Jahrgang |93< Montag, den 17. Dezember Nummer 98 etwas erwidern, als Berkoff in den uf gobei ins ■ • Herr und feine L misten w Berufung^ Eystein k ■ zu HW ig stärkt. L r Ehre ui n Kämpfer ir ernimri cht nur li'| sind 400 ch» lieg '"u unfet Herr Ministerialdirektor. Wir haben den Funksprüchen geht unzweifelhaft Der Ministerialdirektor wollte Raum kam. „Verzeihen Sie die Störung, Verbindung mit Dr. Wille. Aus hervor, daß die Herren von den >us öufieri «■w ämangioh wird u illen W in Brei „Nun, Herr Eggerth, wie steht's?" „Nicht ungünstig, Herr Ministerialdirektor. Wille und Schmidt mit den Motorwagen unterwegs. Sie befinden sich gegenwärtig Kilometer südlich von hier." „Alle beide", beeilte sich Berkoff zu antworten. „Dr. Schmidt war ja stets für eine Ausdehnung der Messungen über ein größeres Gebiet. Aber auch Dr. Wille scheint durch die neuen Erkenntnisse, die er bei dieser Expedition gewonnen hat, gründlich bekehrt zu sein. Ursprünglich sollte die Fahrt nur über etwa 200 Kilometer gehen, aber dann war es gerade Wille, der sie immer weiter ausdehnte und auch jetzt noch nicht recht Lust hat, umzukehren." Hein Eggerth und der Ministerialdirektor warfen sich einen Blick zu. Sie hatten den gleichen Gedanken, daß man den so plötzlich erwachten Wandertrieb Willes in jeder Weise fördern müsse. Das Trommeln der Motoren wurde schwächer, hörte ganz auf. Im Gleitflug ging ,St 8' aus der Stratosphäre in tiefere Luftschichten hinab. Gerade unter ihm auf dem Schnee drei schwarze Punkte. Ungefähr wie drei Fliegen aus einer Tischdecke sahen die mächtigen Kraftwagen aus dieser Höhe aus. Nur allmählich gewannen sie an Größe, während das Stratosphärenschiff tiefer sank. Ein leichtes Rucken und Schüttern, es setzte auf dem Schneefeld auf. Durch das Fenster beobachtete Hein Eggerth, wie aus dem einen der drei Fahrzeuge, dem Wohnwagen, eine Gestalt kletterte und durch den Schnee auf das Flugschiff zu trabte. „Nanu!? Nur der brave Hagemann stellt sich zum Empfang ein", murmelte er vor sich hin, während er zusammen mit dem Ministerial- Farbe g, ha» neuen Arbeitsmöglichkeiten, die ihnen die motorisierte Station bietet, voll befriedigt sind." „Beide oder nur einer?" fragte Reute. gntcreffe t >n mit * lein, w $ t des off«! Der#* HANS DOMINIK ■ EIN STERN FIEL VOM HIMMEL COPYRIGHT 1934 BY KOEHLER & AMELANG G. M. B. H., LEIPZIG direktor und Berkoff über die Laufbrücke aus dem Flugfchiff Freie ging. „Tag, Hagemann", begrüßte er ihn. „Wo stecken die andern? Dr. Wille weiß doch, daß wir ihn besuchen wollen?" Hagemann trat im Schnee von einem Fuß auf den andern druckste eine Weile, bevor er antwortete. Siebener tfamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger s für ®|e 5 für W i. m. 'öfterer ins rantoortn; für Strbeiil der Slrbeils mg, der holeinfl# beglMt uni’ ieis auf ü jir ein ? ff, eines ff ■t für M l Freies =-. 9ibt im. Bi Qnftitui l - n dem U i •et der I °n bie t. Das er» petfönlifc ;r tann ch Plänen uir iz allein H ohe De, I $rofefiorp, ien so leit I in der fc Volkes (ir; itute beff Sann * hast «*■ Zeitschl'^ rlschrit" ! ange*1., n *1# d 8 D n!,dtz! e der18,1 (Fortsetzung.) Garrison merkte, wie der Millionär mit neuen Zweifeln kämpfte, und gab dem Gespräch eine andere Wendung. Mit beredten Worten malte er ihm die gewaltigen Gewinnmöglichkeiten aus, wenn es gelang, auch nur ein paar hundert Zentner des kostbaren Erzes aus der Antarktis nach Amerika zu bringen. Vor den Millionenziffern, mit denen er dabei jonglierte, schwand Boltons Widerstand dahin. Er füllte den Scheck über taufend Dollars aus, doch bevor er ihn an Garrison gab, zog er ein anderes Schriftstück aus der Briefliche. Es war ein Vertragsentwurf, den er bereits vor jenem ersten ergebnislosen Flug Garrisons nach der Antarktis aufgesetzt hatte. In einer langen Reihe von Paragraphen waren darin die Rechte und die Pflichten der beiden Partner geregelt, und es war in Mr. Boltons Natur begründet, daß der Vertrag mehr Rechte für ihn und mehr Pflichten für Garrison enthielt. Darüber war Garrison sich auch vollkommen klar, aber wohl oder übel mußte er feinen Namen unter das Dokument setzen, bevor er Boltons Scheck in Empfang nehmen durfte. Der sprang jetzt auf. „Höchste Zelt, Mr. Garrison. Ich komme gerade zum nächsten Zug zurecht. Rufen Sie mich in Frisko an, sowie Sie. etwas haben. — Mr. Bolton hatte den Raum verlassen. Garrison griff nach Stock und Hut; nachdenklich ging er durch die Straßen von Pafadena bis zur Drahtseilbahn, die ihn zur Sternwarte auf dem Mount Wilson bringen sollte. * Zwei schlichte Zellen im Reichsanzeiger gaben amtliche Kunde von der Veränderung in der antarktischen Station. Sie befanden sich auf der Seite, die die Ueberschrlft „Ernennungen und Beförderungen" trägt, und lauteten: „Zur besonderen Verwendung durch das Kultusministerium in den Staatsdienst übernommen Dr. Martin Wille mit dem Titel und Rang eines Ministerialdirektors; Dr. August Schmidt mit dem Titel und Rang eines Ministerialrates." In der Menge der anderen gleichartigen oder ähnlichen Mitteilungen gingen diese beide Zellen für die breite Oeffentlichkelt spurlos unter. Nur im Kultusministerium, das sie ja besonders angingen, wurden sie gelesen und erregten zunächst einige Verwunderung. Was waren denn das für unbekannte Outsider, die das Ministerium so plötzlich mit nicht zu verachtenden Beamten Qualitäten in den Staatsdienst übernahm? Schmidt — August Schmidt? Ein Sammelname, aus dem