Nummer §9 Freitag, den 28. Juni Jahrgang 1955 Garten davon- das hätte ihn wollte und nie davon hast?" ut, daß Du da bist ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR Copyright 1933 by August Scherl E>. m. b. ’5-1- Äertin (Fortsetzung.) SietzenerKimilieMätter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Steinlen empfing sie sofort im Direktionszimmer des Deutschen Botts- theaters. „Sie sehen so vergnügt aus, liebe Frau Thiele, daß ich hoffe..." „Nächsten Monat ist Ludwig hier." „Wann trifft er ein?" , , „Er ist am Zwölften drüben fertig und fahrt sofort ab^ Steinleins Gesicht verfinsterte sich, und er stand auf. „Das ist zu spat. mch, d°. erste- . „Nein, das kann ich nicht und würde es auch nicht tun, wenn ich es könnte!" . c„„ „Warum nicht, wenn ich fragen darf? ^„„tiHnnen Weil ich keine Lust mehr habe, mir von Thiele alle Dispositionen umwerfen zu lassen — ganz abgesehen davon, daß es diesmal gar nicht geht. Ich habe noch andere Verpflichtungen s. mn( „Er kommt nicht früher los. Es ist ,a nicht feine Schuld diesmal "'^Zugegeben. Aber es darf auch nicht immer mein Schaden fein " „Sie sprechen so, Herr Steinlen, als ob Sie aus einmal Ludwigs Geaner wären." . „ „Das bin ich nicht. Aber ich muß jetzt auf ihn verzichten „Sie werden doch das neue Stück nicht mit einem anderen besetzen ? "Könnten Sie nicht vorher ein anderes Stück geben? Und dann die ,Verräter' am ersten Oktober? Als erste große Premiere? ",Und ^wen'n °üh^Sie bitte, in Ludwigs Namen bitte, alles zu oer- hin gebunden, Frau Thiele. Es hängt nicht nur von mir ab. ,',Das ist nicht wahr!" rief Elisabeth unwillkürlich. ^Ver"zechen"Ne?Herr Steinlen!" begann sie nach einer Pause ruhiger Ich hatte den Eindruck, daß Sie aus einem berechtigten Aerger über die Schwierigkeiten, die Ludwig Ihnen diesmal ohne ferne reiten muß, meiner Bitte allzu schroff entgegenstellem S-Kstv er strich baden Sie andere Verpflichtungen, von denen ich nicht weih, wie wett sie reichen. Aber könnte man nicht versuchen, etwa rn einer sachlichen Mitteilung an die Presse die Verschiebung des Termins zu begründen? ®". A bi» w Sie geben ein anderes Stück. _ "äluf vierzehn Tage! Wissen Sie, was mich das kosten kann? Was ich dabei riskiere? Sie wissen es natürlich nicht, und Ludwig denkt uber- ""^Er"ist^ganz°dam^t einverstanden, daß Sie den Wallenstein bis nach ■teS "Kmmsch. „s.?- 31t -r M - R-m. M. Stau Ifiiele. Ich kann nicht mehr warten. Am fünfzehnten September eröffne ich mit den .Verrätern' — of)ne ßubroig!" Elisabeth stand auf. „Ist das Ihr letztes Wort? Elisabeth reichte ihm nicht die Hand, als sie hinausging. Sie war überzeugt daß Steinlen ihr nicht die Wahrheit g«: agt, sondern nur seinen guten Willen Ludwig gegenüber verloren hatte, und war über fCn?“nächsten^Tag ’erschien Tn der ganzen Presse eine Notiz über die Eröffnung des Deutschen Volkstheaters am fünfzehnten September — Eniil Ianninas in der tragenden Rolle. , , , Der anqekllndigte Brief Ludwigs, der nach einer Woche eintraf, enthielt die Nachricht, daß er am fünfundzwanzigsten September Mit der Bremen" eintreff-, sowie Vorschläge für Steinlen d,e «edoch von den Tatsachen schon überholt waren. Außerdem einen Scheck über fünftausend Dollar Elisabeth brachte ihn zur Bank und ließ sich damit ein besonderes Konto eröffnen. Aus welchem Grunde sie das tat, wurde ihr im Augenblick nicht ganz klar. Sie sagte sich nur, daß sie nicht daran ruhrem wolle, bevor Luw.?zurück war! Obgleich sie wußte, daß in der nächsten Z-.t allerband finanzielle Schwierigkeiten auf sie warteten. Sie überwand sich und ging nochmals zu Steinlen. Obgleich er mitten in der Arbeit" war — er führte wiederum selbst Regie m dem neuen Stück — empfing er sie höflich, hörte auch bereitwillig an, was sie aus Ludwigs Brief zitierte, und plauderte liebenswürdig, gab aber keine Antwort mehr darauf. Man werde sehen, was sich machen hefte. Vor- läuich käme das neue Stück. Aber das sei ja kein Unglück. Man werde eine ändere Rolle für Thiele finden, so bald wie möglich. Und dann, nach Weihnachten, eventuell der Wallenstein ... Eliiabetb begriff, haft sie bei ihm nichts mehr erreichen konnte. Da mußte Ludwig selbst eingreifen. Er wurde mit seinem alten Direktor fertig werden.^ Erst nach diesem zweiten Besuch schrieb sie das negative schickt?" „Machst du dir Sorgen, Billy? „Du nicht?" ,'.Dann sind auch meine ganz überflüssig. Uebrigens brauchen^wir sitzt im Haushalt so wenig, daft wir noch eine Weile rch . , ^te mit Gläubigern fertig wird, hab ich von Doktor Hartl gelernt, lach Billy. „Ich auch!" „Dann sollen sie nur kommen! , @r.mm «inni „Lieber wäre mir allerdings, wenn Ludwig kam-. - K°7 oussäbr- Wir gehen hinüber aufs Postamt und schicken ihm ein langes, aussuyr liches Telegramm." u fflÄTÄMM. d°,ilb-r wirft bu ,h-2 «-n ’S Steinlen präfentaen. Mepgn. »«I * „Mit dem grötzten Vergnügen! - Jetzt darf das Kabel fo lang werden wie ein Roman." Ludwigs Antwort aus Hollywood lautete: baft feine Arbeit am zwölften September beendet fei, worauf er sich I f gegen Ende des Monats in Berlin emtreffe Er bat Elisabeth, alles daranzusetzen, um Steinlen zu beroegen, nut fe L aenaueren Premiere auf ihn zu warten. Ein ausführlicher Br f g ^'Ä'S.rÄ Sonftanlln Er M.fl.nul dem schnellsten Wege in die Stadt. Erst unterwegs s ich , Nachricht, die sie brachte, für Steinlen keine gute war. Sie felb|t gatte sich darüber gefreut wie ein Kind. „Wen heiraten Sie denn, um Gottes willen?" „Unseren Doktor Kern." . ~ „ ,, Steinlen schüttelte verzweifelt den Kopf. „Der toare der Letzte gewesen, dem ich so etwas zugetraut hätte. Das richtet sich nicht gegen Sie persönlich, Billy. Gott bewahre! Nur gegen das Heiraten trn allgemeinen. Aber es gibt keinen zuverlässigen Mann mehr, wie es scheint. „Ssi sind ja$schon verheiratet — mit Ihrem Theater!" sagte Villip In diesem Fall: Gott sei Dank! — Auf Wiedersehen, liebe grau Thiele! Lassen Sie bald von sich hören. Adieu, Billy! Grüften Sie Ihren Doktor! Er hat mich bitter enttäuscht. Ich hielt ihn für unverwundbar. Sber alle Achtung vor Ihrer Kriegskunst!" Billy zuckte die Achseln und ließ ihn allem durch den gehen zu seinem Auto, das vor dem Tor wartete. „Jetzt