GietzenerZamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer 25 Freitag, den 29. März Zahrgang 1955 preßte sich und Umriß einer Hütte auf. „Kühe!" Tür. der Sie und und der Birge rief Gartenecke. hatten längst den Pfad verloren, sahen kein lebendes Wesen. Sie dachten aneinander und an die regnete es. Da erzählte Birge in seiner Feindschaft mit Matthies. Unaufhörlich rann der Regen, gingen jetzt über eine Hochheide hielten sich' an den Händen fest Bertold blickte gegen die Berge. Drei mächtige Felshäupter, von grauem Mondlicht umrieselt, ragten in die Nacht. Unterhalb des mittleren lagerte im Dunkel die schwere Kuppel der Kirche. Er holte tief Atem, dann ging er die Treppe hinauf und riegelte die Gangtür ab. „Ein alter Troll war da", sagte er zu Birge, „und hat nach dir 9^®n-ge antwortete nicht. Er trat an ihr Bett und hörte an ihren ruhigen Atemzügen, daß sie eingeschlafen war. Am Morgen wachte er zuerst auf. Kurz darauf lugte Bwges Kopf zu ihm herüber. Ihre Gedanken waren noch abwesend. Sie sprach: „Ich habe einen schweren Traum gehabt. Mir träumte, ich mutzte durch lauter Scherben gehen. Auf einmal stand aber eine Truhe neben mir, die war aus hellem Glas, und aus der Truhe quollen Rosen hervor", und du sagtest zu mir: „Das ist ja gut, nun ist all das böse Blut aus deinem Körper heraus." Bertold sann über den Traum nach, fand aber keinen Sinn. Sie brachen dann auf und gingen in einen Berg hinein, der von warmem Nebel erfüllt war. „ Von überallher drang das Geläut der Herden an ihr Ohr. Da es auch gegen Mittag nicht heller wurde, stiegen sie auf der anderen Seite des Berges über einen Sattel wieder zu Tal, immer in lautlosem Nebel bis zum Abend. " Dann stiegen sie wieder zu Berg. Sie wollten die Nacht durchwandern Das Rauschen des Hochwaldes umfing sie, Sterne zuckten durch das unsichtbare Gewölk, fremd und heilig gingen sie durch die atmende ^^Mötzlich^fuhr Bertold auf. Er hatte das Weingeländer krachen hören, nc schlich ans Fenster. , Drunten stand eine Gestalt in einem gelben Mantel Wildnis. , .. „, , Der Himmel wurde immer schwärzer. Die Mondsichel, die sich eben noch hinter einem Felshorn gekrümmt hatte, schwand völlig und endlich m= - der Totenstille von ihrem Vater und Davon wurden beide bedrückt. ms Weinlaub. „Dein Tänzer ist es nicht", flüsterte er Birge zu, Dann steckte er sein Messer zu sich und schlich zur ihm leise und eindringlich, aber er war schon draußen. Vorsichtig schlich er um das Haus und spähte an . Die Gestalt im Weinlaub rührte sich nicht. Er rief sie an, sie gab keine '* unjeres "'Ich, uni . »Punch» notig, Ein- i”» man '« pichen !n groben J komisch •lam noch sich selbst gestatten >re eigene amteit ge, je, so doch llos treten ost, sogar die (Ent» nnber ab» nch immer dereinsiim» er es auf Deutschen suchen ist ine selbst» isicher. Ich istsicherheli kann nicht t bes (Eng» r Zeit bet eutsche feil rgezeichnel Deutfchen enschen zu e, ber ihm wilkommen nicht ben Unterneh- Dinge noch rteilen. Et r Bahnhof • hat nicht! eifpiel, bah r Bahnhof 3. gerichteten tn gehörige i ber Wir» •n und die ber Welt ein Plati"' ei ober so» Charakters rille komme ch über bie n so würde ibt. A bl« ren, einmal jeden unfreundlich i gute Um» b nicht bes )er Art °°« i als SW i begreife"» ublabe weS’ veranlasse«» jen Nanl edeutet eine’ nb noh»e«' Die Hochzettskuh Roman einer jungen Liebe von Aosef Magnus Wehner Copyright 1-28 b y Georg Müller Verlag A.