus m die Nacht und aus die Lotsenbarkasie und weit in den Strom an die Dampfer heran und die Jakobsleiter mühsam hinauf an Bord um Mensch ""d Fracht sicher hinzugeleiten elbauf durch Untiefen und Leuchtfeuer zum Hamburger $ ^Und ehe er sich's versah, war auch Lotse Prott an der Reihe, um auf Ausguck in die Veranda zu gehen. Er erhob sich schwer. Ich sah meine Zeit ebenfalls gekommen und wollte an Bord. Recht so, Jung!" meinte Prott väterlich: „Sieh nach die Boot. Anne Süd is ümmer ekligen Sog. Aderst Dein Deem laß man noch n duschen h'^Der Beifall der Runde übertönte jeden Einwand. Ich ging zum Boot, zog die Leinen nach, machte die Schlafplätze bereit und wartete. E« war eine windstille Nacht. Nein, wenn wir auch hatten fegeln dürfen, das Morgenbad in ber Ostfee war unerreichbar. Hinter ber hohen Schleusentür zischte ber russische Dampfer. Sem Signal " Nacht Warum schrie er so? Warum lag er noch ba? War wohl nicht alles in Drbnung? Hatte er noch jemanb an ßanb? । Ich hatte auch noch jemand an Land. Doch sah ish keinen Grund zum Heulen. Obschon ich mir diese Reise anders vorgestellt hatte. Oben auf ber Mole klangen leichte rasche Schritte auf. Ach, mem Herz blies leben Groll von bannen unb fang bas alte Kmberlieb, ob es wollte ober nicht. Der Der Der Der Und Wir Und Das fern von Leuten fein, sollen uns befragen fehn auf guten Rat, Leid einander klagen. kann fein Leid vergessen, es von Kerzen sagt, mutz sich selbst auffressen, in geheim sich nagt. So uns betreten hat. Was kann dir Freude machen. Die Einsamkeit verhehlt? Das gibt ein doppelt Lachen, Was Freunden wird erzählt, Gott stehet mir vor allen. Die meine Seele liebt: Dann soll mir auch gefallen. Der mir sich herzlich gibt. Mit diesen Bundsgesellen Verlach ich Pein und Not, Geh auf den Grund der Höllen Und breche durch den Tod. Ich hab, ich habe Herzen, So treue, wie gebührt. Die Heuchelei und Scherzen Nie wissentlich berührt! Ich bin auch ihnen wieder Bon Grund der Seele hold. Ich liebe euch mehr, ihr Brüder, Ms aller Erden Gold! preis der Freundschaft. Bon Simon Dach. Der Mensch hat nichts so eigen. So wohl steht ihm nichts an. Als baß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann, Wann er mit feinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht sich, nicht zu weichen, Mit Herzen, Mund und Hand. Die Red ist uns gegeben. Damit wir nicht allein Für uns nur sollen leben. Verantwortlich: vr. Hans Thyri^t. - Druck und Derlag: Drühl'sche älntversitäts-Duch. und Lteindruckerei. R. Lange. Sieben. b^Tws'^Nachkriegserlebnis des deutschen Volkes erfuhr durch diesen Roman eine neue Deutung, und zwar jene uns wesensverwandte die versucht die geistige Ueberwindung einer überlebten Epoche darzustellem den Anfall, die Zielsetzung eines neuen Lebensgefuhls aufzuzeigen sich bemüht. Davon sprechen besonders die letzten Seiten des Buches. Und so scheint es dem Leser durchaus nicht als konstruierte Absicht, wenn Tügel in einem großartig visionären Bilde, durch die Predigt des Pfarrer Garve, das Geschehen seines Romans in enge Beziehung setzt ,zum Erlebnis des neuen Deutschland: die Parallele findet zum Auf- und ÄÄ w. ml. wr w chm g.mä6. Form gefunden, so können wir die Richtigkeit unserer Annahme in seinem neuen Roman „P f e r d e m u s it" (alle Bücher erschienen im Verlag Lanqen-Müller, München) im schönsten Sinne unter Beweis stellen. Der Roman bestätigt Tügel in noch stärkerem Matze als Dichter von archer- gewöhnlicher Kraft. Ja, wir dürfen sagen, daß er sich wtt diesem Buch für alle kritischen Leser einen Sonderplatz im neuen deutschen Srfrnfb tum