Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Nummer 81 Hreitag, den 18. Oktober Jahrgang 1935 ehen. im; „Haaaahaaaa", „von Tü- ie riejiji Um i »uen et, bringet, Ehe ij| f) tn de, °'t'g mit iPortid),, ,en bren. 'äuget ube, ne,. Wunder ■um wirft e. Gleich, nd gebe, _ ? staune,? I den ganzen Tag auf den Beinen. Man .. ." „Du hast ganz recht", sagt Alfred, „wenn du nichts mehr von unserer Reise hören willst. Das ist es doch?" _ „ _ Richtig: Alfred hat den Nagel auf sicher famos. Herrlich, mit so einem „Fraule (Ich werde ihn „Männle" nennen, denkt Barbara, wenn er nii dem „Fraule" läßt.) fiten. Sie t für bie auen am vermute, i sind. Die lönig. daß wir inten mir )er Slang Busses !S Singt, nd Sptim •t. Immer >ger, bä» h tierif* heute en - Märchen in Tram nicht W in (einet jetzt M ,um gra«' in meinet >us täffigt hkeit, ki" r anbetti ibentW« auf. ®! daß fei« im W’ icher ► 5 mir, »ls licheÄ« renb ein« nach I* gleitet 0 i« rze 61 i von 1 der 6* wird ► mir ti(" Aas W d Hände P elgoma J“ äingen^ hie- s lahrtni^ lenfche^ 6inf«* aunen * ‘5s *s. 55 auf den Kopf getroffen. Die Reise war ,em „Fraule" durchs Land zu fahren, icht von Gut also. Man bricht die Erinnerungen ab. Man sängt an zu politisieren. Das heißt: Alfred und Fehr geben ein Bild der Zeit — so, wie sie sie sehen. Barbara versucht zuerst, mitzusprechen. Aber' Fehr hort nicht zu, wenn sie etwas sagt. Er wartet ungeduldig, daß sie mit ihrem Satz fertig wird, und redet dann seinen Satz weiter. Darum lehnt sich Barbara etwas im Stuhl zurück und sieht zu zwei ganz jungen Meuchen hinüber, die am Nebentisch sich seit einer Stunde ansehn, lächelnd, ernst, aufmerksam, forschend, glücklich. War es nicht gestern, daß sie so mit Alfred in Frankfurt saß und die halbe Nacht tanzte? Ohne ein Wort fast die ganze Zeit? War das nicht vorgestern, daß sie mit Alfred auf der Mainbrücke in Würzburg stand und in den Fluß starrte, bis sie beide auf der Brücke den Fluß Hinabuhren. von den Laternenketten der Ufer wie von Zügeln gezogen? Hat nicht vor drei Tagen Alfred — wo war es? Einerlei! Ein alter Giebel Äaute ins Fenster, ein Hund heulte, ein Radio gab Tages- und Sportnachrichten — hat da nicht Alfred gesagt: „Die Welt hat für mich ein neues Licht bekommen. Dich, Barbara. Ich sehe Dinge, die rch vorher gar nicht sah ..." t ~ . „Man mutz", schreit Fehr, „den Mut haben, die Frauen aus den Stellungen hinauszujagen, in die sie nicht hineingehören! Das öffentliche Leben war feminisiert. Man will Männer sehn. Männliche Gedanken und männliches Handeln sollen die Welt lenken." „Es ist wirklich schwer", unterbricht Barbara noch einmal die Männer" „wirklich schwer für eine Frau, einen Beruf zu haben. Und vielleicht meist nicht richtig. Aber Sie können doch nicht sagen, daß die Frauen zuviel ins Weltregiment hineingeredet hätten. Nein ... nun lassen Sie mich mal das zu Ende sagen! Ja? Wenn die Welt eine Aktien- qesellschaft wäre, dann hätten wir Frauen doch eine kleine Aktienmajorität nicht wahr? Und was die Aktienmajoritäten sonst machen ... das wissen Sie doch. Finden Sie also nicht, daß wir Frauen sehr bescheiden sind? ..." — Fehr sieht „das Fraule" ganz verdutzt an. Das klingt ja höchst verwegen. Das ist eine ganz tolle intellektuelle Falle. Aber er Fehr, laßt sich nicht mit Diskussionen einfangen. Was er meint, ist doch sonnen- tlQr Bon Frauen versteht Fehr nichts", sucht Alfred zu vermitteln dafür "ist er Frauenarzt. Aber auch sonst bist du ein bißchen übertrieben, Fehr. Du willst doch schließlich nicht wieder zum Stockpflug zuruckkehren? Doch", sagt Fehr trotzig, „das will ich! Meinen Weinberg kannst du sowieso nicht mit dem Traktor bearbeiten, und der Weinbau bestimmt die Kulturhöhe. Das verstehst du nicht? Ist doch klar ... aber nicht so wichtig. Hauptsache ist, daß wir zu den natürlichen Grundkraften zuruckkehren Man darf nicht gestatten, daß der Mensch von seinen Schöpfungen beherrscht und aus dem Leben gedrückt wird ..." Sicherlich", sagt Barbara ungeduldig, „aber man muß doch erftmal klären, warum die Menschen sich haben von den Maschinen an die Wand Krücken lallen und ob das nötig war ..." . Fehr lacht donnernd. Er tätschelt Barbaras Hand. Klaren. Nein, er will gar nichts klären. Jetzt muß gehandelt werden. Man hat jahr- zehntelanq geklärt, und es ist nichts herausgekommen. In der Medizin ... versteht Barbara vielleicht was von Medizin? „Nein", sagt Barbara mutlos, „von Medizin verstehe ich gar "^Schade* sagt Fehr, „sonst könnte ich Ihnen Beispiele der Klärung nennen ' Nein ... Intuition ist alles ... Naturblick muh man haben " Er wendet sich damit endgültig an Alfred zuruck. Meimberg muh doch einlehn, daß man nicht mit den bisherigen Methoden wester- kommen konnte? Meimberg nickt. Daß das Leben sich dem Kräftigen doch beugt ... Meimberg nickt. Daß die Zwirnsfaden des Intellekts die von der vorigen Generation gesponnen wurden zerrissen werden müssen, von oer vor g Das ist ja die Ansicht aller jungen Seute. Wenn man aber ins einzelne geht ... Und so beginnen sie denn, sich in schwierige Einzelfragen der Wirtschaft zu vertiefen . Barbara hört zuerst noch zu. Sie denkt, sie konnte Alfred noch besser Liebesroman GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE Von Walther von Hollanöer lkopgrlght 6y August Scherl G.m.b.y., Serlin 8. Fortsetzung. Er gibt dem Geschäftsfreund die Hand. Er geht auf die Straße, taucht unter zwischen den Spaziergängerinnen und Einkäuferinnen, als müßte er sich verstecken. Er geht bis zu seinem Hotel, kehrt um, marschiert um das Häuserviereck. Wieder bis zum Hotel. Nochmals ums Viereck. Er geht immer schneller. Es muh sich doch schließlich feststellen lassen, was er eigentlich will. Will er nach Mandschukuo zurück? Nein! Ueber- Kins Ge chüft zurück? Nein! Was also will er? Er geht in eine honzelle. Er ruft Sophie Wahnke an. Er muß sie sprechen. Sie ist eingeladen? Das geht leider nicht. Es ist lebenswichtig. Für wen lebenswichtig? Nun, natürlich für ihn, Rauthammer. Na, also? Um neun Uhr? Gut, um neun Uhr. Lebenswichtig? Er nimmt seinen Gang wieder auf. Jawohl, lebenswichtig. Wenn er noch sechs solche Tage in Berlin sitzt, in seinem Hotelzimmer, in Cafes, Restaurants, in Kinos ... dann wirdter oor Lartger- weile eingehn. Oder? Oder ist es vielleicht umgekehrt? Will er melle,cht sterben, und langweilt ihn deshalb alles? Alles, was er getan hat? Alles, was er tun kann? Jeder Plan, jede Arbeit, jede Erinnerung, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Er steht gerade vor emem Re, eburo. Er studiert den Dampfer, der im Schaufenster ausgestellt ist, mit dem er mal aesahren ist, dort in der Kabine 112 mit seiner Frau, Leonie Rauthammer, der alle Männer den Hof machten. Vorbei. Tot. Einerlei. Sicherlich werde ich bald sterben, sagt er sich endlich mit oller Deutlichkeit. Das kann gar nicht anders sein. Ich brauche nicht zu diesem Prosessor zurück und mir Trostworte und Pillen verabreichen zu lassen. Wenn ich mir noch helfen will, so kann ich mir bestimmt am ehesten selber Helsen. Mein Freund, der chinesische Kaufmann, hat mich die Atemkunde gelehrt. Man kann länger leben, wenn man atmen kann. Es handelt sich also einfach darum, ob man länger leben will oder nickt Ob es noch etwas gibt, das man zu erjagen trachtet? Jawohl, ms aibt es Wenn es das aber gibt, dann, Rauthammer müssen wir es erjagen! Er tritt noch einen Schritt naher an das Schaufenster heran. Er sieht fick schattenhaft gespiegelt über dem Dampfer, mit dem er ernst aefahren ft und er denkt diese Sache, Blick in Blick mit sich, folgendermaßen zu Ende: Wir wollen die Liebe eines Mensche» haben, der einer äderen WAt gehört. Schlimmer: Wir wollen die Liebe, d.e einem ""Wolletwir'uns durch eine Frau, durch diese Barbara, retten? Mel- leicht. Vielleicht aber ist es noch schlimmer, und ww wollen weller nicht bekommt ja Liebe nicht, wenn man nicht mit gleicher Münze bezahlen es a(i0 dieses? Rauthammer, der schattenhafte Befragte antwort Rau?hamme1 dem Fragenden: „Ich glaube, ich b.n ,o weit, daß * SyiÄrtÄlmb.ro IW in SWt rt.n l« tiger Alemanne mit donnerndem Lachen, b mannigfach LSr m? im" «lmondschein gelb und kränklich aussehen. Acht Tage sind fast verga g . 9f<« v sechs junge Mädchen sangen vierstimmig. Die DorshunM kamen g l,u|,n Uf5nLÄ“4rtM™.n SrtWl«-. «nlerbrrtt W «;f »SÄ 'S- SÄ’tSÄtÄ.V**- ">"> das Nest." Man sitzt da in einem lustig ausgemalten Cafe. Und es g.or Silben 'W I )m folgen I stah, uni I >on MS»' I einer düsteren Bauernburg oder Lemgo mit einem Puppenmarktplatz aus lauter alten Häusern „... In Weimar, weißt du noch", lacht Alfted, „das prinzessinnen- hafte Stubenmädchen oder der Jazzkapellmeister in Frankfurt gestern abend oder Herr Franz, der lustige Pikkolo im Waldhaus, ober ber Tankwärter bei Würzburg ..." „Haaaahaaaa", gähnt Fehr, „haaaa ... Entschulbigung aber man ist ben ganzen Tag auf ben Beinen. Man ..." SiehenerKimilienbMer kennenlernen ober die Männerwelt. Aber nein, das kennt sie alles allzu Wie erst viele zum und sein unerschöpfliche Arbeitskraft ... , Ich bin müde", sagt sie in eine Pause des Gesprächs hinein, „aber ihr dürft euch nicht stören lassen. Ich finde allein ins Hotel." Sie nimmt sich einen Wagen. Es ist schön, durch die warme Nacht allein zu fahren. Seltsam, daß die meisten Frauen so ungern allein smd. Sie ist sehr gern allein. Ja, es ist ein erregendes Erlebnis, wieder ganz allein in einem Zimmer zu stehen und niemanden nebenan zu wissen. Sie geht eine ganze Weile hin und her, um das voll auszukostem Dann holt sie aus dem Koffer die medizinischen Zeitschriften heraus. Sie sitzt und liest. Sie taucht wieder ein in ihre alte Welt. Er riecht nach Karbol, nach Aether, nach Jodoform. Sie liest nüchterne Krankengeschichten über Steinbildung in beiden Nierenbecken, über nichtoperative Therapie des Stars über klinische Behandlung der Lungentuberkulose. Vertraute gen“su muht keine Angst haben ..." Wo hat sie das gesagt? Richtig! Auf einem Spaziergang in Heidelberg auf die Molkenkur. Es war sehr heiß und drei schnatternde Amerikanerinnen gingen vor ihnen mit „Ho'w nicely“ und „How wonderfull“ ... „Du muht keine Singet haben. Ich will dich gar nicht mit Haut und Haar und Beruf schlucken." Und er hat geantwortet: „Man muß vor dir keine Angst haben. Du drängst dich wahrhaftig nicht auf. Höchstens weih man nicht, rote du eigentlich