niemand etwas zu machen wußte. Dr. Martin Wille? Leute in den Büros des Ministeriums, die sich für jede Ernennung interessierten, wälzten allerlei Nachschlagewerke und konnten auch nichts Rechtes entdecken. Dr. Martin Wille, Privatgelehrter. Arbeitet auf geophysikalischem Gebiet. Unternahm im vergangenen Jahr eine Expedition in die Antarktis", stand in einem dieser Handbücher zu lesen und machte das Kopschütteln noch größer. Bis es bann von oben her durchsickerte, und zwar mit einer gewissen Absichtlichkeit durchsickerte, daß dieser bisherige simple Privatgelehrte tatsächlich mit dem neuerannten Mim st e rialdirekt or identisch sei und daß die nachgeordneten Stellen ihre verehrlichen Kopfe und Schnäbel nicht unnötig anftrengen möchten. Der Wink war deutlich genug und wirkte. ..... , 9ls Hein Eggerth mit ,St8' bei der antarktischen Station landete fand er das Nest ziemlich leer. Nur Lorenzen, dem er feine Ankunft durch Funkspruch gemeldet hatte, stand auf dem Hofe und begrüßte ihn, als er das Schiff verließ. ™ h „Enten Tag, Lorenzen. Alles wohl und munter? Wo stecken denn „Ausgeflogen, Herr Eggerth. Sie sind alle mit den neuen Wagen weg, da nach Süden runter. Sogar Hagemann ist mit. 3$ mu6 mir mein Futter hier allein kochen und für den ganzen Mafchmenkram fcrgen Ist etwas viel für einen einzelnen Mann. Srtbe(ptrf’bat nix, Georg. Da wollen wir den fierrfdjaften mal" schleunigst nachfliegen"/meinte er. „Wer besorgt denn übrigens die Funkerei bei der Expedition, Lorenzen? ■ fnspr. „Der Rudi Willes Herr Berkoff. Der Junge hat sich zu einem tadellosen Funker entwickelt. Alle Achtung, wie der letzmorsen kann. „Danke schön, Lorenzen, das wollen wir mal gleich versuchen . Im Mittelraum des Flugschiffes erhob sich bei der Rückkehr Eggerths ein älterer Herr aus einem Sessel. * ß* s'1 hal I ® i||i ■feil „Herr Dr. Wille und Herr Dr. Schmidt sitzen feit heute früh in dem elektrischen Wagen zusammen und lassen keinen rein. Vor drei Stunden wollte ich sie zum Essen holen, da haben sie mich einfach raus- gefchmisfen. Schade um den schönen Labskaus, den ich für heute gemacht habe." Hein Eggerth wandte sich zu Reute. „Darf ich Ihnen hier Herrn Hagemann vorftellen, Herr Ministerialdirektor, feines Zeichens Mechaniker, außerdem Küchenchef der Expedition. Alles in allem ein Mann, dessen Bedeutung für das Wohl und Wehe der Expedition nicht zu unterschätzen ist." Das Wort „Ministerialdirektor" gab Hagemann einen Ruck, er machte eine formvollendete Verbeugung. „Freue mich über die Ehre, Herrn Ministerialdirektor kennenzulernen. Hagemann ist mein Name." Er wandte sich an Eggerth, „wie Sie die Herren aus ihrem Wagen herauskriegen wollen, weiß ich nicht. Wollen Sie nicht lieber erst etwas essen?" Eggerth nickte. „Ich glaube, Herr Ministerialdirektor, der Vorschlag hat was für sich. Wie wäre es, wenn wir uns erst gemütlich zu Tische setzten und die offizielle Verhandlung noch etwas verschieben?" „Meinetwegen", erwiderte Reute, „eine solide Mahlzeit käme mir nicht ungelegen." Von Hagemann geleitet gingen sie in den Wohnwagen. Ein behaglicher Raum mit bequemen Klubsesseln ausgestattet, nahm sie auf, und bann lief Hagemann eifrig zwischen ber Küche und diesem Raum hin und her und begann aufzutafeln. Er wollte zeigen, was feine Küche zu bieten vermochte. Während Hagemann den Kaffee servierte und Zigarren anbot, stand Eggerth auf. „Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, meine Herren." Er verließ den Raum. Mit langen Schritten stampfte er durch den Schnee zu dem zweiten Wagen hin, während er in feiner Westentasche nach einem Schlüssel fingerte. Mochten die beiden Gelehrten sich immerhin einschlleßen, er hatte ja ein Duplikat des Wagenfchlüfsels bei sich. verlesen habe, einverstanden, meine „Ja" heraus, als ob er vor dem Mochten sie den biederen Hagemann auch kurzerhand hinausgeworfen haben, bei ihm sollte ihnen das nicht so ohne weiteres gelingen. Er wollte ihnen die Wichtigkeit dieser Stunde schon so klarmachen, daß sie ihre wissenschaftlichen Marotten darüber fahren liehen Jetzt hatte er den Schlüssel glücklich herausgefischt und war bis auf wenige Schritte an den Wagen herangekommen, als dessen Tur plötzlich von selber aufsprang. In ihrem Rahmen erschien Dr. Wille heftig gestikulierend, das Gesicht gerötet, das Haar in Unordnung, als ob er sich wiederholt mit den Fingern hindurchgefahren hätte. „Reden Sie nicht weiter, Schmidtl Hat gar keinen Zweck mehr. Die Geschichte ist absolut klar, kommen Sie, wir wollen essen gehen. Er schickte sich an, aus dem Wagen zu steigen, als der lange Schmidt Leistung der weiteren Ausgaben in alle Einzelheiten ausgearbeitet hatte. „Sind Sie mit alledem, was ich Herren?" fragte Reute. Wille nickte. Schmidt stieß ein Standesbeamten stünde und getraut werden sollte. .Dann bitte ich Sie, Ihre Namen unter den Vertrag zu setzen ... und nun, meine Herren", fuhr er fort, als die Namen aus dem Papier standen ..... übergebe ich Ihnen Ihre Bestallungsurkunden." Während er es sagte, überreichte er den beiden Doktoren zwei Dokumente, in denen in kalligraphischer Ausführung ihre neuen Titel und Würden zu lesen waren. Doch sie kamen nicht dazu, lange darin zu studieren, denn nun bat der Ministerialdirektor sie, sich zu erheben, und ließ sie die Eidesformel nachsprechen, durch die sie sich verpflichteten, von jetzt an ihr ganzes Wirken und alle ihre Kräfte in den Dienst „Vergessen Sie Ihren Pelz nicht, Herr Wille. Es ist etwas kühl draußen." Mit sanfter Gewalt zwang er ihn in den Pelz, bevor er ihn losließ. Dann stürmte Dr. Wille ins Freie und stand plötzlich vor Hein Eggerth. Erst jetzt bemerkte er ihn. ... _ . „Sie hier, Herr Eggerth? Ach ja! Sie geben ja einen Funkspruch, daß Sie kommen wollten. Großartig, daß Sie da sind. Wir haben neue Entdeckungen gemacht. Ich sage Ihnen, Herr Eggerch, die Welt wird staunen. Das mutz ich Ihnen gleich erzählen." Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über, dachte Hem Eggerth bei sich, während Dr. Wille ihn mit einer Flut von neuen Theorien und Beobachtungen überschüttete. Bedächtig hatte Schmidt inzwischen die Wagentür verschlossen und kam hinter den beiden her. Es fiel ihm nicht schwer, sie emzuholen, denn eben jetzt hatte Dr. Wille sein Opfer bei einem Rockknopf gefatzt und hielt ihn daran fest, während er unermüdlich weiterdozierte.. Hein Eggerth hatte das Gefühl, datz er hier anfrieren würde, wenn er dem Disput nicht schleunigst ein Ende bereitete. „Lassen wir jetzt die wissenschaftlichen Dinge , sagte er sehr entschieden. „Ich bin nicht allein hier, Herr Ministerialdirektor Reute ist mit uns hierhergekommen, um Sie als Staatsbeamte m Pflicht und Eid zu nehmen." „ Verschieden wirkten seine Worte auf die beiden. Der lange dürre Schmidt wurde noch um einige Grade hölzerner und steifer als gewöhnlich Dagegen bedurfte es noch einiger Anstrengungen, bis Wille feine Theorien beiseite schob und sich auf die neue Situation einstellte. Ruhe, Fassung, Würde, lieber Doktor!" flüsterte ihm Eggerth lachend ins Ohr, „nehmen Sie sich ein Beispiel an Schmidt. Der ist schon jetzt jeder Zoll ein Ministerialrat." — Sie tarnen in den Speiseraum des Wohnwagens und wurden Reute, der sie noch nicht persönlich kannte, vorgestellt. Lächelnd sah der Ministerialdirektor zu, wie Schmidt und Wille sich erst einmal über die Speisen hermachten, lächelnd hörte er die Erklärung Eggerths an datz die beiden gelehrten Häuser sich zwölf Stunden hindurch über ein wissenschaftliches Thema verbiestert hätten, ohne dazwischen Nahrung zu sich zu nehmen. „Mit gesättigten Leuten ist besser zu verhandeln als mit hungrigen", dachte er im stillen. Dann aber bei Kafsee und Zigarren kam die Unterhaltung tn (Bang. Sie ging schnell vonstatten, weil Reute die großzügigen Bedingungen des Deutschen Reiches sofort klipp und klar auf den Tisch legte: Übernahme der bisherigen Privatexpedition Willes durch das Reich in Form eines antarktischen deutschen Instituts. Ersatz der bisherigen, von Dr. Wille persönlich getragenen Unkosten durch die Uederwelsung einer Summe, die ihn voll entschädigte. " M nach einem Etat, den Reute bis des Reiches zu stellen. Ein Handschlag danach und der Akt war beendet. „Es ist wirklich wie bei einer Trauung, wo aus dem Fräulein plötzlich eine gnädige Frau wird", mußte Berkofs bei sich denken, als gleich nach vollzogenem Handschlag der Ministerialdirektor den langen Schmidt als „Herr Ministerialrat" anredete und zu Dr. Wille sogar „lieber Kollege" sagte. Dann saßen sie wieder zu fünft am Tisch. Eggerth zog Hagemann beiseite und flüsterte eine Weile mit ihm. Der verschwand und kam nach kurzer Zeit mit einem großen Packen unter dem Arm wieder. „Ich danke Ihnen, Hagemann, Sie können wieder gehen", sagte Eggerth, während er ihm den Ballen abnahm. Kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen, als Reute das frühere Gefpräch wieder aufnahm. ,r. , „ , „Ja, mein lieber Kollege, Ihre Expedition ist nun offiziell eine Unternehmung des Reiches geworden. Wie Sie aus Ihrem Vertrag ersehen haben, rangiert das deutsche antarktische Institut parallel mit den Kaiser-Wilhelm-Jnstituten. Nur ein Unterschied ist dabei. Das neue Institut befindet sich außerhalb der Reichsgrenzen im Niemandsland der Antarktis. Das Institut vertritt hier das Deutsche Reich. Es muß deshalb die Reichsflagge zeigen." Während der letzten Worte Reuies hatte sich Hein Eggerth daran gemacht, den Ballen auszuwickeln. Eine neue große Reichsflagge tarn daraus zum Vorschein. „Wollen wir sie hissen, Herr Ministerialdirektor? Reute nickte. „Ja, Herr Eggerth, aber gleichzeitig einen Funkspruch nach Berlin absenden, daß das Reich die frühere Expedition Wille als Reichsinstitut übernommen hat. Er griff nach Bleistift und Papier und entwarf eine Depesche. Dann gingen sie zu dem zweiten Wagen, bei dem Hagemann von Eggerth instruiert schon wartete. Langsam stieg aus dem mächtigen Bau des Kraftwagens ein Mast in die Hohe. An seiner Spitze nahm er die Reichsflagge mit. Hein Eggerth ließ sich von Reute die Depesche für Berlin geben. Während die übrigen zu dem Wohnwagen zuruckkehrten, ging er damit 3U dem dritten Wagen, in dem Rudi Wille sich mit seiner Radioanlage häuslich eingerichtet hatte. Als er hineinkam, tönte ihm das Klappern der Morsetaste entgegen. Rudi hockte gebückt vor seinen Apparaten, die Kopfhörer an den Ohren, völlig in seine Arbeit vertieft, so daß er den eintretenden Eggert gar nicht merkte. Der ließ ihn eine Welle gewähren, bann trat er näher und legte Rudi die Hand aus die Schulter. Der blickte nur einen Moment auf, er hatte seine Station inzwischen chon wieder auf Empfang umgeschaltet und notierte hastig mit, was er hörte. Mit einer kurzen Bewegung schob er Hem Eggerth ein paar beschriebene Blätter hin ... Der überflog sie, behielt sie in der Hand und verließ mit ihnen den Funkraum.