--G., München ■roÜ&en'S; rfterfen6 * r »rft em1 s ** s» s fn-üdung »en innfe"' Untwort. ,. . Qfr s. Da rüttelte er am Zaun, um sich hinüber zu schwingen. Als die Gestalt die Drohung erkannte, raffte sie ihren ganzen Mut zusammen, entfette sich aus dem Wein und ging gespreizt auf Bertold zu. Die Gestalt hieß Hott. „Ein schöner Tugendwächter!" ries Bertold. ,Zch konnte nicht anders", sprach Hott. Aieviel Schmus hast du bezahlt, daß dür B.rge verraten wurde? „Ich habe es gefühlt", beteuerte Hott voll bleichen Stolzes. „Und was suchst du hier?" fragte Bertold. „Wenn es einen Menschen gibt". Zitterte jetzt Hott hervor, „der dich "ersteht, so bin ich es. Ich verstehe auch Birge, verstehe wie sie zu tiefem Schritt gekommen ist, der vielleicht für ihr Leben entscheidet. ^^Er^kam^näher. Seine rechte Hand stand wie ein Fanggitter in „Luftwenn bu mir nid)t den letzten Halt rauben willst dann stehe irf) dich an, gib mir Birge. Du rettest em Leben. Du wirst leicht noch schönere —." ^Mechch^^du^bstt"ja tot", schrie er, packte Hott und hob ihn über den Zaun. Cs war ihm, als trage er einen Balg. Hott keuchte: „Ich bleibe 'Crj)a stellte ihn Bertold auf der Straße ab und sprach: „Schon einmal habe ich dich getragen, droben auf dem Berghof beim Dreschen. Dos tnar bet XQufcicincL Soll irf) birf) ourf) norf) firmen. ... Ein Licht erschien in der Wirtsstube. Hott faßte Mut und rief einen ^"Ju’Vannft mich schlagen und quälen wie du willst: Meine Liebe bannst du mir nicht aus dem Herzen reißen. Im übrigen warne ich dich. „Hörst du den Brunnen rauschen?" fragte Bertold. Die ^Wirtin" erschieß mit einem Licht. Sie zankte Bertold, daß er stnen solchen Aufruhr mache, denn sie hatte Mitleid mit dem verreg- ^Bertold raubte ihr dies mütterliche Erbteil nicht sond-rn en Hatte jch aber zu diesen Merkzeichen meiner Gegenwart kein Vermögen gehabt fo hätte ich' Sie leicht umschwebt Sie be berseit- ungesühlt umarmt, und dann hätte die emigrierende Pttgerseele. ihren Weg nach dem Orte ihrer Bestimmung ruhig fortsetzen mögen Den Ausdruck „Freund Hein", den Claudius für „Tod, emgefuhrt hot, griff Musäus auf und schrieb zu Kupferstichen I. R. S ch e le n berg s in Versen und in Prosa Erklärungen, die dann als besinnliches Bilderbuch unter dem Titel „Freund Hems Erscheinungen" herauskamen. Aber das Büchlein ist in der Haltung unklar und in der Form durstig. Man vermißt in diesen leicht zynischen Idyllen, gerade ihrem erhabenen Sujet, dem Tode, gegenüber, das Geniale. Die Schranke zwischen Fertigkeit und Kunst, zwischen Schriftstelleret und Dichtung wird nun auch besonders auf einem anderen Arbeitsgebiete des Musäus spürbar, der Märchenerzählung. „So bin ich nun , schrieb er, „auf eine neue Idee gekommen. Die Feereten scheinen wieder recht in Schwung zu kommen; Rektor Boß und Amtmann Bürger vermobernifieren die Tausendundeine Nacht um die Wette, (elbft bie Feenmärchen finb in Jena dies Jahr wieder im Nürnbergischen Verlag von neuem gedruckt worden. Jch will mich an die Kette hängen und lasse von meiner Drehscheibe jetzt ein Machwerk dieser Art ablaufen, baden Titel führen wird: „Volksmärchen, ein Lesebuch für große und kleine Kinder". Jch sammle dazu die trivialsten Ammenmärchen, die ich aufstutze und noch