Hummer 4 Montag, den 15. Januar Jahrgang >934 Eichener ZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger_______ zu gehen." ab. junger Nichten." „Dies Adjutant ..Wen „Das „Ihre bitten!" ..Sie mißlang/ Park." ... ausge- Bild fanden wir auch bei ihm. Sire", sagt Napoleons totenbleich. stellt das Bild dar?" Mädchen, das ich liebe, Majestät. Amoure wird iebr betrübt fein, wenn Sie mich nicht wird nur betrübt sein, Majestät, daß mir meine Tat Es"u^ticf still im Saal. Lächelnd blickt Napoleon seine erstarrten Marschälle an. Er greift sich an die 'Sstiin. „Er Ut wahnsinnig". sagt Napoleon Die Marschälle nicken. Napoleon legt die Hände ans den Rucken, er macht einen Rundgang über das spiegelnde Parkett; als er zurückkommt, an staps vorbei, sragt er. ,Sind viele Geisteskrankheiten in Ihrer Familie? „Wir sind alle gesund, Majestät." Napoleon steht. „Warum wollten Sie mich ermorden? „Weil Sie die Ehrlichkeit auf der Erde zerstören. „Du bist ein Narr!" Ra?o?eon^bramst auf^Di^Art, in der Sie zu mir zu reden wagen, beweist Ihren Irrsinn!" Napoleon bezwingt sich. o ... „Habe ich Ihnen persönlich etwas Böses zugefugt? „Sie knechten Deutschland." „Wer hat Sie abgeschickt?" . Wie? Ich verstehe nicht, Ma,e,tat. Ich will wissen, wer Sie zum Mord angesttftet und dafür be- ÖÖ&Sr Mann hat ein schlechtes Stück über die Pucelle d'Orloans geschrieben.^ Majestät!" Napoleon preßte die Lip'mn aufeinander. Unruhig wühlte sein Blick in den kindlich unfd)uIbi(Tcn Verhafteten. Berwundert^sahen sich d,e Marschälle an; ein Offizier läuft aus dem Saal; Napoleon hat den Kopf gesenkt Er stemmt das E nn a^aen die Brust. In dusterem Sinnen, bei verschränkten Armen widert Napoleon über das Parkett Er steht, er dreht Nch. Mit verbissenem, wutverdunkeltem Blick mißt er von rückwärts die unfertige Gestalt des gefesselten Jünglings. Erschrocken, atemlos kämmt durch eine Seitenküre Napoleons Leibarzt gelaufen. '„Was steht zu Diensten. @ire?" Mrte. iun«.. $W. prüfend tritt Napoleon an die Gruppe heran. Corvisart hebt den 3»««« 8.W. >««<«»' beflS b7/eue"nich7'Mgjestgt. es ist Menschenpflicht. Sie zu verzählt hat." „Niemand, Majestät." „Das ist nicht wahr!" „Doch! Gott ist es. der mich abgeschickt hat! „So? .. Seit wann sind Sie in Wien?' ''iie* haRm "hier^ Verwandte, Freunde, Mitschuldige?" ^Jch kenne hier niemanden, Majestät. Ich bin hier zum ersten Male in meinem Leben." m „Wo haben Sie gewohnt? Notieren Sie, Rapp! „Ich saß die Nacht über auf einer Bank in einem ^Ich hatte mein ganzes Geld für das ... Messer geben, Majestät. Es war sehr teuer. „Sie sind Student?" „Ich bin Handlungsgehilfe, Majestät. Menschen sind nie so groß ... Von Gertrud Freiin von den Brinken. Menschen sind nie so groß, wie wir sie gewollt, wie die Legenden versunkener Kastelle erzählen. I , Unzerbrechlich aus schmalgegliedertem Gold schließt sich die Kette der Tage um alle Seelen. Einmal ein Jubel, ein Opfer, ein großer Schmerz ragt bis ins Unbewölkte über die Dörferlichter. Aber das Grau senkt sich lastend und wreienwarts über Schicksal und Schrei, um Schmiedegluten und Dichter. I Menschen sind nie so groß, wie wir sie geträumt, weil unser eignes Fahlscin ihr Wachstum nicht sonnte, weil, was von unserer Sehnsucht zu ihnen schäumt, I Schaum und nicht Quell ist, der Ebenen wassern konnte. Menschen wären viel größer, als wir sie gedacht, fänden in uns sie weiteres Reich zu erwandern. Aber von allen, die sterben in jeder Nacht, I stirbt ein jeder an uns, — stirbt ein jeder an einem andern. I Ein Deutscher 1809. Von Walter von Molo. .Ich verstehe diese Deutschen nicht", spricht Napoleon in der Wiener Hosburg zu seinen Marschällen Unstet, fragend flattert I Navoleons Blick in den verwunderten Gesichtern der Seinen. I rr\;e rr-rhe ist mir untertan ... nun", abbrechend schlagt Napoleon I mit der Reitgerte an seinen Stiefelschast. „Laßt den Burschen I kommen!" Ein General läuft zur Türe. „Champigny, Beseh end zeigt Napoleon mit der Reitgerte aus die besternte Brust Mines I Ministers Dieses Attentat kostet Österreich seinen Bestand! I Sie werden "jetzt die völlige Abtretung von Böhmen. Ungarn und Mähren verlangen! Haben Sic muh verstanden? „Sire! Oesterreich kann ohne Hinterland nicht leben. ^r>ie Durchführung meiner Pläne ist mir wichtiger! I "Sire verzeihen Sie, aber es ist meine Pflicht, Sie daran zu erinnern: die Abtretung Triests setzt das Land dem Hunger- ^^Der^ preußische Minister Stein steckt dahinter", sagt Napo- leon^als hätte er die ganze Zeit von nichts anderem gesprochen. ] !,Nur der Sifin! Weiß meine Polizei noch immer n.cht, wo der Er 'is^uns wieder entkommen, Sire; er muß neuerlich ge- hnrt SRriefe Petitionen und Berichte aus ganz Europa aufge- «SÄ »=«; L'°L'Schkn°'L"„K -BZWKUWM MMLM-MZ- auf; er liest und hört zu. „Sie heißen?" iSMSr&WM« SfÄSk* »->*«- «e M «ft &Ä 85$ ffi’ÄMÄ-«' «•» -• »on K«U-> - Napoleon wendet sich Lauerno, -„rückweichenden Mar- tückiich langsam trittcr an fern« und ge- ÜÄM?.