Nummer 81 Zreitag. den (9. Oktober Zayrgang 193< Luizus nickte wieder nur. Er stand und starrte. In feinem Rücken di/ Tür zu. Er beachtete es nicht. Vorgebeugt lehnte er gegen das ießeB' könnte nchmal l wird ief)t es s dm unter» lufging graben >mmen rennen er sich raglaft in ihre i, was Sugs. üräume sifchen ilpfel. n mit a uni) oorbei m. Er n, als Üugen öffnet runde, feine ib das ir°ben Trag, i nun, tel zu >e non :. Sie e Last forgt 't ein- )e vor ^cha» denkt 1 wie Steile taten TOr'aflnete ni Das Mädchen kam in einer Duftwolke gebratener GiehenerKnnifienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger ______ nobern h fch°» eudjten er und müder Nacht zarifchr tiefer tt M es laut irodjen. es de« chl an1 Schlal suchend int und auf di- er 0«' J r tneiB; f° °!! wer fi( gebens it. 5g l n hi" Alil* rw Gortfetzung.) Luzius zuckt die Achseln. „Ich gehe dem Mann nach', sagt er, und meint wohl, das fei Erklärung genug. Warum?" fragt sie abermals, und als er schweigt, denn was foll er hier" antworten forscht sie: „Sind Sie hinter ihm her, weil er etwas auf dem Kerbholz hat?" „Vielleicht." „Ist dabei etwas zu verdienen?" _ ,,{?ür Sie? Wenn Sie mir sagen, ob Sie den Mann kennen, wohin er sich wendet, ist das möglich!" . Das Mädchen nickt. „Sie sind nicht von der Polizei Haben Sie eine Abrechnung mit dem dort? Ich will es nicht wissen. Ich kenne den Mann. Er gehört nicht hierher. Ich habe mit ihm gesprochen, wie letz'nut Ihnen. Ich bin dann mit ihm die Straße entlang gegangen. Ich weiß, wohin er, sicherlich auch heute wieder, sich wenden wird." . „Wohin?" Luzius entnahm seiner Brieftasche einen Schein und gab tfjn dem Mädchen. „Sprechen Sie rasch. Ich sehe Zurrh... sehe den Mann gar nicht mehr. Wohin verschwand er?" Danke " Sie steckte bas Geld weg. „Ihr Freund ist in die Tege hoff- straße abgebogen, das ist die kleine Querstraße dort. Wahrscheinlich will er wieder zum Vater Berledach." 3)as 3tals6and / Confrank f. braun äUr5Bie war denn das, hatte er nicht soeben einen schlechten N'm gefe^". tauf um Mita Finkende» Geld geben zu können für die Fahrt in das Perlen und Geld und ging ohne Erstaunen. Tin bist verrückt geworden, Luzius! MUFW-MMZ «'E s dieser «egenb 'dem Flüchtigen und ^'nfd17oe Sem ("r®enn 3un&m an ber Ecke ein Auto nahm, ^r Lu ius verloren. In dieser Straße sand sich kein Wagen und ehe er U belebte Ecke erreichte, würde Zurrhelm verschwunden ein. Dann gehe ich in seine Wohnung, wußte er, diefe Geschichte muß zu «mti"suÄ rtm Mn. mich die verkehrsreichere Marktplatzgegend und schritt in eine Rebenstraße, Luzius ah es und öerwunderte sich. Kam Zurrhelm denn auf diesem Weg in bie Matanenallee, am Ende dieser Straße wohnte ,a der Konsul Finkend^! Er schüttelte ganz für sich allein den Kops, aber das -rflaunen mar er an diesem Abend nun schon gewohnt geworden fiel die Tür zu. Er beachtete es nicht. Vorgebeugt lehnte er gegen oas Fensterkreuz. War das möglich? Also hatte er doch recht gehabt mit seinem Verdacht? Ader wie denn! Wingart Reußner hatte doch bereits gestanden!? Er faßte sich an die Stirn, wischte den Handrücken über die klugen Wachte er, war dies Wirklichkeit? Das Bild blieb Dort im Zimmer des alten Hehlers Berlebach stand Reginald Zurrhelm, den e bis hierher verfolgt hatte, stand mit dem Rucken gegen das Fenster, sich für alle Fälle gegen Sicht deckend, und verhandelte mit dem Alten. Und bas Unfaßliche geschah. Berledach schloß einen Gelbschrank auf, griff in ein Fach unb brachte bie Perlenschnur ber Frau Konsul gintenbe» zum Vorschein, hielt den Schmuck in der Hand, daß die Perlen herabhingen und glitzerten wie erstarrte Wassertropfen. „ Zurrhelm griff sofort nach dem Schmuck, sah ihn kurze Zelt prüfend 0,1 Berlebach^ lächelte?'Er redete etwas, seine braunen verräucherten Zähne wurden sichtbar. Zurrhelm Zuckte die Achteln. Dai entmchm der Alte dem Geldschrank eine Brieftasche, trat an den Tisch, der in der Mitte des Zimmers stand, und zählte Geld hin, mehrere große Scheine. Luzius iah E nach die Hände der Personen die Gestalten waren rrirM mehr im Blickfeld aber er sah deutlich, wie Zurrhelms Finger die Scheine ausnahmen. Dann berührten sich diese Hände, alt und jung, für Furio Aeii Zum Schluß tauchte die Gestalt des alten Berlebach wieder kurze Zeit. Z ) B . gcgranf ab und machte Notizen in ein i "Dalic Berlebach! Wie soll ich Ihnen dos erklären Daker Berlebach ist •Sää » ä »ä ffÄSÄi'-SM»Ä'ZmitFw^n Iywu-yggs--; d!7äw «-w “Ä bekästlal IN werden N'Är nlch, n richlasten. so, m,e '""L-ädch-n trat neben ihn ■**- «*>t“8 JÄÖÄ »" Sl"'” aneinnnber. , . @Knt1„n «je nut sehen? Sonst tomnien „Der Alte ist Vater Berlebach. Können g s!?fagte: „Ich Sie hierher. Der andere Mann ist Ihr F ber Küche währenddes komme in fünf Minuten wieder b • mjt Ihnen hinunter. «ne Kleinigkeit effen unb gehe bann wieder mir Tatsächlich bog Zurrhelm zum Hause des Konsuls hinüber. Hier war es nun zum erstenmal, daß er sich umsah, die Straße hinunterschaute und nur den einsamen Mann in noch ziemlich bedeutender (Entfernung herankommen sah. Da trat er