Nummer 45 Montag, -en 3. Juni Jahrgang 1935 noch viel zu früh mar, fuhr er ins Theater, @ie6er> ® a (b e. einft » 5« f>anje=' Endliche; ,e Hanse- j he Rütf. nsen alle' 'e Thron- stabte er, h ßübej adek lag, ldon und 9- Jeder »rett mit 'Händler tn a t i on e Bürgen Ratshen- urg g9bün Bulle"’ Plan, da urd) eine" Dänen»« riftian M im Samtl u befreie« die banf« e Bürge« nreft d°n ia Lube nburg. 61 iron fetze« hauPtA' ieiß- d'° rfpri* en u>' id erobert 111. 'N $ -'S" m> d t(«re4,,‘ ,1 en inn-'" „Ich habe etwas auf dem Herzen, Otto", sagte er, druckte den Freund in einen Sessel und rückte dicht an ihn heran. „Es geht alles nach Wunsch. Das Haus ist fertig. Es gefällt mir, und euch allen gefällt es auch. Elisabeth ist so glücklich wie noch nie. Die Zukunft sieht auch gut aus. — In zehn Tagen spätestens muß ich fort. Ich glaube sogar, früher. Eigentlich Telegramm jede Stunde. Lisa weiß das. — Auch du SietzeimZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger sehr leise. „Hoffentlich!" antwortete Mira und sah einen Moment zu rhm auf. Er drehte sich um und ging rasch davon. Obgleich es noch r:-f y Am Abend auf der Bühne wunderten sich die Kollegen über ihn. Er spielte matt und zerstreut. Die Souffleuse mußte auf der Hut sein, da er verschiedene Stichworte Überhörte. Erst vom dritten Akt ab verwuchs er wieder mit seiner Rolle und riß das volle Haus hin, wie am ersten Tag. 21. ländischen ußten sicht, u dulden,« ne Schisse 1 Hansestadt tt (ein. Sund sör H tn. Selbst Ü 15 Jahre | en hatten. E die Enz- S: Livländer ft nd häute, j a. zu oer- 1 n beflieg, II »chen, die i i errichten | ipenhage» I 't, statt in I Der Hanse, 1 ab, denn le, Flach-, aber die jeitofampf obert, den hwedtsche« tteils bin- die händt Befreiung ver uni als sie die is und die 'L: ulturcüerF ^°cht der' 1 ’&tfaL | ut, daß Du da bist ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR Copyright 1933 by August Scherl C». m. b. <5V Berlin (Fortsetzung.) „Aus Wiedersehen, Herr Thiele!" antwortete Grolrnan, der ebenfalls aufgestanden war, und ergriff die dargebotene Hand. Ludwig ging um den Tisch herum und blieb dicht neben Mira stehen. „Ich werde dich hier anrufen!" „Tu das, Ludwig!" „Ich werde dich noch einmal sehen, bevor du wegfährst? sagte er Als Thiele am nächsten Morgen im Hotel anrief, konnte er Mira nicht erreichen. Rur Aenne kam an den Apparat und entschuldigte ihre Kusine mit höflichen Redensarten. Sie sei in der Stadt. Zweimal ver- suchte er es noch, mit dem gleichen Resultat. Beim dritten Male — nach ein paar Tagen — teilte ihm der Portier mit, daß bie Samen abgereift feien. Wohin, wüßte er nicht. Vielleicht hatte er Befehl, die Adresse zu war wütend und stürzte sich in die Arbeit, um alle bösen und erregenden Gedanken zu verdrängen. Die Umbauten in seinem neuen Haus am See gingen ihrer Vollendung entgegen. In den Raumen standen Tag und Nacht glühende Kohlenbecken, um das Austrocknen der erneuerten Teile zu beschleunigen. Man konnte mit der Einrichtung beginnen. Thiele war von morgens bis abends unterwegs und suchte immer neue Stücke aus, die Elisabeth oder ihm besonders gefte en Jeden Abend stand er auf