zehnmal wunderbarer mache, als sie ursprünglich sind. Davon hofft nun meine liebe Frau, daß es ein ganz lukrativer Artikel werden soll." Absichtlich, ja notgedrungen, und, wie er selber sagt, „aufgestutzt" sind diese Märchen. Sie sind gewiß Wegweiser auf das, was die Brüder Grimm später leisteten, aber sie haben eben nicht das, was die Grimmschen Märchen so überzeitlich schön sein laßt: die Knappheit, die Ausgewähltheit, die Echtheit, die möglichst beibehaltene Ursprünglichkeit des Ausdrucks. Musäus lieh seltsamerweise all zu vielen Märchenerzählern und -erzählerinnen sein Ohr, bann walzte er bie Märchen zu Novellen, ja zu Romanen aus, machte sie mobisch zurecht — ja gerabe an biefer Mobernisierung hatte er burch bas Paraboxe, was oftmals zustanbe kant, offenbar feinen Spaß. Unb man muß ja auch sagen, bah baburch ein leicht-komischer Reiz entsteht, ber noch heute irgenbroie wirkt. Musäus' „Volksmärchen" — man mühte jetzt sagen: Märchen im Rokoko-Kostüm — finb übrigens bas einzige Buch bes Musäus, bas heute noch in Neuausgaben im Buchhanbel erhältlich ist. Musäus war ein Original: (Bern machte er weite Fußtouren burch das schöne Thüringer Lanb. Da war er benn immer mit bem Regenschirm bewaffnet, mochte es auch noch so schönes Wetter sein. So schritt er auf ber Lanbstraße baher: „wie ein Hanbwerksbursche, mit aufgeknöpfter Weste unb mit einem Bünbel, Kleiber unb Wäsche enthalten!), an einem Stock über ber Schulter". Die Herzogin Amalie hatte ihm auf der Altenburg bei Weimar ein Lanbheim eingerichtet. „Rach feinem kleinen Tuskulum roanberte er gern hinaus, bie Holzscheite zur Heizung seines Stübchens unterm Arm mit Kaffeekännchen unb Tabakspfeife." Vom Fazilettlein zum Taschentuch. (Eine kulturgeschichtliche Plauderei. Von Dr. Wilhelm ® e m p e r (e. Die Zeit, da man sich in allen Ständen und Schichten des Volkes ungestraft die Nase mit dem Aermel schneuzen konnte, liegt noch gar nicht so weit zurück. Das Taschentuch ist heute überall ein so selbstverständlicher Gebrauchsgegenstand geworden, daß wir erstaunt finb, zu hören, wie unbekümmert man noch vor einigen Jahrhunberten selbst an den Fürstenhöfen, bie sich ihres guten Tones unb ihrer feinen Sitten rühmten, ber Hygiene ber Nase gegenüberftanb. Das hängt zweifellos auch mit ber Entwicklung ber Kleibung zusammen, an ber erst verhältnismäßig spät Taschen angebracht wurden, ohne die sich^ wenigstens die Männer den praktischen Gebrauch des Taschentuchs kaum vorstellen können. Wie weit sich die Vorläufer unseres heutigen Taschentuchs zurückverfolgen lassen, darüber sind sich die Gelehrten noch immer nicht einig. Wenn Aristophanes in seinen „Rittern" den schmeichlerischen Kleon zum Volk sagen läßt: „Wenn Du Dich schneuzest, o Demos, wisch Deine Finger an meinen Haaren ab", so dürfen wir aus diesem drastischen Beispiel entnehmen, daß die Griechen der Blütezeit noch kein Taschentuch kinnten, und selbst bie vornehmsten unter ihnen scheinen sich beim Nasewischen ber Finger unb beim Trocknen ihrer Tränen der Aermel bedient zu haben. Immerhin hat es bei den Römern ber pcitrepublikanischen Zett schon Schweißtücher gegeben, wenn es M als ungesittet galt, sich in Gegenwart seiner Mitmenschen bas Gesicht ober bie Nase zu wischen. Aber auch diese Tücher, bie man „faciaha — b. h. Tücher zum Abtrocknen des Gesichts — nannte, sind