Nummer 90 rgang 1954 Montag, den 19. November (Fortsetzung.) „Es ntijeattr i' schreckt starrten sie «iiftori« ■ Brnflielten. Ueber jedem Eijenzylmoer Itnnoen uuj 5 ß'W sinkende Messinqkuqeln, die mit den beiden Belagen des Kondensators n,AL| lÄeibunben waren. Dr Wille trat an einen der Apparate heran, griff r J(tn'®W) einem Funkenzieher und berührte die beiden Kugeln damit. '! -'M „Der Kondensator ist leer, Herr Schmidt. Nicht das kleinste Fünkchen ' Psil h ä Zu sehen. Nun passen Sie bitte auf! . s hPH n- « ' . nt <. . ri......h<-?hiirrh hon Oinen .^anben- □ort in einem Lvevuoe van meiuuiiu^n — c;^mihf,y fuhr '» Uhr, 5 Minuten,, 1» Sekunden Greenwichzeit Herr Schmit fuhr je, Karl Hagemann hatte den elektrischen Herd eingeschaltet und sein aitbeei eben in die Pfanne getan. Mit Gott und der Welt zuftieden ' iden Fett „Na, was denn, mein Jungchen?" lachte der Funker. „Sehr einfach I Morgen fange ich an und baue mir einen eigenen pfäger. Wir haben ja genug Einzelteile im Lager." Und nun begann Rudi zu erzählen, was für einen großartigen Einp- ger er sich bauen würde und begeisterte sich dabei immer mehr für eben erst gefaßten Plan. Mitten in seine Schilderung hinein brummte stens als Arbeitshypothese, Herr Wille, kann ich es zugestehen, ■ ■ r!->- -----r—- —"ß." Er bewegte den Mund, ff die Lippen wieder fest werden. In jähem Ruck hob sich ganze Funkerbude von ihren Fundamenten. Dabei zerrissen die Leitungen, es wurde auch hier dunkel. Eine kurze Strecke wirbelte die Bude durch die Luft, drehte sich dabei und schlug seitlich aus den Boden. Dichte Schneemassen wirbelten darüber hin und begruben sie unter sich — — t)|el ergi ufpielm 'lammen. .. „ . „Herrgottfakra, Schmidt, bei Ihnen kann man die Geduld verlieren, «mmen Sie! Wir wollen zu den Instrumenten aus dem Hos gehen und H mal sehen, wie schnell die Kondensatoren sich aus der freien Luft rladen ... mit Sonnenelektronen, Herr Schmidt. Darum dreht sich s. dis N bW?; nb al« ’j iatefPta,1 Wl|l r, inw ■ j । :o6en ®lj Dlarioni’i i @e|W sm M ich der der kik eulschla«! einen 91c den „!> 'chealer i nenn H i fauer n iS oorntii er W ijatjbi. 1773 bi«: ■ der Ser )2 * i Bier* tr ifambure tibnhm' itit ei« । [ten au* Utes 1«1 eutfifl* iederl e ieler 5 die - (ein ben-A, j @eb«*; id-"2 ren Wahrheitsgehalt sich erst erweisen muß. i ob er etwas verschluckt hätte, und tnif HANS DOMINIK • EIN STIERN FIEL VOM HIMMEL COPYRIGHT 1934 BY KOEHLER & AMELANG G. M. B. H., LEIPZIG Immer noch in ihren Disput verwickelt, zogen die beiden Gelehrten t? die Pelze über und traten auf den Hof hinaus Die Einrichtungen, < Wille hier aufgebaut hatte, erinnerten einigermaßen an die Freiluft- niagen eines modernen Umspannwerkes. Db standen mannshohe Zylin- i aus Eisenblech, die wetterfest eingebaute Hochspannungskondensatoren " hielten. Ueber jedem Eisenzylinder standen aus Aolatoren^^ zwei Won den Türmen Bitterfelds läutete es zu Mitag, als ,6t 8‘ an seiner Hubschraube über dem Hos der Eggerth-Werke hing. „Allerhand Volk scheint -sich ja zu unserem Empfang versammelt zu haben", meinte Hansen nach einem Blick durch die Fenster des Kommandoraumes. , „ ... „Wird sich am Ende auch jo gehören", sagte Berkoff, „wir haben ja unsere Ankunftszeit auf die Minute genau gefunkt." Hein fand keine Zeit zur Erwiderung. Jetzt schwebte der mächtige Bau nur noch wenig« Meter über dem Rasen des Hofes. Jetzt setzte er ieheimZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Was war geschehen? Mit Schallgeschwindigkeit hatte sich eine explosionsartige Luftwelle von der Einschlagstelle des Boliden her nach allen Seiten ausgebreitet. Wenn man sich erinnert, daß ihre Ausläufer noch in 100 Kilometer Entfernung die Stratosphäre in Aufruhr versetzten, so wird man es begreifen, daß ihre Wirkungen auf der Erdoberfläche über alle Maßen entsetzlich waren. Fünfzig Minuten nach dem Sturz des Boliden erreichte die Explosionswelle Dr. Willes Station und verwandelte sie im Augenblick in einen Trümmerhaufen. Wer vermochte zu sagen, ob noch Leben unter den Schneewehen vorhanden war, die sich dort über Ruinen türmten? — Mit unverminderter Geschwindigkeit stürmte die Welle weiter und brachte noch Sturm und Unwetter über die südlichen Teile von Afrika, Australien und Amerika. Die Meßinstrumente in allen Bebenwarten der Erde gerieten in Aufruhr und zeichneten ein schweres Fernbeben in der Antarkis auf. Geologen und Meteorologen zerbrachen sich ihre Köpfe über die möglichen Ursachen. Den wahren Ursprung all dieser Erscheinungen vermochte niemand anzugeben Nur die Besatzung von ,6t 8' hatte ja den Boliden stürzen sehen, der an allem schuld war. bet 'M !°n ti|! 'n Oh J reinen y ber 6ummer des Stationsempfängers. „Wie gut, Rudi, daß wir richtig auf Empfang stehen", meinte Lo- mzen, während er sich den Kopfhörer überschob. ■ Es war ,6t 8‘, das anfragte, ob man auch auf der 6tation etwas rt dem Boliden gesehen habe. Da konnte nun Lorenzen dienen, und d er seine eigenen Ansichten mit der Autorität von Dr. Wille bemän- I re, gab es ein längeres Hin- und Herfunken, bis die 6tation wieder f Empfang stand und Rudi feine Baupläne weiter ausspinnen k! nnte.