armen it i)i[fe en d die 6ti ■inen Lenin« nes 6iü nereniti tyn, toi Der tut getoorben e töbliti etlnehM elfen. c9’mn 1(. e®äet? ®'e Itit '■ $ie|« 1 und i| Pn bq. ■in dttth wie mön. chriii du d°n fei« ^orf-htz 9>iich d«: r die QUj . Aber k 6 ” B rd-n, tichÜ e nun« der einen ach Die tn folliit Cchh« war it ngbirfunj Jront In den U inne, mi der Jtofi eine feit isters $ nur «1 lerfianbtt ere Piff n, und if ger, edt» -s ist em Platz d° ■, wie s e. 3nl® ilich 8* nb fonnlt ber 3«? lbst f°S'' ber N nal o»!r itliq * Stiefel« Ritftnef [e In 1" ,abe, fs rber.* t «u* daß SS jnj -inenZ der * bor«n I Schr°^ den U Jutn ®L .’S? ,r ttUl W- zt K ßieficner^ainilienblättcr Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ahrgang M5 Zreitag, den 3(. Mai Nummer 42 ut, daß Du da bist ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR Copyright 1933 by August Scherl G m. b. H Berlin (Forgetzung.) „Allerdings!" „Also, was ist mit dem Geld?" „Wieviel brauchen Sie?" „Sagen wir: fünfzigtausend." Der Agent erschrak. „Das wird nicht gehen, Thiele. Ist auch wohl «cwaltig übertrieben. Zehn Mille könnte ich Ihnen zur Not verschaffen, ltber fünfzig? Ausgeschlossen!" „Dann also zehn. Wann kann ich sie haben?" „Das wird nicht so schnell gehen, wie Sie glauben. In acht bis zehn lagen. Aber ich warne Sie! Es wird Sie teuer zu stehen kommen, heutzutage. Zinsen und noch allerhand andere Spesen." „Wenn schon! Also Sie machen das für mich — ich kann mich daraus rerlassen?" „Wenn es fein muß ..." c „Es muß! — Morgen, Henschke!" Er reichte dem Agenten die Hand «nd wurde von ihm bis zur Treppe begleitet. ,Aus Wiedersehen, Thiele — und machen Sie keine Dummhetten! tonnte Henschke sich nicht enthalten, beim Abschied hinzuzufügen Thiele lachte ihn aus und ging zu seinem Wagen. Professor Bernau vohnte am Reichskanzlerplatz, und zwar in einem Atelier mit Nebeu- täumen — einer Wohnung, die durch ihre Weitläufigkeit, ihren eigen« willigen, aber geschlossenen Stil der Jnneneinrichtuiig und ihren Dach- «arten, von dem man halb Berlin überblicken konnte, berühmt war. Da tr selbst als leitender Architekt diesen Häuserkomplex vor einigen Jahren gebaut hatte, war die Wohnung schon im Entwurs nach seinen persönlichen Wünschen angelegt und entsprechend möbliert worden. Seine Buro- täume befanden sich im Parterre des gleichen Hauses, durch einen Fahrtuhl mit der Privatwohnung verbunden. , £ , . . ,, Als Ludwig das Büro des Architekten betrat, fiel ihm sofort der hellblonde Schopf Inge Grafs in die Augen, die, über ein niederes stählernes Tischchen gebeugt, eifrig eine Schreibmaschine bearbeitete. Rechts unb Links von ihr waren zwei junge Leute mit der Ausführung von Bauplänen mit Zirkel und Reißschienen hinter beweglichen Zeichenplatten beschäftigt. Inge sprang auf und kam ihm entgegen. , Sie Herr Thiele...!" jagte sie etwas verwirrt. „Herr Professor Bernau ist oben. Ich glaube, er hat eine Konferenz. Ich werde Sie f .Tun Sie das, mein Kind! Diese Konferenz wird nicht so wichtig lein'. Wir werden gleich sehen! Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie mir den Fahrstuhl öffnen wollten." , Einen Augenblick, bitte!" fügte Inge eifrig und hob den Hörer ihres Telephons ab. Die beiden jungen Leute waren aufmerksam geworden und -pichten hinter ihren Reißbrettern hervor nach dem Sd)au(pie er.non !>etn in allen Zeitungen die Rede war. Thiele nickte ihnen leutse.ig zu unb trat neben Inge, die sich mit Bernau verband. , . .. „Geben Sie her!" befahl er, nachdem sich der Architekt o-meldet hatte, unb nahm ihr den Hörer aus der Hand: „Hallo, Bernau Du solltest doch m mir herauskommen ... Keine Ausreden! Du hast es nur versprochen Da es sehr eilig ist, hole ich dich ab... Das kleine reizende Fraule,n,h^r leigte etwas von einer Konferenz .? Jetzt "'n halb drei Uhr^... Er l'ärie einen Augenblick auf die Antwort und lachte dröhnend. „Schon ... lehr schön. Allo du kommst gleich herunter und fährst mit mir hinauf Ich habe auch noch etwas anderes mit dir zu besprechen. Ich warte ljicr " Er legte den Hörer auf die Gabel und sagte zu Inge noch immer lachend: Die Konferenz oben ist abgebrochen, und man btt e Sie, M ebenfalls fertigzumachen, um den Herrn Professor zu begleiten. Wir Wen nach Nikolassee. Heute aber dienstlich, mein Kind! Oie beiden jungen Leute lächelten verständnisvoll hinter ihren Pulten. Inge errötete unter den Blicken Thieles und eilte hinaus. Th.ele ging iummend im Büro auf und ab. ___. _.. Gleich darauf kam Professor Bernau durch die Zve'te Tur herein. Er reichte Thiele die Hand und sah sich nach femei f^reMnn um.. „Sie macht sich gerade fertig. Denn sie kommt selbstoerstandlm; mit. Da du das am Telephon vergessen hast. hab' id) es fo an^bn®‘r y . „Du bist wohl der Ansicht, hier sei nichts zu tun? "ersuchte der Lrchi i rett zu widersprechen. „Nachdem sogar deine .Konferenz abgesagt ist...! „Du scheinst ja glänzender Laune zu sein!" lenkte Bernau rasch ab und wies mit den Augen auf die beiden Angestellten. „Ich habe auch allen Grund dazu. Sieh her!" Thiele zog den Vertrag mit Grolrnan aus der