GiehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1955 Montag, -en 50. Dezember Nummer 102 Lars der Gerechte Roman von Wilhelm Scharrelmann 10. Fortsetzung. Es ist so wunderbar für Lars, Sorte zuzuhören. So klar, wie sie alles sieht. Also war es doch richtig, daß er mit ihr sprach und ihr sein Herz ausschüttete! Ja, hätte er es doch nur vor Wochen schon getan, vielleicht, daß er dann heute schon über vieles hinaus wäre! Denn Schweres steht ihm noch bevor, das ist gewiß. Aber was sein muß, muß sein. Das ist nicht anders, und er sieht doch nun in Gottes Namen mit allem werden, wie es will! Nur weiß er nicht, wie er die Dinge anpacken und zunächst die Erben der Ermordeten ausfindig machen soll. Fremde Hilfe kann er dabei ja nicht in Anspruch nehmen. Ob er zunächst mal in dem Hause, in dem der Mord geschehen ist, nachzufragen versucht? Vielleicht, daß er so einen Anhalt bekommt? Leise bespricht er es mit Sorte. „Natürlich wird es nicht leicht für dich sein, das Haus zu betreten", flüsterte sie. „Aber du brauchst ja nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, nicht wahr, und wenn jemand nur auf dem richtigen Wege ist, kommt er zuletzt auch zurecht." „Aber wenn nun überhaupt keine Erben da find?" fragte Lars. „Sos glaube ich nicht", antwortete Sorte. „Sagtest du nicht, daß es amerikanisches Geld war, das Krick der alten Frau raubte? Sa wird sie doch Verwandte drüben haben." Nun, Sorte hat recht, das sind ja alles Singe, die sich schon Herausstellen werden. Es hat keinen Zweck, darüber nachzudenken. Voll Ungeduld steht er auf. Ja, wohin hat sie denn bloß sein Jackett gehängt? Er kann einfach den dummen Knipser nicht finden. „Aber so warte doch noch! Es ist doch noch Nacht!" redet Sorte ihm zu. „Du kannst hier jetzt doch überhaupt nicht aus dem Hause!" „Ho, das wäre doch gelacht!" entrüstet sich Lars. „Hast du denn keinen Schlüssel?" „Nein, was du wohl glaubst! Du könntest höchstens durch den Torweg beim Hause ... Aber da ist vorher noch die Tür im Flur, weißt du, durch die man in den Hof hinauskommt, und die ist nachts erst recht immer verschlossen. Nein, warte lieber noch, du kannst doch so früh am Tage auch noch nichts beginnen!" Aber Lars ist nicht mehr länger zu halten. „Also raus muß ich", erklärt er mit Nachdruck, „und wenn ich aus dem Fenster springen muß!" Das bringt Sorte auf einen Einfall. Gut, wenn er denn durchaus nicht anders will und von ihrem Kammerfenster hinaus in den Hof hinabklettert, braucht er nicht erst über den Flur draußen und könnte bann gleich durch den Torweg auf die Straße kommen. Sie Pforte dort wird immer nur mit einem Riegel von innen verschlossen ... „Aber du mußt leife fein", erklärt sie, „damit dich niemand hört. Und mußt auch aufpaffen, daß du dich nicht stößt, wenn du an dem kleinen Handwagen vorbeikommst, der nachts im Torweg steht." , Nun, nun, bas ist alles für Lars nichts von Belang. Er ist doch nicht auf den Kops gefallen? Was Sorte nur von ihm denkt? Nein, sie soll nicht mitgehen etwa, widerspricht er, als sie auf- steht und ihr Kleid überstreifen will. Er findet schon hinaus, bas ist boch kein Kunststück. Nicht mal ein Streichholz wirb er brauchen. Er hat boch Katzenaugen. Ob sie bas nicht weiß? Herzklopsenb bleibt Sorte zurück, als er sich aus bem Fenster schwingt unb leise an ber Mauer in ben Schnee hinuntergleitet. „Es schneit noch immer etwas", flüstert er, als er unten steht, „ba sieht man morgen früh meine Fußtritte nicht mehr im Schnee. So, ba ist ber Torweg ja, und wenn er nur langsam macht, wirb er schon zurechtkommen Hoffentlich sitzt ber Riegel nicht so fest, bah es ein Geräusch gibt, wenn er ihn zurückzieht? Aber er atmet boch auf, als er bie Straße erreicht hat unb nun leise bie Pforte hinter sich roieber in bie Klinke ziehen kann. Nach einer halben Stunbe hört bas Schneien auf, unb em schneidend kalter Wind empfängt Lars, nun er bie Stabt hinter sich hat unb aus bem Lichtschein ber letzten Straßenlaternen in bas mächtige -Ountei ber Lanbschaft taucht. Aber es geht sich besser, als bei bem Tauwetter am Tage vorher, unb sternklar wirb es jetzt auch, so baß er ben Weg gut verfolgen kann. ... Er geht rasch, und die Bewegung tut ihm wohl. Eile braucht er aber ja eigentlich nicht zu haben, muß er denken, denn es war noch nicht einmal fünf Uhr, als er von Sorte roeggtng, und vor acht wird es kaum richtig Tag jetzt. Immerhin, er hat ja auch noch ein gutes Ende vor sich, unb er ist nun mal nicht ber Mann, etwas hinaus- zufchieben, bas getan werben muß. Im Weitergehen versucht er, sich bie Gelegenheit roieber vorzu- stellen, wie sie ihm in ber Erinnerung geblieben ist. Nicht, daß er Sorge hat, das Haus nicht wiederzuerkennen. Es liegen ja nun die Jahre dazwischen, gewiß, aber hat er nicht damals lange genug davor gestanden, als er auf Krick wartete? Sa wird er das Haus schon finden. Der Schnee wird ja am Ende alles ein wenig anders erscheinen lassen, aber schwierig wird es trotzdem nicht sein, und vielleicht ist es sogar gut, wenn er hinkommt, solange es noch dunkel ist? Er hat ja alles nur bei Nacht gesehen, unb ba bringt ihn bas Tageslicht vielleicht eher burch- hin? Immerhin, er hat ja einen Anhalt: War nicht ein Laben im Hause unb ein Schilb am Eingang? „Abeline Grimm, Kolonialwaren"? Krick hatte ben Namen noch ausbrücklich roieber erwähnt, er selber hätte ihn sonst wohl lange vergessen. Wenn er jetzt hinkommt, roirb er einfach hineingehen unb eine Kleinigkeit verlangen — ein Päckchen Tabak vielleicht, es ist ja gleich. Darüber roirb er bann schon ins Gespräch kommen, nein, keine Sorge. Sie Nacht ist still unb einsam, unb es ist so beruhigenb, unter Gottes Sternen bahinzugehen unb eine kleine glimmenbe Hoffnung in sich zu tragen, baß er nun vielleicht ein Stück von bem Unrecht, bas bamals geschehen ist, roieber gutmachen kann. Vorsichtig roirb er ja sein müssen, bas ist selbstverständlich, aber weiter will er sich keine Gedanken machen. Wozu auch? Cs ist zwecklos, unb er wirb ja sehen. Als er in bie Gegenb kommt, wo er bas Haus vermutet, ist er