bist." . .... ... . Sie lächelt. Man kann sich nach acht Tagen wirklich nicht kennen, viele Bewegungen eines Menschen gibt es, wie viele Worte, die allmählich hevauskommen, aber auch wie viele Erlebnisse und rote Wunden! Manchmal ist sie Alfred ganz nah, an jenem Fruhmorgen Beispiel im Waldhaus, die ersten Vögel zwitscherten, und sie sah studierte den Schlafenden. Wie edel war seine Stirn, rote gelost Schla, wie kraftvoll seine Hand. Wie kindhaft noch bte halb geöffneten Lippen, als wenn sie mehr und mehr von dem köstlichen Schlaf trinken wollten. Manchmal also ist man sich nah. Warum soll man sich nicht zuweilen noch fern sein? ... s. Und, bitte, nicht alles so ernst nehmen! Wenn diese beiden über die vergangene Generation Verfallen, fo braucht sie nur an ihren Vater zu denken, an seine Gedankenschärfe, an seine Phrasenlosigkeit, an seine gefährliche Ergebnis dieses Abends. Ain andern Morgen aber, bei einem Frühstück aus der Terrasse des Hotels unter schönen Linden, bei einer Sonne, die herrlich warm und fröhlich strahlt, scheint das Leben der beiden an der Stelle roeiterzugehn, an der es am Abend aufgehört hat. Sie find sich über alles vollkommen eiinig. Dah man an Fehr die Folgen des junggesellenhaften einseitigen Denkens erkennen könne, daß man ihm anmerkt, wie wenig er mit wirklichen Frauen zu tun gehabt hat. Daß es dennoch für Alfred gut war, nach acht Tagen Hochzeitsreise eisten Männerabend zu haben, und für Barbara sehr schön, ein bißchen Medizinwelt zu riechen. Endlich, daß es Zeit ist, mit dem Herumstromern Schluß zu machen, irgendeine Landschaft wirklich kennenzulernen. Sie sind schon, wie die anderen Autler, richtige Landschaftsfresser und Kilometermörder. AUred hat eine famose Sache herausgefunden. Fehr hat sie empfohlen. Eine stille kleine Pension in einem Flußtal ganz nahe einer kleinen Stadt, zwei Autostunden von Stuttgart. Hier die Adresse: Haus Rebstock, Besitzerin Frau Görnewitz. Hier eine Bildpostkarte! Sehr nett, nicht wahr? Also mal anjchamü Alfred sitzt eine Viertelstunde an ihrem Bett. Er möchte, daß sie aus- wache. Er möchte gleich mit ihr sprechen. Er will nicht die Zweifel behalten. Alte Freunde sind ja immer gefährlich in einer jungen Ehe, weil sie zu srüh das „objektive" Bild der Frau geben. Allzu leicht glaubt der Mann, das „objektive" Bild (ei auch das wirkliche. Er hat zu oft gehört und erlebt, daß Liebe blind mache. Er fürchtet sich also, auch blind zu sein und nachher sehend zu werden. Tatsächlich macht aber nur Leidenschaft blind, und Liebe macht sehend. Denn der Liebende sieht durch alle Vordergründe-Tatsachen und Taten hindurch den Kern, die echte Wirklichkeit des Geliebten. Und wenn er an dieser Sicht festhält, Hilst er ihm, formt er ihn. Deshalb ist Liebe auch nicht unmännlich, wie immer noch sehr viele glauben, nicht ablenkend vom wahren Ziel des Lebens, sondern zum Ziel lenkend, also männlich im schönsten Sinn. Alfred also ist ein wenig irre geworden. Nicht daran, daß er Barbara liebt, aber daran, dah es wichtig sei, daß er Barbara liebt. Das ist das Worte. Ihre Welt. Ihre Welt? Ist sie nicht gern hinausgegangen? Hat sie sich nicht gesehnt aus der Krankenhausluft in die gesunde Lust Alfred Meimbergs? Und ist sie nicht zusrieden? Ja, sie ist zufrieden. Aber die Welt Alfred Meimbergs ist noch nicht ihre Welt. Ihre Welt muß sie sich erst schaf en. Ihre eigentliche Ausgabe muß sie erst finden. Und was ist ihre Ausgabe? Auch das beginnt sie in diesem Augenblick zu ahnen. Sie wurde gern ein paar Menschen aufmerksam machen auf die in ihnen schlummernden Möglichkeiten, ihren Mann Alfred Meimberg vor allem, der noch lange nicht das ist, was er eigentlich ist. Und später ihre Kinder. Ja, sie wüßte vielleicht genau, daß ihre Welt die einer echten Frau und einer rechten Mutter sein wird, wenn nicht die unechten Frauen und schlechten Mütter soviel süßlichen Heiligenschein um diese natürlichen Dinge gemalt hätten (die die ■ meisten von ihnen auch nicht im entferntesten beherrschen). Und wenn nicht die Männer so sehr die Erkenntnisse der Frauenwelt ablehnten. Bitte, man muß sich nur vorstellen, sie ginge jetzt in das Bierrestaurant zurück und spräche mit den beiden Mannern Meimberg und Fehr über die in ihnen schlummernden Möglichkeiten. Sie muß herzlich bei diesem Gedanken lachen. Aber sie ist beruhigt. Hier ist ihr Weg, in ihre Welt... Damit schläft sie ein. Sie hört auch nicht, wie Alfred gegen zwei Uhr vorsichtig in ihr Zimmer schleickt, wie er sich an ihr Bett setzt, wie er sie anfchaut, verliebt, weil sie so zart aussieht im Rahmen ihrer Kissen. Besorgt, weil Dr. Fehr gesagt hat, sie sei allzu empsindsam, und unsere Zeit brauche Frauen, die sich auch allein zurechtfänden, wenn der Mann mal ein Jahrzehnt keine Zeit hätte. Prüfend, weil sie sich darüber gestritten haben, welchen Raum eine Frau im Leben des Mannes einnehmen dürfe, die Hälfte, ein Viertel ober viel, viel weniger, ein Zehntel etwa. Viertelstunde an ihrem Bett. Er möchte, daß sie auf- Sie fahren durch die Vorlandschaft der Rauhen Alb, durch Weize,, selber, durch Rebengelände, durch Obstgärten, Obstgärten. Sie essen ijer kleinen Stadt auf einem