in den Garten, schlich zum Hause und wartete da, lauert« oder? ... Luzius meinte zu sehen, daß er eine winkende Bewegung mit ausgestrecktem Arme tue. Er blieb stehen. Das war ja nun die Krone )er Seltsamkeiten! Wem winkte Zurrhelm? Er sah, daß einige Fenster im hause Finkendey offenstanden, darunter das des Schlafzimmers im ersten Ztock. Zu diesem Fenster, es lag noch dunkel, Finkendeys saßen vielleicht >eim späten Nachtessen, — zu diesem fen,*er des Schlafzimmers hinauf Witte Reginald Zurrhelm? Spukhafte Angelegenheit! Oder? Aber das oar doch nicht möglich, es konnte doch niemand im Haufe des Konsuls nit Zurrhelm im Komplott sein. Luzius, hinter einem Baumstamm geduckt, wartete. Was würde weiter eschehen? Erschien nun etwa Frau Olga am Fenster und gab ihrerseits in Zeichen, ober signalisierte der Konsul? Luzius wartete. Das verriet hn. Zurrhelm hätte sich durch einen Passanten, der draußen norüberging, licht beunruhigt gefühlt. Luzius sah, wie er sich dem Hause zuwandte, bereit, dort einzutreten, — da stutzte er, zögerte, lauschte aus die Straße hin und fand den Mann, der da in seinem Rücken gewesen war, nicht mehr. Und dies Gefühl, jetzt beobachtet zu werden, ließ ihn seinen ur- prunglichen Plan aufgeben. Er trat von der Haustür zurück, schlich durch len Garten zum Seitenausgang und schritt die Platanenallee hinauf. Luzius bog um die Ecke und folgte sofort. Jetzt war es nun offen« ichtlich, daß Zurrhelm sich verfolgt und beobachtet wußte, er hielt sich m Schatten der Häuser, wich den Laternen aus und beschleunigte sein lempo. Luzius, seinerseits wissend, daß Zurrhelm seinem Heim zustrebte, beeilte sich nicht sonderlich. Er war unschlüssiger denn je. Was sollte er nun tun? Womöglich, wenn er Reginald Zurrhelm sestnahm, tat er das Allerungeschickteste! Was wollte Zurrhelm im Hause des Konsuls? Zurrhelm besaß die Perlen. Wollte er sie zurückbringen? Nachdem er sie gestohlen hatte? Das war nicht glaubhaft. Aber vielleicht hatte er sie gar nicht gestohlen, vielleicht holte er sie nur von dem Hehler, kaufte sie gewissermaßen zurück? Wer stahl dann die Perlen und ließ es Zurrhelm missen? Der Schreck fiel tief in den Assessor hinein. Barbara! Er blieb stehen. Daß er bas nicht vorher gebacht hatte! Natürlich, Barbara hatte die Perlen genommen unb verkauft. Zurrhelm kam dahinter unb ging eiligst, den Verkauf rückgängig zu machen; er wollte bie Perlen dem Konsul ;urückbringen, ba entbetfte er mich, schämte er sich unb verschob bas Vorhaben. Luzius schüttelte den Kops. Das ist Unsinn Sein Vorhaben verschiebt man nicht, weil ein Passant auf der Straße stehen bleibt. Die Geschichte stimmt auch sonst nicht ganz. Denn das Geld gab, außer den Perlen, der alte Berlebach. Zurrhelm nahm es. Also war bas kein Rück- aus, was ich bort mit ansah. Er hatte Zurrhelm aus den Augen verloren; aber bas tat ja nichts. Zurrhelm war in sein Haus gegangen. Luzius folgte nach bis vor bie Tür. Sie war schon wieber verschlossen. Gerade erlosch bas elektrische Licht im Treppenflur. Zurrhelm war. also oben angelangt. Unb wieber ftanb der Assessor Luzius vor diesem Haus in der Platanenallee und sah zu den Fenstern hinauf. —' Ich kam, um Zurrhelm zu warnen ober ihm freundschaftlichen Zuspruch zu bringen. In meiner Tasche habe ich noch die Zettelfetzen: heute abenb erwarte mich um 10 Uhr. Aber nun!? Es hat sich etwas verschoben. Es begann mit ber Perlenkette. Dann kam bie Affäre Barbara unb Jan Strornbeck da- zwischen. Aber es scheint jetzt doch, als fei der Diebstahl bes Schmuckes unb nicht ber Staub, ben Jan Strornbeck plant, das Beherrschende in dieser Geschichte. Und ba fiel ihm ein: Ich muß zu Brendel, dachte er, ich muh eiligst den Wingart Reußner fragen, was ihn veranlaßte, uns auf bie falsche Spur zu bringen. Unb er verließ das Haus Nr. 9 und entfernte sich. Hätte er nur noch 5 Minuten gewartet, wäre ihm auf eine seiner Fragen schon jetzt die Antwort geworden, unb er hätte klarer gefehen. Aber er lief davon. Die Idee: Wingart Reußner hat ein Interesse gehabt, uns irre zu führen, welches ist dies Interesse!? — diese Idee beherrschte ihn unverrückbar. Sechstes Kapitel. „Die Tat war verwerflich; ein gemeiner Diebstahl; Paragraph —, aber das interessiert Sie natürlich gar nicht." Brendel saß mit übergeschlagenen Beinen hinter seinem Schreibtisch. An ber Wand unter bem Bilb ber Gioeonba saß zusammengesunken Wingart Reußner unb hörte biefe Rebe an, ließ sie über sich ergehen. Die Mona Lisa lächelte ihr bekanntes Lächeln. Brenbel sah sie, nicht ben Primaner an. „Das Motiv war nicht unedel. Cherchez la femme, wie immer. Ob Fräulein Mita Ihnen dieses Opfer, wenn sie es erfährt, und bas wird sa einmal sein, dankt, ober ob sie sich von Ihnen abroenbet, wage ich nicht zu entscheiden Unter uns gesagt, ohne Sentimentalität, bie nur verwässert: es war eine riesengroße Dummheit. Ich weiß, protestieren Sie nicht erst. Sie wollen sagen: es war Liebe. Aber biefe Meinung werden Sie nach einiger Zeit berichtigen. Es sah nur so aus wie Liebe, guter Wingart. Liebe werben Sie später