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Zwar ist sie breit und hart, aber ohne Radspuren und ohne Staub, einem ihr fremden Gesetz unterworfen. Jetzt setzen sie die Pferde in scharfen Trab. Ungewohnt hell klingen die Hufe auf dem harten Gestein. Möß hat fast Angst, sie könnten zu lauten Lärm schlagen. Als reite man über Glas und Glocken, beinahe so ist es, nach den Ritten der letzten Wochen über die aufgeweichten Herbstäcker. Aber es tut doch wohl — der scharfe Klang, der harte Schlag rütteln-ihn endlich wach. Auf dieser Straße also, die schnurgerade über die Wellen des ostgalizischen Hügellandes läuft, tastete Gerö als erster das Rätsel des russischen Rückzuges ab! Was mag ihm hier, gerade hier, wo wir eben reiten, durch den Kopf gegangen fein? Roch immer sieht man in unregelmäßigen Abständen Schützengräben die Straße schneiden. Bald ziehen sie sich bis tief in die Felder hinein, bald scheinen sie nur als Lauerstellungen und Straßensperren angelegt zu sein. Diese Straße ist der Hauptoerbindungsweg von Tarnopol nach Lemberg, von der wichtigsten Stadt Ostgaliziens nach der Hauptstadt des Landes. Drüben, am Dorfe Cebraw vorbei, führt der ihr parallele Schienenstrang. Kein Wunder, daß das dazwischen liegende Gelände schon wiederholt zum Schauplatz heißer Kämpfe wurde. Drei Kalmücken in diesen Löchern da, muß sich Gerö hier und dort und oft und oft noch während des Rittes gedacht haben, können uns im Nu die Mütze mit Bleibohnen füllen. Doch dann wissen wir wenigstens, wie weit sie liefen, und können Meldung erstatten. Einfach umkehren, solange wir auf keinen Widerstand stießen, kutyaläb, nein, das kann nicht sein. „Und hier ungefähr", berichtet Köteles wieder, „hier fanden wir im Straßengraben einen Honvedleutnant mit einem Begleitmann sitzen. .Herr des Himmels, wie kommst du her?' schrie Gerö ihn an. — ,Jch habe die Nacht auf Feldwache zugebracht', gab er zur Antwort, .und als ich in der Früh merkte, daß die Russen auf und davon waren, ging ich ihnen mit meinen Leuten nach. Seither habe ich so viele Verbindungsleute und Meldegänger abgefertigt, daß ich mit diesem da allein geblieben bin.' — ,Hej kutyaläb!' rief Gerö, ,du gefällst mir, Honoed!'" „Und schloß sich der Honved euch an?" „Ja, er meinte, nun, da wir eine Handvoll Menschen seien, könnten wir es schon auch weiter wagen... Vielleicht, wer weiß, sei sogar Tarnopol von den Russen geräumt worden und wir könnten als erste in die Stadt einziehen ..." Möß blickt aus die Karte. Wahrhaftig, Tarnopol ist von der Stelle, wo sie jetzt reiten, nicht weiter entfernt als fünf oder sechs Kilometer. Es ist keine Frage, daß Gerö und seine Schicksalsgefährten, als sie bis hierher vorgedrungen waren, ohne auf den geringsten Widerstand gestoßen zu fein, annehmen mußten, die Stadt fei ebenfalls geräumt wor- iden. Denn von diesem Punkte hätte sie ja von unfern Geschützen bereits bequem bestrichen werden können. Von diesem Augenblick an, das ist Möß nun nicht mehr zweifelhaft, muß sie der Ehrgeiz gepackt und ■ getrieben haben. Mir wäre es vermutlich nicht anders ergangen, denkt ■ er. Nein. Denn mit dem Auftrag in den Sattel zu steigen, die scheinbar verlassenen feindlichen Gräben auf Kote 361, vor der Nase unserer iSchwarmlinien, auszukundschaften und einen halben Tag später, nach- idem man sie fünfzehn Kilometer tief überritten hat, mit der Meldung Iheimkehren, daß auch noch Tarnopol, die Hauptstadt Ostgaliziens, des feit Kriegsbeginn verlorengegangenen Landes, geräumt worden fei — «das iit für Aufklärer vom Schlage Gerös eine zu große Versuchung... „Und hier", beginnt Köteles nach einer Weile wieder zu erzählen, „als iroir diese Senke vorsichtig hinunterglitten, summ! knallte uns vom Hange -dort oben eine Salve von acht ober zehn Schüssen entgegen. Im Hui «erreichten wir die Talsohle vor uns, die allein gegen die Schüsse Deckung wersprach. Ein einziger Reiter, aus der Patrouille des Sommersprossen- lleutnants, hatte einen Streifschuß am Arm erhalten. Während wir Unter« wffiziere ihn verbanden, berieten die Herren, was zu tun fei. Allen schien «es geboten, den Kampf mit den paar Nachzüglern aufzunehmen. Denn konnte es sich um andere handeln als eben um Nachzügler? — Lieber werfen wir sie über den Haufen und jagen sie auf Tarnopol zurück, als daß sie uns hier oder aus dem Rücktritt noch einen Mann kosten: sagte Oberleutnant von Gerö. Und dagegen war nichts einzuwenden. Es erschien allen das einzig Richtige. — Bon jeder Patrouille blieb nun ein