-- In einem Mittelraum des 6tationshauses hatte Dr. Wille sein erd- Dgnetisches Kabinett eingerichtet. Als Observatorium war es ursprüng- Ich gedacht, aber in den wenigen Monaten, die sie hier waren, war b raus bereits zum Teil ein Laboratorium geworden. Nach dem Abflug des 6tratofphärenfchiffes hatte sich Wille mit ‘ jenem Assistenten hierhin begeben, und jetzt waren die beiden Gelehrten 1 in eine lebhafte Meinungsverschiedenheit geraten Schmidt, der lange 1 dürre Schmidt, eine international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet II ie« Erdmagnetismus, hatte an der Elektronentheorie Willes allerlei eiszufetzen. ö „Sie geben doch wenigstens zu, Herr Schmidt, daß ein Zusammen- siag zwischen den Sonnenflecken und den Aenderungen des Erdmagnetis- fflis besteht", rief Dr. Wille, ärgerlich über die Einwände des anderen. ] Schmidt kniff die schmalen Lippen zusammen und antwortete zögernd, g vie wenn er jedes Wort abwägen müsse. Roastbeef eben in die Pfanne getan. Mit Gott ----- —----<. stand er dabei und freute sich, wie das Fleisch in dem brodeln! briet. Da schleuderte ihn ein jäher Stoß in die Ecke neben dem Herd. Er spürte, daß sich alles um ihn bewegte, hörte Wände brechen. Schneewirbel umgab ihn. Ehe er sich rühren, sich aufrichten konnte, war er von dichten Schneemassen bedeckt. Im Schnee begraben waren im Laufe weniger Sekunden alle fünf Insassen der Station. Sie konnten nicht mehr sehen, wie der Orkanstoß auch den Maschinenschuppen demolierte und das große Stationshaus schwer beschädigte. — Die Sekunden verstrichen. Als die fünfzigste herankam, begannen die Kugeln zu knistern, hin und wieder huschte ein bläulicher Schimmer über sie hin. Als die Minute voll war, schlug ein krachender heller Blitzfunke zwischen ihnen über. Wille steckte seine Uhr wieder in die Tasche. „Eine Minute, Herr Schmidt, um einen Kondensator von hundert Mikrofarad auf eine Spannung von 50 000 Bolt aufzuladen. Wie denken Sie jetzt Über die Sonnenelektronen?" Dr. Schmidt hatte noch ein gutes Dutzend Einwände auf Lager. Aber es fror ihn zu sehr, um sie hier draußen an den Mann zu bringen. „Ich schlage vor, daß wir die Sache drinnen besprechen", sagte er ... wollte er sagen ..., da kam ein dumpfes Brausen durch die Luft. Wie der tiefe Ton einer mächtigen Schiffssirene klang es zuerst, schwoll in Bruchteilen einer Sekunde zu unerträglicher Stärke an. Dann traf ein orkanartiger Sturmstoß die beiden Einen Augenblick sah Schmidt noch die hohen Lichtmasten WÜe Streichhölzer zusammenknicken und niederstürzen. Dann wurde es dunkel. Er sah nichts mehr, fühlte sich nur von dem Orkan mit unwiderstehlicher Kraft in wirbelndem Schnee über den Hof dahingerissen und stürzte nieder. Ueber ihm häufte sich der Schnee zu einer starken Wehe.-- Um die gleiche Zeit saß Rudi immer noch mit Lorenzen zusammen und schmiedete hochfliegende Empfängerpläne. Die beiden hörten das aufkommende Brausen und Dröhnen, vernahmen etwas von dem Krachen der niederstürzenden Masten, sahen den Hos dunkel werden. Er- an. Da fühlten sie den Boden unter sich beweglich uck hob sich ganze Funkerbude von ihren Funda- " ~ 1 ' ' 7 dunkel. Eine «bete Geheimwelle ein. Rudi warf den Kopfhörer auf den Tisch. ... „Gemeinheit, Lorenzen! An der interessantesten Stelle haben Sie mir Berten: d r Gespräch abgetniffen. Aber ich weiß, was ich tue." )ten I >PPti| MNN ihi Srobet’J nichi.3 bet j irftellm, erben, i SchG, ■ )er um; , e Serrai « «b bie • j Mtbertt 9*: äußerlt n auch i ' i° W ® Spiel, . m- uni Ite. ie Gch rbertju j Er ^gü e^e7'Luftschalf7r und erdete dadurch den. einen Konden- - «^iDrpol und brachte den zweiten Pol mit einer Leitung m Verbindung, ftV lie an einem hölArnen Gittermast etwa hundert Meter m die Hohegmg Atie füb1’ I F° dort in einem Gebilde von metallischen spitzen lammen endigte *7- I „9 Uhr, 5 Minuten, 10 Sekunden Greenwichzett Herr Schmidt .fuhr 1 ir mit einem Blick auf seine Taschenuhr fort. Er behieltdieUhr: tn ö Md und folgte dem Fortschreiten des Sekundenzeigers Schmidt tompfte ungeduldig auf seinem Platz hm und her. 3 ptnnfinh- M^szes und der gefütterten Gummistiefel drang ihm bie Kalte empsind- in seine dürren Knochen. „ .... „ _ geht nicht, Rudi, daß Sie hier den ganzen Aether abfrühstücken, iele mit 2»r Empfänger muß auf unserer Stationswelle stehen", sagte er und Aalten e Ute den Empfänger wieder auf die mit den Eggerth-Werken verab- ites Mi T ' ...... ’ ■ r ~ "" """ einen schon gestern von Wulicke, daß ihr in dicken Verhand- Linien steckt", fiel ihm Hein ins Wort. Der Professor „Sehr gut, Hein Fünfzig Tonnen Nutzlast, 16 000 Kilometer Flugstrecke, dafür ist der Brennstoffverbrauch erfreulich gering. Diese Zahlen werden uns bei unseren augenblicklichen Verhandlungen sehr niitz- Vormittag konnte Hein seinem Vater über den Flug nach der antarktischen Station berichten. Im Arbeitszimmer Professor Eggerths saßen sie sich gegenüber. Professor Eggerth nickte und legte die Aufstellung, die ihm Hein überreicht hatte, wieder aus der Hand. lief) fein." „Ich hörte es lungen über neue winkte ab. ,, , „ ,, „Davon später, Hein. Die Verhandlungen scheinen allerdings recht aussichtsvoll zu fein, aber vorläufig wollen wir bei der Expedition von ,St 8' bleiben. Ihr habt das Material für Dr. Wille hingebracht und auch noch geholfen, es mit einzubauen. War alles auf der Station in Ordnung?