einmal wirklich kennen lernen. Ich wünsche es Ihnen. Wenn Sie dann bie richtige Frau zur Gegenspielerin gefunben haben, wird es völlig ausgeschlossen sein, baß biefe liebende Frau Sie in solche Situation geraten läßt." „Fräulein Finkendey weiß nicht, woher ich das Geld beschaffte." „Das wäre auch noch schöner! Aber Mita — ober legen Sie Wert daraus, bah ich. von meiner Kusine als Fräulein Finkendey spreche, — mußte annehmen, bah ihre Bitte Sie in Schwierigkeiten bringen würbe." „Nein. Ich habe ihr bas Gelb angeboten." „So", meinte Brendel, „nun ja." Er zuckte die Achseln und dachte: wir mürben ja auch das Mädchen verteidigen, das wir Heben. Aber der gute Wingart ist ein entgleister Romantiker. Zudem täuscht ihn feine Jugend. Nicht er ist es, der diese kleine Dame Mita interessiert, sondern Luzius. Wenn mich nicht alles täuscht! Er zündete sich eine Zigarette an, nahm die Schachtel und warf sie seinem Gast in den Schoß. „Wenn Sie rauchen wollen?" Der Primaner griff rasch danach. „Ja, danke", sagte er, „es beruhigt die Nerven " Brendel lächelte dünn: aber er entgegnete nichts, denn gerade schlug draußen die Klingel an. „Ist das der Herr Assessor Luzius?" fragte Wingart. Er hatte die Zigarette schon angezündet und blies hastig und nervös graue Wolken zur Decke. Brendel nickte. „Das hoffe ich. Luzius kann uns doch hier nicht den ganzen Abend sitzen taffen." Draußen klangen Stimmen, dann kam ein Schritt näher unb jemand pochte gegen die Tür. „Herein!", rief Brendel, „wir wissen ja, daß Sie es sind, Luzius." Der Assessor trat ein. Er sah erstaunt dies Bild friedlicher Eintracht. Wingart Reußner stand aus und verbeugte sich tief, aber Luzius gab ihm die Hand. „Das ist recht", stellte Brendel fest, wir haben dem jungen Mann nämlich in gewisser Weise Unrecht getan, Luzius Wingart hat zwar eine Besitzverschiebung vorgenommen, aber von dem Perlendiebstahl hat er keine Ahnung." Luzius schaute seinen Freund verdutzt an. „Setzen Sie sich", forderte Brendel, „nehmen Sie eine Zigarette. Es beruhigt die Nerven, findet Herr Reußner junior. So. Und nun lassen Sie sich die mysteriöse Geschichte erzählen Mita Finkendey, meine reizende Kusine hat tatsächlich bas Gelb für bie Berliner Reife von unferm jungen Freund hier erhalten. Das ist ber eine wichtige Punkt. Sie hat also bie Perlen ihrer Mutter nicht entroenbet unb etwa verkauft, um bafür reifen zu können." „Mein Gott ", stöhnte Wingart. Brenbel sah ihn an „Ich stelle ja ausdrücklich fest, daß Mita das nicht getan hat", sagte er trocken. Luzius fuhr gespannt dazwischen. „Zur Sache!" „Wir sind schon mitten darin. Wingart hat sich das nötige Kleingeld auf eine andere Art verschafft. Wissen Sie, daß der alte Herr, der Justizrat eine bedeutende Briefmarkensammlung besitzt? Diese Sammlung ist sehr umfangreich Wingart fagte sich mit Recht, daß ~ber Vater nicht so bald eine Entleihung einiger Marken aus seinem Schatz bemerken würde. Er benutzte eine Gelegenheit, und stahl dem Papa zwei wertvolle Marken. Sachsen, 3 Schilling rot unb Helgoland, 2 Neugroschen." Aber Herr Brendel! Helgoland drei Schilling rot und Sachsen zwei Neugroschen." Brendel nickte. „Richtig, so war es auch. Sie bekamen für jede Marke 500 Mark. Man sollte nicht denken, daß für solche Sachen so viel gezahlt wird, wie? Und Sie gaben die taufend Mark an Fräulein Mita, die diese Summe dankend nahm und nach Berlin fuhr." Luzius schlug sich vor die Stirn. „Deshalb gestanden Sie am Bahnhof! Sie glaubten diese — diese Entleihung sei entdeckt!" Wingart nickte. „Ich weiß nun nicht, was geschehen soll. Herr Brendel war so sreundlich, einen Vorschlag zu machen. Danach würde Vater nie etwas erfahren müssen. Ich muß sagen, es war meine eigene Idee, bie Marken zurückzukaufen Ich habe morgen Examen. Ich werbe bestimmt bestehen, benn ich bin vom Mündlichen bispenfiert. Es ist eigent» I lief) nur, baß ich hingehe unb es erfahre. Für biefen Fall hat Vater mir tausenb Mark versprochen Ich konnte mir bas Geld nicht gut im Voraus ausbittten; Fräulein Finkendey aber wollte sogleich fahren. Da tat ich, was nun einmal geschehen ist. Es wäre nie herausgekommen, wenn Sie mich nicht am Bahnhof übertölpelt hätten. Ich hätte die Briefmarken zurückgekauft und wieder eingeklebt in bas Album." Luzius nickte. „Das glaube ich Ihnen aufs Wort", versicherte er. „Aber es ist besser, wir kaufen bie Marken sofort zurück, gleich morgen früh. Brenbel, haben Sie Gelb? Ich gebe die Hälfte dazu." „Ist gut", sagte Brendel „Nur müssen Sie wissen, Luzius, wir werden bas Geld nicht so rasch wiedersehen." „Bitte", brauste Wingart Reußner aus. Aber Brendel beschwichtigte ihn mit einer Handbewegung. „Ich weiß mehr als Sie, lieber Wingart. Lassen Sie sich erzählen, baß Ihr alter Herr Durchaus überzeugt ist, daß Sie Ihr Abiturium bestehen, unb baß bie tausenb Mark schon für Sie bereit liegen. Nur eben: nicht in bar! Sie bekommen einen Reisescheck unb sollen sich, wie es Ihr eigener Wunsch war, bei einer Reise burch alle in Frage fommenben Stäbte, Ihre Universität, bie sie beziehen