Tasche und reichte ihn dem Architekten. Bernau überlas ihn und stieß auf die vollzogenen Unterschriften. „Gratuliere!" rief er. „Das ist ja schneller gegangen, als man erwarten konnte!" „Ebenso schnell muß es jetzt mit dem Haus gehen. Verstehst du? Darum komm' ich her." „Also los!" sagte Bernau. Inge stand in Hut und Mantel an der Tür und folgte ihnen, als sie zum Wagen gingen. „Sie sollen es trotzdem wissen!" sagte Thiele zu Inge beim Einsteigen und blinzelte schadenfroh. „Er hatte gar keine Konferenz. Aber er ist in dem Alter, in dem man um diese Tageszeit etwas Ruhe braucht. Nur ein Viertelstündchen ober so. Vorläufig bringt er es noch nicht fertig, Ihnen das einzugestehen!" „Du bist ein notorischer Schurke!" sauchte Bernau aus dem Fond des Wagens. „Keine falschen Töne! Uederlaß die lieber uns Komödianten! lachte Thiele und setzte sich ans Steuer. — Sie fuhren in Nikolassee zuerst zum Waldwinkel, um Elisabeth abzuholen. Sie schrie auf, als Thiele ihr den Vertrag zeigte. Aber er ließ ihr keine Zeit, ihrer Freude Ausdruck zu geben, sondern führte sie fast mit Gewalt zum Wagen, in dem Bernau und Inge Gras sitzengeblieben waren. r , ,. ,, Jetzt hatten sie nur noch einige Minuten zu fahren, bis sie vor dem Haus angelangt waren, das Thiele ausgesucht hatte. Er kannte den Besitzer, einen alten Herrn von fünfundsechzig Jahren, früheren Ingenieur ber Allgemeinen Elektrizitätswerke, ber sich nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst hier zur Ruhe gesetzt hatte. Da er in der gegenwärtigen wirt- schastlichen Krise einen guten Teil [eines Vermögens wieder eingebüßt hatte, suchte er vergeblich nach einem Käufer für seinen schönen Besitz, der bis zum See hinunterreichte unb dort sogar einen besonders guten Strandplatz mit Bootshaus unb Anlegesteg umschloß. Thiele hatte schon vor längerer Zeit mit ihm verhandelt, war aber nie über unverbindliche Abmachungen hinausgekommen, da ihm immer wieder das Geld, auch zur kleinsten Anzahlung, fehlte. Heute aber wurde er sehr bald mit ihm einig. Der Preis für Grundstück und chaus war spottbillig, wie Bernau Elisabeth zuraunte, nachdem der alte Herr ihn zögernd genannt hatte. Thiele jagte sofort zu und vereinbarte mit Bernaus Hilfe alle notwendigen Einzelheiten über den notariellen Kaufvertrag. Dann machten sie einen Ruudgang durch das ganze Haus, und Thiele gab dem Architekten seine Anweisungen: Diese Wand hier im Erdgeschoß mußte niedergelegt werden. Eine Halle sollte hier entstehen, mit schönen alten Bildern und monumentalen Möbeln geschmückt: mit breiten Flügeltüren und Stufen hinab zur Allee, die in gerader Linie bis zum See geführt werden sollte. Ein Speisesaal sollte es werden, wie in einer alten Burg. Hierher ins Arbeitszimmer den Renaissancetisch, der als Schreibtisch dienen sollte, und dorthin an die ganze Längswand dis zur halben Höhe die verzehnfachte Bibliothekl Dort jenes kleines Zimmer nach der Seite mit Ausblick in den Garten würde Elisabeths privates Reich werden .. Oben die Schlafzimmer, außen miteinander verbunden durch eine breite Veranda unb innen durch ein ganz in weißem Marmor gehaltenes Bad Unb hier das sonnigste Zimmer im ganzen Haus, nach Süden g-stegen, würde das Reich des Prinzen werden, mit einer angrenzenden kleinen Stube, in der später die Wärterin Unterkunft finden konnte. Es war reichlich Platz vorhanden im Haus, auch noch für Billy und die Dienstboten, Chauffeur, Köchin und Gärtner... . Doch bas Wichtigste tarn erst zur Sprache, als sie alle bet dem alten fietrn der von der Aussicht auf diesen Verkauf wie verjüngt schien, beim Kaffee saßen: Alle Wünsche Thieles sollten in wenigen Wochen erfüllt sein Denn am ersten April mußte er nach Hollywood. Bis dahin mußte alles in Ordnung fein, damit er selbst noch Elisabeth in das neue Haus führen könnte Professor Bernau lachte zuerst, wie über einen gewagten Scherz mußte aber bald erkennen, daß es Thieles vollkommener Ernst war Trotz Elisabeths vorsichtigem Einspruch bot Thiele dem allen Herrn noch eine Abfindungssumme für den Fall, daß er so bald wie möglich ausziehen und in die Stabt übersiedeln würde. Er verpflichtete sich, ihm sogar eine hübsche kleine billige Wohnung zu besorgen — ganz, wie er es wünschte. Als er die Einwilligung erhalten hatte, verabschiedete sich Thiele, um drüben in (einem Waldwinkel noch vor dem Abend den Archi- teften gefügig zu machen. . . Du siehst die ganze Sache ist nicht fo schwierig und langwierig, wie du sie hinftellst. Man muß nur wollen! Und ich will nun mal! Alles übrige ist mit Geld abzumachen. Also brauche ich zunächst Geld und Kredit. Das Nötigste habe ich mir schon besorgt. Das übrige mußt du mir verschaffen, Bernau!" 