nte; h im* ibttion lewali r ta “)> iubtni« '• Ülui Beiter, ta, no qh| hm zu rmigen 8erg(s Strauch if btei mäty nb still an bei H wie ein t] hößigei W ils eint opf eil ■ ■ gofte. | Schrill ■ Ifarbige [| nb auch | nen aui bis auf ■ ipt enb lächelte hie uni m ohne |e|djmei' r eins!' en Kön u laufen mzen jn be fjolj; en, balb Sohlen inb ßutk trengunj ntfe nur ifen auf* mit aller mb, über ten nart)- lbst nai Aii^' ter gell' tief. A . Gesten schweren ' wilchd. zwanzi-, t längere fönnte t ßub®*l stete niü beinernic limm b« ht-t * sch befil fehlen ■ schüttel'l [er i” Ausfel^ ie Lud-Ü inem fderM Kind, i' 6t. iben. » enjfl „5 «$ •5« ■< S> SiehenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer 68 Montag, den 2. September Jahrgang 1955 Seine Kraft war in ihm mächtig Bin rtändd-Roman von Brnst Alurm war vor wie in einem und hielt vor Komponisten, meines hohen entgegen, die vom Schicksal und zu erfreuen. Die Londoner dankten es ihm. Es wäre auch hier wieder gegangen. Aber Händel dachte nicht daran, seinen Dubliner Vertrag, der zunächst ohnedies nur auf ein Jahr lautete, rückgängig zu machen. Er rechnete fest damit, die Stadt seiner Opernsiege und -niederlagen für immer zu verlassen. Darum traf er auch alle Vorbereitungen, veräußerte Stücke aus dem Hausrat der gemieteten Wohnung, die er sich selbst im Lause der Jahre angefchasst hatte, und bald begann das Verpacken. Jetzt sah man, daß er wirklich ging, und laut erhob sich die Klage der Freunde in der großen Stadt. Nun sprach auch mancher rückhaltlos bei Hof für den Freund, und König Georg der Zweite hätte Händel beinahe durch ein Machtwort zurückgehalten. Davon riet man ab. „Einmal", sprachen die Freunde, „haben unserem Riesen schon Monate außerhalb Londons geholfen ..." Aber auch diese Treuen wußten nichts von der neuen Partitur, die der Komponist bei seiner Abreise aus London mit sich führte. Herzlich, aber wortkarg, verabschiedete sich Händel von seinen Bekannten, nur bei kennens begoß man die Zukunft unter vielerlei Gesprächen. Der Schriftsteller kannte von des Tondichter Hausspiel und rauhem Gesang her schon den ganzen „Messias". Und er ahnte, was für Handel von der Dubliner Reise abhing: die Verklärung feines Ruhms. Auf dieser Reise gab es eine Verzögerung. In dem Städtchen Chester hielten ihn ungünstige Winde auf, die sich zwei Tage lang nidjt fegen wollten. Händel, den Musikern der kleinen Stadt als berühmter Mann bekannt •— einige saßen vielleicht schon als Zuhörer in der Oper Londons oder im Konzertsaal, als er dirigierte —, schmauchte in einem Kaffeebaus (Sheffers gerade die Pfeife, da kam eine Burgerabordnung, und huldigte ihm. Er hatte feine Freude an den aufgeregten gutmütigen 8eufen und lud sie ein, mit ihm am Abend in feinem Gasthof zu musizieren. Das war freundlich und zugleich praktisch, denn Handel probte Stücke durch bei dieser Gelegenheit, die er bei den Dubliner Konzerten Grüße und Anfragen bei Humphreys, Pope und Hamilton, wie es ginge und wann man sich wiedersehen könnet Saubere und zornfreie Briefe an die Gläubiger, kräftige Vertröstungen mit ernstem Unterton oder ruhiges Zurückweisen von unlauteren Forderungen. Händel wieder der Welt gewachsen und fähig, sie in die Schranken zu weisen Copyright 1935 by Deutsche Verlags-Hnstalt, Stuttgart und Berlin (Schluß.) Welches andere Verhalten nun, aufmerksam und prächtig! Ein Besuch bei Freunden, mit Umarmungen und geheimnisvollen, glückseligen Redensarten! Blumen in das Haus der Sufanna Cibber! Schriftliche spielen wollte. , , , ™ Mit weiten Gefühlen verbrachte Händel den letzten Teil der Reise an Bord des Schiffes, das ihn der irischen Hauptstadt naherfuhrte. Er stand allein auf dem Deck, da die anderen Fahrgaste vor der kühlen Novemberluft sich zurückzogen in den Bauch des Schiffes Handel aber dessen abgehärteter Leib seit den Roßkuren von Aachen feder Witterung ftnnbhielt, hatte Freude an den beißenden Windstößen, nach denen fedes- mal Wellen hoch über die Schiffsränder klatschten. Und wenn es stiller wurde, glich die Wasserfläche dem Leben nach einem.Siege breit und wenig bewegt und feierlich ... Die Segel blähten sich 'N günstiger Richtung ‘ nach Stunden abwechslungsreicher Fahrt, und das Sch'st"a horte sich in kräftigem Gleiten dem Lande. Die Stadt Dublin mitTurm und und Dach und Haus und Hafen kam heran und wuchs aus dem Wasser. Erwartung und Ehrfurcht stand auf den Gesichtern der Mensche . Ein Vertreter des Herzogs von Devonshire trat ihm -,ntnpnpn die Dubliner Musikfreunde begrüßten Händel festlich. Der in den letzten Monaten nicht Verwöhnte kam sich vor Märchen. Ein schöner, bequemer Wagen nahm ihn mit einem freundlichen Hause. m . „Abbeystreet", sprach der herzogliche Begleiter des ..Hier wohnen Sie, Herr Händel, künftighin als Gast Großartig, dachte Händel, als er über die breiten Stufen schritt und dann die behaglich erwärmten Räume betrat. Wenn sie auch noch für eine gute Tafel gesorgt haben... Aber kräftig verstanden die Dubliner zu kochen, mit einem Schuß heimatlicher Würze, und verübelten es keinem, wenn er doppelte Mengen ah. Sie erfreuten sich selber schöner Leibesrundungen. Und als sie sahen, daß der berühmte Mann mächtiger als sie nicht.nur im Geiste, sondern auch im Fleische war, vertrauten sie seiner Kunst um so mehr. Wie frei und hoch konnte hier der König seiner Kunst das Haupt erheben! Wie tat er’s gern und natürlich! Ob in seinem Hause, wo jeder Abend ein Ereignis wurde, oder bei den Proben im Konzertsaal dec Fishamblestreet. Hier sah ein Orchester, ein Chor zu ihm auf, dessen Mitglieder selbstlose, begeisterte Menschen