muß ich an Ludwig kabeln!" sagte Elisabeth. „Ich gern vermieden." „Warum denn?" fragte Billy verwundert. „Es könnte fo aussehen, als verstünde ich ihn nicht drängen, wie ein törichtes, eifersüchtiges Madel." „Bist du denn nie eifersüchtig, Lisa?" „Doch und sehr! Aber das ist meine Sache. Er braucht mehr etwas zu wissen." . ...... „Und du kannst dabei lächeln, wie du ,-tzt eben gelächelt „Hab' ich das? Ich hab' es nicht bemerkt." „Glaubst du nicht, daß es ganz gut für dich wäre, wenn Ludwig einmal wirkliche Angst haben müßte, dich zu verlieren? „Nein, Billy, das glaube ich nicht." „Aber es war doch vor kurzem fo!' Elisabeth sah ihr überrascht in die Augen. Billy setzte sich schnell neben sie und ergriff schüchtern und verlegen ihre Hand. „Verzeih, wen ich etwas sehr Dummes gesagt habe! Es suhr nur heraus gegen meinen Willen. Außerdem ist es sicher falsch." . ,. Elisabeth schüttelte leicht den Kops, und Billh wußte nicht ob^ sie damit ihren letzten Ausruf verneinen oder nur einem Erstaunen Aus druck geben wollte. Aber sie war nicht neugierig, da sie sich auf ihren gefunden Instinkt verließ, und fo lenkte sie rasch ab rc. Ist nickt mehr viel Geld IM Haufe. Was machen wir, wenn Ludwig nicht bald kommt ober nicht bald eine vernünftige Summe Resultat nach Hollywood. Als Antwort kam nur ein Kabel mit einem bekannten Zitat für Steinlen Der Monat bis zu seiner Ankunst wollte kein Ende nehmen. Er schien Elisabeth länger und leerer als die ganze übrige Zeit seiner Abwesenheit. Lon Doktor Hartl kam ein langer Brief aus der Schweiz, wohin er mit seiner Arbeit geslüchtet war. Er teilte ihr mit, daß diese Arbeit beendet sei und jetzt in Druck gehe, damit sie noch zum Ende des Jahres als Buch erscheinen könne, lieber seine Frage, ob er sich die Freude machen dürfe, ihren Namen mit einer Widmung auf die erste Seite des Buches zu setzen, schüttelte sie mit leiser Wehmut den Kopf. Dann aber schrieb sie ihm mit ihren großen, steilen Buchstaben, daß er ihr damit die gleiche Freude bereite wie sich und daß er nicht mehr allzu lange fortbleiben sollte, nachdem Ludwig Ende des Monats wieder hier sein würde. Wie sehr sie ihn vermißte, konnte er zwischen jeder Zeile des kurzen Briefes herauslesen. 33. Am fünfundzwanzigsten September, mittags um zwölf Uhr, stand Elisabeth mitten in einer Menge wartender Menschen auf dem Kai in Bremerhaven und sah mit hämmerndem Herzen zu, wie der Riesenleib der „Bremen" — die genau zu der im letzten Funkspruch angegebenen Stunde eingelaufen war — an ihren Stahltrossen festgemacht wurde. Das schwierige Manöver nahm eine Zeit in Anspruch, die Elisabeth endlos vorkam. Sie suchte vergebens unter den aus dem Mitteldeck zusammengedrängten Passagieren Ludwigs Gestalt herauszufinden. Jetzt aber war die Brücke zum Kai geschlagen, und die Fahrgäste verließen hintereinander das Schiff. War das Ludwig? ... Nein ... Der Mann hatte nur seine Größe und seinen wiegenden Gang ... aber eine Breite! Sein Gesicht konnte sie noch nicht sehen. Jetzt aber machte er die halbe Wendung um das Ende der Brücke. ... Nein, da war um das ganze Kinn ein kurzer dunkelblonder Bartl Und diese Breite im Hellen, lose sitzenden Sportanzugl Elisabeths Herzschlag setzte einen Augenblick aus: Es war Ludwig! Jetzt hatte er sie entdeckt und hob den freien Arm. Mit feinen langen Schritten kam er auf sie zu. Sie lag an feiner Brust, fah in feine strahlenden blauen Augen und spürte die weichen Haare seines Bartes an ihrem Kinn, als er sie küßte. „Ludwig ...!" stammelte sie halberstickt. „Beinahe hätte ich dich nicht erkannt. Dieser Bart!" „Gesällt er dir nicht?" „Du siehst so fremd damit aus!" „Ich brauchte ihn für den letzten Film. Dann ließ ich ihn stehen, weil ich sand, daß er gut zu mir paßt. Aber wenn du meinst ..." „Gar nichts meine ich im Augenblick! Später vielleicht ... Jetzt freue ich mich nur, daß du wieder da bist!" „Ich bin sehr dick geworden drüben ...?" „Wieviel wiegst du denn?" „Hundertundneunzig ... und etwas .. „Ludwig!" rief sie erschrocken. „Hier werde ich die überflüssigen Kilo bald wieder loswerden. Sie haben mir schon genug zu schaffen gemacht. — Jetzt aber vorwärts, Lisa, meine gute Lisa! Nach Hause! So schnell wie möglich nach Hause!" „Der Zug geht erst in ein paar Stunden." Ludwig lachte. Sein altes, dröhnendes Lachen, „Ich habe etwas mitgebracht. Es wird gleich ausgeladen mit dem Gepäck. Als erstes. Das hat mir der Offizier in die Hand versprochen. Außerdem hat es genug gekostet, daß er sein Versprechen auch halten „Was ist es denn?" „Ein wunderbarer Wagen! An so was gewöhnt man sich drüben. Mit dem fahr ich dich direkt von hier nach Nikolassee. Oder hast du etwa den alten mit?" „Nein, den hab' ich mit Konstantin zu Hause gelassen." „Wer ist Konstantin? Ach, ich erinnere mich: Billys tüchtiger Chauffeur! Der wird sich mit dem alten Kasten eine neue Bleibe suchen müssen!" „Bring, bitte, nicht gleich von hier aus alles durcheinander!" lachte Elisabeth. Sie hatten, langsam nebeneinander gehend, den Kai verlassen. „Sieh mal, Lisa, dort drüben ist eine hübsche kleine Kneipe. Dort setzen wir uns und warten, bis der Wagen ausgeladen ist. Alle anderen Formalitäten sind schon erledigt. Ich habe einen gewaltigen Durst auf den ersten Schluck — mit dir — und schon fast zu Hause!" Er führte sie in die Kneipe und fing an zu erzählen. Von der lieber« mhrt, von feiner Arbeit, wie er drüben gewohnt hatte, von Direktor Grolman und den Regisseuren, mit denen er oft von morgens bis in Die spate Nacht im hitzedampfenden Atelier gestanden hatte, von seinen Erfolgen drüben, von den deutschen Kollegen und von denen aus aller Herren Ländern, die in Hollywood zusammenströmten. Alles wahllos herausgegriffen und ohne Zusammenhang, von einer Einzelheit auf die anöere überspringend, aber lebendig, plastisch gesehen und wiedergegeben mit feinem sprühenden, durch die Heimkehr und das erste Wiedersehen mit Elisabeth aufgerüttelten Temperament. Er trank Whisky mit Soda unö Eis, was er sich drüben angewöhnt hatte, und Elisabeth erschrak leise über die Menge, die er von dem scharfen Getränk, das sie nicht mochte, zu sich nahm, ohne daß eine Wirkung zu spüren