-- * Maßregeln gegen Neugierige. „Nun, Herr Eggerth", fragte Reute, als Hein in kam, „ist unser Funkspruch expediert?" „Noch nicht, Herr Ministerialdirektor, die Station den Wohnwagen war anderweitig von ihm und der Not- Bei ihrer auch Maschine wenn sie nach Deutschland nahmen." „Ein Mr. James Garrison aus Pasadena. Jawohl, Herr Mimste- rialdirektor. Wenn's derselbe ist, wäre es nicht sehr erfreulich." Hein Cggetrh warf ihm einen Blick zu, der ihn schweigen liefe, und nahm das nächste Telegrammblatt vor. Was er von ihm und den folgenden Blättern las, liefe zur Genüge erkennen, daß die beiden Amerikaner sich in einer sehr üblen Lage befanben. lanbung auf unebenem ©elänbe war bas Fahrgestell so vollkommen zerstört worden, daß an einen Start, neuen Treibstoff erhielten, nicht zu denken war. bcfefet „Oh, das ist bedauerlich, Herr Eggerth. Es handelt sich hier um eine Staatsdepesche, die natürlich jedem Privatfunk vorgeht. Daran werden Sie sich gewöhnen müssen, meine Herren, nachdem Ihre Expedition ein Reichsunternehmen geworden ist." Eggerth setzte sich an den Tisch und breitete die Blatter, die er von Rudi erhalten hatte, vor sich aus. Ohne weiter auf den Vorwurf Reuies einzugehen, sagte er: „Hören Sie bitte zu, weine Herren. ,Funkspruch, ausgenommen 15 Uhr 16 Greenwichzett, 808-Ruf von ,W 16". Amerikanisches Flugzeug ,$316' aus Treibstosfmangel 300 Kilometer südlich von hier notgelandet, bei Landung havariert. An Bord zwei amerikanische Bürger, Garrison und Bolton. Erbitten dringend Hilfe von Station Wille." Schon bei den ersten Worten, die Hein Eggerth verlas, harren die Anwesenden aufmerksam zu. Sie wußten alle, daß ein 808-Rus jeber Staatsbepesche voranging. Als ber Name .Garrison' fiel, räusperte sich ber Ministerialbirektor sehr merklich. Hein Eggerth legte bas erste Blatt bei Seite, um zum zweiten zu greifen, als Reute fragte: „Garrison ... Mr. Garrison ... ba war meines Wissens boch ein Mr' Garrison in ber Station am Pol, ben Sie, Herr Berkoff, mit sich sofort zu Hilfe Reute ftanb auf. „Ich glaube, Herr Eggerth, es ist Christenpflicht, daß Sie mit ,St 8' aufmachen unb ben verunglückten Amerikanern „ , . eilen. Nehmen Sie bitte auf meine Person gar keine Rücksicht^, fuhr er fort, als Hein Eggerth etwas erroibern wollte. „Je eher Sie bas amerikanische Flugzeug finben, um so besser wirb es sein. Ich fürchte, es geht hier um bie Minuten. Kurz barauf stieg ,St 8' auf unb jagte in süblicher Richtung davon, um die Suche nach den Amerikanern aufzunehmen. Reute wandte sich an Dr. Wille. „Ich bitte Sie nun, Kollege, für die schleunigste Erledigung dieser Staatsdepesche Sorge zu tragen und ferner nach Bitterfeld zu funken, daß ein Stratosphärenschiff hierher kommt und mich an Bord nimmt. Die Unternehmung der Herren James Garrifon und Joe Bolton liefe sich anfangs recht aussichtsvoll an. Aus den Aufzeichnungen der ver- fchiedenen Erdbebenwarten gelang es Garrison, die Ausschlagsstelle des Boliden mit einer Genauigkeit zu ermitteln, die Professor Eggerth und seinen Freunden wahrscheinlich schlaflose Nächte bereitet haben würde, wenn sie darum gewußt hätten. Gleich danach eilten die beiden Amerikaner unter Benutzung der australischen Luftlinie nach Adelaide, wo ihnen bas Glück zweimal hold war. Es gelang Bolton für einen verhältnismäßig billigen Preis ein gutes schweres Flugzeug der Type ,W16' zu erwerben, und sie fanden überdies einen Walfischfänger, der sie mitsamt ihrem Flugzeug und einer gehörigen Menge Reservebenzol bis zum 75. Grad südlicher Breite ins Roßmeer mitnahm. Das Flugzeug hatte Treibstoff für rund 4000 Kilometer an Bord. Sie konnten also mit voller Sicherheit einen Flug ju der von Garrison ermittelten Stelle unternehmen. Ohne Schwierigkeiten erreichte ihre Maschine Süd-Viktorialand und steuerte weiter auf das von Garrison angegebene Ziel zu. Bei klarem sonnigem Wetter strich das Flugzeug in etwa dreihundert Meter Höhe dahin, als ein Glitzern und Blinken auf dem Boden Bolton veranlaßte, träfe heftigen Widerspruches von feiten Garrisons niederzugehen. Eine Anzahl großer Brocken jenes schweren fremdartigen Erzes im Gesamtgewicht von gut drei Zentnern waren es, die Bolton gesehen hatte und die er jetzt in das Flugzeug schleppte, obwohl ihm Garrison das Törichte und Uederflüsstge seiner Handlungsweise sehr deutlich vorhielt. (Fortsetzung folgt.) i-uch noch «i den S)i mögen rweitig m eine werden Edition die er orrourf Herren, uf von »Kilo- i !8otb ringend hörten iif jeder irte sich 5 elfte och ein iff, mit Dlinifte« in lief), ,m und beiden ir Noi- Itajchim lenn fit ch fofort u Ms« t", sich« sie das fürcht«, ; dovon, Wir reifen gen Tag. Von S) a n s Pflug. Kalt war der Morgen und im Schnee verträumt Lag still der Forst, durch den die Straße lief. Noch leises Dämmern in den Büschen schlief; Von weißem Dunst war Mann und Roß umsäumt, Der aus den Nüstern unserer Gäule stob — Nur manchmal klirrte leise Stahl an Stahl Und in die weite Winterstille wob Sich klappernd harter Hufschlag ohne Zahl. — Ein Krähenpaar am Wege floh erschreckt. Mit lautem Krächzen hob es schwarze Schwingen ... Im Bügelschuh die Lanze festgesteckt, So ritten wir im Schritt. Die Fähnlein hingen Schlaff zitternd an den Schäften. Stille lag Und weit der Forst, durch den die Straße lies. Noch leises Dämmern in den Büschen schlief — Wir grauen Reiter ritten stumm gen Tag. Iprurh le als Japier >ogen, "Slam hohe. 9«ben. damit onlage Wern n, die «r den ie gc. Wer. wichen '■> BOS । paar Hand Drei