waren, Wohltäter der Armen und Diener der Kunst — Händel brauchte wenig zu rügen, und wo er es um des Werkes willen mußte, tat er’s anders als in London. Gewiß verlangte er auch hier viel "Leistung und hielt sehr streng Zucht. Doch die Dubliner Musiker nannten ihn keinen Unterdrücker, wie es die Opernsänger taten. Hier klangen Händels Befehlstöne so selbstverständlich, daß keiner sie als unpassend empfinden konnte. Und auch das Publikum ging freudig mit, obwohl ihm Händel fast keine Pause ließ und in einem Winter zwölf Konzerte gab. Begeistert schrieben die Blätter der Stadt, Herkules sei unter ihnen und die Bürger sollten sich der Nähe seiner Kraft und Seelenmaße würdig zeigen. Es bedurfte dieser Mahnung nicht. Dublin war händelselig. Die Leute fühlten sich bei dieser Musik bald selber über den Alltag erhoben,' und manche wagten nach Konzert- schluh das kühne Wort, es wäre ihnen gewesen, als sei Gott nicht ferne.. Und dann kam er wirklich, kam so, daß die Menschen sagen mußten: er war d a, wir schwören es! Ehe diese Stunde schlug, nahm Gott der Herr von ihm, in dessen Werk er mächtig wurde, alle Erdenschatten, alle Sorge und Scham. Aus den Erträgnissen der zwölf Konzerte zu Dublin zahlte Händel auf das Pfund genau und ohne ein Wort, außer dem Rechenzettel, an Straba und andere Gläubiger in London seine Schulden. Zugleich verlangte er, daß Anwürfe gegen seine Person, die er sich im letzten Jahr als scheiternder Opernunternehmer hatte sagen lassen müssen, vor der Welt zurückgenommen würden von den Verleumdern. Feierlich erklärte Händel danach, als sein Haupt sich völlig über den Staub der Erde erhoben hatte, den Musikfreuden Dublins, daß er ihren Grundsatz, nur für Wohltätigkeitszwecke zu spielen oder zu fingen, ehren wolle, indem er noch ein dreizehntes Konzert gebe. Dessen Einnahmen müßten ungeschmälert in edler Weise Verwendung finden nach seinem Wunsche. Freudig stellten sich die Musikvereine Dublins abermals zur Verfügung. Noch wußten sie nicht, welches Werk er einstudieren wollte. Händel selbst sprach nur von einem neuen Oratorium, den Titel nannte er nicht. Erst als er die Orchester- und Singstimmen ausschreiben ließ, hörten die Musiker und Sänger voneinander, das Oratorium heiße „Der Messias" ... Nach dem Aschermittwoch des Jahres Siebzehnhundertvierzigundzwei setzte Händel mit den Proben ein. Die Cibber, für den Sopran in dieser Aufführung bestimmt, traf aus London ein. Diese Tage bis zur 'Ausführung des Werkes wurden den Musikfreunden der irischen Hauptstadt unvergeßlich. Sie gehören mit den späteren Proben und Aufsüh- rungen des „Messias" unter Händels Leitung nicht in die Kunstgeschichte, sondern in das Buch des Lebens. Sie waren, nach den Berichten der Zeiiaenossen und nach dem mitempfindenden Schlag unseres Herzens, das "Verklärteste, was je auf Erden „Gottesdienst" hieß, und sie find der Beweis daß ein Mensch, wenn er Gott in sich trägt, bei ganz rückhalt- loier Weitung der Seele ihn auch nach außen bringen lassen kann, den eigenen Körper und die Welt in Strahlen setzend .. Zuerst war Schweigen bei den Proben. Händel erklärte knapp, wie Ordnung zu bewahren sei, wenn die Stimmen zusammenströmen würden sagte auck, daß keiner der Mitwirkenden mit Ausdruck (paren Dürfe. Unb Vorsicht bei ben ersten Schritten! Er selbst übte sie. Den Musikern büeb bas Bild „Schritte" haften, als Hänbel begann. Es war ihnen, als setze sich ein Elefant in Bewegung, erregt unb kraftgesammelt. UeberaU aber suchte er zunächst noch zu schonen, ober er wartete ab bis bas Dickicht sich teile ... Doch halb kam er ins Trampeln. Er suhlte: von ihm aus muhte bas Zeichen kommen, und Einhalt bürste es bann keinen mehr geben. Die ersten Chöre breiteten sich aus. Hänbel sucht das Maß. Doch bann lag es nicht am Umfang der einzelnen Stücke, sondern am Verhältnis zum Mittelpunkt hin. Eine seltsame Wirkung wohnten diesen Musiknummern inne; sie zogen und zogen. Je klarer Handel das Werk nickt nur auf Papier, in Noten, sondern auch schon einstudiert und auf- aeführt sah desto lückenloser trieb er sich und die Mitwirkenden zur Arbeit an Der Elefant tarn ins Rasen. Er stampfte alles nieder, was dem Werk im Wege stand, sogar die Essenszeit, die freilich herzhaft nach- aebolt wurde Doch er fühlte auch bald das Essen and die anderen Verrichtungen des Alltags nicht mehr, wenn er sie aussührte. In feinen Schlaf drangen rufend und verheißend die Melodien, die Gottes Nahen verkündeten, fein Erscheinen und Leiden auf Erden in Menschengestalt. Susanna Cibber, die Sängerin mit der großen Seele, erlebte nun die Höhe dessen, an den sie glaubte, als er noch im Streit mit der Eitelkeit der Menschen stand. Sie, deren kleine, aber ausdrucksvolle Stimme schon so viele Töne der Händelschen Welt, leidende und hoffnungsvolle, getragen hatte, sang nun auch den Ton seiner Gewißheit. Ihr lebendiges und doch leidenschaftsloses Antlitz, die Wärme ihrer hellen Augen und die Haltung ihrer hohen Gestalt begeisterten Händel wie das Dasein einer Schwester aus dem Himmel, und als einmal nach ihrem Gesang der eijor' einsetzte und etwas daran zu fehlen schien, wußte er nach einem Blick auf die Cibber, was es sei. Stürmisch streckte er die Hand aus, zeigte mit dem Dirigentenstab aus sie, während er rief: „Singt so! Singt so!" Die Dubliner ahnten, was er meinte. Sie strengten sich nicht bloß an, schön und recht zu singen. Die Herde ihrer Seelen folgte zitternd und erregt dem feurigen Befehl — sie sangen alle, wie die Cibber sang, nicht klingend, sondern gläubig... Und es schrieb in diesen Tagen die Zeitung von Dublin aller Zeiten