6g h in er fah ja wohl selber ein, wie lächerlich seine Rede gewesen war. Erst nach langer Zeit kam er zu einer ordentlichen Rede, der Freund lelt no< iira mit n tonnte mußten, und ii iod) ijitt sichere« Broltnan schmr- ährst iti egenhetl zes Ii« jnft du! i finbefl- 11" sag« ien W Oie fünfzig Dukaten. Eine Komödiantengeschichte von Paul E r n st. Ein junger Offizier besuchte das Theater, sah Aurelien in ihrer großen mit iri* , sgerti« id tief® bei dch te 9» ber * an en. * «8* jt atii^ ’n. qnW e Th«« ‘2. bis 1 fragst S6i! |ii Ueberlegen und Raten. Der Freund hatte von der Schauspielerin wohl keine hohe Meinung, «er so roh er war, fühlte er doch, daß er den andern schonen mußte, öumerhin aber verstand er nichts weiter, als daß er ihn fragte, ob er iiniges Geld zur Verfügung habe, und ihm dann riet, der Angebeteten eien verhältnismäßig kostbaren Ring zu schenken. Der junge Mann scwang sich den Hut auf den Kopf und stürzte aus dem Zimmer; es cir schon Nacht, alle Läden waren geschlossen, und er konnte keinen Ring sivhr kaufen. , . „ ... Als er nun so, halb gedankenlos und von seiner Unruhe getrieben, dich die Straßen Roms eilte, fühlte er einen heftigen Widerwillen gqen seinen Freund und seine Wohnung. Die Kälte und Gleichgültigkeit h.3 andern war ihm fürchterlich, als sei er sein Todfeind. So ging er binn in einen Weinkeller, setzte sich abseits an einen Tisch; der Wirt diachte ihm eine Oellampe und Wein. Im Sommer, an einem blühenden Hang, auf welchem der Sonnen« dein liegt, kann man beobachten, wie ein seltener Schmetterling scheinbar ^schlüssig flattert, sich aus eine Blume setzt, den Rüssel entrollt und m itn Kelch taucht, in Wonne die Flügel entfaltet; dann, nachdem er den hinig genossen, die Flügel wieder zusammenschlägt, sinnend eine Weile litt und endlich weiterfliegt. Plötzlich erscheint ein anderer Falter seiner Srt, ein Männchen. Die kleinen Tiere sind selten, in weitem Utnfrei[e v hte vielleicht allein dieses Weibchen vor dem Wind; wie konnte das Männchen über die große Entfernung fühlen, daß hier em Weibchen euer Art war? Wir können nicht wissen, durch welche Mittel Natur ii se beiden Wesen zusammengebracht hat, die sich nun im Sonnenschein iiergaukeln, umtaumeln und umspielen, sich vereint auf Bluten setzen, sch trennen, sich wiederfinden und endlich für immer auseinandergehen. Aurelie wohnte in dem Hause, wo unten der junge Offizier saß. Er vißte es nicht. Es kam ein Mann mit einem Kasten vor sich, der Papier >i. kaufte, geschnittene Gänsekiele und Tinte. Der Offizier kaufte ihm einen Ligen Papier ab und Schreibzeug. Seit er ins Heer getreten töar-J>at^ n nicht mehr geschrieben; bei dem Lichte der kleinen Lampe, wahrend im Hintergründe Ptänner würfelten, am Nebentische einer eine lange Gelachte erzählte, bildete er ungefüge Schriftzeichen, durch welche er aus- i> icken wollte, was er fühlte. Er schrieb, er habe fünfzig Dukaten al L ute von einem gefangenen Obersten, diese fünfzig Dukaten seien s Mzes Geld; er lege sie ihr zu Füßen; er sei so traurig,.daß er weinen mchte, er schäme sich, daß er nicht mehr habe; aber er habe! nich mehr “l> die fünfzig Dukaten, die er ihr zu Fußen lege. Wie das gesißrie- in hatte, dachte er nach, denn er wollte ihr noch mehr schreiben, aber « wußte nicht, was er noch schreiben sollte; die Augen brannten ihm, cZ Herz stockte ihm. Die andern Leute gingen allmählich "ach Hause, 1(' Wirt trat zu seinem Tische und fing ein Gespräch an, in welchem er “Deutete, daß auch für ihn Zeit zum Gehen sei. Lange verstand er Ucht, was der Mann meinte, denn er hörte, wie man im Nebel fleht. Eidlich wurde ihm alles klar, er bezahlte feinen Wem, faltete fein ge- Dlle und verliebte sich in sie. Ein italienischer Offizier aus der Zeit um 1600 war kein eleganter (tiger Herr. Unser Held war schon mit zwölf Jahren, nachdem er zu fiuse vom Pfarrer notdürftig Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, zum her gekommen, hatte zuerst unter seinem Vater gedient und war bann iimählich itn fünsundzwanzigsten Jahre zum Hauptmann aufgerückt, bn milder Gesittung hatte er in seinen nun dreizehn Dienstjahren nichts nähren, und die Marketenderinnen und Soldatenfrauen waren die mzigen weiblichen Wesen, die er kennengelernt hatte. Ec ging aus der Vorstellung wie betrunken nach Hause. Sein Freund, Itit dem er zusammen wohnte, wunderte sich über sein Aussehen; der jtnge Mann erzählte begeistert und abgebrochen; nach einigen Sätzen piff der Freund und rief aus: „Ach so, verliebt!" Dem jungen Mann (träten die Tränen aus den Augen; er umarmte den Freund, fluchte ii d schwur, er wolle aus dem Fenster springen und sich unten auf dem s läster den Hals brechen; der Freund wunderte sich über die Heftigkeit |ener Leidenschaft und suchte ihm klarzumachen, wie Freunde in ihrer kiltbliitigke.it das so tun, daß er gar keinen Grund habe, sich aus dem Btnfier zu stürzen; wieder kamen dem andern die Tränen; er wußte tarn T« jjinfter zu stürzen; wieder kamen dem andern die Tränen; er wußte ier war, | licht, was er sagen, wie er die Unruhe seines Herzens ausdrücken sollte, i zu *' rin ör mnhf fpfh-pr pin mip fnrhprftch fpine Oßtücfcn tDQt. Vfall 'N- sind 'duktil :. MtripJ P wtinen, *. N geivjj, V WunJI Mm-II Uh nttäu[(tit 11 schon jt! o Mürz, 1 I r’9teife« |' es witi: n 6d)i[|lh “Berbern j ■ ^audjiu i 1 Iljielt, Ir 1 toieber'! müllen, • haben,. 