überrascht, alles boch ein wenig anders zu finben, als es ihm in ber Erinnerung geblieben ist. Der Graben neben bem Hause ist ba, aber er liegt an ber entgegengesetzten Seite, unb bas Haus selber erscheint ihm kleiner als bamals. Aber bas Schilb über ber Labentür beseitigt (eben Zweifel. Es ist schon hell genug, um es lesen zu können, unb es gibt ihm einen Stich burchs Herz, als er ben Namen barauf erblickt. Hastig geht er vorüber. Es ist wohl noch zu früh am Tage, jetzt schon hineinzugehen? Vielleicht wartet er noch ein wenig unb geht erst in ein Gasthaus unb ruht sich ein wenig aus. Als er sich enblich umgurft, zeigt ihm ein einziger Blick, wie sehr Krick bamals bie Gelegenheit entgegengekommen ist Denn selbst wenn er bamals Wiberstanb gefunben hätte — bas nächste Haus ist so weit entfernt, baß niemand bie alte Frau hätte hören können, wenn sie vielleicht um Hilfe geschrien hätte. Ein Schauer burchrinnt ihn, nun er sich von neuem vorstellt, wie es gewesen ist. Krick hat es ihm ja genügenb angebeutet. Er selber hat bamals auf ber anberen Seite ber Straße geftanben unb sich bort an eine ber ßinben gelehnt, so hunbemübe unb elend wie ihm nach ber Lauferei gewesen 'roar, bie sie an bem Tage hinter sich hatten. Dazu hatte ihn ber Regen verdrossen, unb bas burchweichte Schuhwerk an den Füßen war auch kein Spaß gewesen, unb er hatte nicht wenig geflucht, baß Krick ihn so lange ba braußen stehen ließ. Zum Dank bafür hatte er ihn bann hinterher noch angeschnauzt. Mach, baß wir weiter kommen, hatte er herausgestoßen, roütenb unb bissig, unb Lars hatte sich im stillen gebucht, baß es wohl nur ein unnützer Aufenthalt da brinnen für ihn gewesen war. Einen wahren Geschwinbemarsch hatte er angeschlagen, so baß er kaum hatte mittommen können ... Wenn er setzt boch nur ball) ein Gasthaus fänbe, ein so lächerliches Schwächegefühl wie ihn roieber überfällt. Es sitzt in ben Knien unb kann ben stärksten Mann elenb machen. Vielleicht, wenn er etwas genießt, baß es bann besser roirb. r . Endlich! Da drüben scheint so etwas wie ein Ausspann zu sein. Eine hölzerne Pferbekrippe steht an ber Straße, unb richtig, ist ba nicht auch ein Wirtshausschilä am Hause? In ber Gaststube hockt er sich verschlossen unb mit hochgezogenen Schultern auf eine Bank unb bestellt sich ein Brot unb einen Schnaps. Vor ben niebrigen Fenstern beginnt jetzt ber Schnee auf ben Baumen in ber ausaehenben Sonne zu erglühen. Lars sieht es nicht. Er starrt vor sich auf ben Tisch unb ist froh, baß ber Wirt ihn nach wenigen Worten ungeschoren läßt, weil im Hause gerabe Schlachttag ist. Als er aufsteht unb ben Weg von vorhin roieber zurückgeht, suhlt er sich roieber ganz frisch. Oho, er roirb schon seinen Mann stehen, ba ist ihm nicht bange, unb bas bumme Herzklopfen, bas ihn überfällt, als er roieber vor bem Hause steht unb sich ben Schnee von ben Füßen tritt, roirb sich schon roieber legen. Der Laben ist klein unb unorbentlich. Es riecht nach Petroleum und Seife unb bie Eßwaren auf bem Labentisch warten hier wohl langer auf Käufer, als ihnen gut fein mag. Trotz bes rasselnben Gebimmels das bie Türglocke hören läßt, bleibt alles im Haufe still, und Lars hat Zeit sich umzusehen. Ihm gegenüber an ber linken Seite führt eine kommt. (Fortsetzung folgt.) auch", antwortete die Frau überrascht. Lars, und ein Wirbel geht durch seine Tochter dient dort nämlich auch wenn sie den kennt? „Aber da ist ja mein Junge „Er ist da Hausdiener." rechnen muffen, zumal sie es Immer so auf der Brust hatte ... Alfa, der Krüllschnitt soll es sein, nicht wahr? Lars hat Mühe, daß er das Geld zum Bezahlen aus der Tasche kriegt. Richtig, da rollen ihm ein paar Zehnpfennigstücke aus der Hand. Nein, keine Sorge, ins Wasser können sie hier ,a mcht fallen Da bei der Mehltonne liegt schon das eine, und das andere wird sich auch wiedersinden. Ach, guck an, zwischen die beiden Margarinekubel lst es gerollt ... Ja, sünfundvierzig Pfennig waren es wohl, nicht wahr? Danke schön, ja. Ob er vielleicht mal, wenn er bei Gelegenheit wieder in die Stadt kommt und in den Hamburger Hos geht und seine Tochter besucht, ihrem Martin einen Gruß von seiner Mutter sagen will? Ja das will Lars wohl tun. Er meint ja auch, daß er Martin schon einmal gesehen hat. Sonst braucht er ja nur Borte nach ihm zu fragen. Ach Sorte heißt seine Tochter? Nein, warum er es denn nur so eilig hat daß er schon weiter will, und ob er vielleicht schon bald wieder in die Stadt kommt. Denn dann könnte sie ihm vielleicht ein kleines Paket für ihren Martin mitgeben? Nein, er solle keine Muhe davon haben, aber wenn er es mithaben will, braucht sie es nicht auf die Post zu geben Es soll auch nicht lange dauern mit dem Einpacken, wenn er nur noch ein paar Minuten warten will... Nein, nicht hier im Laden, — so kalt wie es heute morgen ist. Da soll er doch eben hereinkommen und sich solange drinnen niedersetzen... Lars will es die Luft wegnehmen, als sie ihn letzt durch die Tur in das kleine Zimmer nötigt, das an den Laden stößt. Ob er sich nicht lieber ins Sofa setzen will. Er soll es sich doch gemuri sich machen. Er muß nur darüber wegsehen, daß sie das Zimmer noch nicht aufgeräumt hat, nicht wahr? Es ist heute morgen so viel im Keller zu tun gewesen, daß sie noch nicht dazu gekommen ist, in der Stube ein wenig Ordnung zu machen. Hier ist es also geschehen, denkt Lars, der allem geblieben ist, und alles ist wohl noch so, wie es damals war. Vielleicht, daß es aud) noch dasselbe Kissen ist, das da in der Sofaecke lehnt, mit dem Krick damals der Alten den Mund zupreßte und sie mitleidlos erstickte? Er wagt kaum zu atmen in der schweigenden Stille bes kleinen Zimmers, in der ihm nur sein eigener Herzschlag in die Ohren dröhnt. Ist das vielleicht ein Bild von Ihrer verstorbenen Mutter, das da über dem Sofa hängt?" fragt er heiser, als Frau Lohmann wieder herein- irgend geht, kommt er und besucht sie. Sieh doch an, da ist sie ja in einer ähnlichen Lage wie er? Seine ~ ' '' in einem Hotel. Im Hamburger Hos, herumläuft... Seine Stimme ist ein wenig