wunderbarste Ankündigung: , Zur Hilfe der Gefangenen in mehreren Gefängnissen, zum Besten von Mercers Hospital und der Charitable Jnformary ... wird am 13. des Aprils Herrn Händels neues Oratorium,, genannt Der Messias, aufgeführt ... Erscheint, Frauen ohne Reifröcke, auf daß viel Platz im Saal geschaffen werde für den guten Zweck! Dubliner! Bringt allesamt offene Ohren mit und festliche Seelen..." Es kam so, daß sich vor dem Eingang zur Musikhalle in der Jishamblestreet die Menschen stauten. Und doch kam, wie von selbst, wundersam Ordnung in den Strom der Leute. Sie fluteten in das Haus, suchten ihre Plätze auf und saßen still, doch nicht steif, sondern feierlicher Erwartung voll. ,___ Das Podium füllte sich mit den Musikern und Sangern. Sie sahen alle aus wie Werkzeuge eines Höheren, gehorsam und dienstbereit, aber nicht knechtisch, sondern in Ehrfurcht ergeben. Leise nur prüften sie den Ton ihrer Instrumente noch einmal, räusperten sie ihre Kehlen frei. Jetzt trat er selbst aus dem Nebenraum, angetan in die nämlichen Kleider, die er am Tage der Erleuchtung trug, und ging festen Schrittes zu auf das Pult des Dirigenten. Damals, wie zu allen Zeiten, da du den Sterblichen dich offenbarst, blendetest du die Geschöpfe der Erde und betäubtest sie schier, unendlicher Vater, und gabst einem, der dir stark und würdig dazu schien, Gewalt über die anderen. Aber dir konnte es nicht genug sein — denn herrlich bist du und dein Maß ist das Uebermah! — nicht genug, daß jener die Gewalt voll und schön ausübte, daß ein Saal von Menschen sprachlos lauschte und den Dingen des Irdischen entrückt nach Hause ging, Wohntüren verfehlend, den Gruß der Höflichkeit vergessend, daß die Gespräche der Stadt in den nächsten Tagen und Wochen Heiliges berührten, daß Zeitungsschreiber Worte fanden, die Gebeten nahekamen. Nicht genug war dir, allmeächtiger Gott, der Triumph zu Dublin! Du sandtest Boten aus nach der größeren Stadt, in welcher jener, den du würdig jetzt deines Tones hieltest, jahrelang irrte und mit gebundenen Flügeln um sich schlug, ehe er sich erhob ... Boten schicktest du nach dem verärgerten London und ließest melden: Der Messias, Georg Friedrich Händels neues Werk, hat uns bezaubert, wie noch nie Musik. Wir Irländer tun, was ihr versäumtet: wir ehren den Künstler, weil wir ihn lieben, jedes Haus bei uns ist sein Daheim, er findet Freunde, wo er weilt, er ist uns Gast aus Gottesland — habt ihr denn je empfunden, daß er Gast aus Gottes fernem Lande sei? Du wußtest, Herr, als du die Meldung schicktest, daß sie vorerst nur den Aerger noch verschärfen würde in der großen Stadt. Ihr lobt sein Werk, wir kennen es noch nicht, schrieben die Londoner zurück. Er soll sich damit bei uns zeigen, weshalb fuhr er doch zu euch? Und König Georg wurde zornig und befahl, daß Händel käme und in London den Messias spiele! Härtest du ihn befehlen, Vater im Himmel, wie er es gewohnt ist und wie's alle seines Ranges tun? Du wolltest, daß er so befehle. Und nicht den Stolz des Künstlers stelltest du ihm entgegen, sondern «bu ließest jenen das Königswort befolgen. Er kam aus einem Orte, wo alles ihn verehrte, zurück in eine Stadt, wo wenig Freunde seiner harrten. Er brachte Sänger aus Dublin und suchte andere dazu in London, mußte mit Musikern verhandeln, hatte den Widerspruch der Geistlichen zu zerstreuen, ehe ihm die Westminsterabtei als Aufführungsort seines Werkes freigestellt wurde, und keine Zeitung war, die für ihn schrieb. Das alles sahst du, Herr, und schwiegst. Aber du ludst dir hohe Gäste ein und senktest Erwartung in alle Seelen. Da sah der König aus seinem goldenen Stuhl, der Adel hochmütig wie er, die reichen Bürgersleute ausgeputzt, die Verkünder des Urteils über Wert und Unwert des Werkes lässig zurückgelehnt auf ihren Plätzen. Kaum eines Menschen Auge leuchtete auf, als Händel, wiederum in Festtagskleidern, erschien und sich auf seinen Posten stellte. Dann aber, Herr, brachst du los über die Versammelten! Brausend ösfnctest du die Pforten deines Reiches und übertrafst im Nu den Glanz Westminsters und die kostbaren Kleider und die Titel der Menschen im Raum! Doch dies war erst das Nahen deiner Erscheinung. Mächtig und erdrückend kamst du näher, unruhig begleitete das Volk deinen Streit mit dem Teufel auf Erden, sah deinen Sohn sterben, wehklagte und weinte. Du aber schienst es nur zu prüfen, schienst auch deine Feinde nur prüfen zu wollen! Vater aller Dinge, warum locktest du die Herrscher auf solche Höhen, wo sie Mißbrauch trieben? Weshalb hemmtest du, ewig seit das Leben ist, dich sefber? Torheit des Mundes, so zu fragen, wenn das Auge dich aiiferstehen sieht! Wenn wie in Westminster damals, Herren und Zweifler überwältigt dein Kommen ahnten, es miterlebten, wenn eines Menschen Gestalt ihnen makellos und beauftragt von dir erschien, mit einemmal kein Operndirektor mehr, sondern ein göttlicher Befehlshaber im Raum! Riß er, gewohnt, zu donnern und einzuschüchtern, jemals die Hörer seiner Musik so empor wie heute? Gehorchten sie ihm fe so gerne? Keiner war, der dir in ihm, Vater aller Welten, widersprach, als die unendliche Größe deiner Macht gesungen wurde, und alles, olles aner- kannte dich... Aber du wolltest mehr als dieses Staunen bloß. Und es geschah: wie deines Preises jubelnder Gesang eintrat und du — in Menschenmusik durch Händelkvaft — zur Erde stiegst, da stand der König Englands aus, erhob sich feierlich und demütig vor dir mit seinem Volk, stand als ein Kind des Staubes unter gleichen Kindern und ehrte dich, denn herrlich bist du und unbeschreiblich in Gewalt und Güte, unser