'ich, dch! iele nach, lt Tagen I,] ' in bet. Filmteil Abreise mppatuf I hi mehi । )elt. „6s h°t." wäre ich irte, bah . haben.' । lit ihrer. Eeeraum , unent- sich ent- jfd; der i Seit del ! schrlebenes Blatt zusammen, steckte es kn feine Brustkasche tmfi gTrtg. ‘ 4 Er ging burch bie schweigenben Straßen Roms, ber Monb begtet» tete ihn. Bis zur Morgenbämmerung ging er. Dann öffneten sich die Türen ber Häuser, verschlafene Gesichter ber Dienstboten sahen heraus, Arbeitsleute mit eiligen Schritten waren auf ber Straße. Er ging zum Theater, es war noch niemand wach. Er wanderte wieder durch die Straßen, ging bann wieder zum Theater; da waren die Leute, welche auf der Bühne arbeiteten. Er fragte sie nach Mureliens Wohnung; sie antworteten ihm, und er dankte; dann ging er zu Aureliens Wohnung. Als er in ihr Zimmer trat, konnte er nicht sprechen. Er blieb am der Tür stehen, den Hut in der Hand; sie saß auf einem Stuhl und blickte ihn erstaunt an. Da faßte er sich Mut, nahm seinen Geldbeutel aus der Tasche und setzte ihn vor sie hin, zog den Bries vor, entfaltete ihn und gab ihn ihr in die Hand. Sie fah den jungen Offizier an, den Beutel, den Brief; bann las sie, würbe rot; er würbe rot unb schlug bie Augen nieber; sie lachte leise verlegen; er sagte: „Nun will ich gehen" unb nahm bie Klinke in bie Hanb. Aber sie ließ ihn nicht gehen, unb er blieb in ber Stube, er setzte sich an ben Tisch; mit stockender Stimme sprachen die beiden, unb er blieb lange Stunden bei ihr, Stunden, die wie Minuten waren; es schlug von der Turmuhr gegenüber; da war es Abend geworden, unb Aurelie mußte ins Theater gehen. Der Offizier ging allein bie Straße hinunter, ba tarnen ihm feine fünfzig Dukaten ins Gebächtnis. Der Oberst war ein tapferer Mann gewesen, dem er sie abgenommen; er hatte ihm einen Hieb quer über das Gesicht gezogen, baß ihn bas Blut blenbete; da erst ergab er sich. Nun waren die fünfzig Dukaten fort. Seufzend griff er in die Tasche, wo er den Beutel getragen hatte. Aber wie er die Hand zurückzog, hatte er den Beutel, seinen Beutel! Er zog ihn auf, faßte hinein, holte das Geld heraus und ließ es wieder zurückfallen: das waren feine Dukaten, und zwei große Kupferftücke waren noch dabei. Eilig ging er zurück; da traf er Aurelien, bie gerabe aus ber Tür trat. Er hielt ihr den Beutel hin. Sie lachte, nahm feinen Arm und zog ihn mit sich; bann sagte sie: „Du hast mir alles geschenkt, was du hattest, bas waren fünfzig Dukaten; ba war es nur natürlich, baß ich bir alles schenkte, was ich hatte, bas waren bie fünfzig Dukaten von bir unb außerbem zwei Solbi, die ich vorher besaß. Das war mein ganzes Geld." Er wollte etwas erwidern, sie befahl ihm lachend, er solle den Beutel einstecken; unb sie befahl es in solchem Ton, daß er gehorchte. Nun gingen sie eine Weile zusammen Arm in Arm. Dann sagte ber Offizier: „Ich kann bir ja nicht zumuten, mich zu heiraten, wie ich jetzt bin. Ader ich habe von meinem Vater einen alten Turm mit einigen Ackern Laub geerbt. Wenn bu willst, so heiraten wir und wohnen dort." Sie schüttelte den Kopf, und Tränen kamen ihr in die Augen. Dann zog sie ihren Arm aus dem (einigen, reichte ihm die Hand und sagte: „Wir wollen eine Erinnerung an diesen Tag behalten, denn mehr ist nicht möglich als dieser Tag. Und diese Erinnerung soll kein Leid und kein Vorwurf sein, sondern immer eine Freude. Deshalb dürfen wir uns nie wiedersehen." Bei diesen Worten waren sie an dem Hintertürchen angekommen, durch das die Schauspieler ins Theater gehen. Ehe er es sich versah, hatte sie die Tür hinter sich zugeschlagen, und er stand allein auf der Straße. Ein Arbeiter mit einem großen Korb stieß ihn an und sagte etwas Grobes; ba wachte er aus seinem Nachbenken auf und ging fort. Wolfram Brockmeier. Ein junger deutscher Dichter. Von Hanns Arens. Wolfram B r o ck m e i e r darf zu den wenigen wirklich wesentlichen jungen Lyrikern unserer Zeit gerechnet werden, die mehr als ein nur oberflächliches und gelegentliches Interesse beanspruchen dürfen. Es ift so viel künstlerische Reife unb intuitive Erkenntnis über rhythmische unb geistige Zusammengehörigkeit in seinen Gebichten, baß auch ber der Lyrik abgewandte Leser eine stärkere Stimme in ihm verspürt als bei den meisten andern Dichtern unserer Tage. Hier eine Probe: Gleichnis. Ich sitz am Tisch in einem Kreis aus Licht, Vorn Walde weht ein lebendiger Geruch Und Nacht, die mit Stimmen ber Tiere spricht. Ich aber schweige, es wächst ein Gesicht, Unb Nachtwinb flüstert mir freunblichen Spruch. So sitz ich unb sinne, da rührt es sich leis: Eine Spinne fällt, die den Faden gewirkt Vorn dunkeln Gebälk zum erleuchteten Kreis; Und die nächtliche Spinnerin seh ich und weiß: Wir alle streben in eigenem Gleis Aus Dunkel zum Ring, ben bie Flamme umzirkt. Dieses Gebicht bürste für ben Dichter mehr aussagen, als es Versuche, seine Verse kritisch zu roürbigen, vermöchten. 