wollen, aussuchen. Auch bie Fahrkarte ist schon besorgt. Die erste Station heißt München. — Aber sorgen Sie sich nicht. Wenn Ihnen Luzius fünfhunbert Mark gibt, borge ich Ihnen gerne sechshunbert, bamit sie biefe leibtgen Briefmarken zuriickkausen unb Ihre Fahrt unbejchwert antreten können." Fünfhunbert und sechshundert macht eintausendundzehn", warf Luzius hin. „Kopfrechnen sehr schwach." Brendel sah ihn an. seine Munbecken zuckten. „Luzius", sagte er feierlich voll Spott: „Ich verzeihe Ihnen. Der Mann, ber bie Briefmarken von Herrn Wingart kaufte, lebt nicht von Gefälligkeiten. Die beiden Marken kosten morgen früh billigst zehn vom Hundert mehr, alfo elshunbert Mark. Sollte ich zwölfhundert anlegen müssen, werde ich mir von Ihnen sechshundert erbitten." Luzius lachte. „Das vergaß ich. Aber Sie sind der geeignete Mann für dieses Geschäft, lassen Sie Wingart Reußner nicht allein hingehen." Sie saßen noch eine Weile und plauderten. Wingart taute nach dem ersten Kognak merklich auf. Er war Feuer unb Flamme für seine Reise. Hotte er Mita unb feine Siebe ganz vergessen? Brenbel und Luzius hüteten sich, daran zu rühren. Cs war besser so. Mita, mehr noch als Wingart, dem Typus ber allerletzten Generation angehörend, brauchte einen anderen Freund, nicht diesen Primaner. Brendel betrachtete Luzius. Dich braucht sie, dachte er, dich, nicht zu hart, aber nicht weich; entschlossen intelligent genug, in dem Partner die Persönlichkeit zu achten, — und verliebt. Mit dir könnte die so selbstsichere Kusine Mita wohl glücklich werden — ob sie nun beim Film etwas erreicht ober nicht. Luzius sah vor sich hin Wenn Mit bei Vera ist, wird sie zuweilen zwangsläufig an mich denken müssen. Vera wird nach mir fragen, Mita wird von mir erzählen müssen. Das ist gut ... (Fortsetzung folgt.) Abendliche Ernte. Don Johannes Linke, EDS. Boll Klarheit wie ein seltner Traum Lag das Gebirg ins Abendgold ergossen. Die Blätter rührten sich im dunklen Baum. Ich hielt mich an die höchsten Leitersprossen Und schaute in den auserblauten Raum. Voll Klarheit wie ein reiner Blick Hielt Berg um Berg die weite Sicht umfriedet. Leise fiel eine Frucht im Reifeglück, Als wie vom eignen süßen Saft ermüdet Zum Grunde ihres Auserstehens zurück. Voll Klarheit wie ein tiefes Wort Umhegten Hang und Täler, Wälder, Matten Den Erntegarten als ein guter Hort. Ich schwang mich aus dem vollen Blätterschatten Und trug den schweren Korb durchs Leuchten {ort. Zm Lande des Löwen. Von Cherry Kearton. Nachstehend eine Probe aus dem neuen Buch „Im Lande des Löwen", von Cherry Kearton, das bei Engelhorn in Stuttgart erschien, und in dem wieder eine Fülle von interessanten Beobachtungen aus der afrikanischen Tierwelt vereinigt sind. Keartons stühere Bücher, „Die Insel der fünf Millionen Pinguine" und „Pallah", wurden seinerzeit von uns besprochen. uhig weiter, bis sie schließlich nur noch siebzig Meier vom Hügel entfernt sind. Jetzt kommt Bewegung in den Löwen. Katzenhaft kriecht er - . 1 __ V, , ° /T1< •«. _____c hin SKtnrhnri öltlPtl ruf dem Bauch durchs Gras. Gleich darauf machen die Wachen einen Satz und auf dies Alarmzeichen hin donnert die ganze Herde auf unb ? «ihr zu warnen. I Für den flüchtigen Blick ist auch nicht die geringste Spur drohenden Unheils zu bemerken. Die Landschaft stellt das schönste Motiv für em Ukademiegemälde dar. Aber die beiden Wachtiere sind aus dem Posten. Mit gespannter Aufmersamkeit spähen sie zu dem kleinen Hügel hinüber, auf dem sie offenbar einen Feind vermuten. Mit Hilfe meines Feldstechers gewahre ich nun auch eine Bewegung dort drüben und ent- >ecfe, was die Tiere da unten bereits wißen: unter der Akazie, die den i leinen Hügel krönt, liegt geduckt im Gras ein Löwe. Die Herden haben offenbar vollstes Vertrauen zu ihren Wachen. Sie mögen selber genau wissen, daß der Feind sie belauert, äsen aber Man kann nur staunen über die Fähigkeit eines st>lch riesigen einah flach auf dem Boden vorwartszukriechen und im kurzen ungesehen zu kommen und zu gehen. TunneI versteckt, der von „ Einmal hatten sich drei Löwen in einer 2Ir Tunnel oerjrea^ i ^genströmen ausgewaschen worden war. Zw aibjug beob- L I leiten den Platz scharf im Auge, um die Löwen bei ihrem Ich sitze auf einem kleinen Hügel im Herzen von Zentralafrika. Dreißig Kilometer weiter beginnt die Ebene dort unten anzusteigen, unb der Blick wird begrenzt von Bergzügen, aus denen — mir gerade gegenüber — ein längsterloschener Vulkan hoch über die andern Gipfel ifinausragt. Ein großartiger Anblick. Ich könnte stundenlang so sitzen lind hinüberschauen. Aber wichtigere Aufgaben drängen. Nicht weit von mir erhebt sich der Boden zu einem kleinen etwa fünfzehn Meter hohen Hügel, der mit dreißig Zentimeter langem Gras ^wachsen ist und aus dessen Höhe eine einzelne kleine Akazie steht. Uns dem Stück Steppe zwischen hier und dort — es mögen hundert- üinfgig Meter sein — weiden etwa zwei- bis dreihundert zahmere Busch- tiere: Zebras, Kuhantilopen und Gazellen. Grasrupfend halten sie immer ein wenig Abstand voneinander. Aber links