gewiß nicht weit verbreitet gewesen, und es lag näher, den Aermel zu benutzen. Im späteren Verlauf der Entwicklung mögen feine Damen an biefer Sitte zuerst Anstoß genommen haben. Im Inventar ber Elemente von Ungarn, bie 1328 gestorben ist, begegnet man bereits einem „seidenen Nasentuch", unb Charlotte von Savoyen, die Witwe ßubrotgs XI., hinter« liefe bei ihrem Tobe sogar „drei Taschentücher gestickt in Gold und Seide . Anna von Bretagne, die 1492 Karl VIII. heiratete, verfugte, wenn wir den Chroniken Glauben schenken dürfen, über die stattliche Zahl von M«r Dutzend Taschentüchern. Jedenfalls war ein solcher Besitz Ausdruck des größten Luxus und ist es noch für mehrere Jahrhunderte geblieben. Die zierlichen Tiichlein aus kostbarsten Stoffen mit prächtigen Stickereien waren mehr Prunkstück und wertvolles Unterpfand von Freundschaft und Liebe als Gebrauchsgegenstand. Unter Soliman II. diente das Taschentuch in der Türkei sogar als Auszeichnung für die höchsten Würdenträger, die es im Gurte unterbrachten oder lang an der Seite herunterhängen liehen. Das eigentliche Taschentuch, so wie wir es noch heute, wenn auch in einfacherer Ausführung, benutzen, ist zuerst um 1540 in Venedig auf« getaucht und hat sich von dort schnell in allen europäischen Kulturländern verbreitet, aber es blieb zuerst ein Vorrecht der edlen Geschlechter. Unter Kart IX. trugen es die Kavaliere mit den Handschuhen zusammen in der Hand. Man konnte sich in der prunksüchtigen Renaissance in dem Riesenaufwand an Stoff, Besatz und Stickerei bei dieser modischen Neuerung nicht genug tun. Ein Venetianer soll bem Herzog von Toscana em solche» Taschentuch für zweihundert Dukaten angeboten haben. Als nun bas Bürgertum bie em Luxus nacheifern wollten, sahen sich bie Behorben veranlaßt" gegen die oft allzu auffällige Prachtentfaltung einzuschreiten oder doch zum mindesten für die einzelnen Stände den Wert der ihnen zu» stehenden „Schnüfseldöke" zu begrenzen. In Dresden war es noch 1595 den unteren Ständen überhaupt verboten, sich Taschentücher anzuschassen ober sie zu verschenken. Daraus bars geschlossen werden, daß diese „Un- sitte" schon stark „eingerissen" war. Vor allem hatten es die Behörden auf die kostbaren Taschentücher mit Perlen unb Stickerei abgesehen, die als ßiebesanbenten unter bem Namen „mouche de Venus" gern ausgetauscht wurden. Diese Tücher waren oft herrliche Kunstwerke aus den dünnsten Spitzen, aber deshalb sehr wenig für den praktischen Gebrauch geeignet. Man kann sich vorstellen, daß es nicht gerade angenehm gewesen sein mag sich bie Nase an einem mit Perlen reich bestickten Taschentuch zu putzen. In einem Anstandsbuch bes 17. Jahrhunderts wirb noch empfohlen, bas Tüchlein immer sichtbar zu tragen unb es möglichst auf den Knien auszubreiten, bevor man es benutzt, damit jedermann die Schönheit bewundern könne. Aber die Entwicklung des „Fazilettlein", wie es nach feiner Herkunft aus bem Italienischen hieß, zu einem Gebrauchs- gegenftanb liefe sich nicht aufhalten, unb schon halb begegnen wir euper Reihe von Anweisungen bie zeigen, daß man es immer weniger schicklich fand, die Hand ungeniert zum Reinigen der Nase zu benutzen. In seinem „Buch der Höflichkeit" von 1545 empfiehlt Jean Sulpice bereits eindringlich die Verwendung des Taschentuches, unb Erasmus von Rotterbam macht genaue