Vater, wir fühlen es, wenn du dich zeigst, und möchten dich erfreuen, du hörst's im Sünderstammeln wie im Ruf der Reinen — Halleluja! Halleluja! Halleluja! Kehr ein bei mir! Von Friedrich Rückert. Du bist die Ruh, Der Friede mild, Die Sehnsucht du, Und was sie stillt. Ich weihe dir Voll Lust und Schmerz Zur Wohnung hier Mein Aug und Herz. Kehr ein bei mir, Und schließe du Still hinter dir Die Pforten zu! Treib andern Schmerz Aus dieser Brust! Voll fei dies Herz Von deiner Lust. Dies Augenzelt, Von deinem Glanz Allein erhellt, O, süll es ganz! Die erste Luise. Von Karl Burkert. Der Vorhang ist zum letztenmal gefallen, unwiderruflich zum aller- letztenmal. Die Beifallsstürme sind vertost. Ein paar Hände, die noch nachklappen, kommen schon zu spät, erregen einige Verwunderung. Auch« die Tränen 'gelten jetzt nicht mehr, werden, wo sie noch in einem Äug', an einer Wange glänzen, verlegen und eilig fortgewischt. Schon sind die Türen geöffnet. Die weiche, würzige Luft der Aprik- nacht wogt herein, spült das letzte Fetzlein Illusion hinweg und bringt die Menschen wieder zu sich selbst. Nun wissen sie, daß das alles nur eim Spiel war. Aber welch ein topiet! Nein, „Kabale und Liebe" werden aUc„ die heute diefe Premiere erlebt haben, nie und nie vergessen. Und wer hätte sie nicht erlebt? Die ganze Residenz war heute auf' den Beinen. Aber nicht nur das. Auch von Heidelberg, Worms, Speyer' und Mainz war man, zu Roß und Wagen, nach Mannheim gekommen,, und wenn auch die wenigsten eine Loge erhalten konnten, man war schon: zufrieden und glücklich, wenn man nur hineinkam. Aber das ist jetzt vorbei. Noch eine kurze Weile blitzt und flirrt es. von Degen und Tressen, von seidenen Fräcken und bauschigen Krinolinen. auf dem mondhellen Platz vor dem kleinen kurfürstlichen Theater, bann: rollt eine Karofse nach der andern davon, verlieren sich allmählich audji die Fußgänger, und dann wird es still. Aber es wird heute und morgen und in den folgenden Wochen noch, viel von dieser Premiere gesprochen werden. Seit den „Räubern", bei: denen es beinahe zu einem Skandal kam, bei denen man schluchzte, auf“ schrie, die Fäuste ballte und in Ohnmacht sank, sich wie ein Jrrenhau-. gebärdete, gilt „Kabale und Liebe" für die größte Sensation, die da- Nationaltheater bis da gesehen hat. Die einen jubeln über die hohe, freie: Gedankenwelt, die in diesem Stück emporflammt, die andern schaudern vor dem Chaos, das es, nach ihrer Meinung, unabwendbar heraufbeschwöreni muß, und sie prophezeien den Untergang aller menschlichen und göttlichen Ordnungen. Auch mit den Darstellern des heutigen Abends wird man Mi noch lange begeistert beschäftigen. Man weiß, man kann sich sehen lagen, mit diesem Ensemble. Die glänzendsten Namen, die die deutsche Buhne, kennt, hat Herr v. Dalberg, dieser weitberllhinte Intendant, in [einer Truppe vereinigt. Die Frauen, wenn sie von Jsfland sprechen, der dies-- mal die Rolle des Ferdinand hatte, bekommen ekstatische Augen. l*n01 wenn die Männer an Mademoiselle Baumann und ihre Luise denken,, diese erste Luise in „Kabale und Liebe", dann möchten sie am liebsten niederknien. . , , , Nur von einem ist kaum einmal die Rede, von diesem jungen Ineatc ■■ dichter. Was weiß man von diesem Herrn Schiller? Nicht viel. Und oa > Wenige, was über ihn in Umlauf ist, das kann ihn schwerlich empfehlen. Er sei ein davongelaufener Regimentsmedikus, der dem Herrn v Dalberg binnen Jahresfrist, für lumpige dreihundert Gulden, drei abeno- füllende Stücke schreiben müsse, wolle er nicht mit Schimps und n ■ davongejagt werden. Er habe Schulden bis über den fjaarbufa) ptn i und wohne bei einer armen Beamtenwitwe in einer kahlen, schimmlig Kammer. Er ist ein Rebell, sagt man, ein Rebell, der mit seinem pho ' tastischen Gänsekiel die Kirchen und Schlösser brechen will und von ■nea) wegen gehört er aus die Veste Asperg oder sonst an einen sichern u '|/jpr hört man ihn dann reden? Soff, was für eine spassige Sprache? i Schwätzen so nicht die Geißbuben auf der Achcllm miteinander? Sagt, wie stimmt das zu seinem himmelstürmenden Wesen? Klingt es nicht manchmal, als ob er sich selbst travestieren wollte? Wer weiß noch mehr über ihn? Ja, noch dies: Zu der Premiere von seinem ersten Stück wäre er auf ein Haar zu spät gekommen. Liederlich, nicht wahr? Vor allem undankbar gegen Herrn von Dalberg, seinen großherzigen Gönner. Und warum das? Nun, mit einem hübschen Kellnermädchen hatte er unterwegs herumkaressiert. Da hat man's: mit einem Kellnermädchen! — Nein, es ist wahrhaftig kein Staat zu machen mit diesem Poeten Nur daß er eben bisweilen ganz originelle Einfälle hat. Und sich aufs Rollenschreiben versteht. Aber das sehle ja noch, daß auch seine Stücke schlecht wären! Ja, so urteilen sie über ihn, diese Unbedrängten und Auserwählten; jene, die sich nur hegen und fächeln dürfen. Selbst die Schauspieler machen billige Witze über ihn. Nirgends ein Gedanke an seinen Genius. Es fällt keinem ein, ihm die Schulden zu bezahlen, sie ziehen ihn nicht zu ihrer Tasel. Nicht ahnt ihnen, wie sehr sie erhaben wären, wenn er als Gast in ihrer Mitte weilte. Auch heute saß er wieder allein in seiner Loge. So, als wenn er nur das unwürdige Gefäß wäre und von dem Geist, der dort im Jahrhundert- sturm über die Bretter schreitet, nichts wüßte. Er sah da wie ein Bettler, aber um seine Schultern floß ihm der Purpur der Unsterblichkeit. Einzig ein armer Student und ein blaßes Mädchen, ein Sonntagskind, gewahrten dieses Leuchten. Der Student tobte bei jedem Aktschluß, als müßte er eine ganze Welt aus ihrem Totenschlaf aufwecken; das Mädchen