steht etwas abseits ein einzelnes Zebra und auf der Rechten in lvtsprechendem Abstand eine Kuhantilope. Ein Bild, das dem Afrikaner zanz vertraut ist — eine Herde weidender Tiere, von denen zwei gesondert als Wachen aufgeftellt sind, um die Gefährten bei nahender Ge- ^°Aber es fällt ihnen doch wohl schwer, sich von der guten Weide dix ®e ba gefunden haben, zu trennen. Ein oder zwei Minuten vergehen, da wenden sie wieder und kehren langsam grasend zurück. Die Wachen eefjmen die vorigen Stellungen wieder ein, um Hügel und Lome scharf m Auge zu behalten. Da es hellichter Tag ist und das Gras auf dem Boden drunten nicht Io hoch steht wie auf dem Hügel, sind die Beuteaussichten für den Löwen ! Bering. Mag es ihm auch gelegentlich einmal glucken, so habeichl selbst «tsächlich noch nie einen Löwen bei Tag mit Erfolg |Q9en Je^ ",ii?^ vermute, daß er selber gut Bescheid weiß, und Zweifle, ob er agsuber »irklich je mit ernsten Absichten jagt, es sei denn, hatte besemem nächtlichen Beutezug versagt, was auch man^mal Dortommt, Zumal m der nassen Jahreszeit, wo er gern an geschützter Stelle bleibt. Der Tag ft nicht feine natürliche Futterzeit, und schon aus biestm Grunde glaube ch, daß er dann mehr aus Jagdleidenschaft als aus Mordlust lagt, an üesichts einer weidenden Herde wird die Versuchung eben gar zu ch g, -ch ba anzupirschen. Die Katze gelüftet es zu spielen! Nachdem ich Herden und Löwen einige Zeit beobachet habe, reite ch achten zu können. Es verstrich eine Stunde, ohne daß wir etwas bemerkt hätten. Endlich entschlossen wir uns, der Sache näher zu gehen. Behutsam bewegten wir uns auf das tiefer gelegene Ende des Tunnels zu, um die Feststellung zu machen, daß die Löwen nicht mehr da waren. Schier unglaublich, war es aber reine Tatsache: die drei Tiere hatten den Tunnel verlassen und waren unter dem Schutz des kaum halbmeterhohen Grases in ein kleines Tal hinabgeschlichen, von dort wieder auf eine Anhöhe, auf deren anderer Seite sie verschwunden waren. Und habet lag das ganze Tal frei und offen vor unserm Blick > Bei einer andern Gelegenheit war ich mit meinem schwarzen Boy allein in einer ähnlichen Gegend Hin und wieder leicht gewellter Boden, aber nichts, was den Blick hinderte, außer fußhohem Gras. Wir machten eben einen Bogen um eine jener kleinen Bodenerhebungen, als mein Boy mich am Arm packte unb mit ausgestrecktem Finger rief: „Simba!" (Löwe!) Sie waren noch keine zweihunbert Meter weit, die fünf riesigen Tiere, bie anscheinend mit dem Verspeisen einer kleinen Gazelle beschäftigt waren, ein Mahl, von dem kaum mehr als ein kärglicher Happen für jeden von ihnen abfallen konnte. Das war nun so eine Gelegenheit, wie sie sich einem im Geben nur selten bietet. Ich schickte also den Boy zurück, um die Kameraden zu benachrichtigen und meinen Apparat zu holen. Das sollte Ausnahmen geben! Ich hatte allen Grund, gerade diesen Löwen mein besonderes Interesse zuzuwenden Am Morgen war ich nämlich zufällig auf einen menschlichen Schädel gestoßen, der, wenn auch völlig abgenagt, doch deutlich als von einem Eingeborenen herrührend zu erkennen war. Zwei Dinge waren sicher: der Mann war innerhalb der letzten zwölf Stunden geschlagen worden — und zwar von einem Löwen. War also schon ein „Menschenfresser" in dieser Gegend, so dünkte es mich mehr als wahrscheinlich, daß er (oder sie?) eben jener Gruppe angehörte, die ich da vor mir hatte. Darum hatte ich auch nach dem Gefährten geschickt; denn beim Löwen ift’s wie überhaupt stets in prekären Lagen — man ist am besten zu mehreren. Erst hinterher ist mir klar geworden, daß es eigentlich reichlich gewagt von mir war, am Ort zu bleiben, um auf Freunde und Apparat zu warten. Ich mag mir eben nie eine Gelegenheit entgehen lassen, wo ich den Löwen nur irgend beobachten kann Dachte in diesem Fall auch, die Tiere wären viel zu vertieft ins Fressen, um mir irgendwelche Beachtung zu schenken. Herrliche Gelegenheit also, ungestörte Beobachtungen zu machen. Aber ich sollte mich täuschen unb das gründlich! Wahrscheinlich neigte das Gelage sich schon seinem Ende zu, oder die Gazelle war an sich nicht dazu angetan, die Aufmerksamkeit eines Löwen länger zu fesseln. Jedenfalls — lange, bevor ich meine Kameraden von der Lagerstelle her zu erwarten hoffen konnte — fängt plötzlich eine riesige Löwin an zu gähnen, sich das Maul zu lecken unb umherzublicken. Da, jetzt hat sie mich entdeckt! Sie erhebt sich, kommt ein paar Schritt vor, bleibt stehen betrachtet mich. Inzwischen sind auch die andern vier aufgestanden und folgen ihr. Es heißt oft, ein Löwe sei nach dem Riß so schläftig und satt, daß man sich ihm ohne Sorge und Gefahr auf wenige Meter nähern könne. Das mag stimmen, aber nicht immer. Jedenfalls stimmte es nicht bei dieser Löwin. Vielleicht war ihr Gazellenanteil wirklich sehr knapp bemessen gewesen. Vielleicht aber hatte ich auch etwas an mir, das ihr besonderes Interesse erregte. Vielleicht aber — und das schien mir das Wahrscheinlichste — stand hier der „Menschenfresser" vor mir, dessen grausige Speisereste ich am Morgen gefunden hatte Eins war sicher: sie hatte ernsthafte Absichten, unb es lag nicht im mindesten in ihrem Sinn, mich in Frieden meines Weges ziehen zu lassen. Etwas mußte geschehen, und zwar sofort Sollte ich kehrt machen und fortrennen?