war. Der Kellner den Ludwig zur Beobachtung ausgesandt hatte, brachte nach einer Weile die Meldung, daß der Wagen von der „Bremen" aus- geladen sei. Es war eine schwere, niedrige Reiselimousine, schwarzlackiert Wberfarbcnen Streifen. Ludwig ließ sie abschleppen bis zur Tankstelle unb verstaute die beiden Koffer auf den Rücksitzen. Der Motor sprang an, und er jagte davon, die eine Hand auf dem ßentrab, die andere um Elisabeths Schulter, und kam bald in eine Ge- ichwmdigkeit, die ihr eine ängstliche Warnung abzwang. Doch er lachte nur und gab noch mehr Gas. Bald lag die Stadt hinter ihnen. ,,, Der Tag war wolkenlos und noch so warm wie im Hochsommer, ner die Roggen, und Weizenfelder rechts und links der Straße waren längst geschnitten und umgepflügt. Aus den Furchen des nächsten Rüber, feldes stieg beim Nahen des Wagens em Volk junger Rebhühner auf. Sie waren über eine Stunde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von achtzig Kilometer gefahren, als Ludwig das Tempo mäßigte und wieder den Arm um Elisabeths Schulter legte. „Wie sieht die kleine Isabella aus?" fragte er und küßte sie rasch hinters Ohr. „Du hast wirklich an sie gedacht? Ich war der Meinung, daß du sie vollkommen vergessen hast." „Du merkst also nicht, daß ich nur ihretwegen so schnell nach Hausi will! — Wie sieht sie aus?" „Rund und hübsch. Ich glaube, sie bekommt rote Haare." „Sieht sie mir ähnlich?" „Sie hat deine Augen. Alles übrige wohl von mir, mit Ausnahnu der Haare!" „Nach den Photos, die du geschickt hast, kann ich mir kein Bild machen. Wer hat sie ausgenommen? Billy natürlich!" „Ich finde sie gut." „Hm, ja!" „Hast du übrigens gewußt, daß Billy einmal Krankenschwester war?" „Nein. Aber es wundert mich nicht. Es paßt zu ihr." „Sie hat mich gepflegt, wie ich es mir nicht besser wünschen konnte, und jetzt pflegt fie die kleine Isa." „Ein prächtiger Bursche!" „Aber wir werden sie jetzt verlieren." „Wieso denn? Hast du dich mit ihr gezankt?" „Im Gegenteil. — Sie heiratet." Ludwig ließ vor Ueberraschung den Gashebel los, so daß der Wagen ganz langsam rollte. „Darüber hast du kein Wort geschrieben. Warum nicht?" „Du erfährst es früh genug." „Wen heiratet sie denn?" „Deinen Freund Sern, der auch mein guter Freund geworden ist!" „Der ist wohl verrückt, zu glauben, Billy einfach wegnehmen zu können! Aber so sind die Freunde, wenn man nicht da ist! Mit dem werde ich ein Wort reden!" „Du wirst doch nichts dagegen tun, Luwig? Wir freuen uns alle für die kleine Billy." „Vorläufig bleibt sie da!" „Du bist immer noch der gleiche schreckliche Egoist!" lachte Elisabeth und lehnte sich an ihn. Er gab Gas, und der Wagen kam rasch wieder auf Touren. — Nach Sonnenuntergang hatte Billy die beiden Hunde ins Haus genommen und wartete mit ihnen in der Diele auf Nachricht. Auch Konstantin blieb auf, da er vielleicht noch gebraucht wurde. Elisabeth hatte hinterlafsen, daß sie entweder durch ein Telegramm aus Bremen ober telephonisch aus Berlin nähere Anweisung geben würde. Sie wußte, daß Ludwig es nicht liebte, in ein feststehendes Programm eingeorbnet zu werden. Aber weder das Telegramm noch der Anruf waren gekommen. Jetzt mußten sie schon in Berlin fein. Nun, vielleicht blieben sie dort über Nacht und bestellten den Wagen erst morgen früh. Billy beschloß, bis Mitternacht zu warten. Bei Ludwig war jede Ueberraschung möglich. Pitt und Fox befanden sich in einer ungewöhnlichen Aufregung. Billy hatte ihnen seit Stunden so viel von ihrem Herrn und seiner Rückkehr erzählt, daß sie begriffen zu haben schienen, um was es sich heute handelte. Auch daß sie am Abend ins Haus mitgenommen wurden, war eine so seltene Tatsache in ihrem Leben des letzten halben Jahres, daß sie vor freudiger Erwartung ständig hin und her liefen, wie auf der Suche, von einem Zimmer zum andern, von den Fenstern, an denen fie sich aufrichteten, um hinauszuspähen, zur Haustür und wieder zurück, mit zuckenden Schweifen und feuchten Mäulern. Auch ihr Fressen hatten sie kaum berührt. Billy hielt es in der Diele mit ihrem Buch nicht aus. Sie wanderte ruhelos durch das ganze Haus, stieg in den ersten Stock hinauf und sah nach dem Kind, das in seinem Korbwagen friedlich schlummerte, bann in den Keller hinab, wo Konstantin mit der Köchin plauderte, was er sonst nicht tat. Die Hunde folgten ihr wie zwei slackernde Schatten. War das nicht das Geräusch eines näher kommenden Autos? Es war so still um das Haus am See, daß auch ein entferntes Geräusch deutlich hörbar wurde. Ohne Zweifel war das ein Wagen. Jetzt war er schon ganz nahe, hielt vor dem Gartentor. Also hatte Ludwig doch in Berlin eine Taxe genommen, ohne sie zu benachrichtigen und seinen Wagen rechtzeitig kommen zu lassen. Billy stürzte aus dem Haus und den dunklen Weg entlang. Pitt unb Fox überholten sie in wilden Sprüngen und mit heiserem Gebell. Vor dem Tor stand mit flammenden Scheinwerfern ein langgestreckter Wagen, von dessen dunklem Lack sich silberfarbene Streifen a'bhoben Ein riesiger bärtiger Mann stieg aus und reichte Elisabeth seinen Ann in den geöffneten Schlag ... Schon waren die Hunde bei ihm und gebärdeten sich, als hätten sie den Verstand verloren. Beinahe hätten sie in ihrem Ansturm Elisabeth zu Boden gerissen. Ludwig konnte sich ihrer wilden Zärtlichkeit nicht mehr erwehren. Er brüllte vergeblich seine Kommandos in die Nacht. Ja, es war Ludwig, stellte Billy, die in der Mitte des Weges stehengeblieben war, an dieser Stimme fest. Jetzt kam er ihr entgegen, an einem Arm Elisabeth, mit dem anderen die beiden Hunde abwehrend. Auf einmal ließen sie von ihm ab, stürzten auf Billy zu und sprangen auch an ihr hoch, bis er bei ihr war. Sie fiel ihm um den Hals. „Guten Tag, Billy, alter Junge!" klang seine Stimme aus dem Bart über ihrem Gesicht. „Ludwig ...!" brachte sie nur heraus unb hängte sich an seinen anderen Arm. (Fortsetzung folgt.) Feldeinsamkeit. Don Hermann Allmers. Ich ruhe still im hohen, grünen Gras und sende lange meinen Blick nach oben, von Grillen rings umschwirrt ohn' Unterlaß, von Himmelsbläue wundersam umwoben. Und schöne weihe Wolken ziehn dahin durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; — mir ist, als ob