Marktplatz zwischen spitzgiebeligen Foh. werkhäusern zu Mittag, und am Nachmittag halten sie hundert TOettr vom Rebstock der Frau Görnewitz, Ein Fluß flieht dicht am Hause vorbei. Hundert Meter oberhalb sich eine Holzhütte auf der Wiese. Ein paar Herren springen umher und werfen sich Gummiringe zu. Kinder patfchen schreiend unter der Sniie im Wasser. Gleich hinter dem Haus beginnt ein Hügelwald aus Sannet, Buchen und Akazien. Die Pension ist hell gestrichen, hat große Fensig und vor jedem Fenster einen Balkon. Im Garten am Fluß stehst en paar Tische, mit bunten Schirmen drüber. „Es ist wie überall", sagt Alfred Meimberg. „Don weitem sieht $ luftig aus und um Sehnsucht zu kriegen. Beinahe mondän, wenn moi. dän was wäre. Es ist wie auf dem Wannsee, wenn man Segler oorb<|. rauschen sieht. Von weitem sind das alles sehr vornehme Menscher Näher befchen, sind sie genau wie wir: nett oder weniger nett. Also-'. „Na also", sagt Barbara. „Vielleicht kann man da oben die Hch Hütte kriegen." ? „Nein, die Holzhütte", lächelt Frau Görnewitz, „die Holzhutte roij) erst am Sonntag frei. Ist auch zu primitiv für die Herrschaften Seit fließendes Wasser. Aber die besten Zimmer sind zufällig frei." Zwanzig Minuten später haben sie die besten Zimmer, Westzimm«, in die gerade die Sonne scheint, mit bunten Vorhängen und bunten Wänden, mit blauem Bett (Meimberg) und rotem Beit (Barbara), mit einem Schreibtisch auf ganz dünnen Beinen, mit einem Schrank in in: Wand, der mit dem Schrank im Nachbarzimmer dieselbe Wand hck. Man muß also, wenn man nicht schwerhörig ist, am Leben der Nachdem ein wenig teilnehmen. Die Görnewitz, die Pensionswirtin, ist ein wenig blonder, als es Sie Natur mit ihr vorhatte, ein wenig jünger, als es ihr Geburtsschein en- zeigt, viel liebenswürdiger, als es ihrem Temperament entspricht, rt viel gesprächiger, als für den Frieden des Hauses gut ist. Sie ist imnnt noch sehr hübsch, verkauft für einen guten Witz jeden Freund. Und oet< sieht es, ihre Gäste miteinander zu mischen. Eine Stunde nach EinzH kennen die Meimbergs bereits alle Mitbewohner. Und da sie sich iittqt viel um sie kümmern wollen, wird es wohl gut gehn. 11. Barbara wacht aus dem Frühschlaf auf. Sie ist schön um zehn in) Bett gegangen. Man wird so sehr müde von der Sonne, dem Bades dem Spazierengehn, dem Nichtstun und vor allem von dem Sprech-» mit den fremden Menschen Aber jetzt ist sie ausgeschlafen. Das Zisss» blatt der Uhr leuchtet: Zwölf Uhr. _ , i Durch den Spalt der Flurtür schimmert etwas Licht. Man hört ein en Mann flüstern, eine Frauenstimme antwortet abwehrend. Dann zutrm licher, dann lacht sie. Mitten im Lachen löscht das Flurlicht a.us. Cie Männerstimme spricht weiter, leise, leiser. Sie verlischt. Man hört, wie ein Schlüssel umgedreht, ein Riegel vorgeschoben wird. Barbara liegt mit offenen Augen. Das junge Mädchen drüben [t eine der blonden Freundinnen, die am Nachmittag mit großem Geschmi im Fluß badeten und am Abend auf der Wiese kicherten. Ein hübsche Mädchen mit fonnüberbräunten zarten Farben und einer kandiert» Stimme. Und der Mann? Barbara schlägt ungeduldig ins Dunkel. £( wird sich noch den Kops zerbrechen, wer der Mann ist. Sie wird nm) eine echte Sommerfrischlerin. Wie sagte die Pensionsinhaberin, Fr»» Görnewitz: „Sie sinden bei uns immer das Leben, Frau Meimberg, » feinem steten Wechsel. Und man kann mitleben, oder man kann beob» ten." — „Nein, danke!" hat Barbara geantwortet. „Ich beobachte wclwt gern, noch lebe ich gern mit!" Und Frau Görnewitz lachend: „6t ir begreiflich auf der Hochzeitsreise, sehr begreiflich!" Barbara richtet sich auf. Sie horcht hinüber. Vielleicht schläft Alft-i noch nicht. Er chat, ein Buch in der Hand, lange neben ihrem Bett gesesi» Komisch, nicht wahr, daß man das angenehm und warm in den SchD! hinein spürt. Merkwürdig überhaupt, ganz anders, als alle Mensch-« gesagt haben, ist eine Ehe. Oder ihre Ehe. Inniger, wärmer, freundlichst als sie zu hoffen wagte. Trotzdem bleibt man sich in manchem erstaun lich fremd. Wurde sie es etwa wagen, Alfred zu wecken? Nur, weil sich nach ihm sehnt? Ausgeschlossen. . Sie sieht hinaus. Der Stern, der die erste Nacht durch den Nu:>? bäum schien, ist untergegangen. Die andern Sterne sind auch weg. w vierzehn Tagen Sonnenschein, Mondschein, Sternenschein ist der s)w mel unsichtbar. k Barbara nimmt ein Tuch um und geht auf den Balkon. Es ist hattv- warm draußen, sehr dunkel. Ab und zu zuckt der Widerschein ent» Wetterleuchtens über das Haus. Dann sieht man die Felsenmauer, M den Bergwald oben abschließt, man kann den Fuß erkennen, die beton» Eschen am Ende der Wiese. Da sie sich umdreht, taucht der kleine FW auf, grauschwarz, dämmerfarben. Das Wasser trommelt oben auf ow Wiese gleichmäßig über ein kleines Wehr. Es schnurrt gegen die m® Holz versteifte Uferböschung am Knick. Es gluckert am Haus vord-i. Vom Wald her geht ein Schatten über die Wiese, pfeift leise, duckt M blumenpflückend, der kleine Oberlehrer, der still für sich in der Ecke ©peifefaals ißt und in alle Damen gleichzeitig verliebt ist. Jetzt neunten in der Glasveranda Licht gemacht. Drei Schatten fallen über c. Wiese: der Schatten der Görnewitz, der Schatten des zweiten kicherm® Mädchens und ein Mannsschatten. Der wird dem Bankrat Met?»