Unteroffizier mit den Pferden hier in Deckung zurück. Ich hielt Maxl und Engel am Zügel. Alle andern schnallten die Stutzen vom Rücken und schritten im Schwarmlinie den feindlichen Hang hinauf." „Wie viele waren sie denn eigentlich?" „Sieben Mann im ganzen, Herr Kadett, davon vier Offiziere. Eine halbe Stunde lang hörten wir nichts. Dann gab es, dem Schalle nach zu schließen, ziemlich weit vorn, ein kleines Geplänkel. Nachher herrschte wieder Stille, eine so vollkommene Stille, daß uns der dünne Schrei zweier Bussarde, die in der Herbstsonne über uns kreisten, in den Ohren gellte. Endlich, endlich, nach einer unerträglich langen Wartezeit, entdeckte ich einen Zug Infanterie, der gerade die Straße herunter vorfühlt, die wir gekommen waren. Ich melde dem Fähnrich, der sie führt, was hier vorgefallen ist, und bitte ihn, feinen Zug, mit dem er noch weiter Vordringen will, mit meinen beiden Pferden begleiten zu dürfen. — So erklomm ich, Maxl und Engel am Zügel führend, mit den Leuten des Fähnrichs langfam diesen Hang. Als wir oben waren, sahen wir mehr nicht als jetzt: die vielen verfallenen Gräben rechts und links, die schnurgerade Straße vor uns und das Wäldchen dort, in das sie mitten hinein- führt." Jetzt weiß Mäß, daß sie gleich an Ort und Stelle sind. Einmal noch, während sie an einem Bildstock, einem verwitterten Steinmol zur Rechten oorbeireiten, sieht er Köteles fragend an. „Ist es hier?" „Nein, aber nur noch hundert Schritte weiter. In der Mitte zwischen dem Stein da und dem Rande des Wäldchens. Gerade .enter dem Apfelbaum dort." Dann, dann springt Möß aus dem Sattel und kniet auch schon mit entblößtem Haupt und gefalteten Händen an der Seite seines Herrn und Freundes. Blitzschnell hat er begriffen, daß hier schon längst alles vorbei und vollbracht ist. Der Tote liegt auf dem Rücken im Straßengraben. Er liegt da mit angezogenen Knien und in die Luft greifenden Händen, als habe er sich im letzten Augenblick noch jemandes erwehrt. Seine Augen, seine feuchten Tannenaugen, sind jetzt wie grünes kaltes Glas. Seine Kinnlade hängt weit geöffnet herunter. Ameisen krabbeln über feine Stirn. Aus einer Brustwunde, die von einem Stich herrühren könnte, so groß ist sie, ist Blut in feine Kartentasche geronnen, mitten zwischen das Zelluloidfenster und das blankgescheuerte Lederblatt. Die Tarnopoler Karte trägt' einen großen roten Fleck. Der Tote ist ausgeraubt worden. Ihm fehlt der Stutzen und der Feldstecher. Seine Rock- und Hosentaschen hängen nach außen gekehrt heraus. Daß die Kartentasche noch da ist, läßt darauf schließen, daß er von einem ungebildeten, des Lesens und Schreibens wahrscheinlich unkundigen Gegner überwältigt worden ist, der keine Ahnung davon besaß, was ihm diese Tasche möglicherweise alles hätte verraten können. Einige Schritte zurück, im Straßengraben der andern Seite, liegt der Sommersprossenleutnant. Auch er auf dem Rücken. Auch er ist aus« geraubt worden. Jetzt bedeckt er, Gott fei Dank! mit der einen Hand seine Augen. Gott fei Dank! ja, denn alles fällt Möß leichter als in diese vielen starren, verglasten Augen zu sehen. „Und der Tote auf dem Felde dort, mit dem Gesicht nach unten gekehrt, zwischen den beiden Löchern", deutet Köteles ein letztes Mal zur Seite, „ist der Honvedleutnant. Seine Leute erkannten ihn sofort, als sie mit mir hier vorüberkamen." Wo aber sind die andern geblieben, der Tscheche, die beiden Unteroffiziere und der Infanterist? Sind sie gefangen, verwundet gefangen worden? Sind sie entkommen? Wohin hat das Schicksal sie verweht? Nur eines ist klar: diesen sieben Herzen, die der Zufall gerade erst zu- sammengeführt, schlug auch schon, allen zusammen, der entscheidende Augenblick. Den einen, das wissen wir, zu Verderb. Und den andern? Bon den andern hat schon Köteles keine Spur mehr gefunden, als er mit dem Zug des Fähnrichs hier vorbeikam. Auch Möß kann, obwohl er gute drei Stunden später hier weilt, mehr nicht feftftellen, als daß sie einfach nicht mehr da sind. Ihrem Verschwinden näher nachzuforschen, findet er weder die Zeit noch die notwendige Sammlung der Gedanken, am wenigsten die Neugierde der Seele. Alles, was er jetzt tut oder nicht tut, was ihn jetzt treibt und drängt, was er bewußt oder halbbewuht I verrichtet, ist dem einen Gedanken und nur ihm ergeben: den Freund, 1 den teuern gefallenen Freund zu bergen. 