Gießener Zamilienbliitter Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Jahrgang |93< Montag, den Zl- Dezember Nummer 102 Jahreswende. Von Karl Bröger, GDS. Ein Jahr ist hingeschwunden in rascher Flucht der Stunden, im Tanz von Grau und Gold. Was hat es dir gelassen vom Lieben und vom Hassen? War es dem Herzen grämlich oder hold? Vergangen ist vergangen. Dein Wünschen und Verlangen kommt einmal auch zur Ruh. Doch um uns ist noch Helle, und unsres Blutes Welle rauscht heiter einem neuen Bette zu. Du Ursprung unsrer Leiden und Mündung unsrer Freuden, du, Erde, bist uns Pflicht. Wir sind auf dich geboren, wir sind dir zugeschworen und drehen uns mit dir in junges Licht. — ich mit den Narben von hundert verheilten Lebenswunden aus meiner Einsamkeit das Lied der Schicksalsfreudigkelt und der im den 3u Neujahr an eine Freundin. Von Fritz Reck-Malleczewen. Dir aber schreibe ich aus meinem vom Winter belagerten Hof, der einsamste und herrlichste Hof Deutschlands ist, und wahrend brüllenden Ost die Schneeböen gegen die Mauern schmettern und an eis.starrenden Morgen hungriges bettelnd im Garten erscheint, Ziemt es sich wohl, diesen Jahreswechsel zu bedenken: Du, mitten m der Welt und umgeben von all den herrlichen funktionierenden Mechanismen der großen Stadt. Du stehst zweifelnd vor dem Schicksalsspiel des neuen Jährens — ich mit den Narben von hundert verheilten Lebenswunden singe dir aus meiner Einsamkeit das Lied der Schicksalsfreudigkelt und des Wagnisses, die Hymne des Abenteuers und die des Glaubens an den Schicksalftern. Ja, so ist es wirklich mit uns beiden: Du, für die mannigfachen Sicherheitsapparate deines Lebens bangend, bist Zwelster und verlangst vom neuen Jahr« sozusagen ein festes Programm, bei dessen Nichteinhalten das Schicksal gewissermaßen hohe Konvent onal- strafen zu zahlen hätte — und ich, betrogen um so viel ^on greifbare Gewißheiten, ich preise dir den Mann, der n.e verzweifelte wellI er n.e ans Hoffen sich verlor, und ich muß wohl an den großen gefd)icl)t[i$en Beispielen des Wagnisses dir zeigen, daß noch ,eder uber den großen Bodensee reiten mußte, wer ein fröhliches und lachendes Ufer wollte erreichen ... Sieh, es gibt wohl in der preußischen Armeegeschichte jenen stoischen alten Römer, der Helmuth von Moltke hieß und dem Unkundigen immer erscheint als der Mann der tausendfachen Sicherheiten und bere$att vor ausberechneten Pläne und der doch — lies es nur einmal nach ein Werk über den Krieg von 1871 einleitete mit einer Betrachtung über bie Hinfälligkeit aller Kriegspläne! Ja, so und nicht anders, und du mache dir nur klar, daß auch dieser große Mathematiker des Krieges seine Augenblicke hatte, wo er Hasardeur war und es auch sein mußte, und du denke gefälligst an jene Schicksalsschlacht, ^ren fernen Kanonenbonner bu einst selbst hörtest unb bie bann bas Los ber ostpreutzüchen H.-imat entschied: an Tannenberg, an den letzten Steg Persönlichkeit und des gläubigen starken Herzens. Sieh, es war doch damals, in beine Begriffe und Vorstellungen übersetzt, genau so, als wenn du nachts an- gefallen von zwei Weglagerern, dich entschließen wurdest, erst mit bem einen abzurechnen und während du den ersten erledigt, muht du hoffen und nicht daran zweifeln, daß der andere sich ruhig verhalt und gebannt von: beinern Mute unb beinern Zugreifen, wartet, bis bie Reihe an ihn kommt ... Siehst bu genau so war bas in jenen Schicksalstagen deiner Heimat, ÄÄ'S bes Staatsmanns oder die des schaffenden Künstlers — hat ihre seelische Krisen, die bann nur mit leidenschaftlichem Willen kann besiegt werben, jebe große Tat ist immer eine Frage ber starken Herzen unb Frage ber Persönlichkeit ... ja, um gib bich nur mit noch so viel Versicherungen gegen biejes unb jenes große und kleine Wehweh, gegen Migräne unb verregnete Weckenbtage unb immer roieber wirst bu, wie bu bich auch drehst unb wenbest, auf biefen ehernen Lehrsatz und auf diesen Appell an dein im Grunde doch tapferes und vielleicht eben nur ein wenig müdes Frauenherz stoßen. Kolumbus, der ja auszog, um einen Weg nach Indien zu finden und tragikomischerweise dann gewissermaßen den nach Chikago entdeckte: Kolumbus also wußte ja auch nicht, wohin er fuhr und wußte es sogar so wenig, daß er die verzagte Mannschaft durch falsche Eintragungen im Schiffsjournal beruhigen mußte. Wußte um jene von dir so heiß ersehnten Sicherheiten eigentlich jener Petten- tofer, als vor ihm neue Wege der Erkenntnis sich auftaten und er mit feinen Assistenten sich