® gehören, dem stattlichen Witwer, der die Holzhütte bewohnt, seine Stt-n mit Tran schmiert und immer sagt, er fei zu alt für die Frauen. hat er einen Arm um die rechte Schulter der Görnewitz gelegt und " - andern Arm um die linke Schulter des Mädchens, das immer kicyn» Ein Grammophon beginnt zu schleifen, Jazztrompeten, mit ganz leUV- Nadel gespielt... Ein paar Tropfen fallen auf Barbaras Nacken ui» Hände. Angenehm, Wenn es mehr regnete, würde sie ein Regen»» nehmen. (Fortsetzung folgt.) Jill war immer eine Un- ein un- ihre kleine Keusche kamen, tn —" und ging ohne Gruß ins Haus. Eine Zeit lang war alles gut. Zwar, mit stimmigkeit da. Er konnte den Buben nicht Herbstgefühl. Don Johann Wolfgang von Goethe. Fetter grüne, du Laub, Am Rebengeländer Hier mein Fenster heraus! Gedrängter quellet, Zwillingsbeeren, und reifet Schneller und glänzender voller! Euch brütet der Mutter Sonne Scheideblick; euch umsäuselt Des holden Himmels Fruchtende Fülle; Euch kühlet des Mondes Freundlicher Zauberhauch, Und euch betauen, ach! Aus diesen Augen Der ewig belebenden Liebe Vollschwellende Tränen. , leiden, so sehr ihm auch Sebastian wohlwollte... Er brachte ihm von seinem Vesperbrot die Es wurde aber anders, als Sebastian gedacht hatte Sie war zwar jung und dünn und trug kurze Haare wie ein.J® n Qnrrfien um in mit Sebastian, w,e gehofft, aus d.e flechtenbeh°ngenen Larch-n um n die Krähennester zu schauen. Das war eine Küpp° m der Freundschat aber gerade in der Zeit war das sommerliche Wunder fallixJ. Bit JSauern aus dem Nachbardorf kamen und spielten Theater. 1 hause der falsche Bart des grausamen Grafen stammte, unv wegen am Bach entlang, an blühendem Hollunder " - ;trgmfen nur so Von den Gehöften kamen d.e Theaterbesucher sie str°m«n » herbei, und dazwischen schritten die Musikant (orqen hatten. dicker Trommel, die in der Pause für d.e Unterhaltung zu^ sorgen yanen Es war erhebend für Sebastian, mit ffÄi K Aus- Zahlen. Veronika hatte ihm das Geld ausgehand g . Er^«ch i AB Siegenden mit ihrem Freundschaft mit Sebastian. Erzählung von Fernande Prisss. Wir stellen in Fernande P r i s s 6 eine junge süddeutsche Erzählerin vor, die in St. Veith in der Steiermark daheim ist. Veronika lag in der Hängematte. Unter ihr lag Jill, der Hund. Beide blinzelten hinauf in den Kirschbaum, in dem pünktlich wie alle Tage der strohköpfige Jemand hockte. Veronika schloß die Augen und bald knurrte Jill, sein kurzer Keilschwanz klopfte den Boden. „Gsss..." kam es aus dem Kirschbaum, „Gsss..." Jill heulte gereizt auf. Das Mädchen in der Hängematte setzte sich plötzlich auf und ließ die Beine baumeln. Im Kirschbaum schlugen die Zweige wieder zusammen. Weg war das Gesicht. Jill tobte, er tanzte um die Hängematte und lief hinüber an den Stamm, kläffte, raste. „Platz!" sagte Veronika entschlossen zu Jill; dann ging sie hinter die Bienenhlltte und wartete ab. Jill saß unter dem Kirschbaum, geduldig und voll Rachegedanken. Jetzt angelte von oben ein nackter Fuß herunter... Jills Ohren standen steif. Der Fuß hatte an einem der unteren Aeste Halt gefunden, langsam kam der zweite nach, — zwei braune Bubenbeine kamen in die Reichweite des Hundes. Jill sprang zu und aus dem Geäst kam Geheul und ein ellenlanger Fluch. Veronika hinter der Bienenhütte kicherte. Unter dem Kirschbaum war Zuwarten auf beiden Seiten. Jill hatte sich aus die Hinterbeine gestellt und schnupperte in die Luft. Er wedelte hinterhältig, denn aus dem Baum klangen schmeichlerische Worte. Dann schneuzte sich jemand. Jill zeigte sich uninteressiert und wandte sich zur Hängematte. Auf den Augenblick hatte der Bub im Kirschbaum gewartet, mit einem Satz sprang er aus dem Baum und rannte in wetten Sätzen durch den Grasgarten. Hinter ihm aber kam Jill her, kurzbeinig und kohlschwarz hing er dem Buben an der Hose. „Tuifele, du damischer!" schimpfte der Bub, er drehte sich im Kreis. Aber Jill ließ nicht los. „Endlich" — dachte der Hund — endlich — dachte auch das Mädchen Veronika hinter der Bienenhutte. Dann kam sie 6em@k “uef*:durch^den Grasgarten und rief dem Hund ZU, aber Jill hörte Nichts, der Bub und Jill balgten sich am Boden und Veronika packte ent- lcblolien au und hielt Jill am Racken und den Buben am Henio. ,We/bist du?" fragte das Mädchen; sie schllttelte den zehniahngen „Der Sebastian", sagte der Bub nach hinten; denn dort klaffte Od,TQQ für Tag hockst du im Kirschbaum und sekkierst den Hund." "Wenn das Fräulein sonst nit heraufschauen!" sagte Sebastian rolU!Dto Loch war übrigens größer, als er gedacht hatte. „Mistbub!" sagte Veronika. Sie war noch recht jung. So begann Freundschaft mit Sebastian. — dunkelbraunen Speckschwarten, für die Jill nicht mehr als ein mitleidiges Nasenrümpsen hatte. Kein Zweifel, Jill war eifersüchtig. Aber das alles wäre für Sebastian ertragbar gewesen. Rur Veronika — sie sprach nicht mehr, sie hatte das Grammophon weggesperrt, sie lud die Kinder Sonntagnachmittags nicht mehr zum Spiel. Sebastian dachte hin und her. Manchmal sahen sich der Hund und der Bub betrübt an. Eines Morgens hängt an der