1 Was aber vermöchte hierbei der Wille des Kadetten ohne die Kraft seines langen braunen Begleiters? Aus der Zeltbahn und den troei Stangen hat Köteles eine Tragbahre hergestellt. Das ging nach rm- es ging. Aber schwierig ist es nun, die Tragbahre mit der schaukelnden Lall j so in die beiden Sättel zu heben, daß sie einen sichern Halt hat und weder mit dem Kopfende von Engel noch mit dem Fußende von C'ganh heruntergleitet. Sie davor bewahren kann nur einer,!bet Jt unb hi, unaewobnte Last den Pferden immer wieder zurechtruckt Roteies »p arok Köteles sorgt dafür, daß die Stangen nicht aus den Satteln gleiten. Möß schreitet zwischen den nickenden Köpfen der Melden Pferde einher. o:n6- nn Xp- Trpnfß führt er rechts an her Xrenfe füfyrt er Gnael Er gibt sich Mühe, den Braunen und die Eisenschimmelstute eng zusammenzuhalten. Die Last, die teure Last, die sie tragen, konnte sonst hoch noch einmal zwilchen ihnen durch zu Boden fallen. Mit dumpsem, hohlklingcndem Stiefelschritt, in den nur manchma leises Sporenklingen hineinzittert, der aber stundenlang umlautet wird von dem unregelmäßigen Klopfen acht harter Pferdehufe s S1*) die endlose, gerade, noch immer tote Straße zuruck. Den Weg aus dem Nichts — den Weg wohin? Die Sonne vor ihnen ist langst schon unter- gegangen. , Auf dem gleichen Acker, über dem sie heute morgen blutrot aufging und über den Gerö weither aus dem Nebel ries, soll er begraben werden, so beschließt Möß. Und soll bald begraben werden, sonst kommen morgen die Fremden, die sich seine Freunde nennen, und entfuhren ihn uns und begraben ihn selber, und das hätte er sich sicher nie gewünscht. Es fehlt nicht viel bis Mitternacht, als der chuftritt m, der Traglast die Ackermulde hinunterschnobert und sich der Mannschaft nähert, tue rings um das verwaiste Geschütz in ihre Mäntel gehüllt liegt, stumm und wach und in bangem Brüten, was das Flimmern der Sterne über ihnen noch alles zu bedeuten habe. t „ Unweit grast, an kurze Pflöcke gekoppelt, das Pferderudel des Zugs. Jetzt spitzen sie die Ohren, und eins aus dem Rudel wiehert, dre Traume der Wachenden ausschreckend. Und jetzt springt die Mannschaft auf und geht dem Schnobern Engels, das sie erkannt hat, entgegen. Und da steckt einer auch schon eine Sturmlaterne an und trägt sie herbei, und jetzt und jetzt leuchten sie ihm, dem toten Führer, ins starre Gesicht. Und löschen sie wieder und wenden sich ab und lassen Arme und Schultern noch schlaffer und müder hangen als zuvor. . ,, , _ , . ... , Dann, dann singt das Scheuern der scharfen Spaten durch dre Nacht. Lange. ~ _ ... Und als es wieder stille geworden ist und Imre seinen Herrn rn die Grube gebettet hat, genau so, wie dieser gebettet zu sein in unzähligen Feldnächten sich gewünscht hat, tritt Möß vor den dunkeln Schacht und spricht das Vaterunser. Er spricht es laut und stockend. Er hat es noch nie vor einem offenen Grabe gesprochen. Er fühlt, daß er es überhäuf nur zu Ende beten kann, weil er es dem Dunkel, dem alles, alles m sich bergenden Dunkel dieser Nacht anvertraut. Da zuckt auf einmal eine Helle Lichtgarbe aus dem Geschützrohr auf. Ein Schlag und ein Stoß, als wäre die Kuppel der Sterne zerschellt. Und fauchend verläßt eine schwere Granate den Acker, den Acker, der das Gebet gehört hat und nun für immer ein Grab bewahren wird. Die Granate ist auf Befehl des Kadetten mit Zusatzladung auf die weiteste Entfernung gerichtet worden, und Korporal Ruschill, der Geschützführer, hat eigenhändig den Abzughebel gelöst. Alle fühlen, daß es der Abschied ist. Der Abschied des Geschützes von Gerö. Abschied des Fähnleins von Gerö. Vielleicht sogar, wer weiß, der A hieb des Fähnleins vom Geschütz. Es stehen auf einmal so viel Fragen, so viel Fragen vor ihnen auf. Und sie wissen nicht, wer sie beantworten wird, wenn nicht der, der bis jetzt die Klarheit des Lebens um sie schuf. . Noch vernehmen sie nach einer Weile den gedämpften Knall des aufschlagenden Geschosses aus der Unendlichkeit der östlichen Nacht. Fast klingt es wie eine Antwort auf das laute Fragen der Herzen hier. Aber wer kann es deuten? Noch hören sie, daß auf irgendeiner entfernten Steppe die Hunde, von Schuß und Aufschlag aufgescheucht, zu bellen beginnen. Aber lange hält ihr Bellen nicht an. Bald ist es endgültig aus und still. lieber die Steppen und Stoppelfelder des Landes zwischen Sereth und Strypa bewegt sich langsam westwärts eine kleine klirrende Karawane. Scharfer, kalter Herbstwind weht ihr entgegen. Er hebt die Mähnen und Schwänze der Pferde wie kleine zerzauste Fahnen. Er zwingt Pferde und Reiter, zwingt auch die Treiber noch, die zu Fuß neben