unsicher, als er fragt: „Aber da müßte ich ihn ja eigentlich kennen. Heißt er vielleicht Marttn?" Ja, gewiß, Martin Lohmann. Der Vorname ist eigentlich fremd in der Familie. Aber sie ist ja damals schon Witwe gewesen, als er geboren wurde, und da hat der Pastor ihr den Namen ausgesucht. Ihr Mann ist ja schon gleich im Anfang des Krieges gefallen, und sie hat damals außer ihrer Mutter nur noch eine Schwester drüben in Amerika gehabt. Aber die ist im vorigen Jahre auch gestorben. Gerade zu Weihnachten hat sie die Nachricht bekommen. Cs ist gut, daß sie so gesprächig ist und Lars die Worte abnimmt und er ein wenig Zeit gewinnt und erst wieder ein. wenig ruhiger werden kann, denn sein Herz geht wie ein Hammer.. Ja, das sind schwere Tage damals für sie gewesen, als Martin geboren wurde. Aber sie hat es noch gut gehabt, daß sie das Kind hier im Hause hat unterbringen können. Sie selber hat ja wieder in Dienst gehen müssen, und erst als ihre Mutter plötzlich starb, hat sie das Haus und den kleinen Laden übernommen. Trotzdem hat sie ihren Sohn aber nicht bei sich behalten können, als er aus der Schule gewesen ist. Er hat es selber auch nicht wollen. Darum hat sie ihn in der Stadt zu einem Tapezierer in die Lehre gegeben. Aber hinterher ist er dann arbeitslos geworden und froh gewesen, als er zuletzt im Hamburger Hof untergekommen ist ... Dörtes Schatz! Nein, daran ist gar nicht mehr zu zweifeln. Lars muß sich zusammennehmen und wenigstens ein paar Worte sagen, damit er ein wenig Zeit gewinnt. Es ist ihr sicher nahegegangen, als sie ihre Mutter damals so plötzlich verloren hat, wie? Oh, das kann er sich wohl denken, nicht wahr? Aber ihre Mutter war ja die Jüngste nicht mehr, und darum hat sie zuletzt ja damit Das Jahr. Von Conrad Ferdinand Meyer. Nicht vom letzten Schlittengleise Bis zum neuen Flockentraum Zähl ich auf der Lebensreise Den erfüllten Iahresraum. Nicht vom ersten frischen Singen, Das im Wald geboren ist, Bis die Zweige wieder klingen, Dauert mir die Jahresfrist. Von der Kelter nicht zur Kelter Dreht sich mir des Jahres Schwung, Nein, in Flammen werd ich älter Und in Flammen wieder jung. Von dem ersten Blitze Heuer, Der aus dunkler Wolke sprang, Bis zum neuen Himmelsfeuer Rechn' ich meinen Jahresgang. Oie letzte Nacht. * Von CLcile ßauber. In dieser schaudervollen letzten Nacht des Jahres, darin die Zeit zerbricht — darin die ruhlos weiter rollende Zeit einen Sprung bekommt, weit genug, daß eine Seele sich in ihm verlieren kann. — In der geheimnisvollen letzten Jahresnacht, darin die Glocken, wach geworden^ zu rufen und zu rufen anfangen, mit Stimmen, die ledern etwas anderes zuflüstern, in denen die Vergangenheit machtvoll dröhnt und die Zukunft unverständlich flüstert — Nacht, darin der Wind geht, kalt und rauh, als käme er aus unendlichen Ländern, und die Sterne herzlos funkeln wie Nägel, in die Haut des Himmels getrieben. — Greisen die Hände ineinander. „ . „Wo bist du? — Ich suche dich. Laß mich nicht allem! Oh, laß mich nicht allein!" . . . . Einzig die Seele, die zurück will in ihre Ewigkeit, sondert sich ab. ♦ Jahr um Jahr, am letzten Abend fand sich unsere große, kinderreiche Familie zusammen. Die Brüder tarnen von weither gereift; tue großen Schwestern brachten ihre Männer und Kinder mit. Und ganz unten am langen Tisch saß Großmutter, die schon Urgroßmutter war, den Stock mit der Gummikappe neben sich gestellt, und lächelte aus ihren wunderschönen blauen Augen und sagte mit leiser Wehmut: „Dies Jahr, Ihr werdet ’s ja sehen, es ist zum letztenmal." Aber solange sie nur aufrecht unter uns sitzen blieb, hatte es mit dem Sterben keine Eile. Dann tarn sie heran, die schicksalhafte Mitternachtstunde, und aus dem Herzen stieg immer derselbe brennende Wunsch, dem eine magische Kraji innewohnt: „Hausdiener?" durchzuckt es Gedanken. Nein, denkt er, das ist doch wohl nicht gut möglich, daß es Dörtes Schatz wäre? Aber bann fällt ihm ein, daß sich Sorte mit keinem Wort darüber ausgelassen hat und er nicht einmal sicher ist, ob es wirklich der Hausdiener war, mit dem sie sprach. Es ist wohl auch nicht anzunehmen. Gott mag wissen, was in so einem Hotel alles an Personal Tür kn ein anstoßendes Zimmer, in die ein ovales Fenster geschnitten I ift das man von innen mit einer Gardine verhängt hat. ' Da drinnen ist es damals wohl geschehen? Lars starrt wie gebannt auf diese Tür, schrickt aber zusammen, als plötzlich hinter ihm die Luke zum Kellereingang emporgehoben wird und der Kopf einer Frau daraus emportaucht. ... . Lars fordert ein Päckchen Tabak, und die Frau trocknet ihre Hande an der Sackschürze, die sie trägt, kramt eine Weile unter dem Ladentisch herum und legt ihm bann einige Sorten vor Das hier ist ein guter Shag, ber gern gekauft wirb. Der Tabak soll boch wohl für kurze Pfeife sein? Ja, Krüllschnitt hat sie auch, wenn er ben vielleicht lieber nimmt? f . .... Verwirrt besieht sich Lars bie Ware. Es tft boch schwieriger für ihn, eine Unterhaltung in Gang zu bringen, als er sich gebucht hat. Nein, mehr Auswahl hat sie nicht, bas tut ihr ,a nun leib. Aber er soll ben Krüll nur ruhig nehmen, bas tft ein guter Tabak, und sie weiß, baß er ihm gefallen wirb... Sie hat bas Geschäft wohl noch mcht sehr lange? ertunbigt sich Lars nun. Denn, meint er, als er früher mal vorbeigekommen ist, ist boch eine alte Frau hier im Laben gewesen, nicht wahr? Ach bas muß aber bann wohl schon sehr lange her fein? Gewiß, vor Jahren hat ihre Mutter ben Laben hier gehabt. Aber so ist bas, bie Zeit geht hin, nicht wahr? Die Frau ist eine Fünfzigerin etwa unb macht einen vergrämten unb müben Einbruck. Aber bas liegt wohl auch mit an bem schwarzen Kopftuch, bas sie trägt unb sie älter erscheinen läßt, als sie wohl ist. Woher er denn schon kommt, so früh am Morgen? Er ist wohl nicht aus ber Gegend hier? Nein, bas ist er nicht. Er ist über Laub gegangen, um einen Besuch zu machen, unb nun ist ihm unterwegs ber Tabak ausgegangen, unb ba hat er bas Schilb am Hause gelesen unb ist hereingekomrnen. Oh, bas ist jo freundlich von ihm, benn viel