Türschnalle Veronikas ein Bund Almrausch, aber auch das hilft nichts. Rein —, sie fitzt wie alle Tage nach Tisch in der Hängematte und schreibt langsam uno überlegend mit steilen Buchstaben aus dickes Papier. „Lieber Thomas!" so ist die Ueberschrift. Vor dem Schulgang holt Sebastian die Briese von Veronika, um sie beim Kaufmann in den gelben Briefkasten zu werfen. Er kontrolliert die Briese. Rein, einer an einen Thomas ist nicht darunter. Kein Brief an diesen Thomas auf dickem weißen Papier. Also schickt sie die Briese nicht ab. Sebastian geht öfter als sonst zu Veronika. Er kümmert sich und zeigt ihr die drei kleinen Wiesel unter der Straßenböschung, das Nest der Goldammer, er bringt ihr eine junge Krähe, deren Federn noch in Röhren stecken wie Bleistifte in einer Hülse Veronika sagt nur: „Scheußlich!" Aber Sebastian verzeiht ihr und führt sie in die moorigen Wiesen, wo duftend der violette Türkenbund steht, von dem niemand weiß. Aber es nützt nichts, Veronika schreibt weiter diese tepperten Briese an den Thomas und schickt sie nicht ab. Sebastian ärgert sich. Das schöne Papier, das dicke, das man so gut zum Butterliefern brauchen könnte. Sein Aerger über Thomas wächst. Sebastian ist bekümmert wie Jill, und wenn er könnte, er ließe seine Ohren gerade so wie dieser hängen. Immer sitzt die Veronika in der Hängematte, und Sebastian weiß, ihre Augen sind nah. Einmal muß Sebastian hinunter zur Bahnstation. Der Rotkappelte unten hat drei kleine Ferkel gekauft, die muß jetzt Sebastian in einem Korb hinuntertragen. Unten ist gerade der Zug weitergefahren, der aus der fernen Hauptstadt kam. Sebastian übergibt die Ferkel. Auf dem Bahnsteig steht ein junger Herr mit einem Koffer. — Wo denn der Weg nach Eibl gehe? — Aber der Beamte hört nicht, es sind jetzt die Schweine da, und das ist wichtig. Hilflos steht der Fremde da, aber Sebastian nimmt sich seiner an: „Grad über den Berg hinauf." — Ob er ihm den Koffer hinauftragen würde? — Sebastian hebt den Kofser schätzungsweise auf. Schon — schwer ist et nicht, und Sebastian sagt zu. m _ r • So gehn sie gemeinsam hinaus über den Berg. Sebastian ist immer voraus. Der Fremde gefällt ihm. Zünftige Schuhe, und die Lederhose ist auch nicht neu... „Er schaut was gleich", schließt Sebastian bei sich ab. Manchmal muß Sebastian warten, der Fremde schaut sich die Gegend an. Dann stellt Sebastian den Koffer ab und setzt sich daraus und erklärt dem jungen Mann die Gipfel, die da alle in der Runde stehn. Wieder einmal muß Sebastian warten, und neugierig, wie er ist, lieft er die kleine Karte, die am Soffergriff hängt. „Thomas Welti." Sebastian erstarrt — wieso — woher? — Veronika und die Briefe? Sebastian knallt den Soffer auf den Boden. „So", sagt er und wischt sich die Hände an der Hose. „Jetzt kann ihn der Herr selber tragen. — Aus ist's." Und er läßt Herrn Thomas Welti stehn und flitzt hinauf über den Hang. Aus halber Höhe ruft er zurück: „©lei immer grab aus — und der Soffer ist eh nit schwer. Dann verschwindet der Sebastian. So was — da muh was geschehen. Ganz klar ist sich Sebastian nicht, warum. — Er rennt und oben an der Waldkreuzung, wo die Wegweiser stehn, vertauscht er die Tafeln. Geradeaus geht es jetzt nach (Buttarmg und links hinüber, wo einer lang zu keinem Haus kommt, gehts nun nach Eibl. — So, Herr Thomas Welti. — Dann eilt er heim, er ist voll Beruhigung, jetzt kann nichts mehr geschehener [Qng hj„ter der Suppe, da kommt der Gendarm Daierl herein — diese hochnotige Persönlichkeit, — und dem Sebastian wird leicht übel — und haut dem Sebastian eine Dachtel hinter die Ohren und redet was vom Fremdenverkehr und geht wieder. Dem Sebastian ist es ungut. Und wie er hinaufkommt zur Veronika — richtig — ist die nicht allein, sie weint und lacht und hangt am Hals von diesem Herrn Thomas Welti. Du bist schuld", sagt sie und Sebastian erwartet das gleiche wie vom Gendarm Daierl und zieht den Sopf ein. Aber es kommt nichts. , Und Herr Thomas Welti gibt ihm einen Schilling, und dann kann Sebastian gehn — er merkt das schon — und Jill trottet Zum erstenmal und ohne Nötigung neben ihm her, bekümmert und mit hangenden Ohren. Geläut den Vorhang aufgehen hießen, sah sie den Sebastian in der ersten Reihe sitzen. Er starrte verzückt auf die Bühne und seine Tränen kotiertem als der verlorene Sohn am Grabe der Mutter siarb. (Das Stück hieß überhaupt „Am Grabe der Mutier" und das Gras des Grabhügels war die verschlissene Roßdecke vom Angeringer.) Als es Licht wurde, ging ein gAvßes Schneuzen und Schnauben an. Sebastian hatte auf dem Heimweg (eine Hand in die Veronikas geschoben. Er redete nichts, und als sie an bie " " ” '' * der Sebastian wohnte, seufzte er nur: „Mein sitzen wie in Meeresstrand. Von Theod»r Storm. Ans Hass nun fliegt die Möwe, Und Dämmrung bricht herein; Ueber die feuchten Watten Spiegelt der Abendschein. Graues Geflügel huschet Neben dem Wasser her; Wie Träume liegen die Inseln Im Nebel auf dem Meer. Ich höre des gärenden Schlammes Geheimnisvollen Ton, Einsames Vogelrufen — So war es immer schon. Noch einmal schauert leise und schweiget dann der Wind; Vernehmlich werden die Stimmen, Die über der Tiefe