den holpernden Karren einherlaufen, sich vornübergebeugt gegen seine Wucht zu stemmen. Manchmal stapsen sie an Waldrändern vorbei. Dann bläst ihnen der Wind tausend gelbe raschelnde Blätter vor die Füße hin. Manchmal schleppen sie sich an langgestreckten Sümpfen entlang. Dann begleitet sie das Klagelied des Schilfes und der Anblick feines wogenden Leids macht sie trauriger noch als zuvor. Manchmal wagt einer der Burschen ein Lied anzustimmen. Aber die andern greifen es nicht auf, und es erstirbt auf seinen Lippen. Es kommt vor und eigentlich kommt es gar nicht so selten vor an diesem Tage, daß der Spitzenreiter des Zuges seinem Pferde plötzlich die Sporen gibt und einige hundert Schritte feldein sprengt. Es ist, als ob er dann seine und der Karawane Traurigkeit ablenken wollte au; die Gruppe der Birken drüben am Hang oder auf die leuchtende Wolke, der er eine Zeitlang nachgejagt, ober auch nur auf das harmlose Spiel, den leichten Galopp, den kameradschaftlichen Gehorsam seines Tieres. Dies Tier ist ein kleiner Rappe, und der Reiter sitzt in seinem Sattel wie einer, der ein Pferd erprobt und es unter feine Botmäßigkeit zu gewinnen trachtet. Er läßt es bald nach der einen, bald nach der andern Seite im Kreise gehen, führt es bedacht an einen Graben heran, den es — hopp! — überspringt, gibt ihm schließlich die Freiheit, rasch und unversehens, in wilden, ausgreifenden Sprüngen irgendein Ziel im Gelände zu erreichen. Ist es erreicht, dann versäumt er nie, den samtweichen Hals anerkennend zu klopfen und zu streicheln. Es kommt vor, daß der Reiter den Augen der dahinziehenden Kara- wane zuweilen völlig entschwindet. Ein Ziel, das mehr als em harmloses Reitziel war, hat ihn dann angelockt. Gott, es gibt so viele fremde, ungewöhnliche, unbegreifliche Dinge auf diesen weiten, weiten Flachen, denen man ins Auge blicken möchte. Fegte nicht vor kurzem erst em Sturm, drohend und rätselhaft wie keiner, über das Land? Grub er nicht warnende Male und Zeichen in feine Erde und liefe neben all den unversehrt gebliebenen herrlichen Breiten, zuhaus leidersullte Statten 3Ur@s? gibt darunter solche, über die ein grimmig entbrannter Kampf rücksichtslos und ungeschlacht dahinstampfte und Felder und Dörfer zertrat, die zufällig in feinen Gewitterstrich fielen. Es gibt solche, die aus nichts andern, als einer dünnen Perlenschnur von Schützenlöchern bestehen und hier eine Hügelfalte, dort einen Wald- ran$orUbiefen da verweilt der Reiter, der Begleiter der kleinen Karawane, am liebsten und längsten. Es sind Löcher, oft so wenig tief, bafe ihre einzelnen Spatenstiche noch nachgezählt werden können. Es find Löcher, denen man ansieht, dafe sie in hastiger Angst ausgeworfen wurden, dafe eine einzelne, eine bebende Seele sie als schützende Burg um ich errichtete. Noch verrät der Erdeinschnitt, in dem das Gewehr lag, nach welcher Richtung ihr Kampfwille ging. Noch erzählen die Blumen rings um den kleinen Erdwall, die geknickten wie die unversehrten, von ihrer Zwiesprache mit der Schöpfung. Und der Reiter denkt: Diese Löcher sind Zeugen des Schicksals, wie es in den kleinen pochenden Herzen der vielen Raum gewann unb Ereignis würbe. Sie sinb in der langatmigen Geschichte der Heere und Armeen die Denkmale der flutenden Stunde, des werdenden Augenblicks. Jeder setzte sie sich selber, der nahe, ganz nahe mit dabei war. Sie sind wahrer, aufschlußreicher, überzeugender als alle Berichte, Erzählungen und Tagebücher des Kriegs. Das denkt der Reiter. Als die Sonne dieses Tags nach blutigem Wolkenkampf am westlichen Himmel ausgerungen hat unb stirbt, ist bie Karawane an Ort unb Stelle. Am Dorfranb von Koniuchy friert eine Kolonne. Drinnen im Dors in einigen Gehöften, liegt bie Korpsreparaturwerkstätte. Und Kadett-Offiziersstellvertreter d. R. Johannes Möfe meldet zum letztenmal: „Gin Geschütz, sechzehn Pferde, zwanzig Mann!" Gruß dss Unbekannten. Von I. W. von Goethe. Den Gruß des Unbekannten ehre ja! Er sei dir wert als alten Freundes Gruß. Nach wenig Worten sagt ihr Lebewohl! Zum Osten du, er westwärts, Pfad an Pfad — Kreuzt euer Weg nach vielen Jahren draus Sich unerwartet, ruft ihr freudig aus: „Er ist es! Ja, da roar’s!" als hätte nicht So manche Tagesfahrt zu Land unb See, So manche Sonnenkehr sich drein gelegt. Nun tauschet War' um Ware, teilt Gewinn! Ein alt Vertrauen wirke neuen Bund — Der erste Gruß ist viele tausend wert; Drum grüße freundlich jeden, der begrüßt. Ein Bild rettet Brouwer. Erzählung von Valerian