‘SÄ1? -Ä."S Ä« ... R-I-»«.- ^,Warum sind Sie hierher gereist? „Wo?" „In Erfurt." — ,__ „ „Er verweigert jede Nahrung, Sire. ".Ich^ bin ^stärk genug, Majestät, um in den Tod Sie täuschen sich; der Geist hangt vom Magen Band »an T,°. Sofort! leons und der Niedergang Preußens haben die Entwicklung seiner Ideen und sein Bild vom Volk ebenso bestimmt wie sein persönliches Schicksal, das ihn, den Nachkommen erbuntertäniger Bauern und schwedischen Staatsbürger, mitten hinetnwarf in die geistigen und politischen Kämpfe seiner Zeit ... Seine Heimat Vorpommern war damals schwedisch. Arndt hat dieses Schweden, dessen König durch seinen Versuch einer „Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen" den Anstoß zur Aufhebung der Leibeigenschaft erhielt, während seiner Reisen von 1803 bis 1804 und später während seiner Flucht vor den Franzosen lieben gelernt und ihm auch, nachdem Vorpommern an Preußen gekommen war, seine Dankbarkeit bewahrt. Aber sein eigenstes Werk galt dem deutschen Volk und seine Sehnsucht der staatlichen Einigung der in Sprache und Kultur verbundenen deutschen Lande, bei der Preußens politisches Gewicht entscheidend sein mußte. War Arndts Laufbahn auch die eines Professors, eines Dichters und eines Publizisten, so ist er dem bäuerlichen Boden seiner Väter und seiner mythenbildenden Kraft doch stets verwachsen geblieben. Aus dem Bäuerlichen stammt auch seine Hinneigung zum Sinnfälligen im Reich des Geistes, zur Kunst und Volkskunde, seine Hinwendung zur germanischen Geschichte und seine Abneigung gegen die Philosophie mit ihren Abstraktionen, weil er fühlte, „daß neues Leben aus der messerscharfen Klarheit philosophischen Denkens nicht erwachsen kann, sondern gar wohl vor ihm zerfallen muß", wie P. H. Ruth in seinem nach Inhalt und Form ausgezeichneten Beitrag über Arndt im Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, ausführt. Goethe und Hölderlin wurden feine großen Bildner. Im Bereiche des Staates und der Politik sand er seine Führersehnsucht nicht erfüllt, trotzdem ihn mit fo kraftvollen Naturen wie mit dem Freiherrn von Stein ein tiefes Einverständnis verband, denn sein Bild des Helden verlangte „Napoleons elementare Naturkraft und die sittliche Größe der preußischen Führergestalten in einer Person." In seiner Einstellung zur Leibeigenschaft und zur Bauernbefreiung leitete ihn die Erkenntnis, daß die nationale Frage zugleich eine soziale Frage sei. Was seine Vorfahren sozusagen am eigenen Leibe verspürt hatten, vertiefte sich in ihm zu politischer Wirkung. Für ihn begann mit seiner Gegenwart, die er hellsichtig als Krise und Wende erlebte, die Epoche des „politischen Volkes", das in allen seinen Gliedern von dem bewußten Gefühl und Willen gemeinsamen Lebens beherrscht wird. Aus dieser Einsicht erwuchsen seine Gedanken über Wesen und Werden des Volkes, ja durch sie gehört er in die Reihe der großen Begründer einer deutschen Volkskunde. Der volle „Letb eines ganzen und fertigen Volkes", das für Arndt immer etwas Lebendiges und Menschliches ist, läßt sich nur „im großen Sinn der Geschichte" darstellen, deren Erfassung aber nicht aus den staatlichen Gesichtspunkt beschränkt Friedrich Nietzsches und Paul de Lagardes vernommen, i In dem gleichen Zusammenhang muß auch Ernst Moritz Arndts gedacht werden, wenn wir der Auffassung sind, daß eine Ve- ivegung von derart weitgehender politischer Gestaltungskraft nicht in einer kurzen Reihe von Jahren aus dem Boden. gestampft wird, sondern daß sie von vor langem aufgesprungenen und inzwischen vielleicht wieder verschütteten Quellen gespeist wird, und daß in ihr eine alte Sehnsucht ihr Recht begehrt. Nietzsche und Lagarde haben in einem Zeitabschnitt der deutschen Geschichte gelebt, in dem die Nation in satter Bequemlichkeit zu erschlaffen