ietzeimKmlilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger Freitag, den 29. Zuni Nummer 49 Oie Oorflinde. Von Peter Bauer. Du ragst mit mächtig grünem Hut Als alter Hirt der grauen Häuserherde. Genügsam weiden sie die selbe Erde Jahrein, jahraus und mehren Gut und Blut. Dein Rauschen hütet Tag und Traum. Berlaufen in die Welt ist nicht verloren. Dein Duft bleibt wie die Seelen eingeboren. Gibt keiner fremden Witterung Recht und Raum. Du lebst mit allen Lust und Rot, Sterne und Sonne, Regen, Blitz und Winde. Zum heiligen Ahnenbuch ward deine Rinde' Die krausen Kerben künden Lieb wie Tod. Und immer auferstehst du frisch, So oft sich auch zum Fall die Blätter färben. Dein Schatten spendet noch den späten Erben. Und Segen weht von dir auf Herd und Tisch. „Opfer und Ende." Von Hans Grimm. Zum Gedächtnis des Tages, an dem vor 50 Jahren das erste deutsche Kolomalland erworben wurde, erschien unter dem Titel „Lüderitzland. Sieben Begebenhei- t e n" (Verlag Albert Langen / Georg Müller, München) ein neues Buch von Hans Grimm, in dem der Dichter von „Volk ohne Raum" mit der unvergleichlichen Meisterschaft seiner Sprache und der bannenden Gewalt seiner hohen dichterischen Kunst das stille Heldentum der deutschen Siedler, Soldaten und Kaufleute in Deutschsüdwest erschütternd lebendig werden läßt. Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages bringen wir aus diesem Buche folgenden Ausschnitt zum Abdruck: Kurz vor Einbruch der Nacht fingen die Farbigen an, hinter dem Aiufe herumzuwirtschasten. Die drinnen hatten in der Zwischenzeit die Tire der Wohnstube und die Fenster der Schlafkammer, so gut wie sie tmnten, zugebaut. Sie merkten, daß die kurze Leiter hinten angestellt m.-rbe und daß der Versuch dem Dach gelte. Die festgeschraubten Well- bl chplatten über dem Gebälke der Schlafkammer hielten den ersten ir geschickten Handgriffen und Anfällen stand. Da wurde die Leiter »eitergerückt an die Rückwand der Wohnstube. Der Kaufmann sagte jur grau: „Geh du mit dem Kinde in die Schlafkammer". Er nahm das Mite mit grobem Schrot geladene Gewehr, das er vorher der Frau zigeben hatte. Er stand an der Tür und sah hinauf an der Wand des Simmers, wo Balken und Platten auf der Mauer auflagen. Seine hinde zitterten etwas. Die Ecke oben zwischen Mauer und Dach war idion dunkel. An den Wellblechplatten wurde gerüttelt, sie bewegten sich «ich gleich, die aufgelegten schweren Steine polterten, dann fielen die trten Platten und Steine krachend und staubend in die Stube und zer- Idlugen einen Rohrstuhl. Der Kaufmann hob das Gewehr, er blickte idarf nach der Lücke in der Decke. Er konnte den Schrotschuß bald «igeben. Der Getroffene schrie fürchterlich und stürzte vom Dache, andere ioirben mitgerissen oder sprangen vielleicht herunter, und die Leiter Idilug um. Alles das war drinnen zu hören. Es folgte dann nur noch ein Serien von Steinen rückwärts durch das Loch im Dache, wobei die Serfer nicht ganz nahe stehen konnten. Die Steine zertrümmerten die Ufr und ein paar Bilder, sonst geschah nichts. Dann wurde es still und war es Nacht. Der Kaufmann kam in die Schlafkammer, er sagte: „Man hört keinen m hr. In der Nacht greifen die Herero nie an. Und morgen früh ist Dch die Polizeipatrouille hier fällig. Gott fei Dank! Und auch von Oka- k-ibja werden sie hierher unterwegs fein. So was spricht sich doch sl'urn, als flöge es. — Dem einen Kerl habe ich's aber selber schon bt;ablt." - Er sagte: „Ich muß jetzt etwas schlafen, falls es vor Ankunft der Pl lizei noch zu tun geben sollte." Sie verrammelten die Türe von der Schlafkammer zur Wohnstube. i>i* Frau wundert sich, daß der Mann so schnell einzuschlafen vermöchte unter diesen Umständen. Aber es beruhigte sie auch ein wenig. Als es draußen heller Tag wurde, hatte sie selbst fest geschlafen. Der Mann weckte sie. Des Mannes Gesicht sah im Dämmer der Kammer so verzerrt und zermürbt aus, daß sie vor dem Gesichte zurückschrak und erst, als er seine Worte wiederholte und als sie Rauch roch, die Not selbst erkannte. Der Mann sagte: „Sie haben durch die Rückwand der Wohnstube ein Loch gebrochen. Sie bohren und arbeiten schon lange daran. Ich habe fortwährend zugehört. Sie haben jetzt dürres Streuwerk und Holz und Petroleum geholt und haben es angezündet." Mann und Frau saßen darauf eine Weile auf der Bettkante. Sie hatten das schlafende Kind zwischen sich gerückt. Sie versuchten beide zu horchen, ob die Patrouille der Polizei käme ober ob Hilfe käme von Okahandja ober ob sonst etwas geschähe, das die Lage ändere. Sie glaubten es noch, als schon die Zwlschentüre schwelte und das Löschen der schwelenden Stelle ihnen noch gelang. Sie glaubten noch, daß Hilfe kommen würde, bis auf einmal der Rauch und das Feuer zu stark geworden waren und das Kind weinte und nach Luft jappte. Da machten sie ein Fenster der Schlafkammer frei. Zu sehen war niemand, es wurde auch nicht gleich geschossen. Der Kaufmann rief: „Paulus, Paulus, ich habe euch niemals etwas getan. Ich war gut zu jedem von euch. Das habt ihr mir selbst bestätigt. Wollt ihr jetzt die Frau und das Kind verbrennen?" Er bekam Antwort von rückwärts. Die Antwort lautete fast wie am vorhergehenden Nachmittage: „Wenn die Frau das Kind mit dem Hereronamen herausbringt und zu uns kommt, bann wirb bem Kinbe unb ber Frau auch jetzt nichts geschehen." Die Antwort bekam aber noch einen Zusatz. Der Zusatz lautete: „Der Kaufmann soll, wenn bie Frau unb bas Kinb heraus finb, am Fenster stehen bleiben!" Vielleicht verstand der Mann allein die ganze Bedeutung der Antwort. Er- sagte: „Wir müssen sofort heraus, ehe noch ein Kerl, der nichts weiß, uns steht und denkt, er könne herschießen. Ich gehe zuerst aus bem Fenster, bann reichst bu mir bas Kinb unb mein Gewehr, bann kletterst bu rasch hinaus, dann läufst du mit bem Kinbe zu Paulus' Hütte; in ber Zeit verhanble ich mit ihnen." Er zog, währenb er sprach, einen Schemel ans Fenster, bamit sie es leichter