zu einem mit Cholerakulturen gewürzten Frühstück setzte ... war es anders mit Cortez, mit Friedrich bei Leuthen, mit Napoleon am achtzehnten Brurnaire, mit Bismarck in den Jahren der Konfliktszeit, unb hatte nicht jeber von ihnen angesichts bes Wagnisses nicht auch irgenb eine rühmlose Rückzugsstraße offen, unb ging nicht jeber von ihnen jenen anbern, steil hinausführenben Weg, ber bich am Abgrund vorüberführte? In dieser Neujahrsnacht, fern von meiner einsamen winterlichen Burg, denke du der menschenarmen und dämonen- reichen Ebenen des Ostens, denen doch wir beide entstamen und denke auch jenes kleinen stillen Hochmutes, mit bem gerabe ber Ostpreuße auf den „Westler", auf den Mann verhundertfachen Sicherheiten, insgeheim geheim zu blicken pflegt. Es war vor einhundertundeinundzwanzig Jahren in unserer Heimat bei ber poscheruhner Mühle eine Schicksalsnacht, unb in jener Schicksalsnacht hatte ein alter Mann zu wählen zwischen Korrbektheit, bie de facto Verrrat gewesen wäre und einem formalen Verrat, ber de facto herrlichste und sauberste und blitzende Tat war. Und du, an unfern gemeinsamen Landsmann Hans Ludwig David von Yorck denkend ... Du bilde dir doch ja nicht ein, daß diese berühmte Konvention eine einfache und ungefährliche Angelegenheit und daß es fo leicht war, diese kühne Tat, an der immerhin bas Obium formalen Ungehorsames und formalen Wortbruches hing, zwanzigtausend jungen Kriegshetzen mundgerecht zu machen. Rechts unb links vom Wege aber lauerten auch damals Mißlingen, Schande unb Schaffott und Henkerbeil, und nur vorne lag, wofern jener Alte weder rechts noch links sah, ber Ruhm bes großen Wagnisses. Und bavon hing alles ab, baß sein umbüftertes unb mit tausendfältiger ostpreußischer Schwermut verhangenes Herz sich zwang, zu glauben, zu glauben unb nochmals zu glauben an ben Erfolg. So in ber Geschichte. So in beinern kleinen Weieberleben. — Denke bu nur der Jahre vor bem Kriege, wo bas Leben in ber Tat umhegt war mit taufenb scheinbaren Sicherheiten... bente bu zurück an Tage, wo bas Menschendasein zerlegt war in hundert sichere Etappen und wo man’s sich ziemlich ausrechnen konnte, wann bie unb bie Beförberung kam und wann die reiche Heirat unb wann, ber Rote Adlerorden und wann der hohe Blutdruck und wann ber Tob an Magenkrebs: locken sie bich nach den herrlichen Jahren unseres Wagens und Abenteuerns denn wirklich so sehr, jene Sicherheiten und fragten wir damals nicht oft genug, wozu unser junges Leben uns damals wohl nütze war bei solcher Regulierung? Und roar’s hinterher nicht ein ungleich höherer Genuß, jeden Tag dem Leben ins Gesicht zu pfeifen und jeden Morgen und jeden Abend zu beschließen mit bem fanatischen Glauben an Willen, Wagen und Schicksal unb Stern? Und sollten jetzt versagen ... heute, wo bas Schicksal hoppelten Einsatz verlangt? Fähnriche mögen an ben absoluten Wert von .tßlänen' unb .Sicherheiten' glauben, Intellektuelle sich einbilben, daß Napoleon bei Austerlitz an bie Kolleghefte ber Kriegsschule in Brienne bachte unb Hornbrillen unb literarische Spirituspräparate mögen sich barauf versteifen, daß jener berühmte Reiter erst mal einen ordentlichen Kursus im Tattersall nahm, ehe er bann wirklich über ben großen großen Bobensee ritt. Von bem großen Entschluß aber wirst bu immer spüren, baß von ihm bie Funken des Genius auf dein armes Herz und von jeder Tat des Schlachtenlenkers, bes Künstlers und selbst der des Abenteurers gilt jenes Wort, daß nie ein Mann höher steigt, als wenn er nicht weiß, wohin er geht. Heute fo unb morgen fo an einer Jahreswenbe unb so immer dort, wo es gilt, fein Herz fest in seine Hanb zu nehmen. Ja, immer so. Bis die Holle gefriert. Der beine. punschled. Von Friedrich von Schiller. Vier Elemente, Innig gesellt, Bilden das Leben, Bauen die Welt. Preßt der Zitrone Saftigen SternI Herb ist des Lebens Innerster Kern. Jetzt mit des Zuckers Linderndem Saft Zähmet die herbe, Brennende KraftI Gießet des Wassers Sprudelnden Schwall! Wasser umfanget Ruhig das All. Tropfen des Geistes Gießet hinein! Leben dem Leben Gibt er allein. Eh' es verdiiftet, Schöpfet es schnell! Rur wenn er glühet, Labet der Quell. Traum in der Silvesternachr. Bon Wilhelm Scharrelmann. Die Gegend ist mir merkwürdig fremd, aber es beunruhigt mich nicht, wenn es auch tief in der Nacht ist und ich nicht weih, wohin der Weg mich sührt, den ich gehe. Nur eine leise Empfindung der Unsicherheit ist da, aber nun ich aus den Dünen heraus an den Strand hinunterkomme und der Sand unter