drohte, der dem nationalen Erlebnis gegenüber stumpf geworden und der sich die Bismarcksche Neichsgründung als das fdeale Endergebnis aneignete, weil es die Deutschen jedes quälenden Zweifels an der Gegenwart und jeder Sorge um die Zukunft enthob. Das soziale Gewissen der Bürger beruhigte sich eilfertig vor dem Trugbild eines beispiellosen Wirtschaftsaufschwunges und mußte darüber den geistigen Anspruch des aufkommenden vierten Standes verkennen. Nietzsche und Lagarde waren Warner einer Nation, die bereits den rechten Weg verfehlt zu haben schien,' sie hielten ihrer Gegenwart einen Spiegel vor, aus dem den Einsichtigen und Verantwortungsbewußten ein Zerrbild als zur Besinnung aufrufende Mahnung entgegentrat. — Ernst Moritz i Arndt aber stand am Beginn der nationalen Bewegung, die damals unter den Erschütterungen der napoleonischen Kriege und der preußischen Befreiung eine verheißungsvolle Kraft entfaltete, 1 er stand an der Wiege des Volkes, das die inneren Fefseln der absolutistischen Staatsführung und die äußeren des Korsen-Joches *n Einem Zuge abzuwerfen meinte und dem sich die glänzende ' deutsche Welt der Zukunft eröffnete. Inmitten dieser erwachenden Nation war Arndt Berater und Erzieher, wie er vorher ihr un- krmüblicher Künder gewesen war und sucht mit Leidenschaft und Umsicht nach dem besten Staat für ein „politisches Volk", das nicht aus dem Absolutismus berausgesührt werden sein sollte, um dem westlich liberalistischen Staat der französischen Revolution überantwortet zu werden. Arndts ganzes Fühlen, Denken und Han- deln kreiste nm diese eine Frage nach der Volkwerdnnq und nach dem besten Staat der Deutschen. Die europäischen Ereignisse, be- fonderv ine Unfähigkeit der regierenden Dynastien gegenüber der wie ei» Sturmwind über Europa Üabinbravsevd-'U Kraft Novo- Ernst Moritz Arndt. Der Baker der deutsche« Volksidee. Von Dr. Wilhelm Gemperle. Das Arndt-Haus in Bonn, wo der „Vater der Deutschen" die letzten Jahrzehnte seines werkreichen und politisch bewegten Lebens gewirkt hat, ist erst kürzlich in einer feierlichen Veranstaltung zu einem Mittelpunkt der geistigen Kräfte erklärt worden, die an Deutschlands volklicher Erneuerung verdienstvoll Anteif nehmen. Des öfteren haben wir in dieser Zeit, wenn von den Jdeenströmungen gesprochen wurde, die der nationalen Revolution in tieferem Sinne Wegbereiter geworden sind, die Namen bleiben darf, sondern als Volksgeschichte dem Wesen des Volkes in Sage, Mythos, Sitte und Brauch nachgehen muß. Volk und Geschichte beginnen erst mit der Sprache, die „Gesamtgeist" des Volkes tft; eine Feststellung, die gerade für das deutsche Volk, das als Ganzes allein noch von der Sprache einigend umschlossen wird, von großer Bedeutung werden sollte. Wie in der Vorgeschichte Landschaft, Klima und Rasse prägende Macht des Volkes find, so gehören in der weiteren Entwicklung Brauch und Sitte, Gesetz, Religion, Wissenschaft und Kunst dazu. Die Menge erscheint ihm als wesensnotwendiger Teil des Volkes, der in seiner Un- bewußtheit „Träger der göttlichen Urkräfte Einfalt, Wahrheit, Treue, Liebe und Frömmigkeit" ist, während ihm der „Pöbel" die entartete Menge, „das tausenöhälsige, tausendköpsige, tausendwillige Ungeheuer" ist, das keinem Gesetz mehr gehorchen will. Die Wiedergeburt des Volkes vollzieht sich erst aus dem Zusammenklang von Genius und Volk aus dem Geist,' beide stehen in ewiger Wechselwirkung. Wie das Volk der Großen bedarf, um zu sich selbst zu kommen, so brauchen die Genien das Volk, „denn kein Mensch, er sei noch so groß und gewaltig, ... wirkt als Herrscher und Feldherr, wenn seine Wtrkung nicht die lebendige Gestalt, ja selbst das allgemeine Gefühl des ganzen Volkes hat." Häufig scheinen diese Großen und Edlen, wie Hölderlin, weitab vom Leben des Volkes zu wirken, in Wahrheit aber erfüllt sich in ihrem einsamen Ringen das Schicksal ihres Volkes, denn sie sind die Hüter des Geistes, besten Fortgang sich nicht aufhalten läßt. Für den geistigen Menschen gibt es ebensowenig eine Rückkehr ins Unbewußte, „Einfältige und Unschuldige", weshalb Arndt jede Volkstümelei in tiefster Seele verhaßt war, wie die „geistige Unzucht" des bloßen Wissens und Wiffenwollens. Diefe Gedanken sind auch Arndts Ausgangspunkt für seine Vorstellung vom Staat, in dem erst das Volk seine volle Gestalt erreicht, denn in jedem Volk lebt ein dunkler