SurrJ ■llllDid >l»y «, Wit i| )tt „< > fllllllt "e bii> anbttt elfltlti t ,W SichenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ahrgang 19iH Montag, den 22. Gltober Nummer 82 der nl) ul tim n die Affäre gedacht?" »1 iia hiilin Mnf Vlln bin auf einer hnen zu Ingen, -pur Iten III Itcii ii le 17 oder 18 Jahre. Als ich inich In mein Mädchen I 26 Jahre, und wir find noch immer bri|ammen. Aber Mn j( ■ Juli wen lt unb nu in elm n, [kn in» ml Zimmer Er öffnete den dem Schreibtifch an. „|o, Onkel Lorenz — wie hell ans. „Da hätten mir Ja, Lnzius ist bet mir. "Ä iben Sie, genau wie ich, im Mahn, den Täter zu kennen, nicht wieder (Fortsetzung.) Brendel geleitete schlief,lich Wtngart zur lür. „Aus morgen!" „Aus morgen, Herr Brendel." Kein Wort war von Mita gefallen. So ist das mit der Liebe, dachte W tu Olloil« nlmoiln IM |d|ll lle er it weil ui icr Hit ib mit Idjilliil ßorbf lerbtt J nnpl ui An««« laun # n marin :e |«l»l e föniu i Win' en »it , ml« n Otl* eh et# 6o tW mnW; un wi* 1 I irf; S* n fl* r W' Die ««" tneW' 1 >f, «MB t «’*[ leb«'T en IP I (ilP| le " "Kl <1 iun« ” I '<1 dB» I r» I u II I • in« „Welcher andere hasst, wovon reden «le. l h „ [.ur» btn o „Später, Brendel, später" Und der Assessor lies d°v°n.^ h elt den tsut noch in der Hand und vergass es, Ifon auu I 11 Autotarisland M Unten lies Luziu- über den ^«hrdamin zu 7luto,nsg,nn°. P°d) einem fallen, klaren Rechner loh Fr nn (,e* >id Brendel Und er zündele sich eine neue 3 fl miederaesunden. Ibroerle dieses Problem nicht. Die Perlen waren wiederge,uno 2) as 3f(als6and / V iw) bii i der |||i l mir iioi . ‘3 Äff'» Er trat wieder in das Zimmer, öffnete ein Fenster, den dicken Bauch rauszulassen, und meinte dann zu Luzius: „Nun erzählen Sie. .fyiben ic etwas Neues erfahren über den Diebstahl bei meinem Onkel? Oder iie ich, im W»h trfolaeit Sie, kann man es erfahren?" „Sie natürlich." Luzius schritt durch das tunb schon, — da schlug das Telephon aus Brendel nahm es ab und meldete sich. — | das möglich? Wahrhaftig?", und er 'lächle 6Ib eine schone Geschichte angezeltelt, was! ., lall ich es ihm gleich sagen? Eint", und er tat den Hörer eine Weile |>, „Sie, Luzius, die Perlenketie hat sich wieder angefunden. Meine ante hatte sie verlegt, genau gesagt: vom Tisch herabgerissen. Der schmuck sand sich nun beim Bett, zur Hülste vorn Etsbärsell verdeckt, las sagen Sie zu dem Spuk!?" Luzius stand erschüttert. „Das ist nicht wahr', sagte er heiser , Brendel betrachtete ihn „Aber gewiss, ich ersahre diese Tatsache neben, mein Datei spricht sie durch, um uns beide zu beruhigen. Luzius schüttelte den Kops. „Das will Ich sehen", sagte er entlassen, ,das kann nirht stimmen! Da muss ein neuer uusasillcher Irrtum vorliegen." Er merkte wohl, das, er unbegreislich blieb, so tat er an den Tisch, nahm Brendel den Hörer aus der Hand i.Ute dars ich?" — und redete den Konsul am andern Ende des rahtes an: „Hier ist Luzius. Herr Konsul, ich kann Ihnen am -leplfon nicht viel sagen. Nur dies: da stimmt etwas nicht. Eie (Innern sich, wie genau wir allesamt das Zimmer durchsucht hoben, ie Perlen wären unter gar keinen Umständen verborgen geblieben. Der Konsul lächle. „Aber lieber Luzius, nun sind die Perlen doch i! Was ist gegen solchen Beweis zu sagen!" Luzius nickte, sicher bestätigte er sich selber etwas. „Herr Konsul , b b er wieder an, „halten Sie mich nid>l für einen Wlrrkop , aber litte gestatten Sie mir, Sie noch in dieser Biertelstunde auszusuchin. I Seinen Sie mir das Perlenkollier." mMMar Der Konsul schwieg perplex. Dann rettete er sich " ein dar n Kommen Sie meinetwegen her, Sie ungläubiger Thomas. Ich N fl kn sagen, da» Ist starker Tabak, aber ich will Sie gern erwarten luilb Ihnen die Perlen unter die staunenden Augen halten. „Danke, Herr Konsul, ich komme." Luzius hängte ab Brendel trat aus ihn zu „Luzius, ich verstehe manches; aber dieser Geisel scheint mir ein leichter Irrsinn." n, , »eher Luziu» nickte. „Genau das wurde Ich zu Ihnen '"■ lh »rcnbel, läge der Fall umgekehrt Aber glauben Sie mir ich war nie |o klar im Kops wie in dieser Stunde. Ich mag verwirrt erschei |hin, aber Ich bin nur erregt. Aber das wird sich un' ‘ü ; , l)'iben es mit einem falten, gewitzten Rechner zu tu 5 ) /. ei den Gegner in mir findet, der Ihm gewachsen Ist. Er nahm leinen hü und lief zur Tür. , ,, „ nn »Hier die Brendel lief neben ihm her. Diese Erregung steckte an „/Iber Werten sind ja wieder da! Die Geschichte doch h r aus! , „So hofft der andere, Brendel. In Wirklichkeit fangt Die ue sichte fetzt an!" ■ I w , IS gehört hier ja gar nicht her. — |2 in flrr irnl mlnhor in hn a yimmdr Kl Luzius holte tief Atem „Brendel", sagte er ernst, ich tuen Spur, die eigentlich eine alte Ist. Ich kam her, um Ihnen zu lagen, bis, Wlngart Reußuer nicht der Dieb sein kann. Ich wollte dos klar- rllcn, es musste ja ein Mißverständnis sein." Brendel neigte den Kops. „Ich habe das schon bald aus Wlnaarts