weinte nur leise vor sich hin. Alle andern sahen nichts. Auch der junge Dichter selbst wußte nichts von diesem Purpur. Er dachte doch gar nicht an sich. Da saß er mit brennenden Augen, sah nichts als diese Luise. Was war das, was dort vorging? Konnte er das, was sie so betörend, so hinreißend spielte, gemacht haben? Nein, das war nicht zu begreifen! Hernach, als alles zu Ende war, erwartete er sie vor der Garderobe. Als sie herauskam, stand er wie ein armer Sünder da, fragte mit ein paar verlegenen Worten, ob er sie nach Hause bringen dürfe. Die Mademoiselle sah auf ihn mit drollig erstaunten Augen. Was kam ihm nur bei, diesem wunderlichen Menschen? Noch heute morgen, in der Generalprobe, hatte er sich so hölzern gegen sie benommen — und nun dies? Ein aufsteigendes Lachen konnte sie geschwind noch unterdrücken. Aber dann tat er ihr plötzlich leid, wie er so kleinmütig und zag dastand. S'e dachte an die großartige Rolle, in der sic heute ausgetreten war, die ihr soviel Bewunderung und Beifall einbrachte und die er doch schließlich geschrieben hatte. Und sie gab sich innerlich einen Stoß. Ja, einen kleinen Stoß mußte sie sich noch immer geben. Und sagte: Wenn es ihm Spaß mache — warum nicht? Nein, sie hätte nichts dagegen! Und dann wandern sie mitsammen durch die nächtliche Stadt. Eine kleine, ganz stille Stadt, obschon sie die Residenz ist. Es sind nicht viele Fenster, aus denen noch ein Lichtschein bricht, säst alles ist schon schlafen gegangen. , . Und er trägt sein scheues Menschentum neben ihr her, selig und unglücklich zugleich. So langsam gibt sich ein Gespräch, aber die Unterhaltung will nicht recht fort. Er weiß, es liegt an ihm. Und da wird er noch schüchterner. Ja, daheim in seiner Kammer, da ist er in seinem Reich, da fühlt er sich wie ein Riese. Aber hier, neben diesem Frauengeschopf? Er denkt: Ich bin doch nur so ein hergelaufener Mensch, und mit solch einem delikaten Frauenzimmer kann ich nicht reden! Er hat ihr danken und hat ihr viele schone Dinge sagen wallen — nun kann er die passenden Worte nicht sinden. Oh, wenn er jetzt die Feder zur Hand nehmen dürfte, dann wäre das ganz anders. Um einen Hymnus wäre er gewiß nicht verlegen. Wie würde es aus ihm sprühen. Aber so? Ganz niedergeschlagen geht er an ihrer Seite. Sie denkt: Nein, wie ,st das Leben doch komisch! Das ist nun der Dichter, dessen Geist und Sprache diesen Abend so herrlich in ihr geglüht und geklungen! Gedanken, Worte, die man auf dem ganzen Erdenrund und noch drüben im Licht des Ewigen hören und verstehen kann. S denkt: Ist das nun wirklich dieser Dichter? Sie kommen durch Gassen, die in mondweißer Stille liegen Sie schreiten unter einer Lindenzeile dahin und riechen dar junge ° Sie sehen, wie sich ein vollerblühter Kirschbaum über eine alte Gartenmauer neigt und bleiben ein paar Augenblicke davor stehen. Die Mademoiselle ist ganz ergriffen von der Magie dieses Baumes. Sie denkt: Was wird er nun sagen? ~ .... Sie wartet umsonst. Er sieht ja gar nicht den Baum. ’ W nur sie. Einen halben Schritt hinter ihr stehend betrachtet er mit glanzenden Augen ihr seines Profil. Und denkt: Wie sie schon ist! Die” Madeinostell e™versucht, wieder ein Gespräch in Gang zu bringen, SÄÄr Schiller?" fragt sie nach einer Weile. „Ja", sagt er. Als ob das eine Antwort wäre! Dann bleibt sie plötzlich stehen. „Nun bin ich zuhause , sagt sie. „Gute Nacht! Und haben Sie auch schönen Dank! — Da spürt sie mit einmal etwas 'n ihrer Hand. m,. ; h ift Sie hebt es in das Mondlicht und sie sieht, daß es eine M'matur llt. Sie schaut ihn an mit großen, wundergroßen Augen Sie fragt „W Bild, Herr Schiller? — Aber sagen Sie bloß, was foU teft . f. Zwei, drei Sekunden steht er wortlos vor ihr, nut fas! bta Blicken sieht er sie an. Dann sagt er: „Ja, sehen Sie, Mademoiselle, bin ebe e kurioser Kauz — sell kann i Ihne net sage. Und damit wendet er sich und geht, läßt sie allein mi h ' Als dies geschah, schrieb man den 15. April des Jahres 1784. Oer Dichter Paul Alverdes. Von Rolf M e ck l e r. Wie kaum ein zweiter unter den jüngeren deutschen Dichtern wächst Paul Aloerdes in Zurückhaltung und Bescheidenheit heran, zugehörig der stillen und ernsten Menschenart, die dem Lärmen des Tages und dem falschen Schimmern der Welt sich verschlossen hält, weil sie sich allein geborgen fühlt in der Ordnung ursprünglichen und natürlichen Lebens. Das mag auch die Ursache sein, daß Aloerdes, obwohl seine dichterische Kraft als ungewöhnlich gelten darf, bisher nur wenig bekannt wurde. Er ist gleichen Alters wie Karl Benno von Mechow, und mit diesem verbindet ihn nicht nur aufrechte Freundschaft, sondern viel mehr noch das gleiche seelische Empfinden, das bei beiden von Anbeginn in der Reinheit des dichterischen Bildens unverhüllt zum Ausdruck kommt. Aloerdes, der im Jahre 1897 zu Straßburg im Elsaß geboren wurde, verlebte feige frühe Jugend in Düsseldorf am Rhein. In jenen Jahren, unmittelbar vor Ausbruch des Weltkrieges, wurde feine Entwicklung in eine entscheidende Richtung gedrängt durch das Erlebnis der Jugendbewegung. Bei Beginn des Krieges meldete er sich mit seinen Jugendfreunden als Freiwilliger zur Front. Schon im Frühsommer 1915 wurde er durch einen Kehlkopfschuh schwer verwundet und lag hernach lange Zeit bis zur glücklichen Heilung. Das später aufgenommene Studium, das vornehmlich der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte galt, beendete er mit dem Doktorrat der Philosophie. Seit jenen Studienjahren erkannte er München als seine Wahlheimat, in der er, von einem Kreis verläßlicher Freunde umgeben, bis auf den