verdient wird hier im Hause ja nicht, das kann er wohl denken. Aber als ihre Mutter starb, hat sie den Laden boch behalten. „Es ist wohl nicht viel Lanb beim Hause?" fragt Lars, ber sich freut, ins Reben gekommen zu sein. Nein, bas lohnt nicht. Es ist eigentlich nur ber Garten hinter bem Hause. Dann ist noch eine Wiese ba, so baß sie etwas Heu im Sommer machen kann für ihre Ziege. Nun, man muß zufrieben (ein, nicht wahr? Etwas bringt ja ber Laben boch ein, unb bann ist es auch nicht so einsam, nun sie ganz allein steht. So kommen boch immer noch mal Leute zu ihr unb sie hört bies unb bas. „Das ist richtig", nickt Lars, aber ob sie nicht zuweilen doch die Furcht kriegt in ben langen büfteren Nächten jetzt? • Oh, was bas betrifft, nein, es ist nicht so schlimm bamit. Es ist ja auch noch nie etwas geschehen etwa. Nur einmal, bei bem Tobe ihrer Mutter, hat mal Gelb im Hause gefehlt. Ja, aber sie kann nicht mal sagen, wieviel bas gewesen ist. Sie weiß nur, bah bie alte Frau etwas gespart hatte von bem, was sie bamals alle Monate aus Amerika gekriegt hat. Nun, bas sinb alte Geschichten, unb vielleicht hat ihre Mutter bas Gelb ja auch verbraucht, wie gesagt. Ganz sicher ist sie sich ba nicht. Da steht sie nach bem Tobe ber alten Frau nun wohl ganz allein? Nein, ste hat einen Sohn, jawohl, aber er ist in ber Stadt. Er dient da in einem Hotel. Selten, daß er mal Zeit hat, aber wenn es nur „Daß uns das nächste Jahr wieder beisammen finden möget" Neben Großmutter sah ich, das jüngste Kind; an meiner Seite mein unglückliches Schwesterlein, das immer mit einem Pech sich aus aller Freude stieß. Einmal — sie war noch klein — hatte ihr das Christkindchen eine große Puppe mit gelbem Haar gebracht. Jedoch, die Puppe zerschlug noch am selben Abend; ähnlich erging's später ihrem Tintentöpfchen aus bemalter Fayence. Mein Schwesterlein hatte sich eine gelbe Mappe gewünscht, und als die Mappe kam, war sie schwarz. Unmöglich, die Tränen zurückzuhalten. Mutter war ärgerlich, und Schwesterlein bekam Schelte. Am daraussolgenden Weihnachtsfest wollte Schwesterchen recht bescheiden sein und ihre eigenen Sachen nicht eher betrachten, als bis sie die Geschenke der andern bewundert hatte. Und da kamen denn alle die Kinder mit ihren Dingen jubelnd zur Mutter gelaufen; und sie allein blieb stumm. Man wandte sich an sie und fragte befremdet: „Wo bleibt denn nun Lucie? — Warum sagt sie nichts? — Ach soI — Die Gaben sind ihr wohl nicht einmal des Beschauens wert!" Und Lucie konnte nun nicht mehr danken und weinte in einem Winkel. * Man fragte nicht lange, es war selbstverständlich, daß Lucie einsprang an jenem regnerisch-häßlichen Jahresabend, wo der kleine Knabe meiner Schwester im Fieber lag, und sie selber nur weg wollte, wenn eins von uns jüngeren ihre Stelle vertrat. Es war ausgemacht, daß Lucie vor Mitternacht durch das Dienstmädchen abgelöst werden sollte; aber das Dienstmädchen versäumte sich, und mein Schwesterchen war nicht zurück, als die Glocken wachgeworden, zu rufen und zu rufen ansingen, mit Stimmen, die jedem etwas anderes zuflüstern. Sie war nicht unter uns — war draußen bei dem Kind geblieben, in dem dunklen Hause, in dem kalten, unfreundlichen Haufe. Festgehalten von der überheißen, kleinen Hand, die an ihr hing, wie ein Gewicht. Der Knabe entglitt in die Spalte der Ewigkeit, die sich öffnet um Mitternacht — und zog mein Schwesterlein bald nach sich. Und wir saßen, ärmer geworden, am langen Tisch. Großmutter, in ihrem neunzigsten Jahr, wurde im Stuhl heran- gestoßen und sagte, aus ihren schönen Augen lächelnd: „Warum nicht ich? — Hat der liebe Gott mich denn vergessen? — Aber dies Jahr, Ihr werdet's ja sehn, ist es das letztemal. Jedoch, so lange sie nur aufrecht unter uns sitzen blieb bis Mitternacht — Die Glocken läuteten, wir hoben die Gläser: „Daß das nächste Jahr uns wieder beisammenfinden möge!" Ja, siehe — Großmütterchen war müde geworden und in ihrem hohen Stuhl eingeschlafen, trotz den lauten Stimmen, trotz den hellen Lichtern! Und wollte nicht aufwachen und anstoßen, um das neue Jahr zu grüßen mit uns. — — — Denn die Seele, die zurück will in ihre Ewigkeit, sondert sich ab. Im Frühling schlummerte sie hinüber. * Nun blieb unser Kreis mehrere Jahre hindurch derselbe, bis jener stille Festabend kam, an dem meine Mutter immer zu lauschen schien, als höre sie irgendwo einen Ton — den wir nicht hörten, eine Stimme vielleicht — die sie rief, die sie lockte. „Mutter, wo bist du?" „Bin ich nicht bei euch?" lächelte sie ferne zurück. Plötzlich war sie hinausgegangen, durch die Türe, kaum bemerkt. Und die Fenster standen offen, und durch die einsame, weiße Straße ging ein einziger, unbekannter Mensch. Ueber die schneebeladenen Dächer, in ungestümer Herrlichkeit, rauschten die Glocken und redeten ihre uralten Worte mit großem Mund. Wir lauschten in ungebrochenem Schweigen. Und in den Glocken ging etwas mit---ein großer Schritt —--ein großer, dumpfer Schritt, der bange machte. Plötzlich blickte man sich erschrocken um. „Mutter, wo bist du?" , Sie war hinausgegangen, zum erstenmal von uns weg in dieser Stunde, um den Glocken allein zu lauschen, die ihr anders redeten als uns. ---Und ging hinüber in die Ewigkeit, ehe noch die Baume Blätter trugen. , _ „Daß uns das nächste Jahr — wieder beisammen finden möge! * Es war das letztemal im Elternhaus, bevor wir auseinanderbrachen. Und Baler hatte weißes Haar bekommen. Er ging nicht weg, der Greis, er blieb bei uns, aufrecht, wie er war, der Ueberlieferung pflichttreu. Stieß an mit uns. Aber er war stumm geworden. Er hob wohl fein Glas, aber sprach das Wort nicht mehr aus, nur so ein müdes Summen auf den Lippen.