* Sie würde hinter mir hersetzen. Keine Möglichkeit ihr zu entkommen. Ich beschloß, löwenartige Taktik mit menschlicher List zu verbinden unb auf diese Weise eine möglichst große Entfernung zwischen mich und die Verfolgerin zu legen. Konnten Löwen sich im Gras unsichtbar machen, warum sollte mir das nicht auch gelingen! Ich ließ mich also flach auf den Boden fallen und lag ba eine Minute lang mit klopfenben Pulsen. Dann hob ich ganz vorsichtig ben Kops um zu sehen, wie weit bie Löwin inzwischen näher gekommen war Zweifellos hatte mein Manöver sie etwas aus ber Fassung gebracht. Sie ftanb noch ba unb blickte sich nach ihren vier Begleitern um, als wenn sie fragen wolle, was aus mir geworben fein mochte. Nun sprang ich auf. Der Anblick, wie ich ba gleich einem Kastenteufelchen aus bem Gras schnellte, verblüffte sie berartig, daß sie von neuem stutzte Aber nicht lange Sonberbar biefer Kerl ba, ber im Gras auftauchte, verschwanb unb roieber auftauchte! Ich vermute, baß ihre Neugier burch meine Person wohl aufs Lebhafteste aufgestachelt würbe, benn roieber steuerte sie auf mich zu, diesmal mit größerer Entschiedenheit. Unb abermals verschwanb ich unb begann, mich im Grase so schnell wie möglich nach rückwärts zu verziehen, mit bem angestrengten Bemühen, nichts von mir sehen zu lassen Die Sache war entschieben aufregend. Durch mein plötzliches Unter« unb Wieberauftauchen hatte ich bie Löwin zwar einen Augenblick auf- gehalten, hatte aber nicht gleichzeitig an Baben gewonnen Zurückweichen aber konnte ich nur in Deckung. Bald fanb ich heraus, daß bas Tier schneller vorankam, als ich zurückweichen konnte. Es war auch wenig Aussicht vorhanben, baß ich mich genügenb hätte seitwärts schlagen können, um aus ihrer Marschrichtung herauszukommen Nein, auf bk Dauer konnte das so nicht weitergehen. Ueber kurz ober lang mußte sic (von ihren vier Begleitern ganz zu schweigen) mich erreicht haben, wenn nicht noch glücklich'zur rechten Zeit meine Karneroben eintrafen. Man stelle sich also meine Erleichterung vor (benn schließlich geht es auch bem leibenschaftlichsten Tierliebhaber über ben Spaß, sich auffressen * An anberer Stelle erzählt Kearton, baß er stets ohne Massen auf Tierbeobachtungen gehl. (Anm. d. Uebers.) !W< VlUIl LU Ul UULJCllll ju UUVI) -vw. I........ p- ■> " .. <• Ihn schienen Braut, Hochzeitskutsche, Fest-Tafel ... nur schwer besann ch ' ! Oktavian auf seinen Beruf als Philosoph. Nun hieß es eben mattem ! und das Unvermeidliche mit Würde tragen ... einmal mußte ]a dotz I auch diese Bahn mal wieder zu laufen ansangen! „Die Leute tonnem W mich doch hier oben nicht einfach verhungern oder vertrocknen lassen. »n chrie er mit dem gellenden Gelächter eines Wahnsinnigen in den Abend ■ 'M ! tt er Jile, I* ■1» inner |h Pe ter öiix hinaus... . Um 19 Uhr begann es zu regnen, langsam und dauerhaft, wie ein Landreaen zu sein pflegt. Ein Glück, daß dieser Regen kam und Oktavian etwas abkühlte. Er lachte blöde vor sich hin. Die Nacht vertrieb er sitz damit, das Wasser auszuschöpsen, bald gab er auch das auf. „So etwa- habe ich mir ja schon lange einmal gewünscht!" kreischte er ingrimmig Der Morgen kam, hell und wärmend und strahlend. „Na. nun roiros aber bald Zeit!" raste er von neuem los und wippte wie ein Affe im seinem luftigen Käfig hin und her. Da ... er gefror fast zu Eis! Beinah« wäre er wirklich über die Brüstung gefallen! Gestern war doch «am- tag gewesen und heute —? , , v Was soll man weiter berichten? Oktavian saß auch noch den ganzen Sonntag in seiner Wanne. Wo sollte er auch anders hin? Der Hunger quälte ihn. Am Abend bekam er Wahnvorstellungen und die ganz« zweite Nacht bis zum Montag früh fang, schrie, lachte und weinte « durcheinander Er fand fein seelisches Gleichgewicht erst wieder, als « im Halbschlaf durch das Rütteln und Quietschen der Drahte gemein wurde. , Montag 6.30 Uhr war es, als die „Bahn" ihren Betrieb wieder aut nahm! Nach genau 36ftündigem „Aufenthalt" Einige Minuten spater luden an der kleinen Haltestelle einige Arbeiter ein stark angefeimjtetes. höchst mangelhaft bekleidetes menschliches Wesen aus, worin sie ihren Nachbarn aus dem Gebirge nur mit Mühe wieder erkannten Dadurm blieb auch dem zufällig anwesenden Gendarmen das Einschreiten eriparr Drei Stunden später war Oktavian zu Hauie. Er sand eine gebrochen* Braut und eine weinende Mutter. Natürlich hatte der Constanze- Dampfer das rechtzeitig an Bord geschaffte Hochzeitsreisegepäck entfuhrt! da man in der allgemeinen Aufregung vergessen hatte, es zurückzurutem Die Fahrkarten waren verfallen. Nicht nur die Hochzeitsgesellschaft, lon_ dem auch die halbe Stadt befand sich in der größten Aufregung üben diese sonderbare Hochreit. „Komm", sprach Oktavian zu seiner immer noch schluchzenden Eiemu „komm und tröste dich! Wir holen