Angaben über ben Gebrauch bes damals noch so ungewohnten Gegenstandes unb findet es unanständig, sich bie Hanb mit der Nase zu wischen. Ein so lebenskluger Edelmann, wie der große französische Skeptiker Montaigne, wollte sich von bem Nutzen dieser Neuerung jedoch noch nicht ganz überzeugen und hielt sie zum mindesten für unnatürlich. Das Taschentuch verbreitete sich in der zweiten Hälfte bes 16. Jahrhunderts jedoch immer mehr und fand auch in Deutschland Anklang. Ein deutscher Anstandskatechismus aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stellt bereits die Frage auf: „Jst's auch höflich, mit dem Barett ober Rock bie Nase zu schnäuzen?" und gibt bie Antwort: „Nein, benn solches gehört sich zu tun mit bem Fazilettlein". Zu Beginn bes 18. Jahrhunderts berichtet bas „Frauenzimmer-ßexikon" vom Schnupftuch: „Seynd kleine viereckige Tücher von allerhanb Sorten Leinwand, auch baumwollenen unb seidenen, halbseidenen unb anberen Zeugen geschnitten und umsäumt; sie finb weiß ober bunt, biejenigen Schnupff-Tücher, so das Frauenzimmer zum Staat führen unb insgeheim an bie Seite bes Aufsteckekleibes zu stecken pfleget, finb insgemein von Caton ober Nestel-Tuch auch mit geneigten ober geklöppelten Spitzen umsetzet." Um triefe Zeit hatte sich bas Taschentuch wenigstens teilweise durchgesetzt, wenn sich auch noch weite Schichten des Volkes bes alten bewährten Mittels bedienten, die Nase mit den Fingern ober mit dem Aermel zu reinigen. Ein großes Verdienst soll sich auch die erste Gemahlin Napoleons I-, Josephine um bie weitere Anerkennung des Taschentuches erworben haben. Man erzählt, baß bie sonst so schöne Kaiserin sehr schlechte Zähne besessen habe. Um diesen Mangel zu verdecken, führte sie bei Geellschast stets ein kostbares Taschentuch mit sich, bas sie im rechten Augenblick an bie ßippen brachte. Vom französischen Hofe aus machte es seinen Weg bis in bie Kreise ber bürgerlichen Frauen in ber Provinz. Zögernder befreundeten sich die Männer mit dem Taschentuch, das für sie aber an praktischem Wert gewann, als es zum „Schnupftuch" wurde. Die Sitte des Tabakschnupfens ließ ein solches Tuch nämlich als außerordentlich zweckmäßig erscheinen; es behauptete seine Beliebtheit auch nachdem das Tabakschnupfen um 1830 wieder allmählich abkam, unb damit hatte es sich in ben zivilisierten Ländern endgültiges Heimatrecht erworben. Heute wird der Nutzen des Taschentuches wohl nnr noch von ganz unentwegten Kulturfeinden bestritten, unb wenn es auch fetzt als Ziertüchlein seinen Charakter als Schmuckstück nicht verleugnet, s, ist es boch in erster Lime ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand geworben, von bem wir uns ebensowenig wie von ber Zahnbürste trennen können. Jedenfalls sehnen wir uns nicht nach ben Zeiten zurück, ba man sich die Nase mit bem Aermel schneuzte. Derantwortlich; vr. Hans Thyriot — Druck und Der lag: Brühl'fche Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. SiehenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger 8 Mrgang 1955 8«it«g, den 1. Marz Nummer 17 vierte -^=====^—■*— ius et. it auf in Öen Kloster unter am im feiner Kauern i Dorf- Saum- i Atem 5 diefer »tzenden nd ihre , einem > Kirche hen die Deshalb chenleer. al ganz e. Denn ontjmus um für >s herr- tühlchen, Und im i düster, r. lieber Marmor Nischen, üginnen, i