erworben hat, den ihm so leicht keiner streitig machen kann. Auch dieser Roman ist, wie „Sankt Blehk", handlungsmaßig im Norden des Reichs angesiedelt, an der Nordseeküste. Und wieder auch sind es die ir,^ fischen Bauern und Menschen, die er schildert. Warum es in diesem Buch geht? Wer Tügel kennt, weiß, datz ihn das Kriegserlebnis nicht los- iätzt- er mutz immer wieder als gestaltender Künstler zu ihm zuruck- kehren wie alle Männer, „denen das Wesen des Krieges mit seinen unvergeßlichen Taten ins Blut übergegangen war, eine Macht, eine Gewalt die sich an den trägen Daseinsformen des Friedens, und noch dazu eines Friedens, wie wir ihn, aller gesunden Vernunft zum Hohn, erlebten. ständig erhitzte". Am besten sagen es ein paar andere Satze aus dem Buch, die das Hauptmotiv anzudeuten geeignet sind: „Mit Man- kenesa, seinem alten Burschen aus dem Felde, war Thyllbeck nad) Kriegsende in Tiemersfle aufgetaucht. Dort hatten sie gehaust, schlecht und recht, in ihren alten Uniformen und ständig bewaffnet ... Was in vielen Bauernsöhnen, die aus dem Felde zuruckgekehrt waren als Wunsch oder heimliches Verlangen vom Kriege her weiter bestand, hatten sie ohne Rücksicht auf die Zeit und die Verhältnisse gelebt, das Land durchziehend, von Hof zu Hof wandernd als Bettler, die Herren waren, überall er- zählend von den Dingen, die damals alle bewegten: daß der Krieg noch nicht zu Ende gegangen fei und auch so nicht zu Ende gehen könne, daß die Sammlung aller derer nun geschehen müsse die willens seien noch einmal die Waisen aufzuqreifen, um dem Wahnsinn, der die Welt beherrsche, einen Wall zu setzen ..." m , Wir wollen weiter nichts von diesem starken und schonen Buch aussagen, sondern nur noch mit Nachdruck die Lektüre empfehlen. Oer Erzähler Ludwig Tügel. Von Hanns Arens. Es ist durchaus nicht so - wie manche glauben möchten —, daß Ludwig Tügel mit seinem großen Roman „Sankt Blehk sein erstes ^Buch oorlegte. Vor diesem erschien 1922 bereits eine Novelle, betitelt „Kolma r", und ein großer Roman „D i e S) e r r e ni 21r t und von B e s ch". Diese beiden Bucher — nochi im Mil des Expressionistischen (wenn auch erheblich sich von den üblen Machwerken jener ftahunfl unterscheidend) — sind unwesentlich für die heutige Beurteilung Tügels, wohl aber interessant als Versuche, als Experimental-Bucher eines sehr eigenwilligen Künstlers, der verhältnismäßig spat feine Form fand. Einige Jahre später gab Tügel dann seinen Freunden den Beweis seiner sprachlichen und dichterischen Kraft in dem 1926 erschienenen Buch über den Lübecker Bürgermeister Jürgen Wullenwever, das in der bekannten Diederichsschen Sammlung „Deutsche Volkheit erschien. Aber auch dieses Buch konnte den Namen Tügel nicht an die breite Oessentlichkeit bringen. Aber dann — 1929 — erschien ein Buch von Tügel, ein erster großer Roman „Der W i e b e r g ä n g e r , den man aber unverständlicherweise in Deutschland ganz Übersehen hat. Tügel hat den „Wiedergänger" als Protest gegen die Verkennung der Einheit Leben geschrieben. Es kam ihm darauf an, das seelische Leben unserer Tage zu betonen, seine Zerrissenheit zu schildern, das tn Verkennung seiner natürlichen Kräfte bald diese, bald jene Kraft auf Kosten der anderen hervorhebt und damit den Menschen ins Unglück treibt Die Hauptperson des Romans: Erich Zamel und Elisabeth, seine Frau sind Beispiele dafür. Ausgehend von der Gegensätzlichkeit dieser beiden Menschen wird das Wunschleben Erich Zamels als das leitende Motiv des ganzen Romans behandelt. Sein Tod, von ihm selbst vorhergesehen, ist eine Folge der Verkennung der