Tornius. Aoriaen Brouwer, der große niederländische Sittenmaler, war als Mensch ein Schalk. Wie seine Gemälde voll luftiger Streiche sind, pflegte auch er selbst zu allerhand Schabernack aufgelegt zu sein. Solche Gelüste brachten ihn oft in Konflikt mit der Behörde. Aber seine nie ver- sagende gute Laune, sein schlagfertiger Witz und vor allem die überzeugende' Kraft seines Talents, das ihn befähigte, jederzeit irgendeine heikle Situation, sei es eine Rauferei, oder eine Schelmerei, mit wenig Mühe wahrheitsgetreu auf die Leinwand zu zeichnen, zogen ihn immer im rechten Augenblick aus der Schlinge. Nur einmal sollte es ihm übel ergehen. Er hatte, da er nie lange an einem Ort verweilen mochte und wohl auch, von Gläubigern oder Dienern der öffentlichen Ordnung bedrängt, nicht verweilen durfte, Amsterdam, dem nordischen Venedig, das mit feinem wachsenden Reichtum den Meistern der Palette so gute Verdienste abwarf, den Rücken gekehrt unb war nach Antwerpen geroanbert. Unbekümmert barum, baß bie Spanier mit Hollanb im Kriege lagen unb bie Stabt besetzt hielten, näherte er sich ihr. Die untergefjenbe Sonne oergolbete gerabe malerisch die Zinnen und Türme. Brouwer sah mit Wohlgefallen das hübsche Bild, das sich vor ihm entfaltete, liefe sich auf einen Stein nieder, zog das Skizzenbuch aus seinem Ränzel unb begann, ein Liebchen vor sich hin- pfeifenb, frisch barauflos zu zeichnen. Die Torwache wurde auf ihn aufmerksam. Der Fremdling kam ihr nicht ganz geheuer vor. Bald lösten sich ein Sergeant unb zwei Sol» baten aus ber Wächterschar unb schritten auf ihn zu. Wer er sei unb ob er einen Paß habe, fragte ihn ber Sergeant. Brouwer, ber kein Wort Spanisch kannte und sich auch nicht zusammen- zureimen vermochte, was die Leute eigentlich von ihm wollten, da er nie einen Paß besessen hatte, ja, nicht einmal das Vorhandensein eines derartigen Schriftstückes ahnte, Brouwer gab also durch stumme Gebärden zu verstehen, daß er nichts begriffe. Wenn er glaubte, bie Solbaten bamit zufrieden zu stellen, so irrte er sich. Während der eine in seinen Taschen wühlte, fchickte sich der andere zu einer Durchsuchung seines Ranzels an. Der Maler machte seiner Empörung über diesen räuberischen Ueberfall in ein paar derben flämischen Kraftausdrücken Lust und wies dabei energisch auf sein Skizzenbuch, daß ihm die beste Legitimation zu sein schien. Der Sergeant nahm es, blätterte es durch, i sprach dabei sehr erregt — und vollführte mit der -and eine Bewegung, die so viel bedeutete wie: weg mit ihm. Die Soldaten packten denn auch sofort den vermeintlichen Uebeltäter bei den Armen und schleppten ihn durch das Tor nach der Zitadelle. Da stak nun der arme Brouwer, der ausnahmsweise nichts Schlimmes verbrochen hatte, in einem dumpfen Verließ zu ebener Erde, starrte durch das vergitterte Fenster auf den vom Mond beschienenen Gefängnishof und war zum erstenmal in seinem Leben wahrhaft unglücklich. Wenn man ihn wirklich für einen Spion hielt, überlegte er, fo hatte er bei der Strenge der Kriegsgesetze das Schlimmste zu erwarten. Und im Geiste sah er bereits den Galgen, an dem sein runder wohlgenährter Körper baumelte, den Raben zum willkommenen Fraß. Als er am andern Morgen wieder die Stirn an das Gitter preßte, bemerkte er einen stattlichen, vornehm gekleideten Herrn, der die Hände auf dem Rücken gemächlich spazierenging, während zwei Soldaten ihm in respektvoller Entfernung folgten. Ei der Tausend, dachte er, wenn der stolze Hidalgo da drüben nicht der leibhaftige Gouverneur ist, will ich mich fressen lassen. Ob ich ihm meine schlimme Lage offenbare? — Und er beschloß, sobald der fremde Edelmann wieder an seinem Fenster vorüberkäme, ihm sein Leid zu klagen und ihn um seine Hilfe zu bitten. „Sennor, Sennor", rief er, da der mutmaßliche Gouverneur bei seinem Rundgang gerade das Fenster erreichte, „Sennor, leiht mir Gehör." Der Angeredete blieb stehen und fragte auf flämisch: „Was für eine Sorge bedrückt dich, mein Junge?" Der Klang der Muttersprache und der freundliche Ton der Frage, die sich angenehm dem gefangenen Maler in die Ohren schmeichelte, überwanden seine anfängliche Zaghaftigkeit und ermutigten ihn, von der Leber weg zu reden. Hastig erzählte er den Verlauf seiner Gefangennahme und schloß mit der Bitte, ob ihm der hohe Herr nicht die Freiheit schenken wolle, da er doch unschuldig in dieses vermaledeite Loch geraten sei, das, wie er wohl selbst einsehen werde, kein würdiger Aufenthalt für einen tüchtigen Maler sei. „Daß du ein