--Und fein Haar war weiß--und fein Gesicht war weiß. „Daß uns das nächste Jahr---" Der Wunsch stockte im Herzen. * Nun sind wir auseinanbergefaßen, in Gruppen aufgelöst, in neue Familien zufammengefunden. Und die Hände suchen sich. Wir fassen uns an, wir stehn vor den Bettchen unterer Kinder, wir beugen uns tief über sie, wenn die schicksalhaft«; Mitternacht kommt, wo die Zeit einen neuen Anfang an ihr altes Ende bindet, und die Glocken rufen und rufen, mit Stimmen, die jedem etwas anderes zuflüstern. ,. „ . Wir stammeln. „Daß uns das nächste Jahr wieder beisammen finden mögel" Flötenspiel und Peitschenknallen. Eine Siloestergeschichte von Robert Seitz. Die Frauen am Waffertor steckten feit Tagen die Köpfe zusammen. Der kleine Kantor war biefesmol zu den Ferien nicht in feine Heimat gefahren. Eigentlich war er gar nicht fo klein, im Gegenteil,' er überragte die meisten Männer aus Erwinsrode, aber da er den Kindern bas Einmaleins und bas Alphabet beibrachte, würbe er kurzweg ber kleine Kantor genannt, im Gegensatz zu seinem Kollegen, der die größeren Schulkinder betreute. Ja, die Frauen zerbrachen sich die Köpfe. Den Heiligen Abend hatte der Kantor in ber Nagelschmiede verbracht, nicht etwa so, daß er zwischen Amboß und Esse seinen Christbaum gehabt hätte, nein, vorn in der guten Stube war er bewirtet worden, und die rundliche Meisterin hatte ihm das beste Stück Spickaal auf den Teller gelegt, sehr 3um Verdruß des Meisters, der schon vorher dieses Mittelstück auf feine Güte abgefchötzt hatte. Meister Wilhelm war aber ein verträglicher Mensch, und so hatte er für diese Bevorzugung, die feine Frau Luise dem Gaste zukommen ließ, nur einen enttäuschten Blick gehabt. Vielleicht hatte diese Enttäuschung sich auch mehr seines Altgesellen Karl wegen geregt, ber mit am Tische saß unb hin und wieder einen zärtlichen Blick versuchte, doch schien sehr zu seinem Leidwesen Emma, des Meisters Tochter, keine Notiz davon zu nehmen. An diesem Heiligen Abend war noch mehr geschehen. In der Abendstunde war vor der Nagelschmiede ein Schlitten vorgefahren, und der Besitzer eines Hofes vor Erwinsrode hatte eine Gans abgeladen, die heftig schnatterte und mit den Flügeln schlug, aber doch von Meister Wilhelm in einen Verschlag bugsiert wurde. Das war nun ein reiches Geschenk, und Emma war bis über die Ohren rot geworden. „Das können wir doch gar nicht annehmen, Heinrich", sagte Mutter Luise, aber dann schien sie mit dem Braten, der einstweilen noch aus einem Blechnapf eingebrocktes Brot staß, ganz zuftieden zu fein. Es war selbstverständlich, daß Heinrich zu dem Gänfeschmaus eingeladen wurde. Mutter Luise hatte überlegt, welcher Tag wohl der geeignetste wäre. Schließlich war ber Silvesterabend in Aussicht genommen worden. Die Frauen zu Erwinsrode aber standen und schwatzten, doch war aus ihren Gesprächen nicht festzustellen, wem sie, gesetzt den Fall, als Freier den Vorzug geben sollten, dem Hofbesitzer, dem kleinen Kantor ober bem Altgesellen, der die Schmiede einmal würde übernehmen können. Das Weihnachtsfest war gewissermaßen nur mit kleinen Plänkeleien zwischen den drei Bewerbern hingegangen, doch war anzunehmen, daß jeder von ihnen in Kürze zu dem entscheidenden Schlag ausholen würde. Diese etwas kriegerische Atmosphäre, welche die Liebe oft mit sich bringt, lag wie ein unwirtliches Wetter auf ber Nagelschmiede. Meister Wilhelm brummte, Mutter Luise zackerierte, unb Emma maulte. Karl, der Altgeselle, stand mißmutig am Herdfeuer, ber kleine Kantor machte ein wehleidiges Gesicht, wenn er morgens vorüber» ging, und nur Heinrich, der Hofbesitzer, war obenauf, denn er war sicher, daß die Gans, die noch immer hinter bem Verschlag schnatterte, ein Liebesbote wäre, beffert Werbung man nicht widerstehen könnte. Am Silvestermorgen hatte Karl durch den Blasjungen, den jüngsten Lehrbuben, Emma eine große Brezel überreichen lassen, die auf einem Nagelblech lag und mit bunten Bändern geschmückt war. Eigentlich war eine solche Brezel erst auf Gründonnerstag fällig, aber der Geselle ahnte, daß er ber Zeit vorausgreifen mußte, um bas Glück in feinen Hasen zu lotsen. Emma freute sich über das bunte Backwerk, bas angenehm duftete und ein Meisterwerk des Backers Hofang war, ber gegenüber wohnte. Mutter Luise war wenig einverstanden damit unb vielleicht hätte fte ber Gans eine kleine Gelegenheit geboten, mit biefer unerwünschten Brezel fertig zu werden, wenn das Tier nicht schon, kahl gerupft, auf die Bratpfanne gewartet hätte. Nein, Mutter Luise war über bte Brezel gar nicht erfreut, dagegen saß Meister Wilhelm schmunzelnd vor seinem Gläschen Nordhäuser, mit dem er jeden Morgen die Kehle reinigte. Der kleine Kantor hatte Emma ein Zuckerschwein gebracht, bas ein Kleeblatt im Maul trug, einen Gelbsack um ben Hals gebunben hatte unb das Glück bringen sollte. Mutter Luise hatte ihn zum Abend eingeladen. Allerdings nicht mit ber gleichen Herzlichkeit, mit ber vor Tagen bie Einladung zum Heiligen Abend ausgesprochen wurde. Wie konnte ein kleines Zuckerschwein auf den Gedanken kommen, es mit einer duftenden, knusprigen Gans aufnehmen zu können, da doch bie Brezel des Altgesellen es noch an Umsang übertraf. Mutter Luise versuchte ben oanzen Tag, Emmas Herz zu erforschen, aber Emma war ein stilles Mädchen, und man wußte nicht einmal, ob ihr Herz mit solchen Fragen sich überhaupt schon beschäftigt hatte. Am Abend saß sie zuftieden zwischen ihren Eltern unb plauderte mit Karl, bem Bäckermeister Hosangs Kunstwerk eine große Sicher- beit verliehen hatte. Der kleine Kantor war recht still, unb Meist« Wilhelm wartete ungeduldig auf den letzten Gast, denn bie MeisterM weigerte sich, bie ©ans, beren Duft bas Haus erfüllte, vor der Ankunft ihres Spenders aufzutragen. Aus einmal wurde draußen vor dem Fenster gewaltig mit der Peitsche geknallt. „Gottfeibank", rief Meister Wilhelm. „Heinrich", lächelte bie Meisterin und sprang auf. Dieser Peitschenknall war aber nur ein Auftakt gewesen, denn es begann ein regelrechtes Ständchen, Mit langer Peitschenschnur knallte Heinrich vor bem Fenster bas vertraute Neujahrslieb: „Das alte Jahr vergangen ist, wir banken dir, Herr Jesus Christ, baß du in Not uns unb Gefahr, fo gnäbiglich beschützt dies Jahr," Die anderen waren an bas Fenster getreten unb Mutter Luise summte andackttig leben Ion mit Meister Wilhelm nickte zustimmenb, er wußte gar nicht, baß Heinrich sich io gut auf bas Buntklappen verstand. 