hätte Er stieg aus bem Fenster, er empfing bas Kind unb bas Gewehr, sie stieg nach unb nahm bas Kinb. Gerabe in biesern Augenblick wurden von jenseits des Flusses ein paar "Schüsse auf das Fenster abgegeben. Die Frau erhielt einen Streifschuß an der Stirn. Sie rief im Laufen mit dem Kinde: „Einen Schuß habe ich weg". Sie meinte zu hören, daß ihr Mann hintereinander zwei Schüsse obgebe. Sie bekam im Flußbette noch einen Schuß in die Schulter und das Blut begann ihr über die Brust zu laufen. Nach der zweiten Verwundung hörte sie kein Schießen mehr, sie gelangte auch unaufgehalten zu den Hütten des Großmannes und Evangelisten Paulus. Das Kind war heil und meinte nicht. Sie verlangte von einem Weibe aus den Hütten zu trinken, sie verband sich bie Schulter mit ihrem Hembe, davon sie ein Stück abriß. Dann kam Paulus. Der Großmann sagte: „Warum seid ihr nicht früher herausgekommen? Wir haben dich schon gestern gerufen. Nun ist das meiste verbrannt, bas wir hätten brauchen können. Es mtrb bir unb dem Kinbe bennoch nichts geschehen, weil bie Deutschen auch mit ben Frauen nie Krieg führen." Sie hörte anbere reben, nicht bie Frau, nur bas Kinb bürfe leben bleiben. Aber Paulus wieberholte: „Es wird dir dennoch nichts geschehen, du kannst dich jetzt ausruhen in einer von meinen Hütten mit deinem Kinde, bis bu ben Weg zum Missionar machen kannst in Dtjituefu". Die Frau hörte stumpf zu, sie hielt nur bas Kinb sehr fest, sie sah auch ohne neuen Schrecken jenseits bes Flusses ihr Haus und den Laden lichterloh brennen, sie sah auch einen Herero mit ihres Mannes Gewehr und einen mit ihres Mannes gewohntem Hute und einen mit ihres Mannes gewohntem Rocke. Sie sah sonst nichts mehr von ihm; auch von Gefangenen aus der Werft war später nichts über ihn zu erfahren. — Dem Kaufmann selbst ist also geschehen wie vielen Deutschen, deren Leib auf schwere Weise eins geworden ist mit der harten, heißen Erde von Südwest. Er war gleich den meisten seiner Landsleute weder ein Negerausbeuter, noch ein Gewaltmensch, noch ein Eroberer, noch ein kühner Abenteurer, sondern ein fleißiger Kleinbürger, der einen etwas rascheren Aufstieg suchte, als die alte Heimat ihm zu bieten vermochte. Er wurde wie die andern auf feinem neuen Wege bei Sonne und größerer Freiheit immer näher an das Schicksal gerückt, er stand ihm eines Tages plötzlich einsam gegenüber, ganz erbarmungslos Auge in Auge; und dann zeigte sich freilich vor dem Unabwendbaren auch bei ihm ein Stück Heldentum. ans mit (Jedoch von Diesmal erzählte ich den Traum meinen Gastgebern Sie fragten, ob ich das junge Mädchen wiedererkennen wurde. Ich bejahte. Da führten sie mich zur Probe durch zwei Fremdenzimmer, d'e >ch noch nicht betreten. Im zweiten bezeichnete ich ein Pastell an der Wand als das Bild der Traumerschienenen, der von irgendeiner Trauer Umwitterten. Meine Freunde sahen sich verdutzt an. „Ach ,a , MEten sie, „da ist wohl mal eine Wolke übers Haus gegangen. Das Bild stellte die Urarohmutter des jetzigen Besitzers dar. Sie war, in jungen Dohren verwaist, Besitzerin des Schlösschens geworden. An ihr Madchenbild hatte sich in der Familie die gedunkelte Ueberlreserung von emem verwundeten russischen Fürsten geknüpft, der im Schlößchen wahrend der napoleonischen Kriege eine Zeitlang gepflegt worden ei. Etwas Weiteres wußte man nicht. Die Geschichte von der geschenkten Dose wurde ins Reich der spielenden Phantasie verwiesen. Da ich aber bei meinem Traumgesicht blieb, das Mädchen habe die Dose angenommen und in meinem Sekretär verschlossen, so ging schließlich die ganze Gesellschaft hinüber, und man durchstöberte das Möbel. Zum allgemeinen Erstaunen sanden unsere tastenden, klapsenden, spurenden Hände tatsächlich in der Rückwand des Sekretärs, kunstvoll und ganz versteckt eingefügt, ein kleines Geheimfach. In ein morsches Stuck blauer Seide fest eingewickelt, entdeckten wir eine schwere goldene Dose. Sie zeigte das Bild einer schönen Frau mit gepuderten Haaren, roten Wangen und rotem Mund, rings von Brillanten und Rubinen umgeben. In der Dose lag eine Locke braunen Haares, darunter em Zettelchen, zierlich beschrieben, mit den vergilbten Worten: Von ihm. Nichts sonst. Wir standen zunächst wie in der Tür zu einem dämmergefullten Gemach. Aber nach dem Fund der Dose, in der ich die im •Traume Gesehene zu erkennen sicher war, mochten wir nicht zweifeln, daß sich hier im Zimmer einst wirklich ein Abschied, wie der traumerblidte. ereignet *,ab$on den Gefühlen der Urgroßmutter für den fremden vornehmen Offizier wußte niemand in der Familie etwas. Sie war kurz nach der Oer Reisebecher. Von Conrad Ferdinand Meyer Gestern fand ich, räumend eines langvergesf'nen Schrankes Fächer, Den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher. Währenddes ich, leise singend, reinigt’ ihn vom Staub der Jahre, War’s als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare, War's als dufteten die Matten, drein ich fchlummernd lag verfunken, War's, als rauschten alle Quelle, draus ich wandernd einst getrunken. Zn der Halle des Bergkönigs. Erlebnis eines Salzbergwerks. Von Hans Tröbst. Slanic ist das größte Salzbergwerk Rumäniens, das in Europa kein Gegenstück hat. Allerdings wenn man Morgens im Fruhlingssonnen- fchein an der Endstation der Ploesti-Stichbahn aus dem Zuge Rettert und nach wenigen Schritten vor einem niedrigem, unscheinbaren Ge- bäude mit der Aufschrift „Saline" landet, dann ist man zunächst enttäuscht: Nichts was auf etwas Außergewöhnliches schließen ließe. Em paar Schuppen, davor ein paar parkierende Panjewagen, deren Lenker schnarchend unter den Fahrzeugen liegen und sich von der °llgut'Sen Sonne ein Loch in den Bauch brennen lassen, irgendwo cm Stichgle s mit einem halben Dutzend Eisenbahnwagen, in denen pelzbemutzte Männer mit weltmännischer Ruhe grünlich schillernde Gramtblocke ein- stapeln ... das ist äußerlich alles. Gegenüber dem Verwaltungsgebäude ein kleines unscheinbares Maschinenhaus, wo