Trieb, seinen Leib „ganz zu machen". „Der beste Staat", in dem sich das Leben des Volkes am freiesten und in der Bindung an die innerlich bejahte Gemeinschaft entfalten kann, kann naturgemäß nur ein deutscher Staat fein, weder der absolutistische Staat noch der Staat der französischen Revolution, die beide in ihrem Grundwesen eine maschinenhafte Ordnung und einen seelenlosen Mechanismus ohne Sinn für die geschichtlich gewordene Wirklichkeit schaffen. An Stelle öder Gleichmacherei wüste das fließende Leben des Volkes in einen Aufbau der Stände hineingeführt werden. Aus dieser Einstellung Arndts, für die freie Lebensentfaltung der Völker höchster Wert ist, ent- ivickelt sich seine Idee einer künftigen Völker- und Staatenorö- nung, die er als Gleichgewicht freier Volksstaaten sieht. Im Kampf um die staatliche Einheit Deutschlands war ihm die Sprache stets das einigende Band im Gegensatz zu aller nur staatlich und dynastisch denkenden Politik. „Die Zeit ist nicht mehr in Europa, wo ein gebildetes Volk zehn oder fünfzehn Varbarenvölker un^r- jochen und an Sprache und Sitten sich gleichmachen könnte. Wir sind alle gebildet und stolz auf unsere Künste und Erfindungen, auf Napoleons Antlitz ist gelb, verfallen,' trüb, glasig ist fern Blick. Die Gardisten schließen die Türen. „Da habt ihr den nordischen Iakobintsmus!" schreit Napoleon außer sich. „Ihr habt nur immer opponiert, wenn ich von den geistigen Epidemien sprach! Da sind siel Der Wahnsinn bricht ans! Dagegen kann ich mich nicht halten! Das ist selbstloser Haß! Das ist tödlicher Haß! Ein Kind, ein Pastorensohn, ein Krämer", spricht Napoleon tief erregt, „das Ereignis ist ein ganz außerordentliches ..." Napoleon „Was würden Sie tun, wenn ich Sie ohne Entschuldigung par- f donnierte?" Die Marschälle sehen sich mit großen, nicht verstehen- den Augen an. , , „Ich würde die nächste Gelegenheit suchen müffen, Majestät, Führt ^ihn ab! Ein württembergtsches Peloton erschießt ihn! starrt vor sich hin. „Majestät! Die Militärrevolten waren doch viel gefährlicher? „Was wißt ihr von der Riesenkraft einer fixen Idee? Das Ereignis ist ein ganz außerordentliches! Ihr versteht das nicht! Ich komme diesem Irrsinn mit Kanonenschüssen nicht bei; es fängt zu züngeln an! Ich muß kämpfen, ununterbrochen kämpfen, damit sie mich fürchten, der Kampf aber schafft Hatz? . . Das wird eine gefährliche Sekte! Kein Mensch hat die Kraft, ein Gewehr Tag und Nacht ewig in Anschlag zu halten ..." Eine Salve krachte im Schlotzhof; General Rapp tritt ein. „Die Jnstisikation hat stattgehabt, Sire!" „Hatte der junge Herr wohl rechte ... Angst?" „Er blieb standhaft bis zum Ende, Sire." „Sprach er noch etwas ... von Bedeutung?" „Die üblichen Phrasen, Sire!" Was?" "Es lebe die Freiheit, Sire, rief er. Es lebe ... Deutschland ... Tod dem Tyrannen! Sire, rief er." „Champigny, der Frieden mit Oesterreich mutz bis zum Abend geschlossen fein!" „Welcher Friede, Sire? Soll also Oesterreich vernichtet werden?" „Wollt ihr, daß ich statt der Regimenter die Völker gegen mich habe? Kennen Sie nicht mehr den alten Traktat? Dieser muh bis zum Abend unterzeichnet sein, sonst sind Sie Herzog gewesen! In der Kriegsentschädigung gebe ich auch nach! Vis zum Abend, sonst sind Sie Herzog gewesen!" Unter dem betretenen Schweigen der Seinen schreitet Napoleon verkrampft in sein Kabinett. unsere Sprache und Wissenschaft. Wir sind zu stolz, als daß wir uns vergessen könnten/' Das war Ernst Moritz Arndts Auffassung von europäischer Politik. Der Wiener Kongreß mit seinem Rückfall in den Ländcrschacher der Kabinette und die bald einsetzende Reaktion, die ihn 1820 revolutionärer Umtriebe beschuldigte und seiner Stellung enthob, waren große Enttäuschungen Aber sie haben seinen Geist nicht beugen und seinen Willen nicht schwächen können,- er ahnte, daß das wahre, von ihm ersehnte Reich im 10-Jahrhundert kaum Verwirklichung finden würde. Und doch half er in felsenfestem Glauben jenes verborgene Deutschland begründen, das erst viel später zum Licht durchgestoßen ist und das seines großen Vaters jetzt in Dankbarkeit gedenkt. Berühmte Hunde. Von Carry Brachvogel. Der Senior aller berühmten Hunde war eine anatomische Anomalie und hätte sich daher tn einer Schaubude bequem seinen täglichen Hundekuchen und seinem Herrn nicht nur Brot, sondern auch Butter darauf verdienen können. Er besaß nämlich drei