meinen Füßen härter wird, gehe ich gelassener als vorhin und kann zugleich besser ausschreiten. An den Dünen liegt das Gras sahl und windzerzaust, und grollend bricht sich zu meinen Füßen die Flut, als wäre die nachtdunkle Weite, aus der sie kommt, zu unermeßlich, um hier schon einem Halt zu be- gegnen. Macht es die Unruhe des Meeres, daß ich anfange, schneller zu gehen, als gelte es die Zeit zu nützen und mein Ziel zu erreichen? Aber wenn ich mich frage, wohin ich eigentlich will, weiß ich es nicht. Es ist wohl die Unruhe des Blutes in mir. Da glänzt plötzlich in den Dünen ein Licht vor mir auf Erst im Näherkommen erkenne ich, daß es ein Haus ist, das da hingeduckt in dem weißen Dünensande liegt. Die Fenster sind niedrig, und das Dach gehl bis aus die Tür herab. Vielleicht eine Fischerhütte oder ein gemeinsames Gasthaus, ich weiß es nicht. Lautlos öffnet sich vor mir die Tür, kaum, daß ich den Drücker berührte. Schwere, rohbehauene Balken tragen drinnen eine niedrige, verräucherte Decke und ebenso rauchgeschwärzt und düster starren die Wände. 3n der Ecke steht eine Theke, vor ihr Tische und hölzerne Bänke, schwer und massig, wie für die Ewigkeit gemacht. Aber kein Mensch ist zu sehen. Als wäre selbst der Wirt schon vor langer Zeit aufgestanden und davongegangen. Nur die Hängelampe unter der Decke schwankt noch leise hm und her, als wäre sie erst vor kurzem angezündet worden. Vielleicht ist er hinausgegangen und sieht unten am Strande nach seinem Boot. Nein, doch nicht. Der Wirt ist da. Er steht an einem der niedrigen Fenster und fpäht hinter den ans Gesicht gehobenen Händen aufs Meer hinaus. Ich hatte ihn nur nicht gleich bemerkt. Guten Abend! rufe ich ihm zu, aber er antwortet nicht, und nur ein Blick trifft mich, daß ich darunter erfchaure. Er hat nämlich nur ein Auge, und es ist das Auge eines Geiers, vorweltlich, finster und drohend. Sie fchauen wohl ins Wetter, wie? frage ich, um etwas zu fagen. Vorhin schauerte es noch, aber jetzt ist es wunderbar sternklar geworden. Er tut noch immer, als wäre er versteinert. Schwer und massig sitzt der viel zu große Kops auf den herkulischen Schultern. Was wollen Sie hier? fragt er endlich in einem maßlosen Erstaunen. O, antworte ich verwirrt, ist dies kein Gasthaus hier? Doch, es ist ein Gasthaus. Was sollte es sonst sein? Aber wer hat Ihnen den Weg gewiesen hierher? Niemand, sage ich. Warum fragen Sie darnach? Ich kam durch die Dünen und da bin ich. Das seh' ich, aber es bleibt seltsam, höchst seltsam. Wieder blickt er mich an, erstaunt und feindselig. Das Haus liegt sehr einsam hier. Sie haben auch wohl nur selten 'mal Gäste? Nur einmal im Jahre! Das ist selten genug sage ich und lächle. Es genügt, antwortet er finster. Ich weiß nicht, was ich von dem Menschen halten soll. Wäre ich doch nur vorbeigegangen! Es war so herrlich unten am Strande. Aber damit scheint für ihn die Unterhaltung nun auch beendet zu ein Auch eine Bestellung scheint er nicht zu erwarten, wenigstens wen- >et er sich ohne ein Wort wieder dem Fenster zu und beginnt von neuem hinauszustarren. , _ _. Es ist nämlich die Zeit, und gleich muß es kommen. Das Schiff, meine ich! sagt er nach längerem Schweigen. Welches Schiff? frage ich verwundert. Sehen Sie, da kommt es schon!, ruft er im selben Augenblick. Ich wußte ja, daß es an der Zeit war. Erstaunt versuche ich nun selber hinauszublicken, aber die Scheiben im Fenster blenden mich und ich trete in die Tür. Da sehe ich es nun: ein Dreimaster, der mit vollen Segeln auf die Küste zuhält Sind die verrückt? denke ich. Denn bei dem Kurs müssen sie ja in edem Augenblick auflaufen und scheitern. Aber in derselben Sekunde dreht der Kasten auch schon bei, und noch wie die Anker raffeln, wird ein Boot herabgelasfen und nähert sich dem Strande! Aber ich kann nicht mehr beobachten, wie sie mit der Brandung fertig werden, denn tm eiben Augenblick drängt von der Landseite her wie aus der Erde ge- tampft, ein Hause von Männern in die Tür, lärmend und ausgelcr:cn, rufen und winken dem Wirte zu, den sie wie einen alten Bekannten begrüßen, und flauen sich mit Gelächter vor der Theke. Zehn, elf Mann zähle ich, untersetzte stämmige Kerle wie der Wirt, verwegen und wettergebräunt. , ., Schmuggler natürlich, denke ich, die mit denen da draußen gewiß gemeinsame Sache machen. Da bist du ja in eine nette Gesellschaft ® Da wären wir wieder!, lachen sie. Nur einer fehlt noch. Aber auch die er. ge- sie beugten Schultern. Verwundert frage ich den Wirt, wer sie