sind. Verantwortlich: Dr. Hans Thtzklot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Aniversitäts.Vuch- und Steindruckerei. «.Lange, Giehe» Kapitän Loder. Von Carl Conrad. Manitoba gab mir das Thermometer, ging hinaus und kam mit einer kleinen Kiste wieder, die er neben mein Bett stellte. In der Kiste lagen zwei Flaschen Sodawasser, mit feuchten Tüchern umwickelt. Ich nahm das Thermometer in den Mund, ich fühlte mich heute etwas besser, nur die Beine waren noch geschwollen, sonst wär' ich einfach aufgestanden. Ich dachte, daß Ann erschrecken würde, wenn sie kam und mich im Bett liegen sah. Ich hatte schon gestern abend versucht, auszustehen, aber es tat noch zu scheußlich weh, mir wurde übel dabei, und Manitoba hatte mich wieder ins Bett legen müssen. Ich sah wegen des Thermometers nach der Uhr auf dem Nachttisch, es war etwas vor vier, Manitoba hatte sich wieder mit dem Fernrohr auf die Fensterbank gesetzt, und gerade, wie ich nach der Uhr gesehen hatte, rief er: „Großes Dampfer! Sehr großes Dampfer!" Er sprang herunter, gab mir das Fernrohr und schob mein Bett ans Fenster. Ich sah zwischen den Palmen den „Candor", groß und weiß, wie er sehr schnell an unserer Insel vorübersuhr, und aus allen Schornsteinen dicken Qualm, der das ganze Achterschiff verhüllte. Ich wußte, daß meine Frau jetzt an der Reling stehen würde, ich suchte die Reling ab, aber es ging zu rasch, ehe ich etwas erkennen konnte, war er schon um die Landzunge herum, und da standen unsere alten Palmen sehr dicht und man konnte das Meer nicht sehen. Ich legte das Fernrohr weg. „Großes Dampfer haben gefetzt weiße Fahnen mit rote Ball", sagte Manitoba. Ich hatte das Thermometer noch im Mund, und ich nahm es heraus. „Du sein ein Kamel!" sagte ich. „Ich haben gesehen ganz viel deutlich", sagte Manitoba sanft und lächelte. Er stand ganz ruhig zwei Meter von meinem Bett entfernt, mit einem dicken bunten Holz in der Nase, und lächelte und sah mich an. „Du sein ein ganz viel großes Kamel", sagte ich. Ich hätte es bemerken müssen, wenn der „Candor" das Notsignal gehißt hätte. Er war sehr flott vorbeigefahren, die See lag vollkommen ruhig, es sah alles nach bester Ordnung aus. Der Schwarze war lautlos bis an die Tür gegangen. „Missionar sagen, Freitag großes Unglückstag. Heute Freitag." „Mach, daß du rauskommst! Und drück dich nicht im Haus herum, dich nicht will ich sehen hier, du gehn in Plantage arbeiten wie alle anderen. Du nicht eher kommen, bis Glocke machen bim bim." Er trug den Kasten mit den Sodawasserflaschen an mein Bett heran, verbeugte sich und ging, und ich richtete mich etwas auf und wartete, bis ich sah, daß er wirklich am Haus vorbei zur Plantage ging. Die Kokos- ernte war in diesem Jahr sehr spät, deshalb eilte es damit, und alle mußten helfen. Ich besah mir das Thermometer. Ich hatte nicht mehr viel Fieber, ich konnte gut allein fein; ich lag da in meinem Bett am offenen Fenster, ich konnte über unseren Garten hinweg, den Ann angelegt hatte und pflegte, bis an die Bucht sehen, und ich dachte daran, daß der „Candor" in einer guten Stunde im Hafen von Rangho sein würde, und in weiteren zwei Stunden würde Ann mit dem Motorboot hier sein, und ich würde sehen, wie es da unten an unserer Mole an legt, — und Ann steigt aus und kommt den Weg herauf durch den Garten und die Leute hinter ihr her mit Koffern — es war sehr schön, so an eine Frau zu denken, die sieben Wochen lang verreist war. Ich stellte mir vor, wie es aussehen würde, wenn sie in ihrem weißen Leinenanzug mit den Breeches- Hosen den Weg heraufkommen würde, und dann sah ich wirklich etwas. Ich richtete mich im Bett auf, so hoch ich konnte. Ich fing sofort an zu schwitzen und zu zittern. Ein großer weißer Dampfer bog mit Volldampf um die Landzunge und steuerte in unsere Bucht hinein. Noch nie war so ein großer Dampfer in unsere Bucht gekommen. Er mußte jeden Augenblick auf Grund laufen. Ich nahm das Fernrohr; es war der „Candor", jetzt sah ich auch das Notsignal, er mußte alle Maschinen laufen haben, alle Kessel unter Druck wie verrückt, aber die Rauchfahne hinter ihm kam nicht nur aus den Schornsteinen, sie kam auch vom Achterdeck, und dann sah ich da kleine Flammen, die sich sehr rasch in dem schwarzen Qualm beroenten. Als er auflief, gab es einen furchtbaren Knall wie von einer Explosion, und ich fühlte, daß der Boden zitterte, und alles stürzte klopft. _ .. . Ich hatte niemand kommen hören. Ich rief: herein!, aber ich be- wegte nur die Lippen, ich brachte keinen Laut hervor. Es klopfte nochmals. Ich lag ganz steif im Bett, die Wolldecke über dem Gesicht und fror. Ich nahm mich zusammen. Ich rief: „Herein!" Die Tür ging auf, und es kam ein Mann herein, und er blieb am Türpfosten stehen, alle Haare auf dem Kopf versengt, rötlich und mit weißer Asche, die wie Puder darauflag, und das Gesicht rot, die Augenbrauen ganz weg, nur die Augen darunter so kahl, weit aufgerissen, blutunterlaufen. Er streckte sich gleich auf dem Boden aus, atmete keuchend. Und bann hörte ich das Laufen der nackten Füße und das Geschrei in der Richtung nach der Bucht. Es tarn wieder näher und Manitoba und Jossa, traten ins Zimmer. , , „Nehmt