der Bühne des Deutschen Volkstheaters Sein Erfolg wuchs von Tag zu Tag, und Steinlen neb (ich befriedigt die Hände, wenn er die Kaffenrapporte der vollen Hauser kontrollierte Daß er die einträgliche Serie nicht ganz ausnutzen konnte berei te ihm keine Sorgen, da er die Entschädigung dafür langst in der Taiche hatte. Es war fein bestes Geschäft feit vielen Jahren. Am achtzehnten März war das Haus am See im großen und ganzen fertig, und Thiele beschloß, den Einzug irn kleinsten Kreis nur mit seinen Intimen, zu feiern. So versammelten sich m dem neuen prächtigen Speisesaal, aus dem ein Achter Färb- und Kohlengeruch nochm-ht ganz zu entfernen gewesen war, nach der Vorstellung Doktor Kern, der Bildhauer Martin (dessen Büste an der einen Schmalftite ihren besten Platz gesunden hatte), der Schriftsteller Hubert von Gerber.- Professor Bernau mit Inge Graf, Doktor Hartl und Billy um die festlich gedeckte Tafel. In einem schmiedeeisernen Kranz über der M'tte brannte em Dutzend hoher Altarkerzen, deren Licht verstärkt wurde vonbember mehrarmiaen silbernen Leuchter, die im ganzen Saal vertellt waren In dem hohen offenen Kamin verglühten mächtige Buchenschette von denen noch ein fri eher Stoß in der Ecke daneben aufgeschichtet war. In alten geschnitzten Stühlen widmeten sich die Gaste den Speisen mzd Weinen und erhielten aus ihre bewundernden fragen von Elisab-th bereitwillige stolze Auskunft »ber den herrli-hen Gobelin an der Längswanb, über die zwei allen Meister in matten Goldrahme rechts und links vom Karnin und über lebe einzelne Kostbarkeit, auf öie ' r ^rllbeüb verlief in einer heiteren Harmonie und endete zum erstenmal früh ohne die laute, lärmende Maßlosigkeit, d,e,bisher für alle Feste und Gelage bei Ludwig Thiele bezeichnend gewefenwar. Sogär Ä* L SÄSÄ S Ludwig spürte, was in ihm vorging, und freute f sj«orte heit Daß der Bildhauer nüchtern blieb, agte ihm mehr als alle Worte. ° Al-mansichnach dem Esten um Elisabeth an dem flackernden Kamm gruppierte, zog Ludwig den Doktor Hartl tn eine Ecke. spätestens muß erwarte ich das Telegramn. -------- „ wolltest schon längst wieder heim nach deinem Dresden. Ich habe dich fast mit Gewalt hierbehalten, und jetzt habe ich noch eine große Bitte." Hartl schwieg abwartend. „Nenn mich meinetwegen einen verdammten Egoisten, der seine Freunde übermäßig in Anspruch nimmt! Das muß ich hinnehmen. Ich weiß auch, daß es sehr viel ist, was ich von dir verlange. Also höre zu: Lisa wird jetzt hier wohnen bleiben. Es ist natürlich noch längst nicht alles fertig, wenn es auch nach außen hin fo aussieht. Es mußte ein wenig zu schnell gehen. Sie wird also noch sehr viel Last und Arbeit damit haben, bevor sie zur Ruhe kommt. Aber gerade jetzt braucht sie Ruhe und Sayrmlung am dringendsten. In drei bis vier Monaten vermutlich wird der Prinz da sein. Ich aber muh fort und kann ihr nicht beistehen, wie bisher. Willst du mir und ihr noch ein paar Monate von deiner Zeit schenken? Willst du hierbleiben und ihr helfen, wie wir es beide bisher getan haben? — Ueberteg es dir, Otto! Sag nicht gleich nein! Ueberleg dir erst, was es für mich heißt, zu wissen, es ist