3n Brvckmeier, 1934 ausgezeichnet mit bem Dichterpreis der Stabt Leipzig, offenbart sich bie Begabung eines Lyrikers von ganz seltener Originalität, bie fest im rein Dichterischen gefügt ist. Brockmeier ist Lyriker in bes Wortes ureigenster und tiefster Bedeutung; feine lyrische Begabung ruht als Anlage in ihm. Schon seine beiden früheren Gedichtbände „Ewiges Deutschland" und „Sturm unb Beschwörung" ließen seine weit überburch- schnittliche formale unb bichterische Begabung erkennen. Gewiß, unb bas joll auch nicht verschwiegen werben, fanben sich in biesen ersten Büchern einige Verse, bie das Maß des Gewohnten nicht überragten; aber sie waren nicht eigentlich schwach unb belanglos als dichterische Gebilbe schlechthin, sie übermittelten nur nicht, gemessen an seinen ganz reifen Leistungen in ben genannten Biinben, bas absolute Gefühl der Not- wendlgkekt-, rs fehlt« eine Kleinigkeit. Ein letzter Klang, so daß wir ihnen die bedingungslose Anerkennung vorenthalten mußten, eine Anerkennung die wir seinem neuen Gedichtband, der soeben unter dem Titel „Einkehr und Wandlung" (Propyläen-Verlag) erschien, in vollem Maße geben. Die Besonderheit und Stärke der Brockmeierschen Verse scheint mir in der klaren, einfachen und bewußten geistigen Haltung des Dichters ihre wesentlichen Wurzeln zu haben. Die beträchtliche lyrische Begabung, gepaart mit der strengen, eigenwilligen rhythmischen Gesetzmäßigkeit der Form, die Brockmeier fast- virtuos beherrscht, verleiht allen seinen Gedichten die innere Ueberzeugungskraft, die vor allem bei der Lyrik notwendig ist. Denn wo könnte sich, wenn nicht vorzugsweise in der Lyrik, stärker das Wesen eines Menschen offenbaren? Den größeren Teil der vorliegenden Sammlung dürfen wir der landschaftlichen Lyrik zurechnen: es folgen dann die religiös-gedanklichen und metaphysischen Verse, in denen sich ein Geist durch die Ereignisse, Gestaltungen und Schicksale durchgekämpft hat. Wir haben es bei Brockmeier mit einem Lyriker zu tun, dessen Namen sich vor allem die Jugend merken sollte. Ihm ist das Gefühl für Form und Rhythmus, wie wir es schon im „Ewiges Deutschland" feststellten, eine Selbstverständlichkeit, Brockmeier liegt das Geheimnis des lyrischen Schaffensprozesses im Blut, ja, um es ganz einfach zu jagen: ihm ist das Wort heilig. Das Wissen um das zwingende Gesetz der Begrenzung im Gedicht, die latente Kraft des Gestaltens find in ihm so mächtig und von solcher unmittelbaren Ausdrucksgewalt, daß sie sich restlos dem Gefühl mitteilt und im Leser jene seltsame und seltene Resonanz findet, die einem augenblicklichen Erlebnis gleichkommt. Selten haben Gedichte von solch intimer Stimmung so nachhaltigen Eindruck hinterlassen wie die neuen von Brockmeier in „Einkehr und Wandlung". Und vielleicht liegt in dieser Intimität die suggestive Kraft aller Gedichte dieses Bandes. Gewiß, Lyrik ist Privatsache, um es etwas profan auszudrücken, und keine Dichtungsart ist so auf die Aufnahmefähigkeit und -Willigkeit des Lesers angewiesen, wie eben die der Lyrik. Für alle aber, deren Sinn für eine substanzhafte Lyrik aufgeschlossen ist, dürfte der junge Dichter Wolfram Brockmeier Anrecht und Gültigkeit besitzen. Glück und Ende der deutschen H^nse. Von Dr. I. Rudolf. Die „Hans e", der gewaltige Bund, der um die Wende des Mittelalters zur Neuzeit die Handelsstädte an der Slldküste der Ostsee und Nordsee und an den Ufern der deutschen Ströme bis weit ins Binnenland hinein einte, ist uns noch heut der Inbegriff von Kaufmannstüchtig- keit und -macht. Die deutschen Kaiser verzettelten zu jener Zeit ihre Kraft in Italien, die ordnende Zentralgewalt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war fast verschwunden, ein Territorialfürst stand gegen den anderen. Dennoch — ohne Unterstützung oder Rückhalt in einem kräftigen Heimatstaat —, errangen deutsche Handelsherren selbst in der Residenzstadt der englischen Könige bedeutsame Privilegien. Sie gründeten Schwesterstädte an den baltischen Küsten, errichteten ihre „Kontore", den „Stalhof" in London, die „deutsche Brücke" an dem heringsreichen Strand von Schonen, in Nowgorod an der Dünamündung den „Petershof", wie einen „Stapel" im flandrischen Brügge. Heute nennen wir nur noch drei „Hansestädte": Bremen, Hamburg und Lübeck, von einst 164 — und eine Hanse besteht nicht mehr. Wann und wie ist ihre Macht zerfallen? Es sind jetzt gerade 400 Jahre her, daß der Niedergang begann. War das hochpolitische Spiel um die Krone Dänemarks, das der lübifche Bürgermeister Jürgen Wullenweber begonnen hatte, für den Kaufmann zu gewagt gewesen? War es Uneinigkeit der Hansen? Brach sich die Kraft der deutschen Städte an dem erstarkten Nationalwillen der fremden Staaten? Von der Niederlage Lübecks am 11. Juni 1535 aus Fünen zu Land und am 16. Juni vor Helsingdorg zu Wasser hat sich die Hanse nie mehr erholen können. Die Hanse war keine feste Bereinigung, etwa wie der „rheinische" oder der „schwäbische" Städtebund. Ihre Geschlossenheit stammte aus dem Ausland. Dort standen sich die Kaufleute aus den verschiedenen deutschen Städten zunächst zwar ost in scharfer Konkurrenz gegenüber: die Lübecker z. B mußten sich noch 1226 an Kaiser Friedrich II. wenden, um sich in London neben den alteingeführten Kölnern und Kielern halten zu können. Aber gemeinsamer Kampf gegen die