allsähr- je. Einer ließ den forte die men und e, weiße, chag Do" n Sßalois. Wahrheil nein Heß, Was m geblieben, äs gerade Eiferfuch' attn m“" I, -'s e der früher ng diel-« nb bieei«' ie Gesetz' Jen. ®" itnal ®iri Tod °ea Vierenol” “ribernee v> Cyan Blue Blue___________< White G Grey 1 1 e 14 11 6 5 4 Z £ V 9 L 8 6 Wenn Ihr mtr nur em wenig nachgeven wolltet, brauchtet Ihr Euch von Matthies nichts gefallen zu lassen." Sie zog ihn in die Küche und redete auf ihn ein. Friedrich aber, der merkte, daß ihr Herz noch an Bertold hing, versteifte sich immer mehr und sprach endlich: „Den einen willst du nicht und den andern bekommst du nicht, solange ich lebe." Das war ein feierlicher Spruch und an dem harten und finsteren Gesicht ihres Vaters sah Birge, daß es nun bald Nacht werden müsse mit ihrer Liebe zu Bertold Sie sah noch lange, als ihr Vater gegangen war, in schmerzlichen Gedanken am Herd. So ging sie zum Vater, der finster auf feinem Schaffell saß, zündete die Lampe an und sagte: „Vater, ich habe es mir überlegt. Ihr könnt mit dem Fasse tun, was Ihr wollt. Es ist so gut, als ob Ihr mir nichts versprochen hättet. Ich will Euch in allen Stücken gehorchen." Der Vater rührte sich kaum. Er sagte vor sich hin: „Ich weiß schon, was ich tue, Birge; wenn sich einer zu viel einbildet, bann tut's nicht gut. Ich werde mit dem da drüben schon fertig werden." Da konnte sich Birge nicht mehr halten. Sie kniete vor ihren Vater und weinte. Friedrich aber stand auf, stellte sich mit dem Rücken ans alte Uhrgehäus und sprach: „Die Sache hat jetzt einen anderen Boden, 12 13 19 20 17 18 Ignus Wehner 45., München 15 16 9 10 2 3 7 8 Die Hochzettskuh Colour & Grey Control Chart cht das Wort Liebe für ihr Gefühl, aber Tag i schönen Burschen, der ihr Bild stets bei sich je sich, und es kam ihr vor, daß sie irgendeinen >n fest umschloß oder an ihre Brust drückte, en sprach. )em Besuch im Nachbarhaus nicht mehr von im stillen die Vorbereitungen zur Heirat, er Stück für Stück bestellte und im Beihaus ler weiter von Friedrich zurück, je öfter dieser rächte ihm Freude, den hageren, reichen Nach- Tochter zu demütigen. Der Teufel trug ihm eines Tages das Gerücht von Friedrichs Versprechen ins Haus. Das vergrößerte feinen Zorn auf Birge. Es war einige Tage vor Weihnachten. Friedrichs Knecht tarn wieder mit einer glänzenden Fuhre, auf der oben rosige Betten schimmerten, aus der Stadt. Matthies stellte sich auf die Gasse, um beim Abladen zuzuschauen. Friedrich und Birge eilten zu gleicher Zeit aus dem Hause. Das Gesinde trug die Betten ins Beihaus, es war schon alles abgeladen, bis auf eine Lage Stroh im Grunde des Wagens. Friedrich, und der Knecht wollten den Wagen in die Scheune schieben. Als es nun schon ein Stück bergauf gegangen war, da rollte auf einmal ein gelbgestrichenes Faß mit Blechverschluß aus dem Stroh. Friedrich suchte es in verzweifelter Hast mit einigen Strohhalmen zu bedecken; es war vergebens, Birge hatte schon erspäht, daß es ein Schnapsfaß war. Sie stand lächelnd auf dem Pflaster. Friedrich ließ den Wagen stehen, wo er stand, ging zu ihr, klopfte ihr auf die Schulter und sprach: „Was meinst du wohl, was in dem Faß ist?" „Sicher keine Wagenschmiere", lachte Birge. „Nein. Schnaps ist drin, verteufelt noch eins", rief Friedrich. „Und weißt du, was ich damit anfangen will? Deinem