jemand da, wenn es schwierig wird für sie und sie leiden muß. Billy bleibt zwar auch da. Aber das genügt mir nicht. Sie ist ja im Grunde ein armer Teufel, der genug mit sich selbst durchzumachen hat. — So, und nun sag ruhig, daß das eine gewaltige Verantwortung ist, die ich dir damit auf- bürden will, und eine rücksichtslose Zumutung! Aber es ist eben immer der nächste Freund, zu dem man in einer solchen Lage flüchtet." Hartl schwieg noch immer. Er hatte Mühe, ruhig und nachdenklich zu erscheinen. Innerlich war er seltsam erregt von diesem Vorschlag, obgleich er ihn nach den ersten Worten Ludwigs erraten hatte. Mehrmals hatte er den festen Entschluß gefaßt, seinen Aufenthalt abzubrechen und nach Dresden zurückzufahren, nach Hause, wo seine Arbeit auf ihn wartete Eine Arbeit, an die er seit Jahren nicht nur seinen Geist und seinen Fleiß, sondern auch sein ganzes Herz gehängt hatte und die ihn rief in jedem Augenblick, in dem er hier allein war. Trotzdem war er dageblieben und hatte sich in den Tumult mit hineinziehen lassen, den Ludwigs Erfolg und seine gesteigerte Geschäftigkeit ringsum entfachten. War es nur der Gegensatz dieser geräuschvollen und mitreißenden Lebendigkeit zu seinem einsamen und abseitigen Dresdener Dasein, ber ihn sestgehalten hatte? Oder war noch em anderer Grund hinter seiner Nachgiebigkeit verborgen? Er wich der Beantwortung dieser Frage auch heute abend aus, indem er sich — nach fernem eigenen späteren Urteil — viel zu schnell und bereitwillig Ludwigs Wünschen zur Verfügung stellte. , Wenn es so notwendig ist für dich und für Lisa, wie du es hrn- stellst — und das scheint mir richtig zu sein —, so kann ich nichts anbe- reS, 3d> 'hab’ "es gewußt, baß bu mich nicht im Stich lassen würbest!" rief' Thiele. „Danken werbe ich bir erst, wenn ich wieder zurück bin. Dann werbe ich auch erst in ber Lage sein, es in ber gleichen großherzigen Weise zu tun wie bu heute. Also, bu bleibst einfach hier. Meine Zimmer stehen zu beiner Verfügung. Wenn bu Lust hast, laßt bu bir deine Bücher kommen, unb was bu sonst noch brauchst, und arbeitest hier ganz so, als seist bu bei bir zu Hause. Nur muht bu nur zwischendurch aus Lisa aufpassen unb auf ben Prinzen. Unb nicht böse werben, wenn bich bas mehr Zeit kostet, als bu es jetzt glaubst!" „Nein, mein Lieber. Ich werbe bir nicht böse sein. Unb Lisa schon gar" nicht!" antwortete Hartl mit einem Lächeln. Gut gut! Jetzt kann ich bir noch was anvertrauen. Ich habe ein paar Schulben gemacht. Den Krebit von Bernau mein ich nicht, auch nicht bie zehntausenb von Henschke. Das kommt roieber in Orbnung ohne Schwierigkeiten. Sowohl Bernau wie Henschke smb von Grunb aus an- staubige Kerle unb haben mich gern. — Nein, ich hab ein paar Wechsel unterschrieben. Man hat es mir nahegelegh unb bas ist auch nichts Schlimmes. Natürlich auf fünf ober sechs Monate. 