heutigen Tag als freier Schriftsteller zu Haufe ist. Nun ist freilich die Bezeichnung „Schriftsteller" schon eine Un- genauigfeit, weil sie eine Beschränkung ausspricht, die dem Alverdesschen Künstlertum keineswegs verträglich ist. Sein Können, das niemals von außen, von der Oberfläche her, bestimmt wird, sondern immer nur innerem Vermögen entspringt, läßt ihn in d i e Sphäre hinaufreichen, die allein des Dichters ist und die sich eben darum aller nützlichen und zweckvollen Neigung geläufiger Tagesschreiber verschließt. Wie noch jeder wahrhafte Dichter erleidet auch er die Gnade, schreiben zu müssen, im Gegensatz zu jenen, die aus vermeintlicher Berusenheit ihrer einfältigen Willkür, um jeden Preis schreiben zu wollen, häufig genug erliegen. Schon fein erster Gedichtband „Die Nördlichen", der 1922 inmitten einer verworrenen Zeit erschien, verrät mit feiner frühen Reife zugleich feine schöpferische Eigenart; aus diesen ernsten Gedichten um bas Erlebnis himmlischer und irdischer Schöpfung tönt ein unsagbar reiner und schöner Klang. Um die gleiche Zeit schrieb er mit Alfred Happ zusammen das Spiel „Die ewige Weihnacht", in dem das Mysterium der Geburt Christi in, die unmittelbare Gegenwart einbezogen wird. Seine ursprüngliche erzählerische Begabung offenbart sich dann in den ersten veröffentlichten Novellen, deren er vier in einem Buche vereinigte, ausgenommen die umfangreichere Erzählung „K i l i a n". Ihre Inhalte gelten zumeist dem Erlebnis der Liebe und Freundschaft, von dem der junge Aloerdes während jener Jahre durch mannigfaltige Begegnungen zutiefst bewegt gewesen fein mochte. Namentlich die Novelle „Kilian", vom Mißgeschick eines Jünglings erzählend, der um die Freundschaft leidet, weil sie ihm verwehrt und unerfüllt bleibt, bis der Tod ihn mit tröstlicher Gewißheit verklärt, ist nicht allein wertvoll geworden als Zeugnis einer neuen tiefen Besinnung und einer innerlich geläuterten Menschlichkeit. Sie verkündet auch am reinsten den epischen Gestaltungswillen, der Aloerdes eigen ist. Er erzählt alle diese Begebenheiten — wie auch die vor einigen Jahren erschienene prächtige Verdeutschung von Coopers Jndianergeschichte „Der Wildtöter" — in einer schlichten, ausdrucksvollen und erwählten Sprache, getrieben von dem Atem eines tiefen rhythmischen Gefühls, das sich in kunstvoll entwickelten und dennoch einfach gefügten Handlungen verströmt. Hier zeigt sich Aloerdes schon als ein ganz und gar Eigener, dessen Wert auch der Hinweis nicht zu mindern vermag, daß es gewißlich ernsthaften Ringens bedurfte, um an dem als Vorbild beschworenen Genie Kleists nicht zugrunde zu gehen. Vollends deutlich wird dieser Widerstreit in dem Trauc-Giel „Die feindlichen Brüder", feinem einzigen bisher bekannt gewordenen Drama. Dieser unversöhnliche Kampf zweier Brüder, die im gleichen Volk Blut wider Blut in Aufruhr bringen, ist ein Gleichnis des ewigen deutschen Zwiespaltes von wahrhaft bestürzender Gewalt. Man muß es ungerecht heißen, daß dieses Drama, wunderbarer Verse voll und in großen dramatischen Schwüngen die Handlung vorwärts reißend zu höchst gesteigertem Leben, dennoch heutigentags völlig vergessen ist. Die tiefgreifende Wendung, gewissermaßen die Erfüllung der den frühen Arbeiten innewohnenden künstlerischen Versprechen, erreichte Al- verdes mit der Erzählung „Die Pfeiferstube" und in allererster Linie in fortschreitender dichterischer Klärung, mit dem Novellenbuch „Reinhold oder die Verwandelte n". Die jugendliche Freuud- schaft, von der in den ersten Novellen die Rede war, wird jetzt, in ein größeres Erlebnis verflochten, auf ihre menschliche Bewährung hin geprüft denn alle diese Erzählungen handeln mittel- ober unmittelbar vom Erlebnis bes Krieges. Jubessen bleibt Aloerbes barauf bebacht, von biesem Krieg nicht mit lauten unb schallenben Worten zu prahlen, bie bald an- tlagenb halb unmännlich verzweiselnb bas unentrinnbare Schicksal ob feiner verborgenen Gerechtigkeit nur vergeblich zu beuten versuchen. Seine Darstellung erstrebt jene höhere bichierische Wahrheit, bie immer unb allein erst allgemeingültige Verstänblichkeit verbürgt. Deshalb steht bei ihm stets ber Mensch im Mittelpunkt ber Betrachtung, ber einzelne ebensogut wie die Gemeinschaft, unb bas Material, gleichsam alle unbeseelte Erscheinung, wirb barüber unwesentlich unb tritt fast gänzlich zurück. Die Pfeiferstube" nun. eine Erzählung eigenen Erlebens, handelt von dem i'angeroährenben Aufenthalt im Kriegslazarett. Gemeinsam mit drei anderen Kehlkopfverwundeten, darunter einem gefangenen Engländer, lebt er ein neues verwandeltes Leben: die Sonderlichkeit ihrer Verletzung, ine den Verlust ihrer Stimme mit sich brachte und fie zwang, durch ein kleines silbernes Pfeifchen zu atmen, hatte sie enger, als je draußen an der Front nwglich gewesen wäre, zusammengeführt unb alsbald miteinander ver- sein Dasein zu wir wenig von Ruders und des Segels bedrückende Ungewißheit Meeresernte, die dem schwärme sind ungewiß: Gunst oder der Ungunst des Meeres. Der Mischer, der auf Oer Fischer. Das Bild eines deutschen Berufes. Von Hans Ludwig Oefer. Kaum ein Berufsstand hat so schwer um ringen wie der des Fischers, und doch kennen seinen Mühen, Gefahren — und Freuöen. In seinem im Verlag der Deutschen Buch-Gemeinschaft ®. m. b. H., Berlin erschienenen Bilderwerk „Deutsches Land und deutsches Volk" entwirft Hans Ludwig O e s e r ein umfassendes Bild des deut- Derantwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Univerj itäts-Duch» und Steindruckerei, 2L Lana«, Gießen. hält. , , . m , Sein- ganze Arbeitskraft muß der Fischer