ein schnurrender Motor den Forderkorb bedient. Man steigt ein, Klingelzeichen, und ab in sausender Fahrt in die nachtschwarze, f ihlP Tiefe- 50 Meter — 75 — 100 — 120 Meter ... immer noch kein Ende, immer noch keine Hand vor den Augen zu sehem Endlich! Em leichter Ruck ... der Korb steht! Eine Tür fliegt auf: Magneftumhelle -einen Augenblick stockt der Atem und man bleibt --"gewurzelt stthen wie damals, als man noch klein war und zum ersten Mäle das Meer fah Und mit rasender Geschwindigkeit nimmt das Chaos der heran stürmenden Eindrücke, sich jagender und überschlagender Gedanken und Einfälle Form und Gestalt an und mit einem Schlage steht sie da. die Halle des Bergkönigs", die Burg der unterirdlfchen Gotter! Wie soll man dies Wunder, das urplötzlich hier unten im tiefsten Erdenschoß Wirklichkeit wird, „beschreiben", um zunächst überhaupt erst einmal so etwas wie eine Ahnung ober Vorstellung dieser unterirdischen Gigantik zu ermöglichen? Man kann es nur, wenn man sich der blut losen Sprache der Mathematiker und der eiskalten Formeln des Ingenieurs bedient, ... alles andere läßt sich nur erfühlen und erleben. * Also- Man" nehme den Kölner Dom und stülpe darüber zunächst ein glockenförmiges Gebilde aus Milchglas von gleicher Höhe und einer unteren Breite von 70 bis 100 Metern. Um diese gläserne Glocke stelle man im Umkreis von einem Kilometer die Turme des Straßburger Münsters, des Ulmer Doms und ein paar profane Hochbauten auf. Funktürme, Wolkenkratzer und ähnliche Ungeheuer und stülpe uberjeoe dieser Mammutbauten ebenfalls eine Milchglas-Kuppel, aber m tform Don Riefenflaschen, symmetrischen Birnen, Halbkugeln oder trapezförmigen Kisten und dann entfernte man die Dome, Munster und Turme und verbinde all diese gigantischen, gläsernen, schillernden, sch-mmernden und fluoreszierenden Hohlräume unter- und miteinander durch lange 8 Meter breite Gänge, deren 80 Meier hohe, glattpolierte Seitenroanbe (entrecht abfallen, hänge überall in verschiedenen Höhenlagen elektry-ye Lampen auf ... dann hat man ein rohes Bild des Salzbergwerks Slanic, dessen mystische Phantastik auch den nüchternsten Alltagsmensch-n aufwühlen wird bis in die tiefste Tiefe. * Die Abbau-Technik, die dies unterirdische Konglomerat von gewaltigen Hallen, Kuppeln, Gängen und Korridoren geschaffen hat, ist denkbar einfach Man hat lediglich das riesige Salzmafsiv von Slanic bas eine Fläche von vielen Quabrattilometern in einer Dicke von über einem Kilometer bebeckt, mit senkrechten Schächten von 4 Metern im Quabra „angebohrt" unb biefe „Eingänge" bann nach etwa 10 Metern glorfcns Hirnen- ober flaschenförmig ausgebuchtet und vertieft, ohne baß biefer Vertiefung aber irgenbwelche Grenzen gezogen wären. Denn solange der Parabel-Querschnitt bieser Gedilbe nicht „unterschnitten oder „über schnitten" wirb, ist Weber theoretisch noch praktisch bte Möglichkeit eines Eewölbeeinsturzes gegeben. Jnsolgebessen finbet man in diesem Ve 9 Ms Gast auf einem Landgut in Sachsen, nicht allzu weit von Leivzia. träumte mir einmal bas Folgende: . o ... Tch fah ein Zimmer, es schien bas meine, von einer Lampe über bern runben Sofatisch matt erleuchtet. Im Sofa, halb umspieltvom ge- dömvften Lichtschein/ sah ein sehr junges Mädchen, sehr fd)lant, fe^r ,, .bi . Tiirh ihr aeacnüber ein junger Mann in altmodischer UnSorm AfmÄnSm Än Schnurrbart, Sie beachteten mich nicht Ich ftanb an ber Eingangstür unb war, wie bas so im Traum geht' gar nicht erstaunt, bie beiben zu sehen unb in em fre^aufbanv mernbes Leben zu blicken. Der Offizier zog aus der Tasche seines dunkelgrünen Uniformrockes mit der Linken — die Rechte trug er in einer fBinbe — eine golbene Dose unb reichte sie bem jungen über ben Tisch hin es möge sie als Erinnerung an ihn unb zum Dank für bie frcunbliche'Pflege annehmen, aber gut verwahren, beim unter ben Soldaten sei auch manches Gesindel, unb Diebstahl häufig. Im Schein ber Lampe sah ich, bah ein TOiniaturbilb bie Dose zierte, von einem Kranz blitzenber Steine umgeben. Das Mabchen.schaute un- oerroanbt mit schmerzlicher Sehnsucht, auf ben Offizier, hielt b.e g^ falteten Hänbe auf ber Tischplatte, öffnete fte nur jogernb unb nahm erst nach anfänglichem Sträuben bie kostbare Dose an. Dann aber hauchte fie einen Kuh barauf, erhob sich, trat an bas Mahagomburo, bas gleiche, bas noch bamals in jener Traumnacht mein Zimmer schmückte, zog in ber Tiefe urnftänbüd) ein Fach heraus, wickelte die Dose m ein Siiickchen blau7n Stoffe- schob sie ins Fach unb verschloß ben Sekretär wieber. Mittlerweile hatte sich auch ber frembe Offizier erhoben. Selbe ftan- ben sich einige Sekunben gegenüber, bann warf sie mit einmal roortlos bie Hänbe auf bie Schultern unb barg auss-hluchzenb bas An tttz an feiner Brust. Er aber bog sich herab, umschlang ihre zarte Gestalt und küßte stürmisch ihre Sippen. Plötzlich jeboch riß er sich sah los, wies nach einer Uhr auf ber Kommobe, stülpte eine Fellmütze auf, ergriff feinen Säbel unb stürmte hinaus. Die Kleine sank in sich zusammen, bann nh sie sich empor, lief Fxnster unb ich sehe sie noch heute im Hellen Rahmen lehnen unb einem Taschentuch adwechselnb winken unb sich bte Augen trocknen. Allmählich oerbärnmerte ber Traum ober ging m em anberes sicht über, bas sich meinem Gebächtnis nicht einpragte. So lebhaft unb beutlich bie Szene gewesen war, so beachtete ich bas Ganze nicht weiter, auch erschien es mir nicht wunberlich, bah den traumgesehenen Möbeln ber Mahagomsekretar noch immer an ber maerftaunlnhmabec etwa acht Tage später erlebte ich nachts traumenb ben Ab schieb ber beiben noch einmal, als hafte das Geschehen an jenem Raum nur dah mir jetzt das fremdländische Deutsch des jungen Offiziers und bas feine Profil mit ben blonben Löckchen bes Geistchens im wehen Oie goldene Oose. von Georg v. b. Gabelentz ' Unterm gelben Lampenschirm sprachen wir wieber einmal über bas buntle Gebiet bes Traumes, wie bann em zweites Ich sich von uns loslöst