Heben gemerkt, als ich ihn im House hier hotte. Aber welche Spur OMAN O N FRANK F. BRAUN Schluß. Wichtiger war, wieviel man morgen für die Briefmarken an- legen thußte Während fo Luzius Im Auto zum Konsul Finkenden lauste, log Brendel aus der Chaiselongue. Sollte er warten, würde Luziu» wieder zurückkommen? Eine Welle noch beschloß er auszublelben Er konnte mit der nusgestreckten Hand gerade den Grammophonschalter erreichen und stellte dos Werk an. Um elf Uhr ging er zn Bett. Luziu» war nicht mehr gekommen. „Vermutlich hat er die Perlenkette mit eigenen Augen g, sehen und ist beschämt ebenfalls unter die Steppdecke gekrochen. Gute Rocht, Luziu», kühler, klarer Rechner!", und Brendel schlief mit einem spöttischen Lächeln ein. Die Gonguhr In der Holle schlug einmal lang. Luziu» sah aus da» Zisserblatt. Holbzehu Uhr. Die treppe herab kam der Konsul; hinter ihm tauchte seine Gattin aus. Der Konsul schüttelte Luziu» die Hand. „Sie hoben einen Borwand gesucht, hierherzukommen. Was gibt e», Herr Assessor?" Und ehe nod; Luziu» antworten konnte, ries Fron Olga: „Bringen Sie ’Jlodjrldjl von Mila? Rein? Dao ist unerhört! Da» Mädchen Ist om Nachmittag au» dem Hause gegangen und noch nicht wieder zurück!" Der Konsul nickte. „Wir sind ein bißchen beunruhigt", sagte er. „Eo war sonst md)l Mito» Art, un» ohne eine Nachricht zu lassen, wenn sie bei einer Freundin zum Abend blieb." Luziu» ließ den Kops sinken. And) do» nod)! Entiveder holte Brendel, dem al» Ressen de» Hause» dieser Austrag dock) In erster Linie gegolten hatte, die Benachrichtigung der Eltern vergessen, ober er war zu feige bazu gewesen Aber ba» durste man wohl nicht annehmen. Er hotte e» über die Mlngortaffäre einfach vergessen. So holte Luziu» lies Lust und sagte: „Herr Konsul, gnädige Fran, eo liegt ein bedauerliche» Vergessen vor, Sie hätten e» längst erfahren sollen: Fräulein Mila Ist heule nad)« mittag nach Berlin gefahren," Der Konsul schnappte nach Lust, wie ein Karpfen aus dem Trockenen. „Sollten Sie UN» do» bestellen?" — „Rein, Brendel." „Wie kam mein Resse Ewald zu diesem Wissen?" „Wir trafen Fräulein Mita auf dem Bahnsteig." Und Luziu» begann zu erzählen Er redete lange; er wollte diesem überraschten Ellernpaar Zeit lassen, fid) zu (offen. Al» er fertig war, hotte der Konsul einen roten stopf, und Frau Olga weinte. Merkwürdigerweise fdinltt keiner der beiden die Geldfrage an, und fo konnte Luztu» den Anteil Wlngart Reußner» an der Geschichte vorläufig verschweigen Unb noch eine» gestand er nicht, wenigsten» in dieser Stunde wagte «r fid) nicht damit heran»: daß er Mita einen Empfehlung»- und Elnführungebrlef an (eine Schwester Bern mitgegeben hotte. Die Szene erfuhr genau In dieser Minute eine Steigerung, denn eine Hausangestellte kam und brachte ein Telegramm. Sie gab eo In der Verwirrung dem Assessor. Der sah eo an. „Aus Berlin. Konsul Finken» bei)." Er reichte es weiter. Der Konsul riß es auf. Seine Züge entspannten sich ein wenig. „Na", sagte er, „ein bißchen spät! Mita depeschiert. Sie wohnt wenigsten» bei Ihrem Fräulein Schwester. Dao ist ein schwacher Trost." Frau Olga seuszle hörbar unb erleichtert. „Woher kennen (Id) die Mädchen übrigens?" Der Konsul gab bas Blatt seiner Frau unb schaute Luziu» srogend ine Gesicht. Luzius sagte leld)tbln ble reine Wahrheit: „Sie werden fid) brieflich kennengelernt haben, Herr Konsul." Der Kouful nickte. Frau Olga trat zu Ihm „Dieses Mädchen, wenn eo nicht so eine Keckheit wäre, müßte man lochen." Ihr Satz war ver- fchlungen, aber sie hielt sich nicht bei Erläuterungen auf. „Mita telegraphiert hier einen förmlichen Bries. Wir möchten Ihrem Glück nicht im Wege flehen Herbftmeisterln der Tenniogilde fein, sei Ihr keine Befriedigung. Sie versuche durch Ihr Fräulein Schwester den Weg zum Film zu gehen." „Wie bitte, gnädige Frau?' „Wahrhaftig, solche Sätze hat sie depeschiert!" Frau Olga vermochte schon wieder zu lächeln. Mita war ja weder verunglückt nad) entführt. Sie rvar ja einfach zu einer Freundin nad) Berlin gereist War da» so entsetzlich? C» war keck, rücksichtslos, sellistsicher; aber schließlich — die Tochter lebte, unb da» blieb die Hauptsache. «Sie hatten nur diese» eine ft'inb. Frau Olga war schon bereit, die eigenmächtige Cnlsernung zu verzeihen. Und der Konsul? Er hatte vielleicht schon vergeben. — Assessor Luzius sagte, leise an den Zweck dieser nächtlichen Zusammenkunft rührend: .Darf ich das wiedergefundene Perlenkollier einmal sehen, Herr Konsul? Konsul Finkenden sah ihn verblüfft an. Dann griff er in die Jackett- tasche. „Da, bitte", sagte er, „Sie vollkommen unbegreiflicher Mann! Luzius nahm den Schmuck in die Hand. Ja, das waren zweifellos die Perlen, die Frau Olga bisher getragen hatte. Es war aber auch ganz gewiß jenes Kollier, das vor ein paar Stunden beim Vater Berlebach auf dem Tisch gelegen hatte und von Hand zu Hand gewandert war. Er sah die Perlen an, lange und suchend. Er fand nichts. Der