einseßen, wenn sein Beruf ihn ernähren soll. Keine Arbeit ist ungewisser, als seine Netze in die Gewässer zu hängen, um einen Fischfang zu tun. Nie ist der Ertrag im voraus zu berechnen. Wohl kennt der Fischer gute und schlechte Zeiten. Wohl kennt er Wind und Wetter, die Tiefen und die Untiefen seiner Gewässer, die Lebensart, den Hochzeitszug und die Laichzeit der Fische Er erfand die geeignetsten Boote und Schisse und die besten Netz- und Fanggeräte. Er verband sich zu Genossenschaften und stellte die Wissenschaft, ihre biologischen Institute, ihre Wetterwarten und Nachrichtenmittel in seinen Dienst. Er baute Dampfkessel und Motor in den Bauch seiner Schiffe ein und trieb sie mit der Schraubenwelle an Stelle des ~ ‘ ~ ' vorwärts. Aber alles dieses vermag nicht die seines Berufes zu nehmen. Selbst die große Hochseefischer alljährlich winkt, die Herings- der Reichtum des Fanges hängt ab von der des Wetters und den wechselnden Strömungen b's an den Rand mtt blitzenden Fischen gefüllt war oder sein Netz aus der Tiefe einen geheimnisvollen Schatz versunkenen Goldes oder Geschmeides zog. Arm sind die Häuser, Hütten und Dörfer. Kaum besitzt der einzelne mehr als ein Boot, einen Ewer, einen Kutter. Oft reicht der Ertrag des Fischfangs nicht hin, um den Lebensunterhalt für die ganze Familie zu bestreiten. Frau und Kinder müssen mithelfen, das tägliche Brot zu schaffen, und sich in ftemde Dienste naher Bauernhöfe, Guter oder Badeorte verdingen. Drei Typen von Fischern haben sich gemäß der Landschaft ausgebildet: der Binnenfischer, der Ostseesischer und der Nordseesischer. Mit Angel, Reuse Fang- und Schleppnetzen, vom Ufer aus oder mit Kähnen und Booten wird auf den Binnenwässern gefischt. Der Binnenfischer ist kein zahlreicher Beruf mehr in Deutschland. Einst waren die Binnenfischer ein besonderes Gewerbe und ein geachteter Stand. In manchen Gegenden und Städten waren sie einbezogen in das Zunftwesen: sie hatten ihre besonderen Sitten und Gebräuche, waren frei in ihrem Berufe oder standen im Dienste großer Grundherrschaften, Abteien, Kloster oder Städte. Petrus, ihr Schutzpatron, war m seiner bärtigen Gestalt das Sinnbild ihrer Fahnen. Petri wunderbarer Fischzug, wie ihn der Evan- qelist berichtet, war auf den Schildereien ihrer Hauser oder Kirchen ge- malt Die Not des Fischers, der die ganze Nacht gearbeitet und nichts aefanqen hatte, aber auch das Wunder des reichen Fischzuges war ihnen in der Heiligen Schrift berichtet. Die „Fische" sind ein S ernzeichen des Jahresrings und zugleich ein geheimnisvolles, weit aus Asten her überkommenes religiöses Symbol. Astrologisch waren die£5tfcfjer P^ueien- kinder der Luna, waren dem Mond zugeordnet. Früh schon wußte die Menschheit darum, daß der Mond alle Gewässer regiert, die Schleusen des Himmels öffnet und die Meere nach dem Gesetz von Ebbe und ^^Ein^jeder^Jstch" hat seine besondere Lebensweise, Brutstätten und Schwarmzeiten, und ein jeder wird wieder auf besondere Weise, zu besonderen Zeiten, selbst zu besonderen Stunden gefangen Zahlreich mb die Arten der Süßwasserfische, denen der Fischer nut Angel, Reusen und Neben nachstellt, die Karpfen, Schleie, Barsche Zander, warben Welse, Schmerlen, Aale, Neunaugen Hechte Salme, Felchen und Bachforellen. Früh des Morgens oder noch in der Abenddämmerung ist der Fischer aus den Gewässern draußen, er kennt die besten Fangstellen ,m offenen Wasser, am Schilf oder nahe dem Wasfergewachs des Ufers Er wirst oder legt die Netze aus, markiert ihre Lage durch Pfahle oder Korke er holt'den Fang ein, tut ihn in die Fischkästen, verkauft ihn im Dorfe oder auf dem Markte oder an Händler Ein Kranz von Fischerdörfern säumt von den Mundungen der Eins her an den Rändern des Wattenmeeres, auf den Nordsee- und Ostseeinseln, an den Föhrden und Buchten, an den Bodden des Hasts d, deutsche Meeresküste. So unterschiedlich in ihrem Wesen tue Nordsee und die Ostsee sind, so verschieden sind auch Nordseefischer und Ostsee- sischer, so verschieden ihre Fahrzeuge, ihre Fischereigewasser und ihr berufsmäßiger Zusammenhalt. . Die Ostsee ist Binnenmeer. Die Entfernungen von der Küste und den Häsen sind nicht so weit wie auf der Nordsee d,e Seegefahren nicht so groß und der Zug der Fischschwarme der Sprotten und Heringe, nicht so unbestimmt wie im offenen Meer. Der Fischfang in der Dorfgemeinschaft hat sich an der Ostseeküste langer als an de Nordsee gehalten, und früh haben sich die Dörfer zu Fischereigeno en- schäften zusammengeschloffen. So ist beim Ostsee,scher starker genossen- schaftlicher Geist ausgebildet. Ganz in der Frühe des Margens fchon ziehen die Jollen und Kutter in langer Reihe aus den kleinen Dorp häfen zu gemeinsamer Arbeit auf das Meer hinaus, und bei Dogrs- anbruch wird der Fang in die gemeinsame Fischereihalle zum Versand eigene Rechnung und Gefahr seine Arbeit vollbringt, bleibt arm sein Leben lang und sein Verdienst gering. Seine Lieder, Märchen und Sagen Freiten um dieses Schicksal seines Berufes und berieten von Wassergeistern oder Zauberern, die ihm einmal in seinem Leben halfen, einen reichen Fischzug zu tun, so daß sein Schiff ober Verkauf gebracht. . , ... . Der Nordseefischer ist verschlossener, eigenbrötlerischer, auch abenteuerlicher und tiihncr als der Ostseefischer. Der lohnendere Hochseefii» fang auf offenem Meere auf Schellfisch ober Dorsch, Kabel,au und Herrn hat an der Nordsee Hochseefischerei-Gesellschaften entstehen tafferr Set einzelne Fischer mit seinem Segelboot, in das nur ein kleiner Motor eingebaut ist, vermag lohnend kaum noch d,e Küstenfischerei zu hetr i ben. Sein Fang