Lebenskräfte. Die seelischen Triebe sind nicht sein Eigentum, sondern Zeichen seiner Tellhaberschaft an der Einheit Leben, gehen von ihm aus einen anderen Mann über, dessen Geschick zur Fortsetzung und Erfüllung dieser Triebe bereit ft. In diesem Manne, dem „Wiedergänger". sind die Kräfte anders, besser geordnet als bei Erich Zamel. Sie offenbaren sich Zur Einheit Gebeni unb werfen auf den gegen die Einheit Sturm laufenden Men scheu (Elisabeth ■Ramel) einen Bann, der sie zwar zerbricht, aber auch erloft Man sieht, ein mehr grüblerischer als gestaltender Wille beherrscht dieses Buch, das voller dichterischer Schönheiten ist, geschrieben in einer Haren, kraftvollen Sprache, der Sprache eines Dichters sehr persönlicher $Ql®m9 TOann von der Prägung Tügels hatte es fehr schwer, sich Beachtung zu verschaffen. Nach einem langen Abstand erfolgte bann die Veröffentlichung einer kleinen Novelle „D i e Z r e ue , bte eigentlidjer ft den Namen des Dichters mehr in den Vordergrund stellte. Es wird m der „Treue" das Erlebnis erzählt, wie ein Kamerad aus dem Kriege die Braut feines Freundes kennenlernt, die, obwohl sie we'ß, daß ihr Ber- lobter gefallen ist, an die unbedingte Rückkehr glaubt. Dies das fehr schwere Thema, an dem Tügel feine Begabung erproben konnte und — k^Züeje kleine Dichtung zeigt in außerordentlicher Weise Tügels urtümliche Begabung. Zugleich auch feine visionäre Wesensanlage, die schon im Wiedergänger" deutlich spürbar war, auch wenn sie, weil noch zu sehr im Dunst einer nebelhaften Phantasie, nicht zur klaren Sicht gelangen konnte. In der „Treue" ist ein metaphysischer Hintergrund der sich durch die gestaltende Kraft des Dichters mit allem Geschehen auf eine wunderliche und zugleich packende Weise verknüpft. __ Sie e Dichtung wird lange bleiben und im Fruhschaffen lugels immer bedeutungsvoll sein. Sein großes Epos „Sankt Blehk aber be- deutet das endgültige Durchdringen zur Form Sankt Blehk — Jochen Luehrsen — ist bte tragenbe fjigur im Roman. Jnbem ber Dichter vor allem ihn sichtbar macht, rollt er gleicherweise bie Gegensätze zwischen ihm unb (einem Vater »wischen seinen Eltern auf, schilbert er den Zwiespalt zwischen Stadt und Land. Ein Buch, angefüllt mit den Fragen der Nachkriegszeit rote es 'n ihr garte unb brodelte, ohne daß jene langersehnte „große Veränderung emtrttt. Erst nach langen Jahren der Enttäuschung, Anfeindung und Uneinigkeit __ wir all» erlebten diese Jahre der Plan- und Ziellosigkeit , gelingt der Durchbruch. Es ist ein im besten unb tiefsten Sinne nationalsozialistisches Buch, ohne daß je einmal die Rede vom Nationalsozialismus ist. In einer Handlung von überaus starker innerer Spannung (ja, manchmal glauben wir zu meinen, es fei em ZuvM cm Dramatik m diesem Buch) gelingt es Tügel mit geradezu überraschender ©efölo n heil, ein Bild jener Zeit zu entwerfen. Man denkt beim Lesen an Bilder von Breughel, so voller Farbe und Vitalität ist dieses Buch. Und wer - wie der Verfasser dieser Zeilen — em Kind der niederdeutschen Marsch ist, bestätigt dem Dichter gern, wie sehr ihm die Schilderung dieser f4roetg- [amen, verschlossenen Landschaft gelungen ist, wie genau auch der Dichter ihre Menschen kennt, ihre Wesensart in den typischen Setten heraus- zumeißeln verstand. Sein Bauer Luehrsen, dieser polternde Grobian der Pfarrer Garve, Jochen Luehrsen, der Sohn, feine Mutter, um nur diese Gestalten aus der Fülle der in diesem Buch schicksalhaft miteinander oer- bunbenen Personen herauszuheben, zeugen für bte bebeutenbe Gestaltungskraft Tügels: sie legen den schönsten Beweis für ferne bildnerischen