Pünktchen uni) der Weihnachtsengel »Walfisch". Von (Börge Spervogel. „Ich denk nicht dran", sagt Maleen. „Ich bleibe nicht hier. Ich will rum heiligen Abend bei meinen Leuten in Heia sein." „Und wie fängst du das an?" erkundigt sich Klaas trübselig. „Ich nöchte es ja auch. Aber die Bahn kann nicht durch die Schneewehen inb die Schiffe nicht durchs Eis." ig dies«« fünfen, nimmt' (ton H der oer- 'teile d«i gggert! >t Hobe» inng d« mal fco® jreis ein ief-* m ßorb' chie * ©art’ I’" ,S65 V1 w“ ig« lt,ner Der Wind treibt kleine Eiskörner klispernd über die Flachs weh .fee Zusammen, wirbelt sie auseinander, grad wie es ihm emfallt. Es ist e übergroße Klarheit in der Luft, alles ist hell und hart dieBucht ist unendlich weit, die Nehrung am Horizont hat ^men silbernenSche , iie Berge hinter Zoppot sind weiß bestaubt, rot, blinkend grau i lau in den Schatten ist die Stadt Danzig anzusehen. Das Eis ist anfangs dickschollig mit runden Kanten und verwehten Suhlen. Auf das freie Haff 3U wird es f achwellig, gerrppelt und leuch icnb weiß. Später kommen spiegelglatte schwarze Stegen mit schmalem glänzenden Schneebändern darüber; der W'nd hat versucht gerade Striche zu ziehen, aber meist sind sie ,hm schmählich m & 9 ■ Zögen und unregelmäßigen Zickzacklinien hat er, aufh Glanz Wie drei schwarze Pünktchen wandern sie dahin durch all den Wanz mb bie Härte. Die Glocken von Danzig schlagen elf Uhr und Zwo i mb eins, die drei Punkte bewegen sich iangfam auf der gewaltig^ Fläche dahin. Drei winzige Punkte, junge Leute aus H , 3 heiligen Abend daheim fein wollen. f . r Am frühen Nachmittag setzt dtt Wind au^ Er war kaltz ab^er gMer Rückenwind. Maleen nimmt die Mutze ab. ,,Warm, 19 „ „„ q. «ei Stunden", sagt Ole. „Hunger?" fragt Klaas „Bißchen. «her." „Besser ist besser", meint Ole und nimmt den Tom^r b. Die drei Punkte sitzen tn einem kleinen D Schnee- Zucht. Es ist ganz still. Viel zu still. Es feM.da Klaas Och", l-istalle über das Eis. „Komisch mit dem Wmd , sagt Klaas. , «widert Maleen, „laß ihn man, was er wohl wiu. sralnbftofi kleine Der Schnee singt auf, verstummt wieder. Em fronen"’ treibt Sirbel heben sich, gleiten dahin, fallen zusammen. ) Lichter", 5k, „nicht lange und es ist dunkel." „Dann fefeen mir ja D.e , vgt Maleen. Die drei Punkte wandern wieder dahin. Spanne hoch , Maleen schnuppert in der Luft D.e Sonn-hangt eineSpanne y w i-ber bet grauen Küste. Sie verliert schnell an Glanz. L)ie Puni«- „Jch gehe übers Eis", sagt Maleen. Die hält die linke Hand vor sich hin. Daumen und Zeigefinger # üben einen spitzen Winkel. „Danzig", er zeigt auf die Daumenkuppe, ft hier!" Der Zeigefinger stellt die Nehrung bar. Am Enbe der Nehrung regt Heia. Zwischen Heia unb Danzig liegen fünfundzwanzig Kilometer Eis. „Es ist ja nicht schlimm, aber", er legt den Kopf schief, faltet die Stirn und reibt fein Genick, „aber das Putziger Wieck hat es in sich. Bei Gott, bas hat schon mancher gesagt." „Wie ist es denn mit den Eisbrechern?" fragt Klaas. „Alle draußen." — „Ich gehe los", Jagt Maleen noch einmal. „Unb ijr?" — ,Äad)", sagt Klaas, „jetzt denkt sie wahrhaftig, wir blieben. Pustekuchen", sagt er, „nun grabe nicht." Sie fahren mit ber Straßenbahn von Danzig nach Neufahrwasser. Der Leuchtturm von Neufahrwasser steht am Ende einer langen Mole, rieben dem Turm steht ein Fischer unb sieht hinaus auf bie weite Bucht. „Hält es?" fragt Die unb zeigt mit dem Finger aufs Eis. „Soll wohl »alten", fagt ber Fischer unb besieht bie brei jungen Leute. Sie haben ichwarze bickwollige Isländer an, Skihosen unb Pubeimützen, tragen Felltornister auf dem Rücken. „Tjo, Jungs", wiederholt er, „soll wohl halten, Tscha. Die Böschung ber Mole ist glatt unb vereist. Die kommt mit großem Bchwung auf bas Eis, schwenkt bie Arme, kippt nach vorn unb hinten. Das fängt ja großartig an, benft er in seiner Bewegung unb staunt, :ls seine Füße plötzlich nicht mehr auf bieser Welt weilen, sonbern sich ii ben Lüften herumtreiben. Das Eis knackt ein wenig. „Son jungen Kerl", sagt ber Fischer, „unb schon o fluchen Unb mit vn Lachen", wendet er sich an Maleen, „stellen Sie ja roo^ gar ein Fraulein bar?" An Stelle jeglicher Antwort setzt sich Maleen auf einen khlenben Schlitten unb robelt bie Böschung hinab. Bis gegen Dies Füße stiegt sie, ber sich gerabe erhoben hat. In alles Getümmel komm • ' Klaas geschossen. Der Fischer reifet sein Maul auf unb lacht ii lange Schatten. Eine Zeitlang glüht bas Licht rot auf hem Eise, bann sinkt bie Sonne schnell hinab. Nun ist es, als verhielt sie in einem end» losen einförmig grauen Raum. Die Nehrung ist aufeer Sicht. Ein paar kraftlose Blinkfeuer erwachen. Nichts ist ba als ber viel zu laute Klang ber eiligen Schritte. Verrückt, fagt Maleen zu sich unb ihrer Unruhe. Sie versucht, an bie weihnachtliche, warme Stube zu benten, bie sie erwartet. Die Dämmerung wächst. Die Windstöße mehren sich, bis ber Gesang ber harten Kristalle nicht mehr abreifet. Maleen bleibt plötzlich stehen. Das ist ja Norbwestwinb. „Mensch", sagt Die nur. Da kommen auch schon bie ersten Flocken angesegelt. Sie finb weich, schwer unb feucht. Die Dämmerung wirb mit einem Schlage gleichmäßig bicht unb tief. Der Winb nimmt zu, ber Schnee fällt immer bichter, bie Leuchtfeuer finb nicht mehr zu sehen, bie brei Punkte finb im Treiben verschwunben. „Eine Stunbe höchstens", fagt Die mit jufammengebiffenen Zähnen. „Ich habe einen Kornpafe. Kann nichts passieren. Scharf Norb hatten, höchstens