3d) roerbe bir bas Gelb bafür rechtzeitig von brühen schicken, bamit man Lisa nicht Damit überfallt Die Termine habe ich mir notiert. Es werben überhaupt noch allerhanb Rechnungen kommen in ber nächsten Zeit. Die weist bu bann einfach ab unb vertröstest bie Leute, bis ich bas Notige geschickt habe Dann hat Lisa ihre Ruhe unb braucht sich um all btefen Kleinkram nicht ,u fümmern. Sie ist barin ein wenig pebantisch unb macht sich leicht unnötigen Kummer. Du übernimmst bas unb läßt nichts an sie heran, was sie aufregen könnte, namentlich in ber entscheibenben Zeit, lieber die Einzelheiten können mir ja noch einmal ausführlich sprechen wenn es nötig ist. — Vorläufig bank' ich dir herzlich für dein Ja! schloß Thiele und stand auf. .. . .. . ....... Auch Hartl kam nicht mehr daraus zurück, sondern folgte ihm zu Elisabeth und den anderen. . „Wir sprechen gerade darüber, wie es dir drüben gehen wird! sagte Doktor Kern und legte Ludwig die Hand auf die Schulter. „Eigentlich müßte ich als dein Arzt mit hinüberkommen und dafür sorgen, daß meine Vorschriften wirklich befolgt werden. Sonst könnte es passieren, daß dein Gewicht plötzlich wieder über eine gewisse Zahl hinausgeht! „Das hätte nur einen vernünstigen Sinn, wenn ich auch noch mitkäme, um wieder aus Sie achtzugeben, Doktor!" ries Billy lachend. „Sie sind zwar ein berühmter Arzt, aber berühmt nicht gerade wegen Ihrer Energie!" „ v „ „Das könnte euch beiden so passen!" antwortete Ludwig. „Du mußt hierbleiben, Kindchen, schon wegen des Prinzen. Und du, Kern, alter Junge, brauchst dich nicht so zu stellen, als ob du meinetwegen deine goldstrotzende Praxis im Stich lassen wolltest, auch nur für vier Wochen! — Ich werde es richtig machen, verlaßt euch daraus! Auch allein! Nicht wahr, Lisa? — Ihr tut geradeso, als ob man mich keine Minute allein lassen könnte." „Sollte man auch nicht. Am liebsten käme ich selbst mit! antwortete Lisa. „Das hat Grolman direkt verboten. Er scheint der einzige zu sein, der sich ganz auf mich verläßt." „Kommt, Kinder!" rief Bernau und drängte zum Ausbruch. „Seht ihr denn nicht, daß er es kaum noch erwarten kann, sich endlich unter seinem eigenen Dach auszustrecken? — Ein hübsches Dach! Ich darf mich selber loben, da ihr es nicht in der richtigen Weise getan habt!" Er ging mit der blonden Inge zu seinem Wagen, der längst wieder in Ordnung war. Kern folgte ihm mit Martin und von Gerber. „Er hat recht!" sagte Thiele am Tor zu Elisabeth, während sie den abfahrenden Freunden nachwinkten, und legte den Arm um sie. „Heute schlafen wir zum erstenmal aus unserem eigenen Grund und Boden. Das alles gehört uns!" „Und dem Prinzen!" „Ich werde leider nicht mehr viel davon haben. Aber das macht nichtsl Um so mehr, wenn ich zurückkomme. Allerdings mi;i) es dann gleich Herbst sein." Sie schritten langsam durch den ganzen Garten bis zum See hinab, besuchten Pitt und Fox, die vor ihrem neuen Stall standen wie zur Parade und vor Freude jaulten, daß es weit in die Nacht hinaushallte, und besichtigten noch einmal das ganze Haus, wo sie die Lichter eines nach dem andern löschten. — Am nächsten Tage schon kam das Telegramm aus Hollywood, das ihn abrief, und eine Geldanweisung für die Reise. Sie war dringend nötig, da Thiele fast nichts mehr besaß. Er fuhr gleich zu Steinlen und bat um sofortige Beurlaubung. Stein- len tobte und schwur, ihn — wenn es sein müßte — durch eine Polizeiwache bis zum ersten April zurückhalten