ich längst gestorben bin und ziehe selig mit durch ero’ge Räume. hatte „Hobbel Frank" fügte sich mit rührender Rücksichtnahme und beispiel- ?r 2)emut in bas tnilbe (Betriebe biefer 6etunbaner?QmerQbfcf)Q[t ein. lofer Demut in bas roilbe (Betriebe biefer SekunbanerkameraoiHast ein. Es war erschütternd zu sehen, wie er wendig und verbissen versuchte mit seinem Klumpfuß bei den schnellen Spielen, bei Rennen, Schlagvall und bei den Ausflügen mitzuhalten und keinesfalls hindernd zu fein. Wenn ihm auch oftmals der Schweiß von der Stirne troff: mit einer gewaltigen Energie, die nur aus einem heldenhaften Willen gespeist werden konnte und in manchem stillen Gebet jugendlicher Herzenseinsamkeit sich Nahrung holte, überbrückte er alle Hindernisse und kam immer mehr dem Herzen seiner Mitschüler nahe, die das gute Auge des jungenMenschen eigentlich von vornherein überwunden hatte. Immer liebevoller wurde im Laufe der Zeit der Ton ihrer Stimmen, wenn sie »Hobbel Frank riesen und immer heller ihr Auge, wenn sie ihn auf der «trahe erviick- ten und mit frohem Wink an ihre Seite zwangen. Nur eine kleine Gruppe von Mitschülern brachte diese Sympathie des Herzens nicht auf, verfolgte vielmehr den blaffen Kameraden mit häßlichem Spott und scharfem bösem Gelächter Diese Gruppe wollte herausbekommen haben, daß „Hobbel Franks" Vater infolge eines^betrügerischen Bankrotts sich aus dem Westen des Reiches '" d'-fe Gegend verzogen hatte und sie ließ nun den Sohn ur d'e, angebliche Schuld des Vaters büßen. Besonders Walter R., ein über 'eme Jahre entwickelter schöner und auffallender Bursche, ward em unerbittlicher Feind des Schmalen, Zarten, er überschüttete ihn mit versteckten Anspiestrngen und Drohungen; roh und verwerflich, schlug er aus dem Leib -schaden den der Schwächere gelassen trug, das Kapital für seine bösen und unmensch Hobbel Frank. Erzählung von Hans Franke-Heilbronn. In einem mitteldeutschen Infanterieregiment ging, kurz nachdem die ersten Freiwilligen an die Front gekommen waren und sich die grausamen und heldisch getragenen Tage von Becelaere, Langemarck und Messines vorbereiteten, der Ruf „Hobbel Frank" bei einer Gruppe von Freiwilligen der zehnten Kompanie, deren Mitglieder der gleichen Schule entstammten, von Mund zu Mund. Diese jungen Menschen — die mit ihren hochaufgeschossenen Gliedern, ihren freien jungen Gesichtern, ihren nicht immer ganz gerade sitzenden Koppeln und Helmen unter dem Rest der Aktiven unschwer zu erkennen waren, denen es Gewohnheit geworden war, des Abends in den Ruhestellungen, ja mitten im Graben wehmütige Heimatlieder zu fingen oder gar auf der Harmonika zu spielen — benutzten (wie man bald beobachten konnte) diesen Zuruf, um sich aus langen Märschen, im feindlichen Schrappnellseuer aufzustacheln, zu größerer Kraftentsaltung zu steigern oder einem der ihren ein helles mutiges Wort mit auf eine gefährliche Patrouille zu geben. Wie es aber zu diesem Rufe kam, das mag in folgendem erzählt werden: Alle, die je in ihrer Jugend Indianer- und Abenteuergeschichten gelesen haben, ist die komische Figur des Hobbel Frank bei Karl May erinnerlich, jenes kleinen sächselnden Männchens, das in einem abgetragenen blauen Schoßrock, einen großen von einer Reiherseder geschmückten Hut auf dem Kopfe mutig und auf einem Beine hinkend die Prärien, Wälder und Kannons von Amerika durchstreift, trotz seines Hinkens bet gutem Humor. Gut bei Humor ober absonderlich gekleidet war der kleine schmale Frank W., als er scheu und bescheiden als ein „Neuer" unter feinen Mitschülern stand, nun keineswegs, wohl aber hinkte er. Aus einem anderen Landstriche Deutschlands war er in diese Gegend und hier auf dieses Pennal verschlagen worden, und es währte nur eine halbe Stunde und schon hatte man den zarten und mittelgroßen Kameraden mit dem Spitznamen „Hobbel Frank" belegt, der von nun an für ihn zu gelten Bas® aE märe zu tragen gewesen, »umal Hobbel Frank in einer anderen Gruppe von Freunden geborgen und beschützt ruhte. Da aber (am der Krieg! Und damit stand der arme „Hobbel Front von heute auf morgen in einer grauenvollen Verlassenheit Niemand kümmerte sich mehr um ihn, fast die ganze Prima meldete sich freiwillig und alle, die beim ersten Ansturm nicht genommen worden warem durften hoffen, i wenigen Monaten unter den Fahnen zu stehen. Der Sch z . . stehenmüssens hatte „Hobbel Frank" noch um einen Schein blas e se . Auge noch tiefer, und trauriger gemacht, °"schlo scn und emsam sah e Mitschüler und Lehrer hinter den Toren von Kasernen und D pots ve schwinden jedes Wort des Bedauerns machte ihn armer, und muoe lächelte oft fein Mund, wenn er in die begeisterten Wogen des vo h 5“U$m(Mbenbarreine5 Septembertages dieses groBen Wes. lief eine schauerliche Kunde die kleine Stadt und drang auch olsbow m die Stuben des Depots, in der die ehemaligen Mitschüler von „Hovvei Frank" müde den anstrengenden Tag ihresDienstes be^ch ss . . Die oberen Klassen des Pennals naml.ch hatten an enem son g.^ Tage einen Schulspaziergang unternommen und 'h „ , beenöet gemäß an einem hoch über der Stabt gelegenen«uspuflwgfr! beenoet, wo Lehrer und Schüler noch ein Stündchen beisammen s tz , v den Heimweg mit Gesang antreten wollte. Hierher war nach beendetem Dienst in seinem kleinen geschlossenen Auto Walter R. gefahren und hatte renomthiereni) seine junge soldatische Würde zur Schau getragen, wobei er sich nicht enthalten konnte, den „Hobbel Frank" als Zivil- krüppel und nicht wert des Kaisers Rock zu tragen vor aller Ohren so hämisch zu beleidigen, daß einer der Lehrer ihm diese Art kurz aber streng untersagte. Wie eine schwere Wolke von Ungeteilter hing es noch über einem Teile der Schüler, als man bann verstimmt aufbrach, Walter R. aber lächelnb unb ohne sonderliche Regung den kleinen Wagen bestieg und in starker Fahrt die steilabschiehende Straße hinabfuhr. Man hat es nie völlig zu klären vermocht, wie es kam, daß der Fahrer an der nahen scharfen Kurve die Herrschaft über seinen Wagen verlor, der die niedere Schranke an dieser Stelle durchstieß, eine kleine Böschung herabsiel und sich überschlagend liegenblieb, während schon die hellen Flammen über dem Wrack