^ „Alles tadellos, Vater Wille stürzte sich sofort auf die neuen Rohren. Er war ganz in feinem Element." „Was macht Schmidt?" „Immer die alte Leier. Er macht ... ich möchte sagen, gewerbs- und gewohnheitsmäßig ... Opposition, sowie Wille auf feine Elektronentheorie kommt." Professor Eggerth lächelte. „Wird Wille die ewige Nörgelei nicht zuviel?" Hein schüttelte den Kops. „Ich glaube, nein. Mir scheint's manchmal, als brauchte Wille den Widerspruch von Schmidt geradezu, um sich für seine eigene Theorie zu entflammen und kräftig an ihr weiter zu arbeiten." „ „ „Kannst recht haben, Hein. Der Streit ist der Vater aller Dinge. Vielleicht trifft das alte Wort auch hier zu. Mögen die beiden sich weiter aneinander reiben und dabei was Vernünftiges zustande bringen. Mit allem Nötigen sind sie ja nun für längere Zeit versehen. Wenn sie etwas brauchen, werden sie sich schon melden. Das ist recht gut so. Wir müssen den Kops jetzt für andere wichtige Dinge frei haben. Wie war's nun mit dem Rückflug?" Hein räusperte sich. „Der Rückflug war auch ganz schön, Vater, aber um ein Haar wären wir dabei mit,St 8' zum Teufel gegangen!" „Was? Wie? Wie war das möglich? War etwas im Schiff in Unordnung?" „Nein, die Geschichte kam von außen her. Ein mächtiger Bolide, der nur 100 Kilometer von uns ab auf die Erde stürzte ...“ Hein Eggerth berichtete nun ausführlich das Abenteuer, das sie auf dem Rückflug, kurz nach ihrem Start gehabt hatten. Als er geendet hatte, faß der Professor eine ganze Weile schweigend und sinnend da. Nach einiger Zeit begann Hein weiterzusprechen „Ich habe die Absicht, bei dem nächsten Flug in die Antarktis die Stelle zu besuchen, um genauer zu sehen, was da eigentlich vorn Himmel gefallen ist. Es interessiert mich doch . ." „Tu das, Hein", unterbrach ihn Professor Eggerth, „aber sprich bitte zu niemandem über diese Angelegenheit. Verpflichte auch Berkoss und Hansen zum Schweigen." Hein sah ihn erstaunt an. „Warum so geheimnisvoll, Vater? Ich verstehe nicht recht, warum wir. .." „Weil die Sache wichtiger und wertvoller sein kann, als ihr ahnt. Du schätzt den Durchmesser des Meteors auf rund einen Kilometer?" „Auf wenigstens soviel, soweit eine genaue Schätzung aus hundert Kilometer Entfernung überhaupt möglich ist. Ich kann nur immer wieber sagen, es war ein Mordsbrocken, der da runterkam. Aber warum interessiert dich die Größe so sehr?" Professor Eggerth strich sich über die Stirn. „Es ist schon öfter vor. gekommen, Hein, das solche Mordsbrocken, wie du dich auszudrucken i’eliebft, aus dem Weltraum aus die Erde stürzten. Dos letztemal geschah es in dem Jahr vor dem großen Kriege. Da st ein Meteor von ahn. licher Gröhe in die ostsibirische Tundra eingeschlagen An der Einschlag, stelle hat sich auch ein kraterartiges Rmggebirge gebildet. Man ist dabei, )en Meteoriten, der aus reinem Nickeleisen besteht, bergmännisch aus- zubeuten." Hein schaute interessiert aus. ,Zch beginne zu begreifen, Vater. Du meinst, wir könnten etwas Aehnliches mit dem Meteoriten in der Antarktis unternehmen." , Professor Eggerth schüttelte den Kopf. „Nicht ganz so, wie du denkst, Hein Ein Eisenbergwerk am Südpol, das würde wahrscheinlich un» rentabel sein. Aber es könnte sich auch um Wertvolleres handeln. - In Arizona in den Vereinigten Staaten ist ein Bolide von ungefähr derselben Größe niedergegangen und hat ein Loch von 500 Meter Tiefe in die Erdkruste geschlagen. Das soll, wie die Geophysiker behaupten, schon vor 50 000 Jahren geschehen fein, doch das ist unwesentlich. Haupt- lache ist, daß dieser Meteorit noch vorhanden ist und daß er nicht aus einfachem Nickeleisen, sondern aus einem platinhaltigen Eisen besteht. Trotzdem man mehr als 300 Meter in die Tiefe gehen muß um an den Boliden heranzukommen, ist man doch kräftig dabei, das kostbare Mineral abzubauen, und tut es mit gutem wirtschaftlichen Erfolg. Hein sprang aus. „Alle Wetter, Vater! Das wäre eine Sache. Platin ist meines Wissens ebenso wertvoll wie Gold. Da könnte man schnell uno schmerzlos Millionär werden." Eggerth schütelte den Kopf. „So einfach ist die Sache nicht, mein Junge Das ist auch gar nicht der Zweck der Uebung, daß der eine ober andere von uns da Reichtümer sammelt. Aber für unser Land, für unsere Volkswirtschaft könnte die Angelegenheit von größter Be- beutung werden, wenn ... ja, das müht ihr eben bei euerm nächsten Flug feftfteUen, was da eigentlich vom Himmel gefallen ist. Erst wenn wir Teile des Meteoriten genau analysiert haben, läßt sich sagen, ob die Geschichte sich lohnt. Und bann, ich binbe es bir nochmal auf bie Seele ... tiefstes Stillschweigen über alles, was ihr ba etwa seht und sinbet. Er warf einen Blick auf bie Uhr. „Jetzt mußt bu mich entschulbigen. In zehn Minuten beginnt bie Besprechung mit ben Japanern. Baron Dfuru ist selber aus Tokio gekommen, um bie Verhanblungen schneller vorwärts zu bringen.* „ „. Hein überlegte einen Augenblick. „Okuru ... Baron Okuru? Mir tft es, als ob ich ben Namen schon mal gehört hätte." „Höchstwahrscheinlich, Hein. Der Mann ist Abteilungschef im japanischen Lustsahrtministerium. Es hanbelt sich um eine Linie Tokio— Frisko, bie flugplanmäßigen Anschluß an unsere amerikanische Lime Frjsko—Neuyork bekommen soll. Um eine Norbsub-Lmie von Kore, über bie japanischen Inseln bis nach Formosa unb um eine rnanbschu- rische Linie. Das alles soll mit unseren Stratosphärenschiffen beflogen werben." _ „ ... Großartige Sache, Vater! Ich rechne, daß wir ben Selben wenigstens ein Dutzenb von unseren ,St'-Schiffen verkaufen werben." Der Professor nickte. „Es bürsten sogar zwanzig werben, aber bie Finanzierung unb bie Organisation ber geplanten Linien machen uns noch viel Kopfzerbrechen. Ich muß jetzt in bie Besprechung. Aus Wiedersehen später!"