2lls setzt auf ber abendlichen Straße in hellen Peitschen inen noch das Liedchen erschallte, das von der Liebe des Heben Heinrichs spricht, der heimlich zur Gartentüre hereinkommt, fühlte der Altgeselle seine Brezel mit jedem Tone älter und trockener werden. Ja, Heinrich, der Hofbesitzer, hatte mit seinem Peitschenknallen die Türe zu Emmas Herzen aufgeschlagen, denn sie sah mit bewunderndem Blick diesem Freier gegenüber, der die Peitsche ebenso gut handhaben konnte, wie das Messer, mit dem er jetzt auf den Braten em- säbelte. Wenn Emma sich unter einem Mann auch noch nicht viel vorstellen konnte, das eine wußte sie, daß er sich den Teller vollpacken mußte wie ihr Pater. Der kleine Kantor saß bescheidener vor seinem Teller, denn es wird ja leider Gottes den Küstern und Kantoren oft fälschlich nachgesagt, daß sie sich nur in fremden Häusern bei festlicher Gelegenheit satt essen können. Da es ihm aber daran lag, solchen Verdacht bei Emmas Eltern nicht aufkommen zu lassen, hatte er sich mit einer geringen Portion begnügt. Dem Altgesellen aber war der Appetit ganz und gar vergangen. Er kaute grimmig an seiner Gänsekeule. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß Heinrich den Sieg davontragen wird, lieber seinem vollen Teller streicht er behaglich die Lobpreisungen seines Buntklappens ein, mit denen Meister Wilhelm nicht spart, denn er hat sich inzwischen überlegt, daß ein Ackerhof vor einer Nagelschmiede schon bestehen kann. Eigentlich ist alles schon in Ordnung. Aber da hat sich der kleine Kantor erhoben und ist in den Flur gegangen. Das Gespräch am Tisch ist so laut, daß man di« ersten Töne nicht hört, die aus dem Hausflur hereindringen. Dann aber sagt Emma auf einmal: „Da pfeift wer." Nun horchen sie hin, und es wird jetzt deutlich, daß es kein Pfeifen ist, sondern ein leises Flötenspiel. Ja, der kleine Kantor steht draußen in der Finsternis und spielt quf seiner alten Flöte das Neujahrslied, daß Heinrich vorhin geklappt hat: „Das alte Jahr vergangen ist ..." Emma hat Messer und Gabel beiseite gelegt, ist aufgestanden und öffnet die Tür. Dieses Flötenspiel ist so süß, daß es das Mädchen von der Schwelle fortlockt, hinein in den dunklen Gang. An der Treppe Bi sie nun neben dem flötenden Kantor, so dicht, als fürchtete sie, ein Ton unerhört davonflüchten könnte. "Die anderen sitzen schweigend am Tisch. Mutter Luise hat Tränen in den Augen, Meister Wilhelm brummt das Lied leise mit. Heinrich hat ein Weilchen mit offenem Munde zugehört. Dann sieht er, daß Emma in den Hausflur verschwunden ist, und weil ihn das ärgert, klappert er laut mit Messer und Gabel und schiebt sich ein Stück Braten in den Mund. Mutter Luise sieht ihn erschrocken an. Der Altgeselle grinst, denn er fühlt, daß dem Herrn Heinrich die Felle wegzuschwimmen beginnen. Emma hat nicht das Klappern gehört. Sie muh sich an den kleinen Kantor lehnen, und während er sie leise an sich zieht, beginnt sie zu spüren, wessen Boten Brezel, Gans und Zuckerschwein eigentlich gewesen waren, und sie ist glücklich in dem Gefühl, den Richtigen gewählt zu haben. Jahreswende. Von Alfred Huggenberger Gelassen reicht das alte Jahr Die welke Hand dem neuen dar; Das fühlte in seinem jungen Mut Sich für die Freundschaft fast zu gut. Es gibt auf Wink und Lehren acht, Indes sein Aug verstohlen lacht: „Was hast du Großes denn getan? Das pack' ich alles anders an!" Von tausend Türmen dröhnt und klingt Das Lied des Ledens. Leise schwingt Die Hoffnung mit in mancher Brust, Die vom Verzicht und Leid gewußt. Das alte Jahr geht still feldein. „Auch mich umfloß der Glorienschein, Heut nimmt es nur der Weise wahr, Daß jeder Tag ein Wunder war." . Vie heilige Könige. Erzählung von Josef Martin Bauer. Ich weiß noch-- Und die Nacht war so tief wie nach dem kaum noch eine Nacht, die Zeiten hatten keine Ruhe und die alten Leute redeten von großen Zeichen, die geschehen sollten der zitterigen Welt zum Schrecken und den Weisen zur Mahnung. Da ritten in einer heiligen Nacht die heiligen Könige durch das Dorf. Ihre Gewänder waren die Gewänder von Bauern, und ich habe die Gesichter nicht gesehen, denn die großen Hüte warfen die Schatten der 9tad)t noch dunkler über die Gesichter, die manchmal bei der Rast ganz stillgestanden, dann vielleicht, wenn die Könige ausschauten nach dem Stern aus dem Morgenlande. Der Wind, der siebenmal sieben Stunden geweint hatte, weil er auch die Aengste der Welt trug, war still geworden und die Nacht schwieg. Die Sterne standen starr, und draußen, wo der Wald sich gegen den mächtigen Himmel zeichnete, strich bellend ein Fuchs, irgendwo. Sein heiseres Bellen verlor sich. Dann kam der große Zug die Straße herauf mit den vielen Wagen und Pferden und den großen Männern in den bäuerlichen Gewändern. Weil sie Könige waren, trugen sie größere Hüte als die anderen Menschen, und die Pferde hatten goldene Beschläge an den Geschirren. Zwei Knaben — ich weiß noch — traten ängstlich auf den kalten Boden der Schlafkammer. r m „ Da drunten gehen Pferde und ein großer Wagenzug. Da drunten reden fremde Menschen immerzu, und sie müssen von weit Herkommen, denn sie reden anders als wir selbst, die Männer haben schwere Stimmen und die Frauen sprechen so, als würden die leichten Glocken geläutet. Du mußt mir auch Platz geben am Fenster. Rück ein klein wenig bloß! — Friert dich auch? Zwei Helle Gesichter schoben sich durch die Fensteröffnung und zwei schmale Körper beugten sich durch die Stangen: wer weih, was diese sonderbare Nacht bringen wird? Es ist so eigenartig da drunten, die fremden Männer schlagen mit den Fäusten an die Tür, sie werden vielleicht etwas Furchtbares verlangen vom Vater. Die Haustür ging auf und eine Frage klang schläfrig herauf. Das war der Vater und der Vater fragte sie, wieviel Brot sie haben müßten für die Reife. Er war doch Bäcker. Und die Mutter stand neben ihm, die Mutter war ihrer Lebtage reichlich einen Kopf kleiner als der Vater; die Mutter fragte ein wenig von unten her, ein wenig aus Angst vor dem sehr Großen und sehr Heiligen. Sie fragte, was sie