Seeräuber, gemeinsame Interessenvertretung gegenüber den fremden Landesherren, deren Bedrückung und Habgier, führten bald zur Einigkeit. Und diese Handelsund Kampfkameradschast übertrug sich dann auf die Mutterstädte, ebenso wie der Name „Hanse" zunächst die „Gemeinschaft" der deutschen Kaufleute z. B. in London bedeutete und erst später von dem ganzen Bund angenommmen wurde. Auch dann waren jedoch die einzelnen Bundesglieder nur aus große Richtlinien verpflichtet. Die jeweiligen Beschlüsse der „Tagsahrten" galten immer nur für die, die ihnen zugestimmt hatten, die übrigen Städte waren in ihren Entschließungen frei. Verging sich allerdings eine Stadt schwer gegen die Gesamtinteressen des Bundes, so konnte die Stadt ausgeschlossen werden: ihre Bürger hatten dann keinen Teil mehr an den hansischen Privilegien und Vorrechten des „Deutschen Kaufmanns" in den fremden Häsen. Wenige konnten, wie Bremen, mehrere Jahrzehnte außerhalb der Hanse bleiben, pochend auf Sonderabkommen mit fremden Fürsten. Meist kamen bald Gesandte der wider- fnenftigen Stadt wie z. B. 1374 von Braunschweig, nach Lübeck, die um Wiederaufnahme baten und gelobten, den vertriebenen Rat wieder in seine Rechte einzusetzen. Aber selbst die Kriegsfolge, auch gegen gemeinsamen Feind war nur moralische Vslickt und wurde nur von Fall zu Fall zugesagt. Die Hauptlast der Feldzüge trugen daher meist die an Lübeck angeschlossenen „wendischen" Städte. Dafür war aber auch Lübeck die unbestrittene Führerin der Hanse. Sie führte den Oberbefehl über die hansische Streitmacht. Sie berief und leitete die Tagsahrten. Und selbst die kommunale Ordnung, die sich in Lübeck, als einer besonders vom Kaiser ausgezeichneten „Freien Reichsstadt", gebildet hatte, wurde als „lübifches Recht- Vorbild für viele andere Gemeinwesen: ein nicht geringer kultureller Einfluß. Lübecks Macht war daher ein Gradmesser für die Macht der Hanse, Lübecks Niedergang freilich auch ein Symptom für den Verfall des Bundes. * Die Hanfe war groß geworden im Kampf gegen König Waldemar „Atterdag" von Dänemark, der Lübeck wieder — wie einst — unter dänische Schutzherrschast stellen wollte, der Wisby, die reiche Hansestadt auf Gotland, Überfiel und zerstörte. Während sie sonst ein feindliches Land nur vom Handel ausschlossen, boykottierten, hatten hier alle Hansestädte ihre Kriegskoggen entsandt und ungebeugt durch anfängliche Rückschläge Waldemar niedergezwungen. Er mußte 1370 den Hansen alle Rechte in seinem Lande zugestehen, ja sogar einwilligen, daß die Thronfolge in Dänemark nur noch mit Zustimmung der deutschen Städte erfolgen dürfe. Nun beherrschte die Hanse die Ostsee und namentlich Lübeck, das in der Mitte zwischen den fernsten Punkten hansischen Handels lag, war der gegebene Umschlagplatz für alle Waren zwischen London und Nowgorod. Eifersüchtig wachte die Hanse über diese Stellung. Jeder Engländer oder Niederländer, der durch den Sund fuhr, um direkt mit den Livländern oder Russen zu handeln, wurde als Schleichhändler betrachtet. Besondere Beschlüsse der „Tagsahrten" verboten holländischen „Jungen" das Russische bcizubrinaen, die Städte des Ostens mußten sich immer erneut verpflichten, nur hansische Schiffe im Hafen zu dulden, nur ihnen Winterquartier zu geben. Vor allem durften auch keine Schiffe an Leute verkauft werden, welche nicht das Bürgerrecht einer Hansestadt besaßen, und selbst Teilhaber an Schiffen durfte kein Fremder sein. * Vielfach mußten die Hansen zum Schwerte greifen, um den Sund für sich frei zu halten, um ihre Privilegien und Kontore zu sichern. Selbst die Gesamtherrschaft über Schonen erzwangen sie einmal für 15 Jahre zum Ausgleich für Schaden, den sie durch dänische Ränke erlitten hatten. Aber die Niederländer lernten auch die Seefahrt gen Osten, die Engländer gingen unter die Handelsnationen, die Preußen und Livländer fuhren selbst an Lübeck vorhei, um Wachs und Werg, Kupfer und Häute, Korn und Teer auf eigene Rechnung im Westen zu kaufen bzw. zu verkaufen. Christian II. von Dänemark, der 1513 den Thron bestieg, wollte sich das zu Nutze machen, um die hansische Macht zu brechen, die von den Schweden abgeschüttelte dänische Herrschaft wieder zu errichten und die skandinavische Union zu erneuen. Er errichtete in Kopenhagen einen eigenen „Stapel" und lud vor allem die Russen ein, dort, statt in Lübeck einzukausen. Außerdem begünstigte er die Konkurrenten der Hanse, die Holländer. Die Russen kamen, aher sie fuhren bald wieder ab, denn was Christian ihnen zu bieten hatte: Pferde, Schweine, Schafe, Flachs, Häute, hatten sie ja selbst. Für seinen Vorstoß wußten sich aber die Hansen zu rächen, indem sie die Schweden in ihrem Freiheitskamps unterstützten. Schon hatte Christian das ganze Land wieder erobert, den schwedischen Reichsverweser Sten Sture besiegt, den schwedischen Adel 1520 in dem furchtbaren Stockholmer Blutbad größtenteils hingeschlachtet. Aber G u st a v Wasa, verräterisch den Dänen in die Hände gespielt, konnte entfliehen, und von Lübeck aus zog er zur Befreiung Schwedens aus. Und an die lübifchen Ratsherren Bomhover und P l ö n n i e s übergaben die Dänen die Schlüssel Stockholms, als sie bie schwedische Hauptstadt nicht mehr gegen das Heer Gustav Wasas und die hansische Flotte halten konnten. In die deutschen Seestädte hatte inzwischen die Reformation viel Streitigkeiten gebracht und in Lübeck erhoben sich gar die Bürgerlichen gegen die, am alten Glauben hängende aristokratische Natsh^rr- schaft. Der Führer der Revolutionäre war aber der aus Hamburg gebürtige wortgewandte und weitblickende Kaufmann Jürgen Wullenweber. 