sind Rotzunge. Steinbutt, Heilbutt. Flunder oder Scho le. Die Ausfahrten aus ben Münbungen ber Ems. der Weser 'mb ber E..c sinb reich an Sandbänken und Platten, an Untiefen, an Lochern und- Gründen, reich an Winden und Stürmen und stehen unter h’ffl ®e* von Ebbe und Flut. Selbst die Küstenfischerei ist in der Nordsee m*t ungefährlich und verlangt eine genaue Kenntnis ber Fahrtrinnen nn ber vielen Seezeichen. Viele ber Norbseefifcher stehen heute im Dienste von Fischereiae'en schäften, die Großunternehmer mit modernen Schiffen sind. Ihre dampfer sind mit technisch besonders konstruierten Fangwerkzeugen 'm* eisgekühltem Lagerraum, mit Funkanlage ausgerüstet, stehen in - bindung mit dem Seewetterdienst und schnellen Suchbook-n, die Zug der Schwärme auskindig machen. Diele Fischerei-Handelsaesellima, len'haben die dörkliche Fischereiaemeinschaft van ber Hochleemmere, ne- bränqt. Wenn bie Millionenzüge ber .^eringsschwärme geftielbet sind, stetem die Dampfer in See. Drei bis vier Wochen lang werden b'e großen jte e burch bas Meer gezogen, eine Unzahl ber gefangenen Fische emgeei > aber eingesalzen. Wochenlang sinb oft Stürme ober Mmterkalte zu bestehen ehe die Flottillen wieder in den Fischereihafen zuruckkebreb um ihre Fracht abzuliefern. Eine ganze Industrie hat sich um so Fischerhöfen gebildet. Eisfabriken. Korbflechtereien. Nekmirkere er Räuchereien. Bratfisch- und Marinieranftalten. an deren Ma'cknnen ur Defcn fmnberte von Frauen und Mädchen beschäftigt sind, rm men _ Rauch ihrer Schornsteine und ben Teer- und Fischgeruch des sondere Eisenbahn-Güterwagen fahren die emneeiften oder in .W। und Büchsen Kisten und Körben verpackten Filche durch ganz Deuua, land in die Dörfer und Städte. Fische sind Volksnahrung geworden. scheu Fischers. Reich an Gewässern aller Art ist Deutschland. Große Seen liegen im Alpenvorland, am Rande der Heide und der Moore, und eine ganze Seenkette zieht sich von Ostpreußen her bis nach Schleswig-Holstein über das Tiefland hin. Ein Netz von Bächen, Flüssen und Strömen ist über das Land gebreitet vom Hochgebirge bis an die Meeresküste. Graben, Tümpel und Teiche sind bie Gewässer ber Nieberungen, ber Bruche unb Sumpfwälder. Wattenmeer, Föhrden, Buchten, Bodden und Haffe dehnen sich zwischen Festland und den meerumrauschten Inseln, Halligen und Dünen-Nehrungen. m _rir . Alle diese Gewässer und die beiden deutschen Meere, die Ostsee und die Nordsee bis hoch hinaus nach Schottland und nach Island, sind die Landschast des Fischers und das Reich seines Berufes. In Wind und Wetter gleich dem Schiffer und Seemann vollbringt der Fischer seine Arbeit draußen; gleich dem Bauern wohnt er in dörflicher Gemeinschaft, ist er an ererbtes Land und an seine Heimat gebunden; gleich ihm bewahrt er Tradition und Sitte, achtet er religiöse und überlieferte Lebensbräuche, ist seine Lebenshaltung durch Jahrhunderte hin gleichmäßig bedingt Aus dieser Geschlossenheit seines Daseins und seiner Arbeit kommen ihch die Kraft und das Wissen für seinen Berus, der besonders aus dem Meere mühsam und schwer ist und ihn oft tagelang, wochenlang fern vom heimatlichen Fischerdorf ober Hafen in Einsamkeit unb Gefahren fmnben wie fürsorglich siebende Brüder. In treuer und herzlicher Karne- | radschast Helsen sie einander unb suchen sie einer ben andern über fern trauriges Geschick hinwegzutrösten. Eine stille, unverlierbare Gemeinschaft ist errichtet die erst ber Tob jäh zerreißt. Noch tiefer berührt das unvergeßliche Buch „Reinhold oder die Verwandelten . Hart und grau am ist das Leben des Krieges und schmerzhaft vom Tob gezeichnet. Doch bie Wesensmächte, bie sich göttlicher Knabe unb Heilskraft verbinden, Mi en ben Weg zur furchtlosen Ueberroinbung. So muß ber junge Bemholb, wie alle seine Kameraben, inmitten ber schrecklichen Verwesung bes Krieges, inneroerben, baß es gut ist, an bie „Gerechtigkeit bes unsichtbaren Va- terlanbes" zu glauben, auf baß man es zu lieben begehrt wie ben niemals qeoffenbarten Gott. Verwanbelte sinb sie alle, bie reiften, um innerlich ben Tob zu überroinben, weil er sie wieder die Demut der Unterwerfung lehrte unter das unveräußerliche Gesetz göttlicher Ordnung. Was darum diese Erzählung so wertvoll macht ist die ernste, männliche Haltung, bie aller Anfechtungen tn rounberbarer Gefaßtheit Herr mirb Keine unmutige Klage wirb laut unb keine schwächliche Zagheit vernehmlich. Bonbern ruhige unb gefestigte Menschlichkeit, bie jegliches Pathos verabscheut, ist Zeuge eines neuen tatbereiten Helbentums. Bei aller Ernsthaftigkeit ist Alverbes von erfrischenb humorvoller Laune Mochte bas auch in jenen Erzählungen nicht säuberlich stark zutage- treten ’ bennoch bleibt ber Humor ein rühmenswerter Teil seines Wesens. In ganz eigner Weise spricht er uns an in ben anmutigen Tagebuchblattern ber „Kleinen Reise". Diese Schilberung einer Reise vorn Bobensee hinüber ins italienische Laub nach Bellagio bis hinunter nach Mai and, die nachdenklich und frohmlltia die Landschaft erschaut, erfüllt ein seltener Zauber. Zugleich mit ben beschaulichen Zwiegesprächen strahlt em Fülle E'Hcher Silber auf, von jener pastellzarten Feinheit, beren persönlicher Reiz nur von bem Reichtum eines frohlockenben Herzens herruhren kann. Nicht zum wenigsten wirb auch bas neue Buch „DieWaldbrüb e r", eine Entwicklungsgeschichte junger Menschen, uns erneut gewahr werben lasten daß die Bücher von Paul Alverbes, kraft ber Reinheit unb Schlichtheit ihrer Sprache, edelste deutsche Erzählerkunst und darum Bürgen eines neuen dichterischen Geistes sind, ber roieber um ben Abel feiner Bestimmung weiß.