-- _ . Gegen Ende der zweiten Woche nach der Rückkehr von ,St8 wurden endlich die japanischen Verträge von allen Kontrahenten unterzeichnet, und fünf Tage später tarnen auch die brasilianischen Abmachungen glück- lich unter Dach und Fach. Professor Eggerth sah angegriffen und überarbeitet aus, als er feinen Namen unter den letzten Vertrag schrieb, aber noch durste er sich feine Ruhe gönnen. Die neuen Schiffe mußten sofort auf Stapel gelegt, bas ganze Werk auf brei Arbeitsschichten umgestellt werben, benn nur jo war es möglich, bie vereinbarten Bauzeiten innezuhalten. Tag unb Nacht bröhnte jetzt bas Lieb ber Arbeit burch bie Werkhallen. Alle Ingenieure bes Werkes, auch Hein Eggerth, Hansen und Berkosf steckten so tief in der Arbeit, daß sie oft nicht wußten, wo ihnen der Kops stand. — Für eine kurze Mittagspause waren die drei ins Kasino gegangen:, noch ganz erfüllt von Ideen an Umkonstruktionen und Verbesserungen für die neuen ,St'-Schiffe. Zwischen Suppe und Braten fragte Hein unvermittelt: „Hat sich eigentlich Dr. Wille wieder gemeldet?" Die Frage riß die beiden anderen aus ihren Gedanken. Dr. Wille .~ die Station in der Antarktis. Daran hatte in dem Trudel der letzten Wochen keiner von ihnen gedacht. „Keine Ahnung", sagte Hansen lakonisch. ,Lch weih es auch mchi, fügte Berkoff hinzu. • „Dann wollen wir mal nach dem Essen zu unserer Funkstatton gehe» und hören, ob Nachrichten vorliegen", schlug Hein vor. — Die Auskunft, die sie dort erhielten, beunruhigte sie stärker, als si« es wahrhaben wollten. Seit Wochen war kein Funkspruch aus der and arktischen Station an das Werk gekommen. Gewiß, es konnte fein, baß dort alles in bester Ordnung lief, und einfach nichts zu telegraphieren war. Aber das mußte man doch einmal feftftellen. Auf Veranlassung von Hein Eggerth versuchte der Werkfunker btc Verbindung mit Dr. Willes Station aufzunehmen. Doch so oft er sie au® auf der verabredeten Geheimwelle anrief, der Aether blieb stumm. Es kam keine Antwort aus der Antarktis. Ein Entschluß mußte gefaßt werden unb er wurde gefaßt Als bie Abenbbämmerung hereinbrach, lag ,St 8' startbereit auf bem Werkhol, beloben mit allen erbenklichen Dingen, bie ber antarktischen Station für ben Fall eines Unglückes vonnöten fein konnten. (Fortsetzung folgt.) sanft auf dem Traktorengestell auf, bas ihn in die Halle bringen sollte. Eggerch schaltete den Vertikalmotor aus. Dann standen sie auf dem heimatlichen Boden und sahen sich einer großen Menschenmenge gegenüber. Ein beträchtlicher Ten der Werk- beleqschaft benutzte die Mittagspause, um der Landung ihres neuesten unb größten Stratosphärenschiffes beizuwohnen. Heilruse aus hunbe^ Kehlen, Armwinken unb Tücherschwenken, doch vergeblich sah sich Eggerth nach einer ber leitenben Personen bes Werkes um. Der alte Meister Wulicke, ber schon feit einem Menschenalter im Werke war, ^°'„H»zlich"willkommen zu Haus, Herr Eggerth unb ich soll Sie für ben Herrn Professor begrüßen, weil er selber nämlich jetzt keine Zeit hat. Hein Eggerth schüttelte bem alten Faktotum herzlich bie Hanb. ,Lch banke Ihnen, lieber Wulicke Was hat benn mein Vater vor, bah er seinen erstgeborenen Sohn nicht selber begrüßt? Meister Wulicke traute sich ben Kopf. „Schwere Sitzungen, Herr Eggerth. Immerzu sitzen die Herren jetzt zusammen. Tag unb Nacht geht das jetzt mit den Konferenzen. Japaner sind auch wieder ba. Das soll nämlich wegen ber* neuen timen [ein, bie mit ben ,St'-Schisfen eingerichtet werben sollen. Hansen unterbrach ben Alten lachenb. Also ber Laben geht, bas Geschäft blüht, Wulicke? Ist ja großartig! Aber unser gutes altes Kasino haben bie Herren boch hoffentlich nicht auch mit Beschlag belegt?" „Nein, Herr Hansen. Durchaus nicht! Die Herren sitzen nämlich immer in bem großen Konferenzzimmer, und ber Koch hat auch schon feines Essen für Sie ba. Es gibt Gulasch mit Rubeln , schloß er (einen ^JRa, benn wollen wir mal!" sagte Eggerth unb setzte sich in ber Richtung auf bas Kasino in Bewegung. ,Zch habe nachgerade etwas Appe- tft bekommen." „ . . m , ,, „Bei mir könnte man’s schon fast Hunger nennen , meinte Berkoff. „Mir hängt der Magen bis in die Kniekehlen", schloß Hansen die Im Kasino fanden sie alles, was Meister Wulicke ihnen in Aussicht gestellt hatte und noch einiges mehr. Aber ber Tag verging, ohne baß ber leitenben Herren zu Gesicht bekamen Erst am nächsten konnte Hein feinem Vater über ben Flug nach ber entart« Liebesnot. Von E. ®. Kolbenheyer. Warum tust du mir so weh, Willst du mich nicht kennen? — Weil ich dich mit Augen seh, Die vor Lieb« brennen. Warum bist du hart zu mir. Daß ich still muß weinen? — Meine Liebe will aus dir Glut, wie Stahl aus Steinen. Ist mein Herz ein Stein, ein Stein? Ach, es träumt jo linde, Will gewiegt, gewartet sein Gleich dem jüngsten Kinde! — Meine Sehnsucht aber spricht: Gib dich ungemessen! Flamme stirbt an ihrem Licht, Du