Köpfe, gehörte jedoch einem mächtigen Fürsten und hatte es also nicht nötig, sich durch Schaustellung zu ernähren. Dafür war sein Dienst aber auch nicht leicht, denn er mußte das Reich der Schatten bewachen und Schatten sich schwerer zu behüten als Menschen. Ich brauche nicht erst zu sagen, daß dieser Hund Cerberus hieß und daß seine Hütte im Hades lag. Von Charakter scheint er ein wenig perfid gewesen zu sein, denn er schmeichelte jedem, der neu ankam, verschlang ihn aber kurzerhand, wenn er Fluchtversuche machte. Er war offenbar ein glänzender Portier, nur durch rüde Manieren für einen modernen Betrieb nicht geeignet. Immerhin scheint sein Innenleben tief gewesen zu sein. Denn als er von Herkules an die Oberwelt gebracht, zum erstenmal das Tageslicht erblickte, da befiel ihn Uebelkeit und Erbrechen: aus dem Geifer aber, den er von sich gab, sproßte die schöne Blume des Eisenhutes. Woraus man sehen kann, daß er trotz seines wüsten Gebells und Benehmens eine sinnige Natur mit gärtnerischen Neigungen gewesen ist. * Zeitlich ihm am nächsten, an seelischen Eigenschaften ihm aber weit überlegen ist ein armer, vernachlässigter alter Hund und dennoch der „Treueste der Treuen". Treuer jedenfalls als Menschen, denn er erkennt als einziger den nach langen Irrfahrten heimgekehrten Herrn und bezeigt ihm seine Freude, so gut es seine geschwächten Kräfte erlauben: „Argos, welchen vordem der leidengeübte Odysseus selber erzog,- allein er schillte zur heiligen Troja, eh er seiner genoß. Ihn fuyrten Jünglinge vormals immer auf wilde Ziegen und flüchtige Hasen und Rehe,- aber jetzt, da sein Herr entfernt war, lag er verachtet auf dem großen Haufen vom Miste der Säue und Rinder. Hier lag Argos, der Hund, vom Ungeziefer zerfressen, dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte, wedelte zwar mit dem Schwanz und senkte die Ohren herunter, aber er war zu schwach, sich seinem Herrn zu nähern." Nur Hundebesitzer werden begreifen, daß Odysseus beim Anblick des treuen, verwilderten Tieres heimlich weinte, und er wird sich sein Teil denken, wenn nun Eumäos, der göttliche Sauhirt, anhebt, entschwundene Eigenschaften des Viersüßlers zu preisen: „Trieb er ein Wildbret auf im dichtverwachsenen Waldtal, nimmer entfloh es ihm, denn er war auch ein weiblicher Spürhund. Aber nun liegt er im Elend hier, denn fern von der Heimat starb sein Herr und die Weiber, die Faulen, versäumen ihn gänzlich. Das ist die Art der Bedienten: sobald ihr Herr sie nicht antreibt, werden sie träge zum Guten und gehen nicht gern an die Arbeit." Gewiß, die zahlreichen Mägde im Hause Odysseus hätten die Pflicht gehabt, sich um den braven Argos zu kümmern, aber daß Eumäos sich so entrüstet gebärdet?! Hätte er nicht selbst einmal Hand anlegen und den armen Argos ordentlich säubern und flöhen können! Das hätte seiner Würde als Sauhirt gar nicht geschadet. * Aus der Mythologie springt in fröhlichen Sätzen ein prachtvoller Hund in die vorchristliche Zeit Athens hinein. Die ganze Stadt kennt und liebt ihn ob seiner Schönheit — den Hund desAlctbiades. So teuer ist der den Athenern wie sein Herr, den sie, je nachdem er seinem Vaterlande dient oder es verrät, vergöttern oder verbannen. Herrlich ist aber auch das Tier und das prachtvollste an ihm ist sein Schweif. Buschig fegt er die Erde und wenn das Tier schläfrig auf den Marmorstufen des Palastes liegt und in der Sonne blinzelt, dann fließt dieser Prachtschweif wie das üppige Haar einer Barbarin über den weißen Marmor... Doch, o Schreck! Was ist das? Die Athener sehen es, müssen es glauben und weigern sich doch den eigenen Augen zu trauen. Eines Tages ist der Prachtschwanz fort, „kupiert". Mit einem armseligen Stümpchen läuft das verschandelte Tier über Athens Oromcnaden und ihm zur Seite schreitet frohgemut, als wäre nichts Ungeheuerliches geschehen, Herr Alcibiades ... Alles, was einen Hund hat, hatte oder haben möchte, diskutiert erregt die Frage: „Warum hat Alcibiades seinen Hund, beziehungsweise dessen Schweif gestutzt?" Er aber entgegnet auf alle Fragen milde: „Ich wollte den Athenern Gesprächsstoff geben, damit sie nichts Schlimmeres über mich reden." Der kupierte Schweif sollte also gewissermaßen „Blitzableiter sein,- Alcibiades wollte den Athenern die Mäuler stopfen! Fraglich ist, ob er diesen Zweck erreichte. Anzunehmen ist vielmehr, baß sic nun erst recht