Konsul betrachtete ihn nachdenklich. „Nun?" forschte er, „was wollen Sie eigentlich?" Da gab sich Luzius einen inneren Ruck. „Herr Konsul , hob er an, „ich verkehre seit Jahren in Ihrem Hause. Sie kennen mich. Ich bin nicht plötzlich wahnsinnig geworden; aber ich bitte Sie, kommen Sie mit mir, jetzt mitten in der Nacht! An der Ecke wohnt ein Juwelier. Wir werden ihn Herausklopsen. Es ist noch nicht zehn Uhr, kommen Sie bitte mit mir!" Der Konsul beugte sich vor und zog den Atem ein. Luzius errötete. „Ich bin auch nicht betrunken", sprach er, „ich fordere dieses alles nur in Ihrem Interesse. Ich will Sie vor Schaden bewahren." „Wie das, junger Freund Luzius?" „Herr Konsul, gnädige Frau, ich habe begründeten Verdacht, und ich bin beinahe gewiß: dies ist nicht.mehr das Perlenkollier, das Sie kennen, will sagen: diese Perlen hier sind — einige ober alle — falsch!" „Wie können Sie so etwas sagen!" „Wollen Sie mitkommen, Herr Konsul?" „Aber liebster Luzius, Sie müssen mir doch erklären ..." „Keine Zeit verlieren, Herr Konsul! Kommen Sie! Sie sind in zehn Minuten zurück. Gute Nacht, gnädige Frau. Sorgen Sie sich bitte nicht." Der Konsul folgte diesem entschlossenen Assessor, der ihn einfach beim Arm genommen hatte. Sie gingen die Straße zu Ende. An der Ecke war wirklich der Laden eines Juweliers. Sie hatten Glück, der Besitzer wohnte im gleichen Hause. Es gelang ihnen, Einlaß zu erlangen. Sie brachten ihr Anliegen vor. Der Geschäftsinhaber, den Konsul erkennend, war sofort bereit, den Schmuck zu untersuchen. Er nahm die Perlen und zog sich für eine Weile zurück. Luzius Herz schlug. Dies war seine große Minute. Entweder er irrte sich und wurde lächerlich, oder er behielt recht, und bann würbe er diese Spur rücksichtslos zu Ende versolgen. Sie warteten, saßen in dem leeren, grell erhellten Verkaufsraum und schauten sich an. Der Konsul fragte nichts. Luzius war es zufrieden. Konnte er schon Aufklärung geben? Gewiß nicht! Noch war alles nur eine Idee, eine Kombination. Aber noch in dieser Nacht würde er sich Gewißheit von Reginald Zurrhelm verschaffen. Der Juwelier kam zurück aus seiner Werkstatt; er legte den Perlen- schmuck aus den Tisch. „Wer Perlen", sagte er, „die großen mittleren, sind Nachahmungen. Ich habe Sie Ihnen mit einem Farbfleck gezeichnet, Herr Konsul. Die Farbe läßt sich jedoch leicht entfernen. Die Imitationen sind recht gut!" „Danke", sagte der Konsul. „Was bekommen Sie?" Aber der Juwelier komplimentierte die Herren zur Tür hinaus. Draußen winkte Luzius ein Auto heran. „Fahren Sie nach Haufe, Herr Konsul", bat er, „ich kann Sie nicht mehr begleiten Sie hören gleich morgen früh von mir." Der Konsul, noch völlig überrascht, stieg ein. Der Schlag fiel zu. Als der Wagen anfuhr, faß der Konsul Finkendey zurückgelehnt, hielt den Halsschmuck mit den vier getupften Perlen in der Hand vor sich hingestreckt und starrte darauf, als fei er hypnotisiert. Er achtete nicht mehr auf den Assessor, sah nicht, daß der den nächsten Wagen nahm, vernahm nicht den Zuruf: ,^)otel Europa"; er saß und die Ueberraschung hatte ihn knock out geschlagen. Seine Frau empfing ihn in der Halle. Er trat vor sie hin, immer noch den Schmuck in der Hand. „Da", sagte er, ,cher Luzius kann mehr als Witze erzählen. Die Perlen sind salfch!" Hierauf war eine ganze Weile Schweigen zwischen den Gallen. Frau Olga drehte ihren Schmuck in den Fingern, als bete sie einen Rosenkranz; zwischendurch fuhr sie sich einmal wild durch die Haare. Erst nach einer geraumen Weile sagte sie: „Wie tarnt ihr daraus?" Konsul Finkendey hob die Arme vom Körper ab und ließ sie klatschend wieder an die Hosennaht fallen. „Ich weiß von nichts, Olga, du brauchst mich nicht erst zu fragen. Was du mit mir gesehen und gehört hast — mehr erfuhr ich auch nicht. Luzius hatte es eilig. Ich denke mir, er ist dem Dieb — ober wie ist ber Verbrecher zu benennen? — auf ben Fersen." „Er äußerte bir gegenüber keinen Verbucht?" „Kein Wort, Olga." Ein Mäbchen betrat bie Halle, sah bie Herrschaften unb zog sich mit einer Entschulbigung noch einmal zurück. Durch ben Garten kam Doktor Bellmann heran. Er sah bie erleuchtete Halle unb bog vom breiten Kiesweg ab unb ging an bie Settentür, wo er Einlaß fanb. Das war klug von ihm; roeber ber Konsul noch Frau Olga spürten Lust, jetzt noch frembe Gesichter zu sehen. Sie sah ihren Mann an. „Unb was glaubst bu, Lorenz?", fragte sie, „was ist beine Meinung zu btefen fonberbaren Vorgängen in unserem Hause?" Er nahm ihren Arm. „Ich glaube, Olgachen, wir lassen bie Geschichte heute in Ruhe unb reben nicht mehr bävon unb benken bis morgen früh nicht weiter baran. Morgen kommt zeitig ber Assessor, er hat es mir zugesagt; unb bann sehen wir weiter." Frau Olga nickte. Ihr war bas sehr recht. Sie liebte keine Aufregungen. Nun biefe Perlen. An sich eine Sache, über bereu Verlust man sich tröffen konnte. Aber mußte ein Diebstahl im eigenen Haus