des Wagens zusammenschlugen. Lehrer und Schüler riß es aus ihrer sprachlosen Erstarrung erst, als „Hobbel Frank" wie der Bote eines höheren Willens sich über die Brüstung chwang, ungeachtet -der prasselnden Flammen vordrang, mit einem chweren Steine die Scheibe einschlug, dem Eingeklemmten seine schmale Hand reichte und ihn mit übermenschlicher Kraft einem furchtbaren Tode entriß. Als man hinzueilte, lag „Hobbel Frank" von Brandwunden ent- teilt besinnungslos im niederen Gras, während der andere bleich und apathisch, aber leichter verletzt auf einem Steine hockte ... Drei Tage daraus schritt die gesamte Schule hinter der Leiche „Hob- bei Franks" zum Friedhöfe. Der zarte Jüngling war noch in der Nacht nach dem Unglück seinen schweren Wunden, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, erlegen. Was die Mitschüler und die jungen Soldaten, die ernst und aufge- richtet mit im Zuge marschierten und den Sarg des Toten trugen, längst wußten, bas klang nun aus ben Reben bes Rektors unb bes Klassenlehrers heraus; unb nur später im Selbe hat das Lied vom guten Kameraden sie so unaussprechlich und so gewaltig ergriffen wie hier vor dem offenen Grabe des kleinen großen Helden, der seinen erbitterten Widersacher dem nahen Tode entriß. Unter dem Bogen dieser brüderlichen Liebe zu einem Toten zog die junge Mannschaft dieser Schule ins Feld, und wir verstehen nun, weshalb für sie der Ruf „Hobbel Frank ein feuriger Ruf war, ein Ansporn zu höchster Tat, zu opferwilliger Hingabe, mit der sie selber ihre eigene tatglühende Seele der großen Gemeinschaft aller Helden verbanden. Bismarck schreibt an Johanna von Puttkammer. Bon Joachim von Kürenberg. „Was ich bin, hat meine Frau aus mir gemacht" bemerkte Bismarck einmal. Ein schöneres Denkmal als dieser Ausspruch kann Johanna von Bismarck nicht gesetzt werden. In seinem im Keil-Verlag, Berlin, erschienenen Buch „Johanna von Bismarck" sieht auch Joachim von Kürenberg das Lebensschicksal dieser deutschen Frau in ihrer opfermutigen Bereitschaft für ben eisernen Kanzler, dessen Wesen und Große sich in ihrer Liebe spiegelte. „Wir wollen nun schreiben, als wenn mir plaudernd zusammensitzenl" Das haben sie sich gegenseitig versprochen. Fast jeden Tag fliegen die Briefe hin und her; dabei wird beider Ungeduld auf harte Proben gestellt, denn die Post braucht mindestens vier Tage. Sie versuchen sich genau die Ankunftszeit auszurechnen, um in Gedanken dabeizusein, wenn ein Brief in bes anberen Hänbe gelangt. Manchesmal ist Bismarck über Die langsame Beförberung so wütend, daß er „mit der größten Lust die ganze Post verprügeln" möchte. Zwischen Briefen, die zu den schönsten gehören, die die deutsche Literatur in dieser Art besitzt, schiebt sich hm und wieder auch ein „windbeuteliger" ein. m 3um Lesen seiner Briese hat Johanna sich eine weiße Bank im Garten auserwählt, wohin sie mit dem teuren Pfand eilt, um „die heben langen Buchstaben" zu überfliegen. Manchesmal dauert es ihr zu lange, bis Krischan mit der Post kommt, bann läßt sie satteln unb re^et ihm entgegen ober fährt selbst mit dem Iagdwagen nach Stolp. Dort kann sie es nicht erwarten, noch auf der Straße reißt sie das Kuvert auf und kümmert sich wenig um die Spaziergänger: „Mögen sie fid) wundern! Der erste Brief Bismarcks ist aus Jerichow, gleich am Tage nach der Ankunft am 29. Januar, geschrieben: „An Fräulein v. Puttkammer, Reinfeld bei Zuckers, Hinterpommern." In feinen Anreden an die Geliebte bedient er sich aller Sprachen Europas: Einmal nennt er sie Angela mia" ober „Juanina", bann roieber: „Dearest black one ; ein anberes Mal „Sweetest heart”. Dazwischen: „Einzig geliebte Jeannette" ,Frieberike, Charlotte, Eleonore, Dorothea, Johanna! — ,,Bu bessere Hälfte meiner ober unserer", ober in englisch: „Better half of myself“. Hin unb roieber nennt er sie auch „Juanita . „Jeanne a mechante“, „Tres chdre Jeanneton". Einmal sagt er sogar „Tigresse ; dann, als sie krank ist: „Mein armes Kätzchen". In ihren Anreben ist sie weniger abwechslungsreich, meistens nennt sie ihn „Dttodjen ; hm unb wieder auch „Otto der Große" oder »Mein zukünftiger Langer . An seinen Sorgen unb Aufgaben laßt er sie lebhaft teilnehmen, so schreibt er ihr gleich nach feiner Ankunft: „Ich bin glücklich hier einge- raffen habe alles abpatrouilliert unb mich zu meinem Kummer überzeugt, baß ich viel zu früh gekommen bin.“ — „Ich bin etwas 'N Zorn, daß ich über diese Eisstopfung keine Nachricht habe, und will mich besänftigen, indem ich meine Gedanken zu dir lenke." Wenn er ihr einmal ellenlang über seine Geschäfte als Deichhauptmann geschrieben hat. dann setzt er am Schluß hinzu: „Armes Herz, langweile ich dich mit Wassergeschäften?" Zwischen diesem Dienst auf dem Deich sahrt er auf wenige Stunden nach Berlin hinüber, trinkt dort mit einem halben Dutzend schlesischer Grafen bis in die sinkende Nacht Sittery aus ihr Wohl, um dann im Galopp zurück an den Deich zu jagen und sestzustellen, ob alles m Süm'Berichte aus Schönhausen verfolgt sie mit lebhaftem Interesse: du armes, zerrissenes Fähnlein! Mußt du nun jede Nacht an der Elbe herumflattern — und ich kann immer schlafen, so süß vvn dir träumen." Dann wehrt sie sich dagegen, daß er sich so xft in Gefahr begibt und Wagnisse begeht: „Deichhauptmann zu sein, ist doch das Gräßlichste, was es gibt! Ach, Otto, warum bist du's geworden!" Wenn sie ihm von den Kusinen berichtet, antwortet er ihr ganz offen, daß ihm schaudere bei dem Gedanken, ein „Mädchen dieser Art nebst Klavier" zu heiraten, „mit einem kleinen Affen als Nippes darauf." Dann macht sie ihn darauf aufmerksam, daß er am vorletzten Tage in Reinfeld zur Pastorin wenig liebenswürdig gewesen sei, diese habe sich bei ihr darüber beschwert; aber er fegt das einfach fort: „Ich erinnere mich der Pastorin weder im Guten noch im Bösen; ich weiß gar nicht, wie sie aussieht." Aber auch der Mutter gegenüber nimmt er kein Blatt vor den Mund; als diese ihm einen zwiespältigen Brief schreibt, antwortet er der Tochter: „Dem geschriebenen Wort ist es übrigens nicht anzumerken, ob die Tinte, als sie naß war, ein neckendes Auge ober die Falten bekümmerten Ernstes gespiegelt hat; von