unb burch Zeiten unb Räume irrt, um ein ganz heiteres, oft abenteuerliches unb fchreckgequaltes ober gar wilbphantafti- ^^^blreicki^feien^bie Versuche, Werben unb Verlauf bie,es Traum- dasems zu^beuten, feine Beziehungen zum Licht und Leben des Tages, ,.lrn Melen des Träumenden zu erklären, wohl auch Bilder ber B kunft ober eines Geschehens in räumlicher Ferne in ihm zu erkennen. Da rütfte bie Witwe bes Justizrats ihren Stuhl etwas naher ans Licht fo bah ber Schein ber Lampe ihr kluges Gesicht erhellte. erlebte ba einmal", griff sie den Faden auf, „einen wunderlichen Traum den ich vielleicht um deswillen kurz zum besten geben bar , weil er ein Beispiel höchst mertroürbigen Verknupftseins mtt bem langst Vergangenen mr unb bod) freunblich, ja hilfreich m unser Leben heute Verhelraiung mit einem Herrn bes Landes gestorben und hatte chr Geheimnis bie Erinnerung an bie vielleicht einzige wahre Liede ihres M.in b.« w »««. Schulden zu tragen. Sie muhten sich leiber zum Verkaufe der spat ge erbten Dost entschlichen, und ein großer Berliner Antiquar zahlte ihnen eine bedeutende Summe. So keimte aus bem guten Samen, ben bte verliebte Urahne, sicher undewuht, streute, noch nach hunbert Jahren em-Dramen 'bes^ruifiidjen Fürsten haben wir "'ü)t erfahren tonnen Da er nach bem Schlößchen unb zu ber.blonden Meinen mcht zurück kehrte ist er wohl halb banach in irgenbeiner Schlacht gefallen fDlan behauptet, ich besitze mediale Veranlagung und will damit Merkwürdiges erklären, das ich erlebte Ich we,h nicht, man red)t hat Ich mag mich auch mit solch dunklen Dingen nicht abgebem Doch aibt es zuweilen Minuten, in denen man erkennt, wie vor dem Ewigen dös Heute Morgen oder' Gestern nichts anderes sind, als Teile e.nes Ringes, der nicht Anfang noch Ende hat. Katarina kann sich nicht entscheiden. Roman von Viktor vonKohlenegg. Copyright 1982 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. (Fortsetzung.) „Ein hübscher Spatz!" sagte Frau Gugernell und machte noch ein paar genießende Drehungen, wie eine Plötzlich ermüdete gnädige Spenderin. Dago seufzte, als es aus war. Sie war eine andere, wenn sie tanzte —: Santa Katarina. Er legte, rasch und verstohlen, eine Tangoplatte auf. „Kommen Sie, Dagobert! Das mutz anders getanzt werden! „Sehr gut!" sagte der begeistert und umfing sie andächtig, Duft und Wärme und Spinnwcbgewand. O Himmel und Hölle und Barby Pick! „Müssen wir nicht noch ein bitzchen malen, Dago? fragte sie plötzlich reumütig. „Um halb zwei mutz ich--" „Ich fasse nie im Leben wieder einen Pinsel an!" schwur et, prophetisch wilden Geistes. Sie hob die Brauen. Sie schmiegte sich, einer Teppichfalte wegen, fester an ihn, was seine Männlichkeit und Hilfsbereitschaft entzündete. „ . ,,, Man sollte sie — sollte sie Louis einfach wegschnappen! Ein blitzhafter Gedanke seines lebensbejahenden Herzens. Aber König Louis würde schon diese Situation höllisch übel vermerken... Von mir aus! dachte Dagobert herzlich. „Sie sind ein leibhaftiges Wunder. Katarina — gnädige Frau!" „Aber, Dago, das ist verboten!" Das Grammophon heulte jämmerlich. Kein guter Geiste da —? „Wir stören?" fragte Diez, der mit einemmal mitten im Ate- IiCUnbUnc6cn ihm standen Till und ihre Freundin Barby Pick, bescheiden und mädchenhaft errötend und beide, wie es Dagobert schien, Hönisch feixend: besonders Till. Diez hatte aufgeschlossen und war mit ihnen hereinspaziert — ein Komplott. Sie waren gemeinsam beizeiten aus der „Vegumag ansgebrochen: heute war Samstag, und Barby Pick hatte ihrem Geheimrat in der Universität assistiert. „Wir stören?" säuselte Diez. „Natürlich: Ihr tut den ganzen Tag nichts ... Tag, Barby! Furchtbar nett und reizend! Tag, Till! Wo kommt ihr kleinen Mädchen her? Schule schon ans? Diez, verdammter Lümmel! — Fräulein Pick, alte Freundin von Till", stellte er vor. „Muntres, tüchtiges Mädchen... Ich erzählte der gnädigen Frau schon: zeichnet sonst Biologie und Botanik in Dahlem, meist mit einem langen Mikroskoprohr im Auge. Man sieht es ihr nicht an." Mädchenknickse/.. In die Knie, in die Knie! pochte Dtezens Herz, indes er witzig und gepflegt redete und das Grammophon aufs neue Seele und Leib beschwingte. Dagobert stand vor dem langen braunen Mädchen mit der schneeklaren Haut. „Freue mich riesig, Baby! So geht es nicht immer hier zu", erklärte er. Das „reizende Braun der Augen und des Haars", wie Goethe von Lili gesagt hatte... Dagobert war seit längerer Zeit entschlossen, die Stelle bei Goethe nachzulesen: Diez hatte sie einmal zitiert. Aber mitten in Musik, Tanz und Unterhaltung klang plötzlich eine neue Stimme: ein zarter, merkwürdig scharfer Bariton. Es war offenbar wieder ein Gast in Wochenendstimmung, und es war diesmal Herr Nikodem von Glod, der Vanderlip-Vetter. Er stand ebenfalls plötzlich da und sah in dem klaren Licht hier oben noch blasser und schlanker aus. Er verbeugte sich prinzlich und zeigte seine gewaltsam brennenden Augen. Frau Schmadebach, die ihn eingelassen hatte, wackelte, wie eine fette Haremsmutter, nach dem Takt mit den Hüften. Würdest du die Güte haben, mich vorzustellen, Katarina? Er war es gewohnt, die Leute seines Interesses nach Lust und Laune aufzusuchen: wünschte, einen Blick auf das Bild zu tun. „Moment!" sprach Dagobert Kolosial nett von Ihnen Herr von Glod! Kenne Sie aus begeisterten Schilderungen... Wir sind im Augenblick mit anderen Dingen beschäftigt, wie Sie sehen. Legen Sie ein bitzchen ab und bedienen Sie sich! Er reichte seinen ^Vorsicht, lieber Doktor!" flüsterte Katarina, die jetzt mit Diez tanzte, warm an seinem Ohr und vermied die bemühte Teppich- Der erschauerte, starrte auf ihren nahen roten Mund, der ein Stückchen höher atmete als der seine, was ihm eine Art Schwindel verursachte und allen kühl-sachlichen Sinn und Lebens pott endgültig aus den Beinen trieb. Wie war das gemeint? fragte er sich'wie jeder richtige unzurechnungsfähige Mann, und wußte im nächsten Augenblick, datz er morgen früh