1533 zum Bürgermeister gewählt, faßt er den Plan, die Schiedsrichterstellung der Hanse in den Nordischen Reichen durch einen gewaltigen Schlag neu zu begründen. Friedrich I. von Dänemark war gestorben, und die Dänen wünschten seinen Sohn als Christian III. zum König. Aber Wullenweber gedachte den gestürzten und im Kampf um seine Krone von den Dänen gefangenen Christian II. zu befreien und nach Kopenhagen zurückzuführen, gegen bas Versprechen, die hansischen Privilegien gegenüber den Holländern zu vertreten. Die Bürgermeister von Kopenhagen und Malmö hatten Wullenweber direkt botu aufgefordert. Dann sollte auch der wortbrüchige Schwedenkönig Lübecks Macht spüren: Wullenweber wollte Albrecht von Mecklenburg, ber Erbansprüche geltend machen konnte, auf den schwedischen Thron setzen. Für das lübische Landheer wurde als Helfer und Feldhauptmann Graf Christoph von Oldenburg gewonnen; daher heißt dieser Krieg in der Geschichte die „Grafensehde". Und Christoph versprach im Namen des noch zu befreienden Königs, alle Rechte der Hansen wieber- herzustellen, zog mit tausend Landsknechten gegen Jütland und eroberte die Halbinsel. Den König Christian zu befreien gelang ihm jedoch nicht. Dagegen rückte der inzwischen zum König gewählte Christian III. in Holstein ein und bedrängte Lübeck, das sich mit nur geringem Erfolg um Beistand an die Hansestädte gewandt hatte. Schließlich erlitten Lübecks Truppen im Juni 1535 eine vernichtende Niederlage. Wohl war es nicht die ganze Hanse, die hier eine Niederlage erlitt, sondern nur ihre Führerin Lübeck und deren Verbündete Rostock Wismar und Stralsund, wohl erhielt Lübeck einen glimpflichen Frieden. Aber daß die Hanse nicht zu Lübeck gestanden hatte, als es ein gewagtes Spiel trieb, um dem Gesamtbund die Privilegien und Handelsrechte in den nordischen Staaten zu sichern, zeigt, daß die Hanse den inneren Zusammenhalt der Blütezeit verloren hatte. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck undDerlag:Brühl'icheUntverfitäts-Duch- und Steindrucker ei, R. Lana e, Gießen- Nummer 3< Freitag, den 5. Mai Jahrgang 1935 _ .__ <■ » /w Auf vorsichtige Vorstellungen seiner Frau hin hatte er seit einigen K.Z* k t Monaten seine Tafelfreuden rationiert und einen Trainer genommen Hl , OL1K /U OG OL1 L der schon in aller Frühe an seinem Bett erschien und ihn nut systematischer t-**/ Gymnastik und harter Massage tyrannisierte. Diesem Trainer war es, trotz ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR passiven Widerstandes, gelungen, das Gewicht des Schauspielers auf einer ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR Red Green Yellow n würde. i Junge! Und bring dir ein Glas mit! 19 14 10 9 8 Z £ t7 s 9 L 8 6 l«' er an sich und seine Zukunft glaubte, so daß er das oft mühsam erkämpfte Geld mit beiden Händen nach allen Seiten hin ausstreute. rlicher, ängstlicher Unfug! dachte Thiele und fes, dröhnendes Lachen. Mit einem einzigen Wams auf, wobei ein paar Knöpfe im Bogen ne breiten Schultern im offenen Hemd und Schrank, den er öffnete. Das Siegesgefühl, des Vorhanges überfallen hatte, ergriff ihn ganz. Er gab sich ihm hin mit der ihm eige- te nicht im geringsten, daß er seinen ent- : den vierten und fünften Akt hinweg durch- 20 21 15 16 17 18 11 12 13 In einem silbergrauen, bis zu den Fußspitzen reichenden Abendkleid erschien Elisabeth Thiele und trat aus ihren Mann zu, beide Hand« aus- gestreckt, mit einem erregten, aufgeschlossenen Gesicht, wie er es in seiner dreijährigen Ehe nur von seltenen Augenblicken kannte. 2. Hau ab, mein Sohn!" ries Thiele dem Garderobier zu, und Weidner drückte sich scheu an der Frau vorbei aus der Tür. Thiele ging ihr entgegen und nahm sie in seine Arme. Sie küßte ihn mehrmals aus den Mund, ohne daran zu denken, daß die Schminke über seinem Gesicht auf ihrer zarten, hellen Haut Flecke hinterließ. Sie war ebenso groß wie er. Ihr blonder Scheitel schimmerte rötlich neben dem stumpfen Gelb seiner Perücke. Ihre Gestalt auf den langen Beinen und enq umschlossen von der silbergrauen Seide, aus der das blühende Weiß ihrer Haut über der Brust und bis tief in den Rücken chinab leuchtete, wirkte neben ihm schlank und'fast mädchenhaft. Erst, als sie sich aus seiner Umarmung löste und ein paar Schritte zurücktrat, wirkte ihre Erscheinung so, wie sie wirklich war: Ende der Zwanzig, fraulich und voll erbtUff5 war schön ... dein Bestes ... Ganz so, wie du es dir gedacht hast'!" sagt- sie, und ein glückliches Lächeln löste alle Erregung aus ihrem Gesicht. .mphitheatralisch emporsteigende