Flame bist, steht für mich außer Zweifel", erwiderte der Edelmann. „Ob du aber auch, wie du vorgibst, ein tüchtiger Maler bist, mußt du mir erst beweisen." „Wie sollte ich das, Mynheer, haben doch die räuberischen Soldaten mein Ränzel mit Pinsel, Farbe und Leinwand genommen und dazu noch das schöne Skizzenbuch." „Da will ich schon Rat schaffen. Gedulde dich nur, man wird dir alles bringen, was du brauchst. Dann magst du deine Kunst zeigen. Im übrigen baue nicht allzusehr auf meine Hilfe, denn ich bin selbst ein Gefangener." Rach diesen Worten ging er weiter, da die beiden Wächter, von Neugier getrieben, inzwischen herangekommen waren. O du wunderliches Schicksal, dachte Brouwer, da hältst du dich für den Elendesten der Elenden, weil du so ein armer Teufel bist und niemand auf der Welt hast, der für deine Unschuld einsteht, und dieser vornehme Mann, der die Freiheit gewiß nicht weniger liebt als du, und den du seines stattlichen Aussehens halber für den Gouverneur hieltest, teilt mit dir das gleiche Los. Adriaen, mach deine Rechnung mit dem Himmel, dein letztes Stündlein ist nicht mehr fern." Traurig faß Brouwer den ganzen Tag in seiner Zelle und suchte seine Langeweile zu verscheuchen, indem er mit einem spitzen Stein allerhand Fratzen in die Wand ritzte. Am nächsten Morgen, ziemlich frühzeitig, erschien der Gefängniswärter und brachte ein Gestell, eine Holztafel, Pinsel, Palette und Farben. Der Maler, der das Versprechen seines Mitgefangenen sich schon aus dem Sinn geschlagen und es nur für eine Äugenblickslaune gehalten hatte, war aufs angenehmste überrascht und erfreut. Seine Verwunderung steigerte sich noch, als der Wärter sagte: „Das schickt Euch unser durchlauchtigster Herzog von Aerdenborg." „Wie", rief Brouwer, „der vornehme Herr, der hier gestern auf dem .Hof lustwandelte, war der Herzog von Aerdenborg?" „Ganz recht. Man verdächtigt seine Durchlaucht einer Verschwörung ■gegen die Spanier." Der Wächter schien mehr erzählen zu wollen, aber ein Geräusch auf dem Flur verscheuchte ihn. Brouwer hatte nun nichts Eiligeres zu tun, -als sich über das Malgerät herzumachen. Zärtlich liebkoste er jedes Stück prüfte er sorgfältig jeden Pinsel, jede Farbe und war so in seine ^Beschäftigung vertieft, daß er über ihr seinen Trübsinn ganz vergaß und «alter Gewohnheit gemäß sogar wieder ein lustiges Lied vor sich hinpfiff. Lange grübelte Brouwer nach, welchen Vorwurf er wohl wählen ssolle, um den Beweis seines Talentes zu erbringen. Da kam ihm ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Auf dem Hof in einer schattigen Ecke saßen ■ein paar Soldaten um einen Tisch, lärmten, frönten voll Eifer dem Kartenspiel und sprachen dabei fleißig dem Wein zu. Das war so recht ■eine Szene nach Brouwers Sinn. Flugs entwarf er eine Skizze von der Zechenden Runde und begann sie in Farben auf Holz auszuführen. Der Herzog ließ sich mehrere Tage nicht blicken. Als er eines Morgens wieder auf dem Hof erschien und an dem Fenster des gefangenen Malers vorüberkam, flüsterte dieser durch das Gitter ihm zu: „Durchlauchtigster Herr, das bestellte Bild ist fertig." Der Herzog nickte, sagte jedoch nichts und setzte seine Wanderung fort. Eine Stunde später kam der Wärter und holte das Bild. Der Herzog, der nicht wie ein gemeiner gefangener in einer dumpfen Zelle faß, ssondern mehrere Gemächer zur Verfügung hatte, war nicht wenig über i>as Gemälde erstaunt. Vor allem verblüffte ihn die Aehnlickkeit der «Gesichter. Und ganz besonders gefiel ihm ein langer hagerer Kerl, der $m Hintergrund stand und etwas Menschliches verrichtete Der Bursche fcat wahrhaftig Talent und Humor, dachte er und freute sich im stillen sscbon darauf, was Rubens dazu sagen würde, denn der große flämische Meister war ein Freund des Herzogs und besuchte ihn zuweilen. Als nun der berühmte Maler einige Zeit darauf bei ihm vorsprach, äußerte der Herzog gleich nach der Begrüßung: „Heute sollt Ihr Euer fachmännisches Urteil abgeben, meln fieber Meister und mir sagen, ob der Mann, der dieses Bild gemalt hat, Talent besitzt oder nicht." Dabei enthüllte er vor den Augen seines Gastes das Gemälde. „Ei, sieh da! das ist ja ein Brouwer!" versetzte Rubens, kaum daß er feinen Blick auf das Bild geworfen hatte. ,,Weit gefehlt, mein Freund. Euer Kennerauge hat Euch diesmal betrogen." „Gift möchte ich nehmen, wenn Brouwer das nicht gemalt hat." „Setzt nicht so leichtfertig Euer Leben aufs Spiel. Das Bild ist das Werk eines armen Teufels, der hier, wie er