halb acht mit einer fcrti- gen wahnsinnigen Leidenschaft aufstehn würde. Till, die ihre Lebenslage ein bitzchen eintönig fand, faßte, da im Augenblick nichts anderes vorlag, Herrn Nikodem von Glod in ihrer Nähe schärfer ins Auge, der ebenfalls den Tanzenden, besonders Diez und Katarina, stumm und aufmerksam nachsah. Kein Mensch vom Dntzend, wie cs schien, und sein Haarpelz war eine blanke Sehenswürdigkeit. Nun blitzte sein dunkler Blick zur heftig blonden Till hiw „Famos, gnädiges Fräulein! Ich glaube, wir verständigen unL C‘nerCfcf)iItt in vollendetem Rhythmus, und Till war ein Mädchen und Weib, lind und völlig entKachelt. werk freitragende Kuppeln, die „auf Erden" auch der genialste Baumeister nicht hätte Herstellen können und deren Größe sich zu denen der „Hagia Sofia" oder der Peterskirche wie ein Riesenluftballon zu einem Fingerhut verhalten. Nicht einmal die Scheitelpunkte dieser ungeheuren Gewölbe vermag das Auge zu erkennen, weil die in 20 Meter Höbe aufgehängten oielhundertkerzigen Bogenlampen nicht ausreichen, um die tiefe Nacht zu durchdringen, die über ihnen schwebt. Aber immer noch wühlen sich Hunderte von „Erdmännchen" und „Gnomen" immer tiefer und tiefer mit Spitzhacke und Fäustel ins glitzernde Mark der Erde und nur zögernd wagt man vorwärts zu schreiten in dieser unterirdischen Unendlichkeit, in der man dem Weltgeist näher ist als sonst und in der die Mystik des Hählenkults des Urmenschen geistert Die als Ackerbauer ihre Kultstätten und Heiligtümer in die Tiefe der nahrung- spendenden Erde verlegten, um jener geheimnisvollen Kraft nahe zu ein, die dort in dunkler Nacht, im Schoße der Allmutter all das entstehen und werden ließ, was den Oberirdischen das Leben erst ermöglichte. Denen schließlich die „Dunkelheit" zum Symbol der Gottheit selber wurde, die sie anbetend in den Höhlen verehrten. Wie Kybele, die schwarze Göttin und Pan, den Gott der Hirten und Bauern, auch staratustra und die Heiligen der Legenden, selbst Christus in der „Grotte" von Bethlehem — sie alle stehen in irgendwelchen geheimnisvollen Beziehungen zur „Höhle" als dem Symbol des Mutterschoßes , in dem sich das größte Wunder der Natur vollzieht. * Jeder, der mit offenen Augen eine wirkliche Höhle durchwandert, mag sie nun „natürlich" oder von Menschenhänden geschossen sein, wird sie ganz zwangsläufig mit „mythologischen" Augen ansehn und sie mit den Geistern und Gestalten seiner Phantasie, seines Unterbewußtsems bevölkern. Wie in SJanic, wo der Wanderer von der Fülle der gewaltigen, unerhörten Bilder und Eindrücke säst erdrückt wird. * Irgendwo wird das Salz z. B treppenartig abgebaut, aber diese unendlich langen und breiten Treppenstufen haben die Hohe eines Hauses und man glaubt am Fuße einer Pyramide zu stehen, Deren Spitze sich in der tiefschwarzen ägyptischen Nacht verliert. Man biegt um eine Ecke und steht vor einem trapezartig gebauten, schmalen Tor, das vielleicht 50 Meter vom Scheitel bis zur Sohle mißt und das geradeaus in die Grabkammer eines Pharaonen zu fuhren scheint. Wieder eine Biegung, und eine halbkugelförmige Nische tut sich auf, in die man mit Leichtigkeit das Bismarck-Denkmal von Hamburg stellen könnte Oder einen geisterhaft lächelnden Buddha, der verächtlich herabblickt auf die menschlichen Käser zu seinen Füßen. Ueberall kriechen diese Käferchen herum: sie wühlen wie emsige Termiten als schwarze Pünktchen tief unten in den Marskanälen, kleben wie Fliegen an berluanD eines weihen Saales oder huschen lautlos in schwindelnder Hohe über die hölzernen Galerien und Verbindungstreppen Beklemmend das Ausmaß dieser unheimlichen Raume, von denen ein eigenartiges faszinierendes Fluidum ausgeht — am hebften griffe man selber in dem durchbohrenden Gefühl ein Nichts zu fein, jur Axt, um sich vor der erdrückenden Last der Weite m die engste Tiefe zu ver ^^Da"'plötzlich! Irgendwo ein ferner, langgezogener Ruf — klagend, als sei es der große Pan selber. „Zurüüüüüuuk! Suuuuuuu—ruuuuuutl Auf lammt der Blitz, nach allen Seiten slüchten d.e Ame, en, und donnernd hallt der Sprengschlag durch dos Labyrinth der Hallen und Dorne bricht sich hundertjältig an den Mauern und Wanden und rollt ab wie grollender Donner des unterirdischen Gottes, der an den Grundsesten der Erde rüttelt. Wie schäumender Gischt steigen Fontänen schneeweißen, salzigen Staubes auf, fallen in sich zusammen, schießen funkelnd wieder empor, brechen und Überschlagen sich wie Springbrunnen des Barock. Und in der Wand des weißen Staubes leuchten schwer und trübe die im feuchten Tagesnebel fahlen gelben Sonnen scheiben. der elektrischen Hängelampen. Und in diesem Nebel wird letzt die ganze Geisterwelt der Höhle lebendig: vorsintflutliche Riesenka er kriechen darin herum, die sich mit messerscharsen Zähnen in d'° Se, enwande hme.n- fressen, mächtige Schildkröten mit glitzernden Salzblocken aus Dem Rücken watscheln in langen Reihen vorüber fummenbe Hornissen bohren roütenb ihren Stachel in bie Mauern unb Treppen unb Zwischen all Diesen Ungeheuern Der Technik springen unD huschen Die Lemuren herum ober gespenstern lautlos wie Filmsilhouetten über Treppen, Galerien unb sreisthwebenbe Brücken in schwinbelnber Hohe unb werben verschluckt vom nachtschwarzen Raum. Plötzlich erlöschen — Zufall ober Absicht?? — fdj(agarhg Die eich irilchen^Lampen, wie fterbenbe Saurier beginnen d'e Bohrhammer zu röcheln, mit mihtönenDem Schrei verstummen Die krächzenden Schnei e- maschinen, und zum Geslüster sinken D.e SUmmen der Mechchen h nab, verstummen unD nur der Widerhall ihrer letzten Worte schwirrt lautlos und Doch roieDer hörbar wie FleDermausgeslatter nn Raum. Leiserwer DenD ... noch leiser ... ganz leise - immer hoher hinauf . m-Nchts. Nur ganz oben, irgendwo, irrt wie em blindes Insekt, das von einer Glasscheibe zur andern taumelt unb bas immer roteber Zuruckgestoßen wirb, ein Echo herum, als suche es einen Ausweg. Unb bann wirb es ftlllUnb ganz dunkel. Immer noch bunkler, unvctstellbar