hineinspielen? Peinlich unb blamabel. Lorenz hatte recht. Nicht baran benken. Man war ohne Verschulben in biese Lage geraten. Das würbe jeher anerkennen. Sie schritt neben ihrem Gatten bie Treppe hinaus. Er ließ ihr in bas Schlafgemach den Vortritt. „Weißt du", meinte sie. als er die Tür zuzog, und sie war bereit, auch die letzte Peinlichkeit aus der Welt zu schaffen, indem sie legalisierte, „wegen ber Mita wollen wir uns auch keine Gedanken machen. Nun sie bei Fräulein Luzius ist, braucht hier niemand weiter zu erfahren, daß sie — daß sie uns mit ihrer Reife überraschte." Der Konsul knurrte etwas. Sie verstand ihn natürlich nicht und fragte nach; aber er wiederholte nicht den ganzen Satz, sondern warf nur hin, Extrakt seines Gemurmels vorhin, „deine Tochter!" Frau Olga versuchte gerade aus ihrem Kleid herauszukommen. Ihre Stimme kam daher ein bißchen gedämpft; es war, als habe sie einen Knebel im Munde. „Ich denke, Mita hat mehr von bir", meinte sie. „Ich bin als junges Ding nie von Hause weggelaufen. Aber warst bu nicht als Siebzehnjähriger nach Jnbien burchgebrannt?" „Ich bin als gemachter Mann wiebergekommen!" „Nun, unsere Tochter ist noch nicht zurück. Sie wird da in Berlin bestimmt nichts Schlechtes tun. Aber es kann fein, daß sie Erfolg hat." Frau Olga kam prustend frei. Der Konsul schüttelte den Kopf. „Erfolg?", wiederholte er abfällig, „Filmstar?" Frau Olga faß auf dem Bettrand. „Die Möglichkeiten ber Wett sind anbere geworben, Mann, Lorenz", meinte sie, „es hätte für unsere Tochter feinen Zweck, nach Jnbien auszureißen." Der Konsul fuhr herum. „Daß ich bir btefen Anfang meiner Laus, bahn einmal habe erzählen müssen ..." Frau Olga lächelte; es war immer noch das Lächeln von früher. „Lorenz" sagte sie leise. Er sah sie an. Die Beleuchtung war schuld, bie rosarote Ampel an ber Decke. Ihr Lächeln bezauberte ihn immer noch. Genau wie bamals. „Es ist unser Kinb", sagte er und nickte vor sich hin. „Ich habe gedacht, sie sollte den Vetter Ewald oder Luzius heiraten; ich wollte einen Juristen in der Firma haben; aber wenn sie nun einmal ihr Heil beim Film sieht — meinetwegen. Sie soll auf ihre Fasson selig werden." Frau Olga lächelte stärker. „Sie wird den Luzius heiraten", sagte sie. „Wir kommst du auf Ewald Brendel, ber ist ihr guter Freunb, mehr nicht; aber ben Assessor liebt sie, unb er liebt Mita. Einmal werden die beiden wohl ein Paar. Aber nicht gleich. Erst muß Mita ihre Flügel probieren. Sie würde sich später immer einreden, eine große Glücksmöglichkeit verpaßt zu haben." „Wie klug du bist, Olgachen", sagte der Konsul, und er schaute zn ihr hinüber. Die Gonguhr in ber Halle unten schlug zehnmal, als das Licht Im Schlafgemach erlosch. Die Straßenfront ber Villa Finkenbey lag nun im Dunkel. Das Licht im Zimmer bes Doktor Bellmann, ber bort oben noch wach war unb über Briefschaften gebeugt faß unb schrieb ober las, war von ber Straße aus nicht zu bemerken. Die Perlenkette lag roieber wie früher in dem Kästchen auf dem Nachttisch. Alles schien unverändert. Konnte man nicht einfach die letzten vierundzwanzig Stunden streichen? Asiessor Luzius sah in feinem Hotelzimmer. Nebenan in Nummer 114 rumorte Jan Strombeck. Der Chauffeur bps Holländers hatte schon zwei-, dreimal Gepäckstücke hinuntergetragen. Die Hotelboys liefen mit Handtaschen über den Flur. Vor dem Hoteleingang wartete das hellgelbe Auto. Kein Zweifel, Jan Strombeck reifte noch heute nacht. Und mit ihm würde Frau Barbara fahren? Gab es nichts, dies zu verhindern? Luzius steckte feinen Revolver zu sich. Platzpatronen immer noch? Natürlich, sie würden genügen. Der Dietrich konnte ebenfalls von Nutzen sein. Mitgenommen also! Dann wartete er. Zehn Uhr, bie oerabrebete Zeit zwischen Barbara unb Jan Strombeck. Wenn er jetzt hinüberging zu bem Hollänber, ihm sagte: ich weiß, was Sie Vorhaben; es ist ein Verbrechen; Reginalb Zurrhelm liebt fein Weib; Sie bürfen ihm Barbara nicht nehmen! Unb er tat eine Handbewegung, bie etwas wegwischte. Das war ja vorbei. Gestern noch hätte er bas sagen können; gestern noch hätte er es gewagt, Frau Barbara ins Gewissen zu reben. Heute, nach allem, was ihm biefer Abend gebracht hatte, fanb er es fast gerecht, eine Schicksalsfügung, daß ber Hollänber zur rechten Zeit gekommen war unb Frau Barbara unb bas Kind nun mit sich nahm, wegführte aus dieser Stadt, die bald eine Gerichtsverhandlung sehen würde und auf ber Anklagebank Reginalb Zurrhelm. Er jebenfalls würbe nicht mehr ben Mut haben, von dieser $rau zu verlangen, daß sie bei dem Manne bleiben sollte, der — ein Dieb war. Ein raffinierter Dieb dazu. Zurrhelm hatte nicht bie Entschulbigung für sich, einer Gelegenheit erlegen zu fein. Er hatte arglistig nach einem Plan gehanbett, das war ganz gewiß. Diese gewitzte Art, das Halsband zu stehlen, bie wertvollsten Perlen herauszunehmen und durch Nachahmungen ersetzen zu lassen, dann die Frechheit, das Schmuckstück den Finkendeys