heute alles nach und fahren dann M mir hinaus. In die Berge!" , „ Elena nickte weinend Bejahung: „Aber nicht mit der Drahtseilbahn ... das war der einzige zusammenhängende Satz, den sie hervorbrmgew konnte... ; A fiet iMi K» I ,Ste Steife üiij Mi Mo Q Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'iche UniverfitätS-Vuch- und Steindruckerei. A. Lana«. ®,e6elL ®ren ,,N ! Sein ™it A ’ltltn Mii lassen zu sollen), als ich bei einem abermaligen vorsichtigen SpäherbUck über die Grashalme hinweg auch nicht einen meiner ^sts Verfolger mehr erblicken konnte. Noch vor einer Minute h°"en uns vielleicht noch hundert Meter getrennt. Jetzt war die ganze ©efeUfcfjaft spurlos verschwunden. Mein Herz tat einen Freudensprung Dann beschlicht mich wieder neuer Zweifel. Wenn ich keine Samen sah, so war damit noch lange nicht gesagt, daß auch keine da waren. Wie, wenn auch sie nun in Grasdeckung geduckt immer näher auf mich zukamen? Gut denkbar, daß das Gras sie mir alle verbarg, daß sie schon im nächsten Augenblick nahe genug waren, über mich herzufallen. Hastig ging ich wieder zu Boden und machte nun, ohne besondere Vorsicht walken zu lassen, daß ich auf allen Vieren so schnell wie möglich davonkam. Plötzlich Laute aus einer andern Richtung. Voll froher Hoffnung halte ich von neuem Ausschau. Ja, da von links, da tarnen sie die Sameraben^ 9Serftär(ung eingetroffen war, gingen wir alle auf die Stelle zu, wo ich die Löwen zuletzt gesehen hatte. Aber nirgends eine Spur von ihnen! Beim Nahen von Menschen waren sie gewiß stehen geblieben hatten sich dann ins Gras gekauert und muffen innerhalb von ein paar hundert Metern im Umkreis irgendwo versteckt gelegen haben, als wir weitergingen. Wir suchten im Weiterlaufen noch vergeblich, kamen dann in eine Schlucht, deren Steilwand auf der andern Seite wir erstiegen, und blickten, oben angekommen, noch einmal in die Steppe zurück. Da sahen wir sie! — Alle fünf schlenderten in Muße dahin. Zebras und Kuhantilopen stoben im Schreck auseinander, um ihnen den Weg freizugeben , . , , Dieses Erlebnis kennzeichnet genugsam die Tatsache, daß der Lowe ein unberechenbarer Bursche ist. In keiner Lage kann man nut Bestimmtheit voraussehen, was er tun wird. Er hält sich an keine Regeln. Niemals weih man, ob man sich ihm unbesorgt nahen kann. Wird er dich nur von weitem, vielleicht etwas mißtrauisch, im ganzen aber woh- t wollend, betrachten? Wird er auf dich zukommen, um dich naher in i Augenschein zu nehmen? Oder wird er dich anfallen? Man kann einen Menschenfresser nicht eher von einem Nichtmenschenfresser unterscheiden, bis er einen zu Boden geworfen hat und mit fletschendem Gebiß über einem steht. Man weiß aber auch nicht, ob ein Löwe, der noch nie Menschenfleisch gekostet hat, nicht doch auf einmal Gelüste danach bekommt. „Hochzeitsreise." Von Hans Trödst. Diese schöne Geschichte ist Herrn Oktavian Dumitresku passiert .. . der war seines Zeichens Privatgelehrter, Naturforscher und ein komischer Kauz- eines Tages war er auf den vermessenen Gedanken gekommen, sich zu verheiraten. Er war 42 Jahre alt, wohlbegütert und von einer Weltfremdheit, die selbst die freiheitlichst gesinnte Polizei für unvereinbar mit der Sicherheit und Wohlfahrt des Staates erklärt haben würde. Die Braut, eine junge Dame im besten Alter, befaß zwar wenig Geld, aber guten Charakter und häusliches Gemüt ... die Jntereffengebiete waren im wesentlichen die gleichen, also: Siebe, Verlobung, Hochzeit, die an einem schönen Samstagnachmittag, Punkt 15 Uhr, feierlich begangen werden sollte. Daß Oktavian diesen Termin vergessen wurde, stand bei allen Eingeweihten — mit Ausnahme der Braut — bombenfest, braucht also gar nicht erwähnt zu werden — zumal Oktavian ausgerechnet am Freitag vor dem großen Ereignis noch einmal „dringend" mit der Bahn nach feinem Sommerhäuschen tm Gebirge gefahren war, um dort noch einige „äußerst wichtige Dinge" zu ordnen. Zwar hatten Mutter und Braut ihm noch vor der Abreise scherzend eingeschärft, auf jeden Fall wieder rechtzeitig zu erscheinen, aber trotz aller feierlichen Versprechungen hatte sich Oktavian draußen in seinem Dorado so festgelesen und festgeschrieben, daß er erst am Samstagvormittag, bald nach 11 Uhr, behaglich in seinem Bett erwachte. Dies war der Augenblick, wo es ihm plötzlich siedendheiß einfiel: „Meine Güte! Die standesamtliche Trauung! Die hatte er ja bereits verschlafen! Und beinahe auch noch die kirchliche! Um drei Uhr sollte er doch, wenn er sich recht erinnerte, in Sack und Frack in der Kirche stehen! Oktavian sprang verzweifelt aus dem Bett, um zu retten, was noch zu retten war. Ein Blick auf die Uhr: „Erbarmen! Auch den Zug erreichte er ja kaum noch! In rasender Ette kleidete er sich dennoch an, vergaß den Schlips und stürzte wort- und grußlos an feiner nicht weiter verwunderten Eurykleia zum Hause hinaus, bergabwärts, Richtung Bahnhof im tiefen Tale. Nochmaliger Blick auf die Uhr: Unmöglich die 10 Kilometer rechtzeitig zu bewältigen! Doch halt! Ein genialer Gedanke! Ein Einfall, wie ihn nur die höchste