dunkel So dunkel, daß diese von der Materie eingefangene unb -inge chlosiene Dunkelheit urplötzlich zum körperlichen, greifbaren, belebten Wesen wirb — zum brohenben Naturgott! * So muß es gewesen sein, als sich zum ersten Male ber Ur-Mensch in bie erste Höhle wagte, sich in ber Uesen Nacht verirrte unb sinnlos vor Angst, gehetzt unb gejagt vom Widerhall seiner eigenen Schritte und Stimme den rettenden Ausgang roieberfanb. Das war ber Tag, an Dem bie Mythe, bie Sage geboren wurde ... liebe gnädige Frau, außer- die junge Bande da!" ihren Onko scharf'im Auge und freundlich zu, wie ein und streckte auch ihm die starke Hand hin. Der erwachte. Hinter dem-brennenden Glanz der Augen glomm ein böser Schimmer auf, der den schwarzen Haarpelz mit der Dreieckspitze in der weißen, schönen Stirn noch knabenhafter wirken ließ. Er verneigte sich prinzlich. „Sehr erfreut, Herr Professor! Wir wollten alle das Bild besehen und bekamen Leben geschenkt!" Till und Barby machten Gesichter wie feiner, fremder Besuch. Louis HMrlbrink warf keinen Blick auf das Bild. VII. „Ich habe leider wenig Zeit, lieber Junge", sagte der Professor zu seinem Neffen Dagobert. „Muß in eine wissenschaftliche Sitzung. Also: Was ist los?" „Ich ivollte dir mitteilen, daß das Porträt von Frau Guger- nell fertig ist. Ich möchte dich bitten, Onkel Louis, es dir einmal anzusehen. Würde mich riesig freuen." „Du willst es mir andrehen, alter Sohn? Mußt du der gnädigen Frau nicht das Bild verehren?" ,Sic ist großmütig einverstanden, daß ich dariiber verfüge. Kein rechter Platz bei Pfefferkorns dafür, und ich bin kein wohlhabender Mann. Ich werde ihr ein kleines Pastellbilü machen..." Louis räusperte sich, ungnädig über die Absicht. „Ich kann es leider nicht brauchen. Habe bloß alte und ältere Bilder." „Was sich jederzeit ändern ließe", warf Dagobert zart ein. „Ich müßte oder könnte das Bild auch dir verehren, aber dem stünde wieder Frau Gugernells größeres Recht im Weg. Etwas verzwickte und heikle Situation ... Und man muß doch was verdienen." Dagobert zwinkerte bescheiden. Gut gesagt! dachte er. Onkel Louis hustete eine Weile locker; es klang wie ein Lachen. „Ich fürchte, sie wird etwas merkwürdig aussehen, deine Dame Gugernell... Kann mir nicht Helsen, Dag! Achnlich so, wie Till «den im Korridor zu ihrer Himmelsbude. .Einen Tag vor der hatte. Er nickte den Herrschaften kurz .... . . jovialer hoher Herr, der nicht gewöhnt und willens ist, viel Umstünde zu machen. Das mutz anders werden! beschloß er im nächsten Augenblick. Die jungen Leute hatten mit dieser schwierigen und ernsten Sache nicht das mindeste zu tun. Das muß alles ganz anders werden! entschied er. „Herr von Gloö?" fragte er gnädig Neuer Damenwechsel. „Na, Till, du scheues, kleines Wesen — ttU auch mal los mit uns zwei beiden!" enkschted Diez nach einer ^^Was^Till keineswegs kränkte. Sie ruhte angenehm weich und warm in seinen Armen. „Hüte dich vorn, Onko'/ jagte ste bloß. ''Unzweifelhaft ein Katarina-Komplex — ein tragischer Tiefenkomplex, in dem sich der Urmensch an dem geistigen Europäer rächt. Ich las einmal über die Liebe bei den Somalinegern ... 1 Da^am NUcchem Glod, schmal und herrisch, zu Katarina. „Ihr amüsiert euch", sagte Rikodem, „und Seine geschätzte Herrlichkeit Louis ist einverstanden?" , , „Ich gestatte dir nicht mehr, so zu sprechen! Du weißt es wünsche so etwas nicht zu hören!" antwortete sie ruhig. „Was ist bist 'niemals, so schön gewesen, Katarina, wie diesmal. ,/5ei kein^ Narr''Niko! Dich lockt immer nur das Geheimnis. Alles zuviel und nichts genug ...Armer Niko!" „So mutz es sein. Es läht sich manchmal gute Mustk daraus machen." „Ich möchte nicht mehr tanzen." Meister Dagobert aber, der die guten Stunden des Lebens liebte,' hatte jene erste Platte wieder aufgelegt, auf der ein melodisch rumvelnder Vauerntanz eingekratzt war. Nun ging er, Barby und Till am Arm, zu Katarina und streichelte ihre Hand. Sie gab jedem einen Klaps auf die Backe, so gut wie einen Kuß. Aber dann schwebte und wackelte sie doch noch einmal den anmutigen „Kreisel"; stützte, nie Spielverderberin, die schönen, schmucklosen Hände über den Hüften ein und floß, komrsch wackelnd und beherrscht weich, dahin... , Im Hintergrund des luftigen Raums stand schon eine Toeile ein großer Herr im Cut. Er trug eine weiße Blume im Knopfloch, gelben, blitzenden Stock, weiße Gamaschen, hielt einen keck geschwungenen steifen Hut in der Hand und leuchtete, wie König Salomo am Sabbat. Er verfolgte statuarisch jede Bewegung der Tanzenden und schien nichts von den anderen Bewunderern zu Hinrichtung', sagt Till. Nimm's nicht übel, mein guter Dagobert! Auch ich kann nicht aus meiner Pelle. Also — ich mutz in meine Sitzung, mein Junge. Entschuldige mich! Sonst noch was? Dagobert klapperte mit den Lidern, wie ent Geschäftsmann von hohen Graden. So leicht war er nicht umzupusten. „Ich werde sie also ausstellen müssen..." „Stell sie aus!" stimmte Louis zu. . , „ .Katarina Gugernell' oder einfach .Die Tänzerin. Es wird mächtig auffallen, denke ich. Sehr gut für mich!" Louis betrachtete seinen in Nachdenklichkeit versunkenen Neffen mit runden Augen. . f;i, „Diez oder Till müssen mir etn paar bezwingende Notizen für die Presse dichten: Die berühmte Meisterin des zärtlichen oder selig beschwingten Tanzes — Diez muß das formulieren — durch Heirat Mitglied des westlichen Patriziats... Diez mich seine Feder in Sachlichkeit und Nosenglut tauchen. Ich furchte, ich werde den Stürmischen zügeln müssen!" Dag rieb sich geschäftig die Hände. „Auch ein Künstler ißt sich gern mal satt und muß an die Zukunft denken. Es wäre bei dir in gute, verständnisvolle Hande gekommen, Onkel Louis. Woran einem natürlich am meisten gelegen ist. Kein hübscher Gedanke für unsereinen, wenn irgendein alter Knopfhändler, der sie mal ans dem Podium erlebt hat, sie sich ins Herrenzimmer hängte, beispielsweise." Ein Filouchen, das Dagobertchen! Ein Schlimmer! Mäzene