sind, und woher kommen? , , , Genau daher, wohin die anderen nun wieder gehen, antwortet Aus der Ewigkeit, wenn ich das noch fagen muß. er muß gleich kommen. Mich beachten sie gar nicht, leeren gierig die Kruge, die der Wirt ihnen kredenzt, und stampfen schon im nächsten Augenblick wieder hin- aus den anderen entgegen, die eben aus ihrem Boot gestiegen sind, begrüßen lachend den Nachzügler, der von den Dünen aus nun zu ihnen stößt, und schwenken die Hüte, den anderen zum Gruß, die jetzt, gelassener und stiller als sie, den Strand heraus zu uns kommen, s- Südwester in die Stirnen gedrückt, ihre Seemannssäcke auf den Nun, daher kommen und dahin gehen wir wohl zuletzt alle, entgegne ich und zwinge mich zu einem Lächeln. Dann werden Sie auch die elf, die hier waren und die zwölf, die jetzt zu uns kommen, kennen? Hoffentlich haben sie etwas Gutes für Sie in den Säcken... Sollten Sie aber immer noch nicht recht sicher fein, wen Sie hier in den zwölfen vor sich haben, fo gucken Sie zu Haufe nur in Ihren Kalender, da stehen sie alle einzeln und fett gedruckt mit ihren Namen drin... Mit einem Ruck fuhr ich aus dem Schlafe auf und rieb mir die Augen. Dröhnend fielen die Glocken der Neujahrsnacht in mein Ohr. Wie war das? fragte ich mich und mußte über mich selber lächeln. War das Meer die Ewigkeit, der Dreimaster an der Küste der Zeit das neue Jahr und die zwölf Matrosen, die ihm entfliegen, die zwölf Monate? Fing ich an, in Allegorien zu träumen? Beschämt stand ich von meinem Stuhle am Schreibtisch auf und schüttelte den Kopf über mich selbst, als es leise und bescheiden an meine Tür pochte. Es war der kleine Schreiber, der neben mir wohnte. Aus ein glückliches neues Jahr! Hoffentlich bringt es uns allen Gutes! fügte er und lächelte, und seht, das war schlicht und gerade heraus gesprochen. Neujahrstag des Lebens. Von Per Schwenzen. Prost, meine Freunde! Ich wünsche euch ein gesegnetes Neues Jahr! Wir konnten uns unter der glockenhallenden Himmelskuppel hier, zu dem Jubeln der wogenden Straßen und dem Knallen der Frösche ewige Freundschaft schwören, aber was man nicht geschworen hat, bricht man viel seltener als was man geschworen hat. Lassen wir das. Schließen wir die Balkontür und fallen wir in unsere Fauteuils zurück. Wir werden noch einen zweiten Punsch bereiten, und ich werde Ihnen erzählen, wie ich Neujahr in der Unterwelt feierte. Bitte? Nein, durchaus kein Nachtlokal, durchaus keine feurige, sondern im Gegenteil eine sehr kalte Geschichte! Ich habe in Oslo studiert. Als ich mit den Kronen meines Vaters und mit dem Pflichtteil männlichen Ernstes promoviert hatte, beschloß ich, mir „die Welt anzusehen" und „den Wind um die Nase wehen" zu lassen, unter welchen Formeln der junge Mann ein Leben ohne Ver- antwortungspflicht und ohne Arbeit versteht. Ich fuhr wie alle jungen Norweger, die etwas für ihre Bildung tun wollen, nach Berlin, London und Paris. In Berlin war ich immer verliebt, in Paris trank ich Ale und Porter, in London verkehrte ich in einem französischem Hause, las die deutschen Klassiker und gewöhnte mir das Weintrinken an. Nachdem ich also sestgestellt hatte, daß man zu dem Wesen eines Landes nicht mit der Eisenbahn fahren kann, wurde ich etwas bescheidener und beschloß, mir erst einmal meine schone Heimat anzusehen. Ich wanderte viel in Hardanger, Rondane und Jotun. Ich studierte den Wunderdom zu Trondhsem, der wie ein Symbol der Wikingsraublust alle Stile der abendländischen Architekturen in sich vereinigt. Ich erinnere mich, daß er mir sehr lieb war, weil ich die Rasssucht meines Herzens, ins Monumentale geschleudert, in diesem stolzen Dom wieder erkannte. Denn das war mir von meinen drei Auslandreisen geblieben: Die sorglose Hand, nach allem zu greifen, was fremde Volker an Gutem und Schönem oesaßen, Lieder, Weine, Spiele und Farben. Mein Zimmer war tapeziert mit Fahnen, mit Bildern vom Rhein, vom Louvre und vor allem mit den Photos der schönen Töchter dieses Landes, die ich ganz mit derselben Naivität hingenommen und verlassen hatte, wie meine vielbesungenen Urahnen es taten, die bestbestallten Seeräuber der Geschichte .. .1 So kam ich auf Schneeschuhen und mit aller Leibesnotdurft im Rucksack nach Leivasby in Jotun. Ich nahm ein Zimmer dort für mehrere Tage, da ich von hier aus längere Fahrten in das alpine Schneegelände zu unternehmen dachte. Mein Wirt hieß Ola Rönne und seine Frau Petra. Petra war den ganzen Tag am Herd und so rot gebrannt wie ein Ziegelstein. Ola aber war wieder rot vom