mußt dich vergessen. Oer Zauber der Mumie. Bon Paul Ernst. In einer oberägyptijchen Stadt, welche der Sitz einer Verwaltungsbehörde war zu der Zeit der römischen Herrschaft, lebte ein junger Mann namens Pantus, der Sohn der Temestes, welcher als Beamter bei dem Verzeichnis der Staatseinkünfte angestellt war. Pantus liebte ein junges Mädchen namens Nike, die Tochter seines Nachbarn Apollonus. Die beiden jungen Leute waren aus demselben Stande, ihre Eltern waren vermögend, und Pantus hatte eine gute Laufbahn vor sich, denn er durste erwarten, datz er später einmal Statthalter des Distrikts wurde; dazu war Pantus von angenehmem Aeußern, liebenswürdigem Benehmen und gutem Wesen; so hätte nichts im Wege gestanden, daß Nike den Bewerber erhört hätte; aber das junge Mädchen sagte ihren Eltern, sie habe eine unüberwindliche Abneigung gegen ihn, sie wisse nicht, weshalb; und da die Eltern verständig genug waren, ihre Tochter zu einem so wichtigen Schritt nicht zwingen zu wollen, so sagte Apollonus mit bekümmerter Miene zu dem Bewerber, der im Festtagskleid und mit einem Strauß kostbarer Blumen vor ihm stand, daß er zu seinem größten Leidwesen auf die Ehre verzichten müsse, ihn als Sohn in sein Haus aufzunehmen, und daß er ihm nur wünschen könne, er möge sein Herz ein anderes Mal einem verständigeren Mädchen schenken, als Nike sei. Pantus wurde blaß und neigte die Stirn auf die Hand des Apollonus, dann ging er. Das Haus des Apollonus lag in einem schönen Garten. Pantus hatte seinen Besuch am frühen Morgen gemacht, und noch blitzten feine Tautropfen an hängendem Gras und bunten Blumen. Nike, in einem Gewand aus zartem durchscheinendem Leinen, lief auf dem sauber kiesbestreuten Gang hinter einem bunten, gaukelnden Schmetterling her. Sie erblickte Pantus, wie er, gefesselt durch das anmutige Bild, dastand, mit sehnsüchtigem Blick aus sie hinsehend; ein Zug von Trotz huschte über ihr heiteres Gesicht, dann glätteten sich Mienen und Zuge wieder zu kindlicher Heiterkeit, und sie wies auf den Schmetterling, der sich inzwischen auf eine Blume gesetzt hatte, in Wonne die farbenprächtigen Flügel flach auseinander schlug, und im tiefen Selbstvergessen den berauschenden Honig des Kelches sog. Auch über Pantus wollte ein Selbstvergessen kommen; aber plötzlich verfinsterte sich sein Gesicht und er riß sich nut turym ®nr“^05einem Priester, der in einem kleinen Häuschen neben ,eini)Tr Priester "agte^ihm: „Das Land ist vortrefflich eingerichtet. Jeder Mensch ist ausgeschrieben, und sein Leben wird ganz genau von den Behörden verfolgt, und in den Akten sind alle seine Erlebmsie M-ndem Jedem Menschen ist eine Arbeit zugewiesen die er für d>e Gesellschaft zu verrichten hat; und dafür bekommt er sein bestimmtes Maß Lebensmittel, von de? Art, wie sie für seine Arbeit und seine Lebenswe. e angemessen sind. Du weißt, daß bei den andern Volkern das nicht so ist, daß die in Roheit und Gedankenlosigkeit dahmleben. Die Ursache ist aber, daß wir Aegypter wissen, unser irdisches Leben 'st nur etwas ganz Gleichgültiges und Unbedeutendes, und das eigentliche Lebe,, ist das Leben nach dem Tode. Deshalb leben wir ja auch m Wirklichkeit mit allen Toten zusammen, die seit undenklichen Jahrtausenden rn diesem Lande gelebt haben; wenn wir ihre Geister sehen konnten dann wurden wir sehen, daß auf jedem Zollbreit ägyptischer Erde ein Geist eines Nachdem e?das gesagt hatte, erfüllte er den Wunsch des Pantus Er nahm ein kleines Bleiplättchen und schnitt es mit dem Messer in Herzform; dann ritzte er die Inschrift ein unMeigte ^jd°m Junglmg; fie lautete- Norton Sohn des Serapus, mache, daß Nike, o,e -vomier s” Sr SÄ’ ha nicht fertig, der Leichnam lag noch mit oft ^.e ° Y Y rocr= Stoffe mußten erst emdrmgen uni> bt ^e.nreibungen n°cy J eine den. Der Priester zündete em Licht an unö (treu« em * j Viechschaufel, die hielt er über das Licht und als^der Raum a ÄaxäÄ’ä--—» ,/Diefes Päckchen wird das Herz des Horlon roerben", sagte er zu dem Jüngling. „3n zwei Wochen wird die Leiche fertig zubereitet sein, der Sarg ist schon berett, in den sie gelegt werden soll; dann kommt sie in ihr Grab. In zwei Wochen wird Horion die Nike quälen, wie du mich gebeten hast." Pantus beugte die Stirn auf die Hand des Priesters, dieser segnete und enlließ ihn. Pantus ging auf fein Amt und machte seine Arbeit; er kam nicht in die Nähe von Nikes Haus, er hielt sich in feinem Haufe, wenn er nicht auf feinem Amt war. An einem Abend faß er am Fenster und sah auf die Ebene, von welcher das Dunkel hochstieg. Da klopfte es zaghaft an feine Tür; er rührte sich nicht und rief, der Klopfende solle eintreten. Nike trat ein, sie schob sich durch die wenig geöffnete Tür, zog die Tür hinter sich zu. und stand nun da an der Wand, mit niedergeschlagenen Augen. Pantus gab keinen Laut von sich, er blickte auf die Ebene durch das Fenster. Nach einer Weile sagte Nike: ,Lch habe unrecht getan, daß ich deine Liebe von mir stieß Du muht mir verzeihen. Und vielleicht ist es so gewesen, daß meine Eltern nur nicht verstanden haben, wie es in mir war, und ich habe es auch nicht verstanden. Nun bist du die Wochen lang nicht bei meinem Vater gewesen. Das war klug von dir, denn dadurch hast du mich bezwungen. Zuerst dachte ich immer, du kommst noch; aber feit einer