zwei Strich rechts. Besser scharf Norb, sonst kommen wir in die freie Dftfee, mit Glück zu Neujahr nach Schweben ober wo. Besser kleinen Strich links, nicht zuviel, sonst rennen wir ins ewige Putziger Wieck." Vornübergebeugt gehen sie gegen ben Sturm. Der Schnee klebt bick an ber Kleidung. Sie stolpern viel, weil sie bie Beschaffenheit bes Eises nicht sehen. Es wirb völlig bunte!. Sie binben eine Körbel um bie Hand- gelente, bamit sie sich nicht verlieren. Sie gehen enblos lange. Der Schnee wirb immer höher. Einmal segelt schreiend eine Möve durch bie Finsternis. Plötzlich kommen mit bem gleichmäßigen Heulen bes Sturmes Geräusche aus ber Nacht, verwehtes Krachen, Brechen unb Splittern. Das kann nur ein Eisbrecher fein, ber Heimkehr!. Stehenbleiben ist bas beste. Geht er nach Putzig ober zum Danziger Hafen? Wenn er nach Putzig geht, ist alles aus. Dann liegt zweitausend Meter vor Heia ein Streifen offenen Wassers. Es läßt sich nicht feststellen, wo bas Stampfen unb Dröhnen geblieben ist. Der Sturm hat es plötzlich verschluckt. Sie gehen langsam vorwärts. Scheuerte da etwas wie Eis an Eis? Nein. Weiter. Sie haben vergessen, daß eine halbe Stunde vor ihnen geputzte Christbäume, Wärme unb Licht warten. Sie tasten sich mit den Füßen burch die heulende Finsternis und horchen, horchen. Vorn schlurrt etwas. Wieder. Wasser gluckst. Es ist aus. Die kriecht voran. Es ist sinnlos. Das Scharren ist ganz dicht bei ihnen. Mit eins ist ein ungewisses Leuchten voraus. Eine dicke Scholle, hochgeschoben, ber zackige Bruchrand unb die kantigen Flächen haben ein unheimlich drohendes Aussehen; wie da alles in der Schwärze so schimmert unb frostig glimmt. Die Scholle hängt mit der Eiskante schräg ins Wasser. Stößt eine andere treibende Scholle daran, knirscht unb mahlt es gefährlich. Es ist klar, hier müffen sie die Nacht verbringen. „Wie spät ist es?" fragt Klaas mit sonderbar heller Stimme. Die reifet ein Streichholz an. Die Eiswand glitzert, sprüht und funkelt eine Sekunde lang auf. „Halb sechs." Langsam kriecht bie Kälte in bie Glieder. Don den Zehen geht es aus. Kälte unb Müdigkeit. Die denkt, daß irgendwo die Schollen aneinander treiben unb feftfrieren könnten. Sinnlos. Man kann bie Fahrrinne nicht sehen. Es ist zu gefährlich „Hast bu eine Taschenlampe?" Klaas, Maleen! Habt ihr eine Taschenlampe?" Keine Taschenlampe. Keine. „Ihr bürst nicht einschlafen. Klaas, bu schläfst ja schon!" „Nein", fagt ber Junge unb versucht erfolglos bie Augen zu öffnen. Der Sturm orgelt hoch unb schrill bahin. „Maleen?" Stille. „Maleen! Klaas, Maleen!" Stille. Die will ausspringen. Die Beine schlafen. Er packt mit ben Händen die Schuhe unb zieht sie heran. Die Knie schmerzen furchtbar beim Durchbiegen. Strecken. Biegen. Strecken. Schuhe unb Strümpfe aus, die Füße mit Schnee reiben. Es prickelt und zieht. Langsam kommt das Blut wieder in Gang, kommt die Wärme. Er rütelt die Schlafenden. Klaas wacht endlich auf. Er begreift nichts. Die ohrfeigt ihn. Er begreift langsam. Die brüllt Maleen in seine Dhren. Er begreift. Eine Stunde Arbeit. „Wenn ihr nach einmal einschlaft —" Die fällt nicht ein, was bann. Aber es ist nicht gut wach zu fein. Zwei Kilometer entfernt ... Ich habe ja meine kleine Flöte hier, fällt Die ein. Wenn ich spiele, sacken sie roieber ab. Klaas mufe spielen. Er kann nicht spielen. Er muß. Er spielt. Die tritt einen Takt mit ben Füßen, Maleen mufe ben Takt mittreten, Klaas stümpert Töne hervor. Auf einmal wirb es fo etwas ähnliches wie „Ihr Kinberlein, kommet". Die könnte ihm bie Flöte in ben Hals schlagen. Möglicherweise wirb bas Mädchen nun ober er halb zu meinen anfangen. „Maleen, fpiel bu!" Maleen spielt. Etwas kracht. Wirb eine Scholle gewesen sein. Wieber. Wieder. So kracht keine Scholle. Die steht auf. Die Beine sind schwer. Da war ein Die^andern kriechen hervor, zittern und stampfen mit den Füfeen. Still! Ein Klingeln vom Sturm zerrissen. Das kann nur ein Schiff gewesen fein. Wo geht es hin? Wir müssen ein Feuer anmachen , murmelt Die atemlos. Ein Streichholz. Aus. Noch eins. Die hat feinen Isländer ab gestreift. Die Wolle glimmt. Er schwenkt sie rund. Es gibt einen roten Kreis. Zurück!" fchreit Die unb packt bie Tornister. Da taucht ber groaltig hohe Bug des Dampfers auf, das erleuchtete Steuerhaus, die Laternen. Ein Mann erscheint undeutlich an der Reeling, verschwindet. Cs klingelt, die Maschinen stampfen, — vorüber. Die hat ben Jslänber fallen lassen. Wie kann er uns in bem Schneetreiben gesehen haben? Er wirb uns nicht gesehen haben. Maleen, Klaas. Er ist vorbei. Ein Nebelhorn brüllt auf Eine Stimme bröhnt. Halloh! Hee! Die schwenkt wie verrückt bie glimmende Wolle. Da ftrafjlt ein Scheinwerfer auf, tastet umher unb Höbet bie brei. Schneeflocken gleiten durch den Lichtkegel. Das Schiff rumort leise und reibt sich an der Eiskante. Geblendet kommen sie an Deck Ein Matrose bringt dampfende Gläser in die Kapitänskajuie. Es ist warm unb hell unb gut. „Aber", fagt Die und steht verwirrt auf, „aber wir müssen doch nach Heia." .Ja', sagt der Kapitän, „bat bauert man blaß zehn Minuten, bann sind wir wall ba." „In Heia?" „In Heia. Da sind wir ftatiomert Eigentlich hören wir nach Danzig. Bei Eis gehn wir man nur eben nach Heia und dann wieder raus. Sind viele Schiffe fest draußen in diesem Jahr Na, die wallen dach Weihnachtspakete haben." Maleen muß ein bißchen weinen var Freude. „Und wie heißt das Schiff?" q(|j|" ,','Ach", bringt