in den Wasserkrug tun müsse. Die Pferde scharrten und zwei Knabenkärper schoben sich ganz weit durch die Fensterstangen, jetzt sahen die verwundert aufgespannten Augen den Zug in seiner ganzen Größe, endlos war die Schar der Wagen, und hinter den Planwagen gingen in Paaren Kühe und Ochsen und kleine Spannstiere. Neben den Wagen aber liefen Hunde, und diese Hunde hatten das Wunder an sich wie Pferde, sie hatten grüne Augen, die durch die Nacht leuchteten. Wie weit kommt ihr denn her? Das war der Vater, der fragte. Eben wurde es sehr laut im Zug, Frauen gaben in den Wagen an und die Tiere scharrten, weil vielleicht das kleine Dorf nicht nach ihrem Willen war. Der eine von den großen Männern stand auf der Straße beim Vater und er zeigte, als eben das mächtige Lärmen jede Rede zudeckte, über die Wiesen und Gräben und Zäune hinweg auf den Wald an der Sichtgrenze und auf das Leere dahinter, das vielleicht gleich hinter dem Wald begann und dort fein Ende hatte, wo die Männer und Wagen und Pferde zu Haufe waren. Nun waren die Knaben ganz still und kein Ellbogen stieß mehr, um sich Platz zu schaffen, denn die Hand des fremden Mannes, der sich bäuerlich trug und doch ein König war. hatte weit gezeigt, in eine endlose Weite hinaus, von der niemand wußte, nur die Bücher vielleicht und der graue Vater, der manchmal davon redete, wie fremde Könige ausgezogen find einem hellen Stern nach. Da draußen war das Land, da draußen war der Stern aufgestiegen und hatte den Weg genommen. Pferde wieherten und Menschen richteten sich laut redend in den Wagen zum Schlafen zurecht, der eine König redete mit dem Vater und der Vater trug in einem großen Brotkorb die ganze Ware hinaus, die noch bagelegen roar. Er ging die Wagenreihe entlang und gab überall Brok hinein. Dann trat die Mutter durch die Tür, die hatte einen Krug mit Wasser, denn die Leute hatten viel Durst, weil sie aus einem heißen Land gekommen waren. Essig verlangte eine Frau. Essig sollte die Mutter in das Wasser geben, das fei besser gegen den Durst. Die Nacht war kalt, und tue fremden Menschen verlangten zu trinken. Da lehnten zwei Knaben starr an den Fensterstangen und erschraken, weil bald hernach sich der Zug wieder in Bewegung setzte, weil das Große, das Absonderliche dieser Nacht verschwinden wollte. Und der große Mann, der ein König war, obgleich er bäuerliches Gewand und einen weiten Filzhut trug, gab dem Vater ein Stück Geld auf die Hand, ein kleines Licht aus einem Wagen stand eben vor dem Haus, und da leuchtete das Stück Geld, wie eine schwere goldene Münze. Könige zahlen nur mit goldenen Stücken. Da ging nun der Zug, und er war viermal durchbrochen, viermal kam nach der trabenden Schar von Jährlingen und Rindern ein ganz großer hoher Wagen, und viermal stand darauf ein großer Mann in dem dunklen Gewand mit dem mächtigen Filzhuk. Die Finger der Knaben zählten, und die Köpfe wurden wirr, weil vier heilige Könige gingen in dem riesenhaften Zug, der bei Nacht auf der Reise nach dem Morgenland her ins Dorf gekommen war. Dann, als eine halbe Stunde verstrichen war feit dem Einrücken der ersten stampfenden Pferde, war die Nacht wieder still. Nur in der Ferne irgendwo stand die Unruhe, und die Unruhe blieb bei den Menschen, die gesehen hatten, was geschehen war in der Nacht. Vier heilige Könige — zwei Knaben starrten gegen die niedere Decke der Kammer — vier heilige Könige waren gekommen in einem riesenhaften Zug. Brot hatten sie verlangt und Trinkwasser mit Essig darin, eine große goldene Münze hatten sie dafür gegeben — aber viere waren ihrer gewesen, nicht dreie wie sonst, wie es im Buch doch stand. Am Morgen — ich weih noch — saß der Vater mit allen am Tilch, er hatte ein stilles Greifengesicht, das um das Tiefste weiß und das Wundersamste kennt. Am Morgen redete der Vater mit ein paar Worten etwas an die Mutter hin, von vier vertriebenen Bauernsamilien redete er, von folchen Menschen, die ihr Land für anderen Dienst hatten bergeben müssen, die nun wieder suchten nach Platz zum Sitzen. So redete er. — Vater! schrie ihm ein Knabe dazwischen. Weil in dem Schrei so viel Angst um das Wunder tag, blieb der Vater still. Vater! Das war soviel Angst um einen glashellen Traum, so daß der graue Mann still blieb, daß er dann nach Tagen erzählte — er wußte den Traum wie vier Könige gekommen feien in einer Nacht — vier große Könige auf hohen Wagen Das goldene Geldstück freilich zeigte er nie, und das Suchen um die heilige Münze fand nie ein Ende. Solange aber die Münze nicht gesunden fein wird, wird der Glaube jener Zeit bleiben: da ritten in einer Nacht die heiligen Könige durch das Dorf und ihre Gewänder waren die Gewänder von Bauern. Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und 'Bering: Drühl'sche UnlverfiiätS-'Buch« undSteindrucker ei. R.Lange, Gießen. GietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang 1935 Montag, den 2. Dezember Nummer 94 sie nnd) dem langen Wege, den sie hinter sich hatte, zu füttern und zu £ Z b°lhs kühh'essig, Tas' ist richtig", fuhr er fort, um zu zeigen, u«B.- >i-^ oanes picta Am Abend, als Lars es auf die Diele holte, und in den Stall führen wollte, scheute es ein wenig vor dem ungewohnten Durchgang und „Mach du nur alles so, wie du es für richtig hältst", sagte Lena, wendete sich um und ging daran, das Abendbrot zu machen. Eine desto größere Freude hatte Jan an dem Pferd. Er lief den ganzen Nachmittag hinter ihm drein und gewahrte mit seinen kleinen, greisenhaften Augen jeden Halm, den es abbiß. Ill, «i, reu US. en- icht ret iem tjen Mr. ies mar ein ften sich Mbl Bergen, mit ifjte, tun- i zu res um Sem dich nne- . ®r tränten. , r , .. Wirklich schob er es noch auf, ein Pferd zu kaufen. Als aber die Arbeit auf dem Felde allmählich drängender wurde und fein Versuch, sich bei einem der Nachbarn ein Pferd für ein paar Tage zu leihen, mißlang — man brauchte die Pferde dort ebenso notig wie er —, kam er eines Tages doch mit einem Gaul auf den Hof gezogen. , „Ohne ein Pferd bin ich mit der Arbeit einfach aufgeworfen , sagte L er zu sich selber, „das muß Lena doch einsehen." B^fc_hanb. das Tier vor demHauje [ejt und ries Lena und Jan her- 22 23 ier I ar ein ■ isburl 10 cm reiten*'■ unW I »bei He? g er aus ■ ein stier. res lagen wenn jenen •trug, ganze lerge- fället djtnis völlig nbelte ingen, tnung Fach* st ein enheil lischee Tisch ne die idessen miedet :1t und t und n wn alis- junge : habe. 