Not, die Verzweiflung gebiert: wenige Schritte vom Wege entfernt lag das Maschinenhaus einer kleinen Drahtseilbahn, welche die in der Nähe geförderten Erze einer Eifengrube hoch durch die Suft talabwärts zur Eisenbahn beförderten. Kamen die heil unten an, warum nicht auch einmal ein Mensch? Oktavian eilte in das Förderhaus, erklärte dem dort gemächlich amtierenden Maschinisten — wenigstens hielt er ihn in feiner Aufregung dafür — in fliegender Hast die Sage, drückte ihm ein paar Sei in die Hand und ließ sich dafür von Ilie Georgesku in einen gerade leer zu Tal gehenden Eisenkorb hineinhelfen. Genauer: hineinwerfen. Der Hut ging habet zwar verloren, aber ehe Oktavian noch richtig zu denken vermochte und sich über die Tragweite seiner Handlung klar werden konnte, hatte er bereits in der kleinen eisernen Badewanne seine Suftreife angetreten. Glücklicherweise war er der Sachlage durchaus gewachsen. Er zog zunächst seine Uhr heraus und stellte einige Geschwindigkeitsberechnungen an . . wenn kein Zwischenfall eintrat, erreichte er gerade noch den Zug zur Stadt. Vorausgesetzt natürlich, daß das Aus- steigen genau so schnell wie das Einsteigen ging ... etwas bänglich wurde es ihm bei diesem Gedanken aber doch zu Mute! Schon einmal war Oktavian in Gedanken aus einer fahrenden Straßenbahn herausgefallen !mszi ittto Mtit e oi dir' Lizii mm E m ® Will, । | ton jiten i |l (erfolge «Sie U nd | tor I i los I ::6 eil l iil ich । ll, „Ei I btt i 1 iinud ... eine Drahtseilbahn hakte sicherlich auch allerlei Mucken! Surrend sauste das Kästchen zu Tal ... die Hälfte des Weges hatte Oktavian bereits zurückgelegt, es war 5 Minuten vor 12, um 13 Uhr ging Oer Zug, feine anfänglichen Bedenken waren geschwunden Beinahe w,e im Flugzeug" stellte er befriedigt fest und besah sich behagUch d.e Gegend. Sehr hübsch!" Zum mindesten recht originell, diese Hochzeitsfahrt .... beinahe hatte Oktavian seine gute Saune wiedergefunden. Da — plötzlich! Gerade zwischen zwei besonders hohen Masten, übet einem tiefen, schmalen Taleinschnitt begann sich die Geschwindigkeit merklich zu verlangsamen. Die Drähte zitterten und spannten sich, noch emma ein leichtes Schaukeln und Schwingen ... die kleine Badewanne hielt genau mitten über einer Schlucht. Und mit ihr hielten alle anderen Wägelchen, die bisher auf der Gegenseite an Oktavian vorbe,gesaut waren ,Hm! Sehr merkwürdig!" stellte Oktavmn beunruhigt sest. „Vielleicht eine kleine Betriebsstörung? Oder Anhängung eines neuen Kastens?" ... Oktavian war mit der technischen Einrichtung einer solchen Bahn nur sehr unvollkommen vertraut. Er sah flach aus dem Boden bet Wanne, bequem zurückgelehnt, über sich den großen Drahtbugei, und nut wenn er über den Rand in die grausige Tiefe blickte, wurde ihm etwas ängstlich zu Mute. Er steckte sich also zunächst eine Zigarette an, stelltt das Fehlen von Schlips und Hut fest und tat zunächst das, was auch andere Zeitgenossen bei unfreiwilligen Aufenthalten moderner Verkehrsmittel zu tun pflegten: er wartete und schimpfte leise vor sich hm. „Bummelei ... Wirtschaft ... und so ... häufig sah er nach der Uhr, blieb aber im allgemeinen ruhig. ■ p m . ... Er konnte natürlich noch nicht ahnen, daß Ilie Georgesku, der nicht mit übermäßiger Intelligenz ausgeftattet war, den "Meister nur vor- übergehend vertreten hatte, der „nur einen Augenblick roeggegangen |"li(t)te war". Und dieser nichtsahnende Meister war kurz nach 12 Uhr aus ort K, Kantine zurückgekommen und hatte — da Samstags nur bis Mittag gearbeitet wurde — die Drahtseilbahn pflichtschuldigst Schlag 12 Uhr stillqeleqt. Und Ilie war seines Weges gegangen, „ohne sich dabei etwas zu denken", wie er später, zur Rede gestellt, ausfagte. Das waren die Vorgänge hinter den Kulissen gewesen, von denen Oktavian zu diesem Zeitpunkte natürlich noch nichts ahnen konnte. Doch allmählich begann er unruhig zu werden. Der Uhrzeiger rückte mit Riesenschritten vor, aber die vermaledeite Bahn rührte und regte sich sticht, -i-te ersten Anzeichen der Verzweiflung stellten sich bei Oktavian ein. Er raufte sich die Haare. Dann überlegte er, ob er an dem Hängesett zum nächsten JJlaji „angeln" sollte und an diesem in die Tiefe gehen ... lieber nicht! Dann rollte womöglich das Wägelchen los und ihm über die Finger. Oktavian stieß einen brüllenden Schrei aus, in höchster Qual. Das Echo antwortet« ihm in Gestalt einer fernen, pfeifenden Sokomotive... Oktavian schlug in feiner Wanne die Hände vors Gesicht: „Aus! Aus!" schluchzte er ein über das andere Mal. Dort fuhr der Zug . .1 Keine See e weit und breit .. er allein mit feinem Schmerz in schwindelnder, luftiger Hohe! Oktavians Seelenzustand zu schildern, ist schwer. Er lachte unb meinte abwechselnd, schrie und tobte, rüttelte an den Bordwänden und schüttelte 1 den Drahtbügel. Den Kragen hatte er abgerissen und über Bord geschleudert. Mehrmals war er draus und dran sich selber hinterher zu stürzen Das ging so etwa bis 16 Uhr Dann gab er den Kamps aut Nun war daheim ja doch alles vorbei. Bor seinem geistigen Auge er-