Woche dachte ich, nun liebst du mich nicht mehr." Als sie das sagte: „Das war klug von dir", da lachte sie; aber als sie sagte: „nun liebst du mich nicht mehr", da tarnen ihr die Tränen. Pantus faß noch immer still und teilnahmslos am Fenster, ihre Tränen rannen, und sie blickte ihn flehend an. „Vielleicht ist es wirklich so, daß du mich nicht mehr liebst?" fuhr sie nach einer Pause fort. „Du solltest doch nicht so hart fein. Sieh, ich bin ja auch hart gewesen, aber ich war es aus kindischem Unverstand, weil ich nichts von der Liede wußte und von mir selber; aber du weißt doch, wie Liebe tut, und du weißt auch von mir und dir." Noch immer schwieg Pantus. „3ft denn wirklich alles zu Ende?" fragte fie. „Sieh, auch wenn du mich nicht mehr liebst, ich bin doch schön, ich will dir eine gute Frau sein und will dir in allem gehorchen, könntest du mich nicht zum Weibe nehmen, und vielleicht käme die Liebe wieder? Ich weiß ja nicht, rote ich so sprechen kann, denn das ist nicht mädchenhaft, daß ich so spreche, aber es ist mir, als ob mich Etwas zwingt." Als sie so gesprochen hatte, löste sie sich von der Wand und ging auf ihn zu. Er stand auf und trat ihr gegenüber, da erhoben sich gleichzeitig ihre Arme, und Nike schmiegte sich an seine Brust und er umarmte sie. Das geschah damals, nun ist auch das fast zweitausend Jahre her, und Pantus wie Nike sind lange verschwunden, die Leiche des Horion aber blieb, und in ihrer Brust tag ein bleiernes Täfelchen, in Herzform geschnitten, auf welchem der Zauder eingeritzt ist, der Nike an Pantus fesselte; und solange das Täfelchen in der Brust des Horion ruht, so lange wirkt der Zauber; er wirkt noch heute, Pantus und Nike find verschwunden, aber die Liebe von Nike ist losgelöst von ihrem Körper, sie ist noch. Oer Beruf des Dichters. Von Erwin H. Rainalter. Die soziale Stellung des Schriftstellers hat sich während der letzten Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Was vorher zumeist nur Berufung gewesen war, ein Amt, das man um seiner selbst ausübte, das wurde nun in einem bürgerlichen Sinne zum Berus. Der Schriftsteller besann sich immer mehr daraus, daß die Produkte seines Schaffens nicht nur ideelle Werte darstellten, so daß sie — wenn man dies nüchterne Wort in solchem Zusammenhang gestatten will — auch ein wirtschaftliches Gut von ernsthafter Bedeutung waren. Mit dieser Erkenntnis begann er sich aus den anderen Berufen auszuschallen, die ihn bisher geborgen hatten. Die Frage, ob dies zum Nutzen der Kunst geschah, wird allzuleicht nicht zu beantworten sein. Gottftied Keller noch, ein Mann also, der schon in unsere Zeit hineinragte, hielt fest an feinem Amt als Staatsschreiber von Zürich, weil er der Meinung war, daß diese Bindung an das bürgerliche Leben ihm allein die innere Freiheit und Unabhängigkeit gebe, die er für feine Kunst brauchte. Mit folcher Anschauung stand er keineswegs vereinzelt da. Goethe widmete sicb den Ausgaben, die ihm als einem weimarischen Staatsminister oblagen, mit Genauigkeit und Ausdauer; Schiller war Professor; Herder Prediger. Als Erster hatte Lessing den Mut, zu werden, was man heute einen freien Schriftsteller nennt. Kleist folgte ihm zwar darin nach, aber er suchte wenigstens zeitweise eine Bindung in der Journalistik. Im allgemeinen darf man sagen, daß ehedem das bürgerliche Leben scharf von der künstlerischen Tätigkeit geschieden war. In diesem Zusammenhänge muß es merkwürdig erscheinen, daß der Schafsende, der einzig und allein seiner Kunst lebt, in anderen Kunstgattungen von jeher zu Recht bestand, und daß nur der Dichter sich erst mühsam von seinen Hemmungen und Vorurteilen frei machen mußte. Mozart, Beethoven, Schubert, Wagner lebten nur für ihre Berufung, die sie zum Berufe werden ließen. Schwer vorstellbar i t ein Maler oder Bild'hauer, der tagsüber in einem Kontor angestellt i t und sich karge Mußestunden abftiehlt, um zur Erfüllung seiner eigentlichen Ausgabe zu kommen. Dabei muß freilich festgehalten werden, daß jede andere Kunst fester im Handwerklichen verankert ist als die Dichtkunst. Dürer war nicht mehr als ein zunftmähiger Meister, der freilich hoch in den Himmel seligsten Schöpfertums hinaufwuchs Wogegen die Meistersinger durchwegs ein Gewerbe übten, das sie mit ihrem Dichtertum wohl in Einklang zu bringen verstanden. Kein Zweifel kann darüber bestehen, daß dieses Hinausheben dichterischen Schaffens über die Sphäre des Alltags viel zur Vertiefung des Schaffens beitrug, während andrerseits das Berhaftetsein des Dichters 'im Bürgertum jene Weltkenntnis vermittelte, ohne die das Dichtwerk nicht bestehen kann. Denn im Gegensatz etwa zur Musik, die die unabhängigste aller Künste ist, tBerant-oortlicb: vr. Hans Thyriot. — Druck unb Der lag: Brühl'ich e Univeriitäts-Buch- und Steindruckerei. L. Lange, Gieberi. dienten sind weder bei den Griechen noch bei den Romern nachgewiesen. Während der kalten Monate suchte man sich ourch warme Kleidung zu schützen. So trug beispielsweise der Kaiser Augustus mi Winter eine besonders dicke Toga, darunter vier Tuniken übereinander und dann noch ein wollnes Unterhemd, eine woltne Brustbinde und dicke Garnaschen. Eine trauliche Wärme wird im kaiserlichen Palast also nicht geherrscht hoben. Die tragbaren Feuerbecken und Kohlenpfannen, von