müssen in Rotglut geschmiedet werden. Vivace fortissimo. Es geschah zu Onkos Borteil und Glück. Louis saß wuchtig in seinem.großen Stuhl, sah schon wieder nach der Uhr. . , „ _ , Dagobert selbst hatte noch viel Zett. Tagelang. Louis verübte einigen rauhen Lärm. Er erhob sich, straffte die Weste und ging an den Zigarrenschrank. „Was willst du eigentlich dafür haben?" , t , „Fünf Mille", antwortete Dagobert knapp. „Du bist verrückt! Na, schön! Ich muß jetzt weg, mein Sohn. Wenn du mitkommen willst? Mir recht." Er griff zum Haustelephon, sprach mit seinem Fahrer Finke. „Wieviel dachtest du, Onkel Louis?" „Ich dachte gar nichts." „Unbedingt zuwenig." Louis blieb vor Dagobert stehen. „Um die liebenswürdige Frau Gugernell vor deiner gewitzten Reklame zu bewahren — für tausend kannst du es mir schicken! Aeußerst! Die reine Erpressung. Ein toller Preis!" Louis schloß krachend den Zigarrenschrank ab. „Ich verkaufe meine Seele damit: Kind, Haus, Hof und alles, was mein ist. Zum ersten, zum zweiten — also: drei Mille!" Er erhob sich auch, straffte die Weste, stand schlank, nicht ganz so hoch wie Onkel Louis. „ Der gab ihm einen richtigen derben Katzenkopf. „Keinen Sechser mehr, du Gauner! Werde übrigens keinen Winkel dafür finden. Vielleicht bei Till oben?" „Unten im Gartenzimmer, zwischen Blumen. Farbe, Farbe! Also: zweieinhalb, mit Rahmen, gratis und franko!" flüsterte Dag gebrochen. „Mein letztes Wort!" „Anderthalb — und nun Schluß! Mach, daß du rauskommst! Dagoberts Herz hüpfte. Auch anderthalbtausend waren heutzutage kein Aeppelstiel. , „ , . , „Klüter!" rief Onkel Louis in den Hausapparat. „Uebrigens noch ein Wort mein Sohn: Es wäre mir lieb, wenn ihr von jetzt ab etwas mehr Abstand hieltet ... Verstehst du mich? Soweit das das Selbstgefühl eurer Generation zuläßt. Abstand und Respekt! Und Bemühung um die eigene verehrte Nase! Verstehst du mich? Ich meine auch Diez — besonders den kühlen Lebensspötter Diez. Barby ist wirklich ein hübsches, langes braunes Mädchen, so alt wie Till. Grüße sie von mir!" „Sie wird sich freuen. Werde ihr gern deinen Gruß bestellen, Onkel Louis." So pfiff der Wind? strich es Dagobert durch den geschorenen Schädel. Louis hatte es nicht nötig, jedenfalls war es nicht seine Art, um die Ecke zu säuseln: Klärung der Situation und des tzamilienensembles; Ablehnung jeder Konkurrenz sozusagen ober- Einmischung mit allzu fröhlicher Unbefangenheit. Ei, ei, ei! Der Diezemann war in letzter Zeit in ber Tat ein bißchen keck geworben, hatte bie Dame Gugernell auf Rebaktionskarten ber „Leuchtkugeln" ein paarmal ins Kino unb sonstwohin mitgenommen, wo bie Lira Carum unb bie Lara Lirurn, bie sie beibe vorn Konservatorium her kannte, gesungen hatten Unb sie war in ihrer unbesorgten Art gefolgt: War doch ber nette, gescheite Diez, ein kleiner, liebenswerter Hasselbrink! — Wünschte allein zu sein, ber Ohm, mit [einen jugenblichen Konflikten unb jebenfalls mit ber reizenben Dame Gugernell? War längst fällig gewesen; Dag würde noch heute Familienrat abhalten. Jammerschade, daß Till das nicht mit angehört hatte! Die würde empört mit dem Köpfchen gezittert und Diez würde, vor höhnischer Qual, mit der Pseife geröchelt haben. Dagobert blickte haNnlos, wie ein Veilchen auf der Wiese, unb nahm Abschieb fürs Leben. „Darf ich mir noch eine Zigarre anstecken? Tausenb Dank! Also: Ich schicke morgen bas Bild. Zwei Mille! Scheck!" „Anderthalb — zum Donnerwetter! Raus, du Obergauner! Nimm die Kiste da mit! Laß sie dir von Klüter einpacken! Wiedersehn!" Entlassen ... Dag stieg rauchend die pfirsichrote Treppe hinab, streifte Klüter mit den Pupillen; es gab immer mal wieder einen Augenblick, der ihn an den nutzlos verflossenen Taler erinnerte. Oller, fetter Mulla! „Würden Sie mir das Kistchen da nett einwickeln, mein guter Klüter?" „Gern, Herr Hasselbrink!" (Fortsetzung folgt.) bemerken. , , . , , , Der große Herr hatte sie noch niemals tanzen sehen, kannte bloß einige der Bilder in ihrem Studio; das mußte gewissenhaft ausgenommen werden. Er hatte manchmal an eine Art wilden Sciltanzens und schlimmere Verlegenheiten gedacht. Eine unverzeihliche Verleumdung und Entweihung dieser lebensnahen, vollendeten Menschlichkeit! Nun erblickte sie ihn. Aber es war mogltch, daß sie rhn schon 'vorher bemerkt hatte. Sie errötete belustigt und ließ Arme und beredte Hände schlaff sinken. „Ist es schon spät?" „Ich kam zu früh", entschuldigte sich der stattliche Herr. „Unzweifelhaft!" stimmte der Hausherr Dagobert zu. „Wir machten gerade erschöpft eine Pause in der Arbeit." „Hab' ich schlecht, getanzt?" Er schüttelte den Kopf. „Nein, ordentlich hübsch. Viel zu hübsch für „Oho! Oho!" Das war Till, die Per antwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. us. den bet hen 'eöl gar ttet hen «al 'lich sei. lich. Gießener ZWilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgangs Zreitag^ben t. Juni Nummer^ der Rett lter» und vor Be. ank, raße eicht dein, mge. Bei» lchen inge. ugen :ctne rsten i des tadt? I zu- aus- i den amt» e die i aus Aus- ächtig )and» nauf» nachte htigeu s dte lickten ir im Hans ,s der durch igkeit- d verte der machte Rikel' Ki-b^ runter kt, lag nßigen h febr laßend, teb t>e , batte atßaus pennen» fit c die lfir 'en ein- t, schon §chritt axben- ikclche" ßch ru- Colour & Grey Control Chart am stimme und' durch Zahnlücken Gedichte und veranschaulichte ^das 13 12 11 6 3 2 oanes pictS Mitternacht, die Gärten lauschen, Flüsterwort und Liebeskutz, Schöne Zunitage. Von Detlev von Liliencron. 