klatschten. Jedenfalls, von einem reinen Gewissen des Alcibiades zeugt diese Hundeschweisgeschichte nicht * Jahrhunderte sind hinabgesunken, Athens Marmorpracht zerfallen, vom Halbmond erobert. Andere Götter beherrschten die Welt. Weit oben im Norden, wo zur Zeit des Alcibiades nichts war als Sumpf und Urwald, wurde einer der Menschen geboren, die künftighin das Schicksal dieser modernen Welt bestimmen werden. Hätte der nicht eben einen siebenjährigen Krieg gewonnen, so würde ihn vielleicht ein Hofpoet „Vulkan und Mars in einer Person" nennen, Waffenschmied und Kriegsherrn zugleich. Doch er hat den Krieg gewonnen, und eine große Koalition bekreuzt sich schaudernd, wenn sie seinen Namen hört oder nennen muß. „Preußen" sagen die einen, „Friedrich" die anderen, aber sie meinen das Gleiche. Ja, dies Land, dieser König, sind Vulkan und Mars in einer Person, wenn auch Friedrich in Sanssouci Flöte bläst und zierliche französische Verse drechselt. Um ihn her springt und tänzelt das helle Windspiel „Biche" Sie teilt das Leben des großen Einsamen, aber da sie Talent zur Eifersucht gehabt hat, ist sie ihres Hundelebens doch nicht ganz froh geworden. Dame Biche wird nach ihrem Tod ehrenvoll in Sanssouci bestattet, als wäre sie ein Mensch. Leider aber soll ihre Grabstätte nicht die einzige bleiben. Dicht neben ihr liegen „Alcide" und „Lidora" und noch manch andere ... Und jede hat gleich Biche ihren Grabstein mit ihrem Namen darauf!" * Das alte Weimar tut sich auf, die beneidete Stadt, allwo auf jedem Pflasterstein unsichtbar ein berühmter Name eingelassen ist. In dieser Stadt der Musen, der klassischen Tradition, vertreibt ein Hund, ein wirklicher vierbeiniger Hund, einen Theaterleiter von seinem Posten und dieser Theaterleiter ist niemand anders als Exzellenz Goethe. „Der Hund des Aubry" das Lustspiel von Kotzebue, hat diese Demission erreicht. Auf der Bühne, über die der Großen Gestalten weihevoll gewandelt waren, sollte in diesem Stück ein Hund buchstäblich eine Rolle spielen! Goethe wollte zwar „nein" sagen, doch auch im alten Weimar machte man der Tagesmode und dem Kassenrapport Konzessionen und zürnend wich der Olympier dem Hunde und legte sein Amt als Intendant nieder. Auch hat Goethe kein allgemeines Anathema gegen den mimisch begabten Hund ausdrücken wollen. Dem Hundegeschlecht hat er sogar eine glänzende Revanche für den beanstandeten „Hund des „Aubry" gegeben, indem er einem der ihren eine wesentliche Rolle schrieb, dem Pudel im „Faust". * Nun naht sich mit tiefem Gebell ein Sohn neuerer Zeit. Auch er hat sich sein Ouentchen Berühmtheit erobert. Barry hieß er,- von Rasse Bernhardiner, verbrachte er seine Tage auf dem Hospiz der frommen Brüder auf dem St. Bernhard. Es war die Zeit, da nicht auf jeden Berggipfel eine Bahn führte, und Wintersport ein unbekanntes, eine Jtalicnreise ein seltenes Ding war. Wer vor oder nach den Sommertagen über den St. Bernhard ober einen ähnlichen Schneepaß mußte, konnte von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut ihn üöerwand und die Brüder vom St. Bernhard schlugen schützend das Kreuz über das Gefährt, das solche Fahrt wagen wollte. Um Wanderern, die erschöpft am Wege lieqen blieben und so dem Tode durch Erfrieren entgegen gingen, Rettung zu bringen, rüsteten die Mönche große Hunde aus, deren Instinkt das hilflose menschliche Wesen auffand. Um den Hals trugen diele wackeren Vierbeiner ein Tönnchen mit belebendem Getränk, über den Rücken war eine Decke geschnallt, die der Erstarrte aus dem Weg zum Hospiz umnehmen konnte. Viele solcher braven Hunde wurden ausgesandt, aber keiner bewährte sich so wie oben Barry. Der Siernenbaum. Roman von Friedrich Schnack. lFortsetzung.) sNachdruck verboten.) Juppi, das weihnachtslose Weihnachtskind, harrte unter dem Gestirnwipsel, im Glanz der überirdischen Baumkrone, in der die seligen Geister gleich Vögel nisteten. Er wußte es. Unsichtbar aber, zu oberst auf der Spitze, waltete der Erzengel und hob sein Antlitz. Die weihnachtliche Weise entperlte seinem Mund. Nicht auszusinnen war, wie lieblich sie klang, der alle lauschten, die Seelen, die abgeschiedenen Geister und seine verstorbenen Eltern mit ihnen. Sie alle freuten sich daran ... Während Juppi noch aufblickte zum Weltenwipfel, hörte er im Bauernhaus die Stubentür klappen und Flunk durch den Flur schlurfen. Die Feier da drin war zu Ende. Der