Damen bin ich übrigens gewohnt (ganz unter uns gesagt), manches als Ernst zu hören, was ich im Munde eines Mannes nie dafür halten würde." Dann ermahnt er sie, nicht so beleidigend bescheiden zu sein und verweist auf sich, der zehn Jahre unter den Rosengärten des nördlichen Deutschland umhergewandelt sei und keineswegs dann mit beiden Händen nach einer Butterblume gegriffen habe. In diesem Punkt kann sie von ihm lernen, denn er stellt seine Verdienste keineswegs hintan. So erklärt er ihr, daß es zwar viele gebe, die sich nach feinem Amt als Deichhauptmann drängten, daß sie aber — „Gott verzeih mir die Sünde!" — „entweder geschäftsuntauglich ober mattherzig" feien. Genau so spricht er später, als er in den Lanbtag gewählt wirb, von den Abgeordneten, die er „langweilig, dumm und lügnerisch" findet. „Ich werde dir die Staats- zeitungen, in denen ich selbst figuriere, aufheben, da Cure Zeitung die Reden nicht vollständig roiebergibt." Er beruhigt sie, wenn er bork aus- fallenb geworden ist, es wäre aber eine Zumutung, diese „abgeschmackten Reden aus dem Munde ungewöhnlich kindischer und aufgeregter Politiker" mitanhören zu müssen. Dann beschreibt er ihr den Wollmarkt, auf den er viel lieber gehe als ins Parlament; leider aber seien die Wollpreise gefallen. Wenn der Vater Puttkammer, der als ordentliches Mitglied ebenfalls dem Landtag angehört, von sich aus nach Hause berichtet, daß Bismarck „unerhörte Stürme des Mißfallens" hervorgerufen hätte, bann schreibt Johanna ihm in banger Sorge: „Otto, du hast doch schrecklich heißes Blut!" ... Dazwischen packt sie wieder die Eifersucht; sie hört, daß er in Berlin mit jungen Mädchen tanzt und recht vergnügt gewesen ist. Zuerst gibt er ihr auf diese Vorwürfe eine Definition des Wortes „Eifersucht"; es kämen zwei Arien vor: die eine entstehe aus Mißtrauen in die Ehrlichkeit und Beständigkeit des andern, die zweite entstehe durch ein Gefühl des Zurück-efttztfeins, meistens wegen Präokkupation durch Freundinnen, Blumen, Vögel, Bücher und Hunde. Er hält es aber doch für notwendig, ihr die Versicherung abzugeben: „Muß ich Dir nochmals sagen, daß ich dich liebe sans phrase, daß wir Freud und Leid miteinander teilen sollen, ich Dein Leid, Du das meine. Sei niemals kleinmütig gegen mich; erscheint Dir etwas in Dir unverständlich, sündhaft, niederdrückend, so bedenke, daß all dergleichen in mir tausendmal mehr vorhanden ist. Betrachte uns als gegenseitige Beichtväter, als mehr wie das, die wir nach der Schrift: ein Fleisch fein sollen. Bemühe Dich, nicht, eine stetse, glatte Hecke zu werden: die kann kräftig und grün nur dann dastehen, wenn sie wild hinauswächst und vom Gärtner mitten durchs Leben beschnitten wird, und das werbe ich ja boch nicht über mein Herz gewinnen. Wachse beliebig als Waldrose, bas häßliche Moos unb bie allzu scharfen Dornen wollen wir uns beibe bemühen, schmerzlos unb vorsichtig zu entfernen." So beginnt Bismarck Johanna auf feinen Weg zu führen. Mit Humor, Wissen unb Geschick, aber auch mit einer leichten Strenge, ohne dabei ihre Frömmigkeit außer acht zu lassen, sucht er in ihr ben Glauben zu stärken, sie habe ihn gemanbett, während in Wirklichkeit er sie nach seinen Wünschen sich erzieht. Die Briefe Bismarcks endigen mit den gleichen Liebkosungen in allen Sprachen, mit denen sie zu beginnen pflegen: „Adieu, Jeanne la noire, enfant cheri des deserts de Rrrrummelsburg“, womit er sich über ben Reinfelber Dialekt luftig macht. „Bonne nuit, obere et bonne! Gute Nacht, mein Einziges auf ber Welt!" Die Nelke. Don Dr. Kurt Warnecke. „In meines bulen garten Da stehn zwei blümelein. Das eine trägt musealen. Das anber negelein; Die musealen, bie finb süße, Die negelein, die sind reß. Die gib ich meinem bulen, Daß er mein nicht vergeß." Siefe Strophe eines alten deutschen Volksliedes spricht nicht nur für bas Vorkommen ber Nelken im ^Blumengarten jener Zeil, fonbern sie m rr»°* .rOli.$ £je Bedeutung bes „Negelein" in der Blumenfprache. Die .Helle ist die Blume der Treue, die in vielen Liedern und Reimen wieber- kehrl bald „Näglein", bald „negelin" genannt. Man sand in ihr offensichtlich^ eine Aehnlichkeit mit einem Nagel, unb aus bem altdeutschen „nagal mürbe alsbann „nagelin“, „negelin" ober auch „nagelten" unb ,,regelten , bis schließlich ber Name Nelke baraus geworben war, mit dem wir heute biefe mit ber Rose als Blumenkönigin roetteifernbe Blume bezeichnen. Im Altertum würbe ber buftenben Blume burch eine Segenbe gebucht, bie seltsamerweise bie Nelke mit einem Menschenauge verglich. Enttäuscht von einem Jagbzug heimkehrenb, traf bie Göttin Diana einst einen Merantvortltch: Dr. HanS Thhriot. — Druck unb Derlag; Brühl Schäfer, der eine heitere Melodie auf seiner Flöle spielte. Nun glaubte sie ben Schillingen an ihrem vergeblichen Beutezug enlbeckl zu haben; sicherlich Halle ber kecke Schäfer burch sein Lieb bie scheuen Rehe uni Hirsche aus bem Jagbbereich ber Göttin verscheucht, unb nun verspottete er sie auch noch, inbem er jene Melobie in ihrer Gegenwart wieberholte. Sie stellte ihn zur Rebe, aber er erklärte, unschulbig zu sein. Lockte nicht sein Lieb ganz im Gegenteil bie Tiere herbei, baß sie ihm lauschen könnten? Da ließ sich bie Göttin in ihrem Mißmut hinreißen, sie stürzte sich auf ben vermeintlichen Spötter unb stach ihm bie Augen aus. Erst als sie bes Schäfers Schmerz sah, kam ihr das Grausame ihrer Tat zum Bewußtsein, und sie flehte den Göllervater Zeus an, bie Augen unverletzlich zu machen unb sie immerfort bie Erbe sehen zu lassen. Und Zeus erhörte bie Diana unb ließ Pflanzen aufwachfen, bie jenen Augen glichen und heule inmitten ber Blumenpracht ber Gärten in ber ganzen Welt blühen. Heber ben Siegeszug ber Nelke durch die verschiedenen Länder wissen wir jedoch nichts Zuverlässiges. Nach einer Anekdote soll bie Nelke von Kreuzrittern bes heiligen Lubwig nach Frankreich gebracht worben sein, zunächst allerbings als Heilpflanze, ber man geheime Segenstraft zu- schrieb. Als der König Tunis belagerte, brach in feinem Lager eine Pest aus, die ihm schwere Verluste an tapferen Kriegern zufügte. Da soll ihm der Gedanke gekommen fein, daß, wo Böses fein Unwesen treibe, auch