Wetter und sein blonder Bart flammte wie Feuer von Herdglut um sein starkes Gesicht. Abgesehen von seinen schwarzen Zähnen sah er genau so aus, wie ich mir die heidnischen Wikinger immer vorgestellt habe. Und seine und Petras Tochter, die 18jährige Hjördis, war genau so sanft und kraftvoll zugleich, fo geschwind auf den Skiern und so vorsichtig mit der Liebe, wie ich mir die Seeräubertöchter vorstellte. Hjördis war schuld daran, daß ich vier Wochen in Leivasby blieb. Ich überredete Petra dazu, daß Hjördis lange Touren mit mir machen durste. Das ist an sich etwas Selbstverständliches in Norwegen, daß junge Burschen und Mädchen tagelang durch die Berge streifen, denn der Geist sportlicher Kameradschaft ist dort sehr gesund und frisch. Aber Ola -Rönne war noch nicht so ganz ein Mann der neuen Zeit. Er war noch ein Erbe der „Haugianer", jener puritanischen Sekte, die es jemals irgendwo gegeben hat. Er hatte immer einen frommen Spruch zur Hand, und wenn ihm keiner einfiel, so war es jedenfalls ein herzhafter Fluch. Aber dann schüttelte er jedesmal so verwundert sein Haupt, wenn der Teufel seinen Lippen entflohen war, daß man bis auf den Grund seiner grauen Seele sah. Ola mußte seine Tochter sehr lieb haben. Damals glaubte ich natürlich Hjördis viel mehr zu lieben. Heute weiß ich, daß das nicht ganz jo gewesen sein mag. Ich liebte eben, wie alle jungen Menschen — nur die Liebe. Ob wir Schneeschuhe zusammen liefen, ob wir die Zeitung zufammen studierten, die alle drei Tage kam, ob wir uns abends über den Tisch ankachten, immer war Hjördis srisch und bezaubernd, mit den weißblonden Flechten, dem hellen Rosa der Wangen und durchsichtig heller Stirn und Kehle. Ich war brennend verliebt und hatte aus meinen Weltreisen die Ruchlosigkeit des Nomaden mitgebracht, der jeder Konsequenz entflieht. Ich hatte Hjördis bei allem, was ihr heilig war, beschworen, mit mir auf eine einsame Skihütte, drei Tage von hier zu entsliehen. Ich wollte heimlich einen kleinen Vorrat Holz und Lebensrnittel dort hinschasfen, und dann wollten wir dort zwei Tage verbringen, am dritten wollten wir auf Umwegen zurückkehren und von einer langen Irrfahrt im Gebirge sprechen. Hjördis fror bei den sündigen Gedanken bis ins Herz, aber der Frost zerflog an der Glut ihrer ersten Liebe. Sie sagte ja. Aber ich hatte eines nicht berechnet, daß Ola eben ein Wiking war, ein Haugianer dazu, ein doppelter Kauz, halb Krieger, halb Hausprediger, mit feinem flammenden Gesicht in das Halbdunkel seelischer Bezirke gewandt. Er hatte alles heraus. Keinen Plan, keine Hütte, keine Anfahrt wußte er, aber Gefahr und Zeitpunkt des Verrats mußte er wittern, denn fünf Tage vor dem Plan, als ich von einer vierzehntägigen Tour — ich hatte die Vorbereitungen getroffen — zurückkam, fah. er mich jedesmal sehr seltsam an, über den Löffel mit Hafergrütze weg, der im Glutafen feines hellen Gesichts verschwand. Dann sagte er: „Komm, mein Junge, wir wallen einmal über den Gletscher gehen. Vielleicht bekommen wir ein Nordlicht zu sehen. Wir gingen über den Gletscher. Ola, der sehr gut auf Skiern ging, sagte: „Lause voraus, damit wir nicht auseinanderkommen. Halte genau auf jenen Gipfel zu." Wir glitten durch das weite fchräge Weiß des Gletschers. Ein mattes Nordlicht sprang in die Dämmerung. Plötzlich — ich entsinne mich nur eines Gefühls, als stülpte mir einer einen Eimer mit Schnee über den Kops — war ich in einer Gletscherspalte verschwunden. Ich fiel drei Meter tief auf Eis und Schnee, aber meine Bretter fingen den Stoß gut auf. Teufel! Wie konnte Ola fo falsch führen! Wir waren ja längs statt quer mit der Gletscher-Richtung gelaufen! Ich befand mich in einem längsfchmalen Kellergang, Wände und Decke aus Eis, ein matter Schimmer drang durch den Spalt. Jetzt konnte ich Gott danken, daß Ola da war! Sonst wäre ich ein Lebendiger gewesen! „Ola!!!" „Ola!!!" Richtig, da erschien der helle Kops m der Spalte und schrie: „Lustig, was, so mitten im Winter durch den Schnee zu brechen. Du mußt nie in die Richtung laufen, die ein Swann dir weist, dessen Tochter du zu verführen gedenkst. Gestern nacht habe ich ein wenig Schnee hier geschaufelt! Kühle ab, kühle ab. Der Herr wird dir deine Sünden vergeben." Er begann ein frommes Vieö zu fingen. Mir erstarrte das Blut ... War er wahnsinnig geworden? Wollte er mich hier elend erfrieren lassen? Ich schrie hinaus: „Ola, mach keinen Unsinn! Du versündigst dich, wirs mir das Seil zu! -über per lachte da oben und rief: „Bekenne alles. Gestehe, wie