zu lassen. Ob man ihn für einen Idioten halte, der freiwillig auf eine ganze Woche verzichte? Den Verlust könne Thiele sich selbst ausrechnen. Das sei wohl die größte Unverschämtheit, die ihm je vorgekommen sei, nachdem er schon gutwillig den Äertrag für fünf Monate gelöst habe! Thiele ließ ihn stehen und fuhr zu Henschke. Nachdem der Agent das Grolmansche Kabel genau gelesen hatte, bat er, ihm alle weiteren Schritte zu überlassen und sich im übrigen zur Abfahrt bereitzuhalten. Der Dampfer ginge am Fünfundzwanzigsten in Hamburg ab, und er werde noch heute die Kabine belegen. Tatsächlich brachte er am nächsten Abend den Beleg für die bezahlte Passage Hamburg—Neuyork nach Nikolassee hinaus und die schriftliche Einwilligung Steinlens. Was das zweite Papier gekostet hatte, sagte er nicht. Aber er hatte die Summe schon an Grolman gekabelt. Thieles Koffer waren gepackt. Elisabeth und Doktor Hartl begleiteten ihn nach Kuxhaven. Sie fuhren zum Schiff, das zur Abfahrt bereit am Kai lag. Es blieb ihnen noch eine Stunde. Sie besichtigten das riesige Schiff vom Sonnendeck mit Sportplatz und Schwimmbad bis hinunter in den stahlfunkelnden Maschinenraum. Elisabeth, die noch nie einen von diesen schwimmenden Hotelpalästen gesehen hatte, war von den sinnvollen Bequemlichkeiten und dem Luxus, die auch den verwöhntesten Ansprüchen standhalten konnten, so entzückt, daß sie bei diesem Rundgang, bei dem sie von einem jungen, höflichen Offizier begleitet wurde, den Schmerz des Abschieds beinahe vergaß. Dann aber gab die Sirene das Zeichen, das Schiss zu verlassen. Minutenlang lag sie an Ludwigs Hals und brachte kein Wort heraus. Hartl führte sie über den schmalen, steilen Steg auf den Kai zurück. Der Steg wurde eingezogen, und die beiden Schlepper vor und hinten begannen ihre Arbeit. Aus dem Deck intonierte die Bordkapelle ihr traditionelles Abschiedslied. Die letzte stählerne Halteirosse wurde losgeworfen, und der gewaltige Schiffsrumps entfernte sich langsam, fast unmerklich von der Kaimauer. In der Mitte des Promenadendecks stand Ludwig an der Reling und hob zum letzten Gruß die Hand. Elisabeth hielt sich aufrecht und lächelte, während ihr die hellen Tränen über die Wangen liefen. Schon war das Schiff so weit entfernt, daß Ludwigs Gestalt in der Menge der winkenden Passagiere nicht mehr genau zu erkennen war. Da griff Elisabeth nach dem Arm Doktor Hartls und wandte sich ab. Ihre' Tränen waren versiegt, und das Lächeln schien wie erstarrt. Auf der Rückfahrt nach Berlin sprachen sie kaum ein Wort. Nur zweimal schossen unvermittelt die Tränen wieder in Elisabeths Augen, und die drehte den Kops weg, damit er sie nicht sehen und nicht versuchen sollte, sie mit Worten zu trösten. 