denen in Pompeji eine große Anzahl anmutig gebildeter und reich verzierter Stücke gesunden wurde, waren nur ein unzulänglicher Notbehelf. Bereits in der römischen Kaiferzeit aber entstand die Grundform unserer modernsten Heizungsanlagen, wenn sie damals auch nur in Badern Anwendung fand. Eine derartige Zentralheizung war eine Leitung von heißem Wasserdampf durch hohle Fußböden und Wände; ihr Erfinder soll em Zeitgenosse des Cicero, C. Sergius Orata, gewesen sein. Die Romer brachten diese Heizform auf ihren Eroberungszügen auch in den kalten Norden, und in Westdeutschland ist eine Reihe römischer Kastelle und Villen ausgegraben worden, die mit dieser Röhrenheizung versehen ““gür die Entwicklung der deutschen Kultur aber ist der Ofen von größter Bedeutung geworden; den älteren gemauerten Ziegelofen find die Kachelöfen gefolgt, von denen wir zum ersten Mal aus einem Grundriß des Klosters St. Gallen vom Anfang des 9. Jahrhunderts Kunde erhalten haben. Aus dem Ofen bildete sich der Kern des deutschen Hauses, die Stube, wie auch aus der sprachlichen Ableitung des Wortes Stube aus dem lateinischen „estufa" = Ofen zu erkennen ist. Daneben behaup- tete sich in den Ritterburgen und in Patrizierhäusern zwar der Kamm, nach dem die heizbaren Zimmer Kemenaten genannt wurden, aber der Kachelofen behielt seine beherrschende Stellung im deutschen Kulturleben durch die Jahrhunderte hindurch. Um ihn wob die Kette der Geschlechter einen Kranz von Poesie und Aberglauben, von dem Bruchstucke bis aus unsere Tage erhalten sind. Wie schon die Menschen der Steinzeit im Feuer ein göttliches Wesen erblickten, so schrieb man spater auch dem Ofen zauberhafte Kräfte zu und vertraute ihm Freud und Leid an. In Norddeutschland erinnert noch folgender beim Pfänderspiel gesprochener Reim an diese Bedeutung des Ofens: „Aben (Ofen), Aden, ick beb di an. Makst b’ ut mi keen beetem Mann, Beb ick bi ni roebber an." In ber Lüneburger Heibe heizte man in ber Lichtmeßnacht bte Oesen besonbers stark, unb bie jungen Mäbchen beteten: „Aben, Aben, ick beb bi an. Bescher mi up't Johr en netten Mann De got straken unb küssen kann." Für bie Witwen aber galt ber Spruch: „Aben, Aben, ick beb bi an, Bescher mi up't Johr en annern Mann, Mit dem ich mi düchtig striden kann." Der Kachelosen, der mit dem dreizehnten Jahrhundert seine volle Herrschaft antrat, wurde in den Bürgerhäusern der Gegenstand liebevollster Sorgfalt. Während die ältesten deutschen Ofenkacheln noch schlicht und unglasiert waren, wurden sie mit dem Aufkommen der Topfglasur zu wahren Kunstwerken, die in den buntesten Farben schillerten und bie mit reichem Bilderschmuck versehen waren. Allegorische, biblische und geschichtliche Szenen waren darauf abgebildet und zuweilen noch durch lehrhafte Sprüche erläutert. So war der Kachelofen ein steinernes Bilderbuch, das der Phantasie an den langen Winterabenden, wenn der Sturmwind um das Haus heult, manchen Stoff gab. Die Bratäpfel in der Ofenröhre, das behagliche Schnurren der Katze hinter dem Ofen, die Gestalten der alten Märchen und bie Melobien ber Volkslieber gehörten zur Stimmung dieser Geborgenheit, die in den Menschen ein Gefühl dankbarer Zufriedenheit erweckte. Der Kachelofen stand in hohen Ehren. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts schrieb der Elsässer Humorist Johannes Pauli in seinem Schwankbuch- „Schimpf* und Ernst": „Als ein lustig Ding ist zu sehen eine hübsche Frau und ein hübscher Ofen in einer Stube". Auch Goethe zählte den Ofen zu den größten Gütern des Lebens, wenn er in einem Brief an Herder bemerkt: „Wenn Ihr mich lieb behaltet, wenige Gute mir geneigt bleiben, mein Mädchen treu ist, mein Kind lebt, mein großer Ofen gut heizt, so habe ich zunächst nichts weiter zu wünschen. M ö r i t e aber schrieb im „Alten Turmhahn": „Ein alter Ofen stand In der Ecke linker Hand, Recht als ein Turm tat er sich strecken Mit seinem Gipfel bis zur Decken, Mit Säulwerk, Blumwerk, kraus und spitz — O anmutsvoller Ruhesitz: Betrachtet mir das Werk genau: Mich däucht's ein ganzer Münsterbau; Mit Schildereien wohlgeziert. Mit Reimen christlich ausstaffiert ..." Auch Gottfried Keller hat in seinem „Bietegen" eine liebevolle Schilderung eines solchen reich mit Bildern geschmückten Kachelofens gegeben. Der Ofen ist in seiner Entwicklung durch viele Wandlungen hindurch- gegangen, in ihm offenbarte sich der künstlerische Wille der Gotik ebenso i wie ber Geist ber Renaissance, bes Barock unb bes Rokoko. Später lebte er nur noch in ber Bauernkunst weiter, unb noch heute findet man auf dem Lande solche Kachelösen mit vielfältiger Verzierung und weisen Sprüchen, stumme Zeugen ber wechselvollen Schicksale, die an dem Haus und seinen Bewohnern seit Jahrhunderten vorübergezogen sind. * Im alten Sprachgebrauch - Scherz. bleibt bie Literatur in stänbiger innigster Beziehung zum Leben in allen seinen Formen. Sie wirb zum Sptegelbtlb ber weltanschaulichen unb sozialen Kräfte, sie steht burchaus aus bem »oben des Realen ™ freilich bies Reale unb Zeitgebunbene zum Smnbilb zu adeln. Daß somit bem Staatsschreiber Gottfrieb Keller allerlei Schicksale unb Menschlein unterliefen, bie ihm aus ber amtlichen Behandlung m fein Dichtertum hineinwuchsen, darf als gewiß angesehen werden, Fragl^ hat ihn auch der