Unbescherte, Ungeladene huschte in die Scheuer, seine Kindergestalt verging einsam im Dunkeln. Der Baterfreund. Eines Morgens im Januar war Juppi nicht von seinem Heubett heruntergekommen. Wiederholt hatte Flunk nach ihm gerufen, und war endlich, als Juppi keine Anstalten machte, seinem Weckruf zu folgen, hinaufgcstiegen, hatte den Säumigen herausgcschleift und wie einen Gerstensack auf den Boden hinplumpsen lassen. Juppi stöhnte, er rührte sich nicht. Krumm und steif lag er. Flunk gab ihm Fußtritte. „Aufstehn!" krächzte er militärisch. „Mistvieh! Beim hellichten Tag liegt der Kerl noch auf der faulen Haut. Dir will ich Beine machen." Aber er rüttelte den Jungen ohne Erfolg. Juppi ließ das ) knurrte er, bedeckte Juppi mit der Decke nachüber ihrer Die frohlockte die Mein Waldfink gequält-träumerische . Der Schrank fährt Er schluchzte jäh und seiner Heimkehr selbst in die Apotheke brinaen wollte, damit moraen srühzeitia die Arznei abholen könne. Und moraen mittaa käme er wieder. Er ging. Stunt, mit der Laterne leuchtend, brachte Mn den halben Bern abwärts. Die Fieberglut beimpfte sich. Die Maad war wieder zu Küchenarbeit hinausaeeilt Juppi laa mit. offenen Augen Packung löschte das innere Feuer. Anfatmend sann er und schaute mit glasalänziaem Blick einer wunderbaren Erscheinung tm». Seine von der Wirklichkeit abaelösten Einfalle flimmerten, Wen hatte er nur gesebn? Die Gestalt war zerflossen Das Zimmer schien leer, niemand da, nur ein paar unruhig wankende, fließende Möbel: ein breitbrüitiaer Schrank, der sich vor Mm aufgestellt batte, ein Tisch, der ihn schief und flach ansah, ein Stuhl mit mer Spinnenbeinen und einer emporschwlnaenden Lehne . . Aber er hatte aanz bestimmt jemand nmhraenornnten Nacharubeknd starrte er aeaen die Wand, wo ein Bild hin- und herßhankelte, links, rechts, links, rechts machte es in einem fort ... Merkwur- diaes Bild. Auch die Möbel taten so. Er mußte sich wundern. Verantwortlich: Dr. Haus Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'fche Univerf itätS-Vuch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. (5t ftll&tC, fÜfjltC tlÜCf). 91 fff frnnf csihin wie A-eaefeuer ... Den hat s etroiicyt. tranir 'JS nÄ " murmelte Juppi. „Laß mich ... Krank ... Zum Lachen war es. (Fortsetzung felgt.) „Taufend Sterne auf^bem H?nbwagen'.".. Werkzeugkasten /'Er schluchzte jäh und börte ebenso iäb bamit auf. „Golbene Stuhle bei ber J)sdte ... Was er nur immer mit feinen Möbeln hat, dachte: die Magd. Sie warf noch einen Blick auf «hu, dann rannte sie wieder in die Küche Flunk war noch nicht zuruck Wie dunkel es schon war, völlige Nacht. Gottlob, es schneite nicht. Nach dem Essen, gerade schlug es acht, kroch ein Licht die Höhe herauf. Zwei Männer traten in das kalte Schneeglimmen: Flunk eine Laterne schwenkend, und neben ihm ber Herr Bezirksarzt im Pelzkragen An ber Haustür stampfte er bte Stiefel auf unb ben »«'" Ä« »=«'. -««« «■ -M- -I-"» sunben würbe ich ihn nicht machen. Bis zum Bauch geht einem ber Schnee. Man hat zu würgen. Wo liegt ber Bub? Sie führten ihn in bie Stube. Um ihn roaltefe große stille. Gemächlich legte er feine Pelzmütze ab, z"»a ben Mantel aus. »ein weißer Bart reichte ihm aus bie Brust. Während er ei^n kurz- prüfenben Blick auf ben Kranken warf, nahm er feine Brille ab unb putzte sie. Dann rieb er sich am Ofen bte Hanbe warm. „Das ist ja ber kleine Hofschaffer", meinte er. Sa der Jup ..." sagte ber Knecht, der finsteren Gesichts an berTttr bei ber Magd geblieben war. Die Brillenglafer siinkelten wieder vor ben Augen bes Arztes, er maß Fieber, zahlte ben Puls, Ungereifte Mütterlichkeit rührte sich tu Bärb,- gleich einer marianischen Schneerose entblühte sie lind ihrem Herzen. Mit der Besorgnis einer Krankenschwester neigte sie sich über das/Bett, inuitfite den Atemzügen, ihre Arbettshände strichen behutsam, säst innig die Kisten glatt und kämmten das angeklebte Strnwelhaar ans Juppts Stirn. Da^nn^legte^sie ihm einen Umschlag auf, ehe sie ihn allein ließ. Dann und wann aber unterbrc^ sie ihre Hausarbeit, um wieder wich ihm zu sehn und den Umschlag zu erneuern. Sie wartete mit gespanntem Sinn auf die Ankunft des Arztes Der wurde be, dem hoben Schnee keinen leichten Weg zum Einsamerhof haben. Gegen Abend stieg das Fieber, und Juppi lallte abermals. Die dürre Gestalt der Magd erzitterte. Aus der schwachbeleuchteten Stube drangen ihr wirre Flüsterworte entgegen, über dem.Mund des Kranken schien ein Fieberwind röchelnd zu wirvetn uno Kindergeheimnisse auszustreun. «wirbel- „Die Fichte ... das Nußbaumgeslcht ... mit einem Zwirver ^Wa?