Maleen Hervar, „das ist einmal ein Name für einen —" „Weihnachtsengel", sagt Ole schnell und weih nicht, ab er sich nun var dem Kapitän schämen muß. Da erhebt sich Maleen, schluchzt bei allem Lächeln nach einmal auf und gibt dem Kapitän in aller Oeffent- lichkett einen Kuß mitten aus den Bart. „Weil Sie dach ein Engel sind , sagt sie dazu. Und nun weiß der alte Walfischkapitän nicht, ob er sich schämen soll. ... , , „Och Gatt", sagt er und hebt sein Punschglas hach. Unter den Sternen. Ban Conrad Ferdinand Meyer. Wer in der Sanne kämpft, ein Sohn der Erde, und feurig geißelt das Gespann der Pferde, wer brünstig ringt nach seines Zieles Ferne, vom Staub umwölkt — wie glaubte der die Sterne? Dach das Gespann erlahmt, die Pfade dunkeln, Die ewigen Lichter fangen an zu funkeln, die heiligen Gesetze werden sichtbar. Das Kampfgeschrei verstummt. Der Tag ist richtbar. Gottsmann. Eine Geschichte von Hans Franke, Heilbronn. Nun sind es bald zwanzig Jahre, daß ich zu euch kam, Kameraden, ein kleiner schmächtiger Freiwilliger, und van euch die heilige Schule der Frontkameradschaft empfing. Wir waren mit dem ersten Schube der jungen Soldaten nicht herausgekommen, wir stampften voller Ungeduld aus dem Kasernenhofe, trollten uns durch die Straßen, und unsere Herzen barsten var Ungeduld, weil da draußen das hohe Lied des Krieges gesungen wurde und wir zurückbleiben mußten in einem lächerlichen Dienst, der uns pedantisch und oftmals geschraubt schien. Dann aber saßen auch wir in den Zügen und fuhren gen Flandern, in uns war die große Bereitschaft und die flammende Liebe, wir schwebten auf einer Brücke über dem Rhein und sangen die alten Lieder, nach denen wir marschiert waren und die nun einen viel höheren Sinn erfuhren, da wir dem Schicksal entgegendannerten. Noch war unsere Ungeduld zu zügeln, noch harrten Tage unser hinter der Front bei hartem männlichen Dienst, bei Märschen durch die flandrische Ebene, die sich dunstig und trüb, hell und glasklar entrollte, wo es nach Flachs roch und in kleinen Eftaminets ein saueres Bier geschenkt wurde. Und eines Tages war der Ersatz zusammcngestcllt, wir hatten alles, was wir für „vorne" brauchten und vieles Unnütze trugen wir dazu, es war eine schwere Last für die jungen Schultern, aber auch jetzt sangen wir, als wir die Straße von Menin nach Upern mit harten klirrenden Schritten traten und uns der Donner der Front immer näher rückte. Das Bataillon lag in einer kleinen von Büschen umschlossenen Ferme unweit Deimlingseck. Ich sehe noch, wie unser Zug auf das Kommando zögernd verhielt und wir zu denen spähten, die sich da in den Schuppen und Ställen, im WvhNhause und in den Wirtschaftsgebäuden ivohnlich eingerichtet hatten, deren Uniformen schon verstaubt und ausgelaugt schienen, rissig und geflickt, deren Stiefel nicht mehr nach dem Glanz des Appells fragten und deren Augen einen seltsamen Schimmer aus einer anderen Welt trugen. Als ich zu der Gruppe trat, die nun meine Lebensgemeinschaft fein sollte für lange Monate, da war ich befangen, ich mag ein wenig hilflos dagestanden haben in meinem viel zu weiten Rocke und mit meinem Zeug, das hvchgetürmt auf dem Tornister sich aufbeugte und mich schier zu erdrücken schien. Vielleicht hat auch einer der alten Leute gelacht. Aber da trat aus dem Dunkel des Stalles — denn die Gruppe lag im Schasftall, in dem Stroh geschüttet war und die Soldaten sich andere Beguemlichkeiten geschasst hatten — ein Mann aus uns zu, auf mich und die beiden anderen, die mit mir vorgetreten waren, gab mir die Hand und sah mir ins Gesicht. Da sah auch ich ihn an: und sah in jroei Helle große blaue Augen, die waren in einem regelmäßigen fast fdiöncn, männlichen Gesicht, sie waren warm und aus dem Herzen fehlen ein Zustrom in ihnen zu sein. Er warf ein leichtes Wort hin, half mir, wies mir den Platz und hockte sich bann neben mich, als wäre ich immer (ein Freunb gewesen. Cs war Goltsmann. Ein Mann aus bem Erzgebirge, wie alte biefe Soldaten von dort waren, Weber aus den großen Webereien um Aue, Holzarbeiter aus dem Walde, nicht die zerdrückten Menschen des sächsischen Industriegebietes, sondern kleine zähe Kerle, die noch nahe der Natur lebten und hart waren. Gottsmann zur Seite habe ich die schlimmen Tage überstanden, die über unser Regiment tarnen; unb ich weiß nicht, ob ich sie überstanden hätte, wenn nicht seine gute Hand wie die Hand eines Engels über mir geschwebt hätte. Längst war der Tornister nachgesehen und Unnötiges nach Hause gesandt worben, längst waren ble Erfahrungen bes Mannes bk bes Jünglings geworben, längst wußte ich bk Einschläge zu unter« scheiben unb bk zischenbe ober rottenbe Bahn ber Granaten, längst ging ich mit ber Hanbgranate um wie mit einem Kinberspielzeug: immer war er mein Lehrmeister, immer war er zur Hanb. Als wir bie Sprengungen bei Höhe 60 miterlebten, ba lag er neben mir, unb als eine Riefenfahne von Rauch unb Staub ben Weg bezeichnete, ben viele unserer Kameraben bem Tobe zu genommen hatten unb es ment Herz in grenzenlosem Jammer schier zerriß, ba fühlte ich seine Hanb aus meinem Unterarm unb ich meinte in seinen Armen... Woher hatte Goltsmann Tee, wenn keiner ihn hatte? Woher hatte er Essen, wenn j bie anberen noch warteten? wie kam er zu Schnaps? ich weiß es nicht. Mein Tisch war immer gebeckt, wir teilten alles unb gingen auch in den Baracken miteinanber burch bie Sonne, wenn es bk brei Ruhetage gab in ben hinteren Linien. Bor Hooge