die beiden Boote", sagte ich, „sucht alles ab, ob ihr noch jemand findet. " , , . „ . . „Hat — gar — keinen — Zweck", sagte plötzlich der Mann auf dem Boden. Er sprach sehr langsam und mit einer hohen, dünnen Stimme. Er drehte sein Gesicht zu mir hin, ohne die Augen zu öffnen. „Alle verbrannt?" r , Der Mann gab keine Antwort, ich sah feine Brust auf und ab gehen, die Beine lagen ausgestreckt, als gehörten sie ihm nicht. „Los!" sagte ich zu den Schwarzen, und sie gingen hinaus. „Hier ist Sodawasser und Whisky", sagte ich. Er konnte das Glas kaum halten. „Ich danke für den Whisky", sagte er, nachdem er sich auf das Bett gelegt hatte, „es sah verdammt schlecht aus. Ich dachte nicht, daß ich noch einmal Whisky trinken würde. Als wir an den Moerenhouts vorüberkamen, fing der Automat auf der Brücke an zu schnurren. Da war doch wahrhaftig die Fallklappe für den Laderaum gefallen. Die Kontrolluhr zeigte 75 Grad Temperatur. Das war verflucht. Wir konnten nicht ran, sonst hätte das Feuer erst recht Luft gekriegt. Wir ließen vom Schraubentunnel aus unten kleine Löcher zum Laderaum bohren und blfefen den Stickstoff ein. Wir hatten immer noch die Hoffnung, als der Qualm durch den Boden in den Speifefaal kam. „Herr Gott", sagte ich, „meine Frau war an Bord. „So?" sagte er. „Der Kapitän ließ drei Löfchboote von Rangho anfordern, aber sie lagen natürlich nicht unter Dampf. Und wir booteten die Passagiere an der Tengas aus. Von da konnten sie mit dem Dampfer nach Rangho weiterfahren. Achtern fing das Deck an zu rauchen. Der Kapitän gab Befehl, Volldampf und dann ließ er alle Mann ausbooten. Das war eine Aus- booterei! Der Kapitän wollte allein an Bord bleiben und das Schiff auf Grund fetzen, um den Rumpf zu retten. Ueberall waren Korallenriffe, und er brauchte noch jemand für den Ausguck. Ich bin nicht verheiratet, dachte ich, wenn die Sache gut geht, hab' ich solchen Stein beim Kapitän im Brett. — Der Kapitän dachte, wir könnten bis Rangho kommen, aber als wir eben hier um die Insel vorbei waren, sahen mir, daß es nicht ging. Ich hatte die Bucht gesehen, wir kehrten um, und der Kapitän steuerte hinein. Als wir aufliefen, brach der Mast ab, und ich wurde "ins Wasser geschleudert. Ich hab' vom Kapitän nichts mehr gesehen. Er war auf der Brücke, und da ist kein Stück Holz ganz geblieben. — Veit Loder hieß er. Landsmann von mir. Ans Warnemünde. Dann kamen Manitoba und Joffai und sagten, daß sie nichts hätten, finden können. Der Mann aus dem Bett war eingeschlafen. Ich ließ mich mit meinem Bett zur Bucht hinuntertragen. Als ich an den Strand kam, hielten sie die Fackeln hoch und zogen irgend etwas aus dem Boot. Es war Kapitän Loder, er sah aus wie ein verkohltes Stück Baumstamm, und ich ließ ihn auf dem Rasenplatz am Ende von Sinns Garten begraben. Jossai holte einen Balken aus dem Magazin und machte enr hohes Kreuz. Es mußte immer vor ber- Bucht stehen, wenn man aus dem Fenster sah. Als sie das Kreuz aufrichteten, hörten wir einen Motor laufen. Ich ließ mich mit meinem Bett wieder an den Strand tragen, das Boot kam in den Lichtschein der Fackeln, Ann saß weit zurückgelehnt im Heck, einer großen Gefahr entgangen, erschöpft. Und doch mit einer tiefen Freude des Wiedersehens. Ich hatte ihr immer alles ansehere können. So stieg sie aus dem Boot, ich hielt ihre Hand und fühlte, dahi sie zitterte. _ „Es ist nicht schlimm mit mir“, sagte ich, „in drei ober vier lagere bin ich wieder ganz in Ordnung." Sie sah nach dem glühenden Schiffsrumpf. „Es waren nur noch der Kapitän und ein Offizier an Bord , sagte ich. „Der Kapitän ist tot. — Sieh nicht hin, Ann! Sieh mich an! Sie sah mich an, sie war sehr blaß, und ihr Gesicht hatte immer noch einem fremden, etwas betäubten Ausdruck. , Armer Junge", sagte sie, „du hast geglaubt, wir wären noch alte an Bord, nicht wahr?" Sie drückte meine Hand sehr fest. „In einer halben Stunde darfst du meine Hand nicht mehr los lassen, Ann", sagte ich und wunderte mich über meine Stimme, ste klang dumpf wie durch eine Wand hindurch. ineinander. Eine hohe Feuergarbe stand noch eine Zeit lang senkrecht auf dem Schiff. Dann quoll eine dichte schwarze Rauchwolke auf schwebte langsam nach oben und blieb über der Unglücksstelle stehen. Unter ihr wuchsen die Flammen, und das scharfe Knattern und Prasseln drang bis zu mir herauf. , ,, .... „ . , , Ich versuchte aufzustehen, aber kaum hatte ich die Beine aus dem Boden, da wurde mir schwindlig, und ich schlug quer über das Bett. Als ich wieder zu mir kam, hörte ich noch immer das Prasteln des Brandes, und ich streckte meine Hand nach der Schnur aus und ließ die Jalousie herab. Jetzt war es dunkel im Zimmer, und ich horte und sah nichts mehr. Zwanzig Mann Besatzung an Bord, dachte ich, und achtzig Passagiere, mindestens, und unter den Passagieren ist Ann. Und dann hörte ich es wieder, ganz deutlich durch die Jalousie hindurch, ich fürchtete im nächsten Augenblick auch das Schreien der Verunglückten zu hören, ich hatte niemand an Deck gesehen, sie mußten alle in ihm sitzen wie in einem riesigen Ofen. Ich zog mir die Wolldecke über den Kopf ich lag ganz ruhig. In diesem Augenblick wurde an die Tur ge>