Schwiegervater will ich ihn schenken." „Du weißt ja, was du mir versprochen hast." „Ich trinke keinen Tropfen davon", beteuerte Friedrich. „Dann laß ihn nur gleich hinüberfahren", sagte Birge. In diesem Augenblick mischte sich Matthies ins Gespräch. Er lehnte Striohri-’ho Nioiohonk rimhmozi nht -äx—in hör tmrinon SHlnAo £»Ih»r ru^griegi, unu uiciui j/uns cu|i yui, jcgi emiiiui uiijuiiugcit, untu ri icht daneben tappen." . „Das kann er machen, wie er will", entschied Matthies kurz, aber st-undlich, und sah Friedrich fest in die Augen. Friedrich drehte sich um, griff an den Hut, ohne zu grüßen, und mg heim Der Dicke pfiff sofort seinem Hans und teilte ihm das 8-spräch mit. Hans wäre am liebsten gleich zu Birge gelaufen, aber dir Vater puffte ihn in bst Seiten und sagte, das fei ganz verkehrt, hier gehöre hart auf hart; man müsse die drüben jetzt warten lassen, di mit vor lauter Ungeduld die Aussteuer wachse und die Schränke und Truhen von selber zu Hans hereinspazierten. Dann könne er spater »ich der Heirat immer mit gutem Grund den Herrn im Hause spielen. Spns sah betrübt alles ein und lieh seine.Ungeduld in den nächsten lagen am Vieh aus. Mit Birge aber ging eine Aenderung vor. Sie suhlte, daß ihr Vater tof dem Nachbarhof gebemütigt worben war, wenn er sich auch so stellte, als ob alles im Lot sei. Das kränkte sie, benn sie liebte ben Vater. Mit 3 ttern sah sie jetzt leben Tag heraufkommen, denn nun, da der Vater 1 dj n einem Fremden beleidigt war, hätte sie ihm unbedenklich ihr Herz »opfert, um ihn wieder gut zu stimmen. Anderseits trug sie Bertolds Trief immer bet sich. Er brannte von Tag zu Tag immer mehr über Green Grey 2 Yellow Grey 3 Red Grey 4 Magenta Black Matthies stand vor dem Tisch, er hatte Friedrich längst kommen sehen. ,.JIn stummer Kamps entstand, wer zuerst Guten Tag bieten werde. Da | keiner dazu entschließen konnte, brach sich endlich Friedrich ein $brt vom Mund ab, das so klang wie „tüchtig geschneit". „Wie nicht recht gescheit" antwortete Matthies. Friedrich schwoll vor Zorn an wie eine Tonne. Seine Wut galt, in euer kühnen Gedankenverbindung, weitläufig wie eine bäuerliche Ver- mndtensippe, keinem anderen als Bertolds Vater. Wäre dieser nämlich in überspannter Mensch gewesen, bann hätte er Bertolb nie stubieren [en, hätte Bertolb nie ftubiert, bann hätte er keinen Liebesbrief ge- ;rieben, bann brauchte er, Friebrich, hier nicht in sichtlicher Demütigung tut Matthies zu stehen. Er zerrte mütenb an biefer Gebankenkette unb riß schließlich das Hgenbe ©Heb los: „Ich pfeife auf bie Stubierten" Dieser Ausspruch hatte mehr Sinn, als Friebrich itn ersten Augen- bid wissen konnte. Er war bas unmittelbare Sprungbrett zu Bertolb, Ötm Nebenbuhler Hansens, unb bamit war man ja im Mittelpunkt aller Stagen. Matthies war klug genug, vorsichtig auf biefes Sprungbrett sj i. treten. Wenn auch bas, was er nun sagte, einem Stabtrnenfchen Mig abroeijenb geklungen hätte, so wußte hoch Friebrich recht gut, wie e< gemeint war, unb baß er jeberzeit herüberkommen könne, wenn sein Tchnapsfaß zur Neige ging. Matthies aber antwortete so: „Es wirb wrklich halb Zeit, baß mein Hans eine Frau kriegt. Ich wußte ihm ja i manche stehen, aber er hat sich nun einmal bie Birge in ben Kopf gefetzt. '" meine aber, bas wirb sich schon geben, wenn sie ihn immer abfahren Ocm 1