wieder in das Fenster zu werfen, ließ auf einen abgefeimten Betrüger schließen. Und alles wäre geglückt. Keiner würde Verdacht geschöpft haben. Der Schmuck war wieder da, was gab es da noch zu suchen! Luzius stand vor dem Spiegel. Er sah sich an. Mit der Hamfähr er glättend über einige Falten in feinem Gesicht. Vielleicht brachte er mit dieser Gebärde auch seine Gedanken in Ordnung, glättete sie ebenfalls. Es ist nicht mein Verdienst, wußte er; es war Zufall. Aber gibt es das, Zufall? Man kann es auch ganz anders nennen. Wenn das Mädchen mich nicht angesprochen hätte — ober viel früher, wenn ich mich nicht vor Zurrhelms Haus gestellt haben würbe, um ihn zu warnen —, aber wo fing es an, wo begann bie Geschichte wirklich Er hörte nebenan bie Tür gehen. Jan Strombetts schwere Schritte entfernten sich. Da machte sich auch Assessor Luzius auf, er riß die nutzlosen Ueberlegungen ab unb folgte in gewissem Abstand dem Hollander. Es war ja nun alles genau umgekehrt. Er wartete darauf, daß Frau Barbara unb bas kleine Mädchen das Haus Zurrhelms verlassen hatten. Er wünschte der Frau die Szene zu ersparen. Wenn sie aber mit dem Holländer davon war — bann würbe er zugreifen. (Fortsetzung folgt) Barbara Allen. Don Theodor Fontane. Es war im Herbst, im bunten Herbst, wenn die rotgelben Blätter fallen, da wurde John Graham vor Liebe krank, vor Liebe zu Barbara Allen. Seine Läufer liefen hinab in die Stadt und suchten, bis sie gefunden: „Ach, unser Herr ist krank nach dir, komm', Lady, mach' ihn gesunden." Die Lady schritt zum Schloß hinan, schritt über die marmornen Stusen, sie trat ans Bett, sie sah ihn an: -Hohn Graham, du ließest mich rufen." „Ich ließ dich rufen, ich bin im Herbst und die rotgelben Blätter fallen, hast du kein letztes Wort für mich? Ich sterbe, Barbara Allen." „John Graham, ich hab' ein letztes Wort, Du warst mein All und Eines; Du teiltest Pfänder und Bänder aus, mir aber gönntest du keines. John Graham, und ob du mich lieben magst, ich weiß, ich hatte dich lieber, ich sah nach dir, du lachtest mich an und gingest lächelnd vorüber. Wir haben gewechselt, ich und du, die Sprossen der Liebesleiter. Du bist nun unten, du hast es gewollt, ich aber bin oben und heiter." Sie ging zurück. Eine Meil' oder zwei, da hörte sie Glocken schallen; sie sprach: „Die Glocken klingen für ihn, für ihn und für — Barbara Allen. in seinem eigenen Wesen aufgeworfen wie das deutsche. Mit einem bohrenden Ungenügen rütteln seine geistigen Führer immer wieder an jenem Lieb' Mutter, mach' ein Bett für mich, unter Weiden und Eschen geborgen; John Graham ist heute gestorben um mich und ich sterbe um ihn morgen." Das Deutsche in der Kunst. Von Bruno E. Werner. In der Auseinandersetzung über das deutsche Wesen Ke st Volk im abendländischen Raum hat wohl mit gleicher zäher Beharrlichkeit durch die Jahrhunderte immer von neuem die Frage nach der Kunst entwickelt der Verfasser in seinem Buch „Vom bleibenden Gesicht der deutschen Kunst" seine Antwort auf die Frage, von der die folgenden Ausführungen handeln. erratischen Block, der ihnen das Wissen über ihr Wesen zu verschließen scheint. Die ganze deutsche Geschichte über mehr als ein Jahrtausend hin ist ein ewiges Suchen aus dem Weg zu sich selbst, und die Antwort auf die immer wiederkehrende Frage „Was ist deutsch?" wird von allen ersehnt, als besäße man mit ihr den Stein der Weisen, während doch gerade dieses Fragen und Suchen, diese Ungewißheit über sich selbst, das Fehlen der letzten Bewußtseinshelle gegenüber dem eigenen Sein Zeugnis ablegt von der unaufgebrauchten schöpferischen Substanz eines Volkes, das sich eben auf dem Weg zu sich selber, zu feiner eigenen Gestalt hinbewegt. Kaum auf einem anderen Gebiet — es fei denn dem politischen — ist das gewaltige Problem des Deutschseins so anschaulich zutage getreten wie in der bildenden Kunst. Kaum anderswo wurde es so stark als Problem empfunden, und die Geschichte der deutschen Kunst dieses Jahrtausends ist ein einziger Kampf um die eigene Gestalt, mag er sich als stilles ernstes Ringen eines aufgerüttelten Instinkts ohne eigentliches Gewahrwerden der Problematik abgespielt haben, oder mag er, wie in kn wahrhaft tragischen Fällen, als nackte Frage dem Schaffenden über die Schulter geblickt haben, bei Tag und bei Nacht. Denn es gibt in unserem Land nicht die Gnade, die dem Erwählten erlaubt, sich auf eine künstlerische Ahnenreihe zu berufen, wie es in Frankreich von Jean Elouet bis Manet, von Simon Marmion bis Fernand Leger wohl möglich wäre, und wie es dort in kürzer abgesteckten Zeitkäufen höchst sinnfällig zu beweisen ist. Für den deutschen Künstler gibt es keine solche stütze trotz mancher Kontinuität im Schaffen der Stämme. Hier gibt ts nur den Kampf, und jeder einzelne ist weit mehr als bei den anderen Böltern ein Ende und ein Beginn. Seinem „Hier stehe ich, ich kann nidjt anders" scheint stets die Umwelt das warnende, zweifelnde „Monch- fein, du gehst einen schweren Gang" zuzurusen, und die Gnade, die dem Berufenen schließlich doch noch zuteil wird, an der vorhandenen Gestalt feines Volkes weiterbauen zu dürfen, ist kein Wiegengeschenk. Die Gnade des deutschen Künstlers liegt darin, einmal dem Engel zu begegnen mit km man ringen muß. Gewiß ist Werk und Dasem des sch°p -nschen Wnstlers bei jedem Volk das Ergebnis einer unerbittlichen Ausemander- 'etiung. Aber wo tragen die künstlerischen Werke so che Spuren von der schwere dieser Auseinandersetzung, wo legt noch ,ebes Bild und 1ebe Ckulptur Zeugnis davon ab, wie es dem Engel abgerungen, wie es ersiegt werden mußte, und selbst jene Werke, die leise Denkmäler der Ruhe und der Weisheit zu sein scheinen, verraten dem kundigen Blick den tragischen Urgrund, auf dem sie erbaut wurden. Gewiß zeugt nicht allein die bildende Kunst von dem Kampf, den jeder schöpferische Deutsche bestehen muß. Die ganze deutsche Geistesgeschichte erscheint wie eine ewige Kette von Schlachten, und wie aus den katalaunischen Gefilden klirren die Schwerter und Schilde der Toten weiter gegeneinander. Gewiß ist der Engel, mit dem der deutsche Künstler zu ringen hat, der am schwersten gewappnete. Wie sollte es anders in einem Volk (ein, das aller fertigen Gestalt gegenüber ein Mißtrauen empfindet, weil es noch kein eigentliches Sein, sondern nur ein Werden keimt. Unter den vielen Versuchen, deutsches Wesen zu deuten, kehrt immer an Stelle des Wortes „Sein" das Wort „Werden" wieder. Hierin vereinigen sich alle Stimmen. Wenn Luther sagt, Leben sei nicht ein „Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern ein Gesundwerden, überhaupt nicht ein Wesen, sondern ein Wedren", so führt Lessing weiter und meint, wenn ein Gott ihm die Wahl liehe, zwischen der reinen Wahrheit und dem Suchen nach ihr, so würde er flehen um die Zweite Gabe. Goethe, der Grenze und Formung des ©eins fand wie kaum ein anderer Deutscher, spricht „Wir müssen nicht fein, sondern alles werden wollen", Hölderlin bekennt „Wir sind nichts, was wir suchen ist alles", und Nietzsche schließlich, der in Heraklit den Ahnherrn deutschen Geistes sah, kam zu einer völligen Gleichsetzung von Werden und Deutschsein: „Die deutsche Seele hat Gänge und Zwischengänge in sich, in ihr gibt es Höhlen, Verstecke,und Burgverließe, ihre Unordnung hat viel vom Reiz des Geheimnisvollen, der Deutsche versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos, und wie jeglich Ding fein Gleichnis liebt, fo liebt der Deutsche die Wolken und alles, was unklar, werdend, dämmernd, feucht und verhängt ist: Das Ungewisse, Unausgestaltete, sich Verschiebende, Wachsende jeder Art, fühlt er als „tief" — der Deutsche selbst ist nicht, er wird, er „entwickelt" sich " Wo im Gegensatz zum lateinischen Sinn für Maß und Grenze, für Form und Gestalt das Ewig-strebend-sich-Bemühen als einzige Konstante in der Geistesgeschichte dieses Volkes festgestellt werden kann, wo das Ungewisse, Unausgestaltete als tief empfunden wird, muß die Lage der bildenden Kunst, die es vornehmlich mit Form und Gestalt zu tun hat, besonders schwierig sein. Man wäre versucht, zu glauben, daß von einem solchen Volk der Weltgeist nur erhorcht, aber nicht erschaut werden könnte, und in der Tat ist es vor allen anderen Künsten die deutsche Musik, die so vergleichslos, so „original" ist, daß selbst die Feinde und Verkenner unseres Wesens vor ihr Haltmachen, daß die Welt in der Ueberzeugung übereinstimmt, hier den deutschen Genius am klarsten zu erkennen. In Wahrheit ist jedoch diesem Volk in hohem Maße eine besondere Schau eigen, die Fähigkeit, sein Wesen in seiner Beziehung zur Transzendenz durch die Gestalt sichtbar zu machen, fo daß die deutsche bildende Kunst eine der wenigen führenden abendländischen Stimmen, ja zu gewissen Zeiten die führende Stimme abgibt. Sie vermag es traft jener großen Persönlichkeiten, die eine erstaunliche Klarheit des Geistes und Unbeugsamkeit des Willens aufbringen, die stark genug sind, eine so heftige seelische Triebhaftigkeit im Zaum zu halten, und die der großen Seele den großen Geist entgegenstellen und damit der Gefahr begegnen, daß der Hang zum Irrationalen in einem zuchtlosen Zerfließen des ungebändigten Gefühls endet ... Man muß jedoch heute, wo das erwachte nationale Selbstbewußtsein immer von neuem die Frage aufwirft, ob ein Kunstwerk deutsch sei, darauf Hinweisen, daß das Deutschsein der von Deutschen geschaffenen Werke eine Selbstverständlichkeit darstellt. Deutsch sind die schlechten wie die guten Bauten und Bildwerke, denn „deutsch" ist zunächst ein integrierender Bestandteil aller von unserem Volk geschaffenen Kunst oder kunstähnlichen Erzeugnisse. So gewiß eine Verleugnung des Wesens unseres Volkes zu schwachen ober minderwertigen Ergebnissen führt, und so gewiß gerade aus unseren größten Kunstwerken bas Deutsche am unmittelbarsten zu uns spricht, so entscheibet über