du den guten Ola kränken wolltest. Ich werfe dir eine Pfeife Tabak und Streichhölzer hinab, aber, beim Satan, nicht mehr!" Ich empfing die Sendung unö rauchte meine Pfeife an. Setzte mich auf einen Eisblock und überlegte: Weiß er? Weiß er nicht? Wird er wirklich —? Wird er nicht —? Hjördis — mir krampfte es die Kehle zu — sehe ich dich wieder darf ich dich verraten — „Wird's bald. Junge? Ich kriege kalte Fuße und gehe bald nach Haufe!" Da packte mich eine klappernde, erbärmliche Angst und ich brüllte förmlich ein Geständnis nach oben, zum Spalte des Lichtes des Lebens, der Rettung, durch den der rote Kopf hinabschaute — Da kam das Seil. Erft ließ ich die Skier hinauf. Dann enterte ich hoch- Da lachte Ola, wie ich fo klein und erbärmlich im großen Schwung der Landschaft stand. Laut und roh wie ein Aase der Vorzeit! Die Safjrt «ach der Hütte machten wir doch. Ader mit Dia. Von dort nahm ich Abschied. Um zehn Jahre jünger an Bescheidenheit, um zehn Jahre alter an Weisheit. Denn ich hatte den kalten Atem des Zobes meiner frechen Stirne gespürt. Nie werde ich die Neu,ahrsnacht auf der Hütte vergessen, als ich Abschied nahm von der süßen kleinen Hjördis und dem flammenden lachenden Ola. Ein Giern fiel vom Himmel. Roman von Hans Dominik. Copyright 1934 by Koehler & Amelang GmbH., Leipzig (Fortsetzung.) „Hm ... hm ... allerdings sonderbar, Herr Kollege. Was folgern Sie daraus?" „Den einzig möglichen Schluß, Herr Wille, daß der magnetische Südpol, den wir bisher vergeblich suchten, an dieser Stelle liegen muß." „Hm! ... Hm! ... Hm! ..." Wille lag mit dem Oberkörper über der Karte und prüfte die Zeichnung mit der Lupe. „Ich glaube fast, Schmidt, Sie können recht haben ... wenn dort wirklich die neue Lage des Südpols wäre ... ja Schmidt, bann müßten wir ja mit unserer ganzen Station zu der Stelle übersiedeln." Der lange Schmidt nickte bedächtig. „Hin mühten wir zu der Stelle unbedingt. Wir haben ja die motorisierte Station. Was hindert uns, baß wir uns schon morgen ober übermorgen auf ben Weg machen?" „Die Nacht, bie Nacht, Herr Dr. Schmibt! Der einbredjenben Nacht wegen sinb wir ja bas letztemal umgekehrt." „Unnötigerweise nach meiner Meinung, Herr Wille. Sie wissen, daß ich bamals burchaus bagegen war. Wir haben genügenbe Starklicht- lampen, um auch währenb ber Nacht im Freien arbeiten zu können." Wille zuckte bie Achseln. Ich weiß nicht, Herr Schmibt, ob wir nicht besser warten, bis bie Sonne roieber heraufkommt..." „In etwa vier bis fünf Monaten, Herr Wille. Zeit genug, baß auch bie Amerikaner hierherkommen unb uns bie besten Rosinen aus dem Kuchen herausholen." „Die Amerikaner?" Wie kommen Sie auf bie ausgefallene Jbee?" „Einen Augenblick, Herr Wille." Schmibt verließ bas Zimmer und kam gleich banach mit ber amerikanischen Zeitschrift zurück. „Hier können Sie es lesen. Die Dankees liebäugeln stark mit bem Gedanken, im nächsten Frühjahr eine staatlich subventionierte Expebition in bie Antarktis zu schicken." „Teufel ja! Sie haben auch biesmal recht, lieber Schmibt. In der Tat, wir müssen unsere Zeit ausnutzen."-- Als Schmibt enblich bas Zimmer verließ, konstatierte Wille mit einem Blick auf bie Uhr, baß ber .Augenblick" biesmal geschlagene zwei 6 tun- ben gebauert hatte, aber die Zeit war ihm nicht lang geworden. Die Vorbereitungen für die neue Expedition wurden schnell getroffen. Mit einigem Brummen und Knurren nahm Lorenzen davon Kenntnis, daß er wieder allein in der Station Zurückbleiben sollte. Immer noch brummend klapperte er mit der Morsetaste, um ben langen Funkspruch abzusenben, in bem bie Herren Wille unb Schmibt an bie Eggerth- Werke über bie neue Expebition unb beren Ziele berichteten. * „Darf ich Ihnen Eggerth, währenb er bie Sachlage kurz barstellen?" fragte Professor gegenüber Finanzminister Schröter in dessen Arbeitszimmer Platz nahm. „Ich bitte darum, Herr Professor." „Meine Werke Haden die Neubauten für die Pacific-Linie mit allen Kräften beschleunigt. Wir haben zur Zeit acht Stratosphärenschifse der größten und leistungsfähigsten Type fertig und sind dabei, sie einzufliegen. Vertragsgemäß sind diese Schiffe erst im Januar an die Pacisik- Linie abzuliefern. In der Zwischenzeit könnte man mit ihnen alles bequem zu bem Krater schaffen, was bort benötigt wirb. Nach meinem Erachten sollte bas Reich biefe Gelegenheit nicht ungenutzt vorübergehen lassen." Der Minister zögerte eine Weile, bevor er antwortete. „Ihr Vorschlag würbe bebeuten, Herr Professor, baß wir mit den Arbeiten am Krater