behauptet, unschuldig der Spionage verdächtigt in der Zitadelle sitzt." „Der Mann muß befreit werden", sagte Rubens und ging schnurstracks von der Zitadelle zum Gouverneur. Dank seinem Ansehen und seiner Fürsprache gelang es dem Meister, die Freilassung des in eine solch üble Lage geratenen Zunstgenossen zu erwirken. Brouwer fand bei Rubens gastliche Ausnahme, durfte wieder nach langer Zeit in einem richtigen Bett schlafen, konnte sich an köstlichen Speisen und Getränken laben, wurde ganz neu eingekleidet und lebte in dem Haus seines reichen Wohltäters wie ein großer Herr. Als Rubens den Herzog nach etlichen Tagen besuchte, war das erste, was er sagte: „Also, ich habe doch recht, Durchlaucht: der angebliche Spion war Brouwer." Der Herzog sah ihn mit großen Augen an. „Nicht möglich! Und was treibt er zur Stunde?" „Er treibt sich wieder auf der Landstraße herum. Mein Haus war ihm anscheinend ein noch unbequemeres Gefängnis als die Zitadelle. Aber er konnte wenigstens entfliehen. Und so hat er sich gestern abend aus dem Staube gemacht." Orr Teufel fäh f Ski. Eine luftige Geschichte von Karl Springenschmid. So hat es angefangen: Oben in der Einschicht beim Klacherbauern sind sie alle beisammen- gesessen in der Stube rund um den Tisch und draußen vor den Fenstern ist die Mitternacht heraufgestiegen aus dem Tal. Da ist die alte Klacherin aufgestanden, um noch einen Arm voll buchene Scheiter zu holen, hinüber in ihr Austraghäusl; denn ein Leben, das in die siebzig geht, spürt es schon kalt werden um sich, und der warme Ofen ist die einzige Sorge, die geblieben ist. Die jungen Leut, mit ihren Hitzen inwendig, vergessen allweil auf» Nachlegen. Alle, die um den Tisch hocken, schauen der Altbäurin zu, wie sie aus der Stuben tritt, hören wie sie durch das Vorhaus tappt. Jetzt nimmt sie draußen beim Holzstaffel an der Hauswand die Scheiter auf, einen Arm voll und jetzt tappt sie — da ist plötzlich — Um Gotteswillen! So ein schiecher Schrei, daß es allen kalt über den Buckel lauft — und bann poltern die Scheiter nieder, rumpeln auf den Boden hin. Die Leut in der Stuben halten erschrocken den Atem an, schauen einander in die Augen — Unheimlich ist das. Da steht der Bauer auf. In diesem Augenblick öffnet sich die Tür. Die alte Klacherin taumelt herein. Sie muß sich am Türstock halten. Todblaß ist sie, zittert am ganzen Leib. In ihren weit aufgeriffenen Augen steht der helle Schrecken. Die Zähne schlagen aufeinander. Kein Wort kann sie sagen. Mit zitternden Fingern greift sie nach dem Weihwasserkrügl, das neben der Tür hängt, und macht ein großes Kreuz über Stirn und Brust. Dann verkriecht sie sich zu tiefst hinein hinter den Ofen. Der Bauer stellt kopfschüttelnd seinen Stuhl zurück und geht mit festem Schritt durch die Stuben. Er tritt vor das Haus und schaut rundum. Aber da ist alles wie immer. Das Wasser planscht in den Brunnentrog. Im Nußbaum schlagt der Wind mit den dürren Aelten. Das Vieh scharrt im Stall. Droben steht der Wald schwarz und finster gegen die verschneiten Wiesen, die hell im Schneelicht liegen. Drüber sind die Berge, fest und ruhig wie von ewig her. Sternvoll steht der Himmel über dem Land. Unten im Dorf brennen die Lichter in den Stuben. Ihr rötlicher Schein zittert hin über den Schnee. Es ist ein Bild voll tiefstem Frieden. Der Bauer steht eine Weile und horcht. Dann faßt er die Scheiter auf und trägt sie herein. „Mueter, was hascht denn gsehgn?" fragt er hinter den Ofen hinein, „t siech nix!" Ader da ist keine Antwort. — Lange noch hängt der schieche Schrei der alten Klacherin draußen in der Nacht, daß Weiber und Kinder herinnen in der Stuben nicht durch das Fenster zu schauen wagen, vor dem ungewiß und geheimnisvoll die Finsternis steht. Es ist eine bange Nacht heroben in der Einschicht und wieder ein Tag und eine Nacht. Kein Wort redet die Alte. — Endlich am dritten Tag, als sie Die sündhafte Erscheinung schon zu tiefst in den letzten Winkel der Seele hineingebetet hat, kommt sie aus ihrem Austragshäusl herüber und hebt zu reden an: „Leut, grossen ischt es so: Hab die buedjenen Scheiter aufgsaßt, eins nach dem andern, schiane Scheiter, einen Arm voll, da ..." fester schlingt sie den Rosenkranz um die Finger, schaut ringsum in die Gesichter, die voll Spannung sind. Selbst der Roßknecht, der immer der erste in der Schüssel ist, läßt den Löffel stecken, reißt Maul und Augen auf, „. .. da ischt mir auf amol — i kann nit sagen, wia mir groefcn ischt, ganz Graben. Weg Abessinien vor 100 