Berus zu dem herrlich klaräugigen Realisten gemacht, der er wurde. Trotz dieser notwendigen Bindung an das Leben des Alltags, die der Dichtkunst vorgeschrieben fein sollte, haben sich die Dichter auf eigene Füße gestellt, haben ihr Amt zum bürgerlichen Beruf gemacht. Dies war eine Revolution, die sich lange schon angekundigt hatte, die aber erst mit bem Naturalismus, ber Gerhart Hauptmann unb Suber- mann emportrug, zum Durchbruch gelangte. Damals begann man sozial zu benten, und damit wuchs in den Dichtern, die sich als Arbelts- menfchen an schwerem und verantwortlichem Werk fühlten, das Selbst- bewußtsein mächtig empor. Der Schreibtisch wurde zur Werkstistte, der Dichter hatte keine andere als diese nötig. Die Bindung an das Volk, die ihm ehedem eine Arbeitsgemeinschaft hatte geben können, suchte er nun In der Politik. Das hat der Kunst nicht immer genützt, aber andererseits empfing sie doch einen mächtigen neuen Blutstrom. Das kämpferische politische Gepräge des öfsentlichen Lebens hielt während eines halben Jahrhunderts an. In dieser Zeit vollzogen die Dichter, bie sehr zum Schaden ihres Schaffens allzu oft der Politik ganz zu verfallen drohten, die Emanzipation von den geläufigen bürgerlichen Berufen fast vollkommen. Dabei halfen ihnen natürlich auch äußere Umstände: die Volkszahl nahm rasch zu und damit stiegen die Auflagen der Bücher; auch traten immer mehr Zeitungen und Zeitschriften aus den Plan, die Mitarbeiter brauchten. Jedenfalls brachte bem Dichter feine nunmehrige Freiheit auch ibeelle Vorteile: er stanb über bem (Betriebe des Alltags, er konnte bas menschliche Leben aus überlegener Schau sehen Nur durfte er dabei nie der Gefahr verfallen, bie Fühlung mit diesem Volke, aus bem unb für bas er schuf und bas ihm stets fern wichtigstes unb schönstes Problem bleiben mußte, zu verlieren. In den letzten Jahren schienen bie Dichter biefer Gefahr zu erliegen. Sie begannen Wege zu gehen, auf benen ihnen bas Volk nicht mehr zu folgen vermochte Auch bies ist vorbei, unb eine neue Zeit hat bie Dichter wieder innig an das Volk angeschlossen. Denn eine starke Schicksaisgemeinschaft verkettet nun alle Schichten, die Werktätigen wie die Geistigen, die Ausnehmenden wie die Schöpferischen. Sie haben erkannt, daß sie einander ergänzen zu einer einer einzigen großen Leistung, die über den Einzelnen hinausgehoben ist. Der Dichter vor allem muß, wenn er seinen Namen verdienen will, wissen, baß bies Volk in allen seinen Typen unb Schicksalen so reich, so wichtig, so stark ist, baß es wahrhaft lohnt, es immer roieber in feinem Ringen und Streben zum Problem bes Kunstwerks zu machen. Die politische Schule, burch bie er, wenn man sie in ihren ebleren Auswirkungen verstehen will, währenb bes letzten Jahrhunderts ging, mag ihm somit nicht geschadet haben, denn sie hat ihm den Weg zum Volke gewiesen. Dieses Volk zu erkennen und zu erforschen, ist bie schöne Ausgabe, bie bie neue Zeit ihm zumeist. An biefer Aufgabe wird sich der freie Dichter in ber neugeschafsenen großen Gemeinschaft bewähren. „Oie Seele des Hauses." Zur Kulturgeschichte des Ofens. Von Dr. Wilhelm Gemperle. Alljährlich, wenn die Herbststürme das letzte Laub von den Bäumen schütteln und den vor der Tür stehenden Winter ankündigen, begeben wir uns in die wärmende Obhut des Ofens, mag er nun als kleines gußeisernes Ungetüm fein Rohr wie einen Polypenarm in den Raum strecken, als ehrwürdiger Kachelofen mit feiner sanften ©lut die letzten Reste einer schon fast verklungenen Winterromantik in unserer Zeit bewahren ober als Zentralheizung seinen ganz dem Gesetz der Zweckmäßigkeit unterworfenen Dienst tun. So sehr haben wir uns an ihn gewöhnt, daß wir seine Annehmlichkeit schon als etwas Selbstverständliches empfinden und selten nur einen Gedanken an die Frage verlieren, wie unsere Vorfahren sich gegen die Unbilden des Winters geschützt haben mögen. Die Feuerstelle, der Herd und später der Ofen waren seit den ältesten Zeiten die Seele des ganzen Hauses, und aus der Anlage ber Heizung, sowie aus ber Bebeutung, die ihr von den Menschen beigemessen wurde, lassen sich wichtige Ausschlüsse über Hausformen, Siedlungsweise und Zusammenleben in Familie und Sippe geben. Der für bie Erwärmung von Wohnräumen bestimmte Ofen ist ein Geschöpf ber rauheren Länder, und feine Verbreitung war im allgemeinen naturgemäß auf die Völker nördlich der Alpen beschränkt. Die erste Gestalt der Heizung haben wir uns als Herdfeuer und als Wärmetopf zu denken, in den glühende Scheite obej Holzkohlen hineingelegt wurden. Das Herdfeuer, das auch heute noch die einzige Heizungs- forni der Naturvölker ist, war der Mittelpunkt der Hausgemeinschaft, Stätte der Geselligkeit und als Inbegriff des Heimgefühls unb ber Gastlichkeit von religiöser Weihe umgeben. Im Altertum würben bie Glut- töpse von Bronze- ober Tonbecken abgelöst, bie auf Drei- ober Vierfüßen ruhten ober auch auf kleinen Wagen angebracht waren, um im Wohnraum umhergefahren werben zu können. Aus ben Herben entwickelte sich In ber römischen Zeit burch Ausfütterung der Herdgruben mit Steinen ber Ofen. Zwar hatte es auch schon bei ben alten Äegyptern Oefen gegeben, aber sie wurden nur. zur Fabrikation benutzt, unb so ist es währenb bes ganzen Altertums geblieben. Zimmeröfen, bie zur Heizung