22. Gleichzeitig mit Ludwig Thiele hatte auch Billy ihren Vertrag mit dem Deutschen Volkstheater gelöst und war dabei auf viel geringere Widerstände gestoßen. Steinlen hatte sie seinerzeit für die kleine Rolle nur engagiert, weil Thiele sich dafür eingesetzt hatte. Nun wohnte sie in dem neuen Haus, und zwar in einer bescheidene, Kammer im Giebel, die nur durch ihre schöne Aussicht aus den See be merkenswert war und im Sommer noch schöner sein würde, wenn d« dichte Grün der Bäume die Aussicht umrahmte. Das und das morgendlich, Bad im See vom .eigenen' Steg aus und die Anlage einiger breiter Beet, für Frühgemüse mit Glasdach gegen die Nachtfröste malte sich Billy i, den verlockendsten Farben aus, während sie ihre wenigen Habseligkeitei in der Kammer verteilte — das geringe Eigentum eines völlig allein stehenden Mädchens, das feit feinem sechzehnten Jahr sich sein Brot felbi verdienen mußte und nur durch die zufällige Bekanntschaft mit Ludwtz Thiele beim Theater gelandet war. Sie stammte aus einem Dorf in äußersten Ostpreußen, wo ihre Eltern Bauern gewesen waren und wo noq ein Bruder von ihr nach dem zwangsläusigen Verlaus des Hoses auf einen Gut in Dienst war. Billy hatte sehr viel zu tun in den ersten Tagen nach Ludwigs Abreist Schon bei der Rückkehr aus Hamburg sand Elisabeth das Haus vom Daq bis in den Keller sauber und blank vor. Eine Köchin, von der Besitzen, des „Waldwinkels" empfohlen, war verpflichtet und, hatte ihren Bien) angetreten. Auch nach einem tüchtigen Chauffeur, der jetzt für den Wage, notwendig geworden mar, hatte Billy Umschau gehalten. Unter den zahl, reichen Bewerbern, die sich während Elisabeths kurzer Abwesenheit vor gestellt hatten, hatte sie drei, die ihr besonders gefielen, ausgesucht ua! führte sie jetzt nacheinander Elisabeth vor. Der letzte, der den schöne« Namen Konstantin führte, wurde eingestellt. Nach den ersten Woche, schon lag die Leitung des ganzen schwierigen Haushaltes völlig in Bill,; Händen. Ihre schlimmste Sorge aber waren die beiden Hunde Pitt und Fox Tagelang nach der Abreise Ludwigs weigerten sie sich, irgendwelche Nah rung zu sich zu nehmen und knurrten sogar Elisabeth an, als sie sich ihm, in ernster Besorgnis näherte. Nur Billy duldeten sie in ihrer Nähe, ouq als ihre Trauer darüber, daß ihr Herr gar nicht wiederkommen wallst so weit gestiegen war, daß sie nur noch klägliche Winseltöne von sich gaben Sie waren nicht einmal dazu zu bringen, ihren Statt aufzusuchen, sonder« lagen, zu Mitleid erweckenden Gerippen abgemagert, nebeneinander a.i ihrer Kette und weigerten sich hartnäckig, ihre Plätze auch nur zu einem kurzem Spaziergang zu verlassen, aus Angst, sie könnten dabei die Heim- kehr des Herrn versäumen. Erst nach einer Woche begannen sie zu verstehen, daß der Herr nidjl tot, sondern nur fort sei und eines Tages wiederkehren würde. $ih saß stundenlang bei ihnen aus der Erde, in Nässe und Kälte, und rebelt, ihnen zu, brachte ihnen Stücke von ihm, an denen sie wenigstens noa- feinen Geruch fanden, einen Schuh, einen Hut oder ein Taschentuch, uiui erzählte ihnen von ihrem Herrn, daß er wiederkommen und sie stark ungesund wiedersinden wollte, bis sie endlich einen Bissen aus ihrer S)on:! annahmen. Außer sich vor Freude, stürzte Billy mit der Nachricht p Elisabeth. Denn alle wußten, daß es wirklich um das Leben der Hund« ging. Eines Nachmittags saßen Elisabeth und Billy allein beim Kaffee. 