seinen Wert erst ber Rang seines Schöpfers, ein Rang, ber über bie natürlichen Gegebenheiten hinausreichenb feine trcmszenbente Herkunft verrät. Es ist somit selbstoerstänblich, baß ein Volk keine kosmopolitische, fonbern nur eine nationale ober sagen wir eine volkliche Kunst hervorbringen kann, bie wohl, wenn sie etwas Allgemeingültiges aussagt, Weltgeltung bekommen mag. Aber erst bie schöpferische Persönlichkeit gibt bem Nationalen in ber Kunst feinen Gehalt. Wohl können wir am kleinen un- bebeutenben Kunstwerk bas Deutsche ablefen. Aber wir vermögen es nur, weil bie Werke ber Großen uns gelehrt haben, welche Fülle und welcher Reichtum unser Wesen umfaßt, unb wie es aussieht. Sie allein unb nicht ber unfaßbare, in Urtiefen ruhenbe Grunb bes Volkstums sprechen aus, was beutsch in ber Kunst ist. Die Genialität ihrer Per- fönlichkeit unb Leistung, ihr stets neuer eigener Beitrag, nicht etwa bie bewußte Wieberholung bekannter folkloristischer (Eigenarten, formt den geistigen Raum ber Nation. Wenn wir bie deutsche Kunstgeschichte der letzten tausend Jahre betrachten, so können wir wohl durchgehend feststellen, daß dieses schweifende deutsche Gefühl fast immer erst durch die Begegnung mit fremden Völkern derselben Rasse zur Gestalt findet. Diese Begegnungen sind seit dem Jahr 800 aus der deutschen Kunst nicht wegzudenken. Sie wurden ihr zum Schicksal. Unb wenn es gewiß ist, baß bie beutsche Kunst unaufhörlich unb immer von neuem ihre Anregung von außen empfing, wenn bas Hineinströmen frember Formprinzipien im beutschen Schaffen biefes Jahrtausenbs so ungewöhnlich groß ist, so ist bies gerabe ber Beweis für bie außerorbentliche unb großartige Weltoffenheit unb Spannweite beutschen Wesens. Kein anberes Volk hat frembes Erbe immer wieder so schöpferisch umgeschmolzen, kein anderes bie Ahnungen ber Umwelt so zu Enbe geführt unb so mit eigener seelischer Substanz verwanbelt. Es wäre ein mangelnbes Selbstbewußtsein, ein solches Sich- einoerleiben fremben Gutes nur als beutsche Schwäche zu sehen. (Es beweist vielmehr eine seelische unb künstlerische Ueberlegenheit Denn hier gilt bas Wort Goethes: „Wär' nicht bas Auge sonnenhaft. Die Sonne könnt' es nie erblicken —* Druck und Derlag: Brühl'ichr Universitäts.'Luch. und Steindrucleret. 2L 2anae. ® tetien Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. bUnffl?ai denkt den ganzen Tag und Abend nach. Mutti fragt, was los ist aber sie sagt Mutti nichts, beileibe nichts, Mutti hat schon so genug Zargen solange Lumpi in der Laube isst entscheidet schließlich G,gi .st er sicher. Das weih sie bestimmt, daß keiner eine fremde Laube aus brechen darf. Jeden Morgen schließt sie Lumpi sehr gut ein, und wenn sie Herrn Krupschert sieht, läuft sie weg. ranr.„n Aber eines Morgens ist ihr Lumpi ausgebimst, tobt 'M Garten, laßt sich mit nichts in die Laube locken. Gigi muß in die Schule, sie hat einen Begriff von Pünktlichkeit, wenn Pappi mit dem Halbachtuhrzug kömmt muß das Essen fertig sein, daher weih sie von Pünktlichkeit. Gigi geht zur Schule, sie denkt ununterbrochen nach, um sie tanzt ununterbrochen Lumpi. Was ihr Sorge macht, macht ihm große^ Freude. Nirgendwo kann sie den Lumpi abgeben oder einsperren, er konnte aus- reißen, und dann haut ihm Herr Krupschert eins über den Deetz Gigi nimmt Lumpi mit in die Schule, es bleibt nichts übrig, sie nimmt ihn mit ins Klassenzimmer. Oh, welch Hallo unter den Kindern! Herr"Wendel ist noch nicht da, alle Kinder tanzen um Gigi und Lump,. Lumpi ist ganz verschüchtert und will auf Gigis Arm. So kann ihn Gigi schnell, als Herr Wendel kommt, unter die Bank stecken, neben ihren kleinen Schulranzen, immer wenn Herr Wendel mal wegsteht, legt sie eine Hand auf seinen Kopf , . . „ Und Lumpi scheint sich ausgetanzt zu haben, oder er hat Furcht, er liegt mäusck'enstill, nur einmal macht er einen Schnapper nach einer Fliege und Herr Wendel fragt sehr laut: „Wie? Die Klasse lacht, und Herr Wendel versteht heute seine Klasse nicht, sie >st des Teufels keines hört ein Wort von dem, was er sagt. Aber Herr Wendel ist sechsund- sünfzig und hat einen Bauch, sicher hat er schon zweitausend Kinder fflemimmel Getriebe, Geschrei, Gebrüll, wie kann ein ausgewachsener Mann zwischen solchen Stöppkes untergehen? Herr Wendel geht unter. Er schreit „Kinder, Kinder, das geht doch nicht! Gleich stellt ihr euch ba ajfÄS aws, «»«*». d-mn mutz « “> L'sL'Ä i-b- !*«• brot hier auf mein Pult. Wird es was, Ernst, nun aber los, letzt werde id) Mo'da steht Gigi mit Lumpi, da stehen dreiundvierzig Kinder da steht triefend Herr Wendel da, auf dem Lehrerpult liegen dreiundvierzig Stullenpakete angebissen halb verzehrt, unberührt Wendel Jeüt gehst du mit Lumpi auf den Flur, Gisela , sagt Herr -wenoel. Und setzst wenn Gigi raus ist, nehmt ihr euch eure Butterbrote wieder und eßt sie ganz schnell auf, die Pause ist gleich vorbei. Ist er ein Feldherr, der Herr Wendel, ein großer Organisator, der Mann der raschen, richtigen Entschlüsse —? Armer Herr Wendel. Ick hab Stulle mit Klops gehabt, Herr Lehrer, die ist weg. .