schon beginnen, bevor bas Reich sich bas Gebiet gesichert hat. Ich barf Ihnen nicht verhehlen, baß bas Kabinett zu einem solchen Vorgehen wenig Neigung zeigt. Sie wissen, daß wir in Rücksicht auf bas Auslanb gezwungen sinb, bas Unternehmen zu tarnen. Nach bem Plan ber Regierung sollen sich bie Dinge solgenbermaßen entwickeln. Das antarktische Reichsinstitut verlegt seine feste Station weiter nach Süben bis auf etwa hunbert Kilometer an ben Krater heran. Dieser Ortswechsel muß auf irgenbeine Weise wissenschaftlich begründet werden, damit das Ausland keinen Verdacht schöpft..." „Verzeihen Sie, das ist unb bleibt ber schwierigste Punkt bei der Sache", warf Professor Eggerth ein. „Die Herren Wille unb Schmidt sind unbestechliche Wissenschaftler. Wenn nicht ein Wunder geschieht, weiß ich nicht, wie wir sie mit ihrer Station an den gewünschten Platz hin- betommen sollen." Der Minister machte eine Handbewegung, als ob er etwas vom Tische schieben wollte. „Fassen Sie die Sache nicht so schwer auf, Herr Professor. Auf 800 Kilometer sind bie Herren schon nach Süden vorgestoßen. Ich habe mir über ihre letzten Arbeiten Bericht erstatten lassen. Besonbers Dr. Wille scheint ganz hübsche Entbeckungen gemacht zu haben, bie ihn wahrscheinlich fthr halb veranlassen werben, noch weiter nach Süben zu gehen. Steht bann bie feste Station an ber gewünschten Stelle unb veröffentlichen bie beiben Herren fleißig neue Entbeckungen, bann kann bas Reich bork ein Gebiet von ... fagen wir einmal 300 Kilometern im Durchmesser in Besitz nehmen. Die Glocke bes Tischtelephons schrillte bazwischen. Der Minister nahm ben Hörer ab^? g^rst bringenb? ... Segen Sie bas Gespräch herher." Er winkte Professor Eggerth heran. „Ein bringenber Anruf für n. .Gerade hier an diesem Punkt ein Berg — ziemlich hoch sogar —' Kopfschüttelnd versank er wieder in Schweigen und kniff die Lippen noch fester zusammen, als plötzlich dicht voraus ein Rotfeuer aufflammte und eine Gestalt daneben den Fahrzeugen Halt winkte. Die Motoren standen still. Dr. Wille stieg aus dem Wagen und lies Hein Eggerth in die Arme, der ihn mit kräftigem Händedruck begrüßte und sofort in ein Gespräch verwickelte. Schmidt blieb ein wenig zurück und schaute sich um. ItVorffcbuna folgt.) MhenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Nummer 94 Montag, den 5. Dezember hrgang 1934 Colour & Grey Control Chart Green Yellow Black z £ t7 S 9 L 8 6 WWWWWW $ an. durch. krzseld, das in tausend Reflexen glänzend dem gleichen schimmernden Sternstoff schien stehen, von dem sie bereits früher Proben hatten. Je weiter sie kamen, desto befrie- rth um sich, obwohl auch ihm bei dem -!osentemperatur der Schweiß aus allen ibel Meint nit bet chhG ‘gilbten hi an. hintcn n. Bis- l hum «t und Men en. Ohr«. ■ Dabei niemals iefc.tin be ich 1 16 17 18 19 20 21 22 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Red Magenta K-z /r, B-rd"" ie W"* ,, I. m n°* aus otarueni „Langsam hissen!" kommandierte Professor Eggerth weiter, während zu der alten Stelle zurückkehrte. Klar brennend kam die Lampe wieder zutage, wurde gelöscht und läufig beiseite gelegt. r v _ Atembare Luft bis zum Kratergrund vorhanden, dre Temperatur t beträgt 38 Grad Celsius", faßte der Professor sein Urteil nach em Blick auf das Meßinstrument zusammen. .Jetzt Ad drei. Wer will als erster den Abstieg riskieren? „Ich!" „Ich!" „Ich!" scholl es ihm dreifach entgegen. Jeder wollte der erste sein, keiner wollte dem andern den Vortritt Eine kurze Weile sah der Professor sich den Streit mit an, dann schied er kurzerhand: „Wir werden losen, dann kann sich keiner be- -chteiligt fühlen." Drei Streichhölzer, die er aus verschiedene Lange orodien hatte, hielt er seinen Mitarbeitern mit den Kopsen hin Sie ssen danach: Hein Eggerth zog das längste Holz und hatte damit iS Anrecht gewonnen, als erster den Abstieg zu machen. Die Vorbereitungen wurden dazu getroffen. .St 10‘ schob sich so dicht den Kraterrand heran, wie es eben möglich wan Eine Winde aus dem Schiffsrumpf eine aus kräftigem Stahldrahtseil geflochtene ..ter heraus und ließ sie in den Krater hmabgleiten. Der Kran fuhr iflt an die Leiter heran. An seinem Ausleger hing letzt "n flark^ inwerfer, dessen Lichtkugel die. Tiefe um die Leiter herum bis zum 0 cm 1 2 WLVOM HIMMEL LANG G. M. B. H., LEIPZIG Wir wouen sagen, uoerieyen", verveperte ihn ver Professor. „3m übrigen steht nichts im Wege, mein lieber Hansen, daß Sie letzt noch einen Punsch brauen und das Versäumte nachholen " Um die