3». Hartl war in die Stadt gefahren. Elisabeth hielt das Mädchen zurück, al.; es die leere Tasse zurückschob und sich erheben wollte, um eine häusliche Arbeit zu beenden. „Bleib einen Augenblick hier, Billy. Ich habe mit dir zu reden", be: gönn sie und lächelte, als Billy erschrockene Augen machte. „Du hast je® glücklich die Leitung des Haushalts an dich gerissen. Du brauchst dich nid»; zu entschuldigen. Das ist kein Vorwurf, ich versichere es dir. Ich bin nidff eifersüchtig aus meine Stellung als Hausfrau. Im Gegenteil. Ich bin frei darüber, daß du mir das alles abnimmst, namentlich für die nächste Zck und in einer Weise, wie es nicht besser geschehen könnte. Ich selbst würde alles, ich will nicht gerade sagen schlechter machen, aber langsamer un' unübersichtlicher. Das mit Pitt und Fox wäre mir nie gelungen. — Alp arbeite du ruhig so weiter! Nur mußt du mir etwas erlauben." „Ich Ihnen etwas erlauben, Elisabeth?" stotterte Billy, vollkommen verwirrt vor Ueberraschung. „Ja ,da smußt du jetzt. Du mußt mir nämlich erlauben, dir ein halt auszusetzen. — Rede keinen Unsinn, sondern laß mich erst aus sprechen! Du opferst dich für uns auf. Seif langem. Für Ludwig ums mich. Wir haben schon vor seiner Abreise darüber gesprochen. So geht d°; nicht weiter. Ich kann das nicht länger annehmen und Ludwig auch nidjit wenn er auch nicht da ist." „Aber ich bin doch froh, daß ich das Theater los bin und hier mein Brot verdiene. Rechnen Sie einmal nach, was ich hier koste. Und sch«» gekostet habe seit bald einem Jahr drüben im .Winkel'. Ich kann Jhnm die Zahl sagen. Denn sie hat mich schon lange gedrückt", antwortete BW die sich gefaßt hatte, mit sachlicher Ruhe. „Ich will das nicht wissen. Billy. Ich rechne auch gar nicht so wie diu. sondern auf meine Weise. Dabei kommt heraus, daß wir tief in deine-' Schuld sind. Nicht umgekehrt. — Du bekommst von jetzt ab jeden fDlon«# dein Gehalt, wie jeder, der feine Arbeit macht. Damit basta! — Wem du jetzt aussprichst, was du auf der Zunge hast, werde ich dir crnftlia böse fein!" „ „Aber was sott ich denn damit anfangen? Ich brauche das Geld boa nicht." „Dann lege ich es in deine Schublade, wenn du nicht das Bediirfnw haft, dir auch mal ein Kleid zu kaufen ober fönst was, was dir gut stehl „Aber ich habe so viele Kleider von Ihnen, die ich noch nicht einmal für mich geändert habe!" . „Du bist ein Schaf, ein eigensinniges, bockbeiniges Schas, Billy! de wie du jetzt bist, bist du zwar der zuverlässigste, tüchtigste Kerl, den im kenne, aber du wirst nie einen Mann finden." Billy lachte trocken. . „Tu nicht so, als ob dir nichts daran gelegen wäre! Mir brauchst " - nichts vorzumachen. Ich bin auch eine Frau! Seine Frau! Und daß du bin einmal sterblich in Ludwig verliebt hast, ist kein Grund, daß du eine ol» Jungfer wirst. Wie ich dich kenne, hast du's auch schon halb überwunden.. (Fortsetzung folgt.) Brot. Von Bruno Nowak. Aus Ackerkrume steigt Halm um Halm in Frühlingslust und Sommerglast. Auch fallender Nebel und ziehender Qualm sind auf dem Felde Gast. Kraft aus der Erde und Kraft aus der Luft, sie ziehen, o Wunder, ins grünende Korn. Und wo noch heute die Lerche ruft, fchreit morgen des Donners Zorn. Als einst übers Feld hinging der Pflug, da war die Arbeit wie ein Gebet. Und wo ein Korn in den Boden fchlug, es