Jahren. Nach einem allen Reiseberichl. Erzählt von Tony Kellen. Lange Zeit war Abessinien ein fast unbekanntes Land; vor allem galt es als undurchdringlich für europäische Reisende. Bis vor hundert Jahren waren die Nachrichten über das Land sehr dürftig und vor allem fehr unzuverlässig und widersprechend. Der eine oder andere Engländer hatte zwar schon versucht, m das Innere des Landes einzudringen, aber mochte er auch ein Schreiben des Königs von England mit reichen Geschenken für den Herrscher von Abessinien mitnehmen, weit ins Land konnte er nicht vordringen. Nun unternahm im Jahre 1836 der Deutsche A. bon K a t t e eine Forschungsreise nach Abessinien, und er schrieb darüber einen Bericht, der bei keinem Geringeren als Cotta 1838 erschien. Katts hatte sich vorher schon längere Zeit in Arabien aufgehalten, und dort hatte er den Entschluß gefaßt, Afrika von Osten nach Westen zu durchreisen. ' Mit 160 Maria-Theresia-Talern glaubte er durch ganz Abessinien hinauszukommer, d. h. so weit als Geld überhaupt gilt. Wo dies nicht der Fall ist, glaubte er, sich ohne Geld durchschlagen zu können. In Arabien und Aegypten hatte er Abessinier kennengelernt, und diese schilderten ihm ihre Heimat als ein schönes, fruchtbares Land, dessen Einwohner nur zu loben seien. Auch Kaufleute von der Küste des Roten Meeres sagten, einem Weihen, der Christ sei, könne es wohl gelingen, Abessinien zu durchreisen; nur dürfe er nichts bei sich haben, das die Habgier reizen könne. Geschenke solle man nirgends machen, denn da dies sogleich bekannt würde, wäre man genötigt, alle kleinen Scheichs und Fürsten zu befriedigen, was aber auf die Dauer unmöglich sei Geld brauche man sehr wenig, denn alles sei so wohlfeil, daß 4 bis 5 Maria-Theresia-Taler hinreichten, um einen ganzen Monat mit 5 oder 6 Bedienten zu leben. Ueberdies würde man von den Fürsten des üeran'v örtlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche Universität».Buch, und Steindluckerei. R. L-na-, Gießen. LQrT)ie Weißen erregen ihre Neugier, und da es damals in manchen Gegenden Straßenräuber gab, so hatte der Eisende Gelegenheit, auch mit diesen Bekanntschaft zu machen, doch konnte er seststellen, daß schon der Anblick eines Gewehres sie von einem Angrisf abhalt. In einem Dorfe entging er nur dank seiner Wachsamkeit einem Mordanschlag, doch büßte er dabei einige seiner Instrumente em. So mußte er sich entschließen nur noch bis Adua und zu dem Taccazze-Fluh vorzudrmgen und dann nach dem Roten Meer zurückzukehren Nach langem Herumirren gelangte er endlich nach Adua und kehlte dort bei einem deutschen Missionar ein, der ihn sehr freundlich aufnuhm. Sechs Wochen lang blieb er dort, und diese Zeit benutzte er, um Nachrichten über Land und Volk zu sammeln. So konnte er seine eigenen Beobachtungen noch sehr erheblich ergänzen Der Ras Ubre hatte dem deutschen Forschungsre,senden zwar ver- svrochen ihm die geraubten Sachen zurückzuverschaffen, aber das ge- lang ihm nicht. Da ihm nun seine Lasttiere alle in Adua eingegangen waren, so mußt- er die Rückkehr nach Massaua zu Fuß antreten Das war ein ungewohntes Schauspiel, einen Weihen aus diese Art daher- ,lieben zu sehen, denn nur der Arm- reist dort zu Fuh. Der einiger- mahen wohlhabende Einheimische reist zu Pferde oder zu Maultier, sedesmal von einer Menge Knechte umgeben. A. von Satte schlug den Weg Über Stalley ein, um noch einen anderen Teil des Landes zu sehen als den bei der Einreise. Unterwegs genoß er noch eine prachtvolle Aussicht über die Provinz Tigre Er glaubte auch, der Weg sei sicher, weil dort Karawanen vorbeifahren, aber auch dort mußte er sich noch gegen Räuber verteidigen. Nach einem fünfzehntägigen Aufenthalt in Massaua suhr er übers Rote Meer nach Loheia in fernen. In einem heftigen Gewittersturm erlitt er einen Schiffbruch und verlor dadurch noch einen Teil seines Gepäcks. Mit einem anderen Schiff, das von Bombay kam, fuhr er dann nach Aegypten Sein großer Reifeplan war also gescheitert. Das lag daran, daß er den ihm mündlich erteilten Auskünften über das Land zu fehr geglaubt hatte und daß er mit völlig ungenügenden Hilfsmitteln die Reife angetreten hatte. Trotzdem gelang es ihm, wenigstens die Wissenschaft über Abessinien in einer sehr dankenswerten Weise zu ergänzen. S?’« Sä Ä&W» =S •n-ÄÄ wrlc-Vft WS SS«.'» NL i,® 6i? Sa"‘ IÄ-N -m-Mch "°ch ■■unb alübete Augen ... und a suirige Jung ... und spitze Horndln. ... 9 Schluß hiezl" sagt der Bauer und schlagt nut der Hand in den Tisch. L7LÄ sr