Ä ein kranker Mensch alles in seinem Innern hat. Wie ein Topf auf dem Feuer kocht das Herz über. Und man kann den ^ö^Da^tat Juppi die Lider weit ans, blaue Glutblitze auf den Arzt richtend. „Lieber Gott..." stammelte er. „Wenn ich der liebe Gott wäre", brummte ber Arzt. 'Irippe!" 'sagte ber Bezirksarzt. „Vierzig Grab Fieber. Starke (SiiüüC ** , Ein verwischter Kinberspruch leierte über Juppis Lippen. Vater...!" rief er angstvoll unb versinkend Der Bezirksarzt legte ihm bie Hand auf: bie Baterhand be- K^Kleine Schreie sproßten in Juppi auf. Seufzend entwehten sie seinem Mund, bann verbichieten sie sich zu brennenben Geister- roOr$)k Möbel gehn fort .. bie Stühle verschwinben ..." Er schlug um sich, kämpfte gegen Nebelgestalten unb wollte bie Zudecke von seinem Körper reißen. Flunk hielt ihm die Hande fest. Juppis Leib bog sich krampfhaft. Dicke Schweißtropfen perlten von der Stirn und verdampften, ehe sie noch über das Gesicht geronnen WCl*$ie Uhr ... Vater, die Uhr! Fort ..." .Jesus Christus!" ries die Magd und bekreuzigte sich hastig. „Er"phantasiert, sein Gehirn wird schwarz, er redet irr ... Juppis Gesichte brachen auf, von der Fieberwelle angeschwemmt. „Ein Bauernmädchen ... hat die Lampe geholt, oh... heulte er bumpf, von Schluchzen bnrchfchüttert. „Der liebe Gott .. feiert Weihnachten .. " Ein Glanz ber Verzücktheit überflog jetzt feine geröteten Wangen. „Die Engel ... seh ich " Knecht unb Magb starrten sich erschreckt unb ratlos an. Das Mäbchen verfärbte sich. „Du. bas ist schlimm", hauchte sie. „Er stirbt ..." „Die Engel fingen ..." klang es unterbrückt, jnbelnb mit Schattenlauten. _.. _ „Du meine Güte!" bangte Bärb, bte Hanbe vor Kummer zu- sammenschlaaenb. „Er hört schon bte Engel fingen!" „Sie spielen ... auf ... meiner Harmonika ... Namenlose Seligkeit breitete sich auf feinem Gesicht gleich einem Gegenschein ber Himmel. Flunk rannte mit ben Worten hinaus: „Den Doktor, ben Dok- t o x f) o I t cf) i ** Der Kranke verstummte, rasselnd ging sein Atem Der Knecht riß draußen int Hof den Hörnerschlitten aus dem Schuppen, er machte sich fertig zur Abfahrt, holte feine dicke Joppe, wickelte den Wollschal um ben Hals, zerrte ben Schlitten bis zum Abhang, wo sich unter bem hohen Pulverschnee ber vermutete Weg binabneigte unb stieß ab. In einer glitzernben Kristallstaubwolke fuhr er Nach geraumer Zeit erschien bie Bäuerin. Sie faßte Juppis Hand unb tastete ihm bie Schläfen ab. Etwas Hitze meinte sie. Das hätte man halt bavon, wenn man in feiner Gutmütigkeit bie ungesunde Brut fremder Leute bei sich aufnehme. Zu aller Müb unb Plage auch noch Kosten. Eigentlich wäre er bester bei feinem Vormund, dem Herrn Gemeindevor- ftanb, krank geworden. Gerade bei ihnen müsse er sich legen, als ob man ein Krankenhaus hätte. „Ich versorg ihn schon", wagte die Magd zu bemerken. „Auf meiner letzten Stellung hab ich auch ..." Die Bäuerin schnitt ihr die Rede ab. „Freilich, Krankenschwester spielen!" schalt sie. ..Wir haben Arbeit genug ..." Mißgelaunt fchlua sie beim Hinausgebn bie Tür hinter sich zu. Bärb horchte betroffen auf die sich entfernenden Schritte. Sie knirschten hart im Schnee. 6 ®rtppe. Hab mtr's schon gedacht", sagte er. „Im ganzen Wald läuft die Grippe um, als ob sie einer mit einem Blaferohr h'N^'N- gepuftet hätte Freilich auf ber Brust ist bas Burschen auch nicht recht fest: er bat halt eine Hofschafferbrust ... Das Fieber mutz beruntergebriieft werben. Er muß Wickel haben, lauwarme. Hanb- tücher her unb eine Schüssel mit Wasser!" Bärb brachte eilenbs bas Verlangte. Der Arzt machte bem Kranken eine Packung unb wickelte ibn fest,tu eene Pferdedecke. Er gab feine Anordnungen unb schrieb auch ein Rezept, bas er bei fnifin in die Avotbeke brinaen wollte, bamit man 'a$Jtne fünfte Regung erfüllte den Knecht. So plötzlich meldete sie sich daß sie ilm mtt ihrem Drang verwirrte Er fluch/e leis und Sieber roeggeftorben war. Als er Juppis Stirn anruhrie, suhlte er blitzarell das glühende Brudergencht. . „Du ..." sagte er betroffen, unb es klang wie Frage unb An- IUUnbtCbann kniete er nieder nahm ben Kranken hoch unb trug ihn vom Heuboden in feine Stube. Dort tippte er bie