zehnfach nun auferfteht. Es nahm das Feld den Segen, das Glück, die Schönheit, den Schweiß, die Hoffnung, die Not. Es nahm. Und gibt doch wieder zurück den Menschen alles, vergißt kein Stück. Und gibt uns das Brot. Oie JReife nach Austra,.en. Eine Bergbauerngeschichte von Alfred Huggenberger. Aus der Heimkehr von einem Weidegang klopft der Wehrtanner Urech Leu seinem Bergnachbarn vom Heiletsboden auf die Achsel. „Heut bin ich Übermaßen gut aufgelegt", sagt er. „Heut will ich dir einmal erzählen, wie mein Bruder Heiri vor Jahr und Tag nach Australien gereist ist. Eines mußt du zum voraus wissen, der Heier hat daheim einfach nicht gut getan. Das heißt nicht etwa, er sei ein fauler Hund gewesen, o nein, beim Bauernschafsen hat er in allen Stücken seinen Mann gestellt. Nur an den Webstuhl wollte er um des Teusels willen nicht heran, den Webkeller nannte er die kleine Höll', und die wollte er nach seiner Behauptung mit dem, was er bis jetzt angestellt, noch nicht verdient haben. Der Vater, wie er denn immer ein Hartkops gewesen ist, hat gesagt: „Da hindurch geht's, Bub, biegen oder brechen. Wenn du nicht bei schlechtem Wetter am Webstuhl schaffen willst, dann stell' ich dich vors Haus." Der Heier nimmt allogleich die Türsalle in die Hand und ruft schon durchs offene Fenster in die Stube herein: „So, draußen wär' ich, wenn's nur an dem fehlt, du brauchst dir keine Mühe zu machen. Aber wissen möcht' ich doch, ob ich mit meinen 23 Jahren nicht einen Zehrpfennig aus den Weg verdient habe." Der Vater lenkt ein und geht ans Fenster: „Und die Straße, Bub? Sonne oder Mond?" Der Heier ist nicht gleich beschlagen. „Hä nun — zuerst roill i Ziehung bes Allgemeinen. Die Heerengracht steht still. Blaugrau, graulila filtert sich bas LiÄi bes nieberlänblschen Himmels in diesen vornehmen und ein wenig unter' weltlichen Norden herab. Ruhe, Stummheit ist bas Gesetz dieser MM bie nicht nur dieser einen Stadt, sondern auch der ganzen Erde als eine bestimmende Achse angehört. Sehr selten geschieht, daß eine Tür f 4 öffnet. Wenn ein Schiff mit Arbeitern und Steinen oder ein Schiff nm ber lauten Neugier ber Fremben durch den Kanal fährt, bann rührt sich ber Spiegel unb macht ben Wiberschein ber Häuser im Wasser gittern; aber es ist nicht bie Regel, baß bies geschieht. Wenn ein Auto über bsn Kai rattert, ist es eine ßäfterung. Jeber ßärm, jebe Geschwinbigkeit, iilt in bieser besonnenen Zone ausgeschlossen. Wäre bie Heerengracht Musn-, so wäre sie ein ßargo Wäre bie Heerengracht ein Mensch, so wäre 'tr ein Phlegma — aber bas Phlegma würbe Adel und Macht besitzen. Dies ist das Antlitz der Straße, in der die Generalstaaten mit ibr*r protestantischen Zähigkeit, mit der starken Widerständigkeit und Sei "• ständigkeit ihrer weltgeschichtlichen Politik, mit der klugen unb besckM denen Gefaßtheit ihres Reichtums Wohnsitz, Ausbruck unb Gleicht gefunben haben. I L- (in I« Sti ton tiintli htii Nd Ist 8 Mich Unten Sn in bet M Unb 2 «itjiti Wt v* l( tlj Hin, H Sn Sn Um! Si Sl (inet M :E*n ’S K U Verantwortlich: Dr. Hans Thyrioi. — Druck und Derlag: Brühl'sche Univ erfitäts-Buch- und Steindruckerei. A. Lange. Gießen