siebente Morgenstunde hob der Professor die Tafel aus. In die Kojen, Herrschaften! Wir sind alle übernächtig Erst mal acht" Stunden Schlaf. Dann geht's mit Volldampf nach Deutschland zurück." * Die .City of Baltimore“ auf der Rückreise von Hamburg nach Reu- nark verließ die Reede von Southampton und lies aus Westkurs der Kanalmündung und dem Atlantischen Ozean entgegen. Zu ihren Pa sa- meren gehörte Mr. Haynes Rach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland hegte der Vertreter der Associated Press den Wunsch, wieder einmal die gesegnete Luft der Vereinigten Staaten zu atmen. Unter den Amerikanern, die in Southampton auf das Schiff kamen, hatte er einen alten Bekannten entdeckt, Mr. James Garrison, der m der großen kalifornischen Sternwarte in Pasadena tätig war und von einer englischen Studienreise nach den Staaten zurückkehrte. Rach der Mittagsmahlzeit — sie war so gut und reichlich, wie es auf den großen atlantischen Dampfern üblich ist zog Air. Haynes sich feinen flauschigen Ulster über, um durch einen tüchtigen Spaziergang allen Folgen der üppigen Verpflegung entgegenzuwirken Er beabsichtigte vierzigmal um das Oberdeck herumzumarschieren. Das bedeutete eine Promenade von vier Seemeilen, nach deren Erledigung er getrost dem Supper entgegeujehen konnte. Blue White Cyan Grey 1 I Dann besann der Abstieg. Wie sein Vater es gewünscht hatte, gab f) in währ?nd er Stufe 'um Stufe hinabkletterte, ununterbrochen Eh ks Mikrophon Bericht, bis er endlich m einer Tiefe von 2-0 JRete M festem Grund stand. Etwa eine Viertelstunde hatte die Kraxelei ge b“*SS ist schandbar heiß hier unten", meldete er7 b wiße wie ein Braten, aber sonst ist s ganz g aejjieqen^m aiembar Der Boden besteht, soweit ich sehen kann, aus gediegenem noriegte. zin zuu uoer um Kraterboden gleichmäßig verteilten Stellen sollten Erzproben genommen werden. Im ersten Augenblick erschien die Ausgabe unüberwindlich groß, aber der alte Eggerth hatte sich dafür ein Verfahren zurechtgelegt, das sie wesentlich vereinfachte. Jeder mit einer kräftigen Elektrobohrmaschine ausgerüstet, machten die vier sich an das Werk. Für den Zweck, den der Professor dabei im Auge hatte, genügte es, mit einem halbzölligen Spiralbohrer etwa eine Handbreit in das Erz hineinzubohren und die dabei entstehenden Späne in ein Glasröhrchen zu schütten, dies zu verkorken und mit der entsprechenden von der Planskizze angegebenen Nummer zu versehen. Fünfzig Proben hatte jeder zu nehmen. In vier Stunden war die ganze Arbeit getan, aber es waren doch anstrengende Stunden. Keiner von ihnen hatte einen trockenen Faden mehr am Leibe, als sie in das Schiff kletterten und ,St9‘ wieder nach oben schwebte. „Vor den Kampspreis haben die Götter den Schweiß gesetzt , sagte Berkofs halb lachend, halb seufzend, während er 200 Glasröhren sorgsam in einem Schrank des Mittelraums verwahrte. „Und einen Durst habe ich", stöhnte Hansen, wahrend er, ohne abzusetzen, eine Literflasche Mineralwasser austrank. „Ueber Mangel an Appetit kann ich mich auch nicht beklagen , fugte Hein Eggerth hinzu. „Ich glaube, wir haben seit acht Stunden nicht ' ^',Erst umziehen und dann essen", kommandierte der Professor. „Wir mnlfen uns feinen Pirhniinfen holen " — — im Ausgangspunkt ihrer Wanderung, und mrch das Telephon jetzt auch Berkoff und Leiter kletterten die beiden in die Tiefe, zu der Professor Eggerth eine Planskizze ___ ______ ______ nlnirhmÄCniA nörhifhn dodon . Nicht ict, und Aavitrt oor btt rch. auf dtn :c, Senile Ira- daß btt 5 „Balms Silier aus der Dom MiehtiM -iuhl ju- Matst. hi (Mit : tjerauf- gebunfen e Haften schien ts werden, por, mite, nad)- tgen. A aufe. U jebiffenen die »et- war! - chmierie« es beim öne natf)- nd bafüi i schwW ich sch«, inten u« upfen. ® . tztwaid- chseUe df nieder ® er als ® mit i«* die lall'; an: ,aß es i® ile W te. n, und it bis 3* >üe- 3t \ Sie i*1- ©eibinb11" 5 '.Davon werden wir uns später selber überzeugen. 3m‘ i|: es mir wichtig, daß du ohne Beschwerden atmen kannst uno ony Dhl befindest." „ S3B*rtb die Stimme Hansens aus dem Kopshorer und dann u dvhnen. ,6t 9' schob sich an seiner Hubsthrau h g bQ5 Schiff wie feirts, bis es mitten über dem Kratec stan auf Krater-, em fallendes Blatt allmählich nach unten „s i(t auf [einen b den aufsetzte. Der Professor kletterte heraus uns eure aui , ‘X— w M - M iU'“min Die Scheinwerfer von .61 s fflurben '° Wand Crijttegel über den Kraterboden bis F j ä wanderte Professor torfen. Im Schein dieser mächtigen Lichtquellen wa