hatten wir schwere Tage. Es lagen bie ersten furchtbaren Trommelfeuer über unseren Linien, es gab tagelange Eingriffe unb bie ewigen Dualen mit ben wässerigen Gräben. Uebermübet von ber Last ] diejer Tage war ich gegen abenb auf meinem Posten eingefchlafen. Als 1 ich erwachte, lag ich in einem Unterftanb, ich war in zwei Mäntel ge« | wickelt, einer bavon gehörte Gottsmann, unb er selber ftanb brausten I auf meinem Posten in ber Kälte ber Nacht unb sah mit feinen großen | unermübiichen Augen in bas bämmrige Borfelb. I Als bie große Sprengung war, machten Gottsmann und ich die I erste Patrouille gegen den Trichter. Es war im frühen Morgengrauen,! unb bie Erregung zitterte in meinen Nerven. Wir schoben uns langsam 1 burchs Gelänbe: burch verfallene Gräben, Sappen unb Trichter, wir stießen an Draht unb Balken, wir verkrochen uns in bk Erbe, bie uns ihren mütterlichen Schutz so oft gegeben hatte. Rings schien alles still, boch bas Gehör bevölkerte diese Ruhe mit Geräuschen, das Gesicht sah im zerreißenden Nebel die Gestalten von Feinden, alles war gespenstisch angefüllt, war eine andere nicht mehr natürliche Welt. Wir hatten uns bis nahe an den Trichterrand vorgeschoben, denn es galt festzustellen, ob der Feind hier schon seine Arbeit ausgenommen hatte. Ich war |o | mit Bvrwärtsspähen beschäftigt, daß ich zu spät eines Geräusches in ' meinem Rücken achtete: eine englische Patrouille war uns in ben j Rücken gekommen, unb eben erhob sich ber eine ber Gegner, sich auf mich zu stürzen, als ihn bie Kugel Öottsmann noch im Fallen erhaschte unb nur ein Toter auf mich fiel, mich nach sich ziehenb in ben Schlamm der ausgeworfenen Erde. Nun fielen die Handgranaten hin und her, I schon tackten die Maschinengewehre, die Front wurde lebendig, mir I waren entdeckt, schlugen uns aber dennoch zum Graben zurück durch. Das erzählt sich sehr schnell, aber es lagen bange Minuten dazwi- I schen: schon war der Mvrgennebel gekommen, eine weiße wehende Wand stand zwischen uns und den eigenen Gräben, wir torkelten in diesem I milchigen Grau, das uns freilich gegen ben Feinb berfte, aber ich fühlte in mir bie Bangnis höchsteigen, ob benn in diesem höllischen Schwaben I ein Weg ins Freie führen könne, ba sah ich Gottsmann bie Nase heben, I er klemmte die Augen zusammen und schien wie ein Hund Witterung zu nehmen, seine Hand winkte kaum merkbar und mit untrüglicher Sicherheit kroch er durch das Vorfeld und landete genau dort, von wo wir gekommen waren und wo uns bie Kameraben fröhlich empfingen. Als wir im Graben ftanben, wollte ich Goltsmann banken, aber er zuckte nur leicht mit ben Schultern unb roanbte sich ab. Ich habe Goltsmann nur einmal weich gesehen. Das war wieder | auf einer Ferme. Wir hatten in Ruhe gelegen, es kam unerwartet Alarm, wir gingen vor, der Alarm erwies sich als unnötig, und lo verlebten wir zehn herrliche Tage, ohne Gefahren, ohne strengen Dienst, in einem wundervollen ganz unkriegerischen Nichtstun. Da geschah es. Es war Gewehrreinigen angesetzt, und mitten in unsere verhaltene Heiterkeit und unseren Gesang krachte ein Schuß: einer unserer Kameraden lag mit zerschossener Stirn auf dem Sande. Wir hatten viele schon sterben sehen, aber es ist immer ein anderes, dort in den Gräben dem Tod zu begegnen als nun hier mitten in unserer kleinen Freude Furchtbar tobte der „Alte", tobten die Unteroffiziere, es war ein Hin j und Her von Stimmen, aber sie alle machten den jungen Burschen nicht wieder lebendig, der durch Unvorsichtigkeit ober mit Absicht (bas hat keine Untersuchung je ergeben), ein Enbe gefunben hatte. Unser Alter, | ben wir alle sehr liebten, hat ihm bie Totenrebe gehalten: er machte es wunberschön, über uns ftanb nun schon ber sianbrische Frühsommer, unsere harten Herzen waren ganz weich, als ber Alte vom Opfer, von Vater unb Mutter, von Deutschlanb und Heimat redete, lind da sah ich, daß Goltsmann meinte! Hemmungslos ließ er die Tränen über die Wangen laufen, er wischte sie nicht fort! Was war auch der Pfarrer in der Kirche von Courtrai gegen den Allen, ber, wie wir wußten, ein Dichter war, unb ber nun hier unsere Herzen ergriff mit einem offenen freien männlichen guten Wort! Das rann burch unsere Seelen und machte sie weich unb für bas Fromme empfänglich. Ich schaute uerrounbert auf ben Kameraden, und erst am Abend erzählte er mir leise, daß I» fein Bruder im Sande gelegen habe, der aus dem eingestürzten Stollen eines Bergwerkes herausgehvll wurde, tot und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Damals hätte sein Vater auch gemeint ... Ich hatte über Goltsmann naeh Haufe geschrieben, und nun kam ab und zu ein Päckchen für ihn von meiner Mutter, es mar Tabak ober eine Wurst, er nahm es hin unb sagte kaum danke. 'Aber viel später erst follte ich erfahren, daß er hinter meinem Rücken an meine Eltern geschrieben halte und daß er ihnen gesagt Halle, ich sei ein guter Kamerad. Das mar Oottsmann! Nebenmann, Kamerad, Freund! Wir haben davon keine großen Worte gemacht, und als mir uns eines Tages die Hand zum Abschied gaben, da mußten wir nicht, daß wir uns nicht Wiedersehen würden, es war wie sonst beim Abfchieh, ein Druck ber Hanb, ein Blick in die Augen. Wir sind uns nicht mehr begegnet, das Schicksal trennte uns, bas große Schicksal, bem wir unterworfen finb mit unseren kleinen Wünschen. lieranttoptilicb: vr. tzansThyrivt. —Druck unbBerlag;Brühl'jcheUniversitäts-Buch- undSteinbruckere i. N. Lange,Gießen.