„®.0 irt meine Käsestulle?" - „Wollen wir tauschen,, ich gebe dir^ zw-i mit fwnia laß mir eine mit Jagdwurst, willst du? — -Herr Legrer, o Heinz'haNein Brot überhaupt schon ausgehabt und nun ißt er immerzu! ~~ könntest decken Hund", fragt Herr Wendel Zögernd nach der Srf,0igi 'sie Herrn Wendel ^nur an. Daß Götter so schwach le,n(f,°"nenu fflut" sagt Herr Wendel entschlossen, „dann gehe ich letzt sofort zu Her'rn Kru'Aerlö und er muß mir in deiner Gegenwart versprechen, daß er dem Lumpi nichts tut. Bist du dann ruhig, Gigi- Aber richtig in die Hand ver prechen, Herr Lehrer , sagt Gigt. Und dann gchen sie los. Gigi, Lumpi auf dem Arm, Herrn Wendel 011 Lang^°"ange" sieh^Gigi vor Krupschert? Laube, sie preßt den Lumpi so an sich, daß er schnauft. Die beiden reden drinnen und reden, das heißt, meistens redet Herr Krupschert, er erzählt von der ^nft^ion 9 Aber endlich kommen sie beide raus m die Sonne und fierrn Krupschert voller Angst an. Aber Herr Krupschert lächelt, er lächelt mit seinem ganzen weihgelben Bart aus den Nasenlöchern herau . Herr Lehrer Wendel hat ihm nationalökonomische Bucher aus der Schul bcklwchek veisproch^en.", ^err Krupschert, und lächelt immer noch, „daß du schon ein großes Mädchen bist Das darf, man doch gar mcht, einem anderen seinen fiunb über den D^eh hauen. n Giai sieht Herrn Krupschert an, sie tut auch wanchmal, was m nicht darf: „Geben Sie Herrn Wendel die Hand darauf, daß Sie Lump nichts tun?" Herr Krupschert tut es. . llnb nun geben Sie Lumpi die Hand , sagt ffligi. 'La weeßte..." sagt Herr Krupschert, aber dann denkt er an d,e ^Danke schön, Herr Lehrer", ruft Gisela, und schon läuft sie, läuft sie, läuft sie mit fliegenden Röcken zu ihrer Parzelle. „Lumst, Lumpi, uns tut keiner mehr was. Wie hell plötzlich die Sonne scheint —! gehabt. Er weiß auch, ein Baurn wächst noch viel langsamer. Man muß ^^i?Stun^e"ift°Üö?bei und in der Pause wird es schlimm für Lumpi, SEwäs wws?-’ » fielst Herr Wendel mitten in der Klasse und fragt furchtbar °""Es'M'"7e'ungeheure^Stille, Gigt will gerade den Mund auftun, da ärgert den Lumpi wohl der schwarze, dicke Mann, er fahrt an gegen Wn5tt&®ett%err Wendel und ist sehr böse. „Sofort bringst du b^Gch"i"nimmtbihren'Lumpi, sie hat ein sehr rotes Gesichtabersiesagt Zwischen U Smmt Schn,And,. MÄ?r Ä «n. auf »,„6.1 )« »«en, nnd nur Gigi denkt noch an Lumpi. . . Da scharrt es plötzlich an der Tür, da kratzt es, da winselt es^ da moint es da bellt es — alle Kinder fahren zusammen, und Herr Wen 71ns ist dock unerhört Gisela! Sofort jagst du den Hund weg! 6e fflHefa ebt lang am auf unb Schrittchen für Schrittchen geht ne dunk-lwt °uf 2 LÄ am Pult vorbst, unb gerade, nste sie unterm Pult ist sagt Herr Wendel plötzlich ganz milde: „Das hatte ich Ä 7ch,l,"°nZi,l ,»-ch> U. .Ml; h-c Ihn rein, deinen Lumpi. “"Veto «" $S«Sn*"«n"snSe»el* W renb knien mir nun ja, uub bie Kinder find jetzt auch musterha st em Hund in der Stunde muß verdient werden das hatte Herr Wendel gar Spruch. Don I. W. von Goethe. Wenn im Unendlichen dasselbe sich wiederholend ewig flieht, das tausendfältige Gewölbe sich kräftig ineinander schließt: strömt Lebenslust aus allen Dingen, dem kleinsten wie dem größten Stern, und alles Drängen, alles Ringen ist ewige Ruh' in Gott dem Herrn. Gigi und Lumpi. Bon Hans Fallada. _ Solange Gigi zurückdenkenMnn, wohnen sie m ^Siedlung, „Eigene eigenen Garten geschafft fyaben, snhitti auf Arbeit' Aufwartung, feäfjnWS packen, was ihr norkommt. Mutti sagt me nein. Arbeit und seitdem WMBW BaSsffl hat sie Unterhaltung durch die Schule, aber sie hat auch Sorgen: SMj.’SSÄ BW CKnä ÄSÄi "e&S fiÄÄ '*Ä'!n -- ®w- ->»- Gemeinheit! mit einem weißgelblichen Bart, von^seinem ganzen Rentnervermögen ist ihm nur die Parzelle 381 und piniintrente aeblieben. Gigi verachtet Herrn Krupschert, sie findet ibn dumm, weil er nicht einmal seinen Garten bestellt, sondern ihn wüst liooen löb't Aber Herr Krupschert hat dafür keine Zelt, er muß aus- recknen von wann an die Inflation böswillig verschuldet ist und bis wann sie gewissermaßen ein Naturereignis war. Herr Krupschert rechnet Mion lange es ist schwierig, er wird noch lange rechnen müssen ^Muh man so angestrengt rechnen, kann ein durch drei Stunden klaffender weineöder Hiönd sehr stören. Darum fragt er G.g. so böse, ob sie den Hund nicht auch bellen hort. Lumpi ist nicht gerne allem, Herr Krupschert , sagt .. Und ich soll das anhören?" sagt Herr Kruppschert böse. 'Menn ch deine Töle erwische, schlage ich ihr eine über den Deetz! Daß du es nur mei£i steht da und sieht Herrn Krupschert nach Daß manche Menschen bös find weiß sie schon sehr lange, weiß sie schon, seinem ein Hand- werksbursche ihr die Hand ausgebrochen und die ^k Emholgeld weg- genommen hat. Also Herr Krupschert ist auch böse, er ist nicht nur