19 20 14 15 16 17 18 9 10 7 8 4 5 chter" vor. Er bot mir einen Sessel an, gen zurück und sagte kameradschaftlich: aal gemütlich etwas vertellen." Um des t Ort zu 'Ort verfrachtet, fragte er hier Barmen oder in Düsseldorf seien, und iseerlebnis von dieser qualvollen Brettl- raie Studentenschaft stehend angehört und ann verkündet habe, diese Ehrung gelte nicht dem Dichter, sondern dem Märtyrer. Dann schrieb er mir eine Anweisung für zwei Eintrittskarten — für zwei, denn, so bemerkte er, ein „teutscher Dichter" habe immer eine Geliebte. Ich aber brachte am Abend meine Schwester mit, vor der er sich tief verbeugte, und die ihm am Ausgang einen Blumenstrauß überreichte. Er hatte, wie er das ausdrückte, sein Gedicht von „Krischan Schmeer" ins Publikum „gebraust", zwischen lauter Kabarettnummern, klagte über seine unglückliche Rolle als „Commis voyageur en lyrique" und meinte, er würde sich besser dazu eignen, als Saaldiener von der Galerie zu schreien: „Dort unten tm Parkett sind noch zwei Plätze frei!" Als wir ihn nun durch Schneegestöber zum Hotel begleiteten und ihn ein Bursche anrannte, lachte er: „Schade, daß ich ihm nicht meinen Schirm entgegengehalten habe, dann hätte ich ihn aufgespießt." lieber den nächsten Mittag war ich wieder bei ihm, zusammen mit meinem Freund und Schulkameraden Will Vesper. Er lud uns zum Essen ein, und die Zigarre, die tch fünfzehnjähriger Knirps von ihm erhielt, hat, obwohl ich schon Raucher war, lange Zeit, mit einem Schildchen: „Geschenk von Detlev von Liliencron" beklebt, als Reliquie in meinem Schuler- schrank gelegen. c , , . Es kamen meine Münchner Sturm- und Drangjahre in unserem jungen Dichterkreise. Wir verschonten Liliencron nicht mit unseren Werken, trotz seiner Rufe um Erbarmen, ferner irintafiirfu'ii Klaaeu über die Lalt seiner Korresvondertz: wober _er 0 cm 1 NNUNg. wieder in Elberfeld, diesmal mit dem n sich als „künstlerischen Leiter" gekauft Schule und trieb mich herum, bis ich in wurde. Roch sehe ich ihn, wie er nach t nicht hochblickte von einem Tierbuch, in cas aufgeschlagcn war, aber als ich mich er Stimme zu erkennen gab, da rief er: er Name!" und stellte mich seinem Jrn- 22. Juli sein 25. Todestag. Mit zwölf oder dreizehn Jahren wechselte ich aus der Mondscheinpoesie des empfindsamen in diejenige des romantischen Zeitalters hinüber — von Hölty zu Eichendorfs. Aber ßchon ein Zahr später sprang ich unvermittelt mit beiden Füßen in die taghelle Welt Detlev von Liliencrons: „Klingling, bumbum und tschingdada!" Ja, es war dies Gedicht: „Die Musik kommt, das ich irgendwo fand und das mich mit Pauken und Trompeten in eine dichterische Wirklichkeit hinüberrtß. rer, . „ . Kurz darauf las Liliencron in der Nachbarschaft Elberfel^ und ich erbettelte von meinen Eltern die Erlaubnis zum Besuch des Abends. Es trat kein Ritter ein, kein Hüne, dem man es ansah, daß er mit König Ringelhaar verkehrte, sondern etn kleiner, rundlich-zierlicher Herr im Gehrock mit kurzgeschorenem Haar und langem, blonden Schnurrbart. Er las Mit schnarrender _ • , w- z-x «- < ■ ■ t - /TI . < 1 J. k..-in->• rllAlt I t Hirt* ilrt« Blue White Green Grey 2 Yellow Grey 3 Cyan Grey 1 Und das Herz macht seinen ? Und zum Kinde wird der Held — Flußüberwäris singt eine Nachtigall. Erinnerungen an Liliencron. Von Hans Brandenburg. Am 3. Juni ist Liliencrons 90. Geburtstag, Red Magenta Grey 4 Black dem Baron und ritterlichen Sänger nur eine Nolle verräucherten Pergamentes angemessen. Doch da ich dieses nicht hatte, schrieb tch meine Stanzen aus große Papierbogen, deren Ränder von mir im Zickzack abgerissen und mit Streichhölzern angesengelt worden waren, so daß dem Empfänger aus dem Umschlag zunächst eine ~ " ' den Schoß schneien mußte. Allein er ver- keinem Wort, sondern zollte dem Funf- 21 J lllll 22 8 6 jene Stimme aus dem Grabe beschwören rann. . In den nächsten Wochen schrieb tch mtr im halbdunklen Lager eines Buchhändlers Liliencronsche Gedichte ab. Und etn halbes Jahr später wandte ich mich an den Meister -m® eigenen Versen, sondern mit der Bitte um Rat und Hilfe tn religiösen Zweifeln. Postlagernd kam dte Antwort, ein Wisch mit den beühmien „Krähenfüßen", derenSieroglyphen ich nur langsam entzifferte: „Tausend Dank, hochverehrter Herr Brandenburg, für Ihren interessanten Brief. Aehnliche bekomme ich unendlich viele. So daß ich nur den kleinsten Teil beantworten kann oder mein Tag müßte 100 Stunden haben. Darf ich Ihnen deshalb nur eins schreiben: Immer fix weiterdichten! Ihr Dettev Liltencron. Ich ließ indcffen nicht locker und erhob meine Stimme zum Schrei. Da traf ein etwas längerer Trostbrief etn: Unglücklich muffe ück jeder in diesem Jugendalter fühlen: am besten sei positiver ilaube, wer aber nicht glauben könne, der glaube dann eben Nicht nuo finde auch darin seinen Frieden. „Sie sollen mal sehen, mein Poet, so etwas gibt sich mit den Jahren." Und dann wieder der Schluß: „Immer mein Rat: Dem Leben fest tns Auge sehn! Und — weiter dichten. Mut und vorwärts!!!" Q.,. Durch diese Aufforderung zum Wetterdichtcn »°g sich Liliencron schließlich doch meine erste Verssendung zu. Und mir schien „Welch ein stiller, himmlischer Mensch ist unser Vesper. Wie ein Paradies sehe ich oft vor mir liegen seine „Freude, etn Hausbuch deutscher Art'. Wie Friede weht es draus her. Ich habe noch kaum hineinsehn können." Er half mir mit seinen Empfehlungen bei meiner ersten Verleqersuche, richtete mich auf, als sie ntchts fruchteten, und fragte nach einiger Zeit bei mir an, ob und wie er mit weiterhin dienlich sein könne. Mein Lichtbild stehe vor Hm auf dem Schreibtisch, so schrieb er mir. Und als wir in die Oeffentlich- keit drangen, begrüßte er in uns „eine neue Aera" und rief uns, ein@ierocti e$tt freigebig mit Lobsprüchen, als daß ich diejenigen, öie er mir spendete, allzu hoch einczeschä^t hätte. Aber niemals hat er mich wie so manchen meiner Bekannten behandelt-. „Ihr Gedicht ist himmlisch", schrieb er an einen dichtenden Buchhändler, „ein wahrer Mörike. Leihen Sie mir doch sofort 100 Mark." Und auf das Vcrsbuch einer Dichterin, das in verschnörkelter Schrift den Namen des Märchenlandes Jahana als Titel trug, hatte er gar zu flüchtig htngeblickt, wenn er antwortete: Tausend Dank, hochverebrtes, gnädiges Fräulein, für wundervolles Gedichtbuch .Havanna'" Vieles an seiner Liebenswürdigkeit, mit der er zu Tode lobte, war Maske und Selbsttchutz.