Zuschauerraum des neueröffneten Deutschen Volkstheaters leerte sich, und Ludwig Thiele ging mit schweren, klirrenden Schritten in seine Garderobe, deren Tur er hinter sich abschloß. Der Garderobier, ein sechzigjähriges dürres Männchen mit einem spitzen Voqelgesicht und einer dünnen, verschüchterten Stimme, nahm ihn in (Empfang und nestelte mit eifrigen Fingern an den Riemen des Panzers. Sie losten sich, und Ludwig Thiele stand im zerknitterten Lederwams vor dem hohen, von drei Seiten beleuchteten Spiegel neben dem Schmlnk- Grey 2 Grey 3 Grey 4 urden itenrjj iren GA h die W Karis N feftplch ’f bürg W jnenw* .aftofa* roßen * im 6*“* SchnvE en. W .eiwilliS«'' ,en bei «J mit die es nun * iei WL w* w r eine volle, bauchige Flasche, füllte ein Glas s mit einem Zug. Flasche und Glas in den lieqel zurück und rief dem Garderobier zu: 0 cm 1 2 3 4 5 6 bet' "d den J ' feie bei r sagte, ei et"gen bei .verübenu: en Finge, En Dfjren, J nun ein! Lache« n°hl>ch de« !e,ne Seite sand abe, nun d°q Zahn nach schiuchzendi n. komm!' ihn unk! eine Stillt arls Bette »das gib) jeher kann Nachdenken ig die neue :r auch eir ghirt, nei d den Le Nachdenk neue Ze pfc betri s über!a|| können, d feien! 3 nstgemäße jme ich fr, nb lade di en wir z id gründe, )em Echeji tze und d« und über er, daß wit einheit! ft t corroätis, 15 sali iljnc ist aufgeW und gib * Beding«! )[en Prahle | oer|d)iingtl ße ich » Hochzeit ii haar und unter der dicken Schminkschicht die' scharfen Falten die sein Gesicht in breite Flächen zerlegten. Er sah d.e Ansage der länglichen Wulste unter seinen blauen, noch immer halbgeschlossenen Augen, ob gleich sie jetzt hinter geschickt gezogenen Farbstrichen verborgen roaren, und ebenso iene fleischige Falte hinter dem Bart, für die er sich> die Bezeichnung „Doppelkinn" bisher verbeten hatte. Obgleich er'das Lederwams noch nicht geöffnet hatte, erkannte er deutlich darunter die Limen seines muskulösen, stämmigen Körpers, und die erschienen ihm in diesemAugenblick viel massiger, unförmiger, als sie in Wirklichkeit waren. Auch spurte er stärker den Druck des breiten Maßgurtels von den Hüften ^wurts bis zum Ansatz der Beine, die im Verhältnis zu den übrigen Gliedmaßen etwas zu kurz und zu schwach erschienen. In der letzten Zeit war dieser kraft- und saftvolle Körper zum Gegen- stand der Besorgnis geworden, nicht so sehr sÄner eigenen wie i Freunde. Thiele hatte di« Fllnfunddreißig überschritten und durfte sich nicht länger verhehlen, daß in der Zunahme seines Gewichts trotz seiner stattlichen Größe eine Gefahr lag. Eine Gefahr, über die er bisher mit seinem starken, selbstsicheren Lachen hinweggesehen hatte. Er liebt« es gut zu essen und viel zu trinken. Eine volle üppigeZ-asel, mit e g Freunden und ein paar hübschen Frauen besetzt, gehörte ZU seinem Leben wie fein tiefes, dröhnendes Lachen, wie [ein breiter. Mietender (Sag. des ehemaligen Matrosen — und wie die unbeirrbare Sicherheit, mit d Sius White Magenta Black Glas und Wams. Thiele schenkte ihm ein. , , ■ ist das. Den trinkt man, ohne abzusetzen. — So mein Junge! — Unfug ist das alles. Abgenommen t)ab* ich in diesen drei Monaten, mindestens sechs bis acht Kilo. Das wirst du mir zugeben. Alle müssen mir das zugeben. Aber das wichtigste ist, daß das im Grunde vollkommen gleichgültig ist — nach dem heutigen Abend! Toi, toi, toter ist noch nicht ganz zu Ende. Trotzdem ist das vollkommen gleichgültig. Meinst du nicht auch, Weidner?" Sicher Herr Thiele", murmelte der Garderobier, während er ihm in das neue Wams half. „Es schließt ganz leicht von oben bis unten. Und das mit dem Wein, Herr Thiele ... Wir tun vielleicht „bester daran, wenn wir ihn wegstellen heute ... Die Frau Gemahlin ... .Haben wir nicht mehr nötig, alter Junge! Wir waren noch nie ängstlich, weder wir noch die Frau Gemahlin. — Wetten wir, daß sie lacht, wie ich darüber lache! — Dein Wohl, alter Junge! Es war das dritte Glas, das er leerte. Ein Klopfen an der Tür. „Wer da?" rief Thiele mit voller, klarer Stimme. Ich wollte dir nur die Hand drücken, Ludwig", antwortete der heisere Bariton des Direktors und Regisseurs Steinten. „Außerdem ... „Kannst du auch eine Stunde später! Du kommst doch mit zu mir hinaus?" unterbrach ibn Ibiele. — । ' —— bestimmten Höhe zu erhalten. Colour & Grey Control Chart SietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Usch. .. „Laß niemand herein, Weidner! Nur meine Frau — wenn sie kommt!" sagte Thiele, ohne den Blick vom. SpiegelI 3u nefjmen. Seme Stimme klang rauh, aber beherrscht, mit einem leisen fremben Unterton, fo daß Weidner besorgt zu ihm hinübersah, wahrend er den Harnisch in eine Ecke stellte und ein neues Wams berettlegte. ‘qhre Szene mit Serie war großartig. Haben Sie bemerkt, wie alle hinter den Kulissen die Hälse nach Ihnen reckten?" fragte Weidner, der wußte, daß Thiele das Urteil der Bühnenarbeiter oft wichtiger war a s das der Kritiker und des Berliner Premierenpublikums, und der aus der ungewohnten Haltung des Schauspielers den Schluß zog, daß er ihm etwa« Gutes laaen mühte. Cyan Grey 1 22 2 l