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 und wie es möglich gerooroen war, jia, yiei uiuuqc- u-0«—,... — - Wirtschaft in Gang zu fetzen, hätte sie längst keine ruhige Stunde mehr gehabt Gewiß, sie quälte sich auch so, in der Ungewißheit, die für sie mit allem verbunden war Aber es war trotzdem noch besser, sie hinzuhalten als ihr klaren Wein einzuschenken, — wenn es mitunter auch schwierig genug war, ihren Fragen auszuweichen. Aber in der letzten «eit hielt sie sich damit ja auch schon mehr zurück, und wenn sie erst sah, daß alles gut ging, würde sie vielleicht eines Tages ganz über ihre Unruhe wegkommen. So etwas wollte Zeit haben. Er war beinahe heiter, als er von feinem Schemel wieder aufftanb. die Milch durchfeihte und sie in die tönernen Satten goß, aus denen Lena dann ein paar Tage später den Rahm zur Butter schöpfte. Lächelnd setzte er sich mit den Seinen hinter d,e Pfanne mit Bratkartoffeln, die Lena auf den Tisch gestellt hatte. Dazu gab cs eine Schüssel mit saurer Milch und für jeden eine Schnitte des derben Schwarzbrotes, das Lars in dem alten steinernen Backofen hinter dem Liaule selber backte. . , . ’ Nun Lena", sagte er, als alle gesättigt waren, und empfand es als ' eine Befreiung, das Schweigen zu brechen, bas zwischen ihnen aeftanben hatte, „ist es nicht herrlich? Nun haben wir eine Kuh und em Pferb, brei Schweine im Stall unb ein Bolk Hühner — bu mußt doch jagen,' daß wir vorankommen?" en aus. nb unb tätschelte es begütigend auf die Hinteres auch heißen! Vor allem darum auch, weil ■aus getragen hat!" Dabei schielte er zu Lena ind und Kartoffeln in die Pfanne schnitt. eb *' iei <* njeiul tebiW’ gebt» ein* jattfr vd» gurt ■n 9* end* % ein"” Pferden'etwas verstände.' „Nun, es soll ja bei uns auch nicht in einem Zirkus auftreten, nicht wahr?" Aber Lena ging ohne ein Wort zu erwidern ins Haus, und als Lars, der den Kleinen auf das Pferd gefetzt und auf die kleine Weide neben dem Kartoffelacker gebracht hatte, auf die Diele kam, sah er, daß fie mit zusammengezogener Stirn am Herd stand und sich bu , Das Feuer ein wenig zu schüren. Da magst das Tier nicht recht leiden? fragte er Lena. ,|0, was bas betrifft", antwortete Lena still, „ich verstehe zu wen g °Du kannst dich ja ganz auf mich verlassen", sagte Lars, „und wenn Du bedenkst, daß ich das Geschirr ohne jede Berechnung.dazubekommen habe, so muß man doch sagen, daß es wirklich nicht zu M। bejaht «ft Pflug und Egge haben wir schon, und mit der Ze tw,rd auch n Ragen hinzukommen. Aber damit hat es noch bis zum Herbst 3eu Pielleicht habe ich über Sommer mal Gelegenheitz irgendwo o ein . ■auf einer Versteigerung zu erstehen. Da braucht man mitunter n ) Den halben Preis zu bezahlen." Za°/du°muM doch einsehen, Lena, daß ich den Acker nicht mU den ■Händen umwühlen kann", fuhr Lars fort, gereizt durch die Älelch Lustigkeit, die Lena an den Tag legte. Yellow Grey 3 Green Grey 2 Cyan Grey 1 Red_______Magenta Grey 4 Black Lars der Gerechte Roman von Wilhelm Scharrelmann Colour & Grey Control Chart die Anspielung. Lars wußte nicht, ob es mit hte es damit fein, wie es wallte, er wallte sich derben lassen. Lena verstand nun einmal nichts und mußte erst langsam in das Leben hier | tun, gewiß, sie hatte den guten Willen, Lars sie machte ihm den Anfang nicht gerade leicht. e auch B sagen. Sonst hätte man in der Stadt Lars hätte weiterhin an jedem Tage, den Gott zehen müssen, um zu sehen, ob Arbeit für ihn |in anderes Ding, wenn die Arbeit auch genau g hier draußen verlangte. ien Melkschemel, den er sich zurechtgezimmert und den der Kleine bei seinem Spielen verschleppt haben mußte, fand ihn, schon ein wenig ärgerlich, nach einigem Suchen und setzte sich zum Melken unter die Kuh, denn Senn traute es sich noch immer nicht recht. Was war es dach für ein Leben, das er hinter sich hatte, wenn er daran zurückdachte! Da kannte er dach heute stehen und gehen, wie er wallte! Nein, ihm machte es nichts aus, und er wäre auch zufrieden gewesen, wenn alles noch langsamer vorangekommen wäre. Denn nun hatte er doch eine Möglichkeit, zum Satan noch mal, und er war ein Esel gewesen, daß er sie nicht schon längst benutzt hatte. Bedenken hin, Bedenken her! Hätte das Geld vielleicht lieber Schimmel ansetzen sollen? Jahr und Tag hatte es doch einfach dagelegen und darauf gewartet, daß er kam und es benutzte. Und was die Frage betraf, ob Krick vielleicht eines Tages wiederkäm — gewiß, er hatte damals davon gesprochen, und man mußte wohl damit rechnen. Aber hatte er vielleicht in der ganzen Zeit, seitdem er fort war, auch nur ein einziges Mal ein Wort von sich hören lassen? Wenn er nun vielleicht überhaupt niemals wieder- kam? 6, Lars wünschte ihm nicht etwa den Tod, das wäre das letzte gewesen, — aber war es denn so unwahrscheinlich, daß er überhaupt nicht mehr lebte? Möglich war es ja auch, daß er drüben auf irgend eine Weise zu Geld gekommen war, wer konnte es wissen, und nun dachte er qar nicht daran, jemals wieder zurückzukehren, und er saß hier im <- - —*—■*. oa »■<>•> 6>nnf iihor Möaliwkeiten, die £ein Mensch II laß mich nur machen. Du wirst dich noch wundern, sage ich dir. Jetzt !muß ich erst sehen, daß ich ein Pferd kriege." „Nun höre aber auf! Du bist leichtsinnig, Lars. Ich habe dich nie wieder gefragt, woher du das Geld nimmst und will es auch jetzt nicht tun. Ich weiß, daß du es nicht liebst. Aber du mußt zugeben, Lars, dies kann unmöglich mit rechten Dingen zugehen." „Meinst du?" sagte Lars. „Aber du siehst doch, daß ich bezahle, was ich kaufe, ist das nicht genug?" Lenau getraute sich nicht, noch ein Wort zu erwidern, und Lars zog die Kuh ins Haus, band sie am Stallpfosten fest und machte sich daran,