ein Gutes sein müsse, das jenem Einhalt gebieten könnte, und er sand die Nelke und ließ ihren Saft den Erkrankten eingeben, die sofort genasen. Nur ihm selber brachte die Nelke nicht die Gesundung, er starb an der Pest, doch befahl er zuvor seinen Freunden, die Nelke als heilige Blume in sein Vaterland zu bringen, in dem sie späterhin ost eine politische Rolle spielte. Von ber Heilkraft ber Pflanze wissen wir heute nichts mehr, uns erfreut nur die Fülle ihrer Farben unb ber würzige Geruch, ber vor ihr ausgeht. In Deutfchlanb zog bie Blume wahrscheinlich mit ber italienischen Renaissance ein, bie in ber Nelke gerabezu eines ihrer Symbole sah. So hat man die Nelke „bie Blume ber Renaissance" genannt, unb in ber Tat finben wir sie auf vielen wertvollen Gewölben; oft wirb sie ben bargefteüten Personen in die Hanb gegeben ober boch in ihrer Umgebung beullich sichtbar gemacht. Das große Wunber bieser Blume sah man wohl in ihrer Vielfarbigkeit, bie halb bie Züchter auf ben Plan rief, bie immer neue Arten schufen. So wie es späterhin einen „Tulpenwahn' gab, in bem alle Gärtner unb Blumenliebhaber barnach eiferten, neue kostbare Tulpenarten zu besitzen, so rühmte man sich jeber neugezüchteten Nelkenart, bie alle andreren an Pracht unb Dust übertreffen sollte. Die Reihe ber Namen, mit benen man bie gelungenen Neuzüchtungen benannte, verraten viel von ber Nelkenschwärmerei jener Zeit. So finben sich in „Reichenbachs ebler Gartenwissenschaft" aus bem Jahre 1671 Bezeichnungen wie „Roter Priester", „Weißer Priester", „Wunberwerk", „Böhmisck)e Krohn", „Hollänbischer Löw", „Stolzer Hannibal" und „Grohtürk", unb ein Jahrhunbert später, im Jahre 1779, erschien mit I. N. Weißmantels Nelkenverzeichnis, ein Stanbarbwerk für alle „Nelkeniften", bas biefen Kranz ber Namen noch erweiterte. Da finben sich unter ben zweihunbertunbfechs von ihm selbst gezogenen Arten eine „Reine des Jaunes", mit —„chameauxsarbener Zeichnung, sehr sonderbar und regelmäßig", eine „Pompadour mit stumpfem Blatt, zärtlich" und eine „Schach Sephi", „die einzige Bizarbe, so manches Jahr mit brei Zeichnungsfarben blühet, nämlich aschgrau, coul de puce und rosen- roth, welches letztere aber auch manches Jahr außen bleibt". Eine Nelke führt gar ben Namen „Mohrenkönig", sie wirb folgenber- maßen beschrieben: „Wenn sie itzt aufblühen will, fo kann man sich nichts schwärzeres benken, als ihre ausgehende Blume herauskommt. Dieses bunkle Kohlschwarz aber wirb in ber Sonne unb bey ber geringsten neblichten ober näßlichen Witterung, desgleichen beyn Abblühen bas allerbuntelfte Rot, an ber unteren Blattseite aber boch immer schwarzem als an ber obern ober innern Blattseite; sehr ecket unb rar in Pflanzen manches Jahr." In biefem auch heute noch interessanten „Nelkensystem" finbet sich eine Anleitung zur Selbstherstellung eines „Nelkenblätterkataloges", die einen Einblick in bie Siebe unb Arbeit bes leidenschaftlichen Züchters gewährt. Von jeber Nelkensorte sollte ein einzelnes Kronenblättchen in einen Katalog geklebt unb mit Namen unb Angabe der Wachstums- bebingungen versehen werben. „Vermittelst eines solchen Blättercatalozi lernt man jede einzelne Nelke nach unb nach so genau kennen, als genau mancher Hauswirth ein jedes Stück seiner Heerbe kenne. Unb diese Kenntnis ist es eben, die das Vergnügen an ben Blumen vergrößert." Schließlich wirb vorgeschlagen, biefe Verzeichnisse mit anderen Züchtern auszutauschen, bie „eben dergleichen catalogum" anlegen sollten. Mußte so nicht schließlich bie ganze Welt in einem Wunberkranz von Nelken stehen! Uebrigens haben bie Züchter unb Sammler sich ihre Nelkenliebe oft beträchtliche Summen kosten lassen. So bezahlte ber Bankier Thomas W. Lawson für eine Nelkenforte, bie feinen Namen tragen sollte, bem Züchter Peter Fischer im Jahre 1895 bie Summe von hunbertund- zwanzigtausenb Mark. Dafür erhielt er bie achthundert Stöcke bes Züchters als alleiniges Eigentum unb war nun ganz allein berechtigt, „feine Nelke" zu pflanzen unb nach eigenem Gutbünken in bie Welt hinaus wandern zu lassen. Man hat das Zeitalter Goethes, ber ein besonderer Freund der Nelke war unb sich auch als Naturforscher eingehend» mit ihr beschäftigte, oft bas „Jahrhunbert der Nelke" genannt, da sie in dieser Zeit sogar den Rosen vorgezogen wurde. In den folgenden Jahrzehnten ist bie Nelke wieder hinter ber Zucht ber Rosen unb anderer Blumen zurückgetreten, wenn man sie auch immer als eine ber schönsten Gartenblumen geschätzt hat. Jetzt soll sie roieber jedem Blumen- und Gartensreund besonders nahegebracht werden, da ihre Pflege und Zucht überaus dankbar sind. Um ihr den Platz neben der Rose, auf den sie ein Anrecht hat, wieder zu sichern, haben sich bie Freunde neuer Gartenkunst zu einer gemeinsamen Huldigung verbunden: im Jahr ber Nelke. iche Universitäts-Buch- und Steinbrudetet, R. Sange, Gießen. Nummer 43 Montag, den 3. Juni Jahrgang 1935 «er—*r-4----- * " olour & Grey Control Chart Green Yellow Black und h»r «>ikn- des Deutirben Bottstheaters. I Tlnfoi mrtjt erreichen, mur Aenne tarn an oen zippuim um, emtujuiu^iv Kusine mit höflichen Redensarten. Sie fei in der Stadt. Zweimal oer= suchte er es noch, mit dem gleichen Resultat. Beim dritten Male — nach ein paar Tagen — teilte ihm der Portier mit, daß die Damen abgereist seien. Wohin, wüßte er nicht. Vielleicht hatte er Befehl, die Adresse zu 't, statt ii der Hansi ab, dem fe, Flach!, aber die jeitofanipj obert, bm hwedischm rieils hin- die hänlr Befreiuni । o e r u«i> als sie die is und die 4 Mut, daß Du da bist ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR Copyright 1933 by August Scherl G. m. b. HBerlin Salbe, einst _ i>e Hansel emdlichez ie Hanse, ich- Rii». stsen a(ic le Thron, Jtäbte er. ch Cüberf, abels [qq( adon und 9' Jeder birett nni ichhandler ländischen ustlen sich u dulden, ne Schisse Hansestadt fein. Sund für m. 6e(b| 15 Jahr en hattei die (bin Livländi nd häut d. zu M in beftiei rechen, d Hortt schwieg noch immer. Er hatte Mühe, ruhig und nachdenklich zu erscheinen. Innerlich war er seltsam erregt von diesem Vorschlag, obgleich er ihn nach den ersten Worten Ludwigs erraten hatte. Mehrmals hatte er den sesten Entschluß gefaßt, seinen Aufenthalt abzubrechen und nach Dresden zurückzufahren, nach Hause, wo seine Arbeit auf ihn wartete. Eine Arbeit, an die er seit Jahren nicht nur seinen Geist und seinen Fleiß, sondern auch sein ganzes Herz gehängt hatte und die ihn rief in jedem Augenblick, in dem er hier allein war. Trotzdem war er dageblieben und halte sich in den Tumult mit hineinziehen lassen, den Ludwigs Erfolg und seine gesteigerte Geschäftigkeit ringsum entfachten. War es nur der Gegensatz dieser geräuschvollen und mitreißenden Lebendigkeit zu seinem einsamen und abseitigen Dres- ....... hör ihn ieltaekalten Hatter Oder war nach ein anderer Red Magenta * Streit,' miiiuna|e ^gezeich-i ,5,Nri WureKet Ht bet " Verfaul 2 Grey 3 Grey 4 Thiett war wütend und stürzte sich in die Arbeit, um alle bösen und erregenden Gedanken zu verdrängen. Die Umbauten in feinem neuen Haus am See gingen ihrer Vollendung entgegen. In den Raumen standen Tag und Nacht glühende Kohlenbecken, um das Austrocknen der erneuerten Teile zu beschleunigen. Man konnte mit der Einrichtung beginnen. Thiele war von morgens bis abends unterwegs und suchte immer neue Stücke aus, die Elisabeth oder ihm besonders gefielen. Siebener HaniilieiilMer Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Ocm 1 2 3 4 5 6 7 8 herzigen Weife zu tun wie du heute. Also, du bleibst einfach Hier. Meine Rimmer stehen zu deiner Verfügung. Wenn du Lust hast, laßt du dir deine Bücher kommen, und was du sonst noch brauchst, und arbeitest hier ganz so, als seist du bei dir zu Hause. Rur mußt du mir zwischendurch auf Lisa aufpassen und auf den Prinzen. Und nicht böse werden, wenn dich das mehr Zeit kostet, als du es jetzt glaubst!" „Rein, mein Lieber. Ich werde btr nicht böse sein. Und Lisa schon gar nicht!" antwortete Hartl mit einem Lächeln. Gut gut! Jetzt kann ich dir noch was anvertrauen. Ich habe ein naar Schulden gemacht. Den Kredit von Bernau mein ich nicht, auch nicht die zehntausend von Henschke. Das kommt wieder in Ordnung ohne Schwierigkeiten. Sowohl Bernau wie Henschke sind von Grund aus anständige Kerle und haben mich gern. — Rein, ich hab em paar Wechsel unterschrieben. Man hat es mir nahegelegt, und das ist auch nichts Schlimmes. Natürlich auf fünf oder sechs Monate. Ich werde dir das Geld dafür rechtzeitig von drüben schicken, damit man Ltza nicht damit überfällt Die Termine habe ich mir notiert. Es werden überhaupt noch allerhand Rechnungen kommen in der nächsten Zeit Die weist du dann einfach ab und vertröstest die Leute, bis ich das Notige geschickt habe Dann hat Lisa ihre Ruhe und braucht sich um all diesen Kleinkram nicht zu kümmern. Sie ist darin ein wenig pedantisch und macht sich leicht unnötigen Kummer. Du übernimmst das und läßt nichts an sie heran, was sie aufregen könnte, namentlich in der entscheidenden Zeit, lieber hie Einzelheiten können wir ja noch einmal ausführlich sprechen wenn es nötig ist. — Vorläufig dank' ich dir herzlich für dem Ja! schloß Thiele und stand aus. .. ... •matioit le Bürger- Ratsherr- urg gebin ßuHei Plan, de urd) ein« Danennn iriftian I” im WS ;u befrei" hie hanfi ic Bürg« jirrft W itfl ß*: nburg, de ,ron f-p hauptn* seiht di-l« «we [en nned« d er°b^ ed°»Ä Hl. in ErfolN " en ßu6ti" i-°9° 6 n -S' Blue White ganz zu entternen geweien war, nuu; ~*'*i*w—n , ,, „ Bildhauer Martin (dessen Büste an der einen Schmalseite ihren besten Platz gesunden hatte), der Schriftsteller Hubert von Gerber Professor Bernau mit Inge Gras, Doktor Hartl und Billy um die festlich gedeckte Tafel In einem schmiedeeisernen Kranz über der Mitte brannte ei Dutzend hoher Altarkerzen, deren Licht verstärkt wurde von dem der mehrarmigen silbernen Leuchter, die im ganzen Saal stellt warem In dem hohen offenen Kamin verglühten mächtige Buchenfcheite von denen noch ein frischer Stoß in der Grfebaneben oufgefW«mar 3n alten aelchnihtcn Stühlen widmeten sich die Gaste den ausgesuchte Speisen uyd Weinen und erhielten aus ihre bewundernden Fragen vo Elisabeth bereitwillige stolze Auskunft über den herrlichen Göbel,n an der Längswand, über die zwei alten Meister m nL u= die rechts und links vom Kamin und über ,ede einzelne Kostbarkeit, auf ,!,r D?r Abend verlief in einer heiteren Harmonie und endete zum erstenmal früh ohne die laute, lärmende Maßlosigkeit, die bisher für all Feste und Gelage bei Ludwig Thiele bezeichnend gewestnwar. Sogdr SS\r^SStvSSl& Ludwig spürte, was in ihm vorging, und freute sch J ©orte heit. Daß der Bikdhauer nüchtern blieb, sagte ihm> mehr als a Als man sich nach dem Essen um Elisabeth dem flackernden Kamtn gruppierte, zog Ludwig den Doktor Hartl in eine C . „Ich habe etwas auf dem Herzen, Otto", sagte er, drückte den Freund in einen Sessel und rückte dicht an ihn heran. „Es geht alles nach Wunsch. Das Haus ist fertig. Es gefällt mir, und euch allen gefällt es auch. Elisabeth ist so glücklich wie noch nie. Die Zukunft sieht auch gut aus. — In zehn Tagen spätestens muß ich fort. Ich glaube sogar, früher. Eigentlich erwarte ich das Telegramm jede Stunde. Lisa weiß das. — Auch du wolltest schon längst wieder heim nach deinem Dresden. Ich habe dich fast mit Gewalt hierbehalten, und jetzt habe ich nach eine große Bitte." Hartl schwieg abwartend. „Nenn mich meinetwegen einen verdammten Egoisten, der seine oanes/jk pruch nimmt! Das muß ich hinnehmen. Ich pietä^y ist, was ich von dir verlange. Also höre zu: n bleiben. Es ist natürlich noch längst nicht nach außen hin so aussieht. Es mußte ein e wird also noch sehr viel Last und Arbeit ■ Ruhe kommt. Aber gerade jetzt braucht sie dringendsten. In drei bis vier Monaten ver- sein. Ich aber muß fort und kann ihr nicht t du mir und ihr noch ein paar Monate von t du hierbleiben und ihr helfen, wie wir es — Ueberleg es dir, Otto! Sag nicht gleich -wwgjjy 5 es für mich heißt, zu wissen, es ist jemand für sie und sie leiden muß. Billy bleibt zwar mir nicht. Sie ist ja im Grunde ein armer ielbft durchzumachen hat. — So, und nun sag